Never hike alone – Oder: Warum man nicht auf privaten Straße fahren sollte

Nach ausgiebigen Frühstück, Morgenlektüre und täglichem Frühstücksblog bin ich dann so gegen 10h los gefahren um das Tribal Office in der Nähe von Lechee zu suchen. Dort soll es für 5$ einen Permit geben. Das Navi brauche ich gar nicht mehr wirklich, die Stadt ist so klein und übersichtlich, man findet sich hier schnell zurecht. Also ab in Richtung Walmart und dann weiter auf der Copper Mine Road. Das was bei Google Earth soooo einfach aussah entpuppt sich als schwierig. Das was ich laut Internetreisebericht & Co. für das Tribal Office halte ist ein Kuhstall. Dumm gelaufen, wenden, schauen, halten, rätseln. Hm, dann fällt mir ein, gestern habe ich gelesen, dass es beim Häuschen am Upper Antelope Canyon den Hiking Permit für den Waterholes Canyon ebenfalls geben soll.

In der Ferne sehe ich die Schlote des Kraftwerks qualmen, direkt daneben ist der Antelope Canyon, also schnell (was man hier so schnell nennen kann) zurück dort hin. Kaum angekommen ist alles verlassen – Nebensaison – eigentlich cool – da könnte man gaaaaanz allein in den Upper Anelope Canyon klettern! Vor der verlassenen Hütte steht ein echt großer weißer Truck mit dem wohl die Gäste zum Canyon gefahren werden. Drin sitzt ein Indianerfrau so um die 40 oder 50 – ich kann das nicht schätzen – sie ist jedenfalls eben so dick wie freundlich und erklärt mir, dass ich den Permit in der Nähe von Lechee im Tribal Office bekomme. Ja weiß ich doch!! Nur woooo ist es denn! Sie greift zum Handy und erklärt mir, dass es besser ist dort erst einmal anzurufen.

“Hi Brenda, this is Brenda – how are you – yeah – how about your children – are you ok – Brenda, there’s a guy wanna hike to waterholes canyon. Can he obtain a permit today? Yeah Yeah…. — -… Yeah  … OK – Yeak – Ok – bye see you later.” “Ok mister go ahead, turn left …. ask for Brenda.” “Are you Brenda"???$%$%” “Yes I am, but her name is also Brenda.”
(Versuch die Konversation sinn gemäß wieder zu geben.)

Wer will kann es mal zu zweit nachspielen – vielleicht morgen früh im Quartier 65 beim besten Frühstück der Welt? Als Zutat braucht man allerdings eine Kartoffel – derjenige der Brenda spricht muss die Kartoffel zuvor in den Mund stecken – Achtung – nicht kauen – nicht schlucken!

So weit so gut – Brenda macht mir eine tolle Zeichnung und erklärt mir haarklein wie ich Brenda finde. Also bedanke ich mich überschwänglich und ziehe von dannen.

Ein paar Minuten später bin dann bei Brenda angekommen. Ihr Tribal Office ist ein alter grauer Holzcontainer mit zwei Türen und zwei Fenstern. Er steht auf Stützen und in der Mitte ist eine breite Holztreppe angebracht die zur Veranda vor den beiden Türen führt. Im rechten Fenster ist ein Stück Pappkarton zu sehen auf dem in großen freundlichen Lettern das Wort “Open” steht – Prima!

Ich mache mal die rechte Tür auf und das sitzt Brenda! Ich erkläre was ich will aber sie weiß es schon. Nach ein paar Augenblicken habe ich für ganze 5$ meinen Hiking Permit. “You can enter the canyon from the east. You know where it is????”.-.-.-.-“

I know!

Ein paar weiter Minuten später bin ich am gleich Eingang den ich gestern total illegal genutzt habe um ein paar Bilder der Great Wall zu knipsen. Eigentlich würde ich gern so richtig hinab in diesen Slot Canyon klettern. Ein paar hundert Fuß entfernt zeigt das Navi einen 4WD-Trail an. Den hatte ich schon bei Google Earth gesehen (man muss sich ja vorbereiten) und siehe da, neben dem Tor mit der Aufschrift “Keep closed” ist eine Art Rindergatter – wenn man das so nennen kann. Die Kette ist nicht vorgehängt und ich fahre einfach mal mit meinem Mietwagen hinein. Am Armaturenbrett ist ein Drehschalter mit der Aufschrift 2WD – 4WD. Ich drehe ihn auf 4WD und gebe Gas. Was für ein Spaß! Einmal verfahre ich mich auch gleich, es gibt hier keine Straßenschilder mehr, aber das Navi weist den Weg. Ein paar Minuten Später bin ich dann auch schon da. Es sieht aus wie eine Art Trail Head, so ähnlich sah es bei Google Earth auch aus. Also Auto abstellen, Klamotten packen und los.

