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Photography

Teneriffa 2014/15 – Teil 3

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Tag 10 – 20. Dezember

Es ist die erste Nacht im Zimmer 110 ohne meine Sandra und irgendwie ist es komisch so allein. Ich werde immer mal wieder wach und schlafe längst nicht so tief und fest wie in den vergangenen Tagen. Den Wecker in meinem Telefon habe ich auf 7:30 gestellt. Als er schließlich klingelt bin ich schon seit fast einer Stunde wach.

Frisch geduscht tauche ich um etwa 8:00 beim Frühstück auf. Ich bin halbwegs warm angezogen und in meiner Jackentasche habe ich meine GoPro HD HERO 4 Black Edition. Diese Kamera habe ich in den kleinen Rahmen montiert den es von GoPro gibt. Alles zusammen „klebt“ auf einem kleinen Küchenwecker aus Edelstahl. Unter dem Küchenwecker ist ein kleiner Magnet, so kann ich die GoPro auf allen magnetischen Untergründen sicher montieren und schöne Panorama-Zeitraffersequenzen aufnehmen die sich allerdings immer links herum drehen.

Im Speisesaal schnappe ich mir einen Teller und schaufle mit etwas Rührei, Bohnen, Speck, Tomaten und einige der kleinen leckere Fleischbällchen darauf. Es ist ein echtes Männerfrühstück wie ich es hier bislang noch nicht zu mir genommen habe. Aber für das was heute vor mir liegt brauche ich Energie :-)

Einige Augenblicke später sitze ich als absolut einziger Gast draußen in der Dunkelheit auf der Terrasse. Alle anderen Gäste müssen mich für komplett verstrahlt halten. Während ich meine Eier, Bohnen und den Speck in mich hineinstopfe schaut sich meine GoPro den wunderbaren Himmel an. Mit ein bisschen Glück gibt es heute einen ganz famosen Sonnenaufgang. Nach etwa 10 Minuten habe ich alles aufgegessen und weil mir ein wenig kalt ist beschließe ich mir einen Kaffee zu holen. Meine GoPro lasse ich mir etwas schlechtem Gewissen ganz allein auf dem Geländer in der Lieferanteneinfahrt zurück.

Beim Kaffeeautomaten gibt es eine etwas längere Schlange. Schließlich ist nur noch ein weiterer Gast vor mir, er zieht sich einen Espresso aus der Maschine in eine recht große Kaffeetasse. Das Ding ist anders als alles was es hier im Hotel gibt, wahrscheinlich hat er sich das Monstrum von daheim mitgebracht. Als der letzte Tropfen des schwarzen Goldes in seine Tasse getropft ist will ich meine Tasse in Position bringen, aber der Typ macht keine Anstalten sich weg zubewegen. Als ich ihn freundlich darauf hinweise, dass sein Kaffee fertig ist sagt er nur „Mooooooment junger Mann!!“ und drückt ein zweites Mal auf die Taste der Kaffeemaschine die mit „Espresso“ beschriftet ist. Als die zweite Portion durchgelaufen ist bewegt er sich noch immer nicht. In Zeitlupe und mit einem etwas hämischen Grinsen im Gesicht drückt er die Espresso-Taste ein drittes Mal. Das ist Macht, das ich wahre Macht und er kostet sie jetzt in vollen Zügen aus. Als Espresso Nummer drei in den schier unendlichen Weiten seiner Kaffeetasse verschwunden versperrt er weiterhin den Weg zum „flüssigen Schlaf“. Er schaut mich über die linke Schulter an, mustert mich, grinst und drückt ein viertes Mal auf „Espresso“. Langsam werde ich ungeduldig, schließlich steht meine GoPro draußen ganz allein auf dem Geländer und fotografiert die morgendliche Stimmung über La Orotava. Die zweite Kaffeemaschine ist noch nicht eingeschaltet und so muss ich tatsächlich ein fünftes Mal warten bis der Typ mit aller Seelenruhe die man im Alter nur haben kann einen Espresso in seine Kaffeetasse laufen lässt. Die Tasse ist nun randvoll und es würde kein weiterer Espresso hineinpassen, also hat er jetzt auch keine Argumente mehr und ich warte sehnsüchtig bis er endlich in Zeitlupe seine Kaffeetasse und sich selbst von mir wegbewegt.

Oh Mann, war das eine Grenzerfahrung. Manchmal kann ich echt verstehen wenn Leute explodieren und andere Zeitgenossen vermöbeln was das Zeug hält. Mein Kaffee ist in einigen Sekunden in meine Tasse gelaufen, schnell noch etwas Milch hinein und schon bin ich wieder startklar.

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Als ich mit der Kaffeetasse in der Hand auf die Türe zusteuere sehe ich wie draußen in der Dämmerung ein Typ in einem blauen Pullover verschwindet. Meine GoPro, wo ist meine 450,- teure Euro GoPro? Schnell stelle ich meinen Kaffee neben meinem leeren Teller ab und sprinte dem blauen Pullover hinterher.

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Der Typ dreht sich um und er hat meine GoPro in der Hand. Es scheint ein Mitarbeiter des Hotels zu sein. Er spricht nur Spanisch und alles was ich verstehe ist immer wieder „Entrada“. Dass es hier der Lieferanteneingang ist weiß ich ja selbst. Dann zeigt er mit dem Finger auf eine Überwachungskamera die neuerdings gleich neben der Terrasse angebracht ist. „Kamera“ – ja ich sehe, dass dort eine Kamera ist. „Entrada, Deutsch?“ Ich weiß echt nicht was er von mir will. Irgendwann habe ich meine Kamera wieder in der Hand und stelle sie auf die gemauerte Abgrenzung der Terrasse. „Ok?“ „No……“ Mir kommt echt alles spanisch vor, aber das ist ja auch kein Wunder. Ich stelle die kleine GoPro direkt vor meinem Tisch auf die kleine Mauer. „Hier ok?“ Der Typ nickt, murmelt noch irgendwas, dreht sich um und verschwindet. Während ich meinen Kaffee trinke knipst meine GoPro alle 5 Sekunden ein Foto des sich anbahnenden Sonnenaufgangs. Allerdings ist die Perspektive mehr als dämlich.

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Als meine Kaffee leer ist schnappe ich mir die Kamera und laufe außen am Speisesaal vorbei. Hier ist fast alle mit großen Pflanzen zugewachsen welche die Sicht auf den Sonnenaufgang versperren. Aber irgendwo finde ich dann doch eine Ecke in der es recht gut aussehen könnte.

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Ich lasse die Kamera dort einige Minuten lang vor sich hin knipsen bis ich schließlich auf einer kleinen Treppe auf der Rückseite des Hotels lande. Hier habe ich einen ganz ordentlichen Blick und hier scheint es keine Überwachungskameras zu geben. Während meine GoPro weiterhin alle 5 Sekunden ein Bild aufnimmt hätte ich gern einen Kaffee denn langsam aber sicher bekomme ich echt kalte Füße. Doch ich mag mich hier nicht mehr weg bewegen, sonst ist meine teure kleine Action-Cam irgendwann wirklich verschwunden.

Der Sonnenaufgang ist letztlich deutlich weniger spektakulär als erhofft. Die Sonne kommt einfach nur langsam über das Gebirge geklettert. Die Wolken hängen hoch und es gibt nur gleißend helles Gegenlicht statt des erhofften Lichterspiels. Also schnappe ich mir erneut meine kleine GoPro und wandere weiter in den Garten des Hotels. Weil das Las Aguilas auf einem Hügel oberhalb von Puerto de la Cruz gelegen ist, hat man hier einen schönen Blick über den Ort und auf das Meer hinaus. Wieder stelle ich meine Kamera auf dem Geländer ab. Sie hält hier sehr gut, alles ist schön magnetisch. Die Eieruhr ziehe ich auf 20 Minuten und während die GoPro einen neuerlichen Panorama-Schwenk fotografiert sitze ich im wärmenden Licht der Morgensonne und lese auf meinem Handy meine Mail.

Eines der Fotos das ich am Vorabend bei flickr hochgeladen habe hat es in den Explore geschafft. Nun hat es schon viele Favoriten-Sternchen und mein Telefon steht kaum eine Minute still. Als meine GoPro-Eieruhr nach 20 Minuten mit einem lauten klingeln signalisiert, dass sie jetzt fertig ist, muss ich leider feststellen, dass ich in den letzten 20 Minuten satte 20MB via UMTS mit meinem Smartphone heruntergeladen habe. Das wird etwa 10 Euro kosten, in den nächsten Tagen werde ich mich schwer zusammen reißen müssen….


Teneriffa 2014/15 – Teil 2

Ana Mountains - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Tag 4 – 15. Dezember

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Insel der Fernsehserie „Lost“. Wenn einer der auf dieser Insel gestrandeten Menschen krank wurde, so heilte alles schnell und als Erklärung gab es immer wieder nur zu hören „Das ist die Insel…“

Hier auf Teneriffa geht es mir meist ganz ähnlich. Zum Ende des Jahres komme ich krank und nervlich ausgelaugt hier hin und schon nach einigen wenigen Tagen geht es mir besser und ich kann neue Energie schöpfen. Vor ein paar Jahren hat mit der hier ansässige deutsche Arzt Dr. Heinsch erzählt, dass er Patienten hat die daheim in Deutschland täglich einen umfangreichen Cocktail verschiedenster Medikamente zu sich genommen haben und hier auf Teneriffa nun ohne all diese Pillen auskommen. Das scheint meinen subjektiven Eindruck von den heilenden Kräften dieser Insel zu bestätigen, aber vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich hier nichts anderes zu tun habe als schlafen, essen und fotografieren? Wem würde es dabei nicht gut gehen?

Heute ist der vierte Tag auf Teneriffa und es sind noch mehr als drei Wochen übrig. Das ist eine lange Zeit und trotzdem kommt es mir schon jetzt viel zu kurz vor. Als wir gegen 9h beim Frühstück sitzen ziehen draußen schwere Regenwolken über die Berge. Zwischendurch scheint gerade zu magisch die Sonne durch diese trübe Waschküche, aber dann kommt auch schon wieder ein kleiner Schauer herunter. Solches Wetter habe ich hier in all den Jahren noch nicht erlebt. Früher gab es ab und zu mal einen kleinen Schauer, aber danach schien dann auch gleich wieder die Sonne. Derzeit ist es hier bei etwa 18° C ziemlich durchwachsen. Aber es ist mir trotzdem lieber als das nasskalte düstere Wetter das wir derzeit daheim in Deutschland haben.

Nach dem Frühstück ist etwas Zeit um den ersten Artikel in meinem BLOG zu veröffentlichen. Inzwischen gibt es hier ein kostenloses freies WLAN. Aber weil in der neuen „WiFi“-Ecke ständig alle möglichen Leute mit Handys und iPads auf Daten warten, ist der Durchsatz eher mäßig, wenn man denn überhaupt mal eine Verbindung hat. Wenn ich mit dem Notebook auf dem Balkon sitze klappt es mit der WiFi-Verbindung. Im Zimmer selbst geht es leider gar nicht. Wenn ich etwas nachschauen will muss ich also auf dem Balkon sitzen oder mich in der WiFi-Ecke unter das Volk mischen. Später fahre ich mal runter zu Pepitos Bar um mich dort mit meinem Freund Wolfgang zu treffen. Wir schnacken ein wenig und überlegen was wir in den neusten Tagen hier alles anstellen könnten. Während dessen lässt es sich meine Sandra bei einer ausgiebigen Massage im Hotel gut gehen. Der Masseur ist ein Meister seines Faches und Sandra fühlt sich nach der Massage jedes Mal wie neu geboren.

Als wir gegen Mittag gemeinsam im Auto sitzen ist es ein Mix aus Regen und Sonnenschein, fast wie bei uns daheim im April. Es geht zielstrebig in Richtung Süd-Westen, unser Ziel ist das kleine Restaurant am Ende des Universums, also gleich neben dem Golf-Platz in Buenavista. Dort angekommen ist das Licht wunderbar und die majestätischen Wellen leuchten in den allerschönsten Farben. Jetzt sollte ich schnell eine meiner Kameras heraus kramen, aber meine Sandra hat Hunger und ich will sie nicht warten lassen.

Der gegrillte Fisch schmeckt hier immer gut und auch heute entscheiden wir und für Lenguado a la Plancha, also Seezunge vom Grill. Als der Fisch kommt fällt uns auf, dass wir uns noch ein paar Kartoffeln hätten ordern sollen. So haben wir jeder einen großen Fisch und etwas Salat daneben. Aber egal, es schmeckt auch ohne Kartoffeln. Zum Nachtisch gibt es zum Ausgleich ein leckeres Stückchen Apfelkuchen und eine Tasse Kaffee, man lebt hier wirklich sehr gut wenn man weiß wo man hin muss :-)

Gegen 16h sind wir dann zurück in der Nähe des Hotels. Ich setze meine Sandra im Einkaufszentrum in der Nähe des Hotels ab. Dort kann sie in Ruhe shoppen und ich kann mir die Fotos der letzten Tag mal in Ruhe anschauen.

Neue Fotos habe ich heute keine aufgenommen. Auch heute bewahrheitet sich die alte Regel, dass man nur ernsthaft fotografieren kann, wenn man allein oder in Begleitung anderer Fotofreaks ist. Sobald man in einer Gruppe oder mit der Freundin unterwegs ist, sollte man sich deren Bedürfnissen beugen und da passt es einfach nicht hinein stundenlang mit der Kamera auf dem Stativ irgendwo herumzustehen und auf gutes Licht zu warten. Wirklich ernsthaft fotografieren kann man auch auf Teneriffa eben nur allein.

Derzeit ist das allerdings für mich kein Problem, denn ab Freitag bin ich allein und bis dahin ist es auch sehr schön mal ein wenig Zeit mit meiner Freundin zu verbringen die ich daheim in Deutschland auch nur am Wochenende zu sehen bekomme. Außerdem sind wir beide noch von unseren Erkältungen gezeichnet und im Grunde genommen sehr froh wenn alles ruhig abläuft und wir einfach in den Tag hineinleben können. Es muss auch mal Tage ohne die Jagd nach neuen Fotos geben können.

Tag 5 – 16. Dezember

Auch dieser Tag beginnt mit Regen und Nebel, das Wetter hier ist derzeit wirklich sehr untypisch. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in den Süden. Auch heute funktioniert unser Plan, als wir in Candelaria eintreffen scheint dort die Sonne. Wir gehen ein wenig spazieren und schlagen danach in einem Café an der Strandpromenade die Zeit tot. Als es uns langweilig wird fahren wir weiter in Richtung Süden. Ein echtes Ziel haben wir nicht und so landen wir schließlich in Santiago del Teide. Gleich im ersten Restaurant kehren wir ein und bestellen uns eine typische Spezialität der Kanaren, es gibt eine gemischte Fleischplatte. Dazu etwas Salat, Brot und Aioli in verschiedenen Variationen, als wir das Restaurant verlassen können wir uns vor lauter Essen kaum noch bewegen.

Candelaria Beach - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens
Candelaria Beach - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens

Auf dem Heimweg kommen wir schließlich wieder in San Juan de la Rambla vorbei und entschließend uns kurzfristig zu einem erneuten Besuch auf der Finca San Juan. Dort gibt es noch ein Stückchen Kuchen und einen leckeren Kaffee mit Milch.

Finca San Juan #1 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens
Finca San Juan #2 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens

Zurück am Hotel hängen noch immer dicke Wolken über dem Gebirge. Ich habe meine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1 V1 dabei und entschließe mich auf dem Parkplatz vor dem Hotel noch ein paar Fotos zu schießen.
Living on the hillside #5 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm
Tenerife Clouds - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm
Living on the hillside #4 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm
Living on the hillside #1 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm

Hätte ich gewusst, dass wir hier nur deutsches Regenwetter haben, ich hätte alle Kameras auch daheim lassen können. Nun haben wir extra einen Tag damit verbracht ein Ladegerät für meine Nikon D800E zu kaufen und ich habe sie noch nicht einmal ausgepackt. Auch die Olympus OM-D E-M1 liegt zusammen mit einigen Objektiven noch immer gut verwahrt in unserem Zimmersafe.

Einzig mit der Nikon 1 V3 und der Nikon 1 V1 habe ich bislang einige belanglose Knipsbilder geschossen. Wirklich ersthaft fotografiert habe ich noch gar nicht und es wird auch noch 2-3 Tage dauern bis das hier möglich sein wird. Dabei ist natürlich das schlechte Wetter nur einer der Gründe. Der zweite Grund ist, dass ich erstmal gesund werden muss und dass wer in Begleitung verreist auch auf seinen Reisepartner eingehen sollte und nicht nur mit seiner Kamera hier und dort auf das richtige Licht warten kann.

Wirklich intensiv fotografieren kann man eigentlich nur wenn man allein ist oder eben mit 100% Gleichgesinnten unterwegs ist. Wer einen Reise komplett mit seiner Frau oder Freundin verbringt sollte sich keine Hoffnung auf bahnbrechend gute Fotos machen, dazu ist meist einfach keine Gelegenheit. Was geht sind Knipsbilder die im Vorbeigehen aufgenommen werden. Das sind mitunter schöne Erinnerungen für das Fotoalbum, mehr aber in der Regel auch nicht. Und dafür reicht nach meiner Erfahrung eine Kamera wie die Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm „Deppenzoom“ völlig aus.

