Rudelknipsen am Mesa Arch – Oder: Everybody is trying to get the perfect shot

Heute fiel das frühe Aufstehen nicht leichter als gestern. Um 6h15 war dann aber alles gepackt. Koffer, Fressalien, Knipsereien – alles im Auto! Und los geht’s. Dunkel ist es, nach ein paar Kilometern überhole ich einen Fahrradfahrer! Etwa auf Höhe des Eingangs zum Arches Nationalpark ist er bei 36° Fahrenheit mit Kopflampe auf dem Rennrad unterwegs. Es gibt nicht nur dicke und faule Amerikaner! 36° Fahrenheit sind etwa 2° Celsius – unausgeschlafen fühlt sich das bei Wind dann an wie -10°C – bibber. Den Weg zum Canyonlands National Park kenne ich inzwischen. Später werde ich überrascht feststellen, dass es einen zweiten Eingang gibt und der ist fast 80 Kilometer entfernt! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Dieser Park hat ZWEI Eingänge im Abstand von 80 Kilometern! Es gibt Leute die sich das in vier Stunden anschauen und dann denken sie hätten alles gesehen! Ich habe in den beiden Tagen nur ein wenig an der Oberfläche gekratzt. Diesen Park richtig zu erkunden würde sicher viele Wochen dauern. Aber man kann dort echt coole Off Road Touren machen! Die Adventure Company in Moab bietet Touren mit einem umgebauten echten Hummer an. Das Ding sieht aus wie eine Touristenfalle – da wo eigentlich die Ladefläche ist sind zwei Sitzreihen zu je 4 Personen montiert und davor dann noch die Kuschelecke für die beiden frisch Verliebten. Ob das Spaß macht weiß ich nicht – aber die Jungs die das veranstalten kennen sich sicher gut aus und um mal einen Überblick zu bekommen ist es vielleicht nicht schlecht. Danach kann man sich dann ein ATV (All-Terrain-Vehicle) mieten und selbst auf Entdeckungsreise gehen. Damit dabei nichts anbrennt sollte man sich ein Handy organisieren das auch im “Outback” funktioniert und ggf. zusätzlich eines der preiswerten Walkie-Talkies vom Walmart.

Jo, ich bin also rechtzeitig 10 Minuten vor Sonnenaufgang mit vollem Rucksack und großem Stativ am Mesa Arch. Wer ist vor mir da – eine ganze Horde fotosüchtiger Profis und Amateure – ich bin der letzte und werde ein wenig verspottet. Nix Early Bird und so – “You’re late!” grinsen sie mich an! Ich zeige stolz min GPS und präsentiere dessen Voraussage für den Sonnenaufgang an diesem Geopunkt zu diesem Tage – es kehrt andächtige Ruhe ein… Und, es stimmt perfekt! Auf die Minute genau erhebt sich die Sonne hinter den La Sal Mountains! Das Gerangel um die besten Plätze ist längst entschieden – ich habe verloren! Also versuche ich mir etwas längerer Brennweite zwischen den Rücken der Early Birds hindurch einen Blick auf den Mesa Arch zu erheischen. Rechts von mir steht ein bulliger Typ mit dicker Winterjacke, sein linker Ellenbogen ragt immer wieder ins Bild. Links ein etwas älteres sehr nettes Paar ganz aus der Nähe. Er links außen, sie direkt vor meinem linken Fuß. Beide haben eine Nikon D200 und ein original Nikon 12-24mm Weitwinkel. Die Stative sind die gleichen, die Kabelauslöser auch. Lustig ist. dass sie immer wieder überhaupt nicht klar kommt und ihr Mann total angenervt reagiert. Es klingt so als würde er denken “Warum hast Du das nicht daheim mal geübt und warum hinderst Du mich jetzt daran das Foto zu machen mit dem ich berühmt hätte werden können!” Die Situationen ähneln sich. Ich sitze oft daheim mit meinen Kameras auf dem Sofa und spiele solange damit herum, bis ich alles im Schlaf bedienen kann. Wenn es dann drauf ankommt muss schließlich jeder Handgriff sitzen.

Die meisten Frauen bringen für derart männliche Beschäftigungstherapie in der Regel wenig Verständnis auf. Mann und Frau sind da echt total verschieden. Während ER beim Spielen mit dem Equipment vom ultimativen Foto träumt sieht SIE den Staub in den Ecken und ärgert sich, dass die Mülltonne wieder überquillt. Beides ist sicher legitim – aber eben doch grundverschieden!

So gibt es links neben mir jedenfalls fast einen Ehekrach während der Typ rechts neben mir mit rechteckigen Grauverlaufsfiltern experimentiert. Als sie ihm das zweite mal in den Sand fallen weil die Handschuhe so dick sind ist er auch leicht gereizt. Ich knipse derweil was das Zeugs hält. Jede Einstellung wird 18 Mal abgelichtet. Jeweils zwei 9-fache Belichtungsreihen von ganz dunkel bis ganz hell. Beim zweiten Mal halte ich einen Finger so vor das Objektiv, dass er die Sonne verdeckt. Ist die Sonne bspw. oben rechts im Bild würden sich sonst in der unteren linken Bildecke starke farbige Reflektionen an den Linsenoberflächen bemerkbar machen. So kann ich später mit Photoshop aus jeweils zwei Bildern eines machen – ein Bild dass das Beste aus beiden Welten enthält. Hat man das dann noch in unterschiedlichen Belichtungsstufen, kann man sich mit Photoshop ein Bild zusammen montieren in dem die Sonne ein weißer Punt statt eines riesigen weißen Kleckses ist und in dem es statt großer schwarzer Flächen wenn auch dunkle, so doch sichtbare Details gibt. Der Typ rechts neben mir ist total irritiert, dass ich immer so viele Bilder mache und dann noch einen Finger vor die Kamera halte. Das kann er überhaupt nicht verstehen. Nachdem er sich eine Weile gewundert hat fragt er schließlich was dieser Blödsinn soll. Ich zeige ihm einfach die 18 unterschiedlichen letzten Bilder und er versteht es sofort! “Ah, that’s a pretty cool trick!” Danach versucht er es auch – die Grauverlaufsfilter liegen kurz drauf wieder im Sand. Sein Finger ist zu dick – er hält ihn auch direkt an die Frontlinse. Es gibt eine kleine Einweisung – eine Minute später hat er es drauf und ist glücklich wieder was gelernt zu haben.

Rechts neben ihm sind derweil zwei total professionell aussehenden Asiaten zugange. Sie benutzen Großformatkameras. Nach jedem “Schuß” wird ein neues Stück Planfilm samt Aluminiumcassette in die Kamera geschoben. Die Fotorucksäcke der beiden sehen aus wie Kindersärge. Die beiden kommen mir bekannt vor, später erkennen wir, dass wir uns gestern am Delicate Arch schon mal gesehen haben.

Mit der Bewegung der Sonne kommt auch Bewegung in das Rudel der Sonnenanbeter. Stativ hin, her, hoch, runter, vor, zurück, mal stolpert einer über mein Stativ, mal über ein anderes. Es ist ganz witzig. Alle sind über 40 und benehmen sich wie die kleinen Kinder vor dem Weihnachtsbaum. Das muss was mit Glück zu tun haben!

Und hier sind die drei auf die schnelle groß zusammen geklickte Bilder vom morgendlichen Rudelknipsen. Sie sind fern ab von dem was ich mir wünschen würde – aber als erstes Ergebnis doch ganz ansprechend. Daraus kann man noch was zaubern! Wie fragte doch einer der beiden Koreaner – “Are you a Photoshopper?” – Ja, ich bin ein Photoshopper – auch wenn es nicht unbedingt dieses Programm zu Bildbearbeitung sein muss – Photoshopper ist eher ein Sammelbegriff für 95% der Leute die beispielsweise in der Fotocommunity ihre Bilder zeigen. Da ist fast alles geschummelt. Aber was soll’s, wenn es gut geschummelt ist, dann ist auch doch legitim.

