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Teneriffa 2014/15 – Der Weg zu den Sternen

Tag 26 – 5. Januar

Es ist Montag und weil mir der Heimweg des Vortages noch ein wenig in den Knochen steckt lasse ich es heute ganz ruhig angehen. Um 10h30 treffen sich an jedem Morgen einige Residenten bei der Bar „Pepito“ in La Paz, dem deutschsprachigen Stadtteil von Puerto de la Cruz. Dort will ich mich mit meinem Freund Wolfgang treffen, allerdings bin ich heute fast eine Viertelstunde zu spät. Stören tut das hier indes niemanden, wer auf Teneriffa lebt hat meistens viel Zeit und alle Ruhe der Welt. Das gilt leider auch für Handwerker aller Art…

Gegen Mittag bin ich wieder im Hotel, schreibe einen Artikel für meinen BLOG und gammle ein wenig im Hotel herum. Das ist entspannt aber auch ziemlich langweilig. Immer wieder muss ich an Veronica denken, die ich vor ein paar Jahren kennengelernt habe. Sie konnte stundenlang aufzählen in welchen Ländern sie schon im Urlaub war und hatte tausende Fotos von ihren Reisen. Seltsamerweise war sie auf ALLEN Fotos im Bikini an unterschiedlichsten Pools in Hotelanlagen zu sehen, die letztlich doch alle wieder ähnlich aussahen. Als ich sie damals gefragt habe ob sie sich denn mal ein Auto gemietet hat um die Landschaft zu erkunden, war sie irritiert und sprachlos. Sie hat wirklich über all die Jahre hinweg ihre freie Zeit vollständig in weit entfernten Hotelanlagen verbracht und kannte die Länder drumherum nur durch die Fenster der Shuttle-Busse.

Damals habe ich mir geschworen, dass ich solch einen Urlaub niemals nie nicht machen werde!!! Und heute bin ich doch ein wenig zu einem Teil davon geworden. Irgendwie ist es mir unangenehm zwischen all den Menschen mit dem blauen „All-Inclusive-Armband“ am Pool zu sitzen. Natürlich habe ich nichts gegen sie persönlich, aber diese Art Urlaub zu machen, mit Flatrate-Saufen und Sonnenbrand bis es verbrannt riecht, kann ich einfach nicht ab.

Als es dunkel wird muss ich da raus, es ist mir einfach unerträglich. Beim abendlichen Buffett esse ich noch schnell etwas Fisch, Kartoffeln und Gemüse und staune nicht schlecht als meine „Lieblingskellnerin“ mir völlig ungefragt ganz locker im vorbeigehen einen großen Humpen leckeres kaltes Bier auf den Tisch stellt. Was für ein Service und diese total netten Mitarbeiter müssen sich den ganzen Tag mit Menschen herumschlagen die ihre unvorteilhaften Figuren missmutig und betrunken am Pool herum bewegen. Oh je, jetzt werde ich zynisch, also lassen wir das…

Im Zimmer raffe ich meine Fototaschen zusammen. Es ist alles hier und dort verteilt weil ich am Nachmittag vor lauter Langeweile einen neuen Teil für „Ansgar’s kleine Fotoschule“ aufgenommen habe.

Als ich los will ist es erst 19h, eigentlich noch viel zu früh für schöne Fotos der Sterne hoch oben in den Bergen über Teneriffa. Also schneide ich noch schnell die Videoschnipsel des Nachmittages zu einem herrlich verwackelten YouTube-Video zusammen. Diesmal habe ich alles einfach ganz schnell und hemdsärmelig mit meinem Handy gefilmt. Schon beim Schneiden wird mir flau im Magen und ich bin gespannt wie viele meiner Zuschauer dabei wegen akuter visueller Überforderung in Ohnmacht fallen werden :-)

Zuletzt widerstehe ich noch der dringenden Versuchung mit fieser Fresse „Aalter isch Rahsier Disch!“ in die Kamera zu grunzen oder so laut wie möglich „Knallgas“ ins Mikrofon zu brüllen. Besser ist das, denn das machen ja schon die angesagten Stars auf YouTube. Wer nicht weiß wovon ihr hier schreibe gibt sich mal kurz den “Kaller” oder auch “Gillette Abdi” – Au Backe – Das Video von “Gillette Abdi” wurde schon fast eine halbe Millionen mal angeschaut. Was ist nur aus unserer Welt geworden? Alles wird den Bach runter gehen und weil die Jugend nur noch so einen Müll anschaut, wird sie es noch nicht einmal bemerken sondern nur dazu johlen: “Aaalter wir eh wir rasyrn dysch eh aalter…”

Aber das soll uns egal sein, wir wollen ja die Sterne fotografieren, also weiter geht’s… Um zum Pico del Teide hinaufzufahren gibt es insgesamt rund sechs verschiedene Möglichkeiten. Weil es schon 22h ist mag ich heute nicht viele Kurven fahren und entscheide mich für die sehr entspannte Anfahrt aus dem Nord-Osten über den kleinen Ort La Esperanza. Das ist zwar deutlich weiter, aber die Straßen sind gut geteert und viel besser zu befahren als die Straße oberhalb von La Orotava.

Anfahrt-Teide-La-Esperanza

Ein paar Kilometer hinter dem Flughafen montiere ich meine neue GoPro HD HERO 4+ Black Edition auf das Dach meines Autos, starte das WiFi-Netzwerk und steuere die Kamera aus dem warmen Auto heraus mit meinem Smartphone. Das funktioniert ganz wunderbar und nachdem ich eine Video-Sequenz aufgenommen habe die etwa 5 Minuten dauert, schalte ich die Kamera in den Zeitraffermodus für Nachtaufnahmen (Night-Time-Lapse). Mit ISO-800 und einer Belichtungszeit von etwas einer Sekunde knipst die GoPro nun Bild um Bild. Als ich ein paar Kilometer später anhalte bin ich richtig aus dem Häuschen als ich sehe wie schweinemäßig cool diese Fotos aussehen.

chasing the evil through the forest walls

Draußen sind es jetzt nur noch 5°C und der Akku meiner GoPro macht wegen unvollständiger Ladung, akutem Stromentzug und fieser Kälte schlapp. Ich verstehe das, wäre ich eine Batterie mir wäre da oben auf dem Auto auch nicht wohl. Also hole ich die kleine Kamera aus dem Unterwassergehäuse auf dem Dach und lade sie über einen USB-Adapter der im Zigarettenanzünder steckt.

Am ersten Aussichtspunkt angekommen baue ich meine Nikon D800E und das Nikkor 2,8/14-24mm auf und lasse sie bei ISO-800 und Blende 4 ganze 30 Sekunden lang belichten. Bereits diese ersten Fotos sehen gut aus, denn über mir am Himmel scheint der volle Mond so hell, dass man fast Zeitung lesen könnte. Während ich mit der D800E immer mal wieder neue Bildausschnitte wähle, habe ich inzwischen auch die Olympus OM-D E-M1 startklar. Für die ersten Fotos verwende ich das Leica 1,2/42,5mm Nocticron. Den Autofokus habe ich auf  M wie „Manuell“ gestellt. Schalte ich die Kamera aus und wieder ein, so fokussiert sich das lichtstarke Nocticron sauber auf „Unendlich“, das funktioniert wirklich gut!

DCIM100GOPROG0082478.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit der Olympus probiere ich nun verschiedene Einstellungen aus. In meinem Auto habe ich die Kamera zuvor etwas umkonfiguriert und so kann ich nun mit dem Feature „Live-Time“ bei Blende 4 und ISO-400 schöne Fotos machen. Eine feste Belichtungszeit gibt es dabei nicht. Auf dem Display kann ich verfolgen wie das Bild entsteht. Unten links im Bild wird ein Histogramm eingeblendet und immer wenn ich das Gefühl habe, dass keine dunklen Bildbereiche „abgeschnitten“ werden, drücke ich den Auslöser ein zweites Mal um den Belichtungsvorgang zu beenden. Weil der feste relativ fixe Blickwinkel mir irgendwann zu starr ist, nehme ich noch einige Fotos mit dem Panasonic 2,8/35-100mm (FX: 70-200mm) und dem Panasonic 2,8/12-35mm (FX: 24-70mm) auf.

El Teide at Night #1 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Um das „Geschehen“ dokumentieren zu können, lasse ich die kleine GoPro die Szenerie verfolgen. Sie knipst jetzt mit 30s Belichtungszeit lautlos vor sich hin. Ein drittes Stativ für die GoPro habe ich leider nicht dabei, aber es gibt an diesem Aussichtspunkt überall Möglichkeiten um die Kamera abzustellen. Wegen des krassen Weitwinkels der GoPro kommt es auch nicht so genau darauf an wo und wie sie steht, sie knipst irgendwie schon das was ich möchte. Zwischendurch zücke ich kurz mein Smartphone und kontrolliere sicherheitshalber doch was in der kleinen GoPro vor sich geht.

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Gegen 1h am Morgen habe ich den Eindruck, dass ich alles soweit wie sinnvoll „abfotografiert“ habe. Am Aussichtspunkt ist es fast windstill und es sind 7°C, so bin ich auch nach mehr als einer Stunde nicht total durchgefroren und nehme schnell mit meiner GoPro im Auto ein weiteres Video zum Thema “Nachts fotografieren” auf.

Es geht weiter zur nächsten Location. Es ist eine nicht weit entfernte Stelle die mein Freund Wolfgang mal als den „Grand-Canyon von Teneriffa“ bezeichnet hat. Dort kann man das Auto gut abstellen und bewaffnet mit meinen Kameras geht es einen kleinen Hügel hinauf auf einen gewaltigen Felsvorsprung. Von hier aus kann ich La Orotava und Puerto de la Cruz sehen. Gleich links oberhalb thront majestätisch der Pico del Teide sehr fotogen am Horizont. Direkt von oben beleuchtet das Mondlicht die Szenerie auf fast gespenstische Art und Weise.

Und wieder fotografiere ich was das Zeug hält. Hier ist es nun etwas kälter, es sind nur noch 3°C aber es ist nahezu windstill. So muss ich mir keine Sorgen machen, dass ein Windstoß eine meiner Kameras in den tiefen Canyon schubsen könnte. Mit zwei Kameras geht es auch hier sehr effizient voran. Ich flitze zwischen Kameras hin und her und immer wenn die eine Kamera belichtet und die Rauschunterdrückung ausführt hantiere ich an der jeweils anderen Kamera. So vergeht die Zeit wie im Flug und als ich irgendwann meine Füße kaum noch spüren kann ist es auch schon deutlich nach 3h am Morgen.

El Teide at Night #2 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Weil die Session so viel Spaß gemacht hat war ich zwischendurch regelrecht euphorisch und habe ernsthaft in Betracht gezogen an weiteren Locations zu fotografieren und zum Sonnenaufgang unterhalb des kleinen Gala auf der Westseite des Vulkans zu sein. Aber die Müdigkeit übermannt mich jetzt unaufhaltsam und so beschließe ich meine Sachen zu packen und zurück zu Hotel zu fahren.

Der Rückweg ist denn auch gar nicht leicht und es fällt schwer die Augen offen zu halten. Aber die Füße tauen langsam auf. Während die Heizung auf der höchsten Stufe läuft muss ich schließlich ein Fester ein wenig öffnen um noch etwas Frischluft im Auto zu haben. Im Hotel angekommen fällt mir jeder Meter schwer. Von meinem Proviant habe ich nichts aber auch gar nichts gegessen. Aber es war gut ihn dabeizuhaben, man weiß nie was passiert und welche absurden Ideen mir manchmal mitten in der Nacht durch den Kopf schießen.

Vor meiner Zimmertüre im Hotel setzt schlagartig große Ernüchterung ein. Die Euphorie ist weg, denn meine Karte für das Türschloss funktioniert nicht mehr. Oh je, es ist kurz nach 4h am Morgen und ich komme nicht in mein Zimmer. Meine Kameras und alles andere lasse ich vor dem Zimmer liegen und laufe schnell zur Rezeption hinüber. Dort treffe ich zum Glück eine der Mitarbeiterinnen die hier sonst tagsüber arbeitet. Eigentlich hatte ich den Nachtportier erwartet. Meine Zimmer-Karte ist schnell neu programmiert und als ich gefragt werde wo ich denn so spät in der Nacht noch wandern war zücke ich mein Telefon um voller stolz einige der Fotos auf meinem Smartphone zu präsentieren die ich in den letzten Tagen bei flickr hochgeladen habe.

Die Mitarbeiterin des Hotels ist irritiert und kann kaum glauben, dass diese vielen Fotos in der Nacht entstanden sein sollen. Aber ich kann ihr die Sterne zeigen und sie kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Als ich mich verabschiede haut es mich fast aus den Schuhen als sie mir sagt sie sei völlig überrascht was man heutzutage alles mit einem modernen Telefon fotografieren könne :-)


Teneriffa 2014/15 – Fotografieren mit Shift & Tilt

Lighthouse near Abades #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Tag 23 – 2. Januar 2015

Es ist Freitag und der Rutsch ins neue Jahr war überaus kalt und frostig. Mittlerweile habe ich einige Fotos angeschaut und mit viel Mühe bei flickr.com in meinen Fotostream hochgeladen. Mein Wäsche ist auch gewaschen, die letzten Tage in meinem BLOG sind beschrieben, warum also nicht zu einer kleinen Fototour aufbrechen?

Im Gepäck habe ich heute nur das Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv, so wie einen passenden 82mm Polfilter und meine kleine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1 V1.

Über die Autobahn geht es nach El Poris. Dort gibt es etwa auf halber Strecke zur alten Geisterstadt bei Abades einen schönen Leuchtturm. Das Areal kenne ich recht gut und man kann von hier aus recht nette Sonnenuntergänge sehen, wenn man sich auf ein der kleinen Vorsprünge aus erkalteter Lava stellt die teilweise recht weit ins Meer hineinreichen.

Coastline near Abades - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Als ich am Leuchtturm eintreffe ist es unglaublich windig. Es fällt schwer gerade zu stehen und zu fotografieren. Aber die Wolken am Himmel und das Licht stehen mehr als günstig für richtig „knallige” Infrarot-Fotos. Bewaffnet mit meiner Nikon 1 V1 und dem 6,7-13mm Weitwinkel-Zoom (FX:  18-35mm) geht es an die Arbeit. Der Himmel sieht famos aus und schon beim Blick durch den Sucher kann man erahnen wie die Bilder nach der Ausarbeitung wirken werden. Nur will es einfach nicht gelingen den Leuchtturm so abzulichten, dass er wirklich gerade steht. Wie man sich dreht und wendet, er steht nur dann gerade wenn er mitten im Bild angeordnet wird und das sieht immer blöd aus. Das Einzige was hilft ist unerwünschte andere Objekte hinter Büschen und Sträuchern verschwinden zu lassen und den Leuchtturm gerade zu stellen. Allerdings erscheint die eigentlich ebene Landzunge dann stark abschüssig, so wie im folgenden Bild.

Lighthouse near Abades #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Also schlägt etwas später die Stunde des großen Shift & Tilt Objektives. Bewaffnet mit Stativ und Nikon D800E wage ich mich hinaus in den Sturm. Dabei halte ich mein Stativ stets fest, ich will auf keinen Fall riskieren, dass der Wind es wieder umwirft.

