Nikon D4 – Die Gerüchteküche brodelt

Im April 2010 hatten wir bei der Verlosung viel Glück und durften gleich am nächsten Tag die Wave besuchen – großartig! Natürlich waren wir dort nicht ganz allein. Aber es sind dennoch eine Reihe schöner Fotos entstanden. Später habe ich dann ein Bild in der Fotocommunity veröffentlicht und aus Spaß darunter geschrieben, dass ich einen Nikon Tester getroffen habe, der in der Wave einen frühen Prototypen der Nikon D4 testet.

Jemand aus der Fotocommunity hat dieses Bild dann im Forum der Fotocommunity gepostet. Das Bild der Wave mit dem vermeintlichen Nikon Tester wurde daraufhin viele hundert Mal aufgerufen. Dort ist der Artikel vom Besuch bei der Wave verlinkt und dieser Post wurde so der mit Abstand meist gelesene Artikel meines gesamten BLOGs.

Heute ist schon fast Pfingsten 2011, das schwere Erdbeben und die nachfolgenden Katastrophen haben auch die Entwicklung der neuen Nikon D4 um Monate zurück geworfen. Die Menschen in Japan haben derzeit auch andere Sorgen als exzentrische Fotoamateure die zu viel Kohle auf dem Bankkonto haben mit neuen Statussymbolen zu versorgen. Wie dem auch sei, ich verfolge die Gerüchteküche immer mal wieder ein wenig, so auch heute.

Heute fand ich dann diese Webseite: http://nikostsatsakis.wordpress.com/2010/11/27/nikon-d4-πρώτη-ματιά

Hier kann man schöne gefälschte Fotos der neuen Nikon D4 sehen (…eigentlich ist es jedoch eine D3x.)

Ganz interessant ist der Text der bei diesen Fotos steht:

ISO 25 – 128000
32 Mpix
Multicam 4000 FX
HD-βίντεο mit 2560 x 1600 Pixeln
Anti Σκόνη & Anti Vibration
Auslieferung ab 01.04.2011 στις ΗΠΑ den und Ιαπωνία
9999 δολάριο ΗΠΑ

Es gibt Neue Auch Objektive:
Nikkor AF-S VR II 2.8/10-24mm – 2899, – US $
Nikkor AF-S VR II 2.8/24-70mm – 3599, – US $

Schaut man sich mein Foto in der fotocommunity an, so findet man interessante Parallelen:

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/extra/egallery/pcat/566682/display/20829810

Hier gibt es folgendes zu lesen:

Die Spezifikation der Kamera klingt erstaulich gut:
ISO 25 – 128000
32 MPix
Multicam 4000 FX
HD-Videos mit 2560 x 1600 Pixeln
Anti Dust & Anti Vibration
Auslieferung ab 01.04.2011 in den USA und Japan
9999 US-Dollar

Es gibt auch neue Objektive:
Nikkor AF-S VR II 2.8/10-24mm – 2899,- US $
Nikkor AF-S VR II 2.8/24-70mm – 3599,- US $

Das ist sie nun, die internationale Gerüchteküche namens „Internet“! So entstehen Mythen, Halbwahrheiten und Spekulationen. Das ist die Schmiere im Web 2.0 Getriebe, das macht die Leute kirre.

Ich selbst versuche mich ein wenig davon zu lösen, es ist eh alles unsinnige Spekulation. Fakt ist, das Erdbeben war verheerend und die Japaner müssen erst einmal wieder auf die Beine kommen bevor sie uns mit Kameras beglücken die wir (Hand aufs Herz) eigentlich alle gar nicht brauchen. Egal welcher Mann mir begegnet während ich eine Kamera dabei habe, sie schielen alle auf das „Firmenschild“. Frauen schauen mir auf den Hintern, Männer auf die Kamera – so ist das eben.

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine Nikon D7000 gekauft, eine geniale kleine Kamera die kaum Wünsche offen lässt und praktisch alles kann was man(n) so braucht. Doch macht man damit auch automatisch bessere Fotos? Ich denke eben nicht. Der Fotograf macht das Bild, nicht die Kamera!

98% aller Fotografen zeigen weltweit ihre Fotos in Internetportalen wie flickr oder der fotocommunity in einer Auflösung von vielleicht 1000 Pixel Kantenlänge. Die Masse der Fotografen ist genau damit zufrieden und auch ganz glücklich. Einige wenige lassen ihre Bilder bei einem der vielen Dienstleister drucken. Die Mehrzahl dieser Prints landet auf einem Stück Leinwand und wird auf einen Keilrahmen aufgezogen. Nach einer wirklichen Fotografie sieht das danach nicht mehr aus. Eher so wie wollen und nicht können, wie fotografierte Gemälde.

Hand auf’s Herz, wer ist bereit für einen wirklich gut gemachten Print in edler Rahmung mit Passepartout und hochwertigem entspiegeltem Glas im Format 60×90 cm etwa 400 Euro zu bezahlen? Weltweit bleiben da von vielen Milliarden „Knipsern“ noch einige wenige tausend wirklich ambitionierte Amateure und Fotofans übrig. Mal ehrlich, braucht DIESE Welt eine Nikon D4 mit 32.000.000 Pixeln und allem Schnickschnack, wo doch eine D7000 für 999,- Euro schon alles kann was man braucht?

Na vielleicht braucht sie es eben doch, nicht wegen der Fotos sondern wegen des Alleinstellungsmerkmals.

