Rainbow Morning – Oder: It’s fu….. cold outside!

Nach einer eisigen Nacht mit ratternder Wandheizung bin ich ein wenig vor meinen Weckern aufgewacht. Ein wenig panisch war ich dann gleich wieder, weil ich seit gestern ständig das Gefühl habe in der falschen Zeit zu leben. Nein nicht das falsche Jahrhundert, das wäre vielleicht mal eine Maßnahme – nein der falsche Zeitzonenpartikel! Allerdings wo ich es gerade so schreibe, Mozart mit einem Solarladegerät und der D300 zu besuchen, das hätte was…

Ein Blick auf die örtliche Webseite beruhigt! Es ist 7h02 und ich habe noch eine gute Stunde. Allerdings gilt auch dort “First come first serve” – ich werde mich also rechtzeitig auf den Weg machen damit ich einen schönen Fotoplatz an Bord finde.

http://www.cityofpage.org

Eben habe ich dann gesehen, dass echt viele neue Mail im Posteingang sind. Der Vorschlag von Tilman war erfolgreich und ich habe nun ein neues Galeriebild. Das freut mich sehr und es ist ein schöner Teil des Abschlusses einer großartigen Reise. Wenn es heute noch mit der Rainbow Bridge klappt und morgen mit dem Flug über den Grand Canyon – dann ist alles perfekt!

So, nun aber unter die Dusch und dann auf zur Wahweap Marina!

Mehr dann heute Abend! Stay tuned and have fun – wie man hier zu sagen pflegt!

Nix mit fliegen – Oder: I am sorry…

Es gibt Dinge im Leben die kann man nicht planen, dazu zählen zum Beispiel Softwareentwicklungsprojekte und Flüge mit kleinen Propellerflugzeugen. Dabei fing der Tag ja eigentlich ganz gut an. Ausgeschlafen und erholt lange duschen, dann in aller Ruhe noch ein kleinen Eintrag ins BLOG schreiben und dann zum Airport rüberfahren – er ist ja fast hinter dem Haus!

You’re very early!

Am Flughafen angekommen sagte mir die nette Dame bei der ich gestern den Flug für heute reserviert habe ich sei echt früh dran. Wir hätten doch 9h aus gemacht und es seit erst 7h52. “Are you shure? I have eight fifty two am!” “Maybe you’ve still your Moab time?”…

Mist, wieder reingefallen! Bei der Anreise von Moab nach Page habe ich nicht bedacht, dass Arizona sich aus Gründen die mir heute niemand erklären konnte und ich habe viele Leute gefragt, nicht bei der Sommerzeit mitmacht. Das hat den Vorteil, dass Page im Sommer die gleich Zeit hat wie Las Vegas, aber dennoch ist es oft verwirrend, da man hier ständig zwischen Utah und Arizona hin und her pendelt. Ok, ich war also echt eine ganze Stunde zu früh. “Ok, see you in sixty minutes! Bye…” und wieder zurück zum Auto. Was nun? Vielleicht schauen wir mal im Visitors Center am Glenn Damm vorbei! Gesagt getan! Dort angekommen bin ich überrascht, dass ich mich plötzlich in einer Leibesvisitation wieder finde. Das Visitors Center ist eine Hochsicherheitstrakt! Kann man vielleicht auch verstehen, wenn den Damm jemand sprengen würde hätten sie hier vor Jahre kein Trinkwasser mehr.

Einen richtig bösen Blick ernte ich dann als mein wunderschönes Schweizer Taschenmesser, mit Scherer, Flaschenöffner, Säge & Co. von der netten Sicherheitsdame ans Tageslicht befördert wird! Ich habe es hier eigentlich immer dabei, denn es ist total praktisch. Man kann Finger- und Fußnägel damit beschneiden, Bierflaschen öffnen, Brot schneiden und was weiß ich was man noch damit machen könnte. Jedenfalls war die Dame “Not amused” dass ich versucht habe dieses wirklich tödliche Mordinstrument heimlich in das Visitor Center zu schmuggeln! Also zurück zum Auto, Taschenmesser ablegen und den zweiten Anlauf starten! Brav wieder alles in Körbchen legen und wieder piepst die Sicherheitsschleuse! Wieder eine Leibesvisitation der inzwischen leicht ärgerlich wirkenden Dame in der blauen Uniform. Diesmal bin ich augenscheinlich clean, es scheinen die Schuhe zu sein. Ich darf passieren!

Im Visitors Center gibt es Filmvorführungen und viele schöne alte Bilder die sehr anschaulich die Dimensionen dieses mittlerweile fast 50 Jahre alten Bauwerks erklären. Der ganze Spaß hat 1963 – damals war ich –1 Jahr alt – 272.000.000 US-Dollar gekostet. Und damals war der Dollar mehr wert als heute! Wenn man dann auf einer der großen Tafeln die Luftbilder von 5 weiteren ebenso großen Staudämmen sieht wird klar, was die Ingenieure bereits vor 50 Jahren zu leisten imstande waren!

Nach gut 45 Minuten verlasse ich das Gebäude im zweiten Anlauf durch die richtige Tür! Der Eingang ist nämlich der Eingang und wer da raus will erntet echt strafende Blicke!

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Draußen vor dem Visitor Center ist es so windig, dass man kaum geradeaus gehen kann. Am Horizont haben sich dunkelgraue Wolkenberge aufgetürmt und es nieselt ein wenig. Auf dem Rückweg zum Flughafen windet es wie die Hölle, ich kann das Auto kaum dazu bewegen geradeaus zu fahren. In mir keimen die Zweifel ob die Wettervorhersage nicht doch korrekt gewesen sein könnte. Am Flughafen nimmt mich dann auch direkt der Pilot in Empfang. Er entschuldigt sich vielmals, aber es geht heute einfach nicht. Einer der anderen Piloten musste heute bereits nach einer “very dangerous situation” über dem Grand Canyon umkehren. “I’m shure you won’t get the photos you want today!” – das ist ein klare Ansage! Vielleicht hat er darüberhinaus auch Angst, dass sein schönes Flugzeug vollgekotzt werden könnte 🙂 Gemeinsam versuchen wir dann mit einem der Mitarbeiter vom Bodenpersonal die Situation zu sondieren. Er ruft via Internet mehrere Wetterberichte ab, alle decken sich mit den offiziellen Daten des Flughafens. Und es sieht so aus als würde alles noch viele schlimmer!