Soll der Horizont im unteren Drittel des Bildes angeordnet werden und positioniert man den Leuchtturm so im Bild, dass er im linken oder rechten Drittel zu sehen ist, so zeit sein Spitze IMMER zur Mitte im oberen Bereich des Bildes. Das sieht voll doof aus, es lässt sich aber mit dem Shift & Tilt Objektiv korrigieren. Dazu schiebt man das Objektiv schrittweise nach oben und senkt die Kamera auf dem Stativ etwas nach unten. So nähert man sich langsam aber sicher einer Position an in der alles so hübsch gerade ist wie man es sich wünscht.

Würde man ein Motiv fotografieren bei dem der Horizont im oberen Drittel wäre, so müssten man das Objektiv nach unten verschieben.

Als einfach Regel kann man sich merken, dass man die Kamera zunächst vollständig  aufrecht aufstellt und dann die Position des Horizontes über das Verschieben des Objektives einstellt. Später kann man dann etwas „nachregeln“.

Will man Dinge fotografieren die sehr nah vor der Kameras sind und die Tiefenschärfe stark ausweiten, oder ggfs. auch stark einschränken, so kann man das Objektiv schwenken. Dabei steht es nicht mehr gerade an der Kamera sondern zeigt schrägt nach oben oder unten.

Das Rokinon Objektiv (Auch unter dem Label Samyang oder Walimex erhältlich) kann man außerdem sehr einfach um 90° an der Kamera drehen und dies gleich zweimal! Also den verschiebbaren Teil und den schwenkbaren Teil! Damit lassen sich die meisten Motive so in den Griff bekommen, alles „bolzengerade“ steht. Wer mag kann die Verstellmöglichkeiten des Objektives auch verwenden um einen sehr natürlich wirkenden „Miniatur-Effekt“ zu erzielen. Da dieser „Echt ist“, sieht er meiner Meinung nach deutlich besser aus als eine digitaler Effekt aus Photoshop & Co.

Ein weiterer Vorteil dieser sehr speziellen Objektive ist, dass man die Verstellmöglichkeiten natürlich auch beim Filmen nutzen kann. In einfachen Video-Bearbeitungsprogrammen hat man meist keine Möglichkeit um perspektivische Verzerrungen zu korrigieren und wenn es geht, verliert man dadurch in der Regel sehr viel Auflösung und damit Detailgehalt innerhalb der korrigierten Video-Sequenzen. Dies trifft auf Fotos natürlich auch zu.

Wer also Gebäude usw. korrekt abbilden will und gleichzeitig auf eine allerhöchste Bildqualität bedacht ist, der kommt an einem Shift & Tilt Objektiv nicht vorbei. Doch diese Objektive sind auch in der Landschaftsfotografie eine sehr gute Sache! Man stelle sich vor, dass man eine Foto von einem Waldrand aufnimmt und die Wurzeln der Bäume weit untern im Bild anordnet. Nun schaut man an den Bäumen hinauf und da ist er wieder, der ungeliebte Effekt. Die Bäume am Bildrand stehen schief und zeigen zur Bildmitte!

Diese perspektivische Verzerrung lässt sich mit dem Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt ebenso leicht korrigieren wie ein bei einem Foto eines Leuchtturmes :-)

Während ich mit der D800E unterschiedliche Perspektiven ausprobiere geht am Horizont äußerst fotogen die Sonne unter. Viel Zeit ist jetzt nicht und ich muss mich schwer beeilen wenn ich einige unterschiedliche Perspektiven ausprobieren will. Dabei ist es sehr hilfreich, ich dass Shift & Tilt Objektiv schon oft benutzt habe und es inzwischen wie im Schlaf bedienen kann. Im folgenden Fotos musste ich mit Photoshop keinerlei Korrekturen der Perspektive ausführen, alles wirkt so wie es sein soll. Wegen des harten Kontrastes habe ich immer Belichtungsreihen mit 5 Bildern und 0,7EV Unterschied bei Blende 8 und Zeitautomatik aufgenommen. Für das folgende Fotos habe ich zwei Bilder zu einem Foto “kombiniert”. Dabei habe ich für den unteren Teil, also den Teil mit der dunklen Lava eines der helleren Bilder verwendet. Wenn man so will ist dieses Foto also ein DRI (Dynamic-Range-Increase – Erweiterung des Tonwertumfangs).

Old Light House near Abades - Nikon D800E & Rokinon Shift & Tilt 3,5/24mm

Allerdings macht mir der massive Wind große Probleme. Damit die Fotos nicht verwackelt sind müsste ich mein Stativ eigentlich massiv beschweren. Dazu gibt es so genannte „Steinbeutel“ die man in die drei Beine des Statives einhängen und mit schweren Gegenständen füllen kann. Einen solchen Steinbeutel habe ich leider daheim in Deutschland. Zuletzt war er in einem meiner Videos zu einem der Vanguard-Stative zu sehen. Also nutze ich die kleine Schlaufe gleich unter dem Kugelkopf meines leichten Carbon-Statives und ziehe das Stativ während ich auslöse mit aller Kraft in Richtung Boden. So gelingen einige nicht verwackelte Fotos an den ich später sehr viel Freude haben werde.


Teneriffa 2014/15 – Die Milchstrasse fotografieren

Tag 12 – 22. Dezember – Unter der Milchstraße

Auch der nächste Tag beginnt mit üblichen Ritualen, nur dass diesmal mein Sohn Leon der Langschläfer ist. In der ersten Woche war meine Sandra regelmäßig vor mir wach und hat mich angetrieben mich endlich anzuziehen, damit wir zum Frühstück wandern können. Nun ist es mein Leon der trotz geöffneter Vorhänge, Fenster und Gedudel aus dem Handy einfach weiterschläft. Jeder Mensch mit Schlafstörungen die ihn dabei sehen könnte wäre sowas von neidisch :-)

Aber irgendwann ist es geschafft! Nach dem Frühstück geht es mit dem Auto runter nach La Paz, dem deutschen Stadtteil von Puerto de la Cruz. Gegenüber vom Supermercado 2000 ist eine kleine Bar namens „Pepito“. Hier treffen sich jeden Montag um 10h30 einige deutsche Residenten um den Spiegel zu lesen und das Geschehen in der Welt zu diskutieren. Als wir dort eintrudeln ist die Runde schon gut besetzt, mein Freund Wolfgang hat uns zwei Plätze freigehalten. Wir genehmigen und zwei große „Zaperoco“ und haben wirklich Gefallen an diesem Gemisch aus Zitrone, Likör, Sahne, Zimt, Kakao und aufgeschäumter Milch.

Gegen Mittag machen wir uns wieder auf den Weg zum Hotel. Irgendwie sind wir von der guten Luft hier so kaputt, dass man meinen könnte wir hätten eine Sauerstoff-Vergiftung. Damit das nicht noch schlimmer wird hängen wir ein Weilchen im Garten des Hotels herum und schieben uns schließlich eine Pizza mit Tunfisch zwischen die Backenzähne. Während meine erste Portion Wäsche in der Waschmaschine im Basement ihre Runden dreht, verbringen wir weitere Stunden damit zu einfach nichts, wirklich gar nichts zu tun. Man mag es kaum glauben, aber das ist total anstrengend…

Später schieben wir uns noch ein Abendessen hinein und wären nun eigentlich bereit ausgiebig an der Matratze zu horchen. Aber wir haben noch ein Tagesziel, wie wollen die Milchstraße von ihrer allerbesten Seite fotografieren. Im Mondphasenkalender habe ich schon vor Wochen gesehen, dass wir heute Neumond haben und dass damit die allerbesten Voraussetzungen gegeben sind um die Sterne der Milchstraße klar und deutlich sehen zu können. Nun müssen nur noch die Wolken mitspielen!! Im Mai in den USA hatte ich einige Tage, an denen es tagsüber sehr bewölkt war und spät in der Nacht doch noch alle Wolken abgezogen und die Sterne klar und deutlich zu sehen waren. So habe ich die Hoffnung, dass es heute auch wieder klappen könnte

Der Weg hinauf in die  Canadas del Teide geht sehr zügig voran, wir sind praktisch allein unterwegs. Als wir nach etwa 90 Minuten bei den Los Roques eintreffen stehen dort ein Polizei- und ein Rettungswagen. Irgendwo unterhalb des Roque Chinchado sind Lichter zu sehen. Wir lassen uns davon nicht abhalten und starten unsere Fotosession. Zunächst machen wir wieder mit allerhöchster ISO-Empfindlichkeit einige schnelle Orientierungsfotos um dann die ISO-Werte langsam zu reduzieren und die Belichtungszeiten zu verlängern. Bei der Nikon D2x meines Sohnes ist die Rauschunterdrückung ausgeschaltet. Bei ISO-800 und 2 Minuten Belichtungszeit sieht man schon auf dem Display ein ganz ausgeprägtes Bildrauschen. So geht das nicht! Als ich schnell die Rauschunterdrückung aktivieren will finde ich den zugehörigen Menüpunkt nicht. Man kann tausend Sachen an dieser Kamera konfigurieren aber die Rauschunterdrückung scheinbar nicht. Aber es muss gehen, nur wo? Schließlich finde ich den Menüpunkt „Langzeitbelichtung“ – das muss es sein. Wir schalten die Option ein und siehe da, nun führt die D2x eine Rauschunterdrückung durch. Danach sehen die Bilder signifikant besser aus. Hier habe ich ein Beispiel aus seinem neuen flickr-Account. Der winzige Typ der den Roque Chinchado anstrahlt bin ich :-)

Spotlight on Pico del Teide - Nikon D2x

So fotografieren wir hier und da vor uns hin. Das Thermometer ist inzwischen drastisch gefallen und wir haben nur noch 3°C. Es bewahrheitet sich mal wieder meine alte Weisheit aus „Ansgar’s kleine Fotoschule – Fotografieren bei Nacht“, dass warme Kleidung wichtiger als eine teure Kamera ist.

Gegen 3h am Morgen haben wir fast drei Stunden lang in der Kälte fotografiert und meinem Leon fallen fast die Zehen ab. Er hat nur leichte Turnschuhe dabei, ich mit meinen dicken Socken und Wanderstiefeln bin besser ausgestattet. Weil der Himmel mit Wolken verhangen ist und wir die Milchstraße trotz der langen Wartezeit noch immer nicht sehen können, packen wir gegen 2h unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Rückweg zum Hotel.

Colorful Night @ El Teide - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Heute nehme ich mitten in der Nacht wieder die steile Abkürzung direkt hinter der Forellenzucht in Aguamansa. Es geht extrem steil den Berg hinab aber so sparen wir mehrere Kilometer und echte viele Kurven! Als ich um 4h am Morgen in meinem Bett liege bin ich völlig fertig, aber überglücklich weil wir so einen schönen Tag auf Teneriffa verbringen durften.

Tag 13 – 23. Dezember – Zu Besuch bei Lucie

Als sich nur einige wenige Stunden nach unserer nächtlichen Fotosession mein Handy-Wecker meldet bin ich hundemüde. Aber wir haben uns für 13h mit unseren Freunden Karin und Wolfgang zum Essen verabredet. Damit es vorher noch zu einem Frühstück reicht müssen wir uns beeilen. Mein Leon schläft so tief und fest, er ist kaum wach zu bekommen. Als wir es endlich zum Frühstück geschafft haben ist es 10h und es das Buffett wird gerade abgebaut. Aber es ist noch reichlich da und wir können bei allerbestem Sonnenschein auf der Terrasse frühstücken.

Als wir um 13h beim Mirador Pedro eintreffen, sind Karin und Wolfgang nur zwei Wagenlängen hinter uns. Gemeinsam geht es zu einem Restaurant das hier derzeit als völliger Geheimtipp gehandelt wird, wir wollen zu „Lucie“.

Als wir schließlich bei Lucie eintreffen ist das Restaurant leider geschlossen, wir sind frustriert. Da haben wir extra gestern angerufen und gefragt ob heute geöffnet ist und dann haben wir eine falsche Auskunft bekommen. Gleich vor dem Hotel treffen wir zwei sehr gut durchtrainierte junge Wanderer aus Deutschland. Sie haben 500 Höhenmeter überwunden um hier zu Mittags zu essen und jetzt sind auch sie frustriert. Gemeinsam überlegen wir wo wir stattdessen essen könnten. Die Auswahl ist nicht wirklich groß und so landen wir schließlich wieder in der Finca San Juan die nur einige wenige Kilometer entfernt gelegen ist.

Dort gibt es alles was lecker ist und wir sind letztlich nicht wirklich traurig, dass bei Lucie heute geschlossen ist.

Gegen 17h sind wir in der Nähe des Hotels und entschließen uns schnell ein paar Getränke und Süßigkeiten im Einkaufszentrum auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn zu kaufen. Es ist ein typischer Männereinkauf und ich bin mir knapp 30 Euro dabei. Im Einkaufswagen haben wir mehrere Liter Mineralwasser, diverse Softdrinks, Bitter Lemon, Chips und etwas Obst, man(n) muss ja auf die Gesundheit achten :-)

Fotografiert haben wir heute gar nichts, außer mit dem Smartphone. Der Grund warum wir in der Nacht die Milchstraße nicht sehen konnten ist uns heute klar geworden, wir haben seit heute eine sehr spezielle Wetterlage die man hier “Calima” nennt. Dabei wird nach einem Sturm allerfeinster Sand aus der Sahara in Richtung Westen auf das Meer hinaus gewirbelt. Dieser Staub ist so unendlich fein, er schafft es locker bis nach Teneriffa. Und dort hängt er dann meist einige Tage lang über der Insel in der Luft bis der Wind und die Schwerkraft ihn dazu bewegen können sich im Meer und auf der Insel niederzuschlagen.

Bei dieser Wetterlage ich es rund um Teneriffa und die umliegenden Inseln, wie La Gomera, Gran Canara, La Palma usw. flächendeckend trüb. Man kann tagsüber die Sonne kaum sehen und häufig geht diese Wetterlage mit ungewöhnlich hohen Temperaturen einher. Für schöne Fotos ist das einfach nicht geeignet. Weil der Calima erfahrungsgemäß immer einige Tage anhält, werden wir in den nächsten Tagen leider auf schöne Sonnenuntergänge am Meer ebenso verzichten müssen wir auf den tollen Blick auf die Milchstraße. Wenn in vier Wochen wieder Neumond ist, könnte man einen neuerlichen Versuch wagen hier die Milchstraße eindrucksvoll zu fotografieren, aber dann werde ich längst zurück in Deutschland sein.

Under the Canarian Sky - Nikon D800E & 2,8/14-24mm

Den meisten Betrachtern von Fotos der Milchstraße ist gar nicht klar was es beutetet derartige Fotos aufzunehmen. Man hat nur an wenigen Tagen im Jahr die Chance sie wirklich klar zu sehen und an diesen Tagen müssen der Ort und das Wetter perfekt zusammen passen. Um ein wirklich gutes Foto des nächtlichen Sternenhimmels aufnehmen zu können braucht es also Glück, gute Planung, viel Zeit und eine geeignete Fotoausrüstung.


