USA-2014 – Tag 4 – Mobius und Lathe Arch

Mobius Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich wach werde zeigt die Uhr 23h43 – es passt mir eigentlich gar nicht aber es ist schon wieder Zeit um aufzustehen, das Fotografenleben ist manchmal anstrengend und ungerecht. Ein paar Minuten später sitze ich schon im Auto, waschen kann ich mich ich noch nach der Fotosession. Am Abend zuvor habe ich auf dem Rückweg mein GPS (Garmin Colorado 300) eingeschaltet und so hat es den Rückweg zum Hotel aufgezeichnet. Nun hängt es an der Windschutzscheibe und weist mir den Weg durch die echt dunkle Nacht. Während ich vor mich hin fahre trennen sich irgendwann die Linien, ich habe eine Abbiegung verpasst! Also zurück und ein paar Minuten später bin ich auch schon am Parkplatz in der Nähe von Mobius und Lathe Arch.

Schnell den Fotorucksack schnappen und los geht es. Mit dabei sind diesmal meine gute helle Taschenlampe, das HTC ONE, zwei Äpfel, ein Brötchen und eine kleine Flasche Wasser. Im Rucksack ist fast nichts mehr drin. Am Vortag habe ich beschlossen, dass man für den Mobius Arch nur ein Weitwinkel-Objektiv benötigt und mehr nicht. Während ist den kleinen Trampelpfad zum Arch laufe kommt es mir in den Sinn, dass ich in der ganzen Zeit die ich jetzt schon in den USA bin noch kein einziges Foto mit der Panasonic GH3 gemacht habe. Auch habe ich an der D800E noch immer das gleiche Objektiv das ich in Deutschland daran gesetzt habe. Ich habe wirklich bislang ausschließlich mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert…

Am Mobius Arch angekommen kann ich am Himmel ganz wunderbar die Milchstraße erkennen, was für ein Schauspiel. Schnell ist die Kamera aufgebaut und nach ein paar Testschüssen mit allerhöchster ISO-Einstellung habe ich die Kamera in der völligen Dunkelheit so eingestellt, dass der kleine Arch sehr fotogen herüber kommt. Immer wenn eine „Szene“ abfotografiert ist wechsle ich wieder zu Blende 2,8 und ISO-HI2. So dauert ein Testfoto nur ca. 8-4s und das in der totalen Finsternis…

Während ich Bild um Bild vor mich hin fotografiere tauchen zwischen den Felsen Lichter auf. Ein paar Minuten später treffe ich dann auch ein sehr nettes Paar aus Philadelphia. Sie haben Kopflampen und sind überhaupt sehr gut ausgestattet. Sie fotografiert mit einer Nikon D7100 und dem AF-S VR 16-85mm. Außerdem hat sie noch eine Kamera im Gepäck die sie sich auf Infrarot hat umbauen lassen. Diese Frau ist mir sofort sehr sympathisch 🙂 Wir zeigen uns auf den Displays unserer Kameras was wir bislang so fotografiert haben. Anschließend zeigt sie mir noch wo der Lathe-Arch zu finden ist. Er ist derart klein und niedlich, dass ich ihn am Vortag glatt übersehen habe.

Lathe Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Will man durch den Arch hindurch auf den 4421 Metern höchsten Berg Kaliforniens schauen, so wird es ganz schön eng. Aber dafür kann man Mount Whitney dann auch sehr schön am Horizont sehen. Hinter dem Lathe Arch ist es zudem noch abschüssig, hier muss man mit seinem Stativ umgehen können, denn einfach aufstellen klappt hier nicht. Ich ziehe ein Bein komplett aus die beiden anderen Bein spreize ich im Winkel von 90° nach vorne ab. So liegt das Stativ direkt vor dem kleinen Arch auf dem Fels und die Kamera hat eine ganz ordentliche Position. Mit meiner superhellen Taschenlampe beleuchte ich den Arch aus nächster Nähe, dann kann ich ihn sogar im Sucher sehen und der Autofokus funktioniert. Nachdem alles korrekt scharf gestellt ist, schalte ich den Autofokus aus. Anschließend nehme ich echt viele Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und ISO-Werten auf. Bei den ganz langen Belichtungszeiten beleuchte ich den kleinen Arch mit meinem Smartphone. Weil der Arch so nach ist, muss ich dabei das Telefon hin und her schwenken damit der kleine Arch auch gleichmäßig ausgeleuchtet wird.

Zuletzt nehme ich noch ein Foto mit einer Belichtungszeit von 10 Minuten bei Blende 5,6 und ISO 400 auf. Es ist ein Geduldsprobe, denn die Rauschunterdrückung benötigt genau so lange wie die Belichtung. 20 Minuten lang auf ein einziges Foto warten und das zusammengekauert auf einem kleinen Felsvorsprung eingeklemmt zwischen zwei Felswänden, das kann auch nur mir passieren.

Mobius Arch @ Dawn - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Gegen 5h fällt mir wieder auf wie sich die Fotos plötzlich zu verändern beginnen. Es ist schon etwas Morgenlicht auf den Foto, aber mit dem Auge ich es kaum wahrnehmbar. Ich positioniere mich wieder am Mobius Arch um für die ersten Sonnenstrahlen gewappnet zu sein. Der Lathe Arch wird von der Felswand die etwa 2 Meter hinter ihm ist so abgeschattet, dass er erst sehr später echtes Sonnenlicht abbekommt.

Während die ersten Sonnenstrahlen die Zipfel der Sierra Nevada Mountains noch schön rot aufleuchten lassen ist diese ganze Herrlichkeit dann irgendwann einfach vorbei. Der Himmel hinter mir hat schlichtweg zu viele Wolken, da schafft es die Sonne nur die Szenerie zu erhellen, aber wirklich fotogen ist das alles nicht mehr. Also packe ich meine Sachen zusammen und bin um kurz nach 6h wieder im Hotel. Dort werden schnell die Fotos auf Festplatte kopiert und dann geht es runter zum Frühstück. Hier gibt es Rührei, Cornflakes, Orangensaft und eine Tasse Kaffe. Ok, Tasse ist übertrieben – es ist wieder einer dieser fiesen Becher aus Styropor.

Gleich geht es dann weiter zum Mono Lake, schauen wir mal was mich dort erwartet 🙂

USA-2014 – Tag 3 – Mobius Arch & Lone Pine

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Es ist der 4. Mai und der dritte „richtige“ Tag beginnt wieder einmal sehr früh am Morgen. Mein Jet-Lag habe ich noch nicht verarbeitet und so bin ich auch heute wieder um 3h43 wach und kann nicht mehr schlafen. Aber egal ich will eh früh raus, da passt das ganz gut. Weil ich viel Zeit habe lasse ich alles ganz langsam angehen und schaue erst einmal bei Facebook und in meine E-Mails hinein. Eines der beiden Fotos mit der Milchstraße im Hintergrund geht gerade bei flickr.com und 500px.com so richtig ab. Es wurde in mehrere Gruppen eingeladen und im Minutentakt werde ich benachrichtigt, dass es „gelinked“ oder „gefaved“ wurde. Zwischendurch gibt es neue „Follower“, so macht das wirklich Spaß. Und es ist auch der Beweis dafür, dass Fotos die zu ungewöhnlichen Tageszeiten entstehen zumindest derzeit noch ganz gut ankommen. Vielleicht wird ja ein Trend daraus und in ein paar Jahren wird dann nur noch nachts fotografiert, wer weiß das schon…

Um 7h bin ich mit dem Frühstück fertig, verabschiede mich schnell beim wirklich netten und sehr zuvorkommenden Personal und mache mich auf den Weg nach Lone Pine in Kalifornien. Mein Freund Lothar hat mir den Tipp gegeben doch mal bei den Alabama Hills vorbeizuschauen und vielleicht den Mobius Arch zu fotografieren. Das liegt auf dem Weg nach Bishop und dem Monolake sehr schön am „Wegesrand“ und die Location ist sicher einen Besuch wert. Vor mir liegen fast 300 Meilen und rund 5 Stunden mit dem Auto, da trifft es sich gut, dass mein riesiger Geländewagen wie von allein fährt und zu den entspanntesten Autos gehört die man sich vorstellen kann.

