USA-2014 – Tag 3 – Mobius Arch & Lone Pine

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Es ist der 4. Mai und der dritte „richtige“ Tag beginnt wieder einmal sehr früh am Morgen. Mein Jet-Lag habe ich noch nicht verarbeitet und so bin ich auch heute wieder um 3h43 wach und kann nicht mehr schlafen. Aber egal ich will eh früh raus, da passt das ganz gut. Weil ich viel Zeit habe lasse ich alles ganz langsam angehen und schaue erst einmal bei Facebook und in meine E-Mails hinein. Eines der beiden Fotos mit der Milchstraße im Hintergrund geht gerade bei flickr.com und 500px.com so richtig ab. Es wurde in mehrere Gruppen eingeladen und im Minutentakt werde ich benachrichtigt, dass es „gelinked“ oder „gefaved“ wurde. Zwischendurch gibt es neue „Follower“, so macht das wirklich Spaß. Und es ist auch der Beweis dafür, dass Fotos die zu ungewöhnlichen Tageszeiten entstehen zumindest derzeit noch ganz gut ankommen. Vielleicht wird ja ein Trend daraus und in ein paar Jahren wird dann nur noch nachts fotografiert, wer weiß das schon…

Um 7h bin ich mit dem Frühstück fertig, verabschiede mich schnell beim wirklich netten und sehr zuvorkommenden Personal und mache mich auf den Weg nach Lone Pine in Kalifornien. Mein Freund Lothar hat mir den Tipp gegeben doch mal bei den Alabama Hills vorbeizuschauen und vielleicht den Mobius Arch zu fotografieren. Das liegt auf dem Weg nach Bishop und dem Monolake sehr schön am „Wegesrand“ und die Location ist sicher einen Besuch wert. Vor mir liegen fast 300 Meilen und rund 5 Stunden mit dem Auto, da trifft es sich gut, dass mein riesiger Geländewagen wie von allein fährt und zu den entspanntesten Autos gehört die man sich vorstellen kann.

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Als ich in Beatty einen kleinen Zwischenstopp einlegen möchte muss ich leider feststellen, dass es das sehr gute kleine Mexikanische Restaurant nicht mehr gibt. Also tanke ich nur um die Ecke schnell mein Auto voll. Es ist das erste mal mit diesem Auto und ich muss zuerst schauen wo denn überhaupt der Sprit hineinkommt. Es ist die linke Seite – sehr gut! An der Zapfsäule klappt es mit meiner Kreditkarte nicht, also gehe ich schnell rein und sage kurz Bescheid. Die nette Dame fragt mich für wie viele Dollars ich denn tanken möchte. Hm, ich würde gern volltanken, aber was das kosten wird weiß ich nicht. Sie will wissen wie viel Benzin noch drin ist. Ich sage ihr, dass der Tank noch zu etwa einem Viertel voll ist. Sie lehnt sich über ihre Kasse, schaut das Auto prüfend an und sagt dann „60 Dollar!“. Das ist ein Wort, also bucht sie 60 Dollar ab, falls das zuviel sein sollte bekomme ich ggfs. etwas zurück. An der Zapfsäule stehe ich anschließend wieder einmal mehr als ratlos da. Wie war das noch gleich…

In Deutschland gibt es für jede Sorte Benzin eine eigene Zapfpistole, hier gibt es nur eine Zapfpistole für alle Sorten Benzin – verkehrte Welt… Ich stecke die Zapfpistole in den Tank und ziehe den Tankhebel hoch, aber nichts passiert, stattdessen piepst die Zapfsäule nur. Was muss ich tun? Oft steht im Display „Lift Lever“ – da muss man dann einen Hebel hochheben in dem die Zapfpistole normalerweise ruht. Aber hier ist kein Lever. Nach einer Gedenkminute habe ich es dann endlich geblickt. Es gibt pro Sorte Benzin einen Start-Knopf. Ich drücke auf „Regular“ und schon klappt es mit dem Benzin. Kurz bevor die 60 Dollar erreicht sind wird die Pumpe immer langsamer und stoppt exakt bei 60 Dollar – perfekt!

Als ich den Motor starte zeigt die Tanknadel ganz nach rechts – die alte Dame an der Kasse hat es echt drauf! Es geht weiter…

An der Zapfpistole war Benzin und jetzt riechen meine Finger ganz komisch danach, sehr unangenehm. Als ich schließlich den Eingang des Death Valley National Parks erreiche halte ich kurz am Parkplatz an und hoffe, dass es auf der Toilette etwas Wasser gibt, aber das ist eine Fehlanzeige. Als ich enttäuscht die Toilette gleich wieder verlasse steht jemand vor mir und fragt mich ob alles ok sei? Wir kommen ins Gespräch und tauschen schließlich unsere Visitenkarten aus. Die Amerikaner sind ein tolles Volk, ich fühle mich hier so gut aufgehoben, das glaubt man nicht…

Während ich mich der Talsohle des Death Valley Nationalparks nähere klettert das Thermometer von 25°C langsam aber sicher nach oben. Als ich Stovepipe Wells erreiche sind es schon 35°C. Etwas später fahre ich einen 5000 Fuß hohen Pass hinauf. Auf umgerechnet ca. 1.600 Metern sind es nur noch 22°C. Danach geht es wieder bergab und schon sind es wieder über 30°C. Die Klimaanlage in meinem Auto weiß gar nicht mehr was sie noch machen soll, aber es ist trotzdem im Auto ganz erträglich. Beim Panamint Springs Resort geht es wieder bergauf und die Temperatur fällt erneut. Weil die Straße so unglaublich schön ist, lasse ich über viele Kilometer meine GoPro mitlaufen. Diese Straße mit einer gut gemachten Harley fahren, das wäre echt was feines!!

Als ich in Lone Pine ankomme tun mir trotz allem doch die Beine und der Hintern weh. Also halte ich beim erstbesten Motel an, es ist ein Comfort Inn. Es gibt ein Zimmer zum Preis von 105,- $ und ein kleines Frühstück. Im Ort selbst gibt es preiswertere aber auch teurere Motels. Ich mag nicht lange suchen und für umgerechnet 75 Euro ist das schon ok. Billig wohnen kann ich in den kommenden Wochen immer noch, jetzt soll es einfach nur schnell gehen. Das Zimmer ist ganz nett, es gibt einen kleinen Balkon und einen schnellen Internet-Anschluß. Außerdem hängt ein sehr großer LCD-Fernseher an der Wand, es gibt eine Mikrowelle, Kaffeemaschine, Kühlschrank usw. Hier kann man es schon aushalten.

Nach einer Stunde habe ich meine Sachen fein säuberlich im gesamten Zimmer verteilt und wundere mich wie ich das immer wieder in so kurzer Zeit fertig bringe.

