Teneriffa 2012 – Tag 14

Gipfelstürmer

Als der 14. Tag für mich anbricht ist es 6:30. Ich beeile mich so gut es geht und bin um kurz vor 7h auf der Autobahn. Mein Ziel ist die Seilbahn die hier auf den schönen Namen „Teleferico“ hört. Dort will ich mich mit meinem facebook-Freund Aschraf treffen und ihn endlich im „richtigen Leben“ kennenlernen. Als ich die Mondlandschaft des “ Parque National del Teide“ in etwa 2200 Metern erreiche geht gerade die Sonne auf. Der zierlichen Wolkenstreifen am Himmel leuchten in zartem Rosa und über der Kraterwand der Canadas del Teide wird es langsam hell. Ich halte kurz an und montiere meine kleine GoPro HD HERO 1080 an das hintere linke Seitenfenster. Nachdem sie gestartet ist und ich mich versichert habe, dass sie auch gerade ausgerichtet ist, geht es weiter um Fuße des höchsten Berges der Spanier. Ein paar Minuten später treffe ich dort und. Es ist jetzt etwa 8:30 und ich bin der erste Besucher. Schnell ist das Auto geparkt, ich springe wie elektrisiert heraus, reiße den Kofferraum auf und baue in Windeseile mein kleines Video-Stativ auf. Die GoPro wird provisorisch auf eine kleine Mauer gelegt und so filmen zwei Kameras diesen kostenlose tägliche Naturschauspiel. Mit der Nikon D800E mache ich schnell ein paar Fotos und bin überrascht, dass das ganze Schauspiel nur einige wenige Minuten dauert.

Nikon D800E - Sunrise - Tenerife - Teneriffa

Danach ist es hell und die Sonne scheint mir fröhlich ins Gesicht. Die ersten Mitarbeiter am Teleferico sind schon bei ihrer täglichen ersten Testfahrt. Während ich mir das Schauspiel ansehe treffen nach und nach die Mitarbeiter ein. Etwa 25 Menschen scheinen hier Tag für Tag zu arbeiten. Aus einem Kleinbus steigen etliche Frauen aus und schleppen Kisten mit frischem Salat, Obst und Gemüse heran. Wenig später trudeln dann auch die ersten Touristen ein. Es ist eine Gruppe junger Spanier. Sie sind gut ausgerüstet, haben Wanderstöcke und kontrollieren am Auto nochmals ihre Ausrüstung. Sie packen Getränke und ein paar kleine Snacks ein. Dann gesellen sie sich zu mir dazu. Aschraf ist inzwischen auch eingetrudelt. Gemeinsam warten wir darauf eintreten zu dürfen. An der Kasse darf ich für 33,- Euro das erste Ticket des Tages lösen – Yeah! Aschraf löst Ticket Nr. 2 und wenige Minuten später geht es schon mit der Seilbahn den Berg hinauf. Als wir oben eintreffen steht dort eine Gruppe Wanderer die wahrscheinlich in der kleinen Hütte unterhalb des Gipfels übernachtet hat, um sich den grandiosen Sonnenaufgang über Gran Canaria in luftiger Höhe anzuschauen. Sie wirken schlapp und müde und es sieht aus als würden sie sich sehr auf die Abfahrt freuen.

Nikon D800E - Sunrise - Tenerife - Teneriffa

Aschraf und ich sind heute die ersten beiden Touristen die bergauf gefahren sind. Ich selbst war eine Weile nicht mehr hier oben und mir ist nicht ganz klar ob wir links oder rechts herum müssen. Wir entscheiden uns für links und trödeln quatschend den Weg hinauf. Die Aussicht ist grandios und wir verharren um den Augenblick zu genießen, da ruft uns von unten einer der Teleferico-Mitarbeiter zurück. Wir sind auf dem Weg zum Gipfel und ohne Genehmigung dürfen wir dort nicht hinauf. Die Genehmigung bekommt man inzwischen auch via Internet, das ist in den letzten Jahren alles viel einfacher geworden. Aber wir haben leider keine Exemplar dieses magischen Passierscheines. Ich bin ein wenig zerknirscht, hätten wir nicht so getrödelt, wir wären schon fast oben gewesen und niemand hätte uns zurück gepfiffen. So müssen wir uns wie erwartet mit der kleinen Fotorunde begnügen. Schade eigentlich, aber rein fotografisch gesehen durchaus wertvoll.

Wir laufen also zurück zur Station der Seilbahn und dann auf der gegenüberliegenden Seite in Richtung Westen. Von dort führt uns ein gut ausgebauter Wanderweg bergabwärts bis zu einem famosen Aussichtspunkt. Dort war ich bereits in den Jahren zuvor und es ist immer wieder atemberaubend. Heute ist es recht klar und wir können La Palma, La Gomera und El Hierro sehen. Vor uns liegt der Krater des jüngsten Vulkanes der Insel, der Pico Viejo. Sein Krater hat einen Durchmesser von ca. 800 Metern und ist etwas 250 Meter tief. Ehrfürchtig halten wir Inne und beschließen einige Höhenmeter in Richtung Pico Viejo abzusteigen. Hier ist der Weg deutlich anspruchsvoller, es ist mehr Krakseln als Wandern. Wir haben keine Wanderstöcke dabei und suchen mit den Händen Halt an den großen schwarzen Lavabrocken. Doch diese sind scharfkantig und rau, ein paar Handschuhe wären jetzt nicht verkehrt. Nach einer Weile müssen wir einsehen, dass wir mit unseren schweren Kamerarucksäcken besser nicht noch weiter absteigen sollten. Der Pico Viejo sieht aus als sei er zum Greifen nahe, aber es sind noch etwas 400 Höhenmeter die uns von der Kante des Kraterrandes trennen.  Und dieser Krater ist wirklich gewaltig, auch wenn er aus luftiger Höhe recht „unscheinbar“ wirkt!

An einer etwas breiteren Stelle halten wir an und bringen unsere Kameras in Stellung.

Der Dunst über den Inseln wird langsam stärker. Ich entschließe mich den IR-72 Infrarotfilter einzusetzen. Damit erhalte ich zwar nur Schwarz-Weiss-Bilder, aber dieser Filter sieht praktisch durch den Dunst hindurch. Wolken vermag er nicht zu durchdringen, aber leichter Dunst verschwindet wie von Geisterhand. Während ich Bild um Bild knipse, experimentiert Aschraf auch mit einem IR-Filter. Er ist mit den Ergebnissen eher unzufrieden. Allerdings hat seine Canon keinen Infrarot-Sperrfilter eingebaut. Er kann also im Live-View Modus auf dem Display sehr schön sehen was die Kamera fotografieren würde. Aber es ist alles dunkelrot und sehr kontrastarm. Ich gebe ihm den Tipp die Kamera in den Schwarz-Weiss-Modus zu bringen, einen Rot-Filter zu simulieren und den Kontrast so weit wie möglich zu steigern. Danach zeigt seine Canon im Live-View ein recht realistisches Bild dessen was die Kamera letztlich in den RAW-Bildern aufzeichnen wird.

Teneriffa - Nikon D800E - Infrared - Infrarot - Tenerife

Als wir unsere Session beendet haben machen wir uns auf den Rückweg zur Seilbahn. Ich habe morgens nur einen Schluck Wasser getrunken und bin dann recht überstürzt zum Auto gehastet. Weil mich der Sonnenaufgang so fasziniert hat habe ich vergessen etwas zu trinken und zu essen vom Kofferraum meines Autos in meinen Fotorucksack umzupacken. Das rächt sich jetzt. Hungrig und durstig kämpfe ich mich mit dem schweren Rucksack und zwei Stativen durch die scharfkantigen Lava-Brocken den Berg hinauf. Alle paar Meter muss ich stehen bleiben weil ich kaum noch Luft bekomme. Ich bin total überrascht, auf dem Hinweg war alles noch ganz cool und jetzt das? Ich fühle mich schlapp und entkräftet, aber nach einer kurzen Pause geht es wieder weiter. Mit der Zeit werden Pausen länger und die Intervalle kürzer. Obwohl es nur noch ein paar hundert Meter bis zur Seilbahn sind scheint sie mir in weiter Ferne zu sein. Während ich nach Luft ringe kommt mir eine ältere Dame entgegen, schaut mich grinsend an und sagt „Are you a smoker?“ Nein bin ich nicht, meine erste und letzte Zigarette habe ich mit 14 gequalmt. Nach meinem ersten Lungenzug war es mir furchtbar übel und ich habe es bleiben lassen. Gott sei dank!!

Als wir nach echt langer Zeit endlich an der Seilbahn angekommen ist mir schwindelig und übel. Ich kann mich nur mit Mühe auf den Beinen halten und bin froh auf einem von der Sonne durchgewärmten Mauervorsprung ausruhen zu können. Aschraf geht mal schauen ob es nicht etwas zu Trinken oder zu Essen gibt. Aber einen Kiosk gibt es hier oben nicht, hier ist jeder für sich selbst verantwortlich. Alle haben etwas zu Essen und zu trinken dabei, nur wir zwei nicht. Statt dessen habe ich fünf Objektive, mehrere Speicherkarten, eine Videokamera und zwei Stative im Gepäck. All das ist gerade eher eine Belastung als eine Hilfe.