Ich habe auf dieser Reise vier Kameras und einen ganzen Koffer voller Zubehör dabei. Bislang habe ich davon praktisch nichts benutzt. Allein die Hoffnung bleibt, dass sich dies ändert sobald ich einige Tage allein bin und mich voll und ganz auf neue Fotos konzentrieren kann.

Tag 6 – 17. Dezember

Und auch dieser Tag beginnt mit Regen und Nebel, es ist langsam wirklich mehr als frustrierend. Beim Frühstück überlegen wir was wir heute unternehmen könnten. Schließlich sind wir gegen 11h mit dem Auto unterwegs ins Anaga-Gebirge. Unser Ziel ist das Fisch-Restaurant am Roque de las Bodegas am Strand zwischen Taganana und Benijo. In meinem Fotorucksack habe ich auch heute nur die Nikon 1 V3 sowie die Nikon 1 V1 und das 6,7-13mm, 10-100mm und das 70-300mm Objektiv. Am Ende des Tages werde ich diese Kamera nicht ein einziges Mal in der Hand gehabt haben, denn es regnet an einem Stück.

Der Weg nach Taganana ist mehr als mystisch. Teilweise sieht es aus als würden wir durch einen Dampfgarer fahren. Die Nebenschwaden ziehen durch die urigen Wälder, dass es fast zum fürchten ist. Als Sandra irgendwann sagt, dass sie nur noch darauf wartet, dass jetzt einer der Saurier aus dem Jurassic Park auf der Straße vor uns auftaucht ist es um uns geschehen. Nun fantasieren wir gemeinsam was noch alles passieren könnte und uns fallen nur wirklich gruselige Dinge ein.

Am Roque de las Bodegas zwischen Taganana und Benijo angekommen hat es aufgehört zu regnen. Unser „Tagesziel“ hat sogar geöffnet, wir sind allerdings die einzigen Gäste. Wir bestellen wie immer den Fisch des Tages, als Vorspeise Garnelen die in heißem Öl mit viel Knoblauch gebacken wurden, Brot, rote und grüne Mojo-Sauce und einen gemischten Salat. Dazu ein Radler und schon ist der Tag gerettet.

Gegen 13h geht es wieder zurück zum Hotel. Es sind eigentlich nicht wirklich viele Kilometer aber sie haben es trotzdem in sich. Die Straße ist eng und kurvenreich und während mir nach dem opulenten Mittagsmahl wegen der nicht enden wollenden Kurven langsam aber sicher übel wird, kommt uns immer mal wieder ein großer Bus entgegen. Sie tauchen urplötzlich aus dem Nebel auf, so dass uns beiden der Atem stockt. Als wir endlich unterhalb von Las Mercedes auf die Hauptstraße abbiegen bin ich echt froh, dass es mit den Kurven für heute ein Ende hat.

Im Hotel angekommen versuchen wir erneut irgendeine Art von Internet-Verbindung herzustellen, aber es geht rein gar nichts. Es ist zum heulen, da habe ich am Anreisetag für 10 Euro „drei Tage Internet“ gekauft, aber anmelden kann ich mich mit den Zugangsdaten auf der Quittung rein nirgendwo. Irgendwann fällt mir dann auf, dass da auch Spanisch zu lesen steht, dass man sich innerhalb von zwei Tagen erstmals anmelden soll, weil das Guthaben ansonsten verfällt, na prima…

In der Halle gibt es eine neue Ecke mit kostenlosem WiFi. Dort steht eine Horde Handyzombies die alle von ihren Smartphones hypnotisiert zu sein scheinen. Auf einem Schild an der Rezeption steht „Free WiFi“. Gleich darunter „HALL-WIFI“ und eine etwas längere Zahlenkette, es ist der WEP-Zugangsschlüssel. Als ich mit meinem Mac neben dem Aufsteller stehe um die Zahlenkolonne abzutippen kommt ein deutscher Rentner von hinten, dreht den Aufsteller so, dass ich nicht mehr lesen kann was darauf steht und sagt „Andere wollen das auch lesen“. Ich könnte ihm eins in die faltige Schauze hauen, aber ich bin gut erzogen und quittiere sein Verhalten mit einem „Ich wünsche ihnen viel Spaß, es funktioniert sowieso nicht.“. Ich klappe mein Notebook zusammen und akzeptiere, dass es Tage gibt an denen man sich höheren Mächten beugen muss.

Später treffen wir uns mit unseren Freunden Karin und Wolfgang in der Innenstadt von Puerto de La Cruz. Dies ist einer der wenigen Lichtblicke in dieser trüben Zeit :-) Es ist schön die beiden endlich wieder zu sehen. Sandra und Karin quasseln was das Zeug hält, wir Männer halten es ebenso, nur die Themen sind bei uns anders. Als es langsam dunkel wird wandern wir zum Parkhaus und machen uns auf den Weg zurück zum Hotel. Meine Sandra hat nun noch einen Tag hier auf Teneriffa. Morgen werden wir erneut versuchen dem Mistwetter die besten Seiten abzutrotzen, übermorgen geht es dann nach Hause.

Ich habe dann einen Tag „frei“ bevor am Sonntag mein Sohn Leon hier eintrudelt. Er ist seit kurzem 17 Jahre alt und stolzer Besitzer eine Nikon D2x mit einigen Zubehör. Mir schwebt vor, dass wir hier eine Woche „Ansgar’s kleine Fotoschule“ mit privatem Coaching durchführen. Hoffentlich ist das Wetter dann besser… Toll wäre natürlich auch ein funktionierender Internet-Zugang um unsere ersten Meisterwerke auch bei flickr und anderen Plattformen präsentieren zu können.

Tag 7 – 18. Dezember

Auch heute starten wir wieder mit Regen und schweren Wolken in den Tag. Nach dem Frühstück reißt dann aber der Himmel über den Bergen etwas auf und die Sonne scheint nahezu magisch auf La Orotava herab. Draußen auf der Terrasse ist es menschenleer und als wir mit unseren Sektgläsern dort entlang flanieren finden wir sogar zwei trockene Stühle. So kann man es aushalten, endlich einmal. Das Lichterspiel wird immer spannender. Wäre ich jetzt allein würde ich schnell hoch ins Zimmer flitzen und mit Kamera und Stativ zurückkehren. Statt dessen nuckle ich weiter an meinem Glas Sekt und hoffe für die nächsten Tage auf ähnlich beeindruckende Lichtstimmungen.

Nach dem Frühstück versuchen wir erneut unser Glück mit dem WiFi in der Halle, aber dieses Hotel ist eine Informationstechnische Katastrophe. Überall lungern Leute mit Smartphones und Tablets herum und lauern auf das eine oder andere Bit das sich mühsam durch die maroden Leitungen quält. Weder Sandra noch ich haben heute Glück. Dabei müsste Sie ihren neuen Kindle Fire HDX mal mit dem Internet verbinden, ansonsten werden sämtliche Medien die wir vor einigen Tagen daheim in Deutschland auf das Gerät geladen haben deaktiviert. Diese ganzen Beschränkungen sind echt zum Abgewöhnen und ich frage mich manchmal wie es wäre wenn ein Jeff Bezos mit seinem eigenen Kindle Fire hier im Las Aguilas wohnen würde.

Was nutzt auf Reisen ein teures Gerät mit zahlungspflichtigen Medien wenn man es nur nutzen kann wenn ein WiFi-Netzwerk in der Nähe ist? Was soll ein Off-Line Modus der eigentlich gar keiner ist? Über diese Scheiße könnte ich mich wochenlang aufregen. Wahrscheinlich ist es das beste auf den ganzen Dreck zu verzichten und sich einfach einen portablen DVD-Player mit einigen DVDs mit in den Urlaub zu nehmen. Das funktioniert wenigstens und die DVDs sind meist sogar billiger als die Rechte an digitalen Medien die eigentlich nur eine Geldschneiderei der großen Konzern wie Apple, amazon & Co. sind. Und DVDs kann man bei eBay weiterverkaufen, man kann sie verleihen und die Kinder können sie sich so oft anschauen bis sie die Dialoge mitsprechen können. Das sollte man mal mit einem Kindle-Fire oder einem iPad versuchen. Hat man sich damit für etwa 5 Euro einen Film ausgeliehen und schaut daheim nur mal ganz ganz kurz hinein ob es denn auch das ist was man erwartet, so verbleiben gerade noch 48h Stunden um den Film zu Ende zu schauen.

Irgendwann sind wir unterwegs in Richtung Punta de Hidalgo. Der Himmel ist schwer bewölkt und als wir nach etwa 45 Minuten am Punta de Hidalgo eintreffen haben wir dort schwül warme 24°C. Unser Auto parken wir dort wo wir schon im letzten Jahr geparkt haben und flanieren ein wenig die etwas marode Promenade hinauf und hinunter. Letztlich landen wir in einem Restaurant das einen ganz ordentlichen Eindruck macht. Es ist inzwischen Mittagszeit und wir bestellen uns etwas zu Essen. Sandra entscheidet sich für eine Portion Muscheln, bei mir gibt es wieder eine Seezunge vom Grill. Nach dem Essen geht es zurück zum Auto und dann schnurstracks zum Café Melita etwas weiter oben an der steilen Felsenküste gelegen. Dort schlagen wir auf der Terrasse die Zeit tot. Es gibt noch einen Café und eine schöne Sicht auf das Meer. Sandra glaubt zwischendurch Delfine zu sehen die sich dort unten im Wasser tummeln. Als es uns irgendwann langweilig wird geht es wieder zurück zum Hotel.

The Wave Queen - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Dort angekommen klappt es mit dem Internet-Zugang immer noch nicht. In der Lobby sind lauter unzufriedene Gäste die wie Zombies auf ihre Handies starren und wieder und wieder den WEP-Code eingeben um danach gleich wieder darüber zu stöhnen, dass einfach nichts passiert.

Zurück im Zimmer fummle ich die beiden SIM-Karten aus meinem DUAL-SIM Telefon und tausche sie um. Laut SMS der Deutsche Telekom kann ich mit der X-Tra Card für 14,95 Euro eine Woche lang im Ausland surfen, das wäre kein schlechtes Angebot. Damit es funktioniert sollte die Karte im Kartenslot Nr. 1 stecken. Zwar ist mein HTC ONE (M8) ein waschechtes DUAL-SIM Telefon, aber bei den Datenverbindungen hört der Spaß auf, da kann es nur eine schnelle Verbindung geben und das ist die Karte die im Slot Nr. 1 steckt.

Nachdem ich die Karten getauscht habe klappt aber irgendwie gar nichts mehr, nicht einmal telefonieren kann ich jetzt. Um den Dienst der Telekom nutzen zu können soll man das Daten-Roaming einschalten und die Internet-Seite http://pass.telekom.de öffnen. Leider klappt das einfach nicht. Ich starte das Telefon neu und versuche dies und das, aber nichts hilft. Schließlich tausche ich die Karten wieder zurück und verbinde mich über die ePlus-Karte ins Internet. Nun kann ich http://pass.telekom.de aufrufen, aber eben mit der falschen Telefonkarte. Das bringt also alles nichts, ich bin frustriert und fühle mich hier vom „normalen Leben“ abgeschnitten. Zwar kann ich meinen BLOG schreiben, das war es dann aber auch schon. Publizieren kann ich in diesem Hotel rein gar nichts und das nervt total!!

Wirklich fotografiert habe ich in den letzten Tage auch nicht. Entweder hat es ständig geregnet oder wir waren mit dem Auto unterwegs. Meine Olympus OM-D E-M1 liegt noch immer ungenutzt im Zimmersafe. Die Nikon D800E samt AF-S VR 2,8/14-24mm liegt einfach ungenutzt im Kleiderschrank, für den Zimmersafe ist sie leider etwas zu groß…

Wer hier bei durchwachsenem Wetter unterwegs ist und auf seine Reisebegleitung Rücksicht nehmen muss, der braucht echt nicht mehr als eine kleine Knipskamera wie die Nikon 1 V3 und die habe ich hier ständig dabei. Wirklich benutzt habe ich sie allerdings auch noch nicht.

Auch meine beiden GoPro HD HERO 3 und 4 liegen noch ungenutzt im Schrank, es ist ein Trauerspiel. Letztlich bleibt nur die Hoffnung, dass sich in den nächsten Tagen das Wetter etwas besser und ich endlich zu der einen oder anderen ausgedehnten Fototour aufbrechen kann.

Auch wenn es sich vielleicht anders anhört, die letzten Tage waren trotz allem gar nicht so schlecht. Ich habe viel und lange geschlafen und meine Erkältung recht ordentlich auskuriert. Mittlerweile ist der Husten weg und ich kann wieder normal durch die Nase atmen. Beim Kauen knackst es leider noch bei jedem Bissen im rechten Ohr. Aber hier habe ich den Eindruck, dass auch das langsam besser wird, es ist eben “die Insel”.


Teneriffa 2014/15 – Teil 1

Teneriffa 2014/2015

Tag 1 – Anreise mit Hindernissen

12. Dezember

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Weil mich im letzten Jahr kurz vor der Abreise nach Teneriffa eine Lungenentzündung an den Rand meiner Überlebensfähigkeit gebracht hat, ging es in diesem Jahr für mich nur darum nicht wieder krank zu werden. So war es mir ein Graus als die Kollegen unbedingt kurz vor der Abreise nach Teneriffa in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt in Mainz besuchen wollten. Doch rückblickend war es da eigentlich schon zu spät. Bereits Ende November war ich tagelang heiser und konnte kaum noch sprechen. Für eine Plaudertasche wie mich ist das besonders schwer :-)

Anfang Dezember war es dann wie im letzten Jahr ganz vorbei. Montags und Dienstags konnte ich noch arbeiten aber in der Nacht zum Mittwoch war es dann wieder um mich geschehen. Fieber, Husten, Kopfweh, das ganze Programm. Letztlich war es nicht so schlimm wie im Jahr zuvor aber ich habe dann doch wieder einige Tage stramm im Bett liegen müssen. Irgendwann war ich in der Lage einen Arzt aufzusuchen und kurz drauf lag ich schon wieder im Bett allerdings versorgt mit einer Mischung aus Schleimlösern, Hustensaft und einem Antibiotikum.

Am Tag vor der Abreise nach Teneriffa muss ich erstmal von Bonn nach Mainz fahren, kurz im Büro vorbeischauen, meine Zeiterfassung erledigen und danach meine Koffer packen. Alles geschieht irgendwie fast wie im Traum, ich bin nicht wirklich klar im Kopf. Während ich meinen Koffer packe fällt mir auf, dass ich das Ladegerät für den Akku meiner heiß geliebten Nikon D800E nirgendwo in meiner Mainzer Wohnung finden kann. Das alte Mistding ist sehr wahrscheinlich in meinem Fotokoffer den ich im Mai mit in den USA hatte. Eigentlich wollte ich noch einen Blick hineingeworfen haben, bei der Abreise nach Mainz war ich dann aber wegen meiner Erkältung noch so umnebelt, dass ich es einfach vergessen habe. Bis in die Nacht hinein werden in Mainz alle Kisten mit Kameras und Fotozubehör abgesucht, aber ein Nikon MH-25 Ladegerät will einfach nirgendwo auftauchen. ich bin total genervt schließlich habe drei Stück von diesen Dingern. Eines war bei meiner Nikon D7000 dabei, eines bei der D800E und Nummer 3 wurde mit der Nikon 1 V1 geliefert.

Ziemlich frustriert schlafe ich irgendwann nach Mitternacht ein, dann muss ich mich eben auf Teneriffa darum kümmern ein Ladegerät zu bekommen, es wird schon schief gehen…

Kaum drei Stunden später muss ich auch schon wieder aufstehen, ich bin völlig am Ende und unter der Dusche kann ich nicht unterscheiden ob es Tränen oder Wassertropfen sind die mir da auf die Füße plätschern, wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Oh je, könnte ich doch noch eine Woche daheim bleiben um erst einmal richtig gesund zu werden…

Pünktlich um 4h30 steht das mein Taxi vor der Tür. Es ist nicht Önder, sondern sein Vater der mich heute zum Flughafen bringen wird. Die Autobahn ist so früh am morgen noch einsam und frei, bis zum Flughafen in Frankfurt dauert es kaum 30 Minuten. Am Check-In ist auch noch nichts los, einige Minuten später bin ich dann auch schon eingecheckt. Die Bestätigung meiner Sitzplatzreservierung habe ich leider nicht ausgedruckt, blöd gelaufen. So sitze ich nun auf Platz 10A statt auf 7A. Macht also keinen Unterscheid, aber die kostenpflichtige Reservierung hätte ich mir auch sparen können…

Als ich schließlich im Flugzeug sitze bin ich völlig fertig. Der Kopf tut weh, mir ist übel und ich schwitze aus allen Poren. Zudem ist es im Flugzeug ungewöhnlich warm, aber vielleicht empfinde ich das auch nur so weil ich noch krank bin und eigentlich noch ins Bett gehöre.

