Teneriffa 2013 – Das Video
Foto: Pico del Teide – Ostseite – Nikon D800E – AF-S 2.8/24-70 – HD-Format
Aktuell ist das Wetter ein Deutschland nach einem Temperatursturz um fast 10°C wieder einmal recht frostig. Da tut es gut wenn man sich an den Bildern der letzten Reise etwas aufwärmen kann. Die vielen deutschen Auswanderer die auf Teneriffa leben kann ich zu gut verstehen. Während in den beiden Wochen seit unserer Rückkehr fast alle Arbeitskollegen krank und schniefend durch die Gegend schleichen, genießen die Menschen auf Teneriffa das milde Meeresklima ohne Pollen und andere Dinge die hierzulande den Allergikern so sehr zu schaffen machen.
Die letzten Tage war ich wieder viel unterwegs und ich habe die Zeit abends im Hotel genutzt um auf dem frisch reparierten Mac mit Final Cut Pro X ein 19 Minuten langes Video zur letzten Reise zu erstellen. Eigentlich wollte ich noch ein paar kurze Kommentare aufnehmen, aber dann gefiel mir die Musik so gut, dass ich es gelassen habe. Anhand der kurzen Einblendungen sollte klar werden worum es in den einzelnen Sequenzen geht. Wer mehr wissen will, der kann die Schlagworte aus den Einblendungen auch hier in meinem BLOG im Suchfeld eingeben und wird dann viele Artikel und weitere Infos zu diesen Locations finden.
Ok Freunde, dann lehnt Euch mal zurück, schaltet auf FULL HD um und genießt die schönen Bilder. Ach ja, über einen “Daumen nach oben” oder den einen oder anderen Tweed bei Twitter oder ein Like bei Facebook und Co. würde ich mich natürlich sehr freuen
Teneriffa 2012 – Das große Video
Tagelang habe ich kopiert, geschoben, geschnitten und vertont. Endlich ist es fertig, mein Video zur Reise nach Teneriffa im Dezember 2012. Unendlich viel Material ist der digitalen Schere zum Opfer gefallen und dennoch hat das Video satte 37:40 Minuten. Es ist also wieder einmal ein ausführliches “Special Interest Video” geworden. Damit ist es nichts für den schnellen Konsum auf dem Handy in der Straßenbahn, ich hoffe ihr könnt Euch entspannt zurücklehnen und die Bilder dieser tollen Insel genießen.
Das Video ist zu wesentlichen Teilen mit der wirklich superguten Panasonic HC-X909 gefilmt. Zwischendurch habe ich immer mal wieder die Nikon D800E verwendet. Schaut mal genau hin, seht Ihr den Unterschied? Bei den Gorillas war der Akku der Panasonic am Ende und daher habe ich diese Sequenz mit der D800E und dem alt ehrwürdigen Nikon AF-D VR 80-400mm Telezoom gefilmt. Das Ding ist ein wenig sperrig, aber schafft man es richtig zu fokussieren, so kann man damit großartige Videosquenzen erstellen.
Die Panasonic HC-X909 gibt es aktuell bei amazon.de bereits für etwa 800,- Euro. Mein Exemplar hat noch 950,- Euro gekostet!
Geschnitten habe ich das Video mit Apple Final-Cut-Pro-X (FCPX). Die Musik habe ich mit Garageband erstellt, da gibt es eine Funktion “Magic-Song”. Damit kann man Vorlagen für Musikstücke für verschiedene Stilrichtungen erzeugen. Man kann zwischen jeweils 5-6 verschiedenen Instrumenten wechseln, dies separat für Melodie, Schlagzeug, Bass, erste Gitarre, zweite Gitarre, Klavier usw. Damit ergeben sich je Stilrichtung etwa 6x6x6x6x6 Variationen für einen Song, schon cool! Und man kann diese Vorlagen dann in Garage-Band oder sogar in Logic-Studio weiter bearbeiten. Das ist es was Apple von Microsoft so deutlich unterscheidet. Diese Software gibt es auf dem Mac kostenlos und sie ist genial. Bei Microsoft hat man traditionell eher die Geschäftsanwender im Fokus, denen würde man so herrlich kreative Software wohl niemals an die Hand geben. Sie würden nur noch im Büro sitzen mit Garageband Musik machen und mit iMovie YouTube-Vidoes schneiden
Damit ihr einen Eindruck von der Arbeit mit FCPX bekommt, habe ich hier ein paar Screenshots für Euch eingebunden. Im ersten Screenshot seht Ihr die komplette Timeline. Oben links sind einige importierte Clips zu sehen. Dort sieht man auch was verwendet wurde und was nicht. Oben rechts der Einstellungsbereich. Hier kann man Bild und Ton sehr weitreichend beeinflussen. Unten rechts sind die Übergänge zu sehen. Diese zieht man einfach per Drag & Drop zwischen zwei Clips und schon hat man einen Übergang. Anschließend kann man weitere Parameter einstellen.
Hier sehen wir jetzt oben rechts den Einstellbereich für die Farben. Ich habe fast nichts korrigiert weil die Kameras es meistens richtig machen. Aber wenn man doch einmal etwas korrigiert, dann kann man diese Einstellungen sehr einfach auf andere Clips übertragen, so dass sich ein homogenes Gesamtbild ergibt. Unten rechts sind die Optionen für den “Look” einzelner Clips zu sehen. Auch diese zieht man einfach per Drag & Drop auf den gewünschten Clip.
Zu guten Schluss noch der Präzisionseditor für den Video-Schnitt. Hier kann man wirklich sehr präzise auf der Ebene einzelner Bilder arbeiten. Rechts seht ihr den Bereich für die Titel-Vorlagen. Diese zieht man einfach dahin wo der Titel erscheinen soll. Man kann sie zwischen den Clips oder oberhalb der Clips einrasten. Sind sie oberhalb, so werden sie in den Clip eingeblendet. Durch Ziehen an den Enden und Schieben kann man Dauer und Position des Titels sehr einfach ändern. In der Vorschau macht man einen Doppelklick auf den Titel und kann dann dort den Text ändern. Zusätzlich hat jeder Titel einen Einstellbereich, dort kann man die Texte und weitere Einstellungen bearbeiten.
Über Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik freue ich mich wie immer sehr. Ich wünsche Euch einen guten Start ins Jahr 2013, gutes Licht und viele schöne neue Filme
Teneriffa 2012 – Die andere Seite
Statt täglich zu veröffentlichen was sie beeindruckt und bewegt, hat meine Freundin Sandra den Urlaub in zwei umfangreichen Artikeln zusammengefasst. Wer wissen will wie die “andere Seite” der Reise aussah, der wird hier fündig werden
Teneriffa 2012 – Nachlese
Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag 2012 und ich bin wieder zurück auf deutschem Boden. Die erste Nacht im eigenen Bett war eine Wohltat. So schön es auf Teneriffa auch ist, im eigenen Bett schläft es sich noch immer am besten. Den gesamten Weihnachtsstress haben wir verpasst. Statt noch schnell einen Weihnachtsbaum zu kaufen und dann festzustellen, dass die Schrauben am Christbaumständer verrostet sind, all das ist mir auch in diesem Jahr erspart geblieben. Statt gemeinsam mit hektischen leicht frustriert wirkenden jungen Männern in einem der Bonner Kaufhäuser nach einem Geschenk für die Kids und die Liebste zu suchen war ich mit Freunden im sonnigen Süden Teneriffas. An der “Surferbude” in El Medano gab es ein leckeres frühstück und danach eine ausgedehnte Wanderung am Strand. Das Thermometer ist bis auf 30°C geklettert und wir sind alle zusammen immer mal wieder am Meer stehen geblieben, haben uns grinsend angeschaut und dann etwas ungläubig im Chor gesagt “Hey, es ist Weihnachten…”
Zur Auflockerung des Textes habe ich hier einige Bilder aus der Panasonic HC-X909 eingefügt. Alle Bilder sind 1000 Pixel breit, einfach in einem neuen Fenster oder TAB öffnen wenn Ihr sie größer anschauen wollt.

Für den Weg von El Medano zurück zum Hotel in Puerto de la Cruz haben wir uns den kurvenreichen Weg ausgesucht. Es ging vom Meer hoch bis auf 2250 Meter durch die Canadas del Teide und auf der anderen Seite wieder hinab über La Orotava zum Hotel. Eine tolle Tour und meine Freunde Alexandra und Walter haben bei allen Stops die Kameras gezückt und damit wie wild um sich geschossen. Teneriffa, bei diesem Begriff haben sie bislang eher an eine langweilige Urlaubsinsel für fußkranke Rentner gedacht. Dass sie hier eine solch majestätische Bergwelt voll schroffer Schönheit antreffen würden, das hat sie offensichtlich überrascht.

Die Frage warum ich seit vielen Jahren immer wieder hierher komme, diese Frage hat sich für sie damit wohl beantwortet. Teneriffa hat mehr zu bieten als nur Strand, Meer und Sonne. Es ist ein Mikrokontinent voller Geheimnisse mit vielen Sehenswürdigkeiten und einer außerordentlich abwechslungsreichen Bergwelt. Zwischen all den Hotels und Touristen findet man hier auch Ruhe, man muss nur einwenig hinauf in die Berge fahren und schon ist man allein.
Dementsprechend bin ich bei unserer Abreise wie immer ein wenig wehmütig. Diese Insel habe ich während der letzten Jahre einfach lieb gewonnen und ich fühle mich hier wie in einer zweiten Heimat. Somit ist auch unsere Fahrt zum Flughafen eher eine stille Angelegenheit. Der neue USB-Stick ist bereits in der Notebooktasche verpackt, also schweigt heute das Radio. Am ersten Weihnachtsfeiertag sie die meisten Bewohner am Morgen noch daheim bei ihren Familien. Die Touristen vielleicht gerade beim Frühstück und wir fast ganz allein auf der Autobahn. Vom täglichen Stau vor La Laguna ist nichts zu sehen und die Fahrt zum Flughafen klappt in Rekordzeit von etwa 50 Minuten. Schnell das Auto abgeben und auf zum Check-In. Dort warten wir nur kurz und sind als zweites Paar an der Reihe. Bei den Sicherheitskontrollen ist nichts los, alles geht in Sekundenschnelle. Danach haben wir zwei Stunden Zeit. Sandra liest ihre neuen Bücher auf dem amazon-Kindle den ich ihr zum letzten Geburtstag geschenkt habe. Dieses kleine Ding ist überaus praktisch. Man kann einen großen Stapel spannender Krimis mit in den Urlaub nehmen und all das wiegt fast nichts. Vor einigen Jahren noch ein Wunschtraum, heute praktische Realität.
Durch den frühen Check-In haben wir tolle Plätze. Ich sitze weit vorn auf Platz 6A, direkt am Fenster noch vor den Triebwerken. Hier ist die Sicht ganz großartig und ich freue mich schon auf den Flug. Mit der Panasonic HC-X909 filme ich immer wieder kurze Sequenzen und freue mich insgeheim schon auf mein “Heimreise-Video”. In Düsseldorf angekommen geht es mit dem Skytrain zum Flughafenbahnhof und dann ein Stück zu Fuß zu meinem Auto. Es ist noch alles in bester Ordnung, nur die Bremsen sind wieder einmal völlig festgerostet. Das feuchte Wetter und das viele Salz auf den Straßen haben ihre Spuren hinterlassen.
Als wir daheim ankommen freuen wir uns auf einen spannenden Krimi via Apple-TV und unsere vertrauten Betten. Endlich wieder richtige Kopfkissen und leichte warme Bettdecken. Daheim ist es irgendwie auch ganz schön.
Während meine Freundin am nächsten Tag unterwegs zu ihrer Wohnung ist, sichte ich die “Beute” der letzten beiden Tage auf Teneriffa. Meine schwere Fotoausrüstung habe ich im Hotel gelassen und nur mit der kleinen Panasonic Videokamera gefilmt und fotografiert. Die Ergebnisse sind erstaunlich gut. Die Kamera kann eigentlich alles was man sich in einem Urlaub wünscht. Wer keine riesigen Prints drucken und mit Infrarotfilter usw. fotografieren will, für den ist die Panasonic HC-X909 der perfekte Urlaubsbegleiter.
Verglichen mit den letzten Reisen war es diesmal sogar relativ preiswerte. Die Reise haben wir via Internetplattform OPODO gebucht und sind letztlich bei Neckermann gelandet. Die beiden Non-Stop Flüge Düsseldorf – Teneriffa – Düsseldorf wurde von Condor und Air Berlin durchgeführt. Beides durchaus gute Fluglinien mit gutem Service und ordentlichen Bedingungen. Inkl. Hotel und Frühstück hat mich diese 16 tägige Reise für zwei Personen 1.305,- Euro gekostet. Für den Mietwagen hat CICAR 240 Euro abgerechnet. Drei Abendessen im Hotel haben inkl. Minibar & Co. etwa 100 Euro gekostet. Für 168h Stunden Internet habe ich 20 Euro bezahlt. benötigt habe ich davon allerdings nur einen Bruchteil. Es heißt “7 Tage für 20 Euro” – damit sind wirklich 7 Tage gemeint – Non-Stop!! Hätte ich für 5 Euro 24 Stunden gebucht, so wäre dies wohl völlig ausreichend gewesen. Die Zimmermädchen haben 20 Euro bekommen, ich habe viermal getankt und bin fast 2.000 Kilometer mit einem recht ordentlichen Opel Astra gefahren. Für Mittagessen und Getränke sind nochmals etwa 500,- Euro draufgegangen.
Alles in allem also keine billige Reise, aber auch nicht so richtig teuer. Wer All-Inclusive bucht, den Shuttel-Bus nutzt, keinen Mietwagen fährt und sich nur am Pool herumtreibt, der kann hier für etwa 400 Euro pro Woche und Person einen sehr sonnige Winterzeit verbringen.
Teneriffa 2012 – Tag 16
Heimreise
Morgen soll es um 9h zum Frühstück auf die gegenüberliegende Seite der Insel gehen. Dort gibt es am Strand von El Medano eine kleine „Surferbude“ die ab 10h ein gutes Frühstück serviert. Danach „gehen die Männer fotografieren und die Frauen vergnügen sich am Strand“. Meine Freunde Walter und Alexandra werden auch wieder dabei sein. Nach dem Besuch im sonnigen Süden wollen wir vorbei am Pico del Teide zurück nach Puerto de la Cruz fahren.
Abends gibt es dann im Monasterio für uns ein göttliches Weihnachtsmenü mit 5 Gängen. Danach heißt es dann die Koffer zu packen und am Dienstag wieder heim ins kalte Deutschland zu fliegen – igittt…. Gern wäre ich noch eine Woche länger geblieben, setzt doch gerade erst die richtige Erholung ein. Aber meine Freundin muss nach Weihnachten gleich wieder arbeiten. Ein gelungener Jahresabschluss war diese Reise dennoch.
Teneriffa 2012 – Tag 14
Gipfelstürmer
Als der 14. Tag für mich anbricht ist es 6:30. Ich beeile mich so gut es geht und bin um kurz vor 7h auf der Autobahn. Mein Ziel ist die Seilbahn die hier auf den schönen Namen „Teleferico“ hört. Dort will ich mich mit meinem facebook-Freund Aschraf treffen und ihn endlich im „richtigen Leben“ kennenlernen. Als ich die Mondlandschaft des ” Parque National del Teide” in etwa 2200 Metern erreiche geht gerade die Sonne auf. Der zierlichen Wolkenstreifen am Himmel leuchten in zartem Rosa und über der Kraterwand der Canadas del Teide wird es langsam hell. Ich halte kurz an und montiere meine kleine GoPro HD HERO 1080 an das hintere linke Seitenfenster. Nachdem sie gestartet ist und ich mich versichert habe, dass sie auch gerade ausgerichtet ist, geht es weiter um Fuße des höchsten Berges der Spanier. Ein paar Minuten später treffe ich dort und. Es ist jetzt etwa 8:30 und ich bin der erste Besucher. Schnell ist das Auto geparkt, ich springe wie elektrisiert heraus, reiße den Kofferraum auf und baue in Windeseile mein kleines Video-Stativ auf. Die GoPro wird provisorisch auf eine kleine Mauer gelegt und so filmen zwei Kameras diesen kostenlose tägliche Naturschauspiel. Mit der Nikon D800E mache ich schnell ein paar Fotos und bin überrascht, dass das ganze Schauspiel nur einige wenige Minuten dauert.
Danach ist es hell und die Sonne scheint mir fröhlich ins Gesicht. Die ersten Mitarbeiter am Teleferico sind schon bei ihrer täglichen ersten Testfahrt. Während ich mir das Schauspiel ansehe treffen nach und nach die Mitarbeiter ein. Etwa 25 Menschen scheinen hier Tag für Tag zu arbeiten. Aus einem Kleinbus steigen etliche Frauen aus und schleppen Kisten mit frischem Salat, Obst und Gemüse heran. Wenig später trudeln dann auch die ersten Touristen ein. Es ist eine Gruppe junger Spanier. Sie sind gut ausgerüstet, haben Wanderstöcke und kontrollieren am Auto nochmals ihre Ausrüstung. Sie packen Getränke und ein paar kleine Snacks ein. Dann gesellen sie sich zu mir dazu. Aschraf ist inzwischen auch eingetrudelt. Gemeinsam warten wir darauf eintreten zu dürfen. An der Kasse darf ich für 33,- Euro das erste Ticket des Tages lösen – Yeah! Aschraf löst Ticket Nr. 2 und wenige Minuten später geht es schon mit der Seilbahn den Berg hinauf. Als wir oben eintreffen steht dort eine Gruppe Wanderer die wahrscheinlich in der kleinen Hütte unterhalb des Gipfels übernachtet hat, um sich den grandiosen Sonnenaufgang über Gran Canaria in luftiger Höhe anzuschauen. Sie wirken schlapp und müde und es sieht aus als würden sie sich sehr auf die Abfahrt freuen.
Aschraf und ich sind heute die ersten beiden Touristen die bergauf gefahren sind. Ich selbst war eine Weile nicht mehr hier oben und mir ist nicht ganz klar ob wir links oder rechts herum müssen. Wir entscheiden uns für links und trödeln quatschend den Weg hinauf. Die Aussicht ist grandios und wir verharren um den Augenblick zu genießen, da ruft uns von unten einer der Teleferico-Mitarbeiter zurück. Wir sind auf dem Weg zum Gipfel und ohne Genehmigung dürfen wir dort nicht hinauf. Die Genehmigung bekommt man inzwischen auch via Internet, das ist in den letzten Jahren alles viel einfacher geworden. Aber wir haben leider keine Exemplar dieses magischen Passierscheines. Ich bin ein wenig zerknirscht, hätten wir nicht so getrödelt, wir wären schon fast oben gewesen und niemand hätte uns zurück gepfiffen. So müssen wir uns wie erwartet mit der kleinen Fotorunde begnügen. Schade eigentlich, aber rein fotografisch gesehen durchaus wertvoll.
Wir laufen also zurück zur Station der Seilbahn und dann auf der gegenüberliegenden Seite in Richtung Westen. Von dort führt uns ein gut ausgebauter Wanderweg bergabwärts bis zu einem famosen Aussichtspunkt. Dort war ich bereits in den Jahren zuvor und es ist immer wieder atemberaubend. Heute ist es recht klar und wir können La Palma, La Gomera und El Hierro sehen. Vor uns liegt der Krater des jüngsten Vulkanes der Insel, der Pico Viejo. Sein Krater hat einen Durchmesser von ca. 800 Metern und ist etwas 250 Meter tief. Ehrfürchtig halten wir Inne und beschließen einige Höhenmeter in Richtung Pico Viejo abzusteigen. Hier ist der Weg deutlich anspruchsvoller, es ist mehr Krakseln als Wandern. Wir haben keine Wanderstöcke dabei und suchen mit den Händen Halt an den großen schwarzen Lavabrocken. Doch diese sind scharfkantig und rau, ein paar Handschuhe wären jetzt nicht verkehrt. Nach einer Weile müssen wir einsehen, dass wir mit unseren schweren Kamerarucksäcken besser nicht noch weiter absteigen sollten. Der Pico Viejo sieht aus als sei er zum Greifen nahe, aber es sind noch etwas 400 Höhenmeter die uns von der Kante des Kraterrandes trennen. Und dieser Krater ist wirklich gewaltig, auch wenn er aus luftiger Höhe recht “unscheinbar” wirkt!
An einer etwas breiteren Stelle halten wir an und bringen unsere Kameras in Stellung.
Der Dunst über den Inseln wird langsam stärker. Ich entschließe mich den IR-72 Infrarotfilter einzusetzen. Damit erhalte ich zwar nur Schwarz-Weiss-Bilder, aber dieser Filter sieht praktisch durch den Dunst hindurch. Wolken vermag er nicht zu durchdringen, aber leichter Dunst verschwindet wie von Geisterhand. Während ich Bild um Bild knipse, experimentiert Aschraf auch mit einem IR-Filter. Er ist mit den Ergebnissen eher unzufrieden. Allerdings hat seine Canon keinen Infrarot-Sperrfilter eingebaut. Er kann also im Live-View Modus auf dem Display sehr schön sehen was die Kamera fotografieren würde. Aber es ist alles dunkelrot und sehr kontrastarm. Ich gebe ihm den Tipp die Kamera in den Schwarz-Weiss-Modus zu bringen, einen Rot-Filter zu simulieren und den Kontrast so weit wie möglich zu steigern. Danach zeigt seine Canon im Live-View ein recht realistisches Bild dessen was die Kamera letztlich in den RAW-Bildern aufzeichnen wird.
Als wir unsere Session beendet haben machen wir uns auf den Rückweg zur Seilbahn. Ich habe morgens nur einen Schluck Wasser getrunken und bin dann recht überstürzt zum Auto gehastet. Weil mich der Sonnenaufgang so fasziniert hat habe ich vergessen etwas zu trinken und zu essen vom Kofferraum meines Autos in meinen Fotorucksack umzupacken. Das rächt sich jetzt. Hungrig und durstig kämpfe ich mich mit dem schweren Rucksack und zwei Stativen durch die scharfkantigen Lava-Brocken den Berg hinauf. Alle paar Meter muss ich stehen bleiben weil ich kaum noch Luft bekomme. Ich bin total überrascht, auf dem Hinweg war alles noch ganz cool und jetzt das? Ich fühle mich schlapp und entkräftet, aber nach einer kurzen Pause geht es wieder weiter. Mit der Zeit werden Pausen länger und die Intervalle kürzer. Obwohl es nur noch ein paar hundert Meter bis zur Seilbahn sind scheint sie mir in weiter Ferne zu sein. Während ich nach Luft ringe kommt mir eine ältere Dame entgegen, schaut mich grinsend an und sagt „Are you a smoker?“ Nein bin ich nicht, meine erste und letzte Zigarette habe ich mit 14 gequalmt. Nach meinem ersten Lungenzug war es mir furchtbar übel und ich habe es bleiben lassen. Gott sei dank!!
