USA-2014 – Tag 3 – Mobius Arch & Lone Pine

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Es ist der 4. Mai und der dritte „richtige“ Tag beginnt wieder einmal sehr früh am Morgen. Mein Jet-Lag habe ich noch nicht verarbeitet und so bin ich auch heute wieder um 3h43 wach und kann nicht mehr schlafen. Aber egal ich will eh früh raus, da passt das ganz gut. Weil ich viel Zeit habe lasse ich alles ganz langsam angehen und schaue erst einmal bei Facebook und in meine E-Mails hinein. Eines der beiden Fotos mit der Milchstraße im Hintergrund geht gerade bei flickr.com und 500px.com so richtig ab. Es wurde in mehrere Gruppen eingeladen und im Minutentakt werde ich benachrichtigt, dass es „gelinked“ oder „gefaved“ wurde. Zwischendurch gibt es neue „Follower“, so macht das wirklich Spaß. Und es ist auch der Beweis dafür, dass Fotos die zu ungewöhnlichen Tageszeiten entstehen zumindest derzeit noch ganz gut ankommen. Vielleicht wird ja ein Trend daraus und in ein paar Jahren wird dann nur noch nachts fotografiert, wer weiß das schon…

Um 7h bin ich mit dem Frühstück fertig, verabschiede mich schnell beim wirklich netten und sehr zuvorkommenden Personal und mache mich auf den Weg nach Lone Pine in Kalifornien. Mein Freund Lothar hat mir den Tipp gegeben doch mal bei den Alabama Hills vorbeizuschauen und vielleicht den Mobius Arch zu fotografieren. Das liegt auf dem Weg nach Bishop und dem Monolake sehr schön am „Wegesrand“ und die Location ist sicher einen Besuch wert. Vor mir liegen fast 300 Meilen und rund 5 Stunden mit dem Auto, da trifft es sich gut, dass mein riesiger Geländewagen wie von allein fährt und zu den entspanntesten Autos gehört die man sich vorstellen kann.

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Als ich in Beatty einen kleinen Zwischenstopp einlegen möchte muss ich leider feststellen, dass es das sehr gute kleine Mexikanische Restaurant nicht mehr gibt. Also tanke ich nur um die Ecke schnell mein Auto voll. Es ist das erste mal mit diesem Auto und ich muss zuerst schauen wo denn überhaupt der Sprit hineinkommt. Es ist die linke Seite – sehr gut! An der Zapfsäule klappt es mit meiner Kreditkarte nicht, also gehe ich schnell rein und sage kurz Bescheid. Die nette Dame fragt mich für wie viele Dollars ich denn tanken möchte. Hm, ich würde gern volltanken, aber was das kosten wird weiß ich nicht. Sie will wissen wie viel Benzin noch drin ist. Ich sage ihr, dass der Tank noch zu etwa einem Viertel voll ist. Sie lehnt sich über ihre Kasse, schaut das Auto prüfend an und sagt dann „60 Dollar!“. Das ist ein Wort, also bucht sie 60 Dollar ab, falls das zuviel sein sollte bekomme ich ggfs. etwas zurück. An der Zapfsäule stehe ich anschließend wieder einmal mehr als ratlos da. Wie war das noch gleich…

In Deutschland gibt es für jede Sorte Benzin eine eigene Zapfpistole, hier gibt es nur eine Zapfpistole für alle Sorten Benzin – verkehrte Welt… Ich stecke die Zapfpistole in den Tank und ziehe den Tankhebel hoch, aber nichts passiert, stattdessen piepst die Zapfsäule nur. Was muss ich tun? Oft steht im Display „Lift Lever“ – da muss man dann einen Hebel hochheben in dem die Zapfpistole normalerweise ruht. Aber hier ist kein Lever. Nach einer Gedenkminute habe ich es dann endlich geblickt. Es gibt pro Sorte Benzin einen Start-Knopf. Ich drücke auf „Regular“ und schon klappt es mit dem Benzin. Kurz bevor die 60 Dollar erreicht sind wird die Pumpe immer langsamer und stoppt exakt bei 60 Dollar – perfekt!