Nach dem Start krame ich dann meine neues iPad Mini heraus und schaue mir den neuen Spiderman an. Eigentlich hatte ich mir noch einige andere Filme bei iTunes gekauft, aber weil beim Download der Speicherplatz zu eng wurde, habe ich im Delirium mein iPad „aufgeräumt“ und danach wohl nur den Spiderman erneut heruntergeladen. So habe ich jetzt ein fast nutzloses iPad dabei, es ist keinerlei Musik drauf, ich habe fast alle APPs gelöscht und es gibt genau EINEN Film – Na super Ansgar, das war eine echte Meisterleistung…

Auf Teneriffa angekommen flitze ich schnell zum Schalter von CICAR. Dort habe ich einige Minuten später auch schon meinen Opel Astra. Er kostet für 28 Tage 522,46 Euro und ist in sehr gutem Zustand. Auf dem Kilometerzähler stehen rund 34.000 Kilometer, das Auto ist also noch relativ neu. Auch diesmal ist der Tank leer, ich finde das ganz praktisch, denn gleich am Flughafen ist eine Tankstelle und dort kann für exakt 50,- Euro den Tank vollständig befallen. Der Liter Super 95 kostet hier 1,06 Euro, das ist etwas teurer als an den freien Tankstellen in der Umgebung, dort kann man teilweise für 0,96 Euro tanken.

Es ist kein Wunder, dass der spanische Staat ein Milliarden schweres Haushaltsdefizit hat, denn er nimmt im Vergleich zu Deutschland deutlich weniger Steuern ein. Den Urlaubern und Inselbewohnern mag das zugute kommen, aber für das Ende der Finanzkrise ist es sicher nicht zuträglich. Auch gibt es hier auf Teneriffa kaum Parkuhren und viele öffentliche Einrichtungen kann man kostenlos oder sehr preiswert nutzen. Kommt man aus Deutschland hierher, so mutet vieles enorm preiswert an.

Meine 28-tägige Reise habe ich bei via Neckermann gebucht und meine Suite im Las Aguilas kostet mit Halbpension inkl. Flug mit Condor 1.711,- Euro. Rechnet man den Mietwagen und Benzin dazu, so bin ich hier mit etwas 2.700,- Euro pro Monat dabei, das ist nicht ganz schlecht.

Im Hotel angekommen ist es gerade mal 12h und es sind noch mehr als vier Stunden bis meine Sandra eintrudeln wird. So ist Zeit in Ruhe das Zimmer zu beziehen und ein paar Minuten die Füße hochzulegen. Als ich im Zimmer 412 eintreffe stelle ich fest, dass es keine Suite ist, sondern nur ein normales einfaches Zimmer mit Kochecke und einem großen Doppelbett. Kurz drauf an der Rezeption muss ich feststellen, dass die blumige Umschreibung im Internet genau auf dieses Zimmer zutrifft. In den letzten Jahren hatte ich hier stets eine Suite mit separatem Schlafzimmer, im letzten Jahr sogar ein ganz besonders große Suite. Ein paar Minuten später ist aber mit den supernetten Mitarbeitern an der Rezeption alles abgestimmt, ich ziehe um in Zimmer 110. Hier habe ich zwar nicht den tollen Panoramablick hinauf auf das Meer, aber die Suite ist sehr groß und meine Sandra und ich werden hier viel Platz haben. Der Aufpreis auf das Einzelzimmer beträgt 30 Euro an Tag, also 840,- Euro. Damit kostet meine Reise dann schon runde 3.540,- Euro, langsam aber sicher wird es teurer…

Als ich später wieder am Flughafen eintreffe habe ich schon 2x 90 Kilometer hinter mir und muss nun fast eine Stunde warten weil der Flieger meiner Sandra ab Düsseldorf mit viel Verspätung unterwegs ist. Schließlich klappt es dann aber doch und meine Sandra ist mehr als glücklich, dass ich sie tatsächlich am Flughafen abhole und sie nicht mit dem Bus eine Inselrundfahrt unternehmen muss.

Wieder im Hotel angekommen wird dann meine Sandra eingecheckt. Ihr Flug hat 230,- Euro gekostet und der Aufenthalt im Hotel kostet inkl. Halbpension 30,- Euro pro Tag. Damit ist ihre sieben tätige Reise mit 440,- Euro relativ preiswert. Kurz nach Sandras abreise wird mich dann mein Sohn für eine Woche besuchen kommen, so bin ich an Weihnachten nicht allein nach mehr als 10 Jahren können wir mal die Weihnachtstage gemeinsam verbringen.

Später beim Abendessen treffen wir einige alte Bekannte wieder und freuen uns, dass einige der Mitarbeiter des Hotels uns wiederkennen und mehr als freundlich begrüßen.

Vor dem Schlafengehen bin ich wirklich am Ende. Die Ohren schmerzen wie die Hölle. Während des Fluges habe ich keinen Druckausgleich hinbekommen und bin bei Start und Landung fast eingegangen weil die Ohren so weh taten. Später im Auto bei dem ganzen  auf und ab auf dieser Insel hat es alle paar Meter in den Ohren geknackst. „Ich höre was, ich höre nichts….. ich höre was, ich höre nichts…….“

Tag 2 – 13. Dezember

Am nächsten Morgen geht es etwas besser, die Kopfschmerzen haben nachgelassen, der Husten löst sich jetzt aber die Ohren gehen noch immer auf und zu. Beim Frühstück knackst es bei jedem Biss in den Ohren und es tut wirklich weh. Etwas später machen wir uns auf den Weg nach Santa Cruz. In der Inselhauptstadt gibt es einen Mediamarkt und dort will ich versuchen eine Ladegerät für meine Nikon D800E und die Nikon 1 V1 zu ergattern. Ein „echtes“ Nikon MH-25 ist leider nicht zu bekommen, aber es gibt ein ganz ordentliches Universal-Ladegerät. Ich habe einen wirklich ganz extrem netten Verkäufer erwischt und er packt sogar mehrere Geräte aus und testet mit dem EN-EL15 Akku den ich mitgebracht habe ob er sich laden lässt oder nicht. Ein passendes Gerät ist so schnell gefunden und ich bin mehr als glücklich, dass ich die beiden zugehörigen Kameras nicht umsonst mit nach Teneriffa geschleppt habe.

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Es ist fast Mittag und wir machen uns auf dem Weg nach San Juan de la Rambla. Etwas oberhalb gelegen ist die wunderbare Finca San Juan. Dort haben wir in den letzten Jahren schon mehrfach gewohnt und dort wollen wir uns ein leckeres Mittagessen gönnen.

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Als wird dort ankommen können wir überall die Spuren der schweren Unwetter sehen die hier in den letzten Monaten gewütet haben. Aber das Meiste ist schon wieder aufgeräumt und der Schutt einiger umgestürzter Mauern wurde sorgsam an den Straßenrand geschoben, so dass die Zufahrt zur Finca wieder frei ist. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass sich in diesem Jahr etwas geändert hat. Köchin Caro ist nicht mehr da, aber die Nachfolge ist sehr gut geregelt. Während wir uns eine Seezunge vom Grill schmecken lassen, werden wird über die Neuigkeiten der letzten Monate informiert. Später kommt dann der Chef Jo Schlichting dazu und so wird es wieder ein wirklich schöner fast familiärer Besuch auf dieser tollen Finca. Gäbe es dort oben einen Internet-Zugang, ich würde gern mal wieder dort wohnen…

So geht unser erster Tag auf Teneriffa ohne besondere Vorkommnisse zu Ende.

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Tag 3 – 14. Dezember

Am nächsten Tag geht es mir wieder ein wenig besser, aber nun ist meine Sandra schwer erkältet. Sie hustet, hat Kopfweh und der Hals tut weh. Ob ich sie angesteckt habe??

Nach dem Frühstück sitzen wir entspannt mit einem Glas Sekt in der Sonne auf der Terrasse vor dem Speisesaal des Hotels. Vor uns ziehen die Wolken langsam in Richtung Osten ab. Nach dem Regen des Vortages sieht es aus als wenn es hier heute ganz schön werden könnte.

Später machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Es ist etwa 11h, wir haben Sonntag und in uns tragen wir die Hoffnung, dass wir hier eine Apotheke finden in der meine Sandra etwas Medizin gegen die aufkeimende Grippe kaufen kann. Es geht zuerst runter nach La Paz, das ist das deutsche Viertel von Puerto de la Cruz. Hier ist so ziemlich alles auf die Bedürfnisse deutscher Urlauber abgestimmt und es gibt hier eine Apotheke in der Deutsch gesprochen wird. Hier wird es sicher kein Problem sein ein Erkältungsbad und etwas Medizin zu kaufen. Aber die Apotheke ist leider geschlossen, mist!!!

Also geht es weiter. Ein paar Meter weiter unten biege ich instinktiv in die winzige kurvenreiche Straße ab die steil hinab zum Meer führt. Danach geht es kreuz und quer durch die engen Straßen von Puerto de la Cruz. Würde ich mich hier nicht nach all den Jahren gut auskennen, so wären diese engen Gassen fast zum Fürchten. Alle Apotheken die wir finde haben heute geschlossen. Wir sind frustriert, aber dann gleich gegenüber vom Loro Parque hat eine Apotheke geöffnet. Sandra springt aus dem Auto und ich habe nun Gelegenheit mein Smartphone via Audio-Kabel mit dem AUX-Eingang des Autoradios zu verbinden. Einige Sekunden später öffnet dann jemand die hintere Türe meines Autos. Ich zucke zusammen, aber es ist meine Sandra. Sie kramt kurz in ihrem Rucksack und fischt dann ein Wörterbuch Deutsch-Spanisch – Spanisch-Deutsch heraus. Ein paar Minuten später hat sie dann alles was sie braucht und ich freue mich, dass der Urlaub nun bald wird beginnen können.

Auf dem Weg zum Hotel ziehen sich die Wolken zu, es sieht aus als würde es wieder Regen geben wie am Tag zuvor. Ich schlage meiner Sandra vor, dass wir auf die andere Seite der Insel fahren und ich ihr endlich mal den Ort El Medano gleich beim Flughafen zeige. Sie willigt ein und so geht es los. Der Weg ist nicht wirklich weit, es sind wieder etwa 90 lässige Autobahnkilometer. Diese Strecke werde ich in den nächsten Wochen noch mehrfach fahren. Denn am 19. Dezember muss meine Sandra wieder abreisen und gleich drauf wird dann mein Sohn Leon für eine Woche auf „meine Insel“ kommen um hier mit mir die Weihnachtstage zu verbringen. Wir waren zuletzt im Jahr 2008 zusammen auf dieser Insel und damals war mein Leon noch ein kleiner Junge!

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In El Medano scheint die Sonne wie man es sich nur wünschen kann. Es ist wunderbar warm und es geht ein frischer Wind. In der Bucht von El Medano sind rund 100 Surfer mit Kites und anderem Gerät unterwegs. Wir steuern das Restaurant Hong Kong gleich neben dem Hotel El Medano an und lassen es uns dort gut gehen. Später gibt es noch einen Spaziergang und ein paar Fotos der wagemutigen Surfer draußen auf dem Meer. Ich habe heute leider nur meine Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm „Reisezoom“ dabei. So gelingen keine wirklich spektakulären Fotos, aber ich kann ja in den nächsten Wochen nochmal mit dem neuen 70-300mm Telezoom vorbeikommen. Umgerechnet auf das FX-Format habe ich damit ein 189-810mm Teleobjektiv, damit kann man hier am Strand sicher ordentlich was reißen. Ich bin gespannt…

Später im Hotel genießt meine Sandra das Leben in der Badewanne und als sie danach etwas benebelt von all den ätherischen Ölen im Bademantel auf dem Sofa sitzt ist dieser Artikel auch schon fertig geschrieben :-)

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USA 2014 – Wieder eine Reise ins Ungewisse Teil 1-4

Wer noch nie ein Video erstellt hat das knapp 30 Minuten dauert und halbwegs “Hand & Fuß” hat, der wird kaum ermessen können wie viel Arbeit es bereitet eine vier Wochen dauernde abenteuerliche sehr freie Reise umfassend in einem Video zu dokumentieren. Eine Reportage zu erstellen die auch bei einer Spielzeit von mehr als 5 Minuten nicht langweilig wird, die viele Informationen transportiert, die mit gut verständlichem Ton daherkommt und bei der die Schnitte zum Rhythmus der Musik passen, das ist eine echte Herausforderung. Neben dem Bildmaterial das man natürlich während der Reise einsammeln muss, braucht es noch eine geeignete Ausstattung mit Computern, riesigen Festplatten, Mikrofonen und vor allem mit ZEIT mit ganz viel ZEIT. Tag für Tag wühlt man sich später durch viele tausend Fotos und hunderte von Gigabytes mit Video-Material, schreibt Texte, probiert GEMA-freie Musik aus, und ist einfach nur froh wenn man sein Video endlich veröffentlichen kann.

Mein aktuelles Video-Projekt sieht so aus wie im folgenden Screenshot. Wer diesen genau anschaut sieht sofort aus wie vielen kleinen Schnipseln der vierte Teil meiner USA-Reportage besteht. Dabei ist jeder kleine Schnipsel “handverlesen”, ich habe bei jedem Schnipsel über Anfang und Ende nachgedacht, überlegt ob es einen harten Schnitt oder eine weiche Überblendung geben soll. Ich habe Stunden damit verbracht nach Musik und Soundeffekten zu suchen. Und als die Musik und Video-Clips zusammen gefügt waren, habe ich an jedem Anfang eines Clips und jedem Ende versucht ihn so zu trimmen, dass er mit der untermalenden Musik harmoniert.

USA-2014 - Final-Cut-Pro-X

Es mich jetzt wieder einen Monat lang fast jeden freien Abend gekostet den vierten Teil von  “Wieder eine Reise ins Ungewisse zu erstellen”.

Das “Original” von 2011

Als ich vor ein paar Jahren meinen Film “Reise ins Ungewisse” erstellt habe, betrug der Zeitaufwand verteilt über 14 Tage hinweg etwa 160 Stunden. Ich konnte mir dies nur leisten, weil ich damals ziemlich erkältet daheim herumgesessen habe. Ich war nicht krank genug um nur im Bett zu liegen aber auch nicht gesund genug um zur Arbeit zu gehen. Also habe ich mit warm eingepackt mit viel heißem Tee an meinen Windows Computer gesetzt und mit der Arbeit an diesem Video begonnen. Damals habe ich noch MAGIX Video Deluxe benutzt. Diese Software hatte ich mir kurz zuvor offiziell gekauft und sie war mehr als fehlerhaft. Immer wieder ist sie ausgestiegen und fast täglich gab es Updates zum Download. Irgendwann lief es dann halbwegs stabil und dann gab es eine neue kostenpflichtige Version und das Leid begann von Neuem. Wer sich mit dem Schnitt längerer Videos in 1080p Qualität beschäftigt, bringt seinen Computer schnell an seine Grenzen. So habe ich meinen Windows-Computer mehrfach aufgerüstet und mit schnelleren größeren Festplatten bestückt. Nach einigen wenigen Installationen von MAGIX Video Deluxe verweigerte dann das Installationsprogramm seinen Dienst. Ich hatte die Software zu oft installiert und “zu meinem Schutz” konnte ich sie nicht erneut installieren. FUCK, so ein Mist! Ich habe E-Mails an den MAGIX Support geschrieben die nicht beantwortet wurden, ich habe ausdauernd die Dudelmusik in der Warteschleife der MAGIX Hotline ertragen, aber beim Hersteller hat man sich nicht gerührt. Bis heute habe ich eine offiziell gekaufte Version von MAGIX Video Deluxe die ich nicht mehr installieren kann, zu “meinem eigenen Schutz” wohlgemerkt!

Ungeachtet dessen schickt man mir von MAGIX regelmäßig Werbemails und nette Prospekte mit der Post. Alle drei Monate gibt es neuere schnellere und viel bessere Versionen von MAGIX Video Deluxe die nur noch für ein paar Tage zum Preis von 59,- Euro gekauft werden können. Schon zweimal habe ich einen dieser Prospekte mit der Post zurückgeschickt und in einem Begleitbrief darum gebeten, dass endlich irgend jemand meine offiziell gekaufte Lizenznummer freischaltet, damit ich diese Software wieder installieren kann. Aber es kam wie erwartet keine Antwort.

Letztlich habe ich dann für etwa 150 Euro via App-Store die Apple Software Final-Cut-Pro-X für mein MacBook Pro gekauft. Diese Videoschnittsystem läuft stabiler als MAGIX Video Deluxe es jemals tat und ich habe bislang ALLE, wirklich ALLE Updates kostenlos erhalten!!

MAGIX Video Deluxe ist daher für mich echt gestorben und ich bin mehr als enttäuscht, vom Support des Herstellers!

Ungeachtet dessen habe ich es geschafft mittels MAGIX Video Deluxe die “Mutter meiner Reisedokumentationen” fertigzustellen

Von diesem Video habe ich später noch eine zweite Version erstellt, denn bei der ersten Variante  musste ich ständig husten weil ich so erkältet war. Immer wieder musste ich meine Moderation wiederholen bis es endlich halbwegs gut gepasst hat. Beide Versionen zusammen sind inzwischen mehr als 40.000 mal angeschaut worden und mir persönlich gefällt irgendwie die erste Fassung noch immer am Besten.

Vor diesem Hintergrund habe ich an praktisch jedem Tag den ich im Mai in den USA verbracht habe daran gedacht wie ich Fotos und Filmmaterial für eine neue, umfassendere und bessere Reisedokumentation erstellen kann. Meine Sandra hat oft mit dem Kopf geschüttelt, wenn ich mal wieder nachts unterwegs war statt einfach nur die Reise zu genießen. Aber ich war während der Reise wie ein “Getriebener”, der nicht ohne brauchbares Material heimkehren wollte. Schließlich habe ich diese Reise im wesentlichen unternommen um eine hoffentlich gut gemachte Reportage daraus entwicklen zu können. Ich habe für mehrere tausend Euro Foto-Equipment angeschafft, die gesamte Reise geplant und finanziert. Ich konnte einen Monat lang nicht arbeiten und damit auf keinen einzigen Cent verdienen. Da ich freiberuflich arbeite bekomme ich natürlich kein Urlaubsgeld und so schlägt jeder Reisetag doppelt hart zu Buche.

