Kanab – Oder: Sicher ist sicher!

Nach der heftigen Offroad-Tour von gestern habe ich mir heute mal einen ganz ruhigen Tag gegönnt. Erst habe ich mir ein paar Toadstools angesehen. Das sind witzige Türme aus Sandstein, auf denen teilweise oben ein dicker Felsbrock drauf liegt. Ist alles nix für Bilder die von den Votingexperten der fotocommunity gut geheißen würden, sondern eher was zum ganz in Ruhe anschauen und dran freuen. Die Gegen drum herum ist famos aber alles ist eher eine “Morning Location”. Mittags wenn die Sonne hochsteht sehen die ohnehin kauf vorhandenen Farben eher langweilig aus. Ich hab trotzdem ein paar Hundert Knipsbilder gemacht, mein Stativ lasse ich derzeit meist im Auto. Es ist bei den meisten Locations tagsüber so hell, dass man locker mit einer 1/250s oder kürzer aus der Hand knipsen kann.

Toadstool

Nach dieser kleinen Exkursion habe ich in Kanab mal geschaut wo das Field Office ist, in dem morgens die Permits für das “Herz der Erde” – die vielgelobte “Wave” verlost werden. Sicher ist sicher – Wolfgang hat sich für morgen um 9h angesagt und wir sollten uns nicht verpassen. Das ganze ist einfach zu finden und ich verstehe jetzt auch warum es in diesem kleinen Nest, das fast nur aus Fressbuden und Tankstellen besteht einen Google-Streetview gibt. RICHTIG – vor dem Kanab Field Office! Damit es auch jeder der bereits erwähnten 25.000 jährlichen Besucher findet. So ganz verstehe ich allerdings die Rechnungen bzw. Angaben der Verwaltung nicht. Wenn 25.000 Leute pro Jahr die Wave besuchen, dann wären das maximal 68 Besucher pro Tag. Wenn das so ist, warum werden dann nur 10 Permits am Tag verlost?? Das ist mir alles (noch) sehr supekt!

Hier drei Bilder zum Field Office. 1. Das freundliche Eingangsportal, 2. der Halle des Glücks 3. Links abbiegen beim Motel

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Was mir gerade einfällt…

  • Was sieht man wenn 5 Japaner aufeinander treffen? Richtig – 16 Fotos!
  • Was seht man wenn 4 Amis in Page aufeinander treffen? Richtig – 32 Zylinder!

Ok, was wollte ich schreiben – ach ja – auch dem Rückweg war ich noch am Scenic View Point auf der südlichen Seite des Staudammes.

Kurze Exkursion:

  • Süden ist immer unten
  • Norden ist oben
  • Osten rechts
  • Westen links
  • Wenn es anders ist sollte man die Karte oder Navi im 90°, 180° oder 270° drehen
  • Links ist da wo der Daumen rechts ist!

Da der Lake Powell oberhalb – also NÖRDLICH des Staudammes ist sieht man südlich, also auf der anderen Seite viel weniger Wasser. Das ist auch gut und richtig so, sonst wäre der Lake Powell nämlich leer. Und was ist ein leerer See – richtig – weg! Klingt zwar komisch, iss aber so!

Also kraksle ich da so rum und knipse mal wieder jeden Stein als ich auf dem Rückweg zum Auto einem echt alten Ami in die Arme laufe der sich gerade echt mühsam aus seinem Auto gequält hat. “Is the river down there?” “No sir, there are only lots of stones!” “Can I see the river there?” fragt er mit brüchiger Stimme und weist mit zittriger Hand in die andere Richtung auf ein Geländer das nach unten führt. “I’m not shure you can get into the river there!” rutscht es mir heraus – er grinst mich an, so wie nur ein alter Amerikaner grinsen kann und sagt dann “I just wanna see it!”

Ok, ich gehe schon mal vor und während der ersten 100 Fuß fällt dann auch bei mir der Papiergroschen (wie fält ein Papiergroschen? Richtig: GAAAAANZ LAAAANSAAAMM)

Er wollte also nicht baden sondern nur mal gucken! Was auch sonst, mit sicher 80 Jahren!

Hier ist er mit drauf…

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Irgendwie bin ich derzeit abends immer ziemlich erledigt und bin dann froh wenn die Sonne weg ist und ich es mit meiner Fotografiemanie in Einklang bringen kann, einfach mal an Notebook im Hotelzimmer zu sitzen und den Tag nochmals Revue passieren zu lassen. Außerdem wartet derzeit immer eine nette Erfrischung auf mich…

So manches Mal habe ich dabei auch ein schlechtes Gewissen, weil die Nachrichten die mich per Mail von daheim erreichen nicht wirklich toll sind. Aber ich bin weit weg, richtig weit weg und das noch ne ganze Weile. Auch wenn es fast unanständig klingen mag , ich bin derzeit ganz froh weit weg von alle dem zu sein. Bitte nehmt es mir nicht übel!

