Alles über Fotografie, Autos, Motorräder…

Beiträge mit Schlagwort “Nikon

Photokina 2014 – Top oder Flop?

Mit dem Siegeszug der Digitalfotografie konnten sich die Kamera-Hersteller über viele Jahre hinweg über stetig steigende Umsatzzahlen freuen. Doch diese fetten Jahre sind inzwischen vorbei. Der Markt ist gesättigt, in fast jedem Haushalt schlummert eine moderne digitale Kamera und wartet auf Motive die oft über Monate hinweg nicht kommen wollen. Viele potentielle Kunden verwenden ihre teure Kamera nur im Urlaub und interessieren sich ansonsten nicht weiter für die Superlative welche die Kamerahersteller immer wieder durch ihre Marketing-Abteilungen an die Presse weiterleiten lassen.

Vor diesem Hintergrund war die Photokina 2014 ein von vielen Herstellern mit Spannung erwartetes Event. Ob die Erwartungen erfüllt wurden und welche Tops und welche Flops es gab wollen wir uns hier kurz anschauen.

Meine Liste ist natürlich nicht vollständig und von meinen persönlichen Vorlieben geprägt. In den letzten Tagen habe ich lange hin und her überlegt ob ich überhaupt etwas zur Photokina schreiben soll. Dann hatte ich die Idee eine “Liste der Innovationen” hochzuladen, die nichts als eine schwarze Bitmap enthalten sollte. Aber ganz so schlimm war es dann ja doch nicht…

Nikon D750

Nun ist sie da, aber braucht die Welt diese Kamera wirklich? Mit der D750 schiebt Nikon eine weitere Vollformatkamera in die Lücke zwischen D610 und D810.

D750_ambience_1

Technisch ist sie auf dem aktuellsten Nivea, sie kann alles was man sich nur wünschen kann, sie ist schnell, hochwertig verarbeitet, fühlt sich gut an und liefert tadellose Ergebnisse. Preislich ist sie knapp unterhalb der D800 angesiedelt und es gibt neben Wifi endlich ein schwenkbares Display. Bei Olympus, Panasonic & Co gibt es dieses Features schon seit Jahren und hier hat Nikon endlich etwas nachgeliefert was längst überfällig war. Allerdings wird man angesichts der Nikon APPs für iOS und Android am neuen Wifi-Feature nur wenig Freude haben. Das können die Wettbewerber beispielsweise bei Panasonic und Olympus bislang eindeutig besser. Hier sollte Nikon schnellstens nachbessern!

D750_80_400_MBD16_frt34r

Bei der D750 hat Nikon im wesentlichen Detailarbeit geleistet, wirkliche Innovationen sucht man vergeblich. Wem das Erlebnis des Fotografierens mit einem etwas größeren griffigen Kamerakorpus gleichgültig ist, der wird mit einer Nikon D600 oder D610 zum deutlich niedrigeren Preis die gleichen Ergebnisse erzielen.

D750_LCD_GrpAreaAF_illumination_E

D750_LCD_MonitorColor_E

Der Korpus der Kamera besteht aus robustem Magnesium, eine Innovation ist es nicht, aber es ist eben kein billiges Polycarbonat…

D750_MB_Mgbody_01

Die Detailarbeit macht sich bei den Video-Modi bemerkbar. Wer allerdings auf Support für 4K Videos gehofft hat wird enttäuscht sein. Was es bei der Panasonic GH4 schon seit Monaten gibt, sucht man bei der deutlich teureren Nikon D750 vergeblich. Aber die Framerates erlauben endlich die Flexibilität die man sich in einem Setup mit mehreren Kameras wünscht. Ich ärgere mich immer wieder, dass die Olympus OM-D EM-1 zum Preis von 1.500 Euro für den Korpus lediglich mit 30 B/s in 1080p filmen kann. Wo ist das Problem der Kamera auch 25 und 24 Bilder pro Sekunde beizubringen? Beim Videoschnitt ist es immer wieder mehr als ätzend wenn man einen Film aus Sequenzen zusammenstellen muss die mit unterschiedlichen Framerates aufgenommen wurden.

Bei ruhigen Szenen ist es kein Problem aber sobald Objekte gefilmt werden die sich mit kontinuierlicher Geschwindigkeit bewegen gibt es im fertigen Film bei unterschiedlichen Bildraten eine sehr unangenehmes Rucken. Der Grund ist so einleuchtend wie einfach. Zwar können moderne Schnittprogramme mit allen Arten von Framerates umgehen, aber sie lassen sich eben nicht so einfach konvertieren. Fügt man eine Sequenz die mit 30 B/S aufgenommen wurde in ein Videoprojekt ein das auf 25 B/s basiert, so müssen einzelne Frames/Bilder ausgelassen werden. Dass das Ergebnis nicht mehr flüssig läuft ist klar. Fügt man einen Clip mit 24 B/s in ein Projekt ein das auf 30 B/s basiert so müssen einzelne Bilder mehrfach angezeigt werden um von 24 auf 30 B/s zu kommen. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen nur wenig zufriedenstellend.

D750_LCD_MOVIE_FrameRate_E

Aus diesem Grund ist es keine wirklich gute Idee Clips aus einer Nikon D7000 (24 B/s) mit Clips aus einer Olympus OM-D EM-1 (30 B/s) zu mischen. Kommt noch eine Kamera wie die Panasonic GM1 hinzu, die fest mit 25 B/s filmt, wird es nicht besser… Ich habe nur wenig Verständnis für diese Politik der Kamerahersteller. Wenn man einer Kamera für 1500 Euro einen Video-Modus spendiert, dann sollte der Anwender auch zwischen 24, 25 und 30 B/s wählen können. Wenn eine Kamera wie die D750 darüber hinaus 50 und 60 B/s im Angebot hat, so ist das mehr als begrüßenswert für alle die mal eine schöne Zeitlupe in ihr Videomaterial integrieren möchten. Hier hat endlich mal jemand mitgedacht…

Das schwenkbare Display der D750 ist recht praktisch sobald Motive aus ungewöhnlichen Positionen fotografiert werden sollen. Das Problem dabei, man kann dieses Feature nur im Live-View Modus nutzen und ist dann auf die Arbeit mit dem langsamen Kontrast-basieren Autofokus angewiesen. Eine Freude ist das nicht und auch hier sind Systemkameras wie beispielsweise eine Olympus OM-D EM-1 deutlich im Vorteil!

D750_24_85_back34r_2

D750_24_85_back34r_1

Alles in allem ist die Nikon D750 eine grundsolide Vollformatkamera die alles kann was man als sich als Foto-Amateur wünschen kann. Die Bildqualität ist exzellent und das erprobte durchdachte Bedienkonzept noch immer wegweisend.

D750_20_1.8_front34l

Einen echten Meilenstein wie bei der Nikon D2x oder der D3 hat Nikon mit der D750 aber nicht abgeliefert. Nichts an dieser Kamera ist schlecht, aber es ist eben auch nichts revolutionär. Und genau das wird das Problem sein. Warum soll man diese Kamera kaufen wenn man beispielsweise schon eine D700 hat?

Panasonic CM1

In den letzten Jahren haben Mobiltelefone schrittweise das Fotografieren und Filmen gelernt. In den Känguru-Chroniken wurde schon vor längerer Zeit ein Witz gemacht in dem das Känguru eine Kamera erfand mit der man auch telefonieren kann. Diesen Witz hat man bei Panasonic ernst genommen und mit der CM1 ist in einigen Wochen zum Preis eines iPhone 6 mit 128GB ein Android basiertes Smartphone mit revolutionär guter Kamera verfügbar. Wer von seiner kleinen Bridgekamera allerdings ein Zoom-Objektiv gewöhnt ist wird auch hier enttäuscht sein. Panasonic hat hier eine ganz ordentliches Weitwinkel verbaut, ein Objektiv das einem 28mm Kleinbild-Weitwinkel entspricht. Das ist ganz nett, aber auch nicht revolutionär.

lumix-smart-camera-dmc-cm1_panasonic-100436921-primary.idge

 

Lytro Illum V2

Die neue Lichtfeldkamera aus dem Hause Lytro ist nun endlich verfügbar. Vom Spielzeug-Flair des ersten Modells ist nichts geblieben. Die neue Lytro Ilum V2 sieht fast aus wie eine “normale Kamera” und das ist auch gut so :-)

In diesem Video wird sehr schön erklärt was an der Lytro Illum so besonders ist.

Diese Kamera ist aus meiner Sicht die einzige echte Innovation der diesjährigen Photokina in der Sparte der Kameras. Es ist dem Hersteller nur zu wünschen, dass dieses sehr ungewöhnliche Konzept gut aufgenommen wird. Spannend finde ich, dass es den Lytro Desktop nun auch für OS-X gibt und dass man damit kleine Film-Clips exportieren kann. So lassen sich die ungewöhnlichen Fotografien beispielsweise in ein YouTube-Video integrieren. Ein Konzept mit viel Potential von dem wir hoffentlich noch viel zu hören und zu sehen bekommen werden!!

JOBO GYROpod SP-1 und MD-1

In meiner Jugend kannte ich den Hersteller JOBO eher als Lieferanten von Filmentwicklungsdosen mit poppig roten Plastikdeckeln. Mit dem Niedergang der traditionellen Fotografie hat man bei JOBO reagiert und war in den letzten Jahren stets auf der Suche nach Nischen im prall gefüllten Fotoangebot. Nach den innovativen Gorilla-Pods gibt es nun die echt saucoolen GYROpod Stative. Die Dinger sind nicht ganz preiswert aber ein Knaller in Form und Funktion. Auf ein solches Gadget haben Amateurfilmer in aller Welt lange gewartet. Damit wird ein iPhone oder eine kleine Panasonic GM1 zur (fast) perfekten Steady-Cam.

Jobo-GyroPod-SP1

Leider ist die etwas größere Ausführung für “erwachsene” Kameras mit einem Listenpreis von rund 700 Euro nicht ganz preiswert ausgefallen. Aber angesichts dessen was hier an Hightech drin steckt ist dieser Preis durchaus angemessen. Wem beim Filmen das Hantieren mit dem sperrigen Stativ auf den Geist geht, der liegt mit dem GYROpod MD-1 künftig genau richtig!

Jobo-GyroPod-MD1

Dieses System ist für mich der heimliche Star der Photokina 2014, es ist innovativ und bislang einzigartig – so sollten Produkte sein die auf einer Messe wie der Photokina vorgestellt werden.

Top oder Flop?

Meiner Meinung nach war die Photokina 2014 eher ein Flop. Der Markt ist mehr als übersättigt und echte Innovation ist auch in diesem Jahr absolute Mangelware.


USA-2014 – Tag 26 – Rainbow Bridge

Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vor ein paar Tagen hat sich meine Sandra eine Tour mit einem Schiff zur Rainbow Bridge gewünscht. Diese konnte man auch problemlos online buchen. Die erste Tour startet um 7:30 an der Wahweap Marina die etwa auf halbem Weg zwischen Page und Bigwater gelegen ist. Das Areal ist ein National Park, daher muss man entweder 15$ Eintritt zahlen oder sich mit einer Jahreskarte (Annual National Park Pass) zum Preis von 80$ “bewaffnen”.

Die Rainbow Bridge ist weltweit die größte freitragende natürliche Brücke und ein Heiligtum der hier lebenden Indianer. Erreichbar ist sie zu Fuß wenn man bereit ist eine mindestens zweitägige Wanderung auf sich zu nehmen. Wer wandern möchte lässt sich am besten von einem Shuttle-Service zum Trailhead beim Navajo Mountain bringen, wandert zur Rainbow Bridge und kehrt 2-3 Tage später mit dem Boot zurück. Alternativ kann man auch hin und zurück wandern, was aber sehr anstrengend ist und man auch Gefahr läuft, dass bei der Rückkehr das Auto auf dem Parkplatz beim Navajo Mountain komplett geplündert wurde. Dies kommt nicht selten vor, weil klar ist, dass jeder der hier aufbricht frühestens nach zwei Tagen zurückkehrt. Genug Zeit um Reifen, Benzin und sonstige Dinge von einem Auto abzumontieren oder abzusaugen.

Wer es einfacher haben möchte, er bucht für 125$ pro Nase eine komplette Tour mit einem Boot. In der Eingangshalle des Lake Powell Resorts gibt es die Tickets. Wer nicht vorbestellt hat kann auch dort direkt mit Kreditkarte etc. bezahlen. In der Wartezeit bis das Boot startklar ist kann man in der Lounge kostenlos das freie WiFi benutzen, es gibt einen Kiosk mit Kaffee, Tee und kalten Getränken. Wer mag kann für den Ausflug auch Sandwiches kaufen.

Da die Rainbow Bridge sehr weit entfernt ist, dauern An- und Abreise jeweils etwa 3 Stunden. Der Aufenthalt bei der Rainbow Bridge beträgt 1,5 Stunden wovon jeweils ca. 30 Minuten für die Wanderung hin und zurück zu veranschlagen sind. Wer dort fotografieren will hat also ca. 30 Minuten um seine Bilder aufzunehmen!!

