Schlecht geschlafen – Oder: Need help

Das Sandkorn vom Abschiedsessen hat sich zu einem Problem ausgeweitet. Die halbe Nacht konnte ich nicht schlafen, das rechte Auge ist dick angeschwollen, tränt und ich kann damit sicher nicht fotografieren – warum ausgerechnet das Rechte?? Nun steht mir wohl der erste Kontakt mit dem amerikanischen Gesundheitssystem bevor. Gott sei Dank habe ich zwei Kreditkarten, das reicht hoffentlich aus…

Mein naiver Versuch via Google Maps und Google Earth und den Microsoft Live-Maps eine Apotheke oder einen Arzt hier in Escalante zu finden sind fehlgeschlagen. Dann noch eine Mail von Alamo in der sie diverse Rückfragen haben. Dabei habe ich ihnen doch geschrieben, dass die 30-Tage Zulassung meines Autos abgelaufen ist. Die haben eine Vertragsnummer, die Nummer des Temporary 30 Days Permit usw. eigentlich alles. Nun wollen sie eine Reservierungsnummer, die Abholstation usw. Au Backe…

Unter der Dusche ist mir eben der lustige Duschvorhang aufgefallen. In Augenhöhe gibt es ein etwa 40 cm breitest “Sichtfenster”. Da hat der Designer wohl mal scharf nachgedacht und überlegt welche Urängste in jedem Amerikaner schlummern der mal Alfred Hitchcocks Psycho gesehen hat. Welche Szene ich meine muss ich sicher nicht weiter erläutern 🙂

Bei youtube gibt es ein ganz lustige Remake…

 

Oder doch gleich das Original?

 

Na jedenfalls ist man in diesem Motel im Fall der Fälle vorbereitet! Bevor es wirklich ernst wird kann man sehen wer auf dem anderen Quadratmeter steht…

Beim Durchsuchen meines Koffers ist eben erstaunliches an Tageslicht gekommen. Paracetamol, Nasenspray, Heftpflaster, nur keine Augentropen. Die Augentropfen von Wolfgang sind Artificial Tears – die helfen jetzt nicht mehr wirklich… Scheiße was tut das weh – ich suche jetzt mal eine Apotheke oder einen Arzt.

cu talk soon…

Der letzte Tag mit Wolfgang – Oder: A good hike!

Ja, morgen reist Wolfgang dann wieder ab und ich bin noch ein paar Tage allein im Südwesten. Schade, es war eine tolle Zeit und es hat Spaß gemacht einen erfahrenen “Tourguide” zu haben – Auch an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN!!

Der Tag begann wie die meisten Tage hier mit einem ausgiebigen Frühstück. Diesmal “Diet for strong man” (So heißt es auf der Karte!!) –> Zwei Spiegeleier, gebratener Speck, Toast und Marmelade. Kaffe bis zum Abwinken und O-Saft – langsam gewöhne ich mich daran 🙂

Um 9h30 ging es dann los in Richtung “Hole in the Rock Road” – ich habe gelernt, dass die Mehrzahl der Beautypoints der Umgebung über diese “Straße” zu erreichen sind. Nach einer Weile sahen wir dann auf der rechten Seite einen roten Felsen, der mich an den Ayers Rock in Australien erinnert hat. Also mal anhalten und gucken! Wolfgang ist mal los gewandert und hat das Gelände erkundet während ich zur Abwechslung mal wieder ein paar Dias gemacht habe. Ein paar Minuten später kam er wieder “Das musst Du sehen – nimm ein Weitwinkel mit….” Also sind wir da eine Weile herum gekrakselt und ich muss sagen, ich war von unserem Fund zutiefst beeindruckt. Dieser Felsen ist der von der Straße aus sichtbare Teiler einer großartigen Formation. Klettert man ein wenig darauf herum findet man tiefe Löcher in denen Gras und Bäume wachsen. Wer dort hineinfällt hat keine Chance je wieder heraus zu kommen. Also waren wir sehr vorsichtig! Der Sandstein ist nicht immer so griffig wie er aussieht und keiner von uns wollte in einem dieser Löcher die letzten Tage fristen. Während ich also fleißig geknipst habe rief mir Wolfgang irgendwann zu “Wenn wir noch zum Broken Bow Arch wollen müssen wir los!!” “Willst Du da wirklich noch hin, hier ist es doch sowas von genial? Meinst Du das schaffen wir noch?” “Mit so einer lahmen Ente wie Dir ganz bestimmt NICHT!!!” Das will ich nicht auf mir sitzen lassen – Lahme Ente – Pah!! Also schnell noch ein paar Bilder und dann unten rum zur Straße und wieder zum Auto. Da gab es noch kalte Cola aus dem Kofferraum und ein paar Kekse – perfekt! Nach einer halben Stunde war ich aber immer noch allein. "Wo bleibt der nur – mal hupen! Nichts passiert, wieder hupen, warten nichts passiert, hupen warten hupen – keine Wolfgang.