Mir fällt auf wie mich einer der Teleferico-Mitarbeiter mustert. Er hat eine Basball-Kappe auf, trägt eine große Sonnenbrille und hat weite Teile seines Gesichts hinter einem Halstuch verborgen. Er arbeitet hier Tag für Tag und er wird wissen warum. Einige Augenblicke später läuft ein junges Paar an mir vorbei. Sie trägt Schuhe die diesen Namen eigentlich nicht verdienen, es sieht aus als könnte sie damit Ballett tanzen. Dazu eine kurze Hose die aussieht als wären ihr knapp unter dem Schritt die Hosenbeine abgerissen worden. Wenn mir nicht schon schwindelig wäre, das wäre der Moment dafür 🙂

Als dieses junge Mädchen dann plötzlich in sich zusammen sackt ist der Teleferico-Mitarbeiter sofort zu Stelle. Sie wird flach hingelegt und jemand hält ihre nackten Beine mit den Schuhen die keine sind in die Höhe. Wenig später liegt sie halb ohnmächtig in der Kabine der Seilbahn. Eingewickelt in eine Decke wird sie in wenigen Minuten etwa 1.400 Meter weit „abgeseilt“. Ich selbst warte inzwischen sehnsüchtig darauf ihr folgen zu dürfen. Da kommt auch schon die zweite Kabine oben an. Sie ist jetzt also unten. Schnell rein in die Kabine und da geht es auch schon los. Ich muss mich festhalten um nicht umzukippen. Als wir wenige Minuten später unten auf 2.250 Metern eintreffen geht es mir schon etwas besser. Wir gehen rüber zum Restaurant und ich bin froh als ich an einem freien Tische einen Sitzplatz finde. Aschraf rettet mich kurz darauf mit einer frischen kalten Cola, einer leckeren Kanarischen Banane und dem wunderbarsten Kuchen den ich seit langem gegessen habe. Schnell geht es mir wieder besser und wir beginnen über die Vor- und Nachteile des Nikon- sowie des Canon-Kamerasystems zu philosophieren. Wenn ich das kann, und das kann ich gut, dann geht es mir definitiv wieder besser 🙂

Nach etwa einer Stunde bin ich wieder hergestellt und wir beschließen zu den „Los Roques“ zu fahren. Es ist nicht weit, wir können sie von der unteren Station der Seilbahn aus sehen. Dort machen wir eine kleine Wanderung und sind immer wieder erstaunt wie genial hier oben das Licht ist und was diese Landschaft aus geologischer wie fotografischer Sicht für ihre Besucher bereit hält.

Pico del Teide Sunset - Los Roques

Um etwa 17h müssen Aschraf und ich uns dann leider verabschieden. Ich fahre zurück zum Hotel, dank der freien Straßen treffe ich schon um 18h dort ein.

Während der introvertierten Fahrt den Berg hinab lasse ich den Tag Revue passieren. Fotografisch gesehen war alles bestens, aber wir konnten es nicht richtig ausnutzen weil mir die Puste ausgegangen ist. Es war fahrlässig und dumm ohne Getränke und etwas zu Essen dort hinaufzufahren. Alles in allem habe ich meinem Körper am Morgen in etwa 2h einen Unterschied von fast 3.800 Höhenmetern zugemutet. Das alles ohne Essen mit viel zu schwerer Fotoausrüstung, das musste schief gehen. Beim nächsten Mal nehme ich weniger Gepäck mit und habe bestimmt ein paar Müsli-Riegel und das eine oder andere zuckerhaltige Erfrischungsgetränk dabei.

Hier zum Vergleich noch ein „normales“ Foto ganz ohne Infrarot-Filter. Man sieht sehr deutlich den Dunst der die anderen Inseln umschließt. Vergleicht man dieses Bild mit der Infrarot-Variante, so ist diese sichtbar klarer und akzentuierter. 

Nikon D800E - Sunrise - Tenerife - Teneriffa

Zurück am Hotel ist Sandra recht entspannt. Sie hat wieder einen schönen Tag in Puerto de la Cruz verbracht. Gemeinsam fahren wir rüber zum Monasterio und gönnen uns ein leckeres Abendessen. Ich habe das Gefühl, dass ich nach diesem Tag Energie brauche und esse ein saftiges Filet-Steak. Das kommt jetzt echt gut, dazu ein Bier und ich bin reif für die Nacht. Später im Hotel werden dann auch nur schnell die Bilder des Tages auf die neue externe Festplatte gesichert. Danach geht es recht früh ins Bett. Dieser Berg da oben hat mich heute echt fertig gemacht. Man wird nicht jünger, das habe ich heute wieder einmal bemerkt.

Nikon D800E - Nikon AF-S 2.8/24-70mm

Nikon D800E - Nikon AF-S 2.8/24-70mm

Teneriffa 2012 – Tag 13

Best Canarian Sunset (ever)

Die Tage hier auf Teneriffa sind gezählt. Nicht mehr lang und das fiese nasskalte deutsche Schmuddelwetter hat uns zurück. Die letzten Stunden sind damit umso wertvoller und heute wollen wir es uns so richtig schön machen.

Canarian Sunset - Nikon D800E - Tenerife - Teneriffa

Nach dem Frühstück geht es in Richtung Westen zum niedlichen Örtchen Garachico. Dort waren wir schon oft und Sandra liebt diesen wunderbaren kleinen Ort. Unter einem Strohdach mit Blick auf das Meer und die Naturschwimmbäder gibt es Seezunge auf „Kanarische Art“. Das heißt, dass die Seezunge in roter Mojo-Sauce und Gemüse serviert wird. Dazu gibt es die typischen in Meerwasser gekochten kleinen Schrumpel-Kartoffeln – ein Göttermahl. Wäre da nicht direkt vor uns dieses unmögliche deutsche Pärchen. Sie bemühen sich nicht einmal die jungen adretten Kellner auf Spanisch zu begrüßen. Statt dessen texten sie die jungen Männer auf Deutsch zu und mischen ein paar deplatzierte Vokabeln darunter welche sie der englischen Sprache zu entnehmen glauben. Nichts ist richtig wie es ist. Immer wenn der Keller neben ihm steht versucht er witzig zu sein und tätschelt den linken Unterarm des Kellners. Er ringt sich Sätze raus wie „You are a jokey man!“ Der Kellner versteht gar nichts und versucht auch diesen überspannten Gast professionell zu bedienen. Der Weißwein ist zu warm, sie bestellen sich Eiswürfel. Der Kellner versteht nicht was sie wollen. Da versucht sie zu übersetzen: „Ice on the rocks“ – keine Ahnung was sie sich dabei gedacht hat, aber Kellner scheint verstanden zu haben und kurze Zeit später steht ein Glas mit einer Zange und einigen Eiswürfeln auf dem Tisch.

Dann wird ihre Seezunge serviert. Sie ist auf einer ovalen Platte angerichtet, das passt ihnen nicht, es geht wieder los, sie versuchen zwei Teller zu bestellen. Als die Teller auf dem Tisch sind will er frischen Pfeffer. Der Kellner kennt das Wort „Pfeffer“ nicht. Daraufhin macht er eine Handbewegung die ein wenig daran erinnert als würde er mit einer Pfeffermühle hantieren. Der Kellner versteht diesen Brauch nicht, es ist hier auch höchst unüblich. „Boah eh der Fisch ist ja voll trocken…“ Nun schmeckt es ihnen nicht. Er trinkt Weißwein mit Eis und im Wechsel eine Pepsi. Dann ein Stück Seezunge, viel zu trocken… Als die Teller leer sind fragt der Kellner ob es ihnen geschmeckt hat. „No, es war nicht so gut, but that is our problem…“ Der Kellner versteht nur Bahnhof, dann ordert der Typ einen weiteren Liter Weißwein und einen Espresso. Der Kellner kennt versteht wieder nichts. Der Typ zeigt mit dem Finger auf die Eichmakierung der Weinkaraffe. Ok, er nickt und bringt eine neue Karaffe und gleich ein Glas mit Eiswürfeln dazu. Irgendwann kommt die nächste Karaffe die beiden haben jetzt den dritten Stuhl herangezogen, die Schuhe ausgezogen und ihre Käsefüße auf dem freien Stuhl gebettet. Nun beginnt er seine Zunge tief in ihren Hals zu stecken. Sandra kriegt langsam die Krise und ist kurz davor ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Aber wird sind im Gegensatz zu diesem Typen gut erzogen, ordern auf Spanisch die Rechnung, geben ein großzügiges Trinkgeld und sagen dem wirklich souveränen jungen Kellner, dass es uns ganz ausgezeichnet geschmeckt hat. Er lächelt und verabschiedet uns bevor er sich wieder seinem „Traumpärchen“ widmet.

Sandra schnappt sich eine warme Jacke, ihren Rucksack und ihren Kindle. Während ich mich auf den Weg zum westlichsten Zipfel der Insel mache hängt sie ihre Füße in eines der Meerwasserbecken, fotografiert Krebse, geht spazieren und genießt den Tag. Auf dem Weg zum Punta de Teno zeigt das Thermometer in meinem Mietwagen zunächst 32°C, das Auto hat eine Weile in der Sonne gestanden.

Canarian Sunset - Nikon D800E - Tenerife - Teneriffa

Als ich am Punta de Teno eintreffe zeigt es noch lässige 25°C, so kann man es aushalten. Ich packe meine Sachen und will gerade los als ein Wanderer auf mich zukommt und sich etwas in den Bart murmelt das Spanisch klingt. „Mi no habla esganol, do you speak englisch?“ „Yes I do!“ Der Akzent kommt mir bekannt vor „Where are you from?“ Er entgegnet: „I‘m from germany!“ Ich: „Na prima, dann können wir auch Deutsch sprechen…“ Nach einer kurzen Runde Smalltalk geht es den Berg hinauf. Als ich fast an meinem Fotospot bin fällt mir auf, dass ich mein Portemonnaie mit fast 1.000 Euro Bargeld und mein Telefon auf dem Beifahrersitz vergessen habe. Ich lasse die beiden Stative mit samt Nikon D800E und Panasonic  Videokamera neben meinem Rucksack zurück und haste schnell den Berg hinab zum Auto. Dort angekommen greife ich mir schnell das Handy und meine Geldbörse und laufe den Berg wieder hinauf. Ich bin nass geschwitzt und aus dem Augenwinkel kann ich sehen, dass ich für den Sonnenuntergang schon fast zu spät bin. Einige Meter unterhalb der Stelle an der ich vor wenigen Minuten meine gesamte Fotoausrüstung abgestellt habe stehen plötzlich mitten in der Einöde zwischen den Kakteen zwei Wanderer. „Hallo Hallo“ entgegne ich und sie sagen „Sind das Ihre Kameras!“ „Ja das sind sie!“ „Oh schade, wir hatten uns gerade schon überlegt, dass wir sie mitnehmen könnten. Das wird dann ja wohl nichts!“ „Nein, die muss ich leider behalten :-)“ Die beiden grinsen und machen sich an den Abstieg.