Hier nun die Wanderung der Sonne zwischen 7h25 und 8h15…

Als das Schauspiel vorbei ist, sind nur noch die beiden Asiaten und ich übrig. Sie kommen aus Südkorea. Einer heißt Benedict Yang und spricht so gut englisch, dass wir uns fast fließend über Fotografie unterhalten können. Diese Vokabeln habe ich drauf, aber im Subway einen Sub des Tages zu ordern, das macht mich hier immer wieder total fertig! Statt dass sie mir einfach ein Stück  Brot belegen gibt es tausend Gegenfragen, welches Brot, welcher Käse, welche Sauce, welcher Salat, warm machen, mitnehmen… Das ist die Hölle! Mit einem Südkoreaner über Fotoequipment zu fachsimpeln ist da viel einfacher. Irgendwann ist raus, dass ich aus Deutschland komme. Ahh, Deutschland – er hat ein Berlebach Holzstativ – das kommt aus Deutschland! Ok, ich habe eine Carbonstativ aus China! Er hat ein Objektiv schon Scheider Kreuznach – das kommt auch aus Deutschland. Ok, meine Nikon kommt (vielleicht) aus Japan. So geht das weiter, schließlich holt er noch seine kleine Leica aus der Hosentasche – auch aus Deutschland. Wobei ich mir sicher bin, dass diese Leica nicht in Deutschland hergestellt wurde – aber das werde ich noch herausfinden 🙂

Schließlich machen wir noch ein paar Gruppenfotos und er gibt mir seine Karte. www.betterpicture.net – dort gibt es seine Bilder – schön sind sie!!

Wieder am Parkplatz sind unsere Autos die beiden letzten. Kurz noch ein Abschiedsfoto mit meiner F5 die gerade auf der Rücksitzbank liegt und da sind sie auch schon weg. Sie haben sich einen echt riesigen schwarzen Allradwagen gemietet. Der Kofferraum ist brechend voll mit Alukisten, Stativen und sonstigem Zubehör – die Jungs geben alles! Das sind die echten Enthusiasten!

Ich mache mich auf in Richtung Süden. Vor mir liegen 7 Stunden einsamer Highway, Tempomat und Country Musik! Ein Lied spielen sie derzeit immer wieder. Es ist ganz witzig – im Refrain singt eine kernige Männercombo “Save a horse – ride a cowboy!” Was damit wohl gemeint ist? Und das im prüden UTAH! Die Zeiten ändern sich…

Zwischendurch halte ich immer mal wieder an weil es rechts des Weges einen schönen See gibt, der im Hintergrund von einem verschneiten Gebirge eingerahmt wird. Toll ist es hier! Einen Abstecher beim berühmten “Mexican Hat” gibt es auch noch.

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In Page angekommen steuere ich direkt das Rodeway Inn an – warum experimentieren wenn es dort ok ist? Das Zimmer kostet inkl. aller Steuern 45 Dollar pro Tag. Ich buche erst einmal zwei Nächte. Als alles ins Zimmer geschleppt ist gehe ich mal rüber zum Touristenbüro und frage nach einer Bootsfahrt zum Rainbow Arch, dem Heiligtum der Navajo Indianer. Die Touren gibt es nur Freitag, Samstag und Sonntag. Was tun? Ich entschließe mich nach kurzer Denkpause die verfügbare große Tour am Freitag zu buchen. 7,5 Stunden auf dem Lake Powell in einem richtigen Schiff. Dazu ein Dinner, hoffentlich schönes Licht und zwischendurch ein kurzer Fußmarsch zu einem der schönsten Natursteinbögen die Amerika zu bieten hat! Der Spaß kostet knapp 150 Dollar, ich kann am Freitag mit Kreditkarte zahlen. Um 8h30 ist das Treffen im Hotel an der Wahweap Marina. Da gibt es eine kurze Einweisung, da wird die Kohle eingestrichen und um 9h soll es dann losgehen. Prima!Zurück im Motel verlängere ich dann nochmal um zwei Tage! Ich bin also bis Samstag morgen in Page! Ich werde am Samstag versuchen so früh wie möglich loszukommen um am östlichen Eingang des Zion National Parks die Wanderung zu unternehmen die Wolfgang mir kurz vor seiner Abreise so wärmstens empfohlen hat. Danach geht es noch kurz ins Steakhouse unten an der Straße. Es ist 17h – ich bin der einzige Gast und alle sind total nett. Als ich erzähle, dass ich 7 Stunden lang extra aus Moab hergefahren bin um hier ein Steak zu essen bin ich die Sensation des Tages. Als ich dann noch erzähle wie sehr ich mich auf ein kaltes Bier freue gibt es Gelächter – die Leute in Arizona lachen sich gern mal schlapp darüber, dass es auf der anderen Seite der Grenze – und die ist ja nur ein paar Autominuten entfernt – Steakhäuser ohne Bier gibt! Mir kam das fast vor wie Schalke und Dortmund – oder Bayern und Ostfriesland…Heute ist Dienstag – Mittwoch & Donnerstag kann ich also hier in Page noch verplanen. Vielleicht ein Flug mit einer Cessna am Donnerstag? Mal sehen!Beim Kopieren der Bilder fällt dann auf, dass die neue 500 GB Urlaubsfestplatte fast voll ist! Ich bin wahnsinnig! Allein heute sind fast 20 GB Bildmaterial angefallen. Ich habe schon seit Tagen keine Zeit mehr das alles abends in Ruhe anzuschauen. Ich bin froh wenn es auf der Platte ist und ich die Karte in der Kamera neu formatieren kann. Sicher könnte man 95% löschen, weil verwackelt, falsch belichtet oder schlicht und ergreifend gähnend langweilig. Aber dazu ist keine Zeit. Also gleich mal rüber zum Walmart – neulich gab es da 320er Festplatten für knapp 90 Dollar.Das ist nicht weltbewegend – ich hatte mir da mehr erwartet – aber es ist ok. Überhaupt ist die Versorgung mit Elektronikartikeln in den Orten die ich bislang gesehen habe mager. Um für Wolfgang ein neues GPS zu kaufen mussten wir 500 Kilometer weit fahren! Zwischendurch habe ich mal überlegt, ob ich den schweren Fotokrams nicht durch die Anschaffung des in der Fotocommunity als “Deppenzoom” verschrienen 18-200mm VR erleichtern soll. Aber es gibt das Ding hier nirgends! Entweder ordert man es via Internet und hat einen festen Wohnsitz, oder man fährt nach Las Vegas. Viele Alternativen gibt es nicht!So – nun fahre ich mal zum Walmart…Hier noch schnell der Link zur täglichen Diashow.

Update um 23h46

Habe bei Walmart für umgerechnet 80 Euro eine 320er Platte gekauft – damit komme ich dann die nächsten Tage über die Runden…Ein erstes HDR habe ich auch schon zusammen gefrickelt und in der Fotocmmunity ausgestellt. Wer es mal sehen möchte klickt einfach hier.

Update um 9h38:

Bin eben aufgewacht – ganz ohne Wecker! Die Nacht war wieder kalt und zittrig. Ich hätte die Decke vom zweiten Bett gebraucht aber da liegen alle Fotosachen drauf. Das wegzuräumen wäre nachts zu aufwändig gewesen 🙂 Lieber frieren…Dann habe ich eben gesehen, dass TilmanF meinen Sonnenaufgang am Mesa Arch in der Fotocommunity für die Galerie vorgeschlagen hat. Nun können sich die Experten wieder streiten ob es ein gutes oder schlechtes Foto ist 🙂 Ich bin gespannt wie es ausgeht.An dieser Stelle noch ein Dankeschön an Tilman!!

Stormy Sunday – Oder: Wieder kein Bild vom Delicate Arch

Um 5h30 geht der Wecker – “Ach lass mich doch in Ruhe…” – Fünf Minuten später geht er wieder – “Ahhh” – Weitere fünf Minuten später schaffe ich es dann endlich in die Waschanlage. Es schmerzt, ich bin todmüde aber, der frühe Vogel fängt den Wurm! 20 Minuten später ist es endlich geschafft, ich bin unterwegs zum Dead Horse Point.

Kurz vor sieben bin ich dann am Parkplatz am Dead Horse Point. Es ist nicht mehr ganz dunkel, über den LaSal Montains leuchtet der Himmel schon in hellem Blau und Gelb. Jetzt muss es schnell gehen, mein GPS hat den Sonnenaufgang für 7:32 vorausgesagt! Direkt neben mir hält ein großer weißer Geländewagen. Ein drahtiger Typ steigt aus. Durchtrainiert, unrasiert, mit coolen Trekkingklamotten. Er kramt im Kofferraum und holt schließlich eine Canon samt Stativ, Kabelauslöser, diversen Objektiven und was weiß ich hervor.