Ok, was tun. Morgen habe ich den Boat-Trip zur Rainbow Bridge gebucht. Samstag wäre noch eine Optionen. Ich könnte früh auschecken und mit komplett gepacktem Auto zum Flughafen kommen. Falls das Wetter dann besser ist den Rundflug machen und danach dann in Richtung Las Vegas aufbrechen. Ok, so machen wir das! Morgen stimmen wir uns nach dem Boattrip noch kurz ab und am Samstag machen wir einen zweiten Anlauf!

In diesem Augenblick springt dem Piloten meine Kamera ins Auge. Ich muss sieh mal seinem Kumpel an dem Computer zeigen. Der hat eine D70 und nimmt sie voll Ehrfurcht entgegen. Wenn er wüsste, dass er da bereits ein fast historisches Fotogerät mit nur 12.000.000 Bildpunkten in der Hand hat… “What is it?” Fragt der Pilot, dabei tut er so als würde es ihn gar nicht interessieren. Sein Kumpel beginnt zu schwärmen, das Ding hätte er auch gern. “What lens is it?” Der Pilot bekommt erklärt, dass es das beste Objektive ist das er sich für seine D70 wünschen würde. “Is it a good camera?” So geht das eine Weile weiter, Dann wollen beide wissen was ich sonst noch so im Rucksack mit mir herumschleppe. Andächtig nehmen sie das Teleobjektiv in die Hand. Dann springt ihnen die F5 mit dem 2.8/28-70 ins Auge. Wow, sie sind begeistert! “Do you process the pictures yourself?” Nein, Dias lässt man besser im Labor entwickeln, das geht sonst immer schief! Am Ende der Prozedur habe ich den Eindruck, dass der Pilot sich doch ein wenig interessiert, das aber nicht zeigen will und dass er zudem gern wissen möchte wie ernst es mir mit meinen Fotos ist. Ich habe ihn wohl überzeugt. So wie es aussieht würde er also wegen mir am Samstag früher als sonst aufstehen…

Mittlerweile hat sich die nette Dame dazu gesellt und wir verabschieden uns mit diversen Floskeln und Händedrücken. Als ich mich gerade umdrehen will sagt mir der Pilot mit Spitzbübischem Grinsen zwischen den weißen Bartstoppeln “Auf Wiedersehen!” ich bin platt! Er genießt es sichtlich. Ich glaube es sind die einzigen deutschen Worte die er beherrscht!

Draußen im Auto bin ich gefrustet und weiß erst einmal nichts mit mir anzustellen. Also rüber zu Denny’s und ein echtes Männerfrühstück bestellen. Das Aufgeben der Bestellung klappt inzwischen ganz prima. Ich weiß nun welche Gegenfragen kommen und habe bereits meine Antwort parat! So macht das Spaß. Der Kaffe und der O-Saft kommen mit Lichtgeschwindigkeit an den Tisch und kurz drauf auch die Rühreier mit Bacon und Hash Browns. Da hat der Wolfgang mir was gezeigt. Während ich esse überlege ich dann, dass ich den Trip der eigentlich für Samstag geplant war dann heute machen könnte.

Danach geht es über die Wahweap Marina in Richtung Kanab. Bei der Wahweap Marina gibt es eine mir überaus sympathische Tankstelle! Schaut man nach links sieht man putzige Wolkenformationen, schaut man nach rechts kriegt man das kalte Grausen. Über dem Kohlekraftwerk der Navajo Indianer direkt neben dem Antelope Canyon braut sich echt was zusammen!

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Nach dem Tanken geht es weiter nach Kanab. Dort angekommen geht es dann rechts in Richtung Zion National Park. Ein paar Meilen später dann ein Hinweisschild zur Moqui Cave. Hey das klingt nicht schlecht! Also anhalten, Kamera und Stativ auspacken, fünf Dollar bei der netten Dame bezahlen und dann – ist es gar keine Tropfsteinhöhle oder das was ich mir erwartet habe… Es ist mehr ein Museum in einem Berg. Die Exponate sind niedlich und die Dame erzählt mir, dass es früher mal die Kneipe der Großeltern ihres Mannes war. Es gibt dann doch ein paar witzige Dinge zu sehen. Und beim Kauf einiger Souvenirs komme ich mit der netten Dame ins Schwatzen. Sie stellt mir ihre älteste Tochter vor. Diese macht mich mit ihrem jüngsten Sohn bekannt. Dann bekomme ich Familienfotos gezeigt. So geht das hier, die Menschen sind einfach sowas von aufgeschlossen und freundlich – das ist einfach großartig!

Nachdem Bezahlen tauschen wir dann auch noch unsere E-Mail-Adressen aus. Meine Erzählungen wo ich in den letzten Wochen überall war haben Neugier ausgelöst!

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Es ist Mittag als ich die Höhle verlasse haben sich die Wolken weitgehend verzogen, dafür es ist jetzt richtig stürmisch. Man kann kaum die Autotüre öffnen, so heftig geht der Wind! Was soll das nur noch werden. Morgen bei dem Wind auf einem Schiff – da werde ich sicher seekrank…

Kurz drauf bin ich im Coral Pink Sand Dunes State Park angekommen. Der Ranger ist ein adretter Typ und er trägt voll im Ernst eine Pistole am Gürtel! Ich zahl meine sechs Dollar und darf mir einen Abschnitt aus einer Registrierkasse an die Windschutzscheibe kleben auf dem man fast nichts erkennen kann weil das Farbband wohl ausgedient hat… Am kleinen Visitor Center angekommen kann ich kaum aussteigen. Soll ich da echt meine Kamera mit rausnehmen? Egal, es ist alles versichert – auch gegen Blödheit und Sand! Also im Auto das Tele samt Konverter montieren und auf das Stativ schrauben. Dann geht es los. Der Wind ist so schneidend, ich kann kaum atmen. Überall in der Luft ist feiner Sand. Direkt neben mir steigt ein weibliches Paar aus dem gemeinsamen Wohnmobil. Sie können es nicht glauben, dass das kleine Toilettenhäuschen das Visitors Center sein soll. Als ich die Frage nach dem Visitors Center nicht gleich verstehe, winkt die Fragerin ab und macht einen Gesichtsausdruck als würde sie denken “Typisch Mann, die sind eh alle dämlich!” Dann geht es auf in den Sand. Die Dünen sind schön, aber längst nicht so groß wie ich es erhofft habe. Dennoch kommt man kauf vorwärts. Der Sand ist tief und lose. Durch den tosenden Wind kann man ein paar Quads hören. Später lese ich, dass hier in den 70er Jahren Leute mit Buggys ihren Spaß hatten und das ganze Areal täglich durch gepflügt haben. Inzwischen habt man einen Weg zur Koexistenz von Tieren und Spaß gefunden. Ein Teil wurde abgesperrt ein anderer für die Offroad-Freaks geöffnet. Am nett gemachten Campingplatz sehe ich später abenteuerlich umgebaute Autos, Quads und Crossmotorräder. Das macht sicher Spaß!

