Timezone Victim

Es ist noch mitten in der Nacht als ich mich auf den Weg zur Ranger-Bude in der Nähe der House-Rock-Valley-Road mache. Als ich die Türe meines Zimmers öffne schlägt mir ein Wand aus eisiger Luft ins Gesicht. Nun weiß ich auch, warum ich heute Nacht wieder so schrecklich gefroren habe. Bis alles im Auto ist, dauert es ein wenig, aber dann geht es los. Kurz nach dem Start meldet das Auto Glatteisgefahr bei  -1°C! Auf dem Weg zur Permit-Lotterie fällt das Thermometer dann auch -8°C – es ist Winter in Utah – ganz eindeutig! In den letzten Tagen hatte ich da die fixe Idee mal nach an der Wave ein Foto mit Vollmond zu versuchen. Davon sollte ich Abstand nehmen wenn ich nicht allein da draußen erfrieren will.

Als ich beim Ranger-Büro eintreffe, ist noch alles zu und es geht gerade erst die Sonne auf. Nach einer kurzen Wartepause habe ich dann die Idee doch schnell mal beim Toadstool Hoodoo vorbei zu schauen. Der ist doch gleich um die Ecke, also los. Am Trailhead greife ich mir schnell ein paar Kameras und das kleine leichte Stativ. Fast im Laufschritt geht es los zum Hoodoo. Als ich dort ankomme ist es schon fast zu spät. Das Ding sieht genau dann wenn sie Sonne das erste Mal über den Horizont schaut wirklich gut aus. Ich hätte 30 Minuten eher hier sein müssen. Aber egal, ich schieße ein Foto nach dem Anderen und klettere fleissig um das Ding herum. Zwischendurch füllt mir auf, dass die kleine Nikon P7000 erste Ausfallerscheinungen zeigt. Die kleinen Kunststoffscheiben die das Objektiv schützen sollen klemmen immer wieder. Wahrscheinlich ist Sand dazwischen. Das ist der Grund, warum ich noch weitere Kameras dabei habe! So sieht das dann aus…

Später kommen weitere Fotofreaks dazu. Wir quatschen und plötzlich kommt mir den Gedanke, dass ich die Lotterie verpassen könnte. So viel zu früh war ich ja nun auch wieder nicht. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, ja was verrät er mir – er verrät mir, dass die Uhr stehen geblieben ist. Was ist denn das? Ok, wahrscheinlich ist die Batterie leer, diese Uhr war schon 2009 und 2010 hier. Ok ich sollte zurück flitzen, und das hurtig! Also alles schnell einpacken und im Laufschritt zum Auto.

Der große V8 heult auf und los geht es zum BLM-Büro. Dort angekommen ist die Schranke auf und es kommen mir ein paar Autos entgegen. Hey was ist denn das, normalerweise fahren die da alle hin, nicht weg! Kein gutes Zeichen, irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Direkt vor der Türe ist gerade ein Parkplatz frei geworden. Ich stelle den großen Chevy dort ab und will hineinstürmen als ich einen Zettel sehe der von innen mit Tesafilm an die Scheibe geklebt ist. „The Lottery is over“ – ich bin zu spät!

Mist, die Uhr um Auto zeigt 8:07 – aber hier ist es schon 9:07! Am 13. März wurden die Uhren umgestellt, davon haben wir natürlich nichts mitbekommen. Da Arizona das nicht mitmacht, hat Arizona die gleiche Zeit wie Nevada, also wie Las Vegas. Etwas weiter im Norden liegt Utah, die sind jetzt immer eine Stunde weiter als die Menschen im sonnigen Süden. Es ist fast wie mir der Schweiz und Italien…

Ich muss es also morgen noch einmal versuchen! Egal, ich habe ja noch ein paar Tage Zeit. Also rein ins Auto und ab nach Page, ich freue mich auf eine Frühstück bei Denny’s. Dort gibt es neuerdings ein offenes schnelles WLAN, sehr praktisch! Ich krame mein Handy heraus und lese meine Mails während der Koch mir meine Rühreier zubereitet, was für ein Service.

Nach dem Frühstück geht es zu Waschanlage, ich mache die versaute Kiste erst einmal wieder stubenrein. Alles ist so schmuddelig, ich weiß gar nicht mehr wo ich noch anfassen soll. Der Automat will meine Kreditkarte nicht, also versuche ich es mit Bargeld. Coins habe ich keine, die verschenke ich immer gleich weiter weil sie mir zu schwer sind. Aber ein 5$ Schein ist noch da. Also rein damit und schon kann ich fast 15 Minuten lang dieses echt große Auto säubern, nicht schlecht!

Also die Kiste wieder wie neu aussieht geht es ab zum Walmart, ist ja nur ein paar Meter die Straße hinunter. Im Walmart sticht mir eine Uhr ins Auge, eine TIMEX – ich glaube die erste Uhr in meinem Leben war eine Timex. Sie hatte ein mechanisches Werk und man musste sie aufziehen. Timex war der erste Hersteller der Armbanduhren gefertigt hat. Bereits im Vietnamkrieg trugen Menschen eine Timex die sie schon von ihrem Großvater geerbt hatten. Einer von ihnen geriet in Gefangenschaft und musste monatelang in einem Schlammloch ausharren. Damit sie ihm seine Timex nicht wegnehmen versteckte er sie, über Monate hinweg – in seinem ARSCH. Als er schließlich doch starb, nach sein bester Freund diese Uhr an sich. Es Colonel Ralph W. Kingston III, auch er versteckte diese Timex vor den Vietkong, auch er hatte nur ein Versteck an dem sich sicher war, in seinem ARSCH. Als er Jahre später von einem Elitekämpfer italienischer Abstammung namens John Ramboo befreit wurde nahm er die Timex mit. 23 Monate und vier Tage nach seiner Befreiung hatte Colonel Ralph W. Kingston III endlich den Sohn seines Freundes gefunden und überreichte ihm die Uhr die schon sein Großvater und wohl auch der Vater seines Großvaters getragen hatte, eine TIMEX.

