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USA-2014 – Tag 26 – Rainbow Bridge

Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vor ein paar Tagen hat sich meine Sandra eine Tour mit einem Schiff zur Rainbow Bridge gewünscht. Diese konnte man auch problemlos online buchen. Die erste Tour startet um 7:30 an der Wahweap Marina die etwa auf halbem Weg zwischen Page und Bigwater gelegen ist. Das Areal ist ein National Park, daher muss man entweder 15$ Eintritt zahlen oder sich mit einer Jahreskarte (Annual National Park Pass) zum Preis von 80$ “bewaffnen”.

Die Rainbow Bridge ist weltweit die größte freitragende natürliche Brücke und ein Heiligtum der hier lebenden Indianer. Erreichbar ist sie zu Fuß wenn man bereit ist eine mindestens zweitägige Wanderung auf sich zu nehmen. Wer wandern möchte lässt sich am besten von einem Shuttle-Service zum Trailhead beim Navajo Mountain bringen, wandert zur Rainbow Bridge und kehrt 2-3 Tage später mit dem Boot zurück. Alternativ kann man auch hin und zurück wandern, was aber sehr anstrengend ist und man auch Gefahr läuft, dass bei der Rückkehr das Auto auf dem Parkplatz beim Navajo Mountain komplett geplündert wurde. Dies kommt nicht selten vor, weil klar ist, dass jeder der hier aufbricht frühestens nach zwei Tagen zurückkehrt. Genug Zeit um Reifen, Benzin und sonstige Dinge von einem Auto abzumontieren oder abzusaugen.

Wer es einfacher haben möchte, er bucht für 125$ pro Nase eine komplette Tour mit einem Boot. In der Eingangshalle des Lake Powell Resorts gibt es die Tickets. Wer nicht vorbestellt hat kann auch dort direkt mit Kreditkarte etc. bezahlen. In der Wartezeit bis das Boot startklar ist kann man in der Lounge kostenlos das freie WiFi benutzen, es gibt einen Kiosk mit Kaffee, Tee und kalten Getränken. Wer mag kann für den Ausflug auch Sandwiches kaufen.

Da die Rainbow Bridge sehr weit entfernt ist, dauern An- und Abreise jeweils etwa 3 Stunden. Der Aufenthalt bei der Rainbow Bridge beträgt 1,5 Stunden wovon jeweils ca. 30 Minuten für die Wanderung hin und zurück zu veranschlagen sind. Wer dort fotografieren will hat also ca. 30 Minuten um seine Bilder aufzunehmen!!

Weil es heute teilweise ganz entsetzlich heiß war und uns die Sonne völlig gnadenlos das Hirn gebraten hat, will ich heute mal keine lange Geschichte erzählen sondern einfach nur ein paar Fotos die Geschichte des Tages für sich sprechen lassen. Wer die Bilder in höherer Auflösung anschauen möchte, der kann sie einfach anklicken. Dann gelangt man zu flickr.com, wo man sie auch als Diashow ansehen kann.

Morgen geht es weiter in Richtung Las Vegas und am 30. Mai dann wieder zurück nach Deutschland.

Tiny People @ Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Lake Powell #3

Lake Powell #2

Little Rainbow Visitor #2

Little Rainbow Visitor #1

Lake Powell #1

Rainbow Bridge Boat Trip

Rainbow Bridge Boat Trip #6 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #5 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #4 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #2 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm


USA-2014 – Tag 25 – Page Arizona

Nikon_1V1_IR700nm_DSC6190

Den letzten Tag in Utah beginnen wir mit einem gesunden Frühstück beim Escalante Outfitters. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt dazu eine Schüssel mit Obst, Orangensatz und eine große Tasse Kaffee. Gegen 11h sind wir startklar, ich gebe schnell den Schlüssel ab und schon sind wir unterwegs nach Süden. Auf dem Dach unseres riesigen Mietwagens habe ich meine GoPro HD HERO 3+ positioniert. So kann ich wenigstens einen Teil der Gegend südlich von Escalante festhalten.

Während wir Henryville passieren überlege ich wo wir eigentlich nach links in die Cottonwood Canyon Road abbiegen müssen. Ein Hinweisschild finden wir nicht und auf meinem GPS kann man auf der topografischen Karte vor lauter Höhenlinien kaum noch Straßen erkennen. Als wir im Örtchen Fruita angekommen sind kommt es mir alles seltsam vor. Wir können den Bryce Canyon schon am Horizont sehen, hier muss es doch irgendwo links abgehen. Ich war eine ganze Weile nicht hier uns so herum bin ich die Cottonwood Canyon Road, oder kurz Cottonwood Road, noch nie gefahren. Wir versuchen es mal mit einer etwas größeren Straße die in Fruita nach links abzweigt, sieht heißt Bryce Road. Nach ein paar Kilometern müssen wir dann feststellen, dass es eine Sackgasse ist. Hm, was ist zu tun!

Sandra hat daheim in Bonn meine Karte eingepackt die ich mir im Jahr 2009 bei Globetrotter in Köln zusammen mit dem damals noch revolutionär neuen Garmin Colorado 300 gekauft habe. Auf dieser Karte können wir sehr schön sehen, dass wir genau einen Ort zu weit gefahren sind. Also drehen wir um und etwa 10 Minuten später sind wir wieder im Spiel. Man muss einfach den Hinweisschildern zu “Kodachrome Basin State Park” folgen. Diesen tollen Park haben wir uns schon 2010 ausgiebig angeschaut. Hier wurden schon wirklich viele Western gedreht. Das tolle an dieser Location ist, dass es U-förmig von einer steilen Felswand eingerahmt ist, die fast überall zu sehen ist. So kann man beispielsweise einen Dialog zwischen zwei oder gleich drei Personen mit mehreren Kameras aus unterschiedlichen Richtungen filmen und hat immer einen schönen Hintergrund. Die Akteure stehen also nie “allein” vor einem weit entfernten Horizont. Das ist einer der Hauptgründe, warum hier in den letzten 70 Jahren so viele Western gedreht wurden.

D800E_0416

Die Cottonwood Road ist trotzdem Regens der letzten Tage in sehr gutem Zustand. Am Morgen hatte ich noch überlegt ob wir nicht vielleicht die deutliche rauere aber landschaftliche reizvollere Smokey Mountain Road nehmen sollen. Diese führt auf direktem Weg durch die Berge vom Circle-D Motel nach Page. Aber im Internet habe ich keine Infos zum aktuellen Zustand gefunden. Und da diese Straße nur wenig frequentiert ist, weit hinauf ins Gebirge führt und es dort in den letzten beiden Tagen viel geregnet hat, ist es mir zu riskant. Dort oben möchte ich nicht für mehrere Tage feststecken. Also ist die Cottonwood Road eine gute Alternative.
Den Grosvenor Arch und die Cottonwood Narrows lassen wir heute unbeachtet hinter uns zurück. Wir haben nur noch 5 Tage bis wir unsere Sachen für die Heimreise packen müssen. Da können wir uns nicht mit “Kleinigkeiten” abgeben. Am Abend zuvor habe ich für den Montag eine Schiffstour zur Rainbow Bridge gebucht. Das ging via Internet ganz einfach und ich konnte per Kreditkarte die 125$ pro Nase gleich bezahlen. Wenig später kam auch eine Reservierungsbestätigung als E-Mail.

Nachdem wir in Page eintreffen fahren wer erst einmal komplett durch die Stadt, Sandra kann sich kaum noch an alles erinnern. Dann frage ich beim Comfort Inn ob noch ein Zimmer frei ist, aber es ist alles ausgebucht. Auch bei zwei anderen Motels werden wir abgewiesen. Schließlich finden wir wie in den Jahren zuvor im Rodeway Inn ein schönes sauberes Zimmer mit ZWEI GROSSEN GETRENNT STEHENDEN BETTEN!! So kann Sandra in ruhe schlafen und ich kann mich hin und her wälzen wie es mir beliebt ohne sie aufzuwecken.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben gibt es nebenan beim Mexikaner etwas essen. Später fahren nach einer kleinen Mittagspause zur Wahweap Marina unten am Lake Powell. Dort checken wir kurz die Anreise für den morgigen 250$ teuren Ausflug. Am Schalter an dem es die Tickets gibt zeige ich kurz auf meinem Handy die Buchungsbestätigtung und die nette Dame schaut kurz nach und kann mir versichern, dass alles ok ist und wir morgen um 7h15 wieder dort sein müssen. Zu beachten ist die Zeitumstellung! Wir kommen aus Utah und Utah ist eine Stunde weiter, obwohl einfach weiter im Norden gelegen. Aber dieses Problem hatte ich ja bisher jedes Mal! Brav stelle ich also meine Uhr um eine Stunde zurück und nun zeigt sie wieder die gleiche Zeit wie die Uhr im Auto. So sollten wir für den morgigen Ausflug gerüstet sein.

Kurz bevor die Sonne untergeht mache ich mich später noch einmal auf zum Horse Shoe Bend. Hier hat für mich im Jahr 2009 eigentlich alles begonnen. Diese Location ist sozusagen die Wiege meiner Leidenschaft für dieses Land. Und heute habe ich auch das perfekte Weitwinkel dabei :-)

Beim Horse Shoe Bend angekommen ist dort fast ein Volksfest. Alle machen die gleiche Fotos und mir stockt teilweise der Atem wenn ich sehe wie achtlos manch ein Tourist auf den Felsen an der extrem tiefen Schlucht herum klettert. Aber heute stürzt niemand ab, morgen hoffentlich auch nicht. Ich fotografiere bis es dunkel ist und quäle mich im letzten Licht über den sandigen Pfad den Berg hinauf. Dabei muss ich an meinem Freund Sascha denken, der hier vor (ich denke) zwei Jahren bei größter Mittagshitze mit seinem Sohn auf den Schultern, samt Frau und Schwiegereltern im Schlepptau hinauf gestiegen ist. Ich bin froh, dass es lässige 23°C sind und ich nur meine Kamera samt Objektiv, Stativ und einen fast leeren Fotorucksack zu tragen habe. Bei 40° in voller Mittagssonne möchte ich mich hier nicht hinauf quälen.

Horse Shoe Bend - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Beim Auto angekommen fällt mir einmal mehr auf, dass die Straße in Richtung Süden etwas 25 Kilometer weiter nach einem Erdrutsch immer noch gesperrt ist. Wenn wir übermorgen weiter zum Grand Canyon wollen, müssen wir eine andere Route nehmen. Zum Glück gibt es eine Umfahrung, ich glaube mich erinnern zu können, dass es eine Schotterpiste ist, aber wenn sie offiziell als “Retour” ausgewiesen ist, dann wird sie schon ganz gut zu befahren sein.

Später im Hotel bin ich froh, dass ich endlich wieder “zuhause” bin. Während die Klimaanlage des Nachbarn vor sich hin rattert und Sandra mit Ohrenstöpseln im Bett liegt, sitze ich im Halbdunkel vor meinem Notebook und schreibe noch schnell diesen Artikel des Tages. Mein Handy-Wecker ist auf 5h45 gestellt. Das sollte passen und jetzt ab ins Bett.

Gute Nacht!


USA-2014 – Tag 23,5 – Devils Garden bei Nacht

Last Night @ Devils Garden #3 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

In Deutschland sagt man “Ein Gewitter reinigt die Luft” und das ist genau das was gestern hier in Escalante geschehen ist. Aber fangen wir von vorn an…

Während wir im wunderschön renovierten Zimmer #3 des Circle-D Motels in Escalante darauf warten, dass die Ursache für den Stromausfall behoben wird ziehen draußen schwere dunkle Regenwolken durch. Wirklich viel Regen fällt indes nicht, aber es ist ungemütlich. Also sitze ich auf dem Bett und schreibe an meinem Artikel des Tages bis der Akkus meines Notebooks langsam aber sicher zu Ende geht. Irgendwann ist der Strom wieder da und ich kann sogar einige Bilder des Tages bei flickr hochladen und in meinen neuen Artikel einbinden. Der Fernseher funktioniert auch wieder und auf SyFy läuft nun ein Abklatsch von Steven Spielbergs “Der weiße Hai” – aber diesmal sind es Piranhas aus grauer Vorzeit die durch einen Riss in der Erdkruste in die Gegenwart huschen und fortan alle möglichen amerikanischen Gewässer blutrot einfärben.

Nach einer Weile muss Sandra umschalten, sie ist die Herrscherin über die Fernbedienung und sie erträgt das spritzende Blut nicht mehr. Kurz drauf bin ich dann auch ein wenig eingenickt. Als ich wieder wach werde ist es draußen schon dunkel und die Uhr zeigt 21h (9 pm). Ich überlege kurz, werfe einen prüfenden Blick nach draußen und bin mir nicht sicher ob es sich lohnen wird. Aber das ist ein Fotoreise und eine Fotoreise auf der man nur tagsüber das eine oder andere Erinnerungsfoto schießt, ist mehr als komplett daneben. Bereits bei unserer Anreise nach Escalante im Capitol Reef Nationalpark haben wir keine Minute gestoppt und sind immer nur weiter und weiter gefahren. Erst weit oben als wir auf dem genialen Highway 12 auf 9600 Fuß (ca. 3.000 Meter) angekommen waren, haben wir uns eine kurze Pause gegönnt während derer ich einige wenige Infrarot-Fotos aufnehmen konnte.

Jetzt noch einmal in die dunkle Nacht zu starten ist also eigentlich PFLICHT!

Schnell ist meine Nikon D800E mit einigen Objektiven und Zubehör eingepackt. Später werde ich doch wieder nur mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert haben, aber das ist eine andere Geschichte…

Anfahrt

Mit meinem großen Geländewagen geht es in Richtung Osten aus der Stadt heraus. Wie schnell ich fahren darf ist mir nicht so recht bewusst, sind es 25, 30 oder gar 35 Meilen? Es geht leicht bergab und mein Auto wird unmerklich schneller. Kurz vor dem Ortsausgang sehe ich auf der rechten Straßenseite einen unbeleuchteten dunklen Truck der wie ein Ford F150 aussieht. Der Tacho zeigt 50 mph und ich trete instinktiv auf die Bremse. Sekundenbruchteile später sehe ich dann aus dem Augenwinkel, dass es der örtliche Sheriff ist der hier auf Temposünder wartet. Das ist ja noch einmal gut gegangen – uff…

Wenig später erreiche ich den Abzweig zur staubigen und mehr als holprigen “Hole in the Rock Road”, die hier kurz HITRR genannt wird. Gleich beim Abzweig stehen fünf große Geländewagen und gleich daneben steht eine Horde junger Kinder in kurzen Hosen mit Sandalen und T-Shirts. Ich halte kurz an und frage ob alles ok ist. Es sind Mormonen auf dem Weg zum Hole In The Rock, sie wollen sich anschauen wo ihrer Vorfahren von vielen Jahrzehnten mit Schweiß und Dynamit den Glenn Canyon durchquert haben. Sie haben Zelte und alles an Equipment dabei was man für eine Nacht hier draußen braucht. Weil vor ihnen mehrere Stunden auf der dunklen holprigen Off-Road liegen, legen sie eine kurze Pinkelpause für die Kleinen ein. Es gibt Dinge im Leben, die sind wirklich wichtig!!

Kurz drauf ist dann ein Treck von nun sechs geländegängigen Autos auf der HITRR unterwegs und ich bin der Anführer – Yep!

Mit 50 mph jagen wir über die Piste und ich hoffe insgeheim, dass alle vier Reifen durchhalten werden. Aber wie sagt mein Freund Wolfgang hier immer “Gib Stoff, die Autos sind für das hier gemacht!”… Allerdings hatte er hier bei seiner letzten Reise gleich ZWEI defekte Reifen zu beklagen!

Am Nachmittag haben wir das Areal ja schon besucht und ich hatte mein GPS eingeschaltet. So kann ich in der Finsternis nun sehr schön sehen wo der Abzweig zum Devils Garden ist. Ansonsten wäre es in der Dunkelheit nicht so einfach, man müsste deutlich langsamer fahren und über mehrere Kilometer drauf achten, ob ich das alte hölzerne Hinweisschild am Straßenrand sehe.

Wo wir gerade beim Thema sind, die “Achtsamkeit” ist hier besonders in der Nacht extrem wichtig! Die HITRR ist ein Open Range Gebiet und auch in dieser Nacht stehen wieder mehrere schwarze Kühe mitten auf der Straße und schauen mich ziemlich dümmlich an. Vielleicht liegt es daran, dass es aussieht als würden sie ein Kaugummi kauen. Aber vielleicht sind sie tatsächlich einfach dumm :-) Und schwarze Kühe sind nicht alles, zwar gibt es hier keine schwarzen Schafe, aber reichlich Hasen, Mäuse und anderes Getier. Deren kleine Leichen möchte ich nicht am Auto kleben haben und so ist das GPS eine tolle Hilfe. Ich kann mich auf das Getier konzentrieren und muss nicht nach alten hölzernen Straßenschildern am Wegesrand Ausschau halten.

Beim Devils Garden angekommen steht dort ein verlassener weißer SUV. Die Insassen sind weit und breit nicht zu sehen, ich bin hier augenscheinlich ganz allein. Was allerdings an Getier in der Dunkelheit um mich herum schleicht weiß ich nicht wirklich. Schnell ist meine D800E startklar, ich habe inzwischen echt viel Routine mit dieser Kamera und kann sie in der Dunkelheit zur Not auch blind bedienen. Bewaffnet mit drei Taschenlampen, dem großen SIRUI M-3204 Carbon-Stativ, der Kamera und meinem Fotorucksack geht es los zum niedlichen Metate-Arch. Es sind nur ein paar hundert Meter zu laufen und ich kenne das Areal von meinen zahlreichen Besuchen inzwischen sehr gut.

Am Arch angekommen fotografiere ich ihn etwa zwei Stunden aus verschiedensten Blickwinkeln und positioniere meine Taschenlampen immer wieder neu.

Fototipp

Moderne LED-Taschenlampe geben ein sehr kaltes bläuliches Licht ab. Es ist zwar extrem hell aber eher ungeeignet um eine nächtliche Szenerie adäquat auszuleuchten. Aber es gibt einen Trick! Es ist wie bei einem Filter, hält man eine solche Taschenlampe für ein rotes Glas, so können die roten Anteile des Lichts passieren. Verwendet man gelbes Glas, so ist das Licht eher gelblich, bei anderen Farben funktioniert es analog dazu. Den gleichen Effekt kann man durch die Reflexion an einer Oberfläche erzielen!

Last Night @ Devils Garden #1 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Rund um die “Steinmännchen” im Devils Garden gibt es Felsen in warmen roten und gelben Farbtönen. Leuchtet man diese Felsen mit meiner LED Lenser P7 an, so hat das reflektierte Licht im wesentlichen die gleiche Farbe wie die umliegenden vom indirekten Licht sanft erleuchteten Felsen.

Dieser Trick hat schon vor einigen Tagen in der False Kiva sehr gut funktioniert und heute beim Metate-Arch klappt es auch wieder ganz vorzüglich. Ein weiterer Trick ist es, ein einfaches Stofftaschentuch ggfs. mehrfach zu falten und es vor dem Reflektor der Lampe anzubringen. In meinem Gepäck habe ich einige fies grüne Gummis, die es neulich billig im Supermarkt in der Tchibo Ecke gab. Eigentlich sind sie dafür da um Rouladen beim Kochen zusammenzuhalten. Aber man kann sie für allerlei andere Dinge gewinnbringend einsetzen. Ich verwende sie heute um etwas Stoff von meinen Taschenlampen zu befestigen :-)

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere wird es mir bald langweilig und ich aktiviere mein HTC ONE Smartphone. Es hat überraschend gute Lautsprecher und so kann ich mir in der Dunkelheit, während ich die Rauschunterdrückung meiner Kamera abwarte, die Zeit mit Musik vertreiben. Ich starte mit MUSE, dann etwas Chris Rea, Elektro-Pop, ZZ-Top, Saga, die Liste ist lang… Da ich auch nicht weiß welches Getier sich in der Dunkelheit herumtreibt ist es vielleicht nicht verkehrt hier etwas Radau zu machen.

Mehrmals höre ich hinter mir etwas knacken und leuchte mit meiner LED-Taschenlampe in diese Richtung. Zweimal sehe ich am Ende des einstellbaren Lichtkegels die Reflexionen zweier Augen in der Nacht. Was für ein Tier das ist weiß ich nicht und vielleicht ist es auch besser so…

Die Milchstraße

Als ich nach etwa zwei Stunden meine Session beenden will, sehe ich im Display meiner Kamera auf einem Foto einen etwas dichteren “Sternenhaufen”. Die Nacht ist nach dem Gewitter überraschend klar, aber dennoch blitzt es immer wieder weit entfernt irgendwo über dem Lake Powell. Ob hier ein Blitz die Szenerie erhellt hat? Ich bin mir unschlüssig und versuche die Ursache genauer zu ergründen. Als ich etwa 50 Meter vom Metate-Arch zurückgelaufen bin, sehe ich dann majestätisch und gewaltig über mir die Milchstraße am Himmel. Alles ist klar und deutlich artikuliert, es ist der Wahnsinn. Escalante und der Devils Garden sind mit ca. 1.800 Metern sehr hoch gelegen und hier gibt es keine großen Städte im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Außerdem ist der Mond nicht zu sehen und so habe ich völlig unverhofft doch noch einmal die Möglichkeit Fotos der Milchstraße aufzunehmen. Ich hätte sie schon sehr viel eher sehen können wäre ich nicht so sehr auf den Metate-Arch fixiert gewesen.

Last Night @ Devils Garden #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Wie elektrisiert schnappe ich mir meine D800E und suche mir immer wieder neue Positionen für meine Kamera. Einfach nur die Milchstraße zu knipsen ist mir nicht genug ich möchte eine Komposition die auch etwas hergibt. So mache ich immer wieder Testaufnahmen mit höchster ISO-Empfindlichkeit, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. Es ist der schnellste und einfachste Weg um in der Dunkelheit seine Kamera gut auszurichten und nicht einfach irgendein Foto zu schießen sondern ein Foto das einen Aufbau hat und zumindest einfachen Regeln folgt.

Immer wenn ich eine Position gefunden habe die mir gefällt, stelle ich wieder ISO-1600 und Blende 4 ein und belichte mit Hilfe meines Nikon MC-20 Kabelauslösers zwischen 2 und 4 Minuten. Wegen des exorbitanten Blickwinkels meines 14mm Weitwinkel-Zooms werden trotz der recht langen Belichtungszeit die Sterne der Milchstraße mit vertretbarer Bewegungsunschärfe abgebildet.

Last Night @ Devils Garden #4 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Während ich von einer Perspektive zur anderen wechsle und meine Taschenlampen immer wieder neu positioniere, denke ich an meine Sandra und hoffe nur, dass sie sich keine Sorgen macht. Eigentlich wollte ich nur schnell ein paar Fotos schießen und nach zwei Stunden wieder zurück sein. Nun fotografiere ich hier schon fast seit 5 Stunden und bin seit fast 6 Stunden unterwegs… Aber sie ist ja schon groß und sie weiß auch, dass ich nicht unvorsichtig bin. Aber das schlechte Gewissen bleibt trotzdem! So eine Fotoreise ist irgendwie doch einfacher wenn man sie komplett allein oder eben mit zu 110% gleich gesinnten Foto-Freunden unternimmt.

Last Night @ Devils Garden #5 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Irgendwann um ca. 3h am Morgen versagt dann der zuvor frisch geladene Akku meiner D800E. Er hat diese große Kamera nun fast sechs Stunden lang ununterbrochen mit Energie versorgt und ich bin für dieses “Signal” eigentlich ganz dankbar. Zwar habe ich noch mehrere Akkus in Reserve, aber bald geht schon die Sonne auf, ich bin hundemüde, ich habe Hunger und Durst, es ist Zeit diese geniale nächtliche Fotosession zu beenden. Zurück im Auto freue ich mich über eine kalte Cola und einige Kräcker.

Last Night @ Devils Garden #6 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Alles hat ein Ende

Auf dem Rückweg über die HITRR fahre ich kaum schneller als 25 mph, ich bin müde und es stehen überall Kühe auf der Straße. Nun noch einen Unfall zu haben, das will ich mir ersparen. Als ich kurz vor der Morgendämmerung am Circle-D Motel eintreffe ist meine Sandra noch wach und mein schlechtes Gewissen stärker denn je. Sie hat sich wieder die weiblichen Sorgen gemacht von denen ich nie genau weiß, ist es Sorge dass mir etwas zugestoßen sein könnte, oder ist es die Sorge allein weiterreisen zu müssen… Hoffentlich ist es doch die Sorge um mich :-)

Sandra erzählt mir dann, dass sie nicht geschlafen hat, weil im Nebenzimmer solch ein Lärm war. Sie hat mehrfach so feste sie konnte gegen die hölzerne Wand geschlagen, irgendwann scheint es gewirkt zu haben. Ich höre jedenfalls nichts mehr und bin auch sehr schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen bin ich sehr glücklich mit den Fotos der nächtlichen Session. Die Milchstraße sieht wirklich gut aus und es sind einige Fotos gelungen die man so nur hier in Escalante machen kann. So war die Entscheidung in der Nacht noch einmal aufzubrechen goldrichtig und dass es am Vortag ein Gewitter gab sogar mehr als vorteilhaft!

Last Night @ Devils Garden #7 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich gegen 9h ausgeschlafen habe geht es nach nebenan in die Circle-D Eatery zu einem gesunden Frühstück. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt, zwei Rühreier, frisches Obst, ein Glas Orangen-Saft und eine Tasse Kaffee. So kann der Tag beginnen. Weil ich trotz allem etwas angeschlagen bin, beschließen wir den Tag mit einem kleinen Ausflug zu gestalten. Es geht über den wunderschönen Highway 12 nach Boulder und dann weiter auf dem einmalig schönen Burr Trail. Auf dem Dach meines Autos habe ich meine GoPro HD HERO 3+ mit einem frisch aufgeladenen Akku.

Dieser hält sogar die gesamte Strecke von Escalante bist zum “großen Aussichtspunkt” des Burr Trails durch. Wir halten nur kurz, ich starte die GoPro erneut und wir machen uns auf zum Boulder Mesa Restaurant. Dort gibt es einen sehr leckeren richtig hausgemachten Burger. Ziemlich voll gefuttert und behäbig machen wir uns eine Stunde später wieder auf den Weg nach Escalante. Als wir dort eintreffen gönnen wir uns noch schnell eine Tasse Kaffee im Escalante Outfitters. Ok, nur ich trinke Kaffee, meine Sandra hat heute mal einen grünen Tee geordert.

Zurück im Motel bin ich sehr froh mit den Video-Sequenzen die meine GoPro aufgezeichnet hat. Inzwischen habe ich mich mit dieser Kamera etwas versöhnt. Anfangs habe ich viel im Video-Modus “Narrow” und “Medium” gefilmt. Dabei kam leider nur unbrauchbarer unscharfer “Matsch” heraus. Aber im Modus “Wide” funktioniert die neue GoPro sehr gut. Wenn man ganz ehrlich ist, liefert die etwas ältere GoPro HD HERO 1080 bei gutem Licht Videomaterial in gleicher Qualität. Das teure “Upgrade” wäre also nicht wirklich notwendig gewesen!

Während im Fernsehen bei “insp” ein Western nach dem andere gezeigt wird, schreibe ich diesen Artikel und stelle mich seelisch darauf ein Escalante morgen schon wieder zu verlassen. Dann soll es weiter nach Page in Arizona gehen. Dort wollen wir versuchen eine Fahrt mit dem Schiff zur Rainbow-Bridge zu buchen. Abends könnte ich mich mit meiner neuen Nikon D800E und dem genialen AF-S 2,8/14-24mm mal wieder am Horse-Shoe-Bend einfinden und dort zum Sonnenuntergang einige Fotos aufnehmen.

Was wir letztlich wirklich machen ist aber noch nicht ganz klar und das ist auch gut so. Schauen wir halt mal…


USA-2014 – Tag 23 – Devils Garden

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

In den letzten Tagen hatte es der Wetterbericht schon angekündigt und nun ist es tatsächlich soweit, wir sind in Escalante und haben schlechtes Wetter. Am Morgen beim Frühstück sieht der Himmel noch ganz ordentlich aus, aber als wir mit dem Frühstück fertig sind beginnt es schon zu regnen. Ich schraube schnell meine GoPro samt Unterwassergehäuse auf meinen „Kitchentimer“ und positioniere das Konstrukt auf dem Dach unseres Mietwagens. So nimmt die GoPro etwa 15 Minuten lang alle 3 Sekunden ein Foto auf, das ich später mit dem Programm „Time-Lapse“ auf meinem Mac zu einer Zeitraffer-Sequenz zusammenfügen kann.