Eine sandige hohle Gasse führt hinab in den Canyon. Nach etwas 900 Fuss stehe ich von einem Zaun aus Stacheldraht – PRIMA…denke ich und will schon fast umkehren, da fällt mir auf, dass jemand den ganz rechten Pfosten herausgezogen hat und man locker daran vorbei kann – Prima! Also weiter, unten im Canyon angekommen sieht man eine Menge Fußspuren und auch die grobstolligen Reifenabdrücke eines oder mehrerer Geländewagen.

Links um die Ecke geht es in den Canyon – Ich hab’s gefunden – – – GEIL!! Ein paar Kurven später ein ernüchternder Fund. Ein totes Schaf liegt im Canyon, viel ist nicht mehr übrig, aber die Wolle am kahlen Schädel deutet darauf hin, dass es wohl mal ein Schaf gewesen sein muss. Ob es abgestürzt ist oder ob es hier doch irgendwelche gefährlichen Viecher gibt???

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NEVER HIKE ALONE – geht es mir durch den Kopf und meine Begleitung sagt nichts dazu – es gibt sie ja auch gar nicht. Never Hike Alone – das denke ich ein paar hundert Fuß  erneut, da geht es locker 5-6 Fuß runter. Wie komme ich da wieder hoch? Runter springen ist ja einfach aber wieder rauf kommen! Na, irgendwie wird es gehen denke ich mit. Die Kamera ist schon am voll ausgezogenen Stativ und am Stativ und inkl. Kameragut kann ich sie soeben so absetzen, dass sie nicht umkippt. Als ich den Gurt los lasse ist sie dann weg. Von oben komme ich jedenfalls nicht mehr ran. Also hineinspringen in den Canyon und bloß keinen Fuß verknacksen. (Never Hike Alone) Alles geht gut und ich wandere weiter. Alle paar Meter halte ich mal an und mache ein paar Fotos. Nur so pro forma, denn der richtig schöne Teil liegt sicher noch vor mir. Dann wieder so eine fiese Stelle. Kamera abstellen und runterspringen, diesmal ist es nicht ganz so hoch und es ist so eng, dass man sich zur Not an beiden Felswänden abstützen und wieder raus klettern kann. Alles geht gut und weiter geht’s. Dann wird es richtig eng. Ich muss das Stativ zusammenklappen, sonst komme ich nicht um die engen Kurven.

Dann Ernüchterung, vor mir liegt eine Art Rutsche. Es geht da mehrere Meter weit runter, nichts zum festhalten, nichts zum abstützen, da muss man echt runter rutschen! Wie soll ich das machen ohne, dass anschließend die Hose zerfetzt und die Objektive zertrümmert sind. NEVER HIKE ALONE! Wäre jetzt jemand dabei und wäre das Seil nicht im Koffer im Hotel – man käme das sicher runter. Ein paar Meter weiter kann man die nächste Schikane sehen. “Au Backe, nee, wenn da was schief geht ende ich wie das Schaf!” Handy-Empfang habe ich keinen und das Navi hat sich auch ausgeklinkt weil die Wände so steil und hoch sind, dass die Satteliten nicht sichtbar sind.

Selbst wenn ich also im Falle eines Falles und den könnte man wörtlich nehmen, telefonieren könnte, ich wüsste nicht wen ich anrufen soll und wie ich ihm erklären könnte wo ich bin. Ein wenig ernüchtert drehe ich also um. Die letzte Schikane komme ich ganz gut hoch wenngleich ich mit meinen Verrenkungen sicher keinen “Grand Prix de Elegance” gewinnen könnte. In der Nähe des toten Schafes geht es dann doch nicht weiter. Mist! Zwischendurch habe ich einen Holzknüppel gesehen an den jemand ein rotes Tuch gebunden hat. Das könnte eine Wegmarkierung sein. Also zurück und siehe da, hier ist die Wand des Canyons so schön abgestuft, dass man/ich mit einigem Ächzen aus dem Canyon wieder heraus komme. Oben bin ich froh über die Entscheidung als ich sehe wie es weiter geht. Ist sicher cool, aber nicht allein und ganz ohne Leiter, Seil, what ever…