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Langsam wurde ich unruhig!! Weil die kalte Cola so gut tat habe ich mir noch ein gegriffen und bin losgezogen um Wolfgang zu suchen. Irgendwie hatte ich doch Angst er könnte in eines der riesigen Löcher gerutscht sein! Auf laute Rufe keine Antwort – “Wooooooolllffaaaaaaannnnggg” – nichts!! “Wooooooooooooooooooooooooolllllllffffggggaaaaaaaaaaaaaaaaaannnggg” – nichts!

Während die Cola in meiner Hand langsam warm wird wandere ich also von einem Loch zum anderen und schaue mal hinein ob da vielleicht der Wolfgang drin liegt. Nach einer echt langen Viertelstunde dann eine Stimme am Horizont – Da ist er ja! Gott sei dank! In Gedanken hatte ich schon überlegt wie ich am Telefon erkläre wo wir sind und was passiert ist… Gut, dass das nicht nötig war!!

Also endlich rein ins Auto und durchstarten zum Broken Bow Arch. Die Straße wird zunehmend schlechter und ab 40 Meilen springt das Auto (Blattfedern) richtig durch die Gegend und verliert nahezu jegliche Bodenhaftung. Nicht gut! Also langsamer fahren, die Geräusche von der Ladefläche stimmen dabei nicht glücklich. Die verbliebenen Cola Dosen und Wasserflaschen etc. springen munter lustig im offenen Kofferraum herum. In Wolfgangs Toyota ist das besser, dort ist die Ladefläche mit Teppich ausgelegt – das dämpft sehr gut! Der Nissan XTerra ist das weniger komfortabel, aber hoffentlich robuster!

Nach insgesamt rund 70 Kilometern Holperstrecke geht es dann links ab zum Parkplatz am Broken Bow Arch. Der Abstieg in den Canyon ist steil und sandig “Da müssen wir später wieder hoch!!!” schießt es mir durch den Kopf… Der Rest des Weges ist dann ganz zauberhaft. Mitten in er Wüste wandern wir an einem kleinen Flusslauf entlang, es plätschert und ist überirdisch! Gestern am Calf Creek war es je schon cool – heute ist es noch besser!

Nach etwa 90 Minuten sind wir dann am Broken Bow Arch und ich bin beeindruckt von dessen Dimensionen. Das Ding ist so riesig, da könnten mehrere Familien ihren Häuser drunter stellen. Allerdings wäre das keine gute Idee, merke: Auf dem Rückweg geht es steil bergauf. Außerdem wären die Garagen nur als Abstellfläche zu gebrauchen – Ok, tun wir ja in Deutschland meistens auch… Spaß beiseite, der Arch sieht aus als würden vom Frost gelöste Gesteinsbrocken ihn immer wieder vergrößern. Die Kolosse die unten am Boden liegen verheißen jedenfalls nichts gutes! Also dort lieber nicht bauen, auch wenn es lustig aussehen  würde…

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Während ich den Arch von allen Seiten abknipse trudelt auch Wolfgang langsam ein. Später fragt er mich warum ich denn so losgerannt sei – Na warum wohl, schließlich will ich ja keine lahme Ente sein 🙂 Und so konnte er  mich bei seiner Ankunft auch wunderbar unter diesem gewaltigen Arch fotografieren. Da hat man dann einen schönen Maßstab – nämlich MICH 🙂

Der Rückweg war dann beschaulicher, wir quatschen und laufen dann wieder an einem der netten Steinmännchen vorbei. Während wir dort vorbeilaufen erzählt mir Wolfgang, dass sie beim letzten Besuch einen wichtigen Abzweig verpasst haben und eine ganze Weile in die falsche Richtung gelaufen sind. In diesem Augenblick bleibt er stehen, schaut auf das neue GPS und sagt “Na sowas, nun machen wir den gleichen Fehler schon wieder. Da hat man zwei GPS dabei und vor lauter Gequatsche schaut keiner drauf…” Also zurück, es waren nur ein paar Meter – aber lustig war es trotzdem!