Umso frustrierender ist es dann, wenn man nach all der Arbeit ein neues Video endlich veröffentlichen kann und es schon nach nur EINER MINUTE eine negative Bewertung erhalten hat, es also noch nicht einmal angeschaut wurde! Manchmal ist es echt ärgerlich, dass bei YouTube jeder noch so kleine kleine Furz einfach voten kann wie er will und das vollständig anonym. Zugleich ist es frustrierend, wenn beispielsweise das Video aus dem Jahr 2011 rund 40.000 mal angeschaut wurde, aber nur 214 YouTube eine positive Bewertung abgegeben haben. Der Content ist kostenlos und unter Einsatz von viel Zeit und Mühe entstanden, doch im Jahr 2014 wird all das nicht mehr wertgeschätzt sondern einfach nur anonym konsumiert und dann wahrscheinlich gleich auch wieder vergessen…

Die Dokumentation USA 2014

Ungeachtet dessen habe ich beschlossen mich nicht frustrieren zu lassen und mit meinen Videos weiterzumachen. Ich tue dies für die Leser dieses BLOGs und zu einem großen Teil auch für mich selbst. So kann ich mich immer mal wieder vor dem Fernseher zurücklehnen und via Apple-TV oder über die eingebaute YouTube-App eines dieser Videos anschauen und die eine oder andere tolle Reise noch einmal erleben, das ist auch was wert :-)

Hier sind nun die vier bislang fertig gestellten Teile in chronologischer Reihenfolge.

Fazit

Die Reise ist noch nicht zu Ende!! Als ich mit der Arbeit an Teil 1 begann dachte ich, dass ich mit zwei oder drei Teilen auskommen werde. Aber nun sieht es so aus, als wenn draus insgesamt FÜNF Folgen entstehen werden. Dort wo Teil 4 aufhört geht es noch eine ganze Woche weiter und dies werde ich im nächsten Jahr aufarbeiten und damit diese Serie abschließen. Als krönenden Abschluss habe ich mir noch einen kompletten “Directors-Cut” vorgenommen. Dieser hat dann eine Laufzeit von rund 90 Minuten und ich bin sehr gespannt darauf ob ich das wirklich auf die Beine gestellt bekomme. Aber in ein paar Tagen geht es erstmal für vier Wochen nach Teneriffa, auf “MEINE INSEL”. Ich habe Urlaub echt nötig denn derzeit ist es mit dem Husten schon fast wieder so schlimm wie damals als ich meine allererste USA-Reportage erstellt habe. Aber die gute Luft auf Teneriffa sollte helfen das endlich auszukurieren.

Auch im letzten Dezember war ich eine ganze Weile auf Teneriffa und ich habe dort auch sehr viel gefilmt und fotografiert. Wegen der Arbeit an “Wieder eine Reise ins Ungewisse” habe ich es ein ganzes Jahr lang nicht geschafft aus diesem Material ein Video zu erstellen. Aber vielleicht gibt es zu Ostern dann ein “Kombi-Paket mit dem Filmmaterial aus zwei Jahren, schauen wir mal…


Nikon 1 V3 – Fotopraxis

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

Als Nikon das neue 1er System vorgestellt hat, ist dies irgendwie weitgehend an mir vorbei gegangen. Damals war ich gerade voll auf dem FX-Trip, nichts konnte groß und schwer genug sein, warum also eine Kamera mit einem kleinen Chip im CX Format kaufen?

Doch als ich eine Weile später zum ersten Mal eine schwarze Nikon 1 V1 in Händen hielt keimte dann doch die Neugierde in mir auf. Nach und nach habe ich dieses sehr eigenständige und neuartige Kamerasystem für mich entdeckt und erobert. Nun ein paar Jahre später habe ich alle Objektive die Nikon für dieses System anbietet. Ich habe eine Nikon 1 V1 die inzwischen auf Infrarot 700nm umgebaut ist, ich habe eine Nikon 1 J2, eine 1 V2 und seit einigen Wochen auch die 1 V3.

Eigentlich wollte ich die Nikon 1 V3 nicht kaufen, weil sie einfach zu teuer ist. Klar hat diese Kamera einige tolle Features, aber einige wichtige Features hat sie eben nicht, diese wurden meiner Meinung nach gezielt weggelassen um teurere ertragreichere Kameras nicht auszustechen. Es gibt einiges was an dieser wirklich total nervt. Dazu gehört beispielsweise, dass ich weder das GPS noch das zusätzliche Blitzlicht nutzen kann wenn der elektronische Sucher montiert ist. Es nervt, dass ich den Handgriff komplett abschrauben muss wenn ich die Batterie wechseln will. Bei meiner Olympus OM-D E-M10 habe ich auch einen zusätzlichen Handgriff, dieser ist aber mit einem pfiffigen Schnellverschluss versehen und ist eben so blitzschnell ab- wie wieder anmontiert. Warum kriegt man sowas bei Nikon nicht hin?

Dass ich diese Kamera dann doch gekauft habe lag an einem extrem guten Angebot des Nikon Service-Point München. Dort hat man via eBay ein Vorführmodell in neuwertigem zustand inkl. Sucher, Handgriff und 10-30mm PD Objektiv zum Preis von 700 Euro angeboten. Das ist meiner Meinung nach genau der Preis den diese Kamera auch wert ist. Der Listenpreis in Höhe von 1249,- Euro ist meiner Meinung nach angesichts der fehlenden Features und der unglaublich schlechten “Play Memories” WiFi-App für iOS und Android einfach nicht zu rechtfertigen. Grund Nummer 2 diese Kamera zu kaufen war, dass mit dem neuen 1 Nikkor 70-300mm ein kompaktes, ausreichend lichtstarkes Teleobjektiv auf dem Markt ist. Dieses Objektiv schlägt zwar mit 1049,- Euro ein kräftiges Loch in die Portokasse, aber man erhält im Gegenzug ein Objektiv, dass viel weniger als ein 28-70mm FX Zoom wiegt und einer FX Brennweite von 189-810mm entspricht, das ist schlichtweg einzigartig!

Nikon_1_V3_70_300

Angesichts der exorbitant hohen Preise für einige der Nikon 1 Objektive ist es total unverständlich, dass man häufig die wichtigen und sinnvollen Streulichtblenden separat erwerben muss. Beim 70-300mm ist zum Preis von rund 1.050,- Euro eine Steulichblende enthalten, das sollte bei allen Objektive so sein!

Um Gegensatz zu ALLEN Nikon Objektiven die sich via FT-1 Adapter an die Nikon 1 anschließen lassen, wird der sehr gute Autofokus der Nikon 1 nur mit diesem Telezoom vollständig unterstützt. Damit sind in Verbindung mit der rasanten Serienbildgschwindigkeit der Nikon 1 extrem schnelle “Verfolgungsjagden”  wie diese hier möglich, ein echtes Alleinstellungsmerkmal dieses Systems!

Eagle versus Nikon 1 V3

Auch nervt es mich total, dass die Kamera sich nicht merkt ob der Augensensor abgeschaltet ist oder nicht. Nutzt man die Kamera auf einem Stativ, hat das Display im Winkel von ca 45° abgekappt und will mit dem Finger auf den eigentlich sehr guten Touch-Display einen Fokuspunkt setzen, so schlägt der als Voreinstellung aktive Augensensor immer wieder zu. Das Display schaltet sich ab und man sieht nichts mehr, arg… Selbst wenn man nah an der Kamera steht schaltet sich das Display immer mal wieder ab. Jedes mal muss man seitlich den Knopf am eigentlich extrem guten elektronischen Sucher drücken um dieses Verhalten der Kamera zu ändern. Sie merkt sich die ISO-Einstellung, oder die Serienbildgschwindigkeit, warum nicht auch ob der Augensensor aktiv ist oder nicht?

Zur Ehrenrettung der Nikon 1 V3 sollte man erwähnen, dass sich andere Systemkameras mit Augensensor leider genauso verhalten. Aber das ist für mich kein Grund es nicht besser zu machen.

Gleiches gilt für den Selbstauslöser! Bei meiner Panasonic GH3, GX7, GM1, oder der Olympus OM-D E-M10, EM5 und EM1 kann ich eine Auslöseverzögerung einstellen. Das wirkt wie ein Selbstauslöser, aber die Kameras merken sich diese Einstellung. So kann man die Kamera auch ohne Infrarot-Auslöser in Verbindung mit einem Stativ erschütterungsfrei auslösen. Warum kann die Nikon 1 das nicht?

Aber genug geschimpft… Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit ein paar Stunden bei wirklich bedecktem Himmel im Opel Zoo in Kronberg im Taunus zu fotografieren und zu filmen. Dabei ist das folgende kurze Video entstanden. Ich habe dabei fast ausschließlich mit dem neuen 1 Nikkor AF-S VR G ED 4,5-5,6/70-300mm gefilmt.

Mit dem 1 Nikkor 70-300mm im Opel Zoo

Ein paar Tage später war ich am Wochenende mit meiner Nikon 1 und einige Objektiven unterwegs. Die Wartezeit auf den Sonnenuntergang habe ich genutzt um ganz spontan in meinem Auto mit dem HTC ONE (M8) dieses Video aufzunehmen.

Fotopraxis mit der Nikon 1 V3

Nur ein paar Tage später habe ich zusammen mit meiner Sandra unseren Freund Mirko Mochetti in seinem Café Fahrtwind in Hönningen in der Eifel besucht. Das Wetter war schön und unsere Mädels haben sich spontan bereit erklärt die Gäste des Cafés zu versorgen, so dass wir zum Sonnenuntergang noch eine halbe Stunde fliegen konnten. Im Kofferraum meines Autos hatte ich noch die Fotoausrüstung vom vorherigen Video. Da es im Cockpit der Aerosol Dynamic WT9 sehr beengt zugeht, habe ich das wunderbar kompakte AF-S VR 10-100mm (entspricht 27-270mm im FX-Format) an meine Nikon 1 V3 montiert und ausschließlich mit diesem Objektiv spontan das folgende Video gefilmt.

Sunset Flight mit 10-100mm (non PD)

Das 10-100mm ist nicht besonders lichtstark und so musste die ISO-Automatik meiner Nikon 1 V3 bei den letzten Sequenzen, die etwa 60 Minuten nach Sonnenuntergang gefilmt wurden, einfach alles geben. Teilweises hat die Kamera bis zu ISO-3200 einstellen müssen, was man im Video auch ganz deutlich sehen kann. Hier wäre bspw.  eine Nikon D750 ganz klar im Vorteil, weil sie statt 1/100s 1/25s als längste Belichtungszeit im Video-Modus ermöglicht. Statt mit ISO 3200 hätte also eine Nikon D750 mit lässigen ISO 800 filmen können…

Das folgende Foto habe ich mit dem 10-100mm bei 10mm Brennweite und vollständig geöffneter Blende aufgenommen. Die Vignettierung habe ich bei der RAW-Konvertierung hinzugefügt. Das Klappdisplay der Nikon 1 V3 erlaubt herrlich tiefe Perspektiven ohne, dass man sich umständlich verrenken muss, das ist wirklich toll!

Sunset flight #1 - Nikon 1 V3 & AF-S VR 10-100mm (non PD)

Hier ist noch ein Bild das am ausgestreckten Arm entstanden ist, dazu habe ich das Display im Winkel von 90° nach unten geklappt.

Sunset flight #6 - Nikon 1 V3 & AF-S VR 10-100mm (non PD)

Zusammenfassung

Wer sich auf eine Nikon 1 V3 einlässt muss wirklich tief in die Tasche greifen und sich mit fehlenden Features und teilweise nervigem Verhalten der Kamera abplagen. Aber dennoch kann diese Kamera viel Spaß machen. Das liegt im wesentlichen daran, dass sie wunderbar leicht und kompakt ist. Der Look der Bilder erinnert stark an das analoge Zeitalter. Die Fotos sehen so aus wie ein sehr gutes 35mm Dia, das mit einem herausragend guten Scanner digitalisiert wurde. Der Dynamik-Umfang der Nikon 1 V3 ist deutlich geringer als bspw. bei der Nikon D750 oder D800, aber er ist im Grunde genommen noch groß genug. Hier habe ich ein Beispielfoto das ich aus zwei Bilder mit 1.0 EV Unterschied aufgenommen habe. Dass ich dabei ein Stativ benutzt habe sollte klar sein… Via DRI-Technik habe ich diese beiden RAW-Bilder zu diesem sehr kontrastreichen Gegenlicht-Foto verarbeiten können. Es ist alles drin, keine zugelaufenen dunklen Bildbereiche und keine ausgefressenen Lichter. So sollte es sein und so ist es mit der Nikon 1 V3 trotz des kleines Chips und der winzigen Pixel auch machbar!

Nikon 1 V3 - DRI Test

Das fehlende BKT-Feauture, also die automatische Erstellung von Belichtungsreihen kann man umgehen, in dem man die Nikon 1 V3 auf einem stabilen Stativ positioniert, alles auf M wie Manuell stellt und dann eine Belichtungsreihe aufnimmt, bei der man mit dem hinteren Wählrad die Belichtungszeiten variiert. Ist das Stativ stabil genug und das Motiv statisch genug, so sind Fotos wie dieses hier gar kein Problem.

Nikon 1 V3 - HDR Test

Ausblick

Alles in allem bin ich mit der Nikon 1 V3 ziemlich happy und ich werde sie im Dezember für vier Wochen mit nach Teneriffa nehmen. Für nächtliche Aufnahmen der Milchstraße wird aber zusätzlich die Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm in den Rucksack wandern. Und für den “einfachen Fotoalltag” werde ich diesmal die Olympus OM-D E-M1 einpacken. Sie ein paar Tagen habe ich einen sehr coolen Filterhalter für das Panasonic 7-14mm Extremweitwinkel, sowie einige passende Grau- und Verlaufsfilter. Schon heute freue ich mich sehr darauf mit dieser Kamera an den Stränden von Teneriffa schöne Abendstimmungen bei langen Belichtungszeiten einzufangen. Ab dem 12. Dezember wird es hier und bei flickr.com viele neue Fotos zu sehen geben.


Nikon 1 V3 – Top oder Flop?

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Das Nikon 1 System hat es mir trotz aller Einschränkungen irgendwie angetan. Auch wenn an den Kameras zum vollen Glück noch einiges fehlt und viele sinnvolle Features von den Nikon Marketing-Strategen gestrichen wurden, um die teureren Spiegelreflexkameras zu “schützen”, so macht es dennoch Spaß mit diesen Kameras zu fotografieren. Lange bevor die Nikon 1 V3 angekündigt wurde habe ich überlegt was ich mir von einer Nikon 1 V3 wünschen würde.

Auf meiner Wunschliste standen unter anderem diese Punkte:

  1. Hochauflösender Sucher wie bei Olympus OM-D E-M1
  2. 7-fach Bracketing für HDR-Bilder (Wie Nikon P7000)
  3. Stabiler Batteriegriff wie bei Olympus OM-D E-M1
  4. Eingebautes WLAN mit Android/iOS App wie von Panasonic oder Olympus
  5. Eingebautes GPS
  6. Eingang für externes Mikrofon
  7. Ausgang für Kopfhörer
  8. Gleiche Batterie wie Nikon 1 V3 (oder D800 etc.)
  9. HD-Video mit 24/25/30/60/120/400 Bildern pro Sekunde
  10. 2-3 User-Settings
  11. Klappdisplay wie Panasonic GH-3 oder GH-4
  12. Touchdisplay wie GH3/GH4
  13. Schneller Speicher für 100 RAW-Bilder bei 20 B/s
  14. Frei definierbare Funktionstasten wie bei Panasonic GH3 oder Olympus E-M1 etc.
  15. Videos alternativ über Auslöser statt den zu kleinen roten Knopf starten
  16. Ein “richtiger” Blitzschuh!!!
  17. 1/25 Sekunde als längste Belichtungszeit im Video-Modus

Da man sich bei Nikon mit der Veröffentlichung der Nikon 1 V3 wirklich viel Zeit gelassen hat, habe ich mir irgendwann eine Olympus OM-D E-M1, Panasonic GH3 und andere MFT-Kameras wie beispielsweise die niedliche Panasonic GM-1 gekauft. Zu einem Zeitpunkt zu dem ich schon gar nicht mehr mit der Vorstellung der Nikon 1 V3 gerechnet habe, kam sie dann doch noch und sogar mit einem neuen leistungsstarken Teleobjektiv!

Der erste Blick in die Liste der Features war dann auch gleich eine herbe Enttäuschung. Statt mit 24 und 25 Bildern liegt die niedrigste Framerate für Videos bei 30 B/s. Eine Kombination mit vorhandenen Kameras die mit 24 B/s (Nikon D7000) oder 25 B/s bzw. 50 B/s filmen (Panasonic HC-X909) ist also nicht problemlos möglich. Statt eines vernünftigen Blitzschuhs gibt es den von den Vorgängern bekannten spezifischen Anschluss für Zubehör des Nikon 1 Systems. Zwar kann man hier jetzt einen elektronischen Sucher einschieben, der sich qualitativ mit dem Sucher der Olympus OM-D E-M1 oder der Fuji X-T1 messen kann, aber dieser Sucher sitzt wacklig und lässt sich nicht vernünftig befestigen. In den letzten Tagen ist er mir trotz aller Sorgfalt zigmal hingefallen und es ist ein Wunder, dass er noch funktioniert.