Als sich mein kleiner Küchen-Wecker um etwa 100° gedreht hat wird der Regen langsam stärker. Schnell rette dieses schier unglaubliche Panorama-System vor der Überflutung. Während es draußen regnet schauen wir uns die Fotos der letzten Tage an. Im Fernsehen läuft ein alter Western mit vielen bekannten Gesichtern. Als der Regen langsam aufhört klingelt unser Telefon, wir haben Besuch. Hey cool, unsere Freunde Angenie und Peter aus Idaho sind da! Viel Zeit haben sie leider nicht. Da alle Motels im Umkreis ausgebucht sind und sie nicht viel länger ausschließlich mit ihrem 4×4 Wohnmobil unterwegs sein wollen, sind sie gekommen um sich von uns zu verabschieden. Wir unterhalten uns noch eine Weile über die weiteren Pläne und dann machen sie sich wieder auf den Weg nach Norden und Richtung Idaho.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Weil der Himmel nun etwas heller ausschaut packen Sandra und ich nun unsere Sachen und fahren in Richtung Devils Garden. Das ist ein Areal auf der südlichen Seite der HITRR (Hole In The Rock Road) das ganz einfach zu erreichen ist. Nach etwa 45 Minuten kommen wir etwas eingestaubt und ordentlich durchgerüttelt dort an. Schnell zücken wir unsere Kameras und machen uns an die Arbeit, denn am Horizont hängen schon die nächsten schweren dunklen Wolken. Kaum haben wir einige Fotos auf den Speicherkarten untergebracht beginnt es auch schon wieder zu regnen. Eine Weile suchen wir in der Nähe des berühmten Metate-Arch Schutz und einem felsigen Überhang. Als es uns zu langweilig wird huschen wir durch den Regen schnell zurück zum Auto.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Wanderungen jeglicher Art werden uns heute keine Freude bereiten und so beschließen wir zurück nach Escalante zu fahren. Beim Outfitters halten wir an und gönnen uns einen Kaffee und etwas zu Essen. Sandra bestellt ein famoses Tunfisch-Sandwich mit einem gemischten Salat, ich entscheide mich mal einen besonderen Beeren-Kuchen zu versuchen der in einer kleinen Suppentasse gebacken wurde. Er steht in der Kühlung und bevor ich mich darüber her machen kann, wird er eine ganze Weile in einem Ofen aufgewärmt. So erhalte ich nach ein paar Minuten den ersten warmen Beerenkuchen meines Lebens aus einer kleinen Suppentasse. Er schmeckt himmlisch gut!

Während wir unser Essen genießen surfen wir wie alle anderen Gäste auch ein wenig mit unseren Smartphones im Internet, schließlich wollen wir nicht unangenehm auffallen und außerdem müssen wir uns dann auch nicht unterhalten. Als ich mit meinem Kuchen zu 56% durch bin flackert plötzlich das Licht mehrmals und dann wird es ganz still und etwas dunkler. Keine Musik, keine Klimaanlage, kein Radio, kein Pizzaofen, keine Kasse, keine Kühltheke, kein Internet, immer noch keine Gespräche…

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Die sichtlich genervte Kassiererin ruft nur aus „Oh my god, welcome to Escalante…“ Mit der letzten Hitze des Backofens kann der Koch noch zwei Pizzen zubereiten. Sandras Sandwich hatte er schon kurz vorher im Ofen gehabt. Nach ein paar Minuten kommt er schließlich aus der Küche und sieht etwas ratlos aus. Zwei hungrige Wanderer haben sich eine Pizza bestellt, aber ohne Strom kann sie nicht gebacken werden. Doch das junge Paar am Nachbartisch erkennt den Ernst der Lage und so teilen sie sich die letzte Pizza die der Ofen noch hergegeben hat. So ist das hier im Südwesten der USA, hier wird nicht lange herumgemacht, hier hält man zusammen und hilft sich gegenseitig!

Die Kellnerin macht sich mit Papier und Kugelschreiber daran zu notieren wer was auf dem Teller hat und was letztlich zu bezahlen sein wird. Als wir später unseren Zettel erhalten gehen wir damit zur Kasse die auch nicht mehr funktioniert. Dort sitzt ein junge Frau die sehr gelassen mit der Taschenrechner-App auf ihrem Smartphone ausrechnet was wir zu bezahlen haben.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Als wir im Motel eintreffen ist dort auch alles dunkel. Es gibt keine Heizung, kein Fernsehen, kein heißes Wasser in der Dusche, uns bleibt nur der Strom der Akkus unserer Notebooks. Als diese schließlich auch erschöpft sind versuchen wir mal wieder miteinander zu sprechen und siehe da, es klappt noch! Wir haben es nicht verlernt, trotz der Segnungen durch Facebook, Twitter, Google+, WordPress, flickr, 500px und was es nicht alles sonst noch auf der Welt gibt. Oder vielleicht sollte ich sagen: „…außerhalb von Escalante gibt“ :-)

Irgendwann am Abend ist schließlich der Strom wieder da. Bei SyFy läuft auch sofort irgend ein Unsinn mit Piranhas aus grauer Vorzeit und statt zu Reden kann ich wieder still und leise diesen Artikel veröffentlichen, das Leben kann so schön sein :-)

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm


USA-2014 – Tag 21,5 – Shafer Trail

Als ich im Jahr 2009 das erste Mal am Horse Shoe Bend in der Nähe von Moab war, kamen mir einige große blaue Flächen irgendwo tief unten im Canyonlands National Park ziemlich mysteriös vor. Es hat eine Weile gedauert bis mir klar wurde, dass dies eine “Mine” ist und dass dort Kaliumcarbonat bzw. Pottasche oder wie man es hier nennt Potash gewonnen wird. Pottasche ist vielseitig einsetzbar, von der Herstellung von Seife bis hin zur analogen Fotografie wird es weltweit eingesetzt. Die Gewinnungsanlage nahe Moab existiert noch nicht wirklich lange und es wurde speziell für den Abtransport des Kaliumcarbonats die vorhandene Eisenbahnlinie verlängert. Außerdem wurde die Straße am Colorado River die zur Gewinnungsanlage führt besonders gut ausgebaut, so dass sie von schweren Trucks problemlos befahren werden kann.

Diese blauen Seen geistern mir nun also schon lange Zeit im Kopf herum und heute ist der Tag an dem ich sie mir genauer anschauen möchte. Als die größte Hitze des Tages vorbei ist mache ich mich auf den Weg, es ist fast 18h (6 pm) und die Sonne steht schon tief. Nach einigen Kilometern erreiche ich das Ende der Bahnlinie und die dort neu gebaute Abfüllungsanlage. All das lasse ich einfach rechts liegen und fahre weiter auf der Straße die sich noch ein wenig idyllisch am Colorado River entlang windet. Dann geht diese Straße schlagartig in eine recht raue Schotterpiste (Gravel Road) über. Ein paar Kilometer später bin ich tatsächlich bei der Gewinnungsanlage.

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Der Zugang zur Anlage ist eigentlich verboten, aber das Tor ist nur angelehnt. Also parke ich direkt daneben und schnappe mir meine Nikon D800E mit dem AF-S 2,8/14-24mm das ich in den letzten Wochen fast ausschließlich benutzt habe.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner kleinen Fotosession geht es weiter, ich habe ein Hinweisschild zum legendären Shafer Trail gesehen und dem will ich ein paar Kilometer weit folgen. Die Straße ist recht gut befahrbar und es sind schon Leute mit Autos ohne Allradantrieb hier entlang gefahren. Diese Straße sollte für einen reinrassigen Geländewagen wie meinen GMC YUKON kein Problem darstellen. Zwar hat er keine Differentialsperre, aber bei meinen ersten Off-Road Tests hat er sich bereits bestens bewährt.

Etwas oberhalb der Gewinnungsanlage hat man dann auch einen grandiosen Blick auf die im letzten Abendlicht rot aufleuchtenden Tafelberge und die dahinter im Dunst gelegenen La Sal Mountains.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Einige Minuten später erreiche ich dann einen Aussichtspunkt der es wirklich in sich hat. Direkt neben mir unten in der Schlucht lockere 200 Meter tiefer fließt der Colorado River in Richtung Las Vegas. Ich laufe ein wenig an der nicht gesicherten Kante entlang und bin einfach nur sprachlos was die Natur in vielen tausenden von Jahren hier geschaffen hat. An meinem Auto habe ich vergessen das Licht abzuschalten. Irgendwann bin ich soweit weg, dass es mit auf das Bild passt und diese Perspektive gefällt mir wirklich gut weil das winzige Auto neben dem majestätischen Fluss einen tollen Maßstab bildet.

Colorado Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Es geht weiter und auf meinem GPS kann ich sehen, dass der Shafer Trail gar nicht mehr so extrem lang ist. Also beschließe ich ihn bis zum Ende zu fahren, allerdings in der umgekehrten Richtung die von “normalen” Touristen eingeschlagen wird.

Shafer-Trail-Moab-Utah

Es gibt einen Abschnitt der wirklich heftig ist und bei dem es steil mit einigen Spitzkehren bergauf geht. Die Straße ist dort nicht gesichert und nur eine staubige Holperpiste. An den meisten Abschnitten passt auch nur ein Auto auf diese “Straße”, bei Gegenverkehr muss man schauen wie man an den Ausweichstellen klarkommt die jeweils einige hundert Meter von einander entfernt verfügbar sind. Hier gilt es auf engstem Raum etwa 200 Höhenmeter zu überwinden und das auf einem besseren Feldweg. Das ist nicht jedermanns Sache und meine Sandra dürfte heute nicht neben mir sitzen. Ich bin sehr froh, dass sie wegen ihrer Kopfschmerzen im Hotel geblieben ist. Andernfalls hätte sie sicher an einigen Stellen hysterisch “Aaaaannnsssgaaaaaaarrr” geschrien. So kann ich laut Country-Musik hören und mein kleines Abenteuer in vollen Zügen genießen.

Daran, dass es gleich neben mir steil in die Tiefe geht darf ich allerdings auch nicht denken. Auf diesem Bild aus dem Jahr 2009 sieht man sehr schön wie der Shafer Trail sich aus dem Tal die Klippe hinauf windet. Ganz rechts kann man Teile der “Straße” erkennen. Es ist schon krass wie es dort in die Tiefe geht und dass hier nicht täglich die Touristen aus aller Welt abstürzen…

Shafer Trail - Nikon D2x

Nach etwa vier Stunden treffe ich wieder in Moab ein. Mit einige kurzen Fotostopps kann man den Shafer Trail also an einem Nachmittag bequem bewältigen. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass solche Abenteuer mit einem Mietwagen grundsätzlich nicht erlaubt sind. Fährt man hier den neuwertigen Wagen zu Schrott so werden sich die Mitarbeiter der zuständigen Versicherung lachend auf die Schenkel schlagen weil sie eben keinen einzigen Cent des entstandenen Schadens übernehmen müssen. Wer hier einen Wagen wie meinen gemieteten GMC YUKON komplett zerlegt, wird rund 50.000 Euro für sein Off-Road Abenteuer bezahlen müssen.

Meistens passiert nichts und die Straßen sind grundsätzlich ja auch sicher und befahrbar, nicht umsonst mieten sich alle Touristen einen 4×4 (Four by Four) mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) um eben solche Pisten zu fahren. Aber man sollte sich trotz allem immer wieder bewusst machen, dass ein schweres Gewitter besonders unbefestigte Straßen schnell unpassierbar machen kann. Im einfachsten Fall bleibt man stecken und muss vielleicht lange Zeit auf einen extrem teuren Abschleppdienst warten. Im schlimmsten Fall gerät man in eine Schlammlawine oder rutscht in eine Felsspalte. Wenn man es überlebt ist es halb so wild, dann wird es eben einfach nur so richtig teuer. Aber es verlieren in diesen Parks auch regelmäßig unaufmerksame Touristen ihr Leben.

Im Film 127 Hours von Danny Boyle wird beispielsweise die wahre Geschichte eines Mannes nachgezeichnet der hier in genau diesem Park beim Wandern in eine Felsspalte gestürzt ist und sich dabei mit einem dicken Felsbrocken den rechten Unterarm eingeklemmt hat. Er hat 127 Stunden lang auf Hilfe gewartet die nicht gekommen ist. Schließlich hat er sich mit einem stumpfen kleinen Messer den rechten Unterarm selbst amputiert und seinen “kleinen Ausflug” mit viel Glück überlebt.

Wer sich auf Abenteuer wie den Shafer Trail einlässt sollte das alles im Kopf behalten und es nicht wie ich kurz vor Anbruch der Dunkelheit wagen. Ich habe in den letzten Jahren viel Erfahrung auf einsamen Off-Roads gesammelt und kenne auch den Shafer Trail von meinem Besuch im Jahr 2009. So war das Risiko heute sehr überschaubar. Wer hier aber fremd ist und ein wenig Zeit für das Fotografieren haben möchte, der sollte besser 5-6 Stunden einplanen und dementsprechend rechtzeitig vor Sonnenuntergang losfahren.

Morgen geht es dann weiter nach Escalante. Schauen wir mal was und dort erwartet :-)


USA-2104 – Tag 21 – Snapshot day in Moab

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Als ich am Morgen wach werde ist es schon fast 9h. Sandra hat schon Hunger und wenn ich genau in mich hinein höre, geht es mir genauso. Schnell geht es unter die Dusche und dann zum Frühstück zu Denny’s. Dort begrüßen uns die Kellner schon ganz freundlich denn langsam werden wir als Stammgäste identifiziert. Nach dem Frühstück bin ich satt und faul und da tut es gut ein wenig Zeit mit meinem Mac im Garten vor dem Motel zu verbringen und den letzten Tag in einem Artikel zusammenzufassen. Während dessen ist Sandra zu Fuß auf Einkaufstour. Sie ist etwa 3h unterwegs und als sie zurück ist haben wir beide schon wieder Hunger. Man könnte sagen, dass wir aktuell zu 110% im Urlaubsmodus sind.

Inzwischen knurrt langsam wieder der Magen. Sandra hat auf ihrer Wanderung ein sehr cooles Restaurant mit dem ebenfalls coolen Namen “ZAX” entdeckt. Zu Fuß, was eigentlich ungewöhnlich ist, geht es zum ZAX. Weil ich von Moab noch gar keine Fotos habe entschließe ich mich zum “Tag der offenen Blende” oder auch “Day of the open aperture”. Mit dabei habe ich daher lediglich meine Nikon D800E und die “Königin des unscharfen Hintergrundes” das Nikkor AF-D 1,4/85mm mit einem B&W Polfilter. So bewaffnet geht es los…

Als wir bei der Tom Toll Gallery ankommen bitte ich meine Sandra mich doch auch mal zu fotografieren und zwar genau vor der Galerie des großen Meisters. Was für ein Moment :-) Man beachte auch die gepflegte Freistellung und den dezent unscharfen Hintergrund, das geht so nur mit diesem Objektiv!

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Auf dem weiteren Weg zum ZAX fallen mir überall kleine Details aus die für diesen Ort so typisch sind und das Flair von Moab ganz wesentlich ausmachen. Man beachte jeweils die dezenter Freistellung der Hauptmotive, also die Unschärfe im Vorder- und Hintergrund!! Die meisten Fotos habe ich bei Blende 1,8 bis Blende 2,8 aufgenommen. Dieses Objektiv ist wirklich außergewöhnlich!

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Dies ist eine sehr typische Straßenszene in Moab. Hier ist alles unterwegs was man sich vorstellen kann. Total verdreckte Off-Road Geländewagen, kraftstrotzende Cabrios und brave Familienkutschen.

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Die Straßenkarte der Innenstadt ist mehr als übersichtlich :-)

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Beim nächsten Foto habe ich die gelbe Werbetafel anvisiert und die Kamera dann am nach oben gereckten Arm mehrmals ausgelöst. Dabei ist diese schöne Straßenszene entstanden.

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Die Schaufenster des Ortes sind übervoll mit Hüten und anderen Artikeln die das Leben als Cowboy so richtig lebenswert erscheinen lassen :-)

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Nach dem extrem guten Burger geht es zu Fuß zurück zum Motel. Gleich neben der Galerie von Tom Till ist ein kleiner Fotoladen auf dem mir der “Nikon” Schriftzug ins Auge fällt, der exakt das gleiche Gelb hat wie das Schild über der Tom Till Gallery! Das ist wieder ein Motiv für meine Bokeh-Königin :-)

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Moab ist definitiv die Spaßstadt der aktiven Amerikaner. So viele Geschäfte für die aktive Freizeitgestaltung findet man an anderen Orten nur sehr schwer.

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Es ist immer wieder erstaunlich wie plastisch sich selbst recht weit entfernte Motive wie dieses Szenerie mit dem 1,4/85mm abbilden lassen.

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Kurz bevor wir das Adventure Inn erreichen kommen wir wieder bei M.O.Y.O vorbei. Das ist die MOab YOghurt Company. Hier gibt es aus 4+3 Zapfhähnen unterschiedliches Sorbet auf der Basis von Yoghurt. Man geht einfach hinein, schnappt sich einen Becher in der mittleren oder größeren Größe, zapft sich das Eis das man haben möchte, geht zur Theke mit dem “Toppings” und wählt zwischen etwa 20 verschiedenen Dekorationen aus. Es gibt Gummibärchen, Nüsse, Sonnenblumenkerne, fein geschnittene frische Erdbeeren, allerlei Waldbeeren, es ist sicher für jeden etwas dabei. Hat man das Eis in seinem Becher gebührend verziert stellt man den Becher auf eine Waage und bezahlt genau das was man sich genommen hat. Die Inhaberin ist etwas überrascht, dass wir so genau wissen wie alles funktioniert, normalerweise muss sie scheinbar deutschen Touristen wie uns das Vorgehen immer wieder erklären. Als sie hört, dass wir schon dort waren und wissen “wie der Hase läuft” grinst sie nur und ich bezahle etwas über 9$ für zwei sehr große Portionen Yoghurt-Sorbet – lecker…

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Während wir das süße Halbgefrorene auf der Veranda vor dem M.O.Y.O. verputzen, fällt mir der über und über mit Aufklebern gespickte alte rote Wagen auf. Im Hintergrund sieht man eine der zahlreichen Vermietstationen für die hier sehr beliebten ATVs (All-Terrain-Vehicle).

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Gleich auf der anderen Straßenseite ist eine der besten Locations für ein extrem gutes Frühstück.

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Kurz drauf hält dort der mit dem hier so typisch rotem Schlamm eingesaute SUV von der Ampelszene weiter oben.

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Kaum haben wir uns auf den Weg zum Adventure Inn gemacht, da biegt aus einer Seitenstraße dieses extrem coole Auto auf die Hauptstraße ab. Meine D800 ist sofort startklar und mein so inniglich geliebtes Portrait-Objektiv löst auch hier das Auto so unglaublich gut aus der Umgebung heraus, dass man fast meinen könnte es wäre eine Miniatur.

Im Gegensatz zu den übrigen Fotos habe ich dieses Bild nicht auf 1000 Pixel Kantenlänge, sondern auf 1920 Pixel Kantenlänge verkleinert. Schaut es mal in Ruhe an, dieses Auto ist der Hit…

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Die Anbieter für Ausflüge und Abenteuer ziehen sich durch die gesamte Stadt. Wer hier seinen persönlichen Kick nicht findet, der ist sicher selbst schuld :-)

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Zurück am Adventure Inn macht sich dann auch einer unser Nachbarn auf den Weg zur nachmittäglichen Genusstour.

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So vergeht dann fast ein ganzer Tag ohne die Hatz nach dem perfekten Foto. Irgendwie sind gepflegte Knipsbilder auch ganz schön.


USA-2014 – Tag 20 – Onion Creek Canyon

False Kiva #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Meine dritte Woche in den USA neigt sich dem Ende zu. Den Tag haben wir bei großer Hitze relativ beschaulich vertrödelt. Sandra war ein wenig Einkaufen, ich habe mich ausgeschlafen und zur Mittagszeit haben wir uns in den kleinen Garten vor dem Motel zwischen vier schattenspendende Bäume gesetzt und einen Salat verspeist den wir uns zuvor im sehr gut sortierten Moab Citymarket gekauft hatten. Nach dem Essen schaue ich noch ein wenig in meine Fotos die ich in der Nacht in der False Kiva aufgenommen habe und finde ein Bild das aus einer etwas anderen Perspektive aufgenommen ist. Es ist etwas früher entstanden als das Foto aus dem letzten Artikel und es gefällt mir auch recht gut.

Sandra hat der morgendliche dreistündige Ausritt bei der Red Cliffs Lodge so gut gefallen, dass sie heute in den Abendstunden gern die kleinere Tour reiten möchte. So packe ich mein Notebook zusammen und gegen 16h (4 pm) starten wir unseren schwarzen Geländewagen und fahren zur Red Cliffs Lodge.

Die Strecke zieht sich doch immer wieder ganz schön hin, aber die Landschaft ist so atemberaubend, ich könnte immer wieder durch das Castle Valley fahren. Nach etwa 30 Minuten sind wir bei der Red Cliffs Lodge. Wir parken in der Nähe des Hauptgebäudes, es gibt dort einen großen Besucherparkplatz und fragen an der Rezeption nach ob noch ein Platz für den abendlichen Ausritt frei ist. Sandra hat Glück, es sind erst 4 Personen angemeldet. Ich zahle 69 $ mit meiner Kreditkarte und wenig später bin ich schon wieder unterwegs in Richtung Osten auf der Straße durch das Castle Valley.

Red-Cliffs-Lodge-Moab-Utah

Während Sandra sich auf den Ausritt vorbereitet erreiche ich den Abzweig zum Onion Creek Canyon. Die Straße ist anfangs noch recht gut zu befahren, ändert sich aber schnell von einer Gravel Road zu einer schmalen holprigen Dirt Road.

Onion-Creek-Road-Moab-Utah

Die Landschaft wird immer grandioser, die Schlucht tiefer und die umgebenden Felsen höher. Auf dem Dach habe ich meine GoPro HD HERO 3+ und auf dem Armaturenbrett steht meine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1V1. Sie steht auf einem kleinen Taschenstativ und wird von der Halterung für mein Smartphone so gegen die Windschutzscheibe gedrückt, dass sie nicht wackelt und in Verbindung mit dem VR (Vibration Reduction) des 6,7-13mm Weitwinkel-Zooms ein tolles sschwarzweißes Infrarot Video aufnimmt. Damit sich die Helligkeit nicht ständig ändert habe ich die Belichtungsautomatik abgeschaltet und manuell 1/100s und Blende 11 bei ISO-100 eingestellt.

Auch die GoPro 3+ liefert nun endlich scharfe Bilder. Man sollte sie bei solchen Aktionen unbedingt in den Modus “Wide” bringen. Alles was ich bislang im Modus “Medium” oder “Narrow” gefilmt habe ist einfach nur unscharfer Matsch der leider komplett unbrauchbar ist. Die Einstellungen mit den engeren Blickwinkeln sind nur im Nahbereich zu gebrauchen. Dann liefern sie auch durchaus respektable Ergebnisse. Für ein Interview aus ca. 1m Entfernung ist “Narrow” eine wirklich geeignete Einstellung. Sobald man aber etwas filmen möchte was etwas weiter entfernt ist wird man eine große Enttäuschung erleben.

Hier habe ich eine kurze Video-Sequenz deren Upload trotz geringer 480p Auflösung bereits fast eine Stunde benötigt hat. YouTube ist nichts für Leute die in den USA auf dem Land leben…

 

Für mein Video-Bearbeitungsprogramm Final Cut Pro X gibt es diverse kostenpflichtige Plug-Ins mit denen sich die einem Fisheye sehr ähnliche Verzeichnung des GoPro-Objektivs in Verbindung mit dem Modus “Wide” recht gut korrigieren lässt. Dies ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit und brauchbare Videos mit einem fahrenden Auto oder Motorrad etc. aufzuzeichnen.

Nach etwa einer Stunde puren Off-Road-Vergnügens halte ich an einer Ausbuchtung an und mache meine Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm startklar. Die Sonne steht schon tief und dort wo sich am Boden die Grenze zwischen Licht und Schatten abzeichnet hat man immer wieder gute Gelegenheiten für interessante Gegenlichtaufnahmen. Hier kommt es sehr auf den Standpunkt der Kamera an, einige Zentimeter mehr oder weniger entscheiden darüber wie stark das Gegenlicht ist. Ich mag es wenn die Sonne fast komplett von einer Felskante verdeckt ist und nur ein kleiner Teil direkt ins Objektiv hineinstrahlt. So lassen sich in Verbindung mit Belichtungsreihen und meinem “Fingertrick” immer wieder interessante HDR-Aufnahmen erstellen.

Um einen Eindruck von den Dimensionen der Felswände zu bekommen, habe ich meine D800E an den “Straßenrand” gestellt und sie alle 10s ein Bild machen lassen. Während sie vor sich hin geknipst hat bin ich die Straße hinunter gelaufen und habe mich ganz hinten (wo die Sonne scheint) in die Kurve gestellt. Wer mich in diesem Bild findet hat einen Preis verdient, ich bin nur einige Pixel groß :-)

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Als die Uhr auf 17:30 (5:30 pm) vorgerückt ist packe ich alles zusammen und muss mit Entsetzen feststellen, dass während der kompletten Session das hintere rechte Seitenfenster geöffnet war. Das gesamte Auto ist von innen mit feinem roten Sand eingestaubt. Ohje, da werden die Leute von der Autovermietung ordentlich was mit dem Staubsauger zu tun haben…

Als ich wieder bei der Red Cliffs Lodge eintreffe bin ich vielleicht 3 Minuten zu spät um ein Foto der Gruppe bei ihrer Heimkehr aufzunehmen. Aber auf meinem GoPro-Video kann man die Freizeit-Cowboys noch kurz sehen wie sie die Ranch erreichen.

Nach dem Ausritt ist Sandra wieder der glücklichste Mensch der Welt, auch wenn sie der Meinung ist total verdreckt zu sein und nach Pferd zu riechen. Mir ist das egal, wir beide haben jetzt großen Hunger und wir steuern so direkt wie möglich das örtliche Denny’s Restaurant an. Hier waren wir jetzt schon mehrfach essen. Es geht schnell, schmeckt gut und ist nicht ganz so teuer wie in den “richtigen” Restaurants. Das Konzept hinter Denny’s ist irgendwie zwischen der richtigen Gastronomie mit Kellnern und gemütlichem Ambiente und einem McDonalds Restaurant angesiedelt. Die Einrichtung ist schlicht aber zweckmäßig und die Kellner sind freundlich und sehr zuvorkommend. Für eine leckeres Abendessen zu Zweit mit Getränken etc. zahlt man inkl. Trinkgeld etwa 30 Dollar, also umgerechnet etwa 22 Euro.

Zurück im Hotel geht es unter die Dusche und den Rest des Abends verbringen wir bei einem lauen Lüftchen zwischen den Bäumen auf der Wiese vor dem Motel. Später am Abend sind es noch 29°C, aber im Schatten der Bäume ist das sehr gut zu ertragen. Etwas nervig sind allerdings die jungen Typen mit ihren getunten japanischen Kleinwagen. Sie bremsen immer wieder fast bis auf Schrittgeschwindigkeit ab um dann mit enormem Getöse auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen. Dazu kommen alle paar Minuten Trupps mit knatternden auf Hochglanz polierten Harley’s vorbei. Zwischendurch ein lautes ATV und der ein oder andere LKW. Von den großen Trucks hört man meist nur ein dumpfes Grollen. Alles in allem ist es direkt an der Hauptstraße in Moab schon ziemlich laut, aber irgendwie auch interessant weil die vorbei fahrenden Fahrzeuge teilweise unglaublich cool aussehen.

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Während ich an meinem BLOG schreibe kommt Sandra mit einer Flasche importiertem Jägermeister und kleinen Schnapsgläsern um die Ecke. So kann man es hier echt aushalten. Während ich das eine oder andere Gläschen Jägermeister zu mir nehmen versuchen sehr gestandene Männer die Bremsanlage einer KTM zu entlüften. Sie geben wirklich alles, aber das Set bestehend aus Pumpe und Schläuchen das sie sich besorgt haben scheint nicht wie gewünscht zu funktionieren. Bis tief in die Dunkelheit werkeln sie im Licht ihrer Taschenlampen an dem reinrassigen Cross-Motorrad. Später holen sie noch einen Kompresser dazu. Am nächsten Morgen sind alle Cross-Motorräder wieder weg, es scheint letztlich doch noch geklappt zu haben.

Ich habe die abendliche Zeit nicht genutzt um “MEINEN TRAUM” von der False Kiva letztlich mit Photoshop zu realisieren. Trotz aller Anstrengungen und Mühen habe ich es nicht geschafft die False Kiva UND die Milchstraße auf ein Bild zu bannen. Also habe ich eine Montage aus zwei separaten Bildern erstellt die so aussieht wie ich mir mein Foto aus der False Kiva seit langem wünsche.

False Kiva & Milky Way

Grundsätzlich sollte es möglich sein ein ähnliches Foto mit nur EINEM SCHUSS zu erstellen. Aber dazu braucht es die richtige Jahreszeit und einen komplett klaren Himmel und vor allem “Neumond”. Denn sobald der Mond den Himmel erleuchtet ist es viel zu hell um die Milchstraße sehen zu können. Da ich hier leider keine 6 bis 12 Monate verbringen kann um dieses Foto “an einem Stück” aufzunehmen muss vorerst (??) diese Fotomontage genügen. :-)

Nach einer Flasche Bier und einigen Gläschen Jägermeister habe ich schließlich die richtige “Bettschwere” und verzichte für heute auf ein nächtliches Abenteuer. Der anstrengende nächtliche Ausflug zur False Kiva steckt mir zudem noch tief in den Knochen.


USA-2014 – Tag 19 – Nachts in der False Kiva

Der in Moab ansässige Fotograf Tommy Till war einer der Ersten, vielleicht sogar DER erste Fotograf der Fotos aus der False Kiva im Canyonlands National Park bereits vor vielen Jahren veröffentlich hat. In seiner Galerie in Moab ist dieses Foto bis heute eines der Highlights der Ausstellung. Tom Till hat damals eine schwere und handliche Großformat-Kamera mit Planfilmen benutzt und auf der Basis dieser Vorlagen exorbitante Vergrößerungen erstellt. Diese hochwertigen großen Vergrößerungen auf “richtigem Fotopapier” können in seiner Galerie bewundert und zu Preisen ab ca. 2.000$ erworben werden.

Bildschirmfoto 2014-05-20 um 12.15.25

Als ich im Jahr 2009 sein Foto der False Kiva zum ersten Mal sah, hat es mich regelrecht umgehauen. In den Tagen danach habe ich lange im Internet recherchiert um herauszufinden wo Tom Till dieses Foto aufgenommen hat. Schließlich habe damals ich einige GPS Koordinaten gefunden und in den letzten Jahren die False Kiva mehrfach besucht. Nach vielen hundert Fotos muss ich aber sagen: “Tom Till is the Master!” Sein Foto der False Kiva schlägt einfach alles was ich bislang an Fotos der False Kiva gesehen habe.