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Am Auto angekommen geht es nach einer kurzen Pause mit Warp-Geschwindigkeit nach Escalante. “We close at eight o’clock!” Das habe ich noch im Ohr und schließlich will ich mir das kleine Abschiedsessen nicht nehmen lassen! Also “Stoff geben”…

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Um kurz nach 18h sind wir dann auch schon in Escalante – die HITRR zieht sich wie Kaugummi. Unterwegs gibt es noch ein paar Tourentipps für die nächsten Tage und ich beschließe das Zimmer im Motel bis nächsten Mittwoch zu verlängern. Es gibt hier einfach noch zu viele zu sehen um morgen schon abzureisen.

Im Motel angekommen schnell rein in frische Klamotten und rüber ins Restaurant. Ich freue mich auf eine großes saftiges Steak und ein riesige Glas mit kaltem Bier – Ahhhhh, das wird ein Fest! Die kurze Konversation mit der Kellnerin offenbart, auch hier gibt es kein Bier! Auf der Speisekarte stehen auch nicht Softdrinks. Hm, ob es vorgestern doch nicht an der fehlenden Konzession gelegen hat? Ob die Restaurants in Utah grundsätzlich kein Bier ausschänken dürfen? Ein kurzer Blick ins Internet offenbart mir die Ausmaße der Misere!!

Es gibt spezielle Clubs, bei denen man eine Genehmigung erwerben kann um dort Alkohol zu trinken. Oft braucht die Person, die diese Genehmigung erwerben möchte, so etwas wie einen Bürgen. Jemand, der einem schriftlich bestätigt ein guter Mensch zu sein. So glaube ich, Utah ist der Ideale State für Leute mit einem Alkoholproblem!

Es gibt hier also kein Bier! Also bestelle ich zu meinem überaus wohlschmeckenden saftigen Steak ein 7up 😐 Das Kaltgetränk kommt sehr schnell, kurz danach der Salat zum Steak. Der Salat ist echt lecker, das Steak kommt dann auch. Doch was ist denn das? Das Ding ist ja paniert und obendrauf ist sowas wie eine Bechamel Sauce???? – Hallo?? Die French Fries heißen so, weil sie den Namen “Pommes Frites” nicht verdienen, sie sind laff und schlabbrig. Kein Ersatz für die auf der HITRR so heiß ersehnte Ofenkartoffel 😐 Das Steak schmeckt wie eine frittierte panierte Frikadelle – oder mehr wie in Schnitzel – jedenfalls nicht genau definierbar. Aber es macht satt, auch ohne Fritten und ohne Sauce! Nach einem kostenlosen 7up Refill und der Rechnungsbegleichungszeremonie freue ich mich auf eine der drei Bierflaschen die ich auf die Veranda gestellt habe, schließlich ist es dort kühl und mein Zimmer hat ja keinen Kühlschrank. Lecker!

Im Restaurant habe ich mir wohl ein Sandkorn ins rechte Auge gerieben, es tränt und ist dick angeschwollen als wir am Motel ankommen. Wolfgang ist wie immer “Well prepared” und hat Augentropen dabei! Genial! Nach der Behandlung ist das Auge immer noch dich aber es tut nicht mehr so weh. Also rüber zum Chefe und das Zimmer verlängern. Sonntag – Montag – Dienstag?? Ich entscheide spontan bis Mittwoch nächster Woche zu bleiben. Die goldene Kreditkarte macht ihn glücklich und ich darf bleiben. So jetzt das Bier und dann Fotos angucken!!!

Im Zimmer schnell das Notebook rauskramen, Kamera anschließen, externe Festplatte anschließen, Netzteil anschließen, Vista starten, klick klick klick – Bilder werden kopiert. Jetzt das Bier – endlich das Bier!! Während das Notebook auf dem Queen-Size-Bed die Bilder des Tages hin und her schaufelt öffne ich die Türe und erlebe den Schock des Tages? Hier leben Mormonen und die dürfen keinen Alkohol trinken! Trotzdem hat mir irgendwer mein Bier geklaut – Sowas! Na, gerechnet hatte ich ja damit – aber ein wenig Hoffung und Glauben an das Gute im Menschen hatte ich trotzdem! Nu ist es weg! Und ich habe nur lauwarmes Wasser aus kleinen Plastikflaschen – Bäh!