Mich selbst will ich da gar nicht ausschließen 🙂 Ich habe relativ große Hände und nach F4e, F5, D1x, D2x wäre die D4 genau das was ich mir für die Zukunft auch wünschen würde. Sicher wird sie sündhaft teuer aber sicher auch sehr sehr gut. Oft habe ich schon überlegt ob mir eine D3x satte 7.000 Euro wert ist. Aber bislang lebe ich wirklich sehr gut ohne die D3x. Vom gesparten Geld habe ich mir eine BMW K1200r Sport gekauft. Jedes mal wenn da die 163 Pferde am Hinterreifen reißen macht das glücklich. Vier Räder bewegen den Körper, zwei Räder bewegen die Seele, so ist das eben. Jeder muss selbst wissen wofür er seine Knete ausgibt. Ich habe mich für das Motorrad und gegen die D3x entschieden. Wenn ich überlege, dass ich 2005 für die D2x satte 4.800 Euro bezahlt habe und dass sie heute nur noch etwa 800 Euro wert ist, dann ist das schon krass. Aber das ist ein ganz anderes Thema 🙂

Scenic Roundtrip

Und wieder geht der Wecker um 5h45 – Arizona Time. Heute lasse ich mir mehr Zeit als an den letzten Tagen, denn ich weiß ja jetzt ganz genau wann die Verlosung der Permits für die Wave beginnt. Etwa 10 Minuten bevor es losgeht treffe ich bei der Ranger-Station ein. Ich lerne Allan aus Los Angeles kennen. Er fragt mich wohin ich in den nächsten Tagen möchte und empfiehlt mir, doch zum Monument Valley zu fahren. Am Dienstag oder Mittwoch soll dort ein seltenes Phänomen zu sehen sein. Bedingt durch einen ganz speziellen Stand der Abendsonne wird auf dem mittleren der drei Tafelberge der Schatten des ganz linken Tafelberges zu sehen sein. Für einige wenige Minuten und auch nur, wenn das Wetter es zulässt und nicht wieder krasse Wolken den Himmel verdunkeln. Ich lerne, dass der ganz linke Tafelberg der „Left Mitten“ ist und der mittlere der „Right Mitten“. Und ich lerne auch, dass ein „Mitten“ ein Fausthandschuh ist, aus dem nur der Daumen als einzelner Finger herausschaut. Und weil diese beiden Tafelberge genau so aussehen, heißen sie auch so – linker und rechter Fäustling – nett gell?

Morning Glory!

1500 U/min und 110 Km/h – krasse Sache – es ist kalt, ganze 0°C zeigt das Thermometer – brrrrr…

Heute sind deutlich weniger Teilnehmer da. Es gibt 10 Permits und 32 wirklich angespannte Wanderer. Die Show beginnt, ich bin heute die Nummer 12. Zahl um Zahl wird gezogen, aber die 12 ist nicht dabei Allan hat heute meine 2 von gestern, er wird auch nicht gezogen! Aber die Dame die vorgestern so kurz vor knapp in die Vorstellung hineingestolpert, ist gewinnt heute. Und es stehen 6 – in Worten SECHS – Wanderer auf ihrem Antrag. Schließlich ist wieder genau EIN Permit übrig. Und wieder wird genau erklärt, dass falls eine Gruppe gewinnt sie unter sich ausmachen müssen, wer denn gehen darf. Und wieder bleibt meine 12 in der kleinen Lostrommel liegen. Auf dem Antrag der gewinnt stehen 2 Personen. Ich schöpfe kurz Hoffnung, aber dann entschließt sie sich, IHN gehen zu lassen. Die 10 Permits für morgen sind also wieder vergeben und ich gehe zum dritten Mal leer aus. Nun habe ich keine Lust mehr auf diesen ganzen Krams. Außerdem ist das Wetter schlecht und da macht auch die Wave eh keinen Spaß.

Draußen vor der Station treffe ich dann Allan wieder. Wir quatschen noch einmal über Monument Valley. Dann bringen wir seinen Truck zum Outpost nebenan. Wir packen ein paar Sachen in meinen Tahoe und starten eine kleine Umrundung der Wave. Wir wollen über die House-Rock-Road nach Süden fahren, dann auf den Highway 89 nach Osten. Bei Lee’s Ferry wollen wir mal genauer schauen was es dort gibt und dann bei Denny’s in Page was zum Mittag essen. Keine schlechte Idee, zumal es nur 2°C sind und es leicht zu regnen beginnt.

Eine gute Gelegenheit mal wieder den Tahoe ein wenig aufzuräumen, was sich da schon wieder an Müll hinter den Sitzen angesammelt hat…

Die Straße zum Wave-Trailhead ist wie gestern gut befahrbar. Kurz hinter dem Wave-Pakrplatz kommt uns der ein weißer ganz normal aussehender Geländewagen entgegen. Am Steuer sitzt Jerry, der Ranger der seine Glatze (fast) immer mit einem Käppi  bedeckt. Ich denke er checkt die lage und prüft die Permits in den geparkten Autos. Mich kennt er ja nun schon ganz gut und er winkt und freundlich zu. Hier ohne Permit zur Wave zu wandern ist also nicht wirklich angesagt.

Allan plant für morgen einen Ausflug zu den Coyote Buttes South. Da sein Auto keinen Allradantrieb hat, wird er sich vom Betreiber des Outpost-Areals für 150 Dollar dorthin bringen lassen. Er hat dann viele Stunden Zeit und kann in Ruhe fotografieren und muss sich keine Sorgen darüber machen wie er die Location findet und er wird auch nicht stecken bleiben oder allein einen Reifen wechseln müssen.

Auf halber Strecke machen wir kurz Pause und ich bekomme eine kleine „Einweisung“ in die professionelle Bildgestaltung am Beispiel einiger kleiner Kakteen.

Ich benutze mal die Nikon P7000, sieht steht sehr tief auf einem Stativ und so kann man sehr schön und in aller Ruhe sein Bild komponieren. Hier ist mein Ergebnis:

Eine „Kaktuskomposition“ mit der P7000.

Und noch ein Pedant mit der D300, mit 200mm Tele und offener Blende. Irgendwie gefallen mir die Bilder die mit dem größeren Chip gemacht werden, wegen der schönen Hintergrundunschärfe besser. Ich denke, hier sind die kleinen Chips ein wenig im Nachteil. Soll alles scharf sein, haben sie aber oft die Nase vorn!

Kurz vor Lee’s Ferry machen wir halt und nehmen uns mit den Kameras mal diese vielen witzigen Felsbrocken vor. Allan benutzt seit 2008 eine Nikon D3 und ist hochzufrieden. Er hat sich die damals brandneuen Objektive gekauft, also das 2.8/14-24 und das 2.8/24-80mm. Bereits 2008 ein wirklich teurer Spaß! In der D3 stecken zwei CF-Karten mit je 64 GB Speicherplatz, das reicht für ein paar Tage 🙂 Allan ist auch ein „RAW-Shooter“ und nutzt für die „digitale Entwicklung“ seiner Bilder die Software „DxO Optics Pro“.