Will man diesen zweifellos herausragenden Sucher benutzen, so kann man sich den kleinen GPS-Stöpsel in die Haare schmieren. Auch ein externes Mikrofon lässt sich nicht anschließen und auch ein zusätzliches Blitzlicht lässt sich nicht nutzen wenn der Sucher aufgesteckt ist. Statt dessen muss man mit einem winzigen “Zwergen-Blitzlicht” belohnt, das diesen Namen eigentlich gar nicht verdient. Das ist alles mehr als ärgerlich, statt dieses winzigen Blitzes hätte ich mir einen “vernünftigen Blitzschuh” mehr als sehnlichst gewünscht…

In der Hoffnung, dass man sich bei Nikon bequemt hat die für Android und iOS lieferbare APP auf einen Stand zu bringen den es bspw. bei Olympus und Panasonic seit langer Zeit gibt, verharrt die verfügbare APP beim minimalistischen Funktionsumfang der ersten Version. Das ist mehr als enttäuschend! Mit der dieser APP lässt sich über ein Tablet oder ein Smartfon einfach nichts ausrichten. Man kann ein Foto auslösen und auf der Kamera vorhandene Bilder per WiFi Netzwerk auf sein Telefon kopieren, das war der Funktionsumfang!! Was soll dieser Bockmist? Eine Weltfirma wie Nikon sollte das besser können, die deutlich kleineren Wettbewerber können es ja auch!

Einen zusätzlichen Griff gibt es nun, aber diesen muss man jedes mal abschrauben um die winzige Batterie zu wechseln. Wenigstens hat man nicht schon wieder ein neues Format erfunden sondern das Format beibehalten, das bspw. mit der Nikon 1 J2 eingeführt wurde. Lieber wäre mir der Akku der Nikon 1 V1 gewesen, oder wenigstens ein gut erreichbares Akku-Fach in einem etwas größeren Batteriegriff, aber auch hier “Fehlanzeige” :-( Leicht erreichbare User-Settings für den blitzschnellen Wechsel aller Einstellungen gibt es auch nicht. Auf den Ausgang für einen Kopfhörer um den Ton bei Video-Aufnahmen kontrollieren zu können gibt es ebenfalls nicht. Das Display kann man inzwischen klappen aber nicht schwenken. YouTube-Videos von sich selbst kann man mit der Kamera also immer noch nicht vernünftig aufnehmen…

Die Nikon 1 V3 kann mit bis zu 60 B/s fotografieren. Das ist echt extremst rasend schnell, aber was nutzt das wenn nach etwa einer halben Sekunde der schnelle interne Kameraspeicher voll ist und man ewig warten muss bis alle Bilder auf die jetzt winzig kleinen fummeligen Micro-SD Karten übertragen wurden? Mir wäre lieber die Kamera würde “nur” mit 10 Bildern pro Sekunde fotografieren, dafür aber DAUERHAFT bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist! So sind die 60 B/s leider nicht viel mehr als ein Marketing-Gag.

Die Funktionstasten kann man nun in gewissen Grenzen definieren, aber Olympus und Panasonic haben hier eindeutig die Nase vorn! Und statt mit dem großen gut erreichbaren Auslöser muss man Videos entweder über den Fn3 Knopf des optionalen Griffes oder dem schlecht erreichbaren “roten Knopf” starten. Das ist MIST! Bei der Videoaufzeichnung nervt ebenfalls, dass bei jedem Clip der Ton stets erst nach einer kleinen Verzögerung aufgezeichnet wird. Will man unschöne Aussetzer vermeiden, so muss man beim Schnitt bei JEDEM CLIP am Anfang und Ende ein wenig was abschneiden. Dieses Problem haben andere Hersteller auch, aber deren Kameras sind teilweise um Welten billiger zu haben. Bei einem “Nikon Premium-Produkt” hätte ich mehr erhofft!!

Doch genug geschimpft, kommen wir zu den guten Seiten der neuen Nikon 1 V3. Gleich am ersten Tag habe ich in der Bonner Innenstadt beim Brunnen vor dem Sterntor dieses kleine erste Testvideo aufgenommen.

Ein paar Tage später ist mir beim Fotografieren der Burg Sooneck ein kleiner Brunnen aufgefallen. Dort habe ich mit dem brandneuen Nikkor AF-S G ED VR 4,5-5,6/70-300mm dieses kleine Testvideo aufgenommen.

Am letzten Sonntag ging es dann mit der gleichen Kombination für eine Stunde in den Bonner Rheinauen-Park. Diesmal hatte ich ein Stativ dabei und habe fast ausschließlich mit dem neuen 70-300mm Teleobjektiv gefilmt. Dieses Objektiv entspricht wegen des kleinen Chips der Nikon 1 V3 einem 189-810mm Teleobjektiv. Zwar ist es zu einem Preis von über 1.000 Euro nicht gerade billig, aber die Bildqualität ist gut und das Objektiv ist wunderbar kompakt und leicht. Allerdings nervt auch hier die drehbare Verriegelung. Immer wieder passiert es so, das man den angenehm breiten Zooring in der Hand hält und versehentlich den winzigen Verriegelungsknopf drückt. Dreht man nun etwas über die kurze 70mm Brennweite hinaus, so schaltet man damit die Kamera ab. Besonders in Momenten bei denen es auch jede Sekunde ankommt ist das mehr als ärgerlich. Warum braucht dieses teure Objektiv diesen überflüssigen Mechanismus, wenn die Nikon 1 V3 doch einen sehr schönen Ein/Aus-Schalter hat?

Am vorletzten Wochenende war Gelegenheit die neue Kamera im Wildpark Hellenthal zu testen. Dort war ich von der Bildqualität wirklich sehr angetan. Auch funktioniert das Auslösen und fokussieren via Touch-Display nun wirklich gut. So wurden auch einige der Fotos dieses Tages bei flickr ein echter Hit. Hier habe ich eines der Fotos aus dieser Session, einfach mal via flickr.com im Format 1920px öffnen. Das ist gar nicht schlecht!!

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

Hier habe ich kleines Beispiel zusammen montiert das einen Adler zeigt der von einem Baum in Richtung seines Falkner startet. Es ist schon sehr beeindruckend wie die Nikon 1 hier den Fokus halbwegs gut nachgeführt und den kompletten Bewegungsablauf aufzeichnen kann. Doch man sollte sich solche Sequenzen nicht immer erhoffen. Auch wenn der Autofokus vergleichsweise schnell ist, sind praktisch alle Vögel schneller. Sobald ein Adler oder was auch immer sich nicht mehr parallel zur Kamera sondern darauf zu bewegt, ist auch schnell Schluss mit lustig. Auch hätte ich mir einen vernünftigen fest gekoppelten Fokusring gewünscht… Das elektronische Pendant funktioniert zwar vergleichsweise gut, aber meiner Meinung nach bei einem Objektiv der 1.000 Euro Klasse eben nicht gut genug! Ärgerlich ist auch hier, das man kaum in der Lage ist das Objektiv manuell vernünftig auf “Unendlich” zu fokussieren.

Dieses Foto unbedingt via flickr in der Original-Größe (Pfeil unten rechts auf der flickr-Webseite) anschauen!

Eagle versus Nikon 1 V3

Zum Abschluss habe ich hier noch ein Fotos das ich vor ein paar Tagen auf dem Weg von Bonn nach Mainz auf einem Parkplatz oberhalb von Cochem an der Mosel aufgenommen habe. Das Bild zeigt die Reichsburg und ich habe es mit dem billigen Nikkor AF-S VR 30-110mm im RAW-Modus aufgenommen. Ich finde, auch hier spricht die Bildqualität für sich!

Cochem # 1 - Nikon 1 V3

Fazit

Mir macht das Fotografieren mit der Nikon 1 V3 Spaß, auch wenn ich viele Features vermisse. Toll sind die Qualität der Fotos und Videos, wirklich schlecht ist der wackelige Halt des überragenden elektronischen Suchers. Lehnt man sich zurück und analysiert in aller Ruhe was man bei der Nikon 1 V3 für sein Geld erhält, so ist das Fazit leider mehr als mager. Zusammen mit dem neuen Nikkor AF-S VR 10-30mm PD Zoom, dem elektronischen Sucher und dem zusätzlichen Handgriff kostet die Nikon 1 V3 satte 1249,- Euro. Zu diesem Preis bekommt man schon eine Panasonic GH3 mit einem hochwertigen Objektiv und etwas Zubehör. Für ein paar Euro mehr ist auch eine Olympus OM-D E-M1 drin, oder alternativ die hervorragende Fuji X-T1. Hätte ich meine Nikon 1 V3 nicht im kompletten Set bei eBay für 700,- Euro abgeschossen, ich hätte sie nicht gekauft. Sie leistet kaum mehr als die Nikon 1 V2 und hinkt bezüglich der Features wie Bracketing, Video-Framerates und WiFi-APP gegenüber den Konkurrenten deutlich hinterher.

Was für die Nikon 1 spricht ist die Möglichkeit mittels des FT-1 Adapters erwachsene “Männer-Teleobjektive” zu adaptieren und so beispielsweise aus dem gewaltigen Nikkor AF-S VR 4/200-400mm ein grandioses 540 – 1080mm Supertele mit Blende 4 zu machen.

Positiv aufgefallen ist mir, dass vor der RAW-Konvertierung zunächst hoffnungslos überstrahlt wirkende Bildbereiche doch noch Zeichnung enthielten. Bedingt durch den kleinen Chip mit den extrem winzigen Pixeln ist der Dynamik-Bereich der Nikon 1 V3 sehr viel kleiner als beispielsweise bei einer Nikon D800. Aber in der Praxis erweist er sich als groß genug um unter brauchbaren Lichtverhältnissen an gute Ergebnisse zu kommen.

Alle die gern nachts fotografieren, werden trotzdem an der Nikon 1 V3 keine Freude haben. Hier ist beispielsweise die Olympus OM-D E-M1 mit der 2.0er Firmware deutlich im Vorteil. Bei der Olympus kann man im Modus “Live-Comp” miterleben wie bei Langzeitbelichtungen die Bilder entstehen und dann wenn man es für richtig hält den Belichtungsvorgang durch ein zweites Betätigen des Auslösers beenden. Dies wäre ein Feature das auch der Nikon 1 V3 gut zu Gesicht stehen würde. Allerdings habe ich keine Hoffnung, dass die Nikon-Entwickler für solche sinnvollen Features jemals grünes Licht bekommen werden…

Die hohen Bildraten von 40 und 60 B/s sind meiner Meinung nach Augenwischerei, denn in der Praxis behindern sie oft eher als das sie einen Nutzen haben. Wer mit 60 B/s fotografiert und einen etwas zu nervösen Auslesefinger hat, der wird alle entscheidenden Momente verpassen weil seine Nikon 1 V3 genau dann wenn man es nicht gebrauchen kann mit dem Übertragen der Fotos auf die Speicherkarte beschäftigt sein wird. Mit 10 oder 20 B/s kommt man auch mit der Nikon 1 V3 ganz gut durchs Leben, mehr braucht man im normalen Fotoalltag für nichts!

Was mich bei Videoaufnahmen massiv stört ist die Tatsache, dass die längste Belichtungszeit auf 1/100s festgelegt ist. Beispielsweise mit meiner Nikon D800E kann ich bei 25 B/s bei einer Belichtungszeit von maximal 1/25 s filmen. Unter schwierigen Lichtbedingungen bei denen die Nikon D800E noch mit ISO-800 auskommt, muss die Nikon 1 schon auf ISO-3200 gehen um bei gleicher Blende die gleiche Belichtung erzielen zu können. Das ist eine schwere Einschränkung für alle die beispielsweise gern YouTube-Videos etc. aufnehmen. Wer bei der Aufnahme nicht für richtig viel Licht sorgen kann, der wird sich später über total verrauschte Video-Clips ärgern müssen.

Weiterhin gibt es viele kleine Details die mich stören. So ist es zunächst toll, dass der elektronische Sucher einen Augensensor hat und man diesen auch deaktivieren kann. Aber diese Einstellung wird nicht gespeichert. Schaltet man die Kamera (versehentlich) aus und wieder ein, so ist der Augensensor immer wieder aktiv. Wer seine Kamera auf einem Stativ verwendet und sie über das Display bedienen möchte wird sich so immer wieder über diesen Sensor ärgern, weil er jedes mal wenn man ihm zu nahe kommt das Display abschaltet. So ist immer wieder ein Druck auf den seitlich am wackligen Sucher angebrachten Knopf notwendig um den Augensensor zu deaktivieren, das nervt zumindest mich total.

Gut gefällt mir, dass man die “Bildkontrolle” via Menü-Option deaktivieren kann. Bei vielen anderen Systemkameras geht das nicht und dies ist besonders wenn es schnell gehen soll oft extrem hinderlich. Wer mit 20 Bildern pro Sekunde beim Sport fotografiert, der will nicht jedes mal wenn er den Auslöser loslässt die zuletzt fotografierten Fotos anschauen!! Hier ist es toll, dass der Sucher der Nikon 1 V3 sich dann nicht umschaltet und man das Geschehen weiter verfolgen kann.

Die Verarbeitung der Nikon 1 V3 ist sehr gut und sie fühlt sich hochwertig an. Die Einschaltzeit ist angenehm kurz und der Autofokus arbeitet im Vergleich zu anderen Systemkameras schnell und mit brauchbarer Trefferquote. Dennoch muss man die Hoffnung begraben, bei schnell bewegten Objekten nur scharfe Fotos zu erzielen. Je nachdem wie gut sich ein Motiv vom Hintergrund abhebt, ist der Ausschuss teilweise exorbitant hoch. Im schnellen Modus ist es weniger gezieltes Fotografieren als eher ein wilder herumfuchteln und hoffen auf die perfekte Fotografie. Diese sind mit der Nikon 1 V3 zweifellos möglich, aber wer eine Olympus OM-D E-M1 wirklich beherrscht wird mit einer ähnlichen Trefferquote und weniger Ausschuss nach Hause kommen. Jeder der mit einer Nikon 1 V3 fotografiert sollte daher unbedingt die Verwendung des AF-L Buttons üben. Damit kann man zur rechten Zeit Autofokus und/oder Belichtung speichern. Wer also bei einer Adler-Flugshow wirklich scharfe Bilder haben will, der beobachtet auf welchen Bahnen sich die Tiere bewegen, fokussiert auf eine Stelle die ihm gefällt, betätigt den AF-L Knopf und verfolgt dann die Tiere bis sie sich hoffentlich genau dort befinden wo man sie haben möchte. Diese Technik funktioniert nicht nur bei der Nikon 1 V3, man sollte sie erlernen und wird damit beim Autorennen und ähnlichen Veranstaltungen eine deutlich höhere Trefferquote erzielen als wenn man sich auf den meistens doch noch viel zu langsam arbeitenden Autofokus verläßt.

Zum neuen Nikkor AF-S 10-30mm PD Zoom gibt es nicht viel zu sagen. Das Ding ist winzig, macht was es soll und liefert gute Ergebnisse. Der automatische Verschluss vor der Frontlinse ist praktisch aber nicht sonderlich stabil. Eine Möglichkeit um einen Polfilter oder ähnliches zu verwenden gibt es wegen des fehlenden Filtergewindes leider nicht. Der Motorzoom ist im Gegensatz zu den Pendants von Olympus oder Panasonic für Videofilmer nicht zu gebrauchen. Bei diesem Objektiv hat man einen Endlos-Zoomring, eine Steuerung der Geschwindigkeit mit der das Objektiv seine Brennweite verändert ist damit leider nicht möglich. Jedem Videofilmer sei daher das teure, große und schwere Nikkor AF-S VR 10-100mm PD Zoom ans Herz gelegt.

Top oder Flop?

Wer noch keine Kamera besitzt und keine Nikon-Objektive sein eigen nennen darf, dem würde ich vom Kauf der Nikon 1 V3 abraten. Das mag hart klingen, aber beispielsweise eine Olympus OM-D E-M1 ist einfach die bessere Kamera. Einzig wenn es auf jedes Gramm Gewicht ankommt und man ein wirklich langes Teleobjektiv für Fotosafaris sucht, hat die Nikon 1 V3 in Verbindung mit dem neuen 70-300mm die Nase vorn weil aktuell für das Micro-Four-Thirds System kein vergleichbares Objektiv verfügbar ist. Wer sich für eine Nikon 1 V3 entscheidet muss sehr tief in die Tasche greifen und bekommt für sein Geld eine sehr spezielle Kamera die viel Spaß machen kann, der aber wichtige Features fehlen und die im Gegenzug mit unsinnigem Mist wie 4-Sek Video, Best-Moment-Capture und anderem Krams “aufgerüstet” wurde, den kein ernsthaft fotografierender Menschen jemals nutzen wird. Statt dieser praxisfremden Gimmiks hätte ich mir Bracketing und User-Settings wie bei einer Nikon P7000 oder D7000 gewünscht.

Aber was nicht ist kann ja noch werden, vielleicht schafft man es bei Nikon im Jahr 2018 eine Nikon 1 V4 auf den Markt zu bringen die endlich überflüssigen Ballast vermissen lässt und statt dessen mit sinnvollen Features aufgewertet wird.

