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Nikon D500 – Pro und Contra

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In den kommenden Wochen startet Nikon die Auslieferung der ersten Exemplare der neuen Nikon D500. Diese Kamera ist der “legitime” Nachfolger der inzwischen etwas betagten Nikon D300s. Der neue Sensor verspricht bei einer Auflösung von gemäßigten 20 Megapixeln einen guten Dynamik-Umfang und gutes Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten. Zusätzlich punktet die Kamera mit einem Touch-fähigen Klappdisplay und Videoaufzeichnung in 4K Qualität.

Im Vergleich zu den bislang lieferbaren DX Kameras wie der Nikon D7000, D7100 und D7200 punktet die D500 mit ausgefeilterem Bracketing, deutlich höherer Serienbildgeschwindigkeit und einem riesigen Pufferspeicher. Alles in allem ist die Nikon D500 eher eine Profikamera imd DX-Format, was sich nicht zuletzt in einem Preis widerspiegelt der deutlich über 2.000 Euro liegt. In Verbindung mit einem Batteriegriff und einigen Ersatzakkus etc. kostet diese Kamera schnell mehr als 2.500 Euro. Ältere Modelle wie die Nikon D7000 bekommt man am Gebrauchtmarkt in gutem Zustand für etwa 500 Euro. Im Vergleich fühlt sich eine D7000 etwas mehr nach Plastik an, ist langsamer, hat einen kleineren Pufferspeicher und filmt in HD Qualität mit festen 24 B/s. Der Sensor ist mit 16 Megapixeln nur unwesentlich niedriger aufgelöst, aber eben auch eine deutlich ältere Generation.

Wer braucht eine Nikon D500 und für wen lohnt sich die Investition?

Mit dieser Frage sah ich mich erst gestern zu später Stunde konfrontiert, als mich einer meiner Facebook-Freund anschrieb um mich um Rat zu fragen. Diese Diskussion war wirklich gut und sinnreich, daher habe ich mich entschlossen sie hier zu zeigen. Jeder der selbst überlegt ob er für eine Nikon D500 2.500 Euro ausgeben will, kann dieser Konversation folgen und den Gesprächsverlauf für sich selbst adaptieren.

Meinen Facebook-Freund nenne ich hier mal “Nik”… 

Nik: “Hi Ansgar, ich brauche mal Deinen Rat, da du ja ein echter Nikon Profi bist. Ich möchte mir in den nächsten Monaten eine neue Nikon zulegen. Die Nikon D500 ist ja wirklich sehr interessant, aber die Nikon D750 interessiert mich auch sehr, da ich bis jetzt noch keine Vollformatkamera habe. Ich besitze schon einige DX sowie FX Objektive. Jetzt bin ich etwas hin und hergerissen, da ich noch meine Nikon D7000 habe. Was würdest du mir empfehlen?”

Ansgar: “Beide Kameras sind top und liefen gute Ergebnisse. Die Nikon D500 kann mit 4K filmen, ich selbst würde sie nur deshalb kaufen. Auch sind DX-Objektive kompakter und preiswerter als die FX-Dinger. Wer gern Tiere fotografiert ist mit der Nikon D500 auch im Vorteil. Jedes Teleobjektiv wirkt wegen des kleineren Chips deutlich länger. Eigentlich sind FX Kameras nur groß, teuer und schwer…”

Nik: “Ja, aber meinst Du der Vollformatsensor holt da nicht noch mehr Bildqualität raus. So predigen es die Tester von Chip Foto und anderen Zeitungen.”

Ansgar: “Auf Hochzeiten holst Du aus der Nikon D750 einen Tick mehr Dynamik raus, weil die Pixel etwas größer sind und damit der Dynamikumfang höher ist. Wer professionell Hochzeiten fotografiert sollte dann aber auch das Nikon AF-S 1,4/24mm haben. Erst damit hat man ein Alleinstellungsmerkmal, aber das kostet fast 2.000 Euro. Verdienst Du Geld damit auf Hochzeiten zu fotografieren? Wenn nicht, würde ich das viele Geld nicht ausgeben.”