Weil es heute teilweise ganz entsetzlich heiß war und uns die Sonne völlig gnadenlos das Hirn gebraten hat, will ich heute mal keine lange Geschichte erzählen sondern einfach nur ein paar Fotos die Geschichte des Tages für sich sprechen lassen. Wer die Bilder in höherer Auflösung anschauen möchte, der kann sie einfach anklicken. Dann gelangt man zu flickr.com, wo man sie auch als Diashow ansehen kann.

Morgen geht es weiter in Richtung Las Vegas und am 30. Mai dann wieder zurück nach Deutschland.

Tiny People @ Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Lake Powell #3

Lake Powell #2

Little Rainbow Visitor #2

Little Rainbow Visitor #1

Lake Powell #1

Rainbow Bridge Boat Trip

Rainbow Bridge Boat Trip #6 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #5 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #4 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #2 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm


USA-2014 – Tag 25 – Page Arizona

Nikon_1V1_IR700nm_DSC6190

Den letzten Tag in Utah beginnen wir mit einem gesunden Frühstück beim Escalante Outfitters. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt dazu eine Schüssel mit Obst, Orangensatz und eine große Tasse Kaffee. Gegen 11h sind wir startklar, ich gebe schnell den Schlüssel ab und schon sind wir unterwegs nach Süden. Auf dem Dach unseres riesigen Mietwagens habe ich meine GoPro HD HERO 3+ positioniert. So kann ich wenigstens einen Teil der Gegend südlich von Escalante festhalten.

Während wir Henryville passieren überlege ich wo wir eigentlich nach links in die Cottonwood Canyon Road abbiegen müssen. Ein Hinweisschild finden wir nicht und auf meinem GPS kann man auf der topografischen Karte vor lauter Höhenlinien kaum noch Straßen erkennen. Als wir im Örtchen Fruita angekommen sind kommt es mir alles seltsam vor. Wir können den Bryce Canyon schon am Horizont sehen, hier muss es doch irgendwo links abgehen. Ich war eine ganze Weile nicht hier uns so herum bin ich die Cottonwood Canyon Road, oder kurz Cottonwood Road, noch nie gefahren. Wir versuchen es mal mit einer etwas größeren Straße die in Fruita nach links abzweigt, sieht heißt Bryce Road. Nach ein paar Kilometern müssen wir dann feststellen, dass es eine Sackgasse ist. Hm, was ist zu tun!

Sandra hat daheim in Bonn meine Karte eingepackt die ich mir im Jahr 2009 bei Globetrotter in Köln zusammen mit dem damals noch revolutionär neuen Garmin Colorado 300 gekauft habe. Auf dieser Karte können wir sehr schön sehen, dass wir genau einen Ort zu weit gefahren sind. Also drehen wir um und etwa 10 Minuten später sind wir wieder im Spiel. Man muss einfach den Hinweisschildern zu “Kodachrome Basin State Park” folgen. Diesen tollen Park haben wir uns schon 2010 ausgiebig angeschaut. Hier wurden schon wirklich viele Western gedreht. Das tolle an dieser Location ist, dass es U-förmig von einer steilen Felswand eingerahmt ist, die fast überall zu sehen ist. So kann man beispielsweise einen Dialog zwischen zwei oder gleich drei Personen mit mehreren Kameras aus unterschiedlichen Richtungen filmen und hat immer einen schönen Hintergrund. Die Akteure stehen also nie “allein” vor einem weit entfernten Horizont. Das ist einer der Hauptgründe, warum hier in den letzten 70 Jahren so viele Western gedreht wurden.

D800E_0416

Die Cottonwood Road ist trotzdem Regens der letzten Tage in sehr gutem Zustand. Am Morgen hatte ich noch überlegt ob wir nicht vielleicht die deutliche rauere aber landschaftliche reizvollere Smokey Mountain Road nehmen sollen. Diese führt auf direktem Weg durch die Berge vom Circle-D Motel nach Page. Aber im Internet habe ich keine Infos zum aktuellen Zustand gefunden. Und da diese Straße nur wenig frequentiert ist, weit hinauf ins Gebirge führt und es dort in den letzten beiden Tagen viel geregnet hat, ist es mir zu riskant. Dort oben möchte ich nicht für mehrere Tage feststecken. Also ist die Cottonwood Road eine gute Alternative.
Den Grosvenor Arch und die Cottonwood Narrows lassen wir heute unbeachtet hinter uns zurück. Wir haben nur noch 5 Tage bis wir unsere Sachen für die Heimreise packen müssen. Da können wir uns nicht mit “Kleinigkeiten” abgeben. Am Abend zuvor habe ich für den Montag eine Schiffstour zur Rainbow Bridge gebucht. Das ging via Internet ganz einfach und ich konnte per Kreditkarte die 125$ pro Nase gleich bezahlen. Wenig später kam auch eine Reservierungsbestätigung als E-Mail.

Nachdem wir in Page eintreffen fahren wer erst einmal komplett durch die Stadt, Sandra kann sich kaum noch an alles erinnern. Dann frage ich beim Comfort Inn ob noch ein Zimmer frei ist, aber es ist alles ausgebucht. Auch bei zwei anderen Motels werden wir abgewiesen. Schließlich finden wir wie in den Jahren zuvor im Rodeway Inn ein schönes sauberes Zimmer mit ZWEI GROSSEN GETRENNT STEHENDEN BETTEN!! So kann Sandra in ruhe schlafen und ich kann mich hin und her wälzen wie es mir beliebt ohne sie aufzuwecken.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben gibt es nebenan beim Mexikaner etwas essen. Später fahren nach einer kleinen Mittagspause zur Wahweap Marina unten am Lake Powell. Dort checken wir kurz die Anreise für den morgigen 250$ teuren Ausflug. Am Schalter an dem es die Tickets gibt zeige ich kurz auf meinem Handy die Buchungsbestätigtung und die nette Dame schaut kurz nach und kann mir versichern, dass alles ok ist und wir morgen um 7h15 wieder dort sein müssen. Zu beachten ist die Zeitumstellung! Wir kommen aus Utah und Utah ist eine Stunde weiter, obwohl einfach weiter im Norden gelegen. Aber dieses Problem hatte ich ja bisher jedes Mal! Brav stelle ich also meine Uhr um eine Stunde zurück und nun zeigt sie wieder die gleiche Zeit wie die Uhr im Auto. So sollten wir für den morgigen Ausflug gerüstet sein.

Kurz bevor die Sonne untergeht mache ich mich später noch einmal auf zum Horse Shoe Bend. Hier hat für mich im Jahr 2009 eigentlich alles begonnen. Diese Location ist sozusagen die Wiege meiner Leidenschaft für dieses Land. Und heute habe ich auch das perfekte Weitwinkel dabei :-)

Beim Horse Shoe Bend angekommen ist dort fast ein Volksfest. Alle machen die gleiche Fotos und mir stockt teilweise der Atem wenn ich sehe wie achtlos manch ein Tourist auf den Felsen an der extrem tiefen Schlucht herum klettert. Aber heute stürzt niemand ab, morgen hoffentlich auch nicht. Ich fotografiere bis es dunkel ist und quäle mich im letzten Licht über den sandigen Pfad den Berg hinauf. Dabei muss ich an meinem Freund Sascha denken, der hier vor (ich denke) zwei Jahren bei größter Mittagshitze mit seinem Sohn auf den Schultern, samt Frau und Schwiegereltern im Schlepptau hinauf gestiegen ist. Ich bin froh, dass es lässige 23°C sind und ich nur meine Kamera samt Objektiv, Stativ und einen fast leeren Fotorucksack zu tragen habe. Bei 40° in voller Mittagssonne möchte ich mich hier nicht hinauf quälen.

Horse Shoe Bend - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Beim Auto angekommen fällt mir einmal mehr auf, dass die Straße in Richtung Süden etwas 25 Kilometer weiter nach einem Erdrutsch immer noch gesperrt ist. Wenn wir übermorgen weiter zum Grand Canyon wollen, müssen wir eine andere Route nehmen. Zum Glück gibt es eine Umfahrung, ich glaube mich erinnern zu können, dass es eine Schotterpiste ist, aber wenn sie offiziell als “Retour” ausgewiesen ist, dann wird sie schon ganz gut zu befahren sein.

Später im Hotel bin ich froh, dass ich endlich wieder “zuhause” bin. Während die Klimaanlage des Nachbarn vor sich hin rattert und Sandra mit Ohrenstöpseln im Bett liegt, sitze ich im Halbdunkel vor meinem Notebook und schreibe noch schnell diesen Artikel des Tages. Mein Handy-Wecker ist auf 5h45 gestellt. Das sollte passen und jetzt ab ins Bett.

Gute Nacht!


USA-2014 – Tag 23,5 – Devils Garden bei Nacht

Last Night @ Devils Garden #3 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

In Deutschland sagt man “Ein Gewitter reinigt die Luft” und das ist genau das was gestern hier in Escalante geschehen ist. Aber fangen wir von vorn an…

Während wir im wunderschön renovierten Zimmer #3 des Circle-D Motels in Escalante darauf warten, dass die Ursache für den Stromausfall behoben wird ziehen draußen schwere dunkle Regenwolken durch. Wirklich viel Regen fällt indes nicht, aber es ist ungemütlich. Also sitze ich auf dem Bett und schreibe an meinem Artikel des Tages bis der Akkus meines Notebooks langsam aber sicher zu Ende geht. Irgendwann ist der Strom wieder da und ich kann sogar einige Bilder des Tages bei flickr hochladen und in meinen neuen Artikel einbinden. Der Fernseher funktioniert auch wieder und auf SyFy läuft nun ein Abklatsch von Steven Spielbergs “Der weiße Hai” – aber diesmal sind es Piranhas aus grauer Vorzeit die durch einen Riss in der Erdkruste in die Gegenwart huschen und fortan alle möglichen amerikanischen Gewässer blutrot einfärben.

Nach einer Weile muss Sandra umschalten, sie ist die Herrscherin über die Fernbedienung und sie erträgt das spritzende Blut nicht mehr. Kurz drauf bin ich dann auch ein wenig eingenickt. Als ich wieder wach werde ist es draußen schon dunkel und die Uhr zeigt 21h (9 pm). Ich überlege kurz, werfe einen prüfenden Blick nach draußen und bin mir nicht sicher ob es sich lohnen wird. Aber das ist ein Fotoreise und eine Fotoreise auf der man nur tagsüber das eine oder andere Erinnerungsfoto schießt, ist mehr als komplett daneben. Bereits bei unserer Anreise nach Escalante im Capitol Reef Nationalpark haben wir keine Minute gestoppt und sind immer nur weiter und weiter gefahren. Erst weit oben als wir auf dem genialen Highway 12 auf 9600 Fuß (ca. 3.000 Meter) angekommen waren, haben wir uns eine kurze Pause gegönnt während derer ich einige wenige Infrarot-Fotos aufnehmen konnte.

Jetzt noch einmal in die dunkle Nacht zu starten ist also eigentlich PFLICHT!

Schnell ist meine Nikon D800E mit einigen Objektiven und Zubehör eingepackt. Später werde ich doch wieder nur mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert haben, aber das ist eine andere Geschichte…

Anfahrt

Mit meinem großen Geländewagen geht es in Richtung Osten aus der Stadt heraus. Wie schnell ich fahren darf ist mir nicht so recht bewusst, sind es 25, 30 oder gar 35 Meilen? Es geht leicht bergab und mein Auto wird unmerklich schneller. Kurz vor dem Ortsausgang sehe ich auf der rechten Straßenseite einen unbeleuchteten dunklen Truck der wie ein Ford F150 aussieht. Der Tacho zeigt 50 mph und ich trete instinktiv auf die Bremse. Sekundenbruchteile später sehe ich dann aus dem Augenwinkel, dass es der örtliche Sheriff ist der hier auf Temposünder wartet. Das ist ja noch einmal gut gegangen – uff…

Wenig später erreiche ich den Abzweig zur staubigen und mehr als holprigen “Hole in the Rock Road”, die hier kurz HITRR genannt wird. Gleich beim Abzweig stehen fünf große Geländewagen und gleich daneben steht eine Horde junger Kinder in kurzen Hosen mit Sandalen und T-Shirts. Ich halte kurz an und frage ob alles ok ist. Es sind Mormonen auf dem Weg zum Hole In The Rock, sie wollen sich anschauen wo ihrer Vorfahren von vielen Jahrzehnten mit Schweiß und Dynamit den Glenn Canyon durchquert haben. Sie haben Zelte und alles an Equipment dabei was man für eine Nacht hier draußen braucht. Weil vor ihnen mehrere Stunden auf der dunklen holprigen Off-Road liegen, legen sie eine kurze Pinkelpause für die Kleinen ein. Es gibt Dinge im Leben, die sind wirklich wichtig!!