Warten wir’s ab…

 


Nikon D810 – Die besten Objektive

Seit einigen Tagen ist die Nikon D810 in ausreichenden Stückzahlen in Deutschland verfügbar. Abgesehen von der leicht gesteigerten Serienbild-Geschwindigkeit gibt es keine großen Unterschiede zur Nikon D800E und die Objektive die an der D800E gute Ergebnisse liefern kann man ohne Abstriche auch an der Nikon D810 und natürlich auch an der D750 verwenden. Viele Nikon Fans die in den letzten Wochen all ihr Geld zusammen gekratzt haben um sich eine Nikon D810 leisten zu können werden in den kommen Wochen darüber nachdenken welche Objektive an ihrer neuen Kamera gute Ergebnisse liefern. Für alle deren “Kriegskasse” nicht mehr wirklich prall gefüllt ist könnten einige sehr hochwertige manuell fokussierte Objektive interessant sein, zumal das Angebot bei ebay & Co. sehr groß ist. Aber was zeichnet ein älteres Objektiv aus und was bedeuten diese ganzen Bezeichnungen Ai, AiS, AF-S AF-D, G-Typ usw.

Weil ich während der letzten beiden Jahre immer wieder viele E-Mails mit genau diesen Fragen bekam, habe ich vor ein paar Monaten einige Videos zu diesem Thema aufgenommen.

Für alle die entweder keine Lust haben die langen Videos anschauen oder sich immer noch unschlüssig sind habe ich hier eine Liste meiner Empfehlungen für Nikon FX-Kameras wie die Nikon D800 zusammengestellt.

Objektivauswahl - Nikon D800E - Lens Suggestions

Standardbrennweiten

An einer FX Kamera entspricht ein Objektiv mit 50mm Brennweite etwa dem natürlichen Sichtfeld des menschlichen Auges. Daher wurden früher praktisch alle Kamera mit einem 50mm Objektiv verkauft. Was heutzutage häufig als “Kit-Linse” oder “Scherbe” schlechtgeredet wird, war vor 50 Jahren schlicht und ergreifend ein “Normalobjektiv”.

Nikkor AF-D 1,8/50mm

Ein extrem billiges kleines leichtes Normalobjektiv ohne eingebauten Autofokus-Motor. Es wird in China produziert und man bekommt es neu schon für rund 100 Euro. Wer wenig Geld hat, bekommt hier ein Objektiv mit sehr guten Abbildungseigenschaften, das auch an DX-Kameras ab der D7000-er Serie gute Arbeit leistet. An der D3xxx und D5xxx ist es weniger optimal, weil diese Kameras keinen eigenen Autofokus-Motor haben.

Nikkor AF-S 1,8/50mm

Etwas teurer größer und schwerer ist das AF-S 1,8/50mm. Dieses Objektiv hat einen Silent-Wave Motor (Ultraschall-Motor) für den Autofokus und funktioniert somit auch sehr gut an allen D3000, D3100, D3200, D5000, D5100, D5200, D5300 usw.

Nikkor AF-S 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist ein wenig lichtstärker und kostet schon rund 350,- Euro. Durch die hohe Lichtstärke gelingen damit Fotos bei wenig Licht meist etwas besser, weil im absoluten Grenzbereich der Autofokus noch etwas besser funktioniert als bei der 1,8er Variante. Außerdem ist die Hintergrundunschärfe etwas stärker ausgeprägt. Dieses Objektiv eignet sich damit extrem gut für alle die gern Videos aufnehmen und einzelne Objekte mit weit geöffneter Blende freistellen wollen.

Hier habe ich ein Beispielfoto, das vor einer Weile auf einem Weinfest entstanden ist. In diesen Situationen wird man das AF-S 1,4/50mm lieben. Man beachte auch das schöne weiche Bokeh!

Nikon D800E - Available Light - AF-S 1.4/50mm

Nikkor AiS 1,4/50mm

Dieses Objektiv ist schon etwas älter, liefert aber annähernd die gleiche Bildqualität wie das moderne AF-S Pendant. Meiner Meinung nach ist es besser für Video-Filmer geeignet, weil der Fokusring herrlich butterweich läuft, einen festen Endanschlag für “Unendlich” hat und zugleich eine feinere manuelle Fokussierung erlaubt.

Nikkor H 1,4/50mm

Eines der ältesten lichtstarken Objektive aus dem Hause Nikon. Man kann es sehr leicht selbst auf Ai umbauen und damit liefert es gute Dienste für alle Videofilmer und Fotofreaks die Bilder mit einem etwas altmodischen Touch haben wollen. Die Konstruktion ist mehr als 50 Jahre alt, damit ist der Kontrast geringer, es gibt stärkere Lens-Flares usw. Im direkten Vergleich zum AF-S 1,4/50mm sind diese Nachteile deutlich sichtbar. Für Portraits bei Gegenlicht usw. ist es dennoch ein sehr cooles Objektiv, gerade wegen dieser Fehler die den Fotos einen eigenen Touch verleihen können.

Weitwinkelobjektive

Nikkor AiS 2,8/28mm

Wirklich schlechte Objektive hat man bei Nikon nie gebaut und es gab sogar einige Objektive trotz allem aus der Menge der teils hervorragenden Objektive herausgeragt haben. Eines dieser Objektive ist das AiS 2,8/28mm. Mit diesem Objektiv macht man nichts falsch wenn es um eine sehr hochkarätige universell einsetzbare Weitwinkel-Brennweite geht. Ich schätze dieses Objektiv über alle Maßen und kann es jedem empfehlen der ein extrem solide gebautes Weitwinkel mit perfekten Abbildungseigenschaften sucht. Ähnlich gut ist übrigens auch das Nikkor AiS 2,8/24mm. Beide Objektive sind perfekt für alle Video-Filmer geeignet weil der Fokusring wie bei allen manuell fokussierbaren Nikon-Objektiven wunderbar weich läuft. Statt viel Geld für ein ebenfalls manuell fokussiertes ZEISS Objektiv auszugeben, kann man auch einfach versuchen bei eBay & Co ein AiS 2,8/28mm für etwa 150 Euro abzustauben.

Nikkor AF-S 2,8/14-24mm

Dieses Objektiv ist ein großes teures Profiobjektiv und der Listenpreis liegt bei ca. 1500 Euro. Es ist perfekt gegen Staub und Umwelteinflüsse abgedichtet, die Abbildungsqualität ist exzellent, Konstrast, Schärfe liegen auf allerhöchstem Niveau. Die Verzeichnung ist gering und zugleich so linear, dass man sie sehr einfach mit Nikon Capture, Lightroom oder Photoshop korrigieren kann. Ein Nachteil ist, dass bedingt durch die weit vor gewölbte Frontlinse keine normalen Filter verwendet werden können. Leider ist es schwierig zu diesem extremen Objektiv ein passendes Filterset zu finden. Wirklich gut funktioniert eigentlich nur der LEE SW 150 Filteradapter. Dieser kostet zusammen mit einigen Filter allerdings schnell zwischen 600 und 800 Euro.

Bildschirmfoto 2014-10-14 um 18.26.09

Nikkor AF-S VR 4/16-35mm

Wer mit ein wenig Unschärfe an den äußersten Bildrändern und der schwächeren Lichtstärke leben kann, für den ist das Nikon AF-S VR 4/16-35mm ggfs. eine sehr willkommene Alternative. Aktuell kann man das sehr hochwertige 4/16-35mm für unter 900,- Euro kaufen. Es passen normale Graufilter mit 77mm Filterdurchmesser.

Nikon D800E - Nikon AF-S VR 4/16-35mm

Diese Objektiv ist etwa 500 Euro preiswerter als das 2,8/14-24mm. Es ist ähnlich hochwertig gebaut und liefert bereits bei offener Blende brauchbare Fotos. Der eingebaute Bildstabilisator macht die fehlende Blendenstufe zum AF-S 2,8/14-24mm mehr als wett. Das 77mm Filtergewinde steht fest und man kann damit nach der Fokussierung bspw. einen Infrarotfilter aufschrauben OHNE die Fokussierung versehentlich zu verändern. Verwendet man Slim-Line-Filter, so ist auch bei 16mm Brennweite keine Abschattung der Bildecken erkennbar. Bei “normalen” Filtern werden die äußersten Ecken etwas abgedunkelt. Hier sollte man sich also auf ca. 18mm beschränken oder die leichte Vignettierung mit Photoshop & Co. nachträglich entfernen.

Hier ein Beispiel für ein Infrarotfoto das mit einem HOYA IR72 und der Nikon D800E aufgenommen habe.

Nikon D800E - Beispielfoto mit Infrarot-Filter HAMA IR-72

Nikkor AF-D 2,8/24mm

Ein kleines gut gemachtes Weitwinkel mit 52mm Filtergewinde das in fast jeder Hosentasche Platz hat ist das 2,8/24mm. Schaltet man den Autofokus der Kamera aus, kann man dieses Objektiv ähnlich gut manuell fokussieren wie die älteren Pendants ohne Autofokus. Die Bildqualität ist mehr als brauchbar und es eignet sich recht gut für alle Video-Filmer.

SAMYANG 2,8/14mm

Nikon D800E mit SAMYANG 2.8/15mm

Dieses Objektiv gibt es mit und ohne CPU. Ich habe mich damals für die Version ohne CPU entschieden, würde aber eher die etwas teurere Version mit CPU empfehlen. Durch die eingebaute CPU können die Kameras die eingestellte Blende und die Brennweite des Objektives ohne Umwege direkt in den EXIF-Daten der Fotos speichern, was manchmal sehr praktisch ist. Die Verzeichnung dieses Objektives ist nicht linear und nur schwer zu entfernen. Damit wird es allen Architekturfotografen Kopfschmerzen bereiten. Auch ist es bei Gegenlicht nicht wirklich perfekt, aber angesichts des niedrigen Preises von nur ca. 300 Euro ist es eine sehr gute Alternative zum extrem teuren AF-S 2,8/14-24mm. Vom gesparten Geld kann man sich dann ein AF-S VR 4/16-35 und ein AF-S 1,8/50mm leisten…

Hier habe ich ein Foto das ich mit dem SAMYANG und meiner Nikon D700 vor einigen Monaten aufgenommen habe. Ich denke, an der Bildqualität gibt es nichts zu meckern, oder?

Nikon D700 & Samyang 2.8/14mm

Teleobjektive

Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm

Dieses Objektiv ist eines meiner liebsten Objektive überhaupt. Inzwischen gibt es eine neuere Version, die auch am äußersten Rand noch komplett scharf abbildet. Allerdings ist der kürzeste Aufnahmeabstand mit der neueren Version deutlich länger, so dass ich die ältere Variante besonders für Portraits bevorzuge. Das Objektiv funktioniert sehr gut mit Tele-Konvertern. Es ist kompatibel mit TC14, TC17 und TC20 Modellen. Verwendet man den TC-20 Tele-Konverter, so hat man ein 140-400mm Teleobjektiv mit Blende 5,6. Damit funktioniert der Autofokus noch sehr gut und das Objektiv eignet sich damit sowohl für die Tierfotografie als auch für schöne Portraits.

Hier habe ich ein Beispiel das schon etwas älter ist. Aber man sieht, dass dieses Objektiv selbst bei Blende 5,6 noch eine sehr schöne Hintergrundunschärfe liefert und das eigentliche Motiv perfekt scharf abzubilden vermag.

Nikon AF-S VR 2.8/70-200 - Example

Wer sich für dieses Objektiv interessiert muss mit einem Preis von ca. 1900 Euro rechnen. Die ältere Version bekommt man in gutem Zustand auf dem Gebrauchtmarkt für ca. 1000 Euro. Eine preiswerte Alternative ist ggfs. das neue AF-S VR 4/70-200mm. Hier habt man aber ein weniger schönes Bokeh und Tele-Konverter können nur eingeschränkt genutzt werden.

Nikkor AF-S VR 4/200-400mm

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 4/200-400mm

Der Hammer für die Tierfotografie ist das leider sehr große und schwere AF-S VR 4/200-400mm. Dieses Objektiv mutiert wegen des DX-Crop-Faktors an einer Nikon D7100 zu einem 300-600mm Telezoom mit sehr akzeptabler Lichtstärke. Es ist mein Tipp für alle Tierfotografen die ca. 6.500 Euro für ein Teleobjektiv ausgeben können. Im Vergleich zu den ähnlich teuren Festbrennweiten hat man hier deutlich mehr Flexibilität. In Verbindung mit einem TC-20 Tele-Konverter wird aus dieser Liste an einer Nikon D7100 ein 600-1.200mm Superteleobjektiv mit Blende 8. Damit funktioniert bei gutem Licht der Autofokus noch recht zuverlässig. Es gibt nur wenige Objektive die in der Tierfotografie oder auch Ansitzfotografie ähnlich gute Dienste leisten. Hier habe ich ein kleines Beispielvideo das ich vor einer ganzen Weile mit dem AF-S VR 4/200-400mm und einem Nikon TC-17E II in Verbindung mit einer Nikon D7000 aufgenommen habe. Leider hatte ich meine sehr coole “Affenschaukel” damals noch nicht, so dass die Kamerabewegungen etwas “hakelig” sind. Mit der neuen Benro “Affenschaukel” gelingt das jetzt deutlich flüssiger. Und das Argument für den Kauf dieser nicht ganz preiswerten Alternative zu einem Kugelkopf war letztlich dieses Video.

 

Wer über den Kauf eines solchen Objetkivs nachdenkt, sollte also auch die Folgekosten beachten! Ich verwende dieses Objektiv heute ausschließlich mit einem stabilen BENRO M3204 Carbon Stativ und der oben gezeigten “Affenschaukel” die ebenfalls von BENRO stammt. Diese Kombination kostet etwa 800 Euro, man muss ich also gut überlegen ob man zum einen soviel Geld ausgeben will und zum anderen das exorbitante Gewicht dieses kleinen Monsters “ertragen” will.

Nikkor AF-S VR 4,5-5,6/80-400mm

Lange Zeit war das einige halbwegs preiswerte lange Telezoom aus dem Hause Nikon das AF-D VR 80-400mm. Bedingt durch die etwas ältere Konstruktion hatte dieses Objektiv noch keinen AF-S. Daher wird für den Autofokus eine Kamera mit eingebauten Autofokus-Motor benötigt. Vielfach wurde der dadurch etwas langsame Autofokus bemängelt. Seit einigen Monaten ist nun der Nachfolger mit eingebautem schnellem Ultraschall-Motor lieferbar. Die neue Version ist halbwegs bezahlbar und liegt bei etwa 2.400 Euro. Bedingt durch die relativ geringe Lichtstärke sollte man es nicht mit Tele-Konvertern verwenden. Beispielsweise den Kenko 1,4-fach Konverter könnte man noch benutzen, bei längeren Konvertern liegt die verbleibende Lichtstärke jenseits von Blende 8, so dass bei schwachem Licht der Autofokus nicht mehr zuverlässig funktionieren wird. Ein großer Vorteil dieses Objektivs sind das relativ geringe Gewicht und die recht kompakten Abmessungen.

Nikkor AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm

Nikon D800E & Nikon AF-D VR 80-400mm

Hier habe ich ein Beispiel, das ich vor 7 Jahren mit dem damals brandneuen AF-D VR 4,5-5,6/80-400mm und meiner damals ebenfalls brandneuen Nikon D2x aufgenommen habe. Schaut das Foto mal in “Original-Größe” an und Ihr werdet sehen, dass man auch mit dem alten Objektiv durchaus gute Fotos machen kann. Wer also wenig Geld hat und ein kompaktes brauchbares Telezoom sucht, der ist meiner Meinung nach mit dem recht alten 80-400mm immer noch recht gut beraten.

BUSSARD - Nikon D2x & AF-D VR 80-400mm

Midrange Zoomobjektive

Nikkor AF-S 2,8/24-70mm

Der Klassiker unter den professionellen “Immer-Drauf” Linsen ist das AF-S 2,8/24-70mm. In den nächsten Monaten erwarte ich eine neuere Version mit eingebauten VR-Bildstabilisator. Dann dürften die Preise für die erste Version fallen. In den letzten Monaten war es schon im Rahmen einer Cash-Back Aktion mit einem Rabatt von 200 Euro lieferbar. Dieses Objektiv kann eigentlich alles und ich mag es sehr gern. Allerdings hat einer meiner Fotofreunde in den letzten Monaten viel Stress mit seiner Version gehabt. Der Zoom-Ring lief nicht gleichmäßig weich und hat manchmal etwas gehakt. Das Objektiv wurde mehrfach umgetauscht aber alle Ersatzgeräte hatten das gleiche Problem. Erst ein Besuch beim Nikon-Service in Düsseldorf konnte das Problem dauerhaft lösen. Hier sollte man also gut überlegen wo man dieses Objektiv ggfs. kauft. Meine Version war vom ersten Tag an tadellos. ich benutze dieses Objektiv sehr gern, allerdings sind Baugröße und Gewicht beachtlich. Wenn es auf jedes Gramm ankommt, packe ich lieber das extrem billige AF-G 28-80mm ein…

Hier habe ich ein Beispiel das vor einigen Tagen mit der Nikon D800E und dem AF-S 2,8/24-70mm in Frankfurt entstanden ist.