Ich bin zwar noch nicht an der Stelle die ich mir eigentlich ausgeguckt habe, aber wenn ich jetzt noch dorthin laufe, habe ich das Schauspiel verpasst. Also stelle ich die Video-Kamera auf, aktiviere den Zeitraffer mit einem Intervall von 1s und krabble mit der D800E mehreren Objektiven und dem großen Stativ den Berg hinauf. Etwa einhundert Höhenmeter weiter oben ist der Blick auf den Leuchtturm und La Gomera fast grenzenlos gut. Die Kamera wird aufgestellt und die Show beginnt. Der Spiegel klappert und ich knipse Bild um Bild. Irgendwann fällt mir auf, dass die Videosequenzen die ich zwischen den Fotos mit der D800E aufnehme etwas flackern. Das liegt daran, dass die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl aktiviert ist. Also aktiviere ich die „Manuelle Belichtungseinstellung“, nun ändert die D800E während sie filmt weder Zeit, noch Blende oder ISO-Empfindlichkeit. Das ist super, so sollte man es eigentlich IMMER machen. Nichts sieht blöder aus als wenn eine Video-Sequenz einen Helligkeitssprung hat weil der Belichtungsmesser „denkt“ mal wieder etwas arbeiten zu müssen.

Canarian Sunset - Nikon D800E - Tenerife - Teneriffa

Nach der kurzen Videosequenz fotografiere ich einige Belichtungsreichen. Erst sehr spät stelle ich fest, dass eigentlich nur das letzte Bild der Serien korrekt belichtet ist, alles andere ist viel zu dunkel. Was ist jetzt los? Die Antwort ist schnell gefunden, ich habe vergessen von M auf A zurückzustellen. Das ist ärgerlich, aber der beste Teil der Show bricht gerade erst an. Also klappere ich wieder mit dem Spiegel. Alles ist gut, bis ich wieder eine kurze Videosequenz aufnehme. Schnell von A nach M wechseln, so geht das hin und her und ich vergesse im Eifer des Gefechtes mal wieder den Wechsel was erneut zu 16 total unterbelichteten Fotos führt. Mir geht durch den Kopf, dass ich das in meinem Testvideo zur D800E unbedingt erwähnen sollte.

Es ist schon eine geniale Kamera die vieles ganz toll und echt geschickt macht. Wie sie automatisch das Display beleuchtet während man Sterne fotografiert und es ausschaltet sobald der Verschluss geöffnet ist und viele andere sehr gut durchdachte nette Kleinigkeiten, das ist schon schick. Was aber echt stört ist, dass man beim Wechsel von Photo zu Video die gleichen Einstellungen verwendet. Das sollte man trennen können, möglichst „vollautomatisch“. Eine Einstellung für Video und eine für Fotos, das wäre perfekt. Erst gestern habe ich einige Bilder mit Infrarotfilter gemacht und zum Zwecke der Kontrolle die D800E in den Schwarz-Weiß-Modus gebracht. So kann man sehr gut abschätzen wie das Ergebnis der RAW-Konvertierung aussehen wird. Sind die Schwarz-Weiß-Bilder auf dem Display gruselig, so wird man auch mit einer  aufwändigen RAW-Konvertierung eine tollen Infrarot-Bilder erstellen können. Unmittelbar nach den Infrarot-Fotos habe ich einige Videosequenzen gefilmt und Ihr könnt es Euch schon denken, die sind jetzt in Schwarz-Weiß! Ok, sie sehen schon gut aus, mit simuliertem Rot-Filter und krassen Kontrasten, das ist schon ok, aber es ist nicht das was ich mir gedacht habe. Und wegen des hellen Umgebungslichts ist es mir beim Filmen nicht aufgefallen. Sind die Farben beim Filmen erst einmal weg, so sind sie weg und kommen auch nicht wieder zurück. Mir war es egal, es waren nur ein paar Sekunden, aber es könnte auch mal schwer ins Auge gehen!

Canarian Sunset - Nikon D800E - Tenerife - Teneriffa

Wer mit der D800E filmt sollte unbedingt auch bedenken, dass Einstellungen wie Farbsättigung, Schärfe, Active-Delithing usw. auch auf die Videos und umgekehrt auf die Fotos angewendet werden! Wer wie ich ich grundsätzlich im RAW-Modus fotografiert, den wird das nicht weiter schocken, denn diese ganzen Einstellungen sind bei Fotos reversibel, können also jederzeit wieder geändert werden, es sind eben RAW-Bilder! Bei Videos ist das anders. Was hier mit falschen Einstellungen gefilmt wird kann später nur mit sehr großen Einschränkungen modifiziert werden. Hier würde ich mir für die Nikon D900 eine Erweiterung der Software wünschen!

Als die Show vorbei ist packe ich meine Kamera ein und mache mich auf den Rückweg. Dabei leistet mir auf dem steilen Weg zwischen losem Geröll meine kleine LED-Taschenlampe erneut wirklich gute Dienste. Dieses kleine Ding ist einfach großartig! Und ich finde nach kurzer Suche in der Dunkelheit sogar meine Videokamera – Yeah! Bei der Suche bin ich froh, dass ich ihre Stelle auf dem kleinen Weg markiert habe. So war es wirklich einfach sie auf dem Rückweg „aufzuspüren“. Später im Hotel muss ich dann leider feststellen, dass sie im Zeitraffermodus den schönsten Teil der Show nicht aufgezeichnet hat weil die Batterie nicht mehr genug Energie liefern konnte. Das ist schade aber keine Katastrophe, denn ich hatte das schon befürchtet und habe daher mit der D800E die kleinen Videosequenzen aufgezeichnet. Merke: Wenn man mit einer Videokamera unterwegs ist sollte man immer einen zweiten Akku dabei haben! Ich hatte einen schönen großen voll geladenen zweiten Akku dabei, leider in meinem Rucksack und nicht in der Kamera 😦

Canarian Sunset - Nikon D800E - Tenerife - Teneriffa

Ich mache mich auf den Rückweg. Als ich Sandra anrufen will muss ich feststellen, dass es hier keinen Handy-Empfang gibt. Als ich Sandra dann gut gelaunt einsammeln kann bin ich sehr froh, dass sie auch einen netten Nachmittag in Garachico verbracht hat.

Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein kleines Abendessen im Monasterio in Los Realejos und sind später im Hotel wirklich froh, dass wir noch etwas auf dem Sofa abhängen können. Was für eine schöne Reise!

Morgen werde ich versuchen mich halbwegs früh aus dem Bett zu quälen und pünktlich zur Öffnung der Seilbahn oben am Pico del Teide zu sein. Dort will ich mich mit Ashraf aus München treffen. Wir kennen uns via Facebook und wollen hier mal synchron mit den Spiegel klappern. Die Fotos dazu bekommt Ihr dann morgen zu sehen. Gute Nacht 🙂

Teneriffa 2012 – Tag 12

Fotosession in der Geisterstadt

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Es ist noch gar nicht lange her als ich bei www.fotocommunity.de einige Fotos einer Geisterstadt auf Teneriffa gefunden habe. Die Location schien wirklich cool zu sein und ich trage nun schon seit vielen Monaten den Wunsch mit mir herum, diese Geisterstadt mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber was hat es mit dieser Geisterstadt auf sich?

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Als ich in den 60er Jahren das Licht der Welt erblickte wusste ich noch nicht wie froh ich sein durfte, dass meine Mutter während sie mit mir schwanger war keine Medikamente eingenommen hat. Bei tausenden anderer Menschen in meinem Alter sah das anders aus. Da gab es ein Medikament der Grünenthal GmbH, das besonders gut verträglich sein sollte und rezeptfrei in den Apotheken erhältlich war. Viele schwangere Frauen nahmen es gegen die morgendliche Übelkeit sowie Unruhe und Schlafstörungen ein und brachten einige Monate später schwer missgebildete Kinder zur Welt. Menschen bei denen mitunter die Hände ohne Arme direkt oben an den Schultern angewachsen waren. Viele leben bis heute mit diesen schweren Behinderungen und haben bedingt durch ihre Behinderung andere Krankheiten bekommen. Oft sind es schwere Rückenbeschwerden. Das Medikament hieß „Contergan“ und der Rechtsstreit der aus diesem ersten großen Medikamentenskandal der Menschheitsgeschichte hervorging, zog sich über viele Jahrzehnte hin.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Eine Weile nach dem Skandal gab es den Arzt Dr. Jacob Sheskin der sich in Jerusalem um Menschen gekümmert hat die an der Lepra erkrankt waren. Heute kennen wir dieses Krankheit nicht mehr, aber als sie noch auf dieser Erde gewütet hat wurden die Menschen die an Lepra erkrankt waren isoliert. Eine anderen Chance hatte man nicht. Dort wo sie nicht auf eine einsame Insel verbannt werden konnten wurden Lager erreichtet in denen die Kranken bis zu ihrem Tode isoliert wurden. Eine Chance auf Heilung gab es nicht. Dann kam der Tag an dem eben jener Dr. Shesekin einer an Lepra erkrankten Frau aus Restbeständen Contergan verabreichte damit sie besser schlafen konnte. Einige Zeit später musste dieser Arzt dann feststellen, dass sich die Lepra-Symptome seiner Patientin zurück gebildet hatten. Ein neues hochwirksames Mittel gegen Lepra war gefunden und es begann die Renaissance des Contergan Wirkstoffes Thalidomid. In Europa hatte es schwer gewütet und war die Ursache für tausende fehlgebildeter Babies. In Jerusalem, Indien und vielen anderen Ländern half es nun die Lepra zu bekämpfen. Wirklich ausgerottet ist die Lepra indes noch nicht. Man kann sie heute mit einem Aufwand von etwa 20 Euro heilen. Aber selbst diese 20 Euro haben viele der erkrankten Menschen nicht und sterben an einer Krankheit, die unsere Kinder wahrscheinlich nicht einmal mehr vom Hören und Sagen kennen.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Die Entdeckung von Dr. Sheskin leitete den Untergang der Lepra-Station im Süden Teneriffas ein. Nachdem die letzten Kranken verstorben oder geheilt waren wurde die Station geschlossen und dem Verfall preisgegeben.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Als dann in den 70er Jahren eine Welle von Flugzeugentführungen und Geiselnahmen die Welt in Atem hielt, übten die auf Teneriffa stationierten Soldaten auf dem Gelände der verlassenen Lepra-Station für den Ernstfall. Sie übten die Befreiung von Geiseln mit Waffengewalt.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Diese Geisterstadt kann also auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Am Vorabend habe ich mit meiner Freundin Sandra abgesprochen, dass ich heute dorthin fahren will. Sie ist nicht böse, denn so kann sie sich wieder einmal einen Tag in Puerto de la Cruz vergnügen. Mittlerweile scheint ihre diese recht ursprüngliche Stadt sehr gut zu gefallen. Besonders der alte Stadtkern und die Promenade haben es ihr angetan.