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Als ich in Beatty einen kleinen Zwischenstopp einlegen möchte muss ich leider feststellen, dass es das sehr gute kleine Mexikanische Restaurant nicht mehr gibt. Also tanke ich nur um die Ecke schnell mein Auto voll. Es ist das erste mal mit diesem Auto und ich muss zuerst schauen wo denn überhaupt der Sprit hineinkommt. Es ist die linke Seite – sehr gut! An der Zapfsäule klappt es mit meiner Kreditkarte nicht, also gehe ich schnell rein und sage kurz Bescheid. Die nette Dame fragt mich für wie viele Dollars ich denn tanken möchte. Hm, ich würde gern volltanken, aber was das kosten wird weiß ich nicht. Sie will wissen wie viel Benzin noch drin ist. Ich sage ihr, dass der Tank noch zu etwa einem Viertel voll ist. Sie lehnt sich über ihre Kasse, schaut das Auto prüfend an und sagt dann „60 Dollar!“. Das ist ein Wort, also bucht sie 60 Dollar ab, falls das zuviel sein sollte bekomme ich ggfs. etwas zurück. An der Zapfsäule stehe ich anschließend wieder einmal mehr als ratlos da. Wie war das noch gleich…

In Deutschland gibt es für jede Sorte Benzin eine eigene Zapfpistole, hier gibt es nur eine Zapfpistole für alle Sorten Benzin – verkehrte Welt… Ich stecke die Zapfpistole in den Tank und ziehe den Tankhebel hoch, aber nichts passiert, stattdessen piepst die Zapfsäule nur. Was muss ich tun? Oft steht im Display „Lift Lever“ – da muss man dann einen Hebel hochheben in dem die Zapfpistole normalerweise ruht. Aber hier ist kein Lever. Nach einer Gedenkminute habe ich es dann endlich geblickt. Es gibt pro Sorte Benzin einen Start-Knopf. Ich drücke auf „Regular“ und schon klappt es mit dem Benzin. Kurz bevor die 60 Dollar erreicht sind wird die Pumpe immer langsamer und stoppt exakt bei 60 Dollar – perfekt!

Als ich den Motor starte zeigt die Tanknadel ganz nach rechts – die alte Dame an der Kasse hat es echt drauf! Es geht weiter…

An der Zapfpistole war Benzin und jetzt riechen meine Finger ganz komisch danach, sehr unangenehm. Als ich schließlich den Eingang des Death Valley National Parks erreiche halte ich kurz am Parkplatz an und hoffe, dass es auf der Toilette etwas Wasser gibt, aber das ist eine Fehlanzeige. Als ich enttäuscht die Toilette gleich wieder verlasse steht jemand vor mir und fragt mich ob alles ok sei? Wir kommen ins Gespräch und tauschen schließlich unsere Visitenkarten aus. Die Amerikaner sind ein tolles Volk, ich fühle mich hier so gut aufgehoben, das glaubt man nicht…

Während ich mich der Talsohle des Death Valley Nationalparks nähere klettert das Thermometer von 25°C langsam aber sicher nach oben. Als ich Stovepipe Wells erreiche sind es schon 35°C. Etwas später fahre ich einen 5000 Fuß hohen Pass hinauf. Auf umgerechnet ca. 1.600 Metern sind es nur noch 22°C. Danach geht es wieder bergab und schon sind es wieder über 30°C. Die Klimaanlage in meinem Auto weiß gar nicht mehr was sie noch machen soll, aber es ist trotzdem im Auto ganz erträglich. Beim Panamint Springs Resort geht es wieder bergauf und die Temperatur fällt erneut. Weil die Straße so unglaublich schön ist, lasse ich über viele Kilometer meine GoPro mitlaufen. Diese Straße mit einer gut gemachten Harley fahren, das wäre echt was feines!!

Als ich in Lone Pine ankomme tun mir trotz allem doch die Beine und der Hintern weh. Also halte ich beim erstbesten Motel an, es ist ein Comfort Inn. Es gibt ein Zimmer zum Preis von 105,- $ und ein kleines Frühstück. Im Ort selbst gibt es preiswertere aber auch teurere Motels. Ich mag nicht lange suchen und für umgerechnet 75 Euro ist das schon ok. Billig wohnen kann ich in den kommenden Wochen immer noch, jetzt soll es einfach nur schnell gehen. Das Zimmer ist ganz nett, es gibt einen kleinen Balkon und einen schnellen Internet-Anschluß. Außerdem hängt ein sehr großer LCD-Fernseher an der Wand, es gibt eine Mikrowelle, Kaffeemaschine, Kühlschrank usw. Hier kann man es schon aushalten.

Nach einer Stunde habe ich meine Sachen fein säuberlich im gesamten Zimmer verteilt und wundere mich wie ich das immer wieder in so kurzer Zeit fertig bringe.

Es geht los zum Mobius Arch. Im Internet habe ich mehrere teilweise sehr schön bebilderte Wegbeschreibungen gefunden. Außerdem habe ich einige GPS Koordinaten und die gebe ich schnell in mein Garmin Colorado 300 ein. Mit den Koordinaten habe ich den Parkplatz auch schon nach etwa 20 Minuten gefunden. Weil es draußen schon wieder 31°C warm ist drehe ich aber noch eine kleine Orientierungsrunde.

Irgendwann so gegen 14h bin ich dann am Mobius Arch. Das Ding ist etwa zwei Meter hoch und sieht wirklich gut aus. Hätte man die Koordinaten nicht und gäbe es keinen ausgeschilderten Weg, man würde dieses kleine Schmuckstück wohl nicht so einfach finden. Am Arch treffe ich zwei Griechen die jetzt in Kalifornien leben. Wir machen viele Fotos und tauschen wieder unsere Visitenkarten aus. So macht es einfach sehr viel Spaß allein zu reisen. Egal wen man hier trifft, alle Leute sind wirklich nett, offen und stets zuvorkommend.

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Zurück im Motel probiere ich mal die Eismaschine aus und bin überrascht wie schnell die Eiswürfel heraus purzeln. Mit einem kleinen Eimer voller Eis bewaffnet kann ich meine lauwarme Dr. Pepper in Windeseile auf angenehm kühle Trinktemperatur herunter kühlen. Ach was tut das gut…

Als ich in meine E-Mails schaue geht der Run auf die Fotos der Milchstraße schon wieder weiter. Das macht echt Spaß und freut mich ganz arg, ist es doch die Bestätigung, dass sich diese Reise ein wenig ausgezahlt hat. In finanzieller Hinsicht natürlich nicht, nur ideell – versteht sich! Rein finanziell gesehen ist diese Reise das reine Desaster. Linienflüge hin und zurück für zwei Personen (Sandra kommt bald nach), Taxikosten, der irre teure Mietwagen, die Hotels, das Benzin, Eintritt hier und dort, Trinkgeld, so kommen in 4 Wochen annähernd 10.000 Euro zusammen. Wenn man noch einrechnet, dass man in der ganzen Zeit keinen Cent verdient, so wird einem ganz schnell ziemlich übel. Stellt man dieser Rechnung vielleicht 10 gelungene Fotos gegenüber, so hat rein rechnerisch jedes dieser Bilder irgendwas um die 2.000 Euro gekostet. Sehr traurig ist es dann, wenn man versucht solche Fotos heutzutage zu verkaufen. Hochwertig gedruckt und extrem edel eingerahmt kostet allein das Material im Format 60x90cm rund 350,- Euro. Doch selbst das ist heutzutage praktisch jedem Fotofreund zu teuer.

Wenn überhaupt, werden die meisten Fotos auf dem heimischen Drucker auf billiges Papier gedruckt und mit Heftzwecken an der Wand befestigt. Wer es mit Anspruch tut gönnt sich einen rahmenlosen Bilderhalter aus dem Baumarkt für 20,- Euro… Es sind harte Zeige um mit Fotografie Geld zu verdienen. Jeder der glaubt man könne von solchen Reisen leben oder gar seine Fotoausrüstung davon bezahlen ist komplett auf dem Holzweg. Schuld am Dilemma ist leider niemand so wirklich und doch wir alle zusammen. Geiz ist geil und das hat inzwischen die Hochzeitsfotografen dieser Welt ebenso erreicht wie alle jede die auf der Jagd nach dem ultimativen Landschaftsfoto um die halbe Welt reisen, Unsummen ausgeben und letztlich mit ein paar „Linkes“ und „Faves“ entlohnt werden…

Ok Freunde, genug geheult, ich muss von der Fotografie nicht leben und das ist auch gut so denn sonst wäre ich unglücklich und bettelarm 🙂

Heute werde ich mir Lone Pine noch mal etwas näher anschauen, dieser Ort ist wirklich niedlich. In der Nacht und am frühen Morgen gibt es dann einige „erst gemeinte“ Fotos des Mobius Arch. Danach wird im Hotel ausgeheckt und es geht weiter zum Mono Lake. Unterwegs in Bishop werde ich anhalten und schauen was ich gegen Mücken finde. Die beiden Griechen die ich heute getroffen habe wurde dort gestern komplett zerstochen und hatten sogar die Arme blutig. Das muss ja nicht sein und für ein paar „Faves“ und „Likes“ sowieso nicht 🙂

USA-2014 – Tag 2 – Unterwegs auf der Milchstrasse

Las Vegas to Overton

Nach meiner Ankunft in Overton bin ich wegen der unruhigen Nacht ziemlich müde. Nachdem ich den Artikel für meinen BLOG geschrieben habe geht es gleich ins Bett. Neben mir auf dem Nachttischchen liegt mein Telefon und dort tickt heimlich ein Wecker vor sich hin. In drei Stunden will ich aufstehen und zum Sonnenuntergang im Valley of Fire sein. Als sich der Wecker dann um 18h meldet geht aber eigentlich gar nichts. Nur mit Mühe schaffe ich es den kleinen Quälgeist abzustellen und drehe mich wieder herum. Als ich schließlich von allein wach werde sind mehr als fünf Stunden vergangen. Zwar habe ich den Sonnenuntergang verschlafen aber ich bin jetzt endlich mal ausgeruht und fühle mich gut. Ich schaue kurz in meine E-Mails und melde mich per Facebook Chat bei meiner Sandra. Wegen der Zeitverschiebung ist es in Deutschland kurz vor 9h und die meisten meiner Facebook-Freunde sitzen gerade mit einer Tasse Kaffee und lesen Zeitung oder die Updates bei Facebook & Co.