Ok, nochmal die Augen tropfen, das Blog schreiben und dann mal an der Tanke schauen ob es dort  Bier gibt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es dort welches geben wird… Allerdings macht mir dieser Artikel Hoffnung! Nur wie soll ich es kühlen ohne, dass es wieder geklaut wird? Besser man stellt nicht alles nach draußen oder über Nacht uns Auto? Nur einzelne Falschen? Ich werde eine Lösung finden, auch wenn es nicht wirklich wichtig ist und ich auch gut ohne Bier auskommen kann. Aber es ist halt eine Frage des Urlaubsgefühls. Ein Bier am Abend macht den Abend rund und ich probiere mich gern durch die einzelnen Marken durch. Eben habe ich gelesen, dass das Bier an Tankstellen maximal 4% Alkohol haben darf. Derjenige der mein Bockbier mit 18% Alkohol geklaut hat ist hoffentlich überrascht über dessen Wirkung :-]

Eben fällt mir ein wie gut es ist, dass Page wenn auch nur um Haaresbreite im Norden von Arizona liegt!

Hier die Diashow des Tages.

Hier die Trackanalyse:

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Planung, Route und gewanderter Track:

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Darstellung des Tracks (KMZ) in Google Earth:

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Hier gibt es das KMZ für die Ansicht in Google-Earth.

 

Ein Video des Tages gibt es leider nicht, weil auf mysteriöse Art und Weise die SD-Karte der Hosentaschenkamera nicht mehr unter Windows Vista gelesen werden kann – komisch – vielleicht kann ich es ja reparieren…

 

Es wäre schön zu wissen wer denn diesen BLOG überhaupt liest! Bitte schickt mir doch mal eine kleine Motivationsfeedbackichfindetollwasdudamachstemail…

Ansgar.Hillebrand@web.de

Zebra Canyon – Oder: Be Prepared!!

Nach dem Aufstehen und dem Morgenblog ging es dann heute erst einmal zum Frühstücken in die Kneipe neben an. Irgendwie sah es da drinnen eher aus wie in einem Saloon den man aus alten Western kennt. Auch die Gäste sahen aus wie aus einem alten Western, einige zumindest! Lustige Hüte, Bärte, Stiefel, karierte Hemden, alle Klischees wurden bedient! In die Küche konnte man hineinschauen, so wie man es aus dem Kino kennt. Zwischen Küche und Barbereich war ein Karussell für Bestellungen angebracht. Leider war die Bedienung auch die Köchin. Und gut drauf war sie auch nicht, weil der Laden so voll war. Sicher ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Also ist sie ordentlich hin und her geflitzt. Bestellung aufnehmen, ans Karussell klatschen, durch die Schwingtüre in die Küche, Eier & Speck braten, schnell was rausbringen… Das volle Programm.

Um 9h07 kam dann plötzlich Verstärkung hereingestürmt. Sie sah aus als hätte sie verschlafen, jedenfalls war sie echt hektisch. Später hat sie uns dann erzählt, dass sie eigentlich immer viel später anfängt, heute aber einen Hilferuf von ihrer Chefin erhalten habe. Das Frühstück war wie immer, Scrambled Eggs, Bacon, Hash Browns (Nun weiß ich auch wie man das schreibt…). Kaffee, O-Saft – alles was das Herz begehrt.

Frisch gestärkt ging es dann los in Richtung Osten! nach vier Meilen dann in Richtung Süd Westen auf die “Hole in the Rock Road”. Wolfgang hat mir erzählt, dass diese Straße ihren Namen vor langer Zeit erhielt, als die ersten Siedler fassungslos vor dem Grand Canyon standen und nicht wussten wie sie ihn überqueren sollten. Schließlich haben sie eine gemäßigte Stelle gefunden und dort alles in den Canyon abgeseilt und auf der anderen Seite wieder herauf gezogen. Was für eine Arbeit, heute gibt es Brücken oder Boote. Aus dieser Zeit stammt jedenfalls der Name der Straße. Und was soll ich sagen, es ist eine nicht geteerte Straße, aber eine gut zu befahrende.

Das Wetter war echt krass heute morgen. Überall lag Schnee, die Straßen waren glatt und der Himmel so blau wie man ihn sich nur denken kann. Nach ein Meilen über frischesten Neuschnee dann der Abzweig in Richtung Zebra Canyon. Auto parken uns los…

Hoppla, in dem Durcheinander am Morgen hatte ich mein Stativ vergessen, meine Wanderstöcke, die Getränke, wer weiß was noch – MIST. Eigentlich dachte ich, ich sei “Prepared” – war ich aber nicht! Wolfgang sagte nur “Nun komm schon, das sind nur ein paar Meter.” Also egal und los. Erst später habe ich gemerkt, dass es jeweils 8 Kilometer waren – Luftlinie – mit Verlaufen und allen Schlenkern also gut und gern 18 Kilometer oder mehr. Das alles in tiefem Sand, Schnee und Modder. Ich bin jetzt sowas von fertig… Jedenfalls war die Wanderung toll. Schnee in der Wüste, das hatte ich nicht zu erhoffen gewagt. Wir waren ca. 1600 Meter über dem Meeresspiegel – wenn es hier mal regnet, dann gibt es oft auch Schnee. Geht dann die Sonne auf ist es wunderbar. Die karge Landschaft, überall Felsformationen aus rotem Sandstein und alles weiß überzogen – Stark!