Und wie sagte einst der Terminator alias Arnold Schwarzenegger so schön – I’ll be back

In diesem Sinne!

Noch schnell der Link zur Diashow des Tages.

21h Ortszeit – Update:

Da sitze ich schon barfuß im Hotelzimmer, die Heizung läuft und mein tägliches Blog ist geschrieben als plötzlich das Telefon klingelt. Au Backe was ist denn das – wer kann mich hier bloß anrufen – Auto kaputt – Polizei – irgendwas falsch gemacht – ich nehme ab und sage freundlich “Hallo” – man kann nie wissen wer gerade dran ist – “Gehen wir Abendessen?” – “Wolfgang?” – “Jo!” – “Du schon hier???” – “Jo!” – “Wo bist denn Du????” – “111” – “Alles klar, ziehe mir nur gerade die Socken an!”

Konversationen zwischen Männern sind manchmal sehr speziell und oft sehr einfach. Man stelle sich die gleiche Situation zwischen zwei Frauen vor:

Ring Ring – “Huch, wer kann des das wohl sein? . . . Geh ich ran … oder nicht . . .. . . . . . .Stefanie Muster – Who ist speaking!” “Ja Hallo meine Süße hier ist die Caro!” (Die Namen sind frei erfunden und beziehen sich weder auf lebende noch verstorbene Personen.) “Ja Caro meine Süße wie hast Du mich denn hier gefunden, ich habe mir gerade die Nägel lackiert und mir war so kalt da habe ich Heizung angestellt und mein Kirschkernkissen ist gerade in der Mikrowelle.” “Ach Schätzchen das war doch gar nicht so schwer. Du, an der Rezeption da ist ein echt Süßer… “ “…Steve – kenne ich GUUUT” “Was echt, nu sag aber mal … wie gut?” “Hach Schnuckimäuschen ich kenne ihn halt, wir haben das ein oder andere mal beim Frühstück geplaudert.” “Ach geplaudert nennt man das jetzt Hasilein?” “Ja was denkst denn Du?” – – – 23 Minuten später – – – “Du sag mal Mäuschen, hast Du nicht Lust noch eine klitzekleine Kleinigkeit zu essen?” “Hach eigentlich habe ich ja schon und ich mache doch gerade diese tolle Diät…” – – – 10 Minuten später – – – “Ok, dann sehen wir uns in 5Minuten in der Lounge!” “Ja meine Süße bis gleich, Du bist ja so flexibel!”

Uff – da ist es doch besser man hebt ab und das andere Ende sagt nur “Gehen wir Abendessen?” “Jo, bin gleich startklar!” – Männer kommunizieren effizienter – manchmal jedenfalls :-]

 

Hausaufgabe für die Daheimgebliebenen:

Bitte analysiert diese Gesprächssituation und gebt im Rahmen eines Kommentars zum Blog Eure Meinung wieder. Bitte beantwortet in diesem Zusammenhang auch die folgende Fragen:

  1. Wer kommuniziert effizienter A) Männer B) Frauen
  2. Wer ist spontaner A) Männer B) Frauen
  3. Wer kommt besser mit vertauschten Antworten zurecht A) Frauen  B) Männer

Unter allen Kommentierenden wird eine Flasche “Sierra Nevada Early Spring Beer” oder kurz ESB verlost. Das hat jetzt nichts mit SOA oder so zu tun – das Zeug heißt wirklich so!

ESB

Hier noch schnell das kleine Video des Tages:

 

Zum Schluss habe ich hier noch den Track des Tages. Da kann man schön in Google Earth schauen wo der Toadstool Hoodoo steht und wo ich überall herum gekrakselt bin.

Ausgeschlafen – Oder: Warum der Mensch schlafen muss

Wieder unter den Lebenden! War das ein Tag, die Nacht war wieder saukalt, aber dank der Bettwäsche vom zweiten Bett ganz erträglich. Jetzt rattert die elektrische Heizung an der Wand vor sich hin, vielleicht schafft sie es ja das Zimmer auf 18 Grad zu bekommen…

Ja, war der Härtetag gestern! Warum eigentlich?

  • Keine Ortskenntnisse
  • Schlecht vorbereitet
  • Nur Wegpunkte im Navi keine Route
  • Keine detaillierte Karte
  • Niemanden den man anrufen kann wenn was schief geht
  • Im Zweifel sowieso keinen Handyempfang

Aber, ich hatte Wasser und etwas zu Essen für 2-3 Tage dabei und wäre das Auto im Tiefsand stecken geblieben, es hätte mich nicht gleich in der Sonne gebraten. Schlimmer wären wohl die Nächte gewesen, darauf war ich nicht vorbereitet, wenn ich dran denke wie kalt es hier im Hotel schon ist, ich mag mir gar nicht ausmalen wie kalt es dann draußen bei den White Pockets allein im Auto gewesen wäre.

