Kampf dem Chaos

Am 16 Juni 2009 bin ich wieder zurück in meine Wohnung gezogen. Auch eineinhalb Jahre danach sind noch nicht alle Umzugskartons ausgepackt. Warum? Weil ich fast immer nur unterwegs bin…

Dementsprechend ist es schwierig oder gar nicht möglich die Dinge wieder zu finden die 2009 und 2010 mit in den USA waren. Es ist das blanke Grauen, im letzten Jahr habe ich erst in den USA festgestellt, dass ich das falsche Kabel für mein GPS eingepackt hatte. Damals ließ sich das Problem durch eine Bestellung bei amazon.com mit Lieferung zum Motel in Page lösen.

Diesmal finde ich die Autoscheibenhalterung einfach nicht wieder. Wo ist das blöde Ding denn nur… Nach tagelangem Rätselraten dann eine Bestellung bei amazon.de mit Expresslieferung.

Beim Auspacken muss ich an die vielen total überflüssigen YouTube-Videos denken. Sie heißen irgendwas mit „Unboxing the new iPhone“ oder so ähnlich. Sehen tut man in der Regel nichts Spektakuläres. Da wird einfach irgendetwas kurz nach der Lieferung durch den Paketboten ausgepackt, das kann ich auch 🙂

Während die Waschmaschine nebenan die blaue Goretex-Jacke samt Innenfutter wäscht, versuche ich mich an der Autoscheibenhalterung für mein Garmin Colorado 300…

Als es entlich ausgepackt ist, schleudert die Waschmaschine die letzten Umdrehungen. Die neue Nikon P7000 ist noch „warm“ also schnell ein „Bullaugenvideo filmen 🙂

Danach geht es an die Vorbereitungen  zum Kofferpacken. Der neue Koffer ist super, aber das leichte Carbonstativ passt samt Kugelkopf aber auch hier nur quer hinein – so ein MIST!! Also versuche ich den Kugelkopf abzuschrauben, was natürlich nicht funktioniert. Das Ding sitzt sowas von bombenfest, man kann auch nirgendwie anfassen. Dann fallen mit die drei Madenschrauben mit Innensechskant auf. „Habe ich die angezogen??“ Ich weiß es nicht mehr. Aber einen passenden Inbusschlüssel habe ich auch nicht parat. Also fummle ich mit dem was mit in die Finger kommt dran herum bis die drei Schrauben fast herausfallen. Aber nichts rührt sich, ahh…

Irgendwann gebe ich einfach auf, ich nehme die Mittelsäule aus dem Stativ heraus und lege sie einfach nebeneinander in den Koffer. Das geht auch. Das Stativ werde ich morgen mit Socken und anderen Kleinigkeiten auspolstern, dann sollte da nichts schief gehen. Mal sehen welche Steine ich noch aus dem Weg räumen muss 🙂

Update um 18h50

Der Zigarettenqualm im Hausflur hat es den ganzen Tag angedeutet, die Maler sind noch da! Als ich den Müll weg bringen will ist der Hausflur nicht nur frisch gestrichen, sondern auch tip top aufgeräumt!

Also schnell die Eignung der neuen Nikon P7000 für die Archtekturfotografie unter Beweisstellen – auch wenn es keine schöne Architektur ist. Um es kurz zu machen, wähle ich das Motivprogramm „Museum“ und knipse mal das Treppenhaus. Einen Augenblick später am Rechenr sieht das Ergebnis ein wenig „bauchig“ aus. Aber diese Verzeichnung ist für Weitwinkelobjektive durchaus typisch. Bei der P7000 läßt sie sich wirklich einfach korrigieren.

Hier ist das Ergebnis – freihändig geknipst!

Juchu. ich habe meine Schweizer Messer wiedergefunden 🙂 Beim Durchsuchen des Kühlschranks kommt eine Filmdose nach der Anderen zum Vorschein. Eigentlich sollte ich noch eine traditionelle Kamera mitnehmen. 2009 habe ich sogar die dicke Nikon F5 und die F100 überall hin mitgesschleppt. Das will ich mir nicht mehr antun, zumal 2009 etwa 75% der Dias im Labor schwer beschädigt wurden. Die meisten Dias sind krass verschrammt! Dieses Mal passiert das hoffentlich nicht wieder! Welches analoge Gehäuse darf also mit? Die F75 fällt mir ins Auge, sie ist klein und leicht. Später im Diaprojektor kann man des den Dias nicht mehr ansehen was die Kamera wog die sie gemacht hat!