Es geht los zum Mobius Arch. Im Internet habe ich mehrere teilweise sehr schön bebilderte Wegbeschreibungen gefunden. Außerdem habe ich einige GPS Koordinaten und die gebe ich schnell in mein Garmin Colorado 300 ein. Mit den Koordinaten habe ich den Parkplatz auch schon nach etwa 20 Minuten gefunden. Weil es draußen schon wieder 31°C warm ist drehe ich aber noch eine kleine Orientierungsrunde.

Irgendwann so gegen 14h bin ich dann am Mobius Arch. Das Ding ist etwa zwei Meter hoch und sieht wirklich gut aus. Hätte man die Koordinaten nicht und gäbe es keinen ausgeschilderten Weg, man würde dieses kleine Schmuckstück wohl nicht so einfach finden. Am Arch treffe ich zwei Griechen die jetzt in Kalifornien leben. Wir machen viele Fotos und tauschen wieder unsere Visitenkarten aus. So macht es einfach sehr viel Spaß allein zu reisen. Egal wen man hier trifft, alle Leute sind wirklich nett, offen und stets zuvorkommend.

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Zurück im Motel probiere ich mal die Eismaschine aus und bin überrascht wie schnell die Eiswürfel heraus purzeln. Mit einem kleinen Eimer voller Eis bewaffnet kann ich meine lauwarme Dr. Pepper in Windeseile auf angenehm kühle Trinktemperatur herunter kühlen. Ach was tut das gut…

Als ich in meine E-Mails schaue geht der Run auf die Fotos der Milchstraße schon wieder weiter. Das macht echt Spaß und freut mich ganz arg, ist es doch die Bestätigung, dass sich diese Reise ein wenig ausgezahlt hat. In finanzieller Hinsicht natürlich nicht, nur ideell – versteht sich! Rein finanziell gesehen ist diese Reise das reine Desaster. Linienflüge hin und zurück für zwei Personen (Sandra kommt bald nach), Taxikosten, der irre teure Mietwagen, die Hotels, das Benzin, Eintritt hier und dort, Trinkgeld, so kommen in 4 Wochen annähernd 10.000 Euro zusammen. Wenn man noch einrechnet, dass man in der ganzen Zeit keinen Cent verdient, so wird einem ganz schnell ziemlich übel. Stellt man dieser Rechnung vielleicht 10 gelungene Fotos gegenüber, so hat rein rechnerisch jedes dieser Bilder irgendwas um die 2.000 Euro gekostet. Sehr traurig ist es dann, wenn man versucht solche Fotos heutzutage zu verkaufen. Hochwertig gedruckt und extrem edel eingerahmt kostet allein das Material im Format 60x90cm rund 350,- Euro. Doch selbst das ist heutzutage praktisch jedem Fotofreund zu teuer.

Wenn überhaupt, werden die meisten Fotos auf dem heimischen Drucker auf billiges Papier gedruckt und mit Heftzwecken an der Wand befestigt. Wer es mit Anspruch tut gönnt sich einen rahmenlosen Bilderhalter aus dem Baumarkt für 20,- Euro… Es sind harte Zeige um mit Fotografie Geld zu verdienen. Jeder der glaubt man könne von solchen Reisen leben oder gar seine Fotoausrüstung davon bezahlen ist komplett auf dem Holzweg. Schuld am Dilemma ist leider niemand so wirklich und doch wir alle zusammen. Geiz ist geil und das hat inzwischen die Hochzeitsfotografen dieser Welt ebenso erreicht wie alle jede die auf der Jagd nach dem ultimativen Landschaftsfoto um die halbe Welt reisen, Unsummen ausgeben und letztlich mit ein paar „Linkes“ und „Faves“ entlohnt werden…

Ok Freunde, genug geheult, ich muss von der Fotografie nicht leben und das ist auch gut so denn sonst wäre ich unglücklich und bettelarm 🙂

Heute werde ich mir Lone Pine noch mal etwas näher anschauen, dieser Ort ist wirklich niedlich. In der Nacht und am frühen Morgen gibt es dann einige „erst gemeinte“ Fotos des Mobius Arch. Danach wird im Hotel ausgeheckt und es geht weiter zum Mono Lake. Unterwegs in Bishop werde ich anhalten und schauen was ich gegen Mücken finde. Die beiden Griechen die ich heute getroffen habe wurde dort gestern komplett zerstochen und hatten sogar die Arme blutig. Das muss ja nicht sein und für ein paar „Faves“ und „Likes“ sowieso nicht 🙂

USA-2014 – Tag 2,5 – Nachts am Elephant Rock

Während meiner ersten Nacht im Valley of Fire war es noch angenehm warm, doch im Laufe des Tages entwickeln sich aus den lauen 21°C bis zur Nachmittagszeit satte 38°C. Zur Mittagszeit überlege ich, ob ich mal bei den Mouse-Tanks im Valley of Fire ein wenig wandern soll um mir die schönen Petroglyphen aus alter Zeit anzuschauen. Aber als ich den ersten Fuß vor die Türe setze kehre ich gleich wieder um, es ist mir definitiv zu heiß für jegliche Outdoor-Aktivität. So verbringe ich fast den ganzen Nachmittag im Bett, chatte via Facebook mit meinen daheim gebliebenen Freunden und hole ein wenig von dem Schlaf nach der mir seit der langen Nacht noch fehlt. Etwa 60 Minuten vor Sonnenuntergang mache ich mich dann aber doch noch auf den Weg. Mein Ziel ist der Stewart’s Point am Lead Mead. Dieser Stausee wird vom Colorado River gespeist seit im Jahr 1935 der Hoover Damm erreichtet wurde. Neben dem etwas größeren Lake Powell der ein paar hundert Kilometer weiter Flussaufwärts liegt, zählt der Lake Mead zu den schönsten Wassersport- und Naherholungsgebieten in der Umgebung.

