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Nikon

USA-2014 – Tag 29 – Lake Mead

Es ist der letzte „richtige“ Tag unserer Reise. Schon morgen werden wir mit gepackten Koffern in Richtung Deutschland aufbrechen. Wie an allen Tagen die wir bislang zusammen in Las Vegas verbracht haben gönnen wir uns auch heute in Coco’s Restaurant ein leckeres Frühstück. Das Restaurant ist krass herunter gekühlt, so dass uns richtig kalt wird und ich mich an meinem heißen Kaffee wärmen muss. Als wir das Restaurant verlassen trifft uns fast der Schlag, der Unterschied ist immens und obwohl wir erst kurz vor 10h am Morgen haben, zeigt das Thermometer schon satte 33°C. Ich möchte gar nicht wissen wie es hier im Hochsommer zugeht…

Einige Minuten später brechen wir auf in Richtung Lake Mead. Ich fahre einfach irgendwelche Straßen die in südlicher Richtung führen. Dort werden wir zwangsläufig irgendwann den Lake Mead Boulevard kreuzen, der uns in östlicher Richtung zum Lake Mead führen wird. Der Bordcomputer zeigt mir an, dass der verbliebene Sprit noch für etwa 100 Kilometer reichen wird. Also tanke ich ein letztes mal für 30$ nach.

Lake Mead from the air - Nikon D300

Auf unserem Weg zum Lake Mead Boulevard durchqueren wir Teile der Stadt in denen die ärmeren Menschen wohnen. Vom Glanz der Casinos ist hier nur noch wenig zu sehen. Als wir auf eine Hauptstraße in Richtung Norden abbiegen fallen mir lauter Gebäude von Steuerberatern auf die wie die Perlen auf einer Schnur den Straßenrand säumen. „Better call Saul“ geht es mir durch den Kopf. Hier sieht wirklich alles aus wie in der Fernsehserie Breaking Bad und es würde mich nicht überraschen am Straßenrand ein Werbeplakat von Saul Goodman zu erblicken.

Einige Meter hinter der Stadtgrenze sind wir schlagartig ganz allein. Es ist fast unheimlich wie abrupt das urbane Leben endet wenn man Las Vegas in Richtung Osten verlässt. Die Gegend ist hügelig und die Felsen schimmern in warmem braun und rot. Nach einigen Kilometern erreichen wir den Eingang zum Nationalpark. Ich zeige kurz meinen Personalausweis und meinen „Annual National Park Pass“ und schon kann es weitergehen. Die 80$ für diese Jahreskarte haben sich inzwischen schon mehrfach ausgezahlt.

Etwa 50 Kilometer nach unserer Abfahrt in Las Vegas biege ich nach rechts auf eine Schotterpiste ab. Ich habe die Hoffnung, dass wir hier ein wenig unsere Füße im Lake Mead abkühlen können. Aber aus der anfangs noch gut erkennbaren Schotterpiste wird sehr schnell ein felsige unübersichtliche Angelegenheit die uns nur wenig Freude bereitet. Letztlich landen auf einem kleinen Hügel mit Blick auf einen kleinen Ausläufer der Lake Mead. Hier hat jemand Steine in einem Kreis zusammen gelegt und ein Lagerfeuer entfacht. Auf dem Hügel weiter rechts parkt ein weißer Geländewagen. Noch weiter außen hat jemand den Zugang zum See gefunden und lässt gerade ein Sportboot zu Wasser.

Auf der linken Seite kann ich von oben in eine kleine Bucht schauen. Sie ist gezeichnet von unendlich vielen Reifenspuren und es sieht aus als hätte sich Steve McQueen hier mit seinem Strand-Buggy mehrere Stunden lang ausgetobt. Was ich auch sehen kann ist ein Jeep Wrangler der kurz vor dem Umkippen fast zur Hälfte im Schlamm direkt an der Grenze zum Wasser feststeckt. Etwa 30 Meter weiter steckt ein großer weißer Pickup ebenfalls tief im Morast. Wahrscheinlich hat er sich beim Versuch den Jeep herauszuziehen selbst fest gefahren. Etwas höher steht ein dritter Truck und es laufen einige Männer umher die scheinbar beratschlagen wie sie beide Fahrzeuge bergen sollen. Im folgenden Bild sind die Autos ganz ganz winzig zu erkennen…

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Lake Mead from the air - Nikon D300

Auf meinem Rückweg zum Auto bin ich froh, dass ich solche Abenteuer bislang noch nicht begangen habe. Also eigentlich muss ich sagen, fast nicht begangen habe :-) Im Jahr 2009 hatte ich als Mietwagen einen Nissan XTERRA. Dieses Auto war zwar nicht schön und auch nicht komfortabel, aber es hatte enorm viel Bodenfreiheit und man konnte das Getriebe „untersetzen“, also die Übersetzung aller Gänge mit einem zusätzlichen Hebel verkürzen. Außerdem gab es noch eine separat zu aktivierende Differentialsperre. Damit bin ich wirklich überall wieder heraus gekommen. Mit dem aktuellen annähernd doppelt so schweren und rund 40% längeren Fahrzeug würde ich nicht versuchen bspw. den Escalante Volcano via Harris Wash zu erreichen. Mit dem Nissan XTERRA war das alles kein Problem.

Nach unserem letzten kleinen Off-Road-Ausflug geht es weiter zur Echo Bay. Hier war ich vor vier Wochen mal kurz in den Abendstunden und ich möchte mir die Bay nun bei Tageslicht etwas näher anschauen. Als wir dort eintreffen ist die Rampe für das zu Wasser lassen von Booten aller Art gesperrt. Als wir mit dem Auto direkt vor der Absperrung stehen kann ich auch sehen warum, der Wasserstand im Lake Mead hat sich in den letzten vier Wochen so drastisch verändert, dass der Steg an dem bei meinem letzten Besuch noch Kinder freudig in den See gesprungen sind, komplett in gelblichem Wüstensand steht. Die Marina etwas weiter draußen ist verlassen und einige Teile stehen schief, weil sie offensichtlich wegen des geringen Wasserspiegels nicht mehr schwimmen sondern bereits auf dem Grund aufliegen.

Hier ist heute nichts wirklich schönes mehr zu erwarten und so wende ich das Auto und fahre zurück zur Hauptstraße. Gleich oberhalb der Rampe ist ein verlassenes Hotel. Es macht gar keinen schlechten Eindruck, aber wer will schon an einer einsamen Bucht seine Zeit verbringen an der es Ende Mai zur Mittagszeit schon 40°C heiß ist? Welche Temperaturen hier im Hochsommer herrschen mag ich mir gar nicht ausmalen…

Unser nächstes Ziel ist Overton im Moapa Valley. Hier ist es deutlich grüner und als wir dort eintreffen hat sich im Vergleich zu meinem ersten Besuch vor vier Wochen nicht viel verändert. Lediglich die Pflanzen und Bäume die Anfang Mai noch in voller Blüte standen sind jetzt einfach nur langweilig grün. Gegenüber vom örtlichen McDonalds Restaurant schauen wir uns das „Sugar“ mal genauer an. Es ist eine echt urige Mischung aus Bar und Restaurant. Es ist richtig kalt dort drinnen und überraschend gut besucht. Wir bestellen uns Burger mit French Fries, ein letztes Mal…

Bei einem großen Glas Dr. Pepper mit irrsinnig viel Eis lasse ich mir meinen Burger schmecken. Sandra hat sich den Piraten-Burger mit Jalapenjos bestellt. In Deutschland würden wir es einen Burger mit Peperoni nennen. Die kleine grüße Zutat ist so scharf, dass meine Sandra die Mehrzahl davon aussortieren muss um ihren Pirate-Burger essen zu können.

Unser Essen kostet knapp 20$, inkl. Trinkgeld also glatte 25$. Das ist ungerechnet nicht viel mehr als man gegenüber bei McDonalds bezahlen würde, nur dass hier alles frisch und aus guten Zutaten für uns zubereitet wurde.

Als wir das Restaurant verlassen ist der Unterschied noch viel krasser als am Morgen bei Coco’s Restaurant. Im Restaurant waren es laut meiner Timex Quartz-Tide-Temp kalte 18°C, draußen sind es jetzt 40°C. Es fühlt sich an als würde man eine Sauna betreten, im Auto ist es noch viel wärmer, obwohl es nur etwa eine Stunde in der Sonne gestanden hat. Das übersteigt hier alles meine Schmerzgrenze. Ich mag es ja warm, dabei das ist mir hier echt zuviel. Während die Klimaanlage sich damit abmüht in unserem Backofen ein kuschelig warmes Ambiente zu schaffen steuere ich unser schwarzes Monstrum durch das Moapa Valley nach Norden. Nach einigen Kilometern erreichen wir die Interstate 15 die Las Vegas und Salt Lake City verbindet. Hier biegen wir in Richtung Süden ab, es sind noch rund 80 Kilometer bis nach Las Vegas.

Lake Mead from the air - Nikon D300

Als wir wieder am Motel 6 eintreffen ist es fast 16h. Wir räumen das Auto leer und beginnen damit unsere Koffer zu packen. Die Klimaanlage lief während unseres Ausflugs auf Hochtouren und so ist es in unserem kleinen Zimmer angenehm kühl. Den Zimmermädchen habe ich gestern versehentlich kein Trinkgeld auf das Kopfkissen gelegt. Daher habe ich heute 5$ spendiert. Als kleines Dankeschön haben sie die Klimaanlage nicht abgeschaltet.

Als die Koffer gepackt sind beginne ich diesen Artikel zu schreiben, meine Sandra vergnügt sich während dessen im Pool. Als sie nach einer halben Stunde zurückkommt ist sie so erfrischt, dass sie sich unter der Dusche aufwärmen muss. Diese Stadt ist wirklich eine Stadt der Extreme.


USA-2014 – Tag 27 – Grand Canyon

Als unser letzter Tag in Arizona anbricht sind wir von der Hitze der Nacht noch ziemlich fertig. Am Tag zuvor wies das Thermometer in der Spitze satte 33°C aus und da die Betten in den amerikanischen Motels fast immer direkt neben der Klimaanlage stehen, haben wir sie über Nacht ausgeschaltet um nicht krank zu werden. Außerdem rattern diese Dinger so unerträglich laut, dass ich dabei kaum schlafen kann.

Reichlich verschlafen geht es unter die Dusche und wie an jedem Morgen funktioniert das „Wunder des Wassers“ auch heute. Um kurz nach 8h sind wir auf dem Weg zum Denny’s, der etwas außerhalb der Stadt gegenüber des Golfplatzes gelegen ist. Hier bestellen wir uns ein leckeres Frühstück, wobei ich sagen muss, dass ich nach rund 4 Wochen in den USA dieses extrem reichhaltige Frühstück mit Kartoffeln, Ei, Speck und was es sonst noch alles gibt nicht mehr sehen kann. Ein zunehmen größer werdender Teil in mir sehnt sich nach einem ganz normalen Brötchen mit etwas Salat und Käse.

Grand Canyon #1

Die Mitarbeiter im Denny’s hier in Page sind heute nicht wirklich auf Zack. In Moab ging immer alles extrem schnell und professionell, hier erscheint das Team unterbesetzt und zudem unerfahren. Während wir sehr lange auf unser Essen warten steht sogar ein amerikanisches Paar auf und will das Restaurant wieder verlassen, weil es mit dem Essen so lange dauert. Doch schließlich wird alles gut und wir werden wieder mehr als satt. Auf dem Rückweg zum Hotel sehne ich trotzdem ein frisches knuspriges Brötchen mit Nutella herbei…

Das Ein- und Auspacken ist inzwischen zur Routine geworden und wir haben es voll drauf in kurzer Zeit alles vom Hotelzimmer in unseren großen Mietwagen zu verfrachten. Während ich die Zimmerschlüssel abgebe kontrolliert Sandra ein letztes Mal alle Ecken und Schubladen. In Moab im Adventure Inn hat sie ihr kleines Lieblingskissen vergessen, etwas ähnliches soll nicht noch einmal passieren. Das Kissen ist fast 40 Jahre alt und es hängen viele Kindheitserinnerungen daran. Der Versand nach Deutschland würde per Luftfracht etc. fast 100$ kosten. Und so sucht sie seit Tagen nach einer Möglichkeit ihr kleines Schmusekissen preiswerter zurückzubekommen.

Grand Canyon #2

Während Sandra also einen letzten prüfenden Blick durch unser Zimmer schweifen lässt, treffe ich an der Rezeption im Rodeway Inn den Mitarbeiter der mir im Jahr 2009 mein wirklich voll total allererstes Zimmer in den USA vermietet hat. Er erinnert sich noch an mich, denn ich war im Jahr 2010 und 2011 auch in diesem Motel. Wir unterhalten uns ein wenig und ich freue mich drauf ihn vielleicht im Jahr 2015 erneut zu treffen. Sehr krass ist, dass er sogar noch weiß, dass ich im Jahr 2009 das Zimmer mit der Nummer Two-Tow-One, also 221 bewohnt habe!