Während ich im Walmart vor einer TIMEX für 45$ stehe, geht mir diese Geschichte durch den Kopf und ich beschließe sie abends aufzuschreiben. Doch bei dieser TIMEX bewegt sich der Sekundenzeiger gar nicht, sollte sie einen Defekt haben? Ein überaus freundliche attraktive junge Dame weiß Rat! Mit einer kleinen Zange entfernt sie ein Stück Kunststoff und schon tickt das gute Stück als hätte es jahrelang im ARSCH eine Soldaten in einem Schlammloch in Vietnam gesteckt – genial! Inkl. Steuern kostet das gute Stück dann 50,84$ – etwas weniger als 40 Euro – preiswerter als eine Swatch – und über eine Swatch erzählt selbst Quentin Tarrantino keine Geschichten!

Mit der neuen Swatcht, 12 Flaschen Corona, Dr. Pepper, Obst und Keksen geht es zurück zum Auto. Als alles eingepackt ist meldet sich das Frühstück. Ich suche die Restrooms auf. Dort gibt es zwei Toiletten, eine ist riesig und für Rollstuhlfahrer geeignet. Die andere ist im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich beschissen. An der großen Toilette ist der Riegel derartig ausgeleiert, dass es an eine Wunder grenzt wenn er diese Türe dauerhaft verriegeln kann. Aber ist ja auch egal, der Spalt ist 5mm breit, die Türe ist knapp 180cm hoch und hat unten locker 50cm Luft. Während ich auf dem Klo hocke geht die Türe auf. „Hoffentlich hält der Riegel was er nicht verspricht!!!!“ Die blauen Turnschuhe mit den weißen Streifen bewegen sich in das „Nachbarbüro“. Ein angewiderter Laut ist zu vernehmen, dann wird gespült, dann sehe ich die Turnschuhe direkt neben mir, sie stehen auf Zehenspitzen und stöhnen. Was für ein Land! Irgendwie freue ich mich auf „normale“ Toiletten…

Als ich den Waltmart verlasse ist mein Auto weg. Was für ein Schock! Habe ich vergessen ihn zu verriegeln? Ist er wirklich geklaut, was mache ich nun! Der Kreislauf beschleunigt das Adrenalin, der Puls pocht in den Schläfen. Doch dann sehe ich ihn! Alles ist gut, als ich aufs Klo musste habe ich den linken Eingang genommen, vorher den rechten. Uff, noch einmal gut gegangen!

Es geht zur Zions-Bank gegen über vom Rodeway Inn. Als ich parke und die Straße überquere bekomme ich von zwei Passanten gesagt, dass ich ein tolles Auto fahre. Ich glaube die wissen nicht was die Kiste an Sprit verbraucht! Am Geldautomaten werde ich dann gefragt was ich will. Da steht was von „Fast Cash“ – das klingt gut! Ich wähle es aus und bekomme 100 Dollar. Hä? 100 Dollar? Damit kann ich gerade mal ein Steak essen, Frühstücken und den Eintritt für den Antelope Canyon bezahlen? 100$?

Ich gehe mal hinein. Dort bekomme ich erklärt, dass das bei „Fast Cash“ immer so ist – 100$ ist die Obergrenze bei „Fast Cash“. Ist aber alles kein Problem, ich bekomme noch einmal 300$ von der Kreditkarte ausgezahlt. Die nette Dame am Schalter kennt mich ja nun schon. Sie kennt meine Kreditkarte, die Nummer meines Personalausweises, ich habe ihr meine Adresse und meine Telefonnummer aufgeschrieben. Das ist doch eine Basis für einen ausgedehnte Schnack – oder? Andere Kunden sind eh gerade keine da! Also schnacken wir und ich bin froh, dass ich mal mit einem Amerikaner sprechen kann.

Als ich die Bank verlassen will ist das eine Dame mit einer Gehhilfe, sie hat Mühe die Türe aufzuhalten. Als ich ihr helfe ist sie begeistert. „Are you from germany?“ Ich überlege kurz ob es an meinen guten Manieren liegt, nein, es liegt eher am gruselig harten Akzent 😉

Im Auto stelle ich die kleine Nikon auf das kleine Stativ und filme den Weg zum Antelope Canyon. Meine kleine „Stereoanlage“ spielt dazu die Live-Version von Peter Gabriels „Steam“. Das passt ganz gut, denn neben dem Canyon dampfen die Kamine des Braunkohle Kraftwerks der Navajo Indianer fröhlich vor sich hin. Das Lied reicht fast bis zum Canyon, es ist nicht wirklich weit!

Am Lower Antelope Canyon ist wieder dieser nette junge Typ der mich damals 2009 schon zum Canyon begleitet hat und mit dem ich soviel geschwätzt habe. Ich erkenne ihn wieder. Ob er noch Gitarre spiel frage ich. Aber sicher, er holt die Gitarre hervor! Ich bekomme für 26$ einen Fotografen-Permitt. Da ich ja schon weiß wo alles ist kann ich auch ganz allein losgehen. Die anderen Gäste müssen warten bis sich eine etwas größere Gruppe gebildet hat. Danach gehen sie mit einem Führer in den Canyon. Ich darf das ganz allein, ich bin ja auch schon groß 🙂

Im Canyon ist es wie gewohnt ziemlich frisch und ich bin froh, dass ich Unterhemd, Oberhemd und zwei Fleece-Pullis angezogen habe! Das ist gerade richtig! Im Canyon ist es relativ leer. Ich knipse vor mich hin, mache eine Belichtungsreihe nach der Anderen. Plötzlich steht ein kleiner Junge neben mir. Er sieht auf dem Display der D2x wie nacheinander 9 gleiche unterschiedlich helle Bilder angezeigt werden. Das scheint Magie zu sein. Dann kommt sein Vater dazu. Ich muss erklären was ich da mache und warum ich das mache. Dann kommt die Mama dazu. Es sind wohl Franzosen, doch sie sprechen ganz gut Englisch. Wir müssen es ihr auch erklären. Als sie es verstanden hat sagt sie nur etwas wie „Aha, jetzt weiß ich endlich wie alle diese coolen Fotos aus diesem Canyon gemacht wurden. Das sind also alles Fälschungen!!!“

Ok, ein HDR ist keine Fälschung, es ist ein besondere Methodik im Einsatz einer Digitalkamera – mehr nicht. Früher in der Dunkelkammer hat man Masken gebastelt und Teile der Bilder abgewedelt. Heute macht man HDRs – wo ist der Unterschied? Früher konnte man schlechte Fotos machen, heute geht das auch noch!

