Schwere Zeiten für Nikon & Co

Bei http://www.Handelsblatt.com habe ich heute diesen Artikel gefunden.

Schwere Zeiten für Kamerahersteller

Ein starker Yen und die Flutkatastrophe in Thailand verhageln das Quartalsergebnis. Das trifft nach den japanischen Autobauern auch den Kamerahersteller Nikon. Der Konkurrent Olympus verschob sogar den Zwischenbericht.

Tokio: Auf japanische Kamerahersteller kommen schwere Zeiten zu. Wegen der Affäre um dubiose Zahlen verschob Olympus am Freitag die Bekanntgabe der Zahlen zum zweiten Quartal. Konkurrent Nikon senkte wegen des starken Yen und der Flutkatastrophe in Thailand seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2011/12.

Üblicherweise müssen japanische Firmen den Zwischenbericht für die Monate Juli bis September bis Mitte November den Börsenregeln zufolge vorlegen. Olympus verschob die Bekanntgabe nun vom 8. November auf Mitte bis Ende des Monats. Die Entscheidung sei nicht auf die Entdeckung weiterer Probleme zurückzuführen, sagte ein Sprecher. Unter den gegebenen Umständen sei die Vorlage des Zwischenberichts aber nicht ratsam, fügte er hinzu. Bei dem Skandal geht es um dreistellige Millionenzahlungen, die bei der Übernahme des britischen Medizinausrüsters Gyrus im Jahr 2008 als Berater-Honorare geflossen waren. Olympus schaltete zuletzt eine externe Prüfungskommission ein.

Bei Nikon machten dagegen die Überschwemmungen in Thailand die Hoffnungen auf Rekordergebnisse im laufenden Geschäftsjahr zunichte. Der Konzern kann die Produktion in seinem überfluteten Werk dort frühestens im Januar wieder aufnehmen, das reguläre Niveau wird somit erst im März erreicht werden können, gab Nikon am Freitag bekannt. Zudem belastet der hohe Yen die exportorientierte Firma. Nikon rechnet in dem im März 2012 endenden Geschäftsjahr nun nur noch mit einem operativen Ergebnis von umgerechnet rund 620 Millionen Euro – 22 Prozent weniger als zuletzt angepeilt.

Aber auch der US-Fotokonzern Eastman Kodak schlug Alarm. Das Unternehmen kündigte am Donnerstag an, entweder Patente verkaufen oder neue Schulden aufnehmen zu müssen, um die nächsten zwölf Monate zu überleben.

Oh je oh je, wenn nun auch noch Kodak Insolvenz anmeldet und es bald keine Ektar 100 mehr gibt, dann wird die traditionelle Fotografie irgendwann wirklich ein Feld für absolute Freaks und unverbesserliche Enthusiasten! Hoffentlich werden in Hollywood noch über viele Jahre hinweg Filme analog kopiert und an die Kinos dieser Welt verschickt. Wenn dieser Zweig irgendwann weg bricht, dann wird es eng für die Hersteller von Filmen und die Liebhaber wunderbarer alter Kameras.

Und so wie das alles klingt, werden wir auf die D400, D800, D4 und die D4x noch eine ganze Weile warten müssen. Vielleicht wird das hier dann ja tatsächlich irgendwann noch Realität 🙂

Nikon AW-100 – Bildbearbeitung und Bildqualität

Funktionen wie die Erkennung von Gesichtern, einen Lächelauslöser oder eine Blinzelwarnung kennt heute fast jede moderne Digitalkamera. Die notwendigen Algorithmen programmiert man bei Canon oder Nikon schon seit langer Zeit nicht mehr selbst. Es gibt Firmen die sich auf genau diese Features spezialisiert haben. Daher sind die Funktionen auf bei fast allen Kameras gleich, denn es steckt oft der gleiche Lieferant dahinter.

Auch nicht ganz neu ist die Möglichkeit, Fotos gleich in der Kamera zu bearbeiten. Eigentlich ist das „Bah“ – und fast jeder Fotograf der sich ein wenig mit Photoshop oder ähnlichen Programmen auskennt wird diese Möglichkeit der Bildbearbeitung mehr oder weniger verächtlich abtun. Ich selbst habe sie bislang noch NIE benutzt. Aber da meine Freundin Sandra immer wieder freudig juchzt wenn sie einen neuen Effektfilter in ihrer D5100 entdeckt hat, will ich heute doch mal schauen was es mit dieser Bildbearbeitung direkt in der Kamera auf sich hat.