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Der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt teilweise hohe Temperaturen voraus. Bei 36°C mag ich nicht tagsüber in der prallen Sonne herumlaufen und fotografieren. Also muss ich entweder die Nächte abwarten oder in den kühleren Norden fahren.

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Kurz vor Mitternacht bin ich zum Abmarsch bereit. Meine Panasonic GH-3 und alle Objektive lasse ich im Motel. Bei dieser Kamera ist der Sensor relativ klein und bei ISO-6400 macht sich die Nikon D800E einfach besser. Wirklich viele Objektive nehme ich nicht mit und am Ende der Session werde ich feststellen, dass ich wieder einmal nur mit einem einzigen Objektiv fotografiert habe 🙂

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Durch die dunkle Nacht geht es zurück ins Valley of Fire. Der Weg ist nicht weit, die Straße gut ausgebaut und ich bin komplett allein. Am Elephant Rock fahre ich versehentlich vorbei. Es ist so stockfinster, dass ich den kleinen Parkplatz komplett übersehen habe. Als ich realisiere wo ich eigentlich bin, sehe ich auf der linken Seite schon das Hinweisschild zu den Beehives. Das sind uralte Felsformationen die ein wenig wie Bienenstöcke aussehen und daher ihren Namen haben.

Meinen großen SUV stelle ich auf dem Parkplatz ab und mache mich mit Stativ, Nikon D800E und AF-S 2,8/14-4mm Superweitwinkel an die Arbeit. Einen Kabelauslöser habe ich noch dabei und natürlich habe ich meine tolle neue Taschenlampe im Motel vergessen. Aber das ist nicht weiter schlimm, für mein HTC ONE habe ich einen dicken Zusatzakku und der hat so unglaublich viel Power, dass ich stundenlang mit der Taschenlampe des Telefons hantieren kann. Eigentlich vermisse ich meine „richtige“ Taschenlampe daher nicht so wirklich.

Gern möchte ich Fotos der Milchstraße aufnehmen, die Randbedingungen sind sehr gut. Es ist eine klare Nacht und vom Mond ist nichts zu sehen. Wo ist der heute eigentlich?? Neben dem Auto muss ich mich ein wenig an die Dunkelheit gewöhnen. Mit dem Kompass der in meine Armbanduhr eingebaut ist schaue ich wie die Himmelsrichtungen sind. Die Beleuchtung des Zifferblattes ist hier ganz hilfreich. Danach schaue ich mal via Smartphone und der APP Google Skymap wo denn eigentlich welche Planeten zu sehen sind.

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Meine Kamera stelle ich auf ISO HI-2, der Autofokus wird abgeschaltet, das Objektiv manuell auf „Unendlich“ fokussiert, die kürzeste Brennweite eingestellt und der Belichtungsmodus auf „M“ wie Manuell gestellt. Bei 8 Sekunden und Blende 2,8 kann ich so in kurzer Zeit ein paar Probeschüsse aufnehmen. Zwar sind die Bilder total verrauscht, aber ich will ja nur wissen ob der Bildausschnitt stimmt, denn durch den Sucher sieht man einfach gar nichts… Immer wenn mir der Ausschnitt gefällt stelle ich eine niedrigere ISO-Empfindlichkeit ein, meist ISO-1600. Bei Blende 2,8 oder 4 gelingen dann bei Belichtungszeiten von ca. 30 Sekunden ganz ordentliche Fotos. Teilweise stelle ich auch mal ISO-400 ein und belichte mittels Kabelauslöser mehrere Minuten lang. Aber die Ergebnisse gefallen mir nicht wirklich. Zwar ist das Bildrauschen jetzt sichtbar geringer, aber die Sterne haben nun soviel Bewegungsunschärfe, dass der Himmel aussieht als wäre er „verwackelt“.

Ich versuche auch mal eine Doppelbelichtung, aber wegen der langen Zeit die bei der Rauschunterdrückung drauf geht sieht man auf den Fotos anschließend jeden Stern genau 3x – das ist auch nix

Also versuche ich einen Kompromiss zwischen ISO-Rauschen, Blende und Bewegungsunschärfe zu finden. Letztlich werde ich die meisten Fotos bei Blende 2,8 zwischen 15 und 30 Sekunden lang belichten und durch Einstellen der ISO-Empfindlichkeit steuern wie „hell“ die Fotos letztlich werden.

An einer Stelle etwas unterhalb neben den Beehives ist ein recht großer Felds, dessen Höhe ich auf etwa 30 Meter schätzen würde. Hier gibt es einen fotogenen Spalt und im Hintergrund sieht man sehr schön die Milchstraße und den mit Licht verseuchten Himmel über Las Vegas. Diese Komposition gefällt mir sehr gut und nach einigen Versuchen gelingt dann ein sehr ansprechendes Foto.

Milkyway over Valley of Fire - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Damit die Felsen nicht nur schwarze Silhouetten sind, leuchte ich sie mit meinem Smartphone aus. Dabei ist die kleine APP „Taschenlampe“ ganz nützlich, weil sich hier die Helligkeit der eingebauten weißen Leuchtdiode in drei Stufen regeln läßt. Bei Belichtungszeiten von 30 bis 60 Sekunden beleuchte ich die Felsen etwa 10 Sekunden lang. Im Ergebnis ergibt sich so eine sehr schöne Mischung zwischen der Helligkeit der Milchstraße und der Helligkeit des Vordergrundes.

Hier habe ich noch ein Foto das etwas eher noch oben auf dem Parkplatz neben dem Auto entstanden ist. Hier gibt es keine tollen Felsen im Vordergrund, aber es gibt einen schönen farbigen Wolkenschleier. Wie schon die Designer die das Logo der „Deutsche Bank“ entworfen haben weiß auch ich, dass Linien die nach rechts oben aufstreben irgendwie besser aussehen als wenn sie „herunterfallen“. Daher habe ich das Foto gespiegelt, die Bildaussage gefällt mir damit sehr viel besser. Leider kann man die Milchstraße nicht einfach von der anderen Seite fotografieren, denn dazu müsste man unseren Planeten verlassen. Also halte ich dieses stilistische Mittel für legitim.

Milkyway over Valley of Fire #2

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere entferne ich mich Schritt um Schritt immer weiter von meinem Auto. „Wenn jetzt die Taschenlampe ausfällt bin ich aufgeschmissen“ geht es mir durch den Kopf. Aber dann fällt mir auf, dass auf den Bildern die Milchstraße plötzlich mehr und mehr verschwindet. Als nach einem „Testfoto“ vergesse die ISO-Empfindlichkeit wieder zu reduzieren habe ich plötzlich ein Foto das aussieht als wäre es in den frühen Morgenstunden aufgenommen. Und tatsächlich, es ist jetzt schon nach 5h und ich fotografiere jetzt schon rund 5 Stunden lang… Die Zeit verging echt schnell und wegen des lauen Windes und der lässigen 21°C war es auch nicht unangenehm. Lediglich feste Schuhe hätte ich anziehen sollen, so spüre ich nämlich jeden Stein unter den Füßen. Und so beschließe ich, morgen meine die Wanderschuhe anzuziehen.