Also versuche ich die F75 zu beleben. Aber ich habe sie lange nicht benutzt und alle Batterien sind irgendwie leer. Ich finde ein Kombination in der sie noch etwas tut. Aber dann blinkt ständig „Err“ im Display. Morgen noch neue Batterien kaufen? Egal, ich versuche meine F80. Die braucht zwei etwas größere Lithium-Batterien. Was sich diesbezüglich im Kühlschrank findet ist auch nichts mehr wert. Auch hier gibt es unter 8 Batterien noch eine Kombination mit der die F80 einen letzten Spiegelschlag erzeugt. Dann blinkt auch hier ständig „Err“ im Display. Ob sie vielleicht einen Defekt hat?? Ich krame im nächsten Schrank und es kommt noch eine F80 ans Tageslicht. Sie hat ein Champangerfarbenes Gehäuse und sieht eigentlich irgendwie komisch aus. Aber egal, sie hat einen Batteriegriff! In selbigem finden sich noch vier Mingon-Zellen. Aber die sind auch leer.

Also vier Akkus aus dem Ladegerät hinein. Die haben aber nur 1.2 statt 1.5 Volt und es blinkt wieder nur „Err“ im Diasplay. Langsam werde ich ungehalten… Ich krame weiter und finde einen 8er Satz Mignonzellen die ich irgendwann im ALDI eingepackt habe. Also rein damit, einschalten, nun sagt sie gar nichts mehr. Ohje… Wieder raus damit, aha, eine Batterie ist falsch herum! Danach klappt alles, die F80 lebt!! Eigentlich könnte damit auch die schwarze F80 zu beleben sein. Ich versuche es mal und habe Erfolg. So kan nich sie mitnehmen, im vergleich zur F75 hat sie den deutlich größeren Sucher und liegt dank des Batteriegriffes viel besser in der Hand. Irgendwie muss man den Koffer ja voll bekommen 🙂

Und schnell noch ein Testbild mit der P7000 gemacht. Diesmal mit einem Nikon SB-900 Blitzlicht. Die Weitwinkelstreuscheibe ist ausgeklappt und der kleine weiße Reflektor ist ausgezogen. Der Reflektor selbst ist recht weit nach oben gekippt und blitzt unter die weiße Decke. Am SB-900 ist „TTL“ eingestellt, die Belichtungsmessung erfolgt also durch das Objektiv der P7000 (Thru-The-Lens) – Der erste Schuß sitzt sofort. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit meiner neuen kleinen Knipse!!

Vorfreude

Eigentlich kann ich es kaum noch erwarten, noch dreimal schlafen, einmal früh aufstehen und 11h Flug überstehen, dann ein paar hundert Kilometer mit dem SUV durch die Wüste und schon sind wir im Furnace Creek Inn – klingt doch alles ganz einfach – oder? Bei der elektronischen VISA-Anmeldung https://esta.cbp.dhs.gov/esta muss man angeben wo man die erste Nacht verbringen wird. Das sollte dann auch stimmen und es ist im Zweifel von Vorteil wenn man bei der Einreise eine Reservierung vorlegen kann. Ich hatte mir im Vorfeld ein Hotel mitten in einer natürlichen Oase ausgesucht. Das Furnace Creek Inn ist nun schon über einhundert Jahre alt. Die Oase selbst hat schon so manchen halb verdursteten Reiter auf seinem Weg in den Westen das Leben gerettet. Dass die Übernachtung dort nicht ganz preiswert sein würde hatte ich ja vermutet. Aber als ich nach erfolgreicher Beantragung unserer VISA dann das Zimmer für die erste Nacht buchen wollte, hat mich doch ein wenig der Schlag getroffen. Die etwas preiswerteren kleineren Zimmer waren schon alle belegt. Wir werden von Sonntag auf Montag für läppische 370$ in Furnace Creek übernachten – Autsch…

Ob ein Frühstück enthalten ist weiß ich nicht…

Na ja, ich werde berichten!