Mein „Testobjekt“ ist die kleine Nikon AW-100. Nach der Arbeit geht es im letzten Tageslicht von meinem Appartement aus ein paar hundert Meter am Rhein entlang auf eine kleine Fußgängerbrücke. Ein Stativ habe ich nicht dabei, aber es gibt mehrere massive Betonpfeiler auf denen man die Kamera sehr gut abstellen und dann mit dem Selbstauslöser „bedienen“ kann. Später suche ich mit ein Foto aus und schaue mal was die interne Bildbearbeitung so hergibt. Der erste positive Eindruck, man macht nichts „kaputt“. Es werden stets Kopien des bearbeiteten Originals gespeichert. Wirklich praktisch! Weniger praktisch ist, dass man Effekte nicht mehrfach nacheinander anwenden kann. Also eine Kombination aus „Miniatur-Effekt“ und „Delithing“ ist nicht möglich!

1) Hier das verkleinerte völlig unbearbeitete „Originalfoto“. Es ist ganz ok und bei 1000 Pixel Seitenbreite (einfach anklicken) wirklich brauchbar!

2) Das gleiche Foto mit dem Effektfilter „Delithing“. Es ist insgesamt heller und wird sich recht gut für die Ausgabe auf einem Belichtet oder Ink-Printer eignen. Eigentlich gar nicht schlecht und der Effekt ist auch nicht übertrieben!

3) Dieser Filter heißt „Schleier entfernen“. Der Kontrast wird gesteigert und das Bild kommt insgesamt „kräftiger“ daher. Für die Präsentation auf einer Web-Seite vielleicht gar nicht so verkehrt. Auch sind die Kontraste nicht krass übertrieben.

4) Hier ist der „Minatureffekt“ – Farben und Kontraste sind verstärkt und am oberen und unteren Bildrand ist ein Gaußscher Weichzeichner zu sehen. Eine ganz nette Spielerei, die sich aber auch sehr einfach mit Photoshop nachstellen ließe.

5) Hier jetzt ein 90-Sekunden „Blitzbearbeitung“ die ich eben mit Photoshop gemacht habe. Etwas mehr Kontrast und Farbe und ein bisschen „HDR“ aus Photoshop CS5. Hätte man nun noch ein schönes Motiv, so wäre es vielleicht gar kein schlechtes Foto 🙂

Zum Abschluss noch eine nähere Betrachtung der 16 Millionen Pixel der Nikon AW-100…

Im folgenden habe ich mehrere 100% Ausschnitte aus der Bildmitte bei ISO-400, f/3.9 und 0.3s zusammen gestellt.

16.MPix, also Originalgröße. Bedingt durch die ISO-400 ist das Rauschen deutlich wahrnehmbar, auch sind viele Komprimierungsartefakte erkennbar. Die Blätter des Baumes und die Dachziegel können nicht mehr differenziert dargestellt werden.

12 MPix – auch hier fallen die starken Artefakte noch auf, aber die Bildqualität wirkt insgesamt ein wenig besser.

Auch bei 9 MPix sind noch unschöne Artefakte erkennbar. Wir sind schon fast bei der Hälfte der vom Hersteller angegebenen Auflösung angekommen!

6.7 MPix – das ist ein Wert den Kameras mit einem deutlich größeren Chip vor 6 Jahren erreicht haben. Wir sind hier ungefähr auf dem Niveau einer Nikon D1x, wobei ich mir vorstellen könnte, das die Bildqualität der D1x hier immer noch besser wäre. Aber das werde ich in ein paar Tagen mal ausprobieren 🙂

4.7 MPix – das ist etwa das Niveau meiner ersten Canon G2. Alles in allem wäre das ganz ordentlich, doch der Baum erscheint immer noch verwaschen und es sind noch deutliche Artefakte erkennbar.

