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Teneriffa 2014/2015 – Canadas del Teide

Supernatural Tenerife - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Tag 10 – Canadas del Teide

Wer meinen YouTube Kanal verfolgt hat, dem ist sicher noch mein Video zur Nikon 1 V3 im Gedächtnis. In diesem Video habe ich ziemlich herumgeschimpft weil es einfach bei der Nikon 1 V3 einige Dinge gibt die mich total nerven, dabei ist es eine echt gute Kamera mit der ich unglaublich gern fotografiere. Seit ich hier auf Teneriffa bin habe ich noch keine andere Kamera benutzt als die Nikon 1 V3 und die Nikon 1 V1 (umgebaut auf Infrarot 700nm).

Wahrscheinlich liegt es an den kompakten guten Objektiven und den immer wieder überraschend guten Bildergebnissen. Auch heute war ich zu faul um all den ganzen Fotokrempel einzupacken den ich auch diesmal wieder mit nach Teneriffa geschleppt habe und der nun schon über eine Woche darauf wartet endlich mal benutzt zu werden. Mein alter Fotorucksack war noch von den letzten Tagen mit den beiden Nikon 1 und dem 6,7-13mm, 10-100mm und dem 70-300mm bestückt. Mehr nicht, keine Filter, kein Irgendwas, kein Schnickschnack, kein Trallala. Nur zwei Gehäuse, jeweils zwei Akkus und drei Objektive. Heute kann dann noch das kleine 10mm Pancake hinzu, allerdings habe ich es nicht einmal benutzt :-)

Mit meiner sparsamen kleinen Fotoausrüstung auf dem Rücksitz geht es gegen Mittag hinauf in die Canada del Teide. Dieses Gebiet zieht mich hier immer wieder magisch an denn es ist einfach einzigartig. Als ich nach etwa 60 Minuten Fahrzeit mitten in den Canadas bin, halte ich kurz vor den ersten Restaurants rechts in an einem kleinen Feldweg an. Schnell die Kameras auf die Schulter und los geht es. Ich bin genau dort wo ich im Jahr 2005 mit meiner damals noch nagelneuen Nikon D2x und dem genialen AF-S 2,8/17-55mm meine ersten „echten Fotos“ vom höchsten Berg Spaniens, dem Pico del Teide aufgenommen habe. Als ich etwa eine Stunde später zum Auto zurückkehre habe ich wieder nur Infrarot-Fotos aufgenommen. Diese kleine Nikon 1 V1 macht mich einfach tierisch an. Es ist schon so geil wenn man nur durch den Sucher schaut und das Schwarz-Weiß-Foto sieht. Bereits hier kann man erahnen wie die Bilder aussehen werden wenn sie durch den RAW-Konverter gelaufen und mit NIK Silver-Efex konvertiert wurden. Es macht mir einfach Spaß…

Supernatural Tenerife - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Nach dieser ersten kleinen Session geht es weiter zu den Los Roques. Dort halte ich an und fotografiere mit der Nikon 1 V3 eine kleine Zeitraffer-Sequenz während ich mit der Nikon 1 V1 in Sichtweite um meine Kamera herum streune und das eine oder andere infrarote Knipsbild schieße. Auch hier vergeht fast eine Stunde. Weiter geht es auf die andere Seite dieses gewaltigen Vulkans. Während die Straße dort immer schlechter wird zieht plötzlich dichter Nebel auf. Es ist magisch, am Rande der Nebelfront scheint hier in mehr als 2.000 Metern Höhe die gleißend helle Sonne durch den Nebel auf die schroffe schwarze Lava die kaum 100 Jahre nach dem letzten Ausbruch noch immer sehr „frisch“ aussieht.

X-Mas Trees - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Supernatural Tenerife - Nikon 1 V3

Ich filme ein wenig und spiele mit meiner GoPro HD HERO 4 herum. Auch so vergeht fast eine weitere Stunde. Weil es mir nicht zielführend erscheint weiter in den Nebel hineinzufahren, wende ich mein Auto und fahre zum Parador. Im Restaurant gleich nebenan gibt es zwei leckere Kaltgetränke und einen ganz ordentlichen Hot-Dog „New York“. Auf der Terrasse schmeckt das Ding im wunderbaren Sonnenschein noch viel besser. Auf meinem Handy habe ich eine kleine APP die mir die blaue Stunde anzeigt. Dazu muss ich nur kurz das GPS einschalten und anhand von Datum und Uhrzeit ermittelt die APP wann die Sonne auf- bzw. untergeht. Heute soll die Sonne um 17:49 untergehen. So genieße ich bis 17:15 die warmen Sonnenstrahlen. Es ist fast wie im Skiurlaub, eigentlich sind es hier oben in rund 2.000 Metern Höhe nur etwa 13°C, solange man in der Sonne sitzt merkt man aber nichts davon. Um kurz nach 17h suche ich kurz die Toiletten auf und bin überrascht wie toll hier alles renoviert wurde. Ok, es war auch bitter nötig!

Pünktlich zum Sonnenuntergang bin ich dann bei einer Parkbucht neben der Hauptstraße die quer durch die Canadas del Teide führt. Von hier aus habe ich eine tolle Sicht auf den Teide und die Los Roques. Genau hier war im letzten Jahr der kleine See, in diesem Jahr ist alles so wie es fast immer ist, knochentrocken… Mir soll es recht sein, ich baue schnell meine Nikon 1 V3 samt 10-100mm Objektiv auf und lasse sie alle 5s ein Foto aufnehmen. Während sie vor sich hin knipst fotografiere ich parallel mit der Nikon 1 V1 und dem 6,7-13mm Weitwinkel. Zwischendurch wechsle ich bei der 1 V3 mal die Perspektive und bin total hin und weg als ich schließlich nach Sonnenuntergang noch einige letzte Fotos mit der Nikon 1 V1 und dem 6,7-13mm aufnehme. Weil es schon dunkel ist steht die 1 V1 jetzt auf dem Stativ und die Fotos sehen einfach nur geil aus. Ich bin im Infrarot-Fieber…

Supernatural Tenerife - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Supernatural Tenerife - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Als ich mich auf den Heimweg mache ich es schon vollständig dunkel. Man könnte hier oben noch 3-4 Stunden warten um dann Fotos der Milchstraße zu machen, aber es sind noch viele Wolken am Himmel. Ob es bei diesem Wetter mit der nächtlichen Sicht auf die Milchstraße klappt ist eher fraglich. Zudem ist es jetzt sehr kalt geworden, das Thermometer im Auto zeigt nur noch 7°C an. Außerdem habe ich Hunger und freue mich darauf meine „Beute“ im Hotel auf dem Notebook näher anschauen zu können.

Die Fahrt den Berg hinunter durch die unendlich vielen Kurven geht sehr zügig voran. Als ich am Hotel ankomme ist es erst kurz nach 20h und ich bekomme im Restaurant noch alles was ich mir wünsche. So ist der erste Tag den ich hier allein auf Teneriffa verbringe letztlich doch sehr erfolgreich gewesen. Ich habe fotografiert bis der Arzt kommt und die Ergebnisse gefallen mir unglaublich gut. Mit dem was diese beiden kleinen Nikons leisten bin ich so froh, dass ich eigentlich keine anderen Kameras brauche. Ok, für Fotos der Milchstraße usw. ist die D800E deutlich besser geeignet. Aber für alltägliche Urlaubsbilder ist man mit der Nikon 1 V3 und dem 10-100mm Objektiv sehr gut gerüstet.

Supernatural Tenerife - Nikon 1 V3

Morgen hole ich nach dem Frühstück meinen Sohn vom Flughafen ab und dann machen wir hier eine Woche lang „Ansgar’s kleine Fotoschule“. Ich bin sehr gespannt ob ich es schaffe das Foto-Fieber auch in mein Sohn zu entfachen :-)

Supernatural Tenerife - Nikon 1 V3


Teneriffa 2014/15 – Teil 2

Ana Mountains - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Tag 4 – 15. Dezember

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Insel der Fernsehserie „Lost“. Wenn einer der auf dieser Insel gestrandeten Menschen krank wurde, so heilte alles schnell und als Erklärung gab es immer wieder nur zu hören „Das ist die Insel…“

Hier auf Teneriffa geht es mir meist ganz ähnlich. Zum Ende des Jahres komme ich krank und nervlich ausgelaugt hier hin und schon nach einigen wenigen Tagen geht es mir besser und ich kann neue Energie schöpfen. Vor ein paar Jahren hat mit der hier ansässige deutsche Arzt Dr. Heinsch erzählt, dass er Patienten hat die daheim in Deutschland täglich einen umfangreichen Cocktail verschiedenster Medikamente zu sich genommen haben und hier auf Teneriffa nun ohne all diese Pillen auskommen. Das scheint meinen subjektiven Eindruck von den heilenden Kräften dieser Insel zu bestätigen, aber vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich hier nichts anderes zu tun habe als schlafen, essen und fotografieren? Wem würde es dabei nicht gut gehen?

Heute ist der vierte Tag auf Teneriffa und es sind noch mehr als drei Wochen übrig. Das ist eine lange Zeit und trotzdem kommt es mir schon jetzt viel zu kurz vor. Als wir gegen 9h beim Frühstück sitzen ziehen draußen schwere Regenwolken über die Berge. Zwischendurch scheint gerade zu magisch die Sonne durch diese trübe Waschküche, aber dann kommt auch schon wieder ein kleiner Schauer herunter. Solches Wetter habe ich hier in all den Jahren noch nicht erlebt. Früher gab es ab und zu mal einen kleinen Schauer, aber danach schien dann auch gleich wieder die Sonne. Derzeit ist es hier bei etwa 18° C ziemlich durchwachsen. Aber es ist mir trotzdem lieber als das nasskalte düstere Wetter das wir derzeit daheim in Deutschland haben.

Nach dem Frühstück ist etwas Zeit um den ersten Artikel in meinem BLOG zu veröffentlichen. Inzwischen gibt es hier ein kostenloses freies WLAN. Aber weil in der neuen „WiFi“-Ecke ständig alle möglichen Leute mit Handys und iPads auf Daten warten, ist der Durchsatz eher mäßig, wenn man denn überhaupt mal eine Verbindung hat. Wenn ich mit dem Notebook auf dem Balkon sitze klappt es mit der WiFi-Verbindung. Im Zimmer selbst geht es leider gar nicht. Wenn ich etwas nachschauen will muss ich also auf dem Balkon sitzen oder mich in der WiFi-Ecke unter das Volk mischen. Später fahre ich mal runter zu Pepitos Bar um mich dort mit meinem Freund Wolfgang zu treffen. Wir schnacken ein wenig und überlegen was wir in den neusten Tagen hier alles anstellen könnten. Während dessen lässt es sich meine Sandra bei einer ausgiebigen Massage im Hotel gut gehen. Der Masseur ist ein Meister seines Faches und Sandra fühlt sich nach der Massage jedes Mal wie neu geboren.

Als wir gegen Mittag gemeinsam im Auto sitzen ist es ein Mix aus Regen und Sonnenschein, fast wie bei uns daheim im April. Es geht zielstrebig in Richtung Süd-Westen, unser Ziel ist das kleine Restaurant am Ende des Universums, also gleich neben dem Golf-Platz in Buenavista. Dort angekommen ist das Licht wunderbar und die majestätischen Wellen leuchten in den allerschönsten Farben. Jetzt sollte ich schnell eine meiner Kameras heraus kramen, aber meine Sandra hat Hunger und ich will sie nicht warten lassen.

Der gegrillte Fisch schmeckt hier immer gut und auch heute entscheiden wir und für Lenguado a la Plancha, also Seezunge vom Grill. Als der Fisch kommt fällt uns auf, dass wir uns noch ein paar Kartoffeln hätten ordern sollen. So haben wir jeder einen großen Fisch und etwas Salat daneben. Aber egal, es schmeckt auch ohne Kartoffeln. Zum Nachtisch gibt es zum Ausgleich ein leckeres Stückchen Apfelkuchen und eine Tasse Kaffee, man lebt hier wirklich sehr gut wenn man weiß wo man hin muss :-)

Gegen 16h sind wir dann zurück in der Nähe des Hotels. Ich setze meine Sandra im Einkaufszentrum in der Nähe des Hotels ab. Dort kann sie in Ruhe shoppen und ich kann mir die Fotos der letzten Tag mal in Ruhe anschauen.

Neue Fotos habe ich heute keine aufgenommen. Auch heute bewahrheitet sich die alte Regel, dass man nur ernsthaft fotografieren kann, wenn man allein oder in Begleitung anderer Fotofreaks ist. Sobald man in einer Gruppe oder mit der Freundin unterwegs ist, sollte man sich deren Bedürfnissen beugen und da passt es einfach nicht hinein stundenlang mit der Kamera auf dem Stativ irgendwo herumzustehen und auf gutes Licht zu warten. Wirklich ernsthaft fotografieren kann man auch auf Teneriffa eben nur allein.

Derzeit ist das allerdings für mich kein Problem, denn ab Freitag bin ich allein und bis dahin ist es auch sehr schön mal ein wenig Zeit mit meiner Freundin zu verbringen die ich daheim in Deutschland auch nur am Wochenende zu sehen bekomme. Außerdem sind wir beide noch von unseren Erkältungen gezeichnet und im Grunde genommen sehr froh wenn alles ruhig abläuft und wir einfach in den Tag hineinleben können. Es muss auch mal Tage ohne die Jagd nach neuen Fotos geben können.

Tag 5 – 16. Dezember

Auch dieser Tag beginnt mit Regen und Nebel, das Wetter hier ist derzeit wirklich sehr untypisch. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in den Süden. Auch heute funktioniert unser Plan, als wir in Candelaria eintreffen scheint dort die Sonne. Wir gehen ein wenig spazieren und schlagen danach in einem Café an der Strandpromenade die Zeit tot. Als es uns langweilig wird fahren wir weiter in Richtung Süden. Ein echtes Ziel haben wir nicht und so landen wir schließlich in Santiago del Teide. Gleich im ersten Restaurant kehren wir ein und bestellen uns eine typische Spezialität der Kanaren, es gibt eine gemischte Fleischplatte. Dazu etwas Salat, Brot und Aioli in verschiedenen Variationen, als wir das Restaurant verlassen können wir uns vor lauter Essen kaum noch bewegen.

Candelaria Beach - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens
Candelaria Beach - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens

Auf dem Heimweg kommen wir schließlich wieder in San Juan de la Rambla vorbei und entschließend uns kurzfristig zu einem erneuten Besuch auf der Finca San Juan. Dort gibt es noch ein Stückchen Kuchen und einen leckeren Kaffee mit Milch.

Finca San Juan #1 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens
Finca San Juan #2 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens

Zurück am Hotel hängen noch immer dicke Wolken über dem Gebirge. Ich habe meine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1 V1 dabei und entschließe mich auf dem Parkplatz vor dem Hotel noch ein paar Fotos zu schießen.
Living on the hillside #5 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm
Tenerife Clouds - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm
Living on the hillside #4 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm
Living on the hillside #1 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm

Hätte ich gewusst, dass wir hier nur deutsches Regenwetter haben, ich hätte alle Kameras auch daheim lassen können. Nun haben wir extra einen Tag damit verbracht ein Ladegerät für meine Nikon D800E zu kaufen und ich habe sie noch nicht einmal ausgepackt. Auch die Olympus OM-D E-M1 liegt zusammen mit einigen Objektiven noch immer gut verwahrt in unserem Zimmersafe.