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Während ich durch den Sand stapfe sammelt sich langsam aber sicher der Sand in Mund, Ohren, Nase und Augenwinkeln. Das ist definitiv nicht witzig! Das Liebespaar im schwarz blauen Partnerlook kommt besser voran. Die haben ihren Spaß und fotografieren sich immer wieder gegenseitig. Ich nutze die ein oder andere Gelegenheit die beiden als “Maßstab” für die Große der Sanddünen zu verwenden. Gegen 15h bin ich total fertig wieder am Auto. Der Weg war nicht weit aber ich hatte zum Schluss echt Mühe die letzte Düne wieder hoch zu kommen ohne meine Kamera in den Sand zu werfen. Im Auto geht es dann in Richtung Süden, dort sollte laut Karte die Straße auf die Hauptstraße führen die mich dann über Kanab wieder nach Page bringen soll. Der Plan geht auf! Eine Stunde später, die Holperstrecke liegt endlich hinter mir bin ich sowas von müde. Ich muss mal anhalten. Es gibt Mittagessen, einen Apfel und eine Apfelsine. Im Kofferraum finde ich noch ein paar Erdnüsse. Dazu ein mit lebenswichtigen Vitaminen angereichertes Life Water in der Geschmacksrichtung Dragonfruit. 26g Zucker sind da drin! Von wegen Life Water, das ist höchstens für das Leben der Zahnärzte gut 🙂

Kurz vor Page zweige ich dann kurz zum Aussichtspunkt oberhalb der Wahweap Marina ab. Von dort kann man das Hotel sehen in dem es morgen los gehen soll. Als ich aussteigen will habe ich ein Bein draußen, die Hälfte des Körpers ist noch im Auto als mir der Wind die Türe voll gegen den Kopf knall. Ich sehe kurzzeitig Sterne und muss mich zurückziehen. Ist das ein Sturm. Der Schädel brummt. Nee, da gehe ich jetzt nicht mehr raus! Ich mache ein paar Knipsbilder durch das geöffnete Seitenfenster. Dann fällt mir auf, dass noch drei weitere Autos da sind. Die Insassen filmen die Umgebung, sicher haben sie auch gefilmt wie ich mich fast K.O. geschlagen habe. Sie sind jedenfalls gleich im Auto sitzen geblieben, eine gute Entscheidung!

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Zurück in Page geht es noch kurz rüber zum Safeways. Diesen Supermarkt habe ich inzwischen richtig lieb gewonnen. Eine echt alte weißhaarige Dame bittet mich an der Kasse zu sich. Das ist auch Amerika, hier müssen viele Menschen auch mit 70 und älter noch arbeiten weil die Rente nicht reicht. Das steht uns auch noch bevor. Wer hier ist kann sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden.

Im Hotel geht wieder das WLAN nicht. Ich schreibe mein BLOG also zunächst einmal offline – wann ich ihn veröffentlichen kann weiß ich noch nicht.

Update – 21:44 (Utah Zeit): Der freundliche Mitarbeiter an der Rezeption hat den WLAN-Router neu gebootet – nun klappt es auch mit dem Nachbarn…

Zeitzonenwirrwar

Gerade eben überlege ich wo denn nun eigentlich die Wahweap Marina liegt – in Utah oder in Arizona? Die Dame bei der Touristeninformation hat mir gesagt das Treffen sei morgen um 8h30 im Foyer des Hotels. Fein! Nur, wann ist denn 8h30?

Ok – Google Maps bringt Licht ins Dunkel – Die Wahweap Marina liegt in Arizona – aber gaaaanz knapp wie dieses Bild beweist! Utah ist oben – also im Norden. Wer sich den Maßstab anschaut sieht schnell, es sind ungefähr 600 Meter bis Utah!

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Also werde ich gleich mal alle Uhren umstellen! Las Vegas hat die gleiche Zeit, ich werde bis Sonntag nur in Arizona und Nevada sein. Ok, zwischen durch bin ich vielleicht mal ne halbe Stunde mit dem Auto in Utah – aber das lassen wir mal unter den Tisch fallen…

All Day Rainbow Bridge Cruise

Quite likely one of the most photographed geological wonder in the American West, Rainbow Bridge is a must-see during your Lake Powell visit. The tour is approximately 7 1/2 hours, with about 3 hours travel time to Rainbow Bridge, 1 to 1 1/2 hours walking to and exploring Rainbow Bridge, and 3 hours back to Wahweap Marina. You will enjoy the wonderful rock formations, beautiful painted walls, and travel through Forbidding Canyon on your way to Rainbow Bridge and a stop at Dangling Rope Marina.

The experienced Scenic Cruise Adventures crew will also give you an interpretive tour along your journey! Due to the current projected lake levels, a walk/hike (1 mile each way) is required both to and from Rainbow Bridge for optimum viewing (total walking distance = 2 miles).

Due to low lake level we are NO LONGER able to see Rainbow Bridge from the Tour Boats. A full 2 mile WALK/HIKE is involved round trip. We suggest you wear comfortable tennis or hiking shoes for the trail. All cruises include complimentary water, coffee, and lemonade. NPS ENTRY FEES NOT INCLUDED IN TOUR PRICES.  Restrooms/toilets are available on board all tour boats. (Smoking is allowed in designated areas only.) Child rates are from 3 to 12 yrs. old, 2 and under are free, but do require a boarding pass. 

Scenic Cruise departs on AZ Mountain Standard time. Please check your time with ours. 

Check in at Boat Tour desk 30 mins. prior to departure time to pick up COLORED boarding passes. We require a minimum of 10 ADULT FARES on all cruises.

Hier noch die Trackauswertung des heutigen Tages

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Das KMZ des Tages gibt es hier.