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Ja oben bin ich nun, nur leider auf der falschen Seite! ganz in der Nähe sind Spuren, sieht nach einem Pferd aus! Ich folge den Spuren und das GPS ermuntert mich meinen Kurs beizubehalten. Gut! Der Weg ist voll mit tiefem Sand, es ist Mittag und die Sonne brennt. Ich habe einen Liter Wasser dabei, wenigstens das! Eine halbe Stunde später kann ich mein Auto sehen, es blitzt ein Meile entfernt in der Sonne. Schließlich finde ich auch eine Stelle wo es hinab und wieder hinaus geht, prima! In einem kleinen Abzweig mache ich noch in aller Ruhe ein paar Fotos. Mittlerweise ist es 15h und ich mache mich auf den Weg zum Auto. Da gibt es Wasser soviel ich will, warmen O-Saft und Ritz-Kräcker bis zum Abwinken. Ich bin doch ein wenig geschafft und mache erst einmal Pause. Das feuchte Hemd sollte ich ausziehen! Gut, dass ich ein Reservehemd dabei habe! Während das Hemd in der Sonne trocknet esse ich Kräcker und lösche meinen Durst. Das Trinkwasser gibt es hier in richtig großen Kanistern, die pro Stück so ca. einen Dollar kosten. Ganz human und so gesund 🙂

So gegen 16h startet der große Motor und es geht über die sandige Piste zurück zur Hauptstraße, was für ein Spaß. ich gebe so richtig Gas, die Kiste brüllt und schlingert, es ist ein echtes Männervergnügen. Nach einer Bodenwelle kommt schließlich die Straße in Sicht. Huch, dort steht ein Polizeiwagen und ein weiteres Auto. Mist, warten die auf mich? Komme ich in den Knast, habe ich einen Hausfriedensbruch begangen, muss mich der deutsche Botschafter auslösen???

Dann die nächste Überraschung, die Kette die morgens irgendwo zwischen im “Antikuhgitterrost” lag häng nun zwischen den Pfosten. Oh je, ich bin eingesperrt! Ich schnappe mir meinen Permit, schwinge mich über die Kette und gehe freundlich auf den bewaffneten Sheriff zu. “Hello, how are you!” “Can I help you Sir?” Ja er kann, ich erkläre ihm, dass ich da eingesperrt wurde obwohl ich doch einen Permit habe. Er erklärt mir, dass ich zwar einen Permit habe, dass dieser mich aber nicht berechtigt diese Straße zu befahren! “This is private property!” Ob er das Schloß öffnen kann um mich raus zulassen? Nee, dafür hat er keinen Schlüssel, da muss ich wohl den Besitzer finden! Ja aber wenn der doch jetzt vielleicht irgendwo daheim in Page vor dem Fernseher sitzt und Bier trinkt – Mist!

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Ich soll mal schauen ob da nicht ein Haus ist und ob ich den Bewohner nicht finden kann. Ok, ab ins Auto und zurück, spaß macht es ja. Alles was ich finde ist ein verlassener Wohnwagen, ein paar Kühe und Schafe und jede Menge gefährlich laut bellender Hunde, Fehlanzeige. Also zurück zur Kette. Der Officer fragt ob ich denn jemanden gefunden haben, leider nein. Inzwischen sind zwei weitere Polizeifahrzeuge eingetroffen. Das vierte Auto wird kontrolliert, intensiv! Die Insassen schauen nicht glücklich aus und der Fahrer steht mir betretenem Gesicht neben dem Kofferraum.

Ich falle dem Polizisten auf, er wendet sich ab und kommt zu mir. Ob ich den Besitzer gefunden habe. Nein, da ist nur ein verlassener Wohnwagen! Gemeinsam rütteln und schütteln wir an der Kette, aber sie ist echt fest! Hätte ich einen 19er Schlüssel, ich könnte eine der Streben abschrauben und die Kette abstreifen. Nach der Durchfahrt könnte ich es wieder zusammenschrauben. Also krame ich im Auto rum, irgendwo muss doch das Bordwerkzeug sein. Ich finde rein gar nichts! Mist Mist Mist…

Der Policeman sieht mein betretenes hilf- und ratloses Gesicht. Dann sagt er die erlösenden Worte “Ok, I’m gonna make a phone call for you ‘n see what I can do. Just a moment…” (Kartoffel in den Mund nehmen!) Nach ein paar Minuten kommt er zurück und erklärt mir, dass er im Indianer Reservat angerufen hat und dass jemand kommt um mich zu befreien. Ich solle mich drauf einstellen, dass die Kette aufgebrochen werden muss und dass das was kosten kann. Oh je!