Lessons learned:

  • Lieber einen warmen Schlafsack mitnehmen
  • Sicherstellen, dass jemand in der Nähe ist der helfen kann
  • Die Route besser planen
  • Schauen ob es nicht irgendwo detailliertes Kartenmaterial gibt

Wie der Tag begann:

Morgens gab’s was zu essen, hatte ich ja schon geschrieben, dann habe ich meinen Krams gepackt und diesmal darauf geachtet, dass es alles zusammen im wahrsten Sinne des Wortes “erträglich” ist was ich dabei habe. War es dann auch, nur getragen habe ich es diesmal nur bis zum Auto hin und wieder zurück 🙂 Den Rest der Zeit hat es auf der Rücksitzbank gelegen. Das war auch gut so, denn die Ladefläche ist knüppelhart, aus stabilem Plastik und voll mit Wasserflaschen und anderem Survivalkrams.

http://www.survivaltopics.com

Nachdem ich dann losgefahren bin hatte ich nur im Kopf, dass ich gelesen habe es seien lediglich 70 Meilen von Page zu den White Pockets. Ein weites Stück davon gut asphaltiert. Warum also besorgt sein und der Weg zur Wave ist ja derzeit toll befahrbar und komplett harmlos. Huch, der Sprit ist fast alle, also zur Warheap Marina, da kann man tanken. TANKEN – wieder eine dieser unbekannten Herausforderungen! Muss ich wieder schätzen was reingeht?? An der Tankstelle angekommen ist alles verlassen. Hm, auf der Zapfsäule kann man wählen zwischen Indoor und Outdoor Payment. Ich will ja einen Outdoortrip machen, also wähle ich Outdoor. Dabei frage ich mich, woher die Zapfsäule das wissen kann?? In einen Schlitz stecke ich meine Kreditkarte und hoffe sehr, dass sie auch wieder herauskommt. Sie kommt heraus, einen Pin muss ich nicht eingeben und Sprit kommt auch. Das Leben ist so schön!

Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt:

Wenn man eine Kreditkarte auf der Straße findet sollte man sie aufheben, denn man kann damit an einigen Tankstellen kostenlos tanken! …solange die Karte nicht gesperrt ist 🙂

Eine Weile später bin ich wieder am Trailhead zur Wave. Zwischendurch hat mich ein echt mächtiger Geländewagen überholt. Der steht jetzt dort mit geöffneter Heckklappe. Wow, das Ding ist voll bis unter das Dach mit Kisten und Fotokrams. Außerdem sind sicher noch 10 andere Fahrzeuge dort. Alle wollen zur Wave, ich kann es ja verstehen, die Prospekte sagen man könne dort das Herz der Erde sehen und und und… Jährlich pilgern 25.000 Menschen mit ca. 30.000 Fotoapparaten dorthin und machen schätzungsweise 300.000 Fotos dort. Muss ich da auch hin? Vielleicht…

Für die White Pockets braucht man keinen Permit und es soll nach der Wave der zweitschönste Ort auf Erden sein, also fahre ich doch da mal hin. Heute weiß ich auch warum man keinen Permit braucht, entweder findet man die Dinger erst gar nicht oder man schafft es kaum hinzukommen weil man vorher irgendwo steckenbleibt. Ich würde sagen, bei der derzeitigen Anbindung brauchen die White Pockets auch keinen Permit, es kommt da eh fast niemand hin.

Jo, kleiner Exkurs. Vom Parkplatz an der Wave fahre ich also weiter und bin plötzlich schon wieder in einem anderen Bundesstaat. Man springt hier ständig zwischen Utah und Arizona hin und her. Ein paar Minuten später ist rechts ein weiterer Trailhead, diesmal der auf der Seite von Arizona. Ich biege mal ab um mir das anzuschauen. Zu meiner Überraschung ist jemand da. Ein Ami in den 50er mit einem dicken Truck und einem echt komfortablen Wohnwagen!!