Als ich den Motor starte zeigt die Tanknadel ganz nach rechts – die alte Dame an der Kasse hat es echt drauf! Es geht weiter…

An der Zapfpistole war Benzin und jetzt riechen meine Finger ganz komisch danach, sehr unangenehm. Als ich schließlich den Eingang des Death Valley National Parks erreiche halte ich kurz am Parkplatz an und hoffe, dass es auf der Toilette etwas Wasser gibt, aber das ist eine Fehlanzeige. Als ich enttäuscht die Toilette gleich wieder verlasse steht jemand vor mir und fragt mich ob alles ok sei? Wir kommen ins Gespräch und tauschen schließlich unsere Visitenkarten aus. Die Amerikaner sind ein tolles Volk, ich fühle mich hier so gut aufgehoben, das glaubt man nicht…

Während ich mich der Talsohle des Death Valley Nationalparks nähere klettert das Thermometer von 25°C langsam aber sicher nach oben. Als ich Stovepipe Wells erreiche sind es schon 35°C. Etwas später fahre ich einen 5000 Fuß hohen Pass hinauf. Auf umgerechnet ca. 1.600 Metern sind es nur noch 22°C. Danach geht es wieder bergab und schon sind es wieder über 30°C. Die Klimaanlage in meinem Auto weiß gar nicht mehr was sie noch machen soll, aber es ist trotzdem im Auto ganz erträglich. Beim Panamint Springs Resort geht es wieder bergauf und die Temperatur fällt erneut. Weil die Straße so unglaublich schön ist, lasse ich über viele Kilometer meine GoPro mitlaufen. Diese Straße mit einer gut gemachten Harley fahren, das wäre echt was feines!!

Als ich in Lone Pine ankomme tun mir trotz allem doch die Beine und der Hintern weh. Also halte ich beim erstbesten Motel an, es ist ein Comfort Inn. Es gibt ein Zimmer zum Preis von 105,- $ und ein kleines Frühstück. Im Ort selbst gibt es preiswertere aber auch teurere Motels. Ich mag nicht lange suchen und für umgerechnet 75 Euro ist das schon ok. Billig wohnen kann ich in den kommenden Wochen immer noch, jetzt soll es einfach nur schnell gehen. Das Zimmer ist ganz nett, es gibt einen kleinen Balkon und einen schnellen Internet-Anschluß. Außerdem hängt ein sehr großer LCD-Fernseher an der Wand, es gibt eine Mikrowelle, Kaffeemaschine, Kühlschrank usw. Hier kann man es schon aushalten.

Nach einer Stunde habe ich meine Sachen fein säuberlich im gesamten Zimmer verteilt und wundere mich wie ich das immer wieder in so kurzer Zeit fertig bringe.

Es geht los zum Mobius Arch. Im Internet habe ich mehrere teilweise sehr schön bebilderte Wegbeschreibungen gefunden. Außerdem habe ich einige GPS Koordinaten und die gebe ich schnell in mein Garmin Colorado 300 ein. Mit den Koordinaten habe ich den Parkplatz auch schon nach etwa 20 Minuten gefunden. Weil es draußen schon wieder 31°C warm ist drehe ich aber noch eine kleine Orientierungsrunde.

Irgendwann so gegen 14h bin ich dann am Mobius Arch. Das Ding ist etwa zwei Meter hoch und sieht wirklich gut aus. Hätte man die Koordinaten nicht und gäbe es keinen ausgeschilderten Weg, man würde dieses kleine Schmuckstück wohl nicht so einfach finden. Am Arch treffe ich zwei Griechen die jetzt in Kalifornien leben. Wir machen viele Fotos und tauschen wieder unsere Visitenkarten aus. So macht es einfach sehr viel Spaß allein zu reisen. Egal wen man hier trifft, alle Leute sind wirklich nett, offen und stets zuvorkommend.