Teneriffa 2014/15 – Teil 1

Teneriffa 2014/2015

Tag 1 – Anreise mit Hindernissen

12. Dezember

Teneriffa-2010-23_thumb.jpg

Weil mich im letzten Jahr kurz vor der Abreise nach Teneriffa eine Lungenentzündung an den Rand meiner Überlebensfähigkeit gebracht hat, ging es in diesem Jahr für mich nur darum nicht wieder krank zu werden. So war es mir ein Graus als die Kollegen unbedingt kurz vor der Abreise nach Teneriffa in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt in Mainz besuchen wollten. Doch rückblickend war es da eigentlich schon zu spät. Bereits Ende November war ich tagelang heiser und konnte kaum noch sprechen. Für eine Plaudertasche wie mich ist das besonders schwer :-)

Anfang Dezember war es dann wie im letzten Jahr ganz vorbei. Montags und Dienstags konnte ich noch arbeiten aber in der Nacht zum Mittwoch war es dann wieder um mich geschehen. Fieber, Husten, Kopfweh, das ganze Programm. Letztlich war es nicht so schlimm wie im Jahr zuvor aber ich habe dann doch wieder einige Tage stramm im Bett liegen müssen. Irgendwann war ich in der Lage einen Arzt aufzusuchen und kurz drauf lag ich schon wieder im Bett allerdings versorgt mit einer Mischung aus Schleimlösern, Hustensaft und einem Antibiotikum.

Am Tag vor der Abreise nach Teneriffa muss ich erstmal von Bonn nach Mainz fahren, kurz im Büro vorbeischauen, meine Zeiterfassung erledigen und danach meine Koffer packen. Alles geschieht irgendwie fast wie im Traum, ich bin nicht wirklich klar im Kopf. Während ich meinen Koffer packe fällt mir auf, dass ich das Ladegerät für den Akku meiner heiß geliebten Nikon D800E nirgendwo in meiner Mainzer Wohnung finden kann. Das alte Mistding ist sehr wahrscheinlich in meinem Fotokoffer den ich im Mai mit in den USA hatte. Eigentlich wollte ich noch einen Blick hineingeworfen haben, bei der Abreise nach Mainz war ich dann aber wegen meiner Erkältung noch so umnebelt, dass ich es einfach vergessen habe. Bis in die Nacht hinein werden in Mainz alle Kisten mit Kameras und Fotozubehör abgesucht, aber ein Nikon MH-25 Ladegerät will einfach nirgendwo auftauchen. ich bin total genervt schließlich habe drei Stück von diesen Dingern. Eines war bei meiner Nikon D7000 dabei, eines bei der D800E und Nummer 3 wurde mit der Nikon 1 V1 geliefert.

Ziemlich frustriert schlafe ich irgendwann nach Mitternacht ein, dann muss ich mich eben auf Teneriffa darum kümmern ein Ladegerät zu bekommen, es wird schon schief gehen…

Kaum drei Stunden später muss ich auch schon wieder aufstehen, ich bin völlig am Ende und unter der Dusche kann ich nicht unterscheiden ob es Tränen oder Wassertropfen sind die mir da auf die Füße plätschern, wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Oh je, könnte ich doch noch eine Woche daheim bleiben um erst einmal richtig gesund zu werden…

Pünktlich um 4h30 steht das mein Taxi vor der Tür. Es ist nicht Önder, sondern sein Vater der mich heute zum Flughafen bringen wird. Die Autobahn ist so früh am morgen noch einsam und frei, bis zum Flughafen in Frankfurt dauert es kaum 30 Minuten. Am Check-In ist auch noch nichts los, einige Minuten später bin ich dann auch schon eingecheckt. Die Bestätigung meiner Sitzplatzreservierung habe ich leider nicht ausgedruckt, blöd gelaufen. So sitze ich nun auf Platz 10A statt auf 7A. Macht also keinen Unterscheid, aber die kostenpflichtige Reservierung hätte ich mir auch sparen können…

Als ich schließlich im Flugzeug sitze bin ich völlig fertig. Der Kopf tut weh, mir ist übel und ich schwitze aus allen Poren. Zudem ist es im Flugzeug ungewöhnlich warm, aber vielleicht empfinde ich das auch nur so weil ich noch krank bin und eigentlich noch ins Bett gehöre.

Nach dem Start krame ich dann meine neues iPad Mini heraus und schaue mir den neuen Spiderman an. Eigentlich hatte ich mir noch einige andere Filme bei iTunes gekauft, aber weil beim Download der Speicherplatz zu eng wurde, habe ich im Delirium mein iPad „aufgeräumt“ und danach wohl nur den Spiderman erneut heruntergeladen. So habe ich jetzt ein fast nutzloses iPad dabei, es ist keinerlei Musik drauf, ich habe fast alle APPs gelöscht und es gibt genau EINEN Film – Na super Ansgar, das war eine echte Meisterleistung…

Auf Teneriffa angekommen flitze ich schnell zum Schalter von CICAR. Dort habe ich einige Minuten später auch schon meinen Opel Astra. Er kostet für 28 Tage 522,46 Euro und ist in sehr gutem Zustand. Auf dem Kilometerzähler stehen rund 34.000 Kilometer, das Auto ist also noch relativ neu. Auch diesmal ist der Tank leer, ich finde das ganz praktisch, denn gleich am Flughafen ist eine Tankstelle und dort kann für exakt 50,- Euro den Tank vollständig befallen. Der Liter Super 95 kostet hier 1,06 Euro, das ist etwas teurer als an den freien Tankstellen in der Umgebung, dort kann man teilweise für 0,96 Euro tanken.

Es ist kein Wunder, dass der spanische Staat ein Milliarden schweres Haushaltsdefizit hat, denn er nimmt im Vergleich zu Deutschland deutlich weniger Steuern ein. Den Urlaubern und Inselbewohnern mag das zugute kommen, aber für das Ende der Finanzkrise ist es sicher nicht zuträglich. Auch gibt es hier auf Teneriffa kaum Parkuhren und viele öffentliche Einrichtungen kann man kostenlos oder sehr preiswert nutzen. Kommt man aus Deutschland hierher, so mutet vieles enorm preiswert an.

Meine 28-tägige Reise habe ich bei via Neckermann gebucht und meine Suite im Las Aguilas kostet mit Halbpension inkl. Flug mit Condor 1.711,- Euro. Rechnet man den Mietwagen und Benzin dazu, so bin ich hier mit etwas 2.700,- Euro pro Monat dabei, das ist nicht ganz schlecht.

Im Hotel angekommen ist es gerade mal 12h und es sind noch mehr als vier Stunden bis meine Sandra eintrudeln wird. So ist Zeit in Ruhe das Zimmer zu beziehen und ein paar Minuten die Füße hochzulegen. Als ich im Zimmer 412 eintreffe stelle ich fest, dass es keine Suite ist, sondern nur ein normales einfaches Zimmer mit Kochecke und einem großen Doppelbett. Kurz drauf an der Rezeption muss ich feststellen, dass die blumige Umschreibung im Internet genau auf dieses Zimmer zutrifft. In den letzten Jahren hatte ich hier stets eine Suite mit separatem Schlafzimmer, im letzten Jahr sogar ein ganz besonders große Suite. Ein paar Minuten später ist aber mit den supernetten Mitarbeitern an der Rezeption alles abgestimmt, ich ziehe um in Zimmer 110. Hier habe ich zwar nicht den tollen Panoramablick hinauf auf das Meer, aber die Suite ist sehr groß und meine Sandra und ich werden hier viel Platz haben. Der Aufpreis auf das Einzelzimmer beträgt 30 Euro an Tag, also 840,- Euro. Damit kostet meine Reise dann schon runde 3.540,- Euro, langsam aber sicher wird es teurer…

Als ich später wieder am Flughafen eintreffe habe ich schon 2x 90 Kilometer hinter mir und muss nun fast eine Stunde warten weil der Flieger meiner Sandra ab Düsseldorf mit viel Verspätung unterwegs ist. Schließlich klappt es dann aber doch und meine Sandra ist mehr als glücklich, dass ich sie tatsächlich am Flughafen abhole und sie nicht mit dem Bus eine Inselrundfahrt unternehmen muss.

Wieder im Hotel angekommen wird dann meine Sandra eingecheckt. Ihr Flug hat 230,- Euro gekostet und der Aufenthalt im Hotel kostet inkl. Halbpension 30,- Euro pro Tag. Damit ist ihre sieben tätige Reise mit 440,- Euro relativ preiswert. Kurz nach Sandras abreise wird mich dann mein Sohn für eine Woche besuchen kommen, so bin ich an Weihnachten nicht allein nach mehr als 10 Jahren können wir mal die Weihnachtstage gemeinsam verbringen.

Später beim Abendessen treffen wir einige alte Bekannte wieder und freuen uns, dass einige der Mitarbeiter des Hotels uns wiederkennen und mehr als freundlich begrüßen.

Vor dem Schlafengehen bin ich wirklich am Ende. Die Ohren schmerzen wie die Hölle. Während des Fluges habe ich keinen Druckausgleich hinbekommen und bin bei Start und Landung fast eingegangen weil die Ohren so weh taten. Später im Auto bei dem ganzen  auf und ab auf dieser Insel hat es alle paar Meter in den Ohren geknackst. „Ich höre was, ich höre nichts….. ich höre was, ich höre nichts…….“

Tag 2 – 13. Dezember

Am nächsten Morgen geht es etwas besser, die Kopfschmerzen haben nachgelassen, der Husten löst sich jetzt aber die Ohren gehen noch immer auf und zu. Beim Frühstück knackst es bei jedem Biss in den Ohren und es tut wirklich weh. Etwas später machen wir uns auf den Weg nach Santa Cruz. In der Inselhauptstadt gibt es einen Mediamarkt und dort will ich versuchen eine Ladegerät für meine Nikon D800E und die Nikon 1 V1 zu ergattern. Ein „echtes“ Nikon MH-25 ist leider nicht zu bekommen, aber es gibt ein ganz ordentliches Universal-Ladegerät. Ich habe einen wirklich ganz extrem netten Verkäufer erwischt und er packt sogar mehrere Geräte aus und testet mit dem EN-EL15 Akku den ich mitgebracht habe ob er sich laden lässt oder nicht. Ein passendes Gerät ist so schnell gefunden und ich bin mehr als glücklich, dass ich die beiden zugehörigen Kameras nicht umsonst mit nach Teneriffa geschleppt habe.

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Es ist fast Mittag und wir machen uns auf dem Weg nach San Juan de la Rambla. Etwas oberhalb gelegen ist die wunderbare Finca San Juan. Dort haben wir in den letzten Jahren schon mehrfach gewohnt und dort wollen wir uns ein leckeres Mittagessen gönnen.

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Als wird dort ankommen können wir überall die Spuren der schweren Unwetter sehen die hier in den letzten Monaten gewütet haben. Aber das Meiste ist schon wieder aufgeräumt und der Schutt einiger umgestürzter Mauern wurde sorgsam an den Straßenrand geschoben, so dass die Zufahrt zur Finca wieder frei ist. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass sich in diesem Jahr etwas geändert hat. Köchin Caro ist nicht mehr da, aber die Nachfolge ist sehr gut geregelt. Während wir uns eine Seezunge vom Grill schmecken lassen, werden wird über die Neuigkeiten der letzten Monate informiert. Später kommt dann der Chef Jo Schlichting dazu und so wird es wieder ein wirklich schöner fast familiärer Besuch auf dieser tollen Finca. Gäbe es dort oben einen Internet-Zugang, ich würde gern mal wieder dort wohnen…

So geht unser erster Tag auf Teneriffa ohne besondere Vorkommnisse zu Ende.

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Tag 3 – 14. Dezember

Am nächsten Tag geht es mir wieder ein wenig besser, aber nun ist meine Sandra schwer erkältet. Sie hustet, hat Kopfweh und der Hals tut weh. Ob ich sie angesteckt habe??

Nach dem Frühstück sitzen wir entspannt mit einem Glas Sekt in der Sonne auf der Terrasse vor dem Speisesaal des Hotels. Vor uns ziehen die Wolken langsam in Richtung Osten ab. Nach dem Regen des Vortages sieht es aus als wenn es hier heute ganz schön werden könnte.

Später machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Es ist etwa 11h, wir haben Sonntag und in uns tragen wir die Hoffnung, dass wir hier eine Apotheke finden in der meine Sandra etwas Medizin gegen die aufkeimende Grippe kaufen kann. Es geht zuerst runter nach La Paz, das ist das deutsche Viertel von Puerto de la Cruz. Hier ist so ziemlich alles auf die Bedürfnisse deutscher Urlauber abgestimmt und es gibt hier eine Apotheke in der Deutsch gesprochen wird. Hier wird es sicher kein Problem sein ein Erkältungsbad und etwas Medizin zu kaufen. Aber die Apotheke ist leider geschlossen, mist!!!

Also geht es weiter. Ein paar Meter weiter unten biege ich instinktiv in die winzige kurvenreiche Straße ab die steil hinab zum Meer führt. Danach geht es kreuz und quer durch die engen Straßen von Puerto de la Cruz. Würde ich mich hier nicht nach all den Jahren gut auskennen, so wären diese engen Gassen fast zum Fürchten. Alle Apotheken die wir finde haben heute geschlossen. Wir sind frustriert, aber dann gleich gegenüber vom Loro Parque hat eine Apotheke geöffnet. Sandra springt aus dem Auto und ich habe nun Gelegenheit mein Smartphone via Audio-Kabel mit dem AUX-Eingang des Autoradios zu verbinden. Einige Sekunden später öffnet dann jemand die hintere Türe meines Autos. Ich zucke zusammen, aber es ist meine Sandra. Sie kramt kurz in ihrem Rucksack und fischt dann ein Wörterbuch Deutsch-Spanisch – Spanisch-Deutsch heraus. Ein paar Minuten später hat sie dann alles was sie braucht und ich freue mich, dass der Urlaub nun bald wird beginnen können.

Auf dem Weg zum Hotel ziehen sich die Wolken zu, es sieht aus als würde es wieder Regen geben wie am Tag zuvor. Ich schlage meiner Sandra vor, dass wir auf die andere Seite der Insel fahren und ich ihr endlich mal den Ort El Medano gleich beim Flughafen zeige. Sie willigt ein und so geht es los. Der Weg ist nicht wirklich weit, es sind wieder etwa 90 lässige Autobahnkilometer. Diese Strecke werde ich in den nächsten Wochen noch mehrfach fahren. Denn am 19. Dezember muss meine Sandra wieder abreisen und gleich drauf wird dann mein Sohn Leon für eine Woche auf „meine Insel“ kommen um hier mit mir die Weihnachtstage zu verbringen. Wir waren zuletzt im Jahr 2008 zusammen auf dieser Insel und damals war mein Leon noch ein kleiner Junge!