Ein Blick unter einem gewaltigen Felsbrocken hin durch, der links von einem kleineren Brocken abgestützt wird.

Eine Ruine eines Hauses das um einen dieser Felsbrocken herum gebaut ist.

Das Innere dieses kleinen Hauses ist eine wirklich spannende Location. Ich mache einen kleinen Scherz „All we need now is a nude female model!“ Allan grinst. Kurz drauf kommen zwei Typen und fragen was es hier zu sehen gibt. Allan sagt ihnen, dass wir ein „Nacktmodell“ suchen und ob sie nicht Lust haben sich kurz zur Verfügung zu stellen. Die beiden grinsen ganz breit. Später weiß ich auch warum, es ist eine Frau dabei – sie wartet im Auto weil ihr zu kalt ist…

Einige dieser Felsbrocken lagern auf schmalen „Füßen“ und sehen aus wie überdimensionale Pilze.

Hier ein paar „Lebenslinien“ dieser „Füße“.

Dieses Bild erinnert mich an eine ganz ganz alte Dame die Ausschau nach dem Geld hält, das ihr soeben herunter gefallen ist.

Dieser Hund schein wirklich schlechte Laune zu haben!

„The Beasts are waiting!“ – eine kleine Spielerei mit Photoshop – der Hintergrund stammt aus einem Bild das ich gestern bei den Coyote Buttes South gemacht habe.

Auf dem Weg zum Lee’s Ferry Trailhead sehen wir auf der linken Seite ganz weit weg einen Felsen der ausschaut wie ein grasender Büffel – „Hey look over there, a grazing buffalo!!!“ – Also voll auf die Bremse, rechts ran und mit dem Tele durch den aufgeweichten braunen Matsch…

„The Grazing Buffalo“

Bei Lee’s Ferry bekomme ich ein paar interessante Vorträge zum Thema „Erdgeschichte“ und ich finde ein paar wirklich interessante ausschauende Steine.

Gern würde ich ja mal unten am Colorado River entlang wandern, aber es regnet immer stärker, wir fahren also weiter. Beim Waterholes Canyon kurz vor Page machen wir mal Halt, Allan kennt das Areal noch nicht und ist von „The great Wall“ ganz angetan. Witzig ist, dass er als Amerikaner von einem deutschen Greenhorn die Locations gezeigt bekommt. So kann das gehen und mir macht es Spaß.

In Page angekommen steuern wir direkt den Parkplatz von Denny’s an. Allan ordert einen gesunden Salat ich probiere mal den Steak Burrito. Sandra hat ich immer so gelobt, da will ich doch mal wissen was da dran ist. Und ich muss sagen, er ist wirklich gut!

Wir machen einen kleinen Abstecher nach Big Water. Kurz hinter dem Ort sind ein paar Canyons und Allan hat ein paar Ideen für einen guten „Sunrise Shot“. Er ist derzeit nicht „limitiert“ denn er reist allein, ohne seine Frau. So muss er keine Rücksicht nehmen und kann zu den unmöglichsten Zeiten auf Fototour gehen. Wenn es notwendig erscheint schläft er auch mal in seinem Auto. Einen Schlafsack und alles was man so braucht hat er dabei. Welche Frau würde das mitmachen, wegen einiger Fotos? Was ich noch erwähnen sollte, Allan ist 70 Jahre alt!

Als wir an den Canyons angekommen sind finden wir so recht keine optimale Stelle an der man morgen auf einen guten „Schuss“ warten könnte. Außerdem ist es so schlammig, dass der Tahoe ständig nur hin und her driftet. In den Radkästen kört man wie der Schlamm und die Steine gegen das Auto prasseln. Später fällt mir auf, dass ich ja den 4WD auch gar nicht eingeschaltet habe – Ich Dummerchen…

Beim Auto angekommen verabschieden wir uns, vielleicht sehen wir uns ja am Dienstag oder Mittwoch in Monument Valley – mal sehen! Unsere E-Mail-Adressen haben wir ausgetauscht und bei Denny’s haben wir uns via WLAN auf meinen Telefon einige seiner Fotos angeschaut.

Hier ist ein Link zu seinen Bildern: http://photo.net/photos/allanvas

Auf dem Rückweg höre ich dann wieder meine „unmögliche Musik“ und denke darüber nach, wie es die nächsten Tage weitergehen soll. Hier im Regen in Kanab oder Page ist es nicht wirklich doll, vielleicht habe ich ja in Monument Valley bessere Karten? Auch könnte ich von dort aus südlich um den Grand Canyon herum fahren und vielleicht endlich mal an einer seiner „Kanten“ stehen, das wäre doch mal was!

Während ich so vor mich hindöse steht plötzlich ein Reh auf der Straße – direkt vor mir. Wir schauen und tief und die Augen und sind beide in gleichem Maße überrascht. Das ABS im Tahoe funktioniert tadellos und das Reh hilft auch mit, indem es einen Sprung zur Seite tut. Noch einmal gut gegangen…

Mit leicht erhöhtem Puls nehme ich eine ganze Horde mausgrauer Rehe wahr. 50 Meter weiter geht rechts ein kleiner Feldweg ab, da biege ich ein und kann sie alle anschauen. Sie stehen direkt neben der Straße und wollen diese jetzt passieren, gleich die ganze Horde auf einmal. Da kommt dann auch schon das große Wohnmobil das ich kurz vorher überholt habe angerauscht. An diesem Wohnmobil hängt hinten ein erwachsener Geländewagen dran! Reifen quietschen und die Rehe hüpfen aufgeregt durcheinander. Mir stockt vor Schreck der Atem, aber instinktiv reiße ich dann doch die D300 hoch und drücke ein paar Mal auf den Auslöser. Voll durch die Windschutzscheibe, ich weiß ja, das wird eh nichts, aber egal…

Später im Motel habe ich dann doch ein paar Bilder von kleinen Rehen die wie wild auf der Straße herum springen. Man sollte die Warnschilder hier ernst nehmen!