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Zurück im Motel probiere ich mal die Eismaschine aus und bin überrascht wie schnell die Eiswürfel heraus purzeln. Mit einem kleinen Eimer voller Eis bewaffnet kann ich meine lauwarme Dr. Pepper in Windeseile auf angenehm kühle Trinktemperatur herunter kühlen. Ach was tut das gut…

Als ich in meine E-Mails schaue geht der Run auf die Fotos der Milchstraße schon wieder weiter. Das macht echt Spaß und freut mich ganz arg, ist es doch die Bestätigung, dass sich diese Reise ein wenig ausgezahlt hat. In finanzieller Hinsicht natürlich nicht, nur ideell – versteht sich! Rein finanziell gesehen ist diese Reise das reine Desaster. Linienflüge hin und zurück für zwei Personen (Sandra kommt bald nach), Taxikosten, der irre teure Mietwagen, die Hotels, das Benzin, Eintritt hier und dort, Trinkgeld, so kommen in 4 Wochen annähernd 10.000 Euro zusammen. Wenn man noch einrechnet, dass man in der ganzen Zeit keinen Cent verdient, so wird einem ganz schnell ziemlich übel. Stellt man dieser Rechnung vielleicht 10 gelungene Fotos gegenüber, so hat rein rechnerisch jedes dieser Bilder irgendwas um die 2.000 Euro gekostet. Sehr traurig ist es dann, wenn man versucht solche Fotos heutzutage zu verkaufen. Hochwertig gedruckt und extrem edel eingerahmt kostet allein das Material im Format 60x90cm rund 350,- Euro. Doch selbst das ist heutzutage praktisch jedem Fotofreund zu teuer.

Wenn überhaupt, werden die meisten Fotos auf dem heimischen Drucker auf billiges Papier gedruckt und mit Heftzwecken an der Wand befestigt. Wer es mit Anspruch tut gönnt sich einen rahmenlosen Bilderhalter aus dem Baumarkt für 20,- Euro… Es sind harte Zeige um mit Fotografie Geld zu verdienen. Jeder der glaubt man könne von solchen Reisen leben oder gar seine Fotoausrüstung davon bezahlen ist komplett auf dem Holzweg. Schuld am Dilemma ist leider niemand so wirklich und doch wir alle zusammen. Geiz ist geil und das hat inzwischen die Hochzeitsfotografen dieser Welt ebenso erreicht wie alle jede die auf der Jagd nach dem ultimativen Landschaftsfoto um die halbe Welt reisen, Unsummen ausgeben und letztlich mit ein paar „Linkes“ und „Faves“ entlohnt werden…

Ok Freunde, genug geheult, ich muss von der Fotografie nicht leben und das ist auch gut so denn sonst wäre ich unglücklich und bettelarm 🙂

Heute werde ich mir Lone Pine noch mal etwas näher anschauen, dieser Ort ist wirklich niedlich. In der Nacht und am frühen Morgen gibt es dann einige „erst gemeinte“ Fotos des Mobius Arch. Danach wird im Hotel ausgeheckt und es geht weiter zum Mono Lake. Unterwegs in Bishop werde ich anhalten und schauen was ich gegen Mücken finde. Die beiden Griechen die ich heute getroffen habe wurde dort gestern komplett zerstochen und hatten sogar die Arme blutig. Das muss ja nicht sein und für ein paar „Faves“ und „Likes“ sowieso nicht 🙂