Es ist soweit – Oder: In einer Stunde habe ich meinen ersten Privatflug!

Bereit

Die Nacht war lang und gar nicht so kalt, ich hatte vergessen die Heizung abzuschalten –> Wärmender Alzheimer!

Nun frisch geduscht und voller Tatendrang muss ich noch ein wenig ausharren bevor es in einer halben Stunde in Richtung Page Airport losgeht. Vorher wieder der Stress mit der Fotoausrüstung! Andere Leute schießen ihre Fotos mit dem Handy und sind glücklich damit. Ich habe ernsthaft überlegt ob ich die F100 für Farbnegative mit dem neuen Kodak Ektar 100, die F5 für Dias und die D300 für digitales Bildmaterial verwenden soll. Aber das wäre dann doch übertrieben. Also habe ich mich entschlossen mit der S600 – der kleinen Hosentaschenkamera – ein paar kleine Videosequenzen zu filmen. Und dann die D300 und die F5 einzupacken. Die D300 ist mir dem zusätzlichen Batteriepaket bestückt. Drinnen stecken 8 Mignonzellen. Der normale Akku ist auch drinnen. Damit ist sie fast genauso schwer wie die F5. Warum das alles? Ich hoffe, dass sich die alte Fotografenweisheit “Masse gibt Ruhe” bewahrheitet und die Bilder vieleicht einen Tick schärfer werden weil die schweren Kameras einfach mehr Massenträgheitsmoment auf die Waage bringen und dadurch etwas weniger stark auf die Vibrationen des Flugzeugs reagieren.

Ob die Rechnung aufgeht? Wir werden es sehen, im wahrsten Sinne des Wortes 🙂

Der Flug wird etwa zwei Stunden dauern. Lake Powell, Lake Mead und Grand Canyon sind derzeit geplant. Aber alles ist frei, alles ist möglich. Wenn ich genug Geld habe können wir auch den Tank leer fliegen! Das hat mir der Pilot in seiner unnachahmlichen Ausdrucksweise zu verstehen gegeben 🙂

Wetterbericht

Beim Fliegen mit kleinen Maschinen ist das Wetter ein wichtiges Kriterium! Gestern habe ich noch lange auf den diversen Wetterseiten herumgesurft. Es sah nicht gut aus, Regen in Page genau im 9h am Morgen! Egal welche Wetterseite ich auch aufgerufen habe, sie sind sich einig! Entweder kaufen sie alle ihre Wetterdaten beim gleichen Anbieter oder es gibt heute wirklich Regen um 9h in der Frühe – mal sehen! Ich packe jedenfalls mal die Regenjacke ein. Bislang habe ich abgesehen vom Schnee in Escalante hier nicht einen Tropfen Regen gesehen – innerhalb von fünf Wochen!! Ein Blick aus dem Fenster zeigt derzeit einen schönen cyan & gelb farbigen Morgenhimmel. Die Bewölkung ist da, aber die Löcher sind riesig. Ich würde es als “Partly cloudy” bezeichnen. Vielleicht sogar ganz gut für schöne Fotos – mal sehen!

Die Stunden danach

Vielleicht wird nach dem Flug nichts mehr so sein wie es war – man weiß es nicht! Also habe ich erst einmal nichts geplant. “Sometimes People get crazy in the stomach!” – das ging mir den ganzen Tag über gestern im Kopf herum. Soll ich was frühstücken oder nicht. Ich denke ein Mörderbreakfeast vom Denny’s wäre falsch! Also eher nichts oder nur ein paar Kekse. Ich könnte also im Anschluss an die Fliegerei etwas essen gehen – falls ich es kann!

Danach vielleicht nach Kanab? ,Dort gibt es den Coral Pink Sand Dunes State Park. Vielleicht auf dem Rückweg noch das “Johnson Canyon Movie Set” anschauen – mal sehen!?!

So, es ist nun 8:22 – ich verstaue jetzt mal mein Notebook und ziehe dann so langsam aber sicher los…

Wir “sehen” und  – hoffentlich!

Alles wird gut – Oder: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel…

Heute ging es wieder früh los – schwer fallen tut es immer! Wer steht im Urlaub schon freiwillig um 5h30 auf? Wer jetzt “Ich” ruft ist entweder ein übermotivierter Fotoamateur oder sollte mal einen Termin mit seinem Therapeuten vereinbaren 🙂

Spaß beiseite, um 6h ging es los und um 6h45 war ich wieder am Dead Horse Point. Es war schweinekalt – der durchschnittliche Amerikaner würde es wohl als “Fucking cold” bezeichnen. Wie dem auch sei, trotz Unterhemd, Trekkinghemd, Windstopperweste, Fleecejacke, Goretex-Jacke, Wollsocken, Wanderschuhen, Handschuhen, Fleece-Mütze… Es war kalt, richtig kalt! Vor drei Tagen sind die Archlovers noch mit freiem Oberkörper zum Delicate Arch hochgewandert und dann das! Der gestrige Sturm hat richtig viel eisig kalte Luft mitgebracht.

Dich eingepackt habe ich dann am Dead Horse Point auf das Glühen der Klippen gewartet. Leider hat da sowas von gar nix geglüht, das könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Über den La Sal Mountains hing ein riesiger Wolkenkloß – da hatte die Sonne keine Chance. Zwar sah das Morgenrot durch die Wolken dann ganz nett aus, aber der gewünschte Effekt wollte sich in der anderen Himmelsrichtung leider nicht einstellen! Schade…

So gegen 8h war es dann einfach hell geworden, völlig unspektakulär – das passiert! Und Tom Till wohnt nicht umsonst seit 34 Jahren in Moab! Ich bin mir sicher, er hat viele kalte Stunden dort oben verbracht und ist mit nicht einem Foto wieder heim gefahren. Bis er dann eines Tages den perfekten Augenblick erwischt hat. Davon leben seine Bilder, Ortskenntnis, fundiertes Wissen und die Hartnäckigkeit auf den perfekten Augenblick zu warten! Ich habe leider keine Zeit, ich muss am Sonntag wieder heim! Aber ich kann ja nochmal wieder her kommen 🙂