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Warm angezogen war ich ja. Ich wollte ja gut vorbereitet sein. Leider war es in der Sonne dann viel zu warm. Also habe ich alle paar Meter angehalten, Handschuhe weg, Mütze weg, Halstuch weg, Jacke weg, nächste Jacke auf, Weste auf… So ging es dann in einem trockenen Flussbett bist zum Zebra Canyon. Am Eingang des Canyons dann deutliche frische Fußspuren, in beiden Richtungen! Rein UND raus! Da war jemand vor uns dort!! Voller Freude auf den zebrafarbenen Canyon bin ich Wolfgang hinterher gestapft. Leider nur ein paar Meter. Dann stand Wolfgang mit enttäuschter Miene vor mir. “Was ist?” “Wasser!” “Mist!” –> Vereinfachte Kommunikation unter Männern! Man konnte in Wasser und Matsch deutliche Fußspuren sehen – frische Fußspuren! Unser “Vorgänger” ist also durch den Schlamm hindurch gewatet. “Habe ich nicht eine Plastiktüte im Rucksack?” – Jau, da war eine! Leider nur eine und ganz dünne dazu. Egal ich versuche es mal. Also den rechten Fuß in die Tüte und das ganze dann oben mit einem elastischen Klettband verschlossen. Vielleicht kann ich ja auf einem Bein hindurch hüpfen und mich mit den Händen an den Wänden abstützen. Das klappte ganz vorzüglich, leider nur etwa 50 Zentimeter weit! Dann war der Modder so tief, dass der ganze Fuß versank, samt der Tüte – versteht sich! Also wieder rausgehumpelt – huch – die Tüte war schon komplett voll mit Wasser und Schlamm. Der Schuh sah entsprechend aus. Ein neuer Wanderschuh – ok am 20. Februar war er noch ganz neu! Nun war er jedenfalls nass und schlammig.

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Ja, da ging es nicht weiter! Da sind wir gut 10 Kilometer durch Sand und Schnee gestapft um dann 20 Meter vor dem Ziel umzukehren. Aber das ist das Leben – GUT VORBEREITET hätten wir Gummistiefle dabei gehabt. Kann man sich ja eigentlich denken, dass es in einem schmalen Canyon nach einer Nacht mit Regen und Schnee nicht ganz trocken sein wird… Wieder was gelernt!

Also wieder raus und dann mal hoch auf den Felsen den Moki-Hill. Dort oben liegen tausende kleiner Moki-Kugeln (auch Moqui-Marble genannt) die von Wind und Wetter aus dem Felsen herausgewaschen wurden. Im Canyon konnte man sie schon in der Wand stecken sehen. Witzig sind sie und sowas von fest – unglaublich. Einen Hinweis wie sie entstanden sind konnte ich im Internet finden. Die Kugeln sind vor vielen Millionen Jahren im Meer entstanden und aufgrund ihres Gewichtes dann auf dem Meeres vom Sand bedeckt worden. Der Fels auf dem wir sie gefunden haben war also vielleicht mal ein Strand an dem die Dinosaurier ihre Schulferien verbracht haben. Sehr spannend! Wind und Wetter haben sie dann freigelegt. Sicher werden in den nächsten 100.000 Jahren weitere Mokis an die Oberfläche kommen 🙂

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Ich war von diesen viele millionen Jahre alten Kugeln so beeindruckt, dass ich eine Weile mit dem Makroobjektiv an der Kamera auf der Erde gelegen habe. Als ich dann den Berg wieder herunter geklettert war, konnte ich Wolfgang nicht mehr sehen. Also ein flüchtiger Blick auf das GPS – man(n) ist ja gut vorbereitet – und los. Eine ganze Weile später dann ein zweiter flüchtiger Blick… “Mist, falscher Canyon, die Fußspuren sind nicht die von Wolfgang!!” Also kehrt marsch und das in dem tiefen schweren Sand, echt anstrengend!

