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PEGIDA – Islamisten raus – Nur wie?

Eine der zentralen Forderungen der noch jungen PEGIDA Bewegung besteht darin, sogenannte “gewaltbereite Islamisten auszuweisen”. Grundsätzlich erscheint dies ein guter Ansatz zu sein um für Ruhe und Sicherheit auf deutschen Straßen zu sorgen. Aber was ist mit gewaltbereiten Neo-Nazis, gewaltbereiten Hooligans, gewaltbreiten Autonomen, gewaltbereiten Hells Angles, gewaltbereiten Bandidos, gewaltbereiten Mitgliedern der Russen-Mafia und so weiter? Werden diese gewaltbreiten Menschen etwa von der PEGDIA Bewegung akzeptiert? Offensichtlich schon denn auf PEGIDA Kundgebungen ist immer nur von “gewaltbereiten Islamisten” die Rede.

Schaut man sich diesen Artikel auf www.Zeit.de an, so wird klar, dass derzeit in Deutschland genau das Gegenteil von dem geschieht was die PEGIDA Führer eigentlich fordern. Statt gewaltbereite Islamisten auszuweisen wird derzeit an einem Verfahren gearbeitet um die Ausweise gewaltbereiter Islamisten einziehen zu können, damit sie NICHT ausreisen können. Verkehrte Welt?

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Sobald man sich ein wenig mit dieser Thematik beschäftigt wird klar, dass es den deutschen Behörden darum geht, einen Terror-Tourismus bereits im Keim zu ersticken. Deutschland soll keinen Nachschub für die Terrormilizen des IS und ähnlicher Organisationen liefern. Die Gefahr ist groß, dass diese Menschen nach einer vollständigen Gehirnwäsche als gut ausgebildete vollständig skrupellose Terroristen nur einige Monate oder Jahre später wieder versuchen nach Deutschland einzureisen. Ihre Ziele könnten dann nicht nur die Redaktionen deutscher Satire-Magazine sondern auch die Privatwohnungen der PEGIDA-Initiatoren sein.

Wenn man so will, schützt die Bundesregierung mit der aktuellen Praxis unser Land vor noch gewaltbereiteren Islamisten. Das gute daran, solange diese Menschen in Deutschland bleiben kann man sie im Auge behalten und ggfs. kontrollierend eingreifen sobald sie über die Stränge schlagen. Doch genau das geschieht leider viel zu selten, denn die Polizei in Deutschland hat ein Nachwuchsproblem, die Mitarbeiter sind unterbezahlt und die Dienststellen schlecht besetzt. Außerdem müssen sie derzeit immer wieder PEGIDA-Anhänger vor PEGIDA-Gegnern beschützen und umgekehrt. Genau genommen werden die Probleme vieler deutscher Polizei-Dienststellen aktuell durch PEGIDA verschlimmert statt verbessert!

Guantanamo

Schaut man in die USA, so findet man dort ein Land das weltweit führend beim Wegsperren von Straftätern ist. Trotzdem ist die Zahl der Morde hoch, es gibt Bundesstaaten mit ausgeprägtem Rassismus und die lange Wirtschaftskrise wird erst jetzt allmählich bewältigt. Während der Kriege in Afghanistan und dem Irak hat die USA hunderte gewaltbereiter Islamisten dingfest gemacht. Um sie ohne Gerichtsverfahren schnell und problemlos von der Straße zu bekommen wurden sie kurzerhand auf einem winzigen Stückchen Land das eigentlich zur Insel des Er-Feindes Kuba gehört interniert. Dort sitzen sie zum Teil seit Jahren im Gefängnis, ohne Anklage und ohne rechtskräftige Verurteilung. Als Barack Obama am 8. Januar 2009 sein neues Amt als Amerikanischer Präsident antrat versprach er, das Gefängnis in der Guantanamo Bucht auf Kuba auflösen zu wollen. Geschafft hat er es bis heute freilich nicht. Dies ist aber nicht nur am Widerstand der Republikaner gescheitert, es ist auch daran gescheitert, dass man bei einer Auflösung dieses Gefängnisses gar nicht wüsste wohin man die Insassen bringen könnte. Auf US-Amerikanischem Boden kann man sie ohne gültige Verurteilung nicht unterbringen und andere Staaten wollen sie nicht haben. Und würde man sie einfach laufen lassen, so wäre wohl ein Großteil der Insassen nach kurzer Zeit mehr als bereit sich nu wirklich gegen die USA zu wenden. Diese von George W. Bush mit wenig Umsicht eingerichtete Praxis der Internierung Terror-Verdächtiger in einem Gefängnis im Ausland, ist für die USA mehr und mehr zu einem Fluch denn zu einem Segen geworden. Mit einem Rechtsstaat hat das was dort geschieht von Anfang an nichts zu tun gehabt. Nichtsdestotrotz scheinen die Amerikaner aktuell zu versuchen das Lager schrittweise aufzulösen. Werden nur wenige Insassen in längeren Zeitabständen entlassen ist es whrscheinlic einfacher sie “in ihrer neuen Freiheit” zu überwachen.

Griechenland

Erst gestern hat in Griechenland ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Während Europas Linke den Wahlausgang bejubeln müssen sie sich die Frage gefallen lassen warum ausgerechnet Griechenlands Linke mit den ultra Rechten eine Koalition zu bilden bereit sind? Schaut man genau hin, so sieht man schnell, dass es hier weniger darum geht Griechenland aus der Krise zu führen, als vielmehr die unzufriedenen Menschen hinter sich zu bringen und den verhassten großen politischen Gegner in die Knie zu zwingen. Wenn dabei ein paar Nazis helfen müssen, was soll das schon…

Gleichwohl wird sich die neue Regierung nicht über geltendes Recht und geltende Verträge hinwegsetzen können. So wie Barack Obama einst versprach den “Schandfleck” Guantanamo zu schließen, wird auch die Regierung des Herrn Tsipras sehr schnell erkennen, dass man nicht jedes Wahlversprechen halten kann und mag es im Wahlkampf noch es gut geklungen haben.

PEGDIA an die Macht?

Stellen wir uns vor am nächsten Wochenende würde gewählt und  die Führer der PEGDIA würden plötzlich eine neue Deutsche Regierung stellen. Was könnten sie wirklich bewegen? Als Deutschland 1933 wirtschaftlich am Boden lag gab es dort auch einen Gewinner einer Wahl der den Menschen versprach, dass ganz schnell alles besser werden würde. In nur 12 Jahren hat er anschließend dafür gesorgt, dass neben ihm selbst eine schier unvorstellbar große Menschenmenge den Tod gefunden hat.

Kriegstote-2-Weltkrieg

Quelle: Wikipedia

In Europa und ganz besonders in Deutschland hat man aus den Fehlern von 1933 gelernt. Doch das ist lange her und scheinbar haben viele junge Menschen inzwischen keinen Schimmer mehr was damals geschehen ist. Erst gestern habe ich im Radio gehört, dass im Jahr 2015 bereits 20% der Deutschen mit dem Wort “Auschwitz” nichts mehr anzufangen wissen. Das ist mehr als erschreckend. In meiner Wahrnehmung sind es aktuell genau diese 20% die sich für die Ziele der PEGIDA aussprechen. Die Slogans der PEGIDA Führer denen sie folgen sind nicht neu, so bediente sich bereits Reichspropagandaleiter Joseph Göbbels während des 2. Weltkrieges intensiv des Wortes Lügenpresse das in den letzten Monaten allerorts auf Kundgebungen der PEGIDA zu hören war.

Käme die PEGIDA in Deutschland an die Macht so müsste sie, trotz aller Nähe zur Rhetorik der Nazional-Sozialisten des “dritten Reichs” zugeben, dass Hitler seine Versprechungen nicht einhalten konnte. Klar gab es anfangs ein paar Autobahnen, aber das waren alles nur Vorbereitungen auf einen Krieg, auf einen Krieg der geführt werden musste weil man das Geld für den Aufbau des damaligen Deutschlands nur aufbringen konnte, indem man systematisch alle Juden ausraubte und vernichtete und ein europäisches Land nach dem anderen gründlich ausplünderte.

Derzeit verspricht Herr Tsipras den Griechen auch den Himmel auf Erden, aber was er verspricht wird in der Realität nicht umsetzbar sein. Dadurch unterscheidet er sich nicht von Barack Obamas Versprechen Guantanamo zu schließen. Es gibt einfach Dinge die kann man nicht über Nacht verändern, mögen sie auch noch so unbequem sein. Aus einer Tiefen Krise kommt ein Land nicht über Nacht heraus sondern nur mit viel Arbeit und sehr langem Atem.

Das gilt auch für Deutschland und das gilt insbesondere für alle Probleme die den “normalen Bürgern” die derzeit einfach den PEGIDA Führern hinterlaufen unter den Nägeln brennen. Verstehen kann ich viele der Probleme, es ist wirklich nicht schön nachts in der U-Bahn von betrunkenen Jugendlichen angepöbelt zu werden. Aber daran kann auch die PEGIDA nichts ändern. Es sei denn alle pöbelnden betrunkenen U-Bahnfahrer würden einfach auf unbestimmte Zeit auf Helgoland interniert.

Adolf Hitler hat mit seinen Versprechungen und seiner Politik sowas von gründlich gesagt, dass man dafür kaum Worte finden kann. JEDER und damit meine ich JEDER der im Jahr 2015 diese dunkelsten Zeiten unseres Heimatlandes in der Öffentlichkeit verklärt und sich sogar der Rhetorik der Nationalsozialisten bedient gehört ausgebuht und ausgemustert. Daher kann ich selbst nichts gutheißen, was unmittelbar von den Anführern der PEGIDA Bewegung stammt. Sie haben ihren Kredit zumindest bei mir in den ersten Tagen der Bewegung verspielt.

Und auch Herr Tsipras wird in den kommenden Wochen erkennen müssen, dass es nicht reicht markige Worte auf der Straße zu schwingen. Politik besteht nicht nur aus Wahlversprechen und selbst der “mächtigste Mann der Welt” ist bislang an der Abschaffung des Guantanamo Lagers gescheitert.

Würde am nächsten Wochenende gewählt, so sollten sich alle die derzeit mit der PEGIDA sympathisieren überlegen für was genau diese Bewegung steht, was ihre Initiatoren wirklich bewegen könnten und was einfach nur dumme heiße Luft ist. Jeder arbeitslose PEGIDA-Fan kann mehr als froh sein, dass er nicht in Griechenland leben muss. Denn dort sieht es derzeit so richtig schlimm aus. Die Reaktion der Wähler auf diese Missstände kann man verstehen, aber Alexis Tsipras wird sie ebenso wenig in kurzer Zeit lösen können wie jede andere Regierung.

Würde die PEGIDA am nächsten Sonntag zur stärksten Kraft im deutschen Bundestag gewählt, sie stünde vor den gleichen Problemen wie aktuell die große Koalition aus CDU und SPD. Es gibt eben Probleme die sind so komplex, dass nur ein Alan Turing sie lösen könnte. Aber den hat man leider in den Tod getrieben…

Abschließend möchte ich anmerken, dass allein “gewaltbereit” zu sein in Deutschland nicht verboten ist. Solange es keinen Tatbestand gibt kann man einen Menschen der zwar zur Gewalt bereit ist, diese aber nicht ausübt weder verurteilen, noch weg sperren oder ausweisen. Daran würde auch Frau Oertel nichts ändern können ohne in die gleiche Zwickmühle zu geraten wie einst die mächtigsten Männer der Welt George W. Bush und nun Barack Obama.


PEGIDA – Mein Standpunkt

Es ist erst ein paar Wochen her als die Welt noch in Ordnung zu sein schien. Die Nazis waren geächtet und allerorts bemühten sich Anwälte, Richter und Politiker um ein Verbot der rechtsradikalen NPD. Doch plötzlich wendete sich das Blatt. Kaum bemerkt gelang es einigen Menschen mit zutiefst menschenverachtender Gesinnung tausende unzufriedene Bürger vor den eigenen Karren zu spannen. Derzeit ist die NPD ein alter Hut über den sich kaum noch jemand aufregt, es ist eine neue Bewegung entstanden die sich selbst den abenteuerlich gruseligen Namen PEGIDA gegeben hat.

“Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” ist eine Bewegung die sich derzeit besonders im Osten Deutschlands großer Beliebtheit erfreut. Während ich die Weihnachtstage auf Teneriffa verbracht habe konnte ich im Fernsehen verfolgen wie sich unzufriedene Bürger ohne ihr Gehirn einzuschalten vor den Karren der rechten Neo-Nazis spannen lassen. Auf nächtlichen Märschen skandieren sie Parolen der Freiheitsbewegung aus den letzten Tagen der DDR. Diese DDR war ein zutiefst menschenverachtendes Regime und es gehörte wirklich auf den Schrottplatz der Geschichte. Doch sich im Jahr 2015 der Parolen dieser Freiheitsbewegung zu bedienen mutet zumindest auf mich mehr als perfide an. Vielleicht sollte sich diese Bewegung PERFIDA nennen…

Auch wenn es vielleicht nicht klug war und mein BLOG vielleicht auch nicht der richtige Ort dafür ist, so musste ich mir an einem der letzten Tage auf Teneriffa kurz Luft machen und schreiben wie ich zu PEGIDA stehe. Heute habe ich dann diese Benachrichtigung erhalten. Mein Leser Wilbur beschwert sich bitterböse über meinen “dümmlichen Blog post” der “an einfältigkeit kaum noch zu überbieten” sei.

Diese Kröte musste ich heute erst einmal schlucken.