Mit meinem 26$ Permit kann ich vier Stunden lang fotografieren soviel ich will – super! Die letzte kleine Gruppe kommt so gegen 16h durch den Canyon gewandert. Sie nehmen mich mit. Und ich lerne Justin und seine Freundin kennen. Sie kommen auch aus Deutschland. Ist schon witzig wen man hier alles kennen lernen kann 🙂

Am Auto bin ich dann ziemlich erledigt und will eigentlich gleich unter die Dusche. Aber dann ist das eine kleiner Chipmunk direkt neben meinem Auto. Jemand hat ein paar Erdnüsse verloren. Er schnappt sich eine nach der anderen. Alle paar Minuten kommt er wieder angeflitzt und holt sich die nächste Erdnuss. Witziges kleines Kerlchen. Also schnell das Tele an die D2x montiert und auf die Lauer legen! Als der kleine Kerl – oder ist es ein Mädchen – satt ist, fahre ich los zurück nach Kanab. Die Sonne steht jetzt schon tief, der Himmel ist wolkenlos!

Oben an der Straße fahre ich dann mal links runter zum Lake Powell. Dort gibt es noch ein paar Fotos am Strand und dann geht es endgültig in Richtung Kanab. Kurze Zeit später rausche ich am Aussichtspunkt an der Wahweap Marina vorbei, eigentlich keine schlechte Idee. Ich wende und bin sehr erstaunt, dass der Weg hinauf zum Aussichtspunkt jetzt perfekt geteert ist!

Nach ein paar Knipsbildern geht es zurück nach Kanab. Als ich ankomme ist es schon dunkel. Aber ich habe BIER und CHIPS 🙂

Schnell die Akkus laden, die Bilder sichten, bloggen, duschen und dann ab ins Bett. Morgen geht es wieder früh los…

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The Wave 2011

Nachdem mein BLOG geschrieben ist packt mich der Hunger. Es ist 20:04 – Nevada Time! In den letzten Tagen hatten wir wieder ein Zeitzonen-Durcheinander. Mich packt der Hunger, aber haben nicht schon alle Restaurants hier in Kanab um 20h geschlossen? Egal, ich versuche es einfach mal. Also rein ins Auto und los. Die meisten Läden und Restaurants sind wirklich schon geschlossen. Aber das „Trail End Restaurant“ scheint noch geöffnet zu sein. An der Türe steht 8am – 9:30pm – also von morgens um 8h bis abends um 21:30h. Ich gehe mal hinein, ich habe ja im Zweifel noch ein paar Minuten. Ich frage mal nach der aktuellen Zeit, es scheint ok zu sein, ich habe kurz nach 8h und im Restaurant ist es auch kurz nach 8h.

Kurz vorher hatte ich noch kurz via Internet nachgeschaut, da sah es aus, also wäre Kanab eine Stunde weiter. Muss man das eigentlich alles verstehen? Ich habe da jedenfalls so meine Probleme und wie spät es jetzt hier wirklich ist, ich weiß es nicht genau!

Jedenfalls gibt es einen Burger mit Fritten und ein Corona – obwohl wir hier in Utah sind! Der Spaß kostet 11,95 Dollar – inkl. Steuern. Noch zwei Dollar Trinkgeld und wir sind bei 14$ = 10 Euro. Nach dem Burger fahre ich mal kurz zum BLM-Gebäude, es ist gleich um die Ecke. Vor dem Gebäude ist es dunkel, aber ich habe ja meine Taschenlampe dabei. Ich finde einen Zettel von Heute auf dem steht, dass fast alle Straßen unpassierbar sind, unter anderen die Cottonwood-Road! Das wäre der schönste Weg hoch zum Bryce-Canyon. Aber die House-Rock-Valley-Road zum Wave-Trailhead scheint befahrbar zu sein. Heute hat man wohl damit begonnen diese schwer beschädigte Straße wieder herzurichten, für den Touristenansturm in den Osterferien…

Im Internet findet sich dieser Text:

WARNING: There were multiple 50-100 year floods between April and November of 2010 through Buckskin Gulch, Wire Pass and Paria Canyon that have removed high water campsites, added obstructions (trees, stumps, or boulders) and changed the river bed. It is highly suggested your party brings rope in case you come across an obstruction that has not been mapped. Do not depend on high water campsites downstream from your location if anyone in your party is tired as the campsite may no longer exist; for example, the big campsite at the confluence of Wire Pass and Buckskin Gulch is gone as is the one across from the confluence. The only safe site remaining is the one further downstream from the confluence just before it narrows up again.

Road Conditions: BLM Road 1065-House Rock Valley from Highway 89 to Stateline Campground is not maintained. High clearance 4-wheel drive or AWD vehicles are suggested to navigate rough, rocky and sandy roads. Impassable when wet.

Invasive species removal work is scheduled from March 21 to April 10, 2011. Crews will continue removing tamarisk and Russian olive from downstream from Big Spring to Wrather Canyon

Der kleine Satz „Impassable when wet“ gibt mir doch sehr zu denken. Auf dem Hinweg habe ich schwere Regenwolken über diesem Gebiet gesehen!