Ich gehe kurz rüber und begrüße ihn “Hi, good morning! Are you another sunrise lover?” “Hi their, I’m a light lover!” Ok, die Stative samt Kamera auf die Schulter und los. Gestern hatte ich mir ja schon eine schöne Stelle ausgeguckt, be prepared! Als wir dort sind mache ich ein paar Bilder, bin aber nicht zufrieden. Es ist windig wie die Hölle, sicher ist das der Grund warum uns die Wolken über Nacht verlassen haben. Der Himmel ist total langweilig, einfach nur eine einzige blaue Fläche, Mist! Dann fällt mir auf, dass der schöne Bogen den der Colorado da unten macht teilweise von einem großen Felsen verdeckt wird. Ob weiter drüben doch der bessere Platz ist? Schnell die Kamera schultern, es wird schon hell. Dieser Platz ist auch blöd. Aber dort hinten, es wird langsam hell. Der Weg ist nicht einfach, es geht über große Felsplatten und Sand. Immer wieder um Bäume und Steine herum. Mir wird warm, es windet wie die Hölle. Der Platz ist auch doof, aber da hinten, das ist es… Schnell weiter, ein Blick auf die Uhr 7h18 – schneller schneller schneller… Im Laufschritt geht es mit dem schweren Stativ, der Kamera und dem gut gefüllten Fotorucksack über Stock und Stein. Auch doof, 7h23 – weiter – schneller – ich kriege kaum noch Luft, es muss doch irgendwo der Platz sein an dem Tom Till sein geniales Bild gemacht hat.

Die Klippe dort drüben, die muss es sein! Dumm nur, dass es eben eine Klippe ist und wir uns im Canyon Land befinden! Der Punkt scheint zum Greifen nah zu sein, doch zu Fuß ist er bis 7h32 in unendlicher Ferne weil ich erst noch um diverse Bögen herum laufen müsste. Die Sonne geht auf, 7h35 – das GPS hat recht – so ein Mist ich stehe total falsch. Überall nur Felsen, kein vernünftiger Blick hinunter auf die Canyons. Schnell schnell, ich kriege kaum noch Luft, es windet wie verrückt, mein Asthma macht sie bemerkbar.

Schließlich ist es fast 8h, das gigantische rote Glühen der Klippen habe ich nur gesehen während ich mir den Schweiß aus den Augen gewischt habe. Ich habe abgelooost – total! Und dafür bin ich so früh aufgestanden – “Oh nein!” – Egal, morgen ist auch noch ein Tag und da gibt es vielleicht auch ein paar dekorative Wolken. Also zurück zum Auto. Der “Light-Lover” kommt mir grinsend entgegen, er hatte wohl den richtigen Standpunkt gefunden. Leicht frustig komme ich am Auto an. Jetzt gibt es erst einmal etwas zu Essen. Im Kofferraum ist noch eine halbe Pizza – Meatlovers – Medium! Die schmeckt auch kalt richtig gut! Dazu gibt es reichlich zu trinken und ich versuche den wunderschönen Morgen zu genießen, auch ohne tolle Fotos!_DSC3309 _DSC3358

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Nach einer halben Stunde ist es dann richtig hell. Ich bin sehr froh, dass es dort oben ein supersauberen nagelneuen “Restroom” gibt. Danach geht es ins Auto und wieder los. Am Abzweig  <- Canyon Lands – Moab –> entscheide ich mich für <-.

Es sind 20 Meilen und da stehe ich schon am Eingangshäuschen zum Canyon Lands National Park. Und wieder gibt es ein freundliches “Hello, good morning. How are you?” Die junge Rangerin trägt auch einen dieser lustigen beigefarbenen Hüte. Ich zeige mein Jahreslos, bekomme eine Karte und eine Beschreibung des Parks und darf auch schon weiterfahren. Ein paar hundert Meter weiter geht es links ab, warum nicht ich bin sowas von frei, ich kann hier hin wohin ich will und es wird kein Gemotze auf der Rücksitzbank geben. Also links! Der Weg wird kurz drauf sandig. Also anhalten und auf 4WD umschalten, dann wird es auch noch felsig. Das Auto schwankt und rappelt, es macht keinen Spaß. Die Straße wird immer schmaler und links von mir geht es locker 200 Meter in die Tiefe. Ich kriege feuchte Hände. Eigentlich ist es Blödsinn, es sind Reifenspuren dort und sicher ist kurz mir ein großes Wohnmobil mit zwei lustigen Holländern hier hergefahren. Doch es geht da echt tief runter, die Straße ist total sandig, es fährt sich wie auf matschigem Schnee, es sind zwei Meter bis zum Abgrund und es gibt keine Leitplanken oder irgendwas das einem bei einem Fahrfehler vor dem Absturz bewahren würde. Langsam wird das ganze Lenkrad feucht. Ich halte mal an und schaue auf die Karte. Es sieht so aus als käme ich schon bald wieder auf den richtigen Weg, also tief durchatmen und weiter.

Es geht von einer Klippe um die nächste. Irgendwann kann ich einen Weg sehen der sich die Klippen hinab ins Tal windet. Das kann es doch wohl nicht sein. Ich halte nochmal an und schaue es mir auf der Karte und dem GPS an. Dieser Weg scheint die tolle geteerte Straße zu berühren, SCHEINT! Wenn ich da weiterfahre geht das Schaukeln und Rappeln noch stundenlang so weiter, was tun. Da hinten ist eine etwas breitere Stelle, da kann ich wenden. Das Wenden klappt, ich schaukle zurück zur Hauptstraße. Der folge ich dann ganz brav so wie es die anderen auch tun. Auf dem GPS kann ich sehen, dass ich nach ein paar Minuten FAST wieder da bin wo ich eben schon war. Ich halte mal an und erkenne nun auch die Ursache für das FAST! Der Weg liegt locker 20 Meter tiefer unterhalb des Randes der Klippe auf der ich stehe. Da wäre ich vielleicht auf allen vieren hoch gekommen, aber nicht mit einem Auto! Die Entscheidung umzukehren war RICHTIG!

Weiter geht es, kurz drauf bin ich beim Trailhead von dem es zu dem Sandsteinbogen geht der in der FC schon so oft gezeigt wurde. Stets linst die aufgehende Sonne unterhalb des Bogens in das Objektiv und es gibt ein paar schöne sternförmige Lichtstrahlen. So stelle ich mir das für das abendliche Bildergucken auch vor. Also parken und überlegen was ich mitnehme. Morgens habe ich mich wieder mit dem ganzen Ballast abgeschleppt, jetzt nehme ich nur zwei Objektive mit, das 12-24mm Weitwinkelzoom und mein geliebtes 17-55 “Normalzoom”. Der Weg ist nicht weit, es sind vielleicht 800 Meter. Es geht über gut gemachte Stufen und ein wenig Sand vorwärts. Dann sehe ich den Arch. Auf den Bildern sieht er aus als hätte er 50 Meter Spannweite. Doch wenn man direkt davor steht ist die Oberkante kaum drei Meter über dem Boden und er sich vielleicht 10 Meter breit. Doch gut sieht er trotzdem aus! Und es gibt einen Schlitz durch den man zwischen diesem Bogen und der felsigen Klippen 100 Meter und tiefer nach unten schauen kann, beeindruckend!