Wilburs-Comment

Zuerst hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber schon nach wenigen Minuten wurde mir klar, dass Kommentare wie dieser eher ein Ritterschlag sind. Jeder PEGIDA-Sympathisant den ich als Leser verliere ist für diesen BLOG ein Gewinn! Auf Leser die wie Zombies ohne zu hinterfragen fremdenfeindliche Parolen skandieren, die einem “Führer” folgen der auch gern mal den “Hitler gibt” und der in sozialen Medien Flüchtlinge als “Vieh das man einsperren sollte” bezeichnet, kann ich gern verzichten.

Bachmann-Hitler

Bachmann-Staatsanwalt

Es ist wirklich traurig, dass besonders Menschen aus der ehemaligen DDR scheinbar unfähig sind aus der Vergangenheit zu lernen. Erst vor gut 25 Jahren sind sie einem System entronnen, dass sie bei Demonstrationen wie denen die derzeit in Dresden abgehalten werden, einkassiert und für viele Jahre weggesperrt hätte. In der DDR hätte man mit PEGIDA Anhängern kurzen Prozess gemacht und es ist eine Errungenschaft, dass diese Menschen in einem freuen Deutschland ihre Meinung kundtun dürfen, auch wenn ich dies Meinung in keiner Weise zu teilen vermag.

Grundsätzlich halte ich es für richtig sich gegen den Terror der vielen islamistisch geprägten Gruppierungen zu wenden.

ABER: Über eine Montagsdemonstration in Dresden lachen sich doch Attentäter wie die Mörder der Charlie Hebdo Mitarbeiter schlapp. Wenn sie Bilder dieser PEGIDA Demonstrationen sehen treibt es ihnen doch nur ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht denn es ist die Bestätigung, dass sie es mit ihrem Terror geschafft haben tausende Menschen einzuschüchtern.

Dummerweise sind diese Demonstranten scheinbar nicht fähig selbst diese einfachen Zusammenhänge zu begreifen. Sie demonstrieren gegen einen diffusen Feind dem sie eh nicht beikommen können. Statt mit ihren Demonstrationen etwas gegen islamischen Terror zu bewirken schüren sie immer wieder neuen Fremdenhass. Im Hintergrund reiben sich indes Organisatoren und Neo-Nazis die Hände, denn so akzeptiert waren sie in ihrem Heimatland seit 1945 nicht mehr.

Pegida-Merkel

Vor diesem Hintergrund tut es gut zu lesen, dass es aber auch in Dresden nicht nur Menschen gibt die unsere demokratisch gewählte Regierungschefin mit “Kopftuch” darstellen und dann noch “hier ist das Volk” darunter schreiben. Denn wenn ich solche Bilder sehe kriege ich echt die Krätze und frage mich aber der Typ oben auf dem Foto noch alle Tassen im Schrank hat. Aber Dresden ist nicht überall und es gibt durchaus Orte in Deutschland an denen PEGIDA oder einer der Ableger einfach nicht zu zünden vermag.

Je-Suis-Charlie

Edit

Einigen aufmerksamen Lesern die sicher aus Sachsen oder Sachsen-Anhalt stammen ist aufgefallen, dass ich Sachsen und Sachsen-Anhalt munter lustig durcheinander gewürfelt habe. Daher habe ich diesen Abschnitt gelöscht. 

Statt den Nazi-Anführern in die Hände zu spielen sollten diese Demonstranten sich dafür einsetzen, dass ihr Bundesland Sachsen ein weltoffenes schönes Land mit freundlichen Menschen wird in das andere Menschen gern reisen. So könnte neuer Wohlstand entstehen und mit den Besuchern würde frisches Geld ins Land gespült. Neue Jobs könnten entstehen und niemand hätte dann mehr nötig seine “Rundumverdrossenheit” gemeinsam mit Anführern zu demonstrieren die mit der Neo-Nazi Szene sympathisieren.

In den 60er Jahren litt auch der Westen Deutschlands noch schwer unter den Folgen des Krieges, zu viele junge Männer waren zuvor als Kanonenfutter in einem sinnlosen Krieg verheizt worden. Doch mit Hilfe der ehemaligen Kriegsgegner nahm damals eine beispielloses Wirtschaftswunder seinen Lauf. Damals suchte man händeringend nach Menschen die hier in Deutschland mit “anpacken” und fand sie in Italien, Griechenland, Spanien und auch in der Türkei. Heute leben hunderttausende Menschen aus diesen Ländern friedlich in Deutschland. Sie zahlen Steuern, füllen die Sozialkassen und bereichern unser Land. Ich könnte mir beispielsweise ein Deutschland ohne italienisches Eis, ohne Espresso, Pizza, Pasta, Gyros und Döner nicht mehr vorstellen.

Schaut man sich die für das Jahr 2050 erwartete Alterspyramide in Deutschland an, so wird schnell klar was auch den Menschen in Sachsen noch bevorsteht.

Alterspyramide-2050

Schon in wenigen Jahren wird es in Sachsen und vielen anderen Bundesländern kein “Wir sind das Volk” mehr geben. Dann wird es heißen “Wir sind die Pflegebedürftigen” und es wird heißen “Wir leiden unter der Altersarmut”. Klar kann man sich angesichts dieser Aussichten grämen und auf die Politik schimpfen. Aber wir leben in einer Demokratie und es ist jedem Bürger freigestellt sich selbst zum Bundeskanzler wählen zu lassen. Es geht mir nicht in den Kopf wie man sich ständig über eine Regierung aufregen kann die das eigene Volk doch selbst gewählt hat?

Ok, vielleicht hat speziell Herr Bachman seine Stimme nicht für Frau Merkel abgegeben, aber die Mehrzahl der Bürger in Deutschland hat es nun einmal getan, sogar mehrfach!!

Und wenn man sich anschaut wo Deutschland im Jahr 2015 steht, so ist das eigentlich gar nicht schlecht!

Es wäre ein kluger Schachzug Menschen die auf der Suche nach einer neuen Heimat sind, beispielsweise in Sachsen eine neue Heimat zu bieten. Die damit verbundene Herausforderung heißt “Integration”. Es hat vor mehr als 50 Jahren schon einmal funktioniert, warum sollen wir keine Flüchtlinge aufnehmen die besonders vor den Terroristen fliehen gegen die sich der “Leitgedanke” hinter der PEGIDA-Bewegung eigentlich wendet?

Was mich versöhnlich stimmt ist, dass es in vielen Städten Deutschlands große Gegenbewegungen gibt. Nicht alle Deutschen lassen sich das Hirn braun anstreichen ohne sich zur Wehr zu setzen und das ist auch gut so. Mir bleibt letztlich nur zu hoffen, dass PEGIDA nicht mehr als ein “Sturm im Wasserglas” sein wird und dass die von Wilbur angesprochenen 40.000 Demonstranten doch nicht so verblödet sind wie sie sich derzeit jeden Montag geben. Möglicherweise ist ja alles auch nur eine Vorbereitung auf einen ostdeutschen Karneval den ich als Kind des Ruhrgebietes einfach nur nicht zu verstehen vermag?

Wer es noch nicht kennt, dieses Video ist sehr cool!


Teneriffa für Anfänger

Vor ein paar Tagen habe ich in der Nähe des Leuchtturms bei El Poris auf Teneriffa für Euch dieses Video aufgenommen. Leider ist der Ton an einigen Stellen etwas übersteuert. Die automatische “Audioverbesserung” von Final Cut Pro X hat es auch nicht gerade besser gemacht. Ich hoffe Ihr habt trotzdem Spaß an diesem Video.


Mein Fotorucksack 2015

Einen der ersten Tage des neuen Jahres habe ich genutzt um Euch den Inhalt meines Fotorucksacks zu präsentieren. Im Video habe ich alles rund um das Thema “Lensbaby” ausgespart, weil ich meinen neuen Lensbaby Composer samt diverser Objektive und “Kreativ-Blenden” leider gar nicht benutzt habe. Dieses System ist wirklich sehr speziell und vier Wochen sind letztlich fast nicht lang genug um alles was ich dabei hatte in Ruhe auszuprobieren. Bei der nächsten Reise werde ich wohl auch die Nikon D800E samt der schweren Objektiven daheim lassen und nur noch die Olympus OM-D E-M1 mit ein wenig Zubehör einpacken. Klar ist die Nikon D800E die absolute Überkamera die fast alles besser kann, aber dieses Plus an Bildqualität brauche ich häufig einfach nicht.

Statt mich ständig mit einem irre schweren Rucksack abzumühen werde ich in den nächsten Monaten verstärkt mit meinem herrlich kompakten Micro-Four-Thirds fotografieren. Sobald es für dieses System ein 400mm Teleobjektiv geben sollte, wird wohl auch die Nikon 1 V3 gelegentlich daheim bleiben müssen.

 

Im letzten Jahr sah noch alles wie in diesem Video aus. Seitdem hat sich vieles weiterentwickelt. Konnte mir vor ein paar Jahren noch kein Objektiv groß und schwer genug sein, so sehe ich das inzwischen anders und bin froh wenn meine Ausrüstung leicht und kompakt ist.

 

Schauen wir mal wie es im nächsten Jahr sein wird, es bleibt spannend :-)


Teneriffa 2014/15 – Die letzten Tage

Good Bye Tenerife - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Tag 27 – 6. Januar

Ich bin jetzt seit fast 4 Wochen auf Teneriffa und von meiner letzten nächtlichen Fotosession bin am Morgen noch immer ziemlich mitgenommen. So plane ich keine weiteren Aktionen sondern bereite mich langsam aber sicher auf meine Heimreise vor. Die meiste Zeit des Tages verbringe ich damit mal wieder etwas für diesen BLOG zu schreiben und einige wenige Fotos bei flickr.com hochzuladen. Am Nachmittag treffe ich mich dann mit meinem flickr-Freund Jürgen, den ich bislang nur in der virtuellen Welt kenne. Wir verbringen den Rest des Tages zusammen, es gibt leckeren Kuchen auf der Finca San Juan und abends lerne ich seine beiden Söhne Matthias und Timo kennen.

Gemeinsam sind wir noch eine ganze Weile auf der Weihnachtskirmes unterwegs die wie in jedem Jahr gleich neben dem Hafen in Puerto de la Cruz aufgebaut ist. Ich habe zwar meine gesamte schwere Fotoausrüstung dabei, aber ich entschließe mich heute zum “Tag der offenen Blende” und fotografiere ausschließlich mit meiner Olympus OM-D E-M1 und dem Panasonic/Leica Nocticron 1,2/42,5mm.

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Während der mechanische Verschluss meiner Olympus OM-D E-M1 mit 10 Bildern pro Sekunde vor sich hin klappert sammeln sich auf der 64 GB Sandisk Micro-SD Karte wahre Datensintfluten an. Bei meiner Rückkehr im Hotel werde ich auf der Speicherkarte knapp 3.500 Bilddateien vorfinden und da ich RAW-Bilder und JPG-Dateien gleichzeitig aufgenommen habe muss mein MacBook mit fast 7.000 Bilddateien in einem Ordner klar kommen. Das bringt ihn spürbar ins schwitzen und so macht es nur wenig Freude die Fotos durchzuschauen. Letztlich teile ich die Bilderflut etwas auf und verteile die Dateien über mehrere Ordner. Danach geht das Anschauen und Aussortieren deutlich schneller.

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Weil es so extrem viele Bilder sind verzichte ich heute ausnahmsweise vollständig auf jede RAW-Konvertierung und Nachbearbeitung und öffne statt dessen einfach die kleinen “JPG-Vorschaubilder” mit Photoshop um sie etwas zu verkleinern und mein Logo einzufügen. Alles was Ihr hier seht kommt also so wie es ist “live” aus der Kamera und dem Nocticron 1,2/42,5mm Portrait-Tele.

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Tag 28 – 7. Januar

Den nächsten Tag schlafe ich auch wieder bis der Arzt kommt und bin beim Frühstück einer der allerletzten Gäste. Den Rest des Tages verbringe ich mit meinen GoPro Kameras und meinem iPod im Garten des Hotels. Hier und dort nehme ich eine kleine Zeitraffer-Sequenz auf und genieße während die Kameras um die Wette knipsen den wunderbaren Sonnenschein in einem der vielen Liegestühle am Pool. Weil es heute etwas windig ist bin ich fast allein. Der Mehrzahl der andere Gäste scheint es heute zu kühl zu sein um ihre Bäuche in die Sonne zu halten, mir soll es recht sein, so habe ich meine Ruhe :-)

Den Rest des Tages verbringe ich mit der Bastelei an einigen kleinen Zeitraffer-Sequenzen und räume langsam aber sicher meine Sachen zusammen, damit ich nicht versehentlich etwas vergesse. Seit meiner Reise im Jahr 2013 vermisse ich mein kleines wunderbares Manfrotto Carbon-Stativ und mittlerweile bin ich mir fast sicher, dass ich es auf dem Balkon des Hotels vergessen habe. Das soll mir nicht noch einmal passieren!

Am Nachmittag nehme ich noch schnell mit meinem HTC ONE M8 eine neue Folge für meine Serie “Ansgar’s kleine Fotoschule” auf. Heute geht es wie ein Jahr zuvor wieder um den Inhalt meines Fotorucksacks. Ich hole alles mal kurz heraus und sage zu fast jedem Ding einige wenige Worte. So sollte klar werden warum ich diese Dinge dabei habe und welchen Zweck sie im Fotoalltag erfüllen. Zum Schnitt des Videos werde ich allerdings erst einige Tage später kommen, denn obwohl das Video recht simpel strukturiert ist muss man doch alle Hustenanfälle und Versprecher wegschneiden und zur Erläuterung das eine oder andere Foto einblenden. So nimmt die Fertigstellung dieses Videos dann auch fast 8 Stunden meiner knappen Freizeit in Anspruch.