Etwa 30 Minuten später kann ich die Konturen der umliegenden Felsen schon recht gut erkennen und der Weg zum Auto ist jetzt auch ohne Taschenlampe ganz einfach zu finden. Da der Himmel in den tollsten Farben zu leuchten beginnt, klebe ich schnell meine GoPro HD HERO 3+ von innen an die noch recht saubere Windschutzscheibe und mache mich auf den Rückweg. In 30 Minuten gibt es im Hotel schon Frühstück und irgendwie bin ich nun hungrig. Am Abzweig nach Overton kommt es mir dann in den Sinn schnell noch mal zum Overton Beach zu fahren. Dort hat man vielleicht einen tollen Blick über den Lake Mead und das könnte jetzt zum Sonnenaufgang wirklich schön aussehen. Aber als ich auf die Zubringerstraße abbiegen will ist sie leider geschlossen. Also geht es ohne weitere Umwege direkt zurück zum Hotel.

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Nachdem ich meine Sachen ins Zimmer getragen habe schaue ich mal was es zum Frühstück gibt. Es ist etwas mehr als im Comfort Inn in Las Vegas, aber mit dem besten Frühstück er Welt das ich fast 5 Jahre lang im Quartier 65 in Mainz genießen durfte, hat das wirklich nichts zu tun. Aber ein erstklassiges Gourmet-Frühstück wie im Quartier 65 darf man hier auch nicht erwarten. Also gibt es ein paar Cornflakes mit Milch, etwas Kaffee und einen Becher Orangensaft. Dazu backe ich mir mal eine frische Waffel, die verziert mit etwas Honig gar nicht schlecht schmeckt.

Die „verlorene Zeit der Nacht“ kann ich nun nachholen und am Nachmittag schauen wir mal es hier weitergeht.

Gute Nacht allerseits 🙂

 

Nikon D800 – Filmen mit der DSLR

In meinem letzten Artikel ging es häufig um den Unterschied bei der Hintergrund-Unschärfe (Bokeh) die sich mit den unterschiedlichen Objektiven erzielen lässt. Generell könnte man sagen, dass das Bokeh umso weicher und damit schöner wird wenn:

  • das Objektiv so lichtstark wie möglich ist
  • die Brennweite so deutlich länger als 35mm ist
  • der Blendenring so rund wie möglich ist
  • die Blende weit geöffnet ist
  • und das Motiv deutlich näher an der Kamera als am Hintergrund positioniert ist

Beachtet man diese Regeln, so lassen sich für Fotos und auch für Videos sehr malerische Effekte erzielen.

Gestern habe ich einige E-Mails bekommen in denen ich gebeten wurde Beispiele für ein schönes Bokeh zu zeigen. Ich war eine weile für Euch auf der Suche und habe letztlich bei Vimeo ein sehr gut gemachtes Video zu Thema „Bokeh“ gefunden. In diesem kurzen Video gibt es so ziemlich alles zu sehen was man unter „malerischer Unschärfe“ verstehen könnte. Es gibt gut gemachte Verlagerungen der Schärfe Ebene, tolles Licht, atemberaubendes Schattenspiel und last but not least einen schönen Soundtrack. Kurz um, es ist ein echter „Augenschmaus“ und ich wünsche Euch viel Spaß beim anschauen.

DESAMORES | DIRECTED BY MAGNOLIAS from We are Magnolia on Vimeo.

Für alle die jetzt gleich die Kamera zücken und die Freundin ans Klavier setzen wollen hier noch einige wichtige „Basistipps“. Im Video sieht man mehrfach ein tolles Spiel mit dem Gegenlicht. Schaut das Video zwei oder dreimal an und achtet darauf was dabei mit der Kamera passiert – nämlich NICHTS. Es ändert sich weder der Fokus noch die Belichtung. Allen Schnellmerkern ist jetzt schon klar warum das so ist. Alle die es noch nicht wissen schalten jetzt an ihrer DSLR alles ab was auch nur im Entferntesten nach Automatik riecht. Die Macher dieses Videos haben es sehr gut verstanden, nichts sieht nämlich blöder aus als wenn in einer malerischen Film-Sequenz plötzlich der Autofokus hin und her zappelt oder der Belichtungsmesser ständig nachregelt.

Hier einige „goldene Regeln“ für gelungene Videos mit Kameras wie der Nikon D800:

  • Autofokus abschalten
  • Belichtungsmodus auf „M“anuell
  • ISO-Automatik abschalten
  • Lichtstarke Objektive verwenden und diese maximal 1-2 Stufen abblenden
  • Belichtungszeiten wählen die möglichst das Doppelte der Bildfrequenz betragen. Also bei 25 Bildern/Sekunde 1/50s als Belichtungszeit wählen
  • Die korrekte Belichtung durch ISO-Empfindlichkeit und Graufilter einstellen
  • Ggfs. einen variablen Graufilter oder zwei Linear-Polfilter verwenden
  • Das Sucherbild „Live“ auf den Display verfolgen und dabei eine Display-Lupe benutzen
  • Die Kamera mit einen Stativ, einem Camera-Rig oder anderen Hilfsmitteln fixieren

Wer für sein Video ein echtes „Kinoerlebnis“ haben möchte, der kann das Video später vom Format 16:9 auf bspw. 2,35:1 beschneiden. Damit man beim Filmen eine Vorstellung davon hat wie das spätere Bildformat aussehen wird rate ich dazu, den späteren Ausschnitt mit einem Filzstift auf dem Display-Schutzglas zu markieren. Hier bietet sich ein Echtglas-Schutz für das Display an.

Als Sucherlupe verwende ich sehr gern die meiner Meinung nach überragende

Diese Display-Lupe hat ein verschließbares Okular, eine Dioptrien-Korrektur für Brillenträger, ist klappbar und passt mit dem zusätzlichen Bügel auch an eine Nikon D800 mit angesetztem Batteriegriff. Die Lupe passt ebenfalls sehr gut an der Panasonic GH-3 MIT Batteriegriff, Panasonic GX7, Panasonic GM1, Nikon 1, sowie der Nikon D7000/D7100.

Um die Kamera ruhig und entspannt halten zu können gibt es viele zum Teil extrem teurer Schulterstative. Mir gefällt dieses hier sehr gut:

Relativ brauchbare Ergebnisse habe ich bislang mit diesem variablen Graufilter erzielt. Allerdings verfälsch er die Farben sehr stark wenn er nahezu vollständig geschlossen ist. Alternativ kann man auch einfach zwei einfach Linear-Polfilter gegeneinander verschränken.

Für einen „malerischen Look“ der einer Kinoproduktion ähnelt sollte man die Kamera das Video nicht zu stark schärfen lassen und auch die Kontraste und Farben nicht zu stark einstellen. Je mehr Informationen im Ausgangsmaterial vorhanden sind, umso besser lässt sich daraus ein hochwertiges Video erstellen. Ist das Ziel also ein Look wie bei einem „richtigen“ Kinofilm rate ich dazu:

  • Fotomodus auf „Neutral“ stellen
  • Kontrast -2
  • Schärfe -2
  • Delithing: Normal

Beim Schnitt des Ausgangsmaterials könnte lässt sich so später der Kontrast erhöhen, oder die Farbintensität steigern. Ist das Ausgangsmaterial jedoch zu kontrastreich, so ist meist nicht mehr viel zu retten. Wenn das was man durch die Sucherlupe beim Filmen sieht also zunächst ein wenig blass aussieht ist das genau richtig und kein Grund an den Kameraeinstellungen etwas zu ändern. Auch lässt sich ein Video beim Schnitt sehr einfach nachschärfen. Hat das Ausgangsmaterial jedoch bereits Artefakte durch eine zu heftige Einstellung, so lassen sich diese im Nachhinein nicht mehr entfernen.

Die „Goldene Regel“ lautet also: WENIGER IST MEHR

Bei den Objektiven kommt es im Video-Bereich weniger auf perfekte Schärfe usw. an. Hier geht es vielmehr um die „Usability“, also die einfache Verwendung eines Objektives. Es ist eine gute Idee das Objektiv auch danach auszusuchen wie leicht und geschmeidig sich der Fokusring bewegen lässt. Für Videoaufnahmen eigenen sich folgende Objektive meiner Meinung nach sehr gut:

  • Nikkor AiS 2,8/18mm
  • Nikkor AiS 2,8/28mm
  • Nikkor AiS 2,0/35mm
  • Nikkor H 1,4/50mm
  • Nikkor AiS 1,4/5omm
  • Nikkor AiS 2,8/55mm
  • Nikkor AiS 2,0/85mm
  • Nikkor AiS 2,5/105mm
  • Nikkor AiS 2,8/135mm
  • Nikkor AiS 2,8/180mm ED
  • Nikkor AiS 2,8-3,5/35-70mm
  • Nikkor AiS 4/80-200mm

Wer keine AiS sondern Ai Objektive ohne „S“ bspw. bei eBay angeboten bekommt, kann hier mit ebenfalls mit gutem Gewissen zuschlagen. Die AiS Objektive sind meist baugleich mit dem Vorgänger ohne „S“. Das „S“ macht bei der Nutzung an der Nikon D800 usw. keinen Unterschied, es war nur eine Änderung am Bajonett der Objektive damit die Programmautomatik der Nikon FA besser funktioniert. Wer also nicht mit einer Nikon FA fotografiert für den macht es praktisch kaum einen Unterschied ob er ein Ai oder AiS Objektiv kauft. Wichtig ist grundsätzlich, dass die Objektive in gutem Zustand sind. Wem der Kauf bei einer Internet-Börse zu heikel ist, dem sei der Besuch des Bonner City-Foto-Centers angeraten. Wer in Köln wohnt sollte mal bei Foto Gregor oder Foto Lambertin vorbei schauen. Rund um Mainz und Frankfurt wird man bei Foto Oehling oft fündig wenn es um gebrauchte Objektive in gutem Zustand geht.

