Nikon D800E – Sportfotografie mit AF-S VR 70-200mm

Heute habe ich für Euch eine Reihe von Fotos die ich vor zwei Wochen bei einem Reitturnier in Ebersheim bei Mainz aufgenommen habe. (Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch, einfach anklicken)

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Meine Ausrüstung habe ich an diesem Tag ganz bewusst reduziert und ausschließlich eine D800E und das Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm verwendet. Kein Teleconverter, kein Stativ, keine Supertele, keinen doppelten Boden! Ich wollte sehen wie sich die D800E im Vergleich zur heiß geliebten Nikon D700 mit MB-D10 und großem EN-EL4 Akku schlägt. Ich wollte den neuen 3D Autofokus testen und schauen wie praxistauglich das recht kurze 70-200mm Telezoom bei der Sportfotografie ist.

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Bildfrequenz

Verwendet man den großen Akku EN-EL4 Akku in der D700 in Verbindung mit einer schnellen Speicherkarte, so ist diese Kamera schon ziemlich flott. Geschlagen geben muss sie sich eigentlich nur gegenüber der D3s und der neuen Nikon D4. Mit ihren 4 Bildern/Sekunde ist die D800E im Vergleich eher ein „lahmer Esel“ als ein „Rennpferd“. Aber vielleicht ist es ja möglich auch mit „nur“ vier Bildern pro Sekunde einige packende Momente einzufangen die für den Reitsport so typisch sind? Nach der Sichtung der Bilder muss ich sagen, dass ich mir durchweg mehr „Speed“ gewünscht hätte. Bei Sportarten wie Fußball, Hockey und so weiter sind Spielverlauf und Spielzüge kaum vorhersehbar. Fotografiert man hingegen beim Dressur- oder Springreiten, so versuchen sich alle Sportler am gleichen Parcours. Beobachtet man einige Durchläufe ganz genau, so findet man schnell gute Aufnahmepositionen und weiß an welchen Stellen des „Programms“ sich die dramatischen Situationen ergeben werden. Auch kommt man beim Springreiten in der Regel recht nah an die Sportler heran und das 70-200 ist damit keine schlechte Wahl. Ok, es könnte ein wenig „mehr“ sein, aber angesichts der enormen Auflösung der D800E sind Ausschnittsvergrößerungen kein großes Problem. Selbst wenn nur 50% den ursprünglichen Bildes verbleiben, so hat man noch die 18 Megapixel einer Nikon D4. Doch was man nicht hat sind die Reserven für die „ungeplanten Momente“. Ein Pferd verweigert vor einer Hürde, den Reiter hebt es aus dem Sattel und er ist kurz vor dem Absturz, das sind die Momente die oft zu den besten Aufnahmen führen. Und gerade hier ist die D800E gegenüber einer D4 oft im Nachteil. Aufgrund der gigantischen Datenmengen ist nicht nur die Bildfrequenz deutlich geringer, es ist auch der interne Pufferspeicher der Kamera eher voll. Während der Kollege mit der D4 noch mit 11 B/s vor sich hin „ballert“ steht man mit seiner D800 oder D800E deutlich früher und öfter am Rand des Geschehens und wartet darauf, dass der Inhalt des Pufferspeichers auf die Speicherkarte übertragen wird und die Kamera bereit für neue Aufnahmen ist.

Wer sich mit der D800E in der Sportfotografie versucht, sollte daher noch genauer planen was, wann, wo und wie abgelichtet wird und mit dem Finger auf dem Auslöser so sparsam wie möglich umgehen. Was nutzen 36 Megapixel wenn die Kamera im entscheidenden Moment nicht auslösebereit ist, weil gerade mal wieder mehrere hundert Megabyte Bildmaterial verarbeitet und auf die Speicherkarte transferiert werden müssen?

Hier einige Beispiele für den „entscheidenden Moment“. Die Pferde verweigern vor einer Hürde und die Reiterinnen verbleiben nur mit viel Glück im Sattel. Wäre es zu einem Sturz gekommen, so hätte man diesen mit der D800 festhalten können, aber eine D4 hätte im „Dauerfeuer“ einfach mehr Bilder geliefert. Die Chance den exakt passenden Augenblick der dramatischen Szenerie zu treffen wäre dadurch signifikant größer.

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Hier habe ich zwei Aufnahmen aus Serie von vier Fotos. Die Zeitspanne zwischen den Bildern beträgt nur Bruchteile von Sekunden und dennoch sind sie völlig unterschiedlich. Je mehr Bilder man bei dramatischen Szenerien aufnehmen kann umso höher ist die Chance auf ein perfektes Foto!

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Autofokus

Der Autofokus ist in der Sportfotografie ein wirklich wichtiges aber dennoch häufig überschätztes Feature moderner Kameras. Wer beim Springreiten auf den „ultimativen Schuss“ an einer ausgesuchten Hürde lauert, der braucht den Autofokus oft aber gar nicht! Einmal auf die Hürde fokussiert, gelingt Bild um Bild. Hier würde im Zweifel auch das Autofokussystem einer Nikon F4 aus den 80er Jahren gute Resultate liefern. Ganz anders bei bewegten Szenerien. Nehmen wir das Dressurreiten, hier sind Pferd und Reiter ständig und Bewegung, die Distanz zwischen Kamera und Motiv ändert sich ständig. Die „Good News“, hier steht nichts im Weg das den Autofokus irritieren könnte. Hier liefert der 3D Autofokus der D800E tolle Resultate. Man fokussiert mit dem mittleren Autofokus-Messfeld auf Ross und Reiter, hält den Auslöser halbgedrückt. So kann man wunderbar im Sucher verfolgen wie durch das Zusammenspiel der neuen 3D-Belichtungsmessung und des neuen Autofokusmoduls das aktive Messfeld durch den Sucher „wandert“. Bewegt sich das verfolgte Motiv nicht aus dem Bereich der verfügbaren AF-Sensoren heraus, so gelingt fast jedes Bild wie von Geisterhand. Natürlich muss für scharfe Bildergebnisse das Licht stimmen und die Kombination aus Zeit, Blende und ISO-Empfindlichkeit passen.