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Auf dem Hinweg habe ich mich noch mit Wolfgang darüber unterhalten, dass man mit ein wenig Fantasie in vielen der Gesteinsformationen Gesichter sehen kann. An den White Pockets gibt es beispielsweise einen Felsen der aussieht wie ein grinsender Weihnachtsmann! Wolfgang sagte dazu nur “Das ist die erste Stufe, danach härt man dann Stimmen!” – Während ich versuche den richtigen Weg wieder zu finden höre ich plötzlich Stimmen. “Die zweite Stufe? Jetzt schon? Ich bin noch nicht mal 45!!!” Doch es war nicht die zweite Stufe, es war Wolfgang von der anderen Seite des breiten Flusslaufes! Er hatte auf mich gewartet und dann eine blaue Mütze in die falsche Richtung laufen sehen.

Dieser kleine Umweg war mehr als überflüssig. Zurück am Auto war ich so erledigt, dass ich kaum noch Piep sagen konnte. Nach einer kleinen Pause ging es dann weiter zum “Devils Garden”. Diese Gesteinsformation ist wirklich witzig, und nicht weit vom Zebra Canyon entfernt. Als wir dort ankommen fallen die ersten Schritte entsetzlich schwer! Ich knipse ein bisschen herum – aber es ist noch zu früh, die Sonne steht noch sehr hoch. Wolfgang seilt sich also für eine Stunde ab und erkundet einen neuen kürzeren Weg zum Escalante Volcano. Den besuchen wir dann vielleicht übermorgen.

Im Abendlicht versuche ich noch einen kleinen Arch zu fotografieren und muss sagen, die Dinger sind spröde! Jedenfalls aus fotografischer Sicht!

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Zurück in Escalante sehen wir, dass das kleine Mexikanische Restaurant mit der lustigen Inhaberin geöffnet ist. Also nix wie hin! Sie ist sowas von nett und witzig, es macht richtig Spaß dort! Es gibt zwei riesige Burritos, Bohnen, Reis und Cola. Bier hat sie nicht, darf sie vielleicht auch nicht. Ich mutmaße, dass man dafür wieder eine spezielle Genehmigung braucht. Touristen mit schlechtem Essen mästen darf jeder, aber ein harmloses kaltes Bier verkaufen, dafür braucht man eine Lizenz – so stelle ich mir das vor – so stelle ich mir Amerika vor! 🙂

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Im Motel bin ich eigentlich nur noch froh, dass ich im Bett liegen und meinen Blog schreiben kann…

Hier die Diashow zum heutigen Tag.

Und noch das Video des Tages 🙂

Die erste Nacht in Escalante – Oder: Hoffentlich ist mein Bier noch heil

Die erste Nacht in Escalante war kalt, saukalt! Aber nur draußen, hier drinnen im Zimmer war es sehr angenehm. Die Heizung habe ich auf 70°F eingestellt, also etwa 21°C. So kann man es aushalten. Eben habe ich bemerkt, dass sogar die ganze Nachtüber das Fenster geöffnet war… Der Blick aus dem Fenster bot Erschütterndes! Schnee so weit das Auge reicht, mindestens 10 Zentimeter, oder sollte ich sagen 1/3 Fuss? Egal, es ist alles weiß! In Windows Vista Sidebar habe ich mir gerade eben den Wetterbericht für Escalante Utah eingerichtet, der nächste Schock. Da steht -12°C – kann das denn sein? Wenn ja, sind meine Bierflaschen vor auf der Veranda heute Nacht geplatzt während ich im warmen Zimmer von neuen Fotos geträumt habe? Ich werde es gleich mal prüfen!

Nach dem Gang durch die Waschanlage gibt es dann um 9h Frühstück, vorausgesetzt das Restaurant hat nicht auch geschlossen 🙂 Escalante ist ein echtes Dorf…

Kartenbild

 

Die kleinen Straßen links und rechtes des Highways trügen, eigentlich gibt es nur die Hauptstraße, drei Motels, eine Tankstelle und einige wenige Restaurants. Im Sommer ist hier alles ausgebucht. Ich bin gespannt wie ich diesen Tag überstehe. -12°C – na das kann ja was werden…

Wie war das noch? “Be Prepared”

