The Wave 2011

Nachdem mein BLOG geschrieben ist packt mich der Hunger. Es ist 20:04 – Nevada Time! In den letzten Tagen hatten wir wieder ein Zeitzonen-Durcheinander. Mich packt der Hunger, aber haben nicht schon alle Restaurants hier in Kanab um 20h geschlossen? Egal, ich versuche es einfach mal. Also rein ins Auto und los. Die meisten Läden und Restaurants sind wirklich schon geschlossen. Aber das „Trail End Restaurant“ scheint noch geöffnet zu sein. An der Türe steht 8am – 9:30pm – also von morgens um 8h bis abends um 21:30h. Ich gehe mal hinein, ich habe ja im Zweifel noch ein paar Minuten. Ich frage mal nach der aktuellen Zeit, es scheint ok zu sein, ich habe kurz nach 8h und im Restaurant ist es auch kurz nach 8h.

Kurz vorher hatte ich noch kurz via Internet nachgeschaut, da sah es aus, also wäre Kanab eine Stunde weiter. Muss man das eigentlich alles verstehen? Ich habe da jedenfalls so meine Probleme und wie spät es jetzt hier wirklich ist, ich weiß es nicht genau!

Jedenfalls gibt es einen Burger mit Fritten und ein Corona – obwohl wir hier in Utah sind! Der Spaß kostet 11,95 Dollar – inkl. Steuern. Noch zwei Dollar Trinkgeld und wir sind bei 14$ = 10 Euro. Nach dem Burger fahre ich mal kurz zum BLM-Gebäude, es ist gleich um die Ecke. Vor dem Gebäude ist es dunkel, aber ich habe ja meine Taschenlampe dabei. Ich finde einen Zettel von Heute auf dem steht, dass fast alle Straßen unpassierbar sind, unter anderen die Cottonwood-Road! Das wäre der schönste Weg hoch zum Bryce-Canyon. Aber die House-Rock-Valley-Road zum Wave-Trailhead scheint befahrbar zu sein. Heute hat man wohl damit begonnen diese schwer beschädigte Straße wieder herzurichten, für den Touristenansturm in den Osterferien…

Im Internet findet sich dieser Text:

WARNING: There were multiple 50-100 year floods between April and November of 2010 through Buckskin Gulch, Wire Pass and Paria Canyon that have removed high water campsites, added obstructions (trees, stumps, or boulders) and changed the river bed. It is highly suggested your party brings rope in case you come across an obstruction that has not been mapped. Do not depend on high water campsites downstream from your location if anyone in your party is tired as the campsite may no longer exist; for example, the big campsite at the confluence of Wire Pass and Buckskin Gulch is gone as is the one across from the confluence. The only safe site remaining is the one further downstream from the confluence just before it narrows up again.

Road Conditions: BLM Road 1065-House Rock Valley from Highway 89 to Stateline Campground is not maintained. High clearance 4-wheel drive or AWD vehicles are suggested to navigate rough, rocky and sandy roads. Impassable when wet.

Invasive species removal work is scheduled from March 21 to April 10, 2011. Crews will continue removing tamarisk and Russian olive from downstream from Big Spring to Wrather Canyon

Der kleine Satz „Impassable when wet“ gibt mir doch sehr zu denken. Auf dem Hinweg habe ich schwere Regenwolken über diesem Gebiet gesehen!

Dann finde ich noch einen kleinen bunten Zettel, die Wave-Permitts gibt es inzwischen nicht mehr hier in Kanab sondern nun schon wieder bei der kleinen Ranger-Bude in Richtung Page. Was für ein Durcheinander. Im Web versuche ich später mal herauszufinden wann genau umgezogen wird. Es scheint der 18. März zu sein. Heute ist der 22. März – jedenfalls hier in Utah – in Deutschland ist es schon der 23. März. Übrigens haben Nord- und Süddeutschland die gleiche Zeitzone. Im Osten mögen die Uhren langsamer gehen, doch auch hier zeigen sie die gleiche Zeit an wie in Aachen! Leute, das ist echter Luxus und kein Deutscher weiss ihn wirklich zu schätzen…

Die Ranger-Bude ist ab 7h30 geöffnet. Wenn ich mich recht erinnere beginnt die Lotterie um 8h, auch wenn ich eben auf einer Webseite gelesen habe, dass sie um 9h beginnt. Vielleicht hat sich da auch jemand mit den Zeitzonen vertan. Egal, ich werde morgen einfach mal wirklich früh aufstehen und im Zweifel eine wenig warten. An der Rangerbude gibt es ein WLAN, da kann ich ggf. gleich berichten ob es geklappt hat oder nicht.