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Nach der morgendlichen Episode gab es noch einen kurzen Abstecher in Richtung Canyon Lands National Park. Nur ein paar Knipsbilder auf dem Feldweg kurz davor, dann nagte der Hunger so sehr, dass ich wieder nach Moab gefahren bin. Mit dem festen Vorsatz endlich mal wieder was “richtiges” zu frühstücken habe ich dann versucht bei Denny’s einen Parkplatz zu finden, Fehlanzeige! Ok, also zum Motel, parken und dann zu Fuß weitersuchen. Ein paar hundert Meter neben dem Motel liegt eine kleine niedliche Bretterbude, da wird Frühstück angepriesen. Da wollte ich die ganze Zeit schon hin. Leider stehen da die Leute in einer Schlange bis auf die Veranda. Bis ich da an der Reihe bin, bin ich längst verhungert. Also weiter, ein Laden nach dem anderen ist knüppelvoll und das an einem Montag in der Vorsaison?!?!? Schließlich habe ich einen kleinen Laden gefunden, es ist alles frisch gestrichen und riecht noch nach Farbe, vielleicht ist das der Grund warum er so leer ist. Es gibt ein heißes Croissant mit kurz angebratenem Kochschinken, Rührei, Käse und Salat. Ganz lecker! Dazu Kaffee aus Pappbechern und einen O-Saft – ebenfalls aus einem Pappbecher. Wie ich so dasitze überlege ich, ob ich mir nicht eine Kaffeetasse kaufen soll – aber ich muss ja eh bald wieder heim. Vor vier Wochen hätte es sich noch gelohnt.

Kleiner Tipp für alle die nicht gern aus Pappbechern trinken – Nehmt Euch ne Kaffetasse mit! Vielleicht auch ein bruchsicher verpacktes Rotweinglas und was Ihr sonst noch mögt. Solche Luxusgüter sind hier Mangelware!

Nach dem Frühstück habe ich dann ein paar Ansichtskarten geschrieben und kurz das Post Office aufgesucht. Dort hängen übrigens zwei Bilder von Tom Till. Das rechte zeigt den Mesa Arch im Canyon Lands National Park kurz nach Sonnenaufgang. Ich habe mir sagen lassen, das an der Stelle an der er das Foto gemacht hat eine X-förmige Markierung in den Fels geritzt ist. Diesem Gerücht werde ich morgen um 7h30 auf den Grund gehen!

Nach dem Frühstück dann kurz einkaufen und dann wieder los zum Arches National Park. Wenn schon der frühe Vogel den Wurm nicht fängt, dann vielleicht der Hartnäckige!

Und siehe da, trotz der vielen Wolken präsentiert sich der überaus delikate Bogen endlich mal von seiner schönsten Seite!

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Leider bin ich schon um 16h dort – er liegt also noch im Gegenlicht und die eigentlich fotogene Seite im Schatten. Also schön brav in der Sonne sitzen und warten! Nach einer Stunde gesellt sich ein junger Lehrer aus Kanada dazu. “Is this THE POINT?” Ja, das ist er – hier wird alles gut!! Er ist zusammen mit seiner Freundin mit dem Wohnmobil aus Kanada gekommen um diesen Arch zu fotografieren. Die nagelneue Canon EOS 5D Mark II hat er auch dabei! Das tolle neue 24-70 Objektiv knirscht schon ganz kräftig, so viel Sand hat es schon einstecken müssen! Er ist ganz begeistert von seiner neuen Kamera. Sie hat ein geniales Feature, man kann jetzt den Spiegel hochklappen und dann auf dem Display alles sehen – Ach so, bei meiner Nikon heißt das “Live View” schau mal hier… So geht das eine Weile bis er feststellen muss, dass er eigentlich nur den größeren Chip und ein paar zusätzliche Pixel hat. Aber er hat einen Batteriegriff! Meiner liegt im Auto weil er mir zu schwer ist… Diese Diskussionen sind manchmal fast erheiternd, jedenfalls schüren Sie das WIR Gefühl! Gemeinsam warten wir also 90 Minuten auf das geniale Licht. Wir erzählen uns was wir schon alles gesehen haben und geben uns Tipps was man noch alles sehen muss. Leider reicht auch bei Ihm die Zeit nicht und seine Freundin ist nach der kurzen Zeit schon so angenervt, dass sie es vorgezogen hat im Auto zu warten statt mit hoch zum Delicate Arch zu kommen. Das sagt er nach 90 Minuten – der Mann hat Nerven!

Als es dann 19h ist sitze ich ich Schatten. Sobald die wärmende Sonne fort ist wird es sofort wieder so bitterkalt wie am Morgen. Nach kurzer Zeit sind die Finger wie taub und laufen kann ich nach der langen Warterei auch kaum noch. Aber ich habe ja schon hunderte von Bildern geknipst, warum nicht einfach den Rückzug antreten. Schnell noch eine Belichtungsreihe im Gegenlicht, vieleicht kann ich ja noch eines meiner beleibten “Jesusbildchen” daraus zaubern. Kaum habe ich das letzte Bild gemacht, steht der nette Kanadier vor mir, er hat auch keine Lust mehr. Er verabschiedet sich total nett und wünscht mir noch viel Spaß. Das ist es was mir hier so gut gefällt, man lernt einfach sehr schnell nette Leute kennen. Man muss sich nur mit einer Kamera an einem Beauty Point aufhalten, schon ist man nicht mehr allein. Leidenschaft verbindet!

Der Abstieg im letzten Abendlich ist einfach und dauert kaum 30 Minuten. Unten angekommen erweist sich die Entscheidung zum vorzeitigen Rückzug als richtig. Auch heute hat die Sonne es nicht geschafft dem Delicate Arch ihre letzten Strahlen zu schenken. Ich muss wieder an das geniale Bild von Tom Till denken. Wie oft er wohl hier oben war? Und jedes mal mit dieser riesigen Kamera…

In Moab angekommen geht es kurz zum City Market. Ich probiere mal das Sushi aus. Es gibt California Rolls – richtig japanisch klingt das nicht – schmeckt aber gar nicht schlecht! Im Office gibt es Eiswürfel für den Plastiksektkühler – damit kriegt man das Bier schön kalt!

Nun ist es 22:34 – ich gehe jetzt mal ins Bett – morgen geht es noch früher raus. Es ist wieder Abreisetag. Mit gepackten Koffern will ich versuchen Tom Tills X beim Mesa Arch zu finden. Mal schauen ob das klappt und ob mir die anderen Knipser nicht das Stativ umkippen… Danach geht es weiter – wohin? Mal sehen, vielleicht zurück nach Page in den Upper Antelope Canyon? Eigentlich möchte ich ja mal einen Flug mit so einer kleinen Cessna machen, ist bestimmt ganz witzig. Aber ob man da fotografieren kann? Na Fragen kostet ja nichts. Als Abschluss dieser schönen Reise einen privaten Rundflug über Grand Canyon & Co im roten Abendlicht?? Das hätte doch was!