So gegen 10h machen wir uns schließlich auf den Weg nach Süden. Die Straße die vorbei am Horse Shoe Bend nach Süden führt ist seit mehreren Monaten wegen eines Erdrutsches gesperrt. Ich kann mir denken wo das Problem ist, es gibt einen kurzen Teil auf dem sich die Straße zwischen einigen Felsen hindurch schlängelt. Wenn hier ein Teil der Fahrbahn abrutscht geht wirklich gar nichts mehr. Aber es ist ja eine Umleitung (Detour) ausgeschildert. Es ist die Straße die nach Lechee führt. Dort habe ich mir im Jahr 2009 den Permitt für die Wanderung am Waterholes Canyon besorgt. Damals bin ich diese Straße aus Spaß ein wenig weiter in Richtung Süden gefahren und sie wurde kurz nach Lechee sehr schnell zu einer Schotterpiste (Gravelroad), so dass ich damals umgekehrt bin.

Grand Canyon #7

Umso mehr bin ich heute überrascht, dass diese Straße nun frisch asphaltiert und extrem gut zu befahren ist. Während draußen das Thermometer von anfangs 23°C langsam aber stetig auf 30°C klettert fahren wir gen Süden. Nach etwa 100 Kilometern zweigen wir nach links ab und kurz drauf nach rechts in Richtung Grand Canyon South Rim. Mein GPS habe ich an der Windschutzscheibe befestigt und es zeigt etwa 1.200 Höhenmeter. Die Straße zum Grand Canyon Nationalpark führt stetig moderat bergauf und nach kurzer Zeit haben wir fast 3.000 Höhenmeter erreicht.

Die Luft wird dünner hier oben und als wir den ersten Aussichtspunkt erreichen fällt es mir nicht leicht wegen der großen Höhe und der hohen Temperaturen mit meiner Kamera auf Motivsuche zu gehen. Doch einige Fotos muss ich hier einfach aufnehmen, das ist hier fast ein Pflichtprogramm. Während ich am Abgrund stehe versuche ich einige winzige Menschen in meine Fotos zu integrieren so dass man anhand ihrer Größe, oder vielleicht sollte ich besser „Winzigkeit“ schreiben, wie gewaltig der Grand Canyon hier ist.

Grand Canyon #3

Nach dem ersten Fotostopp fahren wir weiter und auf meinem GPS kann ich sehr schön sehen wann und wo wir uns immer wieder der „Abrisskante“ nähern. Es ist extrem viel los und weil die Luft so dünn und die Sonne so unbarmherzig ist, halten wir nur selten und ich gebe mich freiwillig mit einigen wenigen Fotos zufrieden.

Als wir im Grand Canyon Village eintreffen schwinden meine ohnehin geringen Hoffnungen hier ein Zimmer für die Nacht zu bekommen und einige extrem coole Fotos des Grand Canyon zur Sonnenuntergangszeit aufnehmen zu können. Es ist ein echtes Volksfest das hier abgeht. Das Dorf ist komplett gefüllt und als Sandra bei einem der vielen Hotels fragt ob vielleicht jemand abgesagt hat wird sie fast ausgelacht. Die nächsten Zimmer gibt es im etwa 90 Kilometer weiter südlich gelegenen Dörfchen Williams. Das ist die traurige Wahrheit, nun sind wir das erste Mal in unserem Leben am Grand Canyon und ich muss mich mit einigen wenigen Fotos zufriedengeben die ich zur allerbesten Mittagszeit aufgenommen habe. Zähneknirschend beschließen wir direkt nach Las Vegas durchzustarten und den großartigen Grand Canyon in einem der nächsten Jahre entweder im März/April oder September/Oktober zu besuchen.

Grand Canyon #4

Bis Las Vegas sind es etwa 600 Kilometer und da wir uns an einer der Futterstationen mit einem gruseligen teuren Burger etwas gestärkt haben, sind wir zuversichtlich diese letzte weite Fahrt mit einem lachenden und einem weinenden Auge absitzen zu können. Also geht es los…

Nach einigen wenigen Kilometern steht rechts im Wald ein junger aber bereits fast ausgewachsener Hirsch. Schnell halte ich an und Sandra und ich zücken unsere Kameras. Dies bleibt natürlich nicht unbemerkt und einige Sekunden später stehen überall Autos herum und der Hirsch ist umringt von Touristen in kurzen bunten Hosen die sich ihre Sonnenbrillen ins Haar gesteckt haben und etwas ungelenk auf ihren Badeschlappen einem Hirsch hinterher laufen während sie am ausgestreckten Arm einen kleinen Fotoapparat halten. Ein sehr witziges Bild! Dass der Hirsch bei alledem ungestört weiter frisst erstaunt mich umso mehr, dieses Tier hat echt de Ruhe weg!

Etwa 100 Kilometer bevor wir in Las Vegas eintreffen zeigt das Thermometer satte 41°C. Im Auto selbst ist es angenehm kühl weil wir seit Stunden in Bewegung sind und in Page ein letztes Mal vollgetankt haben. Als wir den Hoover-Damm passieren kann ich ihn nicht einmal aus dem Augenwinkel sehen, aber die Landschaft drum herum erinnert mich doch sehr an das was ich im letzten Jahr auf La Palma gesehen habe. Überall sind Hügel aus schwarz-brauner Asche, es sieht aus als würden wir ein relativ junges Lava-Feld passieren.

Grand Canyon #5

Etwa 20 Kilometer vor Las Vegas ist dann ein Stau, der erste Stau dieser Reise!! In den vergangenen Wochen bin ich über 8.000 Kilometer ohne auch nur eine Minute in einem Stau stehen zu müssen hier mit dem Auto gefahren!! Wir müssen etwa 15 Minuten warten bis wir eine Unfallstelle passieren an der gerade kräftig aufgeräumt wird. Einige völlig demolierte Fahrzeuge werden auf Abschleppwagen verladen und es stehen Leute herum deren Gesichtsausdruck man nicht gerade als „fröhlich“ beschreiben kann. Als wir wieder freie Fahrt haben bin ich irgendwie ganz froh, dass auch in diesem Jahr wieder alles gut gegangen ist. Zwar hadere ich noch immer mit der teuren zusätzlichen „Liability“, also der Aufstockung der Deckungssumme für den Fall eines selbst verschuldeten Unfalles. Aber andererseits wäre es nicht witzig hier versehentlich einen Unfall wie diesen zu verursachen und dann viele Jahre lang die Folgekosten aus dem eigenen Portemonnaie zahlen zu müssen, weil die gesetzliche „Mindestdeckung“ so lächerlich gering ist.

Auf Höhe der Tropicana Avenue ist auch der Flughafen ausgeschildert. Wir müssen nur die Autobahn verlassen, links abbiegen und sind schon fast beim Motel. Doch die Hauptstraßen in Las Vegas sind lang und haben viele Kreuzungen mit zumeist roten Ampeln, so dauert es eine Weile bis wir das Motel 6 erreichen. Dieses Motel ist erst vor einigen Jahren komplett renoviert worden und erhält im Internet noch immer ganz ordentliche Kritiken. Bereits im Jahr 2010 wollte ich dieses Motel ansteuern, bin damals aber versehentlich im gleich nebenan gelegenen „Amerikas Best Value Inn“ gelandet. Das war recht gruselig und heute ist meine Sandra sehr froh, als wir unser zwar kleines aber pfiffig ausgestattetes Zimmer beziehen.

Nachdem wir alles im Zimmer verstaut haben geht es rüber zu Coco’s Restaurant. Es ist nur ein paar Meter weit weg, aber wir haben abends um 20h (8pm) noch immer satte 43°C. Würde nicht ein lauer Wind wehen, es wäre schlichtweg unerträglich. Bei Coco’s Restaurant ist die kleine Mannschaft schwer auf Zack, es ist ein eingespieltes Team und wir haben unser Essen in aller kürzester Zeit auf dem Tisch stehen. Das Restaurant ist sehr angenehm klimatisiert und ich bin sehr froh, dass wir sofort beim ersten Motel ein Zimmer bekommen haben und jetzt nicht lange herumfahren und suchen mussten.

Nach dem Essen gehen wir eine Tür weiter in den Schnapsladen und schauen mal was es dort gibt und tatsächlich finde ich eine Kleine Flasche Jägermeister! Zurück im Zimmer läuft zum krönenden Abschluss sogar bei HBO Teil 3 von Hangover im Fernsehen. Nun bin ich wirklich in Las Vegas angekommen, nach zwei kleinen Gläschen Jägermeister versuche ich zu schlafen. So wirklich klappt es aber nicht und ich bin am nächsten Morgen völlig fertig als ich um kurz vor 6h aufwache und zum Frühstück diesen Artikel schreibe…


USA-2014 – Tag 26 – Rainbow Bridge

Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vor ein paar Tagen hat sich meine Sandra eine Tour mit einem Schiff zur Rainbow Bridge gewünscht. Diese konnte man auch problemlos online buchen. Die erste Tour startet um 7:30 an der Wahweap Marina die etwa auf halbem Weg zwischen Page und Bigwater gelegen ist. Das Areal ist ein National Park, daher muss man entweder 15$ Eintritt zahlen oder sich mit einer Jahreskarte (Annual National Park Pass) zum Preis von 80$ “bewaffnen”.

Die Rainbow Bridge ist weltweit die größte freitragende natürliche Brücke und ein Heiligtum der hier lebenden Indianer. Erreichbar ist sie zu Fuß wenn man bereit ist eine mindestens zweitägige Wanderung auf sich zu nehmen. Wer wandern möchte lässt sich am besten von einem Shuttle-Service zum Trailhead beim Navajo Mountain bringen, wandert zur Rainbow Bridge und kehrt 2-3 Tage später mit dem Boot zurück. Alternativ kann man auch hin und zurück wandern, was aber sehr anstrengend ist und man auch Gefahr läuft, dass bei der Rückkehr das Auto auf dem Parkplatz beim Navajo Mountain komplett geplündert wurde. Dies kommt nicht selten vor, weil klar ist, dass jeder der hier aufbricht frühestens nach zwei Tagen zurückkehrt. Genug Zeit um Reifen, Benzin und sonstige Dinge von einem Auto abzumontieren oder abzusaugen.

Wer es einfacher haben möchte, er bucht für 125$ pro Nase eine komplette Tour mit einem Boot. In der Eingangshalle des Lake Powell Resorts gibt es die Tickets. Wer nicht vorbestellt hat kann auch dort direkt mit Kreditkarte etc. bezahlen. In der Wartezeit bis das Boot startklar ist kann man in der Lounge kostenlos das freie WiFi benutzen, es gibt einen Kiosk mit Kaffee, Tee und kalten Getränken. Wer mag kann für den Ausflug auch Sandwiches kaufen.

Da die Rainbow Bridge sehr weit entfernt ist, dauern An- und Abreise jeweils etwa 3 Stunden. Der Aufenthalt bei der Rainbow Bridge beträgt 1,5 Stunden wovon jeweils ca. 30 Minuten für die Wanderung hin und zurück zu veranschlagen sind. Wer dort fotografieren will hat also ca. 30 Minuten um seine Bilder aufzunehmen!!

Weil es heute teilweise ganz entsetzlich heiß war und uns die Sonne völlig gnadenlos das Hirn gebraten hat, will ich heute mal keine lange Geschichte erzählen sondern einfach nur ein paar Fotos die Geschichte des Tages für sich sprechen lassen. Wer die Bilder in höherer Auflösung anschauen möchte, der kann sie einfach anklicken. Dann gelangt man zu flickr.com, wo man sie auch als Diashow ansehen kann.

Morgen geht es weiter in Richtung Las Vegas und am 30. Mai dann wieder zurück nach Deutschland.

Tiny People @ Rainbow Bridge - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Lake Powell #3

Lake Powell #2

Little Rainbow Visitor #2

Little Rainbow Visitor #1

Lake Powell #1

Rainbow Bridge Boat Trip

Rainbow Bridge Boat Trip #6 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #5 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #4 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #2 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm

Rainbow Bridge Boat Trip #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm


USA-2014 – Tag 25 – Page Arizona

Nikon_1V1_IR700nm_DSC6190

Den letzten Tag in Utah beginnen wir mit einem gesunden Frühstück beim Escalante Outfitters. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt dazu eine Schüssel mit Obst, Orangensatz und eine große Tasse Kaffee. Gegen 11h sind wir startklar, ich gebe schnell den Schlüssel ab und schon sind wir unterwegs nach Süden. Auf dem Dach unseres riesigen Mietwagens habe ich meine GoPro HD HERO 3+ positioniert. So kann ich wenigstens einen Teil der Gegend südlich von Escalante festhalten.

Während wir Henryville passieren überlege ich wo wir eigentlich nach links in die Cottonwood Canyon Road abbiegen müssen. Ein Hinweisschild finden wir nicht und auf meinem GPS kann man auf der topografischen Karte vor lauter Höhenlinien kaum noch Straßen erkennen. Als wir im Örtchen Fruita angekommen sind kommt es mir alles seltsam vor. Wir können den Bryce Canyon schon am Horizont sehen, hier muss es doch irgendwo links abgehen. Ich war eine ganze Weile nicht hier uns so herum bin ich die Cottonwood Canyon Road, oder kurz Cottonwood Road, noch nie gefahren. Wir versuchen es mal mit einer etwas größeren Straße die in Fruita nach links abzweigt, sieht heißt Bryce Road. Nach ein paar Kilometern müssen wir dann feststellen, dass es eine Sackgasse ist. Hm, was ist zu tun!