USA-2014 – Tag 2 – Unterwegs auf der Milchstrasse

Las Vegas to Overton

Nach meiner Ankunft in Overton bin ich wegen der unruhigen Nacht ziemlich müde. Nachdem ich den Artikel für meinen BLOG geschrieben habe geht es gleich ins Bett. Neben mir auf dem Nachttischchen liegt mein Telefon und dort tickt heimlich ein Wecker vor sich hin. In drei Stunden will ich aufstehen und zum Sonnenuntergang im Valley of Fire sein. Als sich der Wecker dann um 18h meldet geht aber eigentlich gar nichts. Nur mit Mühe schaffe ich es den kleinen Quälgeist abzustellen und drehe mich wieder herum. Als ich schließlich von allein wach werde sind mehr als fünf Stunden vergangen. Zwar habe ich den Sonnenuntergang verschlafen aber ich bin jetzt endlich mal ausgeruht und fühle mich gut. Ich schaue kurz in meine E-Mails und melde mich per Facebook Chat bei meiner Sandra. Wegen der Zeitverschiebung ist es in Deutschland kurz vor 9h und die meisten meiner Facebook-Freunde sitzen gerade mit einer Tasse Kaffee und lesen Zeitung oder die Updates bei Facebook & Co.

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Der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt teilweise hohe Temperaturen voraus. Bei 36°C mag ich nicht tagsüber in der prallen Sonne herumlaufen und fotografieren. Also muss ich entweder die Nächte abwarten oder in den kühleren Norden fahren.

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Kurz vor Mitternacht bin ich zum Abmarsch bereit. Meine Panasonic GH-3 und alle Objektive lasse ich im Motel. Bei dieser Kamera ist der Sensor relativ klein und bei ISO-6400 macht sich die Nikon D800E einfach besser. Wirklich viele Objektive nehme ich nicht mit und am Ende der Session werde ich feststellen, dass ich wieder einmal nur mit einem einzigen Objektiv fotografiert habe 🙂

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Durch die dunkle Nacht geht es zurück ins Valley of Fire. Der Weg ist nicht weit, die Straße gut ausgebaut und ich bin komplett allein. Am Elephant Rock fahre ich versehentlich vorbei. Es ist so stockfinster, dass ich den kleinen Parkplatz komplett übersehen habe. Als ich realisiere wo ich eigentlich bin, sehe ich auf der linken Seite schon das Hinweisschild zu den Beehives. Das sind uralte Felsformationen die ein wenig wie Bienenstöcke aussehen und daher ihren Namen haben.

Meinen großen SUV stelle ich auf dem Parkplatz ab und mache mich mit Stativ, Nikon D800E und AF-S 2,8/14-4mm Superweitwinkel an die Arbeit. Einen Kabelauslöser habe ich noch dabei und natürlich habe ich meine tolle neue Taschenlampe im Motel vergessen. Aber das ist nicht weiter schlimm, für mein HTC ONE habe ich einen dicken Zusatzakku und der hat so unglaublich viel Power, dass ich stundenlang mit der Taschenlampe des Telefons hantieren kann. Eigentlich vermisse ich meine „richtige“ Taschenlampe daher nicht so wirklich.

Gern möchte ich Fotos der Milchstraße aufnehmen, die Randbedingungen sind sehr gut. Es ist eine klare Nacht und vom Mond ist nichts zu sehen. Wo ist der heute eigentlich?? Neben dem Auto muss ich mich ein wenig an die Dunkelheit gewöhnen. Mit dem Kompass der in meine Armbanduhr eingebaut ist schaue ich wie die Himmelsrichtungen sind. Die Beleuchtung des Zifferblattes ist hier ganz hilfreich. Danach schaue ich mal via Smartphone und der APP Google Skymap wo denn eigentlich welche Planeten zu sehen sind.

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Meine Kamera stelle ich auf ISO HI-2, der Autofokus wird abgeschaltet, das Objektiv manuell auf „Unendlich“ fokussiert, die kürzeste Brennweite eingestellt und der Belichtungsmodus auf „M“ wie Manuell gestellt. Bei 8 Sekunden und Blende 2,8 kann ich so in kurzer Zeit ein paar Probeschüsse aufnehmen. Zwar sind die Bilder total verrauscht, aber ich will ja nur wissen ob der Bildausschnitt stimmt, denn durch den Sucher sieht man einfach gar nichts… Immer wenn mir der Ausschnitt gefällt stelle ich eine niedrigere ISO-Empfindlichkeit ein, meist ISO-1600. Bei Blende 2,8 oder 4 gelingen dann bei Belichtungszeiten von ca. 30 Sekunden ganz ordentliche Fotos. Teilweise stelle ich auch mal ISO-400 ein und belichte mittels Kabelauslöser mehrere Minuten lang. Aber die Ergebnisse gefallen mir nicht wirklich. Zwar ist das Bildrauschen jetzt sichtbar geringer, aber die Sterne haben nun soviel Bewegungsunschärfe, dass der Himmel aussieht als wäre er „verwackelt“.