Bildschirmfoto 2014-05-20 um 12.16.04

Als ich die False Kiva das erste Mal besucht habe war der Himmel über dem Canyonlands National Park langweilig und ohne Ausdruck. Aber bereits an diesem Tag war mir klar, dass eine Wanderung zur False Kiva mit den steilen Ab- und Aufstiegen durch teilweise abenteuerliche Geröllfelder nicht ganz einfach ist. Trotzdem bin ich in den letzten Jahren immer wenn ich die Gelegenheit hatte wieder zur False Kiva abgestiegen, weil mich diese Location über alle Maßen fasziniert. In diesem Jahr habe ich mir für das Shooting in der False Kiva sogar ein neues Objektiv, das Nikon AF-S 2,8/14-24mm zum Preis von 1.600 € gekauft.

Am Abend des 19. Mai ist es dann wieder soweit. Zur Sicherheit gebe ich erneut die Koordinaten der False Kiva und des Parkplatzes sowie des Einstiegs in den Wanderweg in mein Garmin Colorado 300 ein. Ein echter ausgeschilderter Wanderweg ist es allerdings nicht, es ist eher ein schmaler Trampelpfad.

Gegen 22h am Abend (10 pm) geht es wieder los zur False Kiva. Mit dabei habe ich mein großes leichtes SIRUI M3204 Carbon Stativ mit dem SIRUI K30-X Kugelkopf. Außerdem meine Nikon D800E mit Nikon MC-20 Kabelauslöser und einigen Objektiven – Sicher ist Sicher!

Der Weg vom Adventure Inn Motel zum inoffiziellen Trailhead ist etwa 60 Kilometer lang und man fährt etwa eine Stunde. Am wichtigen Abzweig zum Upheaval Dome fahre ich in der Dunkelheit versehentlich voll vorbei, bemerke es aber schon einige hundert Meter später, weil ich ja mein GPS an der Scheibe kleben habe – sehr praktisch!! Also heißt es den großen Wagen auf der schmalen Straße zu wenden und den richtigen Weg einzuschlagen. Etwa 10 Minuten später habe ich den Trailhead erreicht. Von den vielen Kurven ist mir nicht ganz wohl im Magen, ich fühle mich als wäre ich zweimal mit einer Achterbahn gefahren, aber es hilft ja nichts… Also werden die Schuhe ordentlich geschnürt, die Fotoausrüstung gecheckt und dann geht es auch los. Für den Fall der Fälle habe ich heute mal eine Mütze dabei, die ich aber nicht brauchen werde. Da die Geröllfelder schon bei Tageslicht nicht einfach zu überwinden sind, werden heute auch meine gefederten LEKI Carbon-Wanderstäbe aktiviert.

Außerdem habe ich eine kleine Camping-Lampe dabei die ich für 0,99$ vor einigen Tagen in einem Walmarkt gekauft habe. Diese kleine Lampe ähnelt einem Kugelschreiber und man kann sie sich sehr gut an seine Jacke oder das Hemd klemmen. In meiner rechten Hand habe ich zusätzlich zum Wanderstab eine LED Lenser P7  Taschenlampe und ein Päckchen mit Reserve-Batterien. Vom Parkplatz geht es zunächst etwa 500 Meter zurück und dann nach rechts den Trampelpfad entlang. Der erste Teil des Weges ist sehr einfach zu gehen und auch in der Dunkelheit leicht zu erkennen. Nach einigen hundert Metern beginnt es dann aber schwierig zu werden. Man muss nun eine unwegsame Passage mit vielen Felsen überwinden auf denen sich die Fußspuren verlieren und man schnell in die falsche Richtung läuft. Auch wenn ich nun schon mehrfach hier war, in der Dunkelheit bin ich ziemlich ratlos. Aber schließlich schaffe ich es anhand einiger “Steinmännchen” (Waypoint-Marker) diesen Abschnitt zu überwinden. Nach etwa 30 Minuten bin ich an der Klippe angekommen und nun beginnt der schwierige kräftezehrende Abstieg durch das chaotische Geröllfeld. Die False Kiva ist eine wundbare Höhle die inmitten einer steilen Klippe liegt. Um sie zu erreichen muss man sie unterhalb passieren um dann durch losen Sand und Steine von Hinten wieder zum Ziel aufzusteigen.

Vor mir weiter unten kann ich Lichter sehen, ich werde hier heute also nicht allein sein. Das ist gut weil es in der Dunkelheit nicht ungefährlich ist. Hier zu stürzen und sich zu verletzten kann schnell das Ende bedeuten! Einige Minuten später kommen mir zwei drahtige gut trainiert Jungs mit Kopflampen entgegen. Sie halten kurz an und wir unterhalten uns kurz. Sie haben den Sonnenuntergang in der False Kiva fotografiert und sind jetzt auf dem Rückweg zu ihrem Auto. Sie erzählen mir, dass weiter vorn ein Mädchen unterwegs zur Höhle ist. Ziemlich verwundert setze ich mich wieder in Bewegung.

Einige hundert Meter weiter kann ich sie dann sehen, sie ist etwas oberhalb von mir und schon fast an der False Kiva angelangt. Plötzlich lösen sich einige etwa faustgroße Steinbrocken und rollen auf mich zu. Oh nein, jetzt keine Kopfverletzung schießt es mir durch das Hirn. Instinktiv wende ich mich ab, mache mich klein und halte meine Arme schützend hinter meinen Kopf. Aber die schweren Brocken schlagen einige Meter hinter mir auf. Puh, das ist ja noch einmal gut gegangen. Noch vorsichtiger mache ich mich wieder auf den Weg. Als ich schließlich reichlich verschwitzt und aus der Puste in der False Kiva ankomme sind dort zwei Jungs in ein Mädchen – Corinna, Chris und ein Freund dessen Namen ich leider vergessen habe. Chris fotografiert auch mit einer Nikon D800E, sein Freund benutzt ein Canon DSLR. Corinna begleitet ihre Freunde nur und vertreibt sich die langweilige Wartezeit mit ein paar Spielen auf ihrem iPhone.

Es geht los, ich nehme zunächst wieder einige Orientierungsfotos auf: ISO-25600, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. So kann man selbst in nahezu totaler Dunkelheit auf dem Display sehen welchen Ausschnitt die Kamera gerade “sieht” und ob das Objektiv korrekt fokussiert ist. Danach stelle ich ISO-1600 und Blende 4 ein. Weil meine D800E als längste Belichtungszeit nur 30 Sekunden ermöglicht, benutze ich den Timer des MC-20 Kabelauslösers. Damit sind Belichtungszeiten von 1s bis hin zu 10h möglich. Ich versuche es zunächst mit 2 Minuten, aber die Bilder sind unterbelichtet. Auch wenn sie in der Dunkelheit auf dem Display gut aussehen, so kann man im Histogramm doch sehen, dass es deutliche schwarze Bereiche ohne jegliche Zeichnung gibt. Bei 4 Minuten sehen die Bilder dann auf dem Display gut aus und das Histogramm ist so ausgewogen wie es sein sollte.

Damit in den Fotos wegen der langen Belichtungszeiten keine bunten “Hotspots” zu sehen sind, sollte man in der Kamera die Option “Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung” aktivieren. Diese Rauschunterdrückung benötigt allerdings exakt die gleiche Zeit die vorher für die Belichtung verwendet wurde. Bei 4 Minuten Belichtungszeit muss man also geschlagene 8 Minuten lang warten bis man etwas zu sehen bekommt und das bei einem schon recht hohen Wert von ISO-1600! Wirklich viele Fotos kann man so also in einer Nacht nicht aufnehmen und man sollte sich gut überlegen welche Perspektiven tatsächlich lohnenswert sind.

Weil wir zu dritt fotografieren und wir alle mit Taschenlampen hantieren ist es nicht ganz einfach das Geschehen zu koordinieren. Wird während einer Belichtungszeit von 4 Minuten eine extrem helle Taschenlampe wie meine P7 auch nur kurz eingeschaltet, so ist das Foto meist komplett ruiniert. Manchmal kann es ganz gut aussehen eine zusätzliche Lichtquelle zu haben, aber meistens eben nicht. So rufen wir uns auch immer wieder zu “Are you open?” “Yes I am open!” “Ok, now the noise reduction is active”.

Einmal kommt der Freund von Chris zu seiner Kamera zu rück und sagt “Oh, it’s thinking!” Ich verstehe es erst beim zweiten Mal, muss dann aber wirklich breit in die Dunkelheit hinein grinsen. Am Vortag am Marlboro Point ist kurz nach Mitternacht der Mond aufgegangen. Heute passiert es irgendwie nicht zur erwarteten Zeit. Mit meiner gelben kleinen Lampe haben wir die Struktur innerhalb der False Kiva so ausgeleuchtet, dass es ein wenig nach einem Lagerfeuer aussieht. Zusätzlich habe ich ganz rechts außen meine Handy mit eingeschalteter LED auf meinem Fotorucksack positioniert. Als dritte Lichtquelle leuchtet meine P7 direkt die rötliche Felswand an. Das reflektierte Licht ist jetzt nicht mehr fies blau, den es wird jetzt primär die Farbe der Wände reflektiert, so dass es sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt.

Irgendwann steht Chris neben mir und schimpft “I am unable to find a good composition!!” Er ist erst vor kurzem von einer Nikon D300 auf die D800E umgestiegen und hat noch kein wirkliches Weitwinkel für das größere FX-Format. Als ich ihm zeige wie meine Fotos bei 16mm Brennweite aussehen sagt er mehr aus Spaß “Do you have a second one?” Und tatsächlich habe ich mein Nikon AF-S VR 4/16-35mm im Fotorucksack – Sicher ist Sicher!! In der Dunkelheit kramen wir das Objektiv heraus und Chris montiert es an seine D800E. Allerdings schafft er es nicht korrekt, doch auch das ist nach einigem Augenblicken geklärt, am Objektiv ist der Autofokus abgeschaltet. Corinna hat eine sehr helle Lampe die mit vielen LED bestückt ist. Sie leuchtet für uns die Struktur der Höhle aus und mit dieser Hilfe funktioniert dann auch der Autofokus unserer Kameras. Nachdem alles korrekt fokussiert ist, schaltet sie die Lampe wieder aus, wir schalten den Autofokus auf Manuell und warten wieder geduldig ab bis die Rauschunterdrückung ihre Arbeit verrichtet hat.

Als gegen 2h der Mond die Landschaft unten im Canyonlands immer noch nicht wirklich so ausleuchtet wie ich es mir wünschen würde bin ich schwer enttäuscht, ich hatte mir mehr gewünscht. Langsam nähere ich mich von Bild zu Bild der Struktur innerhalb der Höhle und stelle an meinem Objektiv einen immer kürzere Brennweite ein, bis ich bei 14mm angekommen bin. So wirkt die Struktur im Vordergrund sehr dominant und man bekommt zusätzlich auch mehr Sterne auf das Bild weil die Kamera nicht etwa 3m von der Rückwand der Höhle entfernt ist und so besser aus der Höhle “herausschauen” kann.

Langsam aber sicher wird mir richtig flau im Magen. ich bin total übermüdet, habe nichts zu essen dabei und das lauwarme Wasser aus den beiden kleinen Plastikfläschchen vermag mich auch nicht wirklich aufzurichten. Mein Körper ist unterzuckert und ich würde mich am liebsten hier irgendwie flach hinlegen, aber hier sind überall Felsbrocken und Fotorucksäcke im Weg. Einige Fotos später muss ich aufgeben, mir geht es nicht gut und ich sollte jetzt schnellstens den Rückweg antreten wenn ich es heil zum Auto schaffen will. “Ok Folks, I need a beed and I think I’m leaving…” Das ist der Startschuss für den Abmarsch. Meine neuen Freunde packen auch alles zusammen, wir tauschen das 16-35mm Objektiv zurück und Chris sagt “Thank you my friend, you saved my life!” Das freut mich sehr und bestätigt mich wieder darin, dass es in den USA fast nur hilfsbereite wirklich freundliche Menschen gibt.

Es mag ja die Ausnahmen geben die wir in Film und Fernsehen präsentiert bekommen, aber ich selbst habe solche Menschen hier im gelassenen Süd-Westen der USA noch nicht erlebt.

Als ich endlich alles zusammen gepackt habe sind die Corinna, Chris und ihr Freund schon losmarschiert. Ich kann anhand der Position ihrer Lampen erahnen wo ich selbst entlang muss. 50 Jahre alt und ein untrainierter “Bürohengst” bin ich allerdings deutlich langsamer als diese jungen drahtigen Amerikaner. So wird der Abstand Imme größer und schließlich bin ich ganz allein mit meiner Taschenlampe in der unwegsamen Wildnis. Jeder Schritt fällt schwer und mir ist übel. Immer wieder muss ich anhalten und verschnaufen bevor ich meinen übergewichtigen Körper auf den nächsten steilen Felsbrocken hieve und das nächste schräge Stück Slickrock überwinde. Es kommt mir ein wenig vor wie bei meinem letzten Besuch auf dem Pico del Teide zusammen mit meinem Freund Ashraf aus München. Damals hatte ich auch nichts zu Essen und zu trinken dabei und wäre hoch oben auf dem höchsten Berg der Spanier beinahe kraftlos umgefallen. Damals hat mich unten in der Talstation ein Stück Kuchen und eine zuckersüße kalte Cola wieder aufgerichtet. Mir kommt die Szene aus dem Danny Boyle Film “127 Hours” in den Sinn als James Franko tagelang eingeklemmt hier im Canyonlands National Park ausharrt und sich in einer Traumsequenz die Flasche Gatorade aus dem Kofferraum seines Autos herbeisehnt. Jetzt ein kalte Cola, dafür würde ich echt was geben. Aber alles was ich habe ist eine kleine Flasche mit lauwarmem stillen Wasser…

Schließlich habe ich den steilen Anstieg hoch zur Klippe geschafft. Die kleinen Steinmännchen waren hier eine große Hilfe. Doch ich musste auch immer wieder stehen bleiben und mit meiner Taschenlampe das Terrain intensiv ableuchten um den nächsten Waypoint-Marker zu finden. Nun geht es etwa gemächlicher weiter, doch einige hundert Meter weiter verlieren sich wieder die Spuren im Sand. Es ist die Passage mit den vielen Felsen auf der ich mich bereits auf dem Hinweg etwas verirrt hatte. Die Batterien in meinem GPS sind fast am Ende, daher habe ich es bislang ausgeschaltet gelassen. So klettere ich in der Dunkelheit mit meiner Taschenlampe umher bis ich nach etwa 10 Minuten wieder ein kleines Steinmännchen finde. Die Erleichterung ist groß und es geht weiter. Am Horizont kann ich die Lichter meine Freunde sehen, es sieht aus als hätten sie einen völlig anderen Weg eingeschlagen.

Etwas später sind meine Reserven weitgehend aufgebraucht, ich kann eigentlich nicht mehr wirklich weiter. Da sehe ich nur einige hundert Meter weiter wie ein Auto hin und her fährt und die Lichthupe bedient. Das sind meine Freunde, die “Cave-Men” wie wir uns spaßeshalber genannt haben. Das ist wirklich hilfreich, denn so kann ich sehen wir die Straße ist. Doch das Gelände wird immer unwegsamer und weil es nicht mehr weit zum Auto sein kann schalte ich nun mein GPS ein um den restlichen Strom der Batterien sinnvoll zu nutzen. Das GPS braucht einen Augenblick um die neue Position zu bestimmen, dann kann ich auf der sehr detaillierten Karte sehen, dass ich einige hundert Meter nach rechts vom Hinweg abgekommen bin. Das ist sehr hilfreich und letztlich komme ich gegen 3h in der Nacht an meinem Auto an.

Ich bin völlig fertig und schaffe es nicht einmal einen Cräcker herunterzuwürgen. Mit einem weiteren Schluck des lauwarmen Wassers aus dem Kofferraum klappt es schließlich. Ich habe noch einige Äpfel im Kofferraum, aber selbst den kann ich nicht aufessen. Nach den ersten Bissen packe ich nur meine Sachen in den Kofferraum, schiebe die Pullover, Mützen und Jacken auf der Rücksitzbank etwas zusammen und versuche ein wenig zu schlafen.

Vor Kälte und zitternd werde ich etwa zwei Stunden später wieder wach. Es geht mir besser, aber das Thermometer zeigt nur noch 9°C. Tagsüber in Moab waren es 32°C und bei meiner Ankunft am “Trailhead” waren es noch 25°C. Ich bin in der Wüste und hier kann es nachts wirklich kalt werden. Leicht zitternd setze ich mich auf den Fahrersitz, nehme noch einen guten Schluck des inzwischen nicht mehr lauwarmen Wassers zu mir und starte den großen Achtzylinder.

Der Weg zurück zum Motel fällt mir wirklich schwer und ich muss mich sehr konzentrieren weil immer wieder schwarze Rinder mitten auf der Straße stehen oder kleine Hasen vorbeizusehen. Jetzt noch einen Unfall zu haben, das muss nicht sein. Als ich am Parkplatz in der Nähe des Mesa Arch vorbeifahre stehen dort schon mehr als 20 Autos, der Himmel über den La Aal Mountains ist schon gelblich eingefärbt und die Wolken über mir haben nun schon etwas mehr Kontur als während unserer Fotosession in der False Kiva. “Rudelknipsen am Mesa Arch” kommt es mir in den Sinn. Das habe ich auch schon mehrfach erlebt und dort trotzdem eines meiner bislang besten Fotos aufgenommen. Wäre ich nicht so sehr neben der Spur, ich würde die paar hundert Meter zum Mesa Arch laufen und das “magische rote Leuchten” statt mit 12 MPix nun mit satten 36,3 Megapixeln fotografieren. Aber es geht mir nicht gut und so muss ich auf dieses Gemeinschafts-Erlebnis heute leider verzichten. Aber mein Fotos aus dem Jahr 2009 ist mit der Zeit nicht schlechter geworden und so fällt es leicht einfach weiterzufahren.

Mesa Arch - La Sal Sunrise

Endlich im Motel angekommen schaffe ich es nur die Schuhe auszuziehen und falls saft- und kraftlos auf meine Matratze neben dem Bett in dem meine Sandra endlich einmal leise vor sich hin schnarcht. Als ich wieder wach werde bin ich allein und draußen scheint schon die Sonne. Kurz darauf öffnet sich dann auch die Türe und meine Sandra ist vom morgendlichen Einkaufsbummel zurück. Es ist schon nach 11h und die Zimmermädchen warten schon darauf, dass wir das Zimmer endlich räumen. Schnell springe ich unter die Dusche und bin erneut erstaunt welche regelrecht magische Wirkung Wasser doch haben kann. Trinkt man es lauwarm aus einer Plastikflasche ist es eher langweilig, aber wenn es mit gemäßigtem Druck auf den Kopf prasselt ist es wunderbar.

Gegen 12h sind wir dann im Dennis am südlichen Ende der Stadt. Als wir uns gerade hinsetzen steht plötzlich Chris neben uns. Ich bin derartig überrascht, dass mir fast die Worte fehlen. Wer mich kennt weiß, dass das nur sehr selten der Fall ist :-) Chris freut sich, dass ich es heil zurückgeschafft habe. Und ich bedanke mich dafür, dass sie mir mit dem Auto in der Nacht signalisiert haben wohin ich laufen muss. Sie selbst hatten sich auch etwas verirrt und sind einen recht weiten unwegsamen Umweg gewandert.

In der Nacht habe ich ihnen meine Visitenkarte gegeben und Chris hat sogar schon in meinen BLOG geschaut. Ich habe einen neuen Follower :-)

That’s why I love America…

Nachdem sich Chris verabschiedet hat ordern wir uns unser Frühstück und es gibt endlich süße Bluberry Pancakes, Rührei, Speck, Kartoffeln, Kaffee und last but not least ein Glas mit herrlich kalter Cola mit viel Eis. Das Leben als Amateurfotograf kann so schön sein!

Nach dem Frühstück sichte ich meine Beute und bin mit zwei Bildern ganz glücklich. All die Strapazen für nur ZWEI FOTOS!! Nun kann ich auch ermessen, warum Tommy Till seine exzellenten Fotos der False Kiva nicht zum Selbstkostenpreis verschenken kann.

Und hier ist es endlich, mein Foto des Tages aus der False Kiva zu nächtlicher Zeit :-)

False Kiva @ Night - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm


USA-2014 – Tag 18 – Nachts am Marlboro Point

This Night @ Marlboro Point #1

Es ist unsere zweite Nacht in Moab. Am Morgen habe ich kurz an der Rezeption nachgefragt ob vielleicht jemand ein Zimmer mit zwei Betten abgesagt hat, aber es ist noch zu früh. Sandra ist wirklich schlecht drauf weil sie während der gesamten Nacht kein Auge zu bekommen hat. Etwas später macht uns die Eigentümerin des Adventure Inn Motels den Vorschlag doch einfach eine Matratze neben das Bett zu legen und diese mit einem Bettlaken usw. zu beziehen. Wir willigen ein und Sandra freut sich auf die erste Nacht in der sie hoffentlich wieder richtig schlafen kann.

Wenig später treffen wir uns mit unseren Freunden Angenie und Peter aus Idahoe. Sie sind mit ihrem “Truck” unterwegs der mehr ein Wohnmobil mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) und Allrad-Antrieb (4×4 – Four by Four) ist. Gemeinsam lassen wir es uns im örtlichen “Old Jailhouse” richtig gut gehen. Dies ist wirklich der alte “Knast” aus der Zeit als hier noch die Desperados mit ihren Colts auf kleinen aber zähen Quarter-Horses die Gegend unsicher gemacht haben. Inzwischen gibt es dort ein leckeres Frühstück und das Restaurant ist so gut besucht, dass sich die Gäste in eine Warteliste eintragen lassen müssen. Angenie und Peter haben genau das kurz zuvor schon erledigt und so sind wir sehr schnell an der Reihe.

Nach dem Frühstück probieren kurz unsere neue Schlafgelegenheit aus. Dann geht es mit dem Auto zur Red Cliffs Lodge im nahe gelegenen wunderschönen Castle Valley. Dort buchen wir für Sandra ein “Horseback Adventure”. Sie wird am nächsten Morgen um 8h30 für drei Stunden in einer Gruppe von 8 Reitern und einem Guide auf einem Pferd das Castle Valley erkunden.

Später treffen wir uns erneut mit Angenie und Peter, diesmal zum Abendessen bei einem der vielen Mexikanischen Restaurants. Für mich gibt es einen Burrito mit grüner Sauce und etwas Sour Cream und Guacamole. Dazu ein Bier und der Tag ist gerettet. Ganz witzig ist, dass Angenie und Peter für eine Nacht im gleichen Motel eingecheckt haben und gleich zwei Zimmer weiter wohnen. Aber bereits am nächsten Tag werden sie weiter in Richtung Escalante reisen. Sandra und ich werden noch bis Donnerstag hier in Moab bleiben und dann vielleicht auch nach Escalante fahren. Dort könnten Sandra und Angenie einen gemeinsamen Ausritt buchen während Peter und ich vielleicht eine kleine Fotowanderung unternehmen.

Nachdem wir uns verabschiedet haben packe ich meine Fotosachen zusammen und mache mich selbst auf zum Marlboro Point.

This Night @ Marlboro Point #2

Eigentlich hatte ich geplant das Areal tagsüber zu erkunden um die nächtliche Anreise zu vereinfachen. Aber dann kam die Buchung des Pferde-Abenteuers dazwischen. So bin ich nun ganz allein in pechschwarzer Nacht unterwegs zu einer etwas abseits gelegenen Location. Sehr hilfreich ist dabei mein Garmin Colorado 300 das ich mit sehr detaillierten topografischen Karten bestückt habe. Doch selbst meine Navigations-Software “Copilot 9″scheint die Location zu kennen. Ich starte mal eine entsprechende Route und bekomme angezeigt, das sie unwegsame Streckenabschnitte enthält. Ok, darauf bin ich vorbereitet und genau deshalb habe ich den teuren großen Geländewagen gemietet.

Letztlich führt mich meine Navigations-Software aber direkt an einen Zaun mitten im nächtlichen Nirgendwo zwischen Dead Horse Point und Canyonlands National Park. Also geht es ein Stück zurück und nun verlasse ich mich lieber auf das topografische Kartenmaterial. So finde ich auch etwa 30 Minuten später einen Punkt wo ich mein Auto abstellen und den Rest des Weges bequem laufen kann.

This Night @ Marlboro Point #3

Mit dabei habe ich meine Nikon D800E mit dem Nikon AF-S 2,8/14-24mm und zusätzlich das alte aber extrem gute AiS 2,8/55mm Macro Objektiv. Außerdem habe ich einen Reserve-Akku, zwei Taschenlampen, eine Flasche Wasser, eine warme Jacke, Stativ, Reservebatterien, Kabelauslöser und mein HTC ONE samt Akkupack dabei. Während ich mit dem GPS in der linken Hand und der Kamera samt Stativ auf der rechten Schulter meinen Weg durch die nächtliche Wildnis suche leuchte ich den Boden mit meiner extrem hellen Taschenlampe des Typs “LED Lenser P7″ ab. Hier gibt es Skorpione, giftige Spinnen, Klapperschlangen und anderes Getier dem man lieber nicht begegnen möchte. Außerdem trage ich meine hohen Wanderstiefel und eine lange Hose die ich unten an den Stiefeln ganz eng zusammen geschnürt habe, damit nichts in das Hosenbein hineinkriechen kann.

Weil ich noch nicht weiß wo der eigentliche Marlboro Point ist und man in der Dunkelheit ohne Taschenlampe praktisch gar nichts sehen kann, halte ich zwischendurch immer wieder an und nehme bei allerhöchster ISO-Empfindlichkeit mit offener Blende und ca. 4s Belichtungszeit (ohne Rauschunterdrückung) einige schnelle “Orientierungsfotos” auf. So finde ich nach etwa 30 Minuten tatsächlich einen sehr guten Punkt für schöne Fotos. Ein großes Problem ist der kräftige Wind, der nicht nur allerfeinsten Sand mit sich bringt, sondern auch kräftig an Kamera und Stativ rüttelt. Um die Angriffsfläche zu verringern winde ich den Kameragurt um das Stativ und klemme ihn an der Halterung ein die normalerweise verwendet wird und das Stativ zusätzlich zu beschweren.

Nach einer kurzen Suche finde ich auch eine etwas windgeschützte Ecke wo sich mein Stativ aufstellen lässt und ich eine gute Sicht auf die “Needles” unten im Canyonlands National Park habe. Mit der Taschenlampe leuchte ich vorsichtig in alle Spalten und Ritzen zwischen den Steinen um sicher zu gehen, dass ich hier nirgendwo giftiges Getier überraschen kann. Aber alles ist “clean” und so kann die Fotosession beginnen. Anfangs ist es noch stockfinster und so muss ich bei ISO-6400 fast 2 Minuten lang belichten um überhaupt etwas auf den Chip zu bekommen. Später reduziere ich die ISO-Empfindlichkeit auf ISO-800 und belichte satte 12 Minuten. Das ist eine lange Zeit und da wird einem schnell langweilig, besonders wenn die notwendige Rauschunterdrückung nochmals ganze 12 Minuten verschlingt. 24 Minuten für nur EIN Foto, das bekommt man eigentlich nur Nachts hin :-)

Während ich drauf warte, dass die 12 Minuten endlich abgelaufen sind schaue ich mich etwas um und sehe ganz links von mir einen hellen Flecken am Horizont. Bei genauerer Betrachtung ist es der Mond der gerade hinter den Bergen in der Ferne aufgeht. Innerhalb von etwa 6 Minuten ist er komplett zu sehen und hat etwa während der Hälfte der Belichtungszeit meines Fotos die Szenerie ausgeleuchtet. Nun beginnt das bange Warten während die Rauschunterdrückung ihre Arbeit verrichtet. Am Ende ist das Foto entstanden das ich ganz oben in diesen Artikel eingefügt habe.

Während der Mond höher und höher steigt treten die vielen Millionen Sterne leider in den Hintergrund. Der Mond überstrahlt einfach alles. Die erhofften Fotos mit der Milchstraße über dem Marlboro Point gibt es heute also nicht. Aber statt dessen entstehen trotzdem eine sehr schöne Fotos die man erst beim zweiten Hinschauen als “Nachtaufnahmen” erkennt. Als ich meine alles “im Kasten” zu haben lasse ich mich doch noch einmal hinreißen trotz der staubigen Umgebung das Objektiv zu wechseln. Von einem etwas anderen Standpunkt aus entstehen nun noch einige Fotos mit dem alten Nikon AiS 2,8/55mm Micro Nikkor. Später muss ich feststellen, dass mir dieser etwas engere Blickwinkel auch gefällt und dass es durchaus die richtige Entscheidung war dieses Objektiv in die Jackentasche zu stecken.

This Night @ Marlboro Point #4

Zurück beim Auto nehme ich noch ein paar “Making Of” Fotos auf und setze mich im Auto abermals für etwa 30 Minuten vor meine Kamera um etwas Material für ein weiteres  YouTube-Video zum Thema “Fotografieren bei Nacht” aufzunehmen. Anschließend geht es über die teilweise extrem anstrengende Off-Road Piste zurück zum Adventure Inn nach Moab. Dort angekommen ist Sandra trotz allem noch wach. Sie kann derzeit einfach nicht gut schlafen. Ich habe alles gegeben um ihr einige Stunden mit ruhigem Schlaf zu gönnen, nun ist sie an der Reihe… Gegen 5h mache ich schließlich die Augen zu und als ich um 8h30 wieder wach werde bin ich allein. Sandra hat mich nicht geweckt um zur Red Cliffs Lodge gefahren zu werden sondern sie hat sich die Autoschlüssel geschnappt und ist selbst gefahren. Das mag ich an ihr, sie ist manchmal wirklich völlig unkompliziert.

