Neue Perspektiven mit der GoPro HD HERO 960

Es ist Samstag und als ich die Augen öffne ist es schon fast 10h. Ausschlafen ist schön – definitiv! Drei Stunden später sitze ich zusammen mit meinem Sohn im Cabrio und wir wollen eine kleine Spritztour wagen. Mit im Gepäck ist meine erste GoPro, das Model HD HERO 960. Sie habe ich in den letzten Monaten fast gar nicht benutzt und heute soll sich das ändern. An das Unterwassergehäuse habe ich die offene Rückwand montiert. So kann die Luft zirkulieren und die kleine Frontlinse sollte damit nicht mehr beschlagen. Außerdem habe ich eine Halterung mit einem Saugnapf dabei. Eigentlich ist sie für Die Windschutzscheibe gedacht. Aber wenn man die Türen oder Kotflügel mit ein wenig Glasreiniger und einem Mikrofasertuch behandelt, hält der Saugnapf auch dort. Ok ok, Skrupel hatte ich schon. Diese Kamera bei 150 km/h zu verlieren wäre nicht witzig. Aber man bekommt sie fest, das Geheimnis ist ein wenig ordinäre „Spucke“!!

Etwa 10 Kilometer vor Bad Münsterreifel halten wir an einer meiner liebsten Motorradstrecken an. Mit der Kamera am linken Kotflügel geht es kurz darauf weiter. Später bin ich überrascht wie cool es aussieht wenn die Autos des Gegenverkehrs haarscharf an der Kamera vorbei sausen – super!

Später daheim montiere ich aus mehren Sequenzen, bei denen die Kamera an unterschiedlichen Positionen montiert ist, ein kleines Video zusammen. Beim „Probeschauen“ fällt auf, dass die vielen Windgeräusche ab etwa 100 km/h den schönen Motorensound fies überlagern. Eigentlich hört man vom Motor fast gar nichts mehr. Also könnte ich etwas Musik unterlegen. Aber welche Musik? Wenn ich etwas von der gekauften Royalty Free Musik verwende, so gibt es sehr wahrscheinlich wieder einen YouTube Content-ID Treffer und das Video könnte gesperrt werden. Da kommt mir die Idee aus einem etwas älteren Video, bei dem die Monetarisierung aktiv ist, die Musik zu verwenden. Über den Video-Manager lade ich also schnell das kurze Video als MP4-Datei herunter. Ein schneller Drag & Drop nach Magix Video Deluxe MX, die Gruppierung aufheben, die Video-Spur löschen, den Ton behalten und schon bin ich im Spiel.

Kurz drauf ist alles fertig. Nun schnell der Export. Das dauert etwa 10 Minuten, dann schnell Probeschauen. Hier fällt auf, dass die Tonspur viel zu kurz ist. Der Ton stimmt nach etwa einer Minute überhaupt nicht mehr mit dem Video überein. Was ist das schon wieder? Dieses Video-Schnittprogramm raubt mir nochmal den letzten Nerv… Dann scheint die Ursache gefunden. Die GoPro zeichnet den Ton mit 48 KHz auf, die Tonspur aus dem MP4-Datei hat nur 44,1 KHz. In der Vorschau ist alles gut, aber nach dem Export passt nichts mehr. Ich starte Versuch um Versuch, letztlich ist der Ton erst beim Export im WMV-Dateiformat synchron zum Bild. Der MP4-Codec scheint ein Problem zu haben wenn zwei Tonspuren mit unterschiedlicher Sampling-Frequenz gleichzeitig verarbeitet werden müssen – DOOF!!

Aber es hat ja schließlich geklappt…

Hier ist mein kleines Video

Kritisch gesehen – I’m still here

Ich erinnere mich noch gut wie ich im Jahr 2008 bei einem Freund zur Einweihung des genialen großen Gasgrills eingeladen war und den ganzen Abend über Musik von Johnny Cash lief. Und ich erinnere mich auch noch gut an den Film „Walk the Line“ in dem Joaquin Phoenix genau diesen Johnny Cash auf großartige Weise verkörpert hat und später mit einem Oscar belohnt wurde

Und auch an den Hype um seine Ankündigung nach diesem Film künftig keine weiteren Film mehr drehen zu wollen um sich ganz auf seine Karriere als Musiker zu konzentrieren erinnere ich mich auch noch.