Tag 29 – 8. Januar

Am nächsten Tag plagt mich etwas das schlechte Gewissen. Ich habe nun schon zwei Tage nicht mehr ernsthaft fotografiert. Aber letztlich ist es auch egal, ich verdiene mit alle dem kein Geld und warum soll ich mir die letzten Stunden auf der Insel mit der Jagd nach Fotos vermiesen das sich eh nicht verkaufen lassen? Also packe ich in aller Ruhe meine Koffer ein und bereite mich seelisch auf die Heimreise vor. Als mich am Nachmittag der Hunger plagt geht es ein letztes Mal zur Finca San Juan auf ein wirklich leckeres Stückchen Kuchen.

Später am Abend treffe ich mich noch mit meinem Facebook-Freund Frank. Wie haben uns ein paar Tage zuvor auf unserer Küstenwanderung von Taganana nach Las Palmas de Anaga kennengelernt. Den Abend verbringen wir an der Hotelbar und unterhalten uns über das Leben auf Teneriffa, die Fotografie, das Universum und den ganzen Rest.

Chasing the Evil through Puerto de la Cruz

Tag 30 – 9. Januar

In der Nacht bekomme ich kaum ein Auge zu. Es ist immer das gleiche, zwar bin ich ein sehr geübter “Reisender”, aber wenn wichtiger Flug ansteht den man rechtzeitig erreichen sollte, so bin ich auch nach all den Jahren noch immer etwas aufgeregt. Beim Frühstück habe ich drei 20,- Euro Scheine für meine beiden Lieblingskellnerinnen und die Mitarbeiter der Küche dabei. Weil es noch so früh ist, sind sie leider beide noch nicht zu sehen. Letztlich stecke ich das Geld in die kleine Sammeldose die am Eingang des Restaurants auf Spenden wartet. 60 Euro Trinkgeld muten auf den ersten Blick etwas heftig an, aber wenn man bedenkt, dass die Mitarbeiter sich unter anderem für mich ganze vier Wochen lang echt ein Bein ausgerissen haben und an wirklich jedem Abend ohne Trinkgeld nach Hause gegangen sind, so sind 60 Euro letztlich doch nur 2 Euro pro Abend.

Hätte ich jeden Abend in einem Restaurant verbracht, so hätte ich wahrscheinlich deutlich mehr Trinkgeld bezahlt. Also sind die 60 Euro gut angelegt und da hier alle Mitarbeiter unglaublich nett und sehr zuvorkommend sind ist es mir das auch wert.

Ganz witzig ist es, dass via Google-Now auf meinem Smartphone sehr detailliert angezeigt wird wann mein Flug geht und wann ich mich auf den Weg machen sollte. Es ist sehr cool, dass Google die Fahrzeit vom Hotel zum Flughafen automatisch berechnet und meine aktuelle Position aus dem WLAN des Hotels ermitteln kann!

Google-Now

Weil am Freitag das morgendliche Staurisiko relativ hoch ist, fahre ich schon um 8h30 los. Aber es klappt alles mehr als problemlos und ich bin letztlich viel zu früh am Flughafen. Schnell den Schlüssel für den Mietwagen abgeben und auf zum Schalter 62 wo Condor gerade seine Passagiere abfertigt. Als ich am Schalter ankomme steht nur ein Pärchen dort und ich bin nach wenigen Sekunden eingecheckt. Das ist wirklich toll!

Während meiner letzten Tage auf Teneriffa wurde in Paris der Anschlag auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo verübt. Daher werden heute alle Passagiere ganz besonders gründlich überprüft. Bei mir führt dies leider dazu, dass der kleine “Pistolengriff” den ich im oben verlinkten Video benutzt habe mehr als auffällt. Ich muss meine gesamte Fotoausrüstung auspacken, den Koffer mit allen Kabeln und Ladegeräten öffnen, mein Notebook, mein iPad, meinen iPod, mein Telefon und vieles mehr auf etliche dieser weißen Plastikschalen verteilen. Alles wird zweimal gecheckt während ich ohne Gürtel auf Socken daneben stehe und zu jeder einzelnen Kamera diese und jene Frage beantworten muss. Kurz bevor mir meine “bequeme Reisejeans” auf peinliche Weise von den leider viel zu üppigen Hüften gleitet, bekomme ich schließlich meinen Gürtel zurück. Das Zusammenklauben meiner vielen kleinen Einzelteile macht mich fast wahnsinnig und ich bin letztlich richtig froh als ich wieder alles beisammen habe und mir mein Gate suchen kann.

Endlich im Flugzeug angekommen ist der Flug extrem entspannt und weil ich mir schon viele Wochen zuvor via Internet einen XL-Seat direkt am Notausgang gebucht habe, ist die Beinfreiheit fast grenzenlos. Wegen des Notausganges ist die Sitzreihe vor mir nur mit zwei Sitzplätzen bestückt und so kann ich meine Füße wirklich sowas von weit ausstrecken, dass ich fast unter dem Gurt hindurch von meinem Platz rutsche, das ist so geil…

Während ich mir auf meinem iPad Mini ein paar Filme anschaue die ich zwar schon kenne aber lange nicht mehr gesehen habe, vergeht die Zeit wie im Flug. Ok ok, wie sollte ist in einem Airbus A321 auch anders sein :-)

High Noon - Airbus A321 - Seat 11A - Nikon 1 V3 & 10-100mm non-PD

In Frankfurt setzen wir auf die Minute pünktlich auf. Ziemlich nervig ist es, dass es bis zum Einsteigen ins Taxi noch geschlagene 90 Minuten dauern wird. Als ich endlich in Önders schönem neuen Taxi sitze bin ich echt froh, dass auch diesmal alles wieder so reibungslos funktioniert hat. Es tut mir nur ziemlich leid, dass Önder so lange auf mich warten musste. Sehr cool ist es auch, dass er mir etwas kaltes zu trinken mitgebracht hat. Dieser Taxifahrer denkt einfach an alles und es gibt in Mainz keine bessere Möglichkeit als sich von Önder oder seinem Vater fahren zu lassen!

Meine Meinung zum Thema “Pegida”

Dass Önder kein “deutscher Name” ist leuchtet sofort ein. Er und seine Familie haben ihre Wurzeln in der Türkei, leben aber seit vielen Jahren in Mainz. Angesichts der verkackten Demos der gestörten Pegida-Affen kriege ich echt die Krise wenn ich daran denke, dass deren bescheuerter Fremdenhass sich auch gegen Menschen wie Önder und seine Familie richtet. Diese Pegida-Vollidioten mit ihren kranken Sprüchen wie “Sachsen bleibt deutsch” hätten sich besser in ihrer Jugend in der Schule angestrengt, dann müssten sie sich jetzt um Jobs sorgen die sie selbst gar nicht annehmen würden. Mir geht echt die Hutschnur hoch wenn ich im Fernsehen schmierige Proleten sehe die “Wir sind das Volk” skandieren und bei denen sofort klar ist, dass sie in ihrem ganzen Leben nicht eine Mark selbst ehrlich verdient haben und sich auf Sozialleistungen ausruhen um die sie jetzt medienwirksam bangen.

Aber noch mehr kotzt es mich an wenn Sarrazin und andere Hetzer zusätzlich verbales Öl ins Feuer gießen. Ich frage mich manchmal ob diese schmierigen Witzbolde aus der deutschen Vergangenheit überhaupt nichts gelernt haben. Die Deutschen waren mal die Weltmeister in der Disziplin der organisierten Vernichtung einer großen Glaubensgemeinschaft. Wenn im Jahr 2015 Menschen vor dem Terror der IS-Mörder oder Taliban fliehen, dann hat kein anderes als unser Volk eine tiefer verwurzelte Pflicht diese Menschen aufzunehmen und ihnen in unserem Land so gut es geht ein neues Zuhause zu bieten.

Scheinbar kann sich keiner der Pegida-Idioten vorstellen, dass Menschen die in Syrien oder anderswo aufgewachsen sind, lieber dort in einer funktionierenden friedfertigen Gemeinschaft leben würden in der man sie versteht und ihre Sprache spricht, als sich im kalten Deutschland mit hasserfüllten Populisten und kahl rasierten Neo-Nazis herumzuplagen. Leider herrscht dort wo sie geboren wurden aber Krieg und dass sie dort geboren wurden konnten sie sich nicht aussuchen. Es gibt Tage da wünschte ich mir alle Pegida-Sympathisanten müssten mal ein Jahr lang im Irak auf der Straße leben oder im Gaza-Streifen um das nackte Überleben kämpfen.


Teneriffa 2014/15 – Der Weg zu den Sternen

Tag 26 – 5. Januar

Es ist Montag und weil mir der Heimweg des Vortages noch ein wenig in den Knochen steckt lasse ich es heute ganz ruhig angehen. Um 10h30 treffen sich an jedem Morgen einige Residenten bei der Bar „Pepito“ in La Paz, dem deutschsprachigen Stadtteil von Puerto de la Cruz. Dort will ich mich mit meinem Freund Wolfgang treffen, allerdings bin ich heute fast eine Viertelstunde zu spät. Stören tut das hier indes niemanden, wer auf Teneriffa lebt hat meistens viel Zeit und alle Ruhe der Welt. Das gilt leider auch für Handwerker aller Art…

Gegen Mittag bin ich wieder im Hotel, schreibe einen Artikel für meinen BLOG und gammle ein wenig im Hotel herum. Das ist entspannt aber auch ziemlich langweilig. Immer wieder muss ich an Veronica denken, die ich vor ein paar Jahren kennengelernt habe. Sie konnte stundenlang aufzählen in welchen Ländern sie schon im Urlaub war und hatte tausende Fotos von ihren Reisen. Seltsamerweise war sie auf ALLEN Fotos im Bikini an unterschiedlichsten Pools in Hotelanlagen zu sehen, die letztlich doch alle wieder ähnlich aussahen. Als ich sie damals gefragt habe ob sie sich denn mal ein Auto gemietet hat um die Landschaft zu erkunden, war sie irritiert und sprachlos. Sie hat wirklich über all die Jahre hinweg ihre freie Zeit vollständig in weit entfernten Hotelanlagen verbracht und kannte die Länder drumherum nur durch die Fenster der Shuttle-Busse.

Damals habe ich mir geschworen, dass ich solch einen Urlaub niemals nie nicht machen werde!!! Und heute bin ich doch ein wenig zu einem Teil davon geworden. Irgendwie ist es mir unangenehm zwischen all den Menschen mit dem blauen „All-Inclusive-Armband“ am Pool zu sitzen. Natürlich habe ich nichts gegen sie persönlich, aber diese Art Urlaub zu machen, mit Flatrate-Saufen und Sonnenbrand bis es verbrannt riecht, kann ich einfach nicht ab.

Als es dunkel wird muss ich da raus, es ist mir einfach unerträglich. Beim abendlichen Buffett esse ich noch schnell etwas Fisch, Kartoffeln und Gemüse und staune nicht schlecht als meine „Lieblingskellnerin“ mir völlig ungefragt ganz locker im vorbeigehen einen großen Humpen leckeres kaltes Bier auf den Tisch stellt. Was für ein Service und diese total netten Mitarbeiter müssen sich den ganzen Tag mit Menschen herumschlagen die ihre unvorteilhaften Figuren missmutig und betrunken am Pool herum bewegen. Oh je, jetzt werde ich zynisch, also lassen wir das…

Im Zimmer raffe ich meine Fototaschen zusammen. Es ist alles hier und dort verteilt weil ich am Nachmittag vor lauter Langeweile einen neuen Teil für „Ansgar’s kleine Fotoschule“ aufgenommen habe.

Als ich los will ist es erst 19h, eigentlich noch viel zu früh für schöne Fotos der Sterne hoch oben in den Bergen über Teneriffa. Also schneide ich noch schnell die Videoschnipsel des Nachmittages zu einem herrlich verwackelten YouTube-Video zusammen. Diesmal habe ich alles einfach ganz schnell und hemdsärmelig mit meinem Handy gefilmt. Schon beim Schneiden wird mir flau im Magen und ich bin gespannt wie viele meiner Zuschauer dabei wegen akuter visueller Überforderung in Ohnmacht fallen werden :-)

Zuletzt widerstehe ich noch der dringenden Versuchung mit fieser Fresse „Aalter isch Rahsier Disch!“ in die Kamera zu grunzen oder so laut wie möglich „Knallgas“ ins Mikrofon zu brüllen. Besser ist das, denn das machen ja schon die angesagten Stars auf YouTube. Wer nicht weiß wovon ihr hier schreibe gibt sich mal kurz den “Kaller” oder auch “Gillette Abdi” – Au Backe – Das Video von “Gillette Abdi” wurde schon fast eine halbe Millionen mal angeschaut. Was ist nur aus unserer Welt geworden? Alles wird den Bach runter gehen und weil die Jugend nur noch so einen Müll anschaut, wird sie es noch nicht einmal bemerken sondern nur dazu johlen: “Aaalter wir eh wir rasyrn dysch eh aalter…”

Aber das soll uns egal sein, wir wollen ja die Sterne fotografieren, also weiter geht’s… Um zum Pico del Teide hinaufzufahren gibt es insgesamt rund sechs verschiedene Möglichkeiten. Weil es schon 22h ist mag ich heute nicht viele Kurven fahren und entscheide mich für die sehr entspannte Anfahrt aus dem Nord-Osten über den kleinen Ort La Esperanza. Das ist zwar deutlich weiter, aber die Straßen sind gut geteert und viel besser zu befahren als die Straße oberhalb von La Orotava.