This Night @ Marlboro Point - Making Of

So beginnt der dritte Tag in Moab mit der Sichtung meiner nächtlichen Beute. Auch wenn ich die erhofften Fotos mit der Milchstraße nicht hinbekommen habe, so sind dennoch einige wenige sehr coole Fotos entstanden die für alle Mühe und das nächtliche Abenteuer entschädigen.

Heute ist Montag, wir werden Moab am Donnerstag verlassen. Es ist also noch etwas Zeit für weitere Abenteuer. Vielleicht knöpfe ich mir den Delicate Arch im nahegelegenen Arches National Park auch einmal bei Nacht vor, schauen wir mal…


USA-2014 – Tag 15 – Grand Teton National Park

Es ist Freitag der 16. Mai und es ist unser letzter Morgen in Cody Wyoming. Weil es am letzten Abend wegen der erschreckend weiten Wege im Yellowstone National Park wieder sehr spät geworden ist, schlafen wir lange aus und brauchen fast bis 11h bis wir endlich startklar sind. Bevor es losgeht verabschiede ich mich noch bei Petra vom Cody Cowboy Village. Sie gibt mir noch die E-Adresse des Motels und bietet an bei Fragen rund um das Reisen im Yellowstone National Park behilflich zu sein.

Falls jemand von Euch Fragen haben sollte, so kann er sich sicher auch an Petra wenden:

  • ccv@tctwest.net

Weil der Weg nach Moab in Utah landschaftlich sehr reizvoll aber auch sehr weit ist, haben wir uns entschlossen in Rock Springs / Wyoming einen Zwischenstopp einzulegen.

Bildschirmfoto 2014-05-17 um 20.15.14

Unsere Reise führt uns ein letztes Mal durch den wunderbaren Yellowstone National Park. Es liegt noch immer viel Schnee, aber es ist in den letzten Tagen bereits viel abgeschmolzen. Besonders in den Höhenlagen türmen sich die Schneemassen aber teilweise noch mehr als ca. 2 Meter hoch auf. Am Yellowstone Lake legen wir eine Pause ein. Der See ist nun schon teilweise eisfrei und die wunderbaren Wolken spiegeln sich sehr schön in der spiegelglatten Wasseroberfläche. Das ist doch ein Foto wert…

Mirror Lake #1 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Es geht weiter in Richtung Westen bis wir den Abzweig nach Süden zum Grand Teton National Park erreichen. Hier liegt fast kein Schnee mehr und wir sind guter Dinge, dass es auch sp bleiben wird. Aber dann steigt die Straße über viele Kilometer steil an und mit ihr die weißen Ränder links und rechts der Straße. Schließlich erreichen wir einen Pass der annähernd 3.000 Meter hoch ist. Kurz darauf kommt dann der wunderschöne verschneite Gebirgszug mit den Grand Tetons ins Bild. Als wir einen Abzweig zu einer kleinen Bucht sehen biege ich spontan nach rechts ab. Als ich wenig später an einem traumhaft schönen einsamen Strand stehe staune ich nicht schlecht wie sehr dieser Anblick doch dem berühmten Foto von Ansel Adams gleicht.

Es ist Zeit meine Nikon D800E und das AF-S 2,8/14-24mm auszupacken…

Mirror Lake #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Eigentlich ist das Licht eher bescheiden und wenn ich jetzt allein wäre würde ich sicher warten bis die Sonne hinter der Grand Tetons verschwindet und den Himmel (hoffentlich!!) wunderschön einfärbt. Aber ich ich bin jetzt in Begleitung und meiner Sandra will ich es nicht zumuten drei oder vielleicht auch vier Stunden auf ein einziges Foto zu warten. Also nehme ich Belichtungsreihen auf und schaue später am Abend was sich daraus zaubern lässt. Mit ziemlich viel Nacharbeit in Photoshop entsteht schließlich ein völlig surreales Abbild des Sees und der Grand Tetons. Es ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber ich mag es :-)

Mirror Lake #3 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Besonders nach der Konvertierung mittels NIK Silver Efex macht es ein sehr gute Figur. Nun erinnert es mich schon fast an Ansel Adams :-)

Grand Tetons in Ansel Adams Style

Als wir ins Rock Springs eintreffen ist es schon dunkel und die ersten Motels die wir ansteuern sind alle ausgebucht. Schließlich finden wir im Motel 8 ein einfaches aber zweckmäßiges Zimmer zum Preis von 64$ – also ca. 50 Euro. Dort werden noch schnell die Fotos des Tages auf Festplatten kopiert und dann geht auch schon das Licht aus.


USA-2014 – Tag 12 – Yellowstone Reloaded

Yellowstone NP #4 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm - HDR

Es ist der 12. Tag in den USA und heute werde ich meine Sandra in Billings Montana abholen. Wir haben uns per SMS um 12h im Best Western in Billings verabredet. Aber Achtung, Billings ist kein Dorf und es gibt gleich VIER verschiedene Best Western Hotels!! Als ich um kurz nach 10h in Cody starte scheint die Sonne und es sind etwa 13°C. Eigentlich noch relativ kühl, aber im Auto bemerkt man davon nichts. Auf dem Weg nach Billings nehme ich mit meinem HTC ONE ein kleines Video auf und bin während ich da erzähle was ich so in den letzten Tagen erlebt habe vollkommen hingerissen von der einzigartigen Kombination aus Weite, Bergen, Schnee und Licht.

In Billings angekommen lande ich irgendwie in einem Industriegebiet, aber nicht am Best Western Clock Tower Hotel in der First Avenue. Nach einer Weile fällt mir auf was ich falsch gemacht habe. Ganz in der Nähe des Hotels ist auch eine 1st Road. Similar but slightly different…. Um 12h20 bin ich dann aber doch am Hotel, Sandra wartet schon in der Lobby. Sie ist glücklich und total fertig zu gleich. Ihre Anreise war etwas abenteuerlich und hat sie teilweise an den Rand der Verzweiflung geführt. Aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Ich würde sagen das war ein STRIKE :-)

Auf dem Rückweg machen wir kurz vor Cody Rast im Edelweiss Saloon. Für mich gibt es einen Burger, Sandra entscheidet sich für eine Pizza. Es sind zwei alte Amerikaner dort, sie spiele Pool-Billard und unterhalten sich ein wenig mit uns. Der eine von beiden hat sofort verstanden, dass er langsam und deutlich sprechen muss, das klappt sehr gut. Der andere der beiden hat so einen krassen Akzent, ich verstehe bei ihm so ziemlich gar nichts. Irgendwann blicke ich dann, dass er Verwandtschaft in Deutschland hat und dass die Worte die ich absolut nicht verstehen konnte, ihre Namen sind.

Nach einer Stunde geht es weiter. Wir machen eine kurze Pause im Cody Cowboy Inn und Sandra lernt nun auch die liebe Petra kennen. Beide scheinen sich auf Anhieb gut zu verstehen und wir dürfen sogar mal den heißen Pool inspizieren der morgen geöffnet werden soll. Bei rund 38°C kann man es sich dort nach einem langen Fototag gut gehen lassen. So gegen 16h sind wird dann unterwegs zum Yellowstone National Park. Der Weg bis zum Eingang des Parks ist weit und wir sehen bereits hier etliche wild lebende Tiere. Nach rund 80 Kilometern erreichen wir dann den offiziellen Eingang. Ich zeige meinen “Annual National Park Pass” vor, den ich am Vortag für 80$ erworben habe und der nun ein Jahr lang den kostenlosen Eintritt in alle National Park der USA ermöglicht. Dieser Ausweis kann auf eine weitere Person übertragen werden und gilt für alle Insassen in einem Fahrzeug. Als ich ihn am Vortag gekauft habe, musste ich ihn auf der Rückseite unterschreiben. Heute muss ich zusätzlich meine ID-Card, also meinen deutschen Personalausweis vorzeigen.

Auf unserem Weg durch den Park laufen uns viele Tiere über den Weg und wir müssen immer wieder anhalten und die Fotoapparate zücken. Ich fotografiere heute mit dem vollen Programm, Nikon 1 V1, Panasonic GH3 und Nikon D800E.

Yellowstone NP #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #2 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #4 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #5 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #3 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Yellowstone NP #4 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Besonders gut gefällt mir diese Szenerie, in der ein dicker Felsbrocken als “Spiegel” des grasenden Büffels herhalten muss.

Yellowstone NP #5 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Am riesigen und noch verschneiten Yellowstone Lake stehen plötzlich etliche Autos am Straßenrand. Warum stehen die bloß dort? Ich halte auch mal an und dann sehe ich ihn auch, eine dicker Grizzly wandert etwa 100 Meter von uns entfernt einen Hang hinauf. Bis ich mein Kamera startklar habe ist er leider schon verschwunden. Aber da sind auch noch zwei Schwarzbären. Sandra ist total verzückt, sie steht sprachlos mit ihrer Nikon D5100 und dem AF-S VR 55-300mm am Straßenrand und sieht zum ersten Mal in ihrem Leben gleich mehrere Bären die nicht durch Zäune oder Wassergräben von ihr getrennt sind. Das ist ein echtes Erlebnis für die meisten Besucher.

Yellowstone NP #6 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Als wir etwa in der Mitte des Park ankommen wird es dunkel. Wir machen uns auf den Rückweg und müssen sehr aufmerksam und langsam fahren, weil immer wieder Rehe auf der Straße stehen können. In der Dunkelheit sind sie unterwegs zum nahegelegenen Shoshone River um dort ihren Durst zu stillen. Dabei müssen viele Rehe die Straße kreuzen, was nicht ganz ungefährlich ist.

Yellowstone NP #2 - Nikon D800E & AiS 2,8/55mm Micro

Yellowstone NP #3 - Nikon D800E & AiS 2,8/55mm Micro

Yellowstone NP #1 - Nikon D800E & AiS 2,8/55mm Micro

Die Wege sind weit und als wir in Cody eintreffen ist es schon 23h am Abend. Oder wie man hier sagt: 11 pm

Was für ein toller Tag! Dieser National Park ist unglaublich groß und traumhaft schön. Besonders jetzt mit der Mischung aus Schnee und frischem Grass schlägt er alles was ich bislang gesehen habe. Es war die richtige Entscheidung im May hierhin zu kommen. Zwar sind einige Wege noch gesperrt aber wir wollen hier ohnehin nicht wandern und campen. Wer dies allerdings vorhat, der sollte den Yellowstone eher in der Zeit zwischen  August und September besuchen. Eine sehr gute Sache der noch relativ kalten Jahreszeit ist, dass dort aktuell noch keine Moskitos unterwegs sind. Das macht den Aufenthalt für uns deutlich angenehmer als im Hochsommer.


USA-2014 – Tag 8 – Lake Tahoe nach Sun Valley

Sunrise at Emerald Bay #1 - Nikon D800E & AF-S VR 4/16-35mm & B&W ND1000

Als der Wecker klingelt ist es 5h am Morgen. Ich habe mein Jet-Lag inzwischen vollständig verarbeitet und bin nun in den USA der gleiche Morgenmuffel wie sonst daheim in Deutschland. Ich bin unglaublich langsam und so brauche ich bin 5h30 bis ich endlich im Auto sitze und unterwegs zur Emerald Bay bin. Leider habe ich das Gebiet noch nicht erkundet und so verpasse ich verschlafen wie ich bin in der Dunklheit den wichtigen Abzweig zum Emerald Bay Road. Irgendwie kommt mir alles erst etliche Minuten später komisch vor, also wende ich mein Auto und fahre ein Stück zurück, bei der nächsten Gelegenheit biege ich links ab und lande schließlich irgendwo im nirgendwo, ich bin falsch! Also wieder zurück zur Hauptstraße und beim zweiten Anlauf bin ich dann richtig. Die Straße wird enger und der Himmel zunehmend heller. Wenn ich ein paar wirklich brauchbare Fotos vom Sonnenaufgang über der Emerald Bay haben will muss jetzt alles ganz ganz schnell gehen. Ich drücke aufs Gas…

Die Straße wird zunehmend enger und kurvenreicher, es geht hoch ins Gebirge und das Thermometer zeigt – 1°C – Glatteisgefahr!! Hier ins schleudern zu kommen und einen Abhang hinabzustürzen, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Also schalte ich einen Gang zurück und lasse es langsamer angehen. Besser keine Fotos als den Rest des Monats im Krankenhaus zu verbringen.

Dann ist ein Scenic View Point ausgeschildert, schnell rauf auf den Parkplatz, die Kamera geschnappt und los geht es. Als ich an der Aussichtsplattform ankomme muss ich allerdings feststellen, dass ich total falsch bin. Hier sehe ich zwar die kleine Insel in der Emerald Bay, aber von der falschen Seite und es sind sehr viele Bäume dazwischen. Für ein Picknick im Sommer wirklich perfekt, aber nicht für schöne Fotos. Also geht die Hetzjagd weiter.

Als ich schließlich einen guten Platz gefunden habe ist es wieder einmal etwa 10 Minuten zu spät. Statt eines dunkelrot leuchtenden Wolkenhimmels schaue ich nun direkt in die Sonne. Also mache ich aus der Not eine Tugend und wende den “Fingertrick” an. (Siehe hierzu meine Rubrik “Photoshop”) So gelingt dann doch noch ein akzeptables Foto der Morgenstimmung an dieser tollen Bucht die zu den am meisten fotografierten Buchten der Welt gehört.

Sunrise at Emerald Bay #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Etwas weiter östlich schaut ich nicht direkt in die Sonne und hier mache ich einige Fotos mit meiner AF-S VR 4/16-35mm und dem famosen – weil weitgehend farbneutralen – Neutraldichtefilter des Typs B&W ND1000. Bei Belichtungszeiten von bis zu 30s sieht auf den Fotos das Wasser weitgehend spiegelglatt aus, so gefällt mir das. Um ca. 8h bin ich wieder am Motel, packe meine Sachen, verabschiede mich von den überaus freundlichen Mitarbeitern und mache mich auf den Weg nach Sun Valley in Idahoe.

Good bye Lake Tahoe - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Am nord-östlichen Zipfel des Sees ist ein schöner Aussichtspunkt und hier lohnt es sich kurz anzuhalten und ein Abschiedsfoto aufzunehmen. Leider wurde der kleine nette Erlebnispark in dem sich die aus der Fernsehserie Bonanza bekannte Ponderosa befindet vor etwa 12 Jahren vom Gründer der Firma People-Soft gekauft und kurz darauf dauerhaft geschlossen. Man munkelt er habe sich dieses “Vergnügen” 55.000.000 $ kosten lassen…

Bildschirmfoto 2014-05-11 um 12.28.37

Nach schier endloser Zeit erreiche ich schließlich Twin Falls und bin überrascht wie groß doch dieses Stadt ist. Am nördlichen Stadtrand verläuft der Shake River in einer atemberaubend tiefen Schlucht. Einige wenige Meilen in östlicher Richtung liegen die wirklich beeindruckenden Shoshone Falls. Als ich dort eintreffe schickt sich die Sonne gerade an hinter dem Horizont zu versinken. Der kleine State Park oberhalb der Wasserfälle ist wirklich weitläufig und gäbe hier allerlei Möglichkeiten für unterschiedlichste Perspektiven. Aber die bekommt man nicht an einem Abend hin. Also beschließe ich mich auf drei Standort zu beschränken und abwechselnd mit dem AF-S 2,8/14-24mm und dem AF-S VR 4/16-35mm zu fotografieren.

In den letzten Monaten habe ich einige fast hysterische Rückmeldungen erhalten wenn ich das 4/16-35mm Weitwinkel Zoom gelobt habe. BLOG-Leser und YouTube Zuschauer haben moniert, das 4/16-35 sei nicht scharf genug und eigentlich totaler Schrott, das einzig wahre Weitwinkel für meine Nikon D800E seit doch das AF-S 2,8/14-24mm. Irgendwie haben sie ja auch recht, bei Aufnahmen der Milchstraße und immer dann wenn man eine hohe Lichtstärke benötigt liefert das 2,8/14-24mm ja auch tolle Bilder. Aber man kann eben keine Filter drauf schrauben und außerdem ist es rund 600 Euro teurer als das 4/16-35mm.

Das nächste Foto habe ich mit dem 4/16-35mm und dem B&W ND1000 Graufilter aufgenommen. So konnte ich wirklich lange belichten und das Wasser sieht nun sehr schön “weich” aus. Ein Foto wie dieses gelingt eben mit dem 2,8/14-24mm NICHT. Also liebe Freude des 2,8/14-24mm, ihr solltet das 4/16-35mm mal wirklich auf Herz und Nieren testen! Meiner Meinung nach ist es deutlich universeller und bietet leicht abgeblendet die gleiche Bildqualität wie der deutlich teurere “große Bruder”.

Shoshone Falls - B&W ND1000

Hier noch ein Foto das ich mit meinem Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv aufgenommen habe. Der “Miniatur-Effekt” ist gewollt und eben ECHT, da kommt nichts aus Photoshop! Auch die Korrektur der Perspektive ist ECHT!. Beim oberen Bild habe ich die perspektivischen Fehler mit Photoshop korrigiert, damit das kleine Häuschen neben den Wasserfällen auch vernünftig gerade steht.

Shoshone Falls - Nikon D800E & Rokinon Shift & Tilt 3,5/24mm

Als ich mit meinem Shooting durch bin ist es fast 20:00 (8pm). Ich entschließe mich nicht in Twin Falls zu übernachten sondern noch schnell nach Sun Valley zu fahren, es sind nur etwa 130 Kilometer!

Als ich in Sun Valley eintreffe ist es stockfinster und während ich auf der Suche nach einem Hotel langsam meine Kreise durch die Stadt ziehe wird eine Polizeistreife auf mich aufmerksam. Unauffällig aber bestimmt fahren sie mir hinterher. Jetzt nichts falsch machen, ich will heute ganz sicher keinen Stress mehr mit der Polizei. Als ich zum dritten Mal beim Best Western vorbeifahre entschließe ich mich hier nach einem Zimmer zu fragen. Also halte ich auf dem Parkplatz neben der Rezeption und das Polizeifahrzeug ebenfalls – urgs… Als ich aussteige und die Polizisten grüße winken sie zurück und als sie sehen wie ich die Lobby ansteuere fahren sie langsam weiter. Das ist ja noch einmal gut gegangen.

Das Zimmer ist mit 89,- $ überraschend preiswert und wirklich wunderschön. Es ist toll eingerichtet und alles ist sehr luxuriös. Es war keine verkehrte Entscheidung hier einzuchecken. Ganz besonders nett war auch der nächtliche Plausch mit Lisa Stucks an der Rezeption des Hotels.

Thank you Lisa :-)


USA-2014 – Tag 6,75 – Lake Tahoe Sunset

Mono Sunrise #4 - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Es ist der 7. Mai 2014 22:26 und ich sitze ziemlich erledigt im Zimmer 120 im Quality Inn in Lake Tahoe South. Dieser Ort ist eine Mischung aus einem Luzern in der Schweiz und Las Vegas in den USA. Es gibt einen tollen See der mir so große erscheint wie der Garda See in Italien, es gibt einen Schaufelrad-Dampfer, Casinos und Hotels so weit das Auge reicht. Hier kann man es wirklich gut aushalten, nicht nur zur Ski-Saison. Nachdem ich im Quality Inn eingecheckt und einen weiteren Artikel geschrieben und veröffentlich habe geht es etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang in Richtung Norden. Bei Google-Maps habe ich ein wenig herum geschaut und mein Ziel ist eine kleine Bucht etwa auf halber Höhe an der östlichen Seite des Lake Tahoe. Bereits bei meiner Ankunft musste ich ja feststellen, dass das Seeufer hier fast genauso fest in privaten Händen ist wie am Starnberger See in Bayern. Einfach mal anhalten und am Ufer spazieren gehen, das funktioniert hier genauso wenig wie in Bayern.

Aber es gibt einige schöne Aussichtspunkte und es gibt vor allem den Sand Harbour!! Hier ist ein kleiner State Park, leider hat er am Abend nur bis 19h geöffnet und als ich eintreffe bin ich mir unschlüssig ob nach 19h die Tore geschlossen werden. Da ich keine Laut auf große Experimente habe, parke ich mein Auto ein paar Meter die Straße hinauf und versuche mich zu Fuß zum Seeufer durchzuschlagen. Das klappt auch ganz gut, man muss nur dem kleinen Trampelpfad folgen.

Mono Sunrise #3 - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Während ich ein Foto nach dem andere aufnehme muss ich an den tollen Morgen am Mono Lake denken. Es ist wirklich schade, dass es dort wo ich in Deutschland lebe keine solchen See gibt. Sie laden einfach zum Fotografieren ein und sind echte Magneten für alle die das Licht am frühen morgen oder späten Abend lieben.

Tahoe Sunset #2 - Nikon D800E & AF-S VR 4/16-35mm

Unten am Lake Tahoe ist es sehr windig und der See hat richtig hohe Wellen. Das sieht gut aus, nur nicht auf Fotos! Also verwende ich statt des wunderbaren Nikon AF-S 2,8/14-24mm heute mal das ebenso gute AF-S VR 4,/16-35mm und schraube einen B&W ND-1000 Neutraldichte-Filter darauf. Bei extrem dichten Graufiltern ist eine gute Qualität extrem wichtig, andernfalls gibt es böse Farbverschiebungen die sich im Zweifel auch bei einer guten RAW-Konvertierung nicht vollständig beseitigen lassen. Daher schwöre ich auf meinen B&W ND1000 Filter!!

Tahoe Sunset #1 - Nikon D800E & AF-S VR 4/16-35mm

Mit diesem Filter vor dem Objektiv kann ich schön lange belichten und so sieht die aufgepeitschte Wasserfläche dann letztlich doch ganz zahm aus.

Als die Show vorbei ist geht es zurück zum Motel, dabei achte ich hübsch brav auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Erst bei meiner Ankunft und auf dem Wag zum Sand Harbour standen zwei Autos am Straßenrand die von der Polizei kontrolliert wurden. Jetzt einen teuren Strafzettel zu kassieren, das ist nicht notwendig :-)

Später im Motel freue ich mich über den schöne schnellen Internet-Zugang, endlich kann ich wieder ungestört in meine E-Mails schauen und auch mal via Facebook mit meinen Freunden chatten. So geht dann der 7. Mai zu Ende. Ich bin nun schon fast eine Woche lang hier und habe das Gefühl eigentlich noch gar nicht viel von diesem irre großen Land gesehen zu haben. Es ist kein Wunder, dass meine Freund Wolfgang seit mehr als 30 Jahren immer wieder hierher kommt und immer wieder neue Foto-Locations aufsuchen kann. Es gibt hier einfach viel mehr zu sehen als man es mit seiner Kamera in einigen Wochen zu erfassen vermag. An jedem Tag an dem ich hier ins Bett gehe habe ich das Gefühl irgendetwas noch nicht erledigt zu haben. Es ist ganz komisch, ich bin hier immer irgend wie auf der Suche und die Zeit ist viel zu kostbar um in einem Café abzuhängen oder in den Fernseher zu schauen. Wenn ich daran denke, dass ich irgendwann wieder heim muss, werde ich jetzt schon fast wehmütig. Aber es sind ja noch ein paar Wochen…

In der nächsten Woche kommt dann meine Sandra dazu. Wir haben uns in Billings Montana verabredet und ich bin sehr gespannt was sie von ihrer Anreise wird berichten können :-)


USA-2014 – Tag 5 – Bodie Ghost Town

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Als der Wecker loslegt bin ich noch im vollen Tiefschlaf, endlich einmal. Langsam aber sicher beginne ich das Jet-Lag abzuschütteln. Ein Blick nach draußen verrät, dass gleich die Sonne aufgehen wird. Also nichts wie rein in die Klamotten, auch wenn es entsetzlich schwer fällt. Nach etwa 15 Minuten bin ich startklar und will nur noch ganz kurz in meine E-Mails schauen. Dort finde ich dann eine Sache die sehr wichtig ist und die sofort erledigt werden muss. Doch es zieht sich hin weil ich hier am Ende der Welt bin und die Internet-Anbindung noch langsamer ist als beispielsweise in „Bielefeld“…

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Doch nach etwa 45 Minuten ist es geschafft, nun schnell alles ins Auto packen und los geht es. Ich will am südlichen Strand des Mono Lakes die wunderschönen Tuffsteinfelsen zum Sonnenaufgang fotografieren. Als ich mit dem Auto den Ortsausgang erreiche kann ich sehen, dass links von mir die Sonne schon hoch über dem See steht. Ich bin ungefähr eine Stunde zu spät. Jetzt noch dorthin zu fahren wäre Unsinn, zumal es irre kalt ist und gerade ein leichtes Schneetreiben einsetzt. Ich drehe also etwas enttäuscht um und fahre zurück zum Motel. Dort krame ich eine halbe Ewigkeit in meinem großen Koffer herum. Er ist ja schön leicht, aber er hat nur einen dünnen Deckel und somit liegt alles, aber auch alles immer direkt vor mir. Bei meinem alten Samsonite war das anders. Da gab es einen Deckel der etwa 7cm dick und mit einem Netz nebst Reißverschlüsse versehen war. Dort konnte man alles unterbringen was man täglich benötigt. Alles andere war unten im „großen Fach“. Das gibt es jetzt nicht mehr und mittlerweile herrsche in meinem anfangs noch gut sortierten Koffer die totale Anarchie.

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Aber ich finde dann doch noch meine Handschuhe und die warme Fleece-Mütze. So bewaffnet geht es zurück zum Auto. Ich starte den großen V8 Motor und lenke mein schwarzes Ungetüm in Richtung Norden. Nach etwa 20 Kilometern erreiche ich den Abzweig zum Bodie State Park. Diese alte recht gut erhaltene Geisterstadt wollte ich schon im Jahr 2011 unbedingt anschauen. Aber da dieser Ort rund 2.567 Meter hoch liegt ist er oft erst im May oder Juni zu erreichen. Bislang dachte ich immer er läge 3.500 Meter hoch, da hatte ich mich doch schwer verschätzt. So sind es „nur“ etwa 300 Meter Unterschied zum Motel in Lee Vining am Mono Lake. Die Straße ist anfangs sehr gut asphaltiert, später wird sie dann eine recht gut befahrbare Dirt-Road. Während mein V8 vor sich hin blubbert und ich Meter um Meter nach oben klettere setzt ein starkes Schneetreiben ein. Auf der Straße sind Reifenspuren erkennbar, von genau EINEM anderen Auto! Der Fahrer scheint sich hier gut auszukennen, denn die meisten Schlaglöcher und Felsbrocken hat er geschickt umfahren. Ich bleibe einfach in dieser Spur und komme so sehr entspannt schon nah kurzer Zeit oben in Bodie an. Allerdings hat der Park noch geschlossen, es ist erst kurz nach 7h.

Also mache ich es mir im Auto gemütlich und nehme mit meinem kleinen SONY HDDR-MV1 einige kurze Videosequenzen für mein „großes Reisevideo“ auf. Ungefähr eine halbe Stunde später gesellt sich ein Allradauto mit Kennzeichen aus Kalifornien dazu. Es steigt ein Typ aus der voll witzig angezogen ist. Er trägt kurze braune Hosen, darunter eine schwarze Leggins, Kniestrümpfe, Wanderschuhe und ein T-Shirt. Als er bemerkt wie saukalt es draußen ist holt er sich vom Rücksitz seines Autos ein Kleidungsstück nach dem anderen. Zum Schluss setzt er noch ein Mütze auf und wandert dann entgegen aller Verbote mit seiner Kamera in den Stadtpark hinein. Dort kann ich ein ganz Weile zuschauen wir er dies und das fotografiert bist schließlich ein sehr großer weißer Geländewagen in seiner Nähe auftaucht. Es steigt jemand in Uniform aus. Sie reden kurz miteinander und dann tritt der lustig bekleidete Typ auch schon den Rückmarsch an.

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Wortlos steigt er in sein Auto und fährt von dannen. Ich will mir sowas ersparen und warte brav noch eine satte Stunde bis endlich genau dieser weiße Wagen wieder angefahren kommt. Es steigt ein adrette junge Frau in Uniform aus. Am Gürtel hat sie allerlei Funkgeräte und es sieht aus als würde sie auch ein Waffe tragen. Als erste Handlung hisst sie zwei Fahnen und winkt mich danach heran. Ich zahle ganze 5$ Eintritt und kann mein Auto hinten links auf dem großen Parkplatz abstellen. Dort wird gerade eine Art Visitor-Center neu erreichtet. Daneben stehen einige Chemie Toiletten.

Bewaffnet mit meiner D800E, einem Stativ, der Nikon 1 V1 und allerlei Zubehör geht es auf die Fotopirsch. Ich bin der erste Gast des Tages, bleibe es aber nicht lange. Bereits nach wenigen Minuten sehe ich andere Leute die ebenfalls mit Stativ und Kamera die nette alte Geisterstadt zu durchstreifen beginnen.

Ich fotografiere hier uns da, nehme einige kurze Video-Sequenzen auf und bin schließlich überrascht, dass es schon 12h am Mittag ist. Bei fiesem Schneetreiben flüchte ich mich schließlich in meinen großen Geländewagen und trete dem Heimweg nach Lee Vining an. Diesmal nehme ich die Straße die gleich links abbiegt und als „Extremely Rough Road“ gekennzeichnet ist. Doch letztlich ist sie ganz ok und bietet eine tolle Aussicht auf den großen Mono Lake. Über dem Se hängen schwere Wolken und es ist nicht der Tag für schöne Landschaft-Fotografie. Also fahre ich direkt zum Motel, sichte kurz die Fotos des Tages und gehe schließlich um 14h30 nach nebenan in das Restaurant in dem ich schon gestern so gut gegessen habe. Es gibt wieder Corona und dazu einen Burger mit allem und French Fries. So kann man es aushalten. Der Spaß kostet inklusive Trinkgeld wieder 25$ also etwa 18 Euro.