Wer für seine Videos einen eher dokumentarischen Ansatz hat und weniger auf einen Kino-Look anstrebt, dem würde ich raten an der Nikon D800 einfach das Kameraprofil „Standard“ einzustellen und das Delithing auf Automatik zu setzen. Ob man nun eine Bildfrequenz von 24, 25 oder 30 Bildern/Sekunde wählt ist jedem selbst überlassen. Ich filme meist mit 25 B/s und kombiniere dies auch gern mit 50B/s aus anderen Kameras wie bspw. meiner Panasonic HC-X909.

Für Zeitlupeneffekte sollte man die schnellste Bildfrequenz wählen die an der Kamera eingestellt werden kann.

Nachbearbeitung

Hier habe ich noch ein sehr gutes Tutorial in dem erklärt wird wie man mehrere Video-Spuren mit Final Cut Pro X zu einem Multicam-Clip zusammenfasst und dabei noch ein Boom-Mic, also ein „Hauptmikrofon“ passend synchronisiert:

 

Zum Thema „Color Correction“ kann ich dieses Video mit gutem Gewissen empfehlen:

 

Fazit

Moderne Kameras sind ein Segen für alle die ihrer Kreativität freien Lauf lassen wollen und denen in Zeiten von Super 8 und VHS-Video die Nachbearbeitung zu kompliziert und die Ergebnisse zu schlecht waren. Mit Kameras wie der Nikon D800 lassen sich Videos produzieren die von professionellen Produktionen nicht zu unterscheiden sind. Der Grund ist ganz einfach, die Profil nutzen diese Kameras ebenfalls 🙂

Doch bereits mit kleinen preiswerten Kameras wie der Nikon 1 oder der Panasonic GM1 lassen sich Videos in einer Qualität erstellen die man vor ein paar Jahren noch als „Atemberaubend“ bezeichnet hätte.

Das Jahr 2014 markiert also die „Goldene Zeiten für alle Kreativen“. Ich wünsche ein schönes Osterfest und wie immer „Gut Licht“.

 

 

Nikon D800 – Die besten Objektive

In den letzten Wochen bekomme ich ständig E-Mails von YouTube-Zuschauern, Facebook-Freunden und Lesern dieses BLOGs in denen ich gefragt werde welches Objektiv ich für diese oder jene Kamera empfehlen würde. Es kostet viel Zeit all diese Fragen persönlich zu beantworten und daher möchte ich heute mal alles zusammenfassen was ich zum Thema Objektive für die Nikon D800 und andere Nikon Kameras zu sagen habe.

Wer keine Lust auf lange Absätze hat, der könnte sich zunächst dieses Video anschauen. Danach sollte man wissen wo der Unterschied zwischen Ai und AiS ist und welches die wesentlichen Kriterien für Einschätzung eines Objektives sind.

Nachdem ich dieses Video online gestellt habe gab es noch viele Fragen in denen es um den Unterschied zwischen AF, AF-D, AF-S usw. ging. Dazu habe ich auch ein Video erstellt. Außerdem habe ich in diesem Video ganz kurz ein Shift & Tilt Objektiv vorgestellt.

Wer jetzt noch nicht weiß welches Objektiv für Ihn und seine Vollformatkamera perfekt ist, habe ich hier mein Unboxing-Video das ich am Tag aufgenommen habe, als meine Nikon D800E endlich lieferbar war. Hier sieht man eine ganze Reihe von Objektiven die zum Teil schon recht alt sind. Zusammenfassend kann ich nach einigen Monaten mit der D800E sagen, dass man alle Ai und AiS Objektive sehr gut an der Nikon D800 oder auch D800E benutzen kann. Es gibt halt keinen Autofokus und bei offener Blende können sie zumeist den Chip der D800 nicht mehr vollständig ausreizen. Blendet man diese Objektive allerdings um 2-3 Blendenstufen ab, so sind sie in der Regel perfekt was die reine Auflösung anbetrifft. Die neueren Objektive haben bezüglich der Vergütung usw. trotzdem häufig die Nase vorn. So liefern teure moderne Profiobjektive meist Bilder mit höherem Kontrast, sind farbneutraler, verzeichnen etwas weniger und haben zumeist einen Autofokus der auf einem Ultraschallmotor basiert – also AF-S (Silent Wave).

Für alle die entweder keine Lust haben die langen Videos anschauen oder sich immer noch unschlüssig sind habe ich hier eine Liste meiner Empfehlungen für Nikon FX-Kameras wie die Nikon D800 zusammengestellt.

Objektivauswahl - Nikon D800E - Lens Suggestions

Standardbrennweiten

An einer FX Kamera entspricht ein Objektiv mit 50mm Brennweite etwa dem natürlichen Sichtfeld des menschlichen Auges. Daher wurden früher praktisch alle Kamera mit einem 50mm Objektiv verkauft. Was heutzutage häufig als „Kit-Linse“ oder „Scherbe“ schlechtgeredet wird, war vor 50 Jahren schlicht und ergreifend ein „Normalobjektiv“.

Nikkor AF-D 1,8/50mm

Ein extrem billiges kleines leichtes Normalobjektiv ohne eingebauten Autofokus-Motor. Es wird in China produziert und man bekommt es neu schon für rund 100 Euro. Wer wenig Geld hat, bekommt hier ein Objektiv mit sehr guten Abbildungseigenschaften, das auch an DX-Kameras ab der D7000-er Serie gute Arbeit leistet. An der D3xxx und D5xxx ist es weniger optimal, weil diese Kameras keinen eigenen Autofokus-Motor haben.

Nikkor AF-S 1,8/50mm

Etwas teurer größer und schwerer ist das AF-S 1,8/50mm. Dieses Objektiv hat einen Silent-Wave Motor (Ultraschall-Motor) für den Autofokus und funktioniert somit auch sehr gut an allen D3000, D3100, D3200, D5000, D5100, D5200, D5300 usw.

Nikkor AF-S 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist ein wenig lichtstärker und kostet schon rund 350,- Euro. Durch die hohe Lichtstärke gelingen damit Fotos bei wenig Licht meist etwas besser, weil im absoluten Grenzbereich der Autofokus noch etwas besser funktioniert als bei der 1,8er Variante. Außerdem ist die Hintergrundunschärfe etwas stärker ausgeprägt. Dieses Objektiv eignet sich damit extrem gut für alle die gern Videos aufnehmen und einzelne Objekte mit weit geöffneter Blende freistellen wollen.

Hier habe ich ein Beispielfoto, das vor einer Weile auf einem Weinfest entstanden ist. In diesen Situationen wird man das AF-S 1,4/50mm lieben. Man beachte auch das schöne weiche Bokeh!

Nikon D800E - Available Light - AF-S 1.4/50mm

Nikkor AiS 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist schon etwas älter, liefert aber annähernd die gleiche Bildqualität wie das moderne AF-S Pendant. Meiner Meinung nach ist es besser für Video-Filmer geeignet, weil der Fokusring herrlich butterweich läuft, einen festen Endanschlag für „Unendlich“ hat und zugleich eine feinere manuelle Fokussierung erlaubt.

Nikkor H 1,4/50mm

Eines der ältesten lichtstarken Objektive aus dem Hause Nikon. Man kann es sehr leicht selbst auf Ai umbauen und damit liefert es gute Dienste für alle Videofilmer und Fotofreaks die Bilder mit einem etwas altmodischen Touch haben wollen. Die Konstruktion ist mehr als 50 Jahre alt, damit ist der Kontrast geringer, es gibt stärkere Lens-Flares usw. Im direkten Vergleich zum AF-S 1,4/50mm sind diese Nachteile deutlich sichtbar. Für Portraits bei Gegenlicht usw. ist es dennoch ein sehr cooles Objektiv, gerade wegen dieser Fehler die den Fotos einen eigenen Touch verleihen können.