Sodele nun geht es ab in die Waschanlage…

Cottonwood Road & Bryce – Oder: Wie ich mein Paradies fand

Heute haben wir Page verlassen. Der Wecker ging um 7h und ich habe tatsächlich bis 9h gebraucht um meinen ganzen Krams zusammen zu packen und ins Auto zu verfrachten. Ich kann ganz gut verstehen warum der Herr Bauer, der in Mainz eine Reihe kleiner Appartements vermietet, nicht gern sieht wenn die Mieter längere Zeit dort bleiben – Man(n) richtet sich ein! Und die Putzerei wird schwieriger mit jedem Tag den Man(n) an einem Ort verbringt 🙂 Also den Kühlschrank leer räumen, das letzte Brot aufessen, den neuen Föhn einpacken, die schmutzige Wäsche in den einen Koffer, die frisch gewaschene in den anderen Koffer. Den Fotokrams aus der groooooßen Schublade in die abgetrennte Seite des Schmutzwäschekoffers… Au Backe, ich habe viel zu viel Krams mitgeschleppt! Würden alle Fluggäste grundsätzlich nur das mitnehmen was sie wirklich brauchen – ich glaube die Flüge würden nur noch die Hälfte kosten…

Um 9h war dann endlich alles eingepackt und es gab das mittlerweile auch in Deutschland bekannte “Free Continental Breakfast” – Wolfgang hatte einen Kaffee und eine Schale Kornflakes, ich nur einen Kaffe – aus Styroporbechern – mit Coffee-Creamer aus der Tüte! Alle Versuche das WLAN auf meinem Notebook zu reanimieren schlugen fehl. Manchmal macht mich das alles echt fertig. Egal, Klappe zu Affe tot – in Escalante wird es gehen.

Ab zum Auto – oh je – Wolfgang hat in seinem Auto zusammengeräumt was von mir ist – noch mal umpacken – der Kofferraum reicht kaum aus – wie habe ich den ganzen Schrott bloß in die USA gekriegt? Kopfschütteln (innerlich), dann den Motor starten und los.

Wolfgang fährt die Autobahn – ich nehme den Holperweg. Der Ranger hatte und letzte Woche ja vom ultimativen Holperweg abgeraten. Aber alternativ sei die Cottenwood Road befahrbar! War sie auch – aber manchmal habe ich gedacht es rammt mir die Halswirbel ins Hirn. Da gibt es Dellen und Bodenwellen – man glaubt es nicht! Wenn das die Leute bei Alamo gesehen hätten… Aber es ging gut vorwärts und zwischendurch habe ich auch mal ein wenig die kleine Hosentaschenkamera mit der rechten Hand gehalten und ein wenig den Weg gefilmt. Ist schon cool diese Straße!

Kein Stacheldraht!

Anfangs habe ich ja gehadert mit den vielen hundert Kilometern (besser Meilen) Stacheldraht links und rechts der Straße – aber nun bin ich versöhnt! Die Leute denen hier Land gehört hier haben auch fast alle ein paar Kühe darauf herumstehen. Da hier wenig wächst müssen die Küche manchmal echt weite Wege gehen um etwas Fressbares zu finden. Damit sie dabei nicht nachts angefahren werden haben die Straßenbetreiber die vielen Zäune aufgestellt. “It’s for your own saftey!” – DANKE – Nimmt man Straßen wie die Cottonwood Road hat man Offroad-Spaß pur. Und man wird auch nicht eingesperrt 🙂

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Mein Paradies

Auf der Hälfte der Wegstrecke liegt ein malerisches Stückchen Erde. Links zweigt ein echt schmaler Weg zu einem noch viel schmaleren Slot Canyon ab (Muss ich auch noch erkunden!). Rund herum gibt es tolle Felsformationen in wunderbaren Farben. Als ich über die vorgelagerte Bergkuppe fuhr sah es im ersten Augenblick aus als hätte ich das Paradies erreicht – und ich war ganz allein – dachte ich jedenfalls! Freudig hielt ich an und sprang aus dem Auto – viele Knipsbilder voller Lebensfreude sind dabei entstanden. 200 Meter später stand dann ein Profi mit seinem Auto hinter einem der Hügel. Sein Geländewagen war bis unter das Dach voll mit Stativen, Alukisten, Kameras und und und… Da gegen bin ich ein Waisenknabe, vielleicht habe ich doch nicht zu viel Krempel dabei – jedenfalls wenn man es mit dem vergleicht was er dabei hatte! Aber es gab auch einen “Träger”. Beim nächten Mal nehme ich auch jemanden mit der meine Kameras schleppt 🙂

Sowas von schön war das da… Ein paar Meilen weiter dann der Grosvenor Arch – Ein perfekter Tag!