Ganz anders beim Springreiten. Hier ist der Blick auf das Motiv immer wieder durch Hürden und andere Dinge versperrt. Hier kommt der moderne sehr gut funktionierende 3D Autofokus immer wieder durcheinander und die Verfolgung des Motivs bricht ab. Gelegentlich findet das Autofokussystem zum Motiv zurück, aber das ist eher selten. Immer wieder muss man den Finger vom Auslöser nehmen, neu ansetzen und hoffen, dass nicht wieder etwas „dazwischen“ kommt. Wirklich brauchbar ist das nicht! Hier ist es besser sich die gewünschte Szenerie genau zu überlegen, vorab im Modus AF-S scharf zu stellen und ggfs. die Taste für AF/AE-Lock zu verwenden.

Hier zwei Beispiele, im ersten Bild habe ich das Motiv mit aktivem 3D-Autofokus verfolgt, es gibt keine Hindernisse und völlig freie Sicht auf das Motiv. Zudem bewegt sich das Motiv mit relativ niedriger Geschwindigkeit und zudem mehr oder weniger parallel zur Kamera.

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Hier nun ein Versuch Ross und Reiter mittels des kontinuierlich arbeitenden 3D-Autofokus abzubilden (AF-C). Grundsätzlich ist das Bild ok, aber schaut man es ganz genau an so sieht man, dass der Kopf des Pferdes bereits in Unschärfe verschwimmt, während der aufgewirbelte Staub hinter dem Pferd perfekt scharf dargestellt ist. Bei Fotos wie diesem ist der exakte Punkt für die Schärfe entscheidend. Bewegt sich ein Pferd im Galopp auf die D800 zu und sind zudem noch störende Hürden im Weg, so ist der 3D Autofokus überfordert. Hier sollte man von AF-C auf AF-S wechseln, auf einen Punkt am Boden kurz vor der Hürde fokussieren, die AF/AE-Lock Taste drücken und im richtigen Augenblick auslösen.

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Brennweite

Das mit 70-200mm Brennweite recht kurze Telezoom ist im FX-Format „ok“, aber es könnten durchaus 100 bis 200mm „mehr“ sein. Klar kann man im Nachhinein einen geeigneten Ausschnitt wählen, aber der größte Vorteil der D800 bzw. D800E – die hohe Auflösung – ist damit wieder verloren. An einer D4 wäre das 70-200 allerdings für viele Situationen deutlich „zu kurz“. Mit 18 Megapixeln hat auch die D4 Reserven für einen Ausschnitt, aber diese sind deutlich geringer als bei der D800E. Das 70-200 ist meiner Meinung nach dann recht gut geeignet, wenn man sehr nah an das Geschehen herankommt. Sobald man das Geschehen von einer Tribühne oder dem Rand eines Fußballfeldes verfolgen muss wird es mit dem 70-200 zumindest schwierig. Hier sollte man sich bspw. beim Fußball so nah wie möglich hinter einem Tor positionieren und hoffen, dass sich hier packende Zweikämpfe ergeben werden.

Hier ein „Rohbild“ und ein später gewählter Ausschnitt aus der gleichen Aufnahme:

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

ISO-Emfpindlichkeit

Will man schnelle Bewegungen ohne Bewegungsunschärfe festhalten, so sind kurze Verschlusszeiten extrem wichtig. Doch für kurze Verschlusszeiten braucht man entweder sehr viel Licht oder eine hohe ISO-Empfindlichkeit. Wer seine Sportfotos in einer Halle oder bei einem abendlichen Fußballspiel aufnehmen will, der kommt schnell in Bereiche in denen ISO 1.600 und mehr erforderlich sind. Dies ist nicht mehr die Domäne der D800E, allerdings ist es weniger schlimm als gemeinhin befürchtet wird! Beim ISO-Vergleich zwischen D4 und D800 sollte man die Bilder der D800 auf die Abmessungen der Bilddateien einer D4 reduzieren. Das gefürchtete „ISO-Rauschen“ ist nach der Halbierung der Dateigröße weniger stark sichtbar. Doch wie man sich auch dreht und wendet, die D4 ist hier aufgrund der größeren RGB-Pixeln und der größeren Abstände zwischen den Pixeln immer noch klar im Vorteil. Einige der weiter unten angehängten Bilder habe ich bei ISO-400 aufgenommen. Ein wirklich sichtbarer  Qualitätsverlust ergibt sich dadurch nicht. ISO-800 wäre auch noch ok, bei höheren ISO-Werte wird das ISO-Rauschen dann sehr deutlich sichtbar. Hier hilft nur noch die beschriebene Verringerung der Dateigröße. Für den Abdruck in Zeitschriften wird die Bildqualität der D800 aber selbst bei ISO 3.200 oder 6.400 noch mehr als ausreichend sein. Doch bei großformatigen Prints im Format von vielleicht 100x150cm wird der kritische Betrachter das Bildrauschen deutlich wahrnehmen.