Nik: “Nein, ich habe nich nie eine Hochzeit fotografiert. Die von Chip Foto sagen und schreiben, dass die Bildqualität einer Vollformatkamera so viel besser ist und nicht vergleichbar mit DX Kameras.”

Ansgar: “Diese Aussagen stammen noch aus dem Jahr 2010. Inzwischen hat sich so vieles im DX Bereich verbessert. Die in Ausdrucken wirklich sichtbaren Unterschiede liegen im einstelligen Prozentbereich. Meiner Meinung nach ist das alles Geschwafel, damit die Anzeigenkunden der vielen Fotozeitungen immer neue Kameras verkaufen zu können, viel Geld verdienen und neue Anzeigen schalten.”

Nik: “Mir geht es hauptsächlich um die Bildqualität bei hohen ISO Werten”.

Ansgar: “Wenn man eine alte Nikon D3000 mit einer D5 vergleicht, ist die Nikon D5 natürlich besser, aber auch 50 mal so teuer. Es ist einfach die Frage, was man wirklich braucht und ob man mit seinen Fotos Geld verdienen muss. Verdienst Du Geld mit Deinen Fotos?”

Nik: “Nein, ich fotografiere nur als Hobby.”

Ansgar: “Hast Du schon mal ein Foto ausgedruckt oder ausdrucken lassen?”

Nik: “Ja, ich drucke meine Bilder alle selbst auf einem EPSON 3880 Pro in maximal DIN A2.”

Ansgar: “DIN A2, da reichen ja 6 Megapixel für gute Ergebnisse….”

Nik: “Ja, das stimmt eigentlich. Aber ich möchte manchmal noch etwas mehr rausholen aus den Bildern.”

Ansgar: “Fotografierst Du im RAW Modus?”

Nik: “Ja, RAW und JPG. Ich benutze Nikon Capture NXD und Lightroom. Wobei ich sagen muss, wenn ich die Bilder über Nikon Capture NXD drucke, sehen sie wesentlich besser aus, obwohl die Profilierung identisch ist.”

Ansgar: “Besorg Dir mal Photoshop CS6 oder eine neuere Version (Ggfs. Testversion) und die NIK Tools von Google, die kosten nur knapp über 100 Euro. Damit holst Du mehr aus Deinen Bildern heraus als mit einer neuen Kamera. NIK Define ist wunderbar für die Bearbeitung von Bildern bei hohen ISO-Werten. Welche ISO Werte verwendest Du?”

Nik: “Bei meiner Nikon D7000 maximal ISO-6400, aber dann sehen die Bilder ziemlich matschig aus.”

Ansgar: “Wie oft machst Du Fotos mit hohen ISO-Werten?”

Nik: “Nicht sehr oft, aber es ist komfortabel wenn man die Möglichkeit hat auf ISO 25.600 zu gehen und die Bilder dann noch ok sind. Bei ISO 3.200 sind die Bilder aus der Nikon D7000 noch ok, beim Ausdruck im Format DIN A3 gehts auch noch. Wirklich brauchen tue ich die sehr hohen ISO-Werte nur selten.”

Ansgar: “Warum denn so irre hohe Werte? Ich benutze selbst im Vollformat mit meiner Nikon D800E selten mehr als ISO 3.200, meist maximal ISO 1.600? Mit meiner Fuji X-T1 und dem 1,4/23mm konnte ich auf La Gomera schon bei Blende 1,4 und ISO 800 die Milchstraße knipsen. Welche Motive fotografierst Du mit den hohen ISO-Werten, Sterne, Milchstraße und sowas?”

Nik: “Hatte hier im Tiergarten vor kurzem so eine Situation, das Wetter war trüb und regnerisch, später Nachmittag, wollte die Schnee-Leoparden knipsen. Mein Objektiv ist ein Nikon 2,8/80-200mm. Da hat ISO-6400 nicht mehr gereicht. Die Bilder waren alle Scheisse, aber vielleicht erwarte ich auch zu viel?”