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In El Medano scheint die Sonne wie man es sich nur wünschen kann. Es ist wunderbar warm und es geht ein frischer Wind. In der Bucht von El Medano sind rund 100 Surfer mit Kites und anderem Gerät unterwegs. Wir steuern das Restaurant Hong Kong gleich neben dem Hotel El Medano an und lassen es uns dort gut gehen. Später gibt es noch einen Spaziergang und ein paar Fotos der wagemutigen Surfer draußen auf dem Meer. Ich habe heute leider nur meine Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm „Reisezoom“ dabei. So gelingen keine wirklich spektakulären Fotos, aber ich kann ja in den nächsten Wochen nochmal mit dem neuen 70-300mm Telezoom vorbeikommen. Umgerechnet auf das FX-Format habe ich damit ein 189-810mm Teleobjektiv, damit kann man hier am Strand sicher ordentlich was reißen. Ich bin gespannt…

Später im Hotel genießt meine Sandra das Leben in der Badewanne und als sie danach etwas benebelt von all den ätherischen Ölen im Bademantel auf dem Sofa sitzt ist dieser Artikel auch schon fertig geschrieben :-)

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USA 2014 – Wieder eine Reise ins Ungewisse Teil 1-4

Wer noch nie ein Video erstellt hat das knapp 30 Minuten dauert und halbwegs “Hand & Fuß” hat, der wird kaum ermessen können wie viel Arbeit es bereitet eine vier Wochen dauernde abenteuerliche sehr freie Reise umfassend in einem Video zu dokumentieren. Eine Reportage zu erstellen die auch bei einer Spielzeit von mehr als 5 Minuten nicht langweilig wird, die viele Informationen transportiert, die mit gut verständlichem Ton daherkommt und bei der die Schnitte zum Rhythmus der Musik passen, das ist eine echte Herausforderung. Neben dem Bildmaterial das man natürlich während der Reise einsammeln muss, braucht es noch eine geeignete Ausstattung mit Computern, riesigen Festplatten, Mikrofonen und vor allem mit ZEIT mit ganz viel ZEIT. Tag für Tag wühlt man sich später durch viele tausend Fotos und hunderte von Gigabytes mit Video-Material, schreibt Texte, probiert GEMA-freie Musik aus, und ist einfach nur froh wenn man sein Video endlich veröffentlichen kann.

Mein aktuelles Video-Projekt sieht so aus wie im folgenden Screenshot. Wer diesen genau anschaut sieht sofort aus wie vielen kleinen Schnipseln der vierte Teil meiner USA-Reportage besteht. Dabei ist jeder kleine Schnipsel “handverlesen”, ich habe bei jedem Schnipsel über Anfang und Ende nachgedacht, überlegt ob es einen harten Schnitt oder eine weiche Überblendung geben soll. Ich habe Stunden damit verbracht nach Musik und Soundeffekten zu suchen. Und als die Musik und Video-Clips zusammen gefügt waren, habe ich an jedem Anfang eines Clips und jedem Ende versucht ihn so zu trimmen, dass er mit der untermalenden Musik harmoniert.

USA-2014 - Final-Cut-Pro-X

Es mich jetzt wieder einen Monat lang fast jeden freien Abend gekostet den vierten Teil von  “Wieder eine Reise ins Ungewisse zu erstellen”.

Das “Original” von 2011

Als ich vor ein paar Jahren meinen Film “Reise ins Ungewisse” erstellt habe, betrug der Zeitaufwand verteilt über 14 Tage hinweg etwa 160 Stunden. Ich konnte mir dies nur leisten, weil ich damals ziemlich erkältet daheim herumgesessen habe. Ich war nicht krank genug um nur im Bett zu liegen aber auch nicht gesund genug um zur Arbeit zu gehen. Also habe ich mit warm eingepackt mit viel heißem Tee an meinen Windows Computer gesetzt und mit der Arbeit an diesem Video begonnen. Damals habe ich noch MAGIX Video Deluxe benutzt. Diese Software hatte ich mir kurz zuvor offiziell gekauft und sie war mehr als fehlerhaft. Immer wieder ist sie ausgestiegen und fast täglich gab es Updates zum Download. Irgendwann lief es dann halbwegs stabil und dann gab es eine neue kostenpflichtige Version und das Leid begann von Neuem. Wer sich mit dem Schnitt längerer Videos in 1080p Qualität beschäftigt, bringt seinen Computer schnell an seine Grenzen. So habe ich meinen Windows-Computer mehrfach aufgerüstet und mit schnelleren größeren Festplatten bestückt. Nach einigen wenigen Installationen von MAGIX Video Deluxe verweigerte dann das Installationsprogramm seinen Dienst. Ich hatte die Software zu oft installiert und “zu meinem Schutz” konnte ich sie nicht erneut installieren. FUCK, so ein Mist! Ich habe E-Mails an den MAGIX Support geschrieben die nicht beantwortet wurden, ich habe ausdauernd die Dudelmusik in der Warteschleife der MAGIX Hotline ertragen, aber beim Hersteller hat man sich nicht gerührt. Bis heute habe ich eine offiziell gekaufte Version von MAGIX Video Deluxe die ich nicht mehr installieren kann, zu “meinem eigenen Schutz” wohlgemerkt!

Ungeachtet dessen schickt man mir von MAGIX regelmäßig Werbemails und nette Prospekte mit der Post. Alle drei Monate gibt es neuere schnellere und viel bessere Versionen von MAGIX Video Deluxe die nur noch für ein paar Tage zum Preis von 59,- Euro gekauft werden können. Schon zweimal habe ich einen dieser Prospekte mit der Post zurückgeschickt und in einem Begleitbrief darum gebeten, dass endlich irgend jemand meine offiziell gekaufte Lizenznummer freischaltet, damit ich diese Software wieder installieren kann. Aber es kam wie erwartet keine Antwort.

Letztlich habe ich dann für etwa 150 Euro via App-Store die Apple Software Final-Cut-Pro-X für mein MacBook Pro gekauft. Diese Videoschnittsystem läuft stabiler als MAGIX Video Deluxe es jemals tat und ich habe bislang ALLE, wirklich ALLE Updates kostenlos erhalten!!

MAGIX Video Deluxe ist daher für mich echt gestorben und ich bin mehr als enttäuscht, vom Support des Herstellers!

Ungeachtet dessen habe ich es geschafft mittels MAGIX Video Deluxe die “Mutter meiner Reisedokumentationen” fertigzustellen

Von diesem Video habe ich später noch eine zweite Version erstellt, denn bei der ersten Variante  musste ich ständig husten weil ich so erkältet war. Immer wieder musste ich meine Moderation wiederholen bis es endlich halbwegs gut gepasst hat. Beide Versionen zusammen sind inzwischen mehr als 40.000 mal angeschaut worden und mir persönlich gefällt irgendwie die erste Fassung noch immer am Besten.

Vor diesem Hintergrund habe ich an praktisch jedem Tag den ich im Mai in den USA verbracht habe daran gedacht wie ich Fotos und Filmmaterial für eine neue, umfassendere und bessere Reisedokumentation erstellen kann. Meine Sandra hat oft mit dem Kopf geschüttelt, wenn ich mal wieder nachts unterwegs war statt einfach nur die Reise zu genießen. Aber ich war während der Reise wie ein “Getriebener”, der nicht ohne brauchbares Material heimkehren wollte. Schließlich habe ich diese Reise im wesentlichen unternommen um eine hoffentlich gut gemachte Reportage daraus entwicklen zu können. Ich habe für mehrere tausend Euro Foto-Equipment angeschafft, die gesamte Reise geplant und finanziert. Ich konnte einen Monat lang nicht arbeiten und damit auf keinen einzigen Cent verdienen. Da ich freiberuflich arbeite bekomme ich natürlich kein Urlaubsgeld und so schlägt jeder Reisetag doppelt hart zu Buche.

Umso frustrierender ist es dann, wenn man nach all der Arbeit ein neues Video endlich veröffentlichen kann und es schon nach nur EINER MINUTE eine negative Bewertung erhalten hat, es also noch nicht einmal angeschaut wurde! Manchmal ist es echt ärgerlich, dass bei YouTube jeder noch so kleine kleine Furz einfach voten kann wie er will und das vollständig anonym. Zugleich ist es frustrierend, wenn beispielsweise das Video aus dem Jahr 2011 rund 40.000 mal angeschaut wurde, aber nur 214 YouTube eine positive Bewertung abgegeben haben. Der Content ist kostenlos und unter Einsatz von viel Zeit und Mühe entstanden, doch im Jahr 2014 wird all das nicht mehr wertgeschätzt sondern einfach nur anonym konsumiert und dann wahrscheinlich gleich auch wieder vergessen…

Die Dokumentation USA 2014

Ungeachtet dessen habe ich beschlossen mich nicht frustrieren zu lassen und mit meinen Videos weiterzumachen. Ich tue dies für die Leser dieses BLOGs und zu einem großen Teil auch für mich selbst. So kann ich mich immer mal wieder vor dem Fernseher zurücklehnen und via Apple-TV oder über die eingebaute YouTube-App eines dieser Videos anschauen und die eine oder andere tolle Reise noch einmal erleben, das ist auch was wert :-)

Hier sind nun die vier bislang fertig gestellten Teile in chronologischer Reihenfolge.

Fazit

Die Reise ist noch nicht zu Ende!! Als ich mit der Arbeit an Teil 1 begann dachte ich, dass ich mit zwei oder drei Teilen auskommen werde. Aber nun sieht es so aus, als wenn draus insgesamt FÜNF Folgen entstehen werden. Dort wo Teil 4 aufhört geht es noch eine ganze Woche weiter und dies werde ich im nächsten Jahr aufarbeiten und damit diese Serie abschließen. Als krönenden Abschluss habe ich mir noch einen kompletten “Directors-Cut” vorgenommen. Dieser hat dann eine Laufzeit von rund 90 Minuten und ich bin sehr gespannt darauf ob ich das wirklich auf die Beine gestellt bekomme. Aber in ein paar Tagen geht es erstmal für vier Wochen nach Teneriffa, auf “MEINE INSEL”. Ich habe Urlaub echt nötig denn derzeit ist es mit dem Husten schon fast wieder so schlimm wie damals als ich meine allererste USA-Reportage erstellt habe. Aber die gute Luft auf Teneriffa sollte helfen das endlich auszukurieren.

Auch im letzten Dezember war ich eine ganze Weile auf Teneriffa und ich habe dort auch sehr viel gefilmt und fotografiert. Wegen der Arbeit an “Wieder eine Reise ins Ungewisse” habe ich es ein ganzes Jahr lang nicht geschafft aus diesem Material ein Video zu erstellen. Aber vielleicht gibt es zu Ostern dann ein “Kombi-Paket mit dem Filmmaterial aus zwei Jahren, schauen wir mal…


Nikon D810 – Die besten Objektive

Seit einigen Tagen ist die Nikon D810 in ausreichenden Stückzahlen in Deutschland verfügbar. Abgesehen von der leicht gesteigerten Serienbild-Geschwindigkeit gibt es keine großen Unterschiede zur Nikon D800E und die Objektive die an der D800E gute Ergebnisse liefern kann man ohne Abstriche auch an der Nikon D810 und natürlich auch an der D750 verwenden. Viele Nikon Fans die in den letzten Wochen all ihr Geld zusammen gekratzt haben um sich eine Nikon D810 leisten zu können werden in den kommen Wochen darüber nachdenken welche Objektive an ihrer neuen Kamera gute Ergebnisse liefern. Für alle deren “Kriegskasse” nicht mehr wirklich prall gefüllt ist könnten einige sehr hochwertige manuell fokussierte Objektive interessant sein, zumal das Angebot bei ebay & Co. sehr groß ist. Aber was zeichnet ein älteres Objektiv aus und was bedeuten diese ganzen Bezeichnungen Ai, AiS, AF-S AF-D, G-Typ usw.

Weil ich während der letzten beiden Jahre immer wieder viele E-Mails mit genau diesen Fragen bekam, habe ich vor ein paar Monaten einige Videos zu diesem Thema aufgenommen.

Für alle die entweder keine Lust haben die langen Videos anschauen oder sich immer noch unschlüssig sind habe ich hier eine Liste meiner Empfehlungen für Nikon FX-Kameras wie die Nikon D800 zusammengestellt.

Objektivauswahl - Nikon D800E - Lens Suggestions

Standardbrennweiten

An einer FX Kamera entspricht ein Objektiv mit 50mm Brennweite etwa dem natürlichen Sichtfeld des menschlichen Auges. Daher wurden früher praktisch alle Kamera mit einem 50mm Objektiv verkauft. Was heutzutage häufig als “Kit-Linse” oder “Scherbe” schlechtgeredet wird, war vor 50 Jahren schlicht und ergreifend ein “Normalobjektiv”.

Nikkor AF-D 1,8/50mm

Ein extrem billiges kleines leichtes Normalobjektiv ohne eingebauten Autofokus-Motor. Es wird in China produziert und man bekommt es neu schon für rund 100 Euro. Wer wenig Geld hat, bekommt hier ein Objektiv mit sehr guten Abbildungseigenschaften, das auch an DX-Kameras ab der D7000-er Serie gute Arbeit leistet. An der D3xxx und D5xxx ist es weniger optimal, weil diese Kameras keinen eigenen Autofokus-Motor haben.

Nikkor AF-S 1,8/50mm

Etwas teurer größer und schwerer ist das AF-S 1,8/50mm. Dieses Objektiv hat einen Silent-Wave Motor (Ultraschall-Motor) für den Autofokus und funktioniert somit auch sehr gut an allen D3000, D3100, D3200, D5000, D5100, D5200, D5300 usw.

Nikkor AF-S 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist ein wenig lichtstärker und kostet schon rund 350,- Euro. Durch die hohe Lichtstärke gelingen damit Fotos bei wenig Licht meist etwas besser, weil im absoluten Grenzbereich der Autofokus noch etwas besser funktioniert als bei der 1,8er Variante. Außerdem ist die Hintergrundunschärfe etwas stärker ausgeprägt. Dieses Objektiv eignet sich damit extrem gut für alle die gern Videos aufnehmen und einzelne Objekte mit weit geöffneter Blende freistellen wollen.

Hier habe ich ein Beispielfoto, das vor einer Weile auf einem Weinfest entstanden ist. In diesen Situationen wird man das AF-S 1,4/50mm lieben. Man beachte auch das schöne weiche Bokeh!

Nikon D800E - Available Light - AF-S 1.4/50mm

Nikkor AiS 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist schon etwas älter, liefert aber annähernd die gleiche Bildqualität wie das moderne AF-S Pendant. Meiner Meinung nach ist es besser für Video-Filmer geeignet, weil der Fokusring herrlich butterweich läuft, einen festen Endanschlag für “Unendlich” hat und zugleich eine feinere manuelle Fokussierung erlaubt.

Nikkor H 1,4/50mm

Eines der ältesten lichtstarken Objektive aus dem Hause Nikon. Man kann es sehr leicht selbst auf Ai umbauen und damit liefert es gute Dienste für alle Videofilmer und Fotofreaks die Bilder mit einem etwas altmodischen Touch haben wollen. Die Konstruktion ist mehr als 50 Jahre alt, damit ist der Kontrast geringer, es gibt stärkere Lens-Flares usw. Im direkten Vergleich zum AF-S 1,4/50mm sind diese Nachteile deutlich sichtbar. Für Portraits bei Gegenlicht usw. ist es dennoch ein sehr cooles Objektiv, gerade wegen dieser Fehler die den Fotos einen eigenen Touch verleihen können.