Es geht ein heftiger Wind, der Bogen wirkt fast wie ein Kamin. Das ist sicher auch der Grund für eine Existenz. Tritt man ein paar Meter zurück ist es ok, versucht man am Bogen direkt ein Foto zumachen haut es einem fast die Kamera aus der Hand. Mein Käppi fliegt dreimal weg, egal wie stramm ich es auch um den Kopf schnalle, also in die Jackentasche damit. Das Objektiv ist natürlich das falsche, also montiere ich umgeben von Sturm und Sand das Weitwinke auf die Kamera. Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei, wenn da nun ein Sandkorn in den Verschluss gerät kann ich die Kamera wegwerfen… Dann versuche ich ein paar Fotos zu machen, aber der Wind haut mich fast um. Dann gibt es einen Rumms. Schei… mein 1500 Euro Objektiv ist mir aus der Jackentasche gefallen, voll auf einen Felsen und dann durch den Sand gerollt – AU NEIN!!_DSC3550 _DSC3582

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Eine Minute später ist der Schreck vorbei, das Ding ist noch heil, die Deckel waren drauf und der Sand hat es wohl nicht ins Innere geschafft – nochmal gut gegangen – klingt zwar komisch – iss aber so! “Thank God it’s a Naikohn!” denke ich mir und trete den Rückzug an.Am Auto geht es weiter in Richtung “Grand Vew Point”. Dort angekommen sehe ich großes Schild auf dem steht “Ranger talks at cliff. 10:30 – 11:30”. Den Ranger sehe ich dann auch, um ihn eine bunte gemischte Gruppe stiller Zuhörer. Von dem was er erzählt verstehe ich weniger als die Hälfte also schaue ich mal was man dort oben fotografieren könnte. Es geht durch Sand, über Slickrock, um Bäume, das kommt mir alles bekannt vor… Dann habe ich einen genialen Aussichtspunkt gefunden. Wow, der Blick in das 200 Meter tiefere Tal ist überwältigend! Unterhalb liegt eine ehemals topfebene Wüstenlandschaft aus dem Wind und Wasser im Laufe von Millionen Jahren riesige tiefe Canyons herausgearbeitet haben. Stark! Später informiert mich eine Infotafel darüber, dass ich gerade auf dem “Island in the Sky” stehe – das passt, eine Insel im Himmel, eine windige Insel dazu! Bis runter zum Colorado River sind es 600 Meter, Wahnsinn! Das alles war mal eine ebene Fläche!Wirklich schöne Fotos kann man nicht machen, es liegt einfach alles im harten Gegenlicht. Also zurück zum Auto. Da gibt es das letzte Stück von der Pizza, einen Apfel, eine Apfelsine und dann geht es wieder los. Nur wohin? Keine Ahnung einfach vorwärts! _DSC3708 _DSC3677 Letztlich lande ich im Motel, es ist Mittagszeit, die Sonne steht hoch. Ich bin total erledigt und lege mich einfach auf das Bett. Kurz drauf bin ich dann wohl eingeschlafen. Kurz vor fünf werde ich dann wieder wach. Es ist früher Abend, ich könnte schnell noch mal zum Delicate Arch flitzen. Also schnell wieder alles zusammen packen, es gibt Vorfreude auf ein tolles Abendrot am schönsten Arch den ich bislang kenne.Beim Öffnen der Tür überfällt mich dann die Ernüchterung! Es stürmt wie die Hölle, die Luft ist voller Sand, der Himmel dunkelgrau. Ich packe trotzdem mal alles in Auto und gehe dann mal die paar Meter bis zur Straße. Dort rollen die dornigen Büschel über die Straße und ich fühle mich gleich an die erste Szene aus “The Big Lebovski” erinnert. Das Wetter ist schon beeindrucken, nette Fotos werde ich heute keine mehr machen können, das ist klar. Auch das Gekraksele hoch zum Delicate Arch kann ich mir sparen. Also fahre ich mit meinem Auto zur Waschanlage. Die Kiste ist von der Fahrt rund um die LaSal Mountains so verdreckt, man kann sich nirgends mehr anlehnen. Alles ist überzogen mit dickem trockenen Matsch. Die Reinigung hatte ich schon seit zwei Tagen im Visier, nur hat beim ersten Anlauf der Kartenleser für die Kreditkarte nicht funktioniert und sieben Quarter-Dollars hatte ich auch nicht.Nun habe ich mir ein paar Quarters zusammengespart. Bislang habe ich immer alles Kleingeld den Zimmermädchen auf den Tisch gelegt. Es stört beim Wandern und der Dollar ist eh fast die kleinste Einheit. An der Waschanlage angekommen nehme ich dann eine andere Box. Beim Aussteigen dann ein Schild, das auf einen Automaten aufmerksam macht – “Note Exchange –>” Dieser Automat macht sicher aus Noten keine Musik, aber aus Geldscheinen Münzen. Aber warum nicht mal versuchen ob hier der Kartenleser funktioniert. Und siehe da, das grüne Display, das mich an meinen ersten Taschenrechner vor 30 Jahren erinnert, heißt mich willkommen und dort ist sogar mein Vorname richtig geschrieben! Los geht die Prozedur! Den Hochdruckreiniger in die Hand und schon fliegt der Matsch durch die Gegend dass es eine wahre Freude ist. Leider habe ich die Rechnung ohne den Sturm gemacht und kurz drauf muss ich entsetzt feststellen, dass ich den Matsch nicht entfernt sondern verlagert habe. Vom Auto an meine Hose!Schließlich sieht das Auto wieder fast wie neu aus und meine Hose schimmert in freundlichen Erdtönen. Egal, noch auf die STOP-Taste drücken, der Automat bedankt sich höflich und dann geht es rüber in den City Market. Dort geht das Stauen wieder los, so viel Essbares gibt es hier. Letztlich kaufe ich mir eine Gemüseplatte, einen großen Becher mit verschiedenen Beeren, einen Joghurt, ein paar Kekse, ein paar Softdrinks und ein kaltes Sixpack Corona – lecker!Zurück im Motel gibt es dann ein ausführliches Abendessen. Die schönen Fotos habe ich mir für heute abgeschminkt. Beim Essen mach ich mal den Fernseher an und finde das Moab Info-TV. Ganz nett, es gibt einen lokalen Werbespot nach dem anderen. Der Adventure Laden auf der anderen Straßenseite bewirbt seine Hummer-Touren. Die Autos habe ich ja schon bewundert, nun bin ich platt wo die mit den Kisten überall herumfahren. Ich muss an meinen morgentlichen Klippenabstecher denken und daran, dass ich später gelesen habe, dass die Tour die ich da angefangen hatte ganze ZWEI Tage dauert und dass man zuvor im Visitor Center eine kleine Sicherheitseinweisung machen sollte.Dann kommt ein kurzer Film über den Canyon Lands National Park – und siehe da – der Ranger vom Vormittag moderiert! So klein ist die Welt, verstehen tue ich leider immer noch weniger als die Hälfte… Dann kommt ein toller Beitrag zum Thema “Share the Road”. Dort wird erklärt wie man als Autofahrer einen Radfahrer zu überholen hat. Kein Scherz, das ist bitterer US-Amerikanischer ERNST!Nun ist es 20:12 – ich schaue jetzt mal die Bilder des Tages an – viel zu erwarten habe ich nicht – leider :-(Um 21:04 ist klar, die Beute war mager, schade! Also ab ins Bett, morgen ist auch ein Tag und da finde ich hoffentlich zum richtigen Zeitpunkt den perfekten Standort und habe keinen Sturm und ein paar nette Wolken am Himmel.Vielleicht so wie bei diesem Bild aus dem WWW…Untitled-1Ihr werdet es erfahren 🙂

Eine Woche noch – Oder: Langsam werden die Tage kostbar!

Hi folks, bald geht es schon wieder zurück. Irgendwie freue ich mich ja auch ein wenig auf zuhause. Da gibt es eben alle Dinge die mir lieb sind und mir ans Herz gewachsen sind. Das erste mal wieder das “Beste Frühstück der Welt” zu genießen wird sicher auch ein Fest!

Heute gab es nicht viel aufregendes. Ich war kurz einkaufen, Getränke, Obst, Brot, Käse und dann los in Richtung Dead Horse Point. In der örtlichen Galerie von Tom Till habe ich geniale Bilder gesehen, die er mir seiner skurrilen Plattenkamera dort gemacht hat. Man muss wohl wirklich GANZ FRÜH AM MORGEN dorthin! Es ist nur ca. 40 km von Moab entfernt und man ist echt schnell dort, aber auch hier fängt der frühe Vogel den Wurm! Als ich um 11h dort eingetrudelt bin war alles schon gelaufen und es gab nur noch brutales Gegenlicht. Vielleicht wäre ja Abends noch was nettes drin gewesen, aber da wollte ich ja nochmal mein Glück am Delicate Arch versuchen. So habe ich in aller Ruhe unter freiem Himmel auf einer dieser kleinen “Inseln” mit Tisch, zwei Bänken und einem Dach darüber gefrühstückt. Während ich ein kleines Stück Schweizer Gruyère aus der Felsenhöhle (Meine absoluter Lieblingskäse!!!) für höllische 8$ verspeist habe sah ich dann plötzlich eines dieser süßen Streifenhörnchen. Chipmunks nennt man die hier. Ich habe nach dem Essen ein paar Brotkrümel, Käsereste und ein paar zerbröselte Kekse rund um den Baumstamm neben meinem Picknick Tisch verteilt, dann das Tele mit Konverter rausgeholt und gewartet. Und siehe da, alle möglichen Tiere kamen und interessierten sich für meine Köstlichkeiten!