Als wir nach echt langer Zeit endlich an der Seilbahn angekommen ist mir schwindelig und übel. Ich kann mich nur mit Mühe auf den Beinen halten und bin froh auf einem von der Sonne durchgewärmten Mauervorsprung ausruhen zu können. Aschraf geht mal schauen ob es nicht etwas zu Trinken oder zu Essen gibt. Aber einen Kiosk gibt es hier oben nicht, hier ist jeder für sich selbst verantwortlich. Alle haben etwas zu Essen und zu trinken dabei, nur wir zwei nicht. Statt dessen habe ich fünf Objektive, mehrere Speicherkarten, eine Videokamera und zwei Stative im Gepäck. All das ist gerade eher eine Belastung als eine Hilfe.
Mir fällt auf wie mich einer der Teleferico-Mitarbeiter mustert. Er hat eine Basball-Kappe auf, trägt eine große Sonnenbrille und hat weite Teile seines Gesichts hinter einem Halstuch verborgen. Er arbeitet hier Tag für Tag und er wird wissen warum. Einige Augenblicke später läuft ein junges Paar an mir vorbei. Sie trägt Schuhe die diesen Namen eigentlich nicht verdienen, es sieht aus als könnte sie damit Ballett tanzen. Dazu eine kurze Hose die aussieht als wären ihr knapp unter dem Schritt die Hosenbeine abgerissen worden. Wenn mir nicht schon schwindelig wäre, das wäre der Moment dafür
Als dieses junge Mädchen dann plötzlich in sich zusammen sackt ist der Teleferico-Mitarbeiter sofort zu Stelle. Sie wird flach hingelegt und jemand hält ihre nackten Beine mit den Schuhen die keine sind in die Höhe. Wenig später liegt sie halb ohnmächtig in der Kabine der Seilbahn. Eingewickelt in eine Decke wird sie in wenigen Minuten etwa 1.400 Meter weit „abgeseilt“. Ich selbst warte inzwischen sehnsüchtig darauf ihr folgen zu dürfen. Da kommt auch schon die zweite Kabine oben an. Sie ist jetzt also unten. Schnell rein in die Kabine und da geht es auch schon los. Ich muss mich festhalten um nicht umzukippen. Als wir wenige Minuten später unten auf 2.250 Metern eintreffen geht es mir schon etwas besser. Wir gehen rüber zum Restaurant und ich bin froh als ich an einem freien Tische einen Sitzplatz finde. Aschraf rettet mich kurz darauf mit einer frischen kalten Cola, einer leckeren Kanarischen Banane und dem wunderbarsten Kuchen den ich seit langem gegessen habe. Schnell geht es mir wieder besser und wir beginnen über die Vor- und Nachteile des Nikon- sowie des Canon-Kamerasystems zu philosophieren. Wenn ich das kann, und das kann ich gut, dann geht es mir definitiv wieder besser
Nach etwa einer Stunde bin ich wieder hergestellt und wir beschließen zu den „Los Roques“ zu fahren. Es ist nicht weit, wir können sie von der unteren Station der Seilbahn aus sehen. Dort machen wir eine kleine Wanderung und sind immer wieder erstaunt wie genial hier oben das Licht ist und was diese Landschaft aus geologischer wie fotografischer Sicht für ihre Besucher bereit hält.
Um etwa 17h müssen Aschraf und ich uns dann leider verabschieden. Ich fahre zurück zum Hotel, dank der freien Straßen treffe ich schon um 18h dort ein.
Während der introvertierten Fahrt den Berg hinab lasse ich den Tag Revue passieren. Fotografisch gesehen war alles bestens, aber wir konnten es nicht richtig ausnutzen weil mir die Puste ausgegangen ist. Es war fahrlässig und dumm ohne Getränke und etwas zu Essen dort hinaufzufahren. Alles in allem habe ich meinem Körper am Morgen in etwa 2h einen Unterschied von fast 3.800 Höhenmetern zugemutet. Das alles ohne Essen mit viel zu schwerer Fotoausrüstung, das musste schief gehen. Beim nächsten Mal nehme ich weniger Gepäck mit und habe bestimmt ein paar Müsli-Riegel und das eine oder andere zuckerhaltige Erfrischungsgetränk dabei.
Hier zum Vergleich noch ein “normales” Foto ganz ohne Infrarot-Filter. Man sieht sehr deutlich den Dunst der die anderen Inseln umschließt. Vergleicht man dieses Bild mit der Infrarot-Variante, so ist diese sichtbar klarer und akzentuierter.
Zurück am Hotel ist Sandra recht entspannt. Sie hat wieder einen schönen Tag in Puerto de la Cruz verbracht. Gemeinsam fahren wir rüber zum Monasterio und gönnen uns ein leckeres Abendessen. Ich habe das Gefühl, dass ich nach diesem Tag Energie brauche und esse ein saftiges Filet-Steak. Das kommt jetzt echt gut, dazu ein Bier und ich bin reif für die Nacht. Später im Hotel werden dann auch nur schnell die Bilder des Tages auf die neue externe Festplatte gesichert. Danach geht es recht früh ins Bett. Dieser Berg da oben hat mich heute echt fertig gemacht. Man wird nicht jünger, das habe ich heute wieder einmal bemerkt.
Teneriffa 2012 – Tag 13
Best Canarian Sunset (ever)
Die Tage hier auf Teneriffa sind gezählt. Nicht mehr lang und das fiese nasskalte deutsche Schmuddelwetter hat uns zurück. Die letzten Stunden sind damit umso wertvoller und heute wollen wir es uns so richtig schön machen.
Nach dem Frühstück geht es in Richtung Westen zum niedlichen Örtchen Garachico. Dort waren wir schon oft und Sandra liebt diesen wunderbaren kleinen Ort. Unter einem Strohdach mit Blick auf das Meer und die Naturschwimmbäder gibt es Seezunge auf „Kanarische Art“. Das heißt, dass die Seezunge in roter Mojo-Sauce und Gemüse serviert wird. Dazu gibt es die typischen in Meerwasser gekochten kleinen Schrumpel-Kartoffeln – ein Göttermahl. Wäre da nicht direkt vor uns dieses unmögliche deutsche Pärchen. Sie bemühen sich nicht einmal die jungen adretten Kellner auf Spanisch zu begrüßen. Statt dessen texten sie die jungen Männer auf Deutsch zu und mischen ein paar deplatzierte Vokabeln darunter welche sie der englischen Sprache zu entnehmen glauben. Nichts ist richtig wie es ist. Immer wenn der Keller neben ihm steht versucht er witzig zu sein und tätschelt den linken Unterarm des Kellners. Er ringt sich Sätze raus wie „You are a jokey man!“ Der Kellner versteht gar nichts und versucht auch diesen überspannten Gast professionell zu bedienen. Der Weißwein ist zu warm, sie bestellen sich Eiswürfel. Der Kellner versteht nicht was sie wollen. Da versucht sie zu übersetzen: „Ice on the rocks“ – keine Ahnung was sie sich dabei gedacht hat, aber Kellner scheint verstanden zu haben und kurze Zeit später steht ein Glas mit einer Zange und einigen Eiswürfeln auf dem Tisch.
Dann wird ihre Seezunge serviert. Sie ist auf einer ovalen Platte angerichtet, das passt ihnen nicht, es geht wieder los, sie versuchen zwei Teller zu bestellen. Als die Teller auf dem Tisch sind will er frischen Pfeffer. Der Kellner kennt das Wort „Pfeffer“ nicht. Daraufhin macht er eine Handbewegung die ein wenig daran erinnert als würde er mit einer Pfeffermühle hantieren. Der Kellner versteht diesen Brauch nicht, es ist hier auch höchst unüblich. „Boah eh der Fisch ist ja voll trocken…“ Nun schmeckt es ihnen nicht. Er trinkt Weißwein mit Eis und im Wechsel eine Pepsi. Dann ein Stück Seezunge, viel zu trocken… Als die Teller leer sind fragt der Kellner ob es ihnen geschmeckt hat. „No, es war nicht so gut, but that is our problem…“ Der Kellner versteht nur Bahnhof, dann ordert der Typ einen weiteren Liter Weißwein und einen Espresso. Der Kellner kennt versteht wieder nichts. Der Typ zeigt mit dem Finger auf die Eichmakierung der Weinkaraffe. Ok, er nickt und bringt eine neue Karaffe und gleich ein Glas mit Eiswürfeln dazu. Irgendwann kommt die nächste Karaffe die beiden haben jetzt den dritten Stuhl herangezogen, die Schuhe ausgezogen und ihre Käsefüße auf dem freien Stuhl gebettet. Nun beginnt er seine Zunge tief in ihren Hals zu stecken. Sandra kriegt langsam die Krise und ist kurz davor ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Aber wird sind im Gegensatz zu diesem Typen gut erzogen, ordern auf Spanisch die Rechnung, geben ein großzügiges Trinkgeld und sagen dem wirklich souveränen jungen Kellner, dass es uns ganz ausgezeichnet geschmeckt hat. Er lächelt und verabschiedet uns bevor er sich wieder seinem „Traumpärchen“ widmet.
Sandra schnappt sich eine warme Jacke, ihren Rucksack und ihren Kindle. Während ich mich auf den Weg zum westlichsten Zipfel der Insel mache hängt sie ihre Füße in eines der Meerwasserbecken, fotografiert Krebse, geht spazieren und genießt den Tag. Auf dem Weg zum Punta de Teno zeigt das Thermometer in meinem Mietwagen zunächst 32°C, das Auto hat eine Weile in der Sonne gestanden.
Als ich am Punta de Teno eintreffe zeigt es noch lässige 25°C, so kann man es aushalten. Ich packe meine Sachen und will gerade los als ein Wanderer auf mich zukommt und sich etwas in den Bart murmelt das Spanisch klingt. „Mi no habla esganol, do you speak englisch?“ „Yes I do!“ Der Akzent kommt mir bekannt vor „Where are you from?“ Er entgegnet: „I‘m from germany!“ Ich: „Na prima, dann können wir auch Deutsch sprechen…” Nach einer kurzen Runde Smalltalk geht es den Berg hinauf. Als ich fast an meinem Fotospot bin fällt mir auf, dass ich mein Portemonnaie mit fast 1.000 Euro Bargeld und mein Telefon auf dem Beifahrersitz vergessen habe. Ich lasse die beiden Stative mit samt Nikon D800E und Panasonic Videokamera neben meinem Rucksack zurück und haste schnell den Berg hinab zum Auto. Dort angekommen greife ich mir schnell das Handy und meine Geldbörse und laufe den Berg wieder hinauf. Ich bin nass geschwitzt und aus dem Augenwinkel kann ich sehen, dass ich für den Sonnenuntergang schon fast zu spät bin. Einige Meter unterhalb der Stelle an der ich vor wenigen Minuten meine gesamte Fotoausrüstung abgestellt habe stehen plötzlich mitten in der Einöde zwischen den Kakteen zwei Wanderer. „Hallo Hallo“ entgegne ich und sie sagen „Sind das Ihre Kameras!“ „Ja das sind sie!“ „Oh schade, wir hatten uns gerade schon überlegt, dass wir sie mitnehmen könnten. Das wird dann ja wohl nichts!“ „Nein, die muss ich leider behalten
“ Die beiden grinsen und machen sich an den Abstieg.
Ich bin zwar noch nicht an der Stelle die ich mir eigentlich ausgeguckt habe, aber wenn ich jetzt noch dorthin laufe, habe ich das Schauspiel verpasst. Also stelle ich die Video-Kamera auf, aktiviere den Zeitraffer mit einem Intervall von 1s und krabble mit der D800E mehreren Objektiven und dem großen Stativ den Berg hinauf. Etwa einhundert Höhenmeter weiter oben ist der Blick auf den Leuchtturm und La Gomera fast grenzenlos gut. Die Kamera wird aufgestellt und die Show beginnt. Der Spiegel klappert und ich knipse Bild um Bild. Irgendwann fällt mir auf, dass die Videosequenzen die ich zwischen den Fotos mit der D800E aufnehme etwas flackern. Das liegt daran, dass die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl aktiviert ist. Also aktiviere ich die „Manuelle Belichtungseinstellung“, nun ändert die D800E während sie filmt weder Zeit, noch Blende oder ISO-Empfindlichkeit. Das ist super, so sollte man es eigentlich IMMER machen. Nichts sieht blöder aus als wenn eine Video-Sequenz einen Helligkeitssprung hat weil der Belichtungsmesser „denkt“ mal wieder etwas arbeiten zu müssen.
Nach der kurzen Videosequenz fotografiere ich einige Belichtungsreichen. Erst sehr spät stelle ich fest, dass eigentlich nur das letzte Bild der Serien korrekt belichtet ist, alles andere ist viel zu dunkel. Was ist jetzt los? Die Antwort ist schnell gefunden, ich habe vergessen von M auf A zurückzustellen. Das ist ärgerlich, aber der beste Teil der Show bricht gerade erst an. Also klappere ich wieder mit dem Spiegel. Alles ist gut, bis ich wieder eine kurze Videosequenz aufnehme. Schnell von A nach M wechseln, so geht das hin und her und ich vergesse im Eifer des Gefechtes mal wieder den Wechsel was erneut zu 16 total unterbelichteten Fotos führt. Mir geht durch den Kopf, dass ich das in meinem Testvideo zur D800E unbedingt erwähnen sollte.
Es ist schon eine geniale Kamera die vieles ganz toll und echt geschickt macht. Wie sie automatisch das Display beleuchtet während man Sterne fotografiert und es ausschaltet sobald der Verschluss geöffnet ist und viele andere sehr gut durchdachte nette Kleinigkeiten, das ist schon schick. Was aber echt stört ist, dass man beim Wechsel von Photo zu Video die gleichen Einstellungen verwendet. Das sollte man trennen können, möglichst “vollautomatisch”. Eine Einstellung für Video und eine für Fotos, das wäre perfekt. Erst gestern habe ich einige Bilder mit Infrarotfilter gemacht und zum Zwecke der Kontrolle die D800E in den Schwarz-Weiß-Modus gebracht. So kann man sehr gut abschätzen wie das Ergebnis der RAW-Konvertierung aussehen wird. Sind die Schwarz-Weiß-Bilder auf dem Display gruselig, so wird man auch mit einer aufwändigen RAW-Konvertierung eine tollen Infrarot-Bilder erstellen können. Unmittelbar nach den Infrarot-Fotos habe ich einige Videosequenzen gefilmt und Ihr könnt es Euch schon denken, die sind jetzt in Schwarz-Weiß! Ok, sie sehen schon gut aus, mit simuliertem Rot-Filter und krassen Kontrasten, das ist schon ok, aber es ist nicht das was ich mir gedacht habe. Und wegen des hellen Umgebungslichts ist es mir beim Filmen nicht aufgefallen. Sind die Farben beim Filmen erst einmal weg, so sind sie weg und kommen auch nicht wieder zurück. Mir war es egal, es waren nur ein paar Sekunden, aber es könnte auch mal schwer ins Auge gehen!
Wer mit der D800E filmt sollte unbedingt auch bedenken, dass Einstellungen wie Farbsättigung, Schärfe, Active-Delithing usw. auch auf die Videos und umgekehrt auf die Fotos angewendet werden! Wer wie ich ich grundsätzlich im RAW-Modus fotografiert, den wird das nicht weiter schocken, denn diese ganzen Einstellungen sind bei Fotos reversibel, können also jederzeit wieder geändert werden, es sind eben RAW-Bilder! Bei Videos ist das anders. Was hier mit falschen Einstellungen gefilmt wird kann später nur mit sehr großen Einschränkungen modifiziert werden. Hier würde ich mir für die Nikon D900 eine Erweiterung der Software wünschen!
Als die Show vorbei ist packe ich meine Kamera ein und mache mich auf den Rückweg. Dabei leistet mir auf dem steilen Weg zwischen losem Geröll meine kleine LED-Taschenlampe erneut wirklich gute Dienste. Dieses kleine Ding ist einfach großartig! Und ich finde nach kurzer Suche in der Dunkelheit sogar meine Videokamera – Yeah! Bei der Suche bin ich froh, dass ich ihre Stelle auf dem kleinen Weg markiert habe. So war es wirklich einfach sie auf dem Rückweg „aufzuspüren“. Später im Hotel muss ich dann leider feststellen, dass sie im Zeitraffermodus den schönsten Teil der Show nicht aufgezeichnet hat weil die Batterie nicht mehr genug Energie liefern konnte. Das ist schade aber keine Katastrophe, denn ich hatte das schon befürchtet und habe daher mit der D800E die kleinen Videosequenzen aufgezeichnet. Merke: Wenn man mit einer Videokamera unterwegs ist sollte man immer einen zweiten Akku dabei haben! Ich hatte einen schönen großen voll geladenen zweiten Akku dabei, leider in meinem Rucksack und nicht in der Kamera
Ich mache mich auf den Rückweg. Als ich Sandra anrufen will muss ich feststellen, dass es hier keinen Handy-Empfang gibt. Als ich Sandra dann gut gelaunt einsammeln kann bin ich sehr froh, dass sie auch einen netten Nachmittag in Garachico verbracht hat.
Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein kleines Abendessen im Monasterio in Los Realejos und sind später im Hotel wirklich froh, dass wir noch etwas auf dem Sofa abhängen können. Was für eine schöne Reise!
Morgen werde ich versuchen mich halbwegs früh aus dem Bett zu quälen und pünktlich zur Öffnung der Seilbahn oben am Pico del Teide zu sein. Dort will ich mich mit Ashraf aus München treffen. Wir kennen uns via Facebook und wollen hier mal synchron mit den Spiegel klappern. Die Fotos dazu bekommt Ihr dann morgen zu sehen. Gute Nacht
Teneriffa 2012 – Tag 12
Fotosession in der Geisterstadt
Es ist noch gar nicht lange her als ich bei www.fotocommunity.de einige Fotos einer Geisterstadt auf Teneriffa gefunden habe. Die Location schien wirklich cool zu sein und ich trage nun schon seit vielen Monaten den Wunsch mit mir herum, diese Geisterstadt mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber was hat es mit dieser Geisterstadt auf sich?
Als ich in den 60er Jahren das Licht der Welt erblickte wusste ich noch nicht wie froh ich sein durfte, dass meine Mutter während sie mit mir schwanger war keine Medikamente eingenommen hat. Bei tausenden anderer Menschen in meinem Alter sah das anders aus. Da gab es ein Medikament der Grünenthal GmbH, das besonders gut verträglich sein sollte und rezeptfrei in den Apotheken erhältlich war. Viele schwangere Frauen nahmen es gegen die morgendliche Übelkeit sowie Unruhe und Schlafstörungen ein und brachten einige Monate später schwer missgebildete Kinder zur Welt. Menschen bei denen mitunter die Hände ohne Arme direkt oben an den Schultern angewachsen waren. Viele leben bis heute mit diesen schweren Behinderungen und haben bedingt durch ihre Behinderung andere Krankheiten bekommen. Oft sind es schwere Rückenbeschwerden. Das Medikament hieß „Contergan“ und der Rechtsstreit der aus diesem ersten großen Medikamentenskandal der Menschheitsgeschichte hervorging, zog sich über viele Jahrzehnte hin.
Eine Weile nach dem Skandal gab es den Arzt Dr. Jacob Sheskin der sich in Jerusalem um Menschen gekümmert hat die an der Lepra erkrankt waren. Heute kennen wir dieses Krankheit nicht mehr, aber als sie noch auf dieser Erde gewütet hat wurden die Menschen die an Lepra erkrankt waren isoliert. Eine anderen Chance hatte man nicht. Dort wo sie nicht auf eine einsame Insel verbannt werden konnten wurden Lager erreichtet in denen die Kranken bis zu ihrem Tode isoliert wurden. Eine Chance auf Heilung gab es nicht. Dann kam der Tag an dem eben jener Dr. Shesekin einer an Lepra erkrankten Frau aus Restbeständen Contergan verabreichte damit sie besser schlafen konnte. Einige Zeit später musste dieser Arzt dann feststellen, dass sich die Lepra-Symptome seiner Patientin zurück gebildet hatten. Ein neues hochwirksames Mittel gegen Lepra war gefunden und es begann die Renaissance des Contergan Wirkstoffes Thalidomid. In Europa hatte es schwer gewütet und war die Ursache für tausende fehlgebildeter Babies. In Jerusalem, Indien und vielen anderen Ländern half es nun die Lepra zu bekämpfen. Wirklich ausgerottet ist die Lepra indes noch nicht. Man kann sie heute mit einem Aufwand von etwa 20 Euro heilen. Aber selbst diese 20 Euro haben viele der erkrankten Menschen nicht und sterben an einer Krankheit, die unsere Kinder wahrscheinlich nicht einmal mehr vom Hören und Sagen kennen.
Die Entdeckung von Dr. Sheskin leitete den Untergang der Lepra-Station im Süden Teneriffas ein. Nachdem die letzten Kranken verstorben oder geheilt waren wurde die Station geschlossen und dem Verfall preisgegeben.
Als dann in den 70er Jahren eine Welle von Flugzeugentführungen und Geiselnahmen die Welt in Atem hielt, übten die auf Teneriffa stationierten Soldaten auf dem Gelände der verlassenen Lepra-Station für den Ernstfall. Sie übten die Befreiung von Geiseln mit Waffengewalt.
Diese Geisterstadt kann also auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Am Vorabend habe ich mit meiner Freundin Sandra abgesprochen, dass ich heute dorthin fahren will. Sie ist nicht böse, denn so kann sie sich wieder einmal einen Tag in Puerto de la Cruz vergnügen. Mittlerweile scheint ihre diese recht ursprüngliche Stadt sehr gut zu gefallen. Besonders der alte Stadtkern und die Promenade haben es ihr angetan.
Da ich das Morgenlicht in der Geisterstadt ohnehin nicht mehr schaffe, lassen wir es beim Frühstück langsam angehen. Als ich endlich losfahre ist es schon 11h. Die Sonne scheint, dass es eine wahre Freude ist. Das Thermometer in meinem gemieteten Opel Astra zeigt satte 27°C, so kann man es am 20. Dezember aushalten! Als ich nach etwa 60 Minuten Fahrzeit an der Geisterstadt die Autobahn verlasse, zeigt das Thermometer sogar 29°C. Am Eingang zur Geisterstadt staune ich nicht schlecht als ich einen Ford Fiesta antreffe aus dem gerade fünf Junge Männer in Tarnanzügen mit Waffen und Helmen aussteigen. Sie haben GoPro Kameras an den Helmen und ihre Gewehre sehen aus wie die Waffen die man bei der neuen „Modesportart“ Paintball benutzt. Sie haben gute Laune, grüßen mich und machen sich dann auf zu ihrem großen „Abenteuerspielplatz“…
Ich packe unterdessen meine Sachen zusammen und los geht der Spaß. Die Gebäude der alten Station sind von den Übungen der Soldaten schwer gezeichnet. Überall sind Einschuss- und vielfach sogar Durchschuss-Löcher in den Wänden zu sehen. Die Gebäude sind zu weiten Teilen betoniert und gemauert, daher trotzen sie seit vielen Jahren den Winden die unmittelbar am Meer oftmals nicht zu verachten sind.