Sandra hat daheim in Bonn meine Karte eingepackt die ich mir im Jahr 2009 bei Globetrotter in Köln zusammen mit dem damals noch revolutionär neuen Garmin Colorado 300 gekauft habe. Auf dieser Karte können wir sehr schön sehen, dass wir genau einen Ort zu weit gefahren sind. Also drehen wir um und etwa 10 Minuten später sind wir wieder im Spiel. Man muss einfach den Hinweisschildern zu “Kodachrome Basin State Park” folgen. Diesen tollen Park haben wir uns schon 2010 ausgiebig angeschaut. Hier wurden schon wirklich viele Western gedreht. Das tolle an dieser Location ist, dass es U-förmig von einer steilen Felswand eingerahmt ist, die fast überall zu sehen ist. So kann man beispielsweise einen Dialog zwischen zwei oder gleich drei Personen mit mehreren Kameras aus unterschiedlichen Richtungen filmen und hat immer einen schönen Hintergrund. Die Akteure stehen also nie “allein” vor einem weit entfernten Horizont. Das ist einer der Hauptgründe, warum hier in den letzten 70 Jahren so viele Western gedreht wurden.

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Die Cottonwood Road ist trotzdem Regens der letzten Tage in sehr gutem Zustand. Am Morgen hatte ich noch überlegt ob wir nicht vielleicht die deutliche rauere aber landschaftliche reizvollere Smokey Mountain Road nehmen sollen. Diese führt auf direktem Weg durch die Berge vom Circle-D Motel nach Page. Aber im Internet habe ich keine Infos zum aktuellen Zustand gefunden. Und da diese Straße nur wenig frequentiert ist, weit hinauf ins Gebirge führt und es dort in den letzten beiden Tagen viel geregnet hat, ist es mir zu riskant. Dort oben möchte ich nicht für mehrere Tage feststecken. Also ist die Cottonwood Road eine gute Alternative.
Den Grosvenor Arch und die Cottonwood Narrows lassen wir heute unbeachtet hinter uns zurück. Wir haben nur noch 5 Tage bis wir unsere Sachen für die Heimreise packen müssen. Da können wir uns nicht mit “Kleinigkeiten” abgeben. Am Abend zuvor habe ich für den Montag eine Schiffstour zur Rainbow Bridge gebucht. Das ging via Internet ganz einfach und ich konnte per Kreditkarte die 125$ pro Nase gleich bezahlen. Wenig später kam auch eine Reservierungsbestätigung als E-Mail.

Nachdem wir in Page eintreffen fahren wer erst einmal komplett durch die Stadt, Sandra kann sich kaum noch an alles erinnern. Dann frage ich beim Comfort Inn ob noch ein Zimmer frei ist, aber es ist alles ausgebucht. Auch bei zwei anderen Motels werden wir abgewiesen. Schließlich finden wir wie in den Jahren zuvor im Rodeway Inn ein schönes sauberes Zimmer mit ZWEI GROSSEN GETRENNT STEHENDEN BETTEN!! So kann Sandra in ruhe schlafen und ich kann mich hin und her wälzen wie es mir beliebt ohne sie aufzuwecken.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben gibt es nebenan beim Mexikaner etwas essen. Später fahren nach einer kleinen Mittagspause zur Wahweap Marina unten am Lake Powell. Dort checken wir kurz die Anreise für den morgigen 250$ teuren Ausflug. Am Schalter an dem es die Tickets gibt zeige ich kurz auf meinem Handy die Buchungsbestätigtung und die nette Dame schaut kurz nach und kann mir versichern, dass alles ok ist und wir morgen um 7h15 wieder dort sein müssen. Zu beachten ist die Zeitumstellung! Wir kommen aus Utah und Utah ist eine Stunde weiter, obwohl einfach weiter im Norden gelegen. Aber dieses Problem hatte ich ja bisher jedes Mal! Brav stelle ich also meine Uhr um eine Stunde zurück und nun zeigt sie wieder die gleiche Zeit wie die Uhr im Auto. So sollten wir für den morgigen Ausflug gerüstet sein.

Kurz bevor die Sonne untergeht mache ich mich später noch einmal auf zum Horse Shoe Bend. Hier hat für mich im Jahr 2009 eigentlich alles begonnen. Diese Location ist sozusagen die Wiege meiner Leidenschaft für dieses Land. Und heute habe ich auch das perfekte Weitwinkel dabei :-)

Beim Horse Shoe Bend angekommen ist dort fast ein Volksfest. Alle machen die gleiche Fotos und mir stockt teilweise der Atem wenn ich sehe wie achtlos manch ein Tourist auf den Felsen an der extrem tiefen Schlucht herum klettert. Aber heute stürzt niemand ab, morgen hoffentlich auch nicht. Ich fotografiere bis es dunkel ist und quäle mich im letzten Licht über den sandigen Pfad den Berg hinauf. Dabei muss ich an meinem Freund Sascha denken, der hier vor (ich denke) zwei Jahren bei größter Mittagshitze mit seinem Sohn auf den Schultern, samt Frau und Schwiegereltern im Schlepptau hinauf gestiegen ist. Ich bin froh, dass es lässige 23°C sind und ich nur meine Kamera samt Objektiv, Stativ und einen fast leeren Fotorucksack zu tragen habe. Bei 40° in voller Mittagssonne möchte ich mich hier nicht hinauf quälen.

Horse Shoe Bend - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Beim Auto angekommen fällt mir einmal mehr auf, dass die Straße in Richtung Süden etwas 25 Kilometer weiter nach einem Erdrutsch immer noch gesperrt ist. Wenn wir übermorgen weiter zum Grand Canyon wollen, müssen wir eine andere Route nehmen. Zum Glück gibt es eine Umfahrung, ich glaube mich erinnern zu können, dass es eine Schotterpiste ist, aber wenn sie offiziell als “Retour” ausgewiesen ist, dann wird sie schon ganz gut zu befahren sein.

Später im Hotel bin ich froh, dass ich endlich wieder “zuhause” bin. Während die Klimaanlage des Nachbarn vor sich hin rattert und Sandra mit Ohrenstöpseln im Bett liegt, sitze ich im Halbdunkel vor meinem Notebook und schreibe noch schnell diesen Artikel des Tages. Mein Handy-Wecker ist auf 5h45 gestellt. Das sollte passen und jetzt ab ins Bett.

Gute Nacht!


USA-2014 – Tag 23,5 – Devils Garden bei Nacht

Last Night @ Devils Garden #3 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

In Deutschland sagt man “Ein Gewitter reinigt die Luft” und das ist genau das was gestern hier in Escalante geschehen ist. Aber fangen wir von vorn an…

Während wir im wunderschön renovierten Zimmer #3 des Circle-D Motels in Escalante darauf warten, dass die Ursache für den Stromausfall behoben wird ziehen draußen schwere dunkle Regenwolken durch. Wirklich viel Regen fällt indes nicht, aber es ist ungemütlich. Also sitze ich auf dem Bett und schreibe an meinem Artikel des Tages bis der Akkus meines Notebooks langsam aber sicher zu Ende geht. Irgendwann ist der Strom wieder da und ich kann sogar einige Bilder des Tages bei flickr hochladen und in meinen neuen Artikel einbinden. Der Fernseher funktioniert auch wieder und auf SyFy läuft nun ein Abklatsch von Steven Spielbergs “Der weiße Hai” – aber diesmal sind es Piranhas aus grauer Vorzeit die durch einen Riss in der Erdkruste in die Gegenwart huschen und fortan alle möglichen amerikanischen Gewässer blutrot einfärben.

Nach einer Weile muss Sandra umschalten, sie ist die Herrscherin über die Fernbedienung und sie erträgt das spritzende Blut nicht mehr. Kurz drauf bin ich dann auch ein wenig eingenickt. Als ich wieder wach werde ist es draußen schon dunkel und die Uhr zeigt 21h (9 pm). Ich überlege kurz, werfe einen prüfenden Blick nach draußen und bin mir nicht sicher ob es sich lohnen wird. Aber das ist ein Fotoreise und eine Fotoreise auf der man nur tagsüber das eine oder andere Erinnerungsfoto schießt, ist mehr als komplett daneben. Bereits bei unserer Anreise nach Escalante im Capitol Reef Nationalpark haben wir keine Minute gestoppt und sind immer nur weiter und weiter gefahren. Erst weit oben als wir auf dem genialen Highway 12 auf 9600 Fuß (ca. 3.000 Meter) angekommen waren, haben wir uns eine kurze Pause gegönnt während derer ich einige wenige Infrarot-Fotos aufnehmen konnte.

Jetzt noch einmal in die dunkle Nacht zu starten ist also eigentlich PFLICHT!

Schnell ist meine Nikon D800E mit einigen Objektiven und Zubehör eingepackt. Später werde ich doch wieder nur mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert haben, aber das ist eine andere Geschichte…

Anfahrt

Mit meinem großen Geländewagen geht es in Richtung Osten aus der Stadt heraus. Wie schnell ich fahren darf ist mir nicht so recht bewusst, sind es 25, 30 oder gar 35 Meilen? Es geht leicht bergab und mein Auto wird unmerklich schneller. Kurz vor dem Ortsausgang sehe ich auf der rechten Straßenseite einen unbeleuchteten dunklen Truck der wie ein Ford F150 aussieht. Der Tacho zeigt 50 mph und ich trete instinktiv auf die Bremse. Sekundenbruchteile später sehe ich dann aus dem Augenwinkel, dass es der örtliche Sheriff ist der hier auf Temposünder wartet. Das ist ja noch einmal gut gegangen – uff…

Wenig später erreiche ich den Abzweig zur staubigen und mehr als holprigen “Hole in the Rock Road”, die hier kurz HITRR genannt wird. Gleich beim Abzweig stehen fünf große Geländewagen und gleich daneben steht eine Horde junger Kinder in kurzen Hosen mit Sandalen und T-Shirts. Ich halte kurz an und frage ob alles ok ist. Es sind Mormonen auf dem Weg zum Hole In The Rock, sie wollen sich anschauen wo ihrer Vorfahren von vielen Jahrzehnten mit Schweiß und Dynamit den Glenn Canyon durchquert haben. Sie haben Zelte und alles an Equipment dabei was man für eine Nacht hier draußen braucht. Weil vor ihnen mehrere Stunden auf der dunklen holprigen Off-Road liegen, legen sie eine kurze Pinkelpause für die Kleinen ein. Es gibt Dinge im Leben, die sind wirklich wichtig!!

Kurz drauf ist dann ein Treck von nun sechs geländegängigen Autos auf der HITRR unterwegs und ich bin der Anführer – Yep!

Mit 50 mph jagen wir über die Piste und ich hoffe insgeheim, dass alle vier Reifen durchhalten werden. Aber wie sagt mein Freund Wolfgang hier immer “Gib Stoff, die Autos sind für das hier gemacht!”… Allerdings hatte er hier bei seiner letzten Reise gleich ZWEI defekte Reifen zu beklagen!

Am Nachmittag haben wir das Areal ja schon besucht und ich hatte mein GPS eingeschaltet. So kann ich in der Finsternis nun sehr schön sehen wo der Abzweig zum Devils Garden ist. Ansonsten wäre es in der Dunkelheit nicht so einfach, man müsste deutlich langsamer fahren und über mehrere Kilometer drauf achten, ob ich das alte hölzerne Hinweisschild am Straßenrand sehe.

Wo wir gerade beim Thema sind, die “Achtsamkeit” ist hier besonders in der Nacht extrem wichtig! Die HITRR ist ein Open Range Gebiet und auch in dieser Nacht stehen wieder mehrere schwarze Kühe mitten auf der Straße und schauen mich ziemlich dümmlich an. Vielleicht liegt es daran, dass es aussieht als würden sie ein Kaugummi kauen. Aber vielleicht sind sie tatsächlich einfach dumm :-) Und schwarze Kühe sind nicht alles, zwar gibt es hier keine schwarzen Schafe, aber reichlich Hasen, Mäuse und anderes Getier. Deren kleine Leichen möchte ich nicht am Auto kleben haben und so ist das GPS eine tolle Hilfe. Ich kann mich auf das Getier konzentrieren und muss nicht nach alten hölzernen Straßenschildern am Wegesrand Ausschau halten.

Beim Devils Garden angekommen steht dort ein verlassener weißer SUV. Die Insassen sind weit und breit nicht zu sehen, ich bin hier augenscheinlich ganz allein. Was allerdings an Getier in der Dunkelheit um mich herum schleicht weiß ich nicht wirklich. Schnell ist meine D800E startklar, ich habe inzwischen echt viel Routine mit dieser Kamera und kann sie in der Dunkelheit zur Not auch blind bedienen. Bewaffnet mit drei Taschenlampen, dem großen SIRUI M-3204 Carbon-Stativ, der Kamera und meinem Fotorucksack geht es los zum niedlichen Metate-Arch. Es sind nur ein paar hundert Meter zu laufen und ich kenne das Areal von meinen zahlreichen Besuchen inzwischen sehr gut.

Am Arch angekommen fotografiere ich ihn etwa zwei Stunden aus verschiedensten Blickwinkeln und positioniere meine Taschenlampen immer wieder neu.