Evening Mood @ Suarts Point - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24m

Am Stewart’s Point angekommen ist dort nicht wirklich viel zu sehen. Es gibt reichlich trockene Erde, viel Wind und Staub. Ein paar Camper haben es sich unten am Ufer gemütlich gemacht. Das sieht so aus als könnte das wirklich Spaß bereiten. Wenn es zu warm wird, einfach kurz im See schwimmen gehen und die Welt ist wieder in Ordnung. Vielleicht sollte ich so etwas auch mal machen, hier gibt es wenigstens keine Bären die zu nachtschlafender Zeit an die Lebensmittel wollen…

The Freedom We Love - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vom Stewart’s Point geht es ein paar Kilometer weiter zur Echo Bay. Als ich dort eintreffe verschwindet die Sonne gerade hinter den Bergen oberhalb dieser schönen Bucht. Es ist alles wie ausgestorben, nur in einigen Wohnwagen brennt noch Licht. Schöne Fotos gelingen mir leider keine mehr, auch ist der See nach dem heißen Tag extrem dunstig und die Fernsicht ist mehr als schlecht. Den wunderbaren Sonnenuntergang über den Bergen verpasse ich leider auch, weil ich unten an der Marina der Echo Bay herumschleiche – Man kann nicht immer gewinnen…

Von der Echo-Bay geht es zurück in Richtung Overton. Es ist immer noch extrem warm, von den 38°C bei meiner Abfahrt sind etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang noch 33°C übrig. Auf halber Strecke biege ich links ab und fahre ein letztes Mal ins Valley of Fire. Mein Ziel ist der versteinerte Elefant gleich rechts am Straßenrand kurz hinter der Self-Register Station.

Die Felsformation ist ganz einfach zu erreichen und nach einigen Versuchen klappt es dann auch mit diesem geilen Foto…

Climbing up that hill - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Für die Ausleuchtung habe ich mein HTC ONE verwendet – wieder einmal. Außerdem fuhr praktischer Weise noch ein Auto gleich nebenan auf der Straße entlang. So ergibt sich genau die richtige Lichtmischung für ein schönes Foto. Kurz darauf macht dann auch der Akku schlappt der schon die halbe vorherige Nacht durchgehalten hat. Ich habe noch zwei Akkus in Reserve, aber die sind auch leer…

Also packe ich zusammen und mache mich auf den Weg zurück zum Hotel. Als ich dort um 22h eintreffe sind es noch sagenhafte 30°C – hört das denn nie auf? Im Pool neben dem Hotel ist noch was los, die Kinder sind so froh, dass sie dort baden können. Am Liebsten würde ich auch kurz hinein springen…

Morgen geht es dann los in Richtung Mono Lake. Im Internet habe ich gelesen, dass die wunderschöne Tioga Pass Road seit wenigen Stunden geöffnet ist. Also kann ich mit ein wenig Glück vom Mono Lake in Richtung Westen über die Sierra Nevada Mountains ins Yosemite Valley fahren. Das klingt nach einem Plan! Ich will es bis zum Nachmittag nach Beatty schaffen, dort bei dem coolen Mexikaner neben dem Reifenhändler etwas zum Mittag essen und dann vorbei an Bishop weiter zum Mono Lake fahren. Dort gibt es mehrere kleine Motels die jetzt die Winterpause beendet haben. Mit ein bisschen Glück bekomme ich dort ein Zimmer für 2-3 Tage. So könnte ich eine Nacht am Mono Lake herumschleichen, einen Tag im Yosemite Valley verbringen und am dritten Tag versuchen mich zur wundervollen Geisterstadt Bodie durchzuschlagen.

Dann könnte es weitergehen zum Lake Tahoe. Dort reizt mich die Emerald Bay im Süden des Sees und die aus Bonanza bekannte Ponderosa im Norden. Vorbei an Reno kann es dann nach Sun Valley gehen. Dort möchte ich mich mit Angenie und Peter treffen. Sie sind allerdings nur noch bis zum 12 May daheim. Danach wird es auch sie nach Utah ziehen. Aber schauen wir mal was so geht…

 

 

 

USA-2014 – Tag 2 – Unterwegs auf der Milchstrasse

Las Vegas to Overton

Nach meiner Ankunft in Overton bin ich wegen der unruhigen Nacht ziemlich müde. Nachdem ich den Artikel für meinen BLOG geschrieben habe geht es gleich ins Bett. Neben mir auf dem Nachttischchen liegt mein Telefon und dort tickt heimlich ein Wecker vor sich hin. In drei Stunden will ich aufstehen und zum Sonnenuntergang im Valley of Fire sein. Als sich der Wecker dann um 18h meldet geht aber eigentlich gar nichts. Nur mit Mühe schaffe ich es den kleinen Quälgeist abzustellen und drehe mich wieder herum. Als ich schließlich von allein wach werde sind mehr als fünf Stunden vergangen. Zwar habe ich den Sonnenuntergang verschlafen aber ich bin jetzt endlich mal ausgeruht und fühle mich gut. Ich schaue kurz in meine E-Mails und melde mich per Facebook Chat bei meiner Sandra. Wegen der Zeitverschiebung ist es in Deutschland kurz vor 9h und die meisten meiner Facebook-Freunde sitzen gerade mit einer Tasse Kaffee und lesen Zeitung oder die Updates bei Facebook & Co.

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Der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt teilweise hohe Temperaturen voraus. Bei 36°C mag ich nicht tagsüber in der prallen Sonne herumlaufen und fotografieren. Also muss ich entweder die Nächte abwarten oder in den kühleren Norden fahren.

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Kurz vor Mitternacht bin ich zum Abmarsch bereit. Meine Panasonic GH-3 und alle Objektive lasse ich im Motel. Bei dieser Kamera ist der Sensor relativ klein und bei ISO-6400 macht sich die Nikon D800E einfach besser. Wirklich viele Objektive nehme ich nicht mit und am Ende der Session werde ich feststellen, dass ich wieder einmal nur mit einem einzigen Objektiv fotografiert habe 🙂

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Durch die dunkle Nacht geht es zurück ins Valley of Fire. Der Weg ist nicht weit, die Straße gut ausgebaut und ich bin komplett allein. Am Elephant Rock fahre ich versehentlich vorbei. Es ist so stockfinster, dass ich den kleinen Parkplatz komplett übersehen habe. Als ich realisiere wo ich eigentlich bin, sehe ich auf der linken Seite schon das Hinweisschild zu den Beehives. Das sind uralte Felsformationen die ein wenig wie Bienenstöcke aussehen und daher ihren Namen haben.

Meinen großen SUV stelle ich auf dem Parkplatz ab und mache mich mit Stativ, Nikon D800E und AF-S 2,8/14-4mm Superweitwinkel an die Arbeit. Einen Kabelauslöser habe ich noch dabei und natürlich habe ich meine tolle neue Taschenlampe im Motel vergessen. Aber das ist nicht weiter schlimm, für mein HTC ONE habe ich einen dicken Zusatzakku und der hat so unglaublich viel Power, dass ich stundenlang mit der Taschenlampe des Telefons hantieren kann. Eigentlich vermisse ich meine „richtige“ Taschenlampe daher nicht so wirklich.

Gern möchte ich Fotos der Milchstraße aufnehmen, die Randbedingungen sind sehr gut. Es ist eine klare Nacht und vom Mond ist nichts zu sehen. Wo ist der heute eigentlich?? Neben dem Auto muss ich mich ein wenig an die Dunkelheit gewöhnen. Mit dem Kompass der in meine Armbanduhr eingebaut ist schaue ich wie die Himmelsrichtungen sind. Die Beleuchtung des Zifferblattes ist hier ganz hilfreich. Danach schaue ich mal via Smartphone und der APP Google Skymap wo denn eigentlich welche Planeten zu sehen sind.