Weiter geht’s, die Straße wird besser und man kann mit 30 bis 40 Meilen fahren. Alles ist gut, die Entfernung zum Wegpunkt AWP1 wird kleiner. 8km – 5km – 3km – la la la – das macht Spaß. Irgendwan sehe ich 6km, 7km – etwas ist falsch! Umdrehen, 6km, 5km das sieht besser aus, dann rechts ein Abzweig. Das ist zwar nicht der an meinem Wegpunkt aber laut Navi kreuzt dieser Weg die Pinewood Road und da wollte ich ja sowieso hin, also hart rechts. Die Straße wird enger und das Fahren wird schwieriger. Nach einer Weile stehe ich vor einem Zaun und auf einem Gatter steht “Keep gate closed”: Ok, Gatter auf, Auto rein, Gatter zu. In der Wegbeschreibung von Wolfgang steht ja was drin von einem Zaun. 5 Minuten späte bin ich sowas von am Ende der Welt, das glaubt man nicht. Das Auto setzt immer wieder auf und die Fahrspuren sind eigentlich keine. Es ist als würden man in vereisten riesigen Spurrillen fahren. Egal wohin man lenkt, das Auto fährt woanders hin. Das kann es nicht sein. Als der tiefe Sand zu Ende ist halte ich mal an und beschließe dann umzukehren. 30 Minuten später habe ich dann auch die Spuren der alten Ranch gefunden so wie Wolfgang sie beschrieben hat. Ich bin richtig!!! Schnell anhalten ein paar Knipsbilder machen und dann weiter, an einem Zaun entlang. Sowas hatte Wolfgang auch geschrieben. Komisch, die Entfernung zum AWP2 wird immer größer?? Doch falsch abgebogen, also wieder zurück, dann ist es richtig. Die Straße ist ganz gut befahrbar, bis ich in den BLM Jeep Trail abbiegen muss (Bureau of Land Management) der mich zu den White Pockets leiten soll. Weiter geht’s die Strecke wird enger und schwieriger. Ein Gatter nach dem anderen muss man öffnen und schließen. Es geht rauf runter, über Stock und Sein. Auf der Ladefläche vollführen Stativ, Jacken und Wasserkanister einen Tanz der an eine plumpe Version von Schwanensee erinnert.

Im Tiefsand sind teilweise heftige Bodenwellen versteckt und das Auto springt richtig hoch wenn man mit Vollgas durch die Passage fährt. Die Getriebeuntersetzung hilft und das Sperrdifferential kann man an den schwierigen Stellen zuschalten. Der Nissan ist cool, alles geht auf Knopfdruck oder mit einem Drehschalter. Der Motor klingt wie ein großer Achtzylinder – ich muss irgendwann mal zählen wie viele Zylinder es wirklich sind.

Zwischendurch lege ich den ein oder anderen Fotostopp ein und fühle mich an die Bilder von Wolfgang erinnert “Hier hat er die also gemacht!” Während sich der Nissan durch den Sand kämpft habe ich ein echt schlechtes Gewissen und stelle mir vor wie ich das Auto zurück bringe und in das entsetzte Gesicht des Autovermieters schauen muss. Dann fällt mir die letzte Szene mit dem Bluesmobil vor dem Finanzamt ein, die als die Blues Brothers das Auto verlassen und es dann auseinander fällt. Dann denke ich an das tote Schaf im White Water Canyon dann immer wieder “Never hike alone”. Dann LEBEN, zwei freundlich winkende Indianer in einem gelben Jeep, es gibt hier doch Leben! Klar, irgendwer muss sich ja hier um die paar Kühe kümmern die hier immer mal wieder in der Gegend stehen.

Sie haben Ihr Ziel erreicht – fast!

Während es Stunde um Stunde weiter geht zieht sich der Himmel zu und als ich die White Pockets vor der Nase habe ist die Sonne komplett verschwunden. Foto muss man belichten nicht beschatten! Außerdem ist es schon 15h. Ich habe fast 5 Stunden für den Hinweg gebraucht, wenn ich nun 2 Stunden bei schlechtem Licht Fotos mache die niemand sehen will, dann habe ich noch eine Stunde Tageslicht für die Rückfahrt. Das heißt im Zweifel mehrere Stunden durch Tiefsand & Co. in der Dunkelheit! Derzeit ist der Mond nur ein Sichel, spendet also kein Licht, dann Wolken am Himmel. wenn es hier dunkel wird dann richtig!!!

Der Rückweg

Also bin ich vernünftig und fahre wieder zurück. Nach 10 Minuten sehe ich im Rückspiegel drei Qaudfahrer – LEBEN – an einer Passage kann ich sie überholen lassen. Am nächsten Gatter hole ich sie wieder ein, sie lassen mich durch, sehr nett. Das gibt ein gutes Gefühl, wenn was schief geht ist vielleicht jemand hier. Dann verzweigen sie die Wege. Das Navi zeigt Höhenlinien an – toll – sie sind schwarz – die Route die man gefahren ist leider auch – nicht toll. Bei all dem Geschaukele wackelt das Navi an der Scheibe so herum, dass man auf dem kleinen Display eh fast nicht ablesen kann. Ich versuche also einfach meinem Hinweg in umgekehrter Richtung zu folgen und denke mir “Jetzt nur keine Experimente”.