Fototipp

Moderne LED-Taschenlampe geben ein sehr kaltes bläuliches Licht ab. Es ist zwar extrem hell aber eher ungeeignet um eine nächtliche Szenerie adäquat auszuleuchten. Aber es gibt einen Trick! Es ist wie bei einem Filter, hält man eine solche Taschenlampe für ein rotes Glas, so können die roten Anteile des Lichts passieren. Verwendet man gelbes Glas, so ist das Licht eher gelblich, bei anderen Farben funktioniert es analog dazu. Den gleichen Effekt kann man durch die Reflexion an einer Oberfläche erzielen!

Last Night @ Devils Garden #1 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Rund um die “Steinmännchen” im Devils Garden gibt es Felsen in warmen roten und gelben Farbtönen. Leuchtet man diese Felsen mit meiner LED Lenser P7 an, so hat das reflektierte Licht im wesentlichen die gleiche Farbe wie die umliegenden vom indirekten Licht sanft erleuchteten Felsen.

Dieser Trick hat schon vor einigen Tagen in der False Kiva sehr gut funktioniert und heute beim Metate-Arch klappt es auch wieder ganz vorzüglich. Ein weiterer Trick ist es, ein einfaches Stofftaschentuch ggfs. mehrfach zu falten und es vor dem Reflektor der Lampe anzubringen. In meinem Gepäck habe ich einige fies grüne Gummis, die es neulich billig im Supermarkt in der Tchibo Ecke gab. Eigentlich sind sie dafür da um Rouladen beim Kochen zusammenzuhalten. Aber man kann sie für allerlei andere Dinge gewinnbringend einsetzen. Ich verwende sie heute um etwas Stoff von meinen Taschenlampen zu befestigen :-)

Während ich still und leise vor mich hin fotografiere wird es mir bald langweilig und ich aktiviere mein HTC ONE Smartphone. Es hat überraschend gute Lautsprecher und so kann ich mir in der Dunkelheit, während ich die Rauschunterdrückung meiner Kamera abwarte, die Zeit mit Musik vertreiben. Ich starte mit MUSE, dann etwas Chris Rea, Elektro-Pop, ZZ-Top, Saga, die Liste ist lang… Da ich auch nicht weiß welches Getier sich in der Dunkelheit herumtreibt ist es vielleicht nicht verkehrt hier etwas Radau zu machen.

Mehrmals höre ich hinter mir etwas knacken und leuchte mit meiner LED-Taschenlampe in diese Richtung. Zweimal sehe ich am Ende des einstellbaren Lichtkegels die Reflexionen zweier Augen in der Nacht. Was für ein Tier das ist weiß ich nicht und vielleicht ist es auch besser so…

Die Milchstraße

Als ich nach etwa zwei Stunden meine Session beenden will, sehe ich im Display meiner Kamera auf einem Foto einen etwas dichteren “Sternenhaufen”. Die Nacht ist nach dem Gewitter überraschend klar, aber dennoch blitzt es immer wieder weit entfernt irgendwo über dem Lake Powell. Ob hier ein Blitz die Szenerie erhellt hat? Ich bin mir unschlüssig und versuche die Ursache genauer zu ergründen. Als ich etwa 50 Meter vom Metate-Arch zurückgelaufen bin, sehe ich dann majestätisch und gewaltig über mir die Milchstraße am Himmel. Alles ist klar und deutlich artikuliert, es ist der Wahnsinn. Escalante und der Devils Garden sind mit ca. 1.800 Metern sehr hoch gelegen und hier gibt es keine großen Städte im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Außerdem ist der Mond nicht zu sehen und so habe ich völlig unverhofft doch noch einmal die Möglichkeit Fotos der Milchstraße aufzunehmen. Ich hätte sie schon sehr viel eher sehen können wäre ich nicht so sehr auf den Metate-Arch fixiert gewesen.

Last Night @ Devils Garden #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Wie elektrisiert schnappe ich mir meine D800E und suche mir immer wieder neue Positionen für meine Kamera. Einfach nur die Milchstraße zu knipsen ist mir nicht genug ich möchte eine Komposition die auch etwas hergibt. So mache ich immer wieder Testaufnahmen mit höchster ISO-Empfindlichkeit, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. Es ist der schnellste und einfachste Weg um in der Dunkelheit seine Kamera gut auszurichten und nicht einfach irgendein Foto zu schießen sondern ein Foto das einen Aufbau hat und zumindest einfachen Regeln folgt.

Immer wenn ich eine Position gefunden habe die mir gefällt, stelle ich wieder ISO-1600 und Blende 4 ein und belichte mit Hilfe meines Nikon MC-20 Kabelauslösers zwischen 2 und 4 Minuten. Wegen des exorbitanten Blickwinkels meines 14mm Weitwinkel-Zooms werden trotz der recht langen Belichtungszeit die Sterne der Milchstraße mit vertretbarer Bewegungsunschärfe abgebildet.

Last Night @ Devils Garden #4 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Während ich von einer Perspektive zur anderen wechsle und meine Taschenlampen immer wieder neu positioniere, denke ich an meine Sandra und hoffe nur, dass sie sich keine Sorgen macht. Eigentlich wollte ich nur schnell ein paar Fotos schießen und nach zwei Stunden wieder zurück sein. Nun fotografiere ich hier schon fast seit 5 Stunden und bin seit fast 6 Stunden unterwegs… Aber sie ist ja schon groß und sie weiß auch, dass ich nicht unvorsichtig bin. Aber das schlechte Gewissen bleibt trotzdem! So eine Fotoreise ist irgendwie doch einfacher wenn man sie komplett allein oder eben mit zu 110% gleich gesinnten Foto-Freunden unternimmt.

Last Night @ Devils Garden #5 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Irgendwann um ca. 3h am Morgen versagt dann der zuvor frisch geladene Akku meiner D800E. Er hat diese große Kamera nun fast sechs Stunden lang ununterbrochen mit Energie versorgt und ich bin für dieses “Signal” eigentlich ganz dankbar. Zwar habe ich noch mehrere Akkus in Reserve, aber bald geht schon die Sonne auf, ich bin hundemüde, ich habe Hunger und Durst, es ist Zeit diese geniale nächtliche Fotosession zu beenden. Zurück im Auto freue ich mich über eine kalte Cola und einige Kräcker.

Last Night @ Devils Garden #6 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Alles hat ein Ende

Auf dem Rückweg über die HITRR fahre ich kaum schneller als 25 mph, ich bin müde und es stehen überall Kühe auf der Straße. Nun noch einen Unfall zu haben, das will ich mir ersparen. Als ich kurz vor der Morgendämmerung am Circle-D Motel eintreffe ist meine Sandra noch wach und mein schlechtes Gewissen stärker denn je. Sie hat sich wieder die weiblichen Sorgen gemacht von denen ich nie genau weiß, ist es Sorge dass mir etwas zugestoßen sein könnte, oder ist es die Sorge allein weiterreisen zu müssen… Hoffentlich ist es doch die Sorge um mich :-)

Sandra erzählt mir dann, dass sie nicht geschlafen hat, weil im Nebenzimmer solch ein Lärm war. Sie hat mehrfach so feste sie konnte gegen die hölzerne Wand geschlagen, irgendwann scheint es gewirkt zu haben. Ich höre jedenfalls nichts mehr und bin auch sehr schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen bin ich sehr glücklich mit den Fotos der nächtlichen Session. Die Milchstraße sieht wirklich gut aus und es sind einige Fotos gelungen die man so nur hier in Escalante machen kann. So war die Entscheidung in der Nacht noch einmal aufzubrechen goldrichtig und dass es am Vortag ein Gewitter gab sogar mehr als vorteilhaft!

Last Night @ Devils Garden #7 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich gegen 9h ausgeschlafen habe geht es nach nebenan in die Circle-D Eatery zu einem gesunden Frühstück. Es gibt hausgemachtes Müsli mit Yoghurt, zwei Rühreier, frisches Obst, ein Glas Orangen-Saft und eine Tasse Kaffee. So kann der Tag beginnen. Weil ich trotz allem etwas angeschlagen bin, beschließen wir den Tag mit einem kleinen Ausflug zu gestalten. Es geht über den wunderschönen Highway 12 nach Boulder und dann weiter auf dem einmalig schönen Burr Trail. Auf dem Dach meines Autos habe ich meine GoPro HD HERO 3+ mit einem frisch aufgeladenen Akku.

Dieser hält sogar die gesamte Strecke von Escalante bist zum “großen Aussichtspunkt” des Burr Trails durch. Wir halten nur kurz, ich starte die GoPro erneut und wir machen uns auf zum Boulder Mesa Restaurant. Dort gibt es einen sehr leckeren richtig hausgemachten Burger. Ziemlich voll gefuttert und behäbig machen wir uns eine Stunde später wieder auf den Weg nach Escalante. Als wir dort eintreffen gönnen wir uns noch schnell eine Tasse Kaffee im Escalante Outfitters. Ok, nur ich trinke Kaffee, meine Sandra hat heute mal einen grünen Tee geordert.

Zurück im Motel bin ich sehr froh mit den Video-Sequenzen die meine GoPro aufgezeichnet hat. Inzwischen habe ich mich mit dieser Kamera etwas versöhnt. Anfangs habe ich viel im Video-Modus “Narrow” und “Medium” gefilmt. Dabei kam leider nur unbrauchbarer unscharfer “Matsch” heraus. Aber im Modus “Wide” funktioniert die neue GoPro sehr gut. Wenn man ganz ehrlich ist, liefert die etwas ältere GoPro HD HERO 1080 bei gutem Licht Videomaterial in gleicher Qualität. Das teure “Upgrade” wäre also nicht wirklich notwendig gewesen!

Während im Fernsehen bei “insp” ein Western nach dem andere gezeigt wird, schreibe ich diesen Artikel und stelle mich seelisch darauf ein Escalante morgen schon wieder zu verlassen. Dann soll es weiter nach Page in Arizona gehen. Dort wollen wir versuchen eine Fahrt mit dem Schiff zur Rainbow-Bridge zu buchen. Abends könnte ich mich mit meiner neuen Nikon D800E und dem genialen AF-S 2,8/14-24mm mal wieder am Horse-Shoe-Bend einfinden und dort zum Sonnenuntergang einige Fotos aufnehmen.

Was wir letztlich wirklich machen ist aber noch nicht ganz klar und das ist auch gut so. Schauen wir halt mal…


USA-2014 – Tag 23 – Devils Garden

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

In den letzten Tagen hatte es der Wetterbericht schon angekündigt und nun ist es tatsächlich soweit, wir sind in Escalante und haben schlechtes Wetter. Am Morgen beim Frühstück sieht der Himmel noch ganz ordentlich aus, aber als wir mit dem Frühstück fertig sind beginnt es schon zu regnen. Ich schraube schnell meine GoPro samt Unterwassergehäuse auf meinen „Kitchentimer“ und positioniere das Konstrukt auf dem Dach unseres Mietwagens. So nimmt die GoPro etwa 15 Minuten lang alle 3 Sekunden ein Foto auf, das ich später mit dem Programm „Time-Lapse“ auf meinem Mac zu einer Zeitraffer-Sequenz zusammenfügen kann.

Als sich mein kleiner Küchen-Wecker um etwa 100° gedreht hat wird der Regen langsam stärker. Schnell rette dieses schier unglaubliche Panorama-System vor der Überflutung. Während es draußen regnet schauen wir uns die Fotos der letzten Tage an. Im Fernsehen läuft ein alter Western mit vielen bekannten Gesichtern. Als der Regen langsam aufhört klingelt unser Telefon, wir haben Besuch. Hey cool, unsere Freunde Angenie und Peter aus Idaho sind da! Viel Zeit haben sie leider nicht. Da alle Motels im Umkreis ausgebucht sind und sie nicht viel länger ausschließlich mit ihrem 4×4 Wohnmobil unterwegs sein wollen, sind sie gekommen um sich von uns zu verabschieden. Wir unterhalten uns noch eine Weile über die weiteren Pläne und dann machen sie sich wieder auf den Weg nach Norden und Richtung Idaho.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Weil der Himmel nun etwas heller ausschaut packen Sandra und ich nun unsere Sachen und fahren in Richtung Devils Garden. Das ist ein Areal auf der südlichen Seite der HITRR (Hole In The Rock Road) das ganz einfach zu erreichen ist. Nach etwa 45 Minuten kommen wir etwas eingestaubt und ordentlich durchgerüttelt dort an. Schnell zücken wir unsere Kameras und machen uns an die Arbeit, denn am Horizont hängen schon die nächsten schweren dunklen Wolken. Kaum haben wir einige Fotos auf den Speicherkarten untergebracht beginnt es auch schon wieder zu regnen. Eine Weile suchen wir in der Nähe des berühmten Metate-Arch Schutz und einem felsigen Überhang. Als es uns zu langweilig wird huschen wir durch den Regen schnell zurück zum Auto.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Wanderungen jeglicher Art werden uns heute keine Freude bereiten und so beschließen wir zurück nach Escalante zu fahren. Beim Outfitters halten wir an und gönnen uns einen Kaffee und etwas zu Essen. Sandra bestellt ein famoses Tunfisch-Sandwich mit einem gemischten Salat, ich entscheide mich mal einen besonderen Beeren-Kuchen zu versuchen der in einer kleinen Suppentasse gebacken wurde. Er steht in der Kühlung und bevor ich mich darüber her machen kann, wird er eine ganze Weile in einem Ofen aufgewärmt. So erhalte ich nach ein paar Minuten den ersten warmen Beerenkuchen meines Lebens aus einer kleinen Suppentasse. Er schmeckt himmlisch gut!