Da ich das Morgenlicht in der Geisterstadt ohnehin nicht mehr schaffe, lassen wir es beim Frühstück langsam angehen. Als ich endlich losfahre ist es schon 11h. Die Sonne scheint, dass es eine wahre Freude ist. Das Thermometer in meinem gemieteten Opel Astra zeigt satte 27°C, so kann man es am 20. Dezember aushalten! Als ich nach etwa 60 Minuten Fahrzeit an der Geisterstadt die Autobahn verlasse, zeigt das Thermometer sogar 29°C. Am Eingang zur Geisterstadt staune ich nicht schlecht als ich einen Ford Fiesta antreffe aus dem gerade fünf Junge Männer in Tarnanzügen mit Waffen und Helmen aussteigen. Sie haben GoPro Kameras an den Helmen und ihre Gewehre sehen aus wie die Waffen die man bei der neuen „Modesportart“ Paintball benutzt. Sie haben gute Laune, grüßen mich und machen sich dann auf zu ihrem großen „Abenteuerspielplatz“…

D800E_5765_BW_1000px

Ich packe unterdessen meine Sachen zusammen und los geht der Spaß. Die Gebäude der alten Station sind von den Übungen der Soldaten schwer gezeichnet. Überall sind Einschuss- und vielfach sogar Durchschuss-Löcher in den Wänden zu sehen. Die Gebäude sind zu weiten Teilen betoniert und gemauert, daher trotzen sie seit vielen Jahren den Winden die unmittelbar am Meer oftmals nicht zu verachten sind.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Von der Station kann ich ins Gebirge schauen und der Pico del Teide thront majestätisch über des Szenerie. Ich mache einige Fotos mit Polfilter und versuche mich auch mal mit dem Nikon AF-D 80-400mm Telezoom in Verbindung mit dem Infrarotfilter (HAMA IR20). Aber in der Infrarotfotografie liegt der korrekte Fokuspunkt etwas anders. Früher hatten alle Objektive einen roten Punkt. Man hatte zuerst manuell fokussiert, dann auf das Objektiv geschaut und dann den eingestellten Wert bis zu eben diesem „roten Punkt“ weitergedreht. Das war einfach und leicht zu verstehen. Heute ist das alles anders. Heute verwenden viele Fotografen moderne Objektive mit eingebauten Ultraschall-Motoren die das Autofokussystem steuern. Einen richtigen „Endanschlag“ für „Unendlich“ gibt es nicht mehr und den roten Punkt für alle die gern mit Infrarot-Filtern fotografieren wollen, den gibt es eben auch nicht mehr. Man muss also bei den digitalen Spiegelreflexkameras den korrekten Fokuspunkt ein wenig abschätzen oder Testbilder machen bis man ihn gefunden hat. Bei Objektiven mit extrem kurzer Brennweite ist das fast egal, sobald man sie um zwei Stufen abblenden kann ist auch mit einem Infrarot-Filter alles scharf. Bei einem 400mm Teleobjektiv ist das aber etwas anderes. Hier zählt wirklich jeder Millimeter bei der Fokussierung.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Und da die Sonne scheint wie verrückt kann ich auf dem Display meiner Nikon D800E fast nichts erkennen. An die Überprüfung ob meine Bilder korrekt scharf sind ist gar nicht zu denken. Später werde ich dann auch feststellen, dass fast alles was ich mit dem Teleobjektiv und aufgeschraubtem Infrarot-Filter fotografiert habe nicht brauchbar ist, schade!

D800E_5831_1000px

Während der Tag voranschreitet genieße ich die Sonne und erforsche die vielen alten Gebäude. Überall liegt Schutt und Dreck herum. Fast keine Wand ist ohne Graffitis und in einigen Gebäuden liegen alte Matratzen und es stehen halb volle Wasserflaschen herum. Es sieht so aus als hätten die einige Obdachlose kampiert.

Fotosession in der Geisterstadt    Es ist noch gar nicht lange her als ich bei www.fotocommunity.de einige Fotos einer Geisterstadt auf Teneriffa gefunden habe. Die Location schien wirklich cool zu sein und ich trage nun schon seit vielen Monaten den Wunsch mit mir herum, diese Geisterstadt mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber was hat es mit dieser Geisterstadt auf sich?    Als ich in den 60er Jahren das Licht der Welt erblickte wusste ich noch nicht wie froh ich sein durfte, dass meine Mutter während sie mit mir schwanger war keine Medikamente eingenommen hat. Bei tausenden anderer Menschen in meinem Alter sah das anders aus. Da gab es ein Medikament der Grünenthal GmbH, das besonders gut verträglich sein sollte und rezeptfrei in den Apotheken erhältlich war. Viele schwangere Frauen nahmen es gegen die morgendliche Übelkeit sowie Unruhe und Schlafstörungen ein und brachten einige Monate später schwer missgebildete Kinder zur Welt. Menschen bei denen die Hände ohne Arme direkt oben an den Schultern angewachsen waren. Viele leben bis heute mit diesen schweren Behinderungen und haben bedingt durch ihre Behinderung andere Krankheiten bekommen. Oft sind es schwere Rückenbeschwerden. Das Medikament hiess „Contergan“ und der Rechtsstreit der aus diesem ersten großen Medikamentenskandal der Menschheitsgeschichte hervorging, zog sich über viele Jahrzehnte hin.    Eine Weile nach dem Skandal gab es den Arzt Dr. Jacob Sheskin der sich in Jerusalem um Menschen gekümmert hat die an der Lepra erkrankt waren. Heute kennen wir dieses Krankheit nicht mehr, aber als sie noch auf dieser Erde gewütet hat wurden die Menschen die an Lepra erkrankt waren isoliert. Eine anderen Chance hatte man nicht. Dort wo sie nicht auf eine einsame Insel verbannt werden konnten wurden Lager erreichtet in denen die Kranken bis zu ihrem Tode isoliert wurden. Eine Chance auf Heilung gab es nicht. Dann kam der Tag an dem eben jener Dr. Shesekin einer an Lepra erkrankten Frau aus Restbeständen Contergan verabreichte damit sie besser schlafen konnte. Einige Zeit später musste dieser Arzt dann feststellen, dass sich die Lepra-Symptome seiner Patientin zurück gebildet hatten. Ein neues hochwirksames Mittel gegen Lepra war gefunden und es begann die Renaissance des Contergan Wirkstoffes Thalidomid. In Europa hatte es schwer gewütet und war die Ursache für tausende fehlgebildeter Babies. In Jerusalem, Indien und vielen anderen Ländern half es nun die Lepra zu bekämpfen. Wirklich ausgerottet ist die Lepra indes noch nicht. Man kann sie heute mit einem Aufwand von etwa 20 Euro heilen. Aber selbst diese 20 Euro haben viele der erkrankten Menschen nicht und sterben an einer Krankheit die unsere Kinder wahrscheinlich nicht einmal mehr vom Hören und Sagen kennen.    Die Entdeckung von Dr. Sheskin leitete den Untergang der Lepra-Station im Süden Teneriffas ein. Nachdem die letzten Kranken verstorben oder geheilt waren wurde die Station geschlossen und dem Verfall preisgegeben.    Als dann in den 70er Jahren eine Welle von Flugzeugentführungen und Geiselnahmen die Welt in Atem hielt, übten die auf Teneriffa stationierten Soldaten auf dem Gelände der verlassenen Lepra-Station für den Ernstfall. Sie übten die Befreiung von Geiseln mit Waffengewalt.    Diese Geisterstadt kann also auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Am Vorabend habe ich mit Sandra abgesprochen, dass ich heute dorthin fahren will. Sie ist nicht böse, denn so kann sie sich wieder einmal einen Tag in Puerto de la Cruz vergnügen. Mittlerweile scheint ihre diese recht ursprüngliche Stadt sehr gut zu gefallen. Besonders der alte Stadtkern und die Promenade haben es ihr angetan.  Da ich das Morgenlicht in der Geisterstadt ohnehin nicht mehr schaffe, lassen wir es beim Frühstück langsam angehen. Als ich endlich losfahre ist es schon 11h. Die Sonne scheint, dass es eine wahre Freude ist. Das Thermometer in meinem gemieteten Opel Astra zeigt satte 27°C, so kann man es am 20. Dezember aushalten! Als ich nach etwa 60 Minuten Fahrzeit an der Geisterstadt die Autobahn verlasse, zeigt das Thermometer sogar 29°C. Am Eingang zur Geisterstadt staune ich nicht schlecht als ich einen Ford Fiesta antreffe aus dem gerade 5 Junge Männer in Tarnanzügen mit Waffen und Helmen aussteigen. Sie haben GoPro Kameras an den Helmen und ihre Gewehre sehen aus wie die Waffen die man bei der neuen „Modesportart“ Paintball benutzt. Sie haben gute Laune grüßen mich und machen sich dann auf zu ihrem großen „Abenteuerspielplatz“...    Ich packe unterdessen meine Sachen zusammen und los geht der Spaß. Die Gebäude der alten Station sind von den Übungen der Soldaten schwer gezeichnet. Überall sind Einschuss- und vielfach sogar Durchschuss-Löcher in den Wänden zu sehen. Die Gebäude sind zu weiten Teilen betoniert und gemauert, daher trotzen sie seit vielen Jahren den Winden die unmittelbar am Meer oftmals nicht zu verachten sind.    Von der Station kann ich ins Gebirge schauen und der Pico del Teide thront majestätisch über des Szenerie. Ich mache einige Fotos mit Polfilter und versuche mich auch mal mit dem Nikon AF-D 80-400mm Telezoom in Verbindung mit dem Infrarotfilter (HAMA IR20). Aber in der Infrarotfotografie liegt der korrekte Fokuspunkt etwas anders. Früher hatten alle Objektive einen roten Punkt. Man hatte zuerst manuell fokussiert, dann auf das Objektiv geschaut und dann den eingestellten Wert bis zu eben diesem „roten Punkt“ weitergedreht. Das war einfach und leicht zu verstehen. Heute ist das alles anders. Heute verwenden viele Fotografen moderne Objektive mit eingebauten Ultraschall-Motoren die das Autofokussystem steuern. Einen richtigen „Endanschlag“ für „Unendlich“ gibt es nicht mehr und den roten Punkt für alle die gern mit Infrarot-Filtern fotografieren wollen, den gibt es eben auch nicht mehr. Man muss also bei den digitalen Spiegelreflexkameras den korrekten Fokuspunkt einwenig abschätzen oder Testbilder machen bis man ihn gefunden hat. Bei Objektiven mit extrem kurzer Brennweite ist das fast egal, sobald man sie um zwei Stufen abblenden kann ist auch mit einem Infrarot-Filter alles scharf. Bei einem 400mm Teleobjektiv ist das aber etwas anderes. Hier zählt wirklich jeder Millimeter bei der Fokussierung.    Und da die Sonne scheint wie verrückt kann ich auf dem Display der D800E fast nichts erkennen. An die Überprüfung ob meine Bilder korrekt scharf sind ist gar nicht zu denken. Später werde ich dann auch feststellen, dass fast alles was ich mit dem Teleobjektiv und aufgeschraubtem Infrarot-Filter fotografiert habe nicht brauchbar ist, schade!    Während der Tag voranschreitet genieße ich die Sonne und erforsche die vielen alten Gebäude. Überall liegt Schutt und Dreck herum. Fast keine Wand ist ohne Graffitis und in einigen Gebäuden liegen alte Matratzen und es stehen halb volle Wasserflaschen herum. Es sieht so aus als hätten die einige Obdachlose kampiert.    Mein Freund Wolfgang hat mir vom schönen Strand bei der Geisterstadt berichtet. Als ich dort eintreffe liegt dort ein nackter Mann in der Sonne. Als er das Klicken meiner Kamera hört schnappt er sich ein Handtuch, zieht sich an und verlässt etwas verschämt die Szenerie.  Vom Strand geht es hinauf zur Kirche. Dieses Gebäude kenne ich aus der Fotocommunity. Die Fassade ist komplett aus Beton gegossen und steht auch nach vielen Jahren noch immer wie eine EINS. Vor der Kirche treffe ich ein junges Paar aus Holland. Sie kommen aus der Nähe von Alkmaar und haben einen Geocache gesucht. Er scheint irgendwo in der Kirche versteckt zu sein. Wo genau wollen sie mir nicht sagen, ich bin schließlich keine Geocacher :-) Wir unterhalten uns trotzdem sehr nett und als sie sich verabschieden steht die Sonne schon tief. Ich knipse eine Belichtungsreiche nach der Anderen. Zuvor habe ich in einigen Gebäuden schon den neuen HDR-Modus der D800E getestet. Er funktioniert leider nicht im RAW-Modus. Also habe ich einige TIFF-Dateien geknipst. Diese haben satte 112 MB, pro Bild natürlich! Die D800E ist ein echtes Pixelmonstrum. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer keine Lust auf stundenlange Bildbearbeitung mit Photomatix und anderen HDR-Programmen hat, der ist mit dem neuen HDR-Modus der D800E recht gut bedient. Allerdings darf man sich von den HDR-Bildern aus der D800E keine surrealen Kunstwerke, wie das was man seit einigen Jahren ständig bei flickr und anderswo findet, erwarten. Nikon wäre nicht Nikon wenn sie den HDR-Modus der D800E nicht so konzipiert hätten, dass er einfach nur hilft Motivsituationen mit extrem hohen Kontrasten in den Griff zu bekommen. Hat man das akzeptiert, so wird man mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein. Der Gewinn beim Dynamikumfang beträgt etwas zwei Blendenstufen, das kann sich sehen lassen!  Kurz bevor es dunkel wird verlasse ich dann dieses wirklicht tolle Location und mache mich auf den Heimweg. Ich habe heute wirklich viel mit der D800E fotografiert und zwischendurch immer wieder mit der kleinen Panasonic HC-X909 gefilmt. Und wieder muss ich sagen, die Bildqualität der D800E ist etwas besser, aber das Handling der Videokamera ist einfach unschlagbar. Allein der extrem gut arbeitende Bildstabilisator, der elektronische Sucher, der krasse Zoombereich und vor allem der super sanft arbeitende Motorzoom sind Pluspunkte die einfach keine Spiegelreflexkamera derzeit zu bieten hat.  Eigentlich hatte ich noch vor mich in der Geisterstadt irgendwo hinzu setzen und ein kurzes Video unter dem Motto „Was habe ich in meinem Fotorucksack“ aufzunehmen. Aber irgendwie hatte ich dann doch keine Lust und die 6 Stunden in der Geisterstadt sind auch wie im Flug vergangen. Das Video werde ich dann im neuen Jahr nachliefern. Dann wird es auch wieder neue Testberichte zu diversen Objektiven und anderem Foto-Schnickschnack geben - versprochen :-)