Zusammenfassung

Mit 4 B/s ist die D800 bzw. D800E für die Sportfotografie brauchbar, aber nicht optimal. Auch hätte ich mir mehr Bilder in Folge, also einen noch größeren Pufferspeicher gewünscht. Selbst die Verwendung einer teuren Sandisk 64GB UDMA CF-Karte in Kombination mit einer 10x SDHC-Karte bringt hier kaum Vorteile. Ist der Pufferspeicher voll, so macht die Kamera eine Pause. Lediglich die Länge dieser Pause lässt sich mit schnellen Speicherkarten etwas verkürzen. Hier sind die D700 oder gar die D4 ganz klar im Vorteil. Den perfekten Moment durch“draufhalten und Dauerfeuer“ zu erwischen ist hier einfacher. Bei der D800E muss man den Kopf häufiger einschalten und sehr viel differenzierter mit dem Auslöser umgehen. Auch damit sind dann tolle Bilder möglich, aber es ist eben deutlich schwieriger und macht braucht zusätzlich eine Portion „Glück“.

In der Folge habe ich für Euch eine kleine Auswahl der Bildergebnisse zusammengestellt.

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

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Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Nikon D800E mit Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm - Reitturnier Mainz Ebersheim - 2012

Résumé

Die D800E hat sich im Zusammenspiel mit dem AF-S VR 2.8/70-200 recht gut geschlagen. Die leichten Randunschärfen des Objektivs fallen hier kaum ins Gewicht, da sich das Hauptmotiv meist im Bildzentrum befindet. Bedingt durch die verwendeten großen Blenden-Werte gehen die leichten Randunschärfen in der Regel in der Hintergrundunschärfe „verloren“. Oft ist das 70-200 ohnehin etwas zu „kurz“, so dass ein leichter Ausschnitt erforderlich wird. Damit werden unscharfe Randbereiche entfernt. Wer damit nicht leben kann und will, der sollte sich unbedingt die neuere Version dieses Objektives kaufen. Hier ist die Randunschärfe weniger stark ausgeprägt.

Wer mit seinen Sportfotos Geld verdienen muss, der wird eher zu einer Nikon D4 greifen. Sie ist mit 11 statt 4 Bildern pro Sekunde ganz klar im Vorteil und die Chance auf das ultimative Sportfoto das es auf die Titelseite eines Magazins schafft ist damit deutlich größer. Für die Titelseite eines Magazins ist eine Auflösung von 6 Megapixeln in der Regel mehr als ausreichend. Damit bietet auch die Nikon D4 genügend Reserven für eine entsprechende Ausschnittsvergrößerung und ist damit letztlich das besser geeignete „Werkzeug“.

Aber die Bilder zeigen, dass man die D800 auch für actionreiche Fotografie gebrauchen kann! Wer übrigens die befürchteten Moiré-Artefakte der D800E findet, der darf sie gern behalten 🙂

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 2.8/70-200mm / Nikon TC17-E II

 

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Nikon D800E – AF-S 2.8/70-200mm + AiS 2.8/55mm

Nach ein paar Tagen mit schlechtem Wetter scheint endlich mal die Abendsonne. Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang wird die D800E mit einigen Objektiven eingepackt. Im obigen Video habe ich diese Linsen einzeln vorgestellt. Mein Ziel ist ein Feld mit farbenfrohen schönen Blumen. Mein Auto kann ich direkt neben dem Feld abstellen und es kann sofort losgehen. An die D800E setze ich eines meiner Lieblingsobjektive, ein etwa 20 Jahre altes AiS 2.8/55mm Micro Nikkor. Ein altes Macro-Objektiv ohne CPU und ohne Autofokus, es ist komplett aus Metall gebaut und funktioniert auch nach vielen Jahren noch wie am ersten Tag. Nach etwa 100 Bilder geht es zurück zum Auto, das 55er Macro muss dem AF-S VR 2.8/70-200mm weichen. Etwa 50 Bilder später geht es auf die andere Straßenseite. Dort lockt ein einsamer Baum am Horizont. Auf dem Feld davor liegen die letzten runden Strohballen. Vielleicht wurde der Bauer vom Regen überrascht und lässt sie nun auf dem Feld trocknen? Wie dem auch sei, sie bieten sich an das langweilige Stoppelfeld ein wenig zu strukturieren. Es ist etwa 30 Minuten vor Sonnenuntergang und die Strohballen werfen im letzten Abendlicht schöne lange Schatten.

Schauen wir uns die Ergebnisse im Detail an. Hier habe ich einige Bilder für Euch ausgesucht und eine JPG-Version in Originalgröße auf meinem Webserver abgelegt. Einfach auf die kleinen „Vorschaubilder“ klicken und etwa 10MB später könnt Ihr Euch die großen Varianten anschauen.

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Schaut man sie diese Bilder im Detail an, so fällt die immense Auflösung der D800E erneut auf. Keine andere FX-Kamera  löst derzeit annähernd viele feinste Details au Probleme mit fiesen Moiré-Mustern gibt es wie erwartet nicht. In der Natur ist dieses Problem auch wirklich höchst selten. Die verwendeten Objektive machen an der D800E eine wirklich gute Figur. Durch den recht großen Chip klappt auch das gezielte Spiel mit der Hintergrundunschärfe. Das Bokeh beider Objektive ist sehr brauchbar. Bei den Bildern mit dem 55er Macro-Objektiv kommt der eingebaute kleine Blitz zum Einsatz. Das Objektiv ist wunderbar schlank und so wirft es keinen Schatten auf das Motiv. Einmal mehr zeigt sich wie praktisch es doch ist diesen kleinen „Notblitz“ immer dabei zu haben! Besonders im Nahbereich hilft er allerfeinste Unschärfen zu Vermeiden die sich durch die Bewegung des Motivs oder der Kamera ergeben könnten. Die geringe Lichtleistung des Blitzlichts ist im Nahbereich durchaus ausreichend.