Von der Station kann ich ins Gebirge schauen und der Pico del Teide thront majestätisch über des Szenerie. Ich mache einige Fotos mit Polfilter und versuche mich auch mal mit dem Nikon AF-D 80-400mm Telezoom in Verbindung mit dem Infrarotfilter (HAMA IR20). Aber in der Infrarotfotografie liegt der korrekte Fokuspunkt etwas anders. Früher hatten alle Objektive einen roten Punkt. Man hatte zuerst manuell fokussiert, dann auf das Objektiv geschaut und dann den eingestellten Wert bis zu eben diesem „roten Punkt“ weitergedreht. Das war einfach und leicht zu verstehen. Heute ist das alles anders. Heute verwenden viele Fotografen moderne Objektive mit eingebauten Ultraschall-Motoren die das Autofokussystem steuern. Einen richtigen „Endanschlag“ für „Unendlich“ gibt es nicht mehr und den roten Punkt für alle die gern mit Infrarot-Filtern fotografieren wollen, den gibt es eben auch nicht mehr. Man muss also bei den digitalen Spiegelreflexkameras den korrekten Fokuspunkt ein wenig abschätzen oder Testbilder machen bis man ihn gefunden hat. Bei Objektiven mit extrem kurzer Brennweite ist das fast egal, sobald man sie um zwei Stufen abblenden kann ist auch mit einem Infrarot-Filter alles scharf. Bei einem 400mm Teleobjektiv ist das aber etwas anderes. Hier zählt wirklich jeder Millimeter bei der Fokussierung.
Und da die Sonne scheint wie verrückt kann ich auf dem Display meiner Nikon D800E fast nichts erkennen. An die Überprüfung ob meine Bilder korrekt scharf sind ist gar nicht zu denken. Später werde ich dann auch feststellen, dass fast alles was ich mit dem Teleobjektiv und aufgeschraubtem Infrarot-Filter fotografiert habe nicht brauchbar ist, schade!
Während der Tag voranschreitet genieße ich die Sonne und erforsche die vielen alten Gebäude. Überall liegt Schutt und Dreck herum. Fast keine Wand ist ohne Graffitis und in einigen Gebäuden liegen alte Matratzen und es stehen halb volle Wasserflaschen herum. Es sieht so aus als hätten die einige Obdachlose kampiert.
Mein Freund Wolfgang hat mir vom schönen Strand bei der Geisterstadt berichtet. Als ich dort eintreffe liegt dort ein nackter Mann in der Sonne. Als er das Klicken meiner Kamera hört schnappt er sich ein Handtuch, zieht sich an und verlässt etwas verschämt die Szenerie.
Vom Strand geht es hinauf zur Kirche. Dieses Gebäude kenne ich aus der Fotocommunity. Die Fassade ist komplett aus Beton gegossen und steht auch nach vielen Jahren noch immer wie eine EINS. Vor der Kirche treffe ich ein junges Paar aus Holland. Sie kommen aus der Nähe von Alkmaar und haben einen Geocache gesucht. Er scheint irgendwo in der Kirche versteckt zu sein. Wo genau wollen sie mir nicht sagen, ich bin schließlich keine Geocacher
Wir unterhalten uns trotzdem sehr nett und als sie sich verabschieden steht die Sonne schon tief.
Ich knipse eine Belichtungsreiche nach der Anderen. Zuvor habe ich in einigen Gebäuden schon den neuen HDR-Modus der D800E getestet. Er funktioniert leider nicht im RAW-Modus. Also habe ich einige TIFF-Dateien geknipst. Diese haben satte 112 MB, pro Bild natürlich! Die D800E ist ein echtes Pixelmonster. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer keine Lust auf stundenlange Bildbearbeitung mit Photomatix und anderen HDR-Programmen hat, der ist mit dem neuen HDR-Modus der D800E recht gut bedient. Allerdings darf man sich von den HDR-Bildern aus der D800E keine surrealen Kunstwerke, wie das was man seit einigen Jahren ständig bei flickr und anderswo findet, erwarten. Nikon wäre nicht Nikon wenn sie den HDR-Modus der D800E nicht so konzipiert hätten, dass er einfach nur hilft Motivsituationen mit extrem hohen Kontrasten in den Griff zu bekommen. Hat man das akzeptiert, so wird man mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein. Der Gewinn beim Dynamikumfang beträgt etwa zwei Blendenstufen, das kann sich sehen lassen!
Hier zum Vergleich ein “echtes” HDR da sich eben mit Photomatix Pro aus drei JPG-Dateien manuell zusammen gerechnet habe.
Hier ein vollautomatisch in der D800E erstelltes HDR:
Hier noch ein HDR das ich aus 9 JPGs erstellt habe - es ist noch suboptimal – in den nächsten Wochen gibt es sicher weitere schönere Varianten zu sehen
Kurz bevor es dunkel wird verlasse ich dann diese wirklich tolle Location und mache mich auf den Heimweg. Ich habe heute wirklich viel mit der Nikon D800E fotografiert und zwischendurch immer wieder mit der kleinen Panasonic HC-X909 gefilmt. Und wieder muss ich sagen, die Bildqualität der D800E ist etwas besser, aber das Handling der Videokamera ist einfach unschlagbar. Allein der extrem gut arbeitende Bildstabilisator, der elektronische Sucher, der krasse Zoombereich und vor allem der super sanft arbeitende Motorzoom sind Pluspunkte die einfach keine Spiegelreflexkamera derzeit zu bieten hat.
Eigentlich hatte ich noch vor mich in der Geisterstadt irgendwo hinzu setzen und ein kurzes Video unter dem Motto „Was habe ich in meinem Fotorucksack“ aufzunehmen. Aber irgendwie hatte ich dann doch keine Lust und die 6 Stunden in der Geisterstadt sind auch wie im Flug vergangen. Das Video werde ich dann im neuen Jahr nachliefern. Dann wird es auch wieder neue Testberichte zu diversen Objektiven und anderem Foto-Schnickschnack geben – versprochen
Teneriffa 2012 – Tag 11
Morgengrauen am kleinen Gala
Am Vortag habe ich kein einziges Foto geschossen sondern nur gefilmt. Heute will ich das ändern und mich mal wieder am einen oder anderen unwirklichen HDR-Foto (High-Dynamic-Range) versuchen. Nach dem Abendessen des Vortages kläre ich mit meiner Freundin Sandra, dass auch dieses Unterfangen eher was für extrem begeisterte Fotofreaks ist. Sie fotografiert selbst zwar auch sehr gern, aber ihre Toleranzgrenze ist deutlich niedriger. Sie nimmt in der Regel fotografisch mit was sich am Wegesrand bietet. Früh aufzustehen um einen grandiosen Sonnenaufgang zu fotografieren ist weniger ihr Ding. Und während andere Fotofreaks dem perfekten Sonnenuntergang entgegen fiebern, denkt sie eher an das Abendessen und eine heiße Dusche. So sind die Mädchen eben – ok nicht alle – aber fast alle
Wir haben das erkannt und einigen uns darauf, dass sie ausschlafen will und ich früh aufbrechen möchte um rechtzeitig an der Location meiner Wahl zu sein. Damit ich sie nicht wecke wenn ich früh am Morgen aufbreche, entscheide ich mich für ein paar Stunden auf dem Sofa. Da ich der absolute Morgenmuffel bin, ziehe ich zum Schlafen einfach fast alles an was am nächsten Morgen den Körper bekleiden soll. Alle Fotosachen werden gepackt und so vor die Türe gestellt, dass ich im Halbschlaf nichts vergessen kann.
Da ich zu solch früher Stunde ohne einen Wecker niemals wach werden würde stelle ich den Wecker in meinem Telefon auf 5:00. Damit er auch wirklich um 5:00 Ortszeit klingelt muss ich noch die korrekte Zeitzone UTC+0 einstellen. Danach ist alles perfekt. Während Sandra an der Matratze lauscht gehe ich hinunter in die Lobby und schreibe meinen Artikel des Tages. Als ich deutlich nach Mitternacht wieder im Zimmer bin gibt es Schelte von meiner Freundin weil ich die „Türkarte“ mitgenommen habe. So wurde in unserem Appartement der Strom abgeschaltet und Mädchen fürchten sich im Dunkeln. Und schlimmer noch, es ging weder eine Nachttischlampe noch etwas anderes. Während ich unten in der Lobby an meinem BLOG geschrieben habe wurde hier oben die zweite „Türkarte“ gesucht um den Strom wieder einschalten zu können. Ok, der Strom ist wieder da, aber Sandra ist jetzt auch wieder hell wach. Wir verabschieden uns erneut und ich mache es mir auf dem Sofa so gut es geht für ein paar Stunden bequem. Um 4:45 steht dann Sandra neben mir, weckt mich und fragt warum ich noch hier bin. Ich wollte doch so früh los um nichts zu verpassen. Ok ok, ich bin ja schon weg. Während sie wieder im Bett verschwindet deaktiviere ich den Wecker in meinem Telefon, er hätte 15 Minuten später Alarm gegeben!
Zur geplanten „Weckzeit“ bin ich dann schon mit unserem Mietwagen auf der Autobahn in Richtung Süd-Westen unterwegs. Über El Tanque geht es weiter in Richtung Süden. Die Straße ist schmal und es gibt unendlich viele Kurven. Vor mit tuckert schon eine ganze Weile ein LKW den Berg hinauf. Er ist bis über die Unterkante mit Holz beladen und hat Mühe nach den Spitzkehren wieder in Fahrt zu kommen. Mir soll es recht sein, ich bin sehr gut in der Zeit. Da tauchen hinter mir die Lichter eines großen Nissan Trucks auf. Es ist eines dieser riesigen SUV Dinger mit Ladefläche und verchromten Überrollbügeln. Er fährt so dicht auf, dass ich im Rückspiegel nur noch seine Scheinwerfer sehen kann. In meinem Opel ist es taghell. Der Typ nervt total schließlich kann ich nicht schneller, denn vor mir ist der LKW. Das geht eine ganze Weile so bis wir einen Aussichtspunkt passieren. Dort kann ich kurz rechts ranfahren und den Drängler vorbei lassen. Innerlich koche ich aber inzwischen vor Wut. Klar ich sollte cool bleiben, weiß ich ja alles, aber es brodelt trotzdem. Nun drehe ich den Spieß mal um und fahre dicht hinter ihm stets leicht versetzt. Er scheint es irgendwann zu bemerken und als endlich ein gerades übersichtliches Straßenstück kommt hüllt er meinen Opel in dicke Ruß-Schwaden und überholt endlich den langsamen LKW. Ich bleibe dran, im zweiten Gang kommt mein Astra ganz gut vorwärts. Die Verfolgungsjagd geht los, es ist maskulines Pimmelfechen auf hohem Niveau. Der Typ ist nicht schlecht, er zirkelt seine 2 Tonnen schwere Allradkiste in atemberaubenden Tempo über die kurvenreiche enge Straße. Aber ich fahre auch seit fast 30 Jahren Auto und DER hängt mich heute nicht ab. Während wir uns gegenseitig den Berg hinauf scheuchen, rückt mein Ziel immer näher. Als ich beim Abzweig bin gehe ich von Gas und lasse die Rücklichter meines Gegners in der Dunkelheit verschwinden. Eine total überflüssige gefährliche Jagd war das. Beim nächsten Mal versuche ich mich wieder zu beherrschen. Aber irgendwie ist das hier so üblich, fast jeder Einheimische drängelt was das Zeug hält sobald vor ihm ein Auto auftaucht auf dem einer dieser dämlichen Aufkleber der Mietwagen-Firmen zu sehen ist. Auf Dauer nervt das total. Ok, ein wenig kann ich es verstehen denn die meisten Mietwagen werden hier von alten Leuten kutschiert die unsicher und im Schneckentempo von einem Aussichtspunkt zum nächsten schleichen. Das kann einem wirklich den letzten Nerv rauben. Aber deshalb muss man die anderen Autofahrer nicht notorisch bedrängen. Bei mir soll es heute die Ausnahme gewesen sein, ich gelobe es hiermit hoch und heilig
Zur Auflockerung des Textes hier ein “Auto-Suchbild” – einfach in neuem Tab öffnen und den silbernen Opel suchen…
Als ich am Parkplatz ankomme, an dem der Weg hinauf zum kleinen Gala beginnt, überlege ich kurz ob ich die letzten hundert Höhenmeter laufen soll? Eigentlich ist hier die Durchfahrt verboten, obwohl der Weg halbwegs akzeptabel asphaltiert ist. Aber es ist stockdunkel und es wird hier so früh am morgen weder ein Wanderer noch ein Förster vorbei kommen, also rauf auf‘s Gas und den Berg hinauf. Die Stelle an der ich parken will habe ich mir bei der letzten Fotosession schon ausgeguckt. Dort angekommen parke ich den Opel rückwärts auf einem Abzweig zu einem Feldweg ein. Das ist gar nicht so leicht denn es ist stockfinster und der Feldweg zweigt im Winkel von fast 45° nach oben ab. Aber der Opel schafft das und die Handbremse hält das Auto sicher dort fest.
Es ist noch stockfinster als ich mich auf mache um die wenigen letzten Meter zu meinem Fotospot zu laufen. In der Jackentasche habe ich die tolle LED-Taschenlampe. Dieses Ding ist extrem hell und ohne sie würde ich nur nachtblind durch die Gegen stolpern. Gut, dass ich sie dabei habe!
Die Kameras sind schnell aufgebaut. Während die kleine Panasonic in Richtung Santiago del Teide hinunter zum Meer blickt und auf die ersten Sonnenstrahlen wartet, mache ich die Nikon D800E und das AF-S 2.8/24-70mm schussbereit. Bei ISO-800, Blende 4 und 30 Sekunden Belichtungszeit schießt sie ein Bild nach dem anderen. Später möchte ich daraus wieder eine kurze Zeitraffersequenz (Time Lapse) erstellen. Die Kamera steht auf meinem großen stabilen Carbon-Stativ. Aber es ist wirklich windig und die ersten Fotos sind total verwackelt. Wind ist neben Staub und Dunst der schlimmste Feind des Naturfotografen. Ich kann es mildern indem ich mich direkt neben die Kamera stelle und sie so in meinem Windschatten ihre Arbeit verrichten kann. So stehe ich nun fast eine Stunde zusammengekauert neben meiner Kamera und zähle die Minuten die im Schneckentempo vergehen.
Während ich dort stehe fällt mir ein hell leuchtender Stern auf der gleicht rechts neben der Spitze des Pico del Teide aufgeht. Er bewegt sich irgendwie schneller als die anderen Sterne. Was ist das? Da kommt mir eine Idee, ich habe auf meinem HTC Telefon das Programm „Google Sky-Map“. Schnell hole ich mein Telefon hervor und siehe da, es ist die Venus! Das hätte ich nicht erwartet, ich sehe wie die Venus am Himmel empor klettert, der Wahnsinn. Dieser Planet wird von unserer Sonne fast so hell beleuchtet wie unser Mond. Die Venus ist größer als unser Mond aber viel weiter entfernt und daher nur als kleiner heller Punkt am Himmel auszumachen. Auf dem Telefon kann ich auch die Position der Sonne ausmachen, sie wird noch ein Stückchen unterhalb des virtuellen Horizonts angezeigt. Ich habe noch eine Weile Zeit…
Hier ein “Venus-Suchbild”…
Nach etwa einer Stunde schaue ich mal nach was die kleine Panasonic inzwischen aufgenommen hat. Es ist praktisch nichts zu sehen, für diese Kamera ist es einfach noch viel zu dunkel. Während ich hin und der probiere ist es dann plötzlich als hätte jemand neben mir das Licht eingeschaltet. Fast ist es als könnte ich es hören, die Sonne schaut frech rechts unterhalb der Spitze des Pico del Teide hervor. Genau so hatte ich es mir gewünscht und mein Studium der Location bei Google-Earth hat sich wieder einmal ausgezahlt.
Eine Stunde später ist das Schauspiel dann vorbei und auf der Speicherkarte meiner Nikon D800E haben sich sage und schreibe 43 GB Bildmaterial angesammelt. Es geht zurück zu Hotel und als ich dort gegen 10h eintreffe freue ich mich auf ein ausgedehntes Frühstück. Danach wird die Beute gesichtet und ich bin mehr als zufrieden. Daraus wird sich in den nächsten Wochen noch das eine oder andere schöne Foto zaubern lassen. Gegen 14 haben wir dann unseren nächsten Termin. Während Sandra mit der Frau meines Freundes Wolfgang einen ausgedehnten Ausritt durch die Bergwelt von Teneriffa unternimmt sitzen wir in der Sonne und unterhalten uns über die schönsten Foto-Locations im Süd-Westen der USA. Später geht es auf ein Eis und einen Kaffee nach El-Sauzal. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück und genießen ein großartiges Schauspiel über dem Tal von La Orotava.
Morgen soll es dann nach Abades zur ehemaligen Lepra-Station gehen. Dort hat das Militär in den 70er Jahren für Geiselbefreiungen trainiert. Heute ist es eine kleine Geisterstadt am Meer. Ich bin gespannt welche Motive sich dort morgen finden lassen werden.
Teneriffa 2012 – Tag 10
Tiere filmen im Loro Parque
Nun sind wir schon mehr als eine Woche auf dieser paradiesischen Insel. Die Eingewöhnung haben wir hinter uns, langsam beginnt die Erholung. Nach den morgendlichen Ritualen sind wir etwas ratlos was heute auf dem Programm stehen soll. Sandra würde gern ein paar Stunden am Strand verbringen. Mein Ding ist das irgendwie so gar nicht. Beim Grillen in der Sonne bekomme ich Kopfschmerzen und Herzrasen. Badeurlaube sind nicht meine Welt. Ich mag es lieber warm und schattig als heiß und sonnig. So beschließen wir, dass ich Sandra unten am Playa de Jardin absetze und dann ein paar hundert Meter weiter zu Loro Parque fahre. Dort war ich nun schon wirklich oft und eigentlich wollte ich ihn in diesem Jahr nicht schon wieder besuchen. Aber letztlich bin ich doch wieder 33,- Euro ärmer und später am Abend um 14 GB Videomaterial reicher.
Zum Auftakt meiner Wanderung durch den Loro Parque verwende ich diesmal die kleine feine Panasonic HC-X909 Videokamera. Diese Kamera filmt in Full HD mit 50 Bildern/Sekunde (1080/50p). Das ist für meine heimischen Computer leider noch zu viel. Mit Magix Video Deluxe MX kann ich dieses Material überhaupt nicht sinnvoll schneiden. Die Vorschau ruckt ständig und man bekommt einfach keinen Einruck davon ob die Schnitte richtig sind oder nicht. Auf dem Mac mit Final Cut Pro X klappt es besser, aber nur wenn man auch Proxy-Medien erstellt. Und die sprengen ganz schnell die Kapazität meiner internen SSD-Festplatte. Ohne Proxy-Medien macht der Video-Schnitt einer 1080/50p Datei auch auf dem Mac keinen Spaß. Also filme ich mit „angezogener Handbremse“. Im Modus „XE“ arbeitet die Kamera „nur“ mit 25 Bildern/Sekunde. Damit sind die Videodateien nur halb so groß. Das spart Platz auf der Speicherkarte und den Festplatten.
Da ich meine Videos nicht auf Blu-Ray verkaufe sondern nur bei YouTube und Vimeo zeige, ist die Qualität immer noch mehr als ausreichend. Lädt man eine dieser Dateien bei YouTube hoch und später wieder herunter, so hat das Ergebnis nur etwa 10% der ursprünglichen Dateigröße. Wie krass die Videos bei YouTube komprimiert werden ist damit klar. Aber man muss das auch verstehen. Google bietet mit YouTube einen kostenlosen Video-Dienst an den viele Millionen Menschen tagtäglich nutzen. Jeden Tag werden viele tausend Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen, alles völlig kostenlos. Und diese Videos werden dann mit unter millionenfach angeschaut. Würde man dieses Material nicht rigoros komprimieren, so würde es den „Dienst als solchen“ und Teile des Internets einfach sprengen.
Schon heute machen Videodienste den Löwenanteil des gesamten Datenvolumens im Internet aus. Würden alle Videos im „Original“ transportiert, so würde das Internet in seiner aktuellen Ausbaustufe für die meisten von uns einfach „still stehen“. Also filme ich derzeit im Modus XE – ganz ohne Skrupel. In ein paar Jahren sieht das vielleicht anders aus. Aber derzeit ist alles andere „nutzloser Overkill“.
Nach etwa zwei Stunden geht der große „Zweit-Akku“ meiner Panasonic zu Ende. Ich habe noch den kleinen Original-Akku. Der liegt jetzt schon etwa eine Woche in der Fototasche und hat sich leider bereits weitgehend selbst entladen. So bleiben mir mit diesem Akku noch etwa 10 Minuten danach ist meine schöne Panasonic leider „tot“. Zusammen gekommen sind dabei etwa 6 GB Videomaterial. In der Kamera steckt meine 8 GB große Reservekarte. Als ich mit der Filmerei loslegen wollte musste ich nämlich feststellen, dass ich nicht nur mein Telefon sondern auch meine Speicherkarten im Hotel vergesse hatte. Überhaupt ist diese gesamte Reise davon geprägt, dass ich lauter Sachen vergessen habe. Im Fotorucksack sind aber noch ein paar Reservekarten. Die habe ich für den Fall der Fälle eigentlich immer dabei. Und als dann die D800E als Videokamera zum Einsatzkommen soll, fehlt auch hier die Speicherkarte! Aber kein Problem, es sind noch eine 64 GB und zwei 16 GB Karten im Rucksack. Für meine Videoaufnahmen verwende ich an der D800E das AF-D VR 80-400mm Telezoom-Objektiv. Auch dieses Objektiv habe ich nur versehentlich eingepackt. Eigentlich wollte ich das AF-S VR 2.8/70-200mm einpacken. Nun muss ich mich mit dem älteren etwas sperrigen 80-400 begnügen. Aber letztlich sehen die Sequenzen bei denen alles korrekt eingestellt war auch mit diesem Objektiv wirklich gut aus. Was hier allerdings massiv stört ist der Autofokus. Ist es etwas dunkel so liegt die D800E im Videomodus beim automatischen Fokussieren eigentlich ständig leicht daneben. Der Fokus fährt zweimal hin und her und bleibt dann kurz hinter dem korrekten Wert stehen, das nervt ziemlich. Meinen Video-Neiger habe ich auch daheim vergessen, also muss ich meinen Kugelkopf des Typs FLM-38FT auf meinem großen BENRO Carbon-Stativ benutzen. Für Fotos ist das eine großartige Kombination, für Videos ist es massiv „suboptimal“.
Saubere Schwenks oder die die „Verfolgung“ eines Tieres das langsam durch sein Gehege streift sind damit kaum möglich. Die Videos rucken und zappeln, dass man sie sich nicht anschauen möchte. Eigentlich klappt es nur wenn die Kamera absolut ruhig steht und man sie nicht berührt. Dann ist alles gut, sobald man versucht sie irgendwie zu bewegen wird bei Brennweiten ab ca. 100 mm praktisch alles sofort total verwackelt. Auch ist gar nicht daran zu denken langsame Zoomfahrten oder ähnliches mit der D800E und dem 80-400mm Telezoom zu versuchen. Mit der kleinen Panasonic klappt so etwas mit ein wenig Übung sehr gut. Wer beide Systeme im Vergleich benutzt der wird sich sofort in die kleine Panasonic verlieben. Das Handling dieser Kamera ist für Video-Filme gemacht und funktioniert einfach gut. Zwar ist bei der D800E die Bildqualität etwas besser, aber man braucht viel mehr Zeit bis alles eingestellt ist und verpasst gerade als „Tierfilmer“ damit immer wieder die besten Szenen.