Schließlich fahren sie alle los und lassen mich zurück. Der Sheriff (oder ist er ein Polizist) winkt mir aus dem Auto noch zu, echt nett war er ja. Ich winke zurück und warte. Kurz drauf kommt ein echt großer Truck angefahren und hält auf der anderen Seite der Kette. Ein Indianer springt raus und kommt auf mich zu. “Hello how are you?” “Fine, how are you?” Ich zeige meinen Hiking Permit und erkläre ihm, dass ich wohl “versehentlich” die falsche Straße genommen habe. Und dass mein GPS mir das ganze als 4WD-Trail angezeigt hat. Er ist ganz cool, geht zum linken Pfosten und holt einen Schlüssel hervor der ganz unten an diesem Pfosten mit einem Stückchen Draht eingehängt ist. Ganz gut versteckt, aber ich hätte ich sehen können! Mit einem Grinsen im Gesicht das sagen könnte “Du dämlicher Tourist bist nicht mal in der Lage die richtigen Straße zu finden…” öffnet er die Kette und ich kann raus. Wow, mir fällt ein Stein vom Herzen. Was er denn für meine Rettung bekommt? “It’s okay man!” Nein, ich will ihm was geben, es ist mir alles viel zu peinlich. Ich krame in meiner Geldbörse, der erste Schein ist eine 20$ Note – das ist ok, ein Schlüsseldienst in Deutschland kostet viel mehr. Er nimmt den Schein gern entgegen, grinst breit und bedankt sich ganz herrlich. “Ok, bye see you later! Thanx, you rescued me!” “Bye, you’re welcome!”

Eine kleine Fotostrecke zur Wanderung gibt es hier.

Ein kleines Offroad-Video habe ich auf “gedreht”.

 

Geschafft, und es geht auch gleich die Sonne unter, also schnell über die Brücke und auf der anderen Seite des Canyons parken. Dann bewaffnet mit allem was ich zu brauchen glaube noch einmal zur Great Wall – diesmal mit Permit – gaaaaanz offiziell – besser ist das!

An der Great Wall angekommen knipse ich jedes Sandkorn und also die 16GB voll sind geht es mit der nächsten Karte lustig weiter. Wer weiß wann ich hier nochmal hinkomme… Als sich die Sonne verabschiedet hat geht es dann heim, die Füße tun weh, Hunger habe ich auch und froh bin ich. Froh, dass die Amis alle so nette Leute sind!

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Permititis – Oder: Endlich mal ausgeschlafen

Punkt 7h03 höre ich es wieder “Tü du du” – das Handy hat wieder keinen Strom mehr, vielleicht sollte man den Akku mal richtig aufladen und nicht immer nur die letzten 10 Minuten bevor man loszieht 🙂 Egal ich bin wach, die Nacht war wieder saukalt und ich überlege ernsthaft ob ich mir einen Schlafanzug kaufen soll. “Klingt zwar komisch, is aber so"!” würde Peter Lustig sagen. Wann ich zuletzt einen Schlafanzug getragen habe weis ich schon gar nicht mehr. Ich glaube es ist locker 5 Jahre her! Na ja, lieber einen albernen Schlafanzug als die ganze Nach bibbernd im Bett zu liegen. Alternativ kann man das Gedröhne der Ventilatoren in der elektrischen Heizung ertragen.

Cool ist, dass das Hotel draußen eine große Leuchtreklame hat auf der in riesigen roten Buchstaben immer mal wieder zu lesen ist: “Free continental breakfast” – inzwischen glaube ich zu wissen was man in den USA von Dingen zu halten hat die nichts kosten, eher wenig bis gar nix. Vielleicht gehe ich gleich mal rüber zum Starbucks, mal schauen…

In der Copper Mine Road gibt es ein Tribal Office, da werde ich gleich mal versuchen einen Permit für den Waterholes Canyon zu bekommen. Die letzten Tage war es trocken, also habe ich vielleicht gute Chancen in zu Fuß ein Stück weit durchqueren zu können. Wenn nicht ist das auch egal, der Permit soll nur 5$ kosten. Aber wer weiß, vielleicht ist er schon wieder teurer geworden 🙂

So, jetzt putze ich mal die Zähne und mach mich fein, damit ich den Indianern beim Tribal Office mein schönstes Lächeln schenken kann…