Ansgar: “Benutzt Du ein Stativ?”

Nik: “Nein, hatte ich nicht dabei.”

Ansgar: “Hast Du einen VR benutzt?”

Nik: “Nein, den hat das Objektiv nicht. Vielleicht hätte ich ein Stativ mitnehmen sollen?”

Ansgar: “Dann schau Dir mal das Nikon AF-S VR 2,8/70-200mm an. Damit sparst Du locker 4 Blendenstufen. Statt mit ISO 6.400 könntest Du dann mit ISO 800 die Schneeleoparden fotografieren ohne verwackelte Bilder zu haben. Die Schnee-Leoparden dürfen sich dann natürlich nicht schnell bewegen. Aber ein bisschen Bewegungsunscharfe kann auch sehr gut aus sehen! Ich habe den Eindruck, dass Du eher ein neues lichtstarkes Teleobjektiv mit einem guten VR brauchst als eine neue Kamera. Schnee-Leoparden freihändig ohne Stativ in der Dunkelheit bei ISO 6.400 ohne Stativ fotografieren, das kann auch nichts werden. Da würde Dich eine Nikon D500 auch nicht groß weiterbringen.”

Nik: “Ja bin eigentlich mit meiner Nikon D7000 zufrieden, mit den richtigen Objektiven holt man da gleich mehr raus. Ich hab das Sigma 105mm Makro, das Ding ist auflösungstechnisch an der Nikon D7000 der Hammer.”

Ansgar: “Das glaube ich gern. Es ist also das gute Licht worauf es ankommt. Ist das Licht fies, das Objektiv lichtschwach und alt, wird man auch mit hohen ISO Einstellungen keine guten Fotos machen. Da ist es eigentlich egal ob man mit einer Nikon D7000 oder einer nagelneuen D500 für mehr als 2.000 Euro fotografiert. Schau mal hier, diesen Adler habe ich mit meiner Nikon 1V3 und dem 1NIKKOR 70-300mm fotografiert. Ich glaube es kommt eher auf das Objektiv als auf den Kamera-Body an. Mit guten Objektiven gelingen auch an einfachen Kameras gute Bilder.”

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

Fazit

Keine Kamera macht bei schlechtem Licht gute Fotos. Fotografieren ist “Malen mit Licht”, hat man kein Licht ist es wie ein Maler der keine Farben hat. Daran wird keine Kamera jemals etwas ändern. Wer trotzdem mit dem Kauf der neuen Nikon D500 liebäugelt, ich finde sie ja auch spannend, sollte sie vor dem Kauf bei einem guten Fotohändler in Ruhe anschauen und überlegen, ob für eine Verbesserung der eigenen Fotos nicht ein neues Objektiv sinnvoller wäre. Vor dem Gang zum Fotoladen sollte man auch sein Stativ abstauben und es auf eine seiner Fototouren mitnehmen. Man wird überrascht sein wie sehr ein solches sperriges Ding die eigene Art der Fotografie verändert. Wer mit einem Stativ fotografiert wird ruhiger und denkt mehr über die Bildinhalte nach.

Sie haben gar kein Stativ? Dann kaufen sie erst ein Stativ und üben damit, lernen sie einen Fernauslöser zu benutzen, lesen Sie ein gutes Buch über Fotografie und quetschen Sie aus der Kamera die sie haben das Letzte heraus. Geben Sie sich Mühe bei der Nachbearbeitung ihrer Fotos, benutzen Sie den RAW-Modus! So werden Sie aus der Kamera die sie schon haben und kennen, garantiert mehr herausholen als wenn sie weitermachen wie bisher und nur den Kamerakorpus austauschen.