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Meine Kamera stelle ich auf ISO HI-2, der Autofokus wird abgeschaltet, das Objektiv manuell auf „Unendlich“ fokussiert, die kürzeste Brennweite eingestellt und der Belichtungsmodus auf „M“ wie Manuell gestellt. Bei 8 Sekunden und Blende 2,8 kann ich so in kurzer Zeit ein paar Probeschüsse aufnehmen. Zwar sind die Bilder total verrauscht, aber ich will ja nur wissen ob der Bildausschnitt stimmt, denn durch den Sucher sieht man einfach gar nichts… Immer wenn mir der Ausschnitt gefällt stelle ich eine niedrigere ISO-Empfindlichkeit ein, meist ISO-1600. Bei Blende 2,8 oder 4 gelingen dann bei Belichtungszeiten von ca. 30 Sekunden ganz ordentliche Fotos. Teilweise stelle ich auch mal ISO-400 ein und belichte mittels Kabelauslöser mehrere Minuten lang. Aber die Ergebnisse gefallen mir nicht wirklich. Zwar ist das Bildrauschen jetzt sichtbar geringer, aber die Sterne haben nun soviel Bewegungsunschärfe, dass der Himmel aussieht als wäre er „verwackelt“.

Ich versuche auch mal eine Doppelbelichtung, aber wegen der langen Zeit die bei der Rauschunterdrückung drauf geht sieht man auf den Fotos anschließend jeden Stern genau 3x – das ist auch nix

Also versuche ich einen Kompromiss zwischen ISO-Rauschen, Blende und Bewegungsunschärfe zu finden. Letztlich werde ich die meisten Fotos bei Blende 2,8 zwischen 15 und 30 Sekunden lang belichten und durch Einstellen der ISO-Empfindlichkeit steuern wie „hell“ die Fotos letztlich werden.

An einer Stelle etwas unterhalb neben den Beehives ist ein recht großer Felds, dessen Höhe ich auf etwa 30 Meter schätzen würde. Hier gibt es einen fotogenen Spalt und im Hintergrund sieht man sehr schön die Milchstraße und den mit Licht verseuchten Himmel über Las Vegas. Diese Komposition gefällt mir sehr gut und nach einigen Versuchen gelingt dann ein sehr ansprechendes Foto.

Milkyway over Valley of Fire - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Damit die Felsen nicht nur schwarze Silhouetten sind, leuchte ich sie mit meinem Smartphone aus. Dabei ist die kleine APP „Taschenlampe“ ganz nützlich, weil sich hier die Helligkeit der eingebauten weißen Leuchtdiode in drei Stufen regeln läßt. Bei Belichtungszeiten von 30 bis 60 Sekunden beleuchte ich die Felsen etwa 10 Sekunden lang. Im Ergebnis ergibt sich so eine sehr schöne Mischung zwischen der Helligkeit der Milchstraße und der Helligkeit des Vordergrundes.

Hier habe ich noch ein Foto das etwas eher noch oben auf dem Parkplatz neben dem Auto entstanden ist. Hier gibt es keine tollen Felsen im Vordergrund, aber es gibt einen schönen farbigen Wolkenschleier. Wie schon die Designer die das Logo der „Deutsche Bank“ entworfen haben weiß auch ich, dass Linien die nach rechts oben aufstreben irgendwie besser aussehen als wenn sie „herunterfallen“. Daher habe ich das Foto gespiegelt, die Bildaussage gefällt mir damit sehr viel besser. Leider kann man die Milchstraße nicht einfach von der anderen Seite fotografieren, denn dazu müsste man unseren Planeten verlassen. Also halte ich dieses stilistische Mittel für legitim.

Milkyway over Valley of Fire #2

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere entferne ich mich Schritt um Schritt immer weiter von meinem Auto. „Wenn jetzt die Taschenlampe ausfällt bin ich aufgeschmissen“ geht es mir durch den Kopf. Aber dann fällt mir auf, dass auf den Bildern die Milchstraße plötzlich mehr und mehr verschwindet. Als nach einem „Testfoto“ vergesse die ISO-Empfindlichkeit wieder zu reduzieren habe ich plötzlich ein Foto das aussieht als wäre es in den frühen Morgenstunden aufgenommen. Und tatsächlich, es ist jetzt schon nach 5h und ich fotografiere jetzt schon rund 5 Stunden lang… Die Zeit verging echt schnell und wegen des lauen Windes und der lässigen 21°C war es auch nicht unangenehm. Lediglich feste Schuhe hätte ich anziehen sollen, so spüre ich nämlich jeden Stein unter den Füßen. Und so beschließe ich, morgen meine die Wanderschuhe anzuziehen.

Etwa 30 Minuten später kann ich die Konturen der umliegenden Felsen schon recht gut erkennen und der Weg zum Auto ist jetzt auch ohne Taschenlampe ganz einfach zu finden. Da der Himmel in den tollsten Farben zu leuchten beginnt, klebe ich schnell meine GoPro HD HERO 3+ von innen an die noch recht saubere Windschutzscheibe und mache mich auf den Rückweg. In 30 Minuten gibt es im Hotel schon Frühstück und irgendwie bin ich nun hungrig. Am Abzweig nach Overton kommt es mir dann in den Sinn schnell noch mal zum Overton Beach zu fahren. Dort hat man vielleicht einen tollen Blick über den Lake Mead und das könnte jetzt zum Sonnenaufgang wirklich schön aussehen. Aber als ich auf die Zubringerstraße abbiegen will ist sie leider geschlossen. Also geht es ohne weitere Umwege direkt zurück zum Hotel.

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Nachdem ich meine Sachen ins Zimmer getragen habe schaue ich mal was es zum Frühstück gibt. Es ist etwas mehr als im Comfort Inn in Las Vegas, aber mit dem besten Frühstück er Welt das ich fast 5 Jahre lang im Quartier 65 in Mainz genießen durfte, hat das wirklich nichts zu tun. Aber ein erstklassiges Gourmet-Frühstück wie im Quartier 65 darf man hier auch nicht erwarten. Also gibt es ein paar Cornflakes mit Milch, etwas Kaffee und einen Becher Orangensaft. Dazu backe ich mir mal eine frische Waffel, die verziert mit etwas Honig gar nicht schlecht schmeckt.

Die „verlorene Zeit der Nacht“ kann ich nun nachholen und am Nachmittag schauen wir mal es hier weitergeht.