Mein Freund Wolfgang hat mir vom schönen Strand bei der Geisterstadt berichtet. Als ich dort eintreffe liegt dort ein nackter Mann in der Sonne. Als er das Klicken meiner Kamera hört schnappt er sich ein Handtuch, zieht sich an und verlässt etwas verschämt die Szenerie.

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Vom Strand geht es hinauf zur Kirche. Dieses Gebäude kenne ich aus der Fotocommunity. Die Fassade ist komplett aus Beton gegossen und steht auch nach vielen Jahren noch immer wie eine EINS. Vor der Kirche treffe ich ein junges Paar aus Holland. Sie kommen aus der Nähe von Alkmaar und haben einen Geocache gesucht. Er scheint irgendwo in der Kirche versteckt zu sein. Wo genau wollen sie mir nicht sagen, ich bin schließlich keine Geocacher 🙂 Wir unterhalten uns trotzdem sehr nett und als sie sich verabschieden steht die Sonne schon tief.

S1160010

Ich knipse eine Belichtungsreiche nach der Anderen. Zuvor habe ich in einigen Gebäuden schon den neuen HDR-Modus der D800E getestet. Er funktioniert leider nicht im RAW-Modus. Also habe ich einige TIFF-Dateien geknipst. Diese haben satte 112 MB, pro Bild natürlich! Die D800E ist ein echtes Pixelmonster. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer keine Lust auf stundenlange Bildbearbeitung mit Photomatix und anderen HDR-Programmen hat, der ist mit dem neuen HDR-Modus der D800E recht gut bedient. Allerdings darf man sich von den HDR-Bildern aus der D800E keine surrealen Kunstwerke, wie das was man seit einigen Jahren ständig bei flickr und anderswo findet, erwarten. Nikon wäre nicht Nikon wenn sie den HDR-Modus der D800E nicht so konzipiert hätten, dass er einfach nur hilft Motivsituationen mit extrem hohen Kontrasten in den Griff zu bekommen. Hat man das akzeptiert, so wird man mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein. Der Gewinn beim Dynamikumfang beträgt etwa zwei Blendenstufen, das kann sich sehen lassen!

Hier zum Vergleich ein „echtes“ HDR da sich eben mit Photomatix Pro aus drei JPG-Dateien manuell zusammen gerechnet habe.

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

 

Hier ein vollautomatisch in der D800E erstelltes HDR:

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Hier noch ein HDR das ich aus 9 JPGs erstellt habe  – es ist noch suboptimal – in den nächsten Wochen gibt es sicher weitere schönere Varianten zu sehen 🙂

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Kurz bevor es dunkel wird verlasse ich dann diese wirklich tolle Location und mache mich auf den Heimweg. Ich habe heute wirklich viel mit der Nikon D800E fotografiert und zwischendurch immer wieder mit der kleinen Panasonic HC-X909 gefilmt. Und wieder muss ich sagen, die Bildqualität der D800E ist etwas besser, aber das Handling der Videokamera ist einfach unschlagbar. Allein der extrem gut arbeitende Bildstabilisator, der elektronische Sucher, der krasse Zoombereich und vor allem der super sanft arbeitende Motorzoom sind Pluspunkte die einfach keine Spiegelreflexkamera derzeit zu bieten hat.

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Eigentlich hatte ich noch vor mich in der Geisterstadt irgendwo hinzu setzen und ein kurzes Video unter dem Motto „Was habe ich in meinem Fotorucksack“ aufzunehmen. Aber irgendwie hatte ich dann doch keine Lust und die 6 Stunden in der Geisterstadt sind auch wie im Flug vergangen. Das Video werde ich dann im neuen Jahr nachliefern. Dann wird es auch wieder neue Testberichte zu diversen Objektiven und anderem Foto-Schnickschnack geben – versprochen 🙂

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

 

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Teneriffa 2012 – Tag 11

Morgengrauen am kleinen Gala

Am Vortag habe ich kein einziges Foto geschossen sondern nur gefilmt. Heute will ich das ändern und mich mal wieder am einen oder anderen unwirklichen HDR-Foto (High-Dynamic-Range) versuchen. Nach dem Abendessen des Vortages kläre ich mit meiner Freundin Sandra, dass auch dieses Unterfangen eher was für extrem begeisterte Fotofreaks ist. Sie fotografiert selbst zwar auch sehr gern, aber ihre Toleranzgrenze ist deutlich niedriger. Sie nimmt in der Regel fotografisch mit was sich am Wegesrand bietet. Früh aufzustehen um einen grandiosen Sonnenaufgang zu fotografieren ist weniger ihr Ding. Und während andere Fotofreaks dem perfekten Sonnenuntergang entgegen fiebern, denkt sie eher an das Abendessen und eine heiße Dusche. So sind die Mädchen eben – ok nicht alle – aber fast alle 🙂

Wir haben das erkannt und einigen uns darauf, dass sie ausschlafen will und ich früh aufbrechen möchte um rechtzeitig an der Location meiner Wahl zu sein. Damit ich sie nicht wecke wenn ich früh am Morgen aufbreche, entscheide ich mich für ein  paar Stunden auf dem Sofa. Da ich der absolute Morgenmuffel bin, ziehe ich zum Schlafen einfach fast alles an was am nächsten Morgen den Körper bekleiden soll. Alle Fotosachen werden gepackt und so vor die Türe gestellt, dass ich im Halbschlaf nichts vergessen kann.