Einzig mit der Nikon 1 V3 und der Nikon 1 V1 habe ich bislang einige belanglose Knipsbilder geschossen. Wirklich ersthaft fotografiert habe ich noch gar nicht und es wird auch noch 2-3 Tage dauern bis das hier möglich sein wird. Dabei ist natürlich das schlechte Wetter nur einer der Gründe. Der zweite Grund ist, dass ich erstmal gesund werden muss und dass wer in Begleitung verreist auch auf seinen Reisepartner eingehen sollte und nicht nur mit seiner Kamera hier und dort auf das richtige Licht warten kann.

Wirklich intensiv fotografieren kann man eigentlich nur wenn man allein ist oder eben mit 100% Gleichgesinnten unterwegs ist. Wer einen Reise komplett mit seiner Frau oder Freundin verbringt sollte sich keine Hoffnung auf bahnbrechend gute Fotos machen, dazu ist meist einfach keine Gelegenheit. Was geht sind Knipsbilder die im Vorbeigehen aufgenommen werden. Das sind mitunter schöne Erinnerungen für das Fotoalbum, mehr aber in der Regel auch nicht. Und dafür reicht nach meiner Erfahrung eine Kamera wie die Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm „Deppenzoom“ völlig aus.

Ich habe auf dieser Reise vier Kameras und einen ganzen Koffer voller Zubehör dabei. Bislang habe ich davon praktisch nichts benutzt. Allein die Hoffnung bleibt, dass sich dies ändert sobald ich einige Tage allein bin und mich voll und ganz auf neue Fotos konzentrieren kann.

Tag 6 – 17. Dezember

Und auch dieser Tag beginnt mit Regen und Nebel, es ist langsam wirklich mehr als frustrierend. Beim Frühstück überlegen wir was wir heute unternehmen könnten. Schließlich sind wir gegen 11h mit dem Auto unterwegs ins Anaga-Gebirge. Unser Ziel ist das Fisch-Restaurant am Roque de las Bodegas am Strand zwischen Taganana und Benijo. In meinem Fotorucksack habe ich auch heute nur die Nikon 1 V3 sowie die Nikon 1 V1 und das 6,7-13mm, 10-100mm und das 70-300mm Objektiv. Am Ende des Tages werde ich diese Kamera nicht ein einziges Mal in der Hand gehabt haben, denn es regnet an einem Stück.

Der Weg nach Taganana ist mehr als mystisch. Teilweise sieht es aus als würden wir durch einen Dampfgarer fahren. Die Nebenschwaden ziehen durch die urigen Wälder, dass es fast zum fürchten ist. Als Sandra irgendwann sagt, dass sie nur noch darauf wartet, dass jetzt einer der Saurier aus dem Jurassic Park auf der Straße vor uns auftaucht ist es um uns geschehen. Nun fantasieren wir gemeinsam was noch alles passieren könnte und uns fallen nur wirklich gruselige Dinge ein.

Am Roque de las Bodegas zwischen Taganana und Benijo angekommen hat es aufgehört zu regnen. Unser „Tagesziel“ hat sogar geöffnet, wir sind allerdings die einzigen Gäste. Wir bestellen wie immer den Fisch des Tages, als Vorspeise Garnelen die in heißem Öl mit viel Knoblauch gebacken wurden, Brot, rote und grüne Mojo-Sauce und einen gemischten Salat. Dazu ein Radler und schon ist der Tag gerettet.

Gegen 13h geht es wieder zurück zum Hotel. Es sind eigentlich nicht wirklich viele Kilometer aber sie haben es trotzdem in sich. Die Straße ist eng und kurvenreich und während mir nach dem opulenten Mittagsmahl wegen der nicht enden wollenden Kurven langsam aber sicher übel wird, kommt uns immer mal wieder ein großer Bus entgegen. Sie tauchen urplötzlich aus dem Nebel auf, so dass uns beiden der Atem stockt. Als wir endlich unterhalb von Las Mercedes auf die Hauptstraße abbiegen bin ich echt froh, dass es mit den Kurven für heute ein Ende hat.

Im Hotel angekommen versuchen wir erneut irgendeine Art von Internet-Verbindung herzustellen, aber es geht rein gar nichts. Es ist zum heulen, da habe ich am Anreisetag für 10 Euro „drei Tage Internet“ gekauft, aber anmelden kann ich mich mit den Zugangsdaten auf der Quittung rein nirgendwo. Irgendwann fällt mir dann auf, dass da auch Spanisch zu lesen steht, dass man sich innerhalb von zwei Tagen erstmals anmelden soll, weil das Guthaben ansonsten verfällt, na prima…

In der Halle gibt es eine neue Ecke mit kostenlosem WiFi. Dort steht eine Horde Handyzombies die alle von ihren Smartphones hypnotisiert zu sein scheinen. Auf einem Schild an der Rezeption steht „Free WiFi“. Gleich darunter „HALL-WIFI“ und eine etwas längere Zahlenkette, es ist der WEP-Zugangsschlüssel. Als ich mit meinem Mac neben dem Aufsteller stehe um die Zahlenkolonne abzutippen kommt ein deutscher Rentner von hinten, dreht den Aufsteller so, dass ich nicht mehr lesen kann was darauf steht und sagt „Andere wollen das auch lesen“. Ich könnte ihm eins in die faltige Schauze hauen, aber ich bin gut erzogen und quittiere sein Verhalten mit einem „Ich wünsche ihnen viel Spaß, es funktioniert sowieso nicht.“. Ich klappe mein Notebook zusammen und akzeptiere, dass es Tage gibt an denen man sich höheren Mächten beugen muss.

Später treffen wir uns mit unseren Freunden Karin und Wolfgang in der Innenstadt von Puerto de La Cruz. Dies ist einer der wenigen Lichtblicke in dieser trüben Zeit :-) Es ist schön die beiden endlich wieder zu sehen. Sandra und Karin quasseln was das Zeug hält, wir Männer halten es ebenso, nur die Themen sind bei uns anders. Als es langsam dunkel wird wandern wir zum Parkhaus und machen uns auf den Weg zurück zum Hotel. Meine Sandra hat nun noch einen Tag hier auf Teneriffa. Morgen werden wir erneut versuchen dem Mistwetter die besten Seiten abzutrotzen, übermorgen geht es dann nach Hause.

Ich habe dann einen Tag „frei“ bevor am Sonntag mein Sohn Leon hier eintrudelt. Er ist seit kurzem 17 Jahre alt und stolzer Besitzer eine Nikon D2x mit einigen Zubehör. Mir schwebt vor, dass wir hier eine Woche „Ansgar’s kleine Fotoschule“ mit privatem Coaching durchführen. Hoffentlich ist das Wetter dann besser… Toll wäre natürlich auch ein funktionierender Internet-Zugang um unsere ersten Meisterwerke auch bei flickr und anderen Plattformen präsentieren zu können.

Tag 7 – 18. Dezember

Auch heute starten wir wieder mit Regen und schweren Wolken in den Tag. Nach dem Frühstück reißt dann aber der Himmel über den Bergen etwas auf und die Sonne scheint nahezu magisch auf La Orotava herab. Draußen auf der Terrasse ist es menschenleer und als wir mit unseren Sektgläsern dort entlang flanieren finden wir sogar zwei trockene Stühle. So kann man es aushalten, endlich einmal. Das Lichterspiel wird immer spannender. Wäre ich jetzt allein würde ich schnell hoch ins Zimmer flitzen und mit Kamera und Stativ zurückkehren. Statt dessen nuckle ich weiter an meinem Glas Sekt und hoffe für die nächsten Tage auf ähnlich beeindruckende Lichtstimmungen.

Nach dem Frühstück versuchen wir erneut unser Glück mit dem WiFi in der Halle, aber dieses Hotel ist eine Informationstechnische Katastrophe. Überall lungern Leute mit Smartphones und Tablets herum und lauern auf das eine oder andere Bit das sich mühsam durch die maroden Leitungen quält. Weder Sandra noch ich haben heute Glück. Dabei müsste Sie ihren neuen Kindle Fire HDX mal mit dem Internet verbinden, ansonsten werden sämtliche Medien die wir vor einigen Tagen daheim in Deutschland auf das Gerät geladen haben deaktiviert. Diese ganzen Beschränkungen sind echt zum Abgewöhnen und ich frage mich manchmal wie es wäre wenn ein Jeff Bezos mit seinem eigenen Kindle Fire hier im Las Aguilas wohnen würde.

Was nutzt auf Reisen ein teures Gerät mit zahlungspflichtigen Medien wenn man es nur nutzen kann wenn ein WiFi-Netzwerk in der Nähe ist? Was soll ein Off-Line Modus der eigentlich gar keiner ist? Über diese Scheiße könnte ich mich wochenlang aufregen. Wahrscheinlich ist es das beste auf den ganzen Dreck zu verzichten und sich einfach einen portablen DVD-Player mit einigen DVDs mit in den Urlaub zu nehmen. Das funktioniert wenigstens und die DVDs sind meist sogar billiger als die Rechte an digitalen Medien die eigentlich nur eine Geldschneiderei der großen Konzern wie Apple, amazon & Co. sind. Und DVDs kann man bei eBay weiterverkaufen, man kann sie verleihen und die Kinder können sie sich so oft anschauen bis sie die Dialoge mitsprechen können. Das sollte man mal mit einem Kindle-Fire oder einem iPad versuchen. Hat man sich damit für etwa 5 Euro einen Film ausgeliehen und schaut daheim nur mal ganz ganz kurz hinein ob es denn auch das ist was man erwartet, so verbleiben gerade noch 48h Stunden um den Film zu Ende zu schauen.

Irgendwann sind wir unterwegs in Richtung Punta de Hidalgo. Der Himmel ist schwer bewölkt und als wir nach etwa 45 Minuten am Punta de Hidalgo eintreffen haben wir dort schwül warme 24°C. Unser Auto parken wir dort wo wir schon im letzten Jahr geparkt haben und flanieren ein wenig die etwas marode Promenade hinauf und hinunter. Letztlich landen wir in einem Restaurant das einen ganz ordentlichen Eindruck macht. Es ist inzwischen Mittagszeit und wir bestellen uns etwas zu Essen. Sandra entscheidet sich für eine Portion Muscheln, bei mir gibt es wieder eine Seezunge vom Grill. Nach dem Essen geht es zurück zum Auto und dann schnurstracks zum Café Melita etwas weiter oben an der steilen Felsenküste gelegen. Dort schlagen wir auf der Terrasse die Zeit tot. Es gibt noch einen Café und eine schöne Sicht auf das Meer. Sandra glaubt zwischendurch Delfine zu sehen die sich dort unten im Wasser tummeln. Als es uns irgendwann langweilig wird geht es wieder zurück zum Hotel.

The Wave Queen - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Dort angekommen klappt es mit dem Internet-Zugang immer noch nicht. In der Lobby sind lauter unzufriedene Gäste die wie Zombies auf ihre Handies starren und wieder und wieder den WEP-Code eingeben um danach gleich wieder darüber zu stöhnen, dass einfach nichts passiert.

Zurück im Zimmer fummle ich die beiden SIM-Karten aus meinem DUAL-SIM Telefon und tausche sie um. Laut SMS der Deutsche Telekom kann ich mit der X-Tra Card für 14,95 Euro eine Woche lang im Ausland surfen, das wäre kein schlechtes Angebot. Damit es funktioniert sollte die Karte im Kartenslot Nr. 1 stecken. Zwar ist mein HTC ONE (M8) ein waschechtes DUAL-SIM Telefon, aber bei den Datenverbindungen hört der Spaß auf, da kann es nur eine schnelle Verbindung geben und das ist die Karte die im Slot Nr. 1 steckt.

Nachdem ich die Karten getauscht habe klappt aber irgendwie gar nichts mehr, nicht einmal telefonieren kann ich jetzt. Um den Dienst der Telekom nutzen zu können soll man das Daten-Roaming einschalten und die Internet-Seite http://pass.telekom.de öffnen. Leider klappt das einfach nicht. Ich starte das Telefon neu und versuche dies und das, aber nichts hilft. Schließlich tausche ich die Karten wieder zurück und verbinde mich über die ePlus-Karte ins Internet. Nun kann ich http://pass.telekom.de aufrufen, aber eben mit der falschen Telefonkarte. Das bringt also alles nichts, ich bin frustriert und fühle mich hier vom „normalen Leben“ abgeschnitten. Zwar kann ich meinen BLOG schreiben, das war es dann aber auch schon. Publizieren kann ich in diesem Hotel rein gar nichts und das nervt total!!

Wirklich fotografiert habe ich in den letzten Tage auch nicht. Entweder hat es ständig geregnet oder wir waren mit dem Auto unterwegs. Meine Olympus OM-D E-M1 liegt noch immer ungenutzt im Zimmersafe. Die Nikon D800E samt AF-S VR 2,8/14-24mm liegt einfach ungenutzt im Kleiderschrank, für den Zimmersafe ist sie leider etwas zu groß…

Wer hier bei durchwachsenem Wetter unterwegs ist und auf seine Reisebegleitung Rücksicht nehmen muss, der braucht echt nicht mehr als eine kleine Knipskamera wie die Nikon 1 V3 und die habe ich hier ständig dabei. Wirklich benutzt habe ich sie allerdings auch noch nicht.

Auch meine beiden GoPro HD HERO 3 und 4 liegen noch ungenutzt im Schrank, es ist ein Trauerspiel. Letztlich bleibt nur die Hoffnung, dass sich in den nächsten Tagen das Wetter etwas besser und ich endlich zu der einen oder anderen ausgedehnten Fototour aufbrechen kann.

Auch wenn es sich vielleicht anders anhört, die letzten Tage waren trotz allem gar nicht so schlecht. Ich habe viel und lange geschlafen und meine Erkältung recht ordentlich auskuriert. Mittlerweile ist der Husten weg und ich kann wieder normal durch die Nase atmen. Beim Kauen knackst es leider noch bei jedem Bissen im rechten Ohr. Aber hier habe ich den Eindruck, dass auch das langsam besser wird, es ist eben “die Insel”.


Teneriffa 2014/15 – Teil 1

Teneriffa 2014/2015

Tag 1 – Anreise mit Hindernissen

12. Dezember

Teneriffa-2010-23_thumb.jpg

Weil mich im letzten Jahr kurz vor der Abreise nach Teneriffa eine Lungenentzündung an den Rand meiner Überlebensfähigkeit gebracht hat, ging es in diesem Jahr für mich nur darum nicht wieder krank zu werden. So war es mir ein Graus als die Kollegen unbedingt kurz vor der Abreise nach Teneriffa in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt in Mainz besuchen wollten. Doch rückblickend war es da eigentlich schon zu spät. Bereits Ende November war ich tagelang heiser und konnte kaum noch sprechen. Für eine Plaudertasche wie mich ist das besonders schwer :-)

Anfang Dezember war es dann wie im letzten Jahr ganz vorbei. Montags und Dienstags konnte ich noch arbeiten aber in der Nacht zum Mittwoch war es dann wieder um mich geschehen. Fieber, Husten, Kopfweh, das ganze Programm. Letztlich war es nicht so schlimm wie im Jahr zuvor aber ich habe dann doch wieder einige Tage stramm im Bett liegen müssen. Irgendwann war ich in der Lage einen Arzt aufzusuchen und kurz drauf lag ich schon wieder im Bett allerdings versorgt mit einer Mischung aus Schleimlösern, Hustensaft und einem Antibiotikum.