Nach dem der Schreck verdaut ist, warte ich noch eine Weile, aber die Rehe sind alle weg und ich denke sie kommen auch so schnell nicht zurück. Es wird auch langsam dunkel. Ich fahre also weiter. Vor mir braut sich eine Suppe zusammen, das ist echt nicht mehr feierlich. So etwas gibt es echt nur hier im Südwesten! Gern würde ich ja mal kurz anhalten und ein paar Fotos machen, aber zwischen der krassen Suppe und mir stehen immer wieder Strommasten und die sehen doch irgendwie meistens ziemlich doof aus. Auf dem GPS kann ich sehen, dass kurz drauf nach links eine kleine Straße abzweigt. Das ist doch die Gelegenheit unter den Stromleitungen hindurch zu fahren!

Gesagt getan, die Straße entpuppt sich aber dann als massiv aufgeweichter Lehmstreifen, anders kann man es nicht nennen. Dann ist aber auf der rechten Seite ein kleiner Canyon zu sehen, cool! Ich halte an und stehe prompt fast bis zu den Knöcheln in der Matsche. Egal, für ein gutes Foto nimmt man allerhand in Kauf und auch ich bin ja derzeit nicht „limitiert“. Als ich dann am Rand dieses kleinen Canyons stehe kriege ich echt die Krise. Da hat jemand tatsächlich eine alte Badewanne entsorgt. Es liegt noch mehr Schutt herum und eine ganze Menge alter Müllsäcke. Um mich herum sind Spuren von Ketten. Es sieht aus als hätte hier jemand einen Bagger und würde hier einfach all seinen Krams vergraben. Auch das ist Amerika!

Ich versuche die Kamera so aufzustellen, dass man den vielen Müll nicht sieht. Das ist gar nicht so einfach, zudem ist es saukalt und mir läuft jetzt auch noch der Schlamm in die Schuhe hinein. Nach einigen Belichtungsreihen und Objektiv-Wechseln geht es wieder zum Auto, wenn man das noch „gehen“ nennen kann. Es schmatzt und glitscht, das ist echt eklig. Im Auto kriege ich dann die Krise als ich die Fußmatten sehe. Was für eine Sauerei. Aber das trocknet ja alles wieder und dann ist es wieder Sand und Staub den man weg saugen kann – hoffentlich!

Ich fahre diese Straße noch ein wenig weiter, denn dort geht es ein wenig bergauf und dann sehen die Bilder einfach schöner aus – finde ich jedenfalls. Die schmierige braune „Straße“ ist dann vor einem Gatter und einem Schild „Keep Out“ auch gleich schon zu Ende. Ein paar Fotos noch und dann geht es endgültig zurück zum Best Western in Kanab.

Heute ist Samstag der 27. März. Ich habe also noch eine Woche und die sollte ich so gut wie möglich nutzen. Das Zimmer ist bis morgen bezahlt und ich denke ich werde hier nicht erneut verlängern. Die Wäsche ist fast vollständig gewaschen. Ich komme mit ein wenig Glück mit einem Koffer voll sauberer Wäsche zurück nach Deutschland. Wer von Euch hat das je geschafft? 🙂

Hier ist der Track des Tages als KML-Datei abgelegt.

Hier die Übersicht.

Der Abstecher nach Lee’s Ferry.

Der Abstecher auf der schlammigen Straße kurz vor Kanab:

Ok, das war es dann mal wieder. Die Internet-Anbindung hier im Motel ist grauenhaft! Mittags geht es noch, aber später am Abend bricht die Verbindung immer wieder zusammen. Man muss unendliche Minuten warten, dann geht es für kurze Zeit wieder weiter. Das Schreiben, das Einbinden der Bilder und das Veröffentlichen haben mich jetzt sagenhafte VIER STUNDEN gekostet. Vielleicht ist das ja mal einen aufmunternden Kommentar wert 🙂

Coyote Buttes South – Reloaded

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Es ist wieder kalt, es ist wieder morgen aber es gibt keinen Schnee. Als ich mit Dusche & Co. fertig bin und das Auto gepackt ist haben wir 6h30 – Arizona Time – also 7h30 Utah Time. Es geht los, die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt, es ist wirklich kalt hier. Aber heute liegt kein Schnee und ich bin wirklich flink. Bei der Ranger Station angekommen, ist das Tor schon geöffnet. Es stehen auch schon zwei Autos davor, ich bin Nr. 3. Wenn das so bleibt, würde ich einen Permit bekommen, aber mal abwarten.

Und es kommt wie es immer kommt, ein Auto nach dem anderen trudelt ein. Letztlich sind es wieder 46 Personen die einen Permit haben möchten. Mein Formular von gestern wird wieder hervor geholt und es bekommt jetzt die Nummer 2. Vielleicht nicht so verkehrt, die Nummer 2 hat gestern einen Permit gewonnen!

Nach etwa 30 Minuten steigt wie jeden Morgen die Spannung. Die erste Nummer ist nicht die 2 sondern die 5. Ahhhhhhh, warum habe ich nur eine neue Nummer bekommen, warum nur… Es geht weiter, meine 2 ist nicht dabei. Dann wird eine Nummer gezogen, zu der sich 5 Personen angemeldet haben. Sie jubeln vor Freude. Jetzt gibt es noch 3 Permits für den morgigen Tag. Ich balle die Fäuste in den Hosentaschen, das muss doch klappen!! Aber wieder nichts, die 2 ist eine Lusche – jedenfalls heute… Es gibt jetzt noch EINEN Permit – die Rangerin erklärt, dass wenn ein Antrag gewinnt auf dem mehr als zwei Personen stehen, diese unter sich aushandeln müssen, wer gehen darf!

Und wieder kurbelt der Jerry – so heißt der nette Ranger – an der kleinen Lostrommel. Es ist wieder nicht die 2 – ahhh…

Aber es ist ein Antrag mit zwei Personen! Sie werden gefragt ob sie sich einigen können. Es gibt eine kurze Diskussion bei einem älteren Ehepaar. Dann sind sie wirklich großzügig und geben den gewonnenen Permit zurück, sie wollen zusammen oder gar nicht zu Wave – sehr nobel!

Jerry dreht die Trommel, ich balle die Fäuse und habe den Eindruck, als würden über 30 Leute gleichzeitig den Atmen anhalten!

Wieder nicht die 2 – ahhhhhh

Wieder ein Antrag mit 2 Personen, wieder eine Diskussion, wieder eine Rückgabe.