Dann finde ich noch einen kleinen bunten Zettel, die Wave-Permitts gibt es inzwischen nicht mehr hier in Kanab sondern nun schon wieder bei der kleinen Ranger-Bude in Richtung Page. Was für ein Durcheinander. Im Web versuche ich später mal herauszufinden wann genau umgezogen wird. Es scheint der 18. März zu sein. Heute ist der 22. März – jedenfalls hier in Utah – in Deutschland ist es schon der 23. März. Übrigens haben Nord- und Süddeutschland die gleiche Zeitzone. Im Osten mögen die Uhren langsamer gehen, doch auch hier zeigen sie die gleiche Zeit an wie in Aachen! Leute, das ist echter Luxus und kein Deutscher weiss ihn wirklich zu schätzen…

Die Ranger-Bude ist ab 7h30 geöffnet. Wenn ich mich recht erinnere beginnt die Lotterie um 8h, auch wenn ich eben auf einer Webseite gelesen habe, dass sie um 9h beginnt. Vielleicht hat sich da auch jemand mit den Zeitzonen vertan. Egal, ich werde morgen einfach mal wirklich früh aufstehen und im Zweifel eine wenig warten. An der Rangerbude gibt es ein WLAN, da kann ich ggf. gleich berichten ob es geklappt hat oder nicht.

Auf nach Kanab

Als ich endlich im Bett lande ist es dann fast 2h morgens – BLOGgen hält auf… Aber die Nacht ist weniger kalt, ich habe die ratternde Heizung auf 70°F gestellt – etwa 20° Celsius. Und ich bin nach der langen Off-Road-Strecke so erledigt, da höre ich selbst das Rattern nicht mehr 🙂

Am Morgen werde ich kurz vor 9h wach, zwei Minuten später geht der Wecker. Nach der Dusch geht es wieder gut, ich ziehe mich an und packe alles zusammen. Als ich fertig bin will ich gut gelaunt zum Frühstück rüber gehen. Doch da fällt mir ein, dass es das Frühstück nur bis 9h morgens gibt – verpasst! Na, dann muss es eben mal ohne gehen. In der Lobby dieses „Adventure-Hotel“ (so hat Steven Baldwin es gestern genannt) gibt es ja Kaffee – geht weg – kommt zurück – und der steht hier jetzt neben meinem Notebook. Schmeckt nicht so doll, es war nur noch ein Rest in der Kanne und der wird sicher schon seit Stunden warm gehalten – aber besser als nichts 🙂

Für heute habe ich mir vorgenommen nach Kanab zu fahren. Im Winter gibt es die Permits für die Wave in Kanab (Siehe mein BLOG von 2009). Wenn es mit dem Permit nicht  klappen sollte, kann ich noch die Corral Pink Sand Dunes in der Nähe von Kanab besuchen. Auch Zion ist nicht Weit, womit wir beim Thema wären. Für den Weg nach Kanab habe ich mir die nördliche Straße vorgenommen, also OBEN herum – für alle die Straßenkarten auf dem Beifahrersitz in Fahrtrichtung drehen 🙂 Von hier bis Kanab sind es rund 500 Kilometer – vielleicht auch etwas mehr oder weniger, je nachdem welche Abstecher man macht. Weite Strecken kann ich über gut ausgebaute Highways fahren und Las Vegas tangiere ich ganz weit oben, sorry – im Norden!

So, nun schaue ich mal ob ich via HRS ein Zimmer in Kanab buchen kann.

Update am frühen Abend

Hier habe ich noch ein paar Fotos dieses Ortes der im Internet vielfach als Ghost Town geführt wird. Er hat nur 20 Einwohner!

Man sieht hier auch ganz deutlich wie schmuddelig der Tahoe nach den vielen Pfützen jetzt ist.

Gestern war diese Parkreihe noch voll – ich bin der vorletzte Gast der heute abreist…

Wirklich auschecken kann ich nicht, es ist niemand mehr da! Also lege ich ein paar Dollar ins Zimmer und mache noch ein paar Fotos. Überall blättert hier die Farbe von den Wänden. Dieser marode Charm ist irgendwie auch cool 🙂

Da auf der Ecke ist das kleine Opernhaus. Es hat nur ein paar wenig Sitzreihen. Aber die Wände sind schön bemalt. Leider hat es geschlossen und ich kann keine Innenaufnahmen machen. Aber im Internet findet man viele entsprechende Fotos.

Falls es mal brennt gibt es einen Feuerwehrschlauch – ob der noch funktionieren würde?

Das Eingangsportal aus der Froschperspektive mit Nikon D2x und Tokina AT-X 4/12-24mm.

„Open After Performance“ – schaut man durch die Scheibe sieht man eine einzige Baustelle. Aber es soll noch Aufführungen geben! Ich glaube Marta Becket lebt hier sogar noch!

Ein ganz besonderer Ort, die Architektur erinnert mich an Mexico.

Die Fenster sind allesamt verhängt, ich denke hier spielt sich nicht mehr viel ab. Ist eben ein „Living Ghost Town“ – endlich mal eines in dem es sich auch lohnt den Fotoapparat auszupacken 🙂

Unterhalb des Turms kann man durch ein Gitter in den Hinterhof schauen. „PRIVATE AREA – KEEP OUT“

Dreht man sich im 90° nach links sieht man diese wirklich lange schattige Terrasse, eigentlich wirklich schön. Wenn nur noch alles so marode und baufällig wäre.

Mein Weg nach Kanab führt mich durch wirklich schöne und vielfältige Ecken des Süd-Westens der Vereinigten Staaten. Immer wieder schnappe ich mir die kleine Nikon P7000 und knipse einfach mal durch die Fenster. Die Ergebnisse finde ich wirklich atemberaubend. Wie macht das kleine Ding das nur?

Hier sieht man wieder Dreck von gestern bis an den Spiegel gespritzt ist.

Endlose Straßen bin zum Horizont. Das würde ich mir für Deutschland auch mal wünschen. Da steht immer irgendetwas im Weg, dass einem die Sicht versperrt.

Kurz vor Kanab verheißen die Regenwolken kein gutes Wetter für die nächsten Tage! Ob die Straße zur Wave wirklich passierbar ist, ich werde es herausfinden!