Bei der Sichtung meiner „Tages-Beute“ bin ich geschockt wie wenig wirklich brauchbares Videomaterial in etwa 6 Stunden entstanden ist. Mit der BENRO GH-2 „Affenschaukel“ und dem dicken fetten Nikon AF-S VR 4/200-400mm wäre die Ausbeute deutlich besser gewesen. Aber diese Kombination hätte auch das doppelte Gewicht! Besonders das AF-S Fokus-System der moderneren Objektive ist für Videoaufnahmen perfekt. Man kann den Fokus einfach während man filmt manuell übersteuern. Das geht mit einem Objektiv ohne AF-S leider nicht und es stellt damit einen echten „Hemmschuh“ dar.
Eine Alternative ist in diesem Fall für mich sogar das alte manuell fokussierte Nikon AiS 80-200. Dieses Objektiv ist noch kompakter und die Bedienung des Schiebezooms funktioniert wirklich gut. Man kann sehr schnell zoomen und den Fokus-Punkt korrekt einstellen. Alles mit einem Ring, großartig! Verwendet man noch eine Lupe vor dem Display der D800E hat man damit auch an hellen Tagen eine gute Kombination für beeindruckende Tierfilme. Ich habe mal ein wenig experimentiert und die D800E sowohl im FX Modus als auch im DX Modus filmen lassen. Man sieht im Endergebnis bei „normalen“ ISO-Werten praktisch keinen Unterschied. Nutzt man diese Einstellung, so wird aus einem alten manuell fokussierten AiS 80-200mm im DX-Modus ein 160-400mm Teleobjektiv. Über die Abbildungsqualität muss man sich beim Videofilmen keine Sorgen machen. Sind die Videos unscharf, dann liegt es immer daran, dass man nicht korrekt fokussiert hat! Die Auflösung der Videos ist so gering, das schafft auch ein 40 Jahre altes Nikon Teleobjektiv
Sobald man diese Objektive um etwa zwei Stufen abblenden kann erkennt man im fertigen Video praktisch keinen Unterschied zwischen einem 40 Jahre alten Tele von eBay für 200 Euro und einem modernen Superobjektiv für 2.000 Euro.
Entscheidend ist was man an der Kamera einstellt und wie die Lichtverhältnisse sind. Auch ein 10.000 Euro Profiteleobjektiv zaubert an der D800E nicht automatisch geniale Videosequenzen. Hier sind Erfahrung und eine Portion Glück viel wichtiger als der letzte „Hightech-Schrei“.
Dies beweisen auch meine heute aufgenommenen Video-Schnipsel. Der Ausschuss liegt bei etwa 90%. Das liegt aber nicht nur daran, dass die D800E und das heute verwendete 80-400mm Objektiv etwas sperrig zu bedienen sind. Es sind auch die Tiere die eben Individuen sind und nicht immer gleich das machen was man sich wünscht. Manchmal machen sie eben einfach gar nichts! Sie hängen faul in der Sonne ab und warten drauf, dass endlich die nervigen Scheibenklopfer, Pfeiffer, Hampelmänner, Schreier und Knipsblitzer nach Hause gegangen sind. Für die Tiere sind diese Besucher meisten eine echte Qual. Schaut man sich das Treiben mit etwas Distanz an, so fragt man sich manchmal wer hier wen mustert. Besonders bei den Gorillas kam es mir heute wieder so vor als würden diese majestätischen Tiere innerlich mit dem Kopf schütteln, angesichts dieser schwachsinnig wirkenden Menschenmasse die sich an ihren „Schaufenstern“ vorbei quält.
Der Loro Parque ist bekannt für seine Delfin-Show und die Shows mit den Orcas die es dort seit ein paar Jahren zu bestaunen gibt. Seit die Orcas dort ihre Kunststückchen vollführen müssen hat es schon zwei tödliche Unfälle gegeben. Gegen den deutschen Betreiber des Loro Parque wurde von Tierschützern sogar Anzeige wegen unterlassener Sorgfaltspflicht gegenüber den Trainern der Orcas gestellt. Die Trainer trugen bspw. keine Schwimmwesten. Und nach dem ersten Todesfall hieß es offiziell „Der wollte nur spielen!“. Mich erinnert das immer wieder an die Sprüche der Besitzer unberechenbarer Hunde. Wie waren sie noch die drei Standardsätze?
- Der macht nichts!
- Der will nur spielen!!
- Das hat er noch nie gemacht!!!
Daran erinnern mich auch die Statements der Leitung des Loro Parque die ich bezüglich des ersten Todesfalles mit den Orcas gelesen habe. Inzwischen ist der zweite Trainer der Orcas gestorben. Offiziell auch ein „Versehen“ – „Der wollte nur spielen“. Doch die Leiche des Trainers wies gebrochene Rippen und Bisswunden auf. „Das hat er noch nie gemacht“ – kommt mir da als Entschuldigung in den Sinn. Wie soll man zu alle dem stehen? Die Delfin-Show und die Orcas habe ich während der letzten Jahre mehrfach angeschaut und sie hat mir eigentlich immer recht gut gefallen. Weder Orcas noch Delfine habe ich jemals in freier Natur beobachten können. Erst im Loro Parque konnte ich einen Eindruck davon gewinnen wie intelligent und pfiffig diese Tiere sind.
Es gibt viele Stimmen die Shows mit Delfinen und Orcas verbieten wollen. Ich bin der Meinung, dass diese Shows nicht wirklich notwendig sind. Aber ich würde auch nicht so weit gehen zu fordern, dass Orcas und Delfine grundsätzlich nicht in Zoos gehalten werden dürfen.
Meine Mama hat seit Jahrzehnten ein Aquarium in der Küche stehen, früher hatten wir sogar mal einen Wellensittich. War das Tierquälerei? Mein Freund Wolfgang hat hier einen Hund, den Westerwälder Hütehund (Wäller) namens „Balu Schröder“. Ist das Tierquälerei? Ich habe heute Seeroben, Pinguine, Tiger, Papageien, Karpfen und viele andere Tiere gesehen. Alle leben in Gefangenschaft, genau wie die Delfine und die Orcas. Sollte man hier nicht sagen, wenn schon denn schon? Gleiches Recht für alle? „Free Willy and all of his friends!“ Warum schließen wir nicht den Loro Parque, den Allwetter-Zoo in Münster, den Tierpark Hagenbeck in Hamburg, den Palmitos Parque auf Gran Canaria?
Gleiches Recht für alle, warum eine Sonderbehandlung für Orcas und Delfine?
Natürlich bin ich nicht dafür alle diese Zoos und Parks zu schließen. Das war gerade die reine Provokation
Zoologische Gärten helfen weltweit die wenigen Tiere aussterbender Arten zu retten. In Deutschland gab es einst Bären und Wölfe. Doch die Menschen haben sie ausgerottet. Wer will nachts beim Joggen im Bonner Kottenforst schon einem Wolf begegnen? So leben die letzten ihrer Art in Zoos verteilt über ganz Deutschland. Und sie können froh sein, dass sie dort leben dürfen. Meine ganze private Meinung. Würde man sie in die Freiheit entlassen, so wären sie nach ein paar Tagen verstorben, garantiert! Wenn nicht verhungert und nicht auf der Autobahn überfahren, so dann letztlich von einem Jäger abgeknallt, das ist sicher!
Einer der Orcas aus dem Loro Parque wurde vor einigen Monaten in Holland an Land gespült. Statt ihn im Norwegen langsam wieder „auszuwildern“ zieht er jetzt in einem Becken im Loro Parque seine Runden das 120 Meter lang ist. Klar kann er sich hier nicht so austoben wie im freien Meer. Aber es gibt sicher auch einen Grund warum er in Holland gestrandet ist. Ohne die Hilfe der Menschen wäre er längst tot. Irgendwas ist bereits vor längerer Zeit im Leben dieses Orcas gründlich schief gelaufen und ich denke, dass es für ihn vielleicht besser ist im Loro Parque gefüttert und geliebt zu werden als nach der „Auswilderung“ an der Küste Dänemarks oder sonst wo langsam und qualvoll zu verenden.
In den Weltmeeren gibt es tausende Delfine, einige hundert kann man in den Zoos auf dieser Welt bestaunen. Klar führen sie dort keine tolles Leben und klar, die Zoos verdienen Geld damit sie in Shows vorzuführen. Aber irgendwie muss man ja auch ein Becken bezahlen das 120 Meter lang ist und irgendwie muss man ja auch den Fisch bezahlen den ein erwachsener Orca Jahr für Jahr in sich hineinstopft…
Die Gegner der Orca-Show bemängeln auch, dass im Loro Parque die Besucher absichtlich von den Orcas nass gespritzt werden. Scheinbar waren sie noch nie Vorort. Denn dort ist eine besondere „Splash-Zone“ gut lesbar ausgeschildert. Die Besucher können sich Regenmäntel aushändigen lassen und wer keinen Bock auf diese „Erfahrung“ hat, der muss sich ja nicht mit dem Wasser bespritzen lassen in das der eine oder andere Orca seine kleinen und großen Geschäfte erledigt hat.
Alle Besucher haben die Wahl und wer sich später über Spuren von Orca-Kot auf dem hübschen neuen Sonntagskostüm aufregt, der hat eben bei der Platzwahl nicht nachgedacht.
Die Gegner der Delfin-Shows rufen weltweit zum Boykott dieser Shows auf. Irgendwie kann ich das alles gut verstehen und ich habe sie mir auch heute nicht erneut angesehen. Mir würde es gut gefallen wenn man diese Tiere einfach nur beim Schwimmen und fressen beobachten könnte. Aber vielleicht ist es auch richtig sie geistig zu fordern und mit ihnen zu arbeiten um sie von ihrem tristen Dasein in den viel zu kleinen Wasserbecken abzulenken? Wären sie eine noch größere Attraktion und würden noch viel mehr Menschen kommen um sie zu sehen, dann könnten ihre Becken sicher noch größer und schöner gebaut werden und vielleicht wäre dann auch ein Sonnendach im Budget enthalten. So, dass sie keinen Sonnenbrand mehr bekommen und nicht von den Pflegern mit Sonnencreme eingerieben werden müssen? Und vielleicht könnte man die Becken dann auch so gestalten, dass sie sich nicht selbst die Zähne abbrechen während sie in die stählernen Abgrenzungstore beißen? Ich denke, weniger Besucher und der Boykott der Shows helfen den Tieren die bereits in Gefangenschaft leben nicht wirklich. Akzeptiert man das „wie es ist“ so würde es ihnen eher helfen wenn die Betreiber der Zoos mehr Geld durch sie einnehmen könnten und dies dann auch tatsächlich in die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen investieren würden.
Aber zurück zu meinem „Bericht des Tages“. Als sich der Tag dem Ende neigt hole ich Sandra wieder am Strand ab und gemeinsam geht es zum Monasterio, ein altes Kloster in der Nähe von Puerto de la Cruz. Hier gibt es mehrere gute Restaurants und was soll ich sagen, genau wie der Loro Parque ist auch hier der Betreiber ein Deutscher. Auch hier gibt es Kellner die in viel zu kleinen Räumen viel zu viele Gäste bedienen müssen. Tagtäglich vollbringen sie kleine Kunststückchen damit alle Gäste hübsch zufrieden sind und hoffentlich bald wieder kommen. Sandra und ich gönnen und heute jeweils ein großes supergutes saftiges Filet-Steak. Diese Steaks schmecken einmalig gut. Aber sie stammen von lebenden Kühen, eigentlich leben sie jetzt nicht mehr, aber irgendwann haben sie das mal getan, soviel ist sicher! Und laut Speisekarte haben sie in Südamerika gelebt, wahrscheinlich in Argentinien. Und auch dort leben viele Kühe auf viel zu kleinen Flächen und werden systematisch abgefüttert und dann nach einem wenig erquicklichen Rinderleben in einem hoffentlich nahegelegenen Schlachthof möglichst „artgerecht“ getötet und zu herrlich leckeren Filetsteaks weiterverarbeitet. Irgendwie eklig, aber trotzdem sowas von lecker!
Denkt man darüber nach wie viele hundert Kilogramm Kraftfutter und Getreide notwendig waren um diese beiden saftigen kross gegrillten Steaks „herzustellen“, man könnte sofort zum Vegetarier werden. Nicht weil all das schon eklig genug ist, nein weil es total unvernünftig ist, massenweise hochwertiges Getreide an Tiere zu verfüttern die dann in zerlegter Form nur noch einen Bruchteil des Nährwertes ihrer lebenslänglichen Futtermenge wert sind.
Und doch haben diese beiden kross gegrillten innen leicht rosigen Steaks heute echt gut geschmeckt. Aber es werden für den Rest der Reise die einzigen Steaks bleiben. Ok, vielleicht gibt es zu Weihnachten statt einer Ente oder eines Hühnchens noch einmal ein Stück totes Rind. Zwischendurch wird es viel Salat und Kartoffeln geben. Und den ein oder anderen toten Fisch – urgs – schon wieder ein totes Tier. Aber bevor es uns die Wale auf ihrem Weg zum Golf von Mexico wegfressen…
Die Moral von der Geschichte? Ich sollte Vegetarier werden, das wäre echt vernünftig. Aber ab und zu schmeckt ein Steak oder ein frisch gegrillter Fisch eben richtig gut. Und solange man all das nicht übertreibt ist es irgendwie auch so halbwegs in Ordnung. Morgen früh gibt es zum Frühstück wieder selbstgekaufte Erdbeermarmelade mit kleinen leckeren Pancakes. Das ist total vegetarisch, na fast wenigstens…
Teneriffa 2012 – Tag 9
Relaxen am Pool
Nach den eisigen Stunden im Hochgebirge bin ich bei der Ankunft im Hotel mehr als durchgefroren. Am nächsten Morgen habe ich Halsweh und die ersten Gedanken sind „Scheiße jetzt habe ich mich auch noch erkältet…“ Aber diese Insel hat magische Kräfte, nach dem Frühstück ist alles schon wieder gut. Aber richtig Lust gleich die nächste Fototour zu starten habe ich nicht. Also genieße ich den Tag, schreibe einen Artikel für meinen BLOG und freue mich zur Mittagszeit über ein wirklich leckeres Essen im Garten des Hotels. Bei 25°C mit Blick auf das Meer gibt es den „Fisch des Tages“ mit Papas Arrugadas und einem Shandy – lecker.
Als sich der Tag dem Ende neigt verkrümele ich mich ins Schlafzimmer und höre ein paar Stunden im Bett ganz entspannt die neue Musik die ich mir in den letzten Wochen gekauft habe. Besonders die isländische Band „Of Monsters and Men“ hat es mir derzeit angetan.
Mein BOSE Quiet Comfort 15 lässt den Fernseher von nebenan und alle anderen Geräusche verstummen. Einmal mehr habe ich großen Spaß an diesem Kopfhörer den ich mit im Jahr 2010 bei „Best Buy“ in St. George in Utah für etwa 330 Dollar gekauft habe. Diese Investition war wirklich gut und ich möchte nicht mehr ohne diese Kopfhörer fliegen.
So geht der Tag zu Ende, ein Tag ohne Stress und ohne Fotos. Das hat auch was
Teneriffa 2012 – Tag 8
Exkursion in den Norden und zur Milchstraße
Und auch am achten Tag ist alles wie es immer ist. Argwöhnische Blicke beim Frühstück, besonders den Deutschen fällt es hier schwer die anderen Gäste einfach zu ignorieren. Inzwischen kennt man seine „Pappenheimer“. Da ist zum Beispiel der exzentrische Typ mit Halbglatze und akkurat gestyltem langen grauen Backenbart. Er und seine Angetraute sitzen tagtäglich im Abseits, jenseits des Pöbels. Zunächst wird der Tisch reserviert indem man eine Tasche oder etwas auf einem der Stühle neben dem Tisch abstellt. Dann beginnen Sie damit Teller voller Lebensmittel heranzuschleppen. Wirklich fatal wäre es wenn man ein zweites Mal gehen müsste um sich einen Nachschlag zu holen, ein weiteres Mal vorbei an diesen ordinären anderen Gästen. So machen sie es tagtäglich, finden sich gut dabei und bemerken gar nicht wie sie Aufmerksamkeit und Gespräche der anderen Gäste auf sich ziehen. Nach einer Woche beginnt „man“ sich das Maul über sie zu zerreissen. Hier und da werden Spekulationen laut ob es sich um einen Schulleiter handeln könnte. Vielleicht auch ein Oberstudienrat mit Auszeichnung, oder ein Lateinlehrer? Vielleicht auch Physik? Wir Deutschen können leider nicht anders, wie müssen lästern und mutmaßen
Nachdem alle Frühstücksrituale erfolgreich abgeschlossen sind begeben wir uns zum Parkplatz. Heute ist unser Ziel das kleine Fischerdorf Taganana im Nord-Westen der Insel. Dieser Ort hat es auch meiner Freundin angetan und an der „Strandpromenade“ zwischen Taganana und Benijo gibt es mehrere gute „Fischbuden“. Bereits im letzten Jahr haben wir dort riesige komplette Fische verspeist die frisch vom Grill kamen. Das ist auch heute unser Ziel. Und wir werden nicht enttäuscht. Zum Preis von 42,90 Euro gibt es zwei Shandy (Bier mit Sprite), zwei kleine Schnäpse, einen Espresso, einen Karamell-Pudding, Kanarische Schrumpelkartoffeln (Papa Arugadas), rote Mojo Sauce (Mojo rosso), Aioli, frisches Weißbrot, einen gemischten Salat, Garnelen in kochendem Olivenöl und als Krönung einen kompletten Zackenbarsch. Was für ein Festessen!!!
Nach dem üppigen Mahl genießen wir die stürmische Brandung und ich versuche mit meiner Video-Kamera den Moment festzuhalten in dem die gewaltigen Wellen umstürzen und an der oberen Kante der Welle für einen kurzen Augenblick ein leichter Nebel aus feinen Wassertropfen zu sehen ist. Aber es gelingt mir nicht wirklich. Die Kontraste sind extrem und der kleine Chip der Kamera ist nicht in der Lage diese riesigen Unterschiede zwischen hell und dunkel korrekt einzufangen. Ich versuche die Belichtung zu korrigieren, schließe die Blende und verkürze die Belichtungszeit. Jetzt sind die Schaumkronen der Wellen keine undefinierte weiße Fläche mehr sondern sauber akzentuiert. Aber dafür versinkt alles andere in Dunkelheit, fast als würde man das Meer zu nächtlicher Zeit bei Vollmond filmen.
Das ist für mich das einzige Manko dieser kleinen genialen Panasonic HC-X909. Hier ist die Nikon D800E mit ihrem drastisch größerem Chip klar im Vorteil. Aber der D800E fehlt im Videomodus der Sucher. Ist es hell so erkennt man auf dem rückwärtigen Display rein gar nichts. Bei der Panasonic zieht man den Sucher etwas heraus. Damit wird er automatisch aktiviert und man kann selbst bei hellem Sonnenlicht seine Motive sehr gut verfolgen. Gut gefällt mir an der Panasonic auch die Möglichkeit extrem schnell zwischen der „intelligenten Automatik“ und dem manuellen Modus wechseln zu können. Hier reicht ein Druck auf einen der wenigen Knöpfe und schon kann man auf dem Touchdisplay wählen welche Parameter man manuell einstellen möchte. Die Werte lassen sich sogar durch drehen des „Fokus-Ringes“, der eigentlich ein Universal-Einstellring ist, kinderleicht verändern. Kurzum, das Filmen mit dieser Kamera geht einfacher und besser von der Hand als mit der großen sperrigen Nikon D800E. Allerdings muss man mit Einschränkungen beim Dynamikumfang und der Auflösung leben. Aber so ist das im Leben, man kann nicht alles haben
Nach unserer Videosession geht es weiter bis zum Ende der Sackgasse. Dort erreichen wir das kleine Örtchen Benijo. Hier beginnt eine Off-Road-Piste die sich eng an den Felsen entlang bis zu einem winzigen Örtchen windet das wirklich am „Arsch der Welt“ liegt. Hier gibt es einen Parkplatz und man kann zum Roque de Dento wandern. Eines der vielen Wahrzeichen Teneriffas und der Felsbrocken der den Blick vom Strand bei Taganana in Richtung Norden ganz entscheidend prägt.
Die Straße ist eng und holprig. Kommt einem hier ein Auto entgegen so muss eines der beiden Fahrzeuge ggfs. 100 Meter und weiter zurück setzen. Leitplanken gibt es nicht und Sandra kriegt die totale Krise. Als ich schließlich erwähne, dass ich mir vorstellen könnte hier den Sonnenuntergang abzuwarten und den genialen Blick hinüber nach Taganana fotografisch festzuhalten, ist sie kurz vor der Panik. Bloß nicht noch im Dunkeln diese „Straße“ zurück fahren!!! Ok, es gibt keine Fotos, keine Videoschnipsel, wir drehen einfach um fahren zurück nach Taganana. Zwischendurch rutscht ein etwa 20cm dicker Felsbrocken vor das linke Hinterrad. Das Auto bleibt kurz stehen, die Räder drehen durch und mit einem deutlichen „Hoppla“ geht es nach einem Augenblick weiter. Nun ist es bei Sandra ganz vorbei. Ich soll anzahlten, sie will aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß gehen. Ich fahre langsam im ersten Gang weiter und mit den Metern legt sich die Panikattacke. Als wir wieder „festen Boden“ unter den Reifen spüren sind wir beide erleichtert. Manche Straßen sind hier auf Teneriffa ein echtes Abenteuer
Ohne viele Umschweife geht es zurück zum Hotel. Dort schauen wir uns den Tatort im ARD an. Danach wird bei Günther Jauch über Zwangsprostitution mit Minderjährigen diskutiert. Irgendwann höre ich nicht mehr zu weil ich mich frage warum man das überhaupt diskutieren muss? Es gehört bestraft und ist so ziemlich das Fieseste was ich mir denken kann. Aber in Italien soll es ja sogar mal einen Staatschef gegeben haben der sich junge Mädchen zum „Bunga Bunga“ kommen ließ. Was für eine fiese Welt…
Die Milchstraße
So gegen 23h breche ich dann wieder auf. Heute will ich endlich mal die Milchstraße sehen! Die Bedingungen sind grandios. Der Himmel ist wolkenlos, es ist klar und der zunehmende Mond versteckt sich noch auf der anderen Seite der Erde. Also los…
Im Gepäck ist alles was beim letzten Anlauf auch schon dabei war. Es geht wieder einmal die 100.000 Kurven über La Orotava hinauf zum Teide. Auf dem neuen USB-Stick haben ich drei Alben der „Supergroup“ Chickenfoot. Der Motor heult und die krachigen Girattenriffs versuchen ihn zu übertönen. Es gibt Momente im Leben eines Mannes die kann man einfach nur allein genießen!