Während wir unser Essen genießen surfen wir wie alle anderen Gäste auch ein wenig mit unseren Smartphones im Internet, schließlich wollen wir nicht unangenehm auffallen und außerdem müssen wir uns dann auch nicht unterhalten. Als ich mit meinem Kuchen zu 56% durch bin flackert plötzlich das Licht mehrmals und dann wird es ganz still und etwas dunkler. Keine Musik, keine Klimaanlage, kein Radio, kein Pizzaofen, keine Kasse, keine Kühltheke, kein Internet, immer noch keine Gespräche…

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Die sichtlich genervte Kassiererin ruft nur aus „Oh my god, welcome to Escalante…“ Mit der letzten Hitze des Backofens kann der Koch noch zwei Pizzen zubereiten. Sandras Sandwich hatte er schon kurz vorher im Ofen gehabt. Nach ein paar Minuten kommt er schließlich aus der Küche und sieht etwas ratlos aus. Zwei hungrige Wanderer haben sich eine Pizza bestellt, aber ohne Strom kann sie nicht gebacken werden. Doch das junge Paar am Nachbartisch erkennt den Ernst der Lage und so teilen sie sich die letzte Pizza die der Ofen noch hergegeben hat. So ist das hier im Südwesten der USA, hier wird nicht lange herumgemacht, hier hält man zusammen und hilft sich gegenseitig!

Die Kellnerin macht sich mit Papier und Kugelschreiber daran zu notieren wer was auf dem Teller hat und was letztlich zu bezahlen sein wird. Als wir später unseren Zettel erhalten gehen wir damit zur Kasse die auch nicht mehr funktioniert. Dort sitzt ein junge Frau die sehr gelassen mit der Taschenrechner-App auf ihrem Smartphone ausrechnet was wir zu bezahlen haben.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Als wir im Motel eintreffen ist dort auch alles dunkel. Es gibt keine Heizung, kein Fernsehen, kein heißes Wasser in der Dusche, uns bleibt nur der Strom der Akkus unserer Notebooks. Als diese schließlich auch erschöpft sind versuchen wir mal wieder miteinander zu sprechen und siehe da, es klappt noch! Wir haben es nicht verlernt, trotz der Segnungen durch Facebook, Twitter, Google+, WordPress, flickr, 500px und was es nicht alles sonst noch auf der Welt gibt. Oder vielleicht sollte ich sagen: „…außerhalb von Escalante gibt“ :-)

Irgendwann am Abend ist schließlich der Strom wieder da. Bei SyFy läuft auch sofort irgend ein Unsinn mit Piranhas aus grauer Vorzeit und statt zu Reden kann ich wieder still und leise diesen Artikel veröffentlichen, das Leben kann so schön sein :-)

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm


USA-2014 – Tag 22 – Auf nach Escalante

Larb Hollow #3 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm
Es ist unser letzter Tag in Moab. Als ich wach werde ist es kurz vor 8h am Morgen, draußen scheint die Sonne und es ist nicht mehr ganz so heiß wie in den vergangenen Tagen. Unter der heißen Dusche überlege ich welche Route wir heute nach Escalante nehmen. Ich bin in den letzten Wochen fast fast 7.000 Kilometer gefahren und daher wäre ich sehr froh wenn Sandra heute ein weiteres Mal fahren würde. Eigentlich wäre es eine schöne Sache bis zum Capitol Reef National Park zu fahren, dann auf die nicht asphaltierte Scenic Road abzubiegen und von dort aus über den wunderschönen Burr Trail und das Örtchen Boulder nach Escalante zu fahren.

Aber wenn Sandra fährt, ist das recht lange Stück mit ziemlich holprigen und staubigen Off-Road Abschnitten sicher nicht ihr Ding. Für sie wäre es bestimmt einfacher den Capitol Reef National Park komplett auf der asphaltierten Straße zu durchqueren um dann auf den wunderschönen Highway 12 in Richtung Süden abzubiegen. Während ich die Zähne putze reift in mir die Einsicht, dass diese Route sicher besser und einfacher für sie zu fahren ist.

Bevor wir auschecken fahren wir noch schnell ein letztes Mal zu Denny’s um dort zu frühstücken. Danach geht alles ganz schnell, wir sind ja schon geübt. Innerhalb von 30 Minuten ist das Zimmer geräumt und alles recht ordentlich im Auto verstaut – ok – leider nur fast alles…

Wir verabschieden uns bei der Eigentümerin Kris Schwalen und tauschen noch schnell unsere Visitenkarten aus. So können wir auch später von Deutschland aus in Kontakt bleiben. Auch in diesem Jahr hat es uns im Adventure Inn wieder sehr gut gefallen, dieses Motel ist eine echte Empfehlung im unglaublich quirligen und aktiven Moab.

Unsere Reise führt uns zunächst nach Norden, denn gleich westlich neben uns ist der gewaltige Canyonlands National Park gelegen, den wir heute komplett umfahren müssen. Nach etwa 30 Kilometern biegen wir in westlicher Richtung auf die Interstate ab und folgen ihr bis Hanksville. Nun fahren wir wieder in Richtung Süd-Westen und nähern uns langsam aber sicher dem beeindruckenden Capitol Reef National Park. Die Landschaft verändert sich immer wieder und als wir den Trailhead zur Hickman Bridge passieren fühlen wir uns schon fast wieder wie zuhause.

Später geht es auf dem unglaublich schönen Highway 12 hinauf in die Berge bis wir schließlich einen 9600 Fuß hohen Pass erreichen. Die Aussicht auf das Capitol Reef ist hier wirklich beeindruckend und so steuern wir den Larb Hollow Overlook ab. Hier habe ich bereits im Jahr 2009 auf dem Rückweg vom Krankenhaus in Bicknell eine Pause eingelegt. Damals konnte ich zwar nur auf einem Auge sehen, aber es war dennoch mehr als beeindruckend. Im Gegensatz zu damals liegt hier heute kein Schnee mehr, alles blüht und durch das Objektiv meiner kleinen Infrarot-Kamera sieht die Umgebung einfach gewaltig aus.

Larb Hollow #2 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Etwa 30 Minuten später treffen wir im winzig kleinen Örtchen Boulder ein. Hier wollen wir bei der Boulder Guest Ranch fragen ob wir einen Ausritt für meine Sandra buchen können. Grundsätzlich ist es kein schlechter Deal wenn ich meiner Sandra den Spaß auf einem Pferderücken ermögliche und ich im Gegenzug nachts fotografieren gehen kann bis der Arzt kommt. Eine Hand wäscht die Andere, das funktioniert auch in den USA :-)

Die Ranch finden wir erst nach einigem hin und her, denn wir haben die eigentlich sehr gute Anfahrtsbeschreibung auf ihrer Homepage nicht vollständig gelesen. Daher dauert es eine Weile bis wir begreifen, dass wir weit südlich von Boulder in Richtung Devils Backbone nach rechts abbiegen müssen um dann nach etwa 5 Kilometern Off-Road Strecke die Boulder Guest Ranch zu finden. Als wir dort eintreffen werden wir sehr freundlich begrüßt und alles macht hier einen tollen Eindruck. Allerdings ist diese Ranch derzeit komplett ausgebucht. Es sind deutsche Urlauber die derzeit Utah überfluten und so sind auch die Wrangler (so heißen hier die Tour-Guides für Horseback Rides) komplett ausgebucht. Eine Gruppe deutscher Urlauber hat gar einen Horseback-Ride mit einem Umfang von satten 5 Tage gebucht! Hier geht also nichts, ziemlich enttäuscht fahren wir daher weiter nach Escalante.

Welcome to Boulder - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Während meine Sandra unseren riesigen Geländewagen mit nur einer Hand über den Highway 12 lenkt bekomme ich auf dem Beifahrersitz still und heimlich eine kleine Krise. Fast nichts ist hier befestigt und es geht gleich rechts von mir immer wieder mehrere hundert Meter steil in die Tiefe. Ich bekomme feuchte Hände und mag auch nicht an meiner GoPro herum fummeln. Während meine Sandra einen fast 30 minütigen Monolog über Pferde, ihre Pflege, das Zureiten, die besten Sättel und vieles mehr hält, schweige ich still vor mich hin und erfahre am eigenen Leib wie sie sich manchmal fühlt wenn unsere Rollen nicht getauscht sind.

Irgendwann fragt sie mich warum ich so ruhig bin? Danach müssen wir beide lachen, jetzt fällt es auch leichter denn nun würden wir uns nur überschlagen falls wir von der Straße abkommen…

Larb Hollow #1 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

In Escalante steuern wir gleich das Circle-D Motel an. Inzwischen sind wir hier alte Bekannte und ich muss grinsen als ich erfahre, dass auch hier alles mit Urlaubern aus Deutschland besetzt ist. Einige Tage zuvor habe ich versucht via Internet hier ein Zimmer für mehrere Tage zu buchen, denn rund um Escalante gibt es mindestens soviel zu sehen wie rund um Moab. Aber Escalante liegt deutlich höher und hier ist es deshalb derzeit etwas kühler. Doch es war nur noch ein einziges Zimmer für eine Nacht zu bekommen. Während wir das Eincheck-Prozedere mit Anmeldung und Kreditkarte abwickeln läutet an der Rezeption das Telefon. Es ist eine Dame am anderen Ende die bereits im März sechs Zimmer reserviert hat und nun zwei Zimmer absagen muss.
Hey das ist unser Glück! Eine Weile werden nun die Zimmer hin und her geschoben bis wir durchgehend vom heutigen Donnerstag bis zum Sonntag im frisch renovierten großen Zimmer 3 bleiben können.

Als ich mit dem CheckIn fertig bin geht schon wieder das Telefon. Ein weiterer deutscher Gast fragt ob noch ein Zimmer frei ist, heute habe ich hier wieder einmal richtig großes Glück gehabt. Als wir das Zimmer beziehen ist Sandra sehr glücklich, denn es ist groß und geräumig und hat zudem ein sehr schön renoviertes Badezimmer. Hier kann man es sehr gut aushalten, es gibt auch eine Kaffeemaschine, Mikrowelle und einen großen Kühlschrank. Aber das beste an diesem Zimmer sind die beiden großen getrennten Betten. So kann ich nachts rotieren wie ich will und meine Sandra wird davon nicht alle 15 Minuten wach.

Ausgeglichene Schlafphasen sind der Schlüssel zur weiblichen Ausgeglichenheit und die ist auf Reisen oft mehr wert als alles Gold dieser Welt!!

Larb Hollow #4 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Später bin ich nochmals an der Rezeption und versuche herauszufinden ob es nicht noch andere Anbieter für den ein oder anderen Horseback Ride gibt. Nach einigen Telefonaten werden wir an die „Outfitters“ etwas weiter die Straße hinunter verwiesen. Dort angekommen ist unsere große Hoffnung Capt. Nathan Waggoner leider nicht erreichbar. Eigentlich bietet er geführte Fly Fishing Trips an. Aber er hat auch Pferde und vielleicht wäre das etwas zu machen. Unsere Smartphones, die man hier Cellular-Phone oder auch Cell-Phone nennt, haben leider keine Empfang. Herrn Waggoner scheint es derzeit ganz ähnlich zu gehen. So vertreiben wir uns die Wartezeit bei einer leckeren Pizza ein paar Meter weiter im gleichen Gebäude.

Als wir mit unserem Abendessen durch sind ist Herr Waggoner erreichbar, aber er hat schon am Telefon abgewunken und uns die Boulder Guest Ranch empfohlen. Aber dort waren wir ja schon…

Etwas geknickt kaufen wir im Supermarkt nebenan das Nötigste für die nächsten Tage. Bei unserer etwas überstürzten Abreise haben wir im Adventure Inn das Shampoo in der Dusche vergessen. Also kaufen wir eine neue Flasche, dazu einige Getränke und etwas zu essen. Zurück am Motel beschließen wir gleich nebenan in der vor etwa vier Jahren eröffneten Circle-D Eatery ein Gläschen Rotwein zu trinken. Es ist recht voll und wir nehmen erst einmal an der Bar Platz. Dort erfahren wir, dass es in Utah Gesetz ist und man nicht allein ein Glas Rotwein bestellen kann, sondern stets irgend etwas zu Essen dazu bestellen MUSS. Es kann ein Muffin oder eine andere Kleinigkeit sein, aber ganz ohne geht es nicht! Also bestelle ich mir ein Stück Schokoladenkuchen. Sandra ordert sich ein paar Nachos mit Sauce.