Kurz drauf ist dann ein Treck von nun sechs geländegängigen Autos auf der HITRR unterwegs und ich bin der Anführer – Yep!

Mit 50 mph jagen wir über die Piste und ich hoffe insgeheim, dass alle vier Reifen durchhalten werden. Aber wie sagt mein Freund Wolfgang hier immer “Gib Stoff, die Autos sind für das hier gemacht!”… Allerdings hatte er hier bei seiner letzten Reise gleich ZWEI defekte Reifen zu beklagen!

Am Nachmittag haben wir das Areal ja schon besucht und ich hatte mein GPS eingeschaltet. So kann ich in der Finsternis nun sehr schön sehen wo der Abzweig zum Devils Garden ist. Ansonsten wäre es in der Dunkelheit nicht so einfach, man müsste deutlich langsamer fahren und über mehrere Kilometer drauf achten, ob ich das alte hölzerne Hinweisschild am Straßenrand sehe.

Wo wir gerade beim Thema sind, die “Achtsamkeit” ist hier besonders in der Nacht extrem wichtig! Die HITRR ist ein Open Range Gebiet und auch in dieser Nacht stehen wieder mehrere schwarze Kühe mitten auf der Straße und schauen mich ziemlich dümmlich an. Vielleicht liegt es daran, dass es aussieht als würden sie ein Kaugummi kauen. Aber vielleicht sind sie tatsächlich einfach dumm :-) Und schwarze Kühe sind nicht alles, zwar gibt es hier keine schwarzen Schafe, aber reichlich Hasen, Mäuse und anderes Getier. Deren kleine Leichen möchte ich nicht am Auto kleben haben und so ist das GPS eine tolle Hilfe. Ich kann mich auf das Getier konzentrieren und muss nicht nach alten hölzernen Straßenschildern am Wegesrand Ausschau halten.

Beim Devils Garden angekommen steht dort ein verlassener weißer SUV. Die Insassen sind weit und breit nicht zu sehen, ich bin hier augenscheinlich ganz allein. Was allerdings an Getier in der Dunkelheit um mich herum schleicht weiß ich nicht wirklich. Schnell ist meine D800E startklar, ich habe inzwischen echt viel Routine mit dieser Kamera und kann sie in der Dunkelheit zur Not auch blind bedienen. Bewaffnet mit drei Taschenlampen, dem großen SIRUI M-3204 Carbon-Stativ, der Kamera und meinem Fotorucksack geht es los zum niedlichen Metate-Arch. Es sind nur ein paar hundert Meter zu laufen und ich kenne das Areal von meinen zahlreichen Besuchen inzwischen sehr gut.

Am Arch angekommen fotografiere ich ihn etwa zwei Stunden aus verschiedensten Blickwinkeln und positioniere meine Taschenlampen immer wieder neu.

Fototipp

Moderne LED-Taschenlampe geben ein sehr kaltes bläuliches Licht ab. Es ist zwar extrem hell aber eher ungeeignet um eine nächtliche Szenerie adäquat auszuleuchten. Aber es gibt einen Trick! Es ist wie bei einem Filter, hält man eine solche Taschenlampe für ein rotes Glas, so können die roten Anteile des Lichts passieren. Verwendet man gelbes Glas, so ist das Licht eher gelblich, bei anderen Farben funktioniert es analog dazu. Den gleichen Effekt kann man durch die Reflexion an einer Oberfläche erzielen!

Last Night @ Devils Garden #1 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Rund um die “Steinmännchen” im Devils Garden gibt es Felsen in warmen roten und gelben Farbtönen. Leuchtet man diese Felsen mit meiner LED Lenser P7 an, so hat das reflektierte Licht im wesentlichen die gleiche Farbe wie die umliegenden vom indirekten Licht sanft erleuchteten Felsen.

Dieser Trick hat schon vor einigen Tagen in der False Kiva sehr gut funktioniert und heute beim Metate-Arch klappt es auch wieder ganz vorzüglich. Ein weiterer Trick ist es, ein einfaches Stofftaschentuch ggfs. mehrfach zu falten und es vor dem Reflektor der Lampe anzubringen. In meinem Gepäck habe ich einige fies grüne Gummis, die es neulich billig im Supermarkt in der Tchibo Ecke gab. Eigentlich sind sie dafür da um Rouladen beim Kochen zusammenzuhalten. Aber man kann sie für allerlei andere Dinge gewinnbringend einsetzen. Ich verwende sie heute um etwas Stoff von meinen Taschenlampen zu befestigen :-)

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere wird es mir bald langweilig und ich aktiviere mein HTC ONE Smartphone. Es hat überraschend gute Lautsprecher und so kann ich mir in der Dunkelheit, während ich die Rauschunterdrückung meiner Kamera abwarte, die Zeit mit Musik vertreiben. Ich starte mit MUSE, dann etwas Chris Rea, Elektro-Pop, ZZ-Top, Saga, die Liste ist lang… Da ich auch nicht weiß welches Getier sich in der Dunkelheit herumtreibt ist es vielleicht nicht verkehrt hier etwas Radau zu machen.

Mehrmals höre ich hinter mir etwas knacken und leuchte mit meiner LED-Taschenlampe in diese Richtung. Zweimal sehe ich am Ende des einstellbaren Lichtkegels die Reflexionen zweier Augen in der Nacht. Was für ein Tier das ist weiß ich nicht und vielleicht ist es auch besser so…

Die Milchstraße

Als ich nach etwa zwei Stunden meine Session beenden will, sehe ich im Display meiner Kamera auf einem Foto einen etwas dichteren “Sternenhaufen”. Die Nacht ist nach dem Gewitter überraschend klar, aber dennoch blitzt es immer wieder weit entfernt irgendwo über dem Lake Powell. Ob hier ein Blitz die Szenerie erhellt hat? Ich bin mir unschlüssig und versuche die Ursache genauer zu ergründen. Als ich etwa 50 Meter vom Metate-Arch zurückgelaufen bin, sehe ich dann majestätisch und gewaltig über mir die Milchstraße am Himmel. Alles ist klar und deutlich artikuliert, es ist der Wahnsinn. Escalante und der Devils Garden sind mit ca. 1.800 Metern sehr hoch gelegen und hier gibt es keine großen Städte im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Außerdem ist der Mond nicht zu sehen und so habe ich völlig unverhofft doch noch einmal die Möglichkeit Fotos der Milchstraße aufzunehmen. Ich hätte sie schon sehr viel eher sehen können wäre ich nicht so sehr auf den Metate-Arch fixiert gewesen.

Last Night @ Devils Garden #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Wie elektrisiert schnappe ich mir meine D800E und suche mir immer wieder neue Positionen für meine Kamera. Einfach nur die Milchstraße zu knipsen ist mir nicht genug ich möchte eine Komposition die auch etwas hergibt. So mache ich immer wieder Testaufnahmen mit höchster ISO-Empfindlichkeit, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. Es ist der schnellste und einfachste Weg um in der Dunkelheit seine Kamera gut auszurichten und nicht einfach irgendein Foto zu schießen sondern ein Foto das einen Aufbau hat und zumindest einfachen Regeln folgt.

Immer wenn ich eine Position gefunden habe die mir gefällt, stelle ich wieder ISO-1600 und Blende 4 ein und belichte mit Hilfe meines Nikon MC-20 Kabelauslösers zwischen 2 und 4 Minuten. Wegen des exorbitanten Blickwinkels meines 14mm Weitwinkel-Zooms werden trotz der recht langen Belichtungszeit die Sterne der Milchstraße mit vertretbarer Bewegungsunschärfe abgebildet.

Last Night @ Devils Garden #4 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Während ich von einer Perspektive zur anderen wechsle und meine Taschenlampen immer wieder neu positioniere, denke ich an meine Sandra und hoffe nur, dass sie sich keine Sorgen macht. Eigentlich wollte ich nur schnell ein paar Fotos schießen und nach zwei Stunden wieder zurück sein. Nun fotografiere ich hier schon fast seit 5 Stunden und bin seit fast 6 Stunden unterwegs… Aber sie ist ja schon groß und sie weiß auch, dass ich nicht unvorsichtig bin. Aber das schlechte Gewissen bleibt trotzdem! So eine Fotoreise ist irgendwie doch einfacher wenn man sie komplett allein oder eben mit zu 110% gleich gesinnten Foto-Freunden unternimmt.

Last Night @ Devils Garden #5 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Irgendwann um ca. 3h am Morgen versagt dann der zuvor frisch geladene Akku meiner D800E. Er hat diese große Kamera nun fast sechs Stunden lang ununterbrochen mit Energie versorgt und ich bin für dieses “Signal” eigentlich ganz dankbar. Zwar habe ich noch mehrere Akkus in Reserve, aber bald geht schon die Sonne auf, ich bin hundemüde, ich habe Hunger und Durst, es ist Zeit diese geniale nächtliche Fotosession zu beenden. Zurück im Auto freue ich mich über eine kalte Cola und einige Kräcker.

Last Night @ Devils Garden #6 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Alles hat ein Ende

Auf dem Rückweg über die HITRR fahre ich kaum schneller als 25 mph, ich bin müde und es stehen überall Kühe auf der Straße. Nun noch einen Unfall zu haben, das will ich mir ersparen. Als ich kurz vor der Morgendämmerung am Circle-D Motel eintreffe ist meine Sandra noch wach und mein schlechtes Gewissen stärker denn je. Sie hat sich wieder die weiblichen Sorgen gemacht von denen ich nie genau weiß, ist es Sorge dass mir etwas zugestoßen sein könnte, oder ist es die Sorge allein weiterreisen zu müssen… Hoffentlich ist es doch die Sorge um mich :-)

Sandra erzählt mir dann, dass sie nicht geschlafen hat, weil im Nebenzimmer solch ein Lärm war. Sie hat mehrfach so feste sie konnte gegen die hölzerne Wand geschlagen, irgendwann scheint es gewirkt zu haben. Ich höre jedenfalls nichts mehr und bin auch sehr schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen bin ich sehr glücklich mit den Fotos der nächtlichen Session. Die Milchstraße sieht wirklich gut aus und es sind einige Fotos gelungen die man so nur hier in Escalante machen kann. So war die Entscheidung in der Nacht noch einmal aufzubrechen goldrichtig und dass es am Vortag ein Gewitter gab sogar mehr als vorteilhaft!

Last Night @ Devils Garden #7 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich gegen 9h ausgeschlafen habe geht es nach nebenan in die Circle-D Eatery zu einem gesunden Frühstück. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt, zwei Rühreier, frisches Obst, ein Glas Orangen-Saft und eine Tasse Kaffee. So kann der Tag beginnen. Weil ich trotz allem etwas angeschlagen bin, beschließen wir den Tag mit einem kleinen Ausflug zu gestalten. Es geht über den wunderschönen Highway 12 nach Boulder und dann weiter auf dem einmalig schönen Burr Trail. Auf dem Dach meines Autos habe ich meine GoPro HD HERO 3+ mit einem frisch aufgeladenen Akku.

Dieser hält sogar die gesamte Strecke von Escalante bist zum “großen Aussichtspunkt” des Burr Trails durch. Wir halten nur kurz, ich starte die GoPro erneut und wir machen uns auf zum Boulder Mesa Restaurant. Dort gibt es einen sehr leckeren richtig hausgemachten Burger. Ziemlich voll gefuttert und behäbig machen wir uns eine Stunde später wieder auf den Weg nach Escalante. Als wir dort eintreffen gönnen wir uns noch schnell eine Tasse Kaffee im Escalante Outfitters. Ok, nur ich trinke Kaffee, meine Sandra hat heute mal einen grünen Tee geordert.

Zurück im Motel bin ich sehr froh mit den Video-Sequenzen die meine GoPro aufgezeichnet hat. Inzwischen habe ich mich mit dieser Kamera etwas versöhnt. Anfangs habe ich viel im Video-Modus “Narrow” und “Medium” gefilmt. Dabei kam leider nur unbrauchbarer unscharfer “Matsch” heraus. Aber im Modus “Wide” funktioniert die neue GoPro sehr gut. Wenn man ganz ehrlich ist, liefert die etwas ältere GoPro HD HERO 1080 bei gutem Licht Videomaterial in gleicher Qualität. Das teure “Upgrade” wäre also nicht wirklich notwendig gewesen!

Während im Fernsehen bei “insp” ein Western nach dem andere gezeigt wird, schreibe ich diesen Artikel und stelle mich seelisch darauf ein Escalante morgen schon wieder zu verlassen. Dann soll es weiter nach Page in Arizona gehen. Dort wollen wir versuchen eine Fahrt mit dem Schiff zur Rainbow-Bridge zu buchen. Abends könnte ich mich mit meiner neuen Nikon D800E und dem genialen AF-S 2,8/14-24mm mal wieder am Horse-Shoe-Bend einfinden und dort zum Sonnenuntergang einige Fotos aufnehmen.