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Nachmittags bin ich dann schnell rüber zum Arches Nationalpark gefahren und habe mir mal den Double Arch angeschaut. Heute morgen war ja der Halbmarathon. Halbmarathon heißt er scheinbar deshalb, weil genau die Hälfte der Teilnehmer anschließend den Arches Nationalpark besucht! Was soll ich noch sagen, es war die Hölle los! Wie auf der Kranger Kirmes oder Pützchens Markt!

Anschließend ging es dann nochmal rüber zum Delicate Arch. Ein junges Paar, das ich am Dead Horse Point mal wieder geknipst habe hat mich gleich wiedererkannt und noch mehrfach um Fotos gebeten. Das ist echt witzig! Das Wetter war dann heute so wie vorgestern. Tagsüber feine nette kleine Wölkchen und abends hat es sich dann völlig zugezogen! An schöne Bilder im genialen Abendlicht war gar nicht zu denken.

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Also bin ich um 19h30 zurück zum Auto gewandert. An der historischen Wolf-Ranch habe ich ein bisschen mit der Taschenlampe experimentiert und bin dann zurück ins Motel gefahren, alles ganz harmlos heute! _DSC3298 _DSC3296Das Zimmer habe ich noch zwei Tage verlängert. Dann kann ich noch mal versuchen es morgens früh zum Dead Horse Point zu schaffen und kriege den schönen Arch vielleicht endlich mal im genialen Abendlicht zu sehen!Danach ging es zu Fuß durch die Stadt, auf der Suche nach etwas Leckerem für den Abend. Hier machte sich wieder der Halbmarathon bemerkbar. Die Hälfte der Läufer die nicht im Arches National Park waren, standen in großen Schlangen an den Kassen praktisch aller Läden wo es was zu essen gibt. Schließlich habe ich mir beim Pizza Hut eine Pizza zum Mitnehmen bestellt, nur 30 Minuten gewartet und sie dann in Warp-Geschwindigkeit quer durch die Stadt getragen, damit ich noch was warmen davon abbeißen kann. Ich war schnell genug, die Pizza war lecker, leider habe ich nur die hälfte geschafft! Beim nächsten Mal bestelle ich mir dort eine Minipizza. Medium reicht locker für zwei oder auch 2,5 Personen…So, nun schaue ich mir mal meine Fotos an und dann geht es ins Bett – sonst kriege ich das Morgen mit dem frühen Aufstehen wieder mal nicht geregelt…

Colorado Rundreise – Oder: Grenzenlose Freiheit

Und wieder ist ein toller Tag fast zu Ende. Die Tage ziehen allesamt viel zu schnell dahin. Nun sind die 5 Wochen schon bald vorbei und ich habe nicht einmal ein Prozent der USA auch nur angekratzt. Aber so ist das eben. In einzelnen tief verborgenen Tälern des Schwarzwaldes soll es noch einige sehr alte Menschen geben, die ihr Tal noch nie verlassen haben. Gemessen daran, habe ich schon das halbe Universum erkundet, es ist eben alles eine Frage des Standpunkte, aber auch das hat bereits Albert Einstein sehr treffend beschrieben.

Heute ging der Tag wieder sehr spät los, ich schlafe derzeit einfach zu gern! Eigentlich ist das total ärgerlich! Eben war ich kurz mal in der örtlichen Galerie die Bilder von Tom Till ausstellt (http://www.tomtill.com). Wenn man sich diese rund 1000 Doller teuren Ilfochrome Prints anschaut wird man echt neidisch! gut die Hälfte der Bilder sind früh morgens bei Sonnenaufgang entstanden. Die restlichen Bilder in den Abendstunden und bei ungewöhnlichen Wetterbedingungen. Ein Bild zeigt beispielsweise einen Teil der Canyonlands mit Nebels statt Wasser zwischen den Felsen. Sieht schickt aus , kommt aber gewiss nicht oft vor!

Der frühe Vogel fängt den Wurm – vielleicht schaffe ich es ja bald mal wieder mich früh aus dem Bett zu pellen und Bilder wie dieses hier zu knipsen.

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Heute war ich jedenfalls wieder erst um 10h unterwegs, dafür aber total entspannt! Kurz voll tanken und dann los. Auf der Hauptstraße vor der Tankstelle war so viel Verkehr, man konnte nicht wirklich nach links abbiegen. Aber das ist ja dem freien Menschen total egal, der biegt dann eben nach rechts ab – da gibt es sicher auch was tolles zu sehen…

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Gesagt getan und kurz drauf verließ ich Moab auch schon in Süd-Östlicher Richtung. Am Ortsausgang dann auf der linken Seite der schneebedeckte La Salle Gebirgszug. Wow sieht das gut aus! Es erinnert mich an meine lange Zeit in der Schweiz. Da habe ich auch manchmal früh morgens in der Schweinekälte auf ein Alpenglühen gewartet – etwa so wie hier.

Heute gab es leider kein Alpenglühen. Die Gründe sind ganz einfach, erstens sind die Alpen in Europa und zweitens glühen sie wenn überhaupt immer dann wenn ich noch schlafe 😐 Aber gut sah das trotzdem aus. Ein kurzer Blick auf die Karte und es war auch schon eine Straße gefunden die voll hinein in diesen schönen Gebirgszug führt. Diese Straße ging dann schnell in eine gut befahrbare Dirtroad über. Ich habe mal einen Abzweig versucht, der auf dem Kartenmaterial im GPS als Jeep-Trail markiert ist. Dieser Weg endete ganz weit oben am Berg dann mit viel Matsch und Schnee. Auch war ich da schon viel zu nahe um noch schöne Fotos machen zu können. Die Fernsicht war nicht wirklich gut und hier liegt eh fast alles was cool ist UNTERHALB der “Grasnarbe”. Also zurück und mal den Weg hinauf zum Pass versuchen. Auch dieser Weg endet recht weit oben vor einer etwa einen Meter hohen Wand aus Schnee! Bis dorthin ist es aber geräumt und gut befahrbar. Dort oben stand dann auch gleich ein dicker Truck mit Anhänger und in der Ferne hörte man wie sich jemand mit einem Schneemobil vergnügt – das ist Amerika. Da leben die Leute in der Wüste, haben aber im Garten ein Schiff und ein Schneemobil stehen – wer es nicht glaubt muss hier selbst mal nach gucken – es stimmt!!

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Also wieder runter von der Passstraße und mal links abbiegen und schauen was es da alles gibt. Die Perspektiven auf den Gebirgszug sind teils einfach gigantisch! Nach insgesamt zwei Stunden Fahrtzeit um das Gebirge endet dann aber leider das Kartenmaterial in meinem GPS – ich bin in Colorado! Wer hätte das gedacht! Als ich im Rahmen der Vorbereitungen das damals noch nagelneue GPS mit den Karten bestückt habe, hätte ich nicht geglaubt mal nach Colorado zu kommen – heute war das dann anders! Und ich konnte mich gleich davon überzeugen, dass man mit der internen Weltweiten topografischen Karte wenigstens die Hauptstraßen ganz gut findet – verloren ist man also nicht! Auf meiner Karte waren also keine weiteren Straßen zu sehen und das GPS konnte mir mitten im verschneiten Wald nicht sagen ob es einen Rundweg gibt oder ob ich nach weiteren zwei Stunden wieder vor einer Wand aus Schnee umkehren muss. Also kehren wir doch lieber jetzt um, dann schaffen wir es vielleicht noch zum Sonnenuntergang am Delicate Arch – das Wetter war ja heute wirklich grandios!