Am Tag vor der Abreise nach Teneriffa muss ich erstmal von Bonn nach Mainz fahren, kurz im Büro vorbeischauen, meine Zeiterfassung erledigen und danach meine Koffer packen. Alles geschieht irgendwie fast wie im Traum, ich bin nicht wirklich klar im Kopf. Während ich meinen Koffer packe fällt mir auf, dass ich das Ladegerät für den Akku meiner heiß geliebten Nikon D800E nirgendwo in meiner Mainzer Wohnung finden kann. Das alte Mistding ist sehr wahrscheinlich in meinem Fotokoffer den ich im Mai mit in den USA hatte. Eigentlich wollte ich noch einen Blick hineingeworfen haben, bei der Abreise nach Mainz war ich dann aber wegen meiner Erkältung noch so umnebelt, dass ich es einfach vergessen habe. Bis in die Nacht hinein werden in Mainz alle Kisten mit Kameras und Fotozubehör abgesucht, aber ein Nikon MH-25 Ladegerät will einfach nirgendwo auftauchen. ich bin total genervt schließlich habe drei Stück von diesen Dingern. Eines war bei meiner Nikon D7000 dabei, eines bei der D800E und Nummer 3 wurde mit der Nikon 1 V1 geliefert.

Ziemlich frustriert schlafe ich irgendwann nach Mitternacht ein, dann muss ich mich eben auf Teneriffa darum kümmern ein Ladegerät zu bekommen, es wird schon schief gehen…

Kaum drei Stunden später muss ich auch schon wieder aufstehen, ich bin völlig am Ende und unter der Dusche kann ich nicht unterscheiden ob es Tränen oder Wassertropfen sind die mir da auf die Füße plätschern, wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Oh je, könnte ich doch noch eine Woche daheim bleiben um erst einmal richtig gesund zu werden…

Pünktlich um 4h30 steht das mein Taxi vor der Tür. Es ist nicht Önder, sondern sein Vater der mich heute zum Flughafen bringen wird. Die Autobahn ist so früh am morgen noch einsam und frei, bis zum Flughafen in Frankfurt dauert es kaum 30 Minuten. Am Check-In ist auch noch nichts los, einige Minuten später bin ich dann auch schon eingecheckt. Die Bestätigung meiner Sitzplatzreservierung habe ich leider nicht ausgedruckt, blöd gelaufen. So sitze ich nun auf Platz 10A statt auf 7A. Macht also keinen Unterscheid, aber die kostenpflichtige Reservierung hätte ich mir auch sparen können…

Als ich schließlich im Flugzeug sitze bin ich völlig fertig. Der Kopf tut weh, mir ist übel und ich schwitze aus allen Poren. Zudem ist es im Flugzeug ungewöhnlich warm, aber vielleicht empfinde ich das auch nur so weil ich noch krank bin und eigentlich noch ins Bett gehöre.

Nach dem Start krame ich dann meine neues iPad Mini heraus und schaue mir den neuen Spiderman an. Eigentlich hatte ich mir noch einige andere Filme bei iTunes gekauft, aber weil beim Download der Speicherplatz zu eng wurde, habe ich im Delirium mein iPad „aufgeräumt“ und danach wohl nur den Spiderman erneut heruntergeladen. So habe ich jetzt ein fast nutzloses iPad dabei, es ist keinerlei Musik drauf, ich habe fast alle APPs gelöscht und es gibt genau EINEN Film – Na super Ansgar, das war eine echte Meisterleistung…

Auf Teneriffa angekommen flitze ich schnell zum Schalter von CICAR. Dort habe ich einige Minuten später auch schon meinen Opel Astra. Er kostet für 28 Tage 522,46 Euro und ist in sehr gutem Zustand. Auf dem Kilometerzähler stehen rund 34.000 Kilometer, das Auto ist also noch relativ neu. Auch diesmal ist der Tank leer, ich finde das ganz praktisch, denn gleich am Flughafen ist eine Tankstelle und dort kann für exakt 50,- Euro den Tank vollständig befallen. Der Liter Super 95 kostet hier 1,06 Euro, das ist etwas teurer als an den freien Tankstellen in der Umgebung, dort kann man teilweise für 0,96 Euro tanken.

Es ist kein Wunder, dass der spanische Staat ein Milliarden schweres Haushaltsdefizit hat, denn er nimmt im Vergleich zu Deutschland deutlich weniger Steuern ein. Den Urlaubern und Inselbewohnern mag das zugute kommen, aber für das Ende der Finanzkrise ist es sicher nicht zuträglich. Auch gibt es hier auf Teneriffa kaum Parkuhren und viele öffentliche Einrichtungen kann man kostenlos oder sehr preiswert nutzen. Kommt man aus Deutschland hierher, so mutet vieles enorm preiswert an.

Meine 28-tägige Reise habe ich bei via Neckermann gebucht und meine Suite im Las Aguilas kostet mit Halbpension inkl. Flug mit Condor 1.711,- Euro. Rechnet man den Mietwagen und Benzin dazu, so bin ich hier mit etwas 2.700,- Euro pro Monat dabei, das ist nicht ganz schlecht.

Im Hotel angekommen ist es gerade mal 12h und es sind noch mehr als vier Stunden bis meine Sandra eintrudeln wird. So ist Zeit in Ruhe das Zimmer zu beziehen und ein paar Minuten die Füße hochzulegen. Als ich im Zimmer 412 eintreffe stelle ich fest, dass es keine Suite ist, sondern nur ein normales einfaches Zimmer mit Kochecke und einem großen Doppelbett. Kurz drauf an der Rezeption muss ich feststellen, dass die blumige Umschreibung im Internet genau auf dieses Zimmer zutrifft. In den letzten Jahren hatte ich hier stets eine Suite mit separatem Schlafzimmer, im letzten Jahr sogar ein ganz besonders große Suite. Ein paar Minuten später ist aber mit den supernetten Mitarbeitern an der Rezeption alles abgestimmt, ich ziehe um in Zimmer 110. Hier habe ich zwar nicht den tollen Panoramablick hinauf auf das Meer, aber die Suite ist sehr groß und meine Sandra und ich werden hier viel Platz haben. Der Aufpreis auf das Einzelzimmer beträgt 30 Euro an Tag, also 840,- Euro. Damit kostet meine Reise dann schon runde 3.540,- Euro, langsam aber sicher wird es teurer…

Als ich später wieder am Flughafen eintreffe habe ich schon 2x 90 Kilometer hinter mir und muss nun fast eine Stunde warten weil der Flieger meiner Sandra ab Düsseldorf mit viel Verspätung unterwegs ist. Schließlich klappt es dann aber doch und meine Sandra ist mehr als glücklich, dass ich sie tatsächlich am Flughafen abhole und sie nicht mit dem Bus eine Inselrundfahrt unternehmen muss.

Wieder im Hotel angekommen wird dann meine Sandra eingecheckt. Ihr Flug hat 230,- Euro gekostet und der Aufenthalt im Hotel kostet inkl. Halbpension 30,- Euro pro Tag. Damit ist ihre sieben tätige Reise mit 440,- Euro relativ preiswert. Kurz nach Sandras abreise wird mich dann mein Sohn für eine Woche besuchen kommen, so bin ich an Weihnachten nicht allein nach mehr als 10 Jahren können wir mal die Weihnachtstage gemeinsam verbringen.

Später beim Abendessen treffen wir einige alte Bekannte wieder und freuen uns, dass einige der Mitarbeiter des Hotels uns wiederkennen und mehr als freundlich begrüßen.

Vor dem Schlafengehen bin ich wirklich am Ende. Die Ohren schmerzen wie die Hölle. Während des Fluges habe ich keinen Druckausgleich hinbekommen und bin bei Start und Landung fast eingegangen weil die Ohren so weh taten. Später im Auto bei dem ganzen  auf und ab auf dieser Insel hat es alle paar Meter in den Ohren geknackst. „Ich höre was, ich höre nichts….. ich höre was, ich höre nichts…….“

Tag 2 – 13. Dezember

Am nächsten Morgen geht es etwas besser, die Kopfschmerzen haben nachgelassen, der Husten löst sich jetzt aber die Ohren gehen noch immer auf und zu. Beim Frühstück knackst es bei jedem Biss in den Ohren und es tut wirklich weh. Etwas später machen wir uns auf den Weg nach Santa Cruz. In der Inselhauptstadt gibt es einen Mediamarkt und dort will ich versuchen eine Ladegerät für meine Nikon D800E und die Nikon 1 V1 zu ergattern. Ein „echtes“ Nikon MH-25 ist leider nicht zu bekommen, aber es gibt ein ganz ordentliches Universal-Ladegerät. Ich habe einen wirklich ganz extrem netten Verkäufer erwischt und er packt sogar mehrere Geräte aus und testet mit dem EN-EL15 Akku den ich mitgebracht habe ob er sich laden lässt oder nicht. Ein passendes Gerät ist so schnell gefunden und ich bin mehr als glücklich, dass ich die beiden zugehörigen Kameras nicht umsonst mit nach Teneriffa geschleppt habe.

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Es ist fast Mittag und wir machen uns auf dem Weg nach San Juan de la Rambla. Etwas oberhalb gelegen ist die wunderbare Finca San Juan. Dort haben wir in den letzten Jahren schon mehrfach gewohnt und dort wollen wir uns ein leckeres Mittagessen gönnen.

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Als wird dort ankommen können wir überall die Spuren der schweren Unwetter sehen die hier in den letzten Monaten gewütet haben. Aber das Meiste ist schon wieder aufgeräumt und der Schutt einiger umgestürzter Mauern wurde sorgsam an den Straßenrand geschoben, so dass die Zufahrt zur Finca wieder frei ist. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass sich in diesem Jahr etwas geändert hat. Köchin Caro ist nicht mehr da, aber die Nachfolge ist sehr gut geregelt. Während wir uns eine Seezunge vom Grill schmecken lassen, werden wird über die Neuigkeiten der letzten Monate informiert. Später kommt dann der Chef Jo Schlichting dazu und so wird es wieder ein wirklich schöner fast familiärer Besuch auf dieser tollen Finca. Gäbe es dort oben einen Internet-Zugang, ich würde gern mal wieder dort wohnen…

So geht unser erster Tag auf Teneriffa ohne besondere Vorkommnisse zu Ende.

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Tag 3 – 14. Dezember

Am nächsten Tag geht es mir wieder ein wenig besser, aber nun ist meine Sandra schwer erkältet. Sie hustet, hat Kopfweh und der Hals tut weh. Ob ich sie angesteckt habe??

Nach dem Frühstück sitzen wir entspannt mit einem Glas Sekt in der Sonne auf der Terrasse vor dem Speisesaal des Hotels. Vor uns ziehen die Wolken langsam in Richtung Osten ab. Nach dem Regen des Vortages sieht es aus als wenn es hier heute ganz schön werden könnte.

Später machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Es ist etwa 11h, wir haben Sonntag und in uns tragen wir die Hoffnung, dass wir hier eine Apotheke finden in der meine Sandra etwas Medizin gegen die aufkeimende Grippe kaufen kann. Es geht zuerst runter nach La Paz, das ist das deutsche Viertel von Puerto de la Cruz. Hier ist so ziemlich alles auf die Bedürfnisse deutscher Urlauber abgestimmt und es gibt hier eine Apotheke in der Deutsch gesprochen wird. Hier wird es sicher kein Problem sein ein Erkältungsbad und etwas Medizin zu kaufen. Aber die Apotheke ist leider geschlossen, mist!!!

Also geht es weiter. Ein paar Meter weiter unten biege ich instinktiv in die winzige kurvenreiche Straße ab die steil hinab zum Meer führt. Danach geht es kreuz und quer durch die engen Straßen von Puerto de la Cruz. Würde ich mich hier nicht nach all den Jahren gut auskennen, so wären diese engen Gassen fast zum Fürchten. Alle Apotheken die wir finde haben heute geschlossen. Wir sind frustriert, aber dann gleich gegenüber vom Loro Parque hat eine Apotheke geöffnet. Sandra springt aus dem Auto und ich habe nun Gelegenheit mein Smartphone via Audio-Kabel mit dem AUX-Eingang des Autoradios zu verbinden. Einige Sekunden später öffnet dann jemand die hintere Türe meines Autos. Ich zucke zusammen, aber es ist meine Sandra. Sie kramt kurz in ihrem Rucksack und fischt dann ein Wörterbuch Deutsch-Spanisch – Spanisch-Deutsch heraus. Ein paar Minuten später hat sie dann alles was sie braucht und ich freue mich, dass der Urlaub nun bald wird beginnen können.

Auf dem Weg zum Hotel ziehen sich die Wolken zu, es sieht aus als würde es wieder Regen geben wie am Tag zuvor. Ich schlage meiner Sandra vor, dass wir auf die andere Seite der Insel fahren und ich ihr endlich mal den Ort El Medano gleich beim Flughafen zeige. Sie willigt ein und so geht es los. Der Weg ist nicht wirklich weit, es sind wieder etwa 90 lässige Autobahnkilometer. Diese Strecke werde ich in den nächsten Wochen noch mehrfach fahren. Denn am 19. Dezember muss meine Sandra wieder abreisen und gleich drauf wird dann mein Sohn Leon für eine Woche auf „meine Insel“ kommen um hier mit mir die Weihnachtstage zu verbringen. Wir waren zuletzt im Jahr 2008 zusammen auf dieser Insel und damals war mein Leon noch ein kleiner Junge!

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In El Medano scheint die Sonne wie man es sich nur wünschen kann. Es ist wunderbar warm und es geht ein frischer Wind. In der Bucht von El Medano sind rund 100 Surfer mit Kites und anderem Gerät unterwegs. Wir steuern das Restaurant Hong Kong gleich neben dem Hotel El Medano an und lassen es uns dort gut gehen. Später gibt es noch einen Spaziergang und ein paar Fotos der wagemutigen Surfer draußen auf dem Meer. Ich habe heute leider nur meine Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm „Reisezoom“ dabei. So gelingen keine wirklich spektakulären Fotos, aber ich kann ja in den nächsten Wochen nochmal mit dem neuen 70-300mm Telezoom vorbeikommen. Umgerechnet auf das FX-Format habe ich damit ein 189-810mm Teleobjektiv, damit kann man hier am Strand sicher ordentlich was reißen. Ich bin gespannt…

Später im Hotel genießt meine Sandra das Leben in der Badewanne und als sie danach etwas benebelt von all den ätherischen Ölen im Bademantel auf dem Sofa sitzt ist dieser Artikel auch schon fertig geschrieben :-)

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USA 2014 – Wieder eine Reise ins Ungewisse Teil 1-4

Wer noch nie ein Video erstellt hat das knapp 30 Minuten dauert und halbwegs “Hand & Fuß” hat, der wird kaum ermessen können wie viel Arbeit es bereitet eine vier Wochen dauernde abenteuerliche sehr freie Reise umfassend in einem Video zu dokumentieren. Eine Reportage zu erstellen die auch bei einer Spielzeit von mehr als 5 Minuten nicht langweilig wird, die viele Informationen transportiert, die mit gut verständlichem Ton daherkommt und bei der die Schnitte zum Rhythmus der Musik passen, das ist eine echte Herausforderung. Neben dem Bildmaterial das man natürlich während der Reise einsammeln muss, braucht es noch eine geeignete Ausstattung mit Computern, riesigen Festplatten, Mikrofonen und vor allem mit ZEIT mit ganz viel ZEIT. Tag für Tag wühlt man sich später durch viele tausend Fotos und hunderte von Gigabytes mit Video-Material, schreibt Texte, probiert GEMA-freie Musik aus, und ist einfach nur froh wenn man sein Video endlich veröffentlichen kann.