Der Kuchen ist lecker aber besteht fast ausschließlich aus Butter, Kakao und Zucker. Wer in seinem ganzen Leben noch kein Sodbrennen hatte, der macht spätestens nach diesem Stück Kuchen seine ersten Erfahrungen damit… Sandras Nachos sind herrlich bunt und die Sauce ist lecker aber scharf wie die Hölle. Sie trinkt ein Glas Wasser nach dem anderen, man soll ja auch viel trinken… Zum Abschluss gibt es für mich noch einen Kaffee, den Kuchen habe ich einfach nicht annähernd aufessen können. Auch Sandra muss bei den Nachos passen, ihre Calzone wirkt mindestens noch genauso nach wie meine Pizza aus dem Outfitters. Unsere beiden Gläser Wein kosten so inkl. Trinkgeld knapp 32$. Es ist kein billiger Spaß wenn man in Utah ein Glas Wein trinken möchte…

Später im Hotel stellt Sandra fest, dass sie ihr kleines wichtiges Schmusekissen im Adventure Inn in Moab zwischen all dem Bettzeug vergessen hat. Als ihre E-Mail gleich nach ein paar Minuten beantwortet wird ist sie sehr froh. Es gibt Dinge die sind nicht viel wert und doch gleichzeitig unersetzbar. So auch dieses Schmusekissen! Mrs. Schwallen vom Adventure Inn wird es ihr mit der Post nach Deutschland schicken. Ziemlich erleichtert machen wir gegen 23h das Licht aus und freuen uns, dass auch dieser Tag im wundervollen Südwesten der USA so reibungslos und voller unbeschreiblicher Eindrücke verlaufen ist.


USA-2014 – Tag 21,5 – Shafer Trail

Als ich im Jahr 2009 das erste Mal am Horse Shoe Bend in der Nähe von Moab war, kamen mir einige große blaue Flächen irgendwo tief unten im Canyonlands National Park ziemlich mysteriös vor. Es hat eine Weile gedauert bis mir klar wurde, dass dies eine “Mine” ist und dass dort Kaliumcarbonat bzw. Pottasche oder wie man es hier nennt Potash gewonnen wird. Pottasche ist vielseitig einsetzbar, von der Herstellung von Seife bis hin zur analogen Fotografie wird es weltweit eingesetzt. Die Gewinnungsanlage nahe Moab existiert noch nicht wirklich lange und es wurde speziell für den Abtransport des Kaliumcarbonats die vorhandene Eisenbahnlinie verlängert. Außerdem wurde die Straße am Colorado River die zur Gewinnungsanlage führt besonders gut ausgebaut, so dass sie von schweren Trucks problemlos befahren werden kann.

Diese blauen Seen geistern mir nun also schon lange Zeit im Kopf herum und heute ist der Tag an dem ich sie mir genauer anschauen möchte. Als die größte Hitze des Tages vorbei ist mache ich mich auf den Weg, es ist fast 18h (6 pm) und die Sonne steht schon tief. Nach einigen Kilometern erreiche ich das Ende der Bahnlinie und die dort neu gebaute Abfüllungsanlage. All das lasse ich einfach rechts liegen und fahre weiter auf der Straße die sich noch ein wenig idyllisch am Colorado River entlang windet. Dann geht diese Straße schlagartig in eine recht raue Schotterpiste (Gravel Road) über. Ein paar Kilometer später bin ich tatsächlich bei der Gewinnungsanlage.

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Der Zugang zur Anlage ist eigentlich verboten, aber das Tor ist nur angelehnt. Also parke ich direkt daneben und schnappe mir meine Nikon D800E mit dem AF-S 2,8/14-24mm das ich in den letzten Wochen fast ausschließlich benutzt habe.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner kleinen Fotosession geht es weiter, ich habe ein Hinweisschild zum legendären Shafer Trail gesehen und dem will ich ein paar Kilometer weit folgen. Die Straße ist recht gut befahrbar und es sind schon Leute mit Autos ohne Allradantrieb hier entlang gefahren. Diese Straße sollte für einen reinrassigen Geländewagen wie meinen GMC YUKON kein Problem darstellen. Zwar hat er keine Differentialsperre, aber bei meinen ersten Off-Road Tests hat er sich bereits bestens bewährt.

Etwas oberhalb der Gewinnungsanlage hat man dann auch einen grandiosen Blick auf die im letzten Abendlicht rot aufleuchtenden Tafelberge und die dahinter im Dunst gelegenen La Sal Mountains.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Einige Minuten später erreiche ich dann einen Aussichtspunkt der es wirklich in sich hat. Direkt neben mir unten in der Schlucht lockere 200 Meter tiefer fließt der Colorado River in Richtung Las Vegas. Ich laufe ein wenig an der nicht gesicherten Kante entlang und bin einfach nur sprachlos was die Natur in vielen tausenden von Jahren hier geschaffen hat. An meinem Auto habe ich vergessen das Licht abzuschalten. Irgendwann bin ich soweit weg, dass es mit auf das Bild passt und diese Perspektive gefällt mir wirklich gut weil das winzige Auto neben dem majestätischen Fluss einen tollen Maßstab bildet.

Colorado Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Es geht weiter und auf meinem GPS kann ich sehen, dass der Shafer Trail gar nicht mehr so extrem lang ist. Also beschließe ich ihn bis zum Ende zu fahren, allerdings in der umgekehrten Richtung die von “normalen” Touristen eingeschlagen wird.

Shafer-Trail-Moab-Utah

Es gibt einen Abschnitt der wirklich heftig ist und bei dem es steil mit einigen Spitzkehren bergauf geht. Die Straße ist dort nicht gesichert und nur eine staubige Holperpiste. An den meisten Abschnitten passt auch nur ein Auto auf diese “Straße”, bei Gegenverkehr muss man schauen wie man an den Ausweichstellen klarkommt die jeweils einige hundert Meter von einander entfernt verfügbar sind. Hier gilt es auf engstem Raum etwa 200 Höhenmeter zu überwinden und das auf einem besseren Feldweg. Das ist nicht jedermanns Sache und meine Sandra dürfte heute nicht neben mir sitzen. Ich bin sehr froh, dass sie wegen ihrer Kopfschmerzen im Hotel geblieben ist. Andernfalls hätte sie sicher an einigen Stellen hysterisch “Aaaaannnsssgaaaaaaarrr” geschrien. So kann ich laut Country-Musik hören und mein kleines Abenteuer in vollen Zügen genießen.

Daran, dass es gleich neben mir steil in die Tiefe geht darf ich allerdings auch nicht denken. Auf diesem Bild aus dem Jahr 2009 sieht man sehr schön wie der Shafer Trail sich aus dem Tal die Klippe hinauf windet. Ganz rechts kann man Teile der “Straße” erkennen. Es ist schon krass wie es dort in die Tiefe geht und dass hier nicht täglich die Touristen aus aller Welt abstürzen…

Shafer Trail - Nikon D2x

Nach etwa vier Stunden treffe ich wieder in Moab ein. Mit einige kurzen Fotostopps kann man den Shafer Trail also an einem Nachmittag bequem bewältigen. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass solche Abenteuer mit einem Mietwagen grundsätzlich nicht erlaubt sind. Fährt man hier den neuwertigen Wagen zu Schrott so werden sich die Mitarbeiter der zuständigen Versicherung lachend auf die Schenkel schlagen weil sie eben keinen einzigen Cent des entstandenen Schadens übernehmen müssen. Wer hier einen Wagen wie meinen gemieteten GMC YUKON komplett zerlegt, wird rund 50.000 Euro für sein Off-Road Abenteuer bezahlen müssen.

Meistens passiert nichts und die Straßen sind grundsätzlich ja auch sicher und befahrbar, nicht umsonst mieten sich alle Touristen einen 4×4 (Four by Four) mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) um eben solche Pisten zu fahren. Aber man sollte sich trotz allem immer wieder bewusst machen, dass ein schweres Gewitter besonders unbefestigte Straßen schnell unpassierbar machen kann. Im einfachsten Fall bleibt man stecken und muss vielleicht lange Zeit auf einen extrem teuren Abschleppdienst warten. Im schlimmsten Fall gerät man in eine Schlammlawine oder rutscht in eine Felsspalte. Wenn man es überlebt ist es halb so wild, dann wird es eben einfach nur so richtig teuer. Aber es verlieren in diesen Parks auch regelmäßig unaufmerksame Touristen ihr Leben.

Im Film 127 Hours von Danny Boyle wird beispielsweise die wahre Geschichte eines Mannes nachgezeichnet der hier in genau diesem Park beim Wandern in eine Felsspalte gestürzt ist und sich dabei mit einem dicken Felsbrocken den rechten Unterarm eingeklemmt hat. Er hat 127 Stunden lang auf Hilfe gewartet die nicht gekommen ist. Schließlich hat er sich mit einem stumpfen kleinen Messer den rechten Unterarm selbst amputiert und seinen “kleinen Ausflug” mit viel Glück überlebt.

Wer sich auf Abenteuer wie den Shafer Trail einlässt sollte das alles im Kopf behalten und es nicht wie ich kurz vor Anbruch der Dunkelheit wagen. Ich habe in den letzten Jahren viel Erfahrung auf einsamen Off-Roads gesammelt und kenne auch den Shafer Trail von meinem Besuch im Jahr 2009. So war das Risiko heute sehr überschaubar. Wer hier aber fremd ist und ein wenig Zeit für das Fotografieren haben möchte, der sollte besser 5-6 Stunden einplanen und dementsprechend rechtzeitig vor Sonnenuntergang losfahren.

Morgen geht es dann weiter nach Escalante. Schauen wir mal was und dort erwartet :-)


USA-2104 – Tag 21 – Snapshot day in Moab

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Als ich am Morgen wach werde ist es schon fast 9h. Sandra hat schon Hunger und wenn ich genau in mich hinein höre, geht es mir genauso. Schnell geht es unter die Dusche und dann zum Frühstück zu Denny’s. Dort begrüßen uns die Kellner schon ganz freundlich denn langsam werden wir als Stammgäste identifiziert. Nach dem Frühstück bin ich satt und faul und da tut es gut ein wenig Zeit mit meinem Mac im Garten vor dem Motel zu verbringen und den letzten Tag in einem Artikel zusammenzufassen. Während dessen ist Sandra zu Fuß auf Einkaufstour. Sie ist etwa 3h unterwegs und als sie zurück ist haben wir beide schon wieder Hunger. Man könnte sagen, dass wir aktuell zu 110% im Urlaubsmodus sind.

Inzwischen knurrt langsam wieder der Magen. Sandra hat auf ihrer Wanderung ein sehr cooles Restaurant mit dem ebenfalls coolen Namen “ZAX” entdeckt. Zu Fuß, was eigentlich ungewöhnlich ist, geht es zum ZAX. Weil ich von Moab noch gar keine Fotos habe entschließe ich mich zum “Tag der offenen Blende” oder auch “Day of the open aperture”. Mit dabei habe ich daher lediglich meine Nikon D800E und die “Königin des unscharfen Hintergrundes” das Nikkor AF-D 1,4/85mm mit einem B&W Polfilter. So bewaffnet geht es los…

Als wir bei der Tom Toll Gallery ankommen bitte ich meine Sandra mich doch auch mal zu fotografieren und zwar genau vor der Galerie des großen Meisters. Was für ein Moment :-) Man beachte auch die gepflegte Freistellung und den dezent unscharfen Hintergrund, das geht so nur mit diesem Objektiv!

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Auf dem weiteren Weg zum ZAX fallen mir überall kleine Details aus die für diesen Ort so typisch sind und das Flair von Moab ganz wesentlich ausmachen. Man beachte jeweils die dezenter Freistellung der Hauptmotive, also die Unschärfe im Vorder- und Hintergrund!! Die meisten Fotos habe ich bei Blende 1,8 bis Blende 2,8 aufgenommen. Dieses Objektiv ist wirklich außergewöhnlich!

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Dies ist eine sehr typische Straßenszene in Moab. Hier ist alles unterwegs was man sich vorstellen kann. Total verdreckte Off-Road Geländewagen, kraftstrotzende Cabrios und brave Familienkutschen.

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Die Straßenkarte der Innenstadt ist mehr als übersichtlich :-)

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Beim nächsten Foto habe ich die gelbe Werbetafel anvisiert und die Kamera dann am nach oben gereckten Arm mehrmals ausgelöst. Dabei ist diese schöne Straßenszene entstanden.

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Die Schaufenster des Ortes sind übervoll mit Hüten und anderen Artikeln die das Leben als Cowboy so richtig lebenswert erscheinen lassen :-)

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Nach dem extrem guten Burger geht es zu Fuß zurück zum Motel. Gleich neben der Galerie von Tom Till ist ein kleiner Fotoladen auf dem mir der “Nikon” Schriftzug ins Auge fällt, der exakt das gleiche Gelb hat wie das Schild über der Tom Till Gallery! Das ist wieder ein Motiv für meine Bokeh-Königin :-)

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Moab ist definitiv die Spaßstadt der aktiven Amerikaner. So viele Geschäfte für die aktive Freizeitgestaltung findet man an anderen Orten nur sehr schwer.

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Es ist immer wieder erstaunlich wie plastisch sich selbst recht weit entfernte Motive wie dieses Szenerie mit dem 1,4/85mm abbilden lassen.