Ein langer Tag – Oder: Wie ich lernte die Zeitverschiebung zu bezwingen

Vierter Tag im Land der völlig unbegrenzten Möglichkeiten. Heute morgen auf dem Weg zum Auto hab ich mir noch schnell eine Cola aus dem Automaten unten am “Pool” gezogen – kostet hier 75 Cent. Neben dem Automaten steht eine Eismaschine, keine Ahnung was man damit macht – vielleicht Cockails oder so – ich brauche sie jedenfalls nicht. Beide Automaten sind mit einen Dreifachstecker an einer Steckdose angeschlossen. Das alles sieht ein wenig nach Märklineisenbahn aus, vielleicht auch nicht – irgendwie jedenfalls selbstgebastelt. Und wenn ich an die wackeligen Steckdosen hier im Zimmer denke aus denen die Stecker fast herausfallen, dann frage ich mich, wie eine so große Nation jemals die Weltherrschaft erringen will, man sagt ja google nach sie würden genau selbiges anstreben, wenn sie nicht einmal in der Lage ist vernünftige Steckdosen herzustellen.

Na, wahrscheinlich ist es einfach zu spät dafür oder man wartet noch ab wie eine KinderErwachsenenIdiotenSichereSteckdose für Elektroautos aussehen wird, um dann das ganze Land umzurüsten. Barak Obama legt doch gerade ein Konjunkturprogramm auf um die marode Infrastruktur des Landes zu modernisieren, warum nicht einfach mal mit den Steckdosen anfangen? Für die Übergangszeit könnte man in Deutschland wunderbare Adapter kaufen die sonst nur amerikanischen Reisenden in bundesdeutschen Baumärkten auffallen.

Na egal, warum soll man sich über Sachen ärgern die man nicht ändern kann, schließlich funktioniert es ja auch so wie es ist. Ob die Erfinder der amerikanischen Steckdosen heute bei Microsoft oder Oracle arbeiten?? Ganz witzig ist auch das Schild an meinem tollen neuen Haartrockner 🙂

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Jedenfalls bin ich heute um 5h aufgestanden und jetzt fast 15h später immer noch auf. Langsam aber sicher habe ich mich an die neue Zeit gewöhnt – so oder so. Einfach war es nicht – aber die Betten sind ja groß und ich habe den Ein-Schalter der Heizung inzwischen gefunden. “Therefore it’s not that fucking cold anymore!”

Auf dem Heimweg habe ich eben im Safeways gegenüber was tolles gefunden für das mich meine Mama loben würde – ein Eating Right Veggi Platter – Lauter Möhrchen und anderes Grünzeug, feinsauber gewaschen mit passendem Dipp dazu – das alles für umgerechnet 5 Euro – stark! Neben der Expresskasse gibt es sogar fertige Salate mit allem drum und dran zum selber mischen. Verhungern werde ich hier bestimmt nicht! Wenn man die Straße rauf und runter geht sind überall Motels und Restaurants. Letztere werde ich bald mal ausprobieren. Aber vor die dicken teuren Steaks hat Gott den Veggi Platter gesetzt!

Nach meinem nachmittäglichen Zwischenstopp bin ich dann noch mal zum Wegpunkt WHC1 gefahren –> Waterholes Canyon.

Dieser Canyon ist richtig tief, ähnlich schön wie der Antelope Canyon, aber auch nur teilweise und mit einem Permit zu besuchen. Den Permit gibt es wohl beim Upper Antelope Canyon. Irgendwie ist das hier für mich das größte Hindernis. Fast alles in hier in Privatbesitz. Auf den allermeisten Straßen stehen links und rechts des Weges Zäune. Sicher damit die wenigen Rinder die hier in der Wüste nach Essbarem suchen nicht ausbüchsen. Aber trotzdem ist es blöd, dass man immer das was man da am Horizont sieht nicht aus der Nähe bewundern kann weil man entweder einen Permit braucht, von dem man oft nicht genau weiß wo es ihn gibt, oder man sowieso nicht hin kann weil es zu gefährlich erscheint.

Wie dem auch sei, am Waterholes Canyon gibt es eine Fotolocation die sich “The Great Wall” nennt. Eigentlich braucht man auch dafür einen Permit, aber ich war heute so angenervt von der ganzen Permititis, dass ich einfach mein Auto an der Straße geparkt habe und das Schild am Fußgängerdurchgang der allgegenwärtigen Einzäunung großzügig übersehen habe. Es war schon fast 17h, um 18h geht hier derzeit die Sonne unter. Also hurtig, das Navi zeigt leider nur die Himmelsrichtung und das Gelände ist sehr zerklüftet, so bin ich zunächst ein wenig im Zickzack gelaufen, habe dann aber doch alles gefunden. The Great Wall ist schon beeindruckend. Wenn die Sonne untergeht fangen die Gesteinsformationen förmlich an zu glühen, wunderschön!