Mein aktuelles Video-Projekt sieht so aus wie im folgenden Screenshot. Wer diesen genau anschaut sieht sofort aus wie vielen kleinen Schnipseln der vierte Teil meiner USA-Reportage besteht. Dabei ist jeder kleine Schnipsel “handverlesen”, ich habe bei jedem Schnipsel über Anfang und Ende nachgedacht, überlegt ob es einen harten Schnitt oder eine weiche Überblendung geben soll. Ich habe Stunden damit verbracht nach Musik und Soundeffekten zu suchen. Und als die Musik und Video-Clips zusammen gefügt waren, habe ich an jedem Anfang eines Clips und jedem Ende versucht ihn so zu trimmen, dass er mit der untermalenden Musik harmoniert.

USA-2014 - Final-Cut-Pro-X

Es mich jetzt wieder einen Monat lang fast jeden freien Abend gekostet den vierten Teil von  “Wieder eine Reise ins Ungewisse zu erstellen”.

Das “Original” von 2011

Als ich vor ein paar Jahren meinen Film “Reise ins Ungewisse” erstellt habe, betrug der Zeitaufwand verteilt über 14 Tage hinweg etwa 160 Stunden. Ich konnte mir dies nur leisten, weil ich damals ziemlich erkältet daheim herumgesessen habe. Ich war nicht krank genug um nur im Bett zu liegen aber auch nicht gesund genug um zur Arbeit zu gehen. Also habe ich mit warm eingepackt mit viel heißem Tee an meinen Windows Computer gesetzt und mit der Arbeit an diesem Video begonnen. Damals habe ich noch MAGIX Video Deluxe benutzt. Diese Software hatte ich mir kurz zuvor offiziell gekauft und sie war mehr als fehlerhaft. Immer wieder ist sie ausgestiegen und fast täglich gab es Updates zum Download. Irgendwann lief es dann halbwegs stabil und dann gab es eine neue kostenpflichtige Version und das Leid begann von Neuem. Wer sich mit dem Schnitt längerer Videos in 1080p Qualität beschäftigt, bringt seinen Computer schnell an seine Grenzen. So habe ich meinen Windows-Computer mehrfach aufgerüstet und mit schnelleren größeren Festplatten bestückt. Nach einigen wenigen Installationen von MAGIX Video Deluxe verweigerte dann das Installationsprogramm seinen Dienst. Ich hatte die Software zu oft installiert und “zu meinem Schutz” konnte ich sie nicht erneut installieren. FUCK, so ein Mist! Ich habe E-Mails an den MAGIX Support geschrieben die nicht beantwortet wurden, ich habe ausdauernd die Dudelmusik in der Warteschleife der MAGIX Hotline ertragen, aber beim Hersteller hat man sich nicht gerührt. Bis heute habe ich eine offiziell gekaufte Version von MAGIX Video Deluxe die ich nicht mehr installieren kann, zu “meinem eigenen Schutz” wohlgemerkt!

Ungeachtet dessen schickt man mir von MAGIX regelmäßig Werbemails und nette Prospekte mit der Post. Alle drei Monate gibt es neuere schnellere und viel bessere Versionen von MAGIX Video Deluxe die nur noch für ein paar Tage zum Preis von 59,- Euro gekauft werden können. Schon zweimal habe ich einen dieser Prospekte mit der Post zurückgeschickt und in einem Begleitbrief darum gebeten, dass endlich irgend jemand meine offiziell gekaufte Lizenznummer freischaltet, damit ich diese Software wieder installieren kann. Aber es kam wie erwartet keine Antwort.

Letztlich habe ich dann für etwa 150 Euro via App-Store die Apple Software Final-Cut-Pro-X für mein MacBook Pro gekauft. Diese Videoschnittsystem läuft stabiler als MAGIX Video Deluxe es jemals tat und ich habe bislang ALLE, wirklich ALLE Updates kostenlos erhalten!!

MAGIX Video Deluxe ist daher für mich echt gestorben und ich bin mehr als enttäuscht, vom Support des Herstellers!

Ungeachtet dessen habe ich es geschafft mittels MAGIX Video Deluxe die “Mutter meiner Reisedokumentationen” fertigzustellen

Von diesem Video habe ich später noch eine zweite Version erstellt, denn bei der ersten Variante  musste ich ständig husten weil ich so erkältet war. Immer wieder musste ich meine Moderation wiederholen bis es endlich halbwegs gut gepasst hat. Beide Versionen zusammen sind inzwischen mehr als 40.000 mal angeschaut worden und mir persönlich gefällt irgendwie die erste Fassung noch immer am Besten.

Vor diesem Hintergrund habe ich an praktisch jedem Tag den ich im Mai in den USA verbracht habe daran gedacht wie ich Fotos und Filmmaterial für eine neue, umfassendere und bessere Reisedokumentation erstellen kann. Meine Sandra hat oft mit dem Kopf geschüttelt, wenn ich mal wieder nachts unterwegs war statt einfach nur die Reise zu genießen. Aber ich war während der Reise wie ein “Getriebener”, der nicht ohne brauchbares Material heimkehren wollte. Schließlich habe ich diese Reise im wesentlichen unternommen um eine hoffentlich gut gemachte Reportage daraus entwicklen zu können. Ich habe für mehrere tausend Euro Foto-Equipment angeschafft, die gesamte Reise geplant und finanziert. Ich konnte einen Monat lang nicht arbeiten und damit auf keinen einzigen Cent verdienen. Da ich freiberuflich arbeite bekomme ich natürlich kein Urlaubsgeld und so schlägt jeder Reisetag doppelt hart zu Buche.

Umso frustrierender ist es dann, wenn man nach all der Arbeit ein neues Video endlich veröffentlichen kann und es schon nach nur EINER MINUTE eine negative Bewertung erhalten hat, es also noch nicht einmal angeschaut wurde! Manchmal ist es echt ärgerlich, dass bei YouTube jeder noch so kleine kleine Furz einfach voten kann wie er will und das vollständig anonym. Zugleich ist es frustrierend, wenn beispielsweise das Video aus dem Jahr 2011 rund 40.000 mal angeschaut wurde, aber nur 214 YouTube eine positive Bewertung abgegeben haben. Der Content ist kostenlos und unter Einsatz von viel Zeit und Mühe entstanden, doch im Jahr 2014 wird all das nicht mehr wertgeschätzt sondern einfach nur anonym konsumiert und dann wahrscheinlich gleich auch wieder vergessen…

Die Dokumentation USA 2014

Ungeachtet dessen habe ich beschlossen mich nicht frustrieren zu lassen und mit meinen Videos weiterzumachen. Ich tue dies für die Leser dieses BLOGs und zu einem großen Teil auch für mich selbst. So kann ich mich immer mal wieder vor dem Fernseher zurücklehnen und via Apple-TV oder über die eingebaute YouTube-App eines dieser Videos anschauen und die eine oder andere tolle Reise noch einmal erleben, das ist auch was wert :-)

Hier sind nun die vier bislang fertig gestellten Teile in chronologischer Reihenfolge.

Fazit

Die Reise ist noch nicht zu Ende!! Als ich mit der Arbeit an Teil 1 begann dachte ich, dass ich mit zwei oder drei Teilen auskommen werde. Aber nun sieht es so aus, als wenn draus insgesamt FÜNF Folgen entstehen werden. Dort wo Teil 4 aufhört geht es noch eine ganze Woche weiter und dies werde ich im nächsten Jahr aufarbeiten und damit diese Serie abschließen. Als krönenden Abschluss habe ich mir noch einen kompletten “Directors-Cut” vorgenommen. Dieser hat dann eine Laufzeit von rund 90 Minuten und ich bin sehr gespannt darauf ob ich das wirklich auf die Beine gestellt bekomme. Aber in ein paar Tagen geht es erstmal für vier Wochen nach Teneriffa, auf “MEINE INSEL”. Ich habe Urlaub echt nötig denn derzeit ist es mit dem Husten schon fast wieder so schlimm wie damals als ich meine allererste USA-Reportage erstellt habe. Aber die gute Luft auf Teneriffa sollte helfen das endlich auszukurieren.

Auch im letzten Dezember war ich eine ganze Weile auf Teneriffa und ich habe dort auch sehr viel gefilmt und fotografiert. Wegen der Arbeit an “Wieder eine Reise ins Ungewisse” habe ich es ein ganzes Jahr lang nicht geschafft aus diesem Material ein Video zu erstellen. Aber vielleicht gibt es zu Ostern dann ein “Kombi-Paket mit dem Filmmaterial aus zwei Jahren, schauen wir mal…


Nikon 1 V3 – Fotopraxis

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

Als Nikon das neue 1er System vorgestellt hat, ist dies irgendwie weitgehend an mir vorbei gegangen. Damals war ich gerade voll auf dem FX-Trip, nichts konnte groß und schwer genug sein, warum also eine Kamera mit einem kleinen Chip im CX Format kaufen?

Doch als ich eine Weile später zum ersten Mal eine schwarze Nikon 1 V1 in Händen hielt keimte dann doch die Neugierde in mir auf. Nach und nach habe ich dieses sehr eigenständige und neuartige Kamerasystem für mich entdeckt und erobert. Nun ein paar Jahre später habe ich alle Objektive die Nikon für dieses System anbietet. Ich habe eine Nikon 1 V1 die inzwischen auf Infrarot 700nm umgebaut ist, ich habe eine Nikon 1 J2, eine 1 V2 und seit einigen Wochen auch die 1 V3.

Eigentlich wollte ich die Nikon 1 V3 nicht kaufen, weil sie einfach zu teuer ist. Klar hat diese Kamera einige tolle Features, aber einige wichtige Features hat sie eben nicht, diese wurden meiner Meinung nach gezielt weggelassen um teurere ertragreichere Kameras nicht auszustechen. Es gibt einiges was an dieser wirklich total nervt. Dazu gehört beispielsweise, dass ich weder das GPS noch das zusätzliche Blitzlicht nutzen kann wenn der elektronische Sucher montiert ist. Es nervt, dass ich den Handgriff komplett abschrauben muss wenn ich die Batterie wechseln will. Bei meiner Olympus OM-D E-M10 habe ich auch einen zusätzlichen Handgriff, dieser ist aber mit einem pfiffigen Schnellverschluss versehen und ist eben so blitzschnell ab- wie wieder anmontiert. Warum kriegt man sowas bei Nikon nicht hin?

Dass ich diese Kamera dann doch gekauft habe lag an einem extrem guten Angebot des Nikon Service-Point München. Dort hat man via eBay ein Vorführmodell in neuwertigem zustand inkl. Sucher, Handgriff und 10-30mm PD Objektiv zum Preis von 700 Euro angeboten. Das ist meiner Meinung nach genau der Preis den diese Kamera auch wert ist. Der Listenpreis in Höhe von 1249,- Euro ist meiner Meinung nach angesichts der fehlenden Features und der unglaublich schlechten “Play Memories” WiFi-App für iOS und Android einfach nicht zu rechtfertigen. Grund Nummer 2 diese Kamera zu kaufen war, dass mit dem neuen 1 Nikkor 70-300mm ein kompaktes, ausreichend lichtstarkes Teleobjektiv auf dem Markt ist. Dieses Objektiv schlägt zwar mit 1049,- Euro ein kräftiges Loch in die Portokasse, aber man erhält im Gegenzug ein Objektiv, dass viel weniger als ein 28-70mm FX Zoom wiegt und einer FX Brennweite von 189-810mm entspricht, das ist schlichtweg einzigartig!

Nikon_1_V3_70_300

Angesichts der exorbitant hohen Preise für einige der Nikon 1 Objektive ist es total unverständlich, dass man häufig die wichtigen und sinnvollen Streulichtblenden separat erwerben muss. Beim 70-300mm ist zum Preis von rund 1.050,- Euro eine Steulichblende enthalten, das sollte bei allen Objektive so sein!

Um Gegensatz zu ALLEN Nikon Objektiven die sich via FT-1 Adapter an die Nikon 1 anschließen lassen, wird der sehr gute Autofokus der Nikon 1 nur mit diesem Telezoom vollständig unterstützt. Damit sind in Verbindung mit der rasanten Serienbildgschwindigkeit der Nikon 1 extrem schnelle “Verfolgungsjagden”  wie diese hier möglich, ein echtes Alleinstellungsmerkmal dieses Systems!

Eagle versus Nikon 1 V3

Auch nervt es mich total, dass die Kamera sich nicht merkt ob der Augensensor abgeschaltet ist oder nicht. Nutzt man die Kamera auf einem Stativ, hat das Display im Winkel von ca 45° abgekappt und will mit dem Finger auf den eigentlich sehr guten Touch-Display einen Fokuspunkt setzen, so schlägt der als Voreinstellung aktive Augensensor immer wieder zu. Das Display schaltet sich ab und man sieht nichts mehr, arg… Selbst wenn man nah an der Kamera steht schaltet sich das Display immer mal wieder ab. Jedes mal muss man seitlich den Knopf am eigentlich extrem guten elektronischen Sucher drücken um dieses Verhalten der Kamera zu ändern. Sie merkt sich die ISO-Einstellung, oder die Serienbildgschwindigkeit, warum nicht auch ob der Augensensor aktiv ist oder nicht?

Zur Ehrenrettung der Nikon 1 V3 sollte man erwähnen, dass sich andere Systemkameras mit Augensensor leider genauso verhalten. Aber das ist für mich kein Grund es nicht besser zu machen.

Gleiches gilt für den Selbstauslöser! Bei meiner Panasonic GH3, GX7, GM1, oder der Olympus OM-D E-M10, EM5 und EM1 kann ich eine Auslöseverzögerung einstellen. Das wirkt wie ein Selbstauslöser, aber die Kameras merken sich diese Einstellung. So kann man die Kamera auch ohne Infrarot-Auslöser in Verbindung mit einem Stativ erschütterungsfrei auslösen. Warum kann die Nikon 1 das nicht?

Aber genug geschimpft… Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit ein paar Stunden bei wirklich bedecktem Himmel im Opel Zoo in Kronberg im Taunus zu fotografieren und zu filmen. Dabei ist das folgende kurze Video entstanden. Ich habe dabei fast ausschließlich mit dem neuen 1 Nikkor AF-S VR G ED 4,5-5,6/70-300mm gefilmt.

Mit dem 1 Nikkor 70-300mm im Opel Zoo

Ein paar Tage später war ich am Wochenende mit meiner Nikon 1 und einige Objektiven unterwegs. Die Wartezeit auf den Sonnenuntergang habe ich genutzt um ganz spontan in meinem Auto mit dem HTC ONE (M8) dieses Video aufzunehmen.

Fotopraxis mit der Nikon 1 V3

Nur ein paar Tage später habe ich zusammen mit meiner Sandra unseren Freund Mirko Mochetti in seinem Café Fahrtwind in Hönningen in der Eifel besucht. Das Wetter war schön und unsere Mädels haben sich spontan bereit erklärt die Gäste des Cafés zu versorgen, so dass wir zum Sonnenuntergang noch eine halbe Stunde fliegen konnten. Im Kofferraum meines Autos hatte ich noch die Fotoausrüstung vom vorherigen Video. Da es im Cockpit der Aerosol Dynamic WT9 sehr beengt zugeht, habe ich das wunderbar kompakte AF-S VR 10-100mm (entspricht 27-270mm im FX-Format) an meine Nikon 1 V3 montiert und ausschließlich mit diesem Objektiv spontan das folgende Video gefilmt.