Was wir letztlich wirklich machen ist aber noch nicht ganz klar und das ist auch gut so. Schauen wir halt mal…


USA-2014 – Tag 23 – Devils Garden

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

In den letzten Tagen hatte es der Wetterbericht schon angekündigt und nun ist es tatsächlich soweit, wir sind in Escalante und haben schlechtes Wetter. Am Morgen beim Frühstück sieht der Himmel noch ganz ordentlich aus, aber als wir mit dem Frühstück fertig sind beginnt es schon zu regnen. Ich schraube schnell meine GoPro samt Unterwassergehäuse auf meinen „Kitchentimer“ und positioniere das Konstrukt auf dem Dach unseres Mietwagens. So nimmt die GoPro etwa 15 Minuten lang alle 3 Sekunden ein Foto auf, das ich später mit dem Programm „Time-Lapse“ auf meinem Mac zu einer Zeitraffer-Sequenz zusammenfügen kann.

Als sich mein kleiner Küchen-Wecker um etwa 100° gedreht hat wird der Regen langsam stärker. Schnell rette dieses schier unglaubliche Panorama-System vor der Überflutung. Während es draußen regnet schauen wir uns die Fotos der letzten Tage an. Im Fernsehen läuft ein alter Western mit vielen bekannten Gesichtern. Als der Regen langsam aufhört klingelt unser Telefon, wir haben Besuch. Hey cool, unsere Freunde Angenie und Peter aus Idaho sind da! Viel Zeit haben sie leider nicht. Da alle Motels im Umkreis ausgebucht sind und sie nicht viel länger ausschließlich mit ihrem 4×4 Wohnmobil unterwegs sein wollen, sind sie gekommen um sich von uns zu verabschieden. Wir unterhalten uns noch eine Weile über die weiteren Pläne und dann machen sie sich wieder auf den Weg nach Norden und Richtung Idaho.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Weil der Himmel nun etwas heller ausschaut packen Sandra und ich nun unsere Sachen und fahren in Richtung Devils Garden. Das ist ein Areal auf der südlichen Seite der HITRR (Hole In The Rock Road) das ganz einfach zu erreichen ist. Nach etwa 45 Minuten kommen wir etwas eingestaubt und ordentlich durchgerüttelt dort an. Schnell zücken wir unsere Kameras und machen uns an die Arbeit, denn am Horizont hängen schon die nächsten schweren dunklen Wolken. Kaum haben wir einige Fotos auf den Speicherkarten untergebracht beginnt es auch schon wieder zu regnen. Eine Weile suchen wir in der Nähe des berühmten Metate-Arch Schutz und einem felsigen Überhang. Als es uns zu langweilig wird huschen wir durch den Regen schnell zurück zum Auto.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Wanderungen jeglicher Art werden uns heute keine Freude bereiten und so beschließen wir zurück nach Escalante zu fahren. Beim Outfitters halten wir an und gönnen uns einen Kaffee und etwas zu Essen. Sandra bestellt ein famoses Tunfisch-Sandwich mit einem gemischten Salat, ich entscheide mich mal einen besonderen Beeren-Kuchen zu versuchen der in einer kleinen Suppentasse gebacken wurde. Er steht in der Kühlung und bevor ich mich darüber her machen kann, wird er eine ganze Weile in einem Ofen aufgewärmt. So erhalte ich nach ein paar Minuten den ersten warmen Beerenkuchen meines Lebens aus einer kleinen Suppentasse. Er schmeckt himmlisch gut!

Während wir unser Essen genießen surfen wir wie alle anderen Gäste auch ein wenig mit unseren Smartphones im Internet, schließlich wollen wir nicht unangenehm auffallen und außerdem müssen wir uns dann auch nicht unterhalten. Als ich mit meinem Kuchen zu 56% durch bin flackert plötzlich das Licht mehrmals und dann wird es ganz still und etwas dunkler. Keine Musik, keine Klimaanlage, kein Radio, kein Pizzaofen, keine Kasse, keine Kühltheke, kein Internet, immer noch keine Gespräche…

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Die sichtlich genervte Kassiererin ruft nur aus „Oh my god, welcome to Escalante…“ Mit der letzten Hitze des Backofens kann der Koch noch zwei Pizzen zubereiten. Sandras Sandwich hatte er schon kurz vorher im Ofen gehabt. Nach ein paar Minuten kommt er schließlich aus der Küche und sieht etwas ratlos aus. Zwei hungrige Wanderer haben sich eine Pizza bestellt, aber ohne Strom kann sie nicht gebacken werden. Doch das junge Paar am Nachbartisch erkennt den Ernst der Lage und so teilen sie sich die letzte Pizza die der Ofen noch hergegeben hat. So ist das hier im Südwesten der USA, hier wird nicht lange herumgemacht, hier hält man zusammen und hilft sich gegenseitig!

Die Kellnerin macht sich mit Papier und Kugelschreiber daran zu notieren wer was auf dem Teller hat und was letztlich zu bezahlen sein wird. Als wir später unseren Zettel erhalten gehen wir damit zur Kasse die auch nicht mehr funktioniert. Dort sitzt ein junge Frau die sehr gelassen mit der Taschenrechner-App auf ihrem Smartphone ausrechnet was wir zu bezahlen haben.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Als wir im Motel eintreffen ist dort auch alles dunkel. Es gibt keine Heizung, kein Fernsehen, kein heißes Wasser in der Dusche, uns bleibt nur der Strom der Akkus unserer Notebooks. Als diese schließlich auch erschöpft sind versuchen wir mal wieder miteinander zu sprechen und siehe da, es klappt noch! Wir haben es nicht verlernt, trotz der Segnungen durch Facebook, Twitter, Google+, WordPress, flickr, 500px und was es nicht alles sonst noch auf der Welt gibt. Oder vielleicht sollte ich sagen: „…außerhalb von Escalante gibt“ :-)

Irgendwann am Abend ist schließlich der Strom wieder da. Bei SyFy läuft auch sofort irgend ein Unsinn mit Piranhas aus grauer Vorzeit und statt zu Reden kann ich wieder still und leise diesen Artikel veröffentlichen, das Leben kann so schön sein :-)

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm


USA-2014 – Tag 22 – Auf nach Escalante

Larb Hollow #3 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm
Es ist unser letzter Tag in Moab. Als ich wach werde ist es kurz vor 8h am Morgen, draußen scheint die Sonne und es ist nicht mehr ganz so heiß wie in den vergangenen Tagen. Unter der heißen Dusche überlege ich welche Route wir heute nach Escalante nehmen. Ich bin in den letzten Wochen fast fast 7.000 Kilometer gefahren und daher wäre ich sehr froh wenn Sandra heute ein weiteres Mal fahren würde. Eigentlich wäre es eine schöne Sache bis zum Capitol Reef National Park zu fahren, dann auf die nicht asphaltierte Scenic Road abzubiegen und von dort aus über den wunderschönen Burr Trail und das Örtchen Boulder nach Escalante zu fahren.

Aber wenn Sandra fährt, ist das recht lange Stück mit ziemlich holprigen und staubigen Off-Road Abschnitten sicher nicht ihr Ding. Für sie wäre es bestimmt einfacher den Capitol Reef National Park komplett auf der asphaltierten Straße zu durchqueren um dann auf den wunderschönen Highway 12 in Richtung Süden abzubiegen. Während ich die Zähne putze reift in mir die Einsicht, dass diese Route sicher besser und einfacher für sie zu fahren ist.

Bevor wir auschecken fahren wir noch schnell ein letztes Mal zu Denny’s um dort zu frühstücken. Danach geht alles ganz schnell, wir sind ja schon geübt. Innerhalb von 30 Minuten ist das Zimmer geräumt und alles recht ordentlich im Auto verstaut – ok – leider nur fast alles…

Wir verabschieden uns bei der Eigentümerin Kris Schwalen und tauschen noch schnell unsere Visitenkarten aus. So können wir auch später von Deutschland aus in Kontakt bleiben. Auch in diesem Jahr hat es uns im Adventure Inn wieder sehr gut gefallen, dieses Motel ist eine echte Empfehlung im unglaublich quirligen und aktiven Moab.

Unsere Reise führt uns zunächst nach Norden, denn gleich westlich neben uns ist der gewaltige Canyonlands National Park gelegen, den wir heute komplett umfahren müssen. Nach etwa 30 Kilometern biegen wir in westlicher Richtung auf die Interstate ab und folgen ihr bis Hanksville. Nun fahren wir wieder in Richtung Süd-Westen und nähern uns langsam aber sicher dem beeindruckenden Capitol Reef National Park. Die Landschaft verändert sich immer wieder und als wir den Trailhead zur Hickman Bridge passieren fühlen wir uns schon fast wieder wie zuhause.

Später geht es auf dem unglaublich schönen Highway 12 hinauf in die Berge bis wir schließlich einen 9600 Fuß hohen Pass erreichen. Die Aussicht auf das Capitol Reef ist hier wirklich beeindruckend und so steuern wir den Larb Hollow Overlook ab. Hier habe ich bereits im Jahr 2009 auf dem Rückweg vom Krankenhaus in Bicknell eine Pause eingelegt. Damals konnte ich zwar nur auf einem Auge sehen, aber es war dennoch mehr als beeindruckend. Im Gegensatz zu damals liegt hier heute kein Schnee mehr, alles blüht und durch das Objektiv meiner kleinen Infrarot-Kamera sieht die Umgebung einfach gewaltig aus.

Larb Hollow #2 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Etwa 30 Minuten später treffen wir im winzig kleinen Örtchen Boulder ein. Hier wollen wir bei der Boulder Guest Ranch fragen ob wir einen Ausritt für meine Sandra buchen können. Grundsätzlich ist es kein schlechter Deal wenn ich meiner Sandra den Spaß auf einem Pferderücken ermögliche und ich im Gegenzug nachts fotografieren gehen kann bis der Arzt kommt. Eine Hand wäscht die Andere, das funktioniert auch in den USA :-)

Die Ranch finden wir erst nach einigem hin und her, denn wir haben die eigentlich sehr gute Anfahrtsbeschreibung auf ihrer Homepage nicht vollständig gelesen. Daher dauert es eine Weile bis wir begreifen, dass wir weit südlich von Boulder in Richtung Devils Backbone nach rechts abbiegen müssen um dann nach etwa 5 Kilometern Off-Road Strecke die Boulder Guest Ranch zu finden. Als wir dort eintreffen werden wir sehr freundlich begrüßt und alles macht hier einen tollen Eindruck. Allerdings ist diese Ranch derzeit komplett ausgebucht. Es sind deutsche Urlauber die derzeit Utah überfluten und so sind auch die Wrangler (so heißen hier die Tour-Guides für Horseback Rides) komplett ausgebucht. Eine Gruppe deutscher Urlauber hat gar einen Horseback-Ride mit einem Umfang von satten 5 Tage gebucht! Hier geht also nichts, ziemlich enttäuscht fahren wir daher weiter nach Escalante.

Welcome to Boulder - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Während meine Sandra unseren riesigen Geländewagen mit nur einer Hand über den Highway 12 lenkt bekomme ich auf dem Beifahrersitz still und heimlich eine kleine Krise. Fast nichts ist hier befestigt und es geht gleich rechts von mir immer wieder mehrere hundert Meter steil in die Tiefe. Ich bekomme feuchte Hände und mag auch nicht an meiner GoPro herum fummeln. Während meine Sandra einen fast 30 minütigen Monolog über Pferde, ihre Pflege, das Zureiten, die besten Sättel und vieles mehr hält, schweige ich still vor mich hin und erfahre am eigenen Leib wie sie sich manchmal fühlt wenn unsere Rollen nicht getauscht sind.

Irgendwann fragt sie mich warum ich so ruhig bin? Danach müssen wir beide lachen, jetzt fällt es auch leichter denn nun würden wir uns nur überschlagen falls wir von der Straße abkommen…

Larb Hollow #1 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

In Escalante steuern wir gleich das Circle-D Motel an. Inzwischen sind wir hier alte Bekannte und ich muss grinsen als ich erfahre, dass auch hier alles mit Urlaubern aus Deutschland besetzt ist. Einige Tage zuvor habe ich versucht via Internet hier ein Zimmer für mehrere Tage zu buchen, denn rund um Escalante gibt es mindestens soviel zu sehen wie rund um Moab. Aber Escalante liegt deutlich höher und hier ist es deshalb derzeit etwas kühler. Doch es war nur noch ein einziges Zimmer für eine Nacht zu bekommen. Während wir das Eincheck-Prozedere mit Anmeldung und Kreditkarte abwickeln läutet an der Rezeption das Telefon. Es ist eine Dame am anderen Ende die bereits im März sechs Zimmer reserviert hat und nun zwei Zimmer absagen muss.
Hey das ist unser Glück! Eine Weile werden nun die Zimmer hin und her geschoben bis wir durchgehend vom heutigen Donnerstag bis zum Sonntag im frisch renovierten großen Zimmer 3 bleiben können.