Die Fahrt ist problemlos, aber lang und anstrengend. Als ich am Nachmittag in Kanab eintreffe, bin ich ziemlich erledigt und habe kaum noch Lust auf weitere Aktivitäten. Die Buchung via http://www.hrs.com hat bestens geklappt. Ich bekomme ohne Mehrpreis ein schönes großes Zimmer mit zwei Betten, weit weg von der Straße im Hinterhof. Sandra könnte hier gut schlafen, aber ich denke sie schläft in ihrem eigenen Bett jetzt auch ganz gut.

Als es am  morgen um 11h Armagosa Opera House losgeht zeigt das Thermometer 7°C, ich bin etwa 600 Meter über dem Meeresspiegel. Während der Fahrt kommt häufig die Sonne heraus, die Temperatur steigt bis auf 22°C. Bei St. George geht es dann langsam aber sicher in höhere Ebenen. Das Garmin Colorado habe ich zusätzlich zum Telefon an die Windschutzscheibe montiert. So habe ich alles im Blick. Das Garmin zeigt die Details, das Telefon den Überblick in großem Maßstab. Auf dem Garmin kann ich die Höhe sehen. Ab St. George geht es auf etwa 1.500 Metern hinauf. Die Temperatur sinkt wieder. Als ich in Kanab eintreffe sind es nur 6°C – It’s Wintertime!

So, nun schneide ich mal mein „Fahrvideo“ 🙂

Ok, nach fast 180 Minuten Upload-Zeit ist mein „Video des Tages“ nun endlich online…

Death Valley Reloaded

Der Wecker klingelt um 5h am Morgen. Eigentlich hatte ich ihn gestellt, weil ich zum Sonnenaufgang am Dante’s View ein Foto zum Sonnenaufgang über dem Bad Water Basin machen wollte. Die Nacht war bitterkalt und ich habe die ganze Zeit gefroren. Immer wenn die ratternde Heizung ansprang war ich wieder wach.  Das geht hier echt gar nicht, warum haben die hier keine „normalen“ Heizungen? Diese ratternden Klimaanlagen sind echt die Hölle. Wie dem auch sei, als der Wecker läutet, stehe ich auf und schaue aus dem Fenster. Man sieht nicht viel, aber es sieht auch nicht gut aus. Ich bin hundemüde und gehe einfach wieder ins Bett. Wahrscheinlich ist da fotografisch eh nichts zu holen.

Als ich dann schließlich wirklich aufstehe, ist es kurz nach 7h. Schnell duschen, anziehen, es ist wirklich kalt hier. Um 7h30 die kurze Überlegung ob ich in Ruhe Frühstücken soll, aber es hält mich dann doch nichts. Ich bin rastlos und will einfach los. Im Kofferraum liegen jede Menge Getränke, ich habe ein Baguette und eine Dose Philadelphia-Käse mit Zwiebeln und Schnittlauch – das sollte ausreichen. Ein paar Äpfel und Orangen habe ich auch noch dabei, also los!

Eine weile später bin ich am Kiosk-System an dem man sich für den Eintritt in den Park registrieren muss. Vor drei Wochen war ich hier schon einmal. Diesmal versuche ich es mit meinem tollen Annual National Park Pass. Das klappt natürlich überhaupt nicht. Ich hasse diese Maschinen! Mehrmals schiebe ich meine Karte ein, hin her, hin her, rein, raus, nichts passiert. Nach eine paar Minuten ziehe ich weiter, ohne den Zettel auf dem Armaturenbrett.

Kurz danach geht es links ab zu Dante’s View. Was dort steht ist eigentlich schon fast keine Überraschung mehr – ROAD CLOSED. OK, gestern war ein heftiger Sturm, heute könnte die Straße vielleicht wieder befahrbar sein. Ich fahre um die Absperrung herum. Die Laune ich gut, das Wetter auch, die Temperatur ist von 7°C bei der Abfahrt schon auf 9°C gestiegen. Am Vortag habe ich es noch geschafft, den krassen Chevrolet auf metrische Einheiten umzustellen. Nun muss ich nicht mehr von Fahrenheit nach Celsius umrechnen, sehr praktisch!

Ein paar Kilometer weiter ist der Traum vom Dante’s View dann auch schon wieder ausgeträumt – ROAD CLOSED – nur gut, dass ich nicht um 5h aufgestanden bin. Ich kehre um und fahre in Richtung Furnace Creek Resort. Dort angekommen geht es links hinein in das weite Tal, dass ich eigentlich im Morgenlicht fotografieren wollte.

Ich fahre kreuz und quer durch das Tal und schaue mir an was es dort so gibt. Beim Abzweig zum Trail-Canyon mache ich einen ersten Off-Road-Test mit dem schweren großen Chevrolet Tahoe. Er schläft sich gut, aber die Straße ist ein besserer Feldweg der mit losen Kieselsteinen gepflastert ist. Das macht alles keinen Spaß. Also schnell ein paar Fotos und zurück.

Die Umrundung des Tals dauert mehrere Stunden. Die westliche Seite ist nur über eine Schotterpiste zu befahren. Erst am südlichen Zipfel kommt man wieder auf eine asphaltierte Straße die mich dann an der östlichen (rechten) Seite wieder nach Norden (oben) bringt. Kurz bevor ich wieder in Furnace Creek bin mache ich noch einen kleinen Abstecher zum Artist’s Drive – hier sehen die Berge ein wenig aus die Farben auf der Palette eines Malers.

Es geht weiter in Richtung Stovepipe Wells. Dort gibt es eine Tankstelle und etwas zu essen. Ich habe bislang nur zwei kleine Flaschen Dr. Pepper und zwei Flaschen Mineralwasser intus. Essen wäre nicht schlecht! Als ich dort ankomme, sind die Zapfsäulen ausgefallen, ich kann aber drinnen zahlen. Es gibt Sprit, nur die Kartenleser sind defekt. Ich zahle 30$ in Bar und im Voraus. Alles in der Hoffnung, dass auch Sprit für 30 Liter hinein passt in das weiße Ungetüm. Es passt, was auch sonst! Es würde sogar noch mehr hineinpassen, das Ding schluckt 13,9 Liter auf 100 Kilometern!