Auf nach Kanab

Als ich endlich im Bett lande ist es dann fast 2h morgens – BLOGgen hält auf… Aber die Nacht ist weniger kalt, ich habe die ratternde Heizung auf 70°F gestellt – etwa 20° Celsius. Und ich bin nach der langen Off-Road-Strecke so erledigt, da höre ich selbst das Rattern nicht mehr 🙂

Am Morgen werde ich kurz vor 9h wach, zwei Minuten später geht der Wecker. Nach der Dusch geht es wieder gut, ich ziehe mich an und packe alles zusammen. Als ich fertig bin will ich gut gelaunt zum Frühstück rüber gehen. Doch da fällt mir ein, dass es das Frühstück nur bis 9h morgens gibt – verpasst! Na, dann muss es eben mal ohne gehen. In der Lobby dieses „Adventure-Hotel“ (so hat Steven Baldwin es gestern genannt) gibt es ja Kaffee – geht weg – kommt zurück – und der steht hier jetzt neben meinem Notebook. Schmeckt nicht so doll, es war nur noch ein Rest in der Kanne und der wird sicher schon seit Stunden warm gehalten – aber besser als nichts 🙂

Für heute habe ich mir vorgenommen nach Kanab zu fahren. Im Winter gibt es die Permits für die Wave in Kanab (Siehe mein BLOG von 2009). Wenn es mit dem Permit nicht  klappen sollte, kann ich noch die Corral Pink Sand Dunes in der Nähe von Kanab besuchen. Auch Zion ist nicht Weit, womit wir beim Thema wären. Für den Weg nach Kanab habe ich mir die nördliche Straße vorgenommen, also OBEN herum – für alle die Straßenkarten auf dem Beifahrersitz in Fahrtrichtung drehen 🙂 Von hier bis Kanab sind es rund 500 Kilometer – vielleicht auch etwas mehr oder weniger, je nachdem welche Abstecher man macht. Weite Strecken kann ich über gut ausgebaute Highways fahren und Las Vegas tangiere ich ganz weit oben, sorry – im Norden!

So, nun schaue ich mal ob ich via HRS ein Zimmer in Kanab buchen kann.

Update am frühen Abend

Hier habe ich noch ein paar Fotos dieses Ortes der im Internet vielfach als Ghost Town geführt wird. Er hat nur 20 Einwohner!

Man sieht hier auch ganz deutlich wie schmuddelig der Tahoe nach den vielen Pfützen jetzt ist.

Gestern war diese Parkreihe noch voll – ich bin der vorletzte Gast der heute abreist…

Wirklich auschecken kann ich nicht, es ist niemand mehr da! Also lege ich ein paar Dollar ins Zimmer und mache noch ein paar Fotos. Überall blättert hier die Farbe von den Wänden. Dieser marode Charm ist irgendwie auch cool 🙂

Da auf der Ecke ist das kleine Opernhaus. Es hat nur ein paar wenig Sitzreihen. Aber die Wände sind schön bemalt. Leider hat es geschlossen und ich kann keine Innenaufnahmen machen. Aber im Internet findet man viele entsprechende Fotos.

Falls es mal brennt gibt es einen Feuerwehrschlauch – ob der noch funktionieren würde?

Das Eingangsportal aus der Froschperspektive mit Nikon D2x und Tokina AT-X 4/12-24mm.

„Open After Performance“ – schaut man durch die Scheibe sieht man eine einzige Baustelle. Aber es soll noch Aufführungen geben! Ich glaube Marta Becket lebt hier sogar noch!

Ein ganz besonderer Ort, die Architektur erinnert mich an Mexico.

Die Fenster sind allesamt verhängt, ich denke hier spielt sich nicht mehr viel ab. Ist eben ein „Living Ghost Town“ – endlich mal eines in dem es sich auch lohnt den Fotoapparat auszupacken 🙂

Unterhalb des Turms kann man durch ein Gitter in den Hinterhof schauen. „PRIVATE AREA – KEEP OUT“

Dreht man sich im 90° nach links sieht man diese wirklich lange schattige Terrasse, eigentlich wirklich schön. Wenn nur noch alles so marode und baufällig wäre.