Weitwinkelobjektive

Nikkor AiS 2,8/28mm

Wirklich schlechte Objektive hat man bei Nikon nie gebaut und es gab sogar einige Objektive trotz allem aus der Menge der teils hervorragenden Objektive herausgeragt haben. Eines dieser Objektive ist das AiS 2,8/28mm. Mit diesem Objektiv macht man nichts falsch wenn es um eine sehr hochkarätige universell einsetzbare Weitwinkel-Brennweite geht. Ich schätze dieses Objektiv über alle Maßen und kann es jedem empfehlen der ein extrem solide gebautes Weitwinkel mit perfekten Abbildungseigenschaften sucht. Ähnlich gut ist übrigens auch das Nikkor AiS 2,8/24mm. Beide Objektive sind perfekt für alle Video-Filmer geeignet weil der Fokusring wie bei allen manuell fokussierbaren Nikon-Objektiven wunderbar weich läuft. Statt viel Geld für ein ebenfalls manuell fokussiertes ZEISS Objektiv auszugeben, kann man auch einfach versuchen bei eBay & Co ein AiS 2,8/28mm für etwa 150 Euro abzustauben.

Nikkor AF-S 2,8/14-24mm

Dieses Objektiv ist ein großes teures Profiobjektiv und der Listenpreis liegt bei ca. 1500 Euro. Es ist perfekt gegen Staub und Umwelteinflüsse abgedichtet, die Abbildungsqualität ist exzellent, Konstrast, Schärfe liegen auf sehr hohem Nivea. Die Verzeichnung ist gering und zugleich so linear, dass man sie sehr einfach mit Nikon Capture, Lightroom oder Photoshop korrigieren kann. Ein Nachteil ist, dass bedingt durch die weit vor gewölbte Frontlinse keine normalen Filter verwendet werden können.

Nikkor AF-S VR 4/16-35mm

Nikon D800E - Nikon AF-S VR 4/16-35mm

Diese Objektiv ist etwa 500 Euro preiswerter als das 2,8/14-24mm. Es ist ähnlich hochwertig gebaut und liefert bereits bei offener Blende brauchbare Fotos. Der eingebaute Bildstabilisator macht die fehlende Blendenstufe zum AF-S 2,8/14-24mm mehr als wett. Das 77mm Filtergewinde steht fest und man kann damit nach der Fokussierung bspw. einen Infrarotfilter aufschrauben OHNE die Fokussierung versehentlich zu verändern. Verwendet man Slim-Line-Filter, so ist auch bei 16mm Brennweite keine Abschattung der Bildecken erkennbar. Bei „normalen“ Filtern werden die äußersten Ecken etwas abgedunkelt. Hier sollte man sich also auf ca. 18mm beschränken oder die leichte Vignettierung mit Photoshop & Co. nachträglich entfernen.

Hier ein Beispiel für ein Infrarotfoto das mit einem HOYA IR72 und der Nikon D800E aufgenommen habe.

Nikon D800E - Beispielfoto mit Infrarot-Filter HAMA IR-72

Nikkor AF-D 2,8/24mm

Ein kleines gut gemachtes Weitwinkel mit 52mm Filtergewinde das in fast jeder Hosentasche Platz hat ist das 2,8/24mm. Schaltet man den Autofokus na der Kamera aus, kann man dieses Objektiv ähnlich gut manuell fokussieren wie die älteren Pendants ohne Autofokus. Die Bildqualität ist mehr als brauchbar und es eignet sich recht gut für alle Video-Filmer.

SAMYANG 2,8/14mm

Nikon D800E mit SAMYANG 2.8/15mm

Dieses Objektiv gibt es mit und ohne CPU. Ich habe mich damals für die Version ohne CPU entschieden, würde aber eher die etwas teurere Version mit CPU empfehlen. Durch die eingebaute CPU können die Kameras die eingestellte Blende und die Brennweite des Objektives ohne Umwege direkt in den EXIF-Daten der Fotos speichern, was manchmal sehr praktisch ist. Die Verzeichnung dieses Objektives ist nicht linear und nur schwer zu entfernen. Damit wird es allen Architekturfotografen Kopfschmerzen bereiten. Auch ist es bei Gegenlicht nicht wirklich perfekt, aber angesichts des niedrigen Preises von nur ca. 300 Euro ist es eine sehr gute Alternative zum extrem teuren AF-S 2,8/14-24mm. Vom gesparten Geld kann man sich dann ein AF-S VR 4/16-35 und ein AF-S 1,8/50mm leisten…

Hier habe ich ein Foto das ich mit dem SAMYANG und meiner Nikon D700 vor einigen Monaten aufgenommen habe. Ich denke, an der Bildqualität gibt es nichts zu meckern, oder?

Nikon D700 & Samyang 2.8/14mm

Teleobjektive

Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm

Dieses Objektiv ist eines meiner liebsten Objektive überhaupt. Inzwischen gibt es eine neuere Version, die auch am äußersten Rand noch komplett scharf abbildet. Allerdings ist der kürzeste Aufnahmeabstand mit der neueren Version deutlich länger, so dass ich die ältere Variante besonders für Portraits bevorzuge. Das Objektiv funktioniert sehr gut mit Tele-Konvertern. Es ist kompatibel mit TC14, TC17 und TC20 Modellen. Verwendet man den TC-20 Tele-Konverter, so hat man ein 140-400mm Teleobjektiv mit Blende 5,6. Damit funktioniert der Autofokus noch sehr gut und das Objektiv eignet sich damit sowohl für die Tierfotografie als auch für schöne Portraits.

Hier habe ich ein Beispiel das schon etwas älter ist. Aber man sieht, dass dieses Objektiv selbst bei Blende 5,6 noch eine sehr schöne Hintergrundunschärfe liefert und das eigentliche Motiv perfekt scharf abzubilden vermag.

Nikon AF-S VR 2.8/70-200 - Example

Wer sich für dieses Objektiv interessiert muss mit einem Preis von ca. 1900 Euro rechnen. Die ältere Version bekommt man in gutem Zustand auf dem Gebrauchtmarkt für ca. 1000 Euro. Eine preiswerte Alternative ist ggfs. das neue AF-S VR 4/70-200mm. Hier habt man aber ein weniger schönes Bokeh und Tele-Konverter können nur eingeschränkt genutzt werden.

Nikkor AF-S VR 4/200-400mm

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 4/200-400mm

Der Hammer für die Tierfotografie ist das leider sehr große und schwere AF-S VR 4/200-400mm. Dieses Objektiv mutiert wegen des DX-Crop-Faktors an einer Nikon D7100 zu einem 300-600mm Telezoom mit sehr akzeptabler Lichtstärke. Es ist mein Tipp für alle Tierfotografen die ca. 6.500 Euro für ein Teleobjektiv ausgeben können. Im Vergleich zu den ähnlich teuren Festbrennweiten hat man hier deutlich mehr Flexibilität. In Verbindung mit einem TC-20 Tele-Konverter wird aus dieser Liste an einer Nikon D7100 ein 600-1.200mm Superteleobjektiv mit Blende 8. Damit funktioniert bei gutem Licht der Autofokus noch recht zuverlässig. Es gibt nur wenige Objektive die in der Tierfotografie oder auch Ansitzfotografie ähnlich gute Dienste leisten. Hier habe ich ein kleines Beispielvideo das ich vor einer ganzen Weile mit dem AF-S VR 4/200-400mm und einem Nikon TC-17E II in Verbindung mit einer Nikon D7000 aufgenommen habe. Leider hatte ich meine sehr coole „Affenschaukel“ damals noch nicht, so dass die Kamerabewegungen etwas „hakelig“ sind. Mit der neuen Benro „Affenschaukel“ gelingt das jetzt deutlich flüssiger. Und das Argument für den Kauf dieser nicht ganz preiswerten Alternative zu einem Kugelkopf war letztlich dieses Video.

Wer über den Kauf eines solchen Objetkivs nachdenkt, sollte also auch die Folgekosten beachten! Ich verwende dieses Objektiv heute ausschließlich mit einem stabilen BENRO M3204 Carbon Stativ und der oben gezeigten „Affenschaukel“ die ebenfalls von BENRO stammt. Diese Kombination kostet etwa 800 Euro, man muss ich also gut überlegen ob man zum einen soviel Geld ausgeben will und zum anderen das exorbitante Gewicht dieses kleinen Monsters „ertragen“ will.