Es geht ein Stück zurück und dann über Scotty’s Road in Richtung Scotty’s Castle. Diese Straße kenne ich auch schon. Heute ist sie aber anders, heute sehe ich wie am Horizont ein krasser Sturm aufzieht. Ein paar Minuten später klatschen riesige Regentropfen auf das Auto, das habe ich noch nicht erlebt. Aber es hat auch was gutes, die salzig braunen Krusten die seit den Pfützen am Badwater Basin überall am Auto kleben werden abgewaschen!

Als ich am Ubehebe-Krater eintreffe, ist das Auto wieder relativ sauber. Aber das soll nicht lange so bleiben… Es geht rechts ab zum Racetrack, noch 27 Meilen Off-Road-Strecke, dann bin ich endlich am berühmten Race-Track. Ein trockener Strand an dem sich Steine wie von Geisterhand geschoben Millimeterweise fortbewegen. Einige Millimeter pro Jahr – was für ein Rennen 🙂

Als ich dort ankomme steht die Sonne schon so tief, dass es eigentlich perfekt für tolle Fotos wäre. Aber ich kenne die Location nicht und muss leider feststellen, dass der Berg an der westlichen Seite (links) so viel Schatten wirft, dass fast der gesamte Race-Track-Playa bereits im Schatten liegt. So kann man die „Bremsspuren“ der Steine gar nicht sehen, denn das Licht kann sie nicht „modellieren“ – ohne ihre Schatten sind sie praktisch unsichtbar. Auch finde ich kaum große Steine. Das was da herumliegt wiegt vielleicht ein Kilogramm, wenn überhaupt. Von den Fotos die ich kenne dachte ich, dass es wirklich große Felsbrocken sind die sich hier weiter bewegen. Falsch gedacht! Ok, nachdem ich eine Weile auf der echt großen topfebenen Tiefebene herumgelaufen bin, find ich auch ein paar etwas größere Felsbrocken. Aber mir wird klar, dass die Größe auf den Fotos durch die verwendeten Weitwinkelobjektive entstanden ist. Also mehr ein Trick der Fotografen, damit die Bilder auch wirklich cool aussehen. Meine Fotos dieser Steine sind uncool – ich bin einfach 60 Minuten zu spät – MIST!

Ganz im Süden (unten) sehe ich ein Auto. Auf der Karte die ich bei mir habe ist eine Passstraße hinüber zum Highway 190 eingezeichnet. Damit könnte ich viel Zeit sparen. Auf der Karte die ich habe steht aber, dass dieser Pass im Winter ggf. geschlossen ist. Nach den Erfahrungen der letzten Woche glaube ich das nur zu gern. Als ich dort ankomme, steht dort ein geländegängiger kleiner LKW mit einer Art Wohnwagen auf der Ladefläche. Davor zwei Stühle und ein wirklich nettes Paar das gerade Fotos macht. Ich halte mal an, der Himmel ist grandios! Wir schießen ein Foto nach dem anderen und unterhalten uns über Fotografie.

Als das Spektakel vorüber ist, bekomme ich noch eine E-Mail-Adresse. So kann ich den beiden Baldwins aus Bishop in California meine „Beute“ des gemeinsamen Abends zugänglich machen. Das Internet ist doch sowas von praktisch 🙂

Danach geht es zurück. Vor mit liegen 27 Meilen Buckelpiste und noch eine wirklich lange Straße bis zum Hotel. Später kann ich bei der Track-Auswertung sehen, dass ich noch 192 Kilometer fahren muss – oh je…

Es ist inzwischen stockfinster als mir ein Fahrzeug entgegen kommt. Ich bin seit fast einer Stunde allein auf den Straßen von Death Valley und vergesse fast das Fernlicht abzublenden. Als das Auto kurz vor mir ist sehe ich blaue und rote Warnlichter aufleuchten. Mist Polizei! War ich zu schnell? Suchen die jemanden, gibt das jetzt Stress? Wo ist der Mietvertrag für das Auto, haben ich meinen Führerschein dabei… Ich trete voll in die Bremse und fahre auf den geschotterten Streifen neben der Fahrbahn. Anhalten Radio aus, Motoraus, warten. Das Polizei-Fahrzeug macht aber keine Kehrtwende wie sonst üblich. Statt dessen rollt es Rückwärts auf meine Höhe, was ist denn das? Mit großer Erleichterung stelle ich fest, dass es ein Ranger ist! Er erklärt mir, dass es eine Sturzflut (Flash-Flood) gegeben hat und dass weiter vorn jede Menge Geröll auf der Straße liegt und dass er es noch nicht komplett beseitigen konnte. Ich soll vorsichtig sein.

Ich wußte es, die Amerikaner sind doch die nettesten Menschen der Welt!

Als ich um Hotel eintreffe bin ich ziemlich am Ende. Aber die Fotos muss ich doch noch anschauen. Und da ist die Überraschung groß, man sehen die cool aus! Gewitter und Stürme haben hier ihren ganz eigenen Charakter.

Um Mitternacht bin ich dann allein in der Lobby des völlig stillen fast 100 Jahre alten Hotels. Der offene Kamin glimmt noch und es riecht so alt und muffig wie am Tag zuvor. Dann sind da noch drei junge Amerikaner. Ein Typ und zwei Mädels. Sie wundern sich, dass ich hier nachts mit meinem Mac ganz allein sitze und etwas schreibe. Sie wollen wissen, ob ich noch arbeiten muss. Nein muss ich nicht, ich schreibe nur meine täglichen BLOG. Für die Familie und die Freunde. So sind sie informiert und Sohneman, Mama und Freundin müssen sich keine Sorgen machen – alles ist gut.