Anfahrt-Teide-La-Esperanza

Ein paar Kilometer hinter dem Flughafen montiere ich meine neue GoPro HD HERO 4+ Black Edition auf das Dach meines Autos, starte das WiFi-Netzwerk und steuere die Kamera aus dem warmen Auto heraus mit meinem Smartphone. Das funktioniert ganz wunderbar und nachdem ich eine Video-Sequenz aufgenommen habe die etwa 5 Minuten dauert, schalte ich die Kamera in den Zeitraffermodus für Nachtaufnahmen (Night-Time-Lapse). Mit ISO-800 und einer Belichtungszeit von etwas einer Sekunde knipst die GoPro nun Bild um Bild. Als ich ein paar Kilometer später anhalte bin ich richtig aus dem Häuschen als ich sehe wie schweinemäßig cool diese Fotos aussehen.

chasing the evil through the forest walls

Draußen sind es jetzt nur noch 5°C und der Akku meiner GoPro macht wegen unvollständiger Ladung, akutem Stromentzug und fieser Kälte schlapp. Ich verstehe das, wäre ich eine Batterie mir wäre da oben auf dem Auto auch nicht wohl. Also hole ich die kleine Kamera aus dem Unterwassergehäuse auf dem Dach und lade sie über einen USB-Adapter der im Zigarettenanzünder steckt.

Am ersten Aussichtspunkt angekommen baue ich meine Nikon D800E und das Nikkor 2,8/14-24mm auf und lasse sie bei ISO-800 und Blende 4 ganze 30 Sekunden lang belichten. Bereits diese ersten Fotos sehen gut aus, denn über mir am Himmel scheint der volle Mond so hell, dass man fast Zeitung lesen könnte. Während ich mit der D800E immer mal wieder neue Bildausschnitte wähle, habe ich inzwischen auch die Olympus OM-D E-M1 startklar. Für die ersten Fotos verwende ich das Leica 1,2/42,5mm Nocticron. Den Autofokus habe ich auf  M wie „Manuell“ gestellt. Schalte ich die Kamera aus und wieder ein, so fokussiert sich das lichtstarke Nocticron sauber auf „Unendlich“, das funktioniert wirklich gut!

DCIM100GOPROG0082478.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit der Olympus probiere ich nun verschiedene Einstellungen aus. In meinem Auto habe ich die Kamera zuvor etwas umkonfiguriert und so kann ich nun mit dem Feature „Live-Time“ bei Blende 4 und ISO-400 schöne Fotos machen. Eine feste Belichtungszeit gibt es dabei nicht. Auf dem Display kann ich verfolgen wie das Bild entsteht. Unten links im Bild wird ein Histogramm eingeblendet und immer wenn ich das Gefühl habe, dass keine dunklen Bildbereiche „abgeschnitten“ werden, drücke ich den Auslöser ein zweites Mal um den Belichtungsvorgang zu beenden. Weil der feste relativ fixe Blickwinkel mir irgendwann zu starr ist, nehme ich noch einige Fotos mit dem Panasonic 2,8/35-100mm (FX: 70-200mm) und dem Panasonic 2,8/12-35mm (FX: 24-70mm) auf.

El Teide at Night #1 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Um das „Geschehen“ dokumentieren zu können, lasse ich die kleine GoPro die Szenerie verfolgen. Sie knipst jetzt mit 30s Belichtungszeit lautlos vor sich hin. Ein drittes Stativ für die GoPro habe ich leider nicht dabei, aber es gibt an diesem Aussichtspunkt überall Möglichkeiten um die Kamera abzustellen. Wegen des krassen Weitwinkels der GoPro kommt es auch nicht so genau darauf an wo und wie sie steht, sie knipst irgendwie schon das was ich möchte. Zwischendurch zücke ich kurz mein Smartphone und kontrolliere sicherheitshalber doch was in der kleinen GoPro vor sich geht.

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Gegen 1h am Morgen habe ich den Eindruck, dass ich alles soweit wie sinnvoll „abfotografiert“ habe. Am Aussichtspunkt ist es fast windstill und es sind 7°C, so bin ich auch nach mehr als einer Stunde nicht total durchgefroren und nehme schnell mit meiner GoPro im Auto ein weiteres Video zum Thema “Nachts fotografieren” auf.

Es geht weiter zur nächsten Location. Es ist eine nicht weit entfernte Stelle die mein Freund Wolfgang mal als den „Grand-Canyon von Teneriffa“ bezeichnet hat. Dort kann man das Auto gut abstellen und bewaffnet mit meinen Kameras geht es einen kleinen Hügel hinauf auf einen gewaltigen Felsvorsprung. Von hier aus kann ich La Orotava und Puerto de la Cruz sehen. Gleich links oberhalb thront majestätisch der Pico del Teide sehr fotogen am Horizont. Direkt von oben beleuchtet das Mondlicht die Szenerie auf fast gespenstische Art und Weise.

Und wieder fotografiere ich was das Zeug hält. Hier ist es nun etwas kälter, es sind nur noch 3°C aber es ist nahezu windstill. So muss ich mir keine Sorgen machen, dass ein Windstoß eine meiner Kameras in den tiefen Canyon schubsen könnte. Mit zwei Kameras geht es auch hier sehr effizient voran. Ich flitze zwischen Kameras hin und her und immer wenn die eine Kamera belichtet und die Rauschunterdrückung ausführt hantiere ich an der jeweils anderen Kamera. So vergeht die Zeit wie im Flug und als ich irgendwann meine Füße kaum noch spüren kann ist es auch schon deutlich nach 3h am Morgen.

El Teide at Night #2 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Weil die Session so viel Spaß gemacht hat war ich zwischendurch regelrecht euphorisch und habe ernsthaft in Betracht gezogen an weiteren Locations zu fotografieren und zum Sonnenaufgang unterhalb des kleinen Gala auf der Westseite des Vulkans zu sein. Aber die Müdigkeit übermannt mich jetzt unaufhaltsam und so beschließe ich meine Sachen zu packen und zurück zu Hotel zu fahren.

Der Rückweg ist denn auch gar nicht leicht und es fällt schwer die Augen offen zu halten. Aber die Füße tauen langsam auf. Während die Heizung auf der höchsten Stufe läuft muss ich schließlich ein Fester ein wenig öffnen um noch etwas Frischluft im Auto zu haben. Im Hotel angekommen fällt mir jeder Meter schwer. Von meinem Proviant habe ich nichts aber auch gar nichts gegessen. Aber es war gut ihn dabeizuhaben, man weiß nie was passiert und welche absurden Ideen mir manchmal mitten in der Nacht durch den Kopf schießen.

Vor meiner Zimmertüre im Hotel setzt schlagartig große Ernüchterung ein. Die Euphorie ist weg, denn meine Karte für das Türschloss funktioniert nicht mehr. Oh je, es ist kurz nach 4h am Morgen und ich komme nicht in mein Zimmer. Meine Kameras und alles andere lasse ich vor dem Zimmer liegen und laufe schnell zur Rezeption hinüber. Dort treffe ich zum Glück eine der Mitarbeiterinnen die hier sonst tagsüber arbeitet. Eigentlich hatte ich den Nachtportier erwartet. Meine Zimmer-Karte ist schnell neu programmiert und als ich gefragt werde wo ich denn so spät in der Nacht noch wandern war zücke ich mein Telefon um voller stolz einige der Fotos auf meinem Smartphone zu präsentieren die ich in den letzten Tagen bei flickr hochgeladen habe.

Die Mitarbeiterin des Hotels ist irritiert und kann kaum glauben, dass diese vielen Fotos in der Nacht entstanden sein sollen. Aber ich kann ihr die Sterne zeigen und sie kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Als ich mich verabschiede haut es mich fast aus den Schuhen als sie mir sagt sie sei völlig überrascht was man heutzutage alles mit einem modernen Telefon fotografieren könne :-)


Teneriffa 2014/15 – Küstenwanderung nach Afur

Tag 24 – 3. Januar 2015

Die Topologie von Teneriffa ist überaus bergig und das Wandern ist hier fast überall sehr mühselig. Für Samstag den 3. Januar habe ich mir zusammen mit meinen Freunden Karin und Wolfgang eine Küstenwanderung von Taganana zum Strand von Afur vorgenommen. Wolfgangs Nachbarn haben sich uns heute zusammen mit ihren beiden Töchtern angeschlossen. Mit zwei Autos geht es von Puerto de la Cruz nach Taganana. Diese Strecke ist gut zu fahren und man benötigt etwa 90 Minuten wenn man so fährt, dass den Beifahrern nicht nach kurzer Zeit übel wird.

In Taganana zweigt bei der ersten Bushaltestelle eine sehr schmale Straße nach links ab. Das „Zentrum“ ist hier ausgeschildert. Was dann kommt ist gelinde gesagt für deutsche Autofahrer etwas „atemberaubend“. Die Straßen sind so eng, dass man kaum mit einem Mal um die Kurven kommt und die Spiegel fast links und rechts die Wände der Häuser streifen. Damit wir nicht in einer dieser winzigen Gassen einfach steckenbleiben hat Wolfgang ein detailliertes Luftbild ausgedruckt und dort den Weg markiert den man mit einem Auto tatsächlich fahren kann.

Taganana ist erst seit einigen wenigen Jahrzehnten mit dem Auto erreichbar und die engen Gassen wurden über hunderte von Jahren nur zu Fuß oder mit Pferd und Esel benutzt.

Am Ortsausgang wird die Straße dann ein einspuriger schmaler Feldweg ohne Ausweichmöglichkeiten. Ich hoffe nur, dass uns hier kein anderes Auto entgegen kommen wird. Kurz vor dem Ende dieses Weges parken wir meinen Mietwagen unter einer Palme. Wir sind hier wieder einmal fast am Ende der Welt und es ist einfach nur wunderschön.

Canarian style near Taganana - Nikon 1 V3 & 10-100mm

In meinem Fotorucksack habe ich heute nur die Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm und die Nikon 1 V1 (Infrarot 700nm) mit dem 6,7-13mm Weitwinkel-Zoom. Alles was an Raum im Fotorucksack übrig ist habe ich mit Proviant und Wasser ausgefüllt. Meine Wanderstöcke sind mir nach der letzten Wanderung leider irgendwie abhanden gekommen und ich habe keine Idee wo sie noch sein könnten. So muss ich ganz ohne Wanderstäbe los und auf dem losen Geröll fällt es mir immer wieder schwer nicht filmreif zu stürzen. Am Ende des Tages werde ich es immer wieder verflucht haben ohne Wanderstäbe unterwegs zu sein.

Old Finca near Taganana - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Unterwegs halte ich bei Gelegenheit kurz an und nehme mir einen Augenblick um die Aussicht zu genießen und ein Foto zu machen. Aber wirklich fotografieren kann man es nicht nennen, es ist mehr ein „Photo-Walk“. Ich komme ständig ins Hintertreffen und muss meiner Gruppe hinterher hetzen. So laufe ich letztlich den ganzen Tag allein auf diesem schönen Küstenwanderweg. Ein paar ganz nette Fotos entstehen trotzdem, aber es ist weder eine “richtige” Wanderung noch kann ich in Ruhe fotografieren.

Say CHEEEEEESE - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Hier bewahrheitet es sich aufs neue, dass man allein losziehen sollte um wirklich in Ruhe fotografieren zu können. Alles andere ist eher Stress als Vergnügen.

Das Ziel unserer Wanderung ist der Strand von Afur den ich bereits vor einigen Jahren besucht habe. Damals bin ich von Afur zum Strand abgestiegen und wieder hinauf geklettert. Eine sehr anstrengende Tour! Heute soll es etwas moderater zugehen, aber am Ende des Tages zeigt Wolfgangs GPS, dass wir recht genau 10 Kilometer gelaufen sind und dabei zweimal etwa 400 Höhenmeter überwunden haben.

Tiny little hiker taking a picture - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Looking up the huge wall - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Old Finca at Afur Beach - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Auf dem Rückweg zum Auto tut mir alles weh und ich kann kaum noch laufen weil mit an einer abschüssigen Stelle auf losem Geröll der vordere linke Fuß weggerollt ist. Beim folgenden „Ausfallschritt“ bin ich dann mit dem rechten Knie heftig auf einen Stein aufschlagen. Nun muss ich fünf Kilometer und 400 Höhenmeter weit mit einem schmerzenden Knie wandern, was keine echte Freude ist.

Having a break at Afur Beach - Nikon 1 V1  - Infrared 700nm

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Coastline Hike # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

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Während die Nachbarn sich auf den Weg nach Hause machen lassen Karin und Wolfgang den Tag mit einem leckeren Stückkuchen in der krassesten Bäckerei ausklingen die die Welt je gesehen hat. Weil Hunde auf den Kanaren grundsätzlich in allen Bäckereien und Restaurants verboten sind muss Simba der kleine Hund von Wolfgang und Karin bei leicht geöffneten Fenstern eine Weile in meinem Mietwagen bleiben. Als wir zurückkommen hat er das halbe Auto auseinander genommen, sogar den Warnblinker hat er einschaltet und Lenkrad, Schaltknüppel, Fenster und Türen sind komplett voll gesabbert. Oh man is das eklig… Bevor es losgeht muss ich erst einmal den Schaltknüppel notdürftig mit einem Taschentuch trocken legen. Später daheim bei Karin und Wolfgang schnappt sich Karin einen Eimer mit Wasser und Seifenlauge und putzt das ganze Auto von innen. So sauber ist es in den letzten Monaten wohl selten gewesen.