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Während ich esse fegt draußen ein richtiger kleiner Schneesturm los. Nach und nach füllt sich das Restaurant es kommen lauter Leute mit Schnee im Haar oder auf der Baseball-Kappe hinein. So geht das eine Weile bis sich dann überraschend schnell der Schneefall legt. Die Sonne kommt heraus und taucht alles in ein fast malerisches Licht. Danach geschieht etwas unerwartetes, die Straße und der Parkplatz beginne zu dampfen wie eine heiße Quelle auf Island. Das sieht echt cool aus. Rund 30 Minuten später sind die Straßen wieder trocken und ich bin satt und müde.

Zurück im Motel traue ich meinen Augen nicht, ich habe mehr als 200 Mails bekommen. Die letzten Fotos bei 500px.com und flickr.com sind auf wirklich viel Resonanz gestoßen. Alle paar Minuten kommen weiter Mails mit Benachrichtigungen, dass ich einen neuen Follower bei flickr.com habe. Es gibt neue Freunde bei Facebook und rund 10 neue Abonnenten bei YouTube. Das freut mich sehr, ist es doch wenigstens eine kleine wenn auch nicht monetäre Anerkennung für die Nächte unter freiem Himmel, allein mit meiner Nikon und der Milchstraße.

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So vergeht der Tag und ich hoffe, dass der Schneesturm die Straße über den Tioga-Pass nicht wieder unbefahrbar gemacht hat. Denn morgen will ich mal rüber auf die andere Seite der Sierra Nevada Mountains und im Yosemite alles nachholen was im Jahr 2011 nicht geklappt hat.

Danach will ich weiter zum südlichen Zipfel des Lake Tahoe. Dort ist es hoffentlich nicht mehr ganz so kalt wie hier und ich wünsche mir insgeheim eine sternenklare Nacht über der wunderschönen Emerald Bay. Ob es damit geklappt, das gibt es dann zu lesen :-)

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USA-2014 – Von Lone Pine nach Lee Vining

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Nach der Nacht am Mobius Arch sichte ich noch kurz die Beute und schreibe ich im Motel noch schnell meinen Artikel des Tages. Gegen 8h geht es dann schon los nach Lee Vining am Mono Lake. Mein Weg wird mich über Bishop führen, ein sehr niedlicher kleiner Ort mit urigen Geschäften und einem wirklich großen Supermarkt namens “KMART”. Der Weg ist nicht so richtig weit, heute stehen nur ein paar hundert Kilometer auf dem Programm.

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In Bishop angekommen steuere ich gleich den KMART an. Irgendwie habe ich wieder einmal viel zuviel Zeugs dabei, aber eine Sache fehlt und das ist blöd, ich habe kein Mini-USB Kabel. Statt dessen habe ich versehentlich ZWEI Micro-USB Kabel eingepackt. Nun kann ich meine GoPro HD HERO 3+ nur im Auto aufladen, das funktioniert mit der Stromversorgung für mein Garmin Colorado 300 sehr gut. Aber eigentlich würde ich gern mal das anschauen was ich inzwischen mit meiner GoPro alles aufgenommen habe. Aber das geht derzeit entweder gar nicht oder nur umständlich über eine lokale WLAN-Verbindung.

Im KMART gibt es alle Arten von Kabeln, nur nicht das was ich suche. Als ich den Laden verlasse habe ich vier frische Batterien für meine Taschenlampe dabei, außerdem eine Packung “WetOnes”, also feuchte Tücher die man für alles Mögliche benutzen kann. Wenn also die Finger mal wieder nach Benzin riechen, nach dem Schälen einer Apfelsine alles klebt oder tausend tote Fliegen die GoPro beim Blick auf die Straße behindern, dann sind diese feuchten Tücher manchmal einfach Gold wert!

Im KMART gibt es eine umverschlüsseltes WLAN mit dem schönen Namen “Guests”. Dort logge ich mich kurz mit meinem Telefon ein, akzeptiere die Bedingungen und finde in meinen E-Mails einen GPS Wegpunkt der für mich den Tag bestimmen wird. Diesen Wegpunkt übertrage ich schnell in mein GPS und schon geht es wieder los. Der Wegpunkt gehört zu einer bislang noch relativ wenig bekannten Location. Es ist eine alte Malerei von indianischen Ureinwohnern. Das Kunstwerk ist in einem Gewirr aus Felsblöcken versteckt und wurde schon mehrfach von hirntoten Vandalen heimgesucht. Aber es hat nicht nur ein paar hundert Jahre überstanden, es hat auch diese Hirntoten überstanden – bis jetzt!

Dieses schöne Kunstwerk wird unter USA-Fans als “Skyrock” gehandelt und es liegt nördlich von Bishop, fast auf meinem Weg nach Lee Vining am Mono Lake. Nach etwa 30 Minuten habe ich den Ausgangsort meiner kleinen Wanderung erreicht. Bewaffnet mit meiner Nikon D800E und einzig dem AF-S 2,8/14-24mm geht es steil eine Felsenklippe hinauf. Meine Wanderstöcke habe ich blöderweise mal wieder im Auto gelassen, warum habe ich sie eigentlich dabei??

Der sandige steile Aufstieg ist ziemlich kräftezehrend und ich bin froh als ich endlich oben angekommen bin. Nun geht die Suche nach den Petroglyphen los. Laut GPS stehe ich direkt davor, aber das sind nur voll große Felsblöcke. Auf einem dieser Blöcke muss es sein, nur auf welchem?

Es kostet mich fast eine halbe Stunde bis ich ihn gefunden habe. Nur stehe ich da auf einem noch höheren etwas entfernen Felsbrocken. Also geht es wieder hinunter und als ich vor dem “richtigen” Felsbrocken stehe komme ich einfach nicht hinauf. In der Umgebung liegen überall lose handliche Bruchstücke von Felsen herum. Daraus baue ich mir eine kleine Treppe und dann komme ich schließlich auch hinauf. Wow, das sieht echt gut aus…

Sky Rock - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner Fotosession muss ich von dem Ding allerdings wieder hinunter. Vorsichtig versuche ich auf dem Hintern herunter zu robben, aber das klappt nicht so wirklich. Schließlich entschließe ich mich zu einem beherzten Sprung und dank des weichen Sandes unterhalb geht das ohne Verluste von statten – uff…

Meine Fahrt führt mich nun hinauf ins Gebirge, ich bin östlich der noch immer mit Schnee bedeckten Sierra Nevada Mountains. Es geht höher und höher, schließlich lande ich in Lee Vining bei 2067 Metern über dem Meeresspiegel. Es ist windig und das Thermometer zeigt nur noch 13°C – gestern im Death Valley dem tiefsten Ort der Vereinigten Staaten waren es bis zu 37°C. Dazu kommt jetzt der enorme Höhenunterschied, als ich letztlich in Lee Vining eintreffe bin ich völlig am Ende. Sicher liegt es auch daran, dass ich wieder die ganze Nacht nicht geschlafen habe. Zunächst einmal muss ich tanken. Doch das Benzin ist hier echt teuer, eine Gallone des billigsten Benzins kostet sage und schreibe 4,99 $ – so kommen weit über einhundert Dollar für die komplette Tankfüllung zusammen. Die Zeiten in denen das Benzin und den USA wirklich billig war sind lange vorbei…

Gleich nebenan ist ein Motel das einen ganz vernünftigen Eindruck macht. Ich bekomme Zimmer 20 und zahle für zwei Nächte 141$, also etwas über 100 Euro, das ist ganz ok. Nachdem alles ausgepackt ist schaue ich kurz meine Fotos an und wandere hinüber zum einzigen Restaurant das derzeit geöffnet hat. Dort gibt es ein sehr leckeres Sandwicht mit Käse, Tomate, Salat, geröstetem Schweinebraten und French Fries. Dazu zwei Flaschen Corona und einen Kaffee und schon sind wieder 25$ weg…

Auf dem Rückweg zum Motel mache ich mit meinem HTC ONE für diesen Artikel schnell ein paar Knipsbilder. Als erstes sehen wir hier das Yosemite Gateway Motel. Im Internet wird es gelobt weil es zwar alt aber doch gut geführt und ganz urig ist.

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Dann entdecke ich eine Tankstelle bei der ich viel billiger hätte tanken können…

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Gleich nebenan steht diese schöne alte Zapfsäule.

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Mein Motel ist nicht hübsch aber ganz ok. Hier sehen wir, dass es auch ganz anders geht…

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Gleich neben meinem Zimmer parken diese drei Monstertrucks, dagegen ist mein GMC Yukon SLX ein Kleinwagen…

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Ich habe Zimmer 20, gleich unten rechts auf der Ecke. Beim Anblick der schönen BMW weiter hinten werde ich sofort ganz kribbelig. Aber man kann nicht alles haben, jetzt gibt es USA und Fotos der Milchstraße – in ein paar Wochen eine Motorradtour mit meiner Sandra. Alles immer schön nacheinander…

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Hier noch ein nicht ganz ernst gemeinter Größenvergleich zweier Objektivdeckel. Also “Vollformat” versus Micro-Four-Thirds…

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Wie es morgen weitergeht weiß ich derzeit noch nicht. Mal schauen, vielleicht zum Sonnenaufgang zu den South Tuffs, also den südlich gelegenen Felsen aus Tuff-Stein die dem Mono-Lake einen unverwechselbaren Charakter geben. Danach vielleicht hinauf nach Bodie, auf fast 3.500 Metern Höhe!! Die Straße soll seit kurzem geöffnet sein. Übermorgen könnte ich dann einen Tag im Yosemite Nationalpark verbringen und dann weiter zum Lake Tahoe fahren. Dort hoffe ich auf eine schöne Abendstimmung an der wunderbaren Emerald Bay. Später will ich dann noch die Ponderosa besuchen und dann weiter nach Sun Valley – was für eine anstrengende Reise :-)


USA-2014 – Tag 4 – Mobius und Lathe Arch

Mobius Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich wach werde zeigt die Uhr 23h43 – es passt mir eigentlich gar nicht aber es ist schon wieder Zeit um aufzustehen, das Fotografenleben ist manchmal anstrengend und ungerecht. Ein paar Minuten später sitze ich schon im Auto, waschen kann ich mich ich noch nach der Fotosession. Am Abend zuvor habe ich auf dem Rückweg mein GPS (Garmin Colorado 300) eingeschaltet und so hat es den Rückweg zum Hotel aufgezeichnet. Nun hängt es an der Windschutzscheibe und weist mir den Weg durch die echt dunkle Nacht. Während ich vor mich hin fahre trennen sich irgendwann die Linien, ich habe eine Abbiegung verpasst! Also zurück und ein paar Minuten später bin ich auch schon am Parkplatz in der Nähe von Mobius und Lathe Arch.

Schnell den Fotorucksack schnappen und los geht es. Mit dabei sind diesmal meine gute helle Taschenlampe, das HTC ONE, zwei Äpfel, ein Brötchen und eine kleine Flasche Wasser. Im Rucksack ist fast nichts mehr drin. Am Vortag habe ich beschlossen, dass man für den Mobius Arch nur ein Weitwinkel-Objektiv benötigt und mehr nicht. Während ist den kleinen Trampelpfad zum Arch laufe kommt es mir in den Sinn, dass ich in der ganzen Zeit die ich jetzt schon in den USA bin noch kein einziges Foto mit der Panasonic GH3 gemacht habe. Auch habe ich an der D800E noch immer das gleiche Objektiv das ich in Deutschland daran gesetzt habe. Ich habe wirklich bislang ausschließlich mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert…

Am Mobius Arch angekommen kann ich am Himmel ganz wunderbar die Milchstraße erkennen, was für ein Schauspiel. Schnell ist die Kamera aufgebaut und nach ein paar Testschüssen mit allerhöchster ISO-Einstellung habe ich die Kamera in der völligen Dunkelheit so eingestellt, dass der kleine Arch sehr fotogen herüber kommt. Immer wenn eine “Szene” abfotografiert ist wechsle ich wieder zu Blende 2,8 und ISO-HI2. So dauert ein Testfoto nur ca. 8-4s und das in der totalen Finsternis…

Während ich Bild um Bild vor mich hin fotografiere tauchen zwischen den Felsen Lichter auf. Ein paar Minuten später treffe ich dann auch ein sehr nettes Paar aus Philadelphia. Sie haben Kopflampen und sind überhaupt sehr gut ausgestattet. Sie fotografiert mit einer Nikon D7100 und dem AF-S VR 16-85mm. Außerdem hat sie noch eine Kamera im Gepäck die sie sich auf Infrarot hat umbauen lassen. Diese Frau ist mir sofort sehr sympathisch :-) Wir zeigen uns auf den Displays unserer Kameras was wir bislang so fotografiert haben. Anschließend zeigt sie mir noch wo der Lathe-Arch zu finden ist. Er ist derart klein und niedlich, dass ich ihn am Vortag glatt übersehen habe.

Lathe Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Will man durch den Arch hindurch auf den 4421 Metern höchsten Berg Kaliforniens schauen, so wird es ganz schön eng. Aber dafür kann man Mount Whitney dann auch sehr schön am Horizont sehen. Hinter dem Lathe Arch ist es zudem noch abschüssig, hier muss man mit seinem Stativ umgehen können, denn einfach aufstellen klappt hier nicht. Ich ziehe ein Bein komplett aus die beiden anderen Bein spreize ich im Winkel von 90° nach vorne ab. So liegt das Stativ direkt vor dem kleinen Arch auf dem Fels und die Kamera hat eine ganz ordentliche Position. Mit meiner superhellen Taschenlampe beleuchte ich den Arch aus nächster Nähe, dann kann ich ihn sogar im Sucher sehen und der Autofokus funktioniert. Nachdem alles korrekt scharf gestellt ist, schalte ich den Autofokus aus. Anschließend nehme ich echt viele Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und ISO-Werten auf. Bei den ganz langen Belichtungszeiten beleuchte ich den kleinen Arch mit meinem Smartphone. Weil der Arch so nach ist, muss ich dabei das Telefon hin und her schwenken damit der kleine Arch auch gleichmäßig ausgeleuchtet wird.

Zuletzt nehme ich noch ein Foto mit einer Belichtungszeit von 10 Minuten bei Blende 5,6 und ISO 400 auf. Es ist ein Geduldsprobe, denn die Rauschunterdrückung benötigt genau so lange wie die Belichtung. 20 Minuten lang auf ein einziges Foto warten und das zusammengekauert auf einem kleinen Felsvorsprung eingeklemmt zwischen zwei Felswänden, das kann auch nur mir passieren.

Mobius Arch @ Dawn - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Gegen 5h fällt mir wieder auf wie sich die Fotos plötzlich zu verändern beginnen. Es ist schon etwas Morgenlicht auf den Foto, aber mit dem Auge ich es kaum wahrnehmbar. Ich positioniere mich wieder am Mobius Arch um für die ersten Sonnenstrahlen gewappnet zu sein. Der Lathe Arch wird von der Felswand die etwa 2 Meter hinter ihm ist so abgeschattet, dass er erst sehr später echtes Sonnenlicht abbekommt.

Während die ersten Sonnenstrahlen die Zipfel der Sierra Nevada Mountains noch schön rot aufleuchten lassen ist diese ganze Herrlichkeit dann irgendwann einfach vorbei. Der Himmel hinter mir hat schlichtweg zu viele Wolken, da schafft es die Sonne nur die Szenerie zu erhellen, aber wirklich fotogen ist das alles nicht mehr. Also packe ich meine Sachen zusammen und bin um kurz nach 6h wieder im Hotel. Dort werden schnell die Fotos auf Festplatte kopiert und dann geht es runter zum Frühstück. Hier gibt es Rührei, Cornflakes, Orangensaft und eine Tasse Kaffe. Ok, Tasse ist übertrieben – es ist wieder einer dieser fiesen Becher aus Styropor.

Gleich geht es dann weiter zum Mono Lake, schauen wir mal was mich dort erwartet :-)


USA-2014 – Tag 3 – Mobius Arch & Lone Pine

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Es ist der 4. Mai und der dritte “richtige” Tag beginnt wieder einmal sehr früh am Morgen. Mein Jet-Lag habe ich noch nicht verarbeitet und so bin ich auch heute wieder um 3h43 wach und kann nicht mehr schlafen. Aber egal ich will eh früh raus, da passt das ganz gut. Weil ich viel Zeit habe lasse ich alles ganz langsam angehen und schaue erst einmal bei Facebook und in meine E-Mails hinein. Eines der beiden Fotos mit der Milchstraße im Hintergrund geht gerade bei flickr.com und 500px.com so richtig ab. Es wurde in mehrere Gruppen eingeladen und im Minutentakt werde ich benachrichtigt, dass es “gelinked” oder “gefaved” wurde. Zwischendurch gibt es neue “Follower”, so macht das wirklich Spaß. Und es ist auch der Beweis dafür, dass Fotos die zu ungewöhnlichen Tageszeiten entstehen zumindest derzeit noch ganz gut ankommen. Vielleicht wird ja ein Trend daraus und in ein paar Jahren wird dann nur noch nachts fotografiert, wer weiß das schon…

Um 7h bin ich mit dem Frühstück fertig, verabschiede mich schnell beim wirklich netten und sehr zuvorkommenden Personal und mache mich auf den Weg nach Lone Pine in Kalifornien. Mein Freund Lothar hat mir den Tipp gegeben doch mal bei den Alabama Hills vorbeizuschauen und vielleicht den Mobius Arch zu fotografieren. Das liegt auf dem Weg nach Bishop und dem Monolake sehr schön am “Wegesrand” und die Location ist sicher einen Besuch wert. Vor mir liegen fast 300 Meilen und rund 5 Stunden mit dem Auto, da trifft es sich gut, dass mein riesiger Geländewagen wie von allein fährt und zu den entspanntesten Autos gehört die man sich vorstellen kann.

Bildschirmfoto 2014-05-04 um 15.50.33

Als ich in Beatty einen kleinen Zwischenstopp einlegen möchte muss ich leider feststellen, dass es das sehr gute kleine Mexikanische Restaurant nicht mehr gibt. Also tanke ich nur um die Ecke schnell mein Auto voll. Es ist das erste mal mit diesem Auto und ich muss zuerst schauen wo denn überhaupt der Sprit hineinkommt. Es ist die linke Seite – sehr gut! An der Zapfsäule klappt es mit meiner Kreditkarte nicht, also gehe ich schnell rein und sage kurz Bescheid. Die nette Dame fragt mich für wie viele Dollars ich denn tanken möchte. Hm, ich würde gern volltanken, aber was das kosten wird weiß ich nicht. Sie will wissen wie viel Benzin noch drin ist. Ich sage ihr, dass der Tank noch zu etwa einem Viertel voll ist. Sie lehnt sich über ihre Kasse, schaut das Auto prüfend an und sagt dann “60 Dollar!”. Das ist ein Wort, also bucht sie 60 Dollar ab, falls das zuviel sein sollte bekomme ich ggfs. etwas zurück. An der Zapfsäule stehe ich anschließend wieder einmal mehr als ratlos da. Wie war das noch gleich…

In Deutschland gibt es für jede Sorte Benzin eine eigene Zapfpistole, hier gibt es nur eine Zapfpistole für alle Sorten Benzin – verkehrte Welt… Ich stecke die Zapfpistole in den Tank und ziehe den Tankhebel hoch, aber nichts passiert, stattdessen piepst die Zapfsäule nur. Was muss ich tun? Oft steht im Display “Lift Lever” – da muss man dann einen Hebel hochheben in dem die Zapfpistole normalerweise ruht. Aber hier ist kein Lever. Nach einer Gedenkminute habe ich es dann endlich geblickt. Es gibt pro Sorte Benzin einen Start-Knopf. Ich drücke auf “Regular” und schon klappt es mit dem Benzin. Kurz bevor die 60 Dollar erreicht sind wird die Pumpe immer langsamer und stoppt exakt bei 60 Dollar – perfekt!

Als ich den Motor starte zeigt die Tanknadel ganz nach rechts – die alte Dame an der Kasse hat es echt drauf! Es geht weiter…

An der Zapfpistole war Benzin und jetzt riechen meine Finger ganz komisch danach, sehr unangenehm. Als ich schließlich den Eingang des Death Valley National Parks erreiche halte ich kurz am Parkplatz an und hoffe, dass es auf der Toilette etwas Wasser gibt, aber das ist eine Fehlanzeige. Als ich enttäuscht die Toilette gleich wieder verlasse steht jemand vor mir und fragt mich ob alles ok sei? Wir kommen ins Gespräch und tauschen schließlich unsere Visitenkarten aus. Die Amerikaner sind ein tolles Volk, ich fühle mich hier so gut aufgehoben, das glaubt man nicht…

Während ich mich der Talsohle des Death Valley Nationalparks nähere klettert das Thermometer von 25°C langsam aber sicher nach oben. Als ich Stovepipe Wells erreiche sind es schon 35°C. Etwas später fahre ich einen 5000 Fuß hohen Pass hinauf. Auf umgerechnet ca. 1.600 Metern sind es nur noch 22°C. Danach geht es wieder bergab und schon sind es wieder über 30°C. Die Klimaanlage in meinem Auto weiß gar nicht mehr was sie noch machen soll, aber es ist trotzdem im Auto ganz erträglich. Beim Panamint Springs Resort geht es wieder bergauf und die Temperatur fällt erneut. Weil die Straße so unglaublich schön ist, lasse ich über viele Kilometer meine GoPro mitlaufen. Diese Straße mit einer gut gemachten Harley fahren, das wäre echt was feines!!

Als ich in Lone Pine ankomme tun mir trotz allem doch die Beine und der Hintern weh. Also halte ich beim erstbesten Motel an, es ist ein Comfort Inn. Es gibt ein Zimmer zum Preis von 105,- $ und ein kleines Frühstück. Im Ort selbst gibt es preiswertere aber auch teurere Motels. Ich mag nicht lange suchen und für umgerechnet 75 Euro ist das schon ok. Billig wohnen kann ich in den kommenden Wochen immer noch, jetzt soll es einfach nur schnell gehen. Das Zimmer ist ganz nett, es gibt einen kleinen Balkon und einen schnellen Internet-Anschluß. Außerdem hängt ein sehr großer LCD-Fernseher an der Wand, es gibt eine Mikrowelle, Kaffeemaschine, Kühlschrank usw. Hier kann man es schon aushalten.

Nach einer Stunde habe ich meine Sachen fein säuberlich im gesamten Zimmer verteilt und wundere mich wie ich das immer wieder in so kurzer Zeit fertig bringe.

Es geht los zum Mobius Arch. Im Internet habe ich mehrere teilweise sehr schön bebilderte Wegbeschreibungen gefunden. Außerdem habe ich einige GPS Koordinaten und die gebe ich schnell in mein Garmin Colorado 300 ein. Mit den Koordinaten habe ich den Parkplatz auch schon nach etwa 20 Minuten gefunden. Weil es draußen schon wieder 31°C warm ist drehe ich aber noch eine kleine Orientierungsrunde.

Irgendwann so gegen 14h bin ich dann am Mobius Arch. Das Ding ist etwa zwei Meter hoch und sieht wirklich gut aus. Hätte man die Koordinaten nicht und gäbe es keinen ausgeschilderten Weg, man würde dieses kleine Schmuckstück wohl nicht so einfach finden. Am Arch treffe ich zwei Griechen die jetzt in Kalifornien leben. Wir machen viele Fotos und tauschen wieder unsere Visitenkarten aus. So macht es einfach sehr viel Spaß allein zu reisen. Egal wen man hier trifft, alle Leute sind wirklich nett, offen und stets zuvorkommend.

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Zurück im Motel probiere ich mal die Eismaschine aus und bin überrascht wie schnell die Eiswürfel heraus purzeln. Mit einem kleinen Eimer voller Eis bewaffnet kann ich meine lauwarme Dr. Pepper in Windeseile auf angenehm kühle Trinktemperatur herunter kühlen. Ach was tut das gut…

Als ich in meine E-Mails schaue geht der Run auf die Fotos der Milchstraße schon wieder weiter. Das macht echt Spaß und freut mich ganz arg, ist es doch die Bestätigung, dass sich diese Reise ein wenig ausgezahlt hat. In finanzieller Hinsicht natürlich nicht, nur ideell – versteht sich! Rein finanziell gesehen ist diese Reise das reine Desaster. Linienflüge hin und zurück für zwei Personen (Sandra kommt bald nach), Taxikosten, der irre teure Mietwagen, die Hotels, das Benzin, Eintritt hier und dort, Trinkgeld, so kommen in 4 Wochen annähernd 10.000 Euro zusammen. Wenn man noch einrechnet, dass man in der ganzen Zeit keinen Cent verdient, so wird einem ganz schnell ziemlich übel. Stellt man dieser Rechnung vielleicht 10 gelungene Fotos gegenüber, so hat rein rechnerisch jedes dieser Bilder irgendwas um die 2.000 Euro gekostet. Sehr traurig ist es dann, wenn man versucht solche Fotos heutzutage zu verkaufen. Hochwertig gedruckt und extrem edel eingerahmt kostet allein das Material im Format 60x90cm rund 350,- Euro. Doch selbst das ist heutzutage praktisch jedem Fotofreund zu teuer.

Wenn überhaupt, werden die meisten Fotos auf dem heimischen Drucker auf billiges Papier gedruckt und mit Heftzwecken an der Wand befestigt. Wer es mit Anspruch tut gönnt sich einen rahmenlosen Bilderhalter aus dem Baumarkt für 20,- Euro… Es sind harte Zeige um mit Fotografie Geld zu verdienen. Jeder der glaubt man könne von solchen Reisen leben oder gar seine Fotoausrüstung davon bezahlen ist komplett auf dem Holzweg. Schuld am Dilemma ist leider niemand so wirklich und doch wir alle zusammen. Geiz ist geil und das hat inzwischen die Hochzeitsfotografen dieser Welt ebenso erreicht wie alle jede die auf der Jagd nach dem ultimativen Landschaftsfoto um die halbe Welt reisen, Unsummen ausgeben und letztlich mit ein paar “Linkes” und “Faves” entlohnt werden…

Ok Freunde, genug geheult, ich muss von der Fotografie nicht leben und das ist auch gut so denn sonst wäre ich unglücklich und bettelarm :-)

Heute werde ich mir Lone Pine noch mal etwas näher anschauen, dieser Ort ist wirklich niedlich. In der Nacht und am frühen Morgen gibt es dann einige “erst gemeinte” Fotos des Mobius Arch. Danach wird im Hotel ausgeheckt und es geht weiter zum Mono Lake. Unterwegs in Bishop werde ich anhalten und schauen was ich gegen Mücken finde. Die beiden Griechen die ich heute getroffen habe wurde dort gestern komplett zerstochen und hatten sogar die Arme blutig. Das muss ja nicht sein und für ein paar “Faves” und “Likes” sowieso nicht :-)


USA-2014 – Tag 2,5 – Nachts am Elephant Rock

Während meiner ersten Nacht im Valley of Fire war es noch angenehm warm, doch im Laufe des Tages entwickeln sich aus den lauen 21°C bis zur Nachmittagszeit satte 38°C. Zur Mittagszeit überlege ich, ob ich mal bei den Mouse-Tanks im Valley of Fire ein wenig wandern soll um mir die schönen Petroglyphen aus alter Zeit anzuschauen. Aber als ich den ersten Fuß vor die Türe setze kehre ich gleich wieder um, es ist mir definitiv zu heiß für jegliche Outdoor-Aktivität. So verbringe ich fast den ganzen Nachmittag im Bett, chatte via Facebook mit meinen daheim gebliebenen Freunden und hole ein wenig von dem Schlaf nach der mir seit der langen Nacht noch fehlt. Etwa 60 Minuten vor Sonnenuntergang mache ich mich dann aber doch noch auf den Weg. Mein Ziel ist der Stewart’s Point am Lead Mead. Dieser Stausee wird vom Colorado River gespeist seit im Jahr 1935 der Hoover Damm erreichtet wurde. Neben dem etwas größeren Lake Powell der ein paar hundert Kilometer weiter Flussaufwärts liegt, zählt der Lake Mead zu den schönsten Wassersport- und Naherholungsgebieten in der Umgebung.

Evening Mood @ Suarts Point - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24m

Am Stewart’s Point angekommen ist dort nicht wirklich viel zu sehen. Es gibt reichlich trockene Erde, viel Wind und Staub. Ein paar Camper haben es sich unten am Ufer gemütlich gemacht. Das sieht so aus als könnte das wirklich Spaß bereiten. Wenn es zu warm wird, einfach kurz im See schwimmen gehen und die Welt ist wieder in Ordnung. Vielleicht sollte ich so etwas auch mal machen, hier gibt es wenigstens keine Bären die zu nachtschlafender Zeit an die Lebensmittel wollen…

The Freedom We Love - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vom Stewart’s Point geht es ein paar Kilometer weiter zur Echo Bay. Als ich dort eintreffe verschwindet die Sonne gerade hinter den Bergen oberhalb dieser schönen Bucht. Es ist alles wie ausgestorben, nur in einigen Wohnwagen brennt noch Licht. Schöne Fotos gelingen mir leider keine mehr, auch ist der See nach dem heißen Tag extrem dunstig und die Fernsicht ist mehr als schlecht. Den wunderbaren Sonnenuntergang über den Bergen verpasse ich leider auch, weil ich unten an der Marina der Echo Bay herumschleiche – Man kann nicht immer gewinnen…

Von der Echo-Bay geht es zurück in Richtung Overton. Es ist immer noch extrem warm, von den 38°C bei meiner Abfahrt sind etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang noch 33°C übrig. Auf halber Strecke biege ich links ab und fahre ein letztes Mal ins Valley of Fire. Mein Ziel ist der versteinerte Elefant gleich rechts am Straßenrand kurz hinter der Self-Register Station.