Das Colorado 300 macht keine Ansagen, da ich mich so auf den Weg konzentrieren muss um nicht stecken zu bleiben oder vor einen  Baum oder in einen Abgrund zu rauschen bin ich an einer der Abzweigungen dann doch mal wieder falsch. Einmal sogar total falsch, es geht dann gut 15 Minuten zurück in die andere Richtung. Shit!

Schließlich habe ich doch die House Rock Valley in Richtung The Wave gefunden. Es ging doch relativ zügig weil ich keine Fotostopps gemacht habe. Also doch ein Experiment und zwar biege ich links in Richtung Süden ab um dieses Plateau von der südlichen Seite zu umrunden. Die Straße ist in brauchbarem Zustand, man kann 30 – 40 Meilen fahren ohne einen Achsbruch befürchten zu müssen. Lalala, machen wir doch mal das Radio an.

Radio hören

Ein sehr kurzes Kapitel, von den 50 Sendern mit guter Musik von denen die Amis immer schwärmen gibt es hier keinen einzigen. Entweder unverständliches Gelaber, gar keinen Empfang oder Mittelwelle. Ein kurzes Kapitel – AUS.

Nach ein paar Zwischenstopps an der Navajo Bridge und ein paar Sonnenuntergängen bin ich dann um 19h im Safeways und kaufe mir ein paar Sachen zu Essen ein.

Die Verkäuferin ist echt mächtig, richtig dick und ein älteres Semester. Sie tippt alles in die Kasse und will dann 80 Dollar haben. “Do you have a Safewayscard mister?” Nein habe ich immer noch nicht. Während ich in meiner Börse krame frage ich mich warum ich für 80 Dollar Lebensmittel gekauft habe. Niemals hungrig einkaufen. 12 Flaschen Bier, 24 Dosen Cola – ich bin schon fast assimiliert!

Dann sind es plötzlich nur noch 70 Dollar und die Kassiererin überreicht mir mit dem nettesten Lächeln das man sich vorstellen kann den Kassenzettel und einen auf dem was von Bonus & Co draufsteht. Dabei sagt sie “And so we saved you more than ten dollars sir!!” Ich bin ihr echt dankbar und gebe ihr meinen letzten 100er. Bald muss ich mal einen Travelercheck einlösen!

Endlich daheim

Im Hotel gibt es noch was zu essen und dann geht es fast sofort ins Bett – was für ein Tag…

Update nach dem Frühstück

Eben habe ich entsetzt festgestellt, dass heute schon Sonntag ist und meine erste Woche in den USA schon fast durchlebt ist. Ich kann es gar nicht glauben und schaue sicherheitshalber nochmal nach:

http://wwp.greenwichmeantime.com/time-zone/usa/arizona/page

Es stimmt, es ist Sonntag – heute vor einer Woche war ich zu dieser Zeit irgendwo über Kanada – das Leben ist verrückt. Nur gut, dass ich gestern ordentlich eingekauft habe, denn heute sind wahrscheinlich alle Geschäfte geschlossen. Wolfgang ist jetzt vielleicht auch gerade über Kanada. Morgen um 9h wollen wir uns uns Kanab am Field Office treffen um einen besser zwei der heiß begehrten Permits für die Wave zu ergattern. Welche Zeitzone ist denn Kanab schon wieder… Also in der Wikipedia kann man lesen, dass Kanab UTC-7 hat, es sollte also die gleiche Zeitzone wie Page haben. Um ganz sicher zu gehen werde ich aber morgen eine Stunde eher aufstehen und um 6h30 aufbrechen. Schließlich will ich Kumpel Wolfgang nicht enttäuschen, er kommt extra deshalb aus Teneriffa hierhin!

Bei der Suche nach der korrekten Zeit bin ich gerade auf die Seite gestoßen – ganz nett: http://www.kaneutah.com

Tagesplanung

Heute mache ich es mal ganz ruhig, einfach mal den Ort hier anschauen, den Staudamm, ein bisschen Hiken.

Zurück vom White Pocket – Oder: Völlig fertig

Heute morgen dachte ich ja noch es wäre eine lustiger kleine Ausflug. Doch dass es ein 9h Daueroffroadtag werden würde, das hat mich überrascht. Wie dem auch sei, ganz bist zum White Pocket habe ich es nicht geschafft, sehen konnte ich die tollen Formationen, aber es war schon spät und der Himmel hatte sich komplett zugezogen und ohne Licht ist das Belichten von Bildern leider nicht wirklich sinnvoll.