Vor ein paar Tagen fiel mit dann eine Blu-Ray in die Hand, welche auf der Titelseite genau diesen Joaquin Phoenix mit Sonnenbrille in total verwahrlostem Zustand zeigt. Irgendwas hatte ich gehört von einem „Filmischen Experiment“, von einem Versuch die Gnadenlosigkeit zu zeigen mit der Hollywood und die Medien des 21. Jahrhunderts jeden Star auf Schritt und Tritt verfolgen und mit Spott und Häme jeden noch so peinlichen Ausrutscher kommentieren und ausschlachten.

Gestern war dann ein wenig Zeit mir dieses Experiment endlich anzuschauen. Und ich muss ganz offen gestehen, ich habe zwischendurch auf den schnellen Vorlauf der Fernbedienung gedrückt. Es ist schon ziemlich unerträglich diesen genialen Schauspieler so fett und aufgedunsen, ungewaschen und unrasiert dabei zuzuschauen wir er die Brüste von Nutte begrabbelt, sich Drogen reinpfeift, in einem Club eine Schlägerei anfängt um sich danach auf der Herrentoilette lustvoll und ausdauernd zu übergeben.

Als diese Doku endlich überstanden ist, schaue ich mal in das Bonusmaterial und nun wird mir vieles Klar. Dieser Typ hat sich für dieses Experiment fett gefressen, sich so richtig gehen lassen um sich ganze zwei Jahre lang bei seinem vermeintlichen Niedergang in fast jeder Stunde seines Lebens dabei filmen zu lassen. Was für eine krasser Scheiß…

Nachdem ich ihn im Bonusmaterial frisch gestylt und mit durchtrainierter Figur sehe muss ich noch einmal in den Film zurück zappen. Nun wird mir vieles klarer, nun macht dieses Experiment irgendwie Spaß. Er klebt David Letterman ein Kaugummi unter die Tischkante und erzählt Produzent Sean Combs alias P Diddy, dass er eine epische Bohamian Rhapsodie des HipHip mit ihm produzieren möchte. Dieser steht dem verwahrlosten Fettwanst ein wenig fassungslos gegenüber und sagt nur. „Oh ja, episch ist gut! Episch ist episch!“

Rückblickend wird dieser Film irgendwie immer besser. Kennt man die Hintergründe kann man das Gesicht von Ben Stiller genießen wie er versucht den übel riechenden Zottel zu einem neuen Film zu überreden und der einfach nur Desinteresse heuchelt.

Alles in allem ein äußerst ungewöhnlicher Streifen der mich mehr an Jackass als an „richtige Filme“ wie „Walk the line“ erinnert. Er ist anstrengend und hat seine Längen. Auch fällt es schwer die Motivation hinter diesem Projekt nachvollziehen zu können. Doch vielleicht ergeben sich gerade aus dieser Absurdität des Streifens seine subtilen Höhepunkte.

Wer Filme mag die sich einem nicht auf den ersten Blick erschließen, der sollte sich „I’m still here“ vielleicht in einer ruhigen Stunde mal anschauen.

Hier ein kurzer Ausschnitt aus seinem Auftritt bei David Letterman. Dieser war in das Experiment nicht eingeweiht und versucht hier fast 10 Minuten lang diesen Kaugummi kauenden Waldschrat aus der Reserve zu locken. Bis dieser ihm schließlich sein Kaugummi unter die Tischkante klebt.

Ein paar Monate später wurde der ganze Spaß dann erneut bei David Letterman aufgeklärt – irgendwie auch ganz witzig…

Sehr schön auch zu sehen, wie die „Generation Handykamera“ auf die fingierte Prügelei hereinfällt und diese Videos sensationslüstern bei YouTube zeigt. Dies hier ist KEIN Filmausschnitt 🙂

Letztlich ist es für mich ein Streifen der mir im Gedächtnis bleiben wird. Ob er es wert war sich zwei Jahre lang gehen zu lassen und sich bewusst dem öffentlichen Spott auszusetzen, das muss jeder für sich selbst entscheiden 🙂