Die Felsformation ist ganz einfach zu erreichen und nach einigen Versuchen klappt es dann auch mit diesem geilen Foto…

Climbing up that hill - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Für die Ausleuchtung habe ich mein HTC ONE verwendet – wieder einmal. Außerdem fuhr praktischer Weise noch ein Auto gleich nebenan auf der Straße entlang. So ergibt sich genau die richtige Lichtmischung für ein schönes Foto. Kurz darauf macht dann auch der Akku schlappt der schon die halbe vorherige Nacht durchgehalten hat. Ich habe noch zwei Akkus in Reserve, aber die sind auch leer…

Also packe ich zusammen und mache mich auf den Weg zurück zum Hotel. Als ich dort um 22h eintreffe sind es noch sagenhafte 30°C – hört das denn nie auf? Im Pool neben dem Hotel ist noch was los, die Kinder sind so froh, dass sie dort baden können. Am Liebsten würde ich auch kurz hinein springen…

Morgen geht es dann los in Richtung Mono Lake. Im Internet habe ich gelesen, dass die wunderschöne Tioga Pass Road seit wenigen Stunden geöffnet ist. Also kann ich mit ein wenig Glück vom Mono Lake in Richtung Westen über die Sierra Nevada Mountains ins Yosemite Valley fahren. Das klingt nach einem Plan! Ich will es bis zum Nachmittag nach Beatty schaffen, dort bei dem coolen Mexikaner neben dem Reifenhändler etwas zum Mittag essen und dann vorbei an Bishop weiter zum Mono Lake fahren. Dort gibt es mehrere kleine Motels die jetzt die Winterpause beendet haben. Mit ein bisschen Glück bekomme ich dort ein Zimmer für 2-3 Tage. So könnte ich eine Nacht am Mono Lake herumschleichen, einen Tag im Yosemite Valley verbringen und am dritten Tag versuchen mich zur wundervollen Geisterstadt Bodie durchzuschlagen.

Dann könnte es weitergehen zum Lake Tahoe. Dort reizt mich die Emerald Bay im Süden des Sees und die aus Bonanza bekannte Ponderosa im Norden. Vorbei an Reno kann es dann nach Sun Valley gehen. Dort möchte ich mich mit Angenie und Peter treffen. Sie sind allerdings nur noch bis zum 12 May daheim. Danach wird es auch sie nach Utah ziehen. Aber schauen wir mal was so geht…

 

 

 


USA-2014 – Tag 2 – Unterwegs auf der Milchstrasse

Las Vegas to Overton

Nach meiner Ankunft in Overton bin ich wegen der unruhigen Nacht ziemlich müde. Nachdem ich den Artikel für meinen BLOG geschrieben habe geht es gleich ins Bett. Neben mir auf dem Nachttischchen liegt mein Telefon und dort tickt heimlich ein Wecker vor sich hin. In drei Stunden will ich aufstehen und zum Sonnenuntergang im Valley of Fire sein. Als sich der Wecker dann um 18h meldet geht aber eigentlich gar nichts. Nur mit Mühe schaffe ich es den kleinen Quälgeist abzustellen und drehe mich wieder herum. Als ich schließlich von allein wach werde sind mehr als fünf Stunden vergangen. Zwar habe ich den Sonnenuntergang verschlafen aber ich bin jetzt endlich mal ausgeruht und fühle mich gut. Ich schaue kurz in meine E-Mails und melde mich per Facebook Chat bei meiner Sandra. Wegen der Zeitverschiebung ist es in Deutschland kurz vor 9h und die meisten meiner Facebook-Freunde sitzen gerade mit einer Tasse Kaffee und lesen Zeitung oder die Updates bei Facebook & Co.

Screenshot_2014-05-03-00-10-22

Der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt teilweise hohe Temperaturen voraus. Bei 36°C mag ich nicht tagsüber in der prallen Sonne herumlaufen und fotografieren. Also muss ich entweder die Nächte abwarten oder in den kühleren Norden fahren.

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Kurz vor Mitternacht bin ich zum Abmarsch bereit. Meine Panasonic GH-3 und alle Objektive lasse ich im Motel. Bei dieser Kamera ist der Sensor relativ klein und bei ISO-6400 macht sich die Nikon D800E einfach besser. Wirklich viele Objektive nehme ich nicht mit und am Ende der Session werde ich feststellen, dass ich wieder einmal nur mit einem einzigen Objektiv fotografiert habe :-)

D800E_5095

Durch die dunkle Nacht geht es zurück ins Valley of Fire. Der Weg ist nicht weit, die Straße gut ausgebaut und ich bin komplett allein. Am Elephant Rock fahre ich versehentlich vorbei. Es ist so stockfinster, dass ich den kleinen Parkplatz komplett übersehen habe. Als ich realisiere wo ich eigentlich bin, sehe ich auf der linken Seite schon das Hinweisschild zu den Beehives. Das sind uralte Felsformationen die ein wenig wie Bienenstöcke aussehen und daher ihren Namen haben.

Meinen großen SUV stelle ich auf dem Parkplatz ab und mache mich mit Stativ, Nikon D800E und AF-S 2,8/14-4mm Superweitwinkel an die Arbeit. Einen Kabelauslöser habe ich noch dabei und natürlich habe ich meine tolle neue Taschenlampe im Motel vergessen. Aber das ist nicht weiter schlimm, für mein HTC ONE habe ich einen dicken Zusatzakku und der hat so unglaublich viel Power, dass ich stundenlang mit der Taschenlampe des Telefons hantieren kann. Eigentlich vermisse ich meine “richtige” Taschenlampe daher nicht so wirklich.

Gern möchte ich Fotos der Milchstraße aufnehmen, die Randbedingungen sind sehr gut. Es ist eine klare Nacht und vom Mond ist nichts zu sehen. Wo ist der heute eigentlich?? Neben dem Auto muss ich mich ein wenig an die Dunkelheit gewöhnen. Mit dem Kompass der in meine Armbanduhr eingebaut ist schaue ich wie die Himmelsrichtungen sind. Die Beleuchtung des Zifferblattes ist hier ganz hilfreich. Danach schaue ich mal via Smartphone und der APP Google Skymap wo denn eigentlich welche Planeten zu sehen sind.

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Meine Kamera stelle ich auf ISO HI-2, der Autofokus wird abgeschaltet, das Objektiv manuell auf “Unendlich” fokussiert, die kürzeste Brennweite eingestellt und der Belichtungsmodus auf “M” wie Manuell gestellt. Bei 8 Sekunden und Blende 2,8 kann ich so in kurzer Zeit ein paar Probeschüsse aufnehmen. Zwar sind die Bilder total verrauscht, aber ich will ja nur wissen ob der Bildausschnitt stimmt, denn durch den Sucher sieht man einfach gar nichts… Immer wenn mir der Ausschnitt gefällt stelle ich eine niedrigere ISO-Empfindlichkeit ein, meist ISO-1600. Bei Blende 2,8 oder 4 gelingen dann bei Belichtungszeiten von ca. 30 Sekunden ganz ordentliche Fotos. Teilweise stelle ich auch mal ISO-400 ein und belichte mittels Kabelauslöser mehrere Minuten lang. Aber die Ergebnisse gefallen mir nicht wirklich. Zwar ist das Bildrauschen jetzt sichtbar geringer, aber die Sterne haben nun soviel Bewegungsunschärfe, dass der Himmel aussieht als wäre er “verwackelt”.

Ich versuche auch mal eine Doppelbelichtung, aber wegen der langen Zeit die bei der Rauschunterdrückung drauf geht sieht man auf den Fotos anschließend jeden Stern genau 3x – das ist auch nix

Also versuche ich einen Kompromiss zwischen ISO-Rauschen, Blende und Bewegungsunschärfe zu finden. Letztlich werde ich die meisten Fotos bei Blende 2,8 zwischen 15 und 30 Sekunden lang belichten und durch Einstellen der ISO-Empfindlichkeit steuern wie “hell” die Fotos letztlich werden.

An einer Stelle etwas unterhalb neben den Beehives ist ein recht großer Felds, dessen Höhe ich auf etwa 30 Meter schätzen würde. Hier gibt es einen fotogenen Spalt und im Hintergrund sieht man sehr schön die Milchstraße und den mit Licht verseuchten Himmel über Las Vegas. Diese Komposition gefällt mir sehr gut und nach einigen Versuchen gelingt dann ein sehr ansprechendes Foto.

Milkyway over Valley of Fire - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Damit die Felsen nicht nur schwarze Silhouetten sind, leuchte ich sie mit meinem Smartphone aus. Dabei ist die kleine APP “Taschenlampe” ganz nützlich, weil sich hier die Helligkeit der eingebauten weißen Leuchtdiode in drei Stufen regeln läßt. Bei Belichtungszeiten von 30 bis 60 Sekunden beleuchte ich die Felsen etwa 10 Sekunden lang. Im Ergebnis ergibt sich so eine sehr schöne Mischung zwischen der Helligkeit der Milchstraße und der Helligkeit des Vordergrundes.

Hier habe ich noch ein Foto das etwas eher noch oben auf dem Parkplatz neben dem Auto entstanden ist. Hier gibt es keine tollen Felsen im Vordergrund, aber es gibt einen schönen farbigen Wolkenschleier. Wie schon die Designer die das Logo der “Deutsche Bank” entworfen haben weiß auch ich, dass Linien die nach rechts oben aufstreben irgendwie besser aussehen als wenn sie “herunterfallen”. Daher habe ich das Foto gespiegelt, die Bildaussage gefällt mir damit sehr viel besser. Leider kann man die Milchstraße nicht einfach von der anderen Seite fotografieren, denn dazu müsste man unseren Planeten verlassen. Also halte ich dieses stilistische Mittel für legitim.

Milkyway over Valley of Fire #2

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere entferne ich mich Schritt um Schritt immer weiter von meinem Auto. “Wenn jetzt die Taschenlampe ausfällt bin ich aufgeschmissen” geht es mir durch den Kopf. Aber dann fällt mir auf, dass auf den Bildern die Milchstraße plötzlich mehr und mehr verschwindet. Als nach einem “Testfoto” vergesse die ISO-Empfindlichkeit wieder zu reduzieren habe ich plötzlich ein Foto das aussieht als wäre es in den frühen Morgenstunden aufgenommen. Und tatsächlich, es ist jetzt schon nach 5h und ich fotografiere jetzt schon rund 5 Stunden lang… Die Zeit verging echt schnell und wegen des lauen Windes und der lässigen 21°C war es auch nicht unangenehm. Lediglich feste Schuhe hätte ich anziehen sollen, so spüre ich nämlich jeden Stein unter den Füßen. Und so beschließe ich, morgen meine die Wanderschuhe anzuziehen.

Etwa 30 Minuten später kann ich die Konturen der umliegenden Felsen schon recht gut erkennen und der Weg zum Auto ist jetzt auch ohne Taschenlampe ganz einfach zu finden. Da der Himmel in den tollsten Farben zu leuchten beginnt, klebe ich schnell meine GoPro HD HERO 3+ von innen an die noch recht saubere Windschutzscheibe und mache mich auf den Rückweg. In 30 Minuten gibt es im Hotel schon Frühstück und irgendwie bin ich nun hungrig. Am Abzweig nach Overton kommt es mir dann in den Sinn schnell noch mal zum Overton Beach zu fahren. Dort hat man vielleicht einen tollen Blick über den Lake Mead und das könnte jetzt zum Sonnenaufgang wirklich schön aussehen. Aber als ich auf die Zubringerstraße abbiegen will ist sie leider geschlossen. Also geht es ohne weitere Umwege direkt zurück zum Hotel.

D800E_5193

Nachdem ich meine Sachen ins Zimmer getragen habe schaue ich mal was es zum Frühstück gibt. Es ist etwas mehr als im Comfort Inn in Las Vegas, aber mit dem besten Frühstück er Welt das ich fast 5 Jahre lang im Quartier 65 in Mainz genießen durfte, hat das wirklich nichts zu tun. Aber ein erstklassiges Gourmet-Frühstück wie im Quartier 65 darf man hier auch nicht erwarten. Also gibt es ein paar Cornflakes mit Milch, etwas Kaffee und einen Becher Orangensaft. Dazu backe ich mir mal eine frische Waffel, die verziert mit etwas Honig gar nicht schlecht schmeckt.

Die “verlorene Zeit der Nacht” kann ich nun nachholen und am Nachmittag schauen wir mal es hier weitergeht.

Gute Nacht allerseits :-)

 


Nikon D800 – Filmen mit der DSLR

In meinem letzten Artikel ging es häufig um den Unterschied bei der Hintergrund-Unschärfe (Bokeh) die sich mit den unterschiedlichen Objektiven erzielen lässt. Generell könnte man sagen, dass das Bokeh umso weicher und damit schöner wird wenn:

  • das Objektiv so lichtstark wie möglich ist
  • die Brennweite so deutlich länger als 35mm ist
  • der Blendenring so rund wie möglich ist
  • die Blende weit geöffnet ist
  • und das Motiv deutlich näher an der Kamera als am Hintergrund positioniert ist

Beachtet man diese Regeln, so lassen sich für Fotos und auch für Videos sehr malerische Effekte erzielen.

Gestern habe ich einige E-Mails bekommen in denen ich gebeten wurde Beispiele für ein schönes Bokeh zu zeigen. Ich war eine weile für Euch auf der Suche und habe letztlich bei Vimeo ein sehr gut gemachtes Video zu Thema “Bokeh” gefunden. In diesem kurzen Video gibt es so ziemlich alles zu sehen was man unter “malerischer Unschärfe” verstehen könnte. Es gibt gut gemachte Verlagerungen der Schärfe Ebene, tolles Licht, atemberaubendes Schattenspiel und last but not least einen schönen Soundtrack. Kurz um, es ist ein echter “Augenschmaus” und ich wünsche Euch viel Spaß beim anschauen.

DESAMORES | DIRECTED BY MAGNOLIAS from We are Magnolia on Vimeo.

Für alle die jetzt gleich die Kamera zücken und die Freundin ans Klavier setzen wollen hier noch einige wichtige “Basistipps”. Im Video sieht man mehrfach ein tolles Spiel mit dem Gegenlicht. Schaut das Video zwei oder dreimal an und achtet darauf was dabei mit der Kamera passiert – nämlich NICHTS. Es ändert sich weder der Fokus noch die Belichtung. Allen Schnellmerkern ist jetzt schon klar warum das so ist. Alle die es noch nicht wissen schalten jetzt an ihrer DSLR alles ab was auch nur im Entferntesten nach Automatik riecht. Die Macher dieses Videos haben es sehr gut verstanden, nichts sieht nämlich blöder aus als wenn in einer malerischen Film-Sequenz plötzlich der Autofokus hin und her zappelt oder der Belichtungsmesser ständig nachregelt.

Hier einige “goldene Regeln” für gelungene Videos mit Kameras wie der Nikon D800:

  • Autofokus abschalten
  • Belichtungsmodus auf “M”anuell
  • ISO-Automatik abschalten
  • Lichtstarke Objektive verwenden und diese maximal 1-2 Stufen abblenden
  • Belichtungszeiten wählen die möglichst das Doppelte der Bildfrequenz betragen. Also bei 25 Bildern/Sekunde 1/50s als Belichtungszeit wählen
  • Die korrekte Belichtung durch ISO-Empfindlichkeit und Graufilter einstellen
  • Ggfs. einen variablen Graufilter oder zwei Linear-Polfilter verwenden
  • Das Sucherbild “Live” auf den Display verfolgen und dabei eine Display-Lupe benutzen
  • Die Kamera mit einen Stativ, einem Camera-Rig oder anderen Hilfsmitteln fixieren

Wer für sein Video ein echtes “Kinoerlebnis” haben möchte, der kann das Video später vom Format 16:9 auf bspw. 2,35:1 beschneiden. Damit man beim Filmen eine Vorstellung davon hat wie das spätere Bildformat aussehen wird rate ich dazu, den späteren Ausschnitt mit einem Filzstift auf dem Display-Schutzglas zu markieren. Hier bietet sich ein Echtglas-Schutz für das Display an.

Als Sucherlupe verwende ich sehr gern die meiner Meinung nach überragende

Diese Display-Lupe hat ein verschließbares Okular, eine Dioptrien-Korrektur für Brillenträger, ist klappbar und passt mit dem zusätzlichen Bügel auch an eine Nikon D800 mit angesetztem Batteriegriff. Die Lupe passt ebenfalls sehr gut an der Panasonic GH-3 MIT Batteriegriff, Panasonic GX7, Panasonic GM1, Nikon 1, sowie der Nikon D7000/D7100.

Um die Kamera ruhig und entspannt halten zu können gibt es viele zum Teil extrem teurer Schulterstative. Mir gefällt dieses hier sehr gut:

Relativ brauchbare Ergebnisse habe ich bislang mit diesem variablen Graufilter erzielt. Allerdings verfälsch er die Farben sehr stark wenn er nahezu vollständig geschlossen ist. Alternativ kann man auch einfach zwei einfach Linear-Polfilter gegeneinander verschränken.

Für einen “malerischen Look” der einer Kinoproduktion ähnelt sollte man die Kamera das Video nicht zu stark schärfen lassen und auch die Kontraste und Farben nicht zu stark einstellen. Je mehr Informationen im Ausgangsmaterial vorhanden sind, umso besser lässt sich daraus ein hochwertiges Video erstellen. Ist das Ziel also ein Look wie bei einem “richtigen” Kinofilm rate ich dazu:

  • Fotomodus auf “Neutral” stellen
  • Kontrast -2
  • Schärfe -2
  • Delithing: Normal

Beim Schnitt des Ausgangsmaterials könnte lässt sich so später der Kontrast erhöhen, oder die Farbintensität steigern. Ist das Ausgangsmaterial jedoch zu kontrastreich, so ist meist nicht mehr viel zu retten. Wenn das was man durch die Sucherlupe beim Filmen sieht also zunächst ein wenig blass aussieht ist das genau richtig und kein Grund an den Kameraeinstellungen etwas zu ändern. Auch lässt sich ein Video beim Schnitt sehr einfach nachschärfen. Hat das Ausgangsmaterial jedoch bereits Artefakte durch eine zu heftige Einstellung, so lassen sich diese im Nachhinein nicht mehr entfernen.

Die “Goldene Regel” lautet also: WENIGER IST MEHR

Bei den Objektiven kommt es im Video-Bereich weniger auf perfekte Schärfe usw. an. Hier geht es vielmehr um die “Usability”, also die einfache Verwendung eines Objektives. Es ist eine gute Idee das Objektiv auch danach auszusuchen wie leicht und geschmeidig sich der Fokusring bewegen lässt. Für Videoaufnahmen eigenen sich folgende Objektive meiner Meinung nach sehr gut:

  • Nikkor AiS 2,8/18mm
  • Nikkor AiS 2,8/28mm
  • Nikkor AiS 2,0/35mm
  • Nikkor H 1,4/50mm
  • Nikkor AiS 1,4/5omm
  • Nikkor AiS 2,8/55mm
  • Nikkor AiS 2,0/85mm
  • Nikkor AiS 2,5/105mm
  • Nikkor AiS 2,8/135mm
  • Nikkor AiS 2,8/180mm ED
  • Nikkor AiS 2,8-3,5/35-70mm
  • Nikkor AiS 4/80-200mm

Wer keine AiS sondern Ai Objektive ohne “S” bspw. bei eBay angeboten bekommt, kann hier mit ebenfalls mit gutem Gewissen zuschlagen. Die AiS Objektive sind meist baugleich mit dem Vorgänger ohne “S”. Das “S” macht bei der Nutzung an der Nikon D800 usw. keinen Unterschied, es war nur eine Änderung am Bajonett der Objektive damit die Programmautomatik der Nikon FA besser funktioniert. Wer also nicht mit einer Nikon FA fotografiert für den macht es praktisch kaum einen Unterschied ob er ein Ai oder AiS Objektiv kauft. Wichtig ist grundsätzlich, dass die Objektive in gutem Zustand sind. Wem der Kauf bei einer Internet-Börse zu heikel ist, dem sei der Besuch des Bonner City-Foto-Centers angeraten. Wer in Köln wohnt sollte mal bei Foto Gregor oder Foto Lambertin vorbei schauen. Rund um Mainz und Frankfurt wird man bei Foto Oehling oft fündig wenn es um gebrauchte Objektive in gutem Zustand geht.

Wer für seine Videos einen eher dokumentarischen Ansatz hat und weniger auf einen Kino-Look anstrebt, dem würde ich raten an der Nikon D800 einfach das Kameraprofil “Standard” einzustellen und das Delithing auf Automatik zu setzen. Ob man nun eine Bildfrequenz von 24, 25 oder 30 Bildern/Sekunde wählt ist jedem selbst überlassen. Ich filme meist mit 25 B/s und kombiniere dies auch gern mit 50B/s aus anderen Kameras wie bspw. meiner Panasonic HC-X909.

Für Zeitlupeneffekte sollte man die schnellste Bildfrequenz wählen die an der Kamera eingestellt werden kann.

Nachbearbeitung

Hier habe ich noch ein sehr gutes Tutorial in dem erklärt wird wie man mehrere Video-Spuren mit Final Cut Pro X zu einem Multicam-Clip zusammenfasst und dabei noch ein Boom-Mic, also ein “Hauptmikrofon” passend synchronisiert:

 

Zum Thema “Color Correction” kann ich dieses Video mit gutem Gewissen empfehlen:

 

Fazit

Moderne Kameras sind ein Segen für alle die ihrer Kreativität freien Lauf lassen wollen und denen in Zeiten von Super 8 und VHS-Video die Nachbearbeitung zu kompliziert und die Ergebnisse zu schlecht waren. Mit Kameras wie der Nikon D800 lassen sich Videos produzieren die von professionellen Produktionen nicht zu unterscheiden sind. Der Grund ist ganz einfach, die Profil nutzen diese Kameras ebenfalls :-)

Doch bereits mit kleinen preiswerten Kameras wie der Nikon 1 oder der Panasonic GM1 lassen sich Videos in einer Qualität erstellen die man vor ein paar Jahren noch als “Atemberaubend” bezeichnet hätte.

Das Jahr 2014 markiert also die “Goldene Zeiten für alle Kreativen”. Ich wünsche ein schönes Osterfest und wie immer “Gut Licht”.

 

 


Nikon D800 – Die besten Objektive

In den letzten Wochen bekomme ich ständig E-Mails von YouTube-Zuschauern, Facebook-Freunden und Lesern dieses BLOGs in denen ich gefragt werde welches Objektiv ich für diese oder jene Kamera empfehlen würde. Es kostet viel Zeit all diese Fragen persönlich zu beantworten und daher möchte ich heute mal alles zusammenfassen was ich zum Thema Objektive für die Nikon D800 und andere Nikon Kameras zu sagen habe.

Wer keine Lust auf lange Absätze hat, der könnte sich zunächst dieses Video anschauen. Danach sollte man wissen wo der Unterschied zwischen Ai und AiS ist und welches die wesentlichen Kriterien für Einschätzung eines Objektives sind.

 

Nachdem ich dieses Video online gestellt habe gab es noch viele Fragen in denen es um den Unterschied zwischen AF, AF-D, AF-S usw. ging. Dazu habe ich auch ein Video erstellt. Außerdem habe ich in diesem Video ganz kurz ein Shift & Tilt Objektiv vorgestellt.

 

Wer jetzt noch nicht weiß welches Objektiv für Ihn und seine Vollformatkamera perfekt ist, habe ich hier mein Unboxing-Video das ich am Tag aufgenommen habe, als meine Nikon D800E endlich lieferbar war. Hier sieht man eine ganze Reihe von Objektiven die zum Teil schon recht alt sind. Zusammenfassend kann ich nach einigen Monaten mit der D800E sagen, dass man alle Ai und AiS Objektive sehr gut an der Nikon D800 oder auch D800E benutzen kann. Es gibt halt keinen Autofokus und bei offener Blende können sie zumeist den Chip der D800 nicht mehr vollständig ausreizen. Blendet man diese Objektive allerdings um 2-3 Blendenstufen ab, so sind sie in der Regel perfekt was die reine Auflösung anbetrifft. Die neueren Objektive haben bezüglich der Vergütung usw. trotzdem häufig die Nase vorn. So liefern teure moderne Profiobjektive meist Bilder mit höherem Kontrast, sind farbneutraler, verzeichnen etwas weniger und haben zumeist einen Autofokus der auf einem Ultraschallmotor basiert – also AF-S (Silent Wave).

 

Für alle die entweder keine Lust haben die langen Videos anschauen oder sich immer noch unschlüssig sind habe ich hier eine Liste meiner Empfehlungen für Nikon FX-Kameras wie die Nikon D800 zusammengestellt.

Objektivauswahl - Nikon D800E - Lens Suggestions

 

Standardbrennweiten

An einer FX Kamera entspricht ein Objektiv mit 50mm Brennweite etwa dem natürlichen Sichtfeld des menschlichen Auges. Daher wurden früher praktisch alle Kamera mit einem 50mm Objektiv verkauft. Was heutzutage häufig als “Kit-Linse” oder “Scherbe” schlechtgeredet wird, war vor 50 Jahren schlicht und ergreifend ein “Normalobjektiv”.

 

Nikkor AF-D 1,8/50mm

Ein extrem billiges kleines leichtes Normalobjektiv ohne eingebauten Autofokus-Motor. Es wird in China produziert und man bekommt es neu schon für rund 100 Euro. Wer wenig Geld hat, bekommt hier ein Objektiv mit sehr guten Abbildungseigenschaften, das auch an DX-Kameras ab der D7000-er Serie gute Arbeit leistet. An der D3xxx und D5xxx ist es weniger optimal, weil diese Kameras keinen eigenen Autofokus-Motor haben.

Nikkor AF-S 1,8/50mm

Etwas teurer größer und schwerer ist das AF-S 1,8/50mm. Dieses Objektiv hat einen Silent-Wave Motor (Ultraschall-Motor) für den Autofokus und funktioniert somit auch sehr gut an allen D3000, D3100, D3200, D5000, D5100, D5200, D5300 usw.

Nikkor AF-S 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist ein wenig lichtstärker und kostet schon rund 350,- Euro. Durch die hohe Lichtstärke gelingen damit Fotos bei wenig Licht meist etwas besser, weil im absoluten Grenzbereich der Autofokus noch etwas besser funktioniert als bei der 1,8er Variante. Außerdem ist die Hintergrundunschärfe etwas stärker ausgeprägt. Dieses Objektiv eignet sich damit extrem gut für alle die gern Videos aufnehmen und einzelne Objekte mit weit geöffneter Blende freistellen wollen.

Hier habe ich ein Beispielfoto, das vor einer Weile auf einem Weinfest entstanden ist. In diesen Situationen wird man das AF-S 1,4/50mm lieben. Man beachte auch das schöne weiche Bokeh!

Nikon D800E - Available Light - AF-S 1.4/50mm

Nikkor AiS 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist schon etwas älter, liefert aber annähernd die gleiche Bildqualität wie das moderne AF-S Pendant. Meiner Meinung nach ist es besser für Video-Filmer geeignet, weil der Fokusring herrlich butterweich läuft, einen festen Endanschlag für “Unendlich” hat und zugleich eine feinere manuelle Fokussierung erlaubt.

Nikkor H 1,4/50mm

Eines der ältesten lichtstarken Objektive aus dem Hause Nikon. Man kann es sehr leicht selbst auf Ai umbauen und damit liefert es gute Dienste für alle Videofilmer und Fotofreaks die Bilder mit einem etwas altmodischen Touch haben wollen. Die Konstruktion ist mehr als 50 Jahre alt, damit ist der Kontrast geringer, es gibt stärkere Lens-Flares usw. Im direkten Vergleich zum AF-S 1,4/50mm sind diese Nachteile deutlich sichtbar. Für Portraits bei Gegenlicht usw. ist es dennoch ein sehr cooles Objektiv, gerade wegen dieser Fehler die den Fotos einen eigenen Touch verleihen können.

 

Weitwinkelobjektive

Nikkor AiS 2,8/28mm

Wirklich schlechte Objektive hat man bei Nikon nie gebaut und es gab sogar einige Objektive trotz allem aus der Menge der teils hervorragenden Objektive herausgeragt haben. Eines dieser Objektive ist das AiS 2,8/28mm. Mit diesem Objektiv macht man nichts falsch wenn es um eine sehr hochkarätige universell einsetzbare Weitwinkel-Brennweite geht. Ich schätze dieses Objektiv über alle Maßen und kann es jedem empfehlen der ein extrem solide gebautes Weitwinkel mit perfekten Abbildungseigenschaften sucht. Ähnlich gut ist übrigens auch das Nikkor AiS 2,8/24mm. Beide Objektive sind perfekt für alle Video-Filmer geeignet weil der Fokusring wie bei allen manuell fokussierbaren Nikon-Objektiven wunderbar weich läuft. Statt viel Geld für ein ebenfalls manuell fokussiertes ZEISS Objektiv auszugeben, kann man auch einfach versuchen bei eBay & Co ein AiS 2,8/28mm für etwa 150 Euro abzustauben.

Nikkor AF-S 2,8/14-24mm

Dieses Objektiv ist ein großes teures Profiobjektiv und der Listenpreis liegt bei ca. 1500 Euro. Es ist perfekt gegen Staub und Umwelteinflüsse abgedichtet, die Abbildungsqualität ist exzellent, Konstrast, Schärfe liegen auf sehr hohem Nivea. Die Verzeichnung ist gering und zugleich so linear, dass man sie sehr einfach mit Nikon Capture, Lightroom oder Photoshop korrigieren kann. Ein Nachteil ist, dass bedingt durch die weit vor gewölbte Frontlinse keine normalen Filter verwendet werden können.