Also kehrt marsch, wieder zweimal verfahren, dann weil es so neu ist die südliche Umfahrung nach Page gewählt, kurz im Safeways was einkaufen, dann in Hotel, Bilder sichern, was essen und eine Flasche Bockbier. Das hat mich nach diesem Tag so umgehauen, ich gehe jetzt sofort ins Bett. Morgen mehr…

Hier sind ein paar Knipsbilder – wie immer direkt aus der Kamera.

Ich kann nicht mehr…

Update:

Wer den mit dem Garmin Colorado aufgezeichneten Track dieses Tages in Google Earth anschauen möchte klickt einfach hier.

Guten morgen liebes Blog – Oder: Warum ich mir den Wecker stellen muss

Um 23h hätte gestern eigentlich das Licht aus sein sollen. Doch dann dachte ich mir, warum nicht kurz über die Planung für den nächsten Tag nachdenken. Wenn ich es jetzt erledigt bin ich morgen schneller. Nach einer halben Stunde habe ich mir überlegt, dass die White Pockets ein lohnenswertes Ziel zu sein scheinen. Man braucht keinen Permit, sie sind in der Nähe der Wave und den Weg dorthin kenne ich schon. Nur wo sind sie denn genau und gerade hier beginnt das Drama. Die Wegpunkte im GPS sind irgendwie durcheinander, ich kann sie nicht so recht ändern, jedenfalls nicht in Mapsource. Vielleicht kann ich es auch einfach nicht bedienen. Eine Stunde verbringe ich mit Google Maps und Google Earth mit den Versuchen die notwendigen Wegpunkte zu erstellen und auf das Garmin Colorado zu übertragen, Fehlanzeige. GPSBabel stürzt ab wird automatisch neu gestartet, stürzt wieder ab, es blinkt alles lustig vor sich hin,Computer haben doch eine Seele und die ist seht empfindlich.

Warum nicht mal Microsoft?

Ja warum eigentlich nicht, ist schaue mir also mal die Map-Services von Microsoft Live an. Zunächst finde ich eine Vogelperspektive “meines” Hotel, cool und in starker Auflösung! Schnell wird der letzte Blogeintrag ergänzt. Die Minuten gehen ins Land. Schließlich installiere ich mir das Garmin-PlugIn für den Internet-Explorer und kann dann tatsächlich die Wegpunkte die ich bei den Live-Maps erstellt habe an das GPS senden. Prima, jetzt MapSource starten und den ganzen Krams wieder abholen, dann kann ich mit der Maus die Route planen und das wieder ans GPS schicken, Pustekuchen! Mein WegPunkte beginnen mit einem A wie AWP1 –> Ansgar White Pockets Einz – in Mapsource weit und breit nix zu sehen von AWP1. Also nochmal versuchen. Ist zwar eigentlich quatsch, warum sollte es beim zweiten Mal funktionieren. Tut es auch nicht. Wie ich so bin versuche ich es ein drittes Mal und nun lese ich auch was mir das Plug-In zu sagen hat. Das GPS abnabeln und neu starten, dass sind sie da. Und siehe da, kaum macht man es richtig klappt es auch schon, dieser Bill Gates ist mein Held. Vielleicht hat er es nicht alles selbst programmiert was ich da gerade nutze aber gut ist es trotzdem. Ich kann gar nicht verstehen warum immer alle auf diese Company schimpfe. Böse Macht und so, irgendwie erinnert es mich an die Glaubenskriege zwischen Nikon- und Canon-Anhängern oder Opel- und VW-Fahrern. Vielleicht auch ein wenig an die Fußballfans des FC Schalke 04 und Borussia Dortmund… oder Offenbach und Frankfurt …oder – ach lassen wir das!

Ok es ist nun 2h35 und ich sollte wirklich schlafen. Den Handywecker stelle ich mal auf 8h – besser ist das!

Ein paar wenige Stunde später werde ich dann tatsächlich vom Handy geweckt – total durchgefroren. So müssen sich Single-Frauen morgen fühlen. Kalte Füße bis zur Schulter und eisig kalte Hänge.

Diese “Heizung” macht nur warm wenn sie läuft, schaltet man sie ab ist es ein paar Minuten später gleich wieder kalt. Langsam verstehe ich warum die Amis so viel CO² produzieren, die Wohnungen sind miserabel oder gar nicht gedämmt, Heizungen, Autos was auch immer ist mäßig effizient.

Doch es gibt einen Lichtblick – Microsoft Live Maps – die sind zumindest um Page herum richtig gut!