Bevor ich zum Hotel fahre nutze ich die schöne Aussicht vor dem Haus von Karin und Wolfgang für einige Fotos hinab in das Tal von La Orotava wo sich Puerto de la Cruz in Richtung Meer anschließt.

Sunset over La Orotava - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Puerto de la Cruz after Sundown - Nikon 1 V3

Für den Sonntag werde ich mir nichts vornehmen. Ich müsste mal meinen BLOG aktualisieren, in den letzten Tagen ist die Internet-Anbindung immer wieder ausgefallen und ich habe alles was ich mit Pages auf meinem Mac “vorgeschrieben” habe noch auf Halde liegen. Nach schauen wir mal wie es am Montag mit der Internet-Anbindung aussieht :-)

 


Teneriffa 2014/15 – Die vegane Frühstückszeremonie

Canarian style near Taganana - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Tag 23 – 2. Januar 2015

Ich bin jetzt schon seit mehr als drei Wochen auf dieser wunderschönen Insel und jeden Morgen ist es immer wieder witzig was man beim Frühstück alles beobachten kann. Auch heute finde ich einen Platz an einem der wenigen freien Tische draußen auf der Terrasse vor dem Restaurant. Während ich eine größere Menge kleiner lauwarmer Pfannkuchen mit verschiedenen Sorten Marmelade zu mir nehme, nimmt gleich neben mir ein großer sehr dünner Typ mit auffälliger Sonnenbrille platz. Eigentlich ist der Himmel voller Wolken und niemand außer ihm trägt eine Sonnenbrille, aber vielleicht gehört das ja zu seinem Stil der allerdings irgendwie seltsam anmutet. Während er immer wieder zwischen Tisch und Restaurant pendelt füllt sich sein Tisch langsam aber sicher mit verschiedenen Tellern auf denen er Salate, Gemüse und Obst gestapelt hat. Dazu gibt es ein Gläschen zuckersüßen Ananas-Saft aus dem Automaten. Auf seiner letzten Tour bringt er schließlich einen Teller mit auf dem zwei Scheiben Toast und jeweils drei Scheiben Käse liegen die wie ein V geschnitten sind.

Ich bin ein großer Fan der leicht skurrilen Fernsehserie „Der Tatortreiniger“ mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle. „Meine Arbeit fängt da an wo sich die meisten Menschen vor Ekel übergeben müssen!“ – Das ist das Credo seiner Arbeit als jemand der kommt nachdem die Spurensicherung weg ist.

Tatortreiniger

In der dritten Staffel gibt es die überragende Folge „Fleischfresser“. Dort stellt Tatorteiniger „Schotty“ vor der Türe hinter der er die Spuren eines Verbrechens beseitigen soll und stellt fest, dass er die Wohnungsschlüssel in der Firma vergessen hat. Er ruft seinen Chef an und organisiert, dass jemand kommt und die Schlüssel bringt. Während er im Hausflur wartet kommt eine junge hübsche Frau in einem Rollstuhl aus dem Aufzug. Weil er mal dringend pinkeln muss, darf er kurz in ihre Wohnung. Was dann kommt ist ein wunderbares Kammerspiel zum Thema „Vegan leben“.

Fleischfresser

Ständig klingelt das Telefon und der Ex-Freund der Rollstuhlfahrern ruft immer wieder an, bettelt und entschuldigt sich für seine grauenhafte Tat. Schließlich klärt sich die Sache auf. Sie ist Veganer und ER hat heimlich Schnitzel gegessen. Daher musste er gehen. Jetzt will er alles wieder gut machen. Tatortreiniger Schott zerreißt es fast das Herz und schließlich bietet er ihr eine „Vegane Patenschaft“ an. Er isst 14 Tage lang kein Fleisch und kompensiert damit die Schnitzel ihres Freundes. So kann er wenigstens für diese Zeit mit gutem Gewissen wieder mit ihr zusammen sein. Eine wirklich lustige Idee der Drehbuchautoren…

Während mein Frühstücksnachbar mit einem speziellen Messer, das er wohl mitgebracht hat, sein Obst bearbeitet gehen mir die Szenen mit Schotty und der „veganen Patenschaft“ durch den Kopf. Irgendwie muss ich in mich hinein grinsen, zu witzig sieht es aus wie dort Birnen, Äpfel und Bananen akkurat seziert und dann mit Messer und Gabel verspeist werden.

Nach dem Obst wendet sich mein Nachbar den nahrhaften Dingen zu. Es gibt zwei Scheiben Toast und genau 5 Scheiben V Käse. Doch halt, zunächst werden am Vollkorntoast die ungesunden dunklen Krusten mit dem Obstmesser entfernt. Nun werden die dunklen Ränder der Käseecken entfernt. Anschließend werden die V Käseecken so auf dem verbleibenden Toast verteilt, dass sie ein sauberes Parallelogramm bilden. Doch was ist das? Ein V ist noch übrig. Wohin damit? Ah, es wird präzise in der Mitte geteilt und dann auf die beiden Scheiben Toast gelegt. Nun wird der Käse mit etwas Brokkoli, Karotten und anderem gedünsteten Gemüse belegt. Als alles fertig ist versucht mein Nachbar es zu essen. Aber das ganze Gemüse kullert ihm wieder von seinem randlosen Vollkorntoast herunter. Das Problem scheint die Instabilität des Brotes zu sein, es hat eben keinen stabilen Rand mehr. Der Veganer denkt kurz nach um danach mit Obstmesser und Gabel das Gemüse zunächst etwas zu zerkleinern und dann vorsichtig mit Messer und Gabel zu verspeisen. Bei jedem Stückchen Toast kullert immer wieder Gemüse zurück auf den Teller, das vegane Leben hält doch allerei Herausforderungen parat. Ich frage mich warum er nicht einfach einen Toast mit Marmelade isst, das wäre deutlich einfacher.

Als der Toast schließlich bewältigt ist geht es mit einem guten Mix aus Tomaten und Salaten weiter. Ein Dressing gibt es nicht, auch Salz und Pfeffer müssen fern bleiben. Während ich das Schauspiel betrachte bekomme ich richtig Appetit auf eine Tasse Kaffee und zwei Brötchen mit Marmelade. Wie ungeheuer simpel mein Leben doch ist…

Nach dem Essen tausche ich wieder 20 Euro in einzelne Münzen und wasche ein zweites Mal meine Anziehsachen. Während die Turbo-Waschmaschine 30 Minuten lang im Keller meine Kleidung säubert ist Zeit diesen Artikel zu schreiben.

Jetzt muss ich kurz unterbrechen, denn nun muss die Wäsche schon in den Trockner. Also nicht wegklicken, ich bin gleich zurück…..

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Ok, da bin ich wieder…

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Die Waschmaschine läuft keine 30 sondern etwa 35 Minuten. Weil Masseur Jerome schräg gegenüber wahrscheinlich gerade eine ältere Dame von ihrem Verspannungen befreit, warte ich vor dem Waschraum bis die Maschine fertig geschleudert hat. Dabei geht mir erneut der Tatortreiniger durch den Kopf. „Warum ich Schweinebraten esse?? Na weil es lecker ist…“ Als ich mich an die Wand neben der Türe anlehne kann ich es kaum glauben, sie vibriert im Rhythmus der schleudernden Waschmaschine, wie krass ist das denn?

Als die „Speed-Queen“ – so die offizielle Bezeichnung – fertig ist hole ich schnell meine Wäsche heraus. Meine farbechten Trekking-Hemden sind zwar nicht der letzte modische Schrei, aber man kann sie problemlos zusammen mit weißer Unterwäsche waschen. Doch in den Trockner sollten sie nicht, das ich auch gar nicht notwendig denn die Speed-Queen hat fast jedes einzelne Wassermolekül herausgeschleudert.

Nun habe ich wieder 45 Minuten Zeit bis Schlafanzug und Unterwäsche frisch duftend und sauber aus dem Trockner kommt. Man braucht hier echt nicht viel Wäsche. Ich habe Hemden für eine Woche, drei vier Hosen und Socken und Unterhosen für 8 Tage. Damit habe ich enorm viel Raum und Gewicht in meinem Koffer gespart, dass ich mit Objektiven und anderem Foto-Equipment ausfüllen konnte.

Allerdings habe ich auch auf dieser Reise wieder viel mehr mit als ich letztlich benutzen kann. Die beiden GoPros sind noch immer fast ungenutzt, das 24mm Shift & Tilt steht seit dem ersten Tag im Schrank und mit der D800E habe ich bis jetzt nur zweimal nachts oben am Teide fotografiert. Da hier das Wetter derzeit etwas durchwachsen ist, fallen die Sonnenaufgänge und -untergänge meist eher unspektakulär aus. Auch oben am Teide hatte ich nicht viel Glück, meistens haben dichte Wolken selbst und 2500 Metern Höhe die freie Sicht auf die Sterne versperrt.

Müsste ich die Reise mit sehr wenig Gepäck antreten, so würde ich wohl nur die Nikon 1 V3 samt 6,7-13mm, 10mm, 10-100mm und das famose 70-300mm einpacken. Sollen während der Reise hochwertigere Fotos entstehen so würde ich statt der Nikon die Olympus OM-D E-M1 mit den Panasonic Objektiven 4/7-14mm, 2,8/12-35mm, 2,8/35-100mm und das Leica Nocticron 1,2/42,5mm einpacken. Zusätzlich käme dann noch das Panasonic 100-300mm in die Fototasche, das im FX Format einem 200-600mm Teleobjektiv entspricht. An das Äquivalent von 189-810mm die das 70-300 der Nikon 1 bietet kommt es letztlich allerdings nicht heran.

Wenn ich auf einer Reise primär Tiere fotografieren möchte und das Gepäck stark limitiert ist, so würde ich lediglich die Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm und dem das 70-300mm einpacken. Hier habe ich einige Beispielfotos die ich mit der Nikon 1 V3 und dem 1Nikkor AF-S G VR ED 4,5-5,6/70-300mm (was für eine Typenbezeichnung…) fotografiert habe.

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

The Observant Eagle - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

Jungle Park #2 - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

Jungle Park #1 - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

Simba #1 - Brother & Sister - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

El Medano Surfer #3 - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Die schwere Nikon D800E mag ich unglaublich gern, aber sie ist eben inkl. der zugehörigen Objektive auf Reisen eher hinderlich. An eine klobige Nikon D4s darf ich dabei erst gar nicht denken. Klar sind diese Kameras cool und liefern die allerbesten Ergebnisse, aber solange man nicht beruflich fotografiert und eh nur alle seine Werke im Internet präsentiert ist es als würde man mit „Kanonen auf Spatzen schießen“.

Da ich gern nachts unterwegs bin würde ich auf die Nikon D800E und das 2,8/14-24mm und sehr ungern verzichten. Sie liefert einfach tolle Ergebnisse und im direkten Vergleich kann die grundsätzlich sehr gute und in vielen Foren gefeierte Olympus OM-D E-M1 einfach nicht mithalten. Wenn es gar nicht anders geht, kann man natürlich auch mit dieser Kamera nachts tolle Fotos aufnehmen, aber die meine erste Wahl ist sie zumindest bislang noch nicht.

Ok, es ist Freitag der 2. Januar 2015 und ich habe noch eine Woche auf dieser Insel. Gleich ist meine Wäsche trocken und dann kann ich schauen was ich hier heute anstelle. Wahrscheinlich werde ich mal die D800E mit dem 3,5/24mm Shift & Tilt einpacken und dann mit einigen Filtern im Gepäck der und den GoPro Kameras auf, an und im Auto die wichtigsten Locations auf dieser Insel „abfahren“ damit ich in meinem nächsten Video zeigen kann wie es dort aussieht.

Kurz vor der Reise habe ich mir extra nicht ein kleines neues Schwebestativ gekauft. Vielleicht benutze ich es heute mal. Morgen ist Samstag und dann soll es mit einigen Freunden von Taganana aus an der Küste entlang zum Strand bei Arfur gehen.


Teneriffa 2014/15 – Teno Alto

Buenavista del Norte #1 - Olympus OM-D E-M1

Tag 20 – 30. Dezember

Das ist ist nun fast geschafft, noch einige wenige Stunden und das Jahr 2014 wird Geschichte sein. Die letzten Stunden möchte ich nutzen um mich ein wenig im Nord-Westen von Teneriffa herumzutreiben. In meinem Fotorucksack habe ich heute fast alles bis auf die Nikon D800E. Sie liegt gut verpackt mit Gehäusedeckel ohne Objektiv neben dem 2,8/14-24mm und dem 24mm Shift & Tilt im Zimmersafe.

Einen konkreten Plan für den heutigen Tag habe ich eigentlich nicht, ich will mich treiben lassen und schauen was ich auf dem Weg nach Teno Alto erleben werde. Teneriffa besteht aus den drei unterschiedlich alten Vulkanen Anaga, Teno und Teide. Entsprechend ihres Alters ist auch die Landschaft sehr unterschiedlich. Im Anagagebirge, das hoch oben im Norden gelegen ist kann man keinen echten Vulkan mehr erkennen. Aber er muss gewaltig gewesen sein, denn die Felsen die er geschaffen hat sind auch bis heute beeindruckend. Die Vegetation ist hier sehr urwüchsig, die Bäume zumeist gedrungen und abenteuerlich geschwungen. Zum Bau von Schiffen war dieses Holz nie geeignet und so hat es über die Jahrhunderte auch den Schiffbau-Wahn der Spanier überstanden. Dort wo heute die Stadt „La Laguna“ angesiedelt ist war einst eine Lagune, welche natürlich der Stadt auch ihren Namen gab. Durch die Abholzung der Wälder und den Bau von Schiffen ist diese Lagune vor langer Zeit ausgetrocknet. Ich glaube es war vor etwa zwei Jahren als rund um La Laguna gewaltige Regengüsse niedergingen und für ein paar Tage war sie wieder da die alte Lagune. Nur standen die Häuser der Altstadt von La Laguna mittendrin.