Ich versuche auch mal eine Doppelbelichtung, aber wegen der langen Zeit die bei der Rauschunterdrückung drauf geht sieht man auf den Fotos anschließend jeden Stern genau 3x – das ist auch nix

Also versuche ich einen Kompromiss zwischen ISO-Rauschen, Blende und Bewegungsunschärfe zu finden. Letztlich werde ich die meisten Fotos bei Blende 2,8 zwischen 15 und 30 Sekunden lang belichten und durch Einstellen der ISO-Empfindlichkeit steuern wie „hell“ die Fotos letztlich werden.

An einer Stelle etwas unterhalb neben den Beehives ist ein recht großer Felds, dessen Höhe ich auf etwa 30 Meter schätzen würde. Hier gibt es einen fotogenen Spalt und im Hintergrund sieht man sehr schön die Milchstraße und den mit Licht verseuchten Himmel über Las Vegas. Diese Komposition gefällt mir sehr gut und nach einigen Versuchen gelingt dann ein sehr ansprechendes Foto.

Milkyway over Valley of Fire - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Damit die Felsen nicht nur schwarze Silhouetten sind, leuchte ich sie mit meinem Smartphone aus. Dabei ist die kleine APP „Taschenlampe“ ganz nützlich, weil sich hier die Helligkeit der eingebauten weißen Leuchtdiode in drei Stufen regeln läßt. Bei Belichtungszeiten von 30 bis 60 Sekunden beleuchte ich die Felsen etwa 10 Sekunden lang. Im Ergebnis ergibt sich so eine sehr schöne Mischung zwischen der Helligkeit der Milchstraße und der Helligkeit des Vordergrundes.

Hier habe ich noch ein Foto das etwas eher noch oben auf dem Parkplatz neben dem Auto entstanden ist. Hier gibt es keine tollen Felsen im Vordergrund, aber es gibt einen schönen farbigen Wolkenschleier. Wie schon die Designer die das Logo der „Deutsche Bank“ entworfen haben weiß auch ich, dass Linien die nach rechts oben aufstreben irgendwie besser aussehen als wenn sie „herunterfallen“. Daher habe ich das Foto gespiegelt, die Bildaussage gefällt mir damit sehr viel besser. Leider kann man die Milchstraße nicht einfach von der anderen Seite fotografieren, denn dazu müsste man unseren Planeten verlassen. Also halte ich dieses stilistische Mittel für legitim.

Milkyway over Valley of Fire #2

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere entferne ich mich Schritt um Schritt immer weiter von meinem Auto. „Wenn jetzt die Taschenlampe ausfällt bin ich aufgeschmissen“ geht es mir durch den Kopf. Aber dann fällt mir auf, dass auf den Bildern die Milchstraße plötzlich mehr und mehr verschwindet. Als nach einem „Testfoto“ vergesse die ISO-Empfindlichkeit wieder zu reduzieren habe ich plötzlich ein Foto das aussieht als wäre es in den frühen Morgenstunden aufgenommen. Und tatsächlich, es ist jetzt schon nach 5h und ich fotografiere jetzt schon rund 5 Stunden lang… Die Zeit verging echt schnell und wegen des lauen Windes und der lässigen 21°C war es auch nicht unangenehm. Lediglich feste Schuhe hätte ich anziehen sollen, so spüre ich nämlich jeden Stein unter den Füßen. Und so beschließe ich, morgen meine die Wanderschuhe anzuziehen.