Nach etwa 90 Minuten bin ich um ca. 0:30 am Parador oben in den Canadas del Teide. Hier ist ein staatlich geführtes Hotel, es gibt eine nette kleine Kapelle und einen großen Busparkplatz auf dem man nachts nur selten stolpert. Ich parke meinen Opel Astra in der Nähe der kleinen Kapelle, so habe ich sie und den Gipfel des höchsten Berges der Spanier gleichzeitig im Blick. Die Nikon D800E wird mit dem SAMYANG 2.8/15mm bestückt. An die Nikon D7000 montiere ich das „kleine Schwarze“ – das AF-D 2.8/10.5mm Fisheye. Bei beiden Kameras stelle ich ISO-1600 ein, die Blende wird jeweils vollständig geöffnet, beide Objektive haben einen definierten Anschlag für „unendlich“. Das ist nachts extrem praktisch denn der Autofokus funktioniert dann nicht. Und bei den schönen modernen AF-S Objektiven hat man keinen exakten Anschlag für „unendlich“ mehr. Hier passiert es schnell, dass man hunderte Fotos aufnimmt, sich die halbe Nacht lang neben den Kameras im Auto den Arsch abfriert und Später bei der Video-Bearbeitung feststellen muss, das alles unscharf ist. Wer will das schon?
Bei ISO-1600 und Blende 2.8 liefern Belichtungszeiten zwischen 10 und 30 Sekunden meist recht ansprechende Ergebnisse. Bei der D800E kann man durchaus auch bei ISO-800 mit 30s fotografieren. Allerdings dauert dann die ggfs. aktivierte Rauschunterdrückung etwa weitere 30s. So kann man nicht kontinuierlich fotografieren, sondern muss sich mit Intervallen von etwa 60s abfinden. Ich nehme jeweils 100 Bilder auf. Bei 25 Bildern/Sekunde sind das später Sequenzen die 4 Sekunden lang sind. Reduziert man bei der Videobearbeitung das Tempo etwas, so kann man sie ohne dass es „ruckt“ auf etwa 6 Sekunden strecken.
Während meine beiden Kameras unterschiedliche Motive um die Wette knipsen fällt das Thermometer von Stunde zu Stunde. Um etwa 3h zeigt es noch eisige 4°C. Ich sitze in meinem Auto und bibbere vor Kälte. Den Motor will ich auch nicht stundenlang laufen lassen, denn dieser Opel schaltet dann automatisch das Standlicht ein. Das beleuchtet die Umgebung und sieht später nicht wirklich gut aus. Also beschließe ich um etwa 3h am Morgen, dass es jetzt genug ist. Es geht zurück zum Hotel. Der Heimweg über menschenleere Straßen ist heute noch ganz so heftig wie beim letzten Mal. Ich lasse es ruhig angehen, schließlich bin ich hundemüde und ich will auch keines der vielen Kaninchen überfahren. Um kurz vor 5h geht im Hotel dann gar nichts mehr. Nur schnell die Zähne putzen und dann schlafen… Sandra will ich nicht stören, so lege ich mich so wie ich bin auf das Sofa. Eine Kuscheldecke gibt es dort noch. Als Sandra mich um 8h30 weckt bin ich noch immer ziemlich durchgefroren. Aber ich habe Hunger und freue mich auf das leckere Frühstück in der wärmenden Morgensonne.
Später wird die „Beute der Nacht“ gesichtet und ich bin wirklich überrascht wie gut diese beiden Kameras bei hohen ISO-Werten und wenig Licht funktionieren. Auch sind gar nicht die befürchteten Datenmengen zusammen gekommen. Dadurch, dass man nur alle 60 Sekunden ein Bild schießen kann, gibt es eine „natürliche Obergrenze“. Ich habe in dieser Nacht Bildmaterial im Umfang von etwa 16GB eingesammelt. Das ist harmlos
Tipp
Mit einer dieser modernen leistungsfähigen LED-Taschenlampen lassen sich nächtliche Szenerien ganz wunderbar ausleuchten!
Fazit
Rückblickend war es eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Eine so klare Nacht mit so unglaublich vielen Sternen habe ich mir schon seit vielen Jahren gewünscht. Früher dachte ich, dass man ein Teleobjektiv braucht um ein Foto der Milchstraße aufnehmen zu können. Ich dachte es sei eine kleine Formation irgendwo zwischen dem „Kleinen Wagen“ und dem „Großen Wagen“. Aber weit gefehlt, die Milchstraße erstreckt sich wie ein gewaltiges Band von einem Ende des Himmels zum gegenüberliegenden Ende. Wollte man sie in einem Foto aufnehmen, so bräuchte man ein Objektiv mit einem Blickwinkel von etwa 180°. Mit meinem 10.5mm Fisheye liege ich da also gar nicht so verkehrt. Doch man muss ich auch gut aussuchen wo und wie man die Kamera aufstellt. In den Canadas del Teide kann man die Kamera sauber gen Himmel richten und hat an den Bildrändern doch immer wieder Teile der umgebenden Berge auf dem Bild. Wenn man diese Berge also schon nicht weg bekommt, dann sollte man sie eben in die Fotos einbeziehen. Für mich hat das dann seinen ganz besonderen Reiz. Erst wenn man die Sterne der Milchstraße am höchsten Berg Spaniens vorbeiziehen sieht bekommt der Betrachter einen Eindruck der Dimensionen und der eigentlichen Bewegung.
Es würde mich sehr reizen die nächtliche Fotografie intensiver zu betreiben. Aber dann bräuchte man eigentlich auch einen „Slider“ und noch ein weiteres Stativ. Nur so gelingen dynamische Kamerafahrten im Schneckentempo. Aber wie soll man all das transportieren und wie soll ich meiner Freundin erklären, dass wir gemeinsam verreisen ich aber nachts immer weg bin und tagsüber müde durch die Gegend schleiche oder gar schlafend im Bett liege? Es wird also vorerst meine letzte Nacht im Gebirge bleiben müssen. In den kommenden Tagen möchte ich noch zum Sonnenaufgang die eine oder andere Tour ins Gebirge unternehmen. Aber dabei wird es dann auch bleiben.
Das größte Problem sind hier im Dezember die kalten Nächte im Gebirge auf mehr als 2200 Metern. Im Hochsommer ist es 5 bis 10°C wärmer. Wer hier im Dezember die Sterne beobachten will sollte sich warme Winterkleidung mitnehmen.
Zum Abschluss hier noch zwei Bilder aus der kleinen aber feinen Nikon D7000.
Teneriffa 2012 – Tag 7
Keine besonderen Vorkommnisse
Und auch Tag 7 beginnt wie alle anderen Tage. Ausschlafen bis man von allein aufwacht, vom Balkon auf das Meer schauen und dabei langsam wach werden. Frühstücken bis nichts mehr hinein passt, danach Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf den Pico del Teide und Morgensonne im Gesicht.
Irgendwann gegen Mittag sind wir beim Einkaufszentrum auf der anderen Seite der Autobahn. Man könnte zu Fuß gehen, aber wir sind auch heute wieder faul und nehmen das Auto. Nach einem überaus klaren schönen Morgen hat sich der Himmel inzwischen zugezogen. Es ist etwas kühl und ich habe heute keine Lust dem perfekten Foto hinterher zu rennen. Also kaufen wir ein wenig ein. Ich habe meine kleine GoPro dabei, schließlich brauche ich ja irgendwas das ist in meinem BLOG veröffentlichen kann… Beim Packen meines Koffers habe ich diverse Trecking-Hemden usw. bereit gelegt. Aber letztlich sind sie dann irgendwie daheim liegen geblieben und ich habe bei der Ankunft hier auf Teneriffa nicht schlecht gestaunt, dass ich nur zwei T-Shirts und zwei Hemden mit kurzen Ärmeln dabei habe. Am Montag haben wir daher sofort eine Portion Flüssigwaschmittel gekauft. Und das habe ich auch schon benutzt. Allerdings trocknet die pitschnasse Wäsche auf dem Balkon nicht sonderlich gut. Man müsste sie richtig „aufhängen“ aber das würde nicht gut aussehen und daher hat die Hotelleitung es sich auch verbeten Wäsche gut sichtbar auf dem Balkon zu drapieren. In der Hotelbeschreibung hat Sandra gelesen, dass es hier auch eine Waschmaschine gibt. Und die haben wir heute tatsächlich gefunden. Sandra hat für 5 Euro eine große Maschine mit heller Wäsche gewaschen und für weitere 3 Euro alles was geeignet war nebenan in den Wäschetrockner gesteckt. Nun haben wir wieder Wäsche für die nächsten Tage, jetzt kann fast nichts mehr schief gehen. Neben den Hemden habe ich mich irgendwie auch bei den Socken verzählt. Zwar sind vier paar dicke Wander-Wollsocken im Gepäck, aber meine Wanderschuhe habe ich seit der Ankunft nicht wieder getragen. Bislang ging immer alles ganz prima in Turnschuhen. Also kaufe ich mir drei Paar schwarze Socken, die kann „Mann“ immer gebrauchen. Sandra findet ein Paar schöne Lederstiefel und einen preiswerten knallroten Koffer. Da passt Ihr Fotorucksack gut hinein und auf dem Rückweg kann sie ihn dann bequem rollen statt ihn auf den Schultern tragen zu müssen. Ich habe es auf dem Hinweg auch so gemacht. Mein Fotorucksack war so gepackt, dass er einen „Handgepäck-Koffer“ gepasst hat. Oben drauf war noch eine kleine Notebooktasche und mein BOSE Kopfhörer für das Flugzeug. Im Vergleich zu den letzten Jahren in denen ich immer weite Strecken am Flughafen usw. mit einem voll gepackten Fotorucksack, Notebooktasche usw. zurücklegen musste, war es in diesem Jahr alles ganz entspannt.
Mitten im Einkaufszentrum treffen wir dann unverhofft unsere Freundin Edith. Sie hat heute endlich mal frei und ist mit ihrem neuen Lebensgefährten auf Einkaufsbummel. Wir verabreden uns für den nächsten Sonntag zu einer gemeinsamen Wanderung. Das sind die Momente die mir hier so gut gefallen. Es ist hier schon ein wenig wie in meiner zweiten Heimat. Man geht einfach in ein Einkaufszentrum und trifft überraschend seine Freunde. Das kann mir derzeit kein anderes Urlaubsziel bieten
Zurück im Hotel schauen wir kurz in unsere E-Mails, danach geht es rüber in den Garten des Hotels. Wir mischen uns unter die „All-Inclusive-Gäste“. Man erkennt sie schnell an den blauen Armbändchen die sie Tag und Nacht tragen müssen. Das wäre mir echt zu blöd und ich habe echt Mühe zu verstehen, dass tausende Touristen diese Prozedur immer wieder hinnehmen. Deutsche Touristen beschweren sich hier über jeden noch so kleinen Furz, aber über eine Alternative zum „AI-Armreif“ hat noch niemand nachgedacht.
Da wir diese AI-Bändchen nicht tragen müssen, dürfen wir uns auch nicht am Mittagsmenü bedienen. Aber das ist gar kein Problem, für 13,90 Euro gibt es zwei leckere Burritos mit Fritten und zwei Gläser Bier. Alles im Sonnenschein mit Blick auf das Meer, das Leben kann auch im Dezember sehr schön sein.
Später auf dem Zimmer bastle ich schnell aus dem was die kleine GoPro aufgenommen hat ein kleines Video zusammen. Sandra taucht im privaten Whirlpool in unserem Badezimmer ab, während ich in der Lobby diesen kurzen Artikel schreibe. Später um 18h30 treffen wir uns mit zwei anderen Gästen die wir hier kennen gelernt haben. Gemeinsam wollen wir zu Finca-San-Juan. Dort haben wir uns schon am Dienstag ein Menü mit mehreren Gängen und einem leckeren Wildbraten bestellt. Koch Tomy hat uns schon mitgeteilt, dass er ein gutes „Entrecôte vom Hirsch“ einkaufen konnte. Das wird besonders für Sandra ein echtes Festessen.
Wie es dann morgen aus fotografischer Sicht weitergeht muss ich mal schauen. Vielleicht suche ich mir zum Abendlicht einen schönen Strand mit großen Felsbrocken für das eine oder andere kitschige Urlaubsfoto
Teneriffa 2012 – Tag 6
Sterne fotografieren im Gebirge
Der sechste Tag bricht an und die Reise hat schon fast ihren Zenit erreicht. Nach den üblichen Ritualen und einem leckeren Frühstück verabreden wir uns mit Karin und Wolfgang um 13h an der Plaza de Charco in der Altstadt von Puerto de la Cruz. Karin und Wolfgang kennen wir nun schon seit vielen Jahren. Wolfgang habe ich über die Fotocommunity kennengelernt. Wir haben dort viel über die schönsten Locations auf Teneriffa diskutiert. Im Jahr 2007 haben wir uns dann endlich persönlich kennen gelernt. Seit dieser Zeit haben wir mehrmals Weihnachten und Sylvester gemeinsam verbracht. Wenn meine Freundin mit seiner Frau einen Ausritt ins Gebirge unternimmt, treffen wir uns regelmäßig und machen etwas „vernünftiges“ – wie Wolfgang das immer nennt
Heute treffen wir uns zum Mittagessen und es geht zu einem kleinen Thai-Resturant. Es liegt unterhalb des Busbahnhofs ganz in der Nähe des Hotel Marte. Dort habe ich 2005 gewohnt und kenne diesen Teil von Puerto de la Cruz sehr gut. Aber dieses Restaurant ist seltsam neu. Wolfgang kennt auch hier die Lösung des Rätsels, es ist der Koch. Er ist von seinem „Lieblings-Thai“ hierher gewechselt. Und Wolfgang hat nicht zuviel versprochen, das Essen schmeckt wirklich großartig und es ist trotzdem preiswert. Einmal mehr wird mit klar, man kann hier richtig gut leben, wenn man sich nicht selbst das Leben schwer macht.
(Um den Text etwas aufzulockern habe ich einige Bilder meiner “Beute des Tages ” aus der Nikon D800E eingestreut. Die Bilder sind 1000 Pixel breit, also bei Bedarf einfach in einem neuen TAB öffnen.)
Vom Hotel zur Plaza de Charco sind Sandra und ich zu Fuß gelaufen, es ist ein ziemlich weiter Weg und daher sind wir froh, dass Karin und Wolfgang uns nach dem Essen mit ihrem Auto „zurück auf unseren Berg“ bringen.
Um etwa 17h mache ich mich dann auf den Weg zu meiner „Männer-Fototour“. Es geht über La Orotava hinauf zu den Canadas del Teide, wieder einmal! Diesen Weg kenne ich schon auswendig und ich habe in den letzten Jahren schon so manche Nacht dort oben verbracht. Im Kofferraum ist ich alles was ich an warmer Kleidung dabei habe. Sobald die Sonne untergegangen ist, kann es hier oben empfindlich kalt werden. Später werde ich die warme Kleidung noch brauchen, denn das Thermometer wird auf 6°C fallen!
Eigentlich ist der Sonnenuntergang laut „Garmin Colorado GPS“ um 18h11. Aber hier oben auf mehr als 2500 Metern Höhe gibt es eine kleine „Reserve“. Hier geht die Sonne etwa eine halbe Stunde später unter. So bleibt mir genug Zeit um einen meiner bevorzugten Aussichtspunkte anzusteuern. Dort wird schnell die kleine Panasonic Kamera aufgestellt. Sie filmt eine Zeitraffersequenz mit einem Raster von 10s. Das ist ein sehr guter Wert wenn man bei etwas Wind Wolken so darstellen möchte, dass sie schnell dahin zu ziehen scheinen. Parallel fotografiere ich mit der D800E und dem AF-S VR 4/16-35mm Weitwinkelzoom einige Belichtungsreihen aus denen ich später einige HDR-Fotografien erstellen möchte. Hier ein Fotos das mit dem billigen SAMYANG 2.8/15mm Weitwinkel entstanden ist.
Nach etwa 30 Minuten staune ich nicht schlecht als sich plötzlich links oberhalb der Spitze des höchsten Bergs Spaniens der Mond mit einer wunderschönen Sichel zeigt. Wie genial sieht das denn aus? Die Kamera knipst Bild um Bild, als es für die Panasonic zu dunkel wird, tausche ich sie gegen die Nikon D7000 aus. Sie habe ich hier bislang noch gar nicht benutzt. Nun klappen die Spiegel zweier Kameras um die Wette. Gern würde ich auch mit der D800E eine Serie von Intervall-Bildern aufnehmen. Aber das Intervall lässt sich einfach nicht starten. Während es um mich herum dunkle Nacht wird, stehe ich ratlos vor meiner schönen neuen Kamera. Was mache ich bloß falsch? Ich blicke nicht durch und nehme sie mit ins Auto. Dort ist es deutlich wärmer und ich habe etwas Licht. Einige Augenblicke später fällt es mir dann auf, der Drehknopf oben links an der Kamera steht am rechten Anschlag, es ist die Spiegelvorauslösung aktiviert! Damit klappen scheinbar keine Intervall-Aufnahmen. Ich stelle den Knopf auf S wie „Single-Shot“ und schon bin ich wieder im Spiel. Danach wird die D800E mit 2.8/15mm SAMYANG Weitwinkel wieder in die Nacht gestellt. Sie soll 100 Fotos machen und das alle 5 Sekunden. Später im Hotel werde ich nicht schlecht staunen, dass ich damit mehrere Flugzeuge auf ihrem Weg vom Flughafen Teneriffa Nord zur Insel „La Palma“ fotografiert habe. Zeitraffer-Fotografie ist schon cool aber nicht immer kalkulierbar. Was letztlich geschieht und wie die Sequenz aussehen wird ist immer mit einer kleinen Portion Zufall verbunden. Zwischendurch wechsle ich an der D800E immer wieder die Objektive. Mal das 4/16-35, mal das 2.8/24-70 und dann auch mal das gute alte AF-D VR 80-400mm. Eigentlich habe ich es aus Versehen mitgenommen. Bei der Entscheidung was im Tresor bleibt und was mit auf die Reise geht habe ich mich “vergriffen”. Statt des knackscharfen schnellen AF-S VR 2.8/70-200 habe ich versehentlich das 80-400 eingepackt. Es ist ein durchaus brauchbares Objektiv, aber es kann den Chip der D800E nicht wirklich ausreizen. Damit gelingen durchaus gute Bilder, aber das AF-S VR 70-200 ist mit insbesondere in Verbindung mit dem 1.7er Teleconverter irgendwie lieber.
Gegen 21h ist mir echt kalt und es geht mit WARP-Geschwindigkeit den Berg hinauf zurück zum Hotel. Das ist ein echter Männerspaß, in tiefer Nacht 2500 Höhenmeter im dritten Gang mit bis zu 100 km/h den Berg hinab fegen, das kann Mann nur allein. Während ich den Mietwagen um die Kurven zirkle, dass die Reifen quietschen und die Bremsen verbrannt riechen kommt mir immer wieder in den Sinn, wie eine Beifahrerin panisch rufen würde „Muss das sein, Du rast hier runter wie ein Vollidiot! Gleich bringst Du uns noch beide um! Ahhhhh….“ Aber ich kenne die Strecke, ich habe ein GPS und ich sehe die Spitzkehren lange bevor ich sie erreiche. Die Fahrt ist daher nicht wirklich gefährlich, zumal es hier keine Rehe oder Kühe gibt die plötzlich auf der Straße auftauchen könnten.
Als die Zivilisation mich wieder hat, dreht sich auch mir so langsam der Magen um. Ich muss kurz anhalten, sonst gibt es gleich ein Unglück.
An der frischen Luft neben dem Auto ist es etwas wärmer. Das Thermometer im Auto zeigt jetzt 11°C. Und mir fällt auf, dass es hier genau so riecht wie in Page-Arizona im letzten Winter. Hier wird mit Holz geheizt und das ich auch wirklich notwendig. Ich bin noch etwa 800 Meter über dem Meer und hier ist es nicht nur nachts wirklich kühl.
Wer mit dem Gedanken spielt sich hier auf Teneriffa ein Haus zu kaufen oder zu mieten der sollte sich genau informieren wie die Lebensbedingungen dort sein werden. Es gibt Siedlungen die sind so hoch gelegen, dass man besonders im Winter viele Wochen mit Nebel und tief hängenden Wolken wird leben müssen. Je tiefer man hinab ans Meer kommt umso wärmer wird es. Aber sehr nah am Meer kann es auch wiederum sehr feucht werden. Eine guter Bereich ist zwischen 100 und 300 Metern über dem Meer. Wer hier also im Hochsommer eine nette kleine Finca anschaut die auf 900 Metern gelegen ist und ein preisgünstiges Schnäppchen zu sein scheint, der sollte unbedingt im Dezember zurück kommen und schauen ob das „kleine Paradies“ halten kann was der geldgierige Verkäufer im Sommer versprochen hat.
Zurück im Hotel liegt Sandra eingewickelt in eine warme Decke auf dem Sofa vor dem Fernseher. Die Augen sind geschlossen, das Programm ist offensichtlich nicht wirklich spannend. Nachdem sie das auch erkannt hat, habe ich das Wohnzimmer für mich allein. Der Fernseher ist aus, Sandra schläft nebenan und ich schaue mir meine „Beute“ des Tages an. Und die macht mir so richtig viel Spaß. Manchmal ist es genau richtig auf eigene Faust loszuziehen. Nur so kann man abwarten und hin und her probieren wie es einem in den Sinn kommt. Niemand ist genervt, friert, hat Hunger oder schweren Druck auf der Blase. Einfach nur „Du und das Universum“ – das ist schon cool. Leider werden das nur Männer verstehen können. Ich bin mir fast sicher, Frauen fehlt das „Timelapse-Gen“
Hier noch ein Bild aus der Nikon D7000 mit dem AF-S 1.4/50mm “Normal-Objektiv”.
Teneriffa 2012 – Tag 5
Driving Sideways
Und auch dieser Tag beginnt wie alle Tage hier beginnen. Die Sonne geht auf, es ist halbwegs warm, am Himmel hängen draußen über dem Meer ein paar nette bunte Wolken, so muss es im Paradies sein
Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und statten Tomy und Sylvia auf der Finca San Juan einen kurzen Besuch ab. Dort werden wir mit diesen Worten empfangen: „Na, Ihr zwei könnt auch nicht ohne uns gell?“ Momente wie dieser machen für mich die Reisen nach Teneriffa aus. Klar könnte man auch nach La Gomera, Gran Canaria oder zu einer der vielen anderen schönen Inseln fliegen. Aber hier auf Teneriffa haben wir inzwischen Freunde gefunden und hier fühlen wir uns schon fast wie zuhause. Man kann schlecht in Worte fassen was es ist was mich hier so fasziniert. Dadurch, dass ich mich hier mittlerweile so gut auskenne gibt es praktisch keinen Urlaubsstress. Bei anderen Urlaubszielen muss man sich stets neu orientieren, schauen wie was geht, wo man was findet. Das hat auch seinen Reiz, aber es kann auch ein wenig aufreibend und anstrengend sein. Wenn ich einfach nur meine Ruhe haben will und gleichzeitig den fiesen nasskalten Tagen in der Heimat entkommen möchte, dann bin ich hier genau richtig.
Und „abfotografiert“ ist diese Insel noch lange nicht
(Alle Bilder 1000 Pixel breit oder hoch – einfach in neuem Tab öffnen)
Heute geht es nach der kurzen Stippvisite bei Tomy und Sylvia über kleine verwinkelte Straßen in Richtung Süd-Westen. Unser Ziel ist der „Trailhead“ unterhalb des „kleinen Gala“. Von dort hat man eine großartige Sicht auf den Teide, wenn es nicht neblig ist! Und heute ist es leider wieder einmal echt neblig. Das scheinen die letzten Ausläufer des Tiefdruckgebietes zu sein, dass in den letzten Wochen hier so krasse Niederschläge mit sich gebracht hat.