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In der Nähe der Hauptstraße lockt dann aber doch wieder ein Abzweig… Ein Blick auf die Karte – grundsätzlich kann man in einem großen Bogen herumfahren – warum also nicht – und Stoff wie Wolfgang es immer nennt…

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Wieder bieten sich wunderbare Perspektiven auf das Gebirge. Alls paar Meilen muss ich fast zwanghaft anhalten und ein paar Bilder knipsen, toll sieht das hier alles aus! Doch irgendwann verschwindet auch das schönste Gebirge wenn man nur lange genug geradeaus fährt. Dann plötzlich bin ich in Colorado! Und der Blick in die Ferne ist einfach nur grandios! Das kann man nicht planen, das muss man einfach erleben! Der Tank ist noch fast voll – der Delicate Arch ist mir in diesem Augenblick egal – ich will dahin – zum Horizont!

Die Straße ist bolzengerade – es geht ein wenig auf und ab – es macht Spaß! Hier leben Menschen, das bedeutet – man kann hier Radio hören. Es läuft Musik von Toto, Neil Young, es gibt Jazz, Funk & Soul – das sogar garantiert ohne Werbeunterbrechungen “Thanks for supporting our local radio station!”- das hört man gern!

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Dann weist ein Schild auf einen “Point of interest” hin – was kann das schon sein – doch dann die große Überraschung – ich stehe direkt vorm kleinen Bruder des Horseshoe Bends – genial! Einfach so gefunden – ganz allein und ganz durch Zufall, weil auf der Mainstreet in Moab zu viel Verkehr war…

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Der Wen danach ist grandios. Links und rechts hohe rote Felsen und neben mit ein stattlicher Fluss. Längst nicht so breit wie der heimische Rhein, aber viel schöner “gebettet”. Die Stunden ziehen dahin, ich fahre, halte, knipse und esse eine wenig Obst. Frühstück gab es ja nicht…

Mit der Zeit schwindet dann die Hoffnung mich rechtzeitig zum Sonnenuntergang in die Schlange der “Archlovers” am delikaten Bogen einzureihen. Egal, das kann ich auch morgen noch machen. Also genieße ich die Fahrt und bin neidisch bei jedem coolen Typen der mir grinsend auf seiner Harley entgegen kommt. Dürfte ich einen Tourenvorschlag für den Südwesten machen – das wäre er!

Schließlich lande ich dann in Grand Junction – eine wirklich stattliche Ansammlung unspektakulärer Gebäude. Aber es gibt hier so ziemlich alles was man sich vorstellen kann. Doch ich habe alles und mein Fotorucksack ist schon viel zu schwer. Also Stoff geben in Richtung Interstate 70. Sicherheitshalber kurz vorher noch schnell volltanken – man weiß ja nie… Das Tanken klappt inzwischen reibungslos und geht schneller als daheim, weil man alles mit sich, der Zapfsäule und der Kreditkarte ausmachen kann.

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Der Interstate ist wenig befahren, es geht mit 80 Meilen voran, die untergehende Sonne scheint mir ins Gesicht – Zeit für die Sonnenbrille – endlich wird sie mal benutzt!

Dann der Abzweig 124 – CISCO! Früher hatte ich mal CISCO Aktien, bei 72 Dollar bin ich eingestiegen. Es hießt ich wäre dann in 10 Jahren Millionär. Doch es kam anders, habe ich ja schon beschrieben. Als ich dann in CISCO war wusste ich auch warum! Zwar hat dieser “Ort” nichts mit dem Internetausrüster CISCO zu tun, aber als Beispiel für den Niedergang der New Economy taugt er dennoch! Dieses CISCO ist eine lockere Ansammlung rostiger halb zerlegter Schrottautos, die sich den Grund und Boden mit demolierten Wohnwagen, umgestürzten Zäunen und einem ausgebrannten “Cisco General Store” teilen! Ein Schild weist noch darauf hin dass es sich hier um “Private Property” handelt – aber wer wollte hier schon anhalten. Sicher werden die Hinweisschilder am Interstate auch bald umbenannt…

Zum Sonnenuntergang bin ich dann im Castle Valley. Es ist Rush-Hour! Die ganzen Camper kommen aus den Nationalparks zurück! Dennoch sind die visuellen Eindrücke großartig. Alles ist eh schon tausendmal geknipst worden, also fahre ich einfach weiter und genieße den Augenblick!

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Hier noch etwas zum Schmunzeln – das ist ein Teil meiner täglichen Begleiter…

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Daheim im Hotel dann schnell alles aufs Bett schmeißen, Geld aus einem ATM organisieren und dann mal schauen wo es was Essbares gibt. Ich lande im Wendy’s und glaube mich zu erinnern, dass es diese Kette im Ranking der Hamburgerbratereien im Rahmen des Buches “Gebrauchsanleitung für die USA” auf Platz 1 geschafft hat. Ich bestelle mir einen Medium Menu, mit einem Baconizer und einer Dr. Pepper Cola. Die Cola schmeckt ganz anders als erwartet, aber nicht schlecht. Während ich sie schlürfe muss ich an Forest Gump und die vielen Flaschen Dr. Pepper denken 🙂 Der Burger ist in ein matschiges Brötchen gebettet und überall trieft das Fett heraus. Das soll nun also die Creme der amerikanischen Hamburger Bratkünste sein?? Also entweder habe ich mich vertan oder der nachgewiesener Maßen mexikanische Koch hatte einen schlechten Tag. Satt wird man davon, aber wirklich lecker ist das nicht! Der Hamburger in Escalante war um Längen besser! Dafür sind hier die Fritten halbwegs essbar, wenn auch ziemlich schlabbrig und gar nicht knusprig. Egal, man muss ja nicht alles aufessen…

Daheim im Motel der neue Anlauf das Notebook nach den Fehlschlägen des Morgens mit dem WLAN zu verbinden. Irgendwann bin ich soweit, dass ich die gespeicherten WLAN-Profile lösche und versuche mich ganz neu zu verbinden. Siehe da, ich werde nach einer Passphrase gefragt! Da hat also jemand den Router neu konfiguriert! Am Mittwoch war noch alles offen, aber es gab auch ständig Aussetzer. Wer weiß wer sich da alles eingeklinkt hat. Also mal rüber ins Büro. Am Tresen ist niemand, es kommt auch niemand. Hm, was tun? Dann springt mir eine kleine Kuhglocke ins Auge die an einer Art Galgen aufgehängt ist. Davor liegt ein kleiner Holzschlägel. Ein kleines Pappschild weist darauf hin, dass man doch mal vorsichtig auf die Glocke schlagen soll wenn niemand da ist. Und siehe da, es funktioniert! Der Administrator steht einige Augenblicke vor mit und erklärt, dass sie alles auf WPA umgestellt haben und dass es seit dem viel besser funktioniert. Klar, wenn sich nicht jeder einfach einklinken kann 🙂 Die Passphrase hingegen ist einfallslos gewählt – hätte ich auf selbst drauf kommen können, es ist schlicht und ergreifen das schöne Wort password.

Um 23h25 bin ich dann auch schon hier angekommen! Nun schnell ein paar Bilder einfügen und dann an der Matratze lauschen. Vielleicht schaffe ich es ja morgen mal früh aufzustehen!

Hier noch schnell die kleine Diashow.

Und zu fortgeschrittener Stunde noch die Track-Analyse – statt zu bloggen sollte ich schlafen…

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Und hier das KMZ zum selbst angucken.

Arches National Park – Oder: Have you ever met one of these mormons?

Und wieder geht ein entspannter wunderbarer Tag zu Ende. Morgens habe ich ziemlich herumgetrödelt und so gab es dann auch nirgends mehr ein Frühstück. Ist auch egal denn nun kenne ich den City-Market. Dieser Supermarkt hat mich heute begeistert, vor allem die Obst- und Gemüseabteilung. Die Ware wird da nicht einfach lieblos hingeworfen, nein die Mitarbeiter stapeln beispielsweise das Obst zu wahren Kunstwerken. So was habe ich in Deutschland noch nie gesehen. Alle Äpfel sehen aus als wären sie einzeln von tibetanischen Jungfrauen mit rosa Wollhandschuhen poliert wurden. Alle sind gleich groß und haben fast die gleiche Farbe. Kleine schräg liegende gleichseitige Dreiecke aus Äpfeln – WOW – bei den anderen runden Obstsorten geht das so weiter. Pyramiden aus Apfelsinen, Wälder aus Bananen – das hat was! Das Gemüse liegt in speziellen Kühltheken und wird sanft mit entkalktem feinmineralischen Wasser bestäubt. Echt cool! Dann die Abteilung mit den Fertiggerichten. Im Edeka in Wachtberg ist diese Abteilung ja schon der Knaller, aber hier ist sie locker viermal so groß! Das mag daran liegen, dass die Leute in Wachtberg entweder keine Mikrowellen-Geräte haben oder sie mehr frische Sachen essen. Wie dem auch sein, das Angebot ist gewaltig!