Als ich mit dem CheckIn fertig bin geht schon wieder das Telefon. Ein weiterer deutscher Gast fragt ob noch ein Zimmer frei ist, heute habe ich hier wieder einmal richtig großes Glück gehabt. Als wir das Zimmer beziehen ist Sandra sehr glücklich, denn es ist groß und geräumig und hat zudem ein sehr schön renoviertes Badezimmer. Hier kann man es sehr gut aushalten, es gibt auch eine Kaffeemaschine, Mikrowelle und einen großen Kühlschrank. Aber das beste an diesem Zimmer sind die beiden großen getrennten Betten. So kann ich nachts rotieren wie ich will und meine Sandra wird davon nicht alle 15 Minuten wach.

Ausgeglichene Schlafphasen sind der Schlüssel zur weiblichen Ausgeglichenheit und die ist auf Reisen oft mehr wert als alles Gold dieser Welt!!

Larb Hollow #4 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Später bin ich nochmals an der Rezeption und versuche herauszufinden ob es nicht noch andere Anbieter für den ein oder anderen Horseback Ride gibt. Nach einigen Telefonaten werden wir an die „Outfitters“ etwas weiter die Straße hinunter verwiesen. Dort angekommen ist unsere große Hoffnung Capt. Nathan Waggoner leider nicht erreichbar. Eigentlich bietet er geführte Fly Fishing Trips an. Aber er hat auch Pferde und vielleicht wäre das etwas zu machen. Unsere Smartphones, die man hier Cellular-Phone oder auch Cell-Phone nennt, haben leider keine Empfang. Herrn Waggoner scheint es derzeit ganz ähnlich zu gehen. So vertreiben wir uns die Wartezeit bei einer leckeren Pizza ein paar Meter weiter im gleichen Gebäude.

Als wir mit unserem Abendessen durch sind ist Herr Waggoner erreichbar, aber er hat schon am Telefon abgewunken und uns die Boulder Guest Ranch empfohlen. Aber dort waren wir ja schon…

Etwas geknickt kaufen wir im Supermarkt nebenan das Nötigste für die nächsten Tage. Bei unserer etwas überstürzten Abreise haben wir im Adventure Inn das Shampoo in der Dusche vergessen. Also kaufen wir eine neue Flasche, dazu einige Getränke und etwas zu essen. Zurück am Motel beschließen wir gleich nebenan in der vor etwa vier Jahren eröffneten Circle-D Eatery ein Gläschen Rotwein zu trinken. Es ist recht voll und wir nehmen erst einmal an der Bar Platz. Dort erfahren wir, dass es in Utah Gesetz ist und man nicht allein ein Glas Rotwein bestellen kann, sondern stets irgend etwas zu Essen dazu bestellen MUSS. Es kann ein Muffin oder eine andere Kleinigkeit sein, aber ganz ohne geht es nicht! Also bestelle ich mir ein Stück Schokoladenkuchen. Sandra ordert sich ein paar Nachos mit Sauce.

Der Kuchen ist lecker aber besteht fast ausschließlich aus Butter, Kakao und Zucker. Wer in seinem ganzen Leben noch kein Sodbrennen hatte, der macht spätestens nach diesem Stück Kuchen seine ersten Erfahrungen damit… Sandras Nachos sind herrlich bunt und die Sauce ist lecker aber scharf wie die Hölle. Sie trinkt ein Glas Wasser nach dem anderen, man soll ja auch viel trinken… Zum Abschluss gibt es für mich noch einen Kaffee, den Kuchen habe ich einfach nicht annähernd aufessen können. Auch Sandra muss bei den Nachos passen, ihre Calzone wirkt mindestens noch genauso nach wie meine Pizza aus dem Outfitters. Unsere beiden Gläser Wein kosten so inkl. Trinkgeld knapp 32$. Es ist kein billiger Spaß wenn man in Utah ein Glas Wein trinken möchte…

Später im Hotel stellt Sandra fest, dass sie ihr kleines wichtiges Schmusekissen im Adventure Inn in Moab zwischen all dem Bettzeug vergessen hat. Als ihre E-Mail gleich nach ein paar Minuten beantwortet wird ist sie sehr froh. Es gibt Dinge die sind nicht viel wert und doch gleichzeitig unersetzbar. So auch dieses Schmusekissen! Mrs. Schwallen vom Adventure Inn wird es ihr mit der Post nach Deutschland schicken. Ziemlich erleichtert machen wir gegen 23h das Licht aus und freuen uns, dass auch dieser Tag im wundervollen Südwesten der USA so reibungslos und voller unbeschreiblicher Eindrücke verlaufen ist.


USA-2014 – Tag 21,5 – Shafer Trail

Als ich im Jahr 2009 das erste Mal am Horse Shoe Bend in der Nähe von Moab war, kamen mir einige große blaue Flächen irgendwo tief unten im Canyonlands National Park ziemlich mysteriös vor. Es hat eine Weile gedauert bis mir klar wurde, dass dies eine “Mine” ist und dass dort Kaliumcarbonat bzw. Pottasche oder wie man es hier nennt Potash gewonnen wird. Pottasche ist vielseitig einsetzbar, von der Herstellung von Seife bis hin zur analogen Fotografie wird es weltweit eingesetzt. Die Gewinnungsanlage nahe Moab existiert noch nicht wirklich lange und es wurde speziell für den Abtransport des Kaliumcarbonats die vorhandene Eisenbahnlinie verlängert. Außerdem wurde die Straße am Colorado River die zur Gewinnungsanlage führt besonders gut ausgebaut, so dass sie von schweren Trucks problemlos befahren werden kann.

Diese blauen Seen geistern mir nun also schon lange Zeit im Kopf herum und heute ist der Tag an dem ich sie mir genauer anschauen möchte. Als die größte Hitze des Tages vorbei ist mache ich mich auf den Weg, es ist fast 18h (6 pm) und die Sonne steht schon tief. Nach einigen Kilometern erreiche ich das Ende der Bahnlinie und die dort neu gebaute Abfüllungsanlage. All das lasse ich einfach rechts liegen und fahre weiter auf der Straße die sich noch ein wenig idyllisch am Colorado River entlang windet. Dann geht diese Straße schlagartig in eine recht raue Schotterpiste (Gravel Road) über. Ein paar Kilometer später bin ich tatsächlich bei der Gewinnungsanlage.

D800E_9956

Der Zugang zur Anlage ist eigentlich verboten, aber das Tor ist nur angelehnt. Also parke ich direkt daneben und schnappe mir meine Nikon D800E mit dem AF-S 2,8/14-24mm das ich in den letzten Wochen fast ausschließlich benutzt habe.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner kleinen Fotosession geht es weiter, ich habe ein Hinweisschild zum legendären Shafer Trail gesehen und dem will ich ein paar Kilometer weit folgen. Die Straße ist recht gut befahrbar und es sind schon Leute mit Autos ohne Allradantrieb hier entlang gefahren. Diese Straße sollte für einen reinrassigen Geländewagen wie meinen GMC YUKON kein Problem darstellen. Zwar hat er keine Differentialsperre, aber bei meinen ersten Off-Road Tests hat er sich bereits bestens bewährt.

Etwas oberhalb der Gewinnungsanlage hat man dann auch einen grandiosen Blick auf die im letzten Abendlicht rot aufleuchtenden Tafelberge und die dahinter im Dunst gelegenen La Sal Mountains.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Einige Minuten später erreiche ich dann einen Aussichtspunkt der es wirklich in sich hat. Direkt neben mir unten in der Schlucht lockere 200 Meter tiefer fließt der Colorado River in Richtung Las Vegas. Ich laufe ein wenig an der nicht gesicherten Kante entlang und bin einfach nur sprachlos was die Natur in vielen tausenden von Jahren hier geschaffen hat. An meinem Auto habe ich vergessen das Licht abzuschalten. Irgendwann bin ich soweit weg, dass es mit auf das Bild passt und diese Perspektive gefällt mir wirklich gut weil das winzige Auto neben dem majestätischen Fluss einen tollen Maßstab bildet.

Colorado Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Es geht weiter und auf meinem GPS kann ich sehen, dass der Shafer Trail gar nicht mehr so extrem lang ist. Also beschließe ich ihn bis zum Ende zu fahren, allerdings in der umgekehrten Richtung die von “normalen” Touristen eingeschlagen wird.

Shafer-Trail-Moab-Utah

Es gibt einen Abschnitt der wirklich heftig ist und bei dem es steil mit einigen Spitzkehren bergauf geht. Die Straße ist dort nicht gesichert und nur eine staubige Holperpiste. An den meisten Abschnitten passt auch nur ein Auto auf diese “Straße”, bei Gegenverkehr muss man schauen wie man an den Ausweichstellen klarkommt die jeweils einige hundert Meter von einander entfernt verfügbar sind. Hier gilt es auf engstem Raum etwa 200 Höhenmeter zu überwinden und das auf einem besseren Feldweg. Das ist nicht jedermanns Sache und meine Sandra dürfte heute nicht neben mir sitzen. Ich bin sehr froh, dass sie wegen ihrer Kopfschmerzen im Hotel geblieben ist. Andernfalls hätte sie sicher an einigen Stellen hysterisch “Aaaaannnsssgaaaaaaarrr” geschrien. So kann ich laut Country-Musik hören und mein kleines Abenteuer in vollen Zügen genießen.

Daran, dass es gleich neben mir steil in die Tiefe geht darf ich allerdings auch nicht denken. Auf diesem Bild aus dem Jahr 2009 sieht man sehr schön wie der Shafer Trail sich aus dem Tal die Klippe hinauf windet. Ganz rechts kann man Teile der “Straße” erkennen. Es ist schon krass wie es dort in die Tiefe geht und dass hier nicht täglich die Touristen aus aller Welt abstürzen…

Shafer Trail - Nikon D2x

Nach etwa vier Stunden treffe ich wieder in Moab ein. Mit einige kurzen Fotostopps kann man den Shafer Trail also an einem Nachmittag bequem bewältigen. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass solche Abenteuer mit einem Mietwagen grundsätzlich nicht erlaubt sind. Fährt man hier den neuwertigen Wagen zu Schrott so werden sich die Mitarbeiter der zuständigen Versicherung lachend auf die Schenkel schlagen weil sie eben keinen einzigen Cent des entstandenen Schadens übernehmen müssen. Wer hier einen Wagen wie meinen gemieteten GMC YUKON komplett zerlegt, wird rund 50.000 Euro für sein Off-Road Abenteuer bezahlen müssen.

Meistens passiert nichts und die Straßen sind grundsätzlich ja auch sicher und befahrbar, nicht umsonst mieten sich alle Touristen einen 4×4 (Four by Four) mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) um eben solche Pisten zu fahren. Aber man sollte sich trotz allem immer wieder bewusst machen, dass ein schweres Gewitter besonders unbefestigte Straßen schnell unpassierbar machen kann. Im einfachsten Fall bleibt man stecken und muss vielleicht lange Zeit auf einen extrem teuren Abschleppdienst warten. Im schlimmsten Fall gerät man in eine Schlammlawine oder rutscht in eine Felsspalte. Wenn man es überlebt ist es halb so wild, dann wird es eben einfach nur so richtig teuer. Aber es verlieren in diesen Parks auch regelmäßig unaufmerksame Touristen ihr Leben.

Im Film 127 Hours von Danny Boyle wird beispielsweise die wahre Geschichte eines Mannes nachgezeichnet der hier in genau diesem Park beim Wandern in eine Felsspalte gestürzt ist und sich dabei mit einem dicken Felsbrocken den rechten Unterarm eingeklemmt hat. Er hat 127 Stunden lang auf Hilfe gewartet die nicht gekommen ist. Schließlich hat er sich mit einem stumpfen kleinen Messer den rechten Unterarm selbst amputiert und seinen “kleinen Ausflug” mit viel Glück überlebt.

Wer sich auf Abenteuer wie den Shafer Trail einlässt sollte das alles im Kopf behalten und es nicht wie ich kurz vor Anbruch der Dunkelheit wagen. Ich habe in den letzten Jahren viel Erfahrung auf einsamen Off-Roads gesammelt und kenne auch den Shafer Trail von meinem Besuch im Jahr 2009. So war das Risiko heute sehr überschaubar. Wer hier aber fremd ist und ein wenig Zeit für das Fotografieren haben möchte, der sollte besser 5-6 Stunden einplanen und dementsprechend rechtzeitig vor Sonnenuntergang losfahren.

Morgen geht es dann weiter nach Escalante. Schauen wir mal was und dort erwartet :-)


USA-2104 – Tag 21 – Snapshot day in Moab

IMAG0813

Als ich am Morgen wach werde ist es schon fast 9h. Sandra hat schon Hunger und wenn ich genau in mich hinein höre, geht es mir genauso. Schnell geht es unter die Dusche und dann zum Frühstück zu Denny’s. Dort begrüßen uns die Kellner schon ganz freundlich denn langsam werden wir als Stammgäste identifiziert. Nach dem Frühstück bin ich satt und faul und da tut es gut ein wenig Zeit mit meinem Mac im Garten vor dem Motel zu verbringen und den letzten Tag in einem Artikel zusammenzufassen. Während dessen ist Sandra zu Fuß auf Einkaufstour. Sie ist etwa 3h unterwegs und als sie zurück ist haben wir beide schon wieder Hunger. Man könnte sagen, dass wir aktuell zu 110% im Urlaubsmodus sind.