Etwa 30 Minuten später kann ich die Konturen der umliegenden Felsen schon recht gut erkennen und der Weg zum Auto ist jetzt auch ohne Taschenlampe ganz einfach zu finden. Da der Himmel in den tollsten Farben zu leuchten beginnt, klebe ich schnell meine GoPro HD HERO 3+ von innen an die noch recht saubere Windschutzscheibe und mache mich auf den Rückweg. In 30 Minuten gibt es im Hotel schon Frühstück und irgendwie bin ich nun hungrig. Am Abzweig nach Overton kommt es mir dann in den Sinn schnell noch mal zum Overton Beach zu fahren. Dort hat man vielleicht einen tollen Blick über den Lake Mead und das könnte jetzt zum Sonnenaufgang wirklich schön aussehen. Aber als ich auf die Zubringerstraße abbiegen will ist sie leider geschlossen. Also geht es ohne weitere Umwege direkt zurück zum Hotel.

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Nachdem ich meine Sachen ins Zimmer getragen habe schaue ich mal was es zum Frühstück gibt. Es ist etwas mehr als im Comfort Inn in Las Vegas, aber mit dem besten Frühstück er Welt das ich fast 5 Jahre lang im Quartier 65 in Mainz genießen durfte, hat das wirklich nichts zu tun. Aber ein erstklassiges Gourmet-Frühstück wie im Quartier 65 darf man hier auch nicht erwarten. Also gibt es ein paar Cornflakes mit Milch, etwas Kaffee und einen Becher Orangensaft. Dazu backe ich mir mal eine frische Waffel, die verziert mit etwas Honig gar nicht schlecht schmeckt.

Die „verlorene Zeit der Nacht“ kann ich nun nachholen und am Nachmittag schauen wir mal es hier weitergeht.

Gute Nacht allerseits 🙂

 

Nikon D800 – Filmen mit der DSLR

In meinem letzten Artikel ging es häufig um den Unterschied bei der Hintergrund-Unschärfe (Bokeh) die sich mit den unterschiedlichen Objektiven erzielen lässt. Generell könnte man sagen, dass das Bokeh umso weicher und damit schöner wird wenn:

  • das Objektiv so lichtstark wie möglich ist
  • die Brennweite so deutlich länger als 35mm ist
  • der Blendenring so rund wie möglich ist
  • die Blende weit geöffnet ist
  • und das Motiv deutlich näher an der Kamera als am Hintergrund positioniert ist

Beachtet man diese Regeln, so lassen sich für Fotos und auch für Videos sehr malerische Effekte erzielen.

Gestern habe ich einige E-Mails bekommen in denen ich gebeten wurde Beispiele für ein schönes Bokeh zu zeigen. Ich war eine weile für Euch auf der Suche und habe letztlich bei Vimeo ein sehr gut gemachtes Video zu Thema „Bokeh“ gefunden. In diesem kurzen Video gibt es so ziemlich alles zu sehen was man unter „malerischer Unschärfe“ verstehen könnte. Es gibt gut gemachte Verlagerungen der Schärfe Ebene, tolles Licht, atemberaubendes Schattenspiel und last but not least einen schönen Soundtrack. Kurz um, es ist ein echter „Augenschmaus“ und ich wünsche Euch viel Spaß beim anschauen.

DESAMORES | DIRECTED BY MAGNOLIAS from We are Magnolia on Vimeo.

Für alle die jetzt gleich die Kamera zücken und die Freundin ans Klavier setzen wollen hier noch einige wichtige „Basistipps“. Im Video sieht man mehrfach ein tolles Spiel mit dem Gegenlicht. Schaut das Video zwei oder dreimal an und achtet darauf was dabei mit der Kamera passiert – nämlich NICHTS. Es ändert sich weder der Fokus noch die Belichtung. Allen Schnellmerkern ist jetzt schon klar warum das so ist. Alle die es noch nicht wissen schalten jetzt an ihrer DSLR alles ab was auch nur im Entferntesten nach Automatik riecht. Die Macher dieses Videos haben es sehr gut verstanden, nichts sieht nämlich blöder aus als wenn in einer malerischen Film-Sequenz plötzlich der Autofokus hin und her zappelt oder der Belichtungsmesser ständig nachregelt.