Ganz hinten links im Laden – ein wenig versteckt und verschämt – gibt es auch BIER, sogar richtig viele Sorten. Wer auf leckeres Essen steht und gern mal ein Bier trinkt ist hier also gut versorgt. Überhaupt gefällt mir Moab ganz gut. Tagsüber ist ordentlich was los und abends wir es dann doch schnell ganz ruhig. Heute war so gegen 11h an der Hauptstraße die Hölle los, vielleicht liegt es am Moab Halbmarathon der morgen stattfindet – keine Ahnung – aber es waren beispielsweise massenweise Autos mit Fahrrädern auf dem Dach unterwegs. Dann überall Trucks mit riesigen ATVs auf gewaltigen Anhängern. Ein ATV ist ein All-Terrain-Vehicle – musste ich auch erst nachlesen – das sind keine Geländewagen im herkömmlichen Sinn, das sind kleine Monster mit riesigen Reifen, irre viel Bodenfreiheit und kleinen Karosserien die zwischen dem ganzen Antriebskrams wie ein verschämtes Alibi wirken. Das hat was und bringt nicht nur Kinderaugen zum glänzen. Sicher ist der Spaß an der Tankstelle schnell beendet, aber ich glaube diese Kisten fährt man nicht auf der Straße sondern nur an einigen wenigen Tagen im Jahr auf speziell dafür präparierten Pisten.

So gegen 12h gibt es dann ganz entspannt zum Arches National Park. Diesmal eine adrette Rangerin mit echt coolem Rangerhut so um die 60. Sie ist echt nett und checkt sofort, dass ich nicht der Husgar aus Dänemark bin. “Do you want to have a map in your german language?” “That would be really great“!” “Ok Sir, have a good time and enjoy the park….” Die Leute sind hier fast alle so richtig richtig nett. Das macht einfach Spaß!

Satt brav der Reihe nach alle Attraktionen abzuklappern suche ich mir einen netten sonnigen Parkplatz und räume erst einmal die Ladefläche ein wenig auf. Ein paar Minuten später gibt es dann auch schon ein leckeres Frühstück. Es gibt ein Baguette, das aussieht als käme es aus Lyon oder einer anderen Stadt in Frankreich. Dazu Philadelphia Käse mit Kräutern, einen Apfel und eine Apfelsine. Lecker und soo gesund! Dazu gibt es ein Cola – sehr ungesund – aber die 24 Dosen von meinem hungrigen Mördereinkauf in der vorletzten Woche sind immer noch nicht alle weg – und dann noch ein Fläschchen “Life Water”. Diese Dinge haben hier teilweise echt hochtrabende Namen. Im Life Water sind aber 24g Zucker! Schmeckt ganz gut aber eine lebensverlängernde Maßnahme stelle ich mir anders vor…

Zum Nachtisch noch eine kleine Tüte m&m und dann los zum Double O Arch. Die Wanderung dorthin kann man durchaus als selbige durchgehen lassen! Zuerst dachte ich, es seien nur ein paar Meter, daher habe ich auch nur eine Kamera und sonst gar nichts dabei. Aber es sind dann doch mehrere Kilometer. Als ich aussteigen will versucht gerade jemand etwas unbeholfen hinter meinem Auto rückwärts einzuparken. Ich starte kurz den Motor und fahre einen Meter vor, da klappt es schon besser. Kurz drauf dann ein Typ aus Colorado der sich überschwänglich bei mir bedankt. Sein Kumpel steigt auch aus und es gibt wieder eine dieser schönen total ungezwungenen Gesprächssituationen. Ich muss wieder mal erklären woher ich komme, was ich mache wer ich bin und und und… Dann erzählen Sie mir von ihrer Reise und geben mir Tipps was ich in den nächten Tagen alles unbedingt anschauen muss.

Danach geht es endlich los. Der Weg ist voll mit amerikanischen Urlaubern, die heute mein Bild vom gewöhnlichen Amerikaner der sich selten weiter als 50 Meter von seinem Auto entfernt, vollständig revidieren! Ein Typ ist sogar den gesamten Weg gejoggt! Mit braun gebranntem freien Oberkörper und einem Trinkrucksack auf dem Rücken! Dann waren da noch echt viele richtig kernige Familien, die mit ihren Kindern über Stock und Stein geklettert sind, bravo! An einem Arch der vor kurzem eingestürzt ist lerne ich wieder jemanden kennen, der mir erzählt, dass er Frankfurt kennt. Ok, er hatte einen Aufenthalt von sechs Stunden auf dem Weg in den Irak. “I supportet our troops!” Er fragt was ich schon gesehen habe, und als es dann aus mir heraussprudelt ist es ihm peinlich, dass er in Frankfurt nicht mal mit dem Taxi nach “Downtown” gefahren ist.

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Am Double O Arch angekommen ist da eine Horde junger Asiaten die ein richtiges Picknick veranstalten. Ganz nett! Auf dem Rückweg geht es über einen “Rock Rim” – man könnte es als Felsrücken bezeichnen. Dort stehen gerade zwei Japaner und fotografieren sich gegenseitig. Nach all den “Hi, where are you from”-Konversationen ist meine Hemmschwelle inzwischen gesunken und ich quatsche sie einfach an ob ich sie nicht mal gemeinsam fotografieren soll. Sie sind verzückt und ich mache gleich mehrere Fotos. Später treffe ich sie dann immer mal wieder, sie sind total süß und erzählen von Tokio und wie toll es in Amerika ist. Am Delicate Arch schließlich kommt sie auf mich zu und fragt ob ich sie ein letzes Mal fotografieren kann. Als Begründung sagt sie dann “You’re the best!” – wie ist das nun gemeint? Eine Schweizer Kollegin hat mich mal “mein Gutester” genannt – etwa so? Oder bin ich von allen Leuten die bislang Fotos von ihnen beiden gemacht haben derjenige der die schönsten Fotos gemacht hat? Ich grüble immer noch…

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Zwischendurch begrüße ich eine ältere Dame mit einem zünftigen “Hi” – und sie erkennt sofort, dass ich kein Amerikaner bin 🙂 Es folgt wieder die WAYF-Frage und ich komme erneut ins Gespräch. Sie kennt Berlin und weiß wo Köln liegt, dass Bonn mal der Regierungssitz war weiß sie auch! Und sie freut sich richtig, dass da ein Typ aus Deutschland für ein paar Wochen lang IHR LAND bereist. Zum Schluss schüttelt sie mir sogar die Hand, klopft mir auf die Schulter und sagt “You’re welcome!” – Ich fühle mich wie ein begehrter Schwiegersohn und mache mich an den Abstieg. Im Bild links ist es die Frau in der roten Hose!