Nikkor AF-S VR 4,5-5,6/80-400mm

Lange Zeit war das einige halbwegs preiswerte lange Telezoom aus dem Hause Nikon das AF-D VR 80-400mm. Bedingt durch die etwas ältere Konstruktion hatte dieses Objektiv noch keinen AF-S. Daher wird für den Autofokus eine Kamera mit eingebauten Autofokus-Motor benötigt. Vielfach wurde der dadurch etwas langsame Autofokus bemängelt. Seit einigen Monaten ist nun der Nachfolger mit eingebautem schnellem Ultraschall-Motor lieferbar. Die neue Version ist halbwegs bezahlbar und liegt bei etwa 2.400 Euro. Bedingt durch die relativ geringe Lichtstärke sollte man es nicht mit Tele-Konvertern verwenden. Beispielsweise den Kenko 1,4-fach Konverter könnte man noch benutzen, bei längeren Konvertern liegt die verbleibende Lichtstärke jenseits von Blende 8, so dass bei schwachem Licht der Autofokus nicht mehr zuverlässig funktionieren wird. Ein großer Vorteil dieses Objektivs sind das relativ geringe Gewicht und die recht kompakten Abmessungen.

Nikkor AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm

Nikon D800E & Nikon AF-D VR 80-400mm

Hier habe ich ein Beispiel, das ich vor 7 Jahren mit dem damals brandneuen AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm und meiner damals ebenfalls brandneuen Nikon D2x aufgenommen habe. Schaut das Foto mal in „Original-Größe“ an und Ihr werdet sehen, dass man auch mit dem alten Objektiv durchaus gute Fotos machen kann. Wer also wenig Geld hat und ein kompaktes brauchbares Telezoom sucht, der ist meiner Meinung nach mit dem recht alten 80-400mm immer noch recht gut beraten.

BUSSARD - Nikon D2x & AF-D VR 80-400mm

Midrange Zoomobjektive

Nikkor AF-S 2,8/24-70mm

Der Klassiker unter den professionellen „Immer-Drauf“ Linsen ist das AF-S 2,8/24-70mm. In den nächsten Monaten erwarte ich eine neuere Version mit eingebauten VR-Bildstabilisator. Dann dürften die Preise für die erste Version fallen. In den letzten Monaten war es schon im Rahmen einer Cash-Back Aktion mit einem Rabatt von 200 Euro lieferbar. Dieses Objektiv kann eigentlich alles und ich mag es sehr gern. Allerdings hat einer meiner Fotofreunde in den letzten Monaten viel Stress mit seiner Version gehabt. Der Zoom-Ring lief nicht gleichmäßig weich und hat manchmal etwas gehakt. Das Objektiv wurde mehrfach umgetauscht aber alle Ersatzgeräte hatten das gleiche Problem. Erst ein Besuch beim Nikon-Service in Düsseldorf konnte das Problem dauerhaft lösen. Hier sollte man also gut überlegen wo man dieses Objektiv ggfs. kauft. Meine Version war vom ersten Tag an tadellos. ich benutze dieses Objektiv sehr gern, allerdings sind Baugröße und Gewicht beachtlich. Wenn es auf jedes Gramm ankommt, packe ich lieber das extrem billige AF-G 28-80mm ein…

Hier habe ich ein Beispiel das vor einigen Tagen mit der Nikon D800E und dem AF-S 2,8/24-70mm in Frankfurt entstanden ist.

Frankfurt Downtown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Nikkor AF-S 2,8/28-70mm

In den Zeiten in denen die Nikon F5 noch ein superheißes Eisen war, nutzen viele Profis das AF-S 2,8/28-70mm. Dieses war das erste Objektiv mit einem eingebauten Ultraschall-Motor für den Autofokus. Es hat noch einen Blenden-Ring, ist also kein G-Typ und funktioniert sogar an der Nikon F4 vollständig! Das dieses Objektiv noch aus der analogen Welt stammt, ist die Auflösung bei offener Blende nicht wirklich großartig. Aber bei Blende 8 ist es sehr brauchbar und dem neueren AF-S 2,8/24-70 fast ebenbürtig. Aktuell wird es bei eBay & Co für ca. 500 Euro gehandelt. Wer sich die aktuelle teure Version nicht leisten kann, ist also ggfs. mit dem etwas älteren Pendant recht gut bedient.

Nikkor AiS 2,8-3,5/35-70mm

Dieses Objektiv war das erste Profi-Zoom aus dem Hause Nikon. Es ist kompakt, extrem robust und liefert trotz des hohen Alters auch an einer Nikon D800E erstaunlich gute Bildergebnisse. Es eignet sich ebenfalls sehr gut für Video-Filmer weil Zoom und Fokus im Idealfall wirklich butterweich laufen und einen großen Einstellweg haben.

Nikkor AF-G 3,3-5,6/28-80mm

Es fühlt sich an wie die letzte Plastikgurke, es ist leicht, klapprig und extrem billig, aber es liefert trotzdem gute Fotos! Wer ein extrem leichtes Midrange-Zoom für seine FX-Nikon sucht, der liegt mit diesem Ding genau richtig.

Nikon D700 mit Nikkor AF 28-80G

In diesem Artikel findet ihr weitere Infos zu diesem Objektiv.

Makro-Objektive

Nikkor AiS 2,8/55mm

Dieses Objektiv ist der absolute Klassiker unter den „kurzen“ Nikon Makro-Objektiven. Es wurde bis vor kurzem noch hergestellt und die Bildqualität ist über alle Zweifel erhaben. In diesem Artikel findet Ihr einige Testfotos in voller Auflösung, die ich mit dem AiS 2,8/55mm und der Nikon D800E aufgenommen habe. Der Filterdurchmesser beträgt 52mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:2.

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikkor AF-D 2,8/60mm

Etwas moderner und robust wie ein Panzer ist das AF-D 2,8/60mm. Wer etwas Geld sparen möchte, der kann ggfs. auch den Vorgänger ohne „D“ kaufen. Die Bildqualität ist identisch. Das „D“ steht für „Distance“ und ermöglicht etwas bessere Fotos in Verbindung mit entsprechenden Blitzgeräten. In der Macro-Fotografie ist das aber nicht unbedingt erforderlich. Der Filterdurchmesser beträgt 62mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:1. Das 60er Macro ist ein absoluter Klassiker und eignet sich an DX Kameras wie bspw. der Nikon D7100 auch sehr gut für Portraits im Studio. Die Hintergrundunschärfe ist nicht so schön wie bei einem speziellen Portraitobjektiv, aber bei fast vollständig geöffneter Blende immer noch ganz brauchbar.

Nikkor AF-D 2,8/105mm

Dies ist der „Große Bruder“ des 60er Makro-Objektives. Die Bildqualität ist auf gleichem Niveau und wegen der längeren Brennweite kann man es bei offener Blende auch mal für Portraits verwenden. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt auch hier 1:1, das Filtergewinde hat 52mm. Auch hier gab es eine Variante ohne „D“ die genauso gut funktioniert und ggfs. ein paar Euro billiger ist.

Nikkor AF-S VR 2,8/105mm

Das aktuelle Micro-Nikkor hat deutlich mehr Linsen, ist größer, schwerer, teurer und liefert letztlich keine anderen Ergebnisse als das AF-D 2,8/105mm. Im Makro-Bereich ist der Bildstabilisator überflüssig, ich würde eher zum etwas älteren Modell raten und vom gesparten Geld ein paar Zwischenringe usw. kaufen. Auch dieses Objektiv kann man notfalls sehr gut für Portraits verwenden!

Sigma EX-DG 2,8/105mm Macro

Dieses Objektiv ist ein Klassiker und auf dem Gebrauchtmarkt recht preiswert zu haben. Die optischen Eigenschaften sind exquisit, es steht dem Nikon AF-D 2,8/105mm in nichts nach. Allerdings ist die mechanische Qualität nicht so hochwertig wie beim Pendant von Nikon. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1:1, zum Lieferumfang gehört eine sehr stabile Gegenlichtblende aus Metall. Aufgrund des geringen Gewichts und der kompakten Abmessungen zählt dieses Objektiv zu meinen absoluten Favoriten. Es gibt etwas ältere Versionen ohne „DG“. Dieses Objektive sind ebenfalls sehr gut, der Unterschied ist eine zusätzliche speziell vergütete „Rücklinse“ bei den neueren „DG“ Modellen. Diese Vergütung soll Spiegelungen des Sensors in der rückwärtigen Linse verhindern.

Es ist eine neuere Version mit eingebautem Ultraschallmotor für den Autofokus lieferbar. Ich bevorzuge jedoch die etwas ältere Variante weil sie deutlich leichter ist und man in der „echten Makro-Fotografie“ keinen AF-S benötigt. Wer mit diesem Objektiv ggfs. Portraits fotografieren möchte, der liegt mit der neuen Version allerdings goldrichtig!

Sigma EX-DG 3,5/180mm Macro

Besonders wenn man in der freien Wildbahn versucht Spinnen und anderes Getier groß abzubilden leisten etwas längere Macro-Objektive sehr gute Dienste. Das 180er Makro-Objektiv aus dem Hause Sigma verwende ich auch sehr gern in Verbindung mit dem 1,4-fach Teleconverter den Sigma passend anbietet. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1.1 und kann durch Verwendung des Teleconverters bei gleichem Abstand zum Motiv um den Faktor 1,4 gesteigert werden. In den EXIF-Daten wird dieses Objektiv witziger Weise mit 185mm Brennweite aufgeführt.