Sunset Flight mit 10-100mm (non PD)

Das 10-100mm ist nicht besonders lichtstark und so musste die ISO-Automatik meiner Nikon 1 V3 bei den letzten Sequenzen, die etwa 60 Minuten nach Sonnenuntergang gefilmt wurden, einfach alles geben. Teilweises hat die Kamera bis zu ISO-3200 einstellen müssen, was man im Video auch ganz deutlich sehen kann. Hier wäre bspw.  eine Nikon D750 ganz klar im Vorteil, weil sie statt 1/100s 1/25s als längste Belichtungszeit im Video-Modus ermöglicht. Statt mit ISO 3200 hätte also eine Nikon D750 mit lässigen ISO 800 filmen können…

Das folgende Foto habe ich mit dem 10-100mm bei 10mm Brennweite und vollständig geöffneter Blende aufgenommen. Die Vignettierung habe ich bei der RAW-Konvertierung hinzugefügt. Das Klappdisplay der Nikon 1 V3 erlaubt herrlich tiefe Perspektiven ohne, dass man sich umständlich verrenken muss, das ist wirklich toll!

Sunset flight #1 - Nikon 1 V3 & AF-S VR 10-100mm (non PD)

Hier ist noch ein Bild das am ausgestreckten Arm entstanden ist, dazu habe ich das Display im Winkel von 90° nach unten geklappt.

Sunset flight #6 - Nikon 1 V3 & AF-S VR 10-100mm (non PD)

Zusammenfassung

Wer sich auf eine Nikon 1 V3 einlässt muss wirklich tief in die Tasche greifen und sich mit fehlenden Features und teilweise nervigem Verhalten der Kamera abplagen. Aber dennoch kann diese Kamera viel Spaß machen. Das liegt im wesentlichen daran, dass sie wunderbar leicht und kompakt ist. Der Look der Bilder erinnert stark an das analoge Zeitalter. Die Fotos sehen so aus wie ein sehr gutes 35mm Dia, das mit einem herausragend guten Scanner digitalisiert wurde. Der Dynamik-Umfang der Nikon 1 V3 ist deutlich geringer als bspw. bei der Nikon D750 oder D800, aber er ist im Grunde genommen noch groß genug. Hier habe ich ein Beispielfoto das ich aus zwei Bilder mit 1.0 EV Unterschied aufgenommen habe. Dass ich dabei ein Stativ benutzt habe sollte klar sein… Via DRI-Technik habe ich diese beiden RAW-Bilder zu diesem sehr kontrastreichen Gegenlicht-Foto verarbeiten können. Es ist alles drin, keine zugelaufenen dunklen Bildbereiche und keine ausgefressenen Lichter. So sollte es sein und so ist es mit der Nikon 1 V3 trotz des kleines Chips und der winzigen Pixel auch machbar!

Nikon 1 V3 - DRI Test

Das fehlende BKT-Feauture, also die automatische Erstellung von Belichtungsreihen kann man umgehen, in dem man die Nikon 1 V3 auf einem stabilen Stativ positioniert, alles auf M wie Manuell stellt und dann eine Belichtungsreihe aufnimmt, bei der man mit dem hinteren Wählrad die Belichtungszeiten variiert. Ist das Stativ stabil genug und das Motiv statisch genug, so sind Fotos wie dieses hier gar kein Problem.

Nikon 1 V3 - HDR Test

Ausblick

Alles in allem bin ich mit der Nikon 1 V3 ziemlich happy und ich werde sie im Dezember für vier Wochen mit nach Teneriffa nehmen. Für nächtliche Aufnahmen der Milchstraße wird aber zusätzlich die Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm in den Rucksack wandern. Und für den “einfachen Fotoalltag” werde ich diesmal die Olympus OM-D E-M1 einpacken. Sie ein paar Tagen habe ich einen sehr coolen Filterhalter für das Panasonic 7-14mm Extremweitwinkel, sowie einige passende Grau- und Verlaufsfilter. Schon heute freue ich mich sehr darauf mit dieser Kamera an den Stränden von Teneriffa schöne Abendstimmungen bei langen Belichtungszeiten einzufangen. Ab dem 12. Dezember wird es hier und bei flickr.com viele neue Fotos zu sehen geben.


Nikon 1 V3 – Top oder Flop?

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Das Nikon 1 System hat es mir trotz aller Einschränkungen irgendwie angetan. Auch wenn an den Kameras zum vollen Glück noch einiges fehlt und viele sinnvolle Features von den Nikon Marketing-Strategen gestrichen wurden, um die teureren Spiegelreflexkameras zu “schützen”, so macht es dennoch Spaß mit diesen Kameras zu fotografieren. Lange bevor die Nikon 1 V3 angekündigt wurde habe ich überlegt was ich mir von einer Nikon 1 V3 wünschen würde.

Auf meiner Wunschliste standen unter anderem diese Punkte:

  1. Hochauflösender Sucher wie bei Olympus OM-D E-M1
  2. 7-fach Bracketing für HDR-Bilder (Wie Nikon P7000)
  3. Stabiler Batteriegriff wie bei Olympus OM-D E-M1
  4. Eingebautes WLAN mit Android/iOS App wie von Panasonic oder Olympus
  5. Eingebautes GPS
  6. Eingang für externes Mikrofon
  7. Ausgang für Kopfhörer
  8. Gleiche Batterie wie Nikon 1 V3 (oder D800 etc.)
  9. HD-Video mit 24/25/30/60/120/400 Bildern pro Sekunde
  10. 2-3 User-Settings
  11. Klappdisplay wie Panasonic GH-3 oder GH-4
  12. Touchdisplay wie GH3/GH4
  13. Schneller Speicher für 100 RAW-Bilder bei 20 B/s
  14. Frei definierbare Funktionstasten wie bei Panasonic GH3 oder Olympus E-M1 etc.
  15. Videos alternativ über Auslöser statt den zu kleinen roten Knopf starten
  16. Ein “richtiger” Blitzschuh!!!
  17. 1/25 Sekunde als längste Belichtungszeit im Video-Modus

Da man sich bei Nikon mit der Veröffentlichung der Nikon 1 V3 wirklich viel Zeit gelassen hat, habe ich mir irgendwann eine Olympus OM-D E-M1, Panasonic GH3 und andere MFT-Kameras wie beispielsweise die niedliche Panasonic GM-1 gekauft. Zu einem Zeitpunkt zu dem ich schon gar nicht mehr mit der Vorstellung der Nikon 1 V3 gerechnet habe, kam sie dann doch noch und sogar mit einem neuen leistungsstarken Teleobjektiv!

Der erste Blick in die Liste der Features war dann auch gleich eine herbe Enttäuschung. Statt mit 24 und 25 Bildern liegt die niedrigste Framerate für Videos bei 30 B/s. Eine Kombination mit vorhandenen Kameras die mit 24 B/s (Nikon D7000) oder 25 B/s bzw. 50 B/s filmen (Panasonic HC-X909) ist also nicht problemlos möglich. Statt eines vernünftigen Blitzschuhs gibt es den von den Vorgängern bekannten spezifischen Anschluss für Zubehör des Nikon 1 Systems. Zwar kann man hier jetzt einen elektronischen Sucher einschieben, der sich qualitativ mit dem Sucher der Olympus OM-D E-M1 oder der Fuji X-T1 messen kann, aber dieser Sucher sitzt wacklig und lässt sich nicht vernünftig befestigen. In den letzten Tagen ist er mir trotz aller Sorgfalt zigmal hingefallen und es ist ein Wunder, dass er noch funktioniert.

Will man diesen zweifellos herausragenden Sucher benutzen, so kann man sich den kleinen GPS-Stöpsel in die Haare schmieren. Auch ein externes Mikrofon lässt sich nicht anschließen und auch ein zusätzliches Blitzlicht lässt sich nicht nutzen wenn der Sucher aufgesteckt ist. Statt dessen muss man mit einem winzigen “Zwergen-Blitzlicht” belohnt, das diesen Namen eigentlich gar nicht verdient. Das ist alles mehr als ärgerlich, statt dieses winzigen Blitzes hätte ich mir einen “vernünftigen Blitzschuh” mehr als sehnlichst gewünscht…

In der Hoffnung, dass man sich bei Nikon bequemt hat die für Android und iOS lieferbare APP auf einen Stand zu bringen den es bspw. bei Olympus und Panasonic seit langer Zeit gibt, verharrt die verfügbare APP beim minimalistischen Funktionsumfang der ersten Version. Das ist mehr als enttäuschend! Mit der dieser APP lässt sich über ein Tablet oder ein Smartfon einfach nichts ausrichten. Man kann ein Foto auslösen und auf der Kamera vorhandene Bilder per WiFi Netzwerk auf sein Telefon kopieren, das war der Funktionsumfang!! Was soll dieser Bockmist? Eine Weltfirma wie Nikon sollte das besser können, die deutlich kleineren Wettbewerber können es ja auch!

Einen zusätzlichen Griff gibt es nun, aber diesen muss man jedes mal abschrauben um die winzige Batterie zu wechseln. Wenigstens hat man nicht schon wieder ein neues Format erfunden sondern das Format beibehalten, das bspw. mit der Nikon 1 J2 eingeführt wurde. Lieber wäre mir der Akku der Nikon 1 V1 gewesen, oder wenigstens ein gut erreichbares Akku-Fach in einem etwas größeren Batteriegriff, aber auch hier “Fehlanzeige” :-( Leicht erreichbare User-Settings für den blitzschnellen Wechsel aller Einstellungen gibt es auch nicht. Auf den Ausgang für einen Kopfhörer um den Ton bei Video-Aufnahmen kontrollieren zu können gibt es ebenfalls nicht. Das Display kann man inzwischen klappen aber nicht schwenken. YouTube-Videos von sich selbst kann man mit der Kamera also immer noch nicht vernünftig aufnehmen…

Die Nikon 1 V3 kann mit bis zu 60 B/s fotografieren. Das ist echt extremst rasend schnell, aber was nutzt das wenn nach etwa einer halben Sekunde der schnelle interne Kameraspeicher voll ist und man ewig warten muss bis alle Bilder auf die jetzt winzig kleinen fummeligen Micro-SD Karten übertragen wurden? Mir wäre lieber die Kamera würde “nur” mit 10 Bildern pro Sekunde fotografieren, dafür aber DAUERHAFT bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist! So sind die 60 B/s leider nicht viel mehr als ein Marketing-Gag.

Die Funktionstasten kann man nun in gewissen Grenzen definieren, aber Olympus und Panasonic haben hier eindeutig die Nase vorn! Und statt mit dem großen gut erreichbaren Auslöser muss man Videos entweder über den Fn3 Knopf des optionalen Griffes oder dem schlecht erreichbaren “roten Knopf” starten. Das ist MIST! Bei der Videoaufzeichnung nervt ebenfalls, dass bei jedem Clip der Ton stets erst nach einer kleinen Verzögerung aufgezeichnet wird. Will man unschöne Aussetzer vermeiden, so muss man beim Schnitt bei JEDEM CLIP am Anfang und Ende ein wenig was abschneiden. Dieses Problem haben andere Hersteller auch, aber deren Kameras sind teilweise um Welten billiger zu haben. Bei einem “Nikon Premium-Produkt” hätte ich mehr erhofft!!

Doch genug geschimpft, kommen wir zu den guten Seiten der neuen Nikon 1 V3. Gleich am ersten Tag habe ich in der Bonner Innenstadt beim Brunnen vor dem Sterntor dieses kleine erste Testvideo aufgenommen.

Ein paar Tage später ist mir beim Fotografieren der Burg Sooneck ein kleiner Brunnen aufgefallen. Dort habe ich mit dem brandneuen Nikkor AF-S G ED VR 4,5-5,6/70-300mm dieses kleine Testvideo aufgenommen.

Am letzten Sonntag ging es dann mit der gleichen Kombination für eine Stunde in den Bonner Rheinauen-Park. Diesmal hatte ich ein Stativ dabei und habe fast ausschließlich mit dem neuen 70-300mm Teleobjektiv gefilmt. Dieses Objektiv entspricht wegen des kleinen Chips der Nikon 1 V3 einem 189-810mm Teleobjektiv. Zwar ist es zu einem Preis von über 1.000 Euro nicht gerade billig, aber die Bildqualität ist gut und das Objektiv ist wunderbar kompakt und leicht. Allerdings nervt auch hier die drehbare Verriegelung. Immer wieder passiert es so, das man den angenehm breiten Zooring in der Hand hält und versehentlich den winzigen Verriegelungsknopf drückt. Dreht man nun etwas über die kurze 70mm Brennweite hinaus, so schaltet man damit die Kamera ab. Besonders in Momenten bei denen es auch jede Sekunde ankommt ist das mehr als ärgerlich. Warum braucht dieses teure Objektiv diesen überflüssigen Mechanismus, wenn die Nikon 1 V3 doch einen sehr schönen Ein/Aus-Schalter hat?

Am vorletzten Wochenende war Gelegenheit die neue Kamera im Wildpark Hellenthal zu testen. Dort war ich von der Bildqualität wirklich sehr angetan. Auch funktioniert das Auslösen und fokussieren via Touch-Display nun wirklich gut. So wurden auch einige der Fotos dieses Tages bei flickr ein echter Hit. Hier habe ich eines der Fotos aus dieser Session, einfach mal via flickr.com im Format 1920px öffnen. Das ist gar nicht schlecht!!

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

Hier habe ich kleines Beispiel zusammen montiert das einen Adler zeigt der von einem Baum in Richtung seines Falkner startet. Es ist schon sehr beeindruckend wie die Nikon 1 hier den Fokus halbwegs gut nachgeführt und den kompletten Bewegungsablauf aufzeichnen kann. Doch man sollte sich solche Sequenzen nicht immer erhoffen. Auch wenn der Autofokus vergleichsweise schnell ist, sind praktisch alle Vögel schneller. Sobald ein Adler oder was auch immer sich nicht mehr parallel zur Kamera sondern darauf zu bewegt, ist auch schnell Schluss mit lustig. Auch hätte ich mir einen vernünftigen fest gekoppelten Fokusring gewünscht… Das elektronische Pendant funktioniert zwar vergleichsweise gut, aber meiner Meinung nach bei einem Objektiv der 1.000 Euro Klasse eben nicht gut genug! Ärgerlich ist auch hier, das man kaum in der Lage ist das Objektiv manuell vernünftig auf “Unendlich” zu fokussieren.

Dieses Foto unbedingt via flickr in der Original-Größe (Pfeil unten rechts auf der flickr-Webseite) anschauen!

Eagle versus Nikon 1 V3

Zum Abschluss habe ich hier noch ein Fotos das ich vor ein paar Tagen auf dem Weg von Bonn nach Mainz auf einem Parkplatz oberhalb von Cochem an der Mosel aufgenommen habe. Das Bild zeigt die Reichsburg und ich habe es mit dem billigen Nikkor AF-S VR 30-110mm im RAW-Modus aufgenommen. Ich finde, auch hier spricht die Bildqualität für sich!

Cochem # 1 - Nikon 1 V3

Fazit

Mir macht das Fotografieren mit der Nikon 1 V3 Spaß, auch wenn ich viele Features vermisse. Toll sind die Qualität der Fotos und Videos, wirklich schlecht ist der wackelige Halt des überragenden elektronischen Suchers. Lehnt man sich zurück und analysiert in aller Ruhe was man bei der Nikon 1 V3 für sein Geld erhält, so ist das Fazit leider mehr als mager. Zusammen mit dem neuen Nikkor AF-S VR 10-30mm PD Zoom, dem elektronischen Sucher und dem zusätzlichen Handgriff kostet die Nikon 1 V3 satte 1249,- Euro. Zu diesem Preis bekommt man schon eine Panasonic GH3 mit einem hochwertigen Objektiv und etwas Zubehör. Für ein paar Euro mehr ist auch eine Olympus OM-D E-M1 drin, oder alternativ die hervorragende Fuji X-T1. Hätte ich meine Nikon 1 V3 nicht im kompletten Set bei eBay für 700,- Euro abgeschossen, ich hätte sie nicht gekauft. Sie leistet kaum mehr als die Nikon 1 V2 und hinkt bezüglich der Features wie Bracketing, Video-Framerates und WiFi-APP gegenüber den Konkurrenten deutlich hinterher.