Nun sind wir bei 2.000 x 1.500 Pixel – sprich bei 3 MPix angekommen. Das ist das Niveau einer Nikon D1h die vor 12 Jahren auf den Markt kam. Die Gebäude erscheinen klar konturiert, es sind kaum noch Bildstörungen zu erkennen und so traurig es auch sein mag, bei etwas längeren Belichtungszeiten und ISO-400 kann man aus einem winzig kleinen Chip eben keine Wunder heraus zaubern.

Diesen kleinen Test werde ich in den nächsten Tagen mal bei gutem Licht und ISO-125 wiederholen. Die AW-100 ist wie vergleichbare Kameras auch, nicht die erste Wahl wenn es darauf geht in den Abendstunden schöne Fotos zu machen. Wie so oft gilt auch hier „Size Matters“ – das hat Roland Emmerich bei der Werbekampagne zu „Godzilla“ schon sehr treffend postuliert.

Ganz ähnlich wird es aussehen, wenn man Bilder aus der Nikon D3x mit Bildmaterial aus einem Mittelformat-Rückteil (bspw. Hasselblad CFV-50) vergleichen wird. Nimmt man dann einen Trommel-Scan eines der perfekten Großformat-Dias à la Andreas Gursky, so sehen sogar die D3x und das Hasselblad CFV-50 relativ alt aus. Doch bei allem stellt sich immer die Frage nach dem WARUM? Was will man mit 100.000.000 Pixeln pro Bild?

Wenn ich einen guten LFP-RIP (Large-Format-Print Raster-Image-Processor) nehme und ein perfektes Bild mit 12 Megapixeln bspw. aus einer D700 in 60 x 90cm bei höchster Qualität auf einem EPSON 7880 drucke, dann habe ich ein wirklich gutes Ergebnis. Mit solch einem Bild macht man, ein geniales Motiv vorausgesetzt, jeden interessierten Kurator oder Galeristen glücklich. Ok, man braucht noch ein sauber gearbeitetes Passepartout und einen schönen Rahmen mit hochwertigem entspiegeltem Glas, aber das war es dann auch!

Bitte korrigiert mich wenn ich hier Unsinn schreibe, aber 16.000.000 Pixel auf wenigen Quadratmillimetern sind meiner Meinung nach einfach nur Blödsinn. Als Ergebnis wird man auch im Jahr 2011 praktisch immer ein Bild mit vielen Artefakten haben das viel digitalen Pixelmüll enthält. Aber es ist das was die Kunden wollen. „Boah die hat sechzehnmillionen Pixel, die macht sicher Fotos die doppelt so gut sind wie meine alte Nikon D80 – boah geil!“ Meiner Meinung nach ist das ein Trugschluss der einfach nur die Festplatten dieser Welt verstopft. Aber „wir“ haben es ja so gewollt 🙂

Nikon D4 – Im Zeichen der Flut

 

Bei http://www.techradar.com gibt es heute zu lesen:

Nikon’s factory in Ayutthaya, Thailand has been submerged by floodwater, suspending the manufacture of the company’s entry-level cameras and lenses. „How much this affects production will depend wholly on how soon we can restart the factory,“ a Nikon spokeswoman said today. „The first floor of all buildings at the premises are presently submerged. We are continuing to investigate details of the damage, but are unable to predict how soon operation will be resumed. We will set up our recovery support system and endeavour to restart its operation as early as possible.“

Entry-level production halted

Since 2009, all Nikon’s DX format SLRs have been produced in Thailand. The Thai factory also produces most of Nikon’s DX zoom lenses. According to Reuters, shares in Nikon dropped 3% on the news. The reports follow yesterday’s news from the region that flooding at the Sony factory will cause delays in the shipping of the A77 and A65 SLTs.

Focus-online schreibt:

Die Flutkatastrophe in Thailand hat bereits 270 Menschen das Leben gekostet. Nun erreichen die Wassermassen die Hauptstadt. Bangkoks Bewohner bauen Dämme und kaufen die Supermärkte leer. Die Schäden liegen schon jetzt in Milliardenhöhe. Es ist die schlimmste Flut seit 1995: Bis sich der Hochwasser führende Fluss Chao Praya, der sich durch Bangkok schlängelt, über die Ufer tritt, bleiben nur noch ein bis zwei Tage. In Supermärkten waren die Regale mit Trinkwasser und Grundnahrungsmitteln wie Reis, Schweinefleisch und Geflügel leergekauft. Die Hochwasserschäden in den Agrarregionen im Norden dürften die Preise für Lebensmittel, besonders für Reis, steigen lassen.