Wohin ich als nächstes will möchten sie wissen. Ja wohin? Mit den Baldwins habe ich das vorhin auch diskutiert. Ich denke es wird morgen in Richtung Page gehen. Ich werde mal versuchen einen Permit für die Wave zu ergattern. Vielleicht klappt es ja. Ab Morgen haben wir wieder abnehmenden Vollmond. The Wave im Mondlicht, das wäre doch mal was! Die Mädels kennen die Wave nicht! Ich zeige ihnen kurz den Banner meines BLOGs. Sie sind erstaunt. Ja so ist das. Da wissen viele Menschen aus Korea, Japan, Frankreich oder Deutschland ganz genau wo welche coolen Fotolocations sind, die selbst die Menschen die hier leben gar nicht kennen. 🙂

So, nun hänge ich noch schnell ein paar Fotos des Tages an und dann geht es ab ins Bett. Leider ist die Internet-Anbindung hier wirklich langsam….

Hier mein persönliches „Bild des Tages“:

Videos, weitere Bilder, die Track-Auswertung – das gibt es alles wenn ich wacher bin und die Internet-Anbindung schneller ist – ok?

Frustrating Day

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Die Nacht war ruhiger als befürchtet. Spät am Abend hatten meine multiple Nachfragen dann doch Erfolg. Der Mitarbeiter an der Rezeption im Comfort Inn begleitet mich die paar Meter und ich kann ihm die defekte Tür des Nebeneingangs zeigen. „Oh yeah, I’ll fix it!!“ Zwei Stunden später hat er dann den Türschließer so eingestellt, dass die Tür praktisch gar nicht mehr schließt. Aber sie kracht auch nicht mehr mit einem gewaltigen Rumms gegen die Wand. Prima, nun haben wir nur noch den Straßenlärm. Heute Morgen bin ich dann ganz gut ausgeruht, Sandra leider nicht wirklich. Ich denke sie freut sich auf ihr Bett daheim, endlich mal wieder in Ruhe schlafen!

Um 9h beginnen wir unsere Sachen zusammen zu packen. Dann geht es kurz rüber zu Denny’s um 10h30 checken wir aus. Ja, und was jetzt? Ich bin ein wenig ratlos. Sandras Flieger geht erst abends um 18h35 ab Mac Carran International. Wir fahren einfach mal in Richtung Hoover Damm, vielleicht können wir da ja noch ein paar schöne Fotos machen. Es sind laut Navigationssystem 42 Kilometer. Als wir nach etwa 30 Kilometern in Boulder City eintreffen ist vor dem Ort ein gewaltiger Stau. Nach etwa 30 Minuten sind wir am Abzweig den wir laut Navi nehmen sollten. Aber da kriechen alle lang und da geht eigentlich gar nichts. Also werden wir einen gezielten Blick auf das Navi, wir können auch durch Boulder hindurchfahren und dann später auf den Highway zurück. Alles kein Problem, also los. Am Ortsausgang können wir dann den Lake Mead schon sehen und den langen Stau der sich bis zum Hoover Dam leider auch… Eigentlich geht da unten gar nichts, der Stau erscheint uns schier endlos. Wir schauen uns tief in die Augen, dann wende ich das Auto.

In Boulder finden wir ein kleines Café, dort gibt es für jeden einen großen Becher frisch gebrühten heißen Kaffee. Das tut gut, aber die Stimmung ist ziemlich im Keller. Das Wetter ist fies, draußen stürmt es und es ist kalt. Ich weiß immer noch nicht was ich die nächsten Tage unternehmen soll und Sandra ist frustriert, weil sie allein nach Hause fliegen muss. Als der Kaffee dann leer ist geht es wieder zurück in Richtung Las Vegas. Zwischendurch verpasse ich wieder einmal grandios eine Ausfahrt, trotz Navigationssystem! Die Ausfahren sind hier irgendwie anders als bei uns in Deutschland. Hier sind die Straßen oft 5 oder 6-spurig. Zwei Spuren biegen nach Osten ab, zwei nach Western, in der Mitte geht es geradeaus weiter – leider ist das nicht immer so. Ist man gerade ganz links und stellt dann fest, dass man eigentlich auf eine der rechten Spuren müsste, hat man oft ein Problem. Hier in den USA darf man links und rechts überholen wie man will. Gerade das ist für mich hier oft ein Problem. Grundsätzlich ist es ja ok, dass man Schleicher rechts überholen kann, aber wenn ich der Schleicher bin, dann ist es hochgradig verunsichernd wenn man über vier oder fünf Fahrspuren hinweg wechseln soll und da rechts lauter Autos und LKWs an einem vorbeiflitzen.

Im Zweifel bleibe ich dann lieber auf der Spur auf der ich bin und wende an der nächsten Ausfahrt. So auch heute mal wieder, anders wäre es ja auch langweilig 🙂

Als wir am Flughafen ankommen ist es noch viel zu früh, nicht einmal 14h. Sandra hat am Vorabend beim Roulette 20$ auf Schwarz gesetzt und auch prompt verloren, das war ihr letztes Bargeld. Im Café habe ich ihr 5$ gegeben, mehr wollte sie nicht. Nun hat sie noch fast 5 Stunden bis der Flieger abhebt und sie hat nur 5$ in der Tasche. Als wir dann vor dem Terminal in der Pick-Up-Zone stehen, also da wo man nur kurz zum Ein- und Aussteigen halten darf, erscheint mir Sandra zutiefst gefrustet. „Und ich dachte Du kommst noch mit hinein?“ Man sollte mehr mit einander sprechen, ich kann da nicht mit hineinkommen, auch wenn ich es wirklich gern würde. Es gibt noch einen Abschiedskuss und dann muss ich auch schon wieder los.

Im Rückspiegel sehe ich Sandra noch mit ihrem Gepäck im Terminal verschwinden. Wie es für sie jetzt wohl alles werden wir? Während ich so dahin grüble nehme ich wieder den falschen Weg. Statt links herum direkt zur Ausfahrt fahre ich zum Terminal 1 – da wo die „Domestic Flights“ starten. Dort ist auf vier Fahrstreifen die Hölle los. Leute steigen ein und aus, überall Fußgänger, es geht da eigentlich gar nichts. Aber irgendwann ist auch das geschafft.