Da das AiS 2.8/55mm keine eingebaute CPU hat, kann die D800E (meiner Meinung nach) die sehr genaue iTTL Blitzbelichtungsmessung nicht benutzen. Die Ergebnisse sprechen trotzdem für sich. Und mir ist bei einem korrekt belichteten Bild letztlich ziemlich gleichgültig wie dieser Belichtungswert ermittelt wurde. Alles was zählt ist das Ergebnis 🙂

Bei der Durchsucht der Bilder fällt auch auf, dass sich nach nur etwa 1000 Auslösevorgängen bereits Staubkörner auf dem Chip der D800E angesammelt haben. Es ist ein echtes Ärgernis und einmal mehr zeigt sich, dass bei hartnäckigen Staubpartikeln die „Ultraschall-Reinigung“ des Chips einfach nicht funktioniert. Meiner Meinung nach kann dieses „Gimmick“ eine gute gemachte Chipreinigung einfach nicht ersetzen. Und je höher die Auflösung des Chips ist, desto störender sind auch allerfeinste noch so winzige Staubpartikel. Verglichen mit einer D700 erscheinen gleich große Partikel in der 100% Ansicht in der dreifachen Größe!

Auf Euer Feedback bin ich gespannt!

Nikon D800E – Landschaftsfotografie mit Teleobjektiven

Für die Mehrzahl der Fotografen ist die Landschaftsfotografie unmittelbar mit der Nutzung von Weitwinkelobjektiven verknüpft. Auch wird die Mehrzahl der Landschaftsfotografien weltweit mit weiten- oder gar ultraweiten Winkeln erstellt. Sehr kurze Weitwinkelobjektive haben die Eigenschaft, Objekte die sich sehr nah vor dem Objektiv befinden überproportional groß abzubilden. Das ist auch der Grund, warum Weitwinkelobjektive in der Portraitfotografie meist nicht zu gebrauchen sind, sie machen eben „Knollnasen“. Setzt man sie hingegen zur Sonnenuntergangszeit am Meer ein, so kann man den Schaum der Brandung fast bis in das Objektiv hinein fließen lassen. Bei Brennweiten von 20mm und weniger lassen sich bereits bei Blende 8  bis 11 unter Berücksichtigung der Hyperfokaldistanz ganz erstaunliche Effekte mit nahezu unendlicher Tiefenschärfe erzielen.

Bei Teleobjektiven ist das grundlegend anders. Sie haben einen deutlich engeren Blickwinkel, die Tiefenschärfe ist viel geringer und in der Landschaftsfotografie wirken die Bildergebnisse „kompakter“. Durch den engen Blickwinkel werden die Proportionen der Objekte deutlich weniger stark verzerrt und die Proportionen oft weitgehend beibehalten. Vor vielen Jahren habe ich mal in einem Buch gelesen, das Teleobjektiv würde den „Raum verdichten“. Damals musste ich bei dieser Formulierung grinsen, aber es ist doch etwas dran.

Hier habe ich vier Beispiele für Euch, die ich vor ein paar Tagen zur Sonnenuntergangszeit im Süden von Mainz aufgenommen habe. Es war schrecklich schwül und die Mücken haben mich übel zerstochen. Und auch der erhoffte grandiose Abendhimmel wollte sich nicht einstellen. Alles in allem war diese kleine Exkursion eher ein Fehlschlag. Aber als Demobilder taugen einige der Ergebnisse dennoch.

Alle Bilder habe ich in Originalgröße auf meinem Webserver abgelegt. Einfach die kleinen Vorschaubilder anklicken.

Beginnen wir mit einem Blick über einen Weinberg auf einen kleinen Turm der viele hundert Meter weit weg war. Der Turm ist gut erkennbar und bildet den Angelpunkt der Bildgestaltung. Durch die verwendete kleine Blende ist die Tiefenschärfe ausreichend groß. Damit die Bildkomposition funktioniert braucht man einen erhöhten Standpunkt. Ich habe mich hier für einem kleinen Aussichtspunkt entschieden. Will man im Abendlicht mit einem Teleobjektiv bei kleiner Blende ein Bild mit größer Tiefenschärfe aufnehmen, so ist ein Stativ absolute Pflicht! Wenn die Kamera es ermöglicht, sollte man unbedingt die Spiegelvorauslösung verwenden!

In diesem Beispiel habe ich das Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm verwendet. Über dieses Objektiv habe ich im letzten Artikel schon geschrieben. Bei den dort verlinkten Testbildern war eine ausgeprägte Randunschärfe sichtbar. Schaut man sich diese Bilder in der Originalgröße an, so ist hier der Schärfebereich homogener, weil das Objektiv nicht im Nahbereich eingesetzt wurde. Wer ganz genau hinsieht, wird aber dennoch an den Bildrändern einen deutlichen Schärfeabfall erkennen. Wer dies vermeiden will kann bspw. eine der Festbrennweiten einsetzen die ich im letzten Artikel schon vorgestellt habe.