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Da ich zu solch früher Stunde ohne einen Wecker niemals wach werden würde stelle ich den Wecker in meinem Telefon auf 5:00. Damit er auch wirklich um 5:00 Ortszeit klingelt muss ich noch die korrekte Zeitzone UTC+0 einstellen. Danach ist alles perfekt. Während Sandra an der Matratze lauscht gehe ich hinunter in die Lobby und schreibe meinen Artikel des Tages. Als ich deutlich nach Mitternacht wieder im Zimmer bin gibt es Schelte von meiner Freundin weil ich die „Türkarte“ mitgenommen habe. So wurde in unserem Appartement der Strom abgeschaltet und Mädchen fürchten sich im Dunkeln. Und schlimmer noch, es ging weder eine Nachttischlampe noch etwas anderes. Während ich unten in der Lobby an meinem BLOG geschrieben habe wurde hier oben die zweite „Türkarte“ gesucht um den Strom wieder einschalten zu können. Ok, der Strom ist wieder da, aber Sandra ist jetzt auch wieder hell wach. Wir verabschieden uns erneut und ich mache es mir auf dem Sofa so gut es geht für ein paar Stunden bequem. Um 4:45 steht dann Sandra neben mir, weckt mich und fragt warum ich noch hier bin. Ich wollte doch so früh los um nichts zu verpassen. Ok ok, ich bin ja schon weg. Während sie wieder im Bett verschwindet deaktiviere ich den Wecker in meinem Telefon, er hätte 15 Minuten später Alarm gegeben!

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Zur geplanten „Weckzeit“ bin ich dann schon mit unserem Mietwagen auf der Autobahn in Richtung Süd-Westen unterwegs. Über El Tanque geht es weiter in Richtung Süden. Die Straße ist schmal und es gibt unendlich viele Kurven. Vor mit tuckert schon eine ganze Weile ein LKW den Berg hinauf. Er ist bis über die Unterkante mit Holz beladen und hat Mühe nach den Spitzkehren wieder in Fahrt zu kommen. Mir soll es recht sein, ich bin sehr gut in der Zeit. Da tauchen hinter mir die Lichter eines großen Nissan Trucks auf. Es ist eines dieser riesigen SUV Dinger mit Ladefläche und verchromten Überrollbügeln. Er fährt so dicht auf, dass ich im Rückspiegel nur noch seine Scheinwerfer sehen kann. In meinem Opel ist es taghell. Der Typ nervt total schließlich kann ich nicht schneller, denn vor mir ist der LKW. Das geht eine ganze Weile so bis wir einen Aussichtspunkt passieren. Dort kann ich kurz rechts ranfahren und den Drängler vorbei lassen. Innerlich koche ich aber inzwischen vor Wut. Klar ich sollte cool bleiben, weiß ich ja alles, aber es brodelt trotzdem. Nun drehe ich den Spieß mal um und fahre dicht hinter ihm stets leicht versetzt. Er scheint es irgendwann zu bemerken und als endlich ein gerades übersichtliches Straßenstück kommt hüllt er meinen Opel in dicke Ruß-Schwaden und überholt endlich den langsamen LKW. Ich bleibe dran, im zweiten Gang kommt mein Astra ganz gut vorwärts. Die Verfolgungsjagd geht los, es ist maskulines Pimmelfechen auf hohem Niveau. Der Typ ist nicht schlecht, er zirkelt seine 2 Tonnen schwere Allradkiste in atemberaubenden Tempo über die kurvenreiche enge Straße. Aber ich fahre auch seit fast 30 Jahren Auto und DER hängt mich heute nicht ab. Während wir uns gegenseitig den Berg hinauf scheuchen, rückt mein Ziel immer näher. Als ich beim Abzweig bin gehe ich von Gas und lasse die Rücklichter meines  Gegners in der Dunkelheit verschwinden. Eine total überflüssige gefährliche Jagd war das. Beim nächsten Mal versuche ich mich wieder zu beherrschen. Aber irgendwie ist das hier so üblich, fast jeder Einheimische drängelt was das Zeug hält sobald vor ihm ein Auto auftaucht auf dem einer dieser dämlichen Aufkleber der Mietwagen-Firmen zu sehen ist. Auf Dauer nervt das total. Ok, ein wenig kann ich es verstehen denn die meisten Mietwagen werden hier von alten Leuten kutschiert die unsicher und im Schneckentempo von einem Aussichtspunkt zum nächsten schleichen. Das kann einem wirklich den letzten Nerv rauben. Aber deshalb muss man die anderen Autofahrer nicht notorisch bedrängen. Bei mir soll es heute die Ausnahme gewesen sein, ich gelobe es hiermit hoch und heilig 🙂

Zur Auflockerung des Textes hier ein „Auto-Suchbild“ – einfach in neuem Tab öffnen und den silbernen Opel suchen…

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Als ich am Parkplatz ankomme, an dem der Weg hinauf zum kleinen Gala beginnt, überlege ich kurz ob ich die letzten hundert Höhenmeter laufen soll? Eigentlich ist hier die Durchfahrt verboten, obwohl der Weg halbwegs akzeptabel asphaltiert ist. Aber es ist stockdunkel und es wird hier so früh am morgen weder ein Wanderer noch ein Förster vorbei kommen, also rauf auf‘s Gas und den Berg hinauf. Die Stelle an der ich parken will habe ich mir bei der letzten Fotosession schon ausgeguckt. Dort angekommen parke ich den Opel rückwärts auf einem Abzweig zu einem Feldweg ein. Das ist gar nicht so leicht denn es ist stockfinster und der Feldweg zweigt im Winkel von fast 45° nach oben ab. Aber der Opel schafft das und die Handbremse hält das Auto sicher dort fest.

Es ist noch stockfinster als ich mich auf mache um die wenigen letzten Meter zu meinem Fotospot zu laufen. In der Jackentasche habe ich die tolle LED-Taschenlampe. Dieses Ding ist extrem hell und ohne sie würde ich nur nachtblind durch die Gegen stolpern. Gut, dass ich sie dabei habe!

Die Kameras sind schnell aufgebaut. Während die kleine Panasonic in Richtung Santiago del Teide hinunter zum Meer blickt und auf die ersten Sonnenstrahlen wartet, mache ich die Nikon D800E und das AF-S 2.8/24-70mm schussbereit. Bei ISO-800, Blende 4 und 30 Sekunden Belichtungszeit schießt sie ein Bild nach dem anderen. Später möchte ich daraus wieder eine kurze Zeitraffersequenz (Time Lapse) erstellen. Die Kamera steht auf meinem großen stabilen Carbon-Stativ. Aber es ist wirklich windig und die ersten Fotos sind total verwackelt. Wind ist neben Staub und Dunst der schlimmste Feind des Naturfotografen. Ich kann es mildern indem ich mich direkt neben die Kamera stelle und sie so in meinem Windschatten ihre Arbeit verrichten kann. So stehe ich nun fast eine Stunde zusammengekauert neben meiner Kamera und zähle die Minuten die im Schneckentempo vergehen.

Während ich dort stehe fällt mir ein hell leuchtender Stern auf der gleicht rechts neben der Spitze des Pico del Teide aufgeht. Er bewegt sich irgendwie schneller als die anderen Sterne. Was ist das? Da kommt mir eine Idee, ich habe auf meinem HTC Telefon das Programm „Google Sky-Map“. Schnell hole ich mein Telefon hervor und siehe da, es ist die Venus! Das hätte ich nicht erwartet, ich sehe wie die Venus am Himmel empor klettert, der Wahnsinn. Dieser Planet wird von unserer Sonne fast so hell beleuchtet wie unser Mond. Die Venus ist größer als unser Mond aber viel weiter entfernt und daher nur als kleiner heller Punkt am Himmel auszumachen. Auf dem Telefon kann ich auch die Position der Sonne ausmachen, sie wird noch ein Stückchen unterhalb des virtuellen Horizonts angezeigt. Ich habe noch eine Weile Zeit…

Hier ein „Venus-Suchbild“…

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Nach etwa einer Stunde schaue ich mal nach was die kleine Panasonic inzwischen aufgenommen hat. Es ist praktisch nichts zu sehen, für diese Kamera ist es einfach noch viel zu dunkel. Während ich hin und der probiere ist es dann plötzlich als hätte jemand neben mir das Licht eingeschaltet. Fast ist es als könnte ich es hören, die Sonne schaut frech rechts unterhalb der Spitze des Pico del Teide hervor. Genau so hatte ich es mir gewünscht und mein Studium der Location bei Google-Earth hat sich wieder einmal ausgezahlt.

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Eine Stunde später ist das Schauspiel dann vorbei und auf der Speicherkarte meiner Nikon D800E haben sich sage und schreibe 43 GB Bildmaterial angesammelt. Es geht zurück zu Hotel und als ich dort gegen 10h eintreffe freue ich mich auf ein ausgedehntes Frühstück. Danach wird die Beute gesichtet und ich bin mehr als zufrieden. Daraus wird sich in den nächsten Wochen noch das eine oder andere schöne Foto zaubern lassen. Gegen 14 haben wir dann unseren nächsten Termin. Während Sandra mit der Frau meines Freundes Wolfgang einen ausgedehnten Ausritt durch die Bergwelt von Teneriffa unternimmt sitzen wir in der Sonne und unterhalten uns über die schönsten Foto-Locations im Süd-Westen der USA. Später geht es auf ein Eis und einen Kaffee nach El-Sauzal. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück und genießen ein großartiges Schauspiel über dem Tal von La Orotava.

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Morgen soll es dann nach Abades zur ehemaligen Lepra-Station gehen. Dort hat das Militär in den 70er Jahren für Geiselbefreiungen trainiert. Heute ist es eine kleine Geisterstadt am Meer. Ich bin gespannt welche Motive sich dort morgen finden lassen werden.