Sandra ist es zu kalt und sie bleibt mit ihrem Kindle im Auto zurück. Ich wandere mit der D800E, mehreren Objektiven und meinem großen BENRO Carbon-Stativ den Weg zum kleinen Gala hinauf. Immer wieder halte ich an und mache ein paar Fotos. Viele Bilder mit Infrarot-Filter. Das klappt besonders mit dem Nikon AF-S VR 4/16-35mm recht gut. Das Filtergewinde an diesem Objektiv ist fest mit dem Gehäuse verbunden und man berührt das eigentliche Objektiv-System nicht wenn man den Infrarot-Filter aufschraubt. Man kann also in Ruhe ohne den Filter sein Motiv wählen, korrekt scharf stellen und dann den Filter aufschrauben. Den Autofokus schaltet man zwischendurch auch noch ab und dann gelingen bei ISO-100, Blende 11 und 30 Sekunden (!!!) Belichtungszeit sehr ungewöhnliche Schwarzweiß-Fotos.
Irgendwann sind die Wolken und der Nebel so dicht, dass ich kaum noch meine Füße erkennen kann. Das hilft bei der Erkenntnis, dass es heute mit tollen Fotos wohl nichts mehr werden wird – wieder einmal. Etwas frustriert geht es den Berg hinab zum Auto in dem Sandra schon sehnsüchtig auf mich wartet. Wir haben Hunger! Kein Problem, ein paar hundert Meter weiter ist ein nettes Restaurant in dem ich schon mehrmals war. Dort gibt es leckeres Kaninchen mit original kanarischen Schrumpel-Kartoffeln (Papas Arugadas), frisches Brot und ein Töpfchen Aioli – lecker!
Auf dem Rückweg nehmen wir eine noch kleinere Seitenstraße. Sandra kriegt zwischendurch ein wenig die Krise, diese Straßen sind echt eng und vor allem extrem kurvenreich. Im Auto philosophieren wir woran das liegen könnte. Mir kommt es vor als wären die Orte durch die wir fahren in einer Zeit entstanden, als es hier noch keine Autos gab. Für ein paar Esel und Pferde sind die Straßen damals sicher breit genug gewesen. Dann kamen die Autos und die Touristen. Viele Bewohner der kleinen Bergdörfer müssen nur kurz stolpern und schon stehen sie nicht mehr im Wohnzimmer sondern mitten auf der Straße. Bei uns wäre das kaum denkbar, hier ist es völlig normal.
Daheim im Hotel gibt es wieder Naseband & Co – K11 nennt man das wohl. Danach kommt die nächste Sendung mit der 11 – Alarm für Cobra 11. Dann der Transporter, dieser Krams nimmt einfach nie ein Ende. Aber ich muss nicht hinschauen und auch nicht hinhören. Ich kümmere mich um meine Fotos und Videos und schreibe für Euch diesen kleinen Artikel. Der WLAN Empfang hier oben kommt und geht. Je nach dem wie und wo man sitzt klappt es mal und dann wieder nicht. Also geht es jetzt noch schnell runter in die Lobby, da geht es recht gut.
Einige Bilder des Tages hänge ich Euch auch noch an. Die Video-Sequenzen gibt es dann im Januar als Teil meines nächsten „großen Videoprojektes“ zu sehen.
Hier einige “echte” Infrarot-Aufnahmen. Durch die lange Belichtungszeit von 30 Sekunden sind die Wolken krass verwischt. Ein Effekt der mir sehr gut gefällt. Eigentlich ist die D800E nicht wirklich gut für der Infrarot-Fotografie geeignet. Der eingebaute Infrarot-Sperrfilter wirkt sich in der Regel eher störend aus. Mit aufgeschraubtem Infrarot-Filter funktioniert an dieser Kamera nichts mehr was elektronisch oder automatisch ist. Man muss den Filter ständig ab- und wieder anschrauben, das nervt total. Bei meiner kleinen Fuji X100 ist das grundlegend anders. Und wenn ich Chaot den blöden Filter-Adapterring nicht verschusselt hätte, könnte ich mit ihr hier im infraroten Bereich knipsen was das Zeug hält. So muss es mit der sperrigen D800E gehen. Aber die Ergebnisse sind wirklich überzeugend und entschädigen so für den Frust bei ihrer Erstellung.
Hier nun ein HDR-Foto das ich in ein Schwarz-Weißbild konvertiert habe – sieht auch gut aus – gell? Nur die Wolken sind eben gar nicht verwischt…
Hier nochmals ein “echtes” Infrarot-Foto. Wer genau hinsieht kann die Spitze des höchsten Berges der Spanier zwischen all den Wolken erkennen…
Und zum Abschluss noch einmal das identische Motiv. Diese beiden Fotos sind sehr unterschiedlich und zeigen sehr schön wie krass sich heute die Lichtverhältnisse innerhalb von nur wenigen Augenblicken immer wieder geändert haben.
Morgen ist schon Freitag, die Zeit vergeht hier scheinbar schneller als daheim. Kaum ist man wirklich angekommen, da muss man schon fast wieder los. Manchmal beneide ich die rüstigen Rentner die hier in ihren komischen kurzen Hosen mit weißen Tennissocken in Sandalen etwas ungelenk herum laufen. Sie haben es wirklich gut, es ist fast immer angenehm warm. Das Meer reguliert die Temperaturen und die salzhaltige Luft ist wie Balsam für meine Bronchien.
Manchmal wenn ich hier bin muss ich an die Insel aus der Fernsehserie „Lost“ denken. Dort stürzt ein Flugzeug auf einer einsamen Insel ab die magische Kräfte hat. Kranke werden schnell wieder gesund, Lahme können wieder laufen. Ok, ganz so ist es nicht, aber es geht eindeutig in diese Richtung
Teneriffa 2012 – Tag 4
Faulenzen im Hotel
Nachdem die fotografische Ausbeute der kleinen Expedition ins Anaga-Gebirge wider Erwarten gar nicht so schlecht ausgefallen ist, beschließe ich nach dem Frühstück es heute ganz ruhig angehen zu lassen. In der Lobby klappt es mit dem WLAN recht gut. Also publiziere ich dort meinen BLOG-Artikel des Vortages. Danach werden noch ein paar E-Mails beantwortet und ein wenig die Kollegen via Facebook geärgert. Sie sitzen im kalten Deutschland in ihren Büros und müssen schlaue Sachen programmieren während ich hier in Afrika faulenzen kann
Ok ok, ganz ernst gemeint sind meine kleinen Sticheleien nicht, schließlich war ich das ganze Jahr über durchgehend im Büro und genieße nun abgesehen von den wenigen Tagen in der Schweiz die ersten Urlaubstage.
Während ich mich mit meinem Notebook beschäftige, fällt einem der anderen Gäste mein wahrscheinlich zufrieden grinsender Gesichtsausdruck auf. Er selbst ist alles andere als zufrieden denn auch er hat Probleme mit der WLAN-Verbindung. Wir kommen ins Gespräch und verabreden uns prompt zum gemeinsamen Abendessen auf der Finca San Juan am kommenden Samstag. Vorgestern haben wir dort mit Chefkoch Tomy klar gemacht, dass er für uns ein leckeres Gericht mit mehreren Gängen bereitet. Die Krönung soll ein Rehrücken sein, wenn er ihn irgendwo in guter Qualität kaufen kann. Falls nicht gibt es Wildschwein oder Hirsch, warten wir es mal ab…
Zur Auflockerung des Textes habe ich hier für Euch ein paar Archivbilder eingefügt
(Alle Bilder wie immer 1000 Pixel breit oder hoch, ggfs. in separatem TAB öffnen)
Während wir quatschen und quatschen ist meine Freundin Sandra schon eine ganz Weile allein in der Stadt unterwegs. Sie ist zu Fuß den Berg hinabgelaufen und jetzt schon seit mehreren Stunden unterwegs. Irgendwie tut es mir leid, da sind wir zusammen im Urlaub und es geht dann doch jeder seine eigenen Wege. Also rufe ich sie mal an und siehe da, sie sitzt glücklich und zufrieden am Plaza de Charco. Eine halbe Stunde später hole ich sie unten am Playa Chardín ab. Gemeinsam geht es zum Restaurant „Bar La Terazza“ nahe der Siedlung „Romantica II“ in Los Realejos. Meine Lieblingsruine das „Casa de Dios“ oder auch „Hamilton Haus“ liegt etwas unterhalb und so können wir einen kleinen Nachmittagssnack mit einigen netten Video-Sequenzen kombinieren
Am Restaurant angekommen ist es tatsächlich geöffnet, Ruhetag ist am Montag. Wir sind nicht schlecht erstaunt als wir feststellen, dass die Betreiber vor etwa 10 Wochen gewechselt haben. Die Lage ist gut und die Aussicht ein Traum, aber es ist eben „Los Realejos“. Wer kennt das schon und verirrt sich hier hin außer ein paar eingefleischten Teneriffa-Fans? Mir zeigt dies, dass es nicht so einfach ist hier zu leben und vor allem zu „überleben“. Wer eine dicke Rente hat und hierher vor dem fiesen deutschen Winter fliehen kann, für den ist das alles kein Problem. Aber die Menschen die ich in den vielen Jahren die ich nun immer wieder diese Insel besuche kennen lernen durfte haben es nicht leicht. Auf Teneriffa ist niemand der ruft „Hey die Deutschen sind da, endlich!!“ Das ruft wirklich niemand und wer drauf hofft hier ein leichtes tolles Leben zu führen und es mit ein paar Wandertagen mit rüstigen reichen Rentnern finanzieren zu können, der wird sehr schnell desillusioniert wieder abreisen. Auf Teneriffa zu leben und hier mit ehrlicher Arbeit sein Geld zu verdienen ist viel schwieriger als man sich das denkt. Lang ist die Liste der Deutschen die hier ihr Glück gesucht haben und letztlich gescheitert sind. Wer hier leben und arbeiten will der muss sich auf kleine Löhne, sparsame Rentner, eine hohe Arbeitslosigkeit und ein einfaches Leben ohne „Saus und Braus“ einstellen.
Wer hier glaubt mit einem kleinen Restaurant gut über die Runden zu kommen, der muss viel bieten. Neben gutem Essen und perfektem Service muss man sehr gut Spanisch sprechen, einen ausgeprägten Sinn für‘s Geschäft haben und sich mit den örtlichen Gegebenheiten arrangieren. Wer hier unauffällig ist kann hier gut Leben. Deutschen Zuwanderern die hier mit pfiffigen Ideen Geschäfte ankurbeln die bestehende einheimische Geschäfte alt aussehen lassen, werden früher oder später mit der Brandschutz-Versicherung klären müssen wie und warum das so gut laufende Geschäft nieder gebrannt ist. Keine Seltenheit und leider die traurige Wahrheit.
Nach unserer kleinen Video-Session am Casa de Dios geht es zurück zum Hotel. Während Sandra die müden Füße kühlt bin ich mit meiner Video-Kamera draußen auf dem Hügel vor dem Hotel. Der Sonnenuntergang bringt die Wolken zum Leuchten, dass es eine Freude ist. Leider sind wir im Norden der Insel und so bekommt man hier bei Zimmern mit Meerblick weder einen Sonnenaufgang noch einen Sonnenuntergang zu sehen. Was man sieht sie die „Ausläufer“ dieser kostenlosen alltäglichen Showveranstaltung. Meist muss man sich mit dem bunt gefärbten Wolkenhimmel zufrieden geben. Will man einen echt „geilen Sonnenuntergang“ fotografieren, so braucht man neben Glück auch einen geeigneten Standort. Den findet man bspw. in Mesa del Mar oder im Gebiet beim Punta de de Teno. Auch oben im Gebirge gibt es viele Stellen für einzigartige abendliche Fotos, sehr gut ist auch die Gegend rund um Teno Alto geeignet.
Alle Frühaufsteher sind an der östlichen Küste gut bedient. Wer wie wir immer im grünen Norden der Insel wohnt muss noch früher aufstehen und beispielsweise hoch auf den Pico del Teide, zum kleinen Gala oder ins Anaga-Gebirge fahren. Meist ist man eine Stunde und länger unterwegs. So sollte man sich am Vortag alles anschauen und genau wohin es denn gehen soll.
In den nächsten drei Tagen haben wir Neumond. Das heißt, dass der nächtliche Himmel sehr dunkel sein wird. Dies sind gute Bedingungen für Fotos der Milchstraße. Mein aktueller Plan ist, in den nächsten 2-3 Tagen zu nächtlicher Stunde hoch oben in 2.500 Metern Höhe mit meiner Nikon D7000 und dem 10,5mm Fisheye einige Zeitraffer-Aufnahmen zu fotografieren. Ich bin sehr gespannt darauf wie sich der Himmel zeigen wird und ob die Wettergötter Mitleid mit mir haben und alle Wolken nach Tunesien oder sonst wohin schieben werden. Aber warten wir es mal ab, Ihr bekommt es hier zu sehen
Hier noch ein kleiner Vorgeschmack mit Bildern die während der letzten Reisen hoch oben im Gebirge entstanden sind.
Teneriffa 2012 – Tag 3
Expedition ins Anagagebirge
Es ist der dritte Tag auf „meiner Insel“ und heute will ich endlich mal etwas fotografieren. Nach dem Frühstück geht es mit unserem Mietwagen in Richtung Norden. Mein Ziel ist das Anagagebirge. Teneriffa besteht aus drei Vulkanen die im Laufe der Jahrtausende zusammen gewachsen sind: Anaga, Teno und Teide
Der Anaga ist der älteste dieser drei Vulkane und wie beim Teno, der der zweitälteste Vulkan ist, sieht man keinen Krater mehr. Nach vielen tausend Jahren hat der Anaga eine wundersame Bergwelt hinterlassen die recht einzigartig ist. An den schroffen Felsabhängen wächst der Nebelwald. Das klingt nach Elfen und Herr der Ringe ist aber ein treffender Name, denn hier gibt es komischer Weise ziemlich oft ziemlich viel ziemlich dichten Nebel. Dieser Nebel war bereits in den 70er Jahren die Ursache der größten Flugzeugkatastrophe aller Zeiten und er treibt sein Unwesen auf dieser Insel bis heute. Die Pflanzen des Nebelwaldes beziehen den Großteil der benötigten Wassermenge aus den durchziehenden Nebelschwaden. Vieles was hier wächst kennt man von daheim nicht, man nennt das auch „endemisch“. Nie zuvor habe ich auch derart riesige Löwenzahn-Pflanzen gesehen wie hier. Daheim in meinem kleinen Mainzer Garten sind die Blätter des ungeliebten Löwenzahns etwa 10 bis 20 Zentimeter lang. Im Anaga-Gebirge können diese Blätter schon mal einen Meter und länger sein.
Von Puerto de La Cruz aus erreicht man das Anaga-Gebirge indem man die Autobahn in Richtung Santa Cruz nimmt. Auf der Höhe der Stadt La Laguna biegt man nicht nach rechts zum Flughafen ab, sondern nimmt im Kreisverkehr unterhalb der Autobahn die Straße nach Norden, Las Mercedes ist das Zauberwort!
Nach einigen kurzen Fotostopps lande ich schließlich wieder einmal am überragend schönen Aussichtspunkt Pico del Ingles. Hier habe ich im Jahr 2005 schon einmal eine wirklich kalte aber dafür sternenklare Nacht verbracht. Damals habe ich immer mal wieder gedacht „Was wenn jetzt eine Truppe betrunkener gewaltbereiter Kids hier auftaucht und mich so richtig in die Mangel nimmt?“ Die Kids kamen nicht, vielleicht gibt es sie auch gar nicht und wenn, dann treiben sie ihr Unwesen sicher eher in der Inselhauptstadt Santa Cruz. Hier erreicht seit der Finanzkrise die Jugendarbeitslosigkeit ein Rekordhoch nach dem anderen. Als ich heute am Pico del Ingels eintreffe steht dort ein Polizeiauto und zwei Polizisten überwachen das Kommen und Gehen. Als ich meine GoPro von der Windschutzscheibe montiere entlockt ihnen das ein müdes Lächeln. „Schon wieder so ein Vollhorn!“ scheinen sie auf Spanisch zu denken. Mir soll es egal sein, ich habe ein paar schöne „Fahrsequenzen“ aufgenommen.
(Hinweis: Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch. Ggfs. einfach in neuen Tab öffnen)
Meine D800E kostet zusammen mit dem AF-S 2.8/24-70mm runde 5.000 Euro. Sie liegt auf dem Beifahrersitz und ich lasse sie einfach mal dort liegen. Sie wird ja kompetent bewacht. Andernfalls hätte ich sie mir um den Hals gehängt oder sie gut geschützt vor neugierigen Blicken im Kofferraum verstaut. Das Licht ist relativ fies und der Nebelwald macht heute seinem Namen mal wieder alle Ehre. Also filme ich nur ein wenig mit meiner kleinen Panasonic HC-X909 und mache mich aus dem Staub als wenig später ungelogen DREI Busse voller Touristen eintreffen…
Während die Touristen den Abzweig nach Taganana nehmen werden, um sich dort mit leckerem Fisch abfüttern zu lassen, führt mich mein Weg vorbei an der überaus einsam gelegenen Jugendherberge immer weiter in Richtung Norden. Schließlich habe ich den Parkplatz erreicht an dem ich meine kleine Wanderung hinauf zu einem famosen Aussichtspunkt mitten im Nebelwald starten will. Der Weg dort hinauf ist nach den intensiven Regenfällen der vergangenen beiden Wochen nass und glitschig. Meine neuen Joggingschuhe finden hier keinen rechten Halt und ich muss immer wieder aufpassen, dass es mit nicht von den Füßen reißt. Mit dem langen BENRO Stativ an meinem Rucksack und dem großen Kugelkopf obendrauf bleibe ich an engen Passagen, an denen man unter einigen umgeknickten Bäumen hindurch muss, immer wieder hängen. Es ist ein komisches Gefühl wenn man sich allein im Nebelwald glaubt und plötzlich ein toter Baum rücklings nach einem greift und versucht sich den schweren Fotorucksack unter den Nagel (oder die Rinde?) zu reißen. Zwischendurch stelle ich immer mal wieder die Panasonic Kamera auf das kleine Manfrotto Carbonstativ und filme mich selbst wie ich durch den Nebelwald stapfe. Einen Kameramann oder eine Kamerafrau habe ich ja leider nicht dabei, alles was ich filme muss ich ganz allein filmen. Ob sich draus später daheim in Deutschland ein netter Film schneiden lässt, das bleibt noch abzuwarten.
Da ich weder Drehbuch, noch Beleuchter, Tontechniker, Scriptgirl oder etwas anderes habe, halte ich es einfach mit Brad Ratner. Kennt diesen Regisseur überhaupt jemand? Der gute Brad hat schon als kleiner Junge witzige Trickfilme erstellt bei denen er die Stop-Motion-Technik verwendet hat, also die gute alte deutsche „Einzelbildschaltung“. Als Kind nannte er seine Filmfirma „Rat-Productions“ und in seinem „Logo“ hat er damals immer mal wieder eine Ratte integriert. Warum erzähle ich Euch das eigentlich? Ach ja, ich halte es bei meiner Filmerei so wie er. Brad Ratner hat mal in einem Interview gesagt, dass es ihm am Set oft schwer fällt zu entscheiden welcher Take brauchbar ist und welcher nicht. In seinen Filmen lässt der seine Schauspieler daher viele Szenen wieder und wieder durchspielen. Erst viel später im Schneideraum wird dann entschieden welche Szene verwendet wird und welche nicht. So ähnlich mache ich es hier auch. Ich nehme einfach alles auf was mir vor die Kameralinse kommt. Alles in der Hoffnung, später Material für einen Film zu haben der zu visualisieren vermag was mir im Kopf herum geht und der dennoch jugendfrei ist
Doch zurück zu meiner Wanderung. Der Aussichtspunkt ist leicht zu finden, vor allem wenn man ein GPS dabei hat und dort der entsprechende Wegpunkt bereits aus dem Vorjahr markiert ist! Als ich dort oben eintreffe bin ich zunächst vollkommen allein. Aber dann gesellt sich ein nettes deutsches Pärchen hinzu. Er kommt aus Hamm und sie ist in Selm aufgewachsen. Auch wenn mein Freund Rainer Schauder nicht zugegen ist, ich beantworte die Frage woher ich denn komme wieder einmal mit meinem Standardsatz: „Ich komme aus den Tropen!“ Rainer würde sich leicht angewidert abwenden, die es noch nicht kennen fragen auch heute wieder ungläubig „Aus den Tropen?“ „Ja klar, aus den Tropen: BotTROP, WalTROP, CastTOP, HönTROP…“ – „Da bin ich bei wech!“ …würde einer der „normalen“ Menschen entgegnen der zwischen Rhein und Ruhr aufgewachsen ist. Wir plauschen nett und schließlich kommt was kommen muss, das Erinnerungsfoto! Ich fotografiere die Zwei gleich aus mehreren Perspektiven, mal im Hoch- mal im Querformat – besser ist das – Brad Ratner hätte es auch so gemacht!
Als die zwei den Heimweg antreten bin ich noch zwei Stunden vom Sonnenuntergang entfernt. Laut GPS soll er um 18:06 stattfinden, wie vertreibe ich mir nur die lange Zeit? Auf der Spitze des Berges haben fleißige Arbeiter schon vor vielen Jahren eine etwa einen Meter hohe und ca. 30 cm dicke Säule betoniert. Ganz oben sind drei kleine runde Platten eingelassen. Jede Platte hat eine V-förmige Kerbe, alle drei weisen auf den Mittelpunkt Säule. Mich beschleicht der Verdacht, dass hier gelegentlich der eine oder andere Vermessungstechniker hinauf marschiert. Beim Film 2012 von Roland Emmerich haben wir ja gelernt, dass ich im Falle der schockartigen Erwärmung des Erdkernes die Kontinente ziemlich rasch verschieben können. Ob dies ein Beobachtungsposten für den Kontinentaldrift sein könnte? Egal, der Film ist ziemlicher Blödsinn und die Erde wird sich auch durch fiese Mikrowellenstrahlung der Sonne nicht in den nächsten Jahren schlagartig erwärmen. Aber der Nebel der ist real und der verhindert die Sicht in die Ferne. Immer wieder reißt der Nebel kurz auf und so kann ich schnell das eine oder andere Infrarot-Foto und mehrere HDR-Bilder schießen. Aber es ist alles weit weg von dem was ich mir gewünscht habe. Kurz vor Sonnenuntergang zieht dann der „Nebel des Grauens“ auf. Eine echt miese trübe Suppe ist das. Die Sonne ist zwischenzeitlich gar nicht mehr zu sehen und das satte 950 Meter über dem Meer! Und mit dem feuchten Nebel kommt dann auch die Kälte, ich habe nur ein dünnes Hemd mit kurzen Ärmeln dabei. Die warme Jacke liegt unten im Auto. Hier ist nichts mehr zu holen und so mache ich mich an den Abstieg. Nach wenigen Metern stoße ich fast mit einem anderen Wanderer zusammen. Er filmt seinen Aufstieg, ich meinen Abstieg, wir müssen kichern. Und stolpern auf dem engen Weg fast über unsere eigenen Füße. Im Wald ist es jetzt düster und feucht. Der Weg ist noch rutschiger als beim Aufstieg. Ich habe die Panasonic an meinem kleinen Stativ befestigt und sie um 90° nach oben gedreht. Nun kann ich das Stativ an einem ausgeklappten Bein halten und die Kamera schwebt in Kniehöhe über dem Waldboden. Vielleicht sieht das später cool aus, vielleicht hätte Brad Junior das auch so gemacht?