Kommen wir zum nächsten Beispiel. Hier wir ein Dilemma der Landschaftsfotografie mit Teleobjektiven deutlich, der Dunst! Gerade an warmen Tagen flimmert die Luft in der Hitze des Sonnenlichts. Kommt noch Feuchtigkeit hinzu ergeben sich trübe Luftschichten die es meist fast unmöglich machen Objekte in großer Entfernung mit einem Teleobjektiv scharf abzubilden.

Aus diesem Grund schlägt die Stunde der Landschaftsfotografien mit langen Teleobjektiven meist sehr früh an kühlen Sommermorgenden oder sogar während der klaren kalten Wintertage. Der weiße Fleck im Bild ist übrigens ein Jogger mit weißem Hemd, spätestens jetzt wird klar, ein Stativ ist PFLICHT!

Kommen wir zu einem anderen wichtigen Kapitel der Fotografie, zum Tonwertumfang der Kamera. Meist wird dies auch als Dynamik bezeichnet. Je kleiner die Pixel des Sensors einer Digitalkamera sind, umso geringer ist die Dynamik, also der maximal abzubildende  Kontrastumfang eines Motivs. Blickt man mit einem Objektiv direkt in die Sonne, so ist das für den Chip einer Digitalkamera so ziemlich die härteste aller Prüfungen. Schlimme Reflektionen an den Oberflächen der Linsen, die so genannten „Lensflares“ sind für diese Aufnahmesituation oft sehr charakteristisch. Vermeiden kann man sie indem man den „Fingertrick“ verwendet, den ich in einem meiner Artikel in der Rubrik „Photoshop“ schon beschrieben habe.

Das hier verwendete Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm Objektiv zeigt in dieser krassen Gegenlichtsituation praktisch keine sichtbaren Lensflares. Dies zeigt wie gut die Entspiegelung und der optische Konstruktion dieses Objektives ausgeführt sind. Und entgegen aller Befürchtungen ist der Dynamikumfang der D800E gar nicht so eng wie befürchtet.

Doch trotzdem ist der Vordergrund sehr dunkel und weist nur mäßig viel Zeichnung auf. Wie kann man das ändern? Ein sehr einfacher Trick ist die Erstellung einer Belichtungsreihe. Im folgenden Beispiel habe ich im Abstand von nur wenigen Sekunden drei identische Fotos mit einem Unterschied von jeweils einer Blendenstufe aufgenommen. Aus diesen drei Bildern habe ich dann das folgende Bild zusammengefügt. Es ist kein HDR! Statt dessen ist der Vordergrund aus dem hellsten Bild entnommen. Für den mittleren Bereich wurde das dunkelste Bild verwendet, der oberer Bereich stammt aus dem „normal“ belichteten Foto.

Das Ergebnis ist homogener, aber irgendwie auch etwas „blasser“ als vorherige Beispielbild. Was einem letztlich gefällt ist dem persönlichen Geschmack überlassen. Mir persönlich gefällt es gut, wenn es keine „Tonwertabrisse“ gibt, also Bildbereiche die entweder komplett schwarz oder weiß sind. In diesem Bildbereichen ist jedwede Zeichnung verloren und beim genauen Hinsehen sind sie meist wirklich unschön.

Schaut Euch die Bilder in der Originalgröße an und urteilt selbst 🙂

Nikon D800E – 200mm Brennweiten im Vergleich

Nachdem ich vor einigen Tagen verschiedene 300mm Brennweiten an der Nikon D800E miteinander verglichen habe, gibt es heute einen Vergleich verschiedener 200mm Brennweiten. Diese Objektive stehen diesmal auf dem Programm. Es ist eine Mischung aus teils uralten extrem preiswerten 200mm Festbrennweiten, einem modernen Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm Zoom, einem 18-200mm Superzoom im DX-Format und einem 150mm Zeiss-Objektiv das eigentlich für Hasselblad-Kameras gedacht ist. Dieses große schwere Zeiss-Objektiv lässt sich in Verbindung mit einem recht preiswerten Adapter sehr gut an der D800E und vergleichbaren Kameras nutzen.

Testkandidaten

Hier die Testkandidaten, anklicken für Originalgröße…

Nikon D800E - 200mm - Lens Comparison - Objektivvergleich

Von links nach rechts

  • Nikon MF Ais 4/200mm
  • Tokina MF 3,5/200mmm
  • Nikon MF Ai 4/200mm
  • Zeiss / Hasselblad 4/150mm
  • Nikon MF AiS 4/80-200mm
  • Nikon MF AiS 5.6/100-300mm
  • Sigma EX 3.5/180mm Macro
  • Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm
  • Nikon AF-S VR 18-200mm DX (Nicht abgebildet)

Auch wenn nicht alle Objektive genau bei 200mm Brennweite liegen, so ist der Vergleich dieser Linsen doch spannend. Der extrem hochauflösende Chip der D800E sollte hier jede noch so kleine Schwäche unerbittlich enttarnen. Aus dem RAW-Bildern habe ich mit Nikon Capture sehr hochauflösende ca. 12MB große JPG-Dateien erstellt. Alle Dateien wurden mit den gleichen Einstellung im Batch-Verfahren konvertiert.

Testaufbau

DX-Objektive an der D800E

Dieses Bild habe ich mit dem Nikon AF-S VR 18-200mm Superzoom aufgenommen. Ein Objektiv, dass von Forums-Experten gern mal als „Deppenzoom“ bezeichnet wird, das aber trotzdem unter Nikon Fans im DX-Format sehr beliebt ist. Dieses Bild zeigt sehr schön, dass man mit diesem Objektiv durch aus auch an der D800E arbeiten kann, aber man muss das Ergebnis kräftig beschneiden, so dass letztlich nur etwa 18 Megapixel übrig bleiben. Für viele Anwendungen ist das noch halbwegs ok und man hat ein kleines kompaktes Objektiv im Gepäck. Will man aus seiner D800E jedoch das Maximum herausholen, so ist diese Kombination nicht empfehlenswert.