Jerry dreht die Trommel, ich balle die Fäuste, mehr als 30 Leute sind schon fast erstickt vor Spannung.

Wieder nicht die 2 – ahhhhhhhhhhhhhhh – es hat die 14 gewonnen – EINE Person – jemand jubelt, ich bin gefrustet…

Ich frage nur kurz ob es am Samstag und Sonntag auch eine Lotterie gibt. „We are always open!“ – ok, ich kann also morgen einen dritten Anlauf wagen! Leicht gefrustet verlasse ich die Ranger Station und starten den V8 in meinem Thaoe. Mein Abenteuer beginnt, kann ich diese riesige Kiste über Felsen und tiefen Sand zu den Coyote Buttes South lenken? Werde ich mich im tiefen Sand festfahren? Wird es ein langes teures kaltes sandiges Drama geben?

Es geht los. Meine Multimedia-Zentrale ist mein HTC Telefon. Es zeichnet Tracks auf, es spielt Musik, es navigiert, es zeigt E-Mails an, es ist cool! Und jetzt gibt es laute Gitarrenlehrer-Musik… Es geht nach Westen (Links), nicht wirklicht weit, da ist dann schon die House-Rock-Road. Diese Dirt-Road ist heute wirklich gut zu befahren, keine Ahnung warum die alle so einen Stress haben! Sogar der Buckskin-Wash ist komplett trocken, trotz Schnee und Regen in den letzten Tagen. Es geht mit fast 50 mph in Richtung Süden (unten).

Am Wave-Parkplatz bin ich sehr dankbar, dass es dort ein neues Toilettenhäuschen gibt! Es geht weiter, die Straße ist super!! Kurz nach dem Wave-Trailhead halte ich an und mache mit der guten alten Nikon D2x ein Bild dieser famosen Landschaft.

Einige Meilen weiter ist rechts ein Corral. Eine Verladestation für Rinder. Kaum zu übersehen, aber ich rausche trotzdem fast daran vorbei, eine sehr sehr staubige Vollbremsung rettet die Situation! Nun wird die Straße sofort deutlich schlechter, es ist felsig und es gibt viel tiefen Sand. Aber der Tahoe steckt das alles weg als wäre es nichts, bravo! Dieses riesige Auto begeistert mich, die Automatik greift so sanft ein, da dreht auch im tiefen Sand kein Rad durch, da gräbt sich nichts ein, da geht es einfach vorwärts. Die Werbeleute von Chevrolet haben nicht übertrieben, mit dem Tahoe kommt man wirklich fast überall durch. Super das Ding!

Mit der kleinen P7000 filme ich fast die gesamte Strecke bis zum Trailhead. Wer soll sich das bloß jemals alles anschauen 🙂 Ach egal, ich habe die Aufnahmen erst einmal und später kann ich immer noch etwas daraus zusammen zaubern.

Am Trailhead angekommen ist schon ein anderes Auto dort! Ich packe ich meine Sachen, alles was überflüssig ist bleibt im Auto. Es geht los, auf zur Chess-Queen. Die finde ich sofort, ich war ja schon mal bei ihr zu Besuch 🙂 Auch die vielen kleinen Tiere und Gruselmonster drum herum kenne ich schon. Trotzdem klappert der Spiegel der D300 unaufhörlich. Es geht weiter zur nächsten Formation. Ich knipse und knipse und habe plötzlich einen Wanderer in einer blauen Jacke auf einem Foto.

„Are you the guy with the other car at the trailhead?“ „Hi“ „Hi“ „Were are you from?“ „I’m from germany“ sagt er. Super, dann können wir unsere Muttersprache nutzen. Es ist Karlheinz aus Bayern. Er hat sich nach der verlassenen Ranch nicht weiter getraut und seinen kleinen SUV dort stehen lassen. Es ist eine echt weite Strecke durch tiefen Sand zu Fuß gelaufen! Wir reden kurz, ich empfehle ihm die Chess Queen, wir verabreden uns für 14h am Parkplatz.

Ein Sturm zieht auf, es gibt Regen, Schnee, Sonne, Wind, alles gleichzeitig im Wechsel und dann wieder nach Sonnenschein. Ich kann das Wave-Areal sehen. Die armen Wanderer die gestern einen Permit gewonnen haben kriegen dort heute richtig nasse Füße!! Hier im Süden scheint mehr die Sonne, als dass es regnet. Fast wie im richtigen Leben 🙂

Um 13h50 bin ich am Auto. Es ist inzwischen kalt. Ich habe 60 Dias gemacht und zwei Speicherkarten zu 16GB und 8GB gefüllt. Das sollte ausreichen für heute. Und ich habe HUNGER! Karlheinz ist noch nicht da. Ich packe in Ruhe meine Sachen und setze mich schon einmal ins Auto. Drinnen ist es wirklich warm, die Sonne hat sogar meine beiden Dr. Pepper aufgewärmt. Die schmecken nun ganz grauenhaft…

Ich drücke ein paar mal auf die Hupe. 5 Minuten kommt Karlheinz aus dem Unterholz hervor. Ich räume kurz den Beifahrersitz frei, es gibt ein kaltes klares Wasser und los geht es! Karlheinz ist mit SUV und Zelt unterwegs. Die Nacht will er beim White Pocket verbringen. „Das wird aber echt kalt!“ Er weiß es, er hat schon etliche Nächte hier verbracht und sich bestimmt ganz ordentlich einen abgefroren.“

Wir tauschen E-Mail-Adressen und es geht wieder weiter. Ich filme ein wenig mit der Nikon P7000. An einer felsigen Ecke halte ich mal an, laufe mit Stativ und P7000 etwa 100 Meter voraus und stelle sie neben der „Straße“ auf. So kann ich mich mal selbst beim Off-Road-Driving filmen.

Als ich auf Höhe der Kamera bin, sammle ich sie ein und will sie irgendwie samt Stativ auf der Fahrerseite ins Auto stellen. Plötzlich hupt da etwas. Habe ich das echt richtig gehört, eine HUPE hier mitten im Nichts??? Ja, es ist richtig, direkt vor mit stehen drei große SUVs mit eine ganzen Horde fotosüchtiger Touristen. Die extrem coolen Tourguides tragen extrem coole Sonnenbrillen! Wie lange sie mich wohl schon beobachten? Ich fahre zur Seite und lasse sie passieren. Danach geht es zurück nach Kanab, alles ohne große Probleme. Der Tahoe ist genau das richtige Auto für diese Strecken!