Was für die Nikon 1 spricht ist die Möglichkeit mittels des FT-1 Adapters erwachsene “Männer-Teleobjektive” zu adaptieren und so beispielsweise aus dem gewaltigen Nikkor AF-S VR 4/200-400mm ein grandioses 540 – 1080mm Supertele mit Blende 4 zu machen.

Positiv aufgefallen ist mir, dass vor der RAW-Konvertierung zunächst hoffnungslos überstrahlt wirkende Bildbereiche doch noch Zeichnung enthielten. Bedingt durch den kleinen Chip mit den extrem winzigen Pixeln ist der Dynamik-Bereich der Nikon 1 V3 sehr viel kleiner als beispielsweise bei einer Nikon D800. Aber in der Praxis erweist er sich als groß genug um unter brauchbaren Lichtverhältnissen an gute Ergebnisse zu kommen.

Alle die gern nachts fotografieren, werden trotzdem an der Nikon 1 V3 keine Freude haben. Hier ist beispielsweise die Olympus OM-D E-M1 mit der 2.0er Firmware deutlich im Vorteil. Bei der Olympus kann man im Modus “Live-Comp” miterleben wie bei Langzeitbelichtungen die Bilder entstehen und dann wenn man es für richtig hält den Belichtungsvorgang durch ein zweites Betätigen des Auslösers beenden. Dies wäre ein Feature das auch der Nikon 1 V3 gut zu Gesicht stehen würde. Allerdings habe ich keine Hoffnung, dass die Nikon-Entwickler für solche sinnvollen Features jemals grünes Licht bekommen werden…

Die hohen Bildraten von 40 und 60 B/s sind meiner Meinung nach Augenwischerei, denn in der Praxis behindern sie oft eher als das sie einen Nutzen haben. Wer mit 60 B/s fotografiert und einen etwas zu nervösen Auslesefinger hat, der wird alle entscheidenden Momente verpassen weil seine Nikon 1 V3 genau dann wenn man es nicht gebrauchen kann mit dem Übertragen der Fotos auf die Speicherkarte beschäftigt sein wird. Mit 10 oder 20 B/s kommt man auch mit der Nikon 1 V3 ganz gut durchs Leben, mehr braucht man im normalen Fotoalltag für nichts!

Was mich bei Videoaufnahmen massiv stört ist die Tatsache, dass die längste Belichtungszeit auf 1/100s festgelegt ist. Beispielsweise mit meiner Nikon D800E kann ich bei 25 B/s bei einer Belichtungszeit von maximal 1/25 s filmen. Unter schwierigen Lichtbedingungen bei denen die Nikon D800E noch mit ISO-800 auskommt, muss die Nikon 1 schon auf ISO-3200 gehen um bei gleicher Blende die gleiche Belichtung erzielen zu können. Das ist eine schwere Einschränkung für alle die beispielsweise gern YouTube-Videos etc. aufnehmen. Wer bei der Aufnahme nicht für richtig viel Licht sorgen kann, der wird sich später über total verrauschte Video-Clips ärgern müssen.

Weiterhin gibt es viele kleine Details die mich stören. So ist es zunächst toll, dass der elektronische Sucher einen Augensensor hat und man diesen auch deaktivieren kann. Aber diese Einstellung wird nicht gespeichert. Schaltet man die Kamera (versehentlich) aus und wieder ein, so ist der Augensensor immer wieder aktiv. Wer seine Kamera auf einem Stativ verwendet und sie über das Display bedienen möchte wird sich so immer wieder über diesen Sensor ärgern, weil er jedes mal wenn man ihm zu nahe kommt das Display abschaltet. So ist immer wieder ein Druck auf den seitlich am wackligen Sucher angebrachten Knopf notwendig um den Augensensor zu deaktivieren, das nervt zumindest mich total.

Gut gefällt mir, dass man die “Bildkontrolle” via Menü-Option deaktivieren kann. Bei vielen anderen Systemkameras geht das nicht und dies ist besonders wenn es schnell gehen soll oft extrem hinderlich. Wer mit 20 Bildern pro Sekunde beim Sport fotografiert, der will nicht jedes mal wenn er den Auslöser loslässt die zuletzt fotografierten Fotos anschauen!! Hier ist es toll, dass der Sucher der Nikon 1 V3 sich dann nicht umschaltet und man das Geschehen weiter verfolgen kann.

Die Verarbeitung der Nikon 1 V3 ist sehr gut und sie fühlt sich hochwertig an. Die Einschaltzeit ist angenehm kurz und der Autofokus arbeitet im Vergleich zu anderen Systemkameras schnell und mit brauchbarer Trefferquote. Dennoch muss man die Hoffnung begraben, bei schnell bewegten Objekten nur scharfe Fotos zu erzielen. Je nachdem wie gut sich ein Motiv vom Hintergrund abhebt, ist der Ausschuss teilweise exorbitant hoch. Im schnellen Modus ist es weniger gezieltes Fotografieren als eher ein wilder herumfuchteln und hoffen auf die perfekte Fotografie. Diese sind mit der Nikon 1 V3 zweifellos möglich, aber wer eine Olympus OM-D E-M1 wirklich beherrscht wird mit einer ähnlichen Trefferquote und weniger Ausschuss nach Hause kommen. Jeder der mit einer Nikon 1 V3 fotografiert sollte daher unbedingt die Verwendung des AF-L Buttons üben. Damit kann man zur rechten Zeit Autofokus und/oder Belichtung speichern. Wer also bei einer Adler-Flugshow wirklich scharfe Bilder haben will, der beobachtet auf welchen Bahnen sich die Tiere bewegen, fokussiert auf eine Stelle die ihm gefällt, betätigt den AF-L Knopf und verfolgt dann die Tiere bis sie sich hoffentlich genau dort befinden wo man sie haben möchte. Diese Technik funktioniert nicht nur bei der Nikon 1 V3, man sollte sie erlernen und wird damit beim Autorennen und ähnlichen Veranstaltungen eine deutlich höhere Trefferquote erzielen als wenn man sich auf den meistens doch noch viel zu langsam arbeitenden Autofokus verläßt.

Zum neuen Nikkor AF-S 10-30mm PD Zoom gibt es nicht viel zu sagen. Das Ding ist winzig, macht was es soll und liefert gute Ergebnisse. Der automatische Verschluss vor der Frontlinse ist praktisch aber nicht sonderlich stabil. Eine Möglichkeit um einen Polfilter oder ähnliches zu verwenden gibt es wegen des fehlenden Filtergewindes leider nicht. Der Motorzoom ist im Gegensatz zu den Pendants von Olympus oder Panasonic für Videofilmer nicht zu gebrauchen. Bei diesem Objektiv hat man einen Endlos-Zoomring, eine Steuerung der Geschwindigkeit mit der das Objektiv seine Brennweite verändert ist damit leider nicht möglich. Jedem Videofilmer sei daher das teure, große und schwere Nikkor AF-S VR 10-100mm PD Zoom ans Herz gelegt.

Top oder Flop?

Wer noch keine Kamera besitzt und keine Nikon-Objektive sein eigen nennen darf, dem würde ich vom Kauf der Nikon 1 V3 abraten. Das mag hart klingen, aber beispielsweise eine Olympus OM-D E-M1 ist einfach die bessere Kamera. Einzig wenn es auf jedes Gramm Gewicht ankommt und man ein wirklich langes Teleobjektiv für Fotosafaris sucht, hat die Nikon 1 V3 in Verbindung mit dem neuen 70-300mm die Nase vorn weil aktuell für das Micro-Four-Thirds System kein vergleichbares Objektiv verfügbar ist. Wer sich für eine Nikon 1 V3 entscheidet muss sehr tief in die Tasche greifen und bekommt für sein Geld eine sehr spezielle Kamera die viel Spaß machen kann, der aber wichtige Features fehlen und die im Gegenzug mit unsinnigem Mist wie 4-Sek Video, Best-Moment-Capture und anderem Krams “aufgerüstet” wurde, den kein ernsthaft fotografierender Menschen jemals nutzen wird. Statt dieser praxisfremden Gimmiks hätte ich mir Bracketing und User-Settings wie bei einer Nikon P7000 oder D7000 gewünscht.

Aber was nicht ist kann ja noch werden, vielleicht schafft man es bei Nikon im Jahr 2018 eine Nikon 1 V4 auf den Markt zu bringen die endlich überflüssigen Ballast vermissen lässt und statt dessen mit sinnvollen Features aufgewertet wird.

Warten wir’s ab…

 


Photokina 2014 – Top oder Flop?

Mit dem Siegeszug der Digitalfotografie konnten sich die Kamera-Hersteller über viele Jahre hinweg über stetig steigende Umsatzzahlen freuen. Doch diese fetten Jahre sind inzwischen vorbei. Der Markt ist gesättigt, in fast jedem Haushalt schlummert eine moderne digitale Kamera und wartet auf Motive die oft über Monate hinweg nicht kommen wollen. Viele potentielle Kunden verwenden ihre teure Kamera nur im Urlaub und interessieren sich ansonsten nicht weiter für die Superlative welche die Kamerahersteller immer wieder durch ihre Marketing-Abteilungen an die Presse weiterleiten lassen.

Vor diesem Hintergrund war die Photokina 2014 ein von vielen Herstellern mit Spannung erwartetes Event. Ob die Erwartungen erfüllt wurden und welche Tops und welche Flops es gab wollen wir uns hier kurz anschauen.

Meine Liste ist natürlich nicht vollständig und von meinen persönlichen Vorlieben geprägt. In den letzten Tagen habe ich lange hin und her überlegt ob ich überhaupt etwas zur Photokina schreiben soll. Dann hatte ich die Idee eine “Liste der Innovationen” hochzuladen, die nichts als eine schwarze Bitmap enthalten sollte. Aber ganz so schlimm war es dann ja doch nicht…

Nikon D750

Nun ist sie da, aber braucht die Welt diese Kamera wirklich? Mit der D750 schiebt Nikon eine weitere Vollformatkamera in die Lücke zwischen D610 und D810.

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Technisch ist sie auf dem aktuellsten Nivea, sie kann alles was man sich nur wünschen kann, sie ist schnell, hochwertig verarbeitet, fühlt sich gut an und liefert tadellose Ergebnisse. Preislich ist sie knapp unterhalb der D800 angesiedelt und es gibt neben Wifi endlich ein schwenkbares Display. Bei Olympus, Panasonic & Co gibt es dieses Features schon seit Jahren und hier hat Nikon endlich etwas nachgeliefert was längst überfällig war. Allerdings wird man angesichts der Nikon APPs für iOS und Android am neuen Wifi-Feature nur wenig Freude haben. Das können die Wettbewerber beispielsweise bei Panasonic und Olympus bislang eindeutig besser. Hier sollte Nikon schnellstens nachbessern!

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Bei der D750 hat Nikon im wesentlichen Detailarbeit geleistet, wirkliche Innovationen sucht man vergeblich. Wem das Erlebnis des Fotografierens mit einem etwas größeren griffigen Kamerakorpus gleichgültig ist, der wird mit einer Nikon D600 oder D610 zum deutlich niedrigeren Preis die gleichen Ergebnisse erzielen.

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Der Korpus der Kamera besteht aus robustem Magnesium, eine Innovation ist es nicht, aber es ist eben kein billiges Polycarbonat…

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Die Detailarbeit macht sich bei den Video-Modi bemerkbar. Wer allerdings auf Support für 4K Videos gehofft hat wird enttäuscht sein. Was es bei der Panasonic GH4 schon seit Monaten gibt, sucht man bei der deutlich teureren Nikon D750 vergeblich. Aber die Framerates erlauben endlich die Flexibilität die man sich in einem Setup mit mehreren Kameras wünscht. Ich ärgere mich immer wieder, dass die Olympus OM-D EM-1 zum Preis von 1.500 Euro für den Korpus lediglich mit 30 B/s in 1080p filmen kann. Wo ist das Problem der Kamera auch 25 und 24 Bilder pro Sekunde beizubringen? Beim Videoschnitt ist es immer wieder mehr als ätzend wenn man einen Film aus Sequenzen zusammenstellen muss die mit unterschiedlichen Framerates aufgenommen wurden.

Bei ruhigen Szenen ist es kein Problem aber sobald Objekte gefilmt werden die sich mit kontinuierlicher Geschwindigkeit bewegen gibt es im fertigen Film bei unterschiedlichen Bildraten eine sehr unangenehmes Rucken. Der Grund ist so einleuchtend wie einfach. Zwar können moderne Schnittprogramme mit allen Arten von Framerates umgehen, aber sie lassen sich eben nicht so einfach konvertieren. Fügt man eine Sequenz die mit 30 B/S aufgenommen wurde in ein Videoprojekt ein das auf 25 B/s basiert, so müssen einzelne Frames/Bilder ausgelassen werden. Dass das Ergebnis nicht mehr flüssig läuft ist klar. Fügt man einen Clip mit 24 B/s in ein Projekt ein das auf 30 B/s basiert so müssen einzelne Bilder mehrfach angezeigt werden um von 24 auf 30 B/s zu kommen. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen nur wenig zufriedenstellend.

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Aus diesem Grund ist es keine wirklich gute Idee Clips aus einer Nikon D7000 (24 B/s) mit Clips aus einer Olympus OM-D EM-1 (30 B/s) zu mischen. Kommt noch eine Kamera wie die Panasonic GM1 hinzu, die fest mit 25 B/s filmt, wird es nicht besser… Ich habe nur wenig Verständnis für diese Politik der Kamerahersteller. Wenn man einer Kamera für 1500 Euro einen Video-Modus spendiert, dann sollte der Anwender auch zwischen 24, 25 und 30 B/s wählen können. Wenn eine Kamera wie die D750 darüber hinaus 50 und 60 B/s im Angebot hat, so ist das mehr als begrüßenswert für alle die mal eine schöne Zeitlupe in ihr Videomaterial integrieren möchten. Hier hat endlich mal jemand mitgedacht…

Das schwenkbare Display der D750 ist recht praktisch sobald Motive aus ungewöhnlichen Positionen fotografiert werden sollen. Das Problem dabei, man kann dieses Feature nur im Live-View Modus nutzen und ist dann auf die Arbeit mit dem langsamen Kontrast-basieren Autofokus angewiesen. Eine Freude ist das nicht und auch hier sind Systemkameras wie beispielsweise eine Olympus OM-D EM-1 deutlich im Vorteil!

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Alles in allem ist die Nikon D750 eine grundsolide Vollformatkamera die alles kann was man als sich als Foto-Amateur wünschen kann. Die Bildqualität ist exzellent und das erprobte durchdachte Bedienkonzept noch immer wegweisend.

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Einen echten Meilenstein wie bei der Nikon D2x oder der D3 hat Nikon mit der D750 aber nicht abgeliefert. Nichts an dieser Kamera ist schlecht, aber es ist eben auch nichts revolutionär. Und genau das wird das Problem sein. Warum soll man diese Kamera kaufen wenn man beispielsweise schon eine D700 hat?