“Fotografie ist Malen mit Licht”: Ein Maler der sich schickere Leinwände, bessere Pinsel und neue Farben kauft, malt damit nicht automatisch bessere Bilder. Erst wenn er lernt sein Handwerkszeug richtig einzusetzen kann er damit erfolgreich sein. Bei der neuen Nikon D500 ist das nicht anders. Wer vor der Nikon D500 schusselig dahin geknipst hat, wird mit der D500 nicht automatisch zum bejubelten Fotomeister.

Machen Sie einen Schritt nach dem anderen. Üben Sie mit der Kamera die sie haben und geben Sie erst Geld für einen neuen Kamera-Body aus, wenn sie ihn beherrschen und sich auch die guten Objektive leisten können. Erst dann wird eine Nikon D500 dabei helfen bessere Bildergebnisse zu erzielen.

Wer diese lange Fotoschule bereits durchlaufen hat, sicher im Umgang mit seiner Kamera ist und über die Objektive verfügt die ihm gute Bilder ermöglichen, der ganz sicher auch mit der neuen Nikon D500 viel Freude haben.

Im Vergleich verspricht die Nikon D750 eine etwas höhere Auflösung und ein etwas besseres Rauschverhalten bei hohen ISO Werten. Diese Stärken kann sie aber nur mit den geeigneten Objektiven usw. ausspielen. Eine vollständige gute Fotoausrüstung im FX-Format wird deutlich teurer und nur in erfahrenen Händen sichtbar bessere Ergebnisse liefern.

Schauen Sie sich jetzt einige Fotos erfolgreicher Fotografen an. Hier habe ich einige Links zur Google-Bildersuche zusammengestellt. KEINES dieser Fotos wurde mit einer Nikon D500 aufgenommen, viele Bilder sind sogar älter als 10 Jahre und wurden noch auf Diafilm fotografiert.

Überlegen Sie welche Kameras für die Erstellung dieser Aufnahmen verwendet wurden. Danach lehnen Sie sich zurück und murmeln 1.000 mal vor sich hin: “Nicht die Kamera macht das Bild”. Wenn Sie danach noch glauben eine Nikon D500 haben zu müssen, hat das meinen Segen :-)

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Nikon D500 – Das perfekte Portrait-Objektiv

Derzeit stehen die neue Nikon D5 und die Nikon D500 in den Startlöchern. Zwei Kameras wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Knapp über 2.000 Euro im Vergleich zu fast 7.000 Euro, einmal ein Sensor mit 20 Megapixeln im DX-Format und beim teuren Profiboliden ein Sensor im FX-Format, der ebenfalls 20 Megapixel auflöst. Beide Kameras sind bei der Serienbildgeschwindigkeit ähnlich schnell und ermöglichen ähnliche ISO-Werte. Die teure Profikamera punktet mit größeren Pixeln und dadurch höherer Dynamik sowie geringerem Rauschen bei extremen ISO-Einstellungen.
Vollständigen Artikel lesen

Fotoschule Teil 10 – Nachts fotografieren

Shooting Nikon D800E while shooting El Teide

Nur wenig scheint meine Zuschauer bei YouTube so sehr zu faszinieren wie das Fotografieren zu nächtlicher Zeit. Daher habe ich in der Nacht vom 31.12.2014 auf den 01.01.2015 nach meiner Session auf dem Weg ins warme Bett kurz am Wegesrand angehalten und ein neues Video zu diesem Thema aufgenommen.

 

Hier noch einige Beispiele. Alle Bildinfos bekommt man wenn man das Bild anklickt und bei flickr.com anschaut.