Dort irgendwo muss es auch gewesen sein wo die letzte Schlacht der Spanier mit den Guanchen, den Ureinwohnern von Teneriffa stattgefunden hat. Noch heute findet man überall Graffitis auf denen zu lesen ist, dass die Kanaren NICHT zu Spanien gehören und die Menschen hier KEINE SPANIER sind. Wie in vielen Teilen der Erde haben es die Spanier vor vielen hundert Jahren geschafft sich die Kanaren „unter den Nagel zu reißen“. Für uns ist es natürlich toll weil wir hier alles mit unseren deutschen Euros bezahlen können und die Infrastruktur hier fast wie bei uns daheim anmutet. Ein wenig seltsam bleibt es trotzdem, da ist man gleich neben Afrika, Marokko ist bei Google Earth je nach Zoom-Level nur einen Steinwurf entfernt und es gibt hier Lidl, Mediamarkt und Nutella…

Aber lassen wir das, die Falklandinseln gehören angeblich ja auch zu England und die Queen von England ist das Oberhaupt der Kanadier, verkehrte Welt…

Während der Himmel keine Hoffnung auf schöne Fotos macht fahre ich immer weiter in Richtung Nord-Westen. Letztlich lande ich wieder in der Nähe des „Restaurants am Ende des Universums“. Heute kehre ich dort nicht ein, heute gibt es keine gegrillte Seezunge, heute habe ich ein ofenfrisches Baguette und etwas Käse. Das alles habe ich mir zuvor im Al Campo gegenüber des Hotels gekauft. Dort konnte ich am Geldautomaten auch maximal 300,- Euro abheben. Wie hoch die Gebühren dafür waren ist mir indes nicht ganz klar. Während ich auf einer Parkbank sitze und genussvoll mein Baguette verspeise klärt sich völlig unerwartet  der Himmel etwas auf. Als alles aufgegessen ist schnappe ich mir meine Olympus OM-D E-M1 und mache ein paar Fotos. Ich benutze das Leica/Panasonic Noctricron 1,2/42,5mm. Davor habe ich einen 64x ND-Filter und einen Tabak-farbenen Verlaufsfilter geschraubt. Wieder weiß ich den wunderbaren elektronischen Sucher der E-M1 sehr zu schätzen. Man bemerkt praktisch keinen Unterschied wenn man diesen schon sehr dichten Graufilter (Hersteller: Haida) vor der Linse hat. Auch die Farbwiedergabe ist noch ganz ordentlich.

Buenavista del Norte #3 - Olympus OM-D E-M1

Während ich so vor mich hin knipse fällt mir ein immer heller werdender „Spot“ in der Mitte der Fotos auf. Ich schalte die Kamera auf HDR1 um, natürlich benutze ich ein Stativ und einen Kabelauslöser! Doch das Licht ist so extrem, dass auch HDR1 damit nicht klar kommt. Also versuche ich es mit Belichtungsreihen. Vielleicht kann ich daraus später ein paar nette HDR-Fotos zaubern. Hier nervt es ziemlich, dass die Schrittweite der Belichtungsreihen minimal 1.0 EV, also eine Blendenstufe beträgt. Einen Weg das zu ändern gibt es scheinbar nicht. Bei meiner Nikon D2x, D300, D700 und der D800E hat man deutlich mehr Freiheiten. Dort lassen sich Unterschiede zwischen 0.3, 0.7, 1.0, 1.3, 1.7, 2.0 usw. ganz bequem über das vordere Wählrad konfigurieren. Das geht bei der Olympus OM-D E-M1 scheinbar nicht. Damit kann ich zwar Belichtungszeiten aufnehmen, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Fotos sind so extrem, dass es mir später im Hotel einfach nicht gelingen will daraus einige wirklich ansprechende HDR-Bilder zu erstellen. So hat jede Kamera ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

Buenavista del Norte #2 - Olympus OM-D E-M1

Während sich der Himmel immer weiter aufklart und die Wolken in fast unglaublicher Geschwindigkeit am Himmel vorbeiziehen schraube ich den ND-1000 Graufilter vor mein Nocticron. Nun kann ich Dauerbelichtungen machen und ich versuche auch mal welche Ergebnisse der recht einzigartige Live-Composite Modus liefert. In diesem Modus macht die Olympus in regelmäßiger Reihenfolge ein Bild nach dem anderen und rechnet die Fotos zu einem einzigen Bild zusammen. Sehr cool ist dabei, dass man die Entstehung des Bildes auf dem Display verfolgen kann. Ich bin ziemlich begeistert angesichts dessen was ich auf dem Display zu sehen bekomme. Später im Hotel wird die Euphorie aber einer deutlichen Ernüchterung weichen. Denn Live-Composite sieht eben doch wie Live-Composite und nicht wie eine Langzeitbelichtung aus. Es macht einen echten Unterschied ob man viele Bilder mit recht kurzer Belichtungszeit über einen Zeitraum von sagen wir mal 2 Minuten überlagert, oder ob man wirklich „echte“ zwei Minuten belichten kann. Beim Live-Composite sieht die Bewegungsunschärfe in den Wolken somit auch ziemlich merkwürdig aus. Es mutet eher nach einen schlechten Photoshop-Effekt als nach einem guten Foto an.

Die Fotos bei denen ich wirklich lange belichtet habe gefallen mir eindeutig besser. Allerdings ist “Live-Composite” trotzdem eine Bereicherung denn man kann damit tolle Effekte erzielen. Gern würde ich mal einige „Sternenspuren“ damit aufnehmen. Na schauen wir mal, vielleicht klappt das ja in der Nacht von 2014 auf 2015… Das Feuerwerk über Puerto de la Cruz wäre eine nette Alternative, wir werden sehen…

In meinem Schrank im Hotelzimmer wartet noch einiges an Equipment das ich bislang noch gar nicht benutzt habe. Vor allem die vielen Lens-Baby Dinge harren noch immer der Dinge die da kommen werden. Seit einigen Wochen habe ich ein Lens-Baby Composer mit einem Anschluss für MFT-Kameras (Micro-Four-Thirds oder auch 4/3). Aber dieses Ding hat mich etwas enttäuscht, denn es ist das gleiche Lens-Baby das ich bereits für meinen Nikon-F Anschluss habe, also für die D800E usw. An der D800E macht das Lens-Baby mit seiner schrulligen 80mm Linse eine recht gute Figur. An einer MFT-Kamera wird es zu einem 160mm Teleobjektiv und das ist nicht wirklich für die typischen Spielereien geeignet die man mit einem Lens-Baby so macht.

Sehr cool sind aber die Einsätze die man in das Lens-Baby Composer einschrauben kann. So lässt sich das gesamte optische System herausnehmen und durch ein Extrem-Weitwinkel ersetzen. Damit hat man ein Fisheye das sich schwenken lässt. An einer FX-Kamera ist das wirklich sehr crazy, aber der Olympus OM-D E-M1 sehen die Einsätze Fish-Eye, Superwide, und Sweet-35 immerhin noch ganz ordentlich aus.

Richtig geil finde ich ein sehr preiswertes kleines Set mit speziellen „Kreativ-Blenden“ die sich über den kleinen magnetischen „Pen“ in das Standard-Objektiv einsetzen lassen. Hier gibt es Herzchen, Sterne und vieles mehr. Bei Fotos vor einem glitzernden Hintergrund ergeben sich damit witzige Effekte die besonders in den unscharfen Bildbereichen, also im „Bokeh“ der Fotos sichtbar werden. Wer möchte sein geliebtes Frauchen nicht einmal vor dem in der Abendsonne glitzernden Meer ablichten und statt der üblichen Reflexe kleine Herzen im Hintergrund sehen?

Ok, all das habe ich auf dieser Reise dabei, aber es war so recht noch keine Gelegenheit all das zu verwenden. Aber ich bin ja noch ein paar Tage hier… Auch hätte ich sehr gern mit meinem Sohn einige tolle Zeitlupen-Videos am Strand von El-Medano aufgenommen, aber das haben wir irgendwie auch nicht hingekriegt. Überhaupt habe ich mir viel mehr vorgenommen als es sich in 4 Wochen Teneriffa bewältigen lässt. Und primär bin ich ja auch hier um mich zu erholen und neue Energie für das kommende Jahr zu tanken.

Identitätskrise…

Ganz gleich wie viele Objektive ich auch mitschleppe, was ich hier fotografiere, filme und ausprobiere, letztlich bringt mich das alles eigentlich eh nicht weiter. Es kostet alles nur viel Zeit und Geld, einbringen gut es im besten Falle eine paar „Gefällt mir“ Klicks bei flickr, YouTube und facebook, mehr leider nicht. Aktuell kommen über Werbung auf YouTube und andere Plattformen im Monat etwa 100 Euro zusammen. Damit kann ich so eben die Kosten für meinen Webserver und die Stromkosten für die Uploads der YouTube Videos bezahlen. Da nervt es manchmal total, dass viele „YouTube-Kids“ Ad-Blocker verwenden, also Browser-Erweiterungen die Werbung unterdrücken. Im Jahr 2014 ist es im Internet noch immer selbstverständlich, dass man alle Infos die man haben möchte kostenlos bekommt und dass man sich über jene die diesen Content liefern gern auch mal lustig macht.

Wirklich nervtötend sind dabei jene Besserwisser und Vollidioten die bspw. zwar einen YouTube-Account haben, dort aber weder ein Profilfoto noch einen echten Namen hinterlegen. Eigene Videos haben sie schon keine und was sie kommentieren und posten ist oft so tief unterhalb der Gürtellinie, dass man sie im Iran dafür öffentlich an einem Baukran aufhängen würde. Erst neulich berichtete mir ein YouTube-Freund von einem Kommentar in dem ihm ein anderer “Youtuber” schrieb „er würde ihn gern mit Benzin übergießen, anstecken und dann mit einer Gabel löschen“.

Das ist wirklich krank und wenn ich darüber nachdenke was mir persönlich das Schreiben dieses BLOGs und die viele Zeit die ich mit der Erstellung und Bearbeitung von Videos und Fotos verbringe letztlich einbringt, so ist das Fazit mehr als ernüchternd. Dieser BLOG frisst einfach irrwitzig viel Zeit und Geld und während ich hier entspannt bei einem Glas Sekt auf dem Balkon vor meinem Hotelzimmer sitze, sehe ich drüben am Pool die Mehrheit der Hotelgäste lässig mit einem Buch am Pool in der Sonne liegen. Sollte ich das nicht lieber auch so machen? Einfach diesen BLOG ruhen lassen und nur noch das tun was mir Spaß macht?

Grundsätzlich erscheint mir das keine schlechte Idee zu sein, aber nur am Pool zu liegen und in der Sonne ein Buch zu lesen ist mir einfach viel zu langweilig. Da kriege ich echt die Krise wenn ich nur daran denke zwischen all den alten Leuten den ganzen Tag still liegen und lesen zu müssen. Ist es also doch ok diesen BLOG zu schreiben? Ist es letztlich einfach meine Art den Urlaub zu verbringen? Na vielleicht gibt es ja irgendwann einmal die große Revolution im Internet und die Leser eines BLOGs bezahlen 5 Euro-Cent pro Artikel oder so. Dann wäre es cool, denn dann könnte man vielleicht irgendwann davon leben und eine bessere Qualität, neue spannende Reisen und so letztlich den Lesern eine „noch bessere Leseerfahrung präsentieren“ – wie man es im APPLE Jargon nennen würde…

Aber das wird wohl nie passieren und so werden wohl hunderttausende „kleine Blogger“ bis ans Ende ihrer Postings mit dem Schicksal hadern und ihre BLOGs irgendwann einfach brach liegen lassen. Dies passiert übrigens wirklich oft, denn solange es keinerlei monetäre Anreize gibt einen BLOG weiter zu schreiben ist es irgendwann einfach lästig und verkommt mehr und mehr zu einer ungeliebten Pflicht als zu einem Hobby das Spaß bereitet und dazu anspornt es noch besser und intensiver zu betreiben.

Während ich an meiner Kamera hantiere geht mir all das in meinem Kopf herum. Und so bemerke ich erst spät, dass mir plötzlich die Sonne ins Gesicht scheint. Hey was ist denn das, die Wolkendecke hat ein Loch bekommen!! Schnell tausche ich die Objektive und nun ist das wunderbare Panasonic 4/7-14mm an der Reihe. Als es fest im Bajonett meiner der Olympus sitzt hole ich den famosen neuen Filterhalter von Helge Süß (helge-suess.com) aus Österreich heraus und schiebe meinen Haida ND-1000 Filter im Format 150x150mm hinein. Schnell noch die Kamera umkonfigurierten und dann kann es schon los gehen… Doch in diesem Augenblick trifft mich der erste von wirklich vielen Regentropfen. Ich stehe inmitten von riesigen Kieselsteinen die so dick sind, dass man einen Bagger brächte um sie zu bewegen und nun regnet es? Hier wechselt das Wetter manchmal wirklich schnell und ich habe noch sehr gut in Erinnerung wie ich mit meiner Sandra vor einigen Monaten auf einer unserer letzten Motorradtouren so nass geworden bin, dass dabei mein wunderbares noch fast neues HTC ONE M7 gestorben ist :-(

Also heißt es jetzt schnell zum Auto zu flitzen ohne sich dabei ein Bein zu brechen, was hier gar nicht so einfach ist.