Weitwinkelobjektive

Nikkor AiS 2,8/28mm

Wirklich schlechte Objektive hat man bei Nikon nie gebaut und es gab sogar einige Objektive trotz allem aus der Menge der teils hervorragenden Objektive herausgeragt haben. Eines dieser Objektive ist das AiS 2,8/28mm. Mit diesem Objektiv macht man nichts falsch wenn es um eine sehr hochkarätige universell einsetzbare Weitwinkel-Brennweite geht. Ich schätze dieses Objektiv über alle Maßen und kann es jedem empfehlen der ein extrem solide gebautes Weitwinkel mit perfekten Abbildungseigenschaften sucht. Ähnlich gut ist übrigens auch das Nikkor AiS 2,8/24mm. Beide Objektive sind perfekt für alle Video-Filmer geeignet weil der Fokusring wie bei allen manuell fokussierbaren Nikon-Objektiven wunderbar weich läuft. Statt viel Geld für ein ebenfalls manuell fokussiertes ZEISS Objektiv auszugeben, kann man auch einfach versuchen bei eBay & Co ein AiS 2,8/28mm für etwa 150 Euro abzustauben.

Nikkor AF-S 2,8/14-24mm

Dieses Objektiv ist ein großes teures Profiobjektiv und der Listenpreis liegt bei ca. 1500 Euro. Es ist perfekt gegen Staub und Umwelteinflüsse abgedichtet, die Abbildungsqualität ist exzellent, Konstrast, Schärfe liegen auf allerhöchstem Niveau. Die Verzeichnung ist gering und zugleich so linear, dass man sie sehr einfach mit Nikon Capture, Lightroom oder Photoshop korrigieren kann. Ein Nachteil ist, dass bedingt durch die weit vor gewölbte Frontlinse keine normalen Filter verwendet werden können. Leider ist es schwierig zu diesem extremen Objektiv ein passendes Filterset zu finden. Wirklich gut funktioniert eigentlich nur der LEE SW 150 Filteradapter. Dieser kostet zusammen mit einigen Filter allerdings schnell zwischen 600 und 800 Euro.

Bildschirmfoto 2014-10-14 um 18.26.09

Nikkor AF-S VR 4/16-35mm

Wer mit ein wenig Unschärfe an den äußersten Bildrändern und der schwächeren Lichtstärke leben kann, für den ist das Nikon AF-S VR 4/16-35mm ggfs. eine sehr willkommene Alternative. Aktuell kann man das sehr hochwertige 4/16-35mm für unter 900,- Euro kaufen. Es passen normale Graufilter mit 77mm Filterdurchmesser.

Nikon D800E - Nikon AF-S VR 4/16-35mm

Diese Objektiv ist etwa 500 Euro preiswerter als das 2,8/14-24mm. Es ist ähnlich hochwertig gebaut und liefert bereits bei offener Blende brauchbare Fotos. Der eingebaute Bildstabilisator macht die fehlende Blendenstufe zum AF-S 2,8/14-24mm mehr als wett. Das 77mm Filtergewinde steht fest und man kann damit nach der Fokussierung bspw. einen Infrarotfilter aufschrauben OHNE die Fokussierung versehentlich zu verändern. Verwendet man Slim-Line-Filter, so ist auch bei 16mm Brennweite keine Abschattung der Bildecken erkennbar. Bei “normalen” Filtern werden die äußersten Ecken etwas abgedunkelt. Hier sollte man sich also auf ca. 18mm beschränken oder die leichte Vignettierung mit Photoshop & Co. nachträglich entfernen.

Hier ein Beispiel für ein Infrarotfoto das mit einem HOYA IR72 und der Nikon D800E aufgenommen habe.

Nikon D800E - Beispielfoto mit Infrarot-Filter HAMA IR-72

Nikkor AF-D 2,8/24mm

Ein kleines gut gemachtes Weitwinkel mit 52mm Filtergewinde das in fast jeder Hosentasche Platz hat ist das 2,8/24mm. Schaltet man den Autofokus der Kamera aus, kann man dieses Objektiv ähnlich gut manuell fokussieren wie die älteren Pendants ohne Autofokus. Die Bildqualität ist mehr als brauchbar und es eignet sich recht gut für alle Video-Filmer.

SAMYANG 2,8/14mm

Nikon D800E mit SAMYANG 2.8/15mm

Dieses Objektiv gibt es mit und ohne CPU. Ich habe mich damals für die Version ohne CPU entschieden, würde aber eher die etwas teurere Version mit CPU empfehlen. Durch die eingebaute CPU können die Kameras die eingestellte Blende und die Brennweite des Objektives ohne Umwege direkt in den EXIF-Daten der Fotos speichern, was manchmal sehr praktisch ist. Die Verzeichnung dieses Objektives ist nicht linear und nur schwer zu entfernen. Damit wird es allen Architekturfotografen Kopfschmerzen bereiten. Auch ist es bei Gegenlicht nicht wirklich perfekt, aber angesichts des niedrigen Preises von nur ca. 300 Euro ist es eine sehr gute Alternative zum extrem teuren AF-S 2,8/14-24mm. Vom gesparten Geld kann man sich dann ein AF-S VR 4/16-35 und ein AF-S 1,8/50mm leisten…

Hier habe ich ein Foto das ich mit dem SAMYANG und meiner Nikon D700 vor einigen Monaten aufgenommen habe. Ich denke, an der Bildqualität gibt es nichts zu meckern, oder?

Nikon D700 & Samyang 2.8/14mm

Teleobjektive

Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm

Dieses Objektiv ist eines meiner liebsten Objektive überhaupt. Inzwischen gibt es eine neuere Version, die auch am äußersten Rand noch komplett scharf abbildet. Allerdings ist der kürzeste Aufnahmeabstand mit der neueren Version deutlich länger, so dass ich die ältere Variante besonders für Portraits bevorzuge. Das Objektiv funktioniert sehr gut mit Tele-Konvertern. Es ist kompatibel mit TC14, TC17 und TC20 Modellen. Verwendet man den TC-20 Tele-Konverter, so hat man ein 140-400mm Teleobjektiv mit Blende 5,6. Damit funktioniert der Autofokus noch sehr gut und das Objektiv eignet sich damit sowohl für die Tierfotografie als auch für schöne Portraits.

Hier habe ich ein Beispiel das schon etwas älter ist. Aber man sieht, dass dieses Objektiv selbst bei Blende 5,6 noch eine sehr schöne Hintergrundunschärfe liefert und das eigentliche Motiv perfekt scharf abzubilden vermag.

Nikon AF-S VR 2.8/70-200 - Example

Wer sich für dieses Objektiv interessiert muss mit einem Preis von ca. 1900 Euro rechnen. Die ältere Version bekommt man in gutem Zustand auf dem Gebrauchtmarkt für ca. 1000 Euro. Eine preiswerte Alternative ist ggfs. das neue AF-S VR 4/70-200mm. Hier habt man aber ein weniger schönes Bokeh und Tele-Konverter können nur eingeschränkt genutzt werden.

Nikkor AF-S VR 4/200-400mm

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 4/200-400mm

Der Hammer für die Tierfotografie ist das leider sehr große und schwere AF-S VR 4/200-400mm. Dieses Objektiv mutiert wegen des DX-Crop-Faktors an einer Nikon D7100 zu einem 300-600mm Telezoom mit sehr akzeptabler Lichtstärke. Es ist mein Tipp für alle Tierfotografen die ca. 6.500 Euro für ein Teleobjektiv ausgeben können. Im Vergleich zu den ähnlich teuren Festbrennweiten hat man hier deutlich mehr Flexibilität. In Verbindung mit einem TC-20 Tele-Konverter wird aus dieser Liste an einer Nikon D7100 ein 600-1.200mm Superteleobjektiv mit Blende 8. Damit funktioniert bei gutem Licht der Autofokus noch recht zuverlässig. Es gibt nur wenige Objektive die in der Tierfotografie oder auch Ansitzfotografie ähnlich gute Dienste leisten. Hier habe ich ein kleines Beispielvideo das ich vor einer ganzen Weile mit dem AF-S VR 4/200-400mm und einem Nikon TC-17E II in Verbindung mit einer Nikon D7000 aufgenommen habe. Leider hatte ich meine sehr coole “Affenschaukel” damals noch nicht, so dass die Kamerabewegungen etwas “hakelig” sind. Mit der neuen Benro “Affenschaukel” gelingt das jetzt deutlich flüssiger. Und das Argument für den Kauf dieser nicht ganz preiswerten Alternative zu einem Kugelkopf war letztlich dieses Video.

 

Wer über den Kauf eines solchen Objetkivs nachdenkt, sollte also auch die Folgekosten beachten! Ich verwende dieses Objektiv heute ausschließlich mit einem stabilen BENRO M3204 Carbon Stativ und der oben gezeigten “Affenschaukel” die ebenfalls von BENRO stammt. Diese Kombination kostet etwa 800 Euro, man muss ich also gut überlegen ob man zum einen soviel Geld ausgeben will und zum anderen das exorbitante Gewicht dieses kleinen Monsters “ertragen” will.

Nikkor AF-S VR 4,5-5,6/80-400mm

Lange Zeit war das einige halbwegs preiswerte lange Telezoom aus dem Hause Nikon das AF-D VR 80-400mm. Bedingt durch die etwas ältere Konstruktion hatte dieses Objektiv noch keinen AF-S. Daher wird für den Autofokus eine Kamera mit eingebauten Autofokus-Motor benötigt. Vielfach wurde der dadurch etwas langsame Autofokus bemängelt. Seit einigen Monaten ist nun der Nachfolger mit eingebautem schnellem Ultraschall-Motor lieferbar. Die neue Version ist halbwegs bezahlbar und liegt bei etwa 2.400 Euro. Bedingt durch die relativ geringe Lichtstärke sollte man es nicht mit Tele-Konvertern verwenden. Beispielsweise den Kenko 1,4-fach Konverter könnte man noch benutzen, bei längeren Konvertern liegt die verbleibende Lichtstärke jenseits von Blende 8, so dass bei schwachem Licht der Autofokus nicht mehr zuverlässig funktionieren wird. Ein großer Vorteil dieses Objektivs sind das relativ geringe Gewicht und die recht kompakten Abmessungen.

Nikkor AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm

Nikon D800E & Nikon AF-D VR 80-400mm

Hier habe ich ein Beispiel, das ich vor 7 Jahren mit dem damals brandneuen AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm und meiner damals ebenfalls brandneuen Nikon D2x aufgenommen habe. Schaut das Foto mal in “Original-Größe” an und Ihr werdet sehen, dass man auch mit dem alten Objektiv durchaus gute Fotos machen kann. Wer also wenig Geld hat und ein kompaktes brauchbares Telezoom sucht, der ist meiner Meinung nach mit dem recht alten 80-400mm immer noch recht gut beraten.

BUSSARD - Nikon D2x & AF-D VR 80-400mm

Midrange Zoomobjektive

Nikkor AF-S 2,8/24-70mm

Der Klassiker unter den professionellen “Immer-Drauf” Linsen ist das AF-S 2,8/24-70mm. In den nächsten Monaten erwarte ich eine neuere Version mit eingebauten VR-Bildstabilisator. Dann dürften die Preise für die erste Version fallen. In den letzten Monaten war es schon im Rahmen einer Cash-Back Aktion mit einem Rabatt von 200 Euro lieferbar. Dieses Objektiv kann eigentlich alles und ich mag es sehr gern. Allerdings hat einer meiner Fotofreunde in den letzten Monaten viel Stress mit seiner Version gehabt. Der Zoom-Ring lief nicht gleichmäßig weich und hat manchmal etwas gehakt. Das Objektiv wurde mehrfach umgetauscht aber alle Ersatzgeräte hatten das gleiche Problem. Erst ein Besuch beim Nikon-Service in Düsseldorf konnte das Problem dauerhaft lösen. Hier sollte man also gut überlegen wo man dieses Objektiv ggfs. kauft. Meine Version war vom ersten Tag an tadellos. ich benutze dieses Objektiv sehr gern, allerdings sind Baugröße und Gewicht beachtlich. Wenn es auf jedes Gramm ankommt, packe ich lieber das extrem billige AF-G 28-80mm ein…

Hier habe ich ein Beispiel das vor einigen Tagen mit der Nikon D800E und dem AF-S 2,8/24-70mm in Frankfurt entstanden ist.

Frankfurt Downtown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Nikkor AF-S 2,8/28-70mm

In den Zeiten in denen die Nikon F5 noch ein superheißes Eisen war, nutzen viele Profis das AF-S 2,8/28-70mm. Dieses war das erste Objektiv mit einem eingebauten Ultraschall-Motor für den Autofokus. Es hat noch einen Blenden-Ring, ist also kein G-Typ und funktioniert sogar an der Nikon F4 vollständig! Das dieses Objektiv noch aus der analogen Welt stammt, ist die Auflösung bei offener Blende nicht wirklich großartig. Aber bei Blende 8 ist es sehr brauchbar und dem neueren AF-S 2,8/24-70 fast ebenbürtig. Aktuell wird es bei eBay & Co für ca. 500 Euro gehandelt. Wer sich die aktuelle teure Version nicht leisten kann, ist also ggfs. mit dem etwas älteren Pendant recht gut bedient.

Nikkor AiS 2,8-3,5/35-70mm

Dieses Objektiv war das erste Profi-Zoom aus dem Hause Nikon. Es ist kompakt, extrem robust und liefert trotz des hohen Alters auch an einer Nikon D800E erstaunlich gute Bildergebnisse. Es eignet sich ebenfalls sehr gut für Video-Filmer weil Zoom und Fokus im Idealfall wirklich butterweich laufen und einen großen Einstellweg haben.

Nikkor AF-G 3,3-5,6/28-80mm

Es fühlt sich an wie die letzte Plastikgurke, es ist leicht, klapprig und extrem billig, aber es liefert trotzdem gute Fotos! Wer ein extrem leichtes Midrange-Zoom für seine FX-Nikon sucht, der liegt mit diesem Ding genau richtig.

Nikon D700 mit Nikkor AF 28-80G

In diesem Artikel findet ihr weitere Infos zu diesem Objektiv.

Makro-Objektive

Nikkor AiS 2,8/55mm

Dieses Objektiv ist der absolute Klassiker unter den “kurzen” Nikon Makro-Objektiven. Es wurde bis vor kurzem noch hergestellt und die Bildqualität ist über alle Zweifel erhaben. In diesem Artikel findet Ihr einige Testfotos in voller Auflösung, die ich mit dem AiS 2,8/55mm und der Nikon D800E aufgenommen habe. Der Filterdurchmesser beträgt 52mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:2.

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikkor AF-D 2,8/60mm

Etwas moderner und robust wie ein Panzer ist das AF-D 2,8/60mm. Wer etwas Geld sparen möchte, der kann ggfs. auch den Vorgänger ohne “D” kaufen. Die Bildqualität ist identisch. Das “D” steht für “Distance” und ermöglicht etwas bessere Fotos in Verbindung mit entsprechenden Blitzgeräten. In der Macro-Fotografie ist das aber nicht unbedingt erforderlich. Der Filterdurchmesser beträgt 62mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:1. Das 60er Macro ist ein absoluter Klassiker und eignet sich an DX Kameras wie bspw. der Nikon D7100 auch sehr gut für Portraits im Studio. Die Hintergrundunschärfe ist nicht so schön wie bei einem speziellen Portraitobjektiv, aber bei fast vollständig geöffneter Blende immer noch ganz brauchbar.