Mein Weg führt mich quer durch Las Vegas in Richtung Osten. Beim Casino „New York New York“ biege ich links auf den „Strip“ ab. Ich will nach Süden bis zum Highway 160 und dann in Richtung Death Valley fahren. Beim Kaffee haben wir noch kurz darüber gesprochen. In Death Valley regnet es eigentlich fast nie, warum nicht die beiden nächsten „Regentage“ dort ohne Regen verbringen? Kurz bevor ich zum Highway 160 komme sehe ich auf der rechten Seite FRY’s – einen gewaltigen Techniksupermarkt – etwa doppelt so groß wie das was wir so als MediaMarkt kennen. Also rechts auf den Parkplatz. Doch ich bin wieder eine Auffahrt zu früh und muss über den ganzen riesigen Parkplatz, alle 20 Meter ist dort eine hübsch gelb gestrichene Bodenwelle. In eine langen Schlange schaukeln wir zu FRY’s. Plötzlich habe ich eine junge Frau mit gewaltigem Hinterteil direkt vor meinem Auto, wo kommt die denn her? Und wie sieht die denn aus? Während ich ungläubig auf ihren dicken Hintern starre, scheint sie meine Gedanken zu lesen und zeigt mir prompt den längsten Finger ihrer rechten Hand. Nicht alle Amerikaner sind immer nur freundlich!

Im FRY’s finde ich dann nicht wirklich etwas, ich bin irgendwie auch viel zu gefrustet von unserem dann doch so schnellen Abschied.

Ich finde eine 256GB SSD im externen Gehäuse mit USB 3.0 für 576$, die interne Version kostet genau so viel. Aber das kann ich auch in Deutschland kaufen. Dann ist da noch ein kleine 2,5″ Festplatte mit 1,5TB für 179$ – mit USB 3.0 und Firewire 800 – ach egal… Bei den Kameras kommt vielleicht die Nikon D7000 in Frage, aber warum? Ich habe die D300, die D2x und die P7000 dabei – ach ja – die F80 auch noch. Also verlasse ich den Laden und kaufe einfach gar nichts.

Etwa eine Stunde später bin ich dann in Pahrump – so wie vor fast genau drei Wochen. Im gleichen Supermarkt gehe ich ein wenig Einkaufen. Es gibt 24 kleine Flaschen Wasser, 8 Flachen Doctor Pepper, Kekse, Kräcker, Chips, Obst, was man so braucht. Bier habe ich natürlich vergessen, das bemerke ich aber erst an der Kasse, ach egal – ist sowieso ein blöder Tag und ich habe noch drei Corona im Kofferraum.

In der Schreibwarenecke kaufe ich mir noch zwei schöne große beschichtete weiße Pappkartons. Eigentlich sind sie zum Malen da! Aber ich werde sie später im Hotel verwenden um Staub-Referenzfotos mit der D2x und der D300 zu machen. Diese Dateien mit der Endung *.NDF kopiert man eigenfach zu den Bildern die man mit den gleichen „Staubkörnern“ gemacht hat. Öffnet man dann die RAW-Bilder mit Nikon Capture, so erkennt das Programm diese NDF-Referenzdatei und retuschiert den Staub automatisch weg. Kein schlechtes Feature! Nur hatte ich die ganzen Tage nirgendwo eine ebenmäßige weiße Fläche die man für das Staubreferenzbild benötigt. Nun habe ich sie und sie hat nur 1,99$ gekostet!

An der Kasse werde ich wieder mal gefragt ob ich eine Kundenkarte habe. Habe ich nicht, ich komme aus Deutschland und bin hier nur auf der Durchreise. Die Verkäuferin ist toll, sie zückt ihre Karte und ich spare etliche Dollar. Die Mehrzahl der Menschen hier ist doch supernett!

Es geht weiter in Richtung Death Valley. Bei der Death Valley Junction gibt es das Amargosa Hotel. Ein uraltes Gebäude, das seit vielen Jahren mit dem Verfall kämpft. Aber es liegt recht günstig und via Internet habe ich gesehen, dass es dort Zimmer für etwa 70$ gibt. Bedenkt man, dass die erste Nacht direkt um die Ecke im Furnace Creek Resort 340$ plus Steuer ohne Internet und Frühstück gekostet hat, ist das fast ein Schnäppchen!

Als ich dort ankomme ist noch ein Zimmer mit zwei großen Betten für zwei Tage frei. Das Zimmer hat sogar eine Dusche und kostet 75$ pro Nacht plus Steuern. Ich willige ein. Es ist ein witziger Check-In. Der Chef hat eine Weile in Bitburg gelebt. „Bitte ein Bit“ – „Over there you can get a Frühstück tomorrow in the morning.“ Spontan fühle ich mich an den witzigen Sprachmix bei Jo und Caro auf Teneriffa erinnert.

Das Zimmer ist dann eher ernüchternd. Ok, aber ich muss hier nur schlafen. Dafür ist die Lobby ganz nett und gegen eine Spende von 15$ bekomme ich das Kennwort für das WLAN. Es ist nicht schnell, aber ich kann für Familie und Freunde meinen BLOG weiterführen. Also Leute, dieser Artikel kostet 7,50$ 🙂

Bei meinem kleinen Rundgang durch die Lobby habe ich eben gelernt, dass dieses Hotel wirklich schon uralt ist und zu Zeiten gebaut wurde, als hier im Death Valley noch Borax abgebaut wurde. Es blickt auf eine sehr bewegte Vergangenheit zurück! Im Jahr 1967 hatte dann die Künstlerin Marta Becket hier eine Reifenpanne. Aus diesem unfreiwilligen Stop wurde eine viele Jahre währende Liebesbeziehung mit diesem Fleckchen Erde. Martha Becket hat hier gleich nebenan ein kleines Opernhaus gegründet und viele Jahre lang ein wenig Kunst an den trockensten und lebensfeindlichsten Ort der USA gebracht. Vor diesem Hintergund ist auch der Zustand der Zimmer ok 🙂

Hier gibt es weitere Informationen zu diesem ganz witzigen Örtchen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Marta_Becket