Frankfurt Downtown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Nikkor AF-S 2,8/28-70mm

In den Zeiten in denen die Nikon F5 noch ein superheißes Eisen war, nutzen viele Profis das AF-S 2,8/28-70mm. Dieses war das erste Objektiv mit einem eingebauten Ultraschall-Motor für den Autofokus. Es hat noch einen Blenden-Ring, ist also kein G-Typ und funktioniert sogar an der Nikon F4 vollständig! Das dieses Objektiv noch aus der analogen Welt stammt, ist die Auflösung bei offener Blende nicht wirklich großartig. Aber bei Blende 8 ist es sehr brauchbar und dem neueren AF-S 2,8/24-70 fast ebenbürtig. Aktuell wird es bei eBay & Co für ca. 500 Euro gehandelt. Wer sich die aktuelle teure Version nicht leisten kann, ist also ggfs. mit dem etwas älteren Pendant recht gut bedient.

Nikkor AiS 2,8-3,5/35-70mm

Dieses Objektiv war das erste Profi-Zoom aus dem Hause Nikon. Es ist kompakt, extrem robust und liefert trotz des hohen Alters auch an einer Nikon D800E erstaunlich gute Bildergebnisse. Es eignet sich ebenfalls sehr gut für Video-Filmer weil Zoom und Fokus im Idealfall wirklich butterweich laufen und einen großen Einstellweg haben.

Nikkor AF-G 3,3-5,6/28-80mm

Es fühlt sich an wie die letzte Plastikgurke, es ist leicht, klapprig und extrem billig, aber es liefert trotzdem gute Fotos! Wer ein extrem leichtes Midrange-Zoom für seine FX-Nikon sucht, der liegt mit diesem Ding genau richtig.

Nikon D700 mit Nikkor AF 28-80G

In diesem Artikel findet ihr weitere Infos zu diesem Objektiv.

Makro-Objektive

Nikkor AiS 2,8/55mm

Dieses Objektiv ist der absolute Klassiker unter den “kurzen” Nikon Makro-Objektiven. Es wurde bis vor kurzem noch hergestellt und die Bildqualität ist über alle Zweifel erhaben. In diesem Artikel findet Ihr einige Testfotos in voller Auflösung, die ich mit dem AiS 2,8/55mm und der Nikon D800E aufgenommen habe. Der Filterdurchmesser beträgt 52mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:2.

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikkor AF-D 2,8/60mm

Etwas moderner und robust wie ein Panzer ist das AF-D 2,8/60mm. Wer etwas Geld sparen möchte, der kann ggfs. auch den Vorgänger ohne “D” kaufen. Die Bildqualität ist identisch. Das “D” steht für “Distance” und ermöglicht etwas bessere Fotos in Verbindung mit entsprechenden Blitzgeräten. In der Macro-Fotografie ist das aber nicht unbedingt erforderlich. Der Filterdurchmesser beträgt 62mm, der maximale Abbildungsmaßstab ist 1:1. Das 60er Macro ist ein absoluter Klassiker und eignet sich an DX Kameras wie bspw. der Nikon D7100 auch sehr gut für Portraits im Studio. Die Hintergrundunschärfe ist nicht so schön wie bei einem speziellen Portraitobjektiv, aber bei fast vollständig geöffneter Blende immer noch ganz brauchbar.

Nikkor AF-D 2,8/105mm

Dies ist der “Große Bruder” des 60er Makro-Objektives. Die Bildqualität ist auf gleichem Niveau und wegen der längeren Brennweite kann man es bei offener Blende auch mal für Portraits verwenden. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt auch hier 1:1, das Filtergewinde hat 52mm. Auch hier gab es eine Variante ohne “D” die genauso gut funktioniert und ggfs. ein paar Euro billiger ist.

Nikkor AF-S VR 2,8/105mm

Das aktuelle Micro-Nikkor hat deutlich mehr Linsen, ist größer, schwerer, teurer und liefert letztlich keine anderen Ergebnisse als das AF-D 2,8/105mm. Im Makro-Bereich ist der Bildstabilisator überflüssig, ich würde eher zum etwas älteren Modell raten und vom gesparten Geld ein paar Zwischenringe usw. kaufen. Auch dieses Objektiv kann man notfalls sehr gut für Portraits verwenden!

Sigma EX-DG 2,8/105mm Macro

Dieses Objektiv ist ein Klassiker und auf dem Gebrauchtmarkt recht preiswert zu haben. Die optischen Eigenschaften sind exquisit, es steht dem Nikon AF-D 2,8/105mm in nichts nach. Allerdings ist die mechanische Qualität nicht so hochwertig wie beim Pendant von Nikon. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1:1, zum Lieferumfang gehört eine sehr stabile Gegenlichtblende aus Metall. Aufgrund des geringen Gewichts und der kompakten Abmessungen zählt dieses Objektiv zu meinen absoluten Favoriten. Es gibt etwas ältere Versionen ohne “DG”. Dieses Objektive sind ebenfalls sehr gut, der Unterschied ist eine zusätzliche speziell vergütete “Rücklinse” bei den neueren “DG” Modellen. Diese Vergütung soll Spiegelungen des Sensors in der rückwärtigen Linse verhindern.

Es ist eine neuere Version mit eingebautem Ultraschallmotor für den Autofokus lieferbar. Ich bevorzuge jedoch die etwas ältere Variante weil sie deutlich leichter ist und man in der “echten Makro-Fotografie” keinen AF-S benötigt. Wer mit diesem Objektiv ggfs. Portraits fotografieren möchte, der liegt mit der neuen Version allerdings goldrichtig!

Sigma EX-DG 3,5/180mm Macro

Besonders wenn man in der freien Wildbahn versucht Spinnen und anderes Getier groß abzubilden leisten etwas längere Macro-Objektive sehr gute Dienste. Das 180er Makro-Objektiv aus dem Hause Sigma verwende ich auch sehr gern in Verbindung mit dem 1,4-fach Teleconverter den Sigma passend anbietet. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1.1 und kann durch Verwendung des Teleconverters bei gleichem Abstand zum Motiv um den Faktor 1,4 gesteigert werden. In den EXIF-Daten wird dieses Objektiv witziger Weise mit 185mm Brennweite aufgeführt.

Sigma-180

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich vor ein paar Jahren mit meiner Nikon D2x und diesem Objektiv aufgenommen habe.

Nikon-D2x-Sigma-180mm-Butterfly

Man beachte die schöne Hintergrundunschärfe! Wer genug Abstand zu seinen Models einnehmen kann, der hat mit dem Sigma EX DG 3,5/180mm auch eine schöne Portraitbrennweite.

Nikkor AF-S 2,8/40mm

Dieses Objektiv ist eigentlich für das kleinere DX Format gerechnet. Allerdings leuchtet es in Verbindung mit Zwischenringen auch das komplette FX-Format aus. Die Abbildungsqualität ist exzellent und an einer Nikon FX-Kamera ist es ein schönes “Normal-Objektiv” mit geringster Verzeichnung und überragender Abbildungsqualität.

Portrait-Objektive

Nikkor AF-D 1,4/85mm

Der “King of Bokeh” ist nach wie vor das Nikon AF-D 1,4/85mm. Dieses Objektiv ermöglicht selbst bei Blende 5,6 noch ein außergewöhnlich gute Freistellung von Personen in der Portraitfotografie. Außergewöhnliche Schärfeleistung darf man sich von diesem Objektiv nicht erwarten, seine Stärke ist eher die dezente Unschärfe im Vorder- und Hintergrund. Sein Motiv positioniert man irgendwo dazwischen und erhält wie von Geisterhand Portraits die einen gewissen “malerischen Look” haben. Weichzeichner und andere Hilfsmittel braucht man bei diesem Objektiv eigentlich nicht. Auch für Video-Filmer eignet es sich sehr gut, weil man mit dieser Linse extrem gekonnt mit der Verlagerung der Schärfeebene spielen kann.

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich im Jahr 2006 mit meiner Nikon F3 und dem AF-D 1,4/85mm und einem AGFA Film mit ISO-200 aufgenommen habe. Man beachte hier besonders den Schärfeverlauf. Die Hand mit der Maus ist unscharf und die Kalender hinten an der Wand kann man auch nur erahnen. Das Gesicht meines Freundes Richard ist hingegen perfekt scharf abgebildet. Diesen Bildeindruck bekommt man nur mit dem 1,4/85mm hin.

F3_AF_D_1.4_85mm_thumb.jpg

Und so sieht dieses Objektiv aus. Die Linsen sind riesig und die Verarbeitung exquisit. Das Filtergewinde beträgt 77mm, man kann locker einen 8x Graufilter aufsetzen und wegen der hohen Lichtstärke hat man immer noch ein helles Sucherbild. Besonders in Verbindung mit einem Graufilter ermöglicht dieses Objektiv große Blendenöffnungen bei hellem Licht und mäßig kurzen Belichtungszeiten. So kann man auch Outdoor mit Blitzsystemen arbeiten. Will man Blitzen, so darf die kürzeste Blitzsynchronzeit nicht unterschritten werden. Bei einer Nikon D800 kann man zudem die ISO-Empfindlichkeit auf ISO-50 absenken. Das sind die besten Voraussetzungen für schöne Portraits unter freiem Himmel, so kann man bei ISO-50, 1/250s in Verbindung mit einem Graufilter mit Blende 2,0 perfekte Portraits mit guter Schärfe in den Gesichtern und perfekter Unschärfe im Vorder- und Hintergrund erzielen.

Nikon-AF-D-14-85mm

Nikkor AF-S 1,4/85mm

Dies ist die neuere Version des zuvor beschriebenen Objektivs. Der optische Aufbau wurde etwas modifiziert und für die schnelle und leise Fokussierung gibt es jetzt einen Ultraschall-Motor im Objektiv. Die Abbildungsqualität ist sehr ähnlich. Wer sich die neuere Version leisten kann, der kann sie mit gutem Gewissen kaufen.

Nikkor AF-D 1,8/85mm

Die 1,8er Version unterscheidet sich massiv vom 1,4/85mm. Der Neupreis betrug damals weniger als die Hälfte und Nikon hat beim, 1,8er viel Kunststoff verwendet. Der Bildqualität tut dies aber keinen Abbruch, lediglich das Bokeh ist nicht ganz so weich wie bei der deutlich teureren, größeren und schwereren 1,4er Variante. Wer ein brauchbares Portrait-Objektiv sucht und wenig Geld hat, für den ist das AF-D 1,8/85mm genau richtig.

Nikkor AF-S 1,8/85mm

Das gleiche gilt auch für die neuere Version mit AF-S Aufofokus. Auch hier spart man eine Menge Geld, aber der Look der Fotos ist auch deutlich anders. Wer sich das 1,4er nicht leisten kann und wem der Autofokus des AF-D 1,8 zu laut und zu langsam ist, der kann mit gutem Gewissen zum AF-S 1,8/85mm greifen.

Mein Favorit unter den Portrait-Objektiven ist allerdings nach wie vor das AF-D 1,4/85mm.

Nikkor AF DC 2,0/105mm

Eine Sonderstellung unter den speziellen Portrait Objektiven nimmt das DC 2,0/105mm ein. Der Clou an diesem Objektiv ist der spezielle “Defocus-Image-Control” Mechanismus. Damit kann man die Unschärfe im Hintergrund gezielt steigern und erhält einen Look den auch das AF-D 1,4/85mm nicht bieten kann. Dieses Objektiv ist allerdings sehr speziell und es benötigt für den Autofokus eine Kamera mit eingebautem AF-Motor. Der Blendenkreis ist fast perfekt gerundet und das Objektiv hat eine eingebaute Gegenlichtblende. Der Preis liegt bei etwa 1.000 Euro und dieses Objektiv ist etwas für echte Spezialisten unter den Hochzeitsfotografen.

Zusammenfassung

Das waren jetzt meine Tipps wenn es um Objektive für das Nikon FX-Format geht. Die Liste ist längst nicht vollständig und man könnte sie mit weiteren Objektiven bspw. von ZEISS weiter anreichern. Aber ich besitze keine ZEISS Objektive weil für das wenige was sie mehr können als die Nikon Objektive nicht bereit bin einen exorbitanten Zuschlag zu bezahlen. Außerdem kommen die ZEISS Objektive für das Nikon-F Bajonett derzeit ohne Autofokus daher, es sind also eher Objektive für zahlungskräftige Enthusiasten.

Objektive von Tamron fehlen in dieser Liste völlig. Dies liegt an meinem gespannten Verhältnis zu dieser Marke. Alles was ich bislang aus dem Hause Tamron hatte, habe ich schnell wieder bei eBay verkauft weil mir die Objektive nicht gefallen haben. Es gibt durchaus auch gute Tamron-Linsen, aber warum soll ich dafür Geld ausgeben wenn ich das “Original” von Nikon habe?

Sehr brauchbare hochwertig verarbeitete Objektive gibt es auch von Tokina. Ich habe beispielsweise das AT-X Pro 2,6-2,8/28-70mm, eine wirklich hochwertige Linse! Aber ich benutze sie praktisch gar nicht mehr seit ich das Nikkor AF-S 2,8/24-70mm besitze.

Alles in allem ist das Angebot wirklich guter Objektive für das Nikon-F Bajonett fast unüberschaubar. Man könnte ein echtes Vermögen dafür ausgeben und hätte noch immer nicht alles was das Herz begehrt.

Müsste ich eine Empfehlung für eine sinnvolle Objektivauswahl für die Nikon D800 abgeben, dann sähe sie wie folgt aus:

  • Nikkor AF-S 1,4/50mm (Damit starten wir nach dem Kauf der Kamera)
  • Nikkor AF-S 2,8/24-70mm (Das ist das 2. Objektiv das ich kaufen würde)
  • Nikkor AF-S VR 2,8/14-24mm (Mir liegt der weite Winkel mehr als das Tele, das wäre #3)
  • Nikkor AF-S VR 2,8/70-200mm V2 (Toll für Tiere und Portraits, meine #4)
  • Nikkor TC17E-II (DER Tele-Konverter zum 70-200)
  • Sigma EX DG 2,8/105mm (Das ist “mein” Makro!)
  • Nikkor AF-D 1,4/85mm (Wenn Portrait, dann diese Linse!)
  • Sigma EX DG 3,5/180mm (Ich würde mit dem 105er starten und später ggfs. zum 180er aufsteigen)
  • Sigma 1,4-fach Tele-Konverter (Tolle Erweiterung zum 180er Makro)
  • Nikkor AF-S VR 4/16-35mm (Wer mit Graufiltern arbeiten möchte und lange Belichtungszeiten liebt, der hat es mit diesem Objektiv leichter als mit dem Nikon AF-S VR 2,8/14-24mm)

Telefonat mit Adolf Hitler

Darf man Witze über Adolf Hitler machen?

 

Der zweite Weltkrieg und die Zeit des Nationalsozialismus gehört zu den dunkelsten Epochen der Deutschen Geschichte. Und dieses Grauen wirkt bei vielen Menschen bis heute nach. So gilt es noch immer als verwerflich, militärische Aktionen des Staates Israel öffentlich kritisieren. Wer in diesem Zusammenhang von unangemessener Härte und Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung spricht wird schnell pauschal als Antisemit abgestempelt. Die Kollektivschuld lastet auch mehr als 70 Jahre nach Kriegende noch immer schwer auf deutschen Schultern.

So macht man scheinbar auch keine Witze über Adolf Hitler, oh nein oh nein, das tut man nicht. Denn der Mann war sowas von durchtrieben und abgrundtief böse, dass man nicht einmal einen Witz über ihn reißen darf… Ok ok, bei 3SAT traut man sich das gelegentlich einmal…

Ausgerechnet Hoeneß

 

Im Rest der Welt wird das Gott sei Dank ein wenig anders gesehen. Der Film “Der Untergang” aus dem Jahre 2004 stammt aus der Feder von Bernd Eichinger, der diesen Film auch produziert hat. Oliver Hirschbiegel hat als Regisseur ganze Arbeit geleistet und dieser Film war ein großer internationaler Erfolg. Dies lag nicht zuletzt an der unglaublichen Leistung des Schweizer Schauspielers Bruno Ganz der in einem Interview gesagt hat, dass er nach dem Ende der Dreharbeiten noch lange damit zu kämpfen hatten in welcher Tiefe er in die Rolle des Adolf Hitler hineingeschlüpft sei.

Ein wichtiger Teil des Films sind Telefonate die Adolf Hitler mit verschiedenen Generälen und anderen Mitarbeitern seines Stabs führt. Im Ausland wurden in den letzten Jahren unglaublich viele teilweise sehr witzige aber auch kontrovers diskutierte Parodien auf diese Szenen erstellt. In Deutschland scheint dergleichen, vielleicht wegen der latent gelebten deutschen Kollektivschuld, nicht gut anzukommen. Jedenfalls gibt es deutlich weniger Parodien in deutscher Sprache. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es Amerikaner die eh kein Wort Deutsch verstehen leichter haben einfach witzige Untertitel unter eines der Hitlertelefonate zu setzen und das Ergebnis als “Hitler telefoniert mit Gadafi” oder so ähnlich bei YouTube usw. zu veröffentlichen. Gelegentlich hat Adolf auch mal ein Problem mit seinem DSL-Anschluß und muss in einem Callcenter in Indien um Hilfe bitten. Wer kennt das nicht…

Anruf im Callcenter (Untertitel)

 

Ich habe mich in den letzten Wochen immer mal wieder mit diesem Thema beschäftigt und dabei kam mit die Idee selbst mal mit Adolf Hitler zu telefonieren. Damit er mich auch wirklich anrufen kann, habe ich mich selbst vom Festnetz aus auf dem Handy angerufen, die Nummer als neuen Kontakt gespeichert, ein bekanntes Hitlerfoto als Kontaktbild gewählt und als Klingelton das Finale der symphonischen Dichtung “Les Preludes” von Franz Liszt aus den Jahren zwischen 1848 und 1854 gewählt. Franz Liszt war mehr Pianist als Komponist und die Anzahl seiner Kompositionen ist eher überschaubar. Während des zweiten Weltkrieges wurde das Haupt-Thema aus “Les Preludes” von den ersten Deutschen Radiomachern ausgesucht und als Erkennungsmelodie verwendet. Damals war diese Komposition aber schon rund 90 Jahre alt!