Gute Nacht allerseits 🙂

 

USA-2014 – Tag 1 – Valley of Fire

Als ich um 9h43 aufwache ist es draußen noch dunkel. Ach ja, 9 Stunden Zeitverschiebung – ich bin in Las Vegas und hier ist es noch mitten in der Nacht. Trotz allem bin ich irgendwie fast ausgeruht und weiß nicht wie ich noch bis zum Morgengrauen weiterschlafen soll. Also schnappe ich mir mein iPad und schaue mir die letzten Folgen von „The Pacific“ an. Als ich mit der traurigen letzten Folge durch bin geht draußen über den Bergen am Horizont die Sonne auf. Schnell hole ich mein HTC ONE hervor und nehme ein kleines Knipsbildchen auf. Die scheinen sind total verdreckt, aber es ist mir egal, Ihr seht auch so wie der Morgenhimmel aussah 🙂

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Um kurz nach 8h bin ich frisch geduscht beim Frühstück. Es ist nichts Großartiges, aber man kann satt werden. Es gibt Waffelteig und man kann sich seine Waffeln selbst frisch backen und mit allen möglichen Süßigkeiten belegen. In einem kleinen Kühlschrank steht Yoghurt, es gibt frisches Obst, Säfte, Muffins, Croissants, eigentlich ist es gar nicht so schlecht, wenn nur diese Kaffee-Becher aus Styropor nicht wären… Nach dem Frühstück checke ich schnell aus und bringe meine vielen Sachen zum Auto. „Normale Leute“ gehen ins Fitness-Studio, ich trage Koffer mit Kameras und Objektiven – auch nicht schlecht 🙂 Vom Motel geht es auf der East Craig Road ein paar hundert Meter nach Osten, dann ist schon der große Walmart auf der rechten Seite. Der Parkplatz ist fast leer, es ist noch wirklich früh. Auf dem Parkplatz stelle ich die Maßeinheiten meines großen GMC-Trucks auf „Metrisch“ um und muss jetzt die Temperaturen nicht mehr mühsam umrechnen. Das Thermometer zeigt schon 27°C – ich bin in der Wüste! Im Walmart kaufe ich mir allerlei Getränke und Knabbereien die zur Note mal ein paar Tage im Auto überleben können. Also nichts mit Schokolade oder ähnlichem, statt dessen gibt es trockene Kräcker und feinste Leibnitz Butterkekse aus „Europa“.

In der Getränkeabteilung staune ich nicht schlecht, als ich dort ein eigenes Regal finde in dem ausschließlich Erzeugnisse des Weingutes Fetzer aus Kalifornien angeboten werden. Also schnell das Handy zücken und für meine Sandra ein Knipsbild schießen 🙂

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An der Kasse gibt es eine witzige Unterhaltung mit der Kassiererin. Meine Einkäufe kosten 109,- $ und als ich ihr meine brandneuen Dollarnoten in die Hand drücke fragt sie mich woher ich komme. Erst beim dritten Mal versteht sie „Germany“ und entgegnet „Ahhh – you’re from Europe!“ Es sind keine anderen Kunden da und so können wir einen kurzen Smalltalk halten. Sie fragt mich was ich alles fotografieren möchte und kann gar nicht verstehen, dass mir das allein Spaß bereitet. Als ich ihr dann erkläre, dass es auch Vorteile hat wenn niemand im Auto wartet, kalte Füße hat, hungrig ist und dringend zur Toilette muss beginnt sie zu verstehen…

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Vom Walmart geht es ganz gemütlich auf der Interstate 15 in Richtung Norden. Nach rund 30 Minuten sind der Lake Mead und das Valley of Fire ausgeschildert. Es geht rechts ab und die Straße wird schmaler. Hier war ich 2011 zuletzt und ich freue mich jetzt auf die vielen roten Felsen. Am westlichen Eingang des Park muss ich 10$ Eintrittsgebühr bezahlen und bekomme einen kleinen Kassenzettel von innen an die Windschutzscheibe geklebt. Ein paar hundert Meter zuvor habe ich kurz angehalten und meine GoPro innen an der Windschutzscheibe befestigt. Nun ist sie eingeschaltet und ich drehe eine kleine Runde durch das Valley of Fire. Das Thermometer zeigt inzwischen 32°C und für eine Wanderung ist es mir definitiv zu warm. Außerdem habe ich viele Lebensmittel im Auto und zumindest die Bananen werden eine Wanderung wohl kaum heil im Auto überstehen. Vom Valley of Fire sind es nur ein paar Kilometer in Nord-Östlicher Richtung bis Overton. Dort gibt es das niedliche North Shore Inn Motel.

Ich miete mich hier für zwei Nächte ein, das kostet pro Nacht 89,90 Dollar, also umgerechnet ca. 67 Euro. Es gibt ein kostenloses WLAN, einen Kühlschrank, eine Mikrowelle, eine Klimaanlage, Getränkeautomaten, Eismaschine, Pool und ein reichhaltiges Frühstück von 6h bis 9h. Ganz witzig ist es, dass der Inhaber Verwandtschaft in Bonn hat – die Welt ist manchmal doch ein Dorf…

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Mein Zimmer ist im Obergeschoß mit Blick in Richtung Lake Mead. Wirklich sehen kann man in allerdings nicht, denn ich bin etwa 25 Kilometer weit weg im grünen Moapa Valley.

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Wegen der umliegenden Berge gibt es hier immer wieder „Flash Floods“, also Sturzbäche. Als ich mit meinem Auto das Tal ein wenig erkunde finde ich immer wieder Stellen an denen vor nicht allzu langer Zeit gewaltige Wassermassen alles weggespült haben was sich ihnen in den Weg gestellt hat. Da diese aber selten vorkommt, scheint man hier gelassen damit umzugehen. Brücken unter denen jahrelang nur Staub ist hat man sich gespart. Wenn es mal regnet, dann darf das Wasser die Straßen überfluten. Damit man eine Orientierung hat, gibt es seitlich neben den typischen Stellen Markierungen mit Angaben zum Wasserstand: 3 – 4 – 5 – 6 Foot – also bis ca. 180 cm kann dort das Wasser mal stehen. Wahrscheinlich geschieht das aber nur einmal in 100 Jahren. Ansonsten ist das Tal recht grün, während rundherum nur Staub und Felsen sind. Es gibt kleine Farmen und überall stehen Pferde auf den Wiesen. An einer ganz witzigen Kirche halte ich kurz mal an und nehme ein Foto meines riesigen Autos auf.

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Der Pastor hat hier Kirschbäume anpflanzen lassen und sie haben vor nicht allzu langer Zeit in voller Blüte gestanden, ein wenig sieht man es noch. Ganz ehrlich, das hätte ich hier nicht erwartet!