Kartenbild

Gebracht hat die nächtlich Aktion übrigens nicht wirklich was, jedenfalls keine Zeitersparnis. Es ist jetzt gleich 9h und durch die Waschanlage muss ich nämlich auch noch…

Come to Marlboro Country- Oder: Warum der wilde Westen lebt

Derzeit werde ich immer so um 7h von ganz allein wach. Sehr praktisch ist, dass dann kein Wettlauf gegen die Zeit startet und ich nicht das Grinsen der Kollegen über mich ergehen lassen muss, die wieder seit 11 Minuten beim Frühstück auf mich warten. Cool ist, dass ich zum Frühstück essen kann was ich will, ohne dass es Schelte gibt – von wegen ungesund und so.

Heute gab es ein leckeres Fertiggericht aus der Mikrowelle und ein Bier! Ein richtig tolles Männerfrühstück also! Mit diesem Frühstück – eigentlich hätten es Bohnen Speck und Kaffee sein müssen – habe ich mich auf die Fahrt zum Monument Valley eingestimmt. Doch vor den Spaß haben die Götter den Fotorucksack gestellt und der will gepackt werden. Dass man als total übermotivierter Amateur da schon mal etwas übertreibt gehört wohl dazu…

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Die Fahrt von Page zum Monument Valley ist relativ lang und dauert fast drei Stunden. Die Route habe ich mal hier markiert.

Zwischendurch wechselt die Landschaft in sehr feinen aber doch spürbaren Abstufungen. Erst ist man so richtig in der Wüste, dann kreuzt man einen Canyon und danach sind dann links und rechts des Weges jede Menge Bäume. Größere Ortschaften gibt es auf der lange Strecke keine. Nur hier und da mal eine Hütte im Stile der Navajo Indianer. Gebaut aus Lehm und die Türe gen Osten geneigt. Auf halber Strecke habe ich heute meinen ersten amerikanischen Bahnübergang gekreuzt. Auf dem Rückweg kam mir eben ein Güterzug entgegen. Das hat schon was, vier erwachsene Loks hintereinander und dann eine schier endlos lang erscheinende Schlange vollkommen identischer Waggons. In Amerika ist eben alles ein wenig anders. Auch der Abendhimmel war heute sowas von spektakulär, sicher war auch er breiter, höher und roter als bei uns daheim!

Wie dem auch sei, so um ca. 12h war ich dann am Eingang zum Monument Valley. Früher habe ich immer gedacht es würde eine geteerte Straße hindurch führen, das Ding wäre 500 Kilometer lang und man könnte tagelang mit der Harley hindurch knattern. Inzwischen bin ich desillusioniert was dieses Männervergnügen anbetrifft. Das ganze ist wie fast alles hier auch Indianerland. Man zahlt 5$ Eintritt und kann dann mit dem eigenen Auto eine “Self Guided Tour” unternehmen. Die beginnt auf halbem Wege zwischen dem Visitors Center, das oben am Berg gerade renoviert wird und dem Schalterhäuschen unten an der Straße. Nach 100m ein Schild auf dem in großen weißen Lettern steht: STOP

Daneben ein Truck aus dem zügig ein Indianer klettert und mir zwei abgegriffene Farbkopien in zerknitterten Plastikhüllen hinhält. Er erzählt was von geführten Touren oder so, ich verstehe nur wenig, wahrscheinlich hat auch er eine dieser Kartoffeln im Mund. Ich nicke also brav und frage am Ende seiner langen Sprechpause ob ich denn nun starten darf. Er nickt. “I don’t have to pay any extra charge?” “Well you might give me one hundred dollars, but you can also get into you car and start the tour. hihihi…”
(Versuch einer sinngemäßen Rekonstruktion)
 

Ich fahre also los, direkt hinter der ersten Ecke sehe ich dann die drei bekannten und millionenfach fotografierten Buttes. Ganz stark vereinfacht könnte man sagen, dass das ungefähr so aussieht:  X x X …ein Foto will ich Euch an dieser Stelle ersparen!

Während ich also meine abgegriffenen Fotos mache, schön brav in Pixeln und parallel in Filmkörnern hält neben mir ein roter Mietwagen. Es steigt ein echter Typ aus. Lange Haare, Bart, Cowboyhut, T-Shirt… “Well, this must be an american guy!” “Hi, are you a professional photographer? Can you please take a picture of me in front of these rocks?” “Yes I can!” Der Typ ist nett und sein Englisch klingt fast so amerikanisch wie das Meinige. Wir verabschieden uns nach ein paar Sätzen und weiter geht es. Einer der nächsten Punkte ist der John Ford Point. Der Lieblingspunkt des Hollywood Regisseurs der hier manch Klischee behaftetes Westernepos abgedreht hat. Während ich damit beschäftigt bin alles und jeden abzuknipsen, mal mit dem Objektiv mal mit dem, mal digital, mal auf Velvia 100 kommt der rote Mietwagen wieder angefahren. Ich stehe gerade auf der Klippe und will den letzten Klassiker an diesem Beauty Point auf den Chip bannen, da kommt der lustige Cowboy wieder anmarschiert. “Well…” wir plaudern und genießen die Landschaft. Es ist windig wie die Hölle, überall ist roter Staub in der Luft, er trägt eine warme Winterjacke, ich ein Trekkinghemd! Während ich langsam einfriere kommt ein netter alter Indianer auf einem Pferd auf die Felsklippe geritten. “Wie witzig ist denn das denke ich mir.” Der vermeintliche Cowboy fängt gleich an zu knipsen und ich gehe schon mal zum Auto, mich ein wenig aufwärmen.