Testergebnisse

Diese Original-Dateien habe ich auf meinem Webserver für Euch abgelegt (Jeweils ca. 12MB).

Diskussion der Ergebnisse

Auflösung bei Blende 11

Schauen wir uns die Ergebnisse im Detail an. Beginnen wir mit dem Auflösungvermögen bei Blende 11. Bei dieser Einstellung liefern diesen Objektiven die beste Auflösung. Ausgesucht habe ich einen Ausschnitt aus dem unteren Bildbereich. Dort ist die Anforderung an die Auflösung extrem hoch. Wirklich überraschend ist hier, dass abgesehen vom 18-200mm „Deppenzoom“ alle Objektive sehr ähnliche Ergebnisse liefern. Schaut man ganz genau hin, so liefert das Sigma EX 3,5/180mm die beste Qualität, bei geringer Verzeichnung und hohem Kontrast. Das moderne Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm schlägt sie recht gut, zeigt allerdings eine deutliche Verzeichnung. Auch ist beim 70-200 eine leichte Randunschärfe deutlich sichtbar. Das alte billige AiS 80-200mm Schiebezoom schlägt sich hier sichtbar besser.

Das Zeiss-Objektiv bietet neben gutem Kontrast und hoher Auflösung eine praktisch verzeichnungsfreie Abbildung. Eine Vignettierung ist auch bei offener Blende praktisch nicht erkennbar. Diese Objektive verdienen Ihren guten Ruf durchaus. Und in Verbindung mit einem professionellen Mittelformatrückteil werden sie an einer Hasselblad perfekte Ergebnisse produzieren. Die Nutzung an einer Kleinbild-Spiegelreflex ist mittels eines Adapters zwar möglich, aber doch irgendwie esoterisch. Das Objektiv ist einfach sehr groß und schwer und wenn man mit einem kleinen, leichten sehr billigen Nikon AiS 4/200mm sehr ähnliche Ergebnisse erzielt, warum sollte man sich dann mit dem großen Zeiss/Hasselblad-Objektiv abmühen?

Auflösung am Bildrand bei Blende 11

Ein Blick in die obere linke Ecke zeigt, dass alle Kandidaten bei Blende 11 praktisch keine sichtbare chromatische Aberration produzieren. Den Ausschnitt des 18-200mm DX-Objektivs habe ich entsprechend vergrößert. Schaut man sich das Sigma bzw. das Zeiss-Objektiv im direkten Vergleich an so wird klar, dass ein DX Objektiv an der D800E nicht vielmehr als eine Notlösung darstellt. Beim AF-S VR 2.8/70-200 ist die Verzeichnung gut sichtbar. Und auch hier schlägt sich das alte 80-200mm Schiebezoom erneut wirklich gut. Interessant finde ich, dass das uralte von mir selbst auf Ai umgebaute Nikon 4/200 (aus der Ära der Nikon F) sich im Vergleich zu den deutlich moderneren Objektiven sehr gut schlägt. Das Ergebnis ist praktisch identisch und zeigt mir einmal mehr, dass der gute Ruf der Nikon-Objektive seit mehr als 60 Jahren mehr als berechtigt ist.

 

Einschränkungen

So spannend wie dieser Vergleich auch sein mag, man sollte bedenken, dass alle Bilder im Nahbereich mit einem Abstand von etwa 2-3 Metern aufgenommen wurden. Besonders das Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm zeigt in diesem Nachbereich bei offener Blende nicht das was es eigentlich kann. Schaut man die Bilder im Detail an, so wirken sie bei Blende 2,8 und 4 irgendwie unscharf und verwackelt. Mich hat das zunächst irritiert. Daher habe ich sie mehrfach neu aufgenommen. Aber stets mit gleichem Ergebnis. Dieses Objektiv arbeitet in Nahbereich nicht optimal. Sobald man auf ein Motiv fokussiert, das 5-10 Meter und weiter entfernt ist, verschwindet dieser Effekt, zumindest bei meinem Exemplar. Wer sich für das Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm interessiert sollte daher ggfs. mit „seinem“ Modell einige Testaufnahmen machen.

Fazit

Dieser kleine Vergleich zeigt erneut, dass die alten manuell fokussierten Objektive nicht zu unterschätzen sind. Man bekommt sie sehr preiswert und falls man sie bei Blende 8/11 verwenden kann, liefern sie durchweg brauchbare Ergebnisse.

Das Nikon AF-S VR 2.8/70-200 zeigt eine deutlich sichtbare Verzeichnung und ausgeprägte Randunschärfe. Im mittleren Bildbereich ist die Auflösung. mit der oben beschriebenen Einschränkung, sehr gut. Damit empfiehlt es sich eher als lichtstarkes „Supertele“ für DX Kameras. Hier wird es sichtbar bessere Ergebnisse liefern als das Nikon AF-S VR 18-200 Superzoom Objektiv. Aber man muss auch den vierfachen Preis und etwa das dreifache Gewicht einkalkulieren.