Ok, nun die Koffer packen und an der Matratze horchen! Bis morgen…

Die Diashow des Tages.

Das Bild des Tages – auch in der fotocommunity.

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“The clinic is over there” – Oder: Mein erster Kontakt mit dem amerikanischen Gesundheitssystem

Nach einer schlimmen Nacht, in der ich kaum geschlafen habe weil mein rechtes Auge so weh tat, hatte ich heute morgen nur wenig Hoffnung, dass es hier einen Arzt geben könnte der mit schnell helfen kann. Eigentlich bin ich ja nur wegen der Knipserei hier. Was ist ein Amateurfotograf ohne das rechte Auge schon wert…

Also aufstehen, ab in die Waschanlage, bloggen (das muss sein – auch mit nur einem Auge!) und dann rüber in den Supermarkt. Vielleicht haben die da ja Augentropen, sowas wie Berberil vielleicht? Na, viel Hoffnung hatte ich ja nicht. Und es gab natürlich nur Aspirin und ein paar Standardmedikamente. Aber es gab frisches Obst, Bananen, Apfel, Keske – ähäm…

Der netten Dame an der Kasse versuche ich dann zu erklären, dass mein rechtes Auge kaum noch zu gebrauchen ist und frage nach einem Arzt oder einer Apotheke. Sie beugt sich vor, mustert das dick angeschwollene rote Auge, lehnt sich zurück und schaut mich mitleidsvoll an. Dann dreht sie sich um 90° und weist auf die verglaste Tür des Hintereinganges. “The Clinic is over there, maybe they can help you! Good luck!” Das ist ja cool, damit hatte ich nicht gerechnet. Also die Einkäufe schnell ins Auto und dann rüber zur Clinic. Das was hier Clinic heißt ist ein geräumiger Bungalow mit spitzem Dach, wahrscheinlich aus Holz gebaut. Hinter der Eingangstüre ein kleiner Wartebereich und dann sehe ich Laury! Sie ist vielleicht 60 Jahre alt und sitzt in einer Art Aquarium bei dem man die Glasscheiben wegschieben kann. Laury ist sehr nett und ich habe schnell erklärt was los ist. Wieder dieser Blick, dann sagt sie mir, dass ich bis zum späten Nachmittag warten muss, weil der einzige Arzt derzeit unterwegs sei. Ich bin wenig begeistert und sie sieht es mir wohl an. Dann sagt sie, es sei aber eine Krankenschwester da! “Oh ja, bitte bitte, vielleicht kann sie sich das kurz anschauen?” Dann kommt die Krankenschwester – ihren Namen habe ich leider vergessen, nennen wir sie Nursy. Ok, ich erkläre nun Nursy was los ist, wieder dieser Blick, erst nach vor beugen, schauen, leichtes Entsetzen, dann Mitleid. Auch sie erklärt mir, dass Arzt erst am späten Nachmittag wieder da ist. “Did you scatch?” Ja, ich habe mir die Augen gerieben und zwischen den Wimpern waren wohl ein paar Sandkörner und die habe ich jetzt im Auge – “It hurts!!” “Maybe you need some antibiotic drops!” Genau das wollte ich hören! Leider gibt es in Escalante keine Apotheke. Die nächste Apotheke die das haben könnte ist in westlicher Richtung, "…some miles beyond the Bryce Canyon!” (Bitte immer schön laut lesen und vorher eine Kartoffel in den Mund stecken, nur dann klingt es echt authentisch.) Nursy bittet Laury mal dort anzurufen. Laury schnappt sich den Telefonhörer und weiß nach einigen wenigen Augenblicken, dass es dort keine antibiotischen Augentropfen gibt!

“Ok, maybe we can call the Wayne Country Clinic in Bicknell!” – Laury greift wieder zum Hörer und ruft in Bicknell an – ein paar Sätze, sie erklärt wen sie hier vor sich hat – dann Erleichterung, sie haben Augentropfen! Bicknell ist nur 70 Meilen entfernt – ein Katzensprung, gemessen an amerikanischen Maßstäben. Nursy schreibt mir alles auf einen Zettel. “Do you have a map?” Ja und ein GPS habe ich auch – ich werde es finden!! “Ok, please start instantly, take highway 12 and take care, it might be breezy up there! It’s easy to find, you don’t need more than one eye and you have two!!” “Thank you so much, what do I have to pay?” “Nothing today, bye!” – So kann das gehen, Laury demonstriert mir vereinfachte Kommunikation unter Frauen (es geht!!) ich werde schon angemeldet (Telefonnummer, Name, Adresse etc.) und das alles ist hier kostenlos! Stark!

Also in Auto, ab zur Tankstelle. Diesmal ist es die Tanke am Ortsausgang. Ich drücke auf “Pay outside”, stecke brav meine Kreditkarte, nehme den 91 Oktanrüssel und stecke ihn in den Tank meines tollen Mietwagens. Passieren tut leider nichts, absolut gar nichts! Auf der Zapfsäule steht irgendwas mit “Thank you” – was mache ich wieder falsch? Also rüber zur Kasse. Die Kassiererin ist voll total super hochschwanger. Sie erklärt mir, dass es mit den Kreditkarten hier manchmal Probleme gibt. Ich gebe ihr meine Kreditkarte, sie zieht sie durch den Kartenleser und sagt die netten Worte “Ok, try again now!” Ich versuche es erneut und stehe wieder wie ein Ochs vorm Berg an dieser blöden Zapfpistole. Das kann doch nicht so schwer sein, Mist Mist Mist. Wieder zurück, die schwangere Lady kommt mir raus, geht ums Auto, schaut, grinst und kippt die Halterung in die man die Zapfpistole einhakt nach oben. Prompt springt eine Punpe an und der kostbare Saft fließt – war doch ganz einfach – peinlich für mich, dass links und rechts neben allen Zapfpistolen rote Pfeile angeklebt sind unter denen das schöne Wort “LIFT” prangt. Wer lesen kann ist im Vorteil!!