In einer vorläufigen Schätzung rechnet die Zentralbank mit Schäden in Höhe von 60 bis 80 Milliarden Baht (2,5 bis 3,4 Milliarden Euro), die seit Ende Juli durch den starken Monsunregen entstanden sind. Darin sind noch keine Kosten für den Wiederaufbau oder mögliche Schäden in Bangkok enthalten. Die Flutkatastrophe bedeutet auch einen weiteren schweren Schlag für die Elektronik- und Automobilindustrie. Sie hatte sich gerade erst von den Produktionsunterbrechungen wegen Teilemangels in Folge des Erdbebens und Tsunamis in Japan erholt. Der Einbruch der Automobilhersteller hatte die Wirtschaftsleistung Thailands im zweiten Quartal schrumpfen lassen.

Nachdem zwei Industriegebiete in der alten siamesischen Hauptstadt Ayutthaya nördlich von Bangkok überflutet worden waren, setzte Honda seine Autoproduktion in Thailand vorerst aus. Medienberichten zufolge standen dort Hunderte Neuwagen von Honda unter Wasser.

Was bedeutet das für uns?

Eigentlich gar nichts, vorausgesetzt man geht mit Scheuklappen durchs Leben!

Mir zeigt es, dass es keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist, dass wir hier in Europa zu teils günstigen Preisen all die Technik-Gadget serviert bekommen die wir so sehr lieben. Tausende begeisterter Nikon Fans fiebern weltweit dem Tag entgegen an dem Nikon die Features der neuen Nikon D4 offiziell bekannt geben wird. Danach werden sie noch einige Monate auf die Folter gespannt werden bis die ersten Exemplare wirklich lieferbar sein werden. Bei all diesem Hype sollte man aber nicht vergessen, dass all das von Menschen erdacht und hergestellt wird. Von Menschen die in Region unserer Erde leben in der Erdbeben und schwere Stürme uns immer wieder die Fragilität unserer menschlichen Existenz aufzeigen. Jede Kamera, jedes Objektiv und auch jede Rolle Filmmaterial sind eigentlich ein Geschenk, das unter teils widrigen Bedingungen von Menschen produziert wird, die allesamt oft drastisch weniger verdienen als wir, einen niedrigen Lebensstandard haben und als wenn das nicht schon genug wäre, immer wieder von schweren Naturkatastrophen heimgesucht werden.

Die Nikon D4 wird irgendwann kommen, da bin ich mir sicher. Wenn sie dann endlich da ist, sollten wir vielleicht auch mal darüber nachdenken was es eigentlich bedeutet, dass es dieses „Ding gibt“.  Hunderte, vielleicht tausende von Ingenieuren und klugen Köpfen werden dann mehr als 60 Jahre lang eine Kamera nach der anderen konstruiert haben. Sie haben die Folgen von Hiroshima und Nagasaki überwunden, dem Vietnamkrieg getrotzt, Tsunamis erlebt und Reaktorkatastrophen bewältigt. All das werden sie geleistet haben um zu überleben, ihre Kinder zur Schule schicken zu können und um Menschen in fernen Ländern etwas zu geben woran sie viele Jahre lang Spaß haben können.

Schaut man sich Nikons Werbecampagne „I am Nikon“ genauer an, so ist abgesehen von der guten Arbeit einer oder mehrerer Werbeagenturen doch zu erkennen, dass hier Menschen am Werk sind, die sich Idealen verschrieben haben, die großes leisten und mit Leidenschaft ihrer Arbeit nachgehen. Ginge es den Mitarbeitern von Nikon, Canon, Sony usw. nur darum „Geld zu scheffeln“ so würden sie eher Hamburger braten, als die hochentwickeltsten elektromechanischen Foto-Systeme zu konstruieren welche die Menschheit je gesehen hat.