Nikkor AF-D 2,8/105mm

Dies ist der “Große Bruder” des 60er Makro-Objektives. Die Bildqualität ist auf gleichem Niveau und wegen der längeren Brennweite kann man es bei offener Blende auch mal für Portraits verwenden. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt auch hier 1:1, das Filtergewinde hat 52mm. Auch hier gab es eine Variante ohne “D” die genauso gut funktioniert und ggfs. ein paar Euro billiger ist.

Nikkor AF-S VR 2,8/105mm

Das aktuelle Micro-Nikkor hat deutlich mehr Linsen, ist größer, schwerer, teurer und liefert letztlich keine anderen Ergebnisse als das AF-D 2,8/105mm. Im Makro-Bereich ist der Bildstabilisator überflüssig, ich würde eher zum etwas älteren Modell raten und vom gesparten Geld ein paar Zwischenringe usw. kaufen. Auch dieses Objektiv kann man notfalls sehr gut für Portraits verwenden!

Sigma EX-DG 2,8/105mm Macro

Dieses Objektiv ist ein Klassiker und auf dem Gebrauchtmarkt recht preiswert zu haben. Die optischen Eigenschaften sind exquisit, es steht dem Nikon AF-D 2,8/105mm in nichts nach. Allerdings ist die mechanische Qualität nicht so hochwertig wie beim Pendant von Nikon. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1:1, zum Lieferumfang gehört eine sehr stabile Gegenlichtblende aus Metall. Aufgrund des geringen Gewichts und der kompakten Abmessungen zählt dieses Objektiv zu meinen absoluten Favoriten. Es gibt etwas ältere Versionen ohne “DG”. Dieses Objektive sind ebenfalls sehr gut, der Unterschied ist eine zusätzliche speziell vergütete “Rücklinse” bei den neueren “DG” Modellen. Diese Vergütung soll Spiegelungen des Sensors in der rückwärtigen Linse verhindern.

Es ist eine neuere Version mit eingebautem Ultraschallmotor für den Autofokus lieferbar. Ich bevorzuge jedoch die etwas ältere Variante weil sie deutlich leichter ist und man in der “echten Makro-Fotografie” keinen AF-S benötigt. Wer mit diesem Objektiv ggfs. Portraits fotografieren möchte, der liegt mit der neuen Version allerdings goldrichtig!

Sigma EX-DG 3,5/180mm Macro

Besonders wenn man in der freien Wildbahn versucht Spinnen und anderes Getier groß abzubilden leisten etwas längere Macro-Objektive sehr gute Dienste. Das 180er Makro-Objektiv aus dem Hause Sigma verwende ich auch sehr gern in Verbindung mit dem 1,4-fach Teleconverter den Sigma passend anbietet. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1.1 und kann durch Verwendung des Teleconverters bei gleichem Abstand zum Motiv um den Faktor 1,4 gesteigert werden. In den EXIF-Daten wird dieses Objektiv witziger Weise mit 185mm Brennweite aufgeführt.

Sigma-180

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich vor ein paar Jahren mit meiner Nikon D2x und diesem Objektiv aufgenommen habe.

Nikon-D2x-Sigma-180mm-Butterfly

Man beachte die schöne Hintergrundunschärfe! Wer genug Abstand zu seinen Models einnehmen kann, der hat mit dem Sigma EX DG 3,5/180mm auch eine schöne Portraitbrennweite.

Nikkor AF-S 2,8/40mm

Dieses Objektiv ist eigentlich für das kleinere DX Format gerechnet. Allerdings leuchtet es in Verbindung mit Zwischenringen auch das komplette FX-Format aus. Die Abbildungsqualität ist exzellent und an einer Nikon FX-Kamera ist es ein schönes “Normal-Objektiv” mit geringster Verzeichnung und überragender Abbildungsqualität.

Portrait-Objektive

Nikkor AF-D 1,4/85mm

Der “King of Bokeh” ist nach wie vor das Nikon AF-D 1,4/85mm. Dieses Objektiv ermöglicht selbst bei Blende 5,6 noch ein außergewöhnlich gute Freistellung von Personen in der Portraitfotografie. Außergewöhnliche Schärfeleistung darf man sich von diesem Objektiv nicht erwarten, seine Stärke ist eher die dezente Unschärfe im Vorder- und Hintergrund. Sein Motiv positioniert man irgendwo dazwischen und erhält wie von Geisterhand Portraits die einen gewissen “malerischen Look” haben. Weichzeichner und andere Hilfsmittel braucht man bei diesem Objektiv eigentlich nicht. Auch für Video-Filmer eignet es sich sehr gut, weil man mit dieser Linse extrem gekonnt mit der Verlagerung der Schärfeebene spielen kann.

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich im Jahr 2006 mit meiner Nikon F3 und dem AF-D 1,4/85mm und einem AGFA Film mit ISO-200 aufgenommen habe. Man beachte hier besonders den Schärfeverlauf. Die Hand mit der Maus ist unscharf und die Kalender hinten an der Wand kann man auch nur erahnen. Das Gesicht meines Freundes Richard ist hingegen perfekt scharf abgebildet. Diesen Bildeindruck bekommt man nur mit dem 1,4/85mm hin.

F3_AF_D_1.4_85mm_thumb.jpg

Und so sieht dieses Objektiv aus. Die Linsen sind riesig und die Verarbeitung exquisit. Das Filtergewinde beträgt 77mm, man kann locker einen 8x Graufilter aufsetzen und wegen der hohen Lichtstärke hat man immer noch ein helles Sucherbild. Besonders in Verbindung mit einem Graufilter ermöglicht dieses Objektiv große Blendenöffnungen bei hellem Licht und mäßig kurzen Belichtungszeiten. So kann man auch Outdoor mit Blitzsystemen arbeiten. Will man Blitzen, so darf die kürzeste Blitzsynchronzeit nicht unterschritten werden. Bei einer Nikon D800 kann man zudem die ISO-Empfindlichkeit auf ISO-50 absenken. Das sind die besten Voraussetzungen für schöne Portraits unter freiem Himmel, so kann man bei ISO-50, 1/250s in Verbindung mit einem Graufilter mit Blende 2,0 perfekte Portraits mit guter Schärfe in den Gesichtern und perfekter Unschärfe im Vorder- und Hintergrund erzielen.

Nikon-AF-D-14-85mm

Nikkor AF-S 1,4/85mm

Dies ist die neuere Version des zuvor beschriebenen Objektivs. Der optische Aufbau wurde etwas modifiziert und für die schnelle und leise Fokussierung gibt es jetzt einen Ultraschall-Motor im Objektiv. Die Abbildungsqualität ist sehr ähnlich. Wer sich die neuere Version leisten kann, der kann sie mit gutem Gewissen kaufen.

Nikkor AF-D 1,8/85mm

Die 1,8er Version unterscheidet sich massiv vom 1,4/85mm. Der Neupreis betrug damals weniger als die Hälfte und Nikon hat beim, 1,8er viel Kunststoff verwendet. Der Bildqualität tut dies aber keinen Abbruch, lediglich das Bokeh ist nicht ganz so weich wie bei der deutlich teureren, größeren und schwereren 1,4er Variante. Wer ein brauchbares Portrait-Objektiv sucht und wenig Geld hat, für den ist das AF-D 1,8/85mm genau richtig.

Nikkor AF-S 1,8/85mm

Das gleiche gilt auch für die neuere Version mit AF-S Aufofokus. Auch hier spart man eine Menge Geld, aber der Look der Fotos ist auch deutlich anders. Wer sich das 1,4er nicht leisten kann und wem der Autofokus des AF-D 1,8 zu laut und zu langsam ist, der kann mit gutem Gewissen zum AF-S 1,8/85mm greifen.

Mein Favorit unter den Portrait-Objektiven ist allerdings nach wie vor das AF-D 1,4/85mm.

Nikkor AF DC 2,0/105mm

Eine Sonderstellung unter den speziellen Portrait Objektiven nimmt das DC 2,0/105mm ein. Der Clou an diesem Objektiv ist der spezielle “Defocus-Image-Control” Mechanismus. Damit kann man die Unschärfe im Hintergrund gezielt steigern und erhält einen Look den auch das AF-D 1,4/85mm nicht bieten kann. Dieses Objektiv ist allerdings sehr speziell und es benötigt für den Autofokus eine Kamera mit eingebautem AF-Motor. Der Blendenkreis ist fast perfekt gerundet und das Objektiv hat eine eingebaute Gegenlichtblende. Der Preis liegt bei etwa 1.000 Euro und dieses Objektiv ist etwas für echte Spezialisten unter den Hochzeitsfotografen.

Zusammenfassung

Das waren jetzt meine Tipps wenn es um Objektive für das Nikon FX-Format geht. Die Liste ist längst nicht vollständig und man könnte sie mit weiteren Objektiven bspw. von ZEISS weiter anreichern. Aber ich besitze keine ZEISS Objektive weil für das wenige was sie mehr können als die Nikon Objektive nicht bereit bin einen exorbitanten Zuschlag zu bezahlen. Außerdem kommen die ZEISS Objektive für das Nikon-F Bajonett derzeit ohne Autofokus daher, es sind also eher Objektive für zahlungskräftige Enthusiasten.

Objektive von Tamron fehlen in dieser Liste völlig. Dies liegt an meinem gespannten Verhältnis zu dieser Marke. Alles was ich bislang aus dem Hause Tamron hatte, habe ich schnell wieder bei eBay verkauft weil mir die Objektive nicht gefallen haben. Es gibt durchaus auch gute Tamron-Linsen, aber warum soll ich dafür Geld ausgeben wenn ich das “Original” von Nikon habe?

Sehr brauchbare hochwertig verarbeitete Objektive gibt es auch von Tokina. Ich habe beispielsweise das AT-X Pro 2,6-2,8/28-70mm, eine wirklich hochwertige Linse! Aber ich benutze sie praktisch gar nicht mehr seit ich das Nikkor AF-S 2,8/24-70mm besitze.

Alles in allem ist das Angebot wirklich guter Objektive für das Nikon-F Bajonett fast unüberschaubar. Man könnte ein echtes Vermögen dafür ausgeben und hätte noch immer nicht alles was das Herz begehrt.

Müsste ich eine Empfehlung für eine sinnvolle Objektivauswahl für die Nikon D800 abgeben, dann sähe sie wie folgt aus:

  • Nikkor AF-S 1,4/50mm (Damit starten wir nach dem Kauf der Kamera)
  • Nikkor AF-S 2,8/24-70mm (Das ist das 2. Objektiv das ich kaufen würde)
  • Nikkor AF-S VR 2,8/14-24mm (Mir liegt der weite Winkel mehr als das Tele, das wäre #3)
  • Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm V2 (Toll für Tiere und Portraits, meine #4)
  • Nikkor TC17E-II (DER Tele-Konverter zum 70-200)
  • Sigma EX DG 2,8/105mm (Das ist “mein” Makro!)
  • Nikkor AF-D 1,4/85mm (Wenn Portrait, dann diese Linse!)
  • Sigma EX DG 3,5/180mm (Ich würde mit dem 105er starten und später ggfs. zum 180er aufsteigen)
  • Sigma 1,4-fach Tele-Konverter (Tolle Erweiterung zum 180er Makro)
  • Nikkor AF-S VR 4/16-35mm (Wer mit Graufiltern arbeiten möchte und lange Belichtungszeiten liebt, der hat es mit diesem Objektiv leichter als mit dem Nikon AF-S VR 2,8/14-24mm)

USA-2014 – Tag 26 – Rainbow Bridge

Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vor ein paar Tagen hat sich meine Sandra eine Tour mit einem Schiff zur Rainbow Bridge gewünscht. Diese konnte man auch problemlos online buchen. Die erste Tour startet um 7:30 an der Wahweap Marina die etwa auf halbem Weg zwischen Page und Bigwater gelegen ist. Das Areal ist ein National Park, daher muss man entweder 15$ Eintritt zahlen oder sich mit einer Jahreskarte (Annual National Park Pass) zum Preis von 80$ “bewaffnen”.

Die Rainbow Bridge ist weltweit die größte freitragende natürliche Brücke und ein Heiligtum der hier lebenden Indianer. Erreichbar ist sie zu Fuß wenn man bereit ist eine mindestens zweitägige Wanderung auf sich zu nehmen. Wer wandern möchte lässt sich am besten von einem Shuttle-Service zum Trailhead beim Navajo Mountain bringen, wandert zur Rainbow Bridge und kehrt 2-3 Tage später mit dem Boot zurück. Alternativ kann man auch hin und zurück wandern, was aber sehr anstrengend ist und man auch Gefahr läuft, dass bei der Rückkehr das Auto auf dem Parkplatz beim Navajo Mountain komplett geplündert wurde. Dies kommt nicht selten vor, weil klar ist, dass jeder der hier aufbricht frühestens nach zwei Tagen zurückkehrt. Genug Zeit um Reifen, Benzin und sonstige Dinge von einem Auto abzumontieren oder abzusaugen.

Wer es einfacher haben möchte, er bucht für 125$ pro Nase eine komplette Tour mit einem Boot. In der Eingangshalle des Lake Powell Resorts gibt es die Tickets. Wer nicht vorbestellt hat kann auch dort direkt mit Kreditkarte etc. bezahlen. In der Wartezeit bis das Boot startklar ist kann man in der Lounge kostenlos das freie WiFi benutzen, es gibt einen Kiosk mit Kaffee, Tee und kalten Getränken. Wer mag kann für den Ausflug auch Sandwiches kaufen.

Da die Rainbow Bridge sehr weit entfernt ist, dauern An- und Abreise jeweils etwa 3 Stunden. Der Aufenthalt bei der Rainbow Bridge beträgt 1,5 Stunden wovon jeweils ca. 30 Minuten für die Wanderung hin und zurück zu veranschlagen sind. Wer dort fotografieren will hat also ca. 30 Minuten um seine Bilder aufzunehmen!!

Weil es heute teilweise ganz entsetzlich heiß war und uns die Sonne völlig gnadenlos das Hirn gebraten hat, will ich heute mal keine lange Geschichte erzählen sondern einfach nur ein paar Fotos die Geschichte des Tages für sich sprechen lassen. Wer die Bilder in höherer Auflösung anschauen möchte, der kann sie einfach anklicken. Dann gelangt man zu flickr.com, wo man sie auch als Diashow ansehen kann.

Morgen geht es weiter in Richtung Las Vegas und am 30. Mai dann wieder zurück nach Deutschland.

Tiny People @ Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Lake Powell #3

Lake Powell #2

Little Rainbow Visitor #2

Little Rainbow Visitor #1

Lake Powell #1

Rainbow Bridge Boat Trip

Rainbow Bridge Boat Trip #6 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #5 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #4 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #2 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm


USA-2014 – Tag 25 – Page Arizona

Nikon_1V1_IR700nm_DSC6190

Den letzten Tag in Utah beginnen wir mit einem gesunden Frühstück beim Escalante Outfitters. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt dazu eine Schüssel mit Obst, Orangensatz und eine große Tasse Kaffee. Gegen 11h sind wir startklar, ich gebe schnell den Schlüssel ab und schon sind wir unterwegs nach Süden. Auf dem Dach unseres riesigen Mietwagens habe ich meine GoPro HD HERO 3+ positioniert. So kann ich wenigstens einen Teil der Gegend südlich von Escalante festhalten.