Ok, nach dem Tanken rein, Kreditkarte holen, unterschreiben, entschuldigen, bedanken und Tschüss…

Die Fahrt nach Bicknell ist echt lang. 70 Meilen sind über 100 Kilometer und das wegen ein paar Augentropfen!! Egal, ich kenne ja schon die Hälfte des Weges und die ist echt schön. Die zweite Hälfte ist aber fast noch schöner. Der Highway 12 schraubt sich bis auf 9600 Fuß hoch, das sind mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel! Dort oben liegt hoch Schnee und ich komme mir vor wie im Winterurlaub! Auf der anderen Seite geht es wieder abwärts und ich bin froh als ich in Bicknell ankomme. Die Clinic ist gut ausgeschildert, der Ort ist winzig und ich parke nach nur einem Fehlversuch direkt neben dem Eingang, perfekt!

Beim Öffnen der Eingangstüre fallen mir eine Reihe von Aufklebern in linke Auge: VISA, MASTERCARD, AMERIC…. Am Schalter erkläre ich erneut was denn los ist. Der freundliche schaut mir fragend an, also käme ich von einem anderen Planeten. Ok, ohne Kartoffel im Mund muss sich mein Englisch für ihn so anhören als käme ich tatsächlich von einem anderen Planeten. Irgendwann blicke ich dann, dass das gar nicht die Anmeldung sondern die Inhouse-Pharmacy ist – hätte man ja auch gleich sehen können. Der Zahnarzt ist rechts, wo ich hin will ist links. Also wieder vor das Aquarium treten und tief Luft holen um erneut die Geschichte vom Sandkorn um Auge, den Schmerzen und der üblen Nacht zu erzählen. “Ah, you are the guy with the eye!” – Perfekt, mein Ruf eilt mir voraus und ich muss gar nichts erklären. Dann bekomme ich ein gelbes, ein grünes, ein weißes Formular und einen Briefumschlag. Ich fülle alles brav aus, unterschreibe dass ich keine Drogen nehme (wie auch, das Bier haben sie mir ja geklaut und im Supermarkt gibt es keines…) und auf den Briefumschlag schreibe ich meine Adresse in Deutschland, damit man mir die Rechnung schicken kann.

Nach ein paar Minuten ruft jemand das Wort “Husgar” – ja das bin ich – Ansgar kann man mit einer Kartoffel im Mund eben nicht aussprechen! Die Krankenschwester weist mit den Weg auf die Waage – hä? Eigentlich habe ich es am Auge? Egal, sie schiebt die Gewichte hin und her und macht sich am Schluss grinsend eine Notiz – Übergewicht?? Dann gehen wir ins Behandlungszimmer. Das ganze ist eine Mischung aus den Behandlungszimmern die von Allgemeinmedizinern und Zahnärzten kenne. In der Ecke steht eine riesige halb rostige halb grüne Gasflasche – ob da Sauerstoff drin ist – oder Lachgas?? Egal, sie sieht komisch aus. Die Krankenschwester schaut mir nun ins Ohr – Hä? Dann in die Nase, den Hals, misst den Blutdruck, den Puls, den Sauerstoffgehalt des Blutes… Sie tippt fleißig auf einem Laptop alles ein und verschwindet dann. Kurz drauf kommt dann die Ärztin. Sie hat nach 2 Sätzen erkannt, dass ich keine Kartoffeln habe und aus Deutschland komme. Mein Denglisch verrät mich sofort! Sie erklärt mir, dass ihre Vorfahren aus Deutschland kommen, dass sie in der Nähe von Escalante wohnt und dass Ihr Name Sherree Rechtsteiner ist – ist schon lustig wie sie versucht hat ihren Namen nach Deutschland klingen zu lassen 🙂

Ok, ich erkläre wieder was los ist. Sie holt dann eine gelbe Plastikschale mit den Apparaturen für Augenuntersuchungen. Sie tropft mir was ins Auge was ziemlich brennt, löscht das Licht, zieht die Lieder weit auseinander und leuchtet mit einer UV-Lampe an meinem rechten Auge herum. “I can see some little scatches under the iris…” Ja sag ich doch, ich habe oder hatte eben Sand im Auge. Sie erklärt mir dann, dass alles rot und angeschwollen ist. Das hat die Kassiererin im Supermarkt auch schon gesehen. Danach wir dann das Auge gespült und sie hat so kleine Stäbchen die aussehen wie platt gedrückte Streichhölzer. Als sie fertig ist tut es fast gar nicht mehr weh, perfekt – ich liebe Amerika – God save the Queen – sorry – the President!

Später warte ich dann artig auf das Rezept, zahle 117 Dollar mit Kreditkarte und amüsiere mich als es nicht möglich ist eine zweite Rechnung zu drucken, nachdem es mit der ersten einen Papierstau gab. Der Service wird angerufen, später stehen vier ratlose Frauen vor einem HP-Laserjet mir vier Papierfächern. Dann wird auf das neue System geschimpft, da ist alles anders und nichts funktioniert mehr so wie früher – wie bekannt mir das doch vorkommt – aber ich habe Urlaub!!

Schließlich kriege ich einen kleinen Zettel auf dem Betrag, Datum, Name usw. stehen. Das sollte reichen…

Leider hat die Apotheke gerade Mittagspause! Also Zeit für ein paar Fotos in Bicknell! Diese Stadt ist typisch für den mittlere Westen. Jeder hat seinen privaten Schrottplat, überall stehen kaputte Autos in der Gegend herum. Einige Straßenschilder haben Einschußlöcher, einige Autowracks auch… Am Straßenrand lieft eine tote Kuh, auf der Wiese daneben noch Eine. Die Schafe sind frisch geschoren, auf der anderen Seite des Zaunes das Fell eines nicht mehr zu erkennenden Tieres, so ist das hier eben…

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Eine Stunde später stehe ich wieder am Schalter der Inhouse-Pharmacy, wieder produziere ich Verwirrung und wieder werde ich weggeschickt – diesmal zu einem anderen Schalter. Dort sitzt eine ebenfalls hochschwangere junge Frau. Sie fragt mich was, ich sage zweimal NO – dann darf ich wieder Platz nehmen…

Schließlich ruft der Man am ersten Schalter nach “Husgar” – prima das bin ich – meine Medizin ist fertig und es ist 13h30. Viermwal am Tag ins rechte Auge, mindestens zwei Tage lang. Dann die Kreditkarte – 87 Dollar!! Ich bekomme eine Rechnung für die Krankenversicherung, bei ihm geht das ganz einfach – keine Ahnung warum vier Frauen das nicht auch hinbekommen…