Hier habe ich noch ein Foto das jemand aus der Fotocommunity für die FC-Galerie vorgeschlagen hat. Es war von meiner Seite nicht für eine solche Abstimmung gedacht gewesen. Eigentlich habe ich es in die FC eingestellt um mal zu zeigen welch krasse Wetterphänomene es in der Wüste geben kann. Das Foto ist mit einem Fisheye-Objektiv fotografiert. Nur so bekommt man den krassen Himmel auf den Chip gebannt. Leider verzerren diese Objektive die „Wirklichkeit“ sehr stark. Wer sich mal mit „Optik“ beschäftigt versteht auch sehr schnell, dass das gar nicht anders geht – Fotografie ist eben zu 50% Physik. Im Rahmen der FC-Abstimmung hat dann jemand das hier geschrieben:

Bielefelder Bilder-Freak, gestern um 18:50 Uhr
imA ein misslungener Bildaufbau. Unten zu wenig, oben zuviel.

Was ist am Bildaufbau misslungen? Schaut und überlegt mal selbst…

Ok, der „Fotoexperte“ hatte es ja schon auf den Punkt gebracht – Oben zu viel – unten zu wenig – ein Problem mit dem auch mancher Autobahnraser männlichen Geschlechts zu kämpfen hat… (Siehe vorheriger Post…)

In den meisten Abhandlungen zum Thema Bildaufbau & Co. wird die „Drittelregel“ erklärt. Das obige Bild folgt dieser Regel in keinster Weise – aus technischen Gründen – damit der Horizont nicht krumm wie eine Gurke wird…

Das Resultat ist ganz nett, aber doch irgendwie unbefriedigend. Warum? Ich denke, dem Bild fehlt einfach die Spannung, ist der Horizont in der Bildmitte ist es einfach total langweilig. Da kann der Himmel krass sein wie er will, die Erde kann von Außerirdischen umgepflügt sein, egal, es ist und bleibt langweilig!

Also habe ich das Bild noch einmal kurz in Photoshop geöffnet und es einfach ein wenig in die Länge gezogen. Man wählt Strg+A Strg+T und zieht einfach mit der Maus an der unteren Kante des Bildes – fertig! Danach habe ich noch kurz in den LAB-Modus gewechselt und die Kontraste verstärkt. Macht man das im LAB-Modus, so werden die Farben weniger unnatürlich verändert. Das Bild ist danach einfach etwas kräftiger. Die Korrekturen waren marginal, aber mir macht das untere Bild jetzt richtig Spaß.

Auch wenn man es eigentlich nicht will, aber solch ein Sturm hat auch seinen Charme!

Sodele, jetzt noch dreimal schlafen…

Auf nach Mainz

Es ist früh am Morgen und es ist bitterkalt. Um kurz vor sechs geht es los in Richtung Mainz – noch eine Woche arbeiten. Kurz vor der Autobahn gibt es im Radio lauter Horrormeldungen, Glatteis, Unfälle… Eigentlich hatte ich gedacht, der Winter sei weitgehend vorbei. Schließlich sind wir sogar schon zweimal mit den Mopeds unterwegs gewesen. Wie dem auch sei, es gibt Dinge im Leben die kann man nicht ändern. Statt im Stau herum zu stehen entschließe ich mich für den Weg am Rhein entlang. Etwa 120 Kilometer Landstraße, linksrheinisch! Tief in meinem Innersten trägt mich die Hoffnung auf einen zauberhaften Sonnenaufgang an der Lorelei. Die neue Nikon P7000 liegt schussbereit auf dem Beifahrersitz.

Bei Koblenz gibt es den üblichen Morgenstau. Die Brücke über die Mosel ist seit Jahren eine einzige Großbaustelle, ob die hier jemals fertig werden?

Aber dann ist es geschafft. Beim Abzweig in Richtung Bacharach steuere ich eine Tankstelle an. Kurz zuvor ein letzter Blick auf die Verbrauchsanzeige meiner Dieselrakete. Mit einem Schmunzeln muss ich feststellen, dass aus den 85 Kilometer „Restlaufzeit“ auf dem Weg von Bonn nach Koblenz 105 Kilometer geworden sind. Stadtverkehr ist nichts für Bordcomputer… Die Schleicherei auf freien Landstraßen wirkt sich wirklich positiv auf den Spritverbrauch aus. Etwa 6,5 Liter/100Km habe ich verbraucht. Das mit einem recht schweren Auto mit 2.7 Liter Turbodiesel! Nicht schlecht…