Im Hotel in Kanab angekommen wechsle ich ein paar Dollar und befülle dann zwei Waschmaschinen mit weißer und bunter Wäsche. Eine Maschine kostet hier 1$, 30 Minuten Trockner ebenfalls jeweils 1$. Für 75 Cent gibt es Waschpulver am Automaten. Alles wird mit 25 Cent Stücken bezahlt und ist wirklich einfach.

Wo wir gerade beim Thema sind – ich schaue jetzt mal nach der Wäsche…

– PAUSE –

So, die beiden Waschmaschinen waren fertig, nun laufen die Trockner um die Wette. Mal schauen welcher gewinnt 🙂

Jetzt sichte ich mal die Fotos und packe ein paar Bilder hier zum BLOG dazu.

Upate um 20:15 (Arizona Time)

Die Wäsche ist fertig und danach gab es gerade bei McDonalds etwas zwischen die Zähne. Die gesamte alberne Dorfjugend von Kanab kenne ich jetzt auch. Warum sind Jugendliche eigentlich immer so aufgedreht und laut?

Na egal, ich versuche jetzt mal die Bilder in den BLOG zu hängen. Das ist hier massiv schwierig, weil die Internet-Anbindung immer wieder für lange etliche Minuten ausfällt. „Pingt“ man hier http://www.google.de an bekommt man solche Ergebnisse:

64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2846 ttl=49 time=96.753 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2847 ttl=49 time=176.560 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2847 ttl=49 time=177.204 ms (DUP!)
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2848 ttl=49 time=70.952 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2849 ttl=49 time=68.949 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2850 ttl=49 time=85.300 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2851 ttl=49 time=88.319 ms
Request timeout for icmp_seq 2852
Request timeout for icmp_seq 2853
Request timeout for icmp_seq 2854
Request timeout for icmp_seq 2855

Das ist massiv frustrierend. Da hat mein einen langen Artikel geschrieben und kann ihn nicht veröffentlichen. Man kann keine Videos uploaden, keine Bilder integrieren, alles geht nur im Schneckentempo, wenn überhaupt…

Kanab Canyon

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Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang habe ich mich endlich von meinem „Mittagsschläfchen“ erholt, als sich der Hunger meldet. Ich habe Appetit auf einen richtig schlabbrigen Burger, so wie daheim bei McDonalds. Rettung ist in Sicht, ein der „Mäc“ ist nur ein paar hundert Meter entfernt. Die fahre ich natürlich mit dem Auto – „It’s cold outside“

Das Big Mac Menü in normaler Grüße kostet etwa 10$ und schmeckt wie daheim, nur dass es hier Dr. Pepper gibt 🙂

Gleich nebenan ist eine Tankstelle. Zwar hat der Tahoe noch Sprit für etwa 300 Kilometer, aber besser ist besser. Hier in Utah kann ich auch wieder problemlos mit meiner deutschen Kreditkarte tanken. Einfach „Pay Outside“ wählen, Karten rein und wieder raus – „Remove Nozzle and begin fueling“ – ist ganz einfach – ach ja – die Sorte muss man noch wählen. Der Tahoe läuft auch mit Bananensaft – 85 Oktan sind für ihn ok – fast ein Diesel…

Als die Zapfpistole „Klack“ macht, ist der Tahoe voll, wirklich richtig randvoll, so voll, dass schon mal wieder Sprit heraustropft. Es ist nicht viel, aber immerhin. Ich fahre schnell los um ein wenig Sprit zu verbrauchen, damit noch noch mehr rausläuft. Wer weiß wie warm oder kalt der Sprit ist, ist er kalt, dehnt er sich im Tank aus und dann läuft noch mehr über. Um einen halben Liter zu verbrauchen muss man mit dem Tahoe nicht weit fahren. Doch mich verschlägt es zur Moqui Cave. Sie ist natürlich geschlossen, es ist ja auch schon fast dunkel. Aber nett ist es hier trotzdem, ich war lange nicht mehr hier und hatte fast vergessen, dass es hier auch abseits der große Attraktionen wie „The Wave & Co“ viel schöne Landschaft zu entdecken gibt.

Ein paar Fotos sind mit der kleinen P7000 schnell gemacht. Ich habe mich schon fast daran gewöhnt, dass ich die kleinen Plastikkappen vor dem Objektiv mit den Fingerspritzen aufschieben muss…

Nach der kleinen Fotosession schaue ich mich noch ein wenig im Kanab Canyon um. Hier gibt es eine nette Ranch in der man sich einmieten kann. Die haben hier viele Tiere und ich denke man könnte hier auch einen schönen Urlaub mit vielen Tagen im Sattel buchen. Nach etwa 2 Kilometern beginnt ein Dirt-Road. Aber sie ist gut in Schuss und ich schaue mal was ich im letzten Licht der blauen Stunde noch so finde.

Und tatsächlich, da ist noch was 🙂

Morgen geht es dann wieder ganz früh los zur Ranger-Station. Mein zweiter Versuch bei der „großen Lotterie“. Egal was ist, danach werde ich mal versuchen zu den Coyote Buttes South zu kommen. Einen Permit habe ich ja schon heute gekauft. Dann muss ich ggf. morgen nicht so lange warten und kann gleich los.

So sehen die Permits hier aus – sie haben DREI Teile! Der untere Abschnitt verbleibt in der Ranger-Station. So wissen sie genau wer mit einem Permit unterwegs ist. Einer der beiden anderen Abschnitte kommt auf das Armaturenbrett und der dritte an den Rucksack. So kann man von weit weg mit einem Fernglas sehen, ob der Wanderer einen Permit hat oder nicht. Die Ranger sind hier ganz pfiffig und ich denke sie wissen warum sie den ganzen Aufwand betreiben.