Während wir Henryville passieren überlege ich wo wir eigentlich nach links in die Cottonwood Canyon Road abbiegen müssen. Ein Hinweisschild finden wir nicht und auf meinem GPS kann man auf der topografischen Karte vor lauter Höhenlinien kaum noch Straßen erkennen. Als wir im Örtchen Fruita angekommen sind kommt es mir alles seltsam vor. Wir können den Bryce Canyon schon am Horizont sehen, hier muss es doch irgendwo links abgehen. Ich war eine ganze Weile nicht hier uns so herum bin ich die Cottonwood Canyon Road, oder kurz Cottonwood Road, noch nie gefahren. Wir versuchen es mal mit einer etwas größeren Straße die in Fruita nach links abzweigt, sieht heißt Bryce Road. Nach ein paar Kilometern müssen wir dann feststellen, dass es eine Sackgasse ist. Hm, was ist zu tun!

Sandra hat daheim in Bonn meine Karte eingepackt die ich mir im Jahr 2009 bei Globetrotter in Köln zusammen mit dem damals noch revolutionär neuen Garmin Colorado 300 gekauft habe. Auf dieser Karte können wir sehr schön sehen, dass wir genau einen Ort zu weit gefahren sind. Also drehen wir um und etwa 10 Minuten später sind wir wieder im Spiel. Man muss einfach den Hinweisschildern zu “Kodachrome Basin State Park” folgen. Diesen tollen Park haben wir uns schon 2010 ausgiebig angeschaut. Hier wurden schon wirklich viele Western gedreht. Das tolle an dieser Location ist, dass es U-förmig von einer steilen Felswand eingerahmt ist, die fast überall zu sehen ist. So kann man beispielsweise einen Dialog zwischen zwei oder gleich drei Personen mit mehreren Kameras aus unterschiedlichen Richtungen filmen und hat immer einen schönen Hintergrund. Die Akteure stehen also nie “allein” vor einem weit entfernten Horizont. Das ist einer der Hauptgründe, warum hier in den letzten 70 Jahren so viele Western gedreht wurden.

D800E_0416

Die Cottonwood Road ist trotzdem Regens der letzten Tage in sehr gutem Zustand. Am Morgen hatte ich noch überlegt ob wir nicht vielleicht die deutliche rauere aber landschaftliche reizvollere Smokey Mountain Road nehmen sollen. Diese führt auf direktem Weg durch die Berge vom Circle-D Motel nach Page. Aber im Internet habe ich keine Infos zum aktuellen Zustand gefunden. Und da diese Straße nur wenig frequentiert ist, weit hinauf ins Gebirge führt und es dort in den letzten beiden Tagen viel geregnet hat, ist es mir zu riskant. Dort oben möchte ich nicht für mehrere Tage feststecken. Also ist die Cottonwood Road eine gute Alternative.
Den Grosvenor Arch und die Cottonwood Narrows lassen wir heute unbeachtet hinter uns zurück. Wir haben nur noch 5 Tage bis wir unsere Sachen für die Heimreise packen müssen. Da können wir uns nicht mit “Kleinigkeiten” abgeben. Am Abend zuvor habe ich für den Montag eine Schiffstour zur Rainbow Bridge gebucht. Das ging via Internet ganz einfach und ich konnte per Kreditkarte die 125$ pro Nase gleich bezahlen. Wenig später kam auch eine Reservierungsbestätigung als E-Mail.

Nachdem wir in Page eintreffen fahren wer erst einmal komplett durch die Stadt, Sandra kann sich kaum noch an alles erinnern. Dann frage ich beim Comfort Inn ob noch ein Zimmer frei ist, aber es ist alles ausgebucht. Auch bei zwei anderen Motels werden wir abgewiesen. Schließlich finden wir wie in den Jahren zuvor im Rodeway Inn ein schönes sauberes Zimmer mit ZWEI GROSSEN GETRENNT STEHENDEN BETTEN!! So kann Sandra in ruhe schlafen und ich kann mich hin und her wälzen wie es mir beliebt ohne sie aufzuwecken.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben gibt es nebenan beim Mexikaner etwas essen. Später fahren nach einer kleinen Mittagspause zur Wahweap Marina unten am Lake Powell. Dort checken wir kurz die Anreise für den morgigen 250$ teuren Ausflug. Am Schalter an dem es die Tickets gibt zeige ich kurz auf meinem Handy die Buchungsbestätigtung und die nette Dame schaut kurz nach und kann mir versichern, dass alles ok ist und wir morgen um 7h15 wieder dort sein müssen. Zu beachten ist die Zeitumstellung! Wir kommen aus Utah und Utah ist eine Stunde weiter, obwohl einfach weiter im Norden gelegen. Aber dieses Problem hatte ich ja bisher jedes Mal! Brav stelle ich also meine Uhr um eine Stunde zurück und nun zeigt sie wieder die gleiche Zeit wie die Uhr im Auto. So sollten wir für den morgigen Ausflug gerüstet sein.

Kurz bevor die Sonne untergeht mache ich mich später noch einmal auf zum Horse Shoe Bend. Hier hat für mich im Jahr 2009 eigentlich alles begonnen. Diese Location ist sozusagen die Wiege meiner Leidenschaft für dieses Land. Und heute habe ich auch das perfekte Weitwinkel dabei :-)

Beim Horse Shoe Bend angekommen ist dort fast ein Volksfest. Alle machen die gleiche Fotos und mir stockt teilweise der Atem wenn ich sehe wie achtlos manch ein Tourist auf den Felsen an der extrem tiefen Schlucht herum klettert. Aber heute stürzt niemand ab, morgen hoffentlich auch nicht. Ich fotografiere bis es dunkel ist und quäle mich im letzten Licht über den sandigen Pfad den Berg hinauf. Dabei muss ich an meinem Freund Sascha denken, der hier vor (ich denke) zwei Jahren bei größter Mittagshitze mit seinem Sohn auf den Schultern, samt Frau und Schwiegereltern im Schlepptau hinauf gestiegen ist. Ich bin froh, dass es lässige 23°C sind und ich nur meine Kamera samt Objektiv, Stativ und einen fast leeren Fotorucksack zu tragen habe. Bei 40° in voller Mittagssonne möchte ich mich hier nicht hinauf quälen.

Horse Shoe Bend - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Beim Auto angekommen fällt mir einmal mehr auf, dass die Straße in Richtung Süden etwas 25 Kilometer weiter nach einem Erdrutsch immer noch gesperrt ist. Wenn wir übermorgen weiter zum Grand Canyon wollen, müssen wir eine andere Route nehmen. Zum Glück gibt es eine Umfahrung, ich glaube mich erinnern zu können, dass es eine Schotterpiste ist, aber wenn sie offiziell als “Retour” ausgewiesen ist, dann wird sie schon ganz gut zu befahren sein.

Später im Hotel bin ich froh, dass ich endlich wieder “zuhause” bin. Während die Klimaanlage des Nachbarn vor sich hin rattert und Sandra mit Ohrenstöpseln im Bett liegt, sitze ich im Halbdunkel vor meinem Notebook und schreibe noch schnell diesen Artikel des Tages. Mein Handy-Wecker ist auf 5h45 gestellt. Das sollte passen und jetzt ab ins Bett.

Gute Nacht!


USA-2014 – Tag 23,5 – Devils Garden bei Nacht

Last Night @ Devils Garden #3 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

In Deutschland sagt man “Ein Gewitter reinigt die Luft” und das ist genau das was gestern hier in Escalante geschehen ist. Aber fangen wir von vorn an…

Während wir im wunderschön renovierten Zimmer #3 des Circle-D Motels in Escalante darauf warten, dass die Ursache für den Stromausfall behoben wird ziehen draußen schwere dunkle Regenwolken durch. Wirklich viel Regen fällt indes nicht, aber es ist ungemütlich. Also sitze ich auf dem Bett und schreibe an meinem Artikel des Tages bis der Akkus meines Notebooks langsam aber sicher zu Ende geht. Irgendwann ist der Strom wieder da und ich kann sogar einige Bilder des Tages bei flickr hochladen und in meinen neuen Artikel einbinden. Der Fernseher funktioniert auch wieder und auf SyFy läuft nun ein Abklatsch von Steven Spielbergs “Der weiße Hai” – aber diesmal sind es Piranhas aus grauer Vorzeit die durch einen Riss in der Erdkruste in die Gegenwart huschen und fortan alle möglichen amerikanischen Gewässer blutrot einfärben.

Nach einer Weile muss Sandra umschalten, sie ist die Herrscherin über die Fernbedienung und sie erträgt das spritzende Blut nicht mehr. Kurz drauf bin ich dann auch ein wenig eingenickt. Als ich wieder wach werde ist es draußen schon dunkel und die Uhr zeigt 21h (9 pm). Ich überlege kurz, werfe einen prüfenden Blick nach draußen und bin mir nicht sicher ob es sich lohnen wird. Aber das ist ein Fotoreise und eine Fotoreise auf der man nur tagsüber das eine oder andere Erinnerungsfoto schießt, ist mehr als komplett daneben. Bereits bei unserer Anreise nach Escalante im Capitol Reef Nationalpark haben wir keine Minute gestoppt und sind immer nur weiter und weiter gefahren. Erst weit oben als wir auf dem genialen Highway 12 auf 9600 Fuß (ca. 3.000 Meter) angekommen waren, haben wir uns eine kurze Pause gegönnt während derer ich einige wenige Infrarot-Fotos aufnehmen konnte.

Jetzt noch einmal in die dunkle Nacht zu starten ist also eigentlich PFLICHT!

Schnell ist meine Nikon D800E mit einigen Objektiven und Zubehör eingepackt. Später werde ich doch wieder nur mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert haben, aber das ist eine andere Geschichte…

Anfahrt

Mit meinem großen Geländewagen geht es in Richtung Osten aus der Stadt heraus. Wie schnell ich fahren darf ist mir nicht so recht bewusst, sind es 25, 30 oder gar 35 Meilen? Es geht leicht bergab und mein Auto wird unmerklich schneller. Kurz vor dem Ortsausgang sehe ich auf der rechten Straßenseite einen unbeleuchteten dunklen Truck der wie ein Ford F150 aussieht. Der Tacho zeigt 50 mph und ich trete instinktiv auf die Bremse. Sekundenbruchteile später sehe ich dann aus dem Augenwinkel, dass es der örtliche Sheriff ist der hier auf Temposünder wartet. Das ist ja noch einmal gut gegangen – uff…

Wenig später erreiche ich den Abzweig zur staubigen und mehr als holprigen “Hole in the Rock Road”, die hier kurz HITRR genannt wird. Gleich beim Abzweig stehen fünf große Geländewagen und gleich daneben steht eine Horde junger Kinder in kurzen Hosen mit Sandalen und T-Shirts. Ich halte kurz an und frage ob alles ok ist. Es sind Mormonen auf dem Weg zum Hole In The Rock, sie wollen sich anschauen wo ihrer Vorfahren von vielen Jahrzehnten mit Schweiß und Dynamit den Glenn Canyon durchquert haben. Sie haben Zelte und alles an Equipment dabei was man für eine Nacht hier draußen braucht. Weil vor ihnen mehrere Stunden auf der dunklen holprigen Off-Road liegen, legen sie eine kurze Pinkelpause für die Kleinen ein. Es gibt Dinge im Leben, die sind wirklich wichtig!!

Kurz drauf ist dann ein Treck von nun sechs geländegängigen Autos auf der HITRR unterwegs und ich bin der Anführer – Yep!

Mit 50 mph jagen wir über die Piste und ich hoffe insgeheim, dass alle vier Reifen durchhalten werden. Aber wie sagt mein Freund Wolfgang hier immer “Gib Stoff, die Autos sind für das hier gemacht!”… Allerdings hatte er hier bei seiner letzten Reise gleich ZWEI defekte Reifen zu beklagen!

Am Nachmittag haben wir das Areal ja schon besucht und ich hatte mein GPS eingeschaltet. So kann ich in der Finsternis nun sehr schön sehen wo der Abzweig zum Devils Garden ist. Ansonsten wäre es in der Dunkelheit nicht so einfach, man müsste deutlich langsamer fahren und über mehrere Kilometer drauf achten, ob ich das alte hölzerne Hinweisschild am Straßenrand sehe.

Wo wir gerade beim Thema sind, die “Achtsamkeit” ist hier besonders in der Nacht extrem wichtig! Die HITRR ist ein Open Range Gebiet und auch in dieser Nacht stehen wieder mehrere schwarze Kühe mitten auf der Straße und schauen mich ziemlich dümmlich an. Vielleicht liegt es daran, dass es aussieht als würden sie ein Kaugummi kauen. Aber vielleicht sind sie tatsächlich einfach dumm :-) Und schwarze Kühe sind nicht alles, zwar gibt es hier keine schwarzen Schafe, aber reichlich Hasen, Mäuse und anderes Getier. Deren kleine Leichen möchte ich nicht am Auto kleben haben und so ist das GPS eine tolle Hilfe. Ich kann mich auf das Getier konzentrieren und muss nicht nach alten hölzernen Straßenschildern am Wegesrand Ausschau halten.

Beim Devils Garden angekommen steht dort ein verlassener weißer SUV. Die Insassen sind weit und breit nicht zu sehen, ich bin hier augenscheinlich ganz allein. Was allerdings an Getier in der Dunkelheit um mich herum schleicht weiß ich nicht wirklich. Schnell ist meine D800E startklar, ich habe inzwischen echt viel Routine mit dieser Kamera und kann sie in der Dunkelheit zur Not auch blind bedienen. Bewaffnet mit drei Taschenlampen, dem großen SIRUI M-3204 Carbon-Stativ, der Kamera und meinem Fotorucksack geht es los zum niedlichen Metate-Arch. Es sind nur ein paar hundert Meter zu laufen und ich kenne das Areal von meinen zahlreichen Besuchen inzwischen sehr gut.

Am Arch angekommen fotografiere ich ihn etwa zwei Stunden aus verschiedensten Blickwinkeln und positioniere meine Taschenlampen immer wieder neu.

Fototipp

Moderne LED-Taschenlampe geben ein sehr kaltes bläuliches Licht ab. Es ist zwar extrem hell aber eher ungeeignet um eine nächtliche Szenerie adäquat auszuleuchten. Aber es gibt einen Trick! Es ist wie bei einem Filter, hält man eine solche Taschenlampe für ein rotes Glas, so können die roten Anteile des Lichts passieren. Verwendet man gelbes Glas, so ist das Licht eher gelblich, bei anderen Farben funktioniert es analog dazu. Den gleichen Effekt kann man durch die Reflexion an einer Oberfläche erzielen!

Last Night @ Devils Garden #1 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Rund um die “Steinmännchen” im Devils Garden gibt es Felsen in warmen roten und gelben Farbtönen. Leuchtet man diese Felsen mit meiner LED Lenser P7 an, so hat das reflektierte Licht im wesentlichen die gleiche Farbe wie die umliegenden vom indirekten Licht sanft erleuchteten Felsen.