Panasonic CM1

In den letzten Jahren haben Mobiltelefone schrittweise das Fotografieren und Filmen gelernt. In den Känguru-Chroniken wurde schon vor längerer Zeit ein Witz gemacht in dem das Känguru eine Kamera erfand mit der man auch telefonieren kann. Diesen Witz hat man bei Panasonic ernst genommen und mit der CM1 ist in einigen Wochen zum Preis eines iPhone 6 mit 128GB ein Android basiertes Smartphone mit revolutionär guter Kamera verfügbar. Wer von seiner kleinen Bridgekamera allerdings ein Zoom-Objektiv gewöhnt ist wird auch hier enttäuscht sein. Panasonic hat hier eine ganz ordentliches Weitwinkel verbaut, ein Objektiv das einem 28mm Kleinbild-Weitwinkel entspricht. Das ist ganz nett, aber auch nicht revolutionär.

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Lytro Illum V2

Die neue Lichtfeldkamera aus dem Hause Lytro ist nun endlich verfügbar. Vom Spielzeug-Flair des ersten Modells ist nichts geblieben. Die neue Lytro Ilum V2 sieht fast aus wie eine “normale Kamera” und das ist auch gut so :-)

In diesem Video wird sehr schön erklärt was an der Lytro Illum so besonders ist.

Diese Kamera ist aus meiner Sicht die einzige echte Innovation der diesjährigen Photokina in der Sparte der Kameras. Es ist dem Hersteller nur zu wünschen, dass dieses sehr ungewöhnliche Konzept gut aufgenommen wird. Spannend finde ich, dass es den Lytro Desktop nun auch für OS-X gibt und dass man damit kleine Film-Clips exportieren kann. So lassen sich die ungewöhnlichen Fotografien beispielsweise in ein YouTube-Video integrieren. Ein Konzept mit viel Potential von dem wir hoffentlich noch viel zu hören und zu sehen bekommen werden!!

JOBO GYROpod SP-1 und MD-1

In meiner Jugend kannte ich den Hersteller JOBO eher als Lieferanten von Filmentwicklungsdosen mit poppig roten Plastikdeckeln. Mit dem Niedergang der traditionellen Fotografie hat man bei JOBO reagiert und war in den letzten Jahren stets auf der Suche nach Nischen im prall gefüllten Fotoangebot. Nach den innovativen Gorilla-Pods gibt es nun die echt saucoolen GYROpod Stative. Die Dinger sind nicht ganz preiswert aber ein Knaller in Form und Funktion. Auf ein solches Gadget haben Amateurfilmer in aller Welt lange gewartet. Damit wird ein iPhone oder eine kleine Panasonic GM1 zur (fast) perfekten Steady-Cam.

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Leider ist die etwas größere Ausführung für “erwachsene” Kameras mit einem Listenpreis von rund 700 Euro nicht ganz preiswert ausgefallen. Aber angesichts dessen was hier an Hightech drin steckt ist dieser Preis durchaus angemessen. Wem beim Filmen das Hantieren mit dem sperrigen Stativ auf den Geist geht, der liegt mit dem GYROpod MD-1 künftig genau richtig!

Jobo-GyroPod-MD1

Dieses System ist für mich der heimliche Star der Photokina 2014, es ist innovativ und bislang einzigartig – so sollten Produkte sein die auf einer Messe wie der Photokina vorgestellt werden.

Top oder Flop?

Meiner Meinung nach war die Photokina 2014 eher ein Flop. Der Markt ist mehr als übersättigt und echte Innovation ist auch in diesem Jahr absolute Mangelware.


USA-2014 – Tag 26 – Rainbow Bridge

Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vor ein paar Tagen hat sich meine Sandra eine Tour mit einem Schiff zur Rainbow Bridge gewünscht. Diese konnte man auch problemlos online buchen. Die erste Tour startet um 7:30 an der Wahweap Marina die etwa auf halbem Weg zwischen Page und Bigwater gelegen ist. Das Areal ist ein National Park, daher muss man entweder 15$ Eintritt zahlen oder sich mit einer Jahreskarte (Annual National Park Pass) zum Preis von 80$ “bewaffnen”.

Die Rainbow Bridge ist weltweit die größte freitragende natürliche Brücke und ein Heiligtum der hier lebenden Indianer. Erreichbar ist sie zu Fuß wenn man bereit ist eine mindestens zweitägige Wanderung auf sich zu nehmen. Wer wandern möchte lässt sich am besten von einem Shuttle-Service zum Trailhead beim Navajo Mountain bringen, wandert zur Rainbow Bridge und kehrt 2-3 Tage später mit dem Boot zurück. Alternativ kann man auch hin und zurück wandern, was aber sehr anstrengend ist und man auch Gefahr läuft, dass bei der Rückkehr das Auto auf dem Parkplatz beim Navajo Mountain komplett geplündert wurde. Dies kommt nicht selten vor, weil klar ist, dass jeder der hier aufbricht frühestens nach zwei Tagen zurückkehrt. Genug Zeit um Reifen, Benzin und sonstige Dinge von einem Auto abzumontieren oder abzusaugen.

Wer es einfacher haben möchte, er bucht für 125$ pro Nase eine komplette Tour mit einem Boot. In der Eingangshalle des Lake Powell Resorts gibt es die Tickets. Wer nicht vorbestellt hat kann auch dort direkt mit Kreditkarte etc. bezahlen. In der Wartezeit bis das Boot startklar ist kann man in der Lounge kostenlos das freie WiFi benutzen, es gibt einen Kiosk mit Kaffee, Tee und kalten Getränken. Wer mag kann für den Ausflug auch Sandwiches kaufen.

Da die Rainbow Bridge sehr weit entfernt ist, dauern An- und Abreise jeweils etwa 3 Stunden. Der Aufenthalt bei der Rainbow Bridge beträgt 1,5 Stunden wovon jeweils ca. 30 Minuten für die Wanderung hin und zurück zu veranschlagen sind. Wer dort fotografieren will hat also ca. 30 Minuten um seine Bilder aufzunehmen!!

Weil es heute teilweise ganz entsetzlich heiß war und uns die Sonne völlig gnadenlos das Hirn gebraten hat, will ich heute mal keine lange Geschichte erzählen sondern einfach nur ein paar Fotos die Geschichte des Tages für sich sprechen lassen. Wer die Bilder in höherer Auflösung anschauen möchte, der kann sie einfach anklicken. Dann gelangt man zu flickr.com, wo man sie auch als Diashow ansehen kann.

Morgen geht es weiter in Richtung Las Vegas und am 30. Mai dann wieder zurück nach Deutschland.

Tiny People @ Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Lake Powell #3

Lake Powell #2

Little Rainbow Visitor #2

Little Rainbow Visitor #1

Lake Powell #1

Rainbow Bridge Boat Trip

Rainbow Bridge Boat Trip #6 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #5 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #4 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #2 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm


USA-2014 – Tag 25 – Page Arizona

Nikon_1V1_IR700nm_DSC6190

Den letzten Tag in Utah beginnen wir mit einem gesunden Frühstück beim Escalante Outfitters. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt dazu eine Schüssel mit Obst, Orangensatz und eine große Tasse Kaffee. Gegen 11h sind wir startklar, ich gebe schnell den Schlüssel ab und schon sind wir unterwegs nach Süden. Auf dem Dach unseres riesigen Mietwagens habe ich meine GoPro HD HERO 3+ positioniert. So kann ich wenigstens einen Teil der Gegend südlich von Escalante festhalten.

Während wir Henryville passieren überlege ich wo wir eigentlich nach links in die Cottonwood Canyon Road abbiegen müssen. Ein Hinweisschild finden wir nicht und auf meinem GPS kann man auf der topografischen Karte vor lauter Höhenlinien kaum noch Straßen erkennen. Als wir im Örtchen Fruita angekommen sind kommt es mir alles seltsam vor. Wir können den Bryce Canyon schon am Horizont sehen, hier muss es doch irgendwo links abgehen. Ich war eine ganze Weile nicht hier uns so herum bin ich die Cottonwood Canyon Road, oder kurz Cottonwood Road, noch nie gefahren. Wir versuchen es mal mit einer etwas größeren Straße die in Fruita nach links abzweigt, sieht heißt Bryce Road. Nach ein paar Kilometern müssen wir dann feststellen, dass es eine Sackgasse ist. Hm, was ist zu tun!

Sandra hat daheim in Bonn meine Karte eingepackt die ich mir im Jahr 2009 bei Globetrotter in Köln zusammen mit dem damals noch revolutionär neuen Garmin Colorado 300 gekauft habe. Auf dieser Karte können wir sehr schön sehen, dass wir genau einen Ort zu weit gefahren sind. Also drehen wir um und etwa 10 Minuten später sind wir wieder im Spiel. Man muss einfach den Hinweisschildern zu “Kodachrome Basin State Park” folgen. Diesen tollen Park haben wir uns schon 2010 ausgiebig angeschaut. Hier wurden schon wirklich viele Western gedreht. Das tolle an dieser Location ist, dass es U-förmig von einer steilen Felswand eingerahmt ist, die fast überall zu sehen ist. So kann man beispielsweise einen Dialog zwischen zwei oder gleich drei Personen mit mehreren Kameras aus unterschiedlichen Richtungen filmen und hat immer einen schönen Hintergrund. Die Akteure stehen also nie “allein” vor einem weit entfernten Horizont. Das ist einer der Hauptgründe, warum hier in den letzten 70 Jahren so viele Western gedreht wurden.

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Die Cottonwood Road ist trotzdem Regens der letzten Tage in sehr gutem Zustand. Am Morgen hatte ich noch überlegt ob wir nicht vielleicht die deutliche rauere aber landschaftliche reizvollere Smokey Mountain Road nehmen sollen. Diese führt auf direktem Weg durch die Berge vom Circle-D Motel nach Page. Aber im Internet habe ich keine Infos zum aktuellen Zustand gefunden. Und da diese Straße nur wenig frequentiert ist, weit hinauf ins Gebirge führt und es dort in den letzten beiden Tagen viel geregnet hat, ist es mir zu riskant. Dort oben möchte ich nicht für mehrere Tage feststecken. Also ist die Cottonwood Road eine gute Alternative.
Den Grosvenor Arch und die Cottonwood Narrows lassen wir heute unbeachtet hinter uns zurück. Wir haben nur noch 5 Tage bis wir unsere Sachen für die Heimreise packen müssen. Da können wir uns nicht mit “Kleinigkeiten” abgeben. Am Abend zuvor habe ich für den Montag eine Schiffstour zur Rainbow Bridge gebucht. Das ging via Internet ganz einfach und ich konnte per Kreditkarte die 125$ pro Nase gleich bezahlen. Wenig später kam auch eine Reservierungsbestätigung als E-Mail.

Nachdem wir in Page eintreffen fahren wer erst einmal komplett durch die Stadt, Sandra kann sich kaum noch an alles erinnern. Dann frage ich beim Comfort Inn ob noch ein Zimmer frei ist, aber es ist alles ausgebucht. Auch bei zwei anderen Motels werden wir abgewiesen. Schließlich finden wir wie in den Jahren zuvor im Rodeway Inn ein schönes sauberes Zimmer mit ZWEI GROSSEN GETRENNT STEHENDEN BETTEN!! So kann Sandra in ruhe schlafen und ich kann mich hin und her wälzen wie es mir beliebt ohne sie aufzuwecken.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben gibt es nebenan beim Mexikaner etwas essen. Später fahren nach einer kleinen Mittagspause zur Wahweap Marina unten am Lake Powell. Dort checken wir kurz die Anreise für den morgigen 250$ teuren Ausflug. Am Schalter an dem es die Tickets gibt zeige ich kurz auf meinem Handy die Buchungsbestätigtung und die nette Dame schaut kurz nach und kann mir versichern, dass alles ok ist und wir morgen um 7h15 wieder dort sein müssen. Zu beachten ist die Zeitumstellung! Wir kommen aus Utah und Utah ist eine Stunde weiter, obwohl einfach weiter im Norden gelegen. Aber dieses Problem hatte ich ja bisher jedes Mal! Brav stelle ich also meine Uhr um eine Stunde zurück und nun zeigt sie wieder die gleiche Zeit wie die Uhr im Auto. So sollten wir für den morgigen Ausflug gerüstet sein.

Kurz bevor die Sonne untergeht mache ich mich später noch einmal auf zum Horse Shoe Bend. Hier hat für mich im Jahr 2009 eigentlich alles begonnen. Diese Location ist sozusagen die Wiege meiner Leidenschaft für dieses Land. Und heute habe ich auch das perfekte Weitwinkel dabei :-)

Beim Horse Shoe Bend angekommen ist dort fast ein Volksfest. Alle machen die gleiche Fotos und mir stockt teilweise der Atem wenn ich sehe wie achtlos manch ein Tourist auf den Felsen an der extrem tiefen Schlucht herum klettert. Aber heute stürzt niemand ab, morgen hoffentlich auch nicht. Ich fotografiere bis es dunkel ist und quäle mich im letzten Licht über den sandigen Pfad den Berg hinauf. Dabei muss ich an meinem Freund Sascha denken, der hier vor (ich denke) zwei Jahren bei größter Mittagshitze mit seinem Sohn auf den Schultern, samt Frau und Schwiegereltern im Schlepptau hinauf gestiegen ist. Ich bin froh, dass es lässige 23°C sind und ich nur meine Kamera samt Objektiv, Stativ und einen fast leeren Fotorucksack zu tragen habe. Bei 40° in voller Mittagssonne möchte ich mich hier nicht hinauf quälen.

Horse Shoe Bend - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Beim Auto angekommen fällt mir einmal mehr auf, dass die Straße in Richtung Süden etwas 25 Kilometer weiter nach einem Erdrutsch immer noch gesperrt ist. Wenn wir übermorgen weiter zum Grand Canyon wollen, müssen wir eine andere Route nehmen. Zum Glück gibt es eine Umfahrung, ich glaube mich erinnern zu können, dass es eine Schotterpiste ist, aber wenn sie offiziell als “Retour” ausgewiesen ist, dann wird sie schon ganz gut zu befahren sein.

Später im Hotel bin ich froh, dass ich endlich wieder “zuhause” bin. Während die Klimaanlage des Nachbarn vor sich hin rattert und Sandra mit Ohrenstöpseln im Bett liegt, sitze ich im Halbdunkel vor meinem Notebook und schreibe noch schnell diesen Artikel des Tages. Mein Handy-Wecker ist auf 5h45 gestellt. Das sollte passen und jetzt ab ins Bett.

Gute Nacht!


USA-2014 – Tag 23,5 – Devils Garden bei Nacht

Last Night @ Devils Garden #3 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

In Deutschland sagt man “Ein Gewitter reinigt die Luft” und das ist genau das was gestern hier in Escalante geschehen ist. Aber fangen wir von vorn an…

Während wir im wunderschön renovierten Zimmer #3 des Circle-D Motels in Escalante darauf warten, dass die Ursache für den Stromausfall behoben wird ziehen draußen schwere dunkle Regenwolken durch. Wirklich viel Regen fällt indes nicht, aber es ist ungemütlich. Also sitze ich auf dem Bett und schreibe an meinem Artikel des Tages bis der Akkus meines Notebooks langsam aber sicher zu Ende geht. Irgendwann ist der Strom wieder da und ich kann sogar einige Bilder des Tages bei flickr hochladen und in meinen neuen Artikel einbinden. Der Fernseher funktioniert auch wieder und auf SyFy läuft nun ein Abklatsch von Steven Spielbergs “Der weiße Hai” – aber diesmal sind es Piranhas aus grauer Vorzeit die durch einen Riss in der Erdkruste in die Gegenwart huschen und fortan alle möglichen amerikanischen Gewässer blutrot einfärben.