Inzwischen knurrt langsam wieder der Magen. Sandra hat auf ihrer Wanderung ein sehr cooles Restaurant mit dem ebenfalls coolen Namen “ZAX” entdeckt. Zu Fuß, was eigentlich ungewöhnlich ist, geht es zum ZAX. Weil ich von Moab noch gar keine Fotos habe entschließe ich mich zum “Tag der offenen Blende” oder auch “Day of the open aperture”. Mit dabei habe ich daher lediglich meine Nikon D800E und die “Königin des unscharfen Hintergrundes” das Nikkor AF-D 1,4/85mm mit einem B&W Polfilter. So bewaffnet geht es los…

Als wir bei der Tom Toll Gallery ankommen bitte ich meine Sandra mich doch auch mal zu fotografieren und zwar genau vor der Galerie des großen Meisters. Was für ein Moment :-) Man beachte auch die gepflegte Freistellung und den dezent unscharfen Hintergrund, das geht so nur mit diesem Objektiv!

D800E_9627

Auf dem weiteren Weg zum ZAX fallen mir überall kleine Details aus die für diesen Ort so typisch sind und das Flair von Moab ganz wesentlich ausmachen. Man beachte jeweils die dezenter Freistellung der Hauptmotive, also die Unschärfe im Vorder- und Hintergrund!! Die meisten Fotos habe ich bei Blende 1,8 bis Blende 2,8 aufgenommen. Dieses Objektiv ist wirklich außergewöhnlich!

D008E_9632

D800E_9635

Dies ist eine sehr typische Straßenszene in Moab. Hier ist alles unterwegs was man sich vorstellen kann. Total verdreckte Off-Road Geländewagen, kraftstrotzende Cabrios und brave Familienkutschen.

D800E_9643

Die Straßenkarte der Innenstadt ist mehr als übersichtlich :-)

D800E_9646

Beim nächsten Foto habe ich die gelbe Werbetafel anvisiert und die Kamera dann am nach oben gereckten Arm mehrmals ausgelöst. Dabei ist diese schöne Straßenszene entstanden.

D800E_9658

Die Schaufenster des Ortes sind übervoll mit Hüten und anderen Artikeln die das Leben als Cowboy so richtig lebenswert erscheinen lassen :-)

D800E_9674

D800E_9677

Nach dem extrem guten Burger geht es zu Fuß zurück zum Motel. Gleich neben der Galerie von Tom Till ist ein kleiner Fotoladen auf dem mir der “Nikon” Schriftzug ins Auge fällt, der exakt das gleiche Gelb hat wie das Schild über der Tom Till Gallery! Das ist wieder ein Motiv für meine Bokeh-Königin :-)

D800E_9685

D800E_9693

Moab ist definitiv die Spaßstadt der aktiven Amerikaner. So viele Geschäfte für die aktive Freizeitgestaltung findet man an anderen Orten nur sehr schwer.

D800E_9696

D800E_9702

Es ist immer wieder erstaunlich wie plastisch sich selbst recht weit entfernte Motive wie dieses Szenerie mit dem 1,4/85mm abbilden lassen.

D800E_9714

D800E_9726

Kurz bevor wir das Adventure Inn erreichen kommen wir wieder bei M.O.Y.O vorbei. Das ist die MOab YOghurt Company. Hier gibt es aus 4+3 Zapfhähnen unterschiedliches Sorbet auf der Basis von Yoghurt. Man geht einfach hinein, schnappt sich einen Becher in der mittleren oder größeren Größe, zapft sich das Eis das man haben möchte, geht zur Theke mit dem “Toppings” und wählt zwischen etwa 20 verschiedenen Dekorationen aus. Es gibt Gummibärchen, Nüsse, Sonnenblumenkerne, fein geschnittene frische Erdbeeren, allerlei Waldbeeren, es ist sicher für jeden etwas dabei. Hat man das Eis in seinem Becher gebührend verziert stellt man den Becher auf eine Waage und bezahlt genau das was man sich genommen hat. Die Inhaberin ist etwas überrascht, dass wir so genau wissen wie alles funktioniert, normalerweise muss sie scheinbar deutschen Touristen wie uns das Vorgehen immer wieder erklären. Als sie hört, dass wir schon dort waren und wissen “wie der Hase läuft” grinst sie nur und ich bezahle etwas über 9$ für zwei sehr große Portionen Yoghurt-Sorbet – lecker…

D800E_9730

Während wir das süße Halbgefrorene auf der Veranda vor dem M.O.Y.O. verputzen, fällt mir der über und über mit Aufklebern gespickte alte rote Wagen auf. Im Hintergrund sieht man eine der zahlreichen Vermietstationen für die hier sehr beliebten ATVs (All-Terrain-Vehicle).

D800E_9740

Gleich auf der anderen Straßenseite ist eine der besten Locations für ein extrem gutes Frühstück.

D800E_9744

Kurz drauf hält dort der mit dem hier so typisch rotem Schlamm eingesaute SUV von der Ampelszene weiter oben.

D800E_9753

Kaum haben wir uns auf den Weg zum Adventure Inn gemacht, da biegt aus einer Seitenstraße dieses extrem coole Auto auf die Hauptstraße ab. Meine D800 ist sofort startklar und mein so inniglich geliebtes Portrait-Objektiv löst auch hier das Auto so unglaublich gut aus der Umgebung heraus, dass man fast meinen könnte es wäre eine Miniatur.

Im Gegensatz zu den übrigen Fotos habe ich dieses Bild nicht auf 1000 Pixel Kantenlänge, sondern auf 1920 Pixel Kantenlänge verkleinert. Schaut es mal in Ruhe an, dieses Auto ist der Hit…

D800E_9775

Die Anbieter für Ausflüge und Abenteuer ziehen sich durch die gesamte Stadt. Wer hier seinen persönlichen Kick nicht findet, der ist sicher selbst schuld :-)

D800E_9792

Zurück am Adventure Inn macht sich dann auch einer unser Nachbarn auf den Weg zur nachmittäglichen Genusstour.

D800E_9796

So vergeht dann fast ein ganzer Tag ohne die Hatz nach dem perfekten Foto. Irgendwie sind gepflegte Knipsbilder auch ganz schön.


USA-2014 – Tag 20 – Onion Creek Canyon

False Kiva #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Meine dritte Woche in den USA neigt sich dem Ende zu. Den Tag haben wir bei großer Hitze relativ beschaulich vertrödelt. Sandra war ein wenig Einkaufen, ich habe mich ausgeschlafen und zur Mittagszeit haben wir uns in den kleinen Garten vor dem Motel zwischen vier schattenspendende Bäume gesetzt und einen Salat verspeist den wir uns zuvor im sehr gut sortierten Moab Citymarket gekauft hatten. Nach dem Essen schaue ich noch ein wenig in meine Fotos die ich in der Nacht in der False Kiva aufgenommen habe und finde ein Bild das aus einer etwas anderen Perspektive aufgenommen ist. Es ist etwas früher entstanden als das Foto aus dem letzten Artikel und es gefällt mir auch recht gut.

Sandra hat der morgendliche dreistündige Ausritt bei der Red Cliffs Lodge so gut gefallen, dass sie heute in den Abendstunden gern die kleinere Tour reiten möchte. So packe ich mein Notebook zusammen und gegen 16h (4 pm) starten wir unseren schwarzen Geländewagen und fahren zur Red Cliffs Lodge.

Die Strecke zieht sich doch immer wieder ganz schön hin, aber die Landschaft ist so atemberaubend, ich könnte immer wieder durch das Castle Valley fahren. Nach etwa 30 Minuten sind wir bei der Red Cliffs Lodge. Wir parken in der Nähe des Hauptgebäudes, es gibt dort einen großen Besucherparkplatz und fragen an der Rezeption nach ob noch ein Platz für den abendlichen Ausritt frei ist. Sandra hat Glück, es sind erst 4 Personen angemeldet. Ich zahle 69 $ mit meiner Kreditkarte und wenig später bin ich schon wieder unterwegs in Richtung Osten auf der Straße durch das Castle Valley.

Red-Cliffs-Lodge-Moab-Utah

Während Sandra sich auf den Ausritt vorbereitet erreiche ich den Abzweig zum Onion Creek Canyon. Die Straße ist anfangs noch recht gut zu befahren, ändert sich aber schnell von einer Gravel Road zu einer schmalen holprigen Dirt Road.

Onion-Creek-Road-Moab-Utah

Die Landschaft wird immer grandioser, die Schlucht tiefer und die umgebenden Felsen höher. Auf dem Dach habe ich meine GoPro HD HERO 3+ und auf dem Armaturenbrett steht meine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1V1. Sie steht auf einem kleinen Taschenstativ und wird von der Halterung für mein Smartphone so gegen die Windschutzscheibe gedrückt, dass sie nicht wackelt und in Verbindung mit dem VR (Vibration Reduction) des 6,7-13mm Weitwinkel-Zooms ein tolles sschwarzweißes Infrarot Video aufnimmt. Damit sich die Helligkeit nicht ständig ändert habe ich die Belichtungsautomatik abgeschaltet und manuell 1/100s und Blende 11 bei ISO-100 eingestellt.

Auch die GoPro 3+ liefert nun endlich scharfe Bilder. Man sollte sie bei solchen Aktionen unbedingt in den Modus “Wide” bringen. Alles was ich bislang im Modus “Medium” oder “Narrow” gefilmt habe ist einfach nur unscharfer Matsch der leider komplett unbrauchbar ist. Die Einstellungen mit den engeren Blickwinkeln sind nur im Nahbereich zu gebrauchen. Dann liefern sie auch durchaus respektable Ergebnisse. Für ein Interview aus ca. 1m Entfernung ist “Narrow” eine wirklich geeignete Einstellung. Sobald man aber etwas filmen möchte was etwas weiter entfernt ist wird man eine große Enttäuschung erleben.

Hier habe ich eine kurze Video-Sequenz deren Upload trotz geringer 480p Auflösung bereits fast eine Stunde benötigt hat. YouTube ist nichts für Leute die in den USA auf dem Land leben…

 

Für mein Video-Bearbeitungsprogramm Final Cut Pro X gibt es diverse kostenpflichtige Plug-Ins mit denen sich die einem Fisheye sehr ähnliche Verzeichnung des GoPro-Objektivs in Verbindung mit dem Modus “Wide” recht gut korrigieren lässt. Dies ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit und brauchbare Videos mit einem fahrenden Auto oder Motorrad etc. aufzuzeichnen.

Nach etwa einer Stunde puren Off-Road-Vergnügens halte ich an einer Ausbuchtung an und mache meine Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm startklar. Die Sonne steht schon tief und dort wo sich am Boden die Grenze zwischen Licht und Schatten abzeichnet hat man immer wieder gute Gelegenheiten für interessante Gegenlichtaufnahmen. Hier kommt es sehr auf den Standpunkt der Kamera an, einige Zentimeter mehr oder weniger entscheiden darüber wie stark das Gegenlicht ist. Ich mag es wenn die Sonne fast komplett von einer Felskante verdeckt ist und nur ein kleiner Teil direkt ins Objektiv hineinstrahlt. So lassen sich in Verbindung mit Belichtungsreihen und meinem “Fingertrick” immer wieder interessante HDR-Aufnahmen erstellen.

Um einen Eindruck von den Dimensionen der Felswände zu bekommen, habe ich meine D800E an den “Straßenrand” gestellt und sie alle 10s ein Bild machen lassen. Während sie vor sich hin geknipst hat bin ich die Straße hinunter gelaufen und habe mich ganz hinten (wo die Sonne scheint) in die Kurve gestellt. Wer mich in diesem Bild findet hat einen Preis verdient, ich bin nur einige Pixel groß :-)

D800E_9309

Als die Uhr auf 17:30 (5:30 pm) vorgerückt ist packe ich alles zusammen und muss mit Entsetzen feststellen, dass während der kompletten Session das hintere rechte Seitenfenster geöffnet war. Das gesamte Auto ist von innen mit feinem roten Sand eingestaubt. Ohje, da werden die Leute von der Autovermietung ordentlich was mit dem Staubsauger zu tun haben…

Als ich wieder bei der Red Cliffs Lodge eintreffe bin ich vielleicht 3 Minuten zu spät um ein Foto der Gruppe bei ihrer Heimkehr aufzunehmen. Aber auf meinem GoPro-Video kann man die Freizeit-Cowboys noch kurz sehen wie sie die Ranch erreichen.