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Nach dem Double O Arch geht es dann zurück zum Trailhead am Delicate Arch. Dort gibt es noch eine Apfelsine (da stehe ich derzeit total drauf) und zwei Äpfel. Ein paar Mentos gab es auch – das ist das Dessert für unterwegs. Diesmal packe ich etwas mehr zusammen und los geht es zum “Far View Point” – von hier aus sieht man die ganzen Leute die da oben an diesem tollen Natursteinbogen auf das geniale Abendlicht warten. Ich mache ein paar Fotos mit dem längsten Tele das ich habe und muss innerlich ein wenig grinsen. Es ist inzwischen total bewölkt und an ein tolles Abendrot ist gar nicht zu denken. Eine Vorahnung die sich als richtig erweisen wird sagt mir, dass es heute einfach dunkel wird. Ganz einfach so, ohne alles…

 _DSC1609 _DSC1621Auf dem Rückweg zum Auto lerne ich dann Tex und Diana aus Vermont kennen. Sie hat seit ein paar Tagen auch eine “Naikohn” – eine D90. Er interessiert sich sofort für meine D300 – sicher war es bei den beiden wochenlang ein Thema. Sie erklärt, dass ihr die D300 zu groß und zu schwer sei. Ich werfe ein, dass ich die D90 bei meiner Mördertour gern statt der D300 dabei gehabt hätte. Er nimmt mal die D300 samt Batteriepack, Tele und Telekonverter in die Hand und gibt sie mir dann staunend zurück. Was sie dann sagt verstehe ich nicht – aber es klingt wie ein “Na siehst Du, habe ich Dir doch gesagt!” Dann fragen sie nach meinem Namen und einer E-Mail Adresse. Auf der Rückseite eines Kassenzettels schreibe ich das dann auf – ich hoffe sie können es auch lesen!Eigentlich gibt es zu diesem Zeitpunkt nichts mehr, das sich zu fotografieren noch lohnt. Aber am Traihead für den “richtigen” Aufstieg zum Delicate Arch halte ich dann doch an. Der Rucksack wird komplett leer gemacht, nur eine Taschenlampe, etwas Wasser und ein warmer Pullover dürfen neben Kamera und Babystativ noch mit. Bewaffnet mit den tollen Wanderstöcken geht es dann los. Zwischendurch treffe ich eine größere Familie. Opa und Oma gehen mit Kindern und Enkeln spazieren. Sie kommen von hoch oben, und der mittlere – also der Vater der Kinder – trinkt gerade gierig etwas aus einem dieser Trinkrucksäcke. Während ich mit einem kurzen “Hi” an ihnen vorbei wandere sagt der Opa zu seinem schwitzigen Sohn etwas wie “Schau hin, so geht das“!” – gemeint sind sicher die Wanderstöcke. Alle anderen Wanderer hingegen mustern mich als käme ich von einem anderen Planeten.Oben angekommen habe ich dann doch ein paar Wanderer überholt, bin auch schwitzig und muss zugeben, dass das Wetter keine guten Fotos erwarten lässt. Während ich dort oben die Lage sondiere steht direkt neben mir ein deutscher Familienvater der lautstark über das “blöde Schweißwetter hier” flucht und seine Fotosachen zusammen packt. Sein kleiner Sohn hat auch Wanderstöcke dabei und sagt “Mensch Papa, wie muss denn das Wetter noch sein damit Du endlich mal zufrieden bist.” – er hat es kapiert! Wir kommen sofort ins Gespräch, die Familie ist mit einem Wohnmobil unterwegs. Er träumt seit zwei Jahren von einem Hike zur Wave. Dass ich schon dort war und gleich beim ersten Anlauf eine Permit ergattern konnte macht ihn neugierig, das Gespräch wird etwas länger… Schließlich ist er der Meinung, dass er sich in Page einen 4WD HC (Allradauto mit viel Bodenfreiheit) mieten muss um, wenn es mit der Wave nicht klappt, zu den Coyote Buttes und den White Pockets zu fahren.Als die Familie dann abmarschiert kommen meine Freunde aus Tokio – “You’re the best!”…Dann baue ich meine Knipse auf und mache mal ein paar Probeschüsse. Die sehen allesamt echt langweilig aus. Fotografie ist sowas wie “Malen mit Licht” – ohne Licht kann man auch nix malen – so ist das eben! Und genau das ist es auch was die Macher der genialen Bilder in der “Fineart Gallery” an der Hauptstraße in Moab auszeichnet – Know How und Geduld für das Warten auf den magischen Augenblick!Wo ich nun schon mal da bin und mein Logenplatz auch ganz bequem ist, bleibe ich einfach sitzen und genieße die Szenerie. Es geht ein wenig zu wie beim Volksfest. Alle laufen mal unter den großen Bogen und werden von ihren Partnern fotografiert. Weil mich niemand fotografieren will darf ich sitzen bleiben! Ich experimentiere also ein wenig herum. Lange belichten und während dessen am Zoomring drehen. Doppelbelichtungen, mal bei der zweiten Belichtung die eine Hälfte des Objektives mit der Hand abdecken, dann mal bewusst verwackeln – eben diese Spielereien die man nur macht wenn man Langeweile hat. Hätte ich mein Lensbaby dabei – damit könnte ich jetzt viel Quatsch machen!_DSC1707

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Bis in die Dunkelheit hinein geht das Treiben weiter. Als man schon fast nichts mehr sehen kann ruft jemand mit kerniger Stimme den tobenden Kids zu, dass er schon mal runter geht und sie auch bald nachkommen sollen. Und schon ist er weg. Ich packe auch zusammen und mit den letzten Kids mache ich mich auf den Rückweg. Die haben zu fünft eine Taschenlampe dabei. Ein bisschen wenig. Ich habe eine kleine Lampe mit einer Leuchtstoffröhre drin. Die Akkus habe ich tagsüber im Auto frisch aufgeladen und ich kann für alle zusammen den Weg beleuchten. Nach kurzer Zeit wissen sie nicht mehr genau wo es lang geht. Mein GARMIN hat beim Aufstieg wieder ganz wunderbar alle drei Sekunden den Track mit drei Metern Genauigkeit aufgezeichnet. Das hilft in der Dunkelheit den Rückweg zu finden! Sehr schnell bin ich bei den Kids der GPS-Guy… „Hi their, GPS-Guy says we’ve got to go left…” Der letzte in der Truppe ist ein wenig füllig, trägt Turnschuhe, bunte Shorts und ein T-Shirt. Wir quasseln die ganze Zeit über. Er fragt mich ob ich aus Dänemark komme – langsam frage ich mich das selbst auch schon… Dann löst er das Rätsel auf, seine Großeltern kamen aus Dänemark. Er erzählt mir seine Familiengeschichte und wie er dann von Kalifornien nach Salt Lake City gekommen ist. Er entschuldigt sich tausendfach, dass er nur einmal in Dänemark war und dass er alles was er dort an Dänisch und Deutsch gelernt hat wieder vergessen hat. Ok, einen deutschen Satz kriegt er noch auf die Reihe – ich habe ihn leider vergessen… Dann unterhalten wir uns über Bier und darüber, dass es komisch ist, dass man in Utah in keinem Restaurant zum Steak ein Bier bestellen kann – nicht mal ein Alkoholfreies! Er schwärmt sofort vom Bier aus Dänemark – wir verstehen uns! Dann fragt er ob ich schon Kontakt zu diesen Mormonen hatte? Ich verneine – daraufhin lacht er los und erklärt mir, dass ich nun einen dieser komischen Mormonen kenne :-)Am Auto angekommen verabschieden sich alle brav vom GPS-Guy und sind ganz froh, dass sie ihre Autos gefunden haben. Wenn hier die Sonne mal weg ist, dann ist es auch wirklich sehr schnell richtig dunkel. Ohne Lampe und ohne GPS wäre man da oben auf dem Berg aufgeschmissen!! Dafür ist der Weg zu weit und zu gefährlich. Wenn ich nochmal hoch gehe, dann vielleicht mit einer Reservelampe!Zurück im Motel wünsche ich mir was kaltes, aber alles ist lauwarm weil es leider hier keine Kühlschränke gibt – es ist ja auch das Adventure Inn – hier ist eben alles auf Abenteurer ausgerichtet. Also versuche ich mal was. Auf dem Tisch steht ein kleiner hellbrauner Eimer der aussieht als wenn er in seiner Jugend mal versucht hätte ein Sektkühler zu werden. Das Ding scheint für Eis zu sein! Ich schnappe mir also diesen kleinen möglicherweise frustrierten Putzeimer und probiere im Office mal die Eismaschine aus. In diesem Ding Aus schwarzem Plastik und geschliffenem Edelstahl kracht und rummst es kräftig und dann kommen Eiswürfel herausgefallen. Ich halte den Knopf gedrückt bis der Eimer voll ist und ziehe los in mein Zimmer. Als ich um das Büro herum bin kann ich durch die Fenster sehen, dass mich scheinbar einer der Mitarbeiter beobachtet hat. Vielleicht hat ihn auch nur der Krach der Maschine geweckt.So, nun versuche ich mal ob mein Bier schon kalt genug ist :-)Update um 00:39 – Das Bier war perfekt!Gute Nacht!