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Wir haben hier jetzt 13:45 und in Deutschland bricht gleich schon wieder eine neuer Tag an. Mein Jet-Lag hat mich noch ganz gut im Griff und draußen ist es mit jetzt eh viel zu warm. Also schlafe ich jetzt ein bisschen und mache mich dann heute Abend auf zum Valley Of Fire. Am Rock Arch möchte ich ein wenig mit meinem Nikon AF-S 2,8/14-24mm experimentieren. Vielleicht kann man die Kamera unterhalb des Bogens aufstellen und am Himmel darüber die Milchstraße erkennen. Das wäre doch mal was…

USA-2014 – Anreise mit Hindernissen

 Airport-Shuttle mit Önder

Der Check-In am Vorabend hat ganz wunderbar geklappt, aber dennoch bin ich etwas aufgeregt. Eine Reise in die USA die dann gleich noch einen ganzen Monat dauert, bei der ich die ersten Woche ganz allein bin und bei der es praktisch keine Planung gibt, das ist auch für jemanden der wie ich eigentlich immer nur unterwegs ist, nicht ganz alltäglich. Um die Nerven ein wenig zu beruhigen schaue ich mir einige Folgen der 4. Staffel von Californication auf meinem Smart-TV an. Während ich das schreibe muss ich innerlich grinsen, denn in meinem aktuellen Projekt gibt es fast nichts mehr was nicht irgendwie „Smart“ ist… Das ist als ein Joke für Insider…

Während sich auf dem Fernseher die Intrigen immer wieder neu zuspitzen und stets in heillosem Chaos mit toten Millardären, Drogen, Alkohol, Sex und Knast münden, stellt sich bei mir langsam aber sicher die Vorfreude auf dieses coole Land ein. Ich werde zwar nicht wie Hank Moody mit einem vergammelten schwarzen Porsche und einer Schreibmaschine auf dem Rücksitz reisen, aber das Feeling das dieses Fernsehserie rüberbringt gefällt mir wirklich gut.

Doch die Aufregung kann ich nicht vollständig kompensieren und so bin ich am Abreisetag um 7h wach und alles andere als ausgeschlafen und reiselustig. Aber es hilft ja nichts… Schnell unter die Dusche, den Müll rausbringen, noch schnell hier und da nach dem Rechten sehen und schnell den lieben Nachbarn eine kleine Aufmerksamkeit vor die Türe stellen. Schließlich nehmen sie ständig irgendwelche Pakete für mich entgegen 🙂

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Auf die Sekunde pünktlich um 9h steht dann auch schon Önder Tuncer mit seinem schönen Taxi vor der Türe. Önder ist DER Mainzer-Taxifahrer der bei uns im Projekt den allerhöchsten Sympathie-Bonus hat. Während andere Taxifahrer oft griesgrämig und schlecht gelaunt sind, ist Önder immer gut drauf und so macht es einfach viel mehr Spaß mit ihm zu fahren. Auf der Fahrt zum Flughafen quatschen wir die ganze Zeit und sind beide etwas traurig, dass unser Benjamin am Vortag seinen letzten Tag in Mainz hatte. Die Zeit vergeht wie im Flug (wer hätte das gedacht) und keine 30 Minuten später stehe ich schon am Terminal 1 im Abschnitt C. Auf der großen Anzeigetafel steht mein Flug um 11h35 mit Gate C1. Wegen des Check-Ins am Vorabend steht auf meinem Ticket noch kein Gate. Als ich am Gate C1 eintreffe staune ich nicht schlecht, dass ich dort vollständig allein bin. Ok, ich bin sehr zeitig hier aber als ERSTER? Das kommt mir doch komisch vor und so frage ich beim Condor Schalter 751 lieber mal nach… Und siehe da, es ist Gate C4!! An der Infotafel steht das Gate nicht vollständig, die 1 bezieht sich auf das Terminal!!

Auf dem Weg zum Gate C4 stehe ich dann auch einige Augenblicke später in einer locker 50 Meter langen Schlange. Weit vorn kann ich die Mitarbeiter des Sicherheitspersonals sehen. Aber abgefertigt wird dort niemand. Mich macht das alles ziemlich stutzig (wieder ein Witz für Insider) und damit bin ich nicht allein. Aber nach etwa 15 Minuten setzt sich die Schlange dann doch noch in Bewegung. Hinter der Sicherheitskontrolle muss ich nochmals meinen Pass vorzeigen, gleich neben dem Schalter steht eine Wage für Handgepäckstücke. Ganze 6 Kilogramm sind erlaubt, mein kleiner Koffer voller Kameras und Objektive wiegt knapp 16 Kilogramm, ist also fast dreimal so schwer wie erlaubt. Während ich noch in der Schlange stand kam ein Condor Mitarbeiter und hat sich alle Handgepäckstücke angeschaut. Da auf meinem schweren kleinen Fotokoffer nur eine winzig kleine Notebook-Tasche steht fällt der Koffer nicht weiter auf und beide Gepäckstücke bekommen ein weißen Bänden angeklebt. „Cabin Baggage Approved“ ist drauf zu lesen. Als ich an der Waage vorbei bin fällt mir ein Stein vom Herzen (noch so ein Insider…) und nun beginnt langsam die Reiselaune.

Weil ich nichts gefrühstückt habe bekomme ich langsam Kopfweh und mein Magen knurrt. Da trifft es sich gut, dass man in einem kleinen Laden noch Snacks und Getränke kaufen kann.

Im Flieger steuere ich zielsicher Platz 6G direkt am Fenster an. Einige Minuten später staune ich aber nicht schlecht, als mich jemand darauf aufmerksam macht, dass ich wohl auf dem falschen Platz sitze.

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Die Sitzplätze in der Boing 767 sind wie folgt verteilt (dachte ich…)

6A 6B      6C 6D 6E     6F 6G

Aber irgendwie habe ich das auch nur gedacht, denn beim zweiten Hinschauen sieht es so aus:

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Ich sitze also wieder auf dem Platz für Leute denen ständig mit dem Getränkewagen gegen das rechte Knie gefahren wird – urgs… Und so kommt es auch… Weil ich direkt hinter dem Vorhang zur Comfort Class sitze und der Vorhang immer schön geschlossen bleiben muss, sehen die Flugbegleiter mein rechtes Knie stets sehr spät und so donnern sie immer wieder dagegen. Auf diesem Platz zu schlafen, das kann man komplett vergessen…

Aber die Menükarte sieht ganz vielversprechend aus. Auch wenn es sich wirklich gut liest, so ist das Essen eher „okay“ als „superlecker“. Aber was will man in einem Flugzeug schon erwarten, irgendwie bin ich trotz allem sehr froh, dass es überhaupt etwas zu essen gibt. Und ganz ehrlich, alles was die Flugbegleiter auftischen kann man auch essen.