Teneriffa 2012 – Tag 10

Loro Parque - Tenerife

Tiere filmen im Loro Parque

Nun sind wir schon mehr als eine Woche auf dieser paradiesischen Insel. Die Eingewöhnung haben wir hinter uns, langsam beginnt die Erholung. Nach den morgendlichen Ritualen sind wir etwas ratlos was heute auf dem Programm stehen soll. Sandra würde gern ein paar Stunden am Strand verbringen. Mein Ding ist das irgendwie so gar nicht. Beim Grillen in der Sonne bekomme ich Kopfschmerzen und Herzrasen. Badeurlaube sind nicht meine Welt. Ich mag es lieber warm und schattig als heiß und sonnig. So beschließen wir, dass ich Sandra unten am Playa de Jardin absetze und dann ein paar hundert Meter weiter zu Loro Parque fahre. Dort war ich nun schon wirklich oft und eigentlich wollte ich ihn in diesem Jahr nicht schon wieder besuchen. Aber letztlich bin ich doch wieder 33,- Euro ärmer und später am Abend um 14 GB Videomaterial reicher.

Zum Auftakt meiner Wanderung durch den Loro Parque verwende ich diesmal die kleine feine Panasonic HC-X909 Videokamera. Diese Kamera filmt in Full HD mit 50 Bildern/Sekunde (1080/50p). Das ist für meine heimischen Computer leider noch zu viel. Mit Magix Video Deluxe MX kann ich dieses Material überhaupt nicht sinnvoll schneiden. Die Vorschau ruckt ständig und man bekommt einfach keinen Einruck davon ob die Schnitte richtig sind oder nicht. Auf dem Mac mit Final Cut Pro X klappt es besser, aber nur wenn man auch Proxy-Medien erstellt. Und die sprengen ganz schnell die Kapazität meiner internen SSD-Festplatte. Ohne Proxy-Medien macht der Video-Schnitt einer 1080/50p Datei auch auf dem Mac keinen Spaß. Also filme ich mit „angezogener Handbremse“. Im Modus „XE“ arbeitet die Kamera „nur“ mit 25 Bildern/Sekunde. Damit sind die Videodateien nur halb so groß. Das spart Platz auf der Speicherkarte und den Festplatten.

Loro Parque - Tenerife

Da ich meine Videos nicht auf Blu-Ray verkaufe sondern nur bei YouTube und Vimeo zeige, ist die Qualität immer noch mehr als ausreichend. Lädt man eine dieser Dateien bei YouTube hoch und später wieder herunter, so hat das Ergebnis nur etwa 10% der ursprünglichen Dateigröße. Wie krass die Videos bei YouTube komprimiert werden ist damit klar. Aber man muss das auch verstehen. Google bietet mit YouTube einen kostenlosen Video-Dienst an den viele Millionen Menschen tagtäglich nutzen. Jeden Tag werden viele tausend Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen, alles völlig kostenlos. Und diese Videos werden dann mit unter millionenfach angeschaut. Würde man dieses Material nicht rigoros komprimieren, so würde es den „Dienst als solchen“ und Teile des Internets einfach sprengen.

Schon heute machen Videodienste den Löwenanteil des gesamten Datenvolumens im Internet aus. Würden alle Videos im „Original“ transportiert, so würde das Internet in seiner aktuellen Ausbaustufe für die meisten von uns einfach „still stehen“. Also filme ich derzeit im Modus XE – ganz ohne Skrupel. In ein paar Jahren sieht das vielleicht anders aus. Aber derzeit ist alles andere „nutzloser Overkill“.

Loro Parque - Tenerife

Nach etwa zwei Stunden geht der große „Zweit-Akku“ meiner Panasonic zu Ende. Ich habe noch den kleinen Original-Akku. Der liegt jetzt schon etwa eine Woche in der Fototasche und hat sich leider bereits weitgehend selbst entladen. So bleiben mir mit diesem Akku noch etwa 10 Minuten danach ist meine schöne Panasonic leider „tot“. Zusammen gekommen sind dabei etwa 6 GB Videomaterial. In der Kamera steckt meine 8 GB große Reservekarte. Als ich mit der Filmerei loslegen wollte musste ich nämlich feststellen, dass ich nicht nur mein Telefon sondern auch meine Speicherkarten im Hotel vergesse hatte. Überhaupt ist diese gesamte Reise davon geprägt, dass ich lauter Sachen vergessen habe. Im Fotorucksack sind aber noch ein paar Reservekarten. Die habe ich für den Fall der Fälle eigentlich immer dabei. Und als dann die D800E als Videokamera zum Einsatzkommen soll, fehlt auch hier die Speicherkarte! Aber kein Problem, es sind noch eine 64 GB und zwei 16 GB Karten im Rucksack. Für meine Videoaufnahmen verwende ich an der D800E das AF-D VR 80-400mm Telezoom-Objektiv. Auch dieses Objektiv habe ich nur versehentlich eingepackt. Eigentlich wollte ich das AF-S VR 2.8/70-200mm einpacken. Nun muss ich mich mit dem älteren etwas sperrigen 80-400 begnügen. Aber letztlich sehen die Sequenzen bei denen alles korrekt eingestellt war auch mit diesem Objektiv wirklich gut aus. Was hier allerdings massiv stört ist der Autofokus. Ist es etwas dunkel so liegt die D800E im Videomodus beim automatischen Fokussieren eigentlich ständig leicht daneben. Der Fokus fährt zweimal hin und her und bleibt dann kurz hinter dem korrekten Wert stehen, das nervt ziemlich. Meinen Video-Neiger habe ich auch daheim vergessen, also muss ich meinen Kugelkopf des Typs FLM-38FT auf meinem großen BENRO Carbon-Stativ benutzen. Für Fotos ist das eine großartige Kombination, für Videos ist es massiv „suboptimal“.

Loro Parque - Tenerife

Saubere Schwenks oder die die „Verfolgung“ eines Tieres das langsam durch sein Gehege streift sind damit kaum möglich. Die Videos rucken und zappeln, dass man sie sich nicht anschauen möchte. Eigentlich klappt es nur wenn die Kamera absolut ruhig steht und man sie nicht berührt. Dann ist alles gut, sobald man versucht sie irgendwie zu bewegen wird bei Brennweiten ab ca. 100 mm praktisch alles sofort total verwackelt. Auch ist gar nicht daran zu denken langsame Zoomfahrten oder ähnliches mit der D800E und dem 80-400mm Telezoom zu versuchen. Mit der kleinen Panasonic klappt so etwas mit ein wenig Übung sehr gut. Wer beide Systeme im Vergleich benutzt der wird sich sofort in die kleine Panasonic verlieben. Das Handling dieser Kamera ist für Video-Filme gemacht und funktioniert einfach gut. Zwar ist bei der D800E die Bildqualität etwas besser, aber man braucht viel mehr Zeit bis alles eingestellt ist und verpasst gerade als „Tierfilmer“ damit immer wieder die besten Szenen.

Loro Parque - Tenerife

Bei der Sichtung meiner „Tages-Beute“ bin ich geschockt wie wenig wirklich brauchbares Videomaterial in etwa 6 Stunden entstanden ist. Mit der BENRO GH-2 „Affenschaukel“ und dem dicken fetten Nikon  AF-S VR 4/200-400mm wäre die Ausbeute deutlich besser gewesen. Aber diese Kombination hätte auch das doppelte Gewicht! Besonders das AF-S Fokus-System der moderneren Objektive ist für Videoaufnahmen perfekt. Man kann den Fokus einfach während man filmt manuell übersteuern. Das geht mit einem Objektiv ohne AF-S leider nicht und es stellt damit einen echten „Hemmschuh“ dar. 

Loro Parque - Tenerife

Eine Alternative ist in diesem Fall für mich sogar das alte manuell fokussierte Nikon AiS 80-200. Dieses Objektiv ist noch kompakter und die Bedienung des Schiebezooms funktioniert wirklich gut. Man kann sehr schnell zoomen und den Fokus-Punkt korrekt einstellen. Alles mit einem Ring, großartig! Verwendet man noch eine Lupe vor dem Display der D800E hat man damit auch an hellen Tagen eine gute Kombination für beeindruckende Tierfilme. Ich habe mal ein wenig experimentiert und die D800E sowohl im FX Modus als auch im DX Modus filmen lassen. Man sieht im Endergebnis bei „normalen“ ISO-Werten praktisch keinen Unterschied. Nutzt man diese Einstellung, so wird aus einem alten manuell fokussierten AiS 80-200mm im DX-Modus ein 160-400mm Teleobjektiv. Über die Abbildungsqualität muss man sich beim Videofilmen keine Sorgen machen. Sind die Videos unscharf, dann liegt es immer daran, dass man nicht korrekt fokussiert hat! Die Auflösung der Videos ist so gering, das schafft auch ein 40 Jahre altes Nikon Teleobjektiv 🙂 Sobald man diese Objektive um etwa zwei Stufen abblenden kann erkennt man im fertigen Video praktisch keinen Unterschied zwischen einem 40 Jahre alten Tele von eBay für 200 Euro und einem modernen Superobjektiv für 2.000 Euro.

Loro Parque - Tenerife

Entscheidend ist was man an der Kamera einstellt und wie die Lichtverhältnisse sind. Auch ein 10.000 Euro Profiteleobjektiv zaubert an der D800E nicht automatisch geniale Videosequenzen. Hier sind Erfahrung und eine Portion Glück viel wichtiger als der letzte „Hightech-Schrei“.

Dies beweisen auch meine heute aufgenommenen Video-Schnipsel. Der Ausschuss liegt bei etwa 90%. Das liegt aber nicht nur daran, dass die D800E und das heute verwendete 80-400mm Objektiv etwas sperrig zu bedienen sind. Es sind auch die Tiere die eben Individuen sind und nicht immer gleich das machen was man sich wünscht. Manchmal machen sie eben einfach gar nichts! Sie hängen faul in der Sonne ab und warten drauf, dass endlich die nervigen Scheibenklopfer, Pfeiffer, Hampelmänner, Schreier und Knipsblitzer nach Hause gegangen sind. Für die Tiere sind diese Besucher meisten eine echte Qual. Schaut man sich das Treiben mit etwas Distanz an, so fragt man sich manchmal wer hier wen mustert. Besonders bei den Gorillas kam es mir heute wieder so vor als würden diese majestätischen Tiere innerlich mit dem Kopf schütteln, angesichts dieser schwachsinnig wirkenden Menschenmasse die sich an ihren „Schaufenstern“ vorbei quält.