Eine klitzekleine Schnellauswahl gibt es hier.

So, nun gibt es Rohkost und Bier!

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Freunde – Oder: Warum ich jetzt doch nicht weinen muss

Wer früh ins Bett geht wird auch früh wieder wach. Punkt 5h in der Früh macht mein Handy “Tü du du” – das bedeutet soviel wie “Gieeeeb mir Strooom” – bei meinen Synchronisationsversuchen hatte ich mal das Bluetooth aktiviert und dann vergessen es auszuschalten als ich dann endlich Nokia Datenkabel gefunden hatte. Tü du du – alle 5 Minuten Tü du du… Normalerweise kriege ich in dieser Situation immer einen Stoß in die Rippen “Hey, Dein Handy – mach es aus – der Kai schläft!!” – Niemand der mich heute stößt, wunderbar 🙂

Auf dem Weg zwischen Bett, Bad, Kühlschrank, Notebook und Bett sammle ich mir mein Frühstück ein. Drei leckere große amerikanische Kekse. Wahrscheinlich heißen die hier Cookies – egal – ich fühle mich an Filme erinnert in denen ein kleiner Junge von seiner schlecht frisierten und übel gelaunten Mutter ein Glas Milch auf den Tisch geknallt kriegt und dazu dann einen Teller mit eben diesen drei Keksen. So schlecht sind sie gar nicht denke ich während das Notebook startet.

Ein Blick in die E-Mails wirkt ernüchternd. Eine E-Mail von Marcus aus Mainz:

Hall Ansgar,

wir sitzen gerade beim allerbesten Frühstück der Welt (siehe Anhang) und denken an dich. Grüße auch von Herrn Schreeb.

Marcus, Eric und Thomas

Ich muss echt breit grinsen und weiß schon vorher was das Bild im Anhang zeigen wird – und richtig – das allerbeste Frühstück der Welt:

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Die Arme gehören sicher zu Eric. Er bestellt sich das Frühstück immer für 8h, sagt dies allen und kommt dann doch als erster so vielleicht um 7h41. Wann genau kann niemand außer Herrn Schreeb wirklich mit Genauigkeit sagen, denn er ist ja immer zuerst da. So manches Mal habe ich schon überlegt, ob ihn der Hunger treibt oder der grinsende Triumph in seinen Augen wenn man verschlafen um 8h02 oder später aufkreuzt. Wie dem auch sei, Eric sitzt immer hinten rechts! Danach kommt dann meist der Marcus. Während er damit beschäftigt ist das überlegene Gewinnergrinsen von Eric zu verkraften setzt er sich gegenüber von Eric an einen der drei Tische. So auch heute, denn sonst hätte er den mittleren Tisch aus der Fensterperspektive fotografiert. Als letzter ist heute wahrscheinlich der Thomas eingetrudelt. Er hat kein Problem mit Erics Gewinnergrinsen sondern eher schlechte Laune weil vielleicht sein iPhone immer noch nicht anzeigt wie viele Zeichen man beim Schreiben einer SMS noch übrig hat. Wie dem auch sei, es ist ein äußerst liebenswertes Triumvirat.

Ich muss sagen, ich vermisse dieses exquisite überaus köstliche Frühstück und bin jetzt schon wieder froh, dass ich es im April wieder genießen darf.

Wen jetzt interessiert wo es dieses Frühstück gibt, der klickt einfach mal hier. Wer das allerbeste Frühstück der selbst einmal genießen möchte muss sich sputen, das Hotel hat nur sechs Zimmer!

Ja und warum muss ich bei alle dem nicht weinen? Ganz einfach, weil ich nur im Kino weine (meistens jedenfalls), ne im Ernst, es ist hier so cool. Wenn man morgens die Karte ausbreitet und überlegt “Monument Valley, Zion, Bryce Canyon…?” Als ich in den Flieger stieg war mir klar, dass ich das allerbeste Frühstück der Welt für eine Zeit schmerzlich vermissen würde. Aber das ist der Preis für schöne Eindrücke und ein neues Lebensgefühl. Und ich zahle ihn gern, wenn es auch morgens um 5h17 manchmal ein klein wenig schmerzt 🙂

So, die Kekse sind alle, das Bett voller Krümel und die Tagesplanung beginnt jetzt. Mehr dann heute Abend.