Folgende Kameras habe ich benutzt:

  • GoPro HD HERO 4+ Black Edition
  • Nikon 1 V3 mit 1Nikkor 2,8/10mm
  • Nikon D800E mit Nikkor 2,8/14-24mm
  • Oympus OMD E-M1 mit Panasonic 4/7-14mm, 1,2/42,5mm, 2,8/12-35mm

Nightwatch #2 - GoPro HD HERO 4+ Black Edition

Nightwatch #1 - GoPro HD HERO 4+ Black Edition

Chasing the Evil through Puerto de la Cruz

Canarian Night Sky - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Startrails over Tenerife - Olympus OM-D E-M1

El Teide at Night #2 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

El Teide at Night #1 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Puerto de la Cruz after Sundown - Nikon 1 V3

Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm versus Olympus OM-D E-M1 & Panasonic 4/7-14mm

Roque Chincado at Night - Olympus OM-D E-M1 & Leica Nocticron 1,2/42,5mm

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Nikon

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Olympus

The Stone Monster is waiting for new tourists....

Shooting at night with the Nikon 1 V3

Mein Fotorucksack 2015

Einen der ersten Tage des neuen Jahres habe ich genutzt um Euch den Inhalt meines Fotorucksacks zu präsentieren. Im Video habe ich alles rund um das Thema “Lensbaby” ausgespart, weil ich meinen neuen Lensbaby Composer samt diverser Objektive und “Kreativ-Blenden” leider gar nicht benutzt habe. Dieses System ist wirklich sehr speziell und vier Wochen sind letztlich fast nicht lang genug um alles was ich dabei hatte in Ruhe auszuprobieren. Bei der nächsten Reise werde ich wohl auch die Nikon D800E samt der schweren Objektiven daheim lassen und nur noch die Olympus OM-D E-M1 mit ein wenig Zubehör einpacken. Klar ist die Nikon D800E die absolute Überkamera die fast alles besser kann, aber dieses Plus an Bildqualität brauche ich häufig einfach nicht.

Statt mich ständig mit einem irre schweren Rucksack abzumühen werde ich in den nächsten Monaten verstärkt mit meinem herrlich kompakten Micro-Four-Thirds fotografieren. Sobald es für dieses System ein 400mm Teleobjektiv geben sollte, wird wohl auch die Nikon 1 V3 gelegentlich daheim bleiben müssen.

 

Im letzten Jahr sah noch alles wie in diesem Video aus. Seitdem hat sich vieles weiterentwickelt. Konnte mir vor ein paar Jahren noch kein Objektiv groß und schwer genug sein, so sehe ich das inzwischen anders und bin froh wenn meine Ausrüstung leicht und kompakt ist.

 

Schauen wir mal wie es im nächsten Jahr sein wird, es bleibt spannend :-)

Teneriffa 2014/15 – Die letzten Tage

Good Bye Tenerife - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Tag 27 – 6. Januar

Ich bin jetzt seit fast 4 Wochen auf Teneriffa und von meiner letzten nächtlichen Fotosession bin am Morgen noch immer ziemlich mitgenommen. So plane ich keine weiteren Aktionen sondern bereite mich langsam aber sicher auf meine Heimreise vor. Die meiste Zeit des Tages verbringe ich damit mal wieder etwas für diesen BLOG zu schreiben und einige wenige Fotos bei flickr.com hochzuladen. Am Nachmittag treffe ich mich dann mit meinem flickr-Freund Jürgen, den ich bislang nur in der virtuellen Welt kenne. Wir verbringen den Rest des Tages zusammen, es gibt leckeren Kuchen auf der Finca San Juan und abends lerne ich seine beiden Söhne Matthias und Timo kennen.

Gemeinsam sind wir noch eine ganze Weile auf der Weihnachtskirmes unterwegs die wie in jedem Jahr gleich neben dem Hafen in Puerto de la Cruz aufgebaut ist. Ich habe zwar meine gesamte schwere Fotoausrüstung dabei, aber ich entschließe mich heute zum “Tag der offenen Blende” und fotografiere ausschließlich mit meiner Olympus OM-D E-M1 und dem Panasonic/Leica Nocticron 1,2/42,5mm.