Mein Weg nach Kanab führt mich durch wirklich schöne und vielfältige Ecken des Süd-Westens der Vereinigten Staaten. Immer wieder schnappe ich mir die kleine Nikon P7000 und knipse einfach mal durch die Fenster. Die Ergebnisse finde ich wirklich atemberaubend. Wie macht das kleine Ding das nur?

Hier sieht man wieder Dreck von gestern bis an den Spiegel gespritzt ist.

Endlose Straßen bin zum Horizont. Das würde ich mir für Deutschland auch mal wünschen. Da steht immer irgendetwas im Weg, dass einem die Sicht versperrt.

Kurz vor Kanab verheißen die Regenwolken kein gutes Wetter für die nächsten Tage! Ob die Straße zur Wave wirklich passierbar ist, ich werde es herausfinden!

Die Fahrt ist problemlos, aber lang und anstrengend. Als ich am Nachmittag in Kanab eintreffe, bin ich ziemlich erledigt und habe kaum noch Lust auf weitere Aktivitäten. Die Buchung via http://www.hrs.com hat bestens geklappt. Ich bekomme ohne Mehrpreis ein schönes großes Zimmer mit zwei Betten, weit weg von der Straße im Hinterhof. Sandra könnte hier gut schlafen, aber ich denke sie schläft in ihrem eigenen Bett jetzt auch ganz gut.

Als es am  morgen um 11h Armagosa Opera House losgeht zeigt das Thermometer 7°C, ich bin etwa 600 Meter über dem Meeresspiegel. Während der Fahrt kommt häufig die Sonne heraus, die Temperatur steigt bis auf 22°C. Bei St. George geht es dann langsam aber sicher in höhere Ebenen. Das Garmin Colorado habe ich zusätzlich zum Telefon an die Windschutzscheibe montiert. So habe ich alles im Blick. Das Garmin zeigt die Details, das Telefon den Überblick in großem Maßstab. Auf dem Garmin kann ich die Höhe sehen. Ab St. George geht es auf etwa 1.500 Metern hinauf. Die Temperatur sinkt wieder. Als ich in Kanab eintreffe sind es nur 6°C – It’s Wintertime!

So, nun schneide ich mal mein „Fahrvideo“ 🙂

Ok, nach fast 180 Minuten Upload-Zeit ist mein „Video des Tages“ nun endlich online…

Death Valley Reloaded

Der Wecker klingelt um 5h am Morgen. Eigentlich hatte ich ihn gestellt, weil ich zum Sonnenaufgang am Dante’s View ein Foto zum Sonnenaufgang über dem Bad Water Basin machen wollte. Die Nacht war bitterkalt und ich habe die ganze Zeit gefroren. Immer wenn die ratternde Heizung ansprang war ich wieder wach.  Das geht hier echt gar nicht, warum haben die hier keine „normalen“ Heizungen? Diese ratternden Klimaanlagen sind echt die Hölle. Wie dem auch sei, als der Wecker läutet, stehe ich auf und schaue aus dem Fenster. Man sieht nicht viel, aber es sieht auch nicht gut aus. Ich bin hundemüde und gehe einfach wieder ins Bett. Wahrscheinlich ist da fotografisch eh nichts zu holen.

Als ich dann schließlich wirklich aufstehe, ist es kurz nach 7h. Schnell duschen, anziehen, es ist wirklich kalt hier. Um 7h30 die kurze Überlegung ob ich in Ruhe Frühstücken soll, aber es hält mich dann doch nichts. Ich bin rastlos und will einfach los. Im Kofferraum liegen jede Menge Getränke, ich habe ein Baguette und eine Dose Philadelphia-Käse mit Zwiebeln und Schnittlauch – das sollte ausreichen. Ein paar Äpfel und Orangen habe ich auch noch dabei, also los!

Eine weile später bin ich am Kiosk-System an dem man sich für den Eintritt in den Park registrieren muss. Vor drei Wochen war ich hier schon einmal. Diesmal versuche ich es mit meinem tollen Annual National Park Pass. Das klappt natürlich überhaupt nicht. Ich hasse diese Maschinen! Mehrmals schiebe ich meine Karte ein, hin her, hin her, rein, raus, nichts passiert. Nach eine paar Minuten ziehe ich weiter, ohne den Zettel auf dem Armaturenbrett.