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Der Flug erscheint mir fast endlos lang. Nach 10 Stunden weiß ich einfach nicht mehr wie ich noch sitzen soll, aber trotz allem muss ich die neue Ausstattung des Flugzeugs auch loben. Alle riecht noch nach frischen Teppichen und neuem Leder. Und an jedem Sitzplatz gibt es jetzt einen Tablet-Computer. Vorn in der Comfort-Class sind die Displays etwas doppelt so groß wie in der „Holzklasse“, aber ein deutlicher Fortschritt sind sie allemal. Über den Tablet-Computer kann man zwischen vielen verschiedenen aktuellen Kinofilmen und Fernsehserien wählen. Es gibt ein reichhaltiges Musik-Angebot und Infos zur Fluggesellschaft. Da macht es Spaß diese Vielfalt zu erforschen.

Leider sitze ich direkt hinter der Wand zur Comfort-Class und hier sind die drei Displays so hoch angebracht, dass sich die Deckenbeleuchtung darin spiegelt. Wirklich viel sehen kann man so nicht. Hier hat jemand nicht nachgedacht… Eine Reihe weiter hinten sind die Displays in die Sitze integriert und können geschwenkt werden. So lassen sich Reflexionen besser kontrollieren und man hat letztlich mehr Spaß am Unterhaltungsprogramm. In der Premium-Economy hat man Zugriff auf das volle Angebot. Wer einige Reihen weiter hinten sitzt hat nicht nur 15 Zentimeter weniger Beinfreiheit, er muss auch zusätzlich 7 Euro für das Entertainment berappen…

Ich schnappe mir letztlich dann doch mein iPad Mini und genieße auf dem sagenhaften Retina Display den Rest der ersten Staffel von „BOSS“ und die erste Hälfte von „The Pacific“. Beides  habe ich in de Offline-Modus der Watchever-APP heruntergeladen. So geht die Zeit dann doch schnell vorbei und als wir in Las Vegas landen hat das iPad noch 50% Akkuleistung und der unglaublich gute BOSE QC-20 zeigt auch noch grünes Licht!

Einreiseformalitäten

Als ich das Flugzeug verlasse werde ich von einige jungen Leuten überholt die im Laufschritt die Passkontrolle ansteuern. Kurz drauf weiß ich auch warum! Es gibt 28 Schalter an denen man die Einreise-Formalitäten hinter sich bringen kann. Aber weniger als die Hälfte sind auch besetzt. Und nun steht die gesamte Halle voll und alle wollen einreisen. Gefühlte 1.000 Fluggäste von mehreren Flügen drängen durch einen Irrgarten aus Stützen und Absperrungen. Doch niemand wird abgefertigt? Nach einer Weile kommt dann doch Bewegung in die Menge und nach etwa 30 Minuten Wartezeit bin ich schließlich an der Reihe.

Die einzelnen Finger muss man inzwischen nicht mehr scannen. Man legt die vier langen Finger der rechten Hand auf den Scanner, dann den rechten Daumen, danach die linke Hand und den linken Daumen. Anschließend setzt man seine Brille ab und entfernt Kopfhörer usw. aus dem Hals-Bereich. An einem beweglichen Arm ist eine kleine Logitech Web-Cam montiert und damit wird man schnell fotografiert. Die Einreiseerklärung sollte man unbedingt schon im Flugzeug vollständig und fehlerfrei ausfüllen. Wer nicht genau weiß was wo anzukreuzen ist, der sollte die Flugbegleiter fragen!

Auf die Frage warum man einreisen möchte antwortet man einfach nur mit „Vacation“. Sein Telefon sollte man ausgeschaltet lassen und Fotos macht man hier auf keinen Fall! Auch ist man nicht witzig oder macht Späße. Dies Einreise ist eine ernste Sache und so wollen die Mitarbeiter es auch verstanden wissen. Selbst die leicht angetrunkenen Spaßvögel die unmittelbar vor mir abgefertigt werden sind plötzlich ganz ganz ernst und sehr konzentriert.

Als ich an der Reihe bin nimmt der Beamte meinen fast 10 Jahre alten Reisepass hoch und schaut mich sehr eingehend und prüfend an. „Your hair has become ligther!“ Das ist charmant ausgedrückt, er hätte auch sagen können „Eh Alter, Du bist schwer grau geworden…“ Aber hier geht es eben sehr korrekt und sehr professionell zu…

Einige Augenblicke später bin ich dann fertig. Die kleine grüne Karte die ich in den letzten Jahren bekam und sie wie meinen Augapfel hüten musste, gibt es scheinbar inzwischen nicht mehr, jedenfalls bekomme ich kein Exemplar. Als ich bei der Gepäckausgabe eintreffe kommt auch schon mein Koffer auf dem Förderband daher, so lasse ich mir das gefallen…

Ein paar Meter später gibt es dann die zweite Kontrolle. Hier wird nochmals geprüft ob man wirklich keine Lebensmittel, lebende Tiere oder andere verbotene Dinge mit sich führt. Und auch hier werde ich wieder mit eindinglichen Blicken gemustert. „Your hair has become lighter…“ Ja ja, den Witz kenne ich schon und erzähle auch hier, dass der Pass ja schon fast 10 Jahre alt ist und es im nächsten Jahr ein neues Foto mit grauen Haaren geben wird 😦