No Wave today

Es ist wieder kurz vor 6h als ich wach werde, ganz knapp vor dem Wecker. Die Nacht war wieder ziemlich kalt und ich bin völlig durchgefroren. Man hat hier fast überall die Wahl zwischen „Pest und Cholera“ – also ratternde Heizung oder Eiszapfen an der Nasenspitze. Erst die heiße Dusche hilft wieder aufzutauen. Danach wird schnell alles zusammen gepackt und in Windeseile der Chip der D2x geputzt. Gestern im Antelope Canyon war ich so mutig und habe das Tokina 4/12-24mm gegen das Nikon 2.8/10,5mm getauscht – ZWEIMAL – dabei sind natürlich SOFORT ein paar Staubkörner auf den Chip gekommen! Der Verschluss hat scheinbar nichts abbekommen! Ist auch besser so, sie ist ja erst seit in paar Wochen aus der Reparatur zurück. Den Sturz im Arches National hat sie somit überlebt. Die Arztrechnung beläuft sich allerdings auf mehr knapp 800 Euro! Dafür hat sie jetzt ein komplett neues Unterteil und das hat gestern die ersten Schrammen abbekommen. Ich bin mal gespannt was die Foto-Versicherung erstatten wird. Wenn ich wieder daheim bin muss ich unbedingt endlich die Rechnung einreichen. Ich glaube meine Selbstbeteiligung beträgt 250 Euro, aber das werde ich dann berichten. Ist ein oft vernachlässigtes Thema.

Ok, weiter geht es… Als ich die Türe öffne um das Auto zu beladen ist alles voller Schneematsch, was ist das denn? Später zeigt das Thermometer dann 2°C, es ist dabei wirklich windig. Wegen dieses ganzen Zeitzonen-Durcheinanders bin ich heute wieder wirklich früh dran. Aber der Wahnsinn hat auch Methode, denn ich hatte schon so etwas befürchtet. Und es bestätigt sich auch, denn die Straße zur Ranger Station ist nur sehr langsam zu befahren. Der Schnee liegt teilweise wirklich hoch und die Temperaturen liegen unter 0°C. Als ich bei der Ranger-Bude ankomme geht wieder die Sonne auf, Gleichberechtigung für alle! Ich stehe mit meinem fetten weißen Auto vor der Schranke und genieße die ersten Sonnenstrahlen die das Gesicht erwärmen.

Nach einer Weile gesellen sich weitere Autos dazu. Sie stellen sich alle brav hinten an, ob es Engländer sind? Egal, als der Ranger um 8h15 (Utah Time, Mountain Time) die Schranke öffnet kann ich die paar Meter hoch zur Station fahren. Ich stelle mich auf den Parkplatz ganz links, sie gibt es keinen Schatten durch ein Wohnmobil und ich kann die Sonne weiter genießen.

Nach und nach kommen immer mehr Autos. Die ersten ungeduldigen Analphabeten steigen fröstelnd aus ihren Autos und rütteln prüfend an der Türe. Dass dort „Closed“ zu lesen ist verstehen sie scheinbar nicht. Dann endlich geht es los. Alle stürmen in dieses kleine Häuschen als gäbe es etwas umsonst. Dabei kosten die Permits irgendwas zwischen 5$ bis 10$ – je nachdem was man will. Ich fülle meinen Anmeldebogen aus. Dort soll man auch die Nummer des Autos eintragen, ich bin artig und mache auch das. Als ich meinen Bogen abgebe schreibt die nette Rangerlady eine 5 darauf – auch bin Nummer 5 – Nummer 5 lebt…

Nach weiten 30 Minuten sind wir praktisch startklar. Es wurden 45 Anmeldebögen abgegeben. Vor einigen Tagen lagen sogar 75 Anträge vor! Während einer der beiden Ranger das Prozedere erklärt macht der zweite sich bereit um das Schildchen an die Türe zu kleben. „The Lottery is over“

Da stolpert mit einem großen Rumms eine Dame herein, sie ist völlig aus der Puste. „Am I tooooooo late?“ eigentlich ja, aber sie machen mal eine Ausnahme. Sie muss nur ihren Namen auf einen Zettel schreiben – die heißen hier Application – und schon darf sie an der Verlosung teilnehmen.

Ich bin die Nummer 5 – erinnert mich an Imbissdeutsch – Ich bin die Curry-Wurst er ist das Schaschlik und Bier sind wir beide – egal – es geht los…

Die erste Zahl ist die 8, dann die 12, dann die 6, dann die 11 und dann die 8 – wenn ich mich richtig erinnere. Der Ranger zählt nach jeder Kugel die Anzahl der von verfügbaren Permits ab – insgesamt sind es 10 pro Tag. Bevor die letzte Kugel gezogen wird ist noch genau EIN Permit zu haben. Stehen auf dem Antrag der ausgelost wird mehr als EINE Person, so muss die zugehörige Gruppe entscheiden wer das sein darf! Eine ganz glasklare Anweisung! Dann wird die letzte Kugel ausgelost und es sind ZWEI Deutsche die auf der zugehörigen Anmeldung stehen. Wer von beiden darf gehen? Der Ranger fragt sie ob sie das wirklich wollen? Ich habe für einen kurzen Augenblick die Hoffnung, dass sie diesen Permit zurück geben und noch eine Kugel ausgelost wird, die NUMMER 5 – aber der ältere der beiden Deutschen sagt nur „Komm, ist doch besser als nichts!“

Dann ist es aus, ich habe verloren – nix Bingo, nix Wave – aber ich war ja auch schon zweimal dort!

Ich warte ganz brav bis alle die gewonnen haben ihre Permits haben und erklärt bekommen haben wie sie die Wave finden. Die beiden Deutschen brechen noch eine ziemliche Diskussion vom Zaum ob sie noch doch noch irgendwie einen zweiten Permit bekommen können. Oder den einen für übermorgen aufheben. Der Ranger sagt nur so etwas wie „That’s the rule“, das sind also die Regeln an die wir uns alle halten müssen und sollten. Anders geht es eben leider oder vielleicht auch Gott sei Dank nicht. Zwei Frauen die einen Permit bekommen haben, haben nur einen „normalen“ PKW gemietet. Es gibt viele Fragen und große Verunsicherung ob sie mit diesem Auto zum Trailhead kommen. Letztlich drückt der Ranger ihnen ein Formular in die Hand. Ob es eine Antrag für einen Abschleppwagen ist, ich weiß es nicht…

Als alle fertig sind kaufe ich mir einen Permit für das südliche (unten) Areal, die Coyote Buttes South. Das ist ja auch ganz schön. Ich halbe nur wirkliche Sorge, dass ich mit dem schweren großen Chevrolet Tahoe da nicht hin komme, es gibt weite Strecken mit tiefem Sand. Wenn man der Chevrolet Werbung glauben darf, dann kommt man mit dem Tahoe überall hin! Ich werde es ausprobieren!