Kurz danach geht es links ab zu Dante’s View. Was dort steht ist eigentlich schon fast keine Überraschung mehr – ROAD CLOSED. OK, gestern war ein heftiger Sturm, heute könnte die Straße vielleicht wieder befahrbar sein. Ich fahre um die Absperrung herum. Die Laune ich gut, das Wetter auch, die Temperatur ist von 7°C bei der Abfahrt schon auf 9°C gestiegen. Am Vortag habe ich es noch geschafft, den krassen Chevrolet auf metrische Einheiten umzustellen. Nun muss ich nicht mehr von Fahrenheit nach Celsius umrechnen, sehr praktisch!

Ein paar Kilometer weiter ist der Traum vom Dante’s View dann auch schon wieder ausgeträumt – ROAD CLOSED – nur gut, dass ich nicht um 5h aufgestanden bin. Ich kehre um und fahre in Richtung Furnace Creek Resort. Dort angekommen geht es links hinein in das weite Tal, dass ich eigentlich im Morgenlicht fotografieren wollte.

Ich fahre kreuz und quer durch das Tal und schaue mir an was es dort so gibt. Beim Abzweig zum Trail-Canyon mache ich einen ersten Off-Road-Test mit dem schweren großen Chevrolet Tahoe. Er schläft sich gut, aber die Straße ist ein besserer Feldweg der mit losen Kieselsteinen gepflastert ist. Das macht alles keinen Spaß. Also schnell ein paar Fotos und zurück.

Die Umrundung des Tals dauert mehrere Stunden. Die westliche Seite ist nur über eine Schotterpiste zu befahren. Erst am südlichen Zipfel kommt man wieder auf eine asphaltierte Straße die mich dann an der östlichen (rechten) Seite wieder nach Norden (oben) bringt. Kurz bevor ich wieder in Furnace Creek bin mache ich noch einen kleinen Abstecher zum Artist’s Drive – hier sehen die Berge ein wenig aus die Farben auf der Palette eines Malers.

Es geht weiter in Richtung Stovepipe Wells. Dort gibt es eine Tankstelle und etwas zu essen. Ich habe bislang nur zwei kleine Flaschen Dr. Pepper und zwei Flaschen Mineralwasser intus. Essen wäre nicht schlecht! Als ich dort ankomme, sind die Zapfsäulen ausgefallen, ich kann aber drinnen zahlen. Es gibt Sprit, nur die Kartenleser sind defekt. Ich zahle 30$ in Bar und im Voraus. Alles in der Hoffnung, dass auch Sprit für 30 Liter hinein passt in das weiße Ungetüm. Es passt, was auch sonst! Es würde sogar noch mehr hineinpassen, das Ding schluckt 13,9 Liter auf 100 Kilometern!

Es geht ein Stück zurück und dann über Scotty’s Road in Richtung Scotty’s Castle. Diese Straße kenne ich auch schon. Heute ist sie aber anders, heute sehe ich wie am Horizont ein krasser Sturm aufzieht. Ein paar Minuten später klatschen riesige Regentropfen auf das Auto, das habe ich noch nicht erlebt. Aber es hat auch was gutes, die salzig braunen Krusten die seit den Pfützen am Badwater Basin überall am Auto kleben werden abgewaschen!

Als ich am Ubehebe-Krater eintreffe, ist das Auto wieder relativ sauber. Aber das soll nicht lange so bleiben… Es geht rechts ab zum Racetrack, noch 27 Meilen Off-Road-Strecke, dann bin ich endlich am berühmten Race-Track. Ein trockener Strand an dem sich Steine wie von Geisterhand geschoben Millimeterweise fortbewegen. Einige Millimeter pro Jahr – was für ein Rennen 🙂

Als ich dort ankomme steht die Sonne schon so tief, dass es eigentlich perfekt für tolle Fotos wäre. Aber ich kenne die Location nicht und muss leider feststellen, dass der Berg an der westlichen Seite (links) so viel Schatten wirft, dass fast der gesamte Race-Track-Playa bereits im Schatten liegt. So kann man die „Bremsspuren“ der Steine gar nicht sehen, denn das Licht kann sie nicht „modellieren“ – ohne ihre Schatten sind sie praktisch unsichtbar. Auch finde ich kaum große Steine. Das was da herumliegt wiegt vielleicht ein Kilogramm, wenn überhaupt. Von den Fotos die ich kenne dachte ich, dass es wirklich große Felsbrocken sind die sich hier weiter bewegen. Falsch gedacht! Ok, nachdem ich eine Weile auf der echt großen topfebenen Tiefebene herumgelaufen bin, find ich auch ein paar etwas größere Felsbrocken. Aber mir wird klar, dass die Größe auf den Fotos durch die verwendeten Weitwinkelobjektive entstanden ist. Also mehr ein Trick der Fotografen, damit die Bilder auch wirklich cool aussehen. Meine Fotos dieser Steine sind uncool – ich bin einfach 60 Minuten zu spät – MIST!