Wieder greifen die Bäume nach meinem großen Stativ und es fällt schwer nicht bei jedem zweiten Schritt auf den Hintern zu fallen. Bis es dann doch passiert. Ohne eine Vorwarnung rutschen die Sohlen der neuen Sportschuhe über den matschigen abschüssigen Waldboden. Hintern und Fotorucksack haben zeitgleichen Bodenkontakt, der Kugelkopf schlägt mir gegen den Hinterkopf und die Finger der rechten Hand werden fies im Stativ eingeklemmt. Alles keine gute Idee, vielleicht hätte ich das Stativ als Ersatz für einen Wanderstab nutzen sollen? Ich rapple mich leicht stöhnend wieder hoch und bin jetzt etwas vorsichtiger.
Als ich am Auto eintreffe bin ich froh, dass noch alles Scheiben heil sind. Diese einsam geparkten „gut versicherten Touristenautos“ werden gern mal ausgeräumt, auch auf Teneriffa. Während ich meine Sachen im Auto verstaue muss ich an meine kleine Rutschpartie denken. Und es kommt mir in den Sinn vielleicht ein wunderbares Video mit dem Titel „Epic Fail im Nebelwald“ bei YouTube hochzuladen. Man darf sich nicht zu ernst nehmen…
Der Heimweg dauert länger als befürchtet. Kurve reiht sich an Kurve, schier endlos lang. Als ich am Mirador de las Mercedes eintreffe ist die Sonne weg und die Insel hat sich unter einer dichten Wolkendecke versteckt. Die Entscheidung den Heimweg anzutreten war korrekt. Dort oben wäre nichts mehr zu holen gewesen und ohne Taschenlampe den rutschigen Weg hinab zu laufen, hätte sich nur in begrenzten Maße als erquicklich erwiesen.
Im Hotel angekommen sitzt Sandra eingewickelt in eine dicke Decke auf dem Sofa und schaut bei SAT1 die Serie K11 oder etwas ähnliches. Ich kann das alles nicht auseinander halten. Abendessen gibt es für mich nicht mehr, es stehen noch ein paar Kekse auf dem Tisch. So gegen 22h liege ich im Bett und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Diese Insel ist schon cool. Auch wenn sie an vielen Stellen dicht besiedelt ist, es gibt auch hier die einsamen schönen Ecken. Zwischen all den Hotels und Supermärkten findet man immer wieder einsame herrlich ruhige Orte. Man darf nur eines nicht tun, man darf sich nicht mit einem Bus von einem „Highlight“ zum Nächsten kutschieren lassen. Kurz raus, das knipsen was alle knipsen, rein in den Bus und weiter. Das macht keinen Spaß und es fällt mir immer wieder schwer zu verstehen warum so viele Leute diese Touren buchen. Entweder sind sie zu knauserig für einen Mietwagen, nicht gut zu Fuß oder sie sind einfach nur zu bequem um sich eines Reiseführers, einer Karte, Google-Earth oder einer der vielen anderen Medien zu bedienen die helfen eine unbekannte Insel auf eigene Faust zu erforschen. Ob diese Touristen eigentlich wissen was sie verpassen?
Teneriffa 2012 – Tag 2
Ein Tag ganz ohne Fotos
Der Internetzugang in unserem Hotel (Las Aguilas) ist eine ziemliche Katastrophe. Da habe ich jetzt für 20 Euro für 7 Tage Internet bezahlt und es will einfach nicht klappen. Egal ob ich es mit dem iPad, dem MacBook oder dem Windows 7 Notebook meiner Freundin versuche. Mein Mac zeigt mit die volle Feldstärke des WLAN Funknetzwerkes an, aber ganz gleich wie ich auch versuche eine Verbindung herzustellen, es schlägt immer wieder fehl. Gestern Abend unten in der Lobby hat es mal kurz geklappt, ich konnte sehen, dass da etwa 20 neue E-Mails in meinem Postfach waren. Aber beim Versuch sie zu lesen war es dann auch schon wieder vorbei mit der ganzen Herrlichkeit. Später habe ich dann in unserem Zimmer in der 5. Etage über mein HTC Telefon einen WLAN-Hotspot erstellt und meinen Artikel zum ersten Tag vom Mac aus über das Telefon publiziert. Als ich später auf dem Telefon nachgeschaut habe welche Datenmenge wirklich übertragen wurde, habe ich fast einen Schrecken bekommen. 12 MB wurden in nur wenigen Minuten übertragen. Ein MB kostet bei meinem aktuellen Vertrag 49 Cent. Damit kosten 12 MB etwa 6 Euro.
So habe ich heute vor dem Frühstück auf den Check meiner ungelesenen E-Mails via Telefon verzichtet und mich statt dessen auf unsere Freizeit konzentriert – schließlich sind wir ja nicht hier um uns hier zu ärgern
Beim Frühstück dann die angenehme Überraschung, dass sich seit unserem letzten Aufenthalt nicht nur das Abendessen deutlich verbessert hat. Auch das Frühstück ist deutlich reichhaltiger und die Auswahl an Wurst, Käse, Obst, Brot usw. lässt nun keine Wünsche offen. Hier sollte jetzt für jeden etwas dabei sein! Und es gibt zwei neue Kaffeeautomaten. Nun schmeckt hier sogar der Kaffee, es ist fast wie im Paradies!
Als wird uns kaum noch bewegen können, manövrieren wir unsere Körper ziemlich träge und ungeschickt in den kleinen Aufzug. Oben im Zimmer angekommen planen wir kurz den Tag. Etwas später sind wir beim LIDL gleich unten um die Ecke. Dieser Supermarkt existiert hier erst seit kurzer Zeit und er war lange ein Politikum auf dieser kleinen Insel. Aber die Menschen scheinen diesen Discounter gut angenommen zu haben. Das Angebot steht der deutschen Auswahl in nichts nach. Wer hier eine Ferienwohnung mietet, kann sich hier preiswert mit allem versorgen was man braucht um Spaß am Überleben zu haben.
Vom LIDL aus geht es zum gegenüber gelegenen Einkaufszentrum, in den AlCampo. Dort kaufe ich einen 16GB USA-Stick für das Autoradio in unserem Mietwagen. Der Stick kostet nur 7,99 Euro und es passt da echt viel Musik drauf. So sollte es uns in den kommenden Tagen hier nicht langweilig werden.
Zwar könnte ich auch von meinem Handy die Musik via Audiokabel einspeisen. Ich habe solch ein Kabel sogar dabei, aber das 12Volt Autoladekabel habe ich daheim vergessen und die Halterung für die Windschutzscheibe ebenfalls. Überhaupt habe ich vieles von dem vergessen was ich gern mitgenommen hätte.
Eigentlich hatte ich mir gewünscht mit der genialen kleinen Fuji X100 ein paar eindrucksvolle Infrarot-Aufnahmen zu machen. Aber den Filteradapter habe ich irgendwie verlegt und findet ihn aktuell einfach nicht. Ohne diesen Pfennig-Artikel kann ich den Infrarot-Filter nicht an der X100 befestigen und damit ist der Grund für die „Mitnahme“ entfallen. Sie liegt nun daheim im Bankschließfach
Aber es musste noch weitere Dinge daheim bleiben. So leisten meine Hasselblad-Kameras, die D700, die D300, die Mamiya, die Rolleiflex und vor allem mein heiß und innig geliebtes Teleobjektiv Nikon AF-S VR 4/200-400mm der kleinen Fuji X100 Gesellschaft im dunklen sicheren Schließfach.
Während der letzten Jahre habe ich immer wieder festgestellt, dass man auf Reisen eh nicht mit vielen Kameras gleichzeitig fotografieren kann. Und wenn man nicht allein reist klappt das mit dem „extremen Fotografieren“ meist eh nicht. In der Regel ist der Begleitung zu kalt, sie hat Hunger, muss mal wohin oder findet es einfach langweilig stundenlang den Sonnenuntergang anzuschauen.
Berücksichtigt man all das, so fällt es relativ leicht das Equipment auf das zusammenzustreichen was notwendig und halbwegs sinnvoll ist. Letztlich wird es trotz allem eh wieder viel zu viel sein
In diesem Jahr habe ich folgendes dabei:
- Panasonic Full-HD Videokamera
- Nikon D800E
- Nikon D7000 (Reserve)
- Nikon SB-28DX (Werde ich wohl eh nicht brauchen)
- Nikon AF-D 2.8/10,5 – Für Zeitrafferaufnahmen des Sternenhimmels mit der D7000
- Nikon AF-S VR 4/16-35
- Nikon AF-S 2.8/24-70
- Nikon AF-D VR 80-400
- Nikon AF-S 1.4/50 (Für available light, mal sehen ob das was wird…)
- Nikon AF-S VR 18-55 für D7000
- SAMYANG 2.8/15mm Weitwinkel für D800E
- Kabelauslöser für D800E
- B&W Polfilter 77mm
- B&W Grauverlaufsfilter 77mm
- HAMA IR-72 Infrarotfilter 77mm
- Filteradapter 52-77mm
- Benro Carbon Stativ mit FLM-Centerball 38FT
- Manfrotto Carbonstativ mit Manfrotto Kugelkopf
- Lowe Pro Mini Trecker AW Fotorucksack
- GoPro HD HERO 1080
- Eieruhr mit GoPro Fuß für Zeitraffer-Schwenks
- Sensorswabs & Eclipse Reinigungsfluid
So das war es dann auch schon, eigentlich eine recht übersichtliche Ausrüstung, oder? Ok ok, es ist viel zu viel – ich gebe es ja zu! Allein mit der Nikon D7000 und dem AF-S VR 18-200mm wäre ich wahrscheinlich ausreichend gerüstet. Aber ich hätte sicher ständig das Gefühl im Ernstfall etwas zu verpassen. Und schließlich möchte ich Euch im Januar 2013 schöne neue Beispielfotos und Videosequenzen aus der Nikon D800E präsentieren. Dies ist schließlich das eigentliche Ziel der Reise
Zurück zum AlCampo… Dort wird die vergessene Sonnenbrille „ersetzt“ und es gibt auch noch ein Paar bequeme Sportschuhe. Alles in allem haben wir etwa 20 Euro für „Badezimmerartikel“ ausgegeben. Statt Haarspray, Rasierschaum, Shampoo und Duschgel im Flugzeug zu transportieren haben wir es hier preiswert eingekauft.
Die vergessene Sonnenbrille hat 15 Euro gekostet und die Nike-Sportschuhe gab es für 44,50 Euro. Im Vergleich zu heimischen Supermärkten sind die Preise hier meiner Meinung nach etwas moderater.
Sehr preiswert war die erste Tankfüllung. Ein Liter Super 95 ist hier aktuell für 1,07 Euro zu haben. Tanken muss man nicht selbst und im Preis ist die fachgerechte Reinigung von Windschutzscheibe und Rückspiegeln enthalten. Ein paar Euro Trinkgeld sollte man angesichts dieser guten Serviceleistungen mit einrechnen.
Mit frisch gefülltem Tank geht es dann weiter zu „unserer“ Finca oberhalb von San Juan de la Rambla. Den Eigentümer Jo Schlichting treffen wir leider nicht an, aber Tomy und Sylvia sind da. Als wir eintreffen geben ein paar Gäste geben gerade ihre Bestellungen auf. Wir gesellen uns dazu und freuen uns über Garbanzas, Salat, Aioli mit Brot und ein leckeres frisch gezapftes Bier mit Sprite, das man selbst hier in Afrika als „Radler“ kennt. Es ist kalt, frisch und soooo lecker!
Nach einem Ramazotti und einer kleinen süßen Nachspeise verabschieden wir uns und düsen heim noch schnell zum Aussichtspunkt „El Mazape“ oberhalb des Barranco Ruiz. Hier hat man einen fantastische Sicht in diese raue unwegsame Schlucht. Oberhalb in den Bergen sind einige Häuser zu sehen die sehr typisch für die Kanaren kunterbunt angestrichen sind. Die Aussicht dort oben muss grandios sein, aber die Siedlung liegt so hoch, dass die Wolken bereits die Dächer der Häuser zu berühren scheinen. Wer dort oben wohnt wird viele Tage des Jahres bei Kälte und Nebel in seinen 4 Wänden sitzen. Manchmal fällt es hier schwer zu verstehen warum es immer wieder Häuser an schwer zugänglichen entlegenen Teilen dieser tollen Insel gibt.
Zurück am Hotel erstelle ich einen kleinen „Testschwenk“ mit meiner kleinen GoPro und der Eieruhr. Die Eieruhr ist an der Unterseite magnetisch und so haftet sie ganz großartig am Balkongeländer. Ich ziehe sie auf 30 Minuten auf und stelle die GoPro so ein, dass sie 1 Bild/Sekunde aufnimmt. Nach einer Stunde sind zwei Kameraschwenks mit insgesamt etwa 3500 Bildern aufgezeichnet. Diese kopiere ich schnell mit einem Cardreader auf die zweite Festplatte in meinem MacBook. Anschließend werden die Bilder in Final Cut Pro X importiert. Danach markiere ich sie alle und ziehe sie in das Storyboard. Nochmals werden sie alle markiert, dann zu einem Clip zusammen gefasst. Anschließend verwende ich die Retime-Funktion um die beiden aufgezeichneten Kameraschwenks auf etwa 20 Sekunden zusammen zu schieben. Danach wird das Format von 4:3 auf 16:9 angepasst. Das ganze wird dann im Apple ProRes Format exportiert was echt schnell geht weil nichts komprimiert und hin und her gerechnet werden muss. Für den Upload bei YouTube wird noch schnell eine kräftig komprimierte Kurzfassung erstellt
Am Ende des Tages sitze ich mit meiner Freundin Sandra auf dem Sofa. Während ich diesen Artikel schreibe, läuft im Fernsehen K11. Alles ist sehr entspannt und fast ein wenig wie zuhause, nur ohne Schneematsch und kalte Füße. Statt dessen gibt es Knoblauch,Tapas und leckeren Rotwein. Wenn das kein guter Tausch ist…
Und später unten in der Lobby klappt es dann auch mit dem Internet
Teneriffa 2012 – Tag 1
Anreise mit Hindernissen
Als wir am morgen aufstehen verheißt der erste Blick nach draußen nur wenig gutes. Mein Auto ist fast 20cm hoch mit Schnee bedeckt und es schneit weiter. Der Gedanke bereits am Abend bei einem Glas Rotwein in der Hotelbar auf Teneriffa zu sitzen tröstet mich über das Deutsche Winterelend hinweg…
Die Koffer haben wir schon am Vorabend fertig gepackt vor der Türe abgestellt, so kann es nach einer Tasse Kaffee gleich losgehen. Doch vor den Start meiner Dieselrakete habe die Götter den Schneeschieber gestellt. Aber es dauert nicht lange, da habe ich mich auch schon durch das kalte flockige Weiß hindurch gekämpft. Etwas später auf der Autobahn ist dann ein ziemliches Chaos. Es ist Sonntag, es ist relativ früh am Tag und geräumt ist so gut wie gar nichts. Bis zum Flughafen in Düsseldorf sind es 96 Kilometer, die legen wir bei Tempo 60-80 auf einer festgefahrenen Schneedecke oder in gut sichtbaren Spurrillen zurück. Statt den Flughafen direkt anzusteuern fahre ich zum ICE-Bahnhof. Dort setze ich meine Freundin Sandra und all unser Gepäck in der warmen Wartehalle ab. Danach parke ich mein Auto auf einem alte bekannten öffentlich Parkplatz gleich gegenüber des Gebäudes in dem ich im Jahr 2006 und 2007 eine Weile gearbeitet habe. Nach einem kurzen Fußmarsch bin ich dann wieder am ICE-Bahnhof. Die Schwebebahn bringt uns zielsicher zum Terminal B. Der Check-In für unseren Flug DE7480 mit Condor ist am Schalter 257-261.
Vorab habe ich mich per SMS Dienst informiert ob der Flieger pünktlich startet. Das ist für ePlus Kunden ganz einfach. Man schickt einfach eine SMS mit dem Inhalt „FLUG DUS DE7480“ an die ePlus SMS-Servicenummer 1001. Sekunden später piepst das Telefon und man erhält eine SMS-Bestätigung des Fluges, der Schalter für den Check-In und des Gates für den Abflug. Super!
Von der Haltestelle der Schwebebahn zum Schaltet 261 ist es ein weiter Weg. Wir müssen mit all unserem Gepäck einmal komplett durch den ganzen Düsseldorfer Flughafen laufen und das neue Terminal ist wirklich groß! Der Check-In klappt Problemlos, wir haben die Plätze 34E und 34F – ich darf am Fenster sitzen! Das ist prima, so kann ich ein paar Fotos mit dem Handy schießen.
Der Weg zum Gate 44 ist dann ein echter Irrweg, es geht rauf und runter, links, rechts, Treppe hoch, rechts, links, zwei Treppen hinunter, irgendwann sind wir schließlich doch angekommen. Eine kurze Inspektion der Toiletten ergibt, sie sind etwa so sauber wie Am Flughafen Köln-Bonn, und zugleich in deutlich besserem Zustand als am Flughafen Frankfurt. Nur frage ich mich wer diese Toiletten an die Wand geschraubt hat. Die Oberkante ist etwa 40 cm oberhalb der nüchternen weißen Bodenfliesen…
Als wir am Gate eintreffen ist dort schon echt was los und dabei dachte ich wir wären viel zu früh… Ich hocke mich noch eine Weile auf den Boden, Sitzplätze gibt es keine mehr. Nach etwa 30 Minuten beginnt dann das Boarding. Als ich kurz vor dem Mitarbeiter stehe der gleich meine Bordkarte abreißen will fällt mir ein älterer Mann mit sehr kurzen grauen Haaren auf. Er schaut nicht gut aus, er wankt und hält sich nur mit Mühe an ein Fenster gelehnt aufrecht. Plötzlich springt einer der Fahrgäste aus der Schlange auf in zu „Er kippt, er kippt…“ ruft er uns schon sackt der alte Mann ihm in die helfenden Arme. Mein Flugdienst-Mitarbeiter bemerkt von alle dem zunächst nichts. Er reißt meine Karte ab, wünscht mir einen guten Flug und die unruhige Rentnerschar hinter mir schiebt mich schon in Richtung Shuttle-Bus. Vom Bus aus können wir dann beobachten wie sich um den alten Mann eine Menschentraube bildet. Einige Minuten später trifft dann schon ein Krankenwagen ein.
Im Flieger heißt es lange zu warten. Was ist wohl mit dem älteren Herrn, ob es ihm gut geht? Nach etwa 30 Minuten wissen wir es dann, es geht ihm besser, zwei Sanitäter liefern ihn in unserem Flugzeug ab. Teneriffa ist echt die Insel der Rentner und viele der Fluggäste sind wahrscheinlich gesundheitlich gar nicht mehr in der Lage diese Reise wirklich auf sich zu nehmen. Aber sie tun es dennoch. Aber sie sind nicht das Problem. Als Hauptproblem stellt sich ein hyperaktiver etwa 5 Jahre alter Junge heraus. Seine Eltern lassen ihn gewähren und lesen ihrem kleinen Prinzen jeden noch so winzigen Wunsch von den Lippen ab. Ob sein Name Tobias ist? Ok, nennen wir ihn Tobias – das passt sehr schön zum gleichnamigen Sketch der Comedy-Truppe „Badesalz“.
Dieser Tobias wird während des kompletten Fluges ständig gegen meinen Sitz treten, wild herum schreien, knötern und seine kleinen Gliedmaßen wieder so recken, dass mir fast die Cola aus dem Becher schwappt.
Langsam beginnt sich Kinderhass in ungeahnten Dimensionen in mir auszubreiten und mir kommt das Bild von Arnold Schwarzenegger als Kindergarten-Cop in den Sinn. Kennt Ihr diesen Film? Ich meine die Stelle in der dieser fiese kleine Junge ständig gegen den Sitz von Arnold Schwarzenegger tritt. Irgendwann nimmt er einen Bleistift in die Hand, dreht sich damit zu dem kleinen Jungen herum, hält ihm den Bleistift vor die Nase und sagt die Worte „Wenn Du das noch einmal machst, dann mache ich das hier mit Dir!“ Danach bricht der den Bleistift mit einer einfachen Daumenbewegung in zwei Teile. Eine grandiose Idee des Drehbuchautors. Ich habe heute leider keinen Bleistift zur Hand…
Das Geschrei steckt weitere Kinder im Flieger an. Ein kleines Mädchen kreischt immer wieder Auuuuuaaaahhhh Auuuuuuuahhhhhhh…. Keine Ahnung was ihr weh tut, wahrscheinlich sind es die überstrapazierten Stimmbänder… Als es endlich losgeht und ich einige Minuten später meine BOSE Quiet Comfort Kopfhörer endlich aufsetzen kann, ist die Welt halbwegs im Lot. Wenn nicht Tobias immer wieder gegen meinen Sitz treten würde. Können diese bescheuerten Eltern ihr Kind nicht mal zähmen und ihm sagen was man in einem Flugzeug macht und was nicht?
Nach etwa 5 Stunden ist die Tortur dann endlich überstanden. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich mein iPad dabei hatte und mehrere neue Folgen der 5. Staffel von Breaking Bad anschauen konnte. So ist die Zeit relativ schnell vergangen.
Ab Flughafen TFS (Tenerife-Sur) klappt alles wie am Schnürchen. Während sich Sandra um die Koffer kümmert organisiere ich uns bei Cicar einen Mietwagen, einen „neuen“ Opel Astra. Als wir am Parkplatz 36 eintreffen ist das Auto zwar sauber und halbwegs neu, aber mehrfach beschädigt. Keine Seite ich ohne Dellen und Schrammen. Ein „Nachbar“ der sich eben am Schalter grandios vorgedrängelt hat sagt nur „Das ist doch scheißegal, die Karren sind doch eh alle Vollkasko-Versichert!“ Mir ist es nicht egal, den in der Regel hat man ein „Risiko“ sprich eine Selbstbeteiligung und ich will nicht für die Schäden anderer einspringen müssen. Aber die kleine Cicar „Bude“ ist mal wieder nicht besetzt und ich habe auch keine Lust zurück zum Flughafen zu laufen um mir ein lapidaren „It‘s okay, it‘s okay…“ wie im letzten Jahr anzuhören. Also geht es los, vollgetankt ist er auch nicht, laut Cicar soll er halbvoll sein, es ist jedoch eher ein Viertel als eine Hälfte. Wir sind rein geographisch gesehen in Afrika, das merkt man sehr schnell bei den Mietwagen.