Serenade of light – Oder: Warum der Antelope Canyon Millionen Menschen fasziniert

Kurz vor dem Aufstehen war mir klar, heue verzichte ich mal auf das Frühstück. Bewaffnet mit warmer Kleidung, Stativ, zwei Kameras, 5 Objektiven, Filtern, Kabeln und anderen Dingen die zu brauchen ich glaubte ging es los in Richtung Lower Antelope Canyon. Mein Wanderer-Navi ist mit echt tollem Kartenmaterial bestückt, leider sind die Karten nicht routingfähig, eine richtige Navigation ist mit diesen Karten also nicht möglich, jedenfalls nicht so wie man es sich als Autofahrer wünschen würde. Das wurde mir heute Morgen wieder einmal klar. Statt freundlicher Pfeile die dem leicht desorientierten SUV-Fahrer den Weg weisen, gibt es eine pinkfarbene Luftline – begrenzt hilfreich… Bei Google Earth hatte ich mir zuvor angeschaut wo es lang geht – das hilft.

Nach ein paar Autominuten war ich dann tatsächlich am sagenumwobenen Lower Antelope Canyon. In der Wikipedia hatte ich etwas gelesen und mir war klar, dass man schon wissen muss wo der Canyon ist, weil man ihn sonst nicht findet. Dass dieser Canyon von der Straße praktisch unsichtbar ist stand dort aber nicht. Heute habe ich sehr anschaulich gelernt, dass sich viele Schönheiten Arizonas in den viele Millionen Jahre alten Felsen verstecken.

Die Konversation mit dem echt freundlichen Indianer bei der kleinen Holzhütte neben den fröhlich bunten Chemietoiletten war wieder herzerfrischend. Ich habe vielleicht 50% von dem verstanden was er mir gesagt hat. Sicher hat er mir gesagt wie lang ich bleiben kann und was es kostet. Als ich dann fragte “How much is ist?” hat er mich echt verwundert angeschaut. Man sollte nicht so tun als würde man die Menschen verstehen, das bewahrt den Reisenden vielleicht vor manch einem Missverständnis. Sicher lässt sich diese annähernd bahnbrechende Erkenntnis auch auf das Zusammenleben von Mann und Frau übertragen. Statt eines leicht angenervten “Ja Ja” sollte Mann vielleicht gelegentlich lieber fragen was Frau den damit meint?

Wie dem auch sei, letztlich habe ich 26$ Eintritt gezahlt und ausgehandelt, dass ich bis “Ladenschluss” bleiben darf. Zu diesem Zeitpunkt, es war etwa 10h, war ich der EINZIGE Besucher!

Der nette Indianer hat mir dann höchst persönlich den Weg gezeigt und mir eine Menge über den Wechsel der Jahreszeiten und den Lauf der Sonne, wann man wo im Canyon die besten Fotos macht usw. erzählt, denke ich jedenfalls…

Nach ungefähr 100 Metern dann ein schmaler Schlitz im Fels. Da passt mein dicker Hintern – äh Fotorucksack – niemals rein denke ich mir und tatsächlich, es passt nicht… Warum kann man sich hier anschauen:

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Durch den schmalen Spalt rechts im Bild muss man sich zwängen um einen der perfektesten Slot Canyons durchwandern zu können, wow!

Im Canyon ist es mindestens so kalt wie im Weinkeller vor Kloster Eberbach, nur schöner. Gut, dass ich eine warme Jacke dabei habe. Was man von Müttern nicht alles lernen kann…

Knipsend und staunend wandere ich fast fünf Stunden lang zwischen den atemberaubend geformten Felswänden hin und her. Kurz vor dem Ende des Canyons gibt es etwas was man als einen großen Raum bezeichnen könnte. Dieser weckt meinen Pioniergeist. messerscharf kalkuliert muss ich zwei Stunden warten bis sich ein göttlicher Lichtstrahl durch Felsspalten hinweg seinen Weg bis zum Boden bahnen wird. Also warte ich, wie sich das gehört, schließlich will ich ja mit DIESEM FOTO auf die Titelseite der nächsten GEO. Während ich da also stehe und mir langsam aber sicher kalt wird geht die Zeit nur langsam voran. Vom gottgleichen Lichtstrahl keine Spur. Statt dessen kommen nach und nach ein paar ältere Damen, Herren, Asiaten, native Americans usw. Alle entgegnen mir ein fröhliches “HI” und ich fühle mich an das “Hola” auf Teneriffa erinnert.