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Kurz bevor wir das Adventure Inn erreichen kommen wir wieder bei M.O.Y.O vorbei. Das ist die MOab YOghurt Company. Hier gibt es aus 4+3 Zapfhähnen unterschiedliches Sorbet auf der Basis von Yoghurt. Man geht einfach hinein, schnappt sich einen Becher in der mittleren oder größeren Größe, zapft sich das Eis das man haben möchte, geht zur Theke mit dem “Toppings” und wählt zwischen etwa 20 verschiedenen Dekorationen aus. Es gibt Gummibärchen, Nüsse, Sonnenblumenkerne, fein geschnittene frische Erdbeeren, allerlei Waldbeeren, es ist sicher für jeden etwas dabei. Hat man das Eis in seinem Becher gebührend verziert stellt man den Becher auf eine Waage und bezahlt genau das was man sich genommen hat. Die Inhaberin ist etwas überrascht, dass wir so genau wissen wie alles funktioniert, normalerweise muss sie scheinbar deutschen Touristen wie uns das Vorgehen immer wieder erklären. Als sie hört, dass wir schon dort waren und wissen “wie der Hase läuft” grinst sie nur und ich bezahle etwas über 9$ für zwei sehr große Portionen Yoghurt-Sorbet – lecker…

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Während wir das süße Halbgefrorene auf der Veranda vor dem M.O.Y.O. verputzen, fällt mir der über und über mit Aufklebern gespickte alte rote Wagen auf. Im Hintergrund sieht man eine der zahlreichen Vermietstationen für die hier sehr beliebten ATVs (All-Terrain-Vehicle).

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Gleich auf der anderen Straßenseite ist eine der besten Locations für ein extrem gutes Frühstück.

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Kurz drauf hält dort der mit dem hier so typisch rotem Schlamm eingesaute SUV von der Ampelszene weiter oben.

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Kaum haben wir uns auf den Weg zum Adventure Inn gemacht, da biegt aus einer Seitenstraße dieses extrem coole Auto auf die Hauptstraße ab. Meine D800 ist sofort startklar und mein so inniglich geliebtes Portrait-Objektiv löst auch hier das Auto so unglaublich gut aus der Umgebung heraus, dass man fast meinen könnte es wäre eine Miniatur.

Im Gegensatz zu den übrigen Fotos habe ich dieses Bild nicht auf 1000 Pixel Kantenlänge, sondern auf 1920 Pixel Kantenlänge verkleinert. Schaut es mal in Ruhe an, dieses Auto ist der Hit…

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Die Anbieter für Ausflüge und Abenteuer ziehen sich durch die gesamte Stadt. Wer hier seinen persönlichen Kick nicht findet, der ist sicher selbst schuld :-)

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Zurück am Adventure Inn macht sich dann auch einer unser Nachbarn auf den Weg zur nachmittäglichen Genusstour.

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So vergeht dann fast ein ganzer Tag ohne die Hatz nach dem perfekten Foto. Irgendwie sind gepflegte Knipsbilder auch ganz schön.


USA-2014 – Tag 20 – Onion Creek Canyon

False Kiva #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Meine dritte Woche in den USA neigt sich dem Ende zu. Den Tag haben wir bei großer Hitze relativ beschaulich vertrödelt. Sandra war ein wenig Einkaufen, ich habe mich ausgeschlafen und zur Mittagszeit haben wir uns in den kleinen Garten vor dem Motel zwischen vier schattenspendende Bäume gesetzt und einen Salat verspeist den wir uns zuvor im sehr gut sortierten Moab Citymarket gekauft hatten. Nach dem Essen schaue ich noch ein wenig in meine Fotos die ich in der Nacht in der False Kiva aufgenommen habe und finde ein Bild das aus einer etwas anderen Perspektive aufgenommen ist. Es ist etwas früher entstanden als das Foto aus dem letzten Artikel und es gefällt mir auch recht gut.

Sandra hat der morgendliche dreistündige Ausritt bei der Red Cliffs Lodge so gut gefallen, dass sie heute in den Abendstunden gern die kleinere Tour reiten möchte. So packe ich mein Notebook zusammen und gegen 16h (4 pm) starten wir unseren schwarzen Geländewagen und fahren zur Red Cliffs Lodge.

Die Strecke zieht sich doch immer wieder ganz schön hin, aber die Landschaft ist so atemberaubend, ich könnte immer wieder durch das Castle Valley fahren. Nach etwa 30 Minuten sind wir bei der Red Cliffs Lodge. Wir parken in der Nähe des Hauptgebäudes, es gibt dort einen großen Besucherparkplatz und fragen an der Rezeption nach ob noch ein Platz für den abendlichen Ausritt frei ist. Sandra hat Glück, es sind erst 4 Personen angemeldet. Ich zahle 69 $ mit meiner Kreditkarte und wenig später bin ich schon wieder unterwegs in Richtung Osten auf der Straße durch das Castle Valley.

Red-Cliffs-Lodge-Moab-Utah

Während Sandra sich auf den Ausritt vorbereitet erreiche ich den Abzweig zum Onion Creek Canyon. Die Straße ist anfangs noch recht gut zu befahren, ändert sich aber schnell von einer Gravel Road zu einer schmalen holprigen Dirt Road.

Onion-Creek-Road-Moab-Utah

Die Landschaft wird immer grandioser, die Schlucht tiefer und die umgebenden Felsen höher. Auf dem Dach habe ich meine GoPro HD HERO 3+ und auf dem Armaturenbrett steht meine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1V1. Sie steht auf einem kleinen Taschenstativ und wird von der Halterung für mein Smartphone so gegen die Windschutzscheibe gedrückt, dass sie nicht wackelt und in Verbindung mit dem VR (Vibration Reduction) des 6,7-13mm Weitwinkel-Zooms ein tolles sschwarzweißes Infrarot Video aufnimmt. Damit sich die Helligkeit nicht ständig ändert habe ich die Belichtungsautomatik abgeschaltet und manuell 1/100s und Blende 11 bei ISO-100 eingestellt.

Auch die GoPro 3+ liefert nun endlich scharfe Bilder. Man sollte sie bei solchen Aktionen unbedingt in den Modus “Wide” bringen. Alles was ich bislang im Modus “Medium” oder “Narrow” gefilmt habe ist einfach nur unscharfer Matsch der leider komplett unbrauchbar ist. Die Einstellungen mit den engeren Blickwinkeln sind nur im Nahbereich zu gebrauchen. Dann liefern sie auch durchaus respektable Ergebnisse. Für ein Interview aus ca. 1m Entfernung ist “Narrow” eine wirklich geeignete Einstellung. Sobald man aber etwas filmen möchte was etwas weiter entfernt ist wird man eine große Enttäuschung erleben.

Hier habe ich eine kurze Video-Sequenz deren Upload trotz geringer 480p Auflösung bereits fast eine Stunde benötigt hat. YouTube ist nichts für Leute die in den USA auf dem Land leben…

 

Für mein Video-Bearbeitungsprogramm Final Cut Pro X gibt es diverse kostenpflichtige Plug-Ins mit denen sich die einem Fisheye sehr ähnliche Verzeichnung des GoPro-Objektivs in Verbindung mit dem Modus “Wide” recht gut korrigieren lässt. Dies ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit und brauchbare Videos mit einem fahrenden Auto oder Motorrad etc. aufzuzeichnen.

Nach etwa einer Stunde puren Off-Road-Vergnügens halte ich an einer Ausbuchtung an und mache meine Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm startklar. Die Sonne steht schon tief und dort wo sich am Boden die Grenze zwischen Licht und Schatten abzeichnet hat man immer wieder gute Gelegenheiten für interessante Gegenlichtaufnahmen. Hier kommt es sehr auf den Standpunkt der Kamera an, einige Zentimeter mehr oder weniger entscheiden darüber wie stark das Gegenlicht ist. Ich mag es wenn die Sonne fast komplett von einer Felskante verdeckt ist und nur ein kleiner Teil direkt ins Objektiv hineinstrahlt. So lassen sich in Verbindung mit Belichtungsreihen und meinem “Fingertrick” immer wieder interessante HDR-Aufnahmen erstellen.

Um einen Eindruck von den Dimensionen der Felswände zu bekommen, habe ich meine D800E an den “Straßenrand” gestellt und sie alle 10s ein Bild machen lassen. Während sie vor sich hin geknipst hat bin ich die Straße hinunter gelaufen und habe mich ganz hinten (wo die Sonne scheint) in die Kurve gestellt. Wer mich in diesem Bild findet hat einen Preis verdient, ich bin nur einige Pixel groß :-)

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Als die Uhr auf 17:30 (5:30 pm) vorgerückt ist packe ich alles zusammen und muss mit Entsetzen feststellen, dass während der kompletten Session das hintere rechte Seitenfenster geöffnet war. Das gesamte Auto ist von innen mit feinem roten Sand eingestaubt. Ohje, da werden die Leute von der Autovermietung ordentlich was mit dem Staubsauger zu tun haben…

Als ich wieder bei der Red Cliffs Lodge eintreffe bin ich vielleicht 3 Minuten zu spät um ein Foto der Gruppe bei ihrer Heimkehr aufzunehmen. Aber auf meinem GoPro-Video kann man die Freizeit-Cowboys noch kurz sehen wie sie die Ranch erreichen.

Nach dem Ausritt ist Sandra wieder der glücklichste Mensch der Welt, auch wenn sie der Meinung ist total verdreckt zu sein und nach Pferd zu riechen. Mir ist das egal, wir beide haben jetzt großen Hunger und wir steuern so direkt wie möglich das örtliche Denny’s Restaurant an. Hier waren wir jetzt schon mehrfach essen. Es geht schnell, schmeckt gut und ist nicht ganz so teuer wie in den “richtigen” Restaurants. Das Konzept hinter Denny’s ist irgendwie zwischen der richtigen Gastronomie mit Kellnern und gemütlichem Ambiente und einem McDonalds Restaurant angesiedelt. Die Einrichtung ist schlicht aber zweckmäßig und die Kellner sind freundlich und sehr zuvorkommend. Für eine leckeres Abendessen zu Zweit mit Getränken etc. zahlt man inkl. Trinkgeld etwa 30 Dollar, also umgerechnet etwa 22 Euro.

Zurück im Hotel geht es unter die Dusche und den Rest des Abends verbringen wir bei einem lauen Lüftchen zwischen den Bäumen auf der Wiese vor dem Motel. Später am Abend sind es noch 29°C, aber im Schatten der Bäume ist das sehr gut zu ertragen. Etwas nervig sind allerdings die jungen Typen mit ihren getunten japanischen Kleinwagen. Sie bremsen immer wieder fast bis auf Schrittgeschwindigkeit ab um dann mit enormem Getöse auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen. Dazu kommen alle paar Minuten Trupps mit knatternden auf Hochglanz polierten Harley’s vorbei. Zwischendurch ein lautes ATV und der ein oder andere LKW. Von den großen Trucks hört man meist nur ein dumpfes Grollen. Alles in allem ist es direkt an der Hauptstraße in Moab schon ziemlich laut, aber irgendwie auch interessant weil die vorbei fahrenden Fahrzeuge teilweise unglaublich cool aussehen.

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Während ich an meinem BLOG schreibe kommt Sandra mit einer Flasche importiertem Jägermeister und kleinen Schnapsgläsern um die Ecke. So kann man es hier echt aushalten. Während ich das eine oder andere Gläschen Jägermeister zu mir nehmen versuchen sehr gestandene Männer die Bremsanlage einer KTM zu entlüften. Sie geben wirklich alles, aber das Set bestehend aus Pumpe und Schläuchen das sie sich besorgt haben scheint nicht wie gewünscht zu funktionieren. Bis tief in die Dunkelheit werkeln sie im Licht ihrer Taschenlampen an dem reinrassigen Cross-Motorrad. Später holen sie noch einen Kompresser dazu. Am nächsten Morgen sind alle Cross-Motorräder wieder weg, es scheint letztlich doch noch geklappt zu haben.

Ich habe die abendliche Zeit nicht genutzt um “MEINEN TRAUM” von der False Kiva letztlich mit Photoshop zu realisieren. Trotz aller Anstrengungen und Mühen habe ich es nicht geschafft die False Kiva UND die Milchstraße auf ein Bild zu bannen. Also habe ich eine Montage aus zwei separaten Bildern erstellt die so aussieht wie ich mir mein Foto aus der False Kiva seit langem wünsche.

False Kiva & Milky Way

Grundsätzlich sollte es möglich sein ein ähnliches Foto mit nur EINEM SCHUSS zu erstellen. Aber dazu braucht es die richtige Jahreszeit und einen komplett klaren Himmel und vor allem “Neumond”. Denn sobald der Mond den Himmel erleuchtet ist es viel zu hell um die Milchstraße sehen zu können. Da ich hier leider keine 6 bis 12 Monate verbringen kann um dieses Foto “an einem Stück” aufzunehmen muss vorerst (??) diese Fotomontage genügen. :-)

Nach einer Flasche Bier und einigen Gläschen Jägermeister habe ich schließlich die richtige “Bettschwere” und verzichte für heute auf ein nächtliches Abenteuer. Der anstrengende nächtliche Ausflug zur False Kiva steckt mir zudem noch tief in den Knochen.


USA-2014 – Tag 19 – Nachts in der False Kiva

Der in Moab ansässige Fotograf Tommy Till war einer der Ersten, vielleicht sogar DER erste Fotograf der Fotos aus der False Kiva im Canyonlands National Park bereits vor vielen Jahren veröffentlich hat. In seiner Galerie in Moab ist dieses Foto bis heute eines der Highlights der Ausstellung. Tom Till hat damals eine schwere und handliche Großformat-Kamera mit Planfilmen benutzt und auf der Basis dieser Vorlagen exorbitante Vergrößerungen erstellt. Diese hochwertigen großen Vergrößerungen auf “richtigem Fotopapier” können in seiner Galerie bewundert und zu Preisen ab ca. 2.000$ erworben werden.