Nach einer Weile muss Sandra umschalten, sie ist die Herrscherin über die Fernbedienung und sie erträgt das spritzende Blut nicht mehr. Kurz drauf bin ich dann auch ein wenig eingenickt. Als ich wieder wach werde ist es draußen schon dunkel und die Uhr zeigt 21h (9 pm). Ich überlege kurz, werfe einen prüfenden Blick nach draußen und bin mir nicht sicher ob es sich lohnen wird. Aber das ist ein Fotoreise und eine Fotoreise auf der man nur tagsüber das eine oder andere Erinnerungsfoto schießt, ist mehr als komplett daneben. Bereits bei unserer Anreise nach Escalante im Capitol Reef Nationalpark haben wir keine Minute gestoppt und sind immer nur weiter und weiter gefahren. Erst weit oben als wir auf dem genialen Highway 12 auf 9600 Fuß (ca. 3.000 Meter) angekommen waren, haben wir uns eine kurze Pause gegönnt während derer ich einige wenige Infrarot-Fotos aufnehmen konnte.

Jetzt noch einmal in die dunkle Nacht zu starten ist also eigentlich PFLICHT!

Schnell ist meine Nikon D800E mit einigen Objektiven und Zubehör eingepackt. Später werde ich doch wieder nur mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert haben, aber das ist eine andere Geschichte…

Anfahrt

Mit meinem großen Geländewagen geht es in Richtung Osten aus der Stadt heraus. Wie schnell ich fahren darf ist mir nicht so recht bewusst, sind es 25, 30 oder gar 35 Meilen? Es geht leicht bergab und mein Auto wird unmerklich schneller. Kurz vor dem Ortsausgang sehe ich auf der rechten Straßenseite einen unbeleuchteten dunklen Truck der wie ein Ford F150 aussieht. Der Tacho zeigt 50 mph und ich trete instinktiv auf die Bremse. Sekundenbruchteile später sehe ich dann aus dem Augenwinkel, dass es der örtliche Sheriff ist der hier auf Temposünder wartet. Das ist ja noch einmal gut gegangen – uff…

Wenig später erreiche ich den Abzweig zur staubigen und mehr als holprigen “Hole in the Rock Road”, die hier kurz HITRR genannt wird. Gleich beim Abzweig stehen fünf große Geländewagen und gleich daneben steht eine Horde junger Kinder in kurzen Hosen mit Sandalen und T-Shirts. Ich halte kurz an und frage ob alles ok ist. Es sind Mormonen auf dem Weg zum Hole In The Rock, sie wollen sich anschauen wo ihrer Vorfahren von vielen Jahrzehnten mit Schweiß und Dynamit den Glenn Canyon durchquert haben. Sie haben Zelte und alles an Equipment dabei was man für eine Nacht hier draußen braucht. Weil vor ihnen mehrere Stunden auf der dunklen holprigen Off-Road liegen, legen sie eine kurze Pinkelpause für die Kleinen ein. Es gibt Dinge im Leben, die sind wirklich wichtig!!

Kurz drauf ist dann ein Treck von nun sechs geländegängigen Autos auf der HITRR unterwegs und ich bin der Anführer – Yep!

Mit 50 mph jagen wir über die Piste und ich hoffe insgeheim, dass alle vier Reifen durchhalten werden. Aber wie sagt mein Freund Wolfgang hier immer “Gib Stoff, die Autos sind für das hier gemacht!”… Allerdings hatte er hier bei seiner letzten Reise gleich ZWEI defekte Reifen zu beklagen!

Am Nachmittag haben wir das Areal ja schon besucht und ich hatte mein GPS eingeschaltet. So kann ich in der Finsternis nun sehr schön sehen wo der Abzweig zum Devils Garden ist. Ansonsten wäre es in der Dunkelheit nicht so einfach, man müsste deutlich langsamer fahren und über mehrere Kilometer drauf achten, ob ich das alte hölzerne Hinweisschild am Straßenrand sehe.

Wo wir gerade beim Thema sind, die “Achtsamkeit” ist hier besonders in der Nacht extrem wichtig! Die HITRR ist ein Open Range Gebiet und auch in dieser Nacht stehen wieder mehrere schwarze Kühe mitten auf der Straße und schauen mich ziemlich dümmlich an. Vielleicht liegt es daran, dass es aussieht als würden sie ein Kaugummi kauen. Aber vielleicht sind sie tatsächlich einfach dumm :-) Und schwarze Kühe sind nicht alles, zwar gibt es hier keine schwarzen Schafe, aber reichlich Hasen, Mäuse und anderes Getier. Deren kleine Leichen möchte ich nicht am Auto kleben haben und so ist das GPS eine tolle Hilfe. Ich kann mich auf das Getier konzentrieren und muss nicht nach alten hölzernen Straßenschildern am Wegesrand Ausschau halten.

Beim Devils Garden angekommen steht dort ein verlassener weißer SUV. Die Insassen sind weit und breit nicht zu sehen, ich bin hier augenscheinlich ganz allein. Was allerdings an Getier in der Dunkelheit um mich herum schleicht weiß ich nicht wirklich. Schnell ist meine D800E startklar, ich habe inzwischen echt viel Routine mit dieser Kamera und kann sie in der Dunkelheit zur Not auch blind bedienen. Bewaffnet mit drei Taschenlampen, dem großen SIRUI M-3204 Carbon-Stativ, der Kamera und meinem Fotorucksack geht es los zum niedlichen Metate-Arch. Es sind nur ein paar hundert Meter zu laufen und ich kenne das Areal von meinen zahlreichen Besuchen inzwischen sehr gut.

Am Arch angekommen fotografiere ich ihn etwa zwei Stunden aus verschiedensten Blickwinkeln und positioniere meine Taschenlampen immer wieder neu.

Fototipp

Moderne LED-Taschenlampe geben ein sehr kaltes bläuliches Licht ab. Es ist zwar extrem hell aber eher ungeeignet um eine nächtliche Szenerie adäquat auszuleuchten. Aber es gibt einen Trick! Es ist wie bei einem Filter, hält man eine solche Taschenlampe für ein rotes Glas, so können die roten Anteile des Lichts passieren. Verwendet man gelbes Glas, so ist das Licht eher gelblich, bei anderen Farben funktioniert es analog dazu. Den gleichen Effekt kann man durch die Reflexion an einer Oberfläche erzielen!

Last Night @ Devils Garden #1 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Rund um die “Steinmännchen” im Devils Garden gibt es Felsen in warmen roten und gelben Farbtönen. Leuchtet man diese Felsen mit meiner LED Lenser P7 an, so hat das reflektierte Licht im wesentlichen die gleiche Farbe wie die umliegenden vom indirekten Licht sanft erleuchteten Felsen.

Dieser Trick hat schon vor einigen Tagen in der False Kiva sehr gut funktioniert und heute beim Metate-Arch klappt es auch wieder ganz vorzüglich. Ein weiterer Trick ist es, ein einfaches Stofftaschentuch ggfs. mehrfach zu falten und es vor dem Reflektor der Lampe anzubringen. In meinem Gepäck habe ich einige fies grüne Gummis, die es neulich billig im Supermarkt in der Tchibo Ecke gab. Eigentlich sind sie dafür da um Rouladen beim Kochen zusammenzuhalten. Aber man kann sie für allerlei andere Dinge gewinnbringend einsetzen. Ich verwende sie heute um etwas Stoff von meinen Taschenlampen zu befestigen :-)

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere wird es mir bald langweilig und ich aktiviere mein HTC ONE Smartphone. Es hat überraschend gute Lautsprecher und so kann ich mir in der Dunkelheit, während ich die Rauschunterdrückung meiner Kamera abwarte, die Zeit mit Musik vertreiben. Ich starte mit MUSE, dann etwas Chris Rea, Elektro-Pop, ZZ-Top, Saga, die Liste ist lang… Da ich auch nicht weiß welches Getier sich in der Dunkelheit herumtreibt ist es vielleicht nicht verkehrt hier etwas Radau zu machen.

Mehrmals höre ich hinter mir etwas knacken und leuchte mit meiner LED-Taschenlampe in diese Richtung. Zweimal sehe ich am Ende des einstellbaren Lichtkegels die Reflexionen zweier Augen in der Nacht. Was für ein Tier das ist weiß ich nicht und vielleicht ist es auch besser so…

Die Milchstraße

Als ich nach etwa zwei Stunden meine Session beenden will, sehe ich im Display meiner Kamera auf einem Foto einen etwas dichteren “Sternenhaufen”. Die Nacht ist nach dem Gewitter überraschend klar, aber dennoch blitzt es immer wieder weit entfernt irgendwo über dem Lake Powell. Ob hier ein Blitz die Szenerie erhellt hat? Ich bin mir unschlüssig und versuche die Ursache genauer zu ergründen. Als ich etwa 50 Meter vom Metate-Arch zurückgelaufen bin, sehe ich dann majestätisch und gewaltig über mir die Milchstraße am Himmel. Alles ist klar und deutlich artikuliert, es ist der Wahnsinn. Escalante und der Devils Garden sind mit ca. 1.800 Metern sehr hoch gelegen und hier gibt es keine großen Städte im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Außerdem ist der Mond nicht zu sehen und so habe ich völlig unverhofft doch noch einmal die Möglichkeit Fotos der Milchstraße aufzunehmen. Ich hätte sie schon sehr viel eher sehen können wäre ich nicht so sehr auf den Metate-Arch fixiert gewesen.

Last Night @ Devils Garden #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Wie elektrisiert schnappe ich mir meine D800E und suche mir immer wieder neue Positionen für meine Kamera. Einfach nur die Milchstraße zu knipsen ist mir nicht genug ich möchte eine Komposition die auch etwas hergibt. So mache ich immer wieder Testaufnahmen mit höchster ISO-Empfindlichkeit, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. Es ist der schnellste und einfachste Weg um in der Dunkelheit seine Kamera gut auszurichten und nicht einfach irgendein Foto zu schießen sondern ein Foto das einen Aufbau hat und zumindest einfachen Regeln folgt.

Immer wenn ich eine Position gefunden habe die mir gefällt, stelle ich wieder ISO-1600 und Blende 4 ein und belichte mit Hilfe meines Nikon MC-20 Kabelauslösers zwischen 2 und 4 Minuten. Wegen des exorbitanten Blickwinkels meines 14mm Weitwinkel-Zooms werden trotz der recht langen Belichtungszeit die Sterne der Milchstraße mit vertretbarer Bewegungsunschärfe abgebildet.

Last Night @ Devils Garden #4 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Während ich von einer Perspektive zur anderen wechsle und meine Taschenlampen immer wieder neu positioniere, denke ich an meine Sandra und hoffe nur, dass sie sich keine Sorgen macht. Eigentlich wollte ich nur schnell ein paar Fotos schießen und nach zwei Stunden wieder zurück sein. Nun fotografiere ich hier schon fast seit 5 Stunden und bin seit fast 6 Stunden unterwegs… Aber sie ist ja schon groß und sie weiß auch, dass ich nicht unvorsichtig bin. Aber das schlechte Gewissen bleibt trotzdem! So eine Fotoreise ist irgendwie doch einfacher wenn man sie komplett allein oder eben mit zu 110% gleich gesinnten Foto-Freunden unternimmt.

Last Night @ Devils Garden #5 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Irgendwann um ca. 3h am Morgen versagt dann der zuvor frisch geladene Akku meiner D800E. Er hat diese große Kamera nun fast sechs Stunden lang ununterbrochen mit Energie versorgt und ich bin für dieses “Signal” eigentlich ganz dankbar. Zwar habe ich noch mehrere Akkus in Reserve, aber bald geht schon die Sonne auf, ich bin hundemüde, ich habe Hunger und Durst, es ist Zeit diese geniale nächtliche Fotosession zu beenden. Zurück im Auto freue ich mich über eine kalte Cola und einige Kräcker.

Last Night @ Devils Garden #6 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Alles hat ein Ende

Auf dem Rückweg über die HITRR fahre ich kaum schneller als 25 mph, ich bin müde und es stehen überall Kühe auf der Straße. Nun noch einen Unfall zu haben, das will ich mir ersparen. Als ich kurz vor der Morgendämmerung am Circle-D Motel eintreffe ist meine Sandra noch wach und mein schlechtes Gewissen stärker denn je. Sie hat sich wieder die weiblichen Sorgen gemacht von denen ich nie genau weiß, ist es Sorge dass mir etwas zugestoßen sein könnte, oder ist es die Sorge allein weiterreisen zu müssen… Hoffentlich ist es doch die Sorge um mich :-)

Sandra erzählt mir dann, dass sie nicht geschlafen hat, weil im Nebenzimmer solch ein Lärm war. Sie hat mehrfach so feste sie konnte gegen die hölzerne Wand geschlagen, irgendwann scheint es gewirkt zu haben. Ich höre jedenfalls nichts mehr und bin auch sehr schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen bin ich sehr glücklich mit den Fotos der nächtlichen Session. Die Milchstraße sieht wirklich gut aus und es sind einige Fotos gelungen die man so nur hier in Escalante machen kann. So war die Entscheidung in der Nacht noch einmal aufzubrechen goldrichtig und dass es am Vortag ein Gewitter gab sogar mehr als vorteilhaft!

Last Night @ Devils Garden #7 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich gegen 9h ausgeschlafen habe geht es nach nebenan in die Circle-D Eatery zu einem gesunden Frühstück. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt, zwei Rühreier, frisches Obst, ein Glas Orangen-Saft und eine Tasse Kaffee. So kann der Tag beginnen. Weil ich trotz allem etwas angeschlagen bin, beschließen wir den Tag mit einem kleinen Ausflug zu gestalten. Es geht über den wunderschönen Highway 12 nach Boulder und dann weiter auf dem einmalig schönen Burr Trail. Auf dem Dach meines Autos habe ich meine GoPro HD HERO 3+ mit einem frisch aufgeladenen Akku.

Dieser hält sogar die gesamte Strecke von Escalante bist zum “großen Aussichtspunkt” des Burr Trails durch. Wir halten nur kurz, ich starte die GoPro erneut und wir machen uns auf zum Boulder Mesa Restaurant. Dort gibt es einen sehr leckeren richtig hausgemachten Burger. Ziemlich voll gefuttert und behäbig machen wir uns eine Stunde später wieder auf den Weg nach Escalante. Als wir dort eintreffen gönnen wir uns noch schnell eine Tasse Kaffee im Escalante Outfitters. Ok, nur ich trinke Kaffee, meine Sandra hat heute mal einen grünen Tee geordert.

Zurück im Motel bin ich sehr froh mit den Video-Sequenzen die meine GoPro aufgezeichnet hat. Inzwischen habe ich mich mit dieser Kamera etwas versöhnt. Anfangs habe ich viel im Video-Modus “Narrow” und “Medium” gefilmt. Dabei kam leider nur unbrauchbarer unscharfer “Matsch” heraus. Aber im Modus “Wide” funktioniert die neue GoPro sehr gut. Wenn man ganz ehrlich ist, liefert die etwas ältere GoPro HD HERO 1080 bei gutem Licht Videomaterial in gleicher Qualität. Das teure “Upgrade” wäre also nicht wirklich notwendig gewesen!

Während im Fernsehen bei “insp” ein Western nach dem andere gezeigt wird, schreibe ich diesen Artikel und stelle mich seelisch darauf ein Escalante morgen schon wieder zu verlassen. Dann soll es weiter nach Page in Arizona gehen. Dort wollen wir versuchen eine Fahrt mit dem Schiff zur Rainbow-Bridge zu buchen. Abends könnte ich mich mit meiner neuen Nikon D800E und dem genialen AF-S 2,8/14-24mm mal wieder am Horse-Shoe-Bend einfinden und dort zum Sonnenuntergang einige Fotos aufnehmen.

Was wir letztlich wirklich machen ist aber noch nicht ganz klar und das ist auch gut so. Schauen wir halt mal…


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