Auf nach Teno Alto

Im Auto angekommen sind es 21°C und es regnet. Ich warte eine Weile aber es scheint nicht weniger zu werden, also starte ich den Motor meines OPEL Astra und mache mich auf den Weg nach Teno Alto, meinem ursprünglichen Tagesziel. Es geht ein paar hundert Meter zurück in Richtung Puerto de la Cruz, danach nehme ich die Straße in Richtung Masca. Nun geht es in vielen Kurven steil den Berg hinauf. Nach etwa 10 Minuten ist „Teno Alto“ nach rechts ausgeschildert. Diese Straße ist wirklich schmal, es gibt keine Sicherungen, keine Markierungen, gar nichts, einfach nur sehr alten kaputten Asphalt. Wüsste ich es nicht besser, man könnte meinen die sei keine öffentliche Straße.

Painting with light - Olympus OM-D E-M1

Auf dem Weg nach Teno Alto ergeben sich immer wieder neue Sichten auf die nördliche Seite der Spitze des Teide. Dort liegt noch Schnee und die Wolken die in der warmen Abendsonne daran vorbei ziehen sehen immer wieder anders und immer wieder gut aus. Anzuhalten ist nicht ganz einfach, denn die Straße ist unglaublich schmal. Dort wo es geht springe ich schnell aus dem Auto und schnappe mir meine Kamera die schussbereit samt Stativ auf dem Rücksitz wartet. Dabei ist es toll ein Auto mit vier Türen zu fahren!!

Als ich schließlich in Teno Alto eintreffe steht die Sonne schon sehr tief, nun heißt es sich zu beeilen um den Sonnenuntergang über La Gomera nicht zu verpassen. Es geht vorbei an der kleinen Dorfkneipe und dann schräg rechts den Berg hinunter. Die Straße kann man nun nicht mehr Straße nennen, es ist nur noch ein einspurige holprige betonierte Piste mit einer Regenrinne in der Mitte. Alle Menschen die ich hier treffe haben alle Ruhe der Welt. Sie sitzen entspannt am Wegesrand, lächeln sehr freundlich und heben die Hand zum Gruß als ich vorbeifahre. Sicher sind es keine Hobbyfotografen und auch keine Blogger oder YouTuber, möglicherweise wissen sie gar nicht was das ist und trotzdem sehen sie aus als wären sie zufriedenen mit dem was sie haben und wie sie leben.

Pico del Teide seen from Teno Alto #2 - Olympus OM-D E-M1

Sollte ich diese ganze BLOG-, Foto- und „YouTube-Scheiße“ nicht einfach an den Nagel hängen und mich dazusetzen? Einen kurzen Moment bin ich versucht voll in die Bremse zu treten, aber dann lockt das Wolkenschauspiel stärker als gedacht…

Beim letzten Mal habe ich an einer recht exponierten Stelle geparkt. Meine Sandra hat damals zwei Stunden allein im Auto auf mich gewartet und ist dabei von Canarios angesprochen worden. Vielleicht wollten sie helfen oder so? Verstanden hat sie jedenfalls nichts und es war ihr mehr als unheimlich. Das habe ich noch im Hinterkopf und so will ich versuchen eine Stelle zu finden die näher an der Felskante mit Blick auf La Gomera liegt. Doch welche der winzigen Straßen ich auch fahre, alle führen mich weg von La Gomera tief in die „Eingeweide“ des eigentlich wunderschönen Teno-Gebirges.

Hat man hier erst einmal eine falsche Straße eingeschlagen, so ist es unmöglich das Auto zu wenden. Die einzige Chance ist so lange der Straße zu folgen bis man auf eines der wenigen Häuser trifft. Dort springt meist gleich ein Hund auf das Auto zu, was aber ungefährlich ist solange man nicht aussteigt. Gäste sind hier wohl mehr als selten!

Irgendwann schaffe ich es mein Auto zu wenden. Es geht zurück und dabei komme ich an einem Gehöft vorbei das auch in den schottischen Highlands einen guten Eindruck machen würde. Es sieht sehr verlassen aus und erscheint baufällig zu sein, ob hier noch jemand wohnt? Es gibt gleich auf der Ecke einen Masten mit einer Antenne. Also wird hier wohl jemand wohnen, warum sollte hier sonst diese Antenne stehen? Und tatsächlich werde ich nach der nächsten Kurve argwöhnisch von einem alten Mann beäugt wie ich hier so im Abendlicht herumkurve. Ich winke ihm freundlich zu und er winkt und lächelt freundlich zurück, Zähne hat er leider keine mehr.

Pico del Teide seen from Teno Alto #1 - Olympus OM-D E-M1

Als die Sonne tief steht bin ich wieder ganz genau dort wo meine Sandra damals auf mich gewartet hat, einen anderen „Weg zum Horizont“ scheint es mit dem Auto nicht zu geben, jedenfalls nicht von hieraus. Also schnappe ich mir meine Kamera und will zu Fuß weiter. Aber es ist extrem windig und inzwischen auch schwer kalt geworden. Schnell ziehe ich eine Weste und eine Fleece-Jacke über, aber das reicht noch nicht. Erst als ich in meiner alten Jacke aus Gore-Tex stecke, die ich mir im Jahr 2003 für die erste Reise nach Teneriffa gekauft habe, ist mir halbwegs warm. Viel Gepäck will ich nicht mitschleppen, also stecke ich nur das 2,8/12-35mm (FX: 24-70mm) Zoom in die Jacke und nehme die Olympus samt 2,8/35-100mm (FX: 70-200mm) mit. Die Sonne ist schon fast weg, mein vergeblicher Umweg hat sehr viel Zeit gekostet. Im Laufschritt geht es der alten Finca am Horizont entgegen an der ich schon mehrmals schöne Fotos machen konnte.

Während ich über Lava-Brocken haste schaut die Sonne immer mal wieder für einige wenige Sekunden sehr magisch durch die massive Wolkendecke über La Gomera. Als ich schließlich „in Stellung“ bin ist das Schauspiel aber leider vorbei. Nun ist nur noch eine wolkige Szenerie zu sehen, alles ist „Blau in Blau“ mit einigen gelben Farbakzenten an der falschen Stelle des Horizontes. So ein Mist ich habe es vergeigt!

Etwas frustriert geht es zurück zum Auto. Meine Krankheit ist inzwischen recht gut auskuriert und ich habe nicht mehr so massiv mit meinem Asthma zu kämpfen wie noch vor zwei Wochen. Dennoch ist es beschwerlich wieder zum Auto aufzusteigen. Als dann erneut einige dicke Regentropfen auf meinen Kopf klatschen habe ich echt keine Lust mehr und frage mich erneut warum ich das alles auf mich nehme. Alle anderen Gäste sitzen jetzt bei einem Glas Sekt im Restaurant und schlagen sich die Mägen voll.

Endlich am Auto angekommen ist es dunkel und es regnet. Ich habe es so eben geschafft, dass meine Kamera nicht zu heftig durchnässt wurde, es wird wohl noch alles heil sein. Schnell starte ich den Motor und erschrecke mich zutiefst als es plötzlich im Auto hell wird. Was war denn das? Ich komme mir vor als hätte mich jemand fotografiert, jemand mit einem echt großen Blitzlicht. Aber es ist ein Gewitter das sich gerade anschickt sich über dem Meer zu entladen.

Während die schweren Regentropfen auf das Autodach einhämmern und hinter mir die Blitze über den dunklen Hummel zucken geht es zurück, hoffentlich geht es zurück… Hier vom Weg abzukommen könnte bei diesem Wetter in der Dunkelheit mehr als schlimm werden. Bei der Anfahrt habe ich der Umgebung nicht viel Beachtung geschenkt, alles in mir war auf das Schauspiel am Himmel über La Gomera fixiert. Nun sieht die Umgebung unwirklich und fremd aus. Immer wieder zweifle ich daran ob mein Weg tatsächlich richtig ist. Am Horizont kann ich Lichter sehen, das müsste Teno Alto sein und sie werden langsam größer, das gibt mir Hoffnung.

Schließlich erreiche ich Teno Alto doch noch und als ich an der Dorfkneipe vorbeifahre ist bereits alles wie ausgestorben. Aber die Türe steht offen, drinnen brennt Licht und als ich langsam daran vorbei rolle winkt mir jemand zu. Die Menschen hier sind so freundlich!

Von Teno Alto muss ich nun noch hinab in die Zivilisation wie wir sie kennen. Und das ist gar nicht so einfach. Es gibt keine Straßenlampen, keine Fahrbahnmarkierungen, aber dafür gibt es Felsbrocken auf der Straße die so groß sind, dass zumindest ein Reifen platzen wird wenn man sie versehentlich mit dem Auto erwischt. Also ist Vorsicht angezeigt!

Als erfahrener „Lenker“ wie es die Schweizer nennen, klappt letztlich alles problemlos. Als ich gut zwei Stunden nach meiner Abfahrt im Hotel in Puerto de la Cruz eintreffe bin ich müde in kaputt aber irgendwie geht es mir auch gut. Beim Abendessen fragt mich eine der Bedienungen was denn mit meinem Sohn los ist, ob er schon im Bett liegen und schlafen würde. Aber nein, er ist schon wieder daheim bei der Mama und bereitet sich auf den Jahreswechsel vor.


Teneriffa 2014/15 – Fotoshooting mit Ines und André

Shooting Ines & André #1 - Olympus OM-D E-M1

Tag 19 – 29. Dezember

Als ich am Morgen aufwache stelle ich entsetzt fest, dass ich vergessen habe meinen Handy-Wecker zu aktivieren. Um 10h will ich mich eigentlich mit meinem Freund Wolfgang bei Pepitos Bar in La Paz treffen. Aber es ist erst kurz vor 8h, ich bin also noch gut in der Zeit. Als ich um 10h nach einem ausgiebigen Frühstück bei Pepito eintreffe wird die Bar gerade erst eröffnet. Die Mädels rücken draußen die Tische zurecht und ich stehe eine Weile wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend herum. Dann rücken sie zwei Tische so zusammen, dass sechs Personen daran Platz haben. Als ich mich gerade setzen will werde ich ermahnt, dass dieser Tisch schon reserviert sei. Aber ich kann klarstellen, dass ich der erste der „regelmäßigen Montagsbesucher“ bin und dass mein Freund Wolfgang gleich noch dazu stoßen wird. Nun ist alles klar, mein Status ist geklärt und ich darf mich setzen.

Just in diesem Moment taucht auch schon der „Foto-Peter“ auf und nur Sekunden danach trifft auch Wolfgang ein. Wolfgang will nicht im Schatten sitzen, so früh am morgen ist es ihm hier noch zu kalt, also ziehen wir um an einen Tisch der wunderbar in der Sonne steht. Es gibt Tage, da hat man es als Wirt mit seinen Gästen nicht so leicht! Als dann noch Ulla eintrudelt gibt es eine ausführliche Diskussion über die Nachfolge von „Wanderboss Heinz“, der zum Jahreswechsel die Segel streicht und mit rund 80 Jahren zurück nach Deutschland will. Die Diskussion ist mehr als lebhaft, Wolfgang und Ulla sind sich einig, dass der Wanderboss einen Nachfolger braucht, jemanden der die Wanderungen organisiert und alles zusammenhält. Aber niemand will es machen und die Mehrzahl der inzwischen älteren auf Teneriffa ansässigen Wanderer sträubt sich bei der Planung künftiger Wanderungen auf moderne Kommunikationsmedien wie beispielsweise Facebook zu vertrauen. Dass man dort eine private Gruppe organisieren kann und diese auch wirklich privat bleibt will so recht niemand glauben und viele haben eine diffuse Angst davor ihre Daten bei Facebook preiszugeben. Letztlich findet man in diesem kleinen Kreis eh keine Lösung und man darf gespannt sein ob die Gruppe jetzt auseinander fallen wird oder ob sich eine Lösung findet.

Mich soll es nicht stören, ich stoße frühestens in 10 Jahren dazu :-)

Kurz vor 11h geht es dann zusammen mit Wolfgang der heute kein eigenes Auto hat zum Botanischen Garten, der nur ein paar hundert Meter entfernt gelegen ist. Dort treffen wir uns mit Ines und André. Sie haben eine Weile auf Teneriffa nach einer Möglichkeit für ein kleines Fotoshooting gesucht, aber alle „offiziellen“ Fotografen haben ihnen absagen müssen. Schließlich sind sie bei Wolfgangs Webseite gelandet und nun fahren wir gemeinsam in Richtung Los Realejos um in der Ruine des Hamilton-Hauses, das hier auch oft als „Casa de Dios“ bezeichnet wird, mit uns ein kleines Shooting zu veranstalten.

Der Weg ist nicht wirklich weit und nachdem wir meinen Mietwagen geparkt haben geht es an den Abstieg zur Ruine. Dabei fällt mir auf, dass sich hier seit meinem letzten Besuch schon wieder einiges geändert hat. Es gibt ein völlig neue Brücke und oberhalb der Ruine ist nun auch ein Zaun mit einem Tor das den Weg versperrt. Aber das Tor ist nicht verschlossen, Wolfgang hat den Zugang bereits vorsorglich am Vortag abgecheckt.