Jedes Klicken eines Kamera-Verschlusses für mich irgendwie ein kleines Wunder. Bis die Nikon D4 da ist, werde sicher noch oft daran denken, dass nicht nur jedes Auto, jedes Motorrad und jeder Computer im Tausch gegen ein Stückchen zerstörte Welt hergestellt werden, sondern auch jede Kamera und jedes Objektiv. Aber, es wird nicht nur die Umwelt belastet, es hilft auch vielen Menschen zu leben und hoffentlich ein bisschen Glück zu finden.

SO, ich lehne mich jetzt mal zurück und bin einfach froh darüber wie gut es mir geht!

Ok ok ok, auf den ersten Kontakt mit der Nikon D4 freue ich mich trotzdem 🙂

Nikon D4 – Seit heute im Handel

Das Bankkonto ist prall gefüllt und es geht mit der neuen Kreditkarte im Portemonnaie zum Fotohändler meines Vertrauens. Mit leicht erhöhter Pulsfrequenz übertrete ich die Schwelle zum universellen Fotoglück, ich bin im Fotouniversum.

„Ja da ist ja unser Umsatzbringer!“ schallt es mir freudig entgegen. „Heute ist das erste Exemplar der neuen Nikon D4 eingetroffen. Eigentlich war sie schon verkauft aber der Kunde hat während der Kartenzahlung einen Herzinfarkt erlitten und wurde gerade von einem Notarzt abgeholt. Sie ist also seit knapp 5 Minuten wieder frei verfügbar. Also, jetzt sofort zuschlagen oder einige Monate warten! Wie sieht’s aus Kollege?“

Wer kann da lange überlegen, klar will ich sie und das SOFORT! Also soll er schnell eine Rechnung schreiben. Während der Kugelschreiber seine Kreise zieht befreie ich meine EC-Karte aus der abgewetzten Lederhülle. Rein damit in den Kartenleser, ich bin aufgeregt!

„Der Bezahlvorgang konnte nicht abgeschlossen werden.“ Neuer Versuch… „Der Bezahlvorgang konnte nicht abgeschlossen werden.“ Mist, vielleicht liegt es am Limit der EC-Karte, wir versuchen es in kleineren Portionen. 5.000 Euro – Fehler – 4.000 Euro – Fehler – 3.000 Euro – Fehler – was für ein Mist, der Schweiß bricht aus, ich werde unruhig, an der Türe steht plötzlich jemand mit einem Bündel Bargeld in der Hand. Scheinbar ist auch er scharf auf die brandneue Nikon D4 – aber ich war eher da! 2.000 Euro – Fehler – Ahhh nein – 1.000 Euro – Geklappt – Yes!!

Noch mal 1.000 Euro – Yes!! Nochmal 1.000 Euro – Fehler… Ok, weiter mit der goldenen Kreditkarte, 2.000 Euro – Geklappt, die andere Kreditkarte – 2.000 Euro – geklappt, und noch einmal – Fehler – So ein Mist, in der verspiegelten Rückwand eines der Glasregale kann ich sehen wie mein Kopf hochrot anläuft. Es fehlen nur noch ein paar tausend Euro, das wird doch irgendwie gehen. Ah, da habe ich ja noch die EC-Karte des Kinder-Kontos meiner Tochter… Bitte den PIN eingeben… PIN nicht akzeptiert, PIN erneut eingeben, PIN nicht akzeptiert, dritter Versuch „Die Karte wurde zu ihrer Sicherheit gesperrt!“ Langsam schnürt es mir die Kehle zu, ich ringe nach Luft und der Typ mit dem Bündel Bargeld steht bereits hinter mir. Er riecht nach einer Mischung aus Zigaretten und Bier, ist unrasiert, trägt einen schwarzen Kaputzenpulli mit einem Totenkopf auf der Brust. Was will so ein Typ im Fotouniversum? Die Szenerie erscheint mir zunehmend surreal.