Die Zeit vergeht gaaaaannnnz l  a n g s     a            m….

Ich klettere immer mal wieder die Leiter des Ausstiegs hoch um zu schauen wo die Sonne bleibt. Nichts scheint sich zu bewegen, warten, warten, warten. Mit Frauen und/oder Kindern ginge das nicht denke ich mir, denen wäre langeilig (ist mir auch) sie müssten Pipi (muss ich auch) sie hätten Hunger (hab ich auch) sie hätten Durst (hab ich auch) aber ich sage es nicht – wem denn auch – ich bin ja ganz allein dort unten. Trotzdem cool!

So um 13h glaube ich eine Gitarre zu hören – Hä? Schnell verlasse ich den warmen Platz in der Sonne am Ausstieg und “sichere meine Kameras” da kommt mir schon der freundliche Indianer entgegen. Gitarre spielend schwingt er sich gewandt die letzte Leiter hinab, freihändig während der einige Barre-Akkorde greift und zielsicher die Saiten zupft. Wow! Im Gefolge hat der die beiden letzten Gäste des Tages. Außerdem wollte er wohl mal schauen wo ich denn bleibe. “We close at three o’clock!" glaube ich zu verstehen. Ich versuche zu erklären, dass ich noch auf den göttlichen Moment warte. Er legt kurz die Gitarre beiseite und zeigt mir die Beams und erklärt wie sie wandern werden. Der Beam auf den ich warte wird wenn überhaupt um 15h den Boden vor meinem Weitwinkelobjektiv berühren – schade eigentlich. “Can I stay a little longer?” Er gibt mir in unnachahmlichem Englisch zu verstehen, dass ich um drei raus sein sollte, falls nicht noch jemand kommt und es kommen heute nicht viele Besucher. Ich habe den Tag über etwa 20 Besucher gezählt. Im Sommer kommen ca. 20 Besucher —- alle 5 Minuten!

Gegen 15h30 ist mein Beam immer noch nicht dort wo ich ihn haben will. Leicht enttäuscht nehme ich nicht den Ausstieg sondern wandere zurück zum Einstieg. Alle paar Meter halte ich staunend an, jetzt sieht alles anders aus als am Morgen! Etwa 100 Bilder später bin ich dann wieder draußen. Was für ein Canyon!

Auf dem Heimweg mache ich kurz Station beim Safeways. Dort gibt es die unvergleichlichen “Eating Right”-Produkte für die Mikrowelle – mit LOW FAT. Eine mexikanischer Chicken Enchilada mit Reis hat es mir angetan. Im Hotel fummle ich den Stecker der Mikrowelle in die ausgeleierte Steckdose hinter dem ungenutzten Fernseher. Das Kabel für mein Notebook muss weichen. Nach langen Augenblicken des männlichen Unverständnisses beginnt sich die leckere Mahlzeit in der Mikrowelle zu drehen, vier Minuten lang. Langsam fühle ich mich ein wenig wie ein echter Amerikaner, nur habe nur keine Stiefel an. Aus den vielen Filmen kenne ich frustrierte Cops die sich abends in ihrer gammeligen Wohnung wiederwillig ein Fertiggericht in die Mikrowelle schieben. Ja, ich bin angekommen, GOD BLESS AMERICA!

Und ich muss sagen, es schmeckt gar nicht schlecht. Erinnert mich irgendwie an das Essen aus einer der vielen Studentenkneipen in Mainz. In mir keimt der Verdacht auf, dass in den Küchen dieser Etablissements eine oder mehrere Mikrowellen zum Einsatz kommen. Egal, dazu gibt es Bier, heimliches Bier. Denn unheimlich ist nicht in den USA! In diesem Augenblick erschließt sich mir der Ursprung der Bezeichnung “Anonyme Alkoholiker” – klar kennt sie keiner – sie trinken ja auch alle heimlich daheim 🙂

Nach einem Tag ohne Trinken, Essen, Süßigkeiten, Kaffee, Toilette tut das Bier seine Wirkung und ich schlafe zufrieden ein, während das Notebook fast 16 GB Bildmaterial aufzusaugen versucht, wie einfach ist doch das Belichten von Filmen…

Stunden später schrecke ich hoch “Virusdatenbank wurde aktualisiert!” – es ist fast 21h – Zeit für einen neuen Eintrag in meinem Urlaubstagebuch…

Einige Bilder des Tages gibt es hier.