Der Mietwagen

Ein paar Meter weiter bin ich dann auf dem Gehweg vor dem Terminal und auf einer großen Leuchtanzeige steht in freundlichen grünen Buchstaben: Car Rental Shuttle – hier bin ich richtig – auch wenn es mir komisch vorkommt weil ich ganz allein bin… Aber mit der Zeit gesellen sich andere Reisende dazu und ich erkenne einige Gesichter aus dem Wartebereich des Frankfurter Flughafens wieder. Nach etwa 10 Minuten kommt dann auch der Buss und hält direkt vor meinen Koffern. Als sich die Türe öffnet ist dort ein drahtiger Indianer der in Windeseile alle Koffer in seinem Bus verstaut, der hat echt was in den Armen… Es geht los zum Car Rental Center in der Gillespie Street. Die Fahrt dauert etwa 10 Minuten und ich bin ganz froh, dass der Bus schön klimatisiert ist. Draußen sind es nämlich satte 33°C, das fühlt sich an wie bei uns im Hochsommer… An der Car Rental Station drücke ich dem Fahrer schnell zwei Dollar-Noten in die Hand und mit einem Grinsen stellt er meine beiden Koffer zu Allererst vor seinen Bus – Danke! Als ich alles sortiert habe gebe ich Gas und bin als zweiter bei der ALAMO Autovermietung. Direkt vor mir ist eine der Flugbegleiterinnen aus „meinem“ Flieger – die Welt ist klein… Während sie hektisch auf dem Boden ihren Koffer nach den notwendigen Unterlagen durchsucht winkt sie mich vorbei, ich muss gar nicht anstehen, diese zwei Dollar für den Busfahrer haben sich gelohnt! Während sich hinter mir eine Schlange aufbaut, hält mir die ALAMO-Mitarbeiterin ein Blatt mit Abbildungen einzelner Fahrzeuge vor die Nase. Sie zeigt auf einen Jeep Cherokee (Kein schlechtes Auto) – das wäre der Fullsize-SUV den ich gebucht habe. Sie hätte aber ein Upgrade für mich auf einen Chevrolet Suburban oder ein baugleiches Fahrzeug. Ich bin entzückt, ein Upgrade nehme ich doch immer gern… Dann bietet sie mir wieder einmal eine Liability an. Eigentlich hatte ich gedacht sie wäre in meiner Buchung enthalten gewesen, aber ich kann mich selbst überzeugen, dass diese erweiterte Haftpflicht nicht enthalten ist. In Nevada ist eine Liability sogar Pflicht, in anderen Bundesstaaten geht es auch ohne. Die gesetzliche Deckungssumme ist lächerlich gering und für den Fall der Fälle ist ein erweiterter Schutz gar nicht so verkehrt, also willige ich ein. Ein GPS brauche ich nicht und den zusätzlichen Pannenschutzbrief brauche ich auch nicht. Ich muss unglaublich oft hier und dort meine Initialen eintragen und letztlich den Vertrag unterzeichnen. Das geht alles sehr schnell und eigentlich weiß ich noch gar nicht was das Auto nun kosten wird. Auf meine Frage erhalte ich dann die Antwort, dass mich dieser Mietwagen für einen Monat nun 4.150 Dollar kosten wird. Was???? Bei der Reservierung via Internet von Deutschland aus waren es etwas mehr als 1.300 Dollar, also rund 1.000 Euro. Nun soll der Spaß umgerechnet fast 3.000 Euro kosten?

Sie haben es also wieder einmal geschafft! Das Upgrade ist kein Upgrade aus purer Menschenliebe, sondern weil ich das Auto für einen längeren Zeitraum gemietet habe und weil sich damit viel Geld verdienen lässt wenn man dem Kunden jeden Tag ein paar Dollar extra „aus dem Kreuz leiert“. Ich bin schwer geschockt aber hinter mir steht eine lange Schlange, ich habe schon alles unterschrieben und das Auto steht auch schon bereit – urgs…

Nach einem kurzen Telefonat wird mir versichert, dass das Auto gleich für mich bereit ist. Es wird gerade noch gewaschen, ich soll oben beim Schalter hinter der Schiebetüre kurz warten, dann wird mir das Auto zugewiesen sobald es wieder sauber ist. Als ich dort oben eintreffe kommt mir auch schon ein ALAMO Mitarbeiter entgegen. Gleich um die Ecke steht ein riesiger GMC, eine gewaltige Kiste mit irre großen Rädern und schweren Ledersitzen die sich anfühlen wie die Sitzecke im Wartezimmer eines erfolgreichen Anwalts. Als ich den Motor starte stehen etwas über 24.000 Meilen auf dem Tacho. Diese Kiste ist also auch nicht ganz neu. Aber egal, sie ist irgendwie schon cool. Ein paar Meter weiter muss ich bei der „Endkontrolle“ halten. Ich gebe meinen Führerschein und den Vertrag ab. Die nette Dame kommt aus ihrem Häuschen heraus und geht mit prüfenden Blicken um mein Auto herum. Sie sucht nach Beschädigungen usw. Das Auto nebenan hat eine Beule und dort macht eine andere Mitarbeiterin schnell noch ein Foto davon.

„Meine“ Mitarbeiterin gibt mir nun zu verstehen, dass die Zulassung meines Autos schon am 14. April abgelaufen ist und dass sie mich damit nicht mehr fahren lassen kann. Sie telefoniert und versucht neue Kennzeichen oder ein anderes Auto zu bekommen.

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Hinter meinem Auto stellt sie eine Rot-Weiße Säule auf und alle Autos die schon hinter mir stehen müssen auf einen der anderen Schalter ausweichen. Ich fange schon mal an mein Gepäck wieder zusammenzupacken. Die Halterung für mein Handy hatte ich vergeblich gesucht und deshalb schon beide Koffer geöffnet.

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Der Dame ist das alles etwas peinlich und sie telefoniert erneut. Danach sagt sie, dass ich 50 Dollar Rabatt auf das Auto bekomme und es mit leerem Tank zurück geben soll, na das ist ja auch was wert… Etwa 30 Minuten später trifft dann ein weiterer ALAMO-Mitarbeiter ein und bringt mir eine identische Version dieses riesigen Automobils. Ich packe schnell alles um und bin auch schon kurz drauf unterwegs zu meinem Motel.

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Navigieren in den USA

Die USA sind das Mutterland des GPS, wo wenn nicht hier kann man sich nach einem GPS richten? Da mir Las Vegas doch noch etwas fremd ist, starte ich an meinem neuen HTC ONE die APP Copilot in der Version 9. Leider habe ich für diese Version nur Kartenmaterial für die USA, daher konnte ich diese APP noch nicht ausprobieren. Und das rächt sich auch prompt. Irgendwie geht da einfach gar nichts… Also halte ich kurz hinter der Car Rental Station in einer Nebenstraße an und beschäftige mich mit meinem tollen GPS. Es dauert einen Augenblick, aber dann ist der Groschen gefallen, das GPS ist gar nicht aktiviert! Dann kann das ja auch nicht gehen… Mit der APP GPS-TEST kann ich sehr schön verfolgen wie mein Telefon nach und nach die Satelliten am Himmel entdeckt.

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Als alle Satelliten entdeckt sind klappt es auch mit meiner Navigations-Software 🙂 Auf der Interstate 15 ist wieder einmal die Hölle los und so dauert es fast 45 Minuten bis ich am Motel eintreffe.

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Das Einchecken ist kein Thema, ich habe ja bereits via HRS reserviert. Ich bekomme Zimmer 311 und bin überrascht wie groß und geräumig dieses Zimmer zum Preis von knapp 100 Dollar ist.

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Ganz witzig sieht es aus, als ich das Netzteil meines MacBooks mit einem Adapter in die Steckdose „stecke“. Es ist mehr ein „Hängen“ als eine „Stecken“ – aber es funktioniert…

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Ok liebe Freunde, ich schlafe jetzt ein wenig und morgen überlege ich dann wie es weitergeht 🙂