„Also Kollege, können wir das gute Stück nun bezahlen oder nicht?“ „Ja ja ja, ich kann, ich habe Geld!!“ Geben sie mir 10 Minuten, dann laufe ich schnell rüber zur Bank und hebe den restlichen Betrag ab, bitte!“ „Na, das geht so aber nicht, dann muss ich die Buchungen die wir bislang gemacht haben stornieren!“ „Ok, dann stornieren sie und ich komme mit dem gesamten Betrag zurück, geben sie mir 10 Minuten, bitte!!“

„Na dann will ich mal nicht so sein!“

Der Weg zur Bank ist weit und das Herz schlägt bis zum Halse. Ein flüchtiger Blick auf die Uhr, es ist schon nach Mittag, wie lange hat die Bank geöffnet? Ich versuche schneller zu laufen. 4 Minuten später stehe ich vor der Bank, völlig ausser Atem, der Puls ist an den Schläfen zu spüren, der ganze Körper pocht im Rhythmus des Herzmuskels. Aber ich bin da, endlich. Doch was ist das, kein Licht, die Türe läßt sich nicht öffnen, oh nein, nicht das… Ich renne rüber zu einer anderen Niederlassung, vielleicht hat die ja noch geöffnet, aber auch hier habe ich kein Glück. Nun renne ich schon seit 8 Minuten durch die Stadt und bin noch immer nicht zahlungsfähig.

„Ich muss zurück, sofort!“ Als ich wieder am Fotouniversum ankomme sind 12 Minuten vergangen. Während ich über die Schwelle stolpere sehe ich noch wie ein Mann mit schwarzem Totenkopf-Kaputzenpulli dem Händler die Hand schüttelt. Unter seinem linken Arm klemmt ein goldener Karton mit der Aufschrift Nikon D4.

Mir wird schwindelig und ich beginne zu taumeln. Mit der linken Hand versuche ich mich an einem Stativ festzuhalten auf dem eine Hasselblad H4D-60 präsentiert wird. Mit verschwommenem Blick sehe ich noch wie der Händler ein dickes Bündel nagelneuer 100 Euro Scheine durchzählt. Zwischendurch leckt er kurz an Daumen und Zeigefinger, es sind wirklich viele Scheine die er noch zählen muss.

Mir wird übel, der Schweiß bricht aus und dann verschlingt mich eine überaus beängstigende stille depressive Dunkelheit. Wie durch Watte höre ich von weit weg das Martinshorn eines Notarztwagens. Nun habe auch ich einen Herzinfarkt…

Als ich wach werde bin ich schweissgebadet und erstaunt zu gleich. Wo sind die Sanitäter, wer versorgt nun meinen Herzinfarkt? Abgesehen vom schweissnassen Körper fühle ich mich ganz gut, bin ich schon im Krankenhaus? Warum sieht das Krankenzimmer aus wie mein Schlafzimmer?

Plötzlich klingelt ein Wecker, ich zucke zusammen, ist es 7h am Morgen, es ist der 12. August 2011 und von der Nikon D4 ist noch immer keine Spur.

Es war ein Traum, ein echt schlimmer Traum!

Bei der ersten Tasse Kaffee wird mir klar, wenn die Nikon D4 irgendwann einmal lieferbar sein wird, sollte man sie vorbestellen und reservieren. Auch wäre es eine gute Idee mit viel Bargeld zum Fotouniversum zu gehen, mit wirklich viel Bargeld.

Heute ist der 12. August 2011 und es ist gut, dass uns allen noch viel Zeit bleibt genau dieses Bargeld zusammen zu sparen 🙂

Die Nikon D4 und der Stand der Dinge in Japan

In einer Meldung des Tagesspiegels (www.tagespiegel.de) vom 23.06.2011 gibt es folgendes zu lesen:

In Japan sind die nördlichen Provinzen Aomori und Iwate am Donnerstagmorgen (Ortszeit) von einem schweren Erdbeben der Stärke 6,7 erschüttert worden. Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde lag das Epizentrum des Bebens rund 50 Kilometer vor der Küste von Miyako in der Präfektur Iwate. Das Beben ereignete sich demnach um 06.51 Uhr (Ortszeit, 23.51 Uhr MESZ). Für die Küste Iwates wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben, die allerdings bereits nach rund einer Stunde wieder aufgehoben wurde. Berichte über mögliche Schäden oder Verletzte gab es zunächst nicht.