Ganz im Süden (unten) sehe ich ein Auto. Auf der Karte die ich bei mir habe ist eine Passstraße hinüber zum Highway 190 eingezeichnet. Damit könnte ich viel Zeit sparen. Auf der Karte die ich habe steht aber, dass dieser Pass im Winter ggf. geschlossen ist. Nach den Erfahrungen der letzten Woche glaube ich das nur zu gern. Als ich dort ankomme, steht dort ein geländegängiger kleiner LKW mit einer Art Wohnwagen auf der Ladefläche. Davor zwei Stühle und ein wirklich nettes Paar das gerade Fotos macht. Ich halte mal an, der Himmel ist grandios! Wir schießen ein Foto nach dem anderen und unterhalten uns über Fotografie.

Als das Spektakel vorüber ist, bekomme ich noch eine E-Mail-Adresse. So kann ich den beiden Baldwins aus Bishop in California meine „Beute“ des gemeinsamen Abends zugänglich machen. Das Internet ist doch sowas von praktisch 🙂

Danach geht es zurück. Vor mit liegen 27 Meilen Buckelpiste und noch eine wirklich lange Straße bis zum Hotel. Später kann ich bei der Track-Auswertung sehen, dass ich noch 192 Kilometer fahren muss – oh je…

Es ist inzwischen stockfinster als mir ein Fahrzeug entgegen kommt. Ich bin seit fast einer Stunde allein auf den Straßen von Death Valley und vergesse fast das Fernlicht abzublenden. Als das Auto kurz vor mir ist sehe ich blaue und rote Warnlichter aufleuchten. Mist Polizei! War ich zu schnell? Suchen die jemanden, gibt das jetzt Stress? Wo ist der Mietvertrag für das Auto, haben ich meinen Führerschein dabei… Ich trete voll in die Bremse und fahre auf den geschotterten Streifen neben der Fahrbahn. Anhalten Radio aus, Motoraus, warten. Das Polizei-Fahrzeug macht aber keine Kehrtwende wie sonst üblich. Statt dessen rollt es Rückwärts auf meine Höhe, was ist denn das? Mit großer Erleichterung stelle ich fest, dass es ein Ranger ist! Er erklärt mir, dass es eine Sturzflut (Flash-Flood) gegeben hat und dass weiter vorn jede Menge Geröll auf der Straße liegt und dass er es noch nicht komplett beseitigen konnte. Ich soll vorsichtig sein.

Ich wußte es, die Amerikaner sind doch die nettesten Menschen der Welt!

Als ich um Hotel eintreffe bin ich ziemlich am Ende. Aber die Fotos muss ich doch noch anschauen. Und da ist die Überraschung groß, man sehen die cool aus! Gewitter und Stürme haben hier ihren ganz eigenen Charakter.

Um Mitternacht bin ich dann allein in der Lobby des völlig stillen fast 100 Jahre alten Hotels. Der offene Kamin glimmt noch und es riecht so alt und muffig wie am Tag zuvor. Dann sind da noch drei junge Amerikaner. Ein Typ und zwei Mädels. Sie wundern sich, dass ich hier nachts mit meinem Mac ganz allein sitze und etwas schreibe. Sie wollen wissen, ob ich noch arbeiten muss. Nein muss ich nicht, ich schreibe nur meine täglichen BLOG. Für die Familie und die Freunde. So sind sie informiert und Sohneman, Mama und Freundin müssen sich keine Sorgen machen – alles ist gut.

Wohin ich als nächstes will möchten sie wissen. Ja wohin? Mit den Baldwins habe ich das vorhin auch diskutiert. Ich denke es wird morgen in Richtung Page gehen. Ich werde mal versuchen einen Permit für die Wave zu ergattern. Vielleicht klappt es ja. Ab Morgen haben wir wieder abnehmenden Vollmond. The Wave im Mondlicht, das wäre doch mal was! Die Mädels kennen die Wave nicht! Ich zeige ihnen kurz den Banner meines BLOGs. Sie sind erstaunt. Ja so ist das. Da wissen viele Menschen aus Korea, Japan, Frankreich oder Deutschland ganz genau wo welche coolen Fotolocations sind, die selbst die Menschen die hier leben gar nicht kennen. 🙂

So, nun hänge ich noch schnell ein paar Fotos des Tages an und dann geht es ab ins Bett. Leider ist die Internet-Anbindung hier wirklich langsam….