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Während der mechanische Verschluss meiner Olympus OM-D E-M1 mit 10 Bildern pro Sekunde vor sich hin klappert sammeln sich auf der 64 GB Sandisk Micro-SD Karte wahre Datensintfluten an. Bei meiner Rückkehr im Hotel werde ich auf der Speicherkarte knapp 3.500 Bilddateien vorfinden und da ich RAW-Bilder und JPG-Dateien gleichzeitig aufgenommen habe muss mein MacBook mit fast 7.000 Bilddateien in einem Ordner klar kommen. Das bringt ihn spürbar ins schwitzen und so macht es nur wenig Freude die Fotos durchzuschauen. Letztlich teile ich die Bilderflut etwas auf und verteile die Dateien über mehrere Ordner. Danach geht das Anschauen und Aussortieren deutlich schneller.

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Weil es so extrem viele Bilder sind verzichte ich heute ausnahmsweise vollständig auf jede RAW-Konvertierung und Nachbearbeitung und öffne statt dessen einfach die kleinen “JPG-Vorschaubilder” mit Photoshop um sie etwas zu verkleinern und mein Logo einzufügen. Alles was Ihr hier seht kommt also so wie es ist “live” aus der Kamera und dem Nocticron 1,2/42,5mm Portrait-Tele.

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Tag 28 – 7. Januar

Den nächsten Tag schlafe ich auch wieder bis der Arzt kommt und bin beim Frühstück einer der allerletzten Gäste. Den Rest des Tages verbringe ich mit meinen GoPro Kameras und meinem iPod im Garten des Hotels. Hier und dort nehme ich eine kleine Zeitraffer-Sequenz auf und genieße während die Kameras um die Wette knipsen den wunderbaren Sonnenschein in einem der vielen Liegestühle am Pool. Weil es heute etwas windig ist bin ich fast allein. Der Mehrzahl der andere Gäste scheint es heute zu kühl zu sein um ihre Bäuche in die Sonne zu halten, mir soll es recht sein, so habe ich meine Ruhe :-)

Den Rest des Tages verbringe ich mit der Bastelei an einigen kleinen Zeitraffer-Sequenzen und räume langsam aber sicher meine Sachen zusammen, damit ich nicht versehentlich etwas vergesse. Seit meiner Reise im Jahr 2013 vermisse ich mein kleines wunderbares Manfrotto Carbon-Stativ und mittlerweile bin ich mir fast sicher, dass ich es auf dem Balkon des Hotels vergessen habe. Das soll mir nicht noch einmal passieren!

Am Nachmittag nehme ich noch schnell mit meinem HTC ONE M8 eine neue Folge für meine Serie “Ansgar’s kleine Fotoschule” auf. Heute geht es wie ein Jahr zuvor wieder um den Inhalt meines Fotorucksacks. Ich hole alles mal kurz heraus und sage zu fast jedem Ding einige wenige Worte. So sollte klar werden warum ich diese Dinge dabei habe und welchen Zweck sie im Fotoalltag erfüllen. Zum Schnitt des Videos werde ich allerdings erst einige Tage später kommen, denn obwohl das Video recht simpel strukturiert ist muss man doch alle Hustenanfälle und Versprecher wegschneiden und zur Erläuterung das eine oder andere Foto einblenden. So nimmt die Fertigstellung dieses Videos dann auch fast 8 Stunden meiner knappen Freizeit in Anspruch.

Tag 29 – 8. Januar

Am nächsten Tag plagt mich etwas das schlechte Gewissen. Ich habe nun schon zwei Tage nicht mehr ernsthaft fotografiert. Aber letztlich ist es auch egal, ich verdiene mit alle dem kein Geld und warum soll ich mir die letzten Stunden auf der Insel mit der Jagd nach Fotos vermiesen das sich eh nicht verkaufen lassen? Also packe ich in aller Ruhe meine Koffer ein und bereite mich seelisch auf die Heimreise vor. Als mich am Nachmittag der Hunger plagt geht es ein letztes Mal zur Finca San Juan auf ein wirklich leckeres Stückchen Kuchen.