Wer sehr genau auf jeden Cent achten muss, der hat mit dem Tokina 3,5/200mm ein sehr kompaktes sehr preiswertes kleines Teleobjektiv, für das man bei den diversen Onlineplattformen kaum mehr als 50-100 Euro bezahlen wird. Wer nicht unbedingt zoomen will, der könnte sich als Alternative zum Nikon 70-200 das Sigma  3,5/180mm Macro kaufen. Es bietet bei ähnlicher Brennweite eine wirklich hervorragende Bildqualität und kostet neu kaum mehr als 500 Euro. Ein echter Preistipp!

Nikon D800E – 300mm Teleobjektive im Vergleich

Schaut man sich die Liste der Teleobjektive an bei Nikon innerhalb der letzten 50 Jahre konstruiert wurden so wird schnell klar, dass dies eine heimliche Leidenschaft der Nikon-Ingenieure sein muss. Nikon Kameras werden von vielen Profis eingesetzt und diese Profis sind oft bei Sportveranstaltungen oder dort wo es Promis zu sehen gibt unterwegs. Eine ganz andere Fotografen-Spezies ist weltweit unterwegs und lauert auf das ultimative Tierfoto. All diesen Fotografen gibt Nikon seit vielen Jahren zu teils exorbitanten Preisen hervorragende Teleobjektive an die Hand.

Geht man an einem schönen sonnigen Tag mal in einen Zoo, so sieht man viele Amateure mit ihren „langen Tüten“ zwischen den Gehegen umherstreifen, auch sie sind auf der Suche nach dem ultimativen Tierfoto. Die Mehrzahl der Fotoamateure träumt insgeheim vom einem ultimativen Teleobjektiv so wie sie es in den Nachrichten auf den Stativen der Profis zu sehen bekommen. Doch wirklich leisten können sich das nur wenige. Erst vor einigen Tagen hat Nikon ein neues 800mm Supertele vorgestellt, dieses dicke Ding wird soviel kosten wie ein Kleinwagen. Außerdem wird es schwer sein wie ein Stück Blei und man wird damit auf allen Flugreisen ein Problem wegen der Größe und des Gewichts dieses Objektivs haben.

Welche Teleobjektive an der D800 bzw. der D800E was können, was sie wiegen und kosten, das will ich heute ein wenig ausloten.

Beginnen wir mit einem Nikon AF-S VR 4/200-400mm. Dieses Ding kostet runde 6.500 Euro und liegt damit an der Obergrenze dessen was ein „normaler“ Fotoamateuer investieren kann. Dieses Telezoom ist nicht nur teuer, es ist auch groß und schwer. Bei meinen letzten Reisen hatte ich mit diesem Monstrum regelmäßig Probleme mit dem Handgepäck. Aber, es liefert auch geniale Ergebnisse und der 2-fach Zoombereich gibt einem die in der Tierfotografie oft notwendige Flexibilität. In Verbindung mit den Video-Features ist es an der D7000 oder auch der D800E gibt, ist es ein tolles Gerät für die Beobachtung von Tieren. Gelegentlich verwende ich es auch mit dem Nikon TC17-E II Teleconverter. Damit funktioniert der Autofokus noch, das Sucherbild ist ausreichend hell und der Vergrößerungsfaktor gewaltig. Nutzt man es mit einer DX-Kamera hat man ein halbwegs bezahlbares und transportables Supertele mit dem man sich nirgendwo zu schämen braucht 🙂

Hier eines meiner Beispielvideos.

Zurück zu meiner kleinen Testreihe, so sieht dieses Telefobjektiv an der D800E aus. Ein echt „dicker Brummer“, gell?

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 4/200-400mm

Wenn die enormen Abmessungen und das Gewicht des großen Teleobjektivs nicht „tragbar“ sind, nehme ich in der Regel das Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm und den 1.7er Teleconverter mit. Damit hat man ein kompaktes relativ lichtstarkes Objektiv mit sehr guten Abbildungseigenschaften. Diese Kombination ist neu für etwa 2.300 Euro zu haben.

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 2.8/70-200mm / Nikon TC17-E II

Auf dem Gebrauchtmarkt bekommt man mit ein wenig Glück für etwa 1.000 Euro das schon recht betagte Nikon AF-D VR 80-400mm. Der 1.7er Teleconverter funktioniert mit diesem Objektiv allerdings nicht und es hat keinen AF-S Motor, also keinen eingebauten Ultraschallantrieb für den Autofokus. Das Fokussieren muss also ein Motor in der Kamera übernehmen. Viele preiswerte Nikon DSLR-Modelle verfügen inzwischen nicht mehr über diesen Motor, so dass man genau hinschauen muss, ob dieses Objektiv für die eigene Kamera geeignet ist oder nicht.

Nikon D800E & Nikon AF-D VR 80-400mm

Wer noch weniger Geld hat, der bekommt für etwa 150 Euro auf dem Gebrauchtmarkt Objektive wie das Nikon AiS 5.6/100-300mm zu kaufen. Es ist ein Schiebezoom mit sehr brauchbarer Abbildungsqualität. Es ist recht leicht und sehr kompakt. Damit könnte es für all jene interessant sein, die ein Teleobjektiv weniger für die Tier- als vielmehr für die Landschaftsfotografie suchen. Wer Landschaften fotografiert muss oft lange Wanderungen über weite Distanzen zurücklegen um zur ultimativen Fotolocation zu gelangen. Mit einem kleinen leichten Teleobjektiv wie diesem hier, fallen solche Wanderungen spürbar leichter aus.