Iwate war am 11. März von dem schweren Beben der Stärke 9,0 und dem Jahrhundert-Tsunami heimgesucht worden, der den Nordosten des Landes schwer zerstört hatte. Mehr als 23.000 Menschen starben oder gelten als vermisst. Beben und Tsunami lösten am Atomkraftwerk Fukushima zudem die größte Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl vor 25 Jahren aus.

Am 10.07.2011 um 8:08 meldet der Tagesspiegel dies:

Bei dem neuen Beben vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu habe es auch keine Schäden gegeben. Nach Angaben der japanischen Meteorologiebehörde hatte das Beben eine Stärke von 7,3. Zunächst war die Stärke mit 7,1 angegeben worden. Das Epizentrum habe in einer Tiefe von zehn Kilometer gelegen.

Nur ein paar Minuten später um 9:15 erscheint dieser Artikel: (Auszüge)

Kein Joghurt, verseuchte Erde im Sandkasten, die U-Bahn ohne Licht: Wie sich der Alltag in Tokio seit Fukushima verändert hat. Viele Japaner sind entsetzt und enttäuscht, wie schnell die Verantwortlichen im Land bereit sind, Dinge zu vertuschen.

(…) Auf den ersten Blick ist das Leben in Japans Hauptstadt, rund 240 Kilometer vom zerstörten Atomkraftwerk Fukushima-Daichi entfernt, zur Normalität zurückgekehrt. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Noch mehr als die nahezu täglichen Erdbeben beschäftigt die Menschen das Thema Radioaktivität, auch wenn nur wenige darüber reden. In Lebensmitteln wie Spinat, Pilzen, Bambussprossen, Tee, Pflaumen, Fisch und Milch aus Fukushima und angrenzenden Regionen wurden unzulässig hohe Radioaktivitätswerte gemessen.

Anfang Juli erst gaben die Tokioter Behörden bekannt, dass erstmals seit April wieder niedrige Dosen radioaktives Cäsium-137 im Kranwasser der Hauptstadtbewohner enthalten sind. Davor war es verseuchtes Weideland, 60 Kilometer von Fukushima entfernt, auch verseuchter grüner Tee aus der Präfektur Shizuoka wurde kürzlich entdeckt, die noch südlich von Tokio liegt. Die Regierung behauptet, verstrahlte Produkte kämen nicht mehr in den Handel. Doch es gibt erhebliche Zweifel daran, dass das stimmt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg etwa zitiert unwidersprochen einen Offiziellen der japanischen Sicherheitsbehörden mit Namen Taku Ohara. Er sagt, es gebe kein zentrales Prüfsystem, kleine Farmen würden überhaupt nicht getestet. „Es sind einfach zu viele.“

Tokio, ein Moloch mit etwa 17 Millionen Einwohnern, liegt in diesen Tagen unter einer feuchten Dunstglocke versteckt, die viel Regen bringt, aber wenig Abkühlung. Das Thermometer zeigt 32 Grad bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Bereits kurze Wege im Anzug oder im Kostüm werden zur Qual. Das sind Japaner gewöhnt. Aber dieses Jahr ist alles anders.

In den U-Bahnen beginnt bereits die Fassade der Normalität zu bröckeln. Die Klimatisierung ist heruntergefahren, die früher extreme Abkühlung fehlt. Tokio muss Strom sparen, denn der bevorstehende Sommer droht in Teilen des Landes die Kapazitäten der Kraftwerke zu überfordern. Nicht nur die Meiler in Fukushima wurden nach dem Super-Gau heruntergefahren. Insgesamt liegen zurzeit 35 der 54 Kernkraftwerke still. Es gibt Streit zwischen Zentralregierung und lokalen Politikern, ob die Meiler sicher genug sind, um wieder hochgefahren zu werden.

Um Abhilfe gegen die Hitze zu schaffen, hat die Regierung mittlerweile die Zeit des „Super Cool Biz“ ausgerufen. Wer will, darf nun auch in Poloshirt und Sneakers ins Büro kommen, dafür werden Räume und Bahnen nur noch auf 28 Grad heruntergekühlt. Kaum jemand in der von Konformität lebenden japanischen Gesellschaft wagt sich jedoch an dieses staatlich erlaubte Entkleiden.