Dieser Trick hat schon vor einigen Tagen in der False Kiva sehr gut funktioniert und heute beim Metate-Arch klappt es auch wieder ganz vorzüglich. Ein weiterer Trick ist es, ein einfaches Stofftaschentuch ggfs. mehrfach zu falten und es vor dem Reflektor der Lampe anzubringen. In meinem Gepäck habe ich einige fies grüne Gummis, die es neulich billig im Supermarkt in der Tchibo Ecke gab. Eigentlich sind sie dafür da um Rouladen beim Kochen zusammenzuhalten. Aber man kann sie für allerlei andere Dinge gewinnbringend einsetzen. Ich verwende sie heute um etwas Stoff von meinen Taschenlampen zu befestigen :-)

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere wird es mir bald langweilig und ich aktiviere mein HTC ONE Smartphone. Es hat überraschend gute Lautsprecher und so kann ich mir in der Dunkelheit, während ich die Rauschunterdrückung meiner Kamera abwarte, die Zeit mit Musik vertreiben. Ich starte mit MUSE, dann etwas Chris Rea, Elektro-Pop, ZZ-Top, Saga, die Liste ist lang… Da ich auch nicht weiß welches Getier sich in der Dunkelheit herumtreibt ist es vielleicht nicht verkehrt hier etwas Radau zu machen.

Mehrmals höre ich hinter mir etwas knacken und leuchte mit meiner LED-Taschenlampe in diese Richtung. Zweimal sehe ich am Ende des einstellbaren Lichtkegels die Reflexionen zweier Augen in der Nacht. Was für ein Tier das ist weiß ich nicht und vielleicht ist es auch besser so…

Die Milchstraße

Als ich nach etwa zwei Stunden meine Session beenden will, sehe ich im Display meiner Kamera auf einem Foto einen etwas dichteren “Sternenhaufen”. Die Nacht ist nach dem Gewitter überraschend klar, aber dennoch blitzt es immer wieder weit entfernt irgendwo über dem Lake Powell. Ob hier ein Blitz die Szenerie erhellt hat? Ich bin mir unschlüssig und versuche die Ursache genauer zu ergründen. Als ich etwa 50 Meter vom Metate-Arch zurückgelaufen bin, sehe ich dann majestätisch und gewaltig über mir die Milchstraße am Himmel. Alles ist klar und deutlich artikuliert, es ist der Wahnsinn. Escalante und der Devils Garden sind mit ca. 1.800 Metern sehr hoch gelegen und hier gibt es keine großen Städte im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Außerdem ist der Mond nicht zu sehen und so habe ich völlig unverhofft doch noch einmal die Möglichkeit Fotos der Milchstraße aufzunehmen. Ich hätte sie schon sehr viel eher sehen können wäre ich nicht so sehr auf den Metate-Arch fixiert gewesen.

Last Night @ Devils Garden #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Wie elektrisiert schnappe ich mir meine D800E und suche mir immer wieder neue Positionen für meine Kamera. Einfach nur die Milchstraße zu knipsen ist mir nicht genug ich möchte eine Komposition die auch etwas hergibt. So mache ich immer wieder Testaufnahmen mit höchster ISO-Empfindlichkeit, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. Es ist der schnellste und einfachste Weg um in der Dunkelheit seine Kamera gut auszurichten und nicht einfach irgendein Foto zu schießen sondern ein Foto das einen Aufbau hat und zumindest einfachen Regeln folgt.

Immer wenn ich eine Position gefunden habe die mir gefällt, stelle ich wieder ISO-1600 und Blende 4 ein und belichte mit Hilfe meines Nikon MC-20 Kabelauslösers zwischen 2 und 4 Minuten. Wegen des exorbitanten Blickwinkels meines 14mm Weitwinkel-Zooms werden trotz der recht langen Belichtungszeit die Sterne der Milchstraße mit vertretbarer Bewegungsunschärfe abgebildet.

Last Night @ Devils Garden #4 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Während ich von einer Perspektive zur anderen wechsle und meine Taschenlampen immer wieder neu positioniere, denke ich an meine Sandra und hoffe nur, dass sie sich keine Sorgen macht. Eigentlich wollte ich nur schnell ein paar Fotos schießen und nach zwei Stunden wieder zurück sein. Nun fotografiere ich hier schon fast seit 5 Stunden und bin seit fast 6 Stunden unterwegs… Aber sie ist ja schon groß und sie weiß auch, dass ich nicht unvorsichtig bin. Aber das schlechte Gewissen bleibt trotzdem! So eine Fotoreise ist irgendwie doch einfacher wenn man sie komplett allein oder eben mit zu 110% gleich gesinnten Foto-Freunden unternimmt.

Last Night @ Devils Garden #5 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Irgendwann um ca. 3h am Morgen versagt dann der zuvor frisch geladene Akku meiner D800E. Er hat diese große Kamera nun fast sechs Stunden lang ununterbrochen mit Energie versorgt und ich bin für dieses “Signal” eigentlich ganz dankbar. Zwar habe ich noch mehrere Akkus in Reserve, aber bald geht schon die Sonne auf, ich bin hundemüde, ich habe Hunger und Durst, es ist Zeit diese geniale nächtliche Fotosession zu beenden. Zurück im Auto freue ich mich über eine kalte Cola und einige Kräcker.

Last Night @ Devils Garden #6 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Alles hat ein Ende

Auf dem Rückweg über die HITRR fahre ich kaum schneller als 25 mph, ich bin müde und es stehen überall Kühe auf der Straße. Nun noch einen Unfall zu haben, das will ich mir ersparen. Als ich kurz vor der Morgendämmerung am Circle-D Motel eintreffe ist meine Sandra noch wach und mein schlechtes Gewissen stärker denn je. Sie hat sich wieder die weiblichen Sorgen gemacht von denen ich nie genau weiß, ist es Sorge dass mir etwas zugestoßen sein könnte, oder ist es die Sorge allein weiterreisen zu müssen… Hoffentlich ist es doch die Sorge um mich :-)

Sandra erzählt mir dann, dass sie nicht geschlafen hat, weil im Nebenzimmer solch ein Lärm war. Sie hat mehrfach so feste sie konnte gegen die hölzerne Wand geschlagen, irgendwann scheint es gewirkt zu haben. Ich höre jedenfalls nichts mehr und bin auch sehr schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen bin ich sehr glücklich mit den Fotos der nächtlichen Session. Die Milchstraße sieht wirklich gut aus und es sind einige Fotos gelungen die man so nur hier in Escalante machen kann. So war die Entscheidung in der Nacht noch einmal aufzubrechen goldrichtig und dass es am Vortag ein Gewitter gab sogar mehr als vorteilhaft!

Last Night @ Devils Garden #7 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich gegen 9h ausgeschlafen habe geht es nach nebenan in die Circle-D Eatery zu einem gesunden Frühstück. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt, zwei Rühreier, frisches Obst, ein Glas Orangen-Saft und eine Tasse Kaffee. So kann der Tag beginnen. Weil ich trotz allem etwas angeschlagen bin, beschließen wir den Tag mit einem kleinen Ausflug zu gestalten. Es geht über den wunderschönen Highway 12 nach Boulder und dann weiter auf dem einmalig schönen Burr Trail. Auf dem Dach meines Autos habe ich meine GoPro HD HERO 3+ mit einem frisch aufgeladenen Akku.

Dieser hält sogar die gesamte Strecke von Escalante bist zum “großen Aussichtspunkt” des Burr Trails durch. Wir halten nur kurz, ich starte die GoPro erneut und wir machen uns auf zum Boulder Mesa Restaurant. Dort gibt es einen sehr leckeren richtig hausgemachten Burger. Ziemlich voll gefuttert und behäbig machen wir uns eine Stunde später wieder auf den Weg nach Escalante. Als wir dort eintreffen gönnen wir uns noch schnell eine Tasse Kaffee im Escalante Outfitters. Ok, nur ich trinke Kaffee, meine Sandra hat heute mal einen grünen Tee geordert.

Zurück im Motel bin ich sehr froh mit den Video-Sequenzen die meine GoPro aufgezeichnet hat. Inzwischen habe ich mich mit dieser Kamera etwas versöhnt. Anfangs habe ich viel im Video-Modus “Narrow” und “Medium” gefilmt. Dabei kam leider nur unbrauchbarer unscharfer “Matsch” heraus. Aber im Modus “Wide” funktioniert die neue GoPro sehr gut. Wenn man ganz ehrlich ist, liefert die etwas ältere GoPro HD HERO 1080 bei gutem Licht Videomaterial in gleicher Qualität. Das teure “Upgrade” wäre also nicht wirklich notwendig gewesen!

Während im Fernsehen bei “insp” ein Western nach dem andere gezeigt wird, schreibe ich diesen Artikel und stelle mich seelisch darauf ein Escalante morgen schon wieder zu verlassen. Dann soll es weiter nach Page in Arizona gehen. Dort wollen wir versuchen eine Fahrt mit dem Schiff zur Rainbow-Bridge zu buchen. Abends könnte ich mich mit meiner neuen Nikon D800E und dem genialen AF-S 2,8/14-24mm mal wieder am Horse-Shoe-Bend einfinden und dort zum Sonnenuntergang einige Fotos aufnehmen.

Was wir letztlich wirklich machen ist aber noch nicht ganz klar und das ist auch gut so. Schauen wir halt mal…


USA-2014 – Tag 23 – Devils Garden

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

In den letzten Tagen hatte es der Wetterbericht schon angekündigt und nun ist es tatsächlich soweit, wir sind in Escalante und haben schlechtes Wetter. Am Morgen beim Frühstück sieht der Himmel noch ganz ordentlich aus, aber als wir mit dem Frühstück fertig sind beginnt es schon zu regnen. Ich schraube schnell meine GoPro samt Unterwassergehäuse auf meinen „Kitchentimer“ und positioniere das Konstrukt auf dem Dach unseres Mietwagens. So nimmt die GoPro etwa 15 Minuten lang alle 3 Sekunden ein Foto auf, das ich später mit dem Programm „Time-Lapse“ auf meinem Mac zu einer Zeitraffer-Sequenz zusammenfügen kann.

Als sich mein kleiner Küchen-Wecker um etwa 100° gedreht hat wird der Regen langsam stärker. Schnell rette dieses schier unglaubliche Panorama-System vor der Überflutung. Während es draußen regnet schauen wir uns die Fotos der letzten Tage an. Im Fernsehen läuft ein alter Western mit vielen bekannten Gesichtern. Als der Regen langsam aufhört klingelt unser Telefon, wir haben Besuch. Hey cool, unsere Freunde Angenie und Peter aus Idaho sind da! Viel Zeit haben sie leider nicht. Da alle Motels im Umkreis ausgebucht sind und sie nicht viel länger ausschließlich mit ihrem 4×4 Wohnmobil unterwegs sein wollen, sind sie gekommen um sich von uns zu verabschieden. Wir unterhalten uns noch eine Weile über die weiteren Pläne und dann machen sie sich wieder auf den Weg nach Norden und Richtung Idaho.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Weil der Himmel nun etwas heller ausschaut packen Sandra und ich nun unsere Sachen und fahren in Richtung Devils Garden. Das ist ein Areal auf der südlichen Seite der HITRR (Hole In The Rock Road) das ganz einfach zu erreichen ist. Nach etwa 45 Minuten kommen wir etwas eingestaubt und ordentlich durchgerüttelt dort an. Schnell zücken wir unsere Kameras und machen uns an die Arbeit, denn am Horizont hängen schon die nächsten schweren dunklen Wolken. Kaum haben wir einige Fotos auf den Speicherkarten untergebracht beginnt es auch schon wieder zu regnen. Eine Weile suchen wir in der Nähe des berühmten Metate-Arch Schutz und einem felsigen Überhang. Als es uns zu langweilig wird huschen wir durch den Regen schnell zurück zum Auto.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Wanderungen jeglicher Art werden uns heute keine Freude bereiten und so beschließen wir zurück nach Escalante zu fahren. Beim Outfitters halten wir an und gönnen uns einen Kaffee und etwas zu Essen. Sandra bestellt ein famoses Tunfisch-Sandwich mit einem gemischten Salat, ich entscheide mich mal einen besonderen Beeren-Kuchen zu versuchen der in einer kleinen Suppentasse gebacken wurde. Er steht in der Kühlung und bevor ich mich darüber her machen kann, wird er eine ganze Weile in einem Ofen aufgewärmt. So erhalte ich nach ein paar Minuten den ersten warmen Beerenkuchen meines Lebens aus einer kleinen Suppentasse. Er schmeckt himmlisch gut!

Während wir unser Essen genießen surfen wir wie alle anderen Gäste auch ein wenig mit unseren Smartphones im Internet, schließlich wollen wir nicht unangenehm auffallen und außerdem müssen wir uns dann auch nicht unterhalten. Als ich mit meinem Kuchen zu 56% durch bin flackert plötzlich das Licht mehrmals und dann wird es ganz still und etwas dunkler. Keine Musik, keine Klimaanlage, kein Radio, kein Pizzaofen, keine Kasse, keine Kühltheke, kein Internet, immer noch keine Gespräche…

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Die sichtlich genervte Kassiererin ruft nur aus „Oh my god, welcome to Escalante…“ Mit der letzten Hitze des Backofens kann der Koch noch zwei Pizzen zubereiten. Sandras Sandwich hatte er schon kurz vorher im Ofen gehabt. Nach ein paar Minuten kommt er schließlich aus der Küche und sieht etwas ratlos aus. Zwei hungrige Wanderer haben sich eine Pizza bestellt, aber ohne Strom kann sie nicht gebacken werden. Doch das junge Paar am Nachbartisch erkennt den Ernst der Lage und so teilen sie sich die letzte Pizza die der Ofen noch hergegeben hat. So ist das hier im Südwesten der USA, hier wird nicht lange herumgemacht, hier hält man zusammen und hilft sich gegenseitig!

Die Kellnerin macht sich mit Papier und Kugelschreiber daran zu notieren wer was auf dem Teller hat und was letztlich zu bezahlen sein wird. Als wir später unseren Zettel erhalten gehen wir damit zur Kasse die auch nicht mehr funktioniert. Dort sitzt ein junge Frau die sehr gelassen mit der Taschenrechner-App auf ihrem Smartphone ausrechnet was wir zu bezahlen haben.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Als wir im Motel eintreffen ist dort auch alles dunkel. Es gibt keine Heizung, kein Fernsehen, kein heißes Wasser in der Dusche, uns bleibt nur der Strom der Akkus unserer Notebooks. Als diese schließlich auch erschöpft sind versuchen wir mal wieder miteinander zu sprechen und siehe da, es klappt noch! Wir haben es nicht verlernt, trotz der Segnungen durch Facebook, Twitter, Google+, WordPress, flickr, 500px und was es nicht alles sonst noch auf der Welt gibt. Oder vielleicht sollte ich sagen: „…außerhalb von Escalante gibt“ :-)

Irgendwann am Abend ist schließlich der Strom wieder da. Bei SyFy läuft auch sofort irgend ein Unsinn mit Piranhas aus grauer Vorzeit und statt zu Reden kann ich wieder still und leise diesen Artikel veröffentlichen, das Leben kann so schön sein :-)

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm


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