Nikkor AF-S VR 4/16-35mm

Nikon D800E - Nikon AF-S VR 4/16-35mm

Diese Objektiv ist etwa 500 Euro preiswerter als das 2,8/14-24mm. Es ist ähnlich hochwertig gebaut und liefert bereits bei offener Blende brauchbare Fotos. Der eingebaute Bildstabilisator macht die fehlende Blendenstufe zum AF-S 2,8/14-24mm mehr als wett. Das 77mm Filtergewinde steht fest und man kann damit nach der Fokussierung bspw. einen Infrarotfilter aufschrauben OHNE die Fokussierung versehentlich zu verändern. Verwendet man Slim-Line-Filter, so ist auch bei 16mm Brennweite keine Abschattung der Bildecken erkennbar. Bei “normalen” Filtern werden die äußersten Ecken etwas abgedunkelt. Hier sollte man sich also auf ca. 18mm beschränken oder die leichte Vignettierung mit Photoshop & Co. nachträglich entfernen.

Hier ein Beispiel für ein Infrarotfoto das mit einem HOYA IR72 und der Nikon D800E aufgenommen habe.

Nikon D800E - Beispielfoto mit Infrarot-Filter HAMA IR-72

Nikkor AF-D 2,8/24mm

Ein kleines gut gemachtes Weitwinkel mit 52mm Filtergewinde das in fast jeder Hosentasche Platz hat ist das 2,8/24mm. Schaltet man den Autofokus na der Kamera aus, kann man dieses Objektiv ähnlich gut manuell fokussieren wie die älteren Pendants ohne Autofokus. Die Bildqualität ist mehr als brauchbar und es eignet sich recht gut für alle Video-Filmer.

SAMYANG 2,8/14mm

Nikon D800E mit SAMYANG 2.8/15mm

Dieses Objektiv gibt es mit und ohne CPU. Ich habe mich damals für die Version ohne CPU entschieden, würde aber eher die etwas teurere Version mit CPU empfehlen. Durch die eingebaute CPU können die Kameras die eingestellte Blende und die Brennweite des Objektives ohne Umwege direkt in den EXIF-Daten der Fotos speichern, was manchmal sehr praktisch ist. Die Verzeichnung dieses Objektives ist nicht linear und nur schwer zu entfernen. Damit wird es allen Architekturfotografen Kopfschmerzen bereiten. Auch ist es bei Gegenlicht nicht wirklich perfekt, aber angesichts des niedrigen Preises von nur ca. 300 Euro ist es eine sehr gute Alternative zum extrem teuren AF-S 2,8/14-24mm. Vom gesparten Geld kann man sich dann ein AF-S VR 4/16-35 und ein AF-S 1,8/50mm leisten…

Hier habe ich ein Foto das ich mit dem SAMYANG und meiner Nikon D700 vor einigen Monaten aufgenommen habe. Ich denke, an der Bildqualität gibt es nichts zu meckern, oder?

Nikon D700 & Samyang 2.8/14mm

Teleobjektive

Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm

Dieses Objektiv ist eines meiner liebsten Objektive überhaupt. Inzwischen gibt es eine neuere Version, die auch am äußersten Rand noch komplett scharf abbildet. Allerdings ist der kürzeste Aufnahmeabstand mit der neueren Version deutlich länger, so dass ich die ältere Variante besonders für Portraits bevorzuge. Das Objektiv funktioniert sehr gut mit Tele-Konvertern. Es ist kompatibel mit TC14, TC17 und TC20 Modellen. Verwendet man den TC-20 Tele-Konverter, so hat man ein 140-400mm Teleobjektiv mit Blende 5,6. Damit funktioniert der Autofokus noch sehr gut und das Objektiv eignet sich damit sowohl für die Tierfotografie als auch für schöne Portraits.

Hier habe ich ein Beispiel das schon etwas älter ist. Aber man sieht, dass dieses Objektiv selbst bei Blende 5,6 noch eine sehr schöne Hintergrundunschärfe liefert und das eigentliche Motiv perfekt scharf abzubilden vermag.

Nikon AF-S VR 2.8/70-200 - Example

Wer sich für dieses Objektiv interessiert muss mit einem Preis von ca. 1900 Euro rechnen. Die ältere Version bekommt man in gutem Zustand auf dem Gebrauchtmarkt für ca. 1000 Euro. Eine preiswerte Alternative ist ggfs. das neue AF-S VR 4/70-200mm. Hier habt man aber ein weniger schönes Bokeh und Tele-Konverter können nur eingeschränkt genutzt werden.

Nikkor AF-S VR 4/200-400mm

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 4/200-400mm

Der Hammer für die Tierfotografie ist das leider sehr große und schwere AF-S VR 4/200-400mm. Dieses Objektiv mutiert wegen des DX-Crop-Faktors an einer Nikon D7100 zu einem 300-600mm Telezoom mit sehr akzeptabler Lichtstärke. Es ist mein Tipp für alle Tierfotografen die ca. 6.500 Euro für ein Teleobjektiv ausgeben können. Im Vergleich zu den ähnlich teuren Festbrennweiten hat man hier deutlich mehr Flexibilität. In Verbindung mit einem TC-20 Tele-Konverter wird aus dieser Liste an einer Nikon D7100 ein 600-1.200mm Superteleobjektiv mit Blende 8. Damit funktioniert bei gutem Licht der Autofokus noch recht zuverlässig. Es gibt nur wenige Objektive die in der Tierfotografie oder auch Ansitzfotografie ähnlich gute Dienste leisten. Hier habe ich ein kleines Beispielvideo das ich vor einer ganzen Weile mit dem AF-S VR 4/200-400mm und einem Nikon TC-17E II in Verbindung mit einer Nikon D7000 aufgenommen habe. Leider hatte ich meine sehr coole “Affenschaukel” damals noch nicht, so dass die Kamerabewegungen etwas “hakelig” sind. Mit der neuen Benro “Affenschaukel” gelingt das jetzt deutlich flüssiger. Und das Argument für den Kauf dieser nicht ganz preiswerten Alternative zu einem Kugelkopf war letztlich dieses Video.

 

Wer über den Kauf eines solchen Objetkivs nachdenkt, sollte also auch die Folgekosten beachten! Ich verwende dieses Objektiv heute ausschließlich mit einem stabilen BENRO M3204 Carbon Stativ und der oben gezeigten “Affenschaukel” die ebenfalls von BENRO stammt. Diese Kombination kostet etwa 800 Euro, man muss ich also gut überlegen ob man zum einen soviel Geld ausgeben will und zum anderen das exorbitante Gewicht dieses kleinen Monsters “ertragen” will.

Nikkor AF-S VR 4,5-5,6/80-400mm

Lange Zeit war das einige halbwegs preiswerte lange Telezoom aus dem Hause Nikon das AF-D VR 80-400mm. Bedingt durch die etwas ältere Konstruktion hatte dieses Objektiv noch keinen AF-S. Daher wird für den Autofokus eine Kamera mit eingebauten Autofokus-Motor benötigt. Vielfach wurde der dadurch etwas langsame Autofokus bemängelt. Seit einigen Monaten ist nun der Nachfolger mit eingebautem schnellem Ultraschall-Motor lieferbar. Die neue Version ist halbwegs bezahlbar und liegt bei etwa 2.400 Euro. Bedingt durch die relativ geringe Lichtstärke sollte man es nicht mit Tele-Konvertern verwenden. Beispielsweise den Kenko 1,4-fach Konverter könnte man noch benutzen, bei längeren Konvertern liegt die verbleibende Lichtstärke jenseits von Blende 8, so dass bei schwachem Licht der Autofokus nicht mehr zuverlässig funktionieren wird. Ein großer Vorteil dieses Objektivs sind das relativ geringe Gewicht und die recht kompakten Abmessungen.

Nikkor AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm

Nikon D800E & Nikon AF-D VR 80-400mm

Hier habe ich ein Beispiel, das ich vor 7 Jahren mit dem damals brandneuen AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm und meiner damals ebenfalls brandneuen Nikon D2x aufgenommen habe. Schaut das Foto mal in “Original-Größe” an und Ihr werdet sehen, dass man auch mit dem alten Objektiv durchaus gute Fotos machen kann. Wer also wenig Geld hat und ein kompaktes brauchbares Telezoom sucht, der ist meiner Meinung nach mit dem recht alten 80-400mm immer noch recht gut beraten.

BUSSARD - Nikon D2x & AF-D VR 80-400mm

 

Midrange Zoomobjektive

Nikkor AF-S 2,8/24-70mm

Der Klassiker unter den professionellen “Immer-Drauf” Linsen ist das AF-S 2,8/24-70mm. In den nächsten Monaten erwarte ich eine neuere Version mit eingebauten VR-Bildstabilisator. Dann dürften die Preise für die erste Version fallen. In den letzten Monaten war es schon im Rahmen einer Cash-Back Aktion mit einem Rabatt von 200 Euro lieferbar. Dieses Objektiv kann eigentlich alles und ich mag es sehr gern. Allerdings hat einer meiner Fotofreunde in den letzten Monaten viel Stress mit seiner Version gehabt. Der Zoom-Ring lief nicht gleichmäßig weich und hat manchmal etwas gehakt. Das Objektiv wurde mehrfach umgetauscht aber alle Ersatzgeräte hatten das gleiche Problem. Erst ein Besuch beim Nikon-Service in Düsseldorf konnte das Problem dauerhaft lösen. Hier sollte man also gut überlegen wo man dieses Objektiv ggfs. kauft. Meine Version war vom ersten Tag an tadellos. ich benutze dieses Objektiv sehr gern, allerdings sind Baugröße und Gewicht beachtlich. Wenn es auf jedes Gramm ankommt, packe ich lieber das extrem billige AF-G 28-80mm ein…

Hier habe ich ein Beispiel das vor einigen Tagen mit der Nikon D800E und dem AF-S 2,8/24-70mm in Frankfurt entstanden ist.

Frankfurt Downtown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Nikkor AF-S 2,8/28-70mm

In den Zeiten in denen die Nikon F5 noch ein superheißes Eisen war, nutzen viele Profis das AF-S 2,8/28-70mm. Dieses war das erste Objektiv mit einem eingebauten Ultraschall-Motor für den Autofokus. Es hat noch einen Blenden-Ring, ist also kein G-Typ und funktioniert sogar an der Nikon F4 vollständig! Das dieses Objektiv noch aus der analogen Welt stammt, ist die Auflösung bei offener Blende nicht wirklich großartig. Aber bei Blende 8 ist es sehr brauchbar und dem neueren AF-S 2,8/24-70 fast ebenbürtig. Aktuell wird es bei eBay & Co für ca. 500 Euro gehandelt. Wer sich die aktuelle teure Version nicht leisten kann, ist also ggfs. mit dem etwas älteren Pendant recht gut bedient.

Nikkor AiS 2,8-3,5/35-70mm

Dieses Objektiv war das erste Profi-Zoom aus dem Hause Nikon. Es ist kompakt, extrem robust und liefert trotz des hohen Alters auch an einer Nikon D800E erstaunlich gute Bildergebnisse. Es eignet sich ebenfalls sehr gut für Video-Filmer weil Zoom und Fokus im Idealfall wirklich butterweich laufen und einen großen Einstellweg haben.

Nikkor AF-G 3,3-5,6/28-80mm

Es fühlt sich an wie die letzte Plastikgurke, es ist leicht, klapprig und extrem billig, aber es liefert trotzdem gute Fotos! Wer ein extrem leichtes Midrange-Zoom für seine FX-Nikon sucht, der liegt mit diesem Ding genau richtig.

Nikon D700 mit Nikkor AF 28-80G

In diesem Artikel findet ihr weitere Infos zu diesem Objektiv.

 

Makro-Objektive

Nikkor AiS 2,8/55mm

Dieses Objektiv ist der absolute Klassiker unter den “kurzen” Nikon Makro-Objektiven. Es wurde bis vor kurzem noch hergestellt und die Bildqualität ist über alle Zweifel erhaben. In diesem Artikel findet Ihr einige Testfotos in voller Auflösung, die ich mit dem AiS 2,8/55mm und der Nikon D800E aufgenommen habe. Der Filterdurchmesser beträgt 52mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:2.

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikkor AF-D 2,8/60mm

Etwas moderner und robust wie ein Panzer ist das AF-D 2,8/60mm. Wer etwas Geld sparen möchte, der kann ggfs. auch den Vorgänger ohne “D” kaufen. Die Bildqualität ist identisch. Das “D” steht für “Distance” und ermöglicht etwas bessere Fotos in Verbindung mit entsprechenden Blitzgeräten. In der Macro-Fotografie ist das aber nicht unbedingt erforderlich. Der Filterdurchmesser beträgt 62mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:1. Das 60er Macro ist ein absoluter Klassiker und eignet sich an DX Kameras wie bspw. der Nikon D7100 auch sehr gut für Portraits im Studio. Die Hintergrundunschärfe ist nicht so schön wie bei einem speziellen Portraitobjektiv, aber bei fast vollständig geöffneter Blende immer noch ganz brauchbar.

Nikkor AF-D 2,8/105mm

Dies ist der “Große Bruder” des 60er Makro-Objektives. Die Bildqualität ist auf gleichem Niveau und wegen der längeren Brennweite kann man es bei offener Blende auch mal für Portraits verwenden. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt auch hier 1:1, das Filtergewinde hat 52mm. Auch hier gab es eine Variante ohne “D” die genauso gut funktioniert und ggfs. ein paar Euro billiger ist.

Nikkor AF-S VR 2,8/105mm

Das aktuelle Micro-Nikkor hat deutlich mehr Linsen, ist größer, schwerer, teurer und liefert letztlich keine anderen Ergebnisse als das AF-D 2,8/105mm. Im Makro-Bereich ist der Bildstabilisator überflüssig, ich würde eher zum etwas älteren Modell raten und vom gesparten Geld ein paar Zwischenringe usw. kaufen. Auch dieses Objektiv kann man notfalls sehr gut für Portraits verwenden!

Sigma EX-DG 2,8/105mm Macro

Dieses Objektiv ist ein Klassiker und auf dem Gebrauchtmarkt recht preiswert zu haben. Die optischen Eigenschaften sind exquisit, es steht dem Nikon AF-D 2,8/105mm in nichts nach. Allerdings ist die mechanische Qualität nicht so hochwertig wie beim Pendant von Nikon. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1:1, zum Lieferumfang gehört eine sehr stabile Gegenlichtblende aus Metall. Aufgrund des geringen Gewichts und der kompakten Abmessungen zählt dieses Objektiv zu meinen absoluten Favoriten. Es gibt etwas ältere Versionen ohne “DG”. Dieses Objektive sind ebenfalls sehr gut, der Unterschied ist eine zusätzliche speziell vergütete “Rücklinse” bei den neueren “DG” Modellen. Diese Vergütung soll Spiegelungen des Sensors in der rückwärtigen Linse verhindern.

Es ist eine neuere Version mit eingebautem Ultraschallmotor für den Autofokus lieferbar. Ich bevorzuge jedoch die etwas ältere Variante weil sie deutlich leichter ist und man in der “echten Makro-Fotografie” keinen AF-S benötigt. Wer mit diesem Objektiv ggfs. Portraits fotografieren möchte, der liegt mit der neuen Version allerdings goldrichtig!

Sigma EX-DG 3,5/180mm Macro

Besonders wenn man in der freien Wildbahn versucht Spinnen und anderes Getier groß abzubilden leisten etwas längere Macro-Objektive sehr gute Dienste. Das 180er Makro-Objektiv aus dem Hause Sigma verwende ich auch sehr gern in Verbindung mit dem 1,4-fach Teleconverter den Sigma passend anbietet. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1.1 und kann durch Verwendung des Teleconverters bei gleichem Abstand zum Motiv um den Faktor 1,4 gesteigert werden. In den EXIF-Daten wird dieses Objektiv witziger Weise mit 185mm Brennweite aufgeführt.

Sigma-180

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich vor ein paar Jahren mit meiner Nikon D2x und diesem Objektiv aufgenommen habe.

Nikon-D2x-Sigma-180mm-Butterfly

Man beachte die schöne Hintergrundunschärfe! Wer genug Abstand zu seinen Models einnehmen kann, der hat mit dem Sigma EX DG 3,5/180mm auch eine schöne Portraitbrennweite.

Nikkor AF-S 2,8/40mm

Dieses Objektiv ist eigentlich für das kleinere DX Format gerechnet. Allerdings leuchtet es in Verbindung mit Zwischenringen auch das komplette FX-Format aus. Die Abbildungsqualität ist exzellent und an einer Nikon FX-Kamera ist es ein schönes “Normal-Objektiv” mit geringster Verzeichnung und überragender Abbildungsqualität.

 

Portrait-Objektive

Nikkor AF-D 1,4/85mm

Der “King of Bokeh” ist nach wie vor das Nikon AF-D 1,4/85mm. Dieses Objektiv ermöglicht selbst bei Blende 5,6 noch ein außergewöhnlich gute Freistellung von Personen in der Portraitfotografie. Außergewöhnliche Schärfeleistung darf man sich von diesem Objektiv nicht erwarten, seine Stärke ist eher die dezente Unschärfe im Vorder- und Hintergrund. Sein Motiv positioniert man irgendwo dazwischen und erhält wie von Geisterhand Portraits die einen gewissen “malerischen Look” haben. Weichzeichner und andere Hilfsmittel braucht man bei diesem Objektiv eigentlich nicht. Auch für Video-Filmer eignet es sich sehr gut, weil man mit dieser Linse extrem gekonnt mit der Verlagerung der Schärfeebene spielen kann.

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich im Jahr 2006 mit meiner Nikon F3 und dem AF-D 1,4/85mm und einem AGFA Film mit ISO-200 aufgenommen habe. Man beachte hier besonders den Schärfeverlauf. Die Hand mit der Maus ist unscharf und die Kalender hinten an der Wand kann man auch nur erahnen. Das Gesicht meines Freundes Richard ist hingegen perfekt scharf abgebildet. Diesen Bildeindruck bekommt man nur mit dem 1,4/85mm hin.

F3_AF_D_1.4_85mm_thumb.jpg

Und so sieht dieses Objektiv aus. Die Linsen sind riesig und die Verarbeitung exquisit. Das Filtergewinde beträgt 77mm, man kann locker einen 8x Graufilter aufsetzen und wegen der hohen Lichtstärke hat man immer noch ein helles Sucherbild. Besonders in Verbindung mit einem Graufilter ermöglicht dieses Objektiv große Blendenöffnungen bei hellem Licht und mäßig kurzen Belichtungszeiten. So kann man auch Outdoor mit Blitzsystemen arbeiten. Will man Blitzen, so darf die kürzeste Blitzsynchronzeit nicht unterschritten werden. Bei einer Nikon D800 kann man zudem die ISO-Empfindlichkeit auf ISO-50 absenken. Das sind die besten Voraussetzungen für schöne Portraits unter freiem Himmel, so kann man bei ISO-50, 1/250s in Verbindung mit einem Graufilter mit Blende 2,0 perfekte Portraits mit guter Schärfe in den Gesichtern und perfekter Unschärfe im Vorder- und Hintergrund erzielen.

Nikon-AF-D-14-85mm

Nikkor AF-S 1,4/85mm

Dies ist die neuere Version des zuvor beschriebenen Objektivs. Der optische Aufbau wurde etwas modifiziert und für die schnelle und leise Fokussierung gibt es jetzt einen Ultraschall-Motor im Objektiv. Die Abbildungsqualität ist sehr ähnlich. Wer sich die neuere Version leisten kann, der kann sie mit gutem Gewissen kaufen.

Nikkor AF-D 1,8/85mm

Die 1,8er Version unterscheidet sich massiv vom 1,4/85mm. Der Neupreis betrug damals weniger als die Hälfte und Nikon hat beim, 1,8er viel Kunststoff verwendet. Der Bildqualität tut dies aber keinen Abbruch, lediglich das Bokeh ist nicht ganz so weich wie bei der deutlich teureren, größeren und schwereren 1,4er Variante. Wer ein brauchbares Portrait-Objektiv sucht und wenig Geld hat, für den ist das AF-D 1,8/85mm genau richtig.

Nikkor AF-S 1,8/85mm

Das gleiche gilt auch für die neuere Version mit AF-S Aufofokus. Auch hier spart man eine Menge Geld, aber der Look der Fotos ist auch deutlich anders. Wer sich das 1,4er nicht leisten kann und wem der Autofokus des AF-D 1,8 zu laut und zu langsam ist, der kann mit gutem Gewissen zum AF-S 1,8/85mm greifen.

Mein Favorit unter den Portrait-Objektiven ist allerdings nach wie vor das AF-D 1,4/85mm.

Nikkor AF DC 2,0/105mm

Eine Sonderstellung unter den speziellen Portrait Objektiven nimmt das DC 2,0/105mm ein. Der Clou an diesem Objektiv ist der spezielle “Defocus-Image-Control” Mechanismus. Damit kann man die Unschärfe im Hintergrund gezielt steigern und erhält einen Look den auch das AF-D 1,4/85mm nicht bieten kann. Dieses Objektiv ist allerdings sehr speziell und es benötigt für den Autofokus eine Kamera mit eingebautem AF-Motor. Der Blendenkreis ist fast perfekt gerundet und das Objektiv hat eine eingebaute Gegenlichtblende. Der Preis liegt bei etwa 1.000 Euro und dieses Objektiv ist etwas für echte Spezialisten unter den Hochzeitsfotografen.

Zusammenfassung

Das waren jetzt meine Tipps wenn es um Objektive für das Nikon FX-Format geht. Die Liste ist längst nicht vollständig und man könnte sie mit weiteren Objektiven bspw. von ZEISS weiter anreichern. Aber ich besitze keine ZEISS Objektive weil für das wenige was sie mehr können als die Nikon Objektive nicht bereit bin einen exorbitanten Zuschlag zu bezahlen. Außerdem kommen die ZEISS Objektive für das Nikon-F Bajonett derzeit ohne Autofokus daher, es sind also eher Objektive für zahlungskräftige Enthusiasten.

Objektive von Tamron fehlen in dieser Liste völlig. Dies liegt an meinem gespannten Verhältnis zu dieser Marke. Alles was ich bislang aus dem Hause Tamron hatte, habe ich schnell wieder bei eBay verkauft weil mir die Objektive nicht gefallen haben. Es gibt durchaus auch gute Tamron-Linsen, aber warum soll ich dafür Geld ausgeben wenn ich das “Original” von Nikon habe?

Sehr brauchbare hochwertig verarbeitete Objektive gibt es auch von Tokina. Ich habe beispielsweise das AT-X Pro 2,6-2,8/28-70mm, eine wirklich hochwertige Linse! Aber ich benutze sie praktisch gar nicht mehr seit ich das Nikkor AF-S 2,8/24-70mm besitze.

Alles in allem ist das Angebot wirklich guter Objektive für das Nikon-F Bajonett fast unüberschaubar. Man könnte ein echtes Vermögen dafür ausgeben und hätte noch immer nicht alles was das Herz begehrt.

Müsste ich eine Empfehlung für eine sinnvolle Objektivauswahl für die Nikon D800 abgeben, dann sähe sie wie folgt aus:

  • Nikkor AF-S 1,4/50mm (Damit starten wir nach dem Kauf der Kamera)
  • Nikkor AF-S 2,8/24-70mm (Das ist das 2. Objektiv das ich kaufen würde)
  • Nikkor AF-S VR 4/16-35mm (Mir liegt der weite Winkel mehr als das Tele, das wäre #3)
  • Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm V1 (Toll für Tiere und Portraits, meine #4)
  • Nikkor TC17E-II (DER Tele-Konverter zum 70-200)
  • SAMYANG 2,8/14mm (DIE preiswerte Erweiterung zum 16-34mm)
  • Sigma EX DG 2,8/105mm (Das ist “mein” Makro!)
  • Nikkor AF-D 1,4/85mm (Wenn Portrait, dann diese Linse!)
  • Sigma EX DG 3,5/180mm (Ich würde mit dem 105er starten und später ggfs. zum 180er aufsteigen)
  • Sigma 1,4-fach Tele-Konverter (Tolle Erweiterung zum 180er Makro)

 

 


Panasonic GH3 – Schönes Bokeh mit kleinem Sensor

Bokeh Test #9 - Nikon D800E - AF-D 1,4/85mm @F1,8

Die Hintergrundunschärfe wird auch als Bokeh bezeichnet. Bei hartgesottenen “Lens-Nerds” wird das Bokeh eines Objektives oft höher gehandelt als die Abbildungsqualität. Weil man für Kameras mit kleinen Sensoren auch Objektive mit kürzeren Brennweiten benötigt, wird die Hintergrundunschärfe größer je kleiner der Sensor wird. Das mag paradox klingen, es ist aber so :-) Dies ist wohl auch der Grund warum echte Profis auch heute noch mit Kameras wie der Mamiya RZ-67 Pro II fotografieren. Dort ist die Fläche die belichtet wird satte 6x7cm groß. Daher hat bei einer solchen Mittelformat-Kamera ein kleines Portrait-Teleobjektiv schon rund 200mm Brennweite. An einer Kamera wie der Panasonic GH3 bekommt man einen sehr ähnlichen Blickwinkel schon mit etwa 45mm Brennweite hin. Der Unterschied im Bildeindruck ist dadurch jedoch gewaltig.

Spätestens seit der Vorstellung der Nikon D600 ist ein ausgeprägter Trend weg von Kameras mit Sensoren im APS-C Format, hin zum doppelt so großen 35mm Kleinbildformat auszumachen. Alle jene die bei diesem Wechsel sehr tief in die Tasche greifen haben wohlmöglich Haus und Hof verpfändet weil sie in einer Fotozeitung gelesen haben, dass man nur im “Vollformat” ein tolles Bokeh hinkriegt und dass Fotos ohne Bokeh grundsätzlich schlecht sind. Hier gibt es viel Hysterie seitens der Kunden und in den Marketing-Abteilungen manch eines Kameraherstellers wird dies mit fetten Bonuszahlungen honoriert.

Schauen wir uns heute mal am Beispiel einiger Objektive an wie es mit dem Bokeh bei der Panasonic GH3 bestellt ist. Diese Kamera hat einen relativ kleinen Sensor der etwa ein Viertel der Fläche hat die es bspw. bei der Nikon D800 gibt. Ganz oben habe ich ein Foto eingefügt, dass ich eben draußen im Garten mit meiner Nikon D800E und dem “Weltmeister des gepflegten Bokehs” dem Nikkor AF-D 1,4/85mm bei Blende 1,8 aufgenommen habe.

Der Hintergrund ist in diesem Foto fast verschwunden. Im Gegenzug reicht die Tiefenschärfe aber kaum von der Nase bis zu den Ohren meines kleinen “Foto-Bären”. Die Hintergrundunschärfe ist also recht ausgeprägt aber die gesamte Auflösung des Bildes leidet offensichtlich unter der fast vollständig geöffneten Blende.

Da der Micro-Four-Thirds Standard von mehreren Kameraherstellern gemeinsam entwickelt wurde, lassen sich Olympus Objektive sehr schön an der Panasonic GH3 nutzen. Schauen wir uns mal im Vergleich die Panasonic GH3 mit dem Olympus Zuiko 1,8/45mm an. Dieses Objektiv entspricht einem 90mm Objektiv bezogen auf das 35mm Kleinbild (Vollformat).

Das Foto habe ich bei vollständig geöffneter Blende aufgenommen. Im Vergleich zum obigen Foto ist der Hintergrund deutlich klarer erkennbar, aber der kleine Bär wird trotzdem sehr schön vom Hintergrund abgehoben und im Vergleich zum Nikon-Portraittele ist hier die Nase des Bären sehr scharf abgebildet. Die Sache hat auch einen Vorteil, wer etwas ungeübt ist wird mit einer Micro-Four-Thirds Kamera also bei Portraits eine etwas höhere Trefferquote erzielen.

Bokeh Test #2 - Olympus Zuiko 1,8/45mm

Ein weiterer Vorteil sind Preis und Gewicht. Das Olympus 1,8/45mm kostet gerade einmal 279,- Euro und wiegt einen Bruchteil des Nikon-Pendants.

Schauen wir uns nun ein LEICA 2,8/45mm Macro-Objektiv an. Dieses Objektiv wurde weniger für schönes Bokeh als vielmehr für allerhöchste Auflösung konstruiert.

Bokeh Test #1 - LEICA MACRO ELMARIT 2,8/45mm

Man sieht einen ganz deutlichen Unterschied zum Olympus-Objetkiv. Auch hier ist der preisliche Unterscheid sehr groß, das LEICA 2,8/45mm ist mit einer Preisempfehlung in Höhe von 799,- Euro fast dreimal so teuer wie das winzige Pendant von Olympus.

Schauen wir uns nun an wie es um das Bokeh bestellt ist wenn man das gleiche Foto mit einem Panasonic 3,5-5,6/14-42mm Objektiv bei 42mm Brennweite und Blende 5,6 aufnimmt.

Bokeh Test #3 - Panasonic 3,5-5,6/14-42

Die Strukturen im Hintergrund sind jetzt noch deutlicher zu erkennen. Aber das Foto wäre dennoch recht brauchbar. Hier wird auch schnell klar, dass man die  längste Brennweite man bei Kameras mit kleinem Sensor für eine gelungenes Portrait-Foto verwenden sollte.

Megazoom Objektive sind zwar bei “Lens-Nerds” sehr verschrieben, aber dennoch mehr als praktisch. Ich fotografiere beispielsweise sehr gern mit dem Panasonic 3,5-5,6/14-140mm Megazoom. Schauen wir mal wie unser Bär bei ca. 42mm Brennweite mit diesem Objektiv bei vollständig geöffneter Blende aussieht.

Bokeh Test #4 - Panasonic 3,5-5,6/14-140mm V2

Im direkten Vergleich zum 12-42mm “Kit-Objektiv” ist hier die Hintergrund-Unschärfe sogar ein wenig ausgeprägter. Dies liegt daran, dass Blende 5,6 bei dieser Linse erst bei 140mm Brennweite erreicht wird. Es ist bei mittleren Brennweiten also ein wenig lichtstärker als das Kit-Objektiv.