Doch wenn es um die Sorge vor radioaktiver Verstrahlung geht, nehmen sie das nicht mehr hin. In der Präfektur Chiba, an der Grenze zu Tokio, haben besorgte Eltern vor kurzem angefangen, ihre eigenen Messungen durchzuführen, berichtet die japanische Zeitung „Yomiuri“. Hier hat auch die Japanerin Yuki Sasaki ihre Tochter im Kindergarten. Dort haben die Verantwortlichen kurzerhand die Erde abgetragen, weil sie mit 0,52 Microsievert pro Stunde oder 4,55 Millisievert pro Jahr weit über dem für Menschen zulässigen Jahreslevel von einem Millisievert lag. In der Präfektur Saitama ist mittlerweile das einzige ausleihbare Strahlen-Messgerät bis Ende August ausgebucht.

Seit dem Super-GAU sind Importe aus aller Herren Länder nach oben geschnellt. Japan, das sowieso das Gros aller Lebensmittel importiert, führt nun noch mehr ein. Fleisch, Gemüse aus Amerika, Meerestiere aus Südostasien. Ausgerechnet die Region um das Atomkraftwerk galt als Gemüse-, Reis- und Kornkammer Japans. Auch die Fischerei dort ist ruiniert, seit der Kraftwerksbetreiber Tepco tausende Tonnen radioaktiv verseuchtes Kühlwasser ins Meer leitete.

(…) Japan verzeichnet im Tourismus-Geschäft momentan einen Rückgang um etwa 50 Prozent, viele Flieger sind nicht ausgebucht. Die Hotels haben reihenweise Zimmer frei.Hysterie oder berechtigte Sorgen? Nach Ansicht vieler japanischer Familien ist Tokio selbst für Japaner derzeit keine sichere Stadt.

Abends leuchtet die Hauptstadt weniger grell als früher. An vielen Bahnhöfen, in vielen Geschäften ist jede zweite Neonröhre herausgeschraubt. Die allgegenwärtigen Getränkemaschinen funktionieren, aber sie blinken nicht mehr aufgeregt, ihre Drinks sind nicht mehr eiskalt. Aber über all das klagen die Japaner nicht, auch nicht leise, im kleinen Kreis. Über solche Dinge kommen sie mit dem ihnen eigenen Fatalismus hinweg. „Shikataganai“, sagen sie dann – da kann man nichts machen.

Wann kommt die Nikon D4?

Liest man diese Schreckensmeldungen so sollte jedem klar werden, wie verheerend es Japan in den letzten Monaten getroffen hat. Kann man unter diesen Umständen überhaupt noch mit neuen Superkameras von Canon oder Nikon rechnen? Die Mehrzahl der Kameras die für den Consumer-Markt bestimmt sind werden inzwischen in Korea und China produziert, doch die Top-Modelle kommen traditionell aus Japan. Wenn die Menschen in Japan keine Wunder vollbringen können, so wird wohl alles was die Ingenieure vor dem Erdbeben im Mai „nur“ fast fertig hatten und was komplett in Japan gefertigt wird, noch eine Weile auf sich warten lassen.

Das ist bedeutsam, weil den Japanern dadurch wirklich wichtige Devisen nicht zufließen. Doch es gibt ja noch Kameras die lieferbar sind und die eigentlich genau können das was ein „Otto-Normalverbraucher wie John Doe“ so braucht. Warum also auf das ultimative Superdingsbums warten, wenn es im Laden um die Ecke zum Bruchteil des Preises zum Beispiel eine ziemlich perfekte Nikon D7000 gibt?

Leute, kauft eine D7000 und unterstützt damit die Japaner beim Wiederaufbau! Irgendwann im nächsten Jahr wird dann auch eine D4 lieferbar und jeder der sich dann mit diesen „ultimativen Profihammer“ (Zitat aus einer beliebigen Fotozeitung) bewaffnet, kann sich die kleine D7000 zur Reserve in die Fototasche stecken.

Alles wird gut – hoffentlich immer…

Und zur Not kann man ja auch heute mit der D3 noch das eine oder andere coole Foto machen, egal wie garstig die Bedingungen auch sein mögen…

Egal wie fies es auch wird, die D3 lässt ihre Herren nicht im Stich...