Hier mein persönliches „Bild des Tages“:

Videos, weitere Bilder, die Track-Auswertung – das gibt es alles wenn ich wacher bin und die Internet-Anbindung schneller ist – ok?

Frustrating Day

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Die Nacht war ruhiger als befürchtet. Spät am Abend hatten meine multiple Nachfragen dann doch Erfolg. Der Mitarbeiter an der Rezeption im Comfort Inn begleitet mich die paar Meter und ich kann ihm die defekte Tür des Nebeneingangs zeigen. „Oh yeah, I’ll fix it!!“ Zwei Stunden später hat er dann den Türschließer so eingestellt, dass die Tür praktisch gar nicht mehr schließt. Aber sie kracht auch nicht mehr mit einem gewaltigen Rumms gegen die Wand. Prima, nun haben wir nur noch den Straßenlärm. Heute Morgen bin ich dann ganz gut ausgeruht, Sandra leider nicht wirklich. Ich denke sie freut sich auf ihr Bett daheim, endlich mal wieder in Ruhe schlafen!

Um 9h beginnen wir unsere Sachen zusammen zu packen. Dann geht es kurz rüber zu Denny’s um 10h30 checken wir aus. Ja, und was jetzt? Ich bin ein wenig ratlos. Sandras Flieger geht erst abends um 18h35 ab Mac Carran International. Wir fahren einfach mal in Richtung Hoover Damm, vielleicht können wir da ja noch ein paar schöne Fotos machen. Es sind laut Navigationssystem 42 Kilometer. Als wir nach etwa 30 Kilometern in Boulder City eintreffen ist vor dem Ort ein gewaltiger Stau. Nach etwa 30 Minuten sind wir am Abzweig den wir laut Navi nehmen sollten. Aber da kriechen alle lang und da geht eigentlich gar nichts. Also werden wir einen gezielten Blick auf das Navi, wir können auch durch Boulder hindurchfahren und dann später auf den Highway zurück. Alles kein Problem, also los. Am Ortsausgang können wir dann den Lake Mead schon sehen und den langen Stau der sich bis zum Hoover Dam leider auch… Eigentlich geht da unten gar nichts, der Stau erscheint uns schier endlos. Wir schauen uns tief in die Augen, dann wende ich das Auto.

In Boulder finden wir ein kleines Café, dort gibt es für jeden einen großen Becher frisch gebrühten heißen Kaffee. Das tut gut, aber die Stimmung ist ziemlich im Keller. Das Wetter ist fies, draußen stürmt es und es ist kalt. Ich weiß immer noch nicht was ich die nächsten Tage unternehmen soll und Sandra ist frustriert, weil sie allein nach Hause fliegen muss. Als der Kaffee dann leer ist geht es wieder zurück in Richtung Las Vegas. Zwischendurch verpasse ich wieder einmal grandios eine Ausfahrt, trotz Navigationssystem! Die Ausfahren sind hier irgendwie anders als bei uns in Deutschland. Hier sind die Straßen oft 5 oder 6-spurig. Zwei Spuren biegen nach Osten ab, zwei nach Western, in der Mitte geht es geradeaus weiter – leider ist das nicht immer so. Ist man gerade ganz links und stellt dann fest, dass man eigentlich auf eine der rechten Spuren müsste, hat man oft ein Problem. Hier in den USA darf man links und rechts überholen wie man will. Gerade das ist für mich hier oft ein Problem. Grundsätzlich ist es ja ok, dass man Schleicher rechts überholen kann, aber wenn ich der Schleicher bin, dann ist es hochgradig verunsichernd wenn man über vier oder fünf Fahrspuren hinweg wechseln soll und da rechts lauter Autos und LKWs an einem vorbeiflitzen.