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Ok, ich musste weiter, um 13h wollte ich mich mit Wolfgang am Bryce Canyon treffen. Also “Gib Stoff” wie Wolfgang das immer nennt! Und ich habe Stoff gegeben! So viel, dass ich 5 Minuten vor ihm am Bryce war! Nach einer kurzen Pause sind wir dann mit meinem Auto zum Eingangshäuschen gefahren. Mein Annual National Park Pass (80 Bucks) vom Besuch beim Zion konnte ich nun vorzeigen. Das war ganz zauberhaft, denn diesmal war es kein übergewichtiger rothaariger Ranger mit deutschem Background, sondern ein bildhübsche Rangerin!! “Do you need a map?” Wer könnte ihr das abschlagen… 5 Minuten später waren wir dann auch schon am Sunset Point. Dort sieht man den Bryce in seiner ganzen Pracht. Ein Weitwinkel reicht da nicht aus, man kann es eigentlich gar nicht fotografieren was man da zu sehen bekommt! Und es lag Schnee!

Be Prepared!

Der Bryce liegt gut 2500 Meter über dem Meeresspiegel. Und wenn es dort Schnee gibt, dann ist es auch kalt. Und heute gab es Schnee. Mein Oberkörper war wie folgt bekleidet:

  • Unterhemd
  • Trekkinghemd
  • Weste mit Windstopper
  • Fleece Jacke (dick)
  • GoreTex Jacke mit Fleece Innenfutter
  • Halstuch
  • Handschuhe
  • Stirnband

Das war dann ok! Nach den ersten 100 Fotos vom Rand des Canyons haben wir uns dann auf die kleine Runde begeben. Man geht ungefähr eine Stunde lang runter in den Canyon, dreht eine kleine Runde und schnauft dann wieder hoch. Toll war das! Am Ende war die Speicherkarte voll und zwei Filme habe ich auch verknipst!

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Endlich Kaffee und Kuchen

Um 16h saßen wir dann in Tropic in einem kleinen Restaurant und waren die einzigen Gäste. Es gab starken Kaffee (für Wolfgang mit vieeel Milch – “I LOVE MILK”) und für mich dazu ein warmes Viertel eines Apfelkuchens. Dazu noch Vanilleeis – Lecker! Die Kellnerin war auch ausgesprochen hübsch. Ihre Eltern arbeiten dort und weil ihr Mann bei einen Einsatz der Army in Asien ist, verdient sie sich in Tropic ein wenig was dazu – kann ja nicht schaden.

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In Escalante dann ein Heimspiel für Wolfgang. Seine speziell für die Canyons der Umgebung angefertigte Leiter ist noch da! Der Chef erkennt ihn nicht gleich – er kann sich Gesichter schlecht merken – Wolfgang geht es ähnlich, er kann sich Gesichter von Frauen am besten merken 🙂 Dann in die Zimmer, klein und nett. Zwei Betten, Fernseher, Mikrowelle, Badewanne, alles was man braucht. Leider kein Kühlschrank, aber es ist so kalt, mein Bier kühle ich einfach auf der Veranda 🙂 Leider riecht das Zimmer ein wenig nach nassem Hund… Aber dafür hat es eine Heizung, man kann nicht alles haben!

So nun beginnt das Abendprogramm!

UPDATE 22h17:

Alle Restaurants haben zu und nach einer Stunde haben dann auch wir kapiert, dass nun Utah und Arizona unterschiedliche Zeiten haben. Aus mir nicht bekannten Gründen stellt Arizona die Uhr nicht auf Sommerzeit um, Utah aber doch! Bei der Tankstelle gab es dann noch ein paar Kräcker und was zu trinken, das muss reichen bis zum Frühstück! Das erklärt auch warum der Inhaber des Restaurants auf der anderen Straßenseite um “19h30” gesagt hat “Sorry, we close at eight o’clock!” – Er hatte ja schon 20h30…

Die Verwirrung in Page und Umgebung dürfte in den nächsten Tagen groß sein, durchquert man doch beispielsweise auf dem Weg von Page zu den White Pockets mehrfach diese “Zeitzonengrenze”.

Das Programm für morgen steht – ob mit Schneeschuhen oder nicht – das steht noch nicht ganz fest. Warum das so ist, das sagt uns das Licht – äh das Bild:

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Wetterprognose für Morgen: Nachts  -3°C – Tagsüber bis zu +6°C – na wenn wir da keine klare Luft für wunderbare Telefotos haben, dann weiß ich es auch nicht mehr! Tröstend nur, dass es auf Teneriffa schon die ganze Woche regnet.

So sieht’s hier übrigens aus – “American Standard”…

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Hier noch ein kleines Video des Tages.

 

Und zu vorgerückter Stunde noch der Track des heutigen Tages zur Nachverfolgung via Google Earth. Einfach hier klicken.