Die Fahrt zu unserem Hotel fahre ich fast wie im Schlaf, so gut kenne ich diese „meine“ Insel inzwischen. Es sind etwa 100 Kilometer und als wir am Hotel Las Aguilas in Puerto de la Cruz eintrudeln ist es schon dunkel. Der Mitarbeiter an der Rezeption spricht ein sehr gutes gepflegtes Deutsch und erklärt uns alles. Auch wenn es noch notwendig wäre, denn es ist schon mein fünfter oder sechster Aufenthalt in diesem recht schönen Hotel.
Die letzten Jahre haben meine Freundin Sandra und ich auf der Finca-San-Juan verbracht. Doch in diesem Jahr ist uns ein recht preiswertes Angebot via Opodo ins Auge gesprungen. Via Neckermann-Reisen hat die gesamte Reise inkl. Flug, Hotel und Frühstück etwa 1.600 Euro gekostet. Ähnlich viel hatten wir im letzten Jahr allein auf der Finca für unser kleines „Eigenheim“ bezahlt. Vom Flug und den Kosten für die Verpflegung ganz zu schweigen. So gesehen ist diese Reise wirklich preiswert!
Nach dem Auspacken unserer Koffer geht es in das Hotel-Restaurant. Ich hatte es in kleiner guten Erinnerung, daher haben wir nur „Übernachtung mit Frühstück“ gebucht. Aber was das abendlich Buffet dann zu bieten hat überrascht uns wirklich. Alles was wir probieren schmeckt sehr gut und es gibt auch einen Flasche mit leckerem Rotwein. So kann der Urlaub beginnen!
Frustrierend sind dann aber die ersten Versuche mein MacBook in der 5. Etage in das WLAN des Hotel einzuhängen. Ich habe für 7 Tage bezahlt, 20,- Euro kostet das. Es wird auch ein WiFi Netzwerk mit dem verheißungsvollen Namen „Las Aguilas WiFi“ angezeigt. Aber der Connect klappt einfach nicht. Erst unten in der Lobby klappt es dann. Doch die Verbindung ist quälend langsam und die ersten Fotos des Tages habe ich oben auf dem Zimmer auf meinem Telefon.
Aber egal, Ihr habt vielleicht auch mal Spaß an einem Post in dem es nur was zu lesen gibt, oder?
Sobald ich schöne Bilder habe versuche ich sie hier für Euch zu zeigen. Jetzt geht es aber erst einmal unter die Dusche und dann ins Bettchen. Es war ein langer anstrengender Tag. Was der kleine Tobias jetzt wohl macht? Ober er die Sprungfestigkeit der Matratzen in einer kleinen Ferienwohnung testet, ein paar Gläser umwirft und seinen total verständnisvollen Eltern den letzten Nerv raubt? Ich werde es wahrscheinlich nie erfahren und das ist sicher auch besser so…
Gute Nacht
Was Frauen denken…
…könnt Ihr in diesem ausführlichen und sehr schön bebilderten Artikel lesen den die liebe Sandra heute veröffentlicht hat. Alle Bilder sind mit einer Nikon D5100 und dem Nikon AF-S VR 55-300mm oder dem AF-S VR 18-55mm Kit-Objektiv gemacht.
Schnuppert mal hinein, es lohnt sich

Zum Jahresende
Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere, aber irgendwie ist er dennoch anders. Jahr für Jahr ertappe ich mich dabei wie ich mich auf Sylvester freue, es ist ein Abschluss und der Beginn einer neuen Runde. Im Grunde genommen hat das alles nichts zu bedeuten, wenn da nicht die Symbolhaftigkeit wäre. Während der Tage vor Sylvester frage ich mich manchmal ob sich ein Läufer kurz vor der Ziellinie nicht ähnlich fühlt. Klar ist er außer Atem, die Beine schmerzen, aber die Ziellinie ist nur ein Kreidestrich auf dem roten Boden, aber ihre Symbolhaftigkeit ist ähnlich wie bei Sylvester, was nicht mehr als ein Tag im Kalender ist.
Nach der Ziellinie weiß der Läufer ob er gewonnen hat oder nicht, er geht heißt duschen und beginnt mit dem Training für den nächsten Wettkampf. “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” – das ist Sylvester und das ist heute!
Geld für Feuerwerk habe ich wie auch in früheren Jahre nicht ausgegeben. Einmal habe ich versucht bei “Brot statt Böller!” mit zumachen, aber die Brote sind nicht explodiert, es war langweilig und später habe ich Paniermehl daraus gemacht
Und ein schönes Feuerwerk wird es hier heute auch nicht zu fotografieren geben, dazu müsste man hier nachts auf der Godesberg oder dem Ölberg stehen. Was macht man in solch einer Situation, man greift auf sein Archiv zurück…
Hier sind sie meine “offiziellen” Sylvester-Fotos – irgendwie ist es ein “Neutrino-Feuerwerk” – man kann es sehen bevor es statt fand.
Diese Bilder sind Sylvester 2008 mit der Nikon D300 und dem AF-S VR 3/200-400mm samt Teleconverter auf Wolfgangs Terrasse auf Teneriffa entstanden.
@Karin & Wolfgang: Nochmal danke für die immer wieder schönen Zeiten auf “Deiner Insel”. Ich halte es mit dem Terminator und verspreche “Ich komme wieder”
1) Noch ist alles ruhig – wir warten auf die erste Rakete…
2) Es ist immer noch keine Rakete in Sicht, aber die Spanier essen gerade ihre Weintrauben. Also drehen wir mal bei langer Belichtungszeit am Zoomring.
3) Endlich geht es los, es zischt und pfeift überall…
4) Die Show ist vorüber, jetzt ist Gelegenheit gemütlich beisammen zu sitzen und das neue Jahr zu begrüßen.
Meinen treuen Leserinnen und Lesern möchte ich hiermit ein schönes Fest, einen guten Rutsch und ein glückliches und gesundes Jahr 2012 wünschen.
Nikon AW-100 – Fliegen mit German Wings
Während Sandra im Badezimmer ist, drehe ich mit der Nikon AW-100 eine letzte Runde auf unserer kleinen Finca. Bislang ist die AW-100 ungenutzt, daher will ich noch schnell einige kleine Abschiedsfotos damit machen.
Alle Bilder sind wie immer 1000 Pixel breit oder hoch – einfach anklicken um die 1000er Größe zu sehen…
Im letzten Jahr war es ein Desaster, der Rückflug mit German Wings war kein wirklich schönes Erlebnis. Heute geht es um 8h45 zum Frühstück. Die Crew der Finca San Juan ist noch ein wenig angeschlagen vom aufwändigen Weihnachtsdinner des Vorabends. Es war spät und heute sind sie schon um seit 7h damit beschäftigt das Weihnachts-Brunchen vorzubereiten. Die Gastronomie ist kein einfaches Geschäft. Frühstück gibt es eigentlich ab 9h. Als ich um 8h45 vorsichtig nachschaue ist aber schon fast alles fertig und wir sind sofort ganz herzlich eingeladen, es uns ein letztes Mal so richtig gut schmecken zu lassen.
Der Abschied fällt schwer und ist wirklich herzlich. Um 9h20 sitzen wir in unserem silbernen Mietwagen und fahren ein letztes mal die vielen Kurven hinab zur Hauptstraße am Meer. Meinen USB-Stick habe ich schon “eingesammelt” – nur so werde ich ihn mit Sicherheit nicht bei der Rückgabe des Mietwagens vergessen. So wird die Fahrt zum Südflughafen eine introvertierte stille Angelegenheit. Sandra und ich hängen unseren Gedanken nach, überlegen was es im schon fast vergangenen Jahr noch alles zu erledigen gilt. Ich lasse die vielen schönen Eindrücke Revue passieren. Der morgendliche Stau vor La Laguna bleibt heute aus, die Menschen sind noch daheim und genießen den freien Tag, es ist Weihnachten!
Ohne auch nur einen Stopp fahren wir entspannt zum Flughafen Tenerife-Sur. Es sind kaum Autos unterwegs, wir sind nach etwa 90 Minuten bei der Rückgabestation für Mietwagen. Unseren Wagen parken wir in der Parkbox Nr. 20. Es ist ein CICAR-Mitarbeiter in der Nähe, aber er ist mit einem anderen Auto beschäftigt. Also schließen wir das Auto ab, nehmen uns einen Gepäckwagen und wandern in Richtung Terminal. Beim CICAR-Schalter gebe ich kurz die Schlüssel ab und sage dem Mitarbeiter wo das Auto steht. Besser ist das, bei der vorletzten Teneriffa-Reise ist mir erst nach der Sicherheitskontrolle aufgefallen, dass ich die Autoschlüssel noch in der Hosentasche hatte. Damals musste ich wieder zurück, die Schlüssel abgeben und noch einmal durch die Sicherheitskontrolle. Heute denken wir rechtzeitig an unseren kleinen Zwischenstopp am CICAR-Schalter!
Der Check-In für unseren Flug mit German Wings ist am Schalter 25 und 26. Wir stellen uns am Schalter 26 an, es sind noch mehr als zwei Stunden bis zum Abflug, aber heute sind beide Schalter schon geöffnet. Vor uns stehen 5 Paare mit ihrem Gepäck. Wir bleiben dicht bei unseren Koffern. Der neueste “Trick” der Diebe ist es, sich unter die Wartenden zu mischen und sich in einem unbemerkten Augenblick heimlich mit einer Notebooktasche oder anderen Wertgegenständen davonzuschleichen. Das wollen wir unbedingt vermeiden! Lange müssen wir nicht warten, nach etwa 20 Minuten sind wir an der Reihe. Zwischendurch mogelt sich scheinbar immer wieder ein Paar von der rechten Seite an den Schalter, aber es sieht nur so aus. Sie waren sehr früh hier und haben die Schlange angeführt. Aber ihr großer dunkelroter Koffer war viel zu schwer. Sie mussten auspacken, wegwerfen und ins Handgepäck umladen. Immer wenn ein Paar fertig ist, kommen sie dazwischen und wiegen ihr großes dunkelrotes Monstrum aus, immer wieder ist es noch zu schwer. Er schwitzt und ist total genervt, sie steht irgendwann ein wenig fassungslos daneben. Als wir an der Reihe sind unternimmt er einen neuen Versuch! Bingo, der Koffer hat endlich 20 Kilogramm. Sie dürfen passieren.
Nun kommt mein Koffer auf die Waage, was er wohl wiegen wird? Die Wage pendelt sich bei 20.0 KG ein – Punktlandung! Dann Sandras Koffer mit dazu, die Waage pendelt und zweigt 19,0 KG an – Bingo wir müssen nichts umpacken. Dass mein kleiner schwarzer neuer “Fotokoffer” fast 16 KG wiegt kontrolliert niemand. Die Idee mit diesem kleinen neuen Koffer war gar nicht schlecht und sie ist viel bequemer als die ganze Zeit einen wirklich voll gepackten schweren Rucksack auf den Schultern zu tragen. Ich denke, dass ich das künftig genau so beibehalten werde. Vielleicht kommt dann aber der Fotorucksack in den Koffer. Das trägt sich einfacher und man hat noch Platz für eine Jacke und andere Kleinigkeiten, sehr praktisch!
Die nette Dame fragt uns sogar wo wir sitzen wollen. Ich wünsche mir einen Platz am Fenster auf der linken Seite, irgendwas zwischen Reihe 10 und 13. Und es klappt auf Anhieb, wir bekommen die Plätze 10A und 10B. Meist starten die Flieger in nördlicher Richtung, sitzt man links hat man einen schönen Blick auf den majestätischen Pico del Teide. Ich habe meine kleinen Nikon AW-100 in der Hemdtasche. Die ganzen Piepstöne habe ich ausgeschaltet und so will ich unbemerkt ein paar Bilder und Videos erstellen während wir starten.
Hier ein Handyfoto aus dem HTC-Desire HD…
Es geht zum Gate 29. Eine Weile später wird klar, das Gate hat sich geändert, wir müssen zu Gate 27. Kurz nachdem wir dort eintrudeln geht es schon los mit dem Boarding. Leider können wir nicht direkt in den Flieger marschieren sondern müssen mit dem Bus fahren. Wir bekommen einen Platz im ersten Bus. Als er voll ist, fährt er ein Stück vor und bleibt dann mit geöffneten Türen im Schatten stehen bis auch der zweite Bus startklar ist. Dann geht es quer über das Flugfeld zu unserem Airbus A319. Die Türen öffnen sich und die Menschen stürmen das Flugzeug als gäbe es dort 10 Exemplare des iPad II für 99,- Euro/Stück zu kaufen. Ich stürme mit ihnen die Gangway hinauf. Wir schaffen es mit dem ersten Schwung der Fluggäste in die Maschine. Ich finde einen Platz für meinen großen schweren Fotokoffer! Geschafft, wir sind drin! Meine Notebooktasche muss während des Starts auch nach oben, wir sitzen am Notausgang. Hey super, auch diese Rechnung ist aufgegangen. Wir sitzen nur zu zweit und haben richtig viel Beinfreiheit. So kann man auch mit German Wings fliegen!
Hier ein Handy-Knipsbild meines “Handgepäcks”. In diesem Koffer sind etliche Objektive sowie die D700 und die D7000 – 16 Kilo wiegt der Spaß – ohne Laptop…
Die Maschine startet auf die Minute genau um 12h40, es ist Weihnachten! Ich zücke meine kleine Nikon AW-100 und versuche sie so ruhig wie möglich zu halten, was gar nicht so einfach ist. Nach ein paar Minuten haben wir Teneriffa verlassen und der Pico del Tiede ist außer Sichtweite. Nach dem Sicherheits-Check hat Sandra noch belegte Brötchen und etwas kaltes zu trinken gekauft. So kann man es auch bei German Wings aushalten, man muss es nur wissen! Während die anderen Gäste später ständig in ihrem Handgepäck kramen und nach Geld für Getränke und kleine Snacks suchen, beißen wir genüsslich in unsere mitgebrachten Brötchen.
Hier ein paar Fotos die ich durch das Fenster des Notausganges mit der AW-100 gemacht habe. Die “Originale” waren blass und hatten einen harten Cyan-Stich – daher habe ich sei ein wenig aufpoliert…
Nach dem Essen hole ich mein neues iPad heraus. Darauf sind noch zwei Filme die ich mir vor der Abreise in Deutschland von einigen DVDs auf das iPad kopiert habe. Dafür gibt es im Apple APP-Store ein kleines nettes Programm, die Qualität ist super und mit meinem BOSE Quiet-Comfort Kopfhörer ist sogar der Ton laut genug – super! Das iPad spielt beide Filme ab, insgesamt laufen sie über drei Stunden. Danach ist die Akku-Ladung noch bei 78%. Das ist wirklich cool, dieses Gerät würde also auch auf einem Interkontinental-Flug mehrere Filme abspielen. Ich denke eine Akku-Ladung würde locker für 8 bis 9 Stunden ausreichen, diese glänzende silberne Flunder ist eine wirklich gute Multimedia-Zentrale für lange Flüge.
Zurück zum Flug, während des Starts und einige Minuten danach ist der Himmel klar und der Pico del Teide wunderbar zu sehen. Später fliegen wir über ein schier endloses Wolkenmeer. Als wir Spanien erreichen reißen die Wolken auf, die Sicht ist wunderbar und ich beginne mich auf daheim zu freuen. Während dessen denke ich mir, dass es dort unten geniale Strecken für eine wirklich lange Motorradtour geben müsste. Irgendwann würde ich das mal mit einer BMW R1200 GS ausprobieren.
Was man hier vom Flieger aus sieht scheint mir dieser Teil der Weltkarte zu sein.
Wenn ich mich nicht ganz doll verguckt habe ist es genau dieses Gebirge.
Die Ankunft in Köln ist auf die Minute genau pünktlich um 18h15, ich bin beeindruckt. Wie auf Teneriffa gibt es einen Bus-Shuttle zum alten Terminal. Dieses ist inzwischen komplett renoviert und man erkennt es kaum wieder. Unsere Koffer sind nach einige wenigen Minuten da, gleich nebenan gibt es für 1,- € einen Kofferwagen. Nun geht es los in Richtung P3, es ist ein Stück zu laufen und es tut nach dem langen Sitzen richtig gut. Kurz vor dem Übergang zu Terminal 1 ist auf der rechten Seite ein REWE-Markt. Ich passe kurz auf das Gepäck auf, Sandra geht schnell einkaufen. Was für ein toller Service, es ist Weihnachten und wir bekommen hier frisches Brot, Tomaten, Käse, Wurst, alles was das Herz begeht – super!
Nach 10 Minuten Fußweg sind wir am P3. Aus der Ferne hören wir eine Sirene, sie kommt näher. Ein Krankenwagen zischt um die Ecke, ein Polizeifahrzeug gleich hinterher. Als wir oben auf der vierten Ebene bei meiner Dieselrakete sind trifft auch die Feuerwehr ein, was ist hier los?
Schnell ein paar Knipsbilder mit dem Handy…
Auf dem Heimweg hören wir SWR3, die Straßen sind frei, es gibt leichten Nieselregen. Meine Dieselrakete hat 16 Tage gestanden und läuft trotzdem wie ein Uhrwerk. Alles ist problemlos, ein wirklich tolles Auto ist das. Und der Unterschied des inkl. Gepäck und Insassen etwa 2040 Kilo schweren Autos zum leichten Opel Astra ist frappierend. Mein 407 Coupé liegt wie ein Brett auf der Straße, wie hat Tobias es mal genannt – “Eigentlich ist es ein ganz schöner Gleiter” – das ist er – ich bin wieder daheim!
Als wir daheim eintreffen ist sogar der Parkplatz frei von dem wir losgefahren sind, fast so als wären wir gar nicht weg gewesen. Im Briefkasten findet ich viele liebe Weihnachtsgrüße, was für eine schöne Überraschung.
Hier nochmals vielen Dank für all die lieben Grüße!
So, nun werden die Koffer ausgepackt, die Wäsche gewaschen und dann geht es an den Jahresabschluss – wer “selbständig ist” ist selbst ständig tätig und wenn es nur ein Artikel für den BLOG ist
Frohe Weihnachten!
Kurzer Nachtrag:
Nach den Erfahrungen vom letzten Jahr wollte ich eigentlich niemals wieder mit German Wings fliegen. Aber dieser Flug war wirklich völlig problemlos und pünktlich. Wir konnten diesmal ganz toll sitzen, direkt am Notausgang, es war wirklich super. Dass es kein Board-Entertainment gibt, nicht einmal Musik, das konnten wir verschmerzen, ich hatte ja mein iPad dabei. Letztlich könnte man sagen:
Ich habe mich mit German Wings ausgesöhnt und würde ihnen nach dieser Erfahrung jederzeit wieder ein Chance geben.
Heimkehr aus dem Paradies
Als mein Wecker das erste Mal klingelt ist es 6h30. Ich bin zu verschlafen um ihn abzustellen, Sandra schreckt hoch, ich patsche auf das Display, er ist leise, wie gut das tut. 10 Minuten später das gleiche Spiel, nun gelingt es mit den Wecker abzustellen. Um 7h51 schreibe ich diese Zeilen. Ich bin frisch rasiert, die Koffer sind gepackt und in einer Stunde gibt es Frühstück – wir sind heute sogar VOR dem Zeitplan.
Hinter und liegen 14 Tage auf einem Mikrokosmos der es mir angetan hat. Hier gibt es alles was man braucht um gut Leben zu können. Wer sie sucht findet im Teno- oder Anaga-Gebirge die totale Einsamkeit. Man kann wunderbare Wanderungen unternehmen, das Klima ist herrlich mid, meist scheint die Sonne. Die Menschen sind nett und zuvorkommend, man könnte das Wasser aus der Leitung trinken. Das Essen schmeckt hier auf der Finca San Juan auch mit dem neuen Küchen-Team wirklich gut. Aber es gibt auch unzählige Restaurants mit wirklich frischem Fisch und leckerem Essen.
Trotzdem freue ich mich jetzt auch auf mein Zuhause, meine Familie und Freunde, auf Klöße und Rheinischen Sauerbraten, auf Bratwurst mit Rotkohl und Kartoffelpüree und vieles mehr.
Ich habe mich gut erholt und wieder viel zu viel Gepäck dabei gehabt. Mein großes Teleobjektiv das ich extra für den Tag im Loro Parque mitgeschleppt hatte, habe ich an genau diesem Tag auf der Finca im dunklen Kleiderschrank vergessen. Es ist nicht alles gelaufen wie geplant aber irgendwie doch ganz gut. Es war wieder ein absolut stressfreies Weihnachten.
Nun hoffe ich, dass es beim Einchecken bei German Wings nicht wieder den gleichen Mist wie im letzten Jahr gibt. Da hatten viele Reisende keine separate „Kofferbuchung“. Auch wir hatten nur EINEN Koffer gebucht, wollten aber zwei Koffer aufgeben. Der zusätzliche Koffer hätte 19 Eurp gekostet, eigentlich kein Ding, hätte ich ja gern bezahlt. Aber die Dame am Schalter konnte das Geld nicht annehmen. Wir hätten einmal quer durch den Flughafen laufen müssen. Und weil sie uns den zweiten Schalter vor der Nase zu gemacht haben als wir endlich an der Reihe waren, mussten wir uns damals erneut an der anderen Schlange anstellen. Damit waren wir dann die allerletzten Reisenden die für diesen Flug einchecken wollten. Dann noch die Querelen mit dem Koffer, es war ätzend. Letztlich sind wir im Laufschritt zum Gate geeilt und haben als letzte Reisende den Flieger betreten. Sandra hatte auf ihrer Bordkarte einen Fensterplatz stehen, aber in der letzten Reihe gab es kein Fenster. Ihre Platzangst hat sie ziemlich gemartert.
Das war ein echt blöder Flug und ich habe mir damals geschworen nie wieder mit dieser Airline zu fliegen. Daher habe ich die diesjährigen Flüge auch über TUI gebucht. Als dann die Buchungsbestätigung kam stand darauf, dass der Hinflug mit Air Berlin durchgeführt wird (was völlig problemlos und reibungsfrei funktioniert hat) und der Rückflug eben wieder mit German Wings.
Na ja, ich bin gespannt was uns heute erwartet…
Ein Tag (fast) ohne Fotos
Tag 15 – Der letzte Urlaubstag
Als wir an unserem letzten Urlaubstag zum Frühstück gehen ist es windig und nur etwa 16°C warm. Der warme Süd-Wind hat gedreht und weht jetzt aus Nord-Ost. Damit sind die sonnigen warmen Tage im Norden der Insel erst einmal wieder Geschichte. Im Süden ist es trotzdem an vielen Orten warm und sonnig, mir manchmal zu warum und zu sonnig – meine Haut ist nur Neonlicht gewöhnt…
Den Tag verbringen wir mit der Sichtung unserer fotografischen Ausbeute. Wir packen die Koffer und sortieren aus was in den Müll kann. Um 19h treffen wir und mit Karin und Wolfgang zum Weihnachtsessen bei einem Thailänder in Puerto de la Cruz. Später gibt es noch ein Eis am Plaza de Charco, das war es dann auch schon. Heiligabend ganz ohne Stress und bei 17°C um 21h noch ein Eis essen.









































































































































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