Später am Abend treffe ich mich noch mit meinem Facebook-Freund Frank. Wie haben uns ein paar Tage zuvor auf unserer Küstenwanderung von Taganana nach Las Palmas de Anaga kennengelernt. Den Abend verbringen wir an der Hotelbar und unterhalten uns über das Leben auf Teneriffa, die Fotografie, das Universum und den ganzen Rest.

Chasing the Evil through Puerto de la Cruz

Tag 30 – 9. Januar

In der Nacht bekomme ich kaum ein Auge zu. Es ist immer das gleiche, zwar bin ich ein sehr geübter “Reisender”, aber wenn wichtiger Flug ansteht den man rechtzeitig erreichen sollte, so bin ich auch nach all den Jahren noch immer etwas aufgeregt. Beim Frühstück habe ich drei 20,- Euro Scheine für meine beiden Lieblingskellnerinnen und die Mitarbeiter der Küche dabei. Weil es noch so früh ist, sind sie leider beide noch nicht zu sehen. Letztlich stecke ich das Geld in die kleine Sammeldose die am Eingang des Restaurants auf Spenden wartet. 60 Euro Trinkgeld muten auf den ersten Blick etwas heftig an, aber wenn man bedenkt, dass die Mitarbeiter sich unter anderem für mich ganze vier Wochen lang echt ein Bein ausgerissen haben und an wirklich jedem Abend ohne Trinkgeld nach Hause gegangen sind, so sind 60 Euro letztlich doch nur 2 Euro pro Abend.

Hätte ich jeden Abend in einem Restaurant verbracht, so hätte ich wahrscheinlich deutlich mehr Trinkgeld bezahlt. Also sind die 60 Euro gut angelegt und da hier alle Mitarbeiter unglaublich nett und sehr zuvorkommend sind ist es mir das auch wert.

Ganz witzig ist es, dass via Google-Now auf meinem Smartphone sehr detailliert angezeigt wird wann mein Flug geht und wann ich mich auf den Weg machen sollte. Es ist sehr cool, dass Google die Fahrzeit vom Hotel zum Flughafen automatisch berechnet und meine aktuelle Position aus dem WLAN des Hotels ermitteln kann!

Google-Now

Weil am Freitag das morgendliche Staurisiko relativ hoch ist, fahre ich schon um 8h30 los. Aber es klappt alles mehr als problemlos und ich bin letztlich viel zu früh am Flughafen. Schnell den Schlüssel für den Mietwagen abgeben und auf zum Schalter 62 wo Condor gerade seine Passagiere abfertigt. Als ich am Schalter ankomme steht nur ein Pärchen dort und ich bin nach wenigen Sekunden eingecheckt. Das ist wirklich toll!

Während meiner letzten Tage auf Teneriffa wurde in Paris der Anschlag auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo verübt. Daher werden heute alle Passagiere ganz besonders gründlich überprüft. Bei mir führt dies leider dazu, dass der kleine “Pistolengriff” den ich im oben verlinkten Video benutzt habe mehr als auffällt. Ich muss meine gesamte Fotoausrüstung auspacken, den Koffer mit allen Kabeln und Ladegeräten öffnen, mein Notebook, mein iPad, meinen iPod, mein Telefon und vieles mehr auf etliche dieser weißen Plastikschalen verteilen. Alles wird zweimal gecheckt während ich ohne Gürtel auf Socken daneben stehe und zu jeder einzelnen Kamera diese und jene Frage beantworten muss. Kurz bevor mir meine “bequeme Reisejeans” auf peinliche Weise von den leider viel zu üppigen Hüften gleitet, bekomme ich schließlich meinen Gürtel zurück. Das Zusammenklauben meiner vielen kleinen Einzelteile macht mich fast wahnsinnig und ich bin letztlich richtig froh als ich wieder alles beisammen habe und mir mein Gate suchen kann.