Hier einige „goldene Regeln“ für gelungene Videos mit Kameras wie der Nikon D800:

  • Autofokus abschalten
  • Belichtungsmodus auf „M“anuell
  • ISO-Automatik abschalten
  • Lichtstarke Objektive verwenden und diese maximal 1-2 Stufen abblenden
  • Belichtungszeiten wählen die möglichst das Doppelte der Bildfrequenz betragen. Also bei 25 Bildern/Sekunde 1/50s als Belichtungszeit wählen
  • Die korrekte Belichtung durch ISO-Empfindlichkeit und Graufilter einstellen
  • Ggfs. einen variablen Graufilter oder zwei Linear-Polfilter verwenden
  • Das Sucherbild „Live“ auf den Display verfolgen und dabei eine Display-Lupe benutzen
  • Die Kamera mit einen Stativ, einem Camera-Rig oder anderen Hilfsmitteln fixieren

Wer für sein Video ein echtes „Kinoerlebnis“ haben möchte, der kann das Video später vom Format 16:9 auf bspw. 2,35:1 beschneiden. Damit man beim Filmen eine Vorstellung davon hat wie das spätere Bildformat aussehen wird rate ich dazu, den späteren Ausschnitt mit einem Filzstift auf dem Display-Schutzglas zu markieren. Hier bietet sich ein Echtglas-Schutz für das Display an.

Als Sucherlupe verwende ich sehr gern die meiner Meinung nach überragende

Diese Display-Lupe hat ein verschließbares Okular, eine Dioptrien-Korrektur für Brillenträger, ist klappbar und passt mit dem zusätzlichen Bügel auch an eine Nikon D800 mit angesetztem Batteriegriff. Die Lupe passt ebenfalls sehr gut an der Panasonic GH-3 MIT Batteriegriff, Panasonic GX7, Panasonic GM1, Nikon 1, sowie der Nikon D7000/D7100.

Um die Kamera ruhig und entspannt halten zu können gibt es viele zum Teil extrem teurer Schulterstative. Mir gefällt dieses hier sehr gut:

Relativ brauchbare Ergebnisse habe ich bislang mit diesem variablen Graufilter erzielt. Allerdings verfälsch er die Farben sehr stark wenn er nahezu vollständig geschlossen ist. Alternativ kann man auch einfach zwei einfach Linear-Polfilter gegeneinander verschränken.

Für einen „malerischen Look“ der einer Kinoproduktion ähnelt sollte man die Kamera das Video nicht zu stark schärfen lassen und auch die Kontraste und Farben nicht zu stark einstellen. Je mehr Informationen im Ausgangsmaterial vorhanden sind, umso besser lässt sich daraus ein hochwertiges Video erstellen. Ist das Ziel also ein Look wie bei einem „richtigen“ Kinofilm rate ich dazu:

  • Fotomodus auf „Neutral“ stellen
  • Kontrast -2
  • Schärfe -2
  • Delithing: Normal

Beim Schnitt des Ausgangsmaterials könnte lässt sich so später der Kontrast erhöhen, oder die Farbintensität steigern. Ist das Ausgangsmaterial jedoch zu kontrastreich, so ist meist nicht mehr viel zu retten. Wenn das was man durch die Sucherlupe beim Filmen sieht also zunächst ein wenig blass aussieht ist das genau richtig und kein Grund an den Kameraeinstellungen etwas zu ändern. Auch lässt sich ein Video beim Schnitt sehr einfach nachschärfen. Hat das Ausgangsmaterial jedoch bereits Artefakte durch eine zu heftige Einstellung, so lassen sich diese im Nachhinein nicht mehr entfernen.