Nach dem Ausritt ist Sandra wieder der glücklichste Mensch der Welt, auch wenn sie der Meinung ist total verdreckt zu sein und nach Pferd zu riechen. Mir ist das egal, wir beide haben jetzt großen Hunger und wir steuern so direkt wie möglich das örtliche Denny’s Restaurant an. Hier waren wir jetzt schon mehrfach essen. Es geht schnell, schmeckt gut und ist nicht ganz so teuer wie in den “richtigen” Restaurants. Das Konzept hinter Denny’s ist irgendwie zwischen der richtigen Gastronomie mit Kellnern und gemütlichem Ambiente und einem McDonalds Restaurant angesiedelt. Die Einrichtung ist schlicht aber zweckmäßig und die Kellner sind freundlich und sehr zuvorkommend. Für eine leckeres Abendessen zu Zweit mit Getränken etc. zahlt man inkl. Trinkgeld etwa 30 Dollar, also umgerechnet etwa 22 Euro.

Zurück im Hotel geht es unter die Dusche und den Rest des Abends verbringen wir bei einem lauen Lüftchen zwischen den Bäumen auf der Wiese vor dem Motel. Später am Abend sind es noch 29°C, aber im Schatten der Bäume ist das sehr gut zu ertragen. Etwas nervig sind allerdings die jungen Typen mit ihren getunten japanischen Kleinwagen. Sie bremsen immer wieder fast bis auf Schrittgeschwindigkeit ab um dann mit enormem Getöse auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen. Dazu kommen alle paar Minuten Trupps mit knatternden auf Hochglanz polierten Harley’s vorbei. Zwischendurch ein lautes ATV und der ein oder andere LKW. Von den großen Trucks hört man meist nur ein dumpfes Grollen. Alles in allem ist es direkt an der Hauptstraße in Moab schon ziemlich laut, aber irgendwie auch interessant weil die vorbei fahrenden Fahrzeuge teilweise unglaublich cool aussehen.

IMAG0813

Während ich an meinem BLOG schreibe kommt Sandra mit einer Flasche importiertem Jägermeister und kleinen Schnapsgläsern um die Ecke. So kann man es hier echt aushalten. Während ich das eine oder andere Gläschen Jägermeister zu mir nehmen versuchen sehr gestandene Männer die Bremsanlage einer KTM zu entlüften. Sie geben wirklich alles, aber das Set bestehend aus Pumpe und Schläuchen das sie sich besorgt haben scheint nicht wie gewünscht zu funktionieren. Bis tief in die Dunkelheit werkeln sie im Licht ihrer Taschenlampen an dem reinrassigen Cross-Motorrad. Später holen sie noch einen Kompresser dazu. Am nächsten Morgen sind alle Cross-Motorräder wieder weg, es scheint letztlich doch noch geklappt zu haben.

Ich habe die abendliche Zeit nicht genutzt um “MEINEN TRAUM” von der False Kiva letztlich mit Photoshop zu realisieren. Trotz aller Anstrengungen und Mühen habe ich es nicht geschafft die False Kiva UND die Milchstraße auf ein Bild zu bannen. Also habe ich eine Montage aus zwei separaten Bildern erstellt die so aussieht wie ich mir mein Foto aus der False Kiva seit langem wünsche.

False Kiva & Milky Way

Grundsätzlich sollte es möglich sein ein ähnliches Foto mit nur EINEM SCHUSS zu erstellen. Aber dazu braucht es die richtige Jahreszeit und einen komplett klaren Himmel und vor allem “Neumond”. Denn sobald der Mond den Himmel erleuchtet ist es viel zu hell um die Milchstraße sehen zu können. Da ich hier leider keine 6 bis 12 Monate verbringen kann um dieses Foto “an einem Stück” aufzunehmen muss vorerst (??) diese Fotomontage genügen. :-)

Nach einer Flasche Bier und einigen Gläschen Jägermeister habe ich schließlich die richtige “Bettschwere” und verzichte für heute auf ein nächtliches Abenteuer. Der anstrengende nächtliche Ausflug zur False Kiva steckt mir zudem noch tief in den Knochen.


USA-2014 – Tag 19 – Nachts in der False Kiva

Der in Moab ansässige Fotograf Tommy Till war einer der Ersten, vielleicht sogar DER erste Fotograf der Fotos aus der False Kiva im Canyonlands National Park bereits vor vielen Jahren veröffentlich hat. In seiner Galerie in Moab ist dieses Foto bis heute eines der Highlights der Ausstellung. Tom Till hat damals eine schwere und handliche Großformat-Kamera mit Planfilmen benutzt und auf der Basis dieser Vorlagen exorbitante Vergrößerungen erstellt. Diese hochwertigen großen Vergrößerungen auf “richtigem Fotopapier” können in seiner Galerie bewundert und zu Preisen ab ca. 2.000$ erworben werden.

Bildschirmfoto 2014-05-20 um 12.15.25

Als ich im Jahr 2009 sein Foto der False Kiva zum ersten Mal sah, hat es mich regelrecht umgehauen. In den Tagen danach habe ich lange im Internet recherchiert um herauszufinden wo Tom Till dieses Foto aufgenommen hat. Schließlich habe damals ich einige GPS Koordinaten gefunden und in den letzten Jahren die False Kiva mehrfach besucht. Nach vielen hundert Fotos muss ich aber sagen: “Tom Till is the Master!” Sein Foto der False Kiva schlägt einfach alles was ich bislang an Fotos der False Kiva gesehen habe.

Bildschirmfoto 2014-05-20 um 12.16.04

Als ich die False Kiva das erste Mal besucht habe war der Himmel über dem Canyonlands National Park langweilig und ohne Ausdruck. Aber bereits an diesem Tag war mir klar, dass eine Wanderung zur False Kiva mit den steilen Ab- und Aufstiegen durch teilweise abenteuerliche Geröllfelder nicht ganz einfach ist. Trotzdem bin ich in den letzten Jahren immer wenn ich die Gelegenheit hatte wieder zur False Kiva abgestiegen, weil mich diese Location über alle Maßen fasziniert. In diesem Jahr habe ich mir für das Shooting in der False Kiva sogar ein neues Objektiv, das Nikon AF-S 2,8/14-24mm zum Preis von 1.600 € gekauft.

Am Abend des 19. Mai ist es dann wieder soweit. Zur Sicherheit gebe ich erneut die Koordinaten der False Kiva und des Parkplatzes sowie des Einstiegs in den Wanderweg in mein Garmin Colorado 300 ein. Ein echter ausgeschilderter Wanderweg ist es allerdings nicht, es ist eher ein schmaler Trampelpfad.

Gegen 22h am Abend (10 pm) geht es wieder los zur False Kiva. Mit dabei habe ich mein großes leichtes SIRUI M3204 Carbon Stativ mit dem SIRUI K30-X Kugelkopf. Außerdem meine Nikon D800E mit Nikon MC-20 Kabelauslöser und einigen Objektiven – Sicher ist Sicher!

Der Weg vom Adventure Inn Motel zum inoffiziellen Trailhead ist etwa 60 Kilometer lang und man fährt etwa eine Stunde. Am wichtigen Abzweig zum Upheaval Dome fahre ich in der Dunkelheit versehentlich voll vorbei, bemerke es aber schon einige hundert Meter später, weil ich ja mein GPS an der Scheibe kleben habe – sehr praktisch!! Also heißt es den großen Wagen auf der schmalen Straße zu wenden und den richtigen Weg einzuschlagen. Etwa 10 Minuten später habe ich den Trailhead erreicht. Von den vielen Kurven ist mir nicht ganz wohl im Magen, ich fühle mich als wäre ich zweimal mit einer Achterbahn gefahren, aber es hilft ja nichts… Also werden die Schuhe ordentlich geschnürt, die Fotoausrüstung gecheckt und dann geht es auch los. Für den Fall der Fälle habe ich heute mal eine Mütze dabei, die ich aber nicht brauchen werde. Da die Geröllfelder schon bei Tageslicht nicht einfach zu überwinden sind, werden heute auch meine gefederten LEKI Carbon-Wanderstäbe aktiviert.

Außerdem habe ich eine kleine Camping-Lampe dabei die ich für 0,99$ vor einigen Tagen in einem Walmarkt gekauft habe. Diese kleine Lampe ähnelt einem Kugelschreiber und man kann sie sich sehr gut an seine Jacke oder das Hemd klemmen. In meiner rechten Hand habe ich zusätzlich zum Wanderstab eine LED Lenser P7  Taschenlampe und ein Päckchen mit Reserve-Batterien. Vom Parkplatz geht es zunächst etwa 500 Meter zurück und dann nach rechts den Trampelpfad entlang. Der erste Teil des Weges ist sehr einfach zu gehen und auch in der Dunkelheit leicht zu erkennen. Nach einigen hundert Metern beginnt es dann aber schwierig zu werden. Man muss nun eine unwegsame Passage mit vielen Felsen überwinden auf denen sich die Fußspuren verlieren und man schnell in die falsche Richtung läuft. Auch wenn ich nun schon mehrfach hier war, in der Dunkelheit bin ich ziemlich ratlos. Aber schließlich schaffe ich es anhand einiger “Steinmännchen” (Waypoint-Marker) diesen Abschnitt zu überwinden. Nach etwa 30 Minuten bin ich an der Klippe angekommen und nun beginnt der schwierige kräftezehrende Abstieg durch das chaotische Geröllfeld. Die False Kiva ist eine wundbare Höhle die inmitten einer steilen Klippe liegt. Um sie zu erreichen muss man sie unterhalb passieren um dann durch losen Sand und Steine von Hinten wieder zum Ziel aufzusteigen.

Vor mir weiter unten kann ich Lichter sehen, ich werde hier heute also nicht allein sein. Das ist gut weil es in der Dunkelheit nicht ungefährlich ist. Hier zu stürzen und sich zu verletzten kann schnell das Ende bedeuten! Einige Minuten später kommen mir zwei drahtige gut trainiert Jungs mit Kopflampen entgegen. Sie halten kurz an und wir unterhalten uns kurz. Sie haben den Sonnenuntergang in der False Kiva fotografiert und sind jetzt auf dem Rückweg zu ihrem Auto. Sie erzählen mir, dass weiter vorn ein Mädchen unterwegs zur Höhle ist. Ziemlich verwundert setze ich mich wieder in Bewegung.

Einige hundert Meter weiter kann ich sie dann sehen, sie ist etwas oberhalb von mir und schon fast an der False Kiva angelangt. Plötzlich lösen sich einige etwa faustgroße Steinbrocken und rollen auf mich zu. Oh nein, jetzt keine Kopfverletzung schießt es mir durch das Hirn. Instinktiv wende ich mich ab, mache mich klein und halte meine Arme schützend hinter meinen Kopf. Aber die schweren Brocken schlagen einige Meter hinter mir auf. Puh, das ist ja noch einmal gut gegangen. Noch vorsichtiger mache ich mich wieder auf den Weg. Als ich schließlich reichlich verschwitzt und aus der Puste in der False Kiva ankomme sind dort zwei Jungs in ein Mädchen – Corinna, Chris und ein Freund dessen Namen ich leider vergessen habe. Chris fotografiert auch mit einer Nikon D800E, sein Freund benutzt ein Canon DSLR. Corinna begleitet ihre Freunde nur und vertreibt sich die langweilige Wartezeit mit ein paar Spielen auf ihrem iPhone.

Es geht los, ich nehme zunächst wieder einige Orientierungsfotos auf: ISO-25600, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. So kann man selbst in nahezu totaler Dunkelheit auf dem Display sehen welchen Ausschnitt die Kamera gerade “sieht” und ob das Objektiv korrekt fokussiert ist. Danach stelle ich ISO-1600 und Blende 4 ein. Weil meine D800E als längste Belichtungszeit nur 30 Sekunden ermöglicht, benutze ich den Timer des MC-20 Kabelauslösers. Damit sind Belichtungszeiten von 1s bis hin zu 10h möglich. Ich versuche es zunächst mit 2 Minuten, aber die Bilder sind unterbelichtet. Auch wenn sie in der Dunkelheit auf dem Display gut aussehen, so kann man im Histogramm doch sehen, dass es deutliche schwarze Bereiche ohne jegliche Zeichnung gibt. Bei 4 Minuten sehen die Bilder dann auf dem Display gut aus und das Histogramm ist so ausgewogen wie es sein sollte.

Damit in den Fotos wegen der langen Belichtungszeiten keine bunten “Hotspots” zu sehen sind, sollte man in der Kamera die Option “Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung” aktivieren. Diese Rauschunterdrückung benötigt allerdings exakt die gleiche Zeit die vorher für die Belichtung verwendet wurde. Bei 4 Minuten Belichtungszeit muss man also geschlagene 8 Minuten lang warten bis man etwas zu sehen bekommt und das bei einem schon recht hohen Wert von ISO-1600! Wirklich viele Fotos kann man so also in einer Nacht nicht aufnehmen und man sollte sich gut überlegen welche Perspektiven tatsächlich lohnenswert sind.