Während ich einsteige sehe ich am Souvenirladen eine Pappe mit den Worten “Warm inside” – die wissen schon warum! Aus dem Handgelenk mache ich dann doch noch schnell ein Bild des lustigen Mannes der mit seinem Hottemaxe da auf der Klippe steht und dann geht es weiter zum nächsten Punkt der Self Guided Tour.

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Eine Stunde später hat mich der rote Wagen wieder eingeholt und wir quatschen wieder. Er ist gar kein Cowboy sondern ein lettischer Koch (sorry Restaurant-Manager) aus Irland der seinen Sohn in San Francisco besucht hat. Lustige Leute gibt es. “Well, where are you from?” “I’m from germany!” “Hey man, you’re from germany, cool – I love germany – look at my T-shirt – it’s from the “Eagles Nest” in Bavaria, you call it the Kehlsteinhaus! Määäähn!!” Yo, der Typ ist cool! Er reist seit seinem 15 Lebensjahr durch die Welt. Als “Restaurant-Manager” ist sein Job in Irland fest an das Auf- und Ab des Saisonbetriebes gebunden. Wenn da nix läuft macht er sich auf den Weg. Das nächste Projekt ist die Überführung eines Autos von England nach Gambia südlich des Senegals in Westafrika. Wow!

Er ist schon lange unterwegs und ist mindestens so allein wie ich. Das spürt man, erzählt von seinem Opa der ein KZ überlebt hat, von seinen Forschungen über den zweiten Weltkrieg, seiner Zeit mit einem Moslem in einer Wohngemeinsaft und von den Neonazis die ihm total auf den S… gehen. Dann geht es weiter über Stalin, Lenin und Hitler bis hin zu den Weltreligionen und den Weltanschauung der Dominikaner Mönche. Was für ein Typ. Dann ein Satz der mir gut gefällt: “Stalin, Hitler, Lenin, they all hatet religion, cause religion means love and peace!” – das geht stundenlang so weiter bis er irgendwann sagt – “Watch out, the sun is going down!” – Ich bin erlöst und schieße endlich meine Fotos. Wieder im Auto sehe ich nach 100 Metern einen “Scenic Turnoff” – ich denke nicht lang nach und biege rechts ab. Nach 100 Metern ein großer Wendehammer und wieder die üblichen Verkaufstände für sicherlich hochwertigen handgefertigten Indianerschmuck. Daneben der obligatorische Truck und ein Indianer, der schweigend nickt während er den Worten eines Lettisch-Irischen-Restaurant-Managers lauscht…

Ich gebe Gas und fahre weiter. Ein paar hundert Fotos folgen, wer soll sich den ganzen Krempel bloß jemals anschauen…

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Fast am Ausgang habe ich Wolfgangs Worte im Ohr “Da ist es abends am schönsten!” Recht hat er aber ich habe keinen Bock mehr und will einfach nach “Hause”, ein wenig “Eating Right” machen und ein Bierchen trinken. Ein Referat über die Biersorten dieser Welt habe ich ja heute schon genossen, ratet mal von wem…

Auf dem Rückweg färbt sich der Himmel grandios! Leider kann man die Buttes im Monument Valley sowieso nicht vor dieser Kulisse fotografieren weil man sie dazu spät abends aus östlicher Richtung vor die Linse nehmen müsste. Das geht aber sowieso nicht, weil man dazu tief drinnen im Park sein müsste, der aber schon um 18h dich macht. Es ist alles nicht so einfach im Leben! Vielleicht könnte man ja tatsächlich länger bleiben, aber dann sollte man vielleicht auch erst am Abend anreisen. Genau das habe ich mir für die nächsten 4 Wochen vorgenommen.

Nun ist er doch noch an der Reihe – Der Klassiker der Klassiker 🙂

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Eine Diashow zum heutigen Tage habe ich auch zusammengestellt.

Ein kleines Video gibt es auch noch…

 

Hier ist noch ein nettes Luftbild vom Rodeway Inn. Ich bin gerade da wo ich es rot ein gekringelt habe.

RodewayInn