Ich bedanke mich tausendfach und erkläre, dass er mich gerettet hat. Was ist schon ein Fotograf mit nur einem Auge…

Auf dem Rückweg steigt die Laune merklich. Das Auge tut kaum noch weh, ich kann gut schauen und alles wird wie immer wieder gut! Am ersten Scenic Viewpoint halte ich an und bin von der verschneiten Bergkulisse tief beeindruckt. Es halten ein paar Autos, schließlich bittet mich ein junges Paar um ein paar Fotos. Ich frage aus Spaß ob ich sie mit meiner Kamera machen soll? Sie verstehen mich nicht… “Oh yeah, your camera is much better than mine!” Sie verstehen meinen Spaß echt nicht – eigentlich wollte ich drauf hinaus, dass es für sie komplett nutzlos ist wenn ich sie mit meiner Kamera fotografiere, aber so ist das eben. Also frage ich die Frage aller Fragen “So, where are you from?” Sie kommen aus Belgien und sind für 14 Tage hier. Im Arches Nationalpark waren sie schon. Im Antelope Canyon auch und nun sind sie ratlos was sie noch machen sollen. Der Brye Canyon steht noch auf dem Programm. Nun kann ich voll punkten, endlich mal! Wolfgang hat mir so vieles gezeigt und erklärt – es sprudelt und sprudelt – schließlich machen sie einen verwirrten Eindruck und betonen, dass sie ja nur 14 Tage hier sind und nur noch einige wenige Tage haben. Ok, und tschüss…

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Am nächsten Scenic Viewpoint sehen wir uns wieder und am nächsten und am nächsten… Schließlich sehe ich ein Schild das den Weg zum Burr Trail weist! Davon hat Wolfgang schon geschwärmt, also einfach mal links abbiegen und schauen was kommt. Was kommt ist die große Überraschung, der Trail ist genial. Immer wieder halte ich an und mache ein paar Fotos. Ich bin total allein, niemand außer mir auf dieser wunderbaren Straße!! Es geht weiter und weiter und plötzlich habe ich den Capitol Reef Nationalpark gefunden!!

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Dort quellen mir im Abendlicht fast die Augen über – toll ist es dort. So schön und so riesig – zu viel im es in eine Foto packen zu können, man muss einfach dort gewesen sein! Ich nehme irgendwann einen kleinen Jeep Trail und lande an einem Trailhead. Da laufe ich dann eine Weile herum und mache meine Knipsbilder. Zurück im Auto ist es 18h30 und die Sonne steht schon tief, also zurück. Die Rückfahrt ist großartig und ich bin gar nicht frustig, dass es in Escalante meine Augentropfen nicht gab 🙂

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Am Ortseingang dann ein kurzer Stopp an der Tankstelle vom Morgen. Und siehe da, dort gibt es Bier, sogar mein Amber-Bock!! Im Motel lasse ich fünf Flaschen davon im Auto, eine nehme ich mit rein – tut das gut nach diesem Tag…

Trackanalyse

Man beachte den Weg durchs Gebirge – das GPS hat 2930 Meter/ÜNN gemessen!

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Das KMZ in Google Earth:

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Offroad-Tipps – Für Oliver:

Nachdem ich mich rund um Page anfangs gewundert und auch manchmal über die vielen vielen Kilometer Stacheldraht links und rechts von allen Straßen geärgert habe bin ich nun versöhnt. In Utah gibt es deutlich weniger Stacheldraht. Hier kann man praktisch überall anhalten und ein paar Meter ins Gelände laufen um eine Position für ein schönes Foto zu finden. Auch gibt es hier echt coole Offroad-Strecken. Die Hole-In-The-Rock-Road (HITRR) ist solch ein Beispiel. Anfangs ist sie toll ausgebaut, geschottert und sehr eben, nach 20 Meilen wird sie echt hart! Der Burr Trail heute ist ganz ähnlich. Zunächst geteert und sehr gut zu befahren, später staubig und holprig mit vielen Abzweigen die sehr eng und sehr sandig sind. Wer hier mit dem Monstertruck kreuz und quer durch die Rabatte fahren möchte wird hier sicher fündig!

Bei Page hat die House-Rock-Road ein ähnliches Kaliber, auch hier zweigen viele kleine schwierige Jeep-Trails ab. Mit dem richtigen Auto macht das echt Spaß!

Bedenke:

Mit einem normalen Mietwagen ist ein Schaden auf diesen Wegen nicht versichert! Platzt ein Reifen oder rutscht man gegen einen Baum, so ist das PP – Persönliches Pech!

Mein Nissan XTerra hat reichlich Bodenfreiheit und sehr kurze Überhänge vorn und hinten. Man kommt damit eigentlich überall durch. Aber er ist unspektakulär und gewöhnlich! Wie hat Wolfgang es formuliert “Zum Leben reicht das!” – dem würde ich mich anschließen. Die richtig coolen Typen die wir hier bislang gesehen haben, hatten alle einen Hummer H3. Der ist meiner Meinung nach perfekt für allerschwierigstes Gelände. Aber er braucht doppelt soviel Sprit wie der Nissan! Je nachdem wie viel man unterwegs ist, kann das also ganz schön ins Geld gehen. Auch dürfte die Miete etwa das Doppelte kosten! Zusätzlich kann es schwierig werden überhaupt einen Hummer zu kriegen, weil viele Vermieter nur Fahrzeuge einer bestimmten Klasse anbieten. Ich hatte ursprünglich einen Full-Size-SUV gebucht. Alamo in Las Vegas hatte aber an meinem Anreisetag keine richtig großen SUVs, also habe ich mir den Wagen mit der meisten Bodenfreiheit und den kürzesten Überhängen ausgesucht. Zum Leben reicht es, Spaß macht es auch und ich bin erst der zweite Mieter. Die Kiste riecht also noch nach Plastik und nicht nach fiesem Zigarettenqualm oder nassem Hund 🙂

Und noch was, beim Anmieten unbedingt gründlich schauen ob auch nichts defekt ist. Bei Wolfgangs Toyota haben wir einen Schaden festgestellt und ich bin gespannt wie es ausgeht.

So, nun aber ab ins Bett – es ist 23h32…