Endlich im Flugzeug angekommen ist der Flug extrem entspannt und weil ich mir schon viele Wochen zuvor via Internet einen XL-Seat direkt am Notausgang gebucht habe, ist die Beinfreiheit fast grenzenlos. Wegen des Notausganges ist die Sitzreihe vor mir nur mit zwei Sitzplätzen bestückt und so kann ich meine Füße wirklich sowas von weit ausstrecken, dass ich fast unter dem Gurt hindurch von meinem Platz rutsche, das ist so geil…

Während ich mir auf meinem iPad Mini ein paar Filme anschaue die ich zwar schon kenne aber lange nicht mehr gesehen habe, vergeht die Zeit wie im Flug. Ok ok, wie sollte ist in einem Airbus A321 auch anders sein :-)

High Noon - Airbus A321 - Seat 11A - Nikon 1 V3 & 10-100mm non-PD

In Frankfurt setzen wir auf die Minute pünktlich auf. Ziemlich nervig ist es, dass es bis zum Einsteigen ins Taxi noch geschlagene 90 Minuten dauern wird. Als ich endlich in Önders schönem neuen Taxi sitze bin ich echt froh, dass auch diesmal alles wieder so reibungslos funktioniert hat. Es tut mir nur ziemlich leid, dass Önder so lange auf mich warten musste. Sehr cool ist es auch, dass er mir etwas kaltes zu trinken mitgebracht hat. Dieser Taxifahrer denkt einfach an alles und es gibt in Mainz keine bessere Möglichkeit als sich von Önder oder seinem Vater fahren zu lassen!

Meine Meinung zum Thema “Pegida”

Dass Önder kein “deutscher Name” ist leuchtet sofort ein. Er und seine Familie haben ihre Wurzeln in der Türkei, leben aber seit vielen Jahren in Mainz. Angesichts der verkackten Demos der gestörten Pegida-Affen kriege ich echt die Krise wenn ich daran denke, dass deren bescheuerter Fremdenhass sich auch gegen Menschen wie Önder und seine Familie richtet. Diese Pegida-Vollidioten mit ihren kranken Sprüchen wie “Sachsen bleibt deutsch” hätten sich besser in ihrer Jugend in der Schule angestrengt, dann müssten sie sich jetzt um Jobs sorgen die sie selbst gar nicht annehmen würden. Mir geht echt die Hutschnur hoch wenn ich im Fernsehen schmierige Proleten sehe die “Wir sind das Volk” skandieren und bei denen sofort klar ist, dass sie in ihrem ganzen Leben nicht eine Mark selbst ehrlich verdient haben und sich auf Sozialleistungen ausruhen um die sie jetzt medienwirksam bangen.

Aber noch mehr kotzt es mich an wenn Sarrazin und andere Hetzer zusätzlich verbales Öl ins Feuer gießen. Ich frage mich manchmal ob diese schmierigen Witzbolde aus der deutschen Vergangenheit überhaupt nichts gelernt haben. Die Deutschen waren mal die Weltmeister in der Disziplin der organisierten Vernichtung einer großen Glaubensgemeinschaft. Wenn im Jahr 2015 Menschen vor dem Terror der IS-Mörder oder Taliban fliehen, dann hat kein anderes als unser Volk eine tiefer verwurzelte Pflicht diese Menschen aufzunehmen und ihnen in unserem Land so gut es geht ein neues Zuhause zu bieten.

Scheinbar kann sich keiner der Pegida-Idioten vorstellen, dass Menschen die in Syrien oder anderswo aufgewachsen sind, lieber dort in einer funktionierenden friedfertigen Gemeinschaft leben würden in der man sie versteht und ihre Sprache spricht, als sich im kalten Deutschland mit hasserfüllten Populisten und kahl rasierten Neo-Nazis herumzuplagen. Leider herrscht dort wo sie geboren wurden aber Krieg und dass sie dort geboren wurden konnten sie sich nicht aussuchen. Es gibt Tage da wünschte ich mir alle Pegida-Sympathisanten müssten mal ein Jahr lang im Irak auf der Straße leben oder im Gaza-Streifen um das nackte Überleben kämpfen.