Im Zweifel bleibe ich dann lieber auf der Spur auf der ich bin und wende an der nächsten Ausfahrt. So auch heute mal wieder, anders wäre es ja auch langweilig 🙂

Als wir am Flughafen ankommen ist es noch viel zu früh, nicht einmal 14h. Sandra hat am Vorabend beim Roulette 20$ auf Schwarz gesetzt und auch prompt verloren, das war ihr letztes Bargeld. Im Café habe ich ihr 5$ gegeben, mehr wollte sie nicht. Nun hat sie noch fast 5 Stunden bis der Flieger abhebt und sie hat nur 5$ in der Tasche. Als wir dann vor dem Terminal in der Pick-Up-Zone stehen, also da wo man nur kurz zum Ein- und Aussteigen halten darf, erscheint mir Sandra zutiefst gefrustet. „Und ich dachte Du kommst noch mit hinein?“ Man sollte mehr mit einander sprechen, ich kann da nicht mit hineinkommen, auch wenn ich es wirklich gern würde. Es gibt noch einen Abschiedskuss und dann muss ich auch schon wieder los.

Im Rückspiegel sehe ich Sandra noch mit ihrem Gepäck im Terminal verschwinden. Wie es für sie jetzt wohl alles werden wir? Während ich so dahin grüble nehme ich wieder den falschen Weg. Statt links herum direkt zur Ausfahrt fahre ich zum Terminal 1 – da wo die „Domestic Flights“ starten. Dort ist auf vier Fahrstreifen die Hölle los. Leute steigen ein und aus, überall Fußgänger, es geht da eigentlich gar nichts. Aber irgendwann ist auch das geschafft.

Mein Weg führt mich quer durch Las Vegas in Richtung Osten. Beim Casino „New York New York“ biege ich links auf den „Strip“ ab. Ich will nach Süden bis zum Highway 160 und dann in Richtung Death Valley fahren. Beim Kaffee haben wir noch kurz darüber gesprochen. In Death Valley regnet es eigentlich fast nie, warum nicht die beiden nächsten „Regentage“ dort ohne Regen verbringen? Kurz bevor ich zum Highway 160 komme sehe ich auf der rechten Seite FRY’s – einen gewaltigen Techniksupermarkt – etwa doppelt so groß wie das was wir so als MediaMarkt kennen. Also rechts auf den Parkplatz. Doch ich bin wieder eine Auffahrt zu früh und muss über den ganzen riesigen Parkplatz, alle 20 Meter ist dort eine hübsch gelb gestrichene Bodenwelle. In eine langen Schlange schaukeln wir zu FRY’s. Plötzlich habe ich eine junge Frau mit gewaltigem Hinterteil direkt vor meinem Auto, wo kommt die denn her? Und wie sieht die denn aus? Während ich ungläubig auf ihren dicken Hintern starre, scheint sie meine Gedanken zu lesen und zeigt mir prompt den längsten Finger ihrer rechten Hand. Nicht alle Amerikaner sind immer nur freundlich!

Im FRY’s finde ich dann nicht wirklich etwas, ich bin irgendwie auch viel zu gefrustet von unserem dann doch so schnellen Abschied.

Ich finde eine 256GB SSD im externen Gehäuse mit USB 3.0 für 576$, die interne Version kostet genau so viel. Aber das kann ich auch in Deutschland kaufen. Dann ist da noch ein kleine 2,5″ Festplatte mit 1,5TB für 179$ – mit USB 3.0 und Firewire 800 – ach egal… Bei den Kameras kommt vielleicht die Nikon D7000 in Frage, aber warum? Ich habe die D300, die D2x und die P7000 dabei – ach ja – die F80 auch noch. Also verlasse ich den Laden und kaufe einfach gar nichts.

Etwa eine Stunde später bin ich dann in Pahrump – so wie vor fast genau drei Wochen. Im gleichen Supermarkt gehe ich ein wenig Einkaufen. Es gibt 24 kleine Flaschen Wasser, 8 Flachen Doctor Pepper, Kekse, Kräcker, Chips, Obst, was man so braucht. Bier habe ich natürlich vergessen, das bemerke ich aber erst an der Kasse, ach egal – ist sowieso ein blöder Tag und ich habe noch drei Corona im Kofferraum.