Außer im Radio wurde dieses Thema auch in den Berichten der Wochenschau verwendet und in den Deutschen Kinos in die Ohren der Zuschauer regelrecht eingehämmert. Obwohl Franz Liszt schon lange tot war, haben die NAZIs damit seine eigentlich sehr schöne Komposition in den Schmutz gezogen. Und so wie man das Wort “Führer” in Deutschland nicht laut ausspricht spielt man natürlich diese Musik auch nicht, jedenfalls nicht so, dass man dabei erwischt werden könnte. Ich empfinde das als falsch, denn die Musik kann ja nichts dazu, in welcher Art sie missbraucht wurde.

Meine Hitler-Parodie

Zurück zu meiner eigenen Hitler-Parodie… Wer sich bei YouTube etwas umschaut findet hunderte von Parodien die aber fast ausnahmslos auf Untertiteln basieren. Etwas wie “Ausgerechnet Hoeneß” bekommt da leider fast niemand hin, oder es traut sich vielleicht auch niemand. Wer will schon einer Horde NAZIs ihr schmieriges Idol madig machen oder in der Öffentlichkeit falsch verstanden werden?

Ich habe die Idee einer Parodie schon seit Wochen in meinem Kopf mit mir herumgetragen und sie schließlich gestern sehr spät am Abend endlich realisiert. Als Thema für das Telefonat mit Adolf Hitler habe ich mir den noch nicht fertig gestellten “Teil 3″ meiner USA-Reportage gewählt. Meine Tonspur habe ich mit einem RODE SmartLAV und einem iPOD Touch 5G aufgenommen. Dabei habe ich die RODE-App verwendet. Beim Mix habe ich die Stereo-Tonspur meiner Panasonic GH3 etwas leiser darunter gelegt. Die Synchronisation hat dank 48 kHz Samplingfrequenz und WAV-Format sehr gut funktioniert.

FCPX-Hitler-Editing-Screenshot

Während meine Nachbarn in den Wohnungen um mich herum bereits schliefen, habe ich hier mit keifender Stimme mein Telefonat mit dem “Führer” aufgenommen. Dabei dachte ich nur “Hoffentlich hört niemand was ich hier mache und zieht daraus falsche Schlüsse…” Gegen 2h am Morgen war mein Video dann “online” und bereits nach einigen Minuten gab es die ersten “Daumen nach unten”. Es ist in Deutschland nicht einfach bei YouTube Witze über ein derart komplexes Thema zu machen…

 

Mich würde interessieren was Ihr darüber denkt?

Wer mag kann einfach die kostenlose Kommentarfunktion verwenden und so mit mir und anderen Lesern diskutieren. Ich bin sehr gespannt wer sich traut dies tatsächlich zu tun…

Serdar Somuncu über “Mein Kampf”

Als überaus spannend empfinde ich es auch, dass sich der Comedian Serdar Somuncu immer wieder dafür rechtfertigen muss in welcher Weise er sich mit dem hohlen Irrsinn auseinandersetzt, den Adolf Hitler während er 1924 in Landsberg am Lech im Gefängnis saß, seinem Zellengenossen und späterem Stellvertreter Rudolf Heß in die Feder diktiert hat. Dieses “Werk” ist später als “Mein Kampf” in Buchform erschienen und kann heute in aller Welt gekauft werden, außer in Deutschland. Muss man deutsche Jugendliche wirklich vor 700 Seiten Unsinn schützen indem man dieses wahrscheinlich schlechteste aller Bücher verbietet?

 


USA-2014 – Wieder eine Reise ins Ungewisse – Teil 2

Das Wochenende ist nah und es ist Zeit für den zweiten Teil meiner Reportage zur USA-Reise im May 2014. In dieser Folge dreht sich alles um die Fahrt der Tahoe Queen auf dem Lake Tahoe und meinen ersten Tag in Idaho. Die zugehörigen Artikel aus meinem BLOG findet Ihr hier:

Im dritten Teil wird uns unsere Reise weiter zum Yellowstone National Park und nach Cody in Wyoming führen. Nach einigen Tagen geht es dann von Wyoming in Richtung Süden nach MOAB. Hier wird dann Teil 4 anschließen.

Während der Wochen in den USA war ich viel nachts unterwegs und habe recht viele Fotos auf denen der Sternenhimmel mit einigen schönen Strukturen im Vordergrund zu sehen ist. Diese Fotos sind eine wahre “Fundgrube” und so habe ich in den letzten Tagen zwischen all der “Video-Bearbeiterei” immer mal auf der Festplatte gesucht welche Fotos für eine Nachbearbeitung lohnend erscheinen. Die Ausbeute war gar nicht schlecht und drei Fotos habe ich bereits bei flickr.com hochgeladen. Die Resonanz auf das folgende Bild ist abermals überraschend gut. Das Foto hat es nach nur einem Tag in den “Explore” geschafft, es ist also derzeit auf der Startseite von flickr.com zu sehen. Dieser Erfolg freut mich sehr und bestärkt mich in meinem Willen die Fotos nicht einfach unbeachtet auf der Festplatte altern zu lassen, sondern in den kommenden Wochen immer mal wieder zu schauen welche Schätze sich dort noch verbergen.

Moving in Circles around the Polar Star - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

 

Im zweiten Teil meines Videos gibt es auch ein Kapitel in dem es sich um den “großen Motivationsschub” via flickr.com geht. Während meiner Nacht in den Alabama Hills bei Lone Pine sind auch die beiden folgenden Fotos entstanden.

Mobius Sky - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nightsky over Alabama Hills - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

 

Alles in allem war für mich das sehr positive Feedback auf flickr.com das besondere Element der letzten Reise. Nie zuvor habe ich Foto ausgestellt die an nur einem Tag mehr als 20.000 mal aufgerufen wurden und mehr als 1.000 Favoriten “Sternchen” einsammeln konnten.

Für dieses Feedback und die vielen privaten Nachrichten und Rückmeldungen möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich auch bei den Lesern dieses BLOG’s bedanken.


Abgehoben – Teil 1 – Leica Nocticron

Die Sensoren von Micro-Four-Thirds Kameras (MFT) haben nur 1/4 der Fläche eines Sensors wie man in bspw. von der Nikon D800 kennt. Damit ist die Diagonale der Sensoren nur halb so groß wie bei einem FX-Sensor und dementsprechend beträgt der Verlängerungsfaktor (Crop-Faktor) den Wert 2,0. Während man mit einer FX Kamera und einem 1,4/85mm Objektiv Portraits mit ganz bezaubernder Hintergrundunschärfe (Bokeh) aufzunehmen vermag, sieht es bei den MFT ein wenig anders aus. Bei gleichem Blickwinkel sind hier nur 42,5mm notwendig und dementsprechend ist die Schärfentiefe größer und andererseits die Hintergrundunschärfe geringer. Das ist einer der Gründe warum viele Profis in der Vergangenheit die Arbeit mit MFT-Kameras besonders im Portrait-Bereich eher belächelt oder gar vollständig abgelehnt haben.

Wer mit einer MFT-Kamera seine Motive vom Hintergrund abheben will steht zusätzlich vor dem Problem, dass praktisch jedes Kameramodell mit einem relativ lichtschwachen Zoom-Objektiv ausgliefert wird. Meist sind diese Objektive in der längsten Brennweite für ein Portrait geeignet aber oft beträgt die Lichtstärke dann nur noch F/5,6 und man erzielt ein Bokeh wie man es bei einer FX-Kamera etwa bei Blende 8 erhalten würde.

Über diesen “Nachteil” gegenüber dem oft so vollmundig gepriesenen FX- oder auch “Vollformat” wird seit es MFT Kameras gibt in allen nur denkbaren Formen vortrefflich gestritten. Seit Januar 2014 ist nun mit dem Panasonic/Leica Nocticron 1,2/42,5mm ein Objektiv verfügbar das eine MFT-Kamera auf eine völlig neues Niveau zu heben vermag. Dieses Objektiv wird von Panasonic gefertigt und wurde in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt. Es ist mit ca. 1.500 Euro sehr teuer und mit satten 425 Gramm auch relativ schwer. An einer zierlichen Kamera wie bspw. einer Olympus OM-D EM-10 wirkt dieses große Objektiv je nach Sichtweise irgendwie deplatziert, oder eben extrem cool.

Weil der Rummel um dieses Objektiv wirklich groß war und es auf Reisen ständig echten Stress mit dem Gewicht meiner Fotoausrüstung gibt, habe ich mir das Nocticron vor einigen Wochen beim City Foto Center Bonn bestellt. Nach den ersten Testbildern mit meiner Olympus OM-D E-M1 war ich wirklich begeistert von der optischen Qualität dieser sehr modernen Konstruktion. Bereits bei Blende 1,2 liefert diese Linse perfekt scharfe Portraits. Um die gleiche Abbildungsleistung zu erzielen, müsste ich mein Nikon AF-D 1,4/85mm etwa auf Blende 2,8 abblenden. Die erzielbare Hintergrundunschärfe wäre in diesem Fall weitgehend identisch.

Sehr cool ist auch die Möglichkeit vieler MFT-Kameras, den Autofokus via Geschichtserkennung so einzustellen, dass wahlweise das linke, rechte oder eben beide Augen eines als Gesicht erkannten Motivs korrekt fokussiert werden. Dies funktioniert in der Praxis wirklich ganz außergewöhnlich gut und die Trefferquote mit dem Nocticron und bspw. der Olympus OM-D E-M1 ist ganz beachtlich.

Hier habe ich einige Test-Portraits die ich mit dem Nocticron aufgenommen habe. Wer die EXIF-Daten anschauen möchte, kann die Bilder anklicken und dann via flickr.com alle EXIF-Details einsehen.

Nocticron Test Shot #1 - Olympus OM-D E-M10 & Panasonic Leica Noctricon 1,2/42,5mm

Nocticron Test Shot #2 - Olympus OM-D E-M10 & Panasonic Leica Noctricon 1,2/42,5mm

Nocticron Test Shot #3 - Olympus OM-D E-M10 & Panasonic Leica Noctricon 1,2/42,5mm

Nocticron Test Shot #6 - Olympus OM-D E-M10 & Panasonic Leica Noctricon 1,2/42,5mm

Wie schon im letzten Artikel erwähnt, konnte ich am Montag ein kurzes Interview mit Mirko Mochetti im Hangar des Flugfeldes Mönchsheide bei Bad Breisig führen. Für dieses Interview habe ich die Panasonic GH3 und das Nocticron 1,2/42,5mm verwendet. Um den Blickwinkel noch enger zu fassen habe ich zusätzlich den “digitalen Teleconverter” der GH3 eingeschaltet. So konnte die Kamera recht weit entfernt im großen Hangar stehen und im Verlaufe des Gesprächs hat mein Gesprächspartner dann auch fast vergessen, dass wir eigentlich gefilmt werden. Die anfangs deutlich spürbare Unsicherheit ist dadurch schnell verflogen was sehr zur Qualität des Interviews beiträgt.

Für die Tonaufnahme habe ich zwei RODE SmartLAV Ansteckmikrofone verwendet. Auf der GH3 war zusätzlich das RODE VideoMIC montiert. Meine Tonspur habe ich mit meiner HTC ONE M7 und Mirkos Tonspur mit einem Apple iPod Touch 5g aufgezeichnet. Die verwendete Software war iRIG Recorder für Android, bzw. iOS. Beim Surround-Mix habe ich unsere beiden Mono-Tonspuren jeweils weit vorne links und rechts im virtuellen 5.1 Raum angeordnet. Die von der Kamera aufgezeichnete Mono-Tonspur habe ich etwa in die hintere Mitte des virtuellen 5.1 Raumes gelegt, da hier viel Hall und Umgebungsgeräusche zu hören sind. Im Ergebnis klingt das Ergebnis auf meiner 5.1 Heimkinoanlage recht natürlich. Schaut man das Video bspw. via Apple-TV und YouTube an, so kann man es im Surround-Modus wiedergeben.

Wer Ton und Bilder separat auszeichnet steht natürlich vor der Herausforderung, Bild und Ton zu synchronisieren. Ein weiteres Problem ist zuweilen die Samplingrate der Tonspuren. Während fast alle Kameras ihre Tonspur mit 48kHz aufnehmen, beherrschen viele Handy-Lösungen nur maximal 44,1kHz. Hier sollte man ggfs. die Tonspuren zunächst auf die gleiche Sampling-Rate bringen. Wer seine Videos mit Apples Final-Cut-Pro-X (FCPX) schneidet, muss nichts weiter tun, die Software konvertiert alles so, dass es passt. Dabei bleiben 10s Tonspur, ganz gleich mit welcher Samling-Rate sie aufgezeichnet wurden, immer 10s lang!

Vor dem eigentlichen Schnitt importiert man Ton und Bild in sein Projekt, markiert das was zusammengehört und wählt “Multi-Cam-Clip erstellen” aus. Diesen Clip kann man dann in einem speziellen Editior bearbeiten. Hier erfolgt der wichtigste aller Arbeitsschritte, die Synchronisation der Ton- und Videospuren! Wer keinen Timecode aufzeichnen kann, der hat die Möglichkeit hier über die Tonspuren zu synchronisieren. Sind Kameraton und die Aufzeichnungen der Ansteckmikrofone ähnlich laut und klar zu hören, so klappt es meist mit der automatischen Synchronisierung sehr gut. In unserem Fall stand aber die Kamera sehr weit weg und unsere Stimmen haben sich kaum von den Umgebungsgeräuschen abgehoben.

Multi-Cam-Editing

In solchen Fällen ist es extrem hilfreich, wenn man zu Beginn der Aufzeichnung eine Klappe benutzt. Wenn man so etwas nicht hat, reicht es völlig sich zu zweit direkt vor die Kamera zu stellen und einen Satz zu sagen wie “Interview mit Mirko – Take 1 – Die Aufnahme startet in 3-2-1 KLATSCH”. Das Klatsch spricht man natürlich nicht aus sondern klatscht so in die Hände, dass die Kamera dies “sieht” und die Mikros es “hören”. Im Multi-Cam-Editor hat man dann eine klar definierte Spitze die man für eine sehr präzise manuelle Synchronisation verwenden kann.

Wer es ganz gut machen will, der tut das Gleiche nochmals bevor er die Aufnahme beendet. So kann man sicherstellen, dass die Tonspuren zum Ende hin nicht auseinander driften. Man man es richtig, so ist alles perfekt lippensynchron! Ist alles synchronisiert, so korrigiert man die Pegel so, dass das Lautstärkeverhältnis aller Tonspuren zusammenpasst. Über Plugins wie Compressor und Limiter kann man Übersteuerungen vermeiden und die Grundlautstärke anheben. Mit dem Equalizer läßt sich die für die Sprachverständlichkeit wichtigen Frequenzen bei ca. 2kHz etwas anheben, so dass sich Stimmen besser von Umgebungsgeräuschen abheben. Wer es ganz gut machen will, der senkt entsprechend diese Frequenzen in den Tonspuren mit Umgebungsgeräuschen ab. Wer sein Werk mit Musik untermalen möchte, der kann mittels des Equalizers bei ca. 1kHz – 4kHz eine “Delle” in das Frequenzband der Musik einfügen und so die Sprachverständlichkeit steigern. Nicht vergessen sollte man die Positionierung der einzelnen Tonspuren im virtuellen Surround-Raum!

Ist das alles erledigt, kann man den Multi-Cam-Clip in die Timeline ziehen, Versprecher und Störungen wegschneiden, Titel ergänzen und die eine oder andere erklärende Video-Sequenz hinzufügen.

Fazit

Vom Ergebnis bin ich wirklich sehr angetan. Die Hintergrundunschärfe im Video sieht aus wie bei einer “erwachsenen” Video-Kamera und auch die Synchronisierung der Tonspuren ist recht gut gelungen. Das Nocticron ist zwar kein ganz billiger Spaß, aber meiner Meinung nach ist dieses Objektiv sein Geld wirklich wert. Allerdings sollte man nicht verschweigen, dass man mit dem Olympus 1,8/45mm zum Kampfpreis von ca. 275,- Euro eine recht ähnliche Bildqualität erzielen kann. Hier muss jeder abwägen wie viel Bokeh er braucht und was er dafür auszugeben bereit ist. Nicht vergessen sollte man auch das vergleichsweise hohe Gewicht des Nocticron. Das Olympus 1,8/45mm wiegt nur einen Bruchteil dieser “Edel-Linse”!

Mir hat das Interview wirklich ganz großen Spaß gemacht und ich freue mich darauf mit diesem Setup weitere Gespräche mit interessanten Menschen führen zu dürfen. Wenn jemand unter Euch eine gute Geschichte zu erzählen hat oder ein ungewöhnliches Hobby betreibt, so freue ich mich über eine kurze “Wortmeldung”. Vielleicht ist er ja schon bald im nächsten Interview zu sehen und zu hören!


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