Weil wir zu dritt fotografieren und wir alle mit Taschenlampen hantieren ist es nicht ganz einfach das Geschehen zu koordinieren. Wird während einer Belichtungszeit von 4 Minuten eine extrem helle Taschenlampe wie meine P7 auch nur kurz eingeschaltet, so ist das Foto meist komplett ruiniert. Manchmal kann es ganz gut aussehen eine zusätzliche Lichtquelle zu haben, aber meistens eben nicht. So rufen wir uns auch immer wieder zu “Are you open?” “Yes I am open!” “Ok, now the noise reduction is active”.

Einmal kommt der Freund von Chris zu seiner Kamera zu rück und sagt “Oh, it’s thinking!” Ich verstehe es erst beim zweiten Mal, muss dann aber wirklich breit in die Dunkelheit hinein grinsen. Am Vortag am Marlboro Point ist kurz nach Mitternacht der Mond aufgegangen. Heute passiert es irgendwie nicht zur erwarteten Zeit. Mit meiner gelben kleinen Lampe haben wir die Struktur innerhalb der False Kiva so ausgeleuchtet, dass es ein wenig nach einem Lagerfeuer aussieht. Zusätzlich habe ich ganz rechts außen meine Handy mit eingeschalteter LED auf meinem Fotorucksack positioniert. Als dritte Lichtquelle leuchtet meine P7 direkt die rötliche Felswand an. Das reflektierte Licht ist jetzt nicht mehr fies blau, den es wird jetzt primär die Farbe der Wände reflektiert, so dass es sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt.

Irgendwann steht Chris neben mir und schimpft “I am unable to find a good composition!!” Er ist erst vor kurzem von einer Nikon D300 auf die D800E umgestiegen und hat noch kein wirkliches Weitwinkel für das größere FX-Format. Als ich ihm zeige wie meine Fotos bei 16mm Brennweite aussehen sagt er mehr aus Spaß “Do you have a second one?” Und tatsächlich habe ich mein Nikon AF-S VR 4/16-35mm im Fotorucksack – Sicher ist Sicher!! In der Dunkelheit kramen wir das Objektiv heraus und Chris montiert es an seine D800E. Allerdings schafft er es nicht korrekt, doch auch das ist nach einigem Augenblicken geklärt, am Objektiv ist der Autofokus abgeschaltet. Corinna hat eine sehr helle Lampe die mit vielen LED bestückt ist. Sie leuchtet für uns die Struktur der Höhle aus und mit dieser Hilfe funktioniert dann auch der Autofokus unserer Kameras. Nachdem alles korrekt fokussiert ist, schaltet sie die Lampe wieder aus, wir schalten den Autofokus auf Manuell und warten wieder geduldig ab bis die Rauschunterdrückung ihre Arbeit verrichtet hat.

Als gegen 2h der Mond die Landschaft unten im Canyonlands immer noch nicht wirklich so ausleuchtet wie ich es mir wünschen würde bin ich schwer enttäuscht, ich hatte mir mehr gewünscht. Langsam nähere ich mich von Bild zu Bild der Struktur innerhalb der Höhle und stelle an meinem Objektiv einen immer kürzere Brennweite ein, bis ich bei 14mm angekommen bin. So wirkt die Struktur im Vordergrund sehr dominant und man bekommt zusätzlich auch mehr Sterne auf das Bild weil die Kamera nicht etwa 3m von der Rückwand der Höhle entfernt ist und so besser aus der Höhle “herausschauen” kann.

Langsam aber sicher wird mir richtig flau im Magen. ich bin total übermüdet, habe nichts zu essen dabei und das lauwarme Wasser aus den beiden kleinen Plastikfläschchen vermag mich auch nicht wirklich aufzurichten. Mein Körper ist unterzuckert und ich würde mich am liebsten hier irgendwie flach hinlegen, aber hier sind überall Felsbrocken und Fotorucksäcke im Weg. Einige Fotos später muss ich aufgeben, mir geht es nicht gut und ich sollte jetzt schnellstens den Rückweg antreten wenn ich es heil zum Auto schaffen will. “Ok Folks, I need a beed and I think I’m leaving…” Das ist der Startschuss für den Abmarsch. Meine neuen Freunde packen auch alles zusammen, wir tauschen das 16-35mm Objektiv zurück und Chris sagt “Thank you my friend, you saved my life!” Das freut mich sehr und bestätigt mich wieder darin, dass es in den USA fast nur hilfsbereite wirklich freundliche Menschen gibt.

Es mag ja die Ausnahmen geben die wir in Film und Fernsehen präsentiert bekommen, aber ich selbst habe solche Menschen hier im gelassenen Süd-Westen der USA noch nicht erlebt.

Als ich endlich alles zusammen gepackt habe sind die Corinna, Chris und ihr Freund schon losmarschiert. Ich kann anhand der Position ihrer Lampen erahnen wo ich selbst entlang muss. 50 Jahre alt und ein untrainierter “Bürohengst” bin ich allerdings deutlich langsamer als diese jungen drahtigen Amerikaner. So wird der Abstand Imme größer und schließlich bin ich ganz allein mit meiner Taschenlampe in der unwegsamen Wildnis. Jeder Schritt fällt schwer und mir ist übel. Immer wieder muss ich anhalten und verschnaufen bevor ich meinen übergewichtigen Körper auf den nächsten steilen Felsbrocken hieve und das nächste schräge Stück Slickrock überwinde. Es kommt mir ein wenig vor wie bei meinem letzten Besuch auf dem Pico del Teide zusammen mit meinem Freund Ashraf aus München. Damals hatte ich auch nichts zu Essen und zu trinken dabei und wäre hoch oben auf dem höchsten Berg der Spanier beinahe kraftlos umgefallen. Damals hat mich unten in der Talstation ein Stück Kuchen und eine zuckersüße kalte Cola wieder aufgerichtet. Mir kommt die Szene aus dem Danny Boyle Film “127 Hours” in den Sinn als James Franko tagelang eingeklemmt hier im Canyonlands National Park ausharrt und sich in einer Traumsequenz die Flasche Gatorade aus dem Kofferraum seines Autos herbeisehnt. Jetzt ein kalte Cola, dafür würde ich echt was geben. Aber alles was ich habe ist eine kleine Flasche mit lauwarmem stillen Wasser…

Schließlich habe ich den steilen Anstieg hoch zur Klippe geschafft. Die kleinen Steinmännchen waren hier eine große Hilfe. Doch ich musste auch immer wieder stehen bleiben und mit meiner Taschenlampe das Terrain intensiv ableuchten um den nächsten Waypoint-Marker zu finden. Nun geht es etwa gemächlicher weiter, doch einige hundert Meter weiter verlieren sich wieder die Spuren im Sand. Es ist die Passage mit den vielen Felsen auf der ich mich bereits auf dem Hinweg etwas verirrt hatte. Die Batterien in meinem GPS sind fast am Ende, daher habe ich es bislang ausgeschaltet gelassen. So klettere ich in der Dunkelheit mit meiner Taschenlampe umher bis ich nach etwa 10 Minuten wieder ein kleines Steinmännchen finde. Die Erleichterung ist groß und es geht weiter. Am Horizont kann ich die Lichter meine Freunde sehen, es sieht aus als hätten sie einen völlig anderen Weg eingeschlagen.

Etwas später sind meine Reserven weitgehend aufgebraucht, ich kann eigentlich nicht mehr wirklich weiter. Da sehe ich nur einige hundert Meter weiter wie ein Auto hin und her fährt und die Lichthupe bedient. Das sind meine Freunde, die “Cave-Men” wie wir uns spaßeshalber genannt haben. Das ist wirklich hilfreich, denn so kann ich sehen wir die Straße ist. Doch das Gelände wird immer unwegsamer und weil es nicht mehr weit zum Auto sein kann schalte ich nun mein GPS ein um den restlichen Strom der Batterien sinnvoll zu nutzen. Das GPS braucht einen Augenblick um die neue Position zu bestimmen, dann kann ich auf der sehr detaillierten Karte sehen, dass ich einige hundert Meter nach rechts vom Hinweg abgekommen bin. Das ist sehr hilfreich und letztlich komme ich gegen 3h in der Nacht an meinem Auto an.

Ich bin völlig fertig und schaffe es nicht einmal einen Cräcker herunterzuwürgen. Mit einem weiteren Schluck des lauwarmen Wassers aus dem Kofferraum klappt es schließlich. Ich habe noch einige Äpfel im Kofferraum, aber selbst den kann ich nicht aufessen. Nach den ersten Bissen packe ich nur meine Sachen in den Kofferraum, schiebe die Pullover, Mützen und Jacken auf der Rücksitzbank etwas zusammen und versuche ein wenig zu schlafen.

Vor Kälte und zitternd werde ich etwa zwei Stunden später wieder wach. Es geht mir besser, aber das Thermometer zeigt nur noch 9°C. Tagsüber in Moab waren es 32°C und bei meiner Ankunft am “Trailhead” waren es noch 25°C. Ich bin in der Wüste und hier kann es nachts wirklich kalt werden. Leicht zitternd setze ich mich auf den Fahrersitz, nehme noch einen guten Schluck des inzwischen nicht mehr lauwarmen Wassers zu mir und starte den großen Achtzylinder.

Der Weg zurück zum Motel fällt mir wirklich schwer und ich muss mich sehr konzentrieren weil immer wieder schwarze Rinder mitten auf der Straße stehen oder kleine Hasen vorbeizusehen. Jetzt noch einen Unfall zu haben, das muss nicht sein. Als ich am Parkplatz in der Nähe des Mesa Arch vorbeifahre stehen dort schon mehr als 20 Autos, der Himmel über den La Aal Mountains ist schon gelblich eingefärbt und die Wolken über mir haben nun schon etwas mehr Kontur als während unserer Fotosession in der False Kiva. “Rudelknipsen am Mesa Arch” kommt es mir in den Sinn. Das habe ich auch schon mehrfach erlebt und dort trotzdem eines meiner bislang besten Fotos aufgenommen. Wäre ich nicht so sehr neben der Spur, ich würde die paar hundert Meter zum Mesa Arch laufen und das “magische rote Leuchten” statt mit 12 MPix nun mit satten 36,3 Megapixeln fotografieren. Aber es geht mir nicht gut und so muss ich auf dieses Gemeinschafts-Erlebnis heute leider verzichten. Aber mein Fotos aus dem Jahr 2009 ist mit der Zeit nicht schlechter geworden und so fällt es leicht einfach weiterzufahren.

Mesa Arch - La Sal Sunrise

Endlich im Motel angekommen schaffe ich es nur die Schuhe auszuziehen und falls saft- und kraftlos auf meine Matratze neben dem Bett in dem meine Sandra endlich einmal leise vor sich hin schnarcht. Als ich wieder wach werde bin ich allein und draußen scheint schon die Sonne. Kurz darauf öffnet sich dann auch die Türe und meine Sandra ist vom morgendlichen Einkaufsbummel zurück. Es ist schon nach 11h und die Zimmermädchen warten schon darauf, dass wir das Zimmer endlich räumen. Schnell springe ich unter die Dusche und bin erneut erstaunt welche regelrecht magische Wirkung Wasser doch haben kann. Trinkt man es lauwarm aus einer Plastikflasche ist es eher langweilig, aber wenn es mit gemäßigtem Druck auf den Kopf prasselt ist es wunderbar.

Gegen 12h sind wir dann im Dennis am südlichen Ende der Stadt. Als wir uns gerade hinsetzen steht plötzlich Chris neben uns. Ich bin derartig überrascht, dass mir fast die Worte fehlen. Wer mich kennt weiß, dass das nur sehr selten der Fall ist :-) Chris freut sich, dass ich es heil zurückgeschafft habe. Und ich bedanke mich dafür, dass sie mir mit dem Auto in der Nacht signalisiert haben wohin ich laufen muss. Sie selbst hatten sich auch etwas verirrt und sind einen recht weiten unwegsamen Umweg gewandert.

In der Nacht habe ich ihnen meine Visitenkarte gegeben und Chris hat sogar schon in meinen BLOG geschaut. Ich habe einen neuen Follower :-)

That’s why I love America…

Nachdem sich Chris verabschiedet hat ordern wir uns unser Frühstück und es gibt endlich süße Bluberry Pancakes, Rührei, Speck, Kartoffeln, Kaffee und last but not least ein Glas mit herrlich kalter Cola mit viel Eis. Das Leben als Amateurfotograf kann so schön sein!

Nach dem Frühstück sichte ich meine Beute und bin mit zwei Bildern ganz glücklich. All die Strapazen für nur ZWEI FOTOS!! Nun kann ich auch ermessen, warum Tommy Till seine exzellenten Fotos der False Kiva nicht zum Selbstkostenpreis verschenken kann.

Und hier ist es endlich, mein Foto des Tages aus der False Kiva zu nächtlicher Zeit :-)

False Kiva @ Night - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 511 Followern an