Während der Diesel in den Tank gluckert und ich fröstelnd von einem Bein auf das Andere steige überlege ich, was die Faktoren für diesen günstigen Spritverbrauch sein könnten. Es ist -4°C, die Luft ist also bitter KALT und wenn Luft kalt ist hat sie ein geringeres Volumen, das müsste zu einer besseren Füllung der Zylinder führen – aber spürt man das? Die Kälte könnte das Gummi der Reifen etwas härter werden lassen, ist dann vielleicht der Rollreibungswiderstand geringer? Als der Tank schließlich voll ist sind meine Überlegungen genauso ergebnisoffen wie die Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU. Schnell zahlen und dann die Heizung auf 23°C einstellen – brrr….

Auf den nächsten Metern denke ich an die Amerikaner die während des letzten Schneesturmes ohne Sprit ihn ihren Autos festsaßen. Einige von ihnen hat es das Leben gekostet. Gut zu wissen, dass es in good old germany sowas von dicht besiedelt ist, dass man selbst bei einer kapitalen Panne nicht am Rheinufer wird erfrieren müssen.

Die Hoffnung auf einen grandiosen Sonnenaufgang schwindet mit den Kilometern. Es wird wieder einfach nur „hell“. Schade! Hinter Bingen geht es auf die A60, kurz vor Mainz dann 45 Minuten Stau an der „ewigen Baustelle“. Seit nunmehr 11 Jahren – in Worten – ELF JAHREN – wird dort an der Autobahn gewerkelt. Ob die jemals fertig werden? Vielleicht ist sogar die Moselbrücke in Koblenz eher fertig? Wie sang Nena einst so schön „Wunder geschehen ich hab’s gesehen…“

Der Tag birgt wenig Überraschungen in sich und als ich um 19h in meinem Appartement einlaufe, freue ich mich auf einen Käseteller im besten Hotel der Welt. Danach ein Glas Rotwein, noch ein wenig die Route planen und dann mit einem der vielen USA-Reiseführer in der Hand einschlafen. Was für ein Tag 🙂

Fly me to the moon

Es ist der vorletzte Tag der vorletzten Woche bevor es für eine lange Zeit in die USA geht. Die Mittagskarte der Kantine ist nicht so mein Fall. Auch Fabian hat kein Lust auf Kohlrouladen, also gehen wir gemeinsam zum La Rustica und lassen es uns dort gut gehen.

Doch mein Salat bekommt mir nicht wirklich. Eigentlich kann ich alles essen, Bratwurst, Burger, Fritten, danach Crème brûlée – alles kein Thema – aber mit Salat hat mein Körper keinen Vertrag. Kaum zurück im Büro geht die Rennerei schon los. Es gärt und brodelt und ich fühle mich richtig krank. Kurz nach 17h geht es gar nicht mehr, ich will nur noch nach Hause. Aber mein Zuhause ist weit weg. Also geht es zu Fuß zum Appartement gleich neben dem besten Hotel der Welt. Ich freue mich auf einen Jägermeister, vielleicht hilft das.

Während ich die Treppenstufen zum Rhein hinunter stapfe fliegt ein Flugzeug nach dem anderen über meinen Kopf hinweg. Am Himmel lacht mich ein fast voller Mond an. Groß und schwer hängt er am Himmel, das letzte Abendlicht färbt den Himmel leicht violett und der Mond erinnert mich an das Gesicht eines lächelnden Chinesen.

Auf den letzten Metern ist plötzlich das Grummeln im Bauch fast vergessen. Schnell rein und die Kamera klar machen. Ich schnappe mir die D300, dran kommt der 1.7er Teleconverter und das famose AF-S 2.8/70-200. Ich stelle auf Zeitautomatik, Blende 5.6 und ISO-320. Danach geht es schnell die Treppe wieder hinauf. So habe ich freue Sicht auf den Himmel, den Mond und die Flieger die ein paar Minuten später in Frankfurt am Main landen wollen.

Etwa 30 Minuten später ist es zu dunkel für scharfe Fotos. aber ich habe ein paar nette Fotos machen können. Zurück am Mini-Mac wird dann die Beute gesichtet. Es gibt einen Jägermeister und etwas Schokolade. Gut auch, dass noch reichlich Toilettenpapier da ist…