Nun treten wird ein paar Schritte zurück und fotografieren unseren Bären mal bei 140mm Brennweite mit dem 10-fach Zoomobjektiv bei vollständig geöffneter Blende, also bei F/5,6.

Bokeh Test #5 - Panasonic 3,5-5,6/14-140mm @140mm

Der Ausschnitt ist jetzt etwas anders, mein Garten ist einfach zu klein. Aber wir sehen schon, dass der Hintergrund jetzt recht schön verschwimmt. Und aufgrund des engeren Blickwinkels wird unser kleiner Bär auch viel stärker betont, weil das Objektiv wegen der langen Brennweite – die einem 280mm Objektiv im Vollformat entspricht – sehr viele weniger “Hintergrund sieht”.

Jetzt merken wir uns die Spitze des kleinen Bäumchens das da rechts im Bild etwas unscharf zu sehen ist. Danach montieren wir ein 100-300mm Telezoom an die Panasonic GH3 und fotografieren genau die Spitze dieses kleinen Baumes bei 300mm Brennweite – also 600mm im Vollformat!

Bokeh Test #6 - Panasonic 100-300 @300mm

 

Hier sehen wir nun sehr schön wie jetzt der Hintergrund völlig verschwimmt. Wer sagt, dass man mit Kameras die einen kleinen Sensor haben kein schönes Bokeh hinbekommt, der ist also ein Lügner oder hat einfach keine Ahnung. Aber vielleicht hat er auch nur die falschen Objektive…

Alle Beispielfotos habe ich für Euch in voller Größe bei flickr.com hochgeladen. Schauen wir uns nun dieses Bild in voller epischer Schönheit an. Nun fällt schnell auf, dass wir jetzt in Regionen vordringen in denen wir zwar eine schöne Hintergrundunschärfe erzielen können, aber die Tiefenschärfe im Gegenzug nur noch einige wenige Zentimeter beträgt. Also blenden wir dieses Objektiv jetzt auf Blende 11 ab und schauen wie es dann aussieht.

Bokeh Test #7 - Panasonic 100-300 @300mm F/11

Die Hintergrundunschärfe ist noch immer sehr ausgeprägt und in der 100% Ansicht kann man sehen, dass die Abbildungsqualität enorm zugelegt hat. Nun machen wir ein kleines Experiment und fotografieren die Spitze unseres kleinen Bäumchens mit einem alten Nikkor AiS 2,8/55mm das wir mit einem Novoflex-Adapter an die Panasonic GH3 montieren. Bei Blende 5,6 erhalten wir damit dieses Foto:

Bokeh Test #8 - Nikkor AiS 2,8/55mm @ F5,6

Das Bokeh und etwas “härter”, aber grundsätzlich ist auch dieses Objektiv an einer Micro-Four-Thirds Kamera sehr brauchbar, sogar wenn es um zwei Stufen abgeblendet wird um Abbildungsqualität und Tiefenschärfe zu erhöhen.

Fazit

Eine schöne Hintergrundunschärfe kann auch bei Micro-Four-Thirds Kamera sehr leicht erreicht werden. Allerdings muss man hier stärker auf den Bildaufbau achten als bei der Nutzung einer 35mm Kleinbild oder gar Mittelformat-Kamera. Wer für ein Portrait sein Modell schön vom Hintergrund abheben möchte, der muss dafür sorgen, dass der Hintergrund etwa doppelt so weit weg ist wie es bei einer 35mm Kamera notwenig wäre. Ist es nicht möglich diese Distanz zu erreichen, so kann man eine längere Brennweite verwenden. Bei 140mm Brennweite gelingen mit einer Panasonic GH3 Fotos deren Bokeh recht nah an dem ist was sich mit dem Nikkor AF-D 1,4/85mm erreichen lässt.

Wer ein solches Objektiv nicht hat oder sich nicht so weit von seinem Model entfernen kann, weil beispielsweise das Studio zu klein ist, der kann näher an sein Modell heran gehen und so das Bokeh etwas weicher gestalten. Hat man etwas Zeit, so empfiehlt es sich mit unterschiedlichen Blenden-Einstellungen zu fotografieren. Ein weiches Bokeh ist nicht alles. Was nutzt das tolle Bokeh wenn die Gesichter eines Models nicht wirklich scharf abgebildet wurden?

Hier muss man seinen Mittelweg zwischen Bokeh und Auflösung finden. Wer Kosten und Gewicht nicht scheut, der kann natürlich weiterhin zu größeren Sensor-Formaten greifen. Damit lässt sich das Bokeh leichter steuern, aber auf Reisen sind diese großen schweren Ausrüstungen eben auch oft ein Hindernis.

Noch ein Tipp: Mit einem neutralgrauen Filter kann man überschüssiges Licht “wegfiltern” und so auch tagsüber bei hellem Sonnenlicht mit weit geöffneter Blende fotografieren. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit 4x Filtern gemacht. Sie dunkeln das Sucherbild in akzeptablem Maße ab und haben bei viel Licht noch keinen wirklich negativen Einfluss auf die Funktionsweises des Autofokus-Systems.

Abschließend kann ich das kleine preiswerte Olympus 1,8/45mm Objektiv allen empfehlen die gern Portraits fotografieren und denen ein schönes Bokeh dabei wichtig ist.

 

 


Nikon D800s – Was bringt das Update

Ein kleiner Spaß mit Photoshop

Der Konkurrenzkampf unter den Kameraherstellern unterscheidet sich kaum vom Rest der Elektronik-Branche. Kaum hat beispielsweise HTC das Modell M7 vorgestellt, zaubert auch schon Samsung ein Modell mit neuen technischen Leckereien aus dem Hut und just einige Wochen später ist das M7 schon wieder alt und HTC zieht mit dem M8 gleich. Bei Nikon, Canon & Co. ist das nicht anders. Es ist ein ewiger Wettlauf um die Gunst der Käufer die ihr Produkt nicht mit dem Bauch sondern allein anhand der technische Daten auswählen.

Um nicht bei den Verkäufen hinter den Erzrivalen Canon zurückzufallen werden auch bei Nikon die Zyklen für neue Modelle immer kürzer. Doch aller Hysterie zum Trotz hat man bei Nikon in der Vergangenheit zwischen den “Major-Releases” jeweils ein “Minor-Release” eingeschoben. Also ein vermeintlich neues Kameramodell, bei dem jedoch die Modellpflege im Vordergrund stand und nahezu alle wesentlichen Baugruppen beibehalten wurden.

So gab es kurz nach dem Erscheinen der Nikon D1 mehrere Upgrades mit höherer Auflösung, schnellerer Bildfolge und erweitertem Speicher. So wurde auch die sehr gute D2x bereits ein Jahr nach der Vorstellung von der Nikon D2xs abgelöst. Die Neuerungen waren übersichtlich und man konnte jede D2x über ein Firmware-Update auf den Stand der D2xs bringen. Auch die D3 erhielt knapp zwei Jahr nach ihrer Vorstellung mit der D3s einen leicht verbesserten Nachfolger.

Im Frühjahr 2012 wurden die D4 und die D800/D800E vorgestellt und auch für diese Kameras ist nun die Zeit der Modellpflege gekommen. In den nächsten Wochen wird eine leicht modifizierte Nikon D4s in die Läden kommen und eine D800s wird wohl im Herbst zur Photokina 2014 folgen. Kurz darauf werden sich alle DX-Freude über eine Nikon D7200 freuen können.

Um bei all den Modellen die Übersicht nicht zu verlieren habe ich hier für Euch eine Liste der digitalen Nikon Kameras zusammengestellt.

Modell Einführung Mega-Pixel B/s Sensor UVP
D1 Okt. 1999 2,74 4,5 23,7×15,6 DM 7.615
D1H Feb. 2001 2,74 5 23,7×15,6 DM 5.000
D1X Feb. 2001 5,47 3 23,7×15,6 DM 6.500
D100 Juli 2002 6,1 3 23,6×15,8 € 2.800
D2H Juli 2003 4,1 8 23,1×15,5 € 4.000
D70 Mär. 2004 6 3 23,6×15,8 € 1.100
D2X Juli 2005 12,5 5 23,7×15,7 € 5.000
D2Hs Nov. 2005 4,1 8 23,1×15,5 € 3.500
D50 Okt. 2005 6,1 2,5 23,6×15,8 € 750
D70s Apr. 2005 6 3 23,6×15,8 € 950
D200 Nov. 2005 10,2 5 23,6×15,8 € 1.700
D2Xs Juli 2006 12,5 5 23,7×15,7 € 5.069
D80 Sep. 2006 10,2 3 23,6×15,8 € 969
D40 Okt. 2006 6,24 2,5 23,6×15,8 € 649
D40X Mär. 2007 10,2 3 23,6×15,8 € 859
D3 Dez. 2007 12,1 9 bei 12 mp
11 bei 5 mp
36×23,9 € 4.849
D300 Aug. 2007 12,3 6
8 mit Batteriegriff
23,6×15,8 € 1.829
D60 Mär. 2008 10,2 3 23,6×15,8 € 749
D700 Juni 2008 12,1 5
8 mit Batteriegriff
36×23,9 € 2.599
D90 Sep. 2008 12,3 4,5 23,6×15,8 € 1.189
D3X Dez. 2008 24,5 5
7 im DX-Modus
36×23,9 € 6.999
D5000 Mai  2009 12,3 4 23,6×15,8 € 859
D3000 Aug. 2009 10,2 3 23,6×15,8 € 539
D300s Aug. 2009 12,3 7
8 mit Batteriegriff
23,6×15,8 € 2.369
D3s Okt. 2009 12,1 9
11 im DX-Mode
36×23,9 € 4.999
D3100 Aug. 2010 14,2 3 23,1×15,4 € 649
D7000 Sep. 2010 16,2 6 23,6×15,6 € 1.399
D5100 Apr. 2011 16,2 4 23,6×15,6 € 809
D4 Jan. 2012 16,2 10
11 im DX-Mode
36×23,9 € 5.929
D800 Feb. 2012 36,3 4
6 im DX-Mode
36×23,9 € 2.899
D800E Feb. 2012 36,3 4
6 im DX-Mode
36×23,9 € 3.219
D3200 Apr. 2012 24,2 4 23,2×15,4 € 599
D600 Sep. 2012 24,3 5,5 36×23,9 € 2.149
D5200 Nov. 2012 24,1 5 23,5×15,6 € 809
D7100 Mär. 2013 24,1 6 23,5×15,6 € 1.179
D610 Okt. 2013 24,3 6 36×23,9 € 1.949
D5300 Okt. 2013 24,2 5 23,5×15,6 € 809
Df Nov. 2013 16,2 5,5 36×23,9 € 2.999
D3300 Jan. 2014 24,2 5 23,2×15,4 € 549
D4s Feb. 2014 16,2 11 36×23,9 € 6.150
D800s Sep. 2014 36,3 5
6 mit Batteriegriff
36×23,9 € 3.000
D4x Sep. 2014 36,3 8 36×23,9 € 7.000
D7200 Sep. 2014 24,1 7 23,5×15,6 € 1.300

Was die Nikon D800s bringen wird kann man sich bereits jetzt an 5 Fingern abzählen:

  • Leicht erhöhte Bildfolge
  • Verbessertes Aufofokus-System wie bei D4s
  • Etwas geringeres Bildrauschen bei hohen ISO-Werten
  • Expeed 4 Bildprozessor
  • Zusätzliche Modi für Video-Aufnahmen

Was sie nicht haben wird ist auch klar:

  • Eingebautes GPS und WLAN
  • Programmierbare AF-Punkte für Video
  • 4k Auflösung für Video
  • Klappdisplay
  • Touchdisplay
  • Hybridsucher

Damit schnell deutlich, dass sich Besitzer einer D800 oder D800E nicht zu grämen brauchen. Sie haben nach wie vor eine sehr gute Hochleistungskamera zur Verfügung und es gibt keinen Grund für einen Wechsel. Wer noch vor der Überlegung steht ob es eine D800 werden soll, der kann sich entweder über günstige “Auslaufmodell” ohne das magische S freuen oder noch ein paar Monate warten und dann zum neuen Top-Modell greifen. Allerdings sollte nicht zuletzt beim Blick auf die oben aufgeführte Liste klar sein, dass die Nikon D800s sehr wahrscheinlich bereits im Jahr 2016 von einer D800x oder der D900 abgelöst werden wird.

Wie auch in der Automobilbranche setzt man bei Nikon auf Evolution statt auf Revolution. Die Automobilhersteller sind stets darauf bedacht ihre Modellpalette sanft weiterzuentwickeln und die Kunden nicht mit allzu großen technologischen Revolutionen zu verunsichern. Hier hat man aus der Vorstellung des damals revolutionären NSU Ro80 gelernt. Dieses Auto war zu seiner Zeit ein absolutes technisches Highlight und bedeutete dennoch den Niedergang seines Herstellers. Der Markt war einfach noch nicht bereit für Wankelmotoren und extrem stromlinienförmige Karroseriebauformen.

Schaut man sich einen Golf 1 neben dem aktuellen Modell an, so sind die Unterschiede indes gewaltig. Vergleicht man allerdings die einzelnen Modelle miteinander, so waren die Unterschiede stets überschaubar.

Wer im Jahr 2014 eine Nikon D1x mit einer Nikon D4 vergleicht wird man ähnliches feststellen. Die grundsätzliche Bauform ist gleich geblieben und alle wesentlichen Bedienelemente sind noch am gleichen Platz. Doch bei der Bildqualität hat sich ein klarer Quantensprung ergeben. Doch wie bei einem VW Golf III und Golf IV sind die Unterschiede zwischen Nikon D3 und D4 ebenfalls überschaubar und mit beiden Kameras kann man im übertragenen Sinne angenehm von A nach B fahren.

Fazit

Der Vorstellung der Nikon D800s können wir gelassen entgegen sehen. Die Unterschiede werden marginal ausfallen und die D800 gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Statt sich über den Wertverlust auf dem Gebrauchtmarkt zu ärgern sollte man sich an der unglaublichen Bildqualität der D800 bzw. D800E erfreuen. Über eine Erweiterung seines Kamerasortimentes braucht man frühestens im Jahr 2016 nachzudenken wenn der Nachfolger der D800s vorgestellt wird.

Aufgrund der leicht erhöhten Bildfrequenz könnte die D800s für jene Sportfotografen interessant sein, bei denen die D800 bislang aufgrund der moderaten Bildfrequenz mit 4 B/s ausgeschieden ist. Über den zu erwartenden Preisverfall werden sich die Schnäppchenjäger freuen.

Für alle die es noch nicht kennen habe ich hier ein Video das ich in weiten Teilen mit meiner Nikon D800E aufgenommen habe.


Nikon D800E – Nachts fotografieren

Frankfurt Panorama - Nikon D800E & Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt

Bereits seit fast einem halben Jahr verabredet, konnte ich mich in der letzten Woche mit einer früheren Arbeitskollegin treffen um die Frankfurter Skyline im Abendlicht zu fotografieren. Im Vorfeld haben wir gemeinsam überlegt welche Stelle geeignet erscheint und ich habe ein wenig bei Google-Maps und in der Wikipedia recherchiert. Dabei bin ich auf Fotos gestoßen, bei denen die Frankfurter Skyline oberhalb einer schön beleuchteten Brücke fotografiert worden war. Das gefiel mir gut und so war die Position für unsere erste Fotosession schnell gefunden.

Frankfurt Downtown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Gern hätten wir auch von der Aussichtsplattform des nahe gelegenen Hotel Lindner fotografiert, aber diese darf man nur nach Voranmeldung in Begleitung eines Angestellten für 30 Minuten zum Preis von 30 Euro betreten. Mit ein wenig mehr Planung können wir dies in ein paar Wochen nochmals in Angriff nehmen. Während meine Begleitung mit ihrer Nikon D5200 und dem AF-S VR 18-105mm fotografiert hat, war in meinem Fotorucksack die ganz große Kampfausrüstung. Wirklich verwendet habe ich letztlich nur zwei Objektive, das ROKINON 3,5/24mm Shift & Tilt sowie das Nikon AF-S 2,8/24-70mm. Wieder einmal hat sich auch bewahrheitet, dass man nur mit einer Kamera gleichzeitig fotografieren kann und so sind meine kleinen neuen Panasonic Kameras allesamt im dunklen Fotorucksack geblieben.

Der richtige Zeitpunkt

Viele Fotoamateure denken immer wieder, dass man eine irre teure Kamera braucht und die dann schon dafür sorgen wird, dass die Fotos ein echter Hingucker werden. Dies ist aber völlig falsch! Die wichtigste Zutat für wirklich schöne Nachtaufnahmen ist wirklich schönes Licht! Die Kamera ist dabei weniger wichtig, was zählt ist letztlich der richtige Zeitpunkt!

Was stimmen muss ist das Verhältnis der Beleuchtung der Fenster der Hochhäuser und dem Umgebungslicht. Ist man zu früh, wirken die Fassaden flach und langweilig, ist man zu spät ist der Himmel tiefschwarz und leblos. Perfekt sind meist die 30 Minuten nach Sonnenuntergang. Wann genau die Sonne untergehen wird, lässt sich beispielsweise via Smartphone mit kleinen Apps ermitteln.

Selbst mit einer uralten Nikon D1x hätte man Fotos die diese hier aufnehmen können, nur wären sie eben etwas kleiner geworden. Ausgedruckt im Format 30x45cm würde man kaum einen Unterschied sehen. Ihre Stärken kann die Nikon D800E erst bei wirklich großen Prints ausspielen. So war es letztlich auch nicht verwunderlich, dass bei unserer “Nachbesprechung” in einer nahe gelegenen Tapas-Bar im Format mit 1920 Pixeln Kantenlänge die Ergebnisse der Nikon D5200 fast genauso gut aussahen wie bei der Nikon D800E. Voraussetzung ist natürlich, dass man im RAW-Format fotografiert und die Bilder aus beiden Kameras einer identischen Nachbearbeitung unterzieht!

Frankfurt Sundown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Bei der Planung ist es auch sehr hilfreich sich die Begebenheiten bspw. via Google-Maps in der Draufsicht anzuschauen. Im Hochsommer geht die Sonne ziemlich genau “links” also westlich (“21 Uhr”) des zu fotografierenden Motivs unter. Im Winter liegt diese Position eher zwischen “19 und 20 Uhr”. Bei der Planung sollte man berücksichtigen, ob man sein Motiv als Silhouette im Gegenlicht abbilden möchte, oder ob das letzte Abendlicht beispielsweise seitlich einfallen soll.

Planung-Shooting

Bewegungsunschärfe

Wer lange belichten will der muss oft auch in den Abendstunden noch zu einem Trick greifen. So hat sich meine Begleitung beispielsweise gewundert, dass trotz Blende 22 und ISO-100 bei  einer Belichtungszeit von 30 Sekunden die Ergebnisse hoffnungslos überbelichtet waren. Hier hilft nur eines, man muss die Menge des Lichts das auf den Chip der Kamera fällt zusätzlich zur kleinen Blende beschränken. Dies erreicht man mit einem geeigneten Graufilter. Dieser sollte hochwertig und möglichst “neutral-Grau” sein, um die Farben nicht unnötig zu verfälschen. Für die oben gezeigten Fotos habe ich einen HAIDA 8x Graufilter verwendet. Da der Himmel von der bereits untergegangenen Sonne dennoch erleuchtet wird und die Wolken viel zu hell waren, habe ich zusätzlich noch einen Graufverlaufsfilter benutzt. Mit zwei Filtern auf dem Objektiv werden aber die Bildecken leicht abgedunkelt. Um dies zu vermeiden habe ich bei der Aufnahme des zweiten Fotos an meinem 24-70mm Zoom-Objektiv nicht den “ganz weiten Winkel” sondern nur 29mm eingestellt.

Die meisten Objektive erreichen ihre maximale Abbildungsqualität wenn man sie um 2-3 Stufen abblendet. In Verbindung mit einem Graufilter ist es nun möglich lange Belichtungszeiten zu erzielen und am Objektiv eine mittlere Blende einzustellen. So lässt sich einerseits eine maximale Abbildungsqualität mit vielen Details erzielen und andererseits beispielsweise fließendes Wasser herrlich weich abbilden. Bei Belichtungszeiten ab ca. 10 Sekunden sind fahrende Autos, Busse, Straßenbahnen und Fahrradfahrer praktisch verschwunden. Alles was von ihnen bleibt sind dekorative “Lichtspuren”. Während unserer Fotosession sind immer wieder Straßenbahnen über die “Alte Brücke” gefahren und haben mit ihrem Licht das Wasser des unter der Brücke fließenden Mains beleuchtet. So wird die Brücke selbst als Schatten auf der Wasseroberfläche abgebildet.

Nachbearbeitung

Bei langen Belichtungszeiten stellt sich bei digitalen Kameras trotz niedriger ISO-Empfindlichkeit Bildrauschen ein. Dieses lässt sich verringern, indem man die Kamera bei identischen Einstellungen bis zu 5 mal nacheinander auslöst und die Bilder bspw. in Photoshop in mehreren Ebenen übereinander legt. Dabei reduziert man die Deckkraft der Ebenen. Die Hintergrundeben stellt man auf 100% Deckkraft, die weiteren Ebenen beispielsweise auf 75%, 50%, 25% 12%. Da das Bildrauschen meist zufällig verteilt ist, lässt es sich mit diesem kleinen Trick sehr effizient reduzieren ohne viele Details zu verlieren. Bei Kameras die eine Mehrfachbelichtung mit automatischem Abgleich der Belichtung ermöglichen, kann man diesen Trick bereits in der Kamera ausführen und erhält damit sehr gute Ergebnisse ohne großen Aufwand bei der Nachbearbeitung treiben zu müssen.

Kontraste in den Griff bekommen

Besonders nachts sind die Kontraste zwischen beleuchteten Elementen und der dunklen Umgebung sehr hoch. Hier besteht die Herausforderung darin die Bilder so zu belichten, dass möglichst wenig Bildinformation verloren geht. Mein Tipp ist hier das Histogramm bei der Kamera einzublenden und auch die Spitzlichter zu kontrollieren. Sind die Bilder überbelichtet, so blinken bei Anzeige der Spitzlichter weite Bereiche des Bildes auf. Diese Bildelemente haben in der Regel keine Zeichnung mehr und sind somit für jegliche weitere Bearbeitung “verloren”. Wer nicht komplett manuell blickten möchte, dem rate ich an der Kamera die Zeitautomatik zu aktivieren. Meist wird diese mit dem Buchstaben A gekennzeichnet, was für Aperture-Priority (Blenden-Priorität) steht. Bei der Blenden-Priorität wählt man die Blende am Objektiv vor. Dies tut man im Idealfall so, dass das Objektiv um 2-3 Stufen abgeblendet ist. Passend zur fest vorgegebenen Blende wählt die Kamera die passende Belichtung ganz automatisch. Blinken nun im Display fiese Spitzlichter auf, so hilft die Belichtungskorrektur. Bei den meisten aktuellen Kameras gibt es dafür ein +/-  Knöpfchen. Dieses hält man gedrückt und dreht an einem der Einstellrädchen der Kamera. Wie die Belichtung korrigiert wird kann man meist in einem der Displays der Kamera ablesen. Hier rate ich dazu schrittweise vorzugehen und immer wieder ein Testbild aufzunehmen. Die Belichtung ist dann korrekt korrigiert wenn nur noch ganz winzige Bereiche als Spitzlichter markiert werden.

Würde man die Belichtung so stark korrigieren, dass im Kameradisplay gar keine Spitzlichter mehr angezeigt werden, wäre das Bild in der Regel stark unterbelichtet. Man müsste nachträglich die Helligkeit stark anheben und hätte im Ergebnis mit heftigem Bildrauschen zu kämpfen.

Falls die Kamera es ermöglicht, sind Belichtungsreihen ein sehr einfaches Mittel um auch allergrößte Kontraste komplett einzufangen.

Bracketing

Das Zauberwort heißt “Bracketing”, ein Feature vieler Nikon Kameras das die Aufnahme von Belichtungsreihen ermöglicht. Meist kann auch noch die Schrittweite in Blendenwerten (EV-Exposure-Value) eingestellt werden. Aus den unterschiedlich belichteten Fotos lässt sich später mit etwas Liebe ein Foto zaubern in dem selbst helle Bereiche noch Zeichnung haben und in den dunklen Bereichen Strukturen zu sehen sind, ohne dass fieses Bildrauschen sichtbar wird. Damit sich diese unterschiedlich belichteten Fotos später problemlos zu einem einzigen Foto verarbeiten lassen sollte man den Autofokus nur vor der Aufnahme der Belichtungsreihe zur Ermittlung der korrekten Schärfe verwenden und danach abschalten. Ändert man die Brennweite, so ist es immer ratsam neu zu fokussieren. Die Blendenprorität, meist Zeitautomatik genannt hilft dabei, dass Tiefenschärfe und Bildeindruck über alle Bilder der Belichtungsreihe hinweg konstant bleiben.

RAW-Konvertierung

Bei der RAW-Konvertierung ist es wichtig den durch gezielte Einstellung der Kamera erzielten hohen Tonwertumfang für die folgende Bildbearbeitung zu erhalten. Ich stelle daher häufig im RAW-Importer von Photoshop CS6 das Kameraprofil “Neutral” ein. Damit erscheinen die Kontraste zunächst etwas flach und das Bild sieht blass aus, aber man kann die Kontraste später immer noch anheben, Verlorene Bildinformationen lassen sich nicht zurückgewinnen!

Viele RAW-Konverter bieten die Möglichkeit die hellen Bereiche des Bildes etwas abzudunkeln und die dunklen Bildbereiche aufzuhellen. Dieses Feature ist besonders bei Nachaufnahmen wirklich sinnvoll. Wer Belichtungsreihen aufgenommen hat, der kann beispielsweise mit dem RAW-Konverter von Photoshop CS6 eine dunkle, eine mittlere und eine helle Variante eines Fotos öffnen, die mittlere Variante so korrigieren wie es gefällt und dann die vorgenommenen Änderungen via “Select All” und “Synchronize” auf die anderen Bilder übertragen.

Synchronize-Pictures

DRI Verarbeitung

Wer eine “echte HDR Verarbeitung” nicht mag oder die passenden Programme nicht hat, für den ist die DRI-Technik (Dynamik-Range-Increase”)  eine sehr elegante Möglichkeit um ein “Ausgangsbild” zu erstellen in dem wirklich alle Tonwerte enthalten sind und das sowohl in hellen als auch in dunklen Bildbereichen noch Zeichnung aufweist. Der DRI-Tick besteht darin, auf ein “normal” belichtete Variante eine dunkle und eine helle Variante zu legen. In der hellen Variante selektiert man die dunklen Bildbereiche und in der dunklen Variante die hellen Bildbereiche. Das mag zunächst paradox klingen, ist aber völlig richtig! Die Selektion heller oder dunkler Bildbereiche kann man in Photoshop CS6 automatisch ausführen lassen. Dazu klickt man im Menü “Select” auf “Color Range” und wählt im Dialog der sich dann öffnet “Highlights” oder “Shadows” aus.

Select-Color-Range

Anschließend erstellt man via “Select -> Modify -> Feather” mit einem Wert irgendwo zwischen 30 und 100 eine weiche Auswahlkante.

Feather

Anschließend klickt man noch ganz unten rechts auf das kleine helle Rechtecht mit dem dunklen Kreis in der Mitte. Diese Funktion erstellt aus der Selektion eine Ebenenmaske.

Create-Layer-From-Selection

Über die Transparenz dieser Ebenen kann man nun sehr elegant die Spitzlichter und die Helligkeit der dunklen Bereiche steuern. Hat man alles wie gewünscht eingestellt, kann man die Ebenen selektieren und via Command + E zu einer Ebene zusammenfassen und sich der weiteren Bearbeitung widmen.

Das Endergebnis könnte dann beispielsweise so aussehen…

_D804298

Zusammenfassung

Aufgrund ihres großen Chips eignet sich die D800E (wie alle anderen Vollformatkameras auch), sehr gut für die Fotografie bei wenig Licht. Wer eine Kamera verwendet die einen kleineren Chip hat, der kann mit Mehrfachbelichtungen und anderen Tricks Ergebnisse erzielen die sich abgesehen von der Größe der Dateien von den Ergebnissen aus der Nikon D800E kaum unterscheiden. Entscheidend für den Erfolg ist die Verwendung eines stabilen Stativs und der Einsatz eins Kabel-, Funk- oder Infrarot-Auslösers. Wer noch die Spiegelvorauslösung verwendet und das Okular korrekt verriegelt hat so ziemlich alles getan was möglich ist.

Besonders bei Belichtungsreihen ist darauf zu achten, dass der Autofokus abgeschaltet ist und sich die Kamera im Modus “A” (Zeitautomatik) befindet. Bei einigen Kameras heißt die Zeitautomatik übrigens auch “T” wie “Time-Variant”.

Mit ein wenig Mühe bei der Bildbearbeitung lassen sich letztlich wirklich schöne Ergebnisse erzielen. Damit die Fotos ihre Freunde finden fehlen noch gute Motive und der richtige Augenblick. Letzteres kann man nicht erlernen, aber bekommt es kostenlos, wenn noch ein Prise Glück im Spiel ist…

Hier ist noch eine Variante die ich mit dem Rokinon Shift & Tilt 3,5/24mm und einem Polfilter aufgenommen habe. Das Foto habe ich via Photoshop CS6 und NIK HDR Efex Pro aus 5 RAW-Dateien erstellt. Die Bearbeitungszeit betrug nur etwa 5 Minuten.

Blue Hour - Frankfurt - Nikon D800E & Rokinon Shift & Tilt 3,5/24mm

Wer noch Fragen hat, kann mit gern eine E-Mail schreiben oder einfach die Kommentar-Funktion dieses BLOGs verwenden.


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