Während der Verlosung kommen immer wieder kurze Meldungen aus dem Funkgerät. Einmal kann ich aus dem Gekrächze „I’m on House Rock – it’s very slippery today“ heraushören. Die Anwesenden zucken regelrecht zusammen. Der Ranger dreht den Lautsprecher leiser, zuckt mit den Schultern und sagt nur „It’s melting“. Er meint damit, dass der Schnee des Morgens schmilzt und die „Straßen“ aufweicht. Die Ranger sind allgemein gut organisiert, sie haben Funkgeräte und sie überwachen recht gut wer zur Wave geht und wer nicht. Die Kennzeichen und Marken der Autos sind in der Station hinterlegt, die „Außenposten“ checken die Parkplätze und stimmen sich per Funk mit den Kollegen ab. Hier zu schummeln ist gar nicht so einfach, jedenfalls nicht mit gutem Gewissen! Auch mein Auto kennen sie jetzt sehr gut!

Ich starte den V8 und es geht wieder los, was mache ich heute? Wieder Page? Alstrom Point? Der Weg zum Altstrom Point enthält weite Passagen die wahrscheinlich total voller Schlamm sind, ich denke das klappt erst wenn alles wieder trocken ist. Es geht also zurück nach Kanab, ich habe Hunger!

Während ich mit 65 mph dahin zuckle muss ich an den Prospekt aus dem Motel denken. Da stand etwas mit 107 Dingen die man hier tun könnte. Dazu zählt auch „Ein Fotos des Eagle Gate Arch im Johnson Canyon“ machen. Nur, wo ist dieser Canyon? Hätte ich den Ranger fragen sollen? Während ich grüble rauscht an mir ein Wegweiser vorbei „Johnson Canyon ->“ – hart auf die Bremse, wenden und schon bin ich im Spiel. Die Straße durch den Canyon ist gut asphaltiert und um mich herum liegt überall noch frischer Schnee, das Thermometer zeigt 2°C. Die Sonne scheint immer wieder zwischen den großen schweren Wolken hindurch. Ich fahre ganz langsam weiter und warte auf einen Wegweiser zum „Eagle Gate Arch“. Normalerweise ist hier ja jede zwei Mülltonne als „Historic Site“ ausgeschildert. Aber diesmal finde ich KEINEN Wegweiser. Aber ich finde das kleine Movie-Set an dem vor vielen Jahren Teile der Fernsehserie Gunsmoke gedreht wurden. In Deutschland hieß sie „Rauchende Colts“ und ich habe sie als Kind geliebt!

Davor stehen ein paar Kühe die mich und meinen kleinen Fotoapparat anschauen als wäre ich ein Alien. Dabei tun sie so, als würden sie Werbung für Kaugummi machen. Keine Milka-Kühne, hier gibt es Wrigleys-Kühe!

Die Gebäude sind inzwischen leider ziemlich verfallen. Auch ist alles eingezäunt und Privatbesitz, eine intensivere kleine Fototour zu machen ist also nicht ohne weiteres möglich. Man kann nur mit dem Teleobjektiv von der Straße aus ein paar Fotos machen.

Schließlich erreiche ich das „Ausbauende“ dieser schönen Panoramastraße. Es gehen zwei Dirtroads ab, dir rechte von beiden geht hoch zum Bryce-Canyon. Aber da selbst die doch recht gut ausgebaute Cottonwood Road gesperrt ist, werden auch diese Straßen gesperrt sein! Immerhin liegt der Bryce auch sehr hoch, bei über 3000 Metern.

Ich schau trotzdem mal wie sich diese Straßen mit dem dicken Tahoe befahren lassen. Es geht, aber sie sind „very slippery“, genau so hatte der Ranger es über Funk gesagt. Und das macht keinen Spaß. Ich kehre um und fahre zurück nach Kanab.

Im Motel angekommen kann ich die Türe wieder nicht öffnen! Ich besorge mir an der Rezeption zwei neue Karten und verlängere meinen Aufenthalt bis Sonntag. Danach habe ich dann noch eine ganze Woche. Ich könnte noch einmal in Richtung Monument Valley fahren, oder in Springdale beim Zion Canyon ein paar Tage verbringen? Mal sehen!

Die Tagestemperaturen sind nur leicht angestiegen, es sind um kurz vor 12h nur etwa 5°C in Kanab. Hui, it’s wintertime…

Während ich die paar Fotos sichte die ich mit der kleinen Nikon P7000 gemacht habe werde ich ziemlich müde. Morgens habe ich eine Zyrtec genommen, weil mich wieder irgendeine Allergie plagt. Diese Zyrtec ist aber anders als die anderen! Ich habe sie gestern im Walmart in Page gekauft. Es gab 60 Tabletten für etwa 30$, also viel preiswerter als in Deutschland. Und sie sind in einer kleinen praktischen Plastikflasche. Ich verstehe gut, warum es hier Leute gibt, die gelegentlich ein paar Tabletten zuviel „einwerfen“ es ist ja auch ganz einfach… Mich hat diese Pille jedenfalls total aus den Schuhen, sie sind anders als bei uns in Deutschland! Während ich mit am helllichten Tag für ein paar Stunden ins Bett lege denke ich darüber nach, dass diese Pillen kein schlechtes Schlafmittel für den Rückflug sind! Das Gute dabei, sie haben keine anderen Nebenwirkungen.

So gegen 5h am Abend rüttelt jemand an meiner Tür. Ich denke es ist ein Hotelangestellter der das Licht und die Heizung für mich einschalten will. Gestern war alles eingeschaltet als ich abends „heimkam“. Aber ich habe den „Riegel vorgeschoben“ und so werde ich einfach nur langsam wach. Und das dauert wirklich lange. Bis ich richtig wach bin, muss ich einen langen Artikel für meinen BLOG schreiben…

Hier eine kleine Diashow mit den Bildern des Tages…

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