Sigma-180

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich vor ein paar Jahren mit meiner Nikon D2x und diesem Objektiv aufgenommen habe.

Nikon-D2x-Sigma-180mm-Butterfly

Man beachte die schöne Hintergrundunschärfe! Wer genug Abstand zu seinen Models einnehmen kann, der hat mit dem Sigma EX DG 3,5/180mm auch eine schöne Portraitbrennweite.

Nikkor AF-S 2,8/40mm

Dieses Objektiv ist eigentlich für das kleinere DX Format gerechnet. Allerdings leuchtet es in Verbindung mit Zwischenringen auch das komplette FX-Format aus. Die Abbildungsqualität ist exzellent und an einer Nikon FX-Kamera ist es ein schönes „Normal-Objektiv“ mit geringster Verzeichnung und überragender Abbildungsqualität.

Portrait-Objektive

Nikkor AF-D 1,4/85mm

Der „King of Bokeh“ ist nach wie vor das Nikon AF-D 1,4/85mm. Dieses Objektiv ermöglicht selbst bei Blende 5,6 noch ein außergewöhnlich gute Freistellung von Personen in der Portraitfotografie. Außergewöhnliche Schärfeleistung darf man sich von diesem Objektiv nicht erwarten, seine Stärke ist eher die dezente Unschärfe im Vorder- und Hintergrund. Sein Motiv positioniert man irgendwo dazwischen und erhält wie von Geisterhand Portraits die einen gewissen „malerischen Look“ haben. Weichzeichner und andere Hilfsmittel braucht man bei diesem Objektiv eigentlich nicht. Auch für Video-Filmer eignet es sich sehr gut, weil man mit dieser Linse extrem gekonnt mit der Verlagerung der Schärfeebene spielen kann.

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich im Jahr 2006 mit meiner Nikon F3 und dem AF-D 1,4/85mm und einem AGFA Film mit ISO-200 aufgenommen habe. Man beachte hier besonders den Schärfeverlauf. Die Hand mit der Maus ist unscharf und die Kalender hinten an der Wand kann man auch nur erahnen. Das Gesicht meines Freundes Richard ist hingegen perfekt scharf abgebildet. Diesen Bildeindruck bekommt man nur mit dem 1,4/85mm hin.

F3_AF_D_1.4_85mm_thumb.jpg

Und so sieht dieses Objektiv aus. Die Linsen sind riesig und die Verarbeitung exquisit. Das Filtergewinde beträgt 77mm, man kann locker einen 8x Graufilter aufsetzen und wegen der hohen Lichtstärke hat man immer noch ein helles Sucherbild. Besonders in Verbindung mit einem Graufilter ermöglicht dieses Objektiv große Blendenöffnungen bei hellem Licht und mäßig kurzen Belichtungszeiten. So kann man auch Outdoor mit Blitzsystemen arbeiten. Will man Blitzen, so darf die kürzeste Blitzsynchronzeit nicht unterschritten werden. Bei einer Nikon D800 kann man zudem die ISO-Empfindlichkeit auf ISO-50 absenken. Das sind die besten Voraussetzungen für schöne Portraits unter freiem Himmel, so kann man bei ISO-50, 1/250s in Verbindung mit einem Graufilter mit Blende 2,0 perfekte Portraits mit guter Schärfe in den Gesichtern und perfekter Unschärfe im Vorder- und Hintergrund erzielen.

Nikon-AF-D-14-85mm

Nikkor AF-S 1,4/85mm

Dies ist die neuere Version des zuvor beschriebenen Objektivs. Der optische Aufbau wurde etwas modifiziert und für die schnelle und leise Fokussierung gibt es jetzt einen Ultraschall-Motor im Objektiv. Die Abbildungsqualität ist sehr ähnlich. Wer sich die neuere Version leisten kann, der kann sie mit gutem Gewissen kaufen.

Nikkor AF-D 1,8/85mm

Die 1,8er Version unterscheidet sich massiv vom 1,4/85mm. Der Neupreis betrug damals weniger als die Hälfte und Nikon hat beim, 1,8er viel Kunststoff verwendet. Der Bildqualität tut dies aber keinen Abbruch, lediglich das Bokeh ist nicht ganz so weich wie bei der deutlich teureren, größeren und schwereren 1,4er Variante. Wer ein brauchbares Portrait-Objektiv sucht und wenig Geld hat, für den ist das AF-D 1,8/85mm genau richtig.

Nikkor AF-S 1,8/85mm

Das gleiche gilt auch für die neuere Version mit AF-S Aufofokus. Auch hier spart man eine Menge Geld, aber der Look der Fotos ist auch deutlich anders. Wer sich das 1,4er nicht leisten kann und wem der Autofokus des AF-D 1,8 zu laut und zu langsam ist, der kann mit gutem Gewissen zum AF-S 1,8/85mm greifen.

Mein Favorit unter den Portrait-Objektiven ist allerdings nach wie vor das AF-D 1,4/85mm.

Nikkor AF DC 2,0/105mm

Eine Sonderstellung unter den speziellen Portrait Objektiven nimmt das DC 2,0/105mm ein. Der Clou an diesem Objektiv ist der spezielle „Defocus-Image-Control“ Mechanismus. Damit kann man die Unschärfe im Hintergrund gezielt steigern und erhält einen Look den auch das AF-D 1,4/85mm nicht bieten kann. Dieses Objektiv ist allerdings sehr speziell und es benötigt für den Autofokus eine Kamera mit eingebautem AF-Motor. Der Blendenkreis ist fast perfekt gerundet und das Objektiv hat eine eingebaute Gegenlichtblende. Der Preis liegt bei etwa 1.000 Euro und dieses Objektiv ist etwas für echte Spezialisten unter den Hochzeitsfotografen.

Zusammenfassung

Das waren jetzt meine Tipps wenn es um Objektive für das Nikon FX-Format geht. Die Liste ist längst nicht vollständig und man könnte sie mit weiteren Objektiven bspw. von ZEISS weiter anreichern. Aber ich besitze keine ZEISS Objektive weil für das wenige was sie mehr können als die Nikon Objektive nicht bereit bin einen exorbitanten Zuschlag zu bezahlen. Außerdem kommen die ZEISS Objektive für das Nikon-F Bajonett derzeit ohne Autofokus daher, es sind also eher Objektive für zahlungskräftige Enthusiasten.

Objektive von Tamron fehlen in dieser Liste völlig. Dies liegt an meinem gespannten Verhältnis zu dieser Marke. Alles was ich bislang aus dem Hause Tamron hatte, habe ich schnell wieder bei eBay verkauft weil mir die Objektive nicht gefallen haben. Es gibt durchaus auch gute Tamron-Linsen, aber warum soll ich dafür Geld ausgeben wenn ich das „Original“ von Nikon habe?

Sehr brauchbare hochwertig verarbeitete Objektive gibt es auch von Tokina. Ich habe beispielsweise das AT-X Pro 2,6-2,8/28-70mm, eine wirklich hochwertige Linse! Aber ich benutze sie praktisch gar nicht mehr seit ich das Nikkor AF-S 2,8/24-70mm besitze.

Alles in allem ist das Angebot wirklich guter Objektive für das Nikon-F Bajonett fast unüberschaubar. Man könnte ein echtes Vermögen dafür ausgeben und hätte noch immer nicht alles was das Herz begehrt.

Müsste ich eine Empfehlung für eine sinnvolle Objektivauswahl für die Nikon D800 abgeben, dann sähe sie wie folgt aus:

  • Nikkor AF-S 1,4/50mm (Damit starten wir nach dem Kauf der Kamera)
  • Nikkor AF-S 2,8/24-70mm (Das ist das 2. Objektiv das ich kaufen würde)
  • Nikkor AF-S VR 4/16-35mm (Mir liegt der weite Winkel mehr als das Tele, das wäre #3)
  • Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm V1 (Toll für Tiere und Portraits, meine #4)
  • Nikkor TC17E-II (DER Tele-Konverter zum 70-200)
  • SAMYANG 2,8/14mm (DIE preiswerte Erweiterung zum 16-34mm)
  • Sigma EX DG 2,8/105mm (Das ist „mein“ Makro!)
  • Nikkor AF-D 1,4/85mm (Wenn Portrait, dann diese Linse!)
  • Sigma EX DG 3,5/180mm (Ich würde mit dem 105er starten und später ggfs. zum 180er aufsteigen)
  • Sigma 1,4-fach Tele-Konverter (Tolle Erweiterung zum 180er Makro)

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