Die „Goldene Regel“ lautet also: WENIGER IST MEHR

Bei den Objektiven kommt es im Video-Bereich weniger auf perfekte Schärfe usw. an. Hier geht es vielmehr um die „Usability“, also die einfache Verwendung eines Objektives. Es ist eine gute Idee das Objektiv auch danach auszusuchen wie leicht und geschmeidig sich der Fokusring bewegen lässt. Für Videoaufnahmen eigenen sich folgende Objektive meiner Meinung nach sehr gut:

  • Nikkor AiS 2,8/18mm
  • Nikkor AiS 2,8/28mm
  • Nikkor AiS 2,0/35mm
  • Nikkor H 1,4/50mm
  • Nikkor AiS 1,4/5omm
  • Nikkor AiS 2,8/55mm
  • Nikkor AiS 2,0/85mm
  • Nikkor AiS 2,5/105mm
  • Nikkor AiS 2,8/135mm
  • Nikkor AiS 2,8/180mm ED
  • Nikkor AiS 2,8-3,5/35-70mm
  • Nikkor AiS 4/80-200mm

Wer keine AiS sondern Ai Objektive ohne „S“ bspw. bei eBay angeboten bekommt, kann hier mit ebenfalls mit gutem Gewissen zuschlagen. Die AiS Objektive sind meist baugleich mit dem Vorgänger ohne „S“. Das „S“ macht bei der Nutzung an der Nikon D800 usw. keinen Unterschied, es war nur eine Änderung am Bajonett der Objektive damit die Programmautomatik der Nikon FA besser funktioniert. Wer also nicht mit einer Nikon FA fotografiert für den macht es praktisch kaum einen Unterschied ob er ein Ai oder AiS Objektiv kauft. Wichtig ist grundsätzlich, dass die Objektive in gutem Zustand sind. Wem der Kauf bei einer Internet-Börse zu heikel ist, dem sei der Besuch des Bonner City-Foto-Centers angeraten. Wer in Köln wohnt sollte mal bei Foto Gregor oder Foto Lambertin vorbei schauen. Rund um Mainz und Frankfurt wird man bei Foto Oehling oft fündig wenn es um gebrauchte Objektive in gutem Zustand geht.

Wer für seine Videos einen eher dokumentarischen Ansatz hat und weniger auf einen Kino-Look anstrebt, dem würde ich raten an der Nikon D800 einfach das Kameraprofil „Standard“ einzustellen und das Delithing auf Automatik zu setzen. Ob man nun eine Bildfrequenz von 24, 25 oder 30 Bildern/Sekunde wählt ist jedem selbst überlassen. Ich filme meist mit 25 B/s und kombiniere dies auch gern mit 50B/s aus anderen Kameras wie bspw. meiner Panasonic HC-X909.

Für Zeitlupeneffekte sollte man die schnellste Bildfrequenz wählen die an der Kamera eingestellt werden kann.

Nachbearbeitung

Hier habe ich noch ein sehr gutes Tutorial in dem erklärt wird wie man mehrere Video-Spuren mit Final Cut Pro X zu einem Multicam-Clip zusammenfasst und dabei noch ein Boom-Mic, also ein „Hauptmikrofon“ passend synchronisiert:

 

Zum Thema „Color Correction“ kann ich dieses Video mit gutem Gewissen empfehlen:

 

Fazit

Moderne Kameras sind ein Segen für alle die ihrer Kreativität freien Lauf lassen wollen und denen in Zeiten von Super 8 und VHS-Video die Nachbearbeitung zu kompliziert und die Ergebnisse zu schlecht waren. Mit Kameras wie der Nikon D800 lassen sich Videos produzieren die von professionellen Produktionen nicht zu unterscheiden sind. Der Grund ist ganz einfach, die Profil nutzen diese Kameras ebenfalls 🙂

Doch bereits mit kleinen preiswerten Kameras wie der Nikon 1 oder der Panasonic GM1 lassen sich Videos in einer Qualität erstellen die man vor ein paar Jahren noch als „Atemberaubend“ bezeichnet hätte.

Das Jahr 2014 markiert also die „Goldene Zeiten für alle Kreativen“. Ich wünsche ein schönes Osterfest und wie immer „Gut Licht“.