In der Schreibwarenecke kaufe ich mir noch zwei schöne große beschichtete weiße Pappkartons. Eigentlich sind sie zum Malen da! Aber ich werde sie später im Hotel verwenden um Staub-Referenzfotos mit der D2x und der D300 zu machen. Diese Dateien mit der Endung *.NDF kopiert man eigenfach zu den Bildern die man mit den gleichen „Staubkörnern“ gemacht hat. Öffnet man dann die RAW-Bilder mit Nikon Capture, so erkennt das Programm diese NDF-Referenzdatei und retuschiert den Staub automatisch weg. Kein schlechtes Feature! Nur hatte ich die ganzen Tage nirgendwo eine ebenmäßige weiße Fläche die man für das Staubreferenzbild benötigt. Nun habe ich sie und sie hat nur 1,99$ gekostet!

An der Kasse werde ich wieder mal gefragt ob ich eine Kundenkarte habe. Habe ich nicht, ich komme aus Deutschland und bin hier nur auf der Durchreise. Die Verkäuferin ist toll, sie zückt ihre Karte und ich spare etliche Dollar. Die Mehrzahl der Menschen hier ist doch supernett!

Es geht weiter in Richtung Death Valley. Bei der Death Valley Junction gibt es das Amargosa Hotel. Ein uraltes Gebäude, das seit vielen Jahren mit dem Verfall kämpft. Aber es liegt recht günstig und via Internet habe ich gesehen, dass es dort Zimmer für etwa 70$ gibt. Bedenkt man, dass die erste Nacht direkt um die Ecke im Furnace Creek Resort 340$ plus Steuer ohne Internet und Frühstück gekostet hat, ist das fast ein Schnäppchen!

Als ich dort ankomme ist noch ein Zimmer mit zwei großen Betten für zwei Tage frei. Das Zimmer hat sogar eine Dusche und kostet 75$ pro Nacht plus Steuern. Ich willige ein. Es ist ein witziger Check-In. Der Chef hat eine Weile in Bitburg gelebt. „Bitte ein Bit“ – „Over there you can get a Frühstück tomorrow in the morning.“ Spontan fühle ich mich an den witzigen Sprachmix bei Jo und Caro auf Teneriffa erinnert.

Das Zimmer ist dann eher ernüchternd. Ok, aber ich muss hier nur schlafen. Dafür ist die Lobby ganz nett und gegen eine Spende von 15$ bekomme ich das Kennwort für das WLAN. Es ist nicht schnell, aber ich kann für Familie und Freunde meinen BLOG weiterführen. Also Leute, dieser Artikel kostet 7,50$ 🙂

Bei meinem kleinen Rundgang durch die Lobby habe ich eben gelernt, dass dieses Hotel wirklich schon uralt ist und zu Zeiten gebaut wurde, als hier im Death Valley noch Borax abgebaut wurde. Es blickt auf eine sehr bewegte Vergangenheit zurück! Im Jahr 1967 hatte dann die Künstlerin Marta Becket hier eine Reifenpanne. Aus diesem unfreiwilligen Stop wurde eine viele Jahre währende Liebesbeziehung mit diesem Fleckchen Erde. Martha Becket hat hier gleich nebenan ein kleines Opernhaus gegründet und viele Jahre lang ein wenig Kunst an den trockensten und lebensfeindlichsten Ort der USA gebracht. Vor diesem Hintergund ist auch der Zustand der Zimmer ok 🙂

Hier gibt es weitere Informationen zu diesem ganz witzigen Örtchen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Marta_Becket

Leaving Las Vegas

Gestern im Coco’s haben wir erst einmal unsere Uhren korrekt eingestellt. Ich weiss nicht warum, aber wir waren wieder eine Stunde zu spät. Die korrekte Uhrzeit ist heute gar nicht so verkehrt, denn Sandra muss heute leider zurück fliegen. Sobald ich meinen Trennungsschmerz verarbeitet habe, werde ich mal schauen was es die nächsten zwei Wochen hier für mich noch alles geben kann. Heute wird das nicht viel sein, denn heute soll es hier überall Regen geben. Gestern hat es sich ja schon mit einigen wenigen Regentropfen zwischen den Casinos angekündigt.

Wie geht es also weiter? Ich denke, ich fahre heute einfach mal ein ganzes Stück in Richtung Osten. Da will ich eh hin und so kann ich den stürmischen ungemütlichen Tag als Reisetag vielleicht ganz gut gebrauchen. Es könnte südlich am Grand Canyon entlang gehen, vielleicht mit einem Abstecher zum South Rim – bei Sturm und schweren Wolken sieht der Grand Canyon meist viel dramatischer aus als bei nettem Sonnenschein und langweilig blauem Himmel 🙂

Ok, es geht los – ich werde berichten!