Loro Parque - Tenerife

Loro Parque - Tenerife

Der Loro Parque ist bekannt für seine Delfin-Show und die Shows mit den Orcas die es dort seit ein paar Jahren zu bestaunen gibt. Seit die Orcas dort ihre Kunststückchen vollführen müssen hat es schon zwei tödliche Unfälle gegeben. Gegen den deutschen Betreiber des Loro Parque wurde von Tierschützern sogar Anzeige wegen unterlassener Sorgfaltspflicht gegenüber den Trainern der Orcas gestellt. Die Trainer trugen bspw. keine Schwimmwesten. Und nach dem ersten Todesfall hieß es offiziell „Der wollte nur spielen!“. Mich erinnert das immer wieder an die Sprüche der Besitzer unberechenbarer Hunde. Wie waren sie noch die drei Standardsätze?

  1. Der macht nichts!
  2. Der will nur spielen!!
  3. Das hat er noch nie gemacht!!!

Daran erinnern mich auch die Statements der Leitung des Loro Parque die ich bezüglich des ersten Todesfalles mit den Orcas gelesen habe. Inzwischen ist der zweite Trainer der Orcas gestorben. Offiziell auch ein „Versehen“ – „Der wollte nur spielen“. Doch die Leiche des Trainers wies gebrochene Rippen und Bisswunden auf. „Das hat er noch nie gemacht“ – kommt mir da als Entschuldigung in den Sinn. Wie soll man zu alle dem stehen? Die Delfin-Show und die Orcas habe ich während der letzten Jahre mehrfach angeschaut und sie hat mir eigentlich immer recht gut gefallen. Weder Orcas noch Delfine habe ich jemals in freier Natur beobachten können. Erst im Loro Parque konnte ich einen Eindruck davon gewinnen wie intelligent und pfiffig diese Tiere sind.

Loro Parque - Tenerife

Es gibt viele Stimmen die Shows mit Delfinen und Orcas verbieten wollen. Ich bin der Meinung, dass diese Shows nicht wirklich notwendig sind. Aber ich würde auch nicht so weit gehen zu fordern, dass Orcas und Delfine grundsätzlich nicht in Zoos gehalten werden dürfen.

Meine Mama hat seit Jahrzehnten ein Aquarium in der Küche stehen, früher hatten wir sogar mal einen Wellensittich. War das Tierquälerei? Mein Freund Wolfgang hat hier einen Hund, den Westerwälder Hütehund (Wäller) namens „Balu Schröder“. Ist das Tierquälerei? Ich habe heute Seeroben, Pinguine, Tiger, Papageien, Karpfen und viele andere Tiere gesehen. Alle leben in Gefangenschaft, genau wie die Delfine und die Orcas. Sollte man hier nicht sagen, wenn schon denn schon? Gleiches Recht für alle? „Free Willy and all of his friends!“ Warum schließen wir nicht den Loro Parque, den Allwetter-Zoo in Münster, den Tierpark Hagenbeck in Hamburg, den Palmitos Parque auf Gran Canaria?

Gleiches Recht für alle, warum eine Sonderbehandlung für Orcas und Delfine?

Natürlich bin ich nicht dafür alle diese Zoos und Parks zu schließen. Das war gerade die reine Provokation 🙂 Zoologische Gärten helfen weltweit die wenigen Tiere aussterbender Arten zu retten. In Deutschland gab es einst Bären und Wölfe. Doch die Menschen haben sie ausgerottet. Wer will nachts beim Joggen im Bonner Kottenforst schon einem Wolf begegnen? So leben die letzten ihrer Art in Zoos verteilt über ganz Deutschland. Und sie können froh sein, dass sie dort leben dürfen. Meine ganze private Meinung. Würde man sie in die Freiheit entlassen, so wären sie nach ein paar Tagen verstorben, garantiert! Wenn nicht verhungert und nicht auf der Autobahn überfahren, so dann letztlich von einem Jäger abgeknallt, das ist sicher!

Loro Parque - Tenerife

Einer der Orcas aus dem Loro Parque wurde vor einigen Monaten in Holland an Land gespült. Statt ihn im Norwegen langsam wieder „auszuwildern“ zieht er jetzt in einem Becken im Loro Parque seine Runden das 120 Meter lang ist. Klar kann er sich hier nicht so austoben wie im freien Meer. Aber es gibt sicher auch einen Grund warum er in Holland gestrandet ist. Ohne die Hilfe der Menschen wäre er längst tot. Irgendwas ist bereits vor längerer Zeit im Leben dieses Orcas gründlich schief gelaufen und ich denke, dass es für ihn vielleicht besser ist im Loro Parque gefüttert und geliebt zu werden als nach der „Auswilderung“ an der Küste Dänemarks oder sonst wo langsam und qualvoll zu verenden.

Loro Parque - Tenerife

In den Weltmeeren gibt es tausende Delfine, einige hundert kann man in den Zoos auf dieser Welt bestaunen. Klar führen sie dort keine tolles Leben und klar, die Zoos verdienen Geld damit sie in Shows vorzuführen. Aber irgendwie muss man ja auch ein Becken bezahlen das 120 Meter lang ist und irgendwie muss man ja auch den Fisch bezahlen den ein erwachsener Orca Jahr für Jahr in sich hineinstopft…

Die Gegner der Orca-Show bemängeln auch, dass im Loro Parque die Besucher absichtlich von den Orcas nass gespritzt werden. Scheinbar waren sie noch nie Vorort. Denn dort ist eine besondere „Splash-Zone“ gut lesbar ausgeschildert. Die Besucher können sich Regenmäntel aushändigen lassen und wer keinen Bock auf diese „Erfahrung“ hat, der muss sich ja nicht mit dem Wasser bespritzen lassen in das der eine oder andere Orca seine kleinen und großen Geschäfte erledigt hat.

Alle Besucher haben die Wahl und wer sich später über Spuren von Orca-Kot auf dem hübschen neuen Sonntagskostüm aufregt, der hat eben bei der Platzwahl nicht nachgedacht.

Die Gegner der Delfin-Shows rufen weltweit zum Boykott dieser Shows auf. Irgendwie kann ich das alles gut verstehen und ich habe sie mir auch heute nicht erneut angesehen. Mir würde es gut gefallen wenn man diese Tiere einfach nur beim Schwimmen und fressen beobachten könnte. Aber vielleicht ist es auch richtig sie geistig zu fordern und mit ihnen zu arbeiten um sie von ihrem tristen Dasein in den viel zu kleinen Wasserbecken abzulenken? Wären sie eine noch größere Attraktion und würden noch viel mehr Menschen kommen um sie zu sehen, dann könnten ihre Becken sicher noch größer und schöner gebaut werden und vielleicht wäre dann auch ein Sonnendach im Budget enthalten. So, dass sie keinen Sonnenbrand mehr bekommen und nicht von den Pflegern mit Sonnencreme eingerieben werden müssen? Und vielleicht könnte man die Becken dann auch so gestalten, dass sie sich nicht selbst die Zähne abbrechen während sie in die stählernen Abgrenzungstore beißen? Ich denke, weniger Besucher und der Boykott der Shows helfen den Tieren die bereits in Gefangenschaft leben nicht wirklich. Akzeptiert man das „wie es ist“ so würde es ihnen eher helfen wenn die Betreiber der Zoos mehr Geld durch sie einnehmen könnten und dies dann auch tatsächlich in die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen investieren würden.

Loro Parque - Tenerife Loro Parque - Tenerife

Aber zurück zu meinem „Bericht des Tages“. Als sich der Tag dem Ende neigt hole ich Sandra wieder am Strand ab und gemeinsam geht es zum Monasterio, ein altes Kloster in der Nähe von Puerto de la Cruz. Hier gibt es mehrere gute Restaurants und was soll ich sagen, genau wie der Loro Parque ist auch hier der Betreiber ein Deutscher. Auch hier gibt es Kellner die in viel zu kleinen Räumen viel zu viele Gäste bedienen müssen. Tagtäglich vollbringen sie kleine Kunststückchen damit alle Gäste hübsch zufrieden sind und hoffentlich bald wieder kommen. Sandra und ich gönnen und heute jeweils ein großes supergutes saftiges Filet-Steak. Diese Steaks schmecken einmalig gut. Aber sie stammen von lebenden Kühen, eigentlich leben sie jetzt nicht mehr, aber irgendwann haben sie das mal getan, soviel ist sicher! Und laut Speisekarte haben sie in Südamerika gelebt, wahrscheinlich in Argentinien. Und auch dort leben viele Kühe auf viel zu kleinen Flächen und werden systematisch abgefüttert und dann nach einem wenig erquicklichen Rinderleben in einem hoffentlich nahegelegenen Schlachthof möglichst „artgerecht“ getötet und zu herrlich leckeren Filetsteaks weiterverarbeitet. Irgendwie eklig, aber trotzdem sowas von lecker!

Loro Parque - Tenerife

Denkt man darüber nach wie viele hundert Kilogramm Kraftfutter und Getreide notwendig waren um diese beiden saftigen kross gegrillten Steaks „herzustellen“, man könnte sofort zum Vegetarier werden. Nicht weil all das schon eklig genug ist, nein weil es total unvernünftig ist, massenweise hochwertiges Getreide an Tiere zu verfüttern die dann in zerlegter Form nur noch einen Bruchteil des Nährwertes ihrer lebenslänglichen Futtermenge wert sind.

Loro Parque - Tenerife

Und doch haben diese beiden kross gegrillten innen leicht rosigen Steaks heute echt gut geschmeckt. Aber es werden für den Rest der Reise die einzigen Steaks bleiben. Ok, vielleicht gibt es zu Weihnachten statt einer Ente oder eines Hühnchens noch einmal ein Stück totes Rind. Zwischendurch wird es viel Salat und Kartoffeln geben. Und den ein oder anderen toten Fisch – urgs – schon wieder ein totes Tier. Aber bevor es uns die Wale auf ihrem Weg zum Golf von Mexico wegfressen…

4555684

Die Moral von der Geschichte? Ich sollte Vegetarier werden, das wäre echt vernünftig. Aber ab und zu schmeckt ein Steak oder ein frisch gegrillter Fisch eben richtig gut. Und solange man all das nicht übertreibt ist es irgendwie auch so halbwegs in Ordnung. Morgen früh gibt es zum Frühstück wieder selbstgekaufte Erdbeermarmelade mit kleinen leckeren Pancakes. Das ist total vegetarisch, na fast wenigstens…