Shooting Ines & André #2 - Olympus OM-D E-M1

In der Ruine angekommen ist es kurz vor 12h und die Mittagssonne scheint jetzt ohne Erbarmen in das alte Gemäuer. Die Kontraste sind hart und es ist schwer unser Paar so zu fotografieren, dass sie gleichmäßig ausgeleuchtet sind. Als sehr hilfreich erweist sich dabei der große Reflektor den Wolfgang mitgebracht hat. Wir positionieren die beiden im Gegenlicht und ich helle mit dem Reflektor ihre Gesichter auf. So schießt Wolfgang eine erste Fotoserie. Danach bin ich an der Reihe. Wir beginnen mit einigen einfachen „Klassikern“. Die beiden sitzen artig in einer der Fensteröffnungen der alten Ruine und schauen hinaus aufs Meer. So wurden hier sicher schon viele tausend Fotos geknipst. Dabei haben wir die glänzenden Flächen des Reflektors jetzt entfernt und Wolfgang hält es dünne weiße Tuch jetzt wie ein Segel über unser Paar. So sitzen die beiden im Schatten, müssen nicht mit den Augen zwinkern und das Licht ist wunderschön gleichmäßig.

Ines & André - Classic Shot #1 - Olympus OM-D E-M1

Ines & André - Classic Shot #2 - Olympus OM-D E-M1

Meine Kameraausrüstung ist noch die gleiche wie beim Vortag. Ich habe die Olympus OM-D E-M1 mit einigen Objektiven dabei. Zuerst fotografiere ich die zwei mit dem ausgezeichneten Panasonic 2,8/35-100mm Zoom-Objektiv. Dabei kommt ein Polfilter zum Einsatz. An der Kamera ist der RAW-Modus eingestellt und ich fotografiere bei ISO-200 mit der Zeitautomatik. So kann ich über die Öffnung der Blende sehr schön die Tiefenschärfe steuern. Bei etwa 100mm Brennweite muss ich schon einige Meter zurück treten wenn ich unser Paar beispielsweise im Hochformat vollständig ablichten möchte. Für Aufnahmen auf denen nur ihre Gesichter zu sehen sind kann ich näher heran kommen und durch einfaches Verschieben des aktiven Autofokus-Messfeldes kann ich mal auf ihr und mal auf sein Gesicht fokussieren. Bei der Kamera habe ich den schnellen Serienbild-Modus aktiviert und ich schieße immer gleich ganze Serien von 10 bis 20 Bildern. Zwischendurch versuche ich den Beiden einige Anweisungen zu geben, damit die Fotos etwa so werden wie ich es mir vorstelle. Aber es ist nicht ganz einfach, es ist auch noch Wolfgang mit dabei und manchmal schaut er Wolfgang an und sie meine Kamera und dann ist es auch schon wieder umgekehrt. Ich versuche ihre Blicke in die gleiche Richtung zu lenken in dem ich sie bitte mal knapp über meine linke und dann über die rechte Schulter zu blicken. Nichts sieht bei einem Paar-Shooting blöder aus, als wenn sie in unterschiedliche Richtungen schauen. Das wirkt auf den Fotos so, als hätten sie sich nichts mehr zu sagen und als wären sie sich uneinig was sie denn wollen. Das kann natürlich auch eine Aussage sein, aber heute erscheint sie mir nicht gewünscht zu sein.

Mehrfach wechseln wir die Location innerhalb der Ruine und ich verwende unterschiedliche Objektive. Wir experimentieren mit abenteuerlichen Positionen und unterschiedlichen Kameraperspektiven. Mir gefällt es oft sehr gut wenn man Menschen aus einer niedrigen Position portraitiert, also die Kamera leicht unterhalb der Augen ist. Ist sie jedoch zu tief, so senken die Models oft den Kopf. Lehnen sie sich dabei noch zurück so hat fast jeder Mensch ein Doppelkinn was nicht wirklich fotogen ist. Es gilt also die richtige Position für die Kamera zu finden und das Paar dazu zu bringen etwas Körperspannung aufzubauen. Auch ist übertriebenes Grinsen für schöne Fotos mehr als hinderlich. Klar ist eine ausgelassene Stimmung am Set hilfreich, aber es sollten eben nicht beide grinsen wie Kinder die das erste Mal dem Weihnachtsmann gegenüberstehen.

Nach einigen hundert Fotos finde ich alles was wir bislang fotografiert haben eher „traditionell“ um nicht das böse Wörtchen „langweilig“ zu verwenden. Gern hätte ich eine Serie von Bildern die eine kleine Geschichte oder Begebenheit erzählen. Ich habe schon seit zwei Tagen die Idee im Kopf, dass wir etwas fotografieren das nicht nur nach „Friede, Freude, Eierkuchen“ aussieht sondern nach einer Situation die jeder schon erlebt hat oder vielleicht auch nicht erleben möchte. Toll fände ich einen kleinen Konflikt irgendwas mit etwas „Action“. Meine Idee ist, dass er oder sie das Handy des anderen in Händen hält und dort etwas findet das er bzw. sie dort eigentlich nicht finden sollte. Was ist ganz egal, es ist nur ein Mittel zum Zweck. Nachdem wir das kurz besprochen haben und die beiden Einverstanden sind geht es los. Ines und André ziehen sich kurz um und nun inszenieren wir einen kleinen Konflikt.

Damit dieser Konflikt nicht super scharf und damit statisch und langweilig herüberkommt, schraube ich einen Graufilter vor mein Panasonic/Leica 1,2/42,5mm Nocticron, der nur noch 1/64-tel des Lichtes passieren lässt. Mit diesem Filter kann ich nun bei ISO-100, Blende 2,8 etwa 1/8s belichten. Öffne ich die Blende etwas, so wird die Belichtungszeit kürzer, schließe ich sie so wird sie entsprechend wieder länger. Damit kann ich nun trotz des extrem hellen Tageslichts Bewegungen so fotografieren, dass sie nicht statisch sind sondern auf den Bildern als Bewegung erkennbar bleiben. Sehr schön ist hierbei der großartige elektronische Sucher meiner Olympus OM-D E-M1. Schaut man durch den Sucher so sieht man praktisch keinen Unterschied zum Sucherbild ohne Filter. Bei meiner Nikon D800E wäre mit diesem Filter das Sucherbild so dunkel, dass ich kaum etwas erkennen könnte.

Damit meine Fotos grundsätzlich nicht verwackelt sind, aktiviere ich den sehr guten in der Kamera eingebauten 5-Achsen Bildstabilisator und verwende zusätzlich ein Stativ.

Nun geht es zur Sache. Nach etwas Eingewöhnung und Übung inszeniert mein Paar einen Streit und einen Absturz in der alten Ruine. Das sieht echt geil aus und ich lasse den mechanischen Verschluss meiner Olympus rattern was das Zeug hält. Meine „Darsteller“ dürfen ruhig laut schreien und ich schreie mit um die Stimmung etwas aufzulockern und ihre Hemmungen abzubauen. Je öfter wir es fotografieren umso besser sieht der inszenierte „Beinahe-Absturz“ aus. Dabei ist es sehr wichtig wie die zwei zur Kamera stehen und dass kein Arm ein Gesicht verdeckt usw. Die Stimmung ist mehr als ausgelassen, was grundsätzlich positiv ist. Doch leider werde ich später feststellen, dass die Glaubwürdigkeit der Fotos etwas unter dem mitunter fröhlichen Gesichtsausdruck meiner beiden Hauptdarsteller leidet. Darauf sollte ich bei künftigen Shootings noch mehr achten.

Shooting Ines & André with Motion Blurr #1 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Wir probieren immer wieder neue Situationen aus, mal droht er abzustürzen, mal sie. Als sie richtig locker sind geht es an die Nummer mit dem Handy. Ich stelle meine Kamera so auf, dass beide mit etwas Abstand zueinander davor genügend Spielraum für Bewegungen haben. So kann ich die Person im Hintergrund unscharf abbilden, während die Person im Vordergrund scharf ist und umgekehrt. Durch die Variation der Blende kann ich die Stärke der Unschärfe regeln, allerdings beeinflusse ich damit auch die Belichtungszeit und damit auch die Stärke der Bewegungsunschärfe sobald etwas „Action“ aufkommt. Dies kann ich aber recht einfach durch eine angemessene Änderung der ISO-Empfindlichkeit ausgleichen.

Shooting Ines & André with Motion Blurr #2 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Es geht los, Ines steht nah bei der Kamera hält sein Telefon ganz ungläubig in der Hand und er kommt aus dem unscharfen Hintergrund angerannt um ihr das Handy wegzunehmen und schlimmeres zu verhindern. Das geht mal so und mal so. Je öfter wir es üben umso besser werden die beiden. Irgendwann fangen sie richtig an zu schauspielern. Sie schaut herrlich entsetzt auf das Telefon und er steht wie ein Häufchen Elend gebückt im Hintergrund und hält sich die Hände vor das Gesicht. Das sieht echt gut aus. Wie geil wäre es wenn man jetzt noch alles mit Ketchup einsauen könnte und eine „unfreiwillige“ Leiche zwischen die beiden legen könnte? Ok, hier geht meine Phantasie vielleicht zu weit, aber das wäre schon cool. Auch ohne das Telefon könnte man so mit nur einem Bild die Geschichte von einem jungen Paar erzählen die aus Versehen jemanden erstochen hat und nun entsetzt auf das schaut was sie da angerichtet haben. Na ja, es ist nicht das letzte Shooting :-)

Shooting Ines & André with Motion Blurr #1 - Olympus OM-D E-M2 & Nocticron

Shooting Ines & André with Motion Blurr #3 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Shooting Ines & André with Motion Blurr #4 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Gegen 14h packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns an den Aufstieg zum Auto. Dort angekommen beratschlagen wir kurz wie es weitergehen soll. Wir uns einig, dass wir es noch einmal beim famosen Restaurant von Luzie versuchen wollen. Also geht es los nach San Juan de la Rambla. Am Restaurant angekommen trauen wir unseren Augen kaum, es ist schon wieder geschlossen. So ein Mist, wie kann das denn sein. Wolfgang steigt aus und sieht sich das Schild mit den Öffnungszeiten genauer an. Die Lösung des Problems ist schnell gefunden, das Restaurant ist Dienstags und Mittwochs geschlossen und ist am Montag erst ab 18:30 geöffnet. Also haben wir schon wieder verloren, so ein Mist…

Auf dem Weg den Berg hinunter finden wird eine kleine Dorfkneipe und gleich davor einen freien Parkplatz. Als wir eintreten hängt ein übergewichtiger älterer Herr gelangweilt über seinem Tresen. Er murmelt etwas auf Spanisch, wir zucken mit den Schultern, Wolfgang sagt etwas auf Spanisch und der Herr weist mit dem rechten Arm auf ein Lokal auf der anderen Straßenseite. Wir bedanken uns und überqueren die Straße. Hui, das sieht nicht gerade einladend aus. An der Bar sitzen lauter einheimische etwas heruntergekommene Männer zwischen 50 und 70 Jahren. Es läuft komische Musik und es ist dunkel. Wolfgang geht mal vor um die Lage zu sondieren. Kurz darauf erhellt sein Lächeln die Szenerie, er winkt, wir sollen eintreten.

Shooting Ines & André - Olympus OM-D E-M1 & Panasonic 4/7-24mm

Am Ende des Tresen geht es nach rechts um die Ecke und dort ist ein kleines Speiserestaurant das sehr wahrscheinlich nur von Einheimischen aufgesucht wird. Hier gibt es keine Speisekarte in 5 Sprachen, hier ist alles auf Spanisch und es steht an der Wand angeschrieben. Als wir gerade sitzen bekommen die vier Gäste am Tisch hinter uns ihr Essen aufgetischt. Wolfgang schaut kurz was es ist und es sieht sehr appetitlich aus. Und obwohl wir alle kein Spanisch sprechen, schaffen wir es uns dieses Gericht gleich viermal zu bestellen. Dann bekommt ein anderer Gast einen Teller mit Suppe serviert und wieder schaffen wir es uns eine solche Suppe als Vorspeise zu bestellen. Die Suppe erweist sich als äußerst schmackhafte Linsensuppe mit Kartoffeln und Fleischeinlage. Danach gibt es ein riesiges Putensteak mit Bratkartoffeln und Salat. Dazu noch etwas Brot und Aioli, das schmeckt alles wirklich gut. Als wir später bezahlen kostest unser Essen inkl. der Getränke gerade einmal 6,- Euro pro Nase. Ich bin fast geschockt, beim Fischrestaurant am Roque de las Bodegas haben wir am Vortag lockere 20,- Euro pro Nase bezahlt und hatten nicht viel mehr zu Essen. Wolfgang hat schon recht wenn er sagt, dass er lieber einheimische Restaurants ansteuert als die typischen „Touristenfallen“. Es schmeckt dort meist gut und ist in der Regel deutlich preiswerter!

Nach dem Essen lädt Wolfgang uns noch zu einer Tasse Kaffe auf seine Terrasse ein. Während wir dort die unvergleichliche Aussicht genießen ist Zeit uns etwas näher kennenzulernen und uns via Facebook zu „adden“ wie man das heutzutage nennt :-)

Am Ende des Tage setze ich die beiden noch bei Ihrem Mietwagen vor dem Botanischen Garten ab und bin auf dem Rückweg wirklich froh, dass ich heute schon wieder einen so schönen entspannten Tag auf dieser genialen Insel verbringen durfte.


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