Nikon D800E & Nikon AiS 5.6/100-300mm

Ok, schauen wir uns an was diese Objektive leisten. Ich habe hier eine Testreihe für Euch und jeweils von der größten Blende bis Blende 22 ein kleines Testchart im Format DIN A3 abfotografiert, dass ich mit einem EPSON STYLUS PRO R2880 auf Fotopapier gedruckt habe. Das Papier hat leider keine perfekt matte Oberfläche, daher reflektiert bei einigen Bildern die Oberfläche das einfallende Tageslicht. Alle Bilder sind bei etwa 300 Brennweite entstanden. Die D800E stand auf einem Stativ und wurde mit der Spiegelvorauslösung so erschütterungsfrei wie irgend möglich ausgelöst.

Versuchsaufbau

Mein Versuchsaufbau sah etwa so aus. Damit Ihr einen Eindruck von der Größe des Testcharts bekommt, habe ich mal einen einfachen Gliedermaßstab davor gestellt.  Das Testchart ist mit Tesafilm an einem alten Karton befestigt und diesen habe ich auf ein Regal gestellt um das Testchart ablichten zu können.

Liste der Testbilder

Hier habe ich Euch die konvertierten Testbilder in voller Auflösung bereitgestellt. Wer ein Original-RAW-Bild haben möchte, der muss sich einfach melden. Aber, diese Dateien sind pro Stück etwa 45MB groß!! Um die Bilder in der vollen Größe zu öffnen, einfach auf die Links klicken. Sie sollten in neuen Fenstern oder neuen TABs geöffnet werden. Damit kann man sie dann sehr einfach miteinander vergleichen.

  1. Nikon AF-S VR 4/200-400mm
    1. Blende 4
    2. Blende 5.6
    3. Blende 8
    4. Blende 11
    5. Blende 16
    6. Blende 22
  2. Nikon AF-D VR 5.6/80-400mm
    1. Blende 5.6
    2. Blende 8
    3. Blende 11
    4. Blende 16
    5. Blende 22
  3. Nikon AiS 5.6/100-300mm
    1. Blende 5.6
    2. Blende 8
    3. Blende 11
    4. Blende 16
    5. Blende 22
  4. Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm & TC17-E II
    1. Blende  5.6
    2. Blende 8
    3. Blende 11
    4. Blende 16
    5. Blende 22

Diskussion der Bildergebnisse

Schaut man sich die Bilder an so fällt schnell auf, dass alle Objektive bei vollständig geöffneter Blende eine sichtbare Vignettierung zeigen. Blendet man die Objektive um 2-3 Stufen ab, so verschwindet die Vignettierung fast vollständig und die Abbildungsqualität erreicht das Maximum. Bei Blende 16 und Blende 22 ist keine Zunahme der Abbildungsqualität mehr erkennbar. Ganz im Gegenteil, nun kommen die Beugungseffekte an den Blendenlamellen ins Spiel und die Abbildungsqualität nimmt sogar ab!

Schauen wir einmal ins „Zentrum“ der vier Testkandidaten bei offener Blende.

Nikon D800E - 300mm - Shaprness Comparison

Der gleiche Ausschnitt bei Blende 11

Nikon D800E - 300mm - Shaprness Comparison

Nun die obere linke Ecke bei Blende 11

Nikon D800E - 300mm - Shaprness Comparison

Auch wenn die Testumgebung sicher nicht perfekt und die Ausleuchtung verbesserungswürdig ist, so zeigt diese Gegenüberstellung doch die exorbitant gute Bildqualität des Nikon AF-S VR 4/200-400mm Objektivs. Die Bilder sind sehr scharf und man kann fast die Papierfasern erkennen. Im Vergleich fallen die drei anderen Objektive sichtbar ab. Beim AF-D 80-400mm hat man den Eindruck, dass dieses Objetkiv den krassen Chip der D800E einfach nicht mehr adäquat mit Bildmaterial versorgen kann.

Trotz Teleconverter liefert das AF-S VR 2.8/70-200mm noch brauchbare Ergebnisse. Ohne Teleconverter wäre es auf dem Niveau des 200-400mm Objektivs. Das uralte billige 100-300mm Schiebezoom schlägt sich gar nicht so schlecht. Wenn man bedenkt, dass man es auf dem Gebrauchtmarkt sehr sehr preiswert kaufen kann, ist es durchaus eine Empfehlung wert, wenn das Geld für eine der teuren Linsen nicht ausreicht.

Die Hersteller Tamron, Sigma und Tokina haben ebenfalls sehr brauchbare Objektive im Angebot. Welches Objektiv nun perfekt ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer einen guten Fotohändler in der Nähe hat sollte fragen, ob er die 2-3 Objektive die er in der engeren Auswahl hat für ein paar Stunden ausleihen kann um sich eine eigene Meinung zu bilden.

In meinem Shop findet ihr ggfs. ein Testchart im Format 60x90cm. Es ist richtig matt, spiegelt also nicht wie diese kleine „Testvariante“ und weil es auch viel größer ist, spielt die Struktur des Papiers bei der Diskussion der Bildergebnisse eine untergeordnete Rolle. Allerdings braucht man für den Test eines Teleobjektives mit einem großen Testchart auch wirklich viel Platz! Ich hatte ihn heute nicht, daher habe ich mein kleines DIN A3 Testchart verwendet. Will man bei 60x90cm ein 400mm Teleobjektiv testen, so sollte man einen Raum haben der etwa 8 – 10 Meter breit oder lang ist. Notfalls kann man auch in den Garten ausweichen und das Testchart beispielsweise an die Hauswand hängen. 🙂

Hier der Link zum Testchart in meinem Shop.