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Als ich im Jahr 2009 sein Foto der False Kiva zum ersten Mal sah, hat es mich regelrecht umgehauen. In den Tagen danach habe ich lange im Internet recherchiert um herauszufinden wo Tom Till dieses Foto aufgenommen hat. Schließlich habe damals ich einige GPS Koordinaten gefunden und in den letzten Jahren die False Kiva mehrfach besucht. Nach vielen hundert Fotos muss ich aber sagen: “Tom Till is the Master!” Sein Foto der False Kiva schlägt einfach alles was ich bislang an Fotos der False Kiva gesehen habe.

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Als ich die False Kiva das erste Mal besucht habe war der Himmel über dem Canyonlands National Park langweilig und ohne Ausdruck. Aber bereits an diesem Tag war mir klar, dass eine Wanderung zur False Kiva mit den steilen Ab- und Aufstiegen durch teilweise abenteuerliche Geröllfelder nicht ganz einfach ist. Trotzdem bin ich in den letzten Jahren immer wenn ich die Gelegenheit hatte wieder zur False Kiva abgestiegen, weil mich diese Location über alle Maßen fasziniert. In diesem Jahr habe ich mir für das Shooting in der False Kiva sogar ein neues Objektiv, das Nikon AF-S 2,8/14-24mm zum Preis von 1.600 € gekauft.

Am Abend des 19. Mai ist es dann wieder soweit. Zur Sicherheit gebe ich erneut die Koordinaten der False Kiva und des Parkplatzes sowie des Einstiegs in den Wanderweg in mein Garmin Colorado 300 ein. Ein echter ausgeschilderter Wanderweg ist es allerdings nicht, es ist eher ein schmaler Trampelpfad.

Gegen 22h am Abend (10 pm) geht es wieder los zur False Kiva. Mit dabei habe ich mein großes leichtes SIRUI M3204 Carbon Stativ mit dem SIRUI K30-X Kugelkopf. Außerdem meine Nikon D800E mit Nikon MC-20 Kabelauslöser und einigen Objektiven – Sicher ist Sicher!

Der Weg vom Adventure Inn Motel zum inoffiziellen Trailhead ist etwa 60 Kilometer lang und man fährt etwa eine Stunde. Am wichtigen Abzweig zum Upheaval Dome fahre ich in der Dunkelheit versehentlich voll vorbei, bemerke es aber schon einige hundert Meter später, weil ich ja mein GPS an der Scheibe kleben habe – sehr praktisch!! Also heißt es den großen Wagen auf der schmalen Straße zu wenden und den richtigen Weg einzuschlagen. Etwa 10 Minuten später habe ich den Trailhead erreicht. Von den vielen Kurven ist mir nicht ganz wohl im Magen, ich fühle mich als wäre ich zweimal mit einer Achterbahn gefahren, aber es hilft ja nichts… Also werden die Schuhe ordentlich geschnürt, die Fotoausrüstung gecheckt und dann geht es auch los. Für den Fall der Fälle habe ich heute mal eine Mütze dabei, die ich aber nicht brauchen werde. Da die Geröllfelder schon bei Tageslicht nicht einfach zu überwinden sind, werden heute auch meine gefederten LEKI Carbon-Wanderstäbe aktiviert.

Außerdem habe ich eine kleine Camping-Lampe dabei die ich für 0,99$ vor einigen Tagen in einem Walmarkt gekauft habe. Diese kleine Lampe ähnelt einem Kugelschreiber und man kann sie sich sehr gut an seine Jacke oder das Hemd klemmen. In meiner rechten Hand habe ich zusätzlich zum Wanderstab eine LED Lenser P7  Taschenlampe und ein Päckchen mit Reserve-Batterien. Vom Parkplatz geht es zunächst etwa 500 Meter zurück und dann nach rechts den Trampelpfad entlang. Der erste Teil des Weges ist sehr einfach zu gehen und auch in der Dunkelheit leicht zu erkennen. Nach einigen hundert Metern beginnt es dann aber schwierig zu werden. Man muss nun eine unwegsame Passage mit vielen Felsen überwinden auf denen sich die Fußspuren verlieren und man schnell in die falsche Richtung läuft. Auch wenn ich nun schon mehrfach hier war, in der Dunkelheit bin ich ziemlich ratlos. Aber schließlich schaffe ich es anhand einiger “Steinmännchen” (Waypoint-Marker) diesen Abschnitt zu überwinden. Nach etwa 30 Minuten bin ich an der Klippe angekommen und nun beginnt der schwierige kräftezehrende Abstieg durch das chaotische Geröllfeld. Die False Kiva ist eine wundbare Höhle die inmitten einer steilen Klippe liegt. Um sie zu erreichen muss man sie unterhalb passieren um dann durch losen Sand und Steine von Hinten wieder zum Ziel aufzusteigen.

Vor mir weiter unten kann ich Lichter sehen, ich werde hier heute also nicht allein sein. Das ist gut weil es in der Dunkelheit nicht ungefährlich ist. Hier zu stürzen und sich zu verletzten kann schnell das Ende bedeuten! Einige Minuten später kommen mir zwei drahtige gut trainiert Jungs mit Kopflampen entgegen. Sie halten kurz an und wir unterhalten uns kurz. Sie haben den Sonnenuntergang in der False Kiva fotografiert und sind jetzt auf dem Rückweg zu ihrem Auto. Sie erzählen mir, dass weiter vorn ein Mädchen unterwegs zur Höhle ist. Ziemlich verwundert setze ich mich wieder in Bewegung.

Einige hundert Meter weiter kann ich sie dann sehen, sie ist etwas oberhalb von mir und schon fast an der False Kiva angelangt. Plötzlich lösen sich einige etwa faustgroße Steinbrocken und rollen auf mich zu. Oh nein, jetzt keine Kopfverletzung schießt es mir durch das Hirn. Instinktiv wende ich mich ab, mache mich klein und halte meine Arme schützend hinter meinen Kopf. Aber die schweren Brocken schlagen einige Meter hinter mir auf. Puh, das ist ja noch einmal gut gegangen. Noch vorsichtiger mache ich mich wieder auf den Weg. Als ich schließlich reichlich verschwitzt und aus der Puste in der False Kiva ankomme sind dort zwei Jungs in ein Mädchen – Corinna, Chris und ein Freund dessen Namen ich leider vergessen habe. Chris fotografiert auch mit einer Nikon D800E, sein Freund benutzt ein Canon DSLR. Corinna begleitet ihre Freunde nur und vertreibt sich die langweilige Wartezeit mit ein paar Spielen auf ihrem iPhone.

Es geht los, ich nehme zunächst wieder einige Orientierungsfotos auf: ISO-25600, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. So kann man selbst in nahezu totaler Dunkelheit auf dem Display sehen welchen Ausschnitt die Kamera gerade “sieht” und ob das Objektiv korrekt fokussiert ist. Danach stelle ich ISO-1600 und Blende 4 ein. Weil meine D800E als längste Belichtungszeit nur 30 Sekunden ermöglicht, benutze ich den Timer des MC-20 Kabelauslösers. Damit sind Belichtungszeiten von 1s bis hin zu 10h möglich. Ich versuche es zunächst mit 2 Minuten, aber die Bilder sind unterbelichtet. Auch wenn sie in der Dunkelheit auf dem Display gut aussehen, so kann man im Histogramm doch sehen, dass es deutliche schwarze Bereiche ohne jegliche Zeichnung gibt. Bei 4 Minuten sehen die Bilder dann auf dem Display gut aus und das Histogramm ist so ausgewogen wie es sein sollte.

Damit in den Fotos wegen der langen Belichtungszeiten keine bunten “Hotspots” zu sehen sind, sollte man in der Kamera die Option “Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung” aktivieren. Diese Rauschunterdrückung benötigt allerdings exakt die gleiche Zeit die vorher für die Belichtung verwendet wurde. Bei 4 Minuten Belichtungszeit muss man also geschlagene 8 Minuten lang warten bis man etwas zu sehen bekommt und das bei einem schon recht hohen Wert von ISO-1600! Wirklich viele Fotos kann man so also in einer Nacht nicht aufnehmen und man sollte sich gut überlegen welche Perspektiven tatsächlich lohnenswert sind.

Weil wir zu dritt fotografieren und wir alle mit Taschenlampen hantieren ist es nicht ganz einfach das Geschehen zu koordinieren. Wird während einer Belichtungszeit von 4 Minuten eine extrem helle Taschenlampe wie meine P7 auch nur kurz eingeschaltet, so ist das Foto meist komplett ruiniert. Manchmal kann es ganz gut aussehen eine zusätzliche Lichtquelle zu haben, aber meistens eben nicht. So rufen wir uns auch immer wieder zu “Are you open?” “Yes I am open!” “Ok, now the noise reduction is active”.

Einmal kommt der Freund von Chris zu seiner Kamera zu rück und sagt “Oh, it’s thinking!” Ich verstehe es erst beim zweiten Mal, muss dann aber wirklich breit in die Dunkelheit hinein grinsen. Am Vortag am Marlboro Point ist kurz nach Mitternacht der Mond aufgegangen. Heute passiert es irgendwie nicht zur erwarteten Zeit. Mit meiner gelben kleinen Lampe haben wir die Struktur innerhalb der False Kiva so ausgeleuchtet, dass es ein wenig nach einem Lagerfeuer aussieht. Zusätzlich habe ich ganz rechts außen meine Handy mit eingeschalteter LED auf meinem Fotorucksack positioniert. Als dritte Lichtquelle leuchtet meine P7 direkt die rötliche Felswand an. Das reflektierte Licht ist jetzt nicht mehr fies blau, den es wird jetzt primär die Farbe der Wände reflektiert, so dass es sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt.

Irgendwann steht Chris neben mir und schimpft “I am unable to find a good composition!!” Er ist erst vor kurzem von einer Nikon D300 auf die D800E umgestiegen und hat noch kein wirkliches Weitwinkel für das größere FX-Format. Als ich ihm zeige wie meine Fotos bei 16mm Brennweite aussehen sagt er mehr aus Spaß “Do you have a second one?” Und tatsächlich habe ich mein Nikon AF-S VR 4/16-35mm im Fotorucksack – Sicher ist Sicher!! In der Dunkelheit kramen wir das Objektiv heraus und Chris montiert es an seine D800E. Allerdings schafft er es nicht korrekt, doch auch das ist nach einigem Augenblicken geklärt, am Objektiv ist der Autofokus abgeschaltet. Corinna hat eine sehr helle Lampe die mit vielen LED bestückt ist. Sie leuchtet für uns die Struktur der Höhle aus und mit dieser Hilfe funktioniert dann auch der Autofokus unserer Kameras. Nachdem alles korrekt fokussiert ist, schaltet sie die Lampe wieder aus, wir schalten den Autofokus auf Manuell und warten wieder geduldig ab bis die Rauschunterdrückung ihre Arbeit verrichtet hat.

Als gegen 2h der Mond die Landschaft unten im Canyonlands immer noch nicht wirklich so ausleuchtet wie ich es mir wünschen würde bin ich schwer enttäuscht, ich hatte mir mehr gewünscht. Langsam nähere ich mich von Bild zu Bild der Struktur innerhalb der Höhle und stelle an meinem Objektiv einen immer kürzere Brennweite ein, bis ich bei 14mm angekommen bin. So wirkt die Struktur im Vordergrund sehr dominant und man bekommt zusätzlich auch mehr Sterne auf das Bild weil die Kamera nicht etwa 3m von der Rückwand der Höhle entfernt ist und so besser aus der Höhle “herausschauen” kann.

Langsam aber sicher wird mir richtig flau im Magen. ich bin total übermüdet, habe nichts zu essen dabei und das lauwarme Wasser aus den beiden kleinen Plastikfläschchen vermag mich auch nicht wirklich aufzurichten. Mein Körper ist unterzuckert und ich würde mich am liebsten hier irgendwie flach hinlegen, aber hier sind überall Felsbrocken und Fotorucksäcke im Weg. Einige Fotos später muss ich aufgeben, mir geht es nicht gut und ich sollte jetzt schnellstens den Rückweg antreten wenn ich es heil zum Auto schaffen will. “Ok Folks, I need a beed and I think I’m leaving…” Das ist der Startschuss für den Abmarsch. Meine neuen Freunde packen auch alles zusammen, wir tauschen das 16-35mm Objektiv zurück und Chris sagt “Thank you my friend, you saved my life!” Das freut mich sehr und bestätigt mich wieder darin, dass es in den USA fast nur hilfsbereite wirklich freundliche Menschen gibt.

Es mag ja die Ausnahmen geben die wir in Film und Fernsehen präsentiert bekommen, aber ich selbst habe solche Menschen hier im gelassenen Süd-Westen der USA noch nicht erlebt.

Als ich endlich alles zusammen gepackt habe sind die Corinna, Chris und ihr Freund schon losmarschiert. Ich kann anhand der Position ihrer Lampen erahnen wo ich selbst entlang muss. 50 Jahre alt und ein untrainierter “Bürohengst” bin ich allerdings deutlich langsamer als diese jungen drahtigen Amerikaner. So wird der Abstand Imme größer und schließlich bin ich ganz allein mit meiner Taschenlampe in der unwegsamen Wildnis. Jeder Schritt fällt schwer und mir ist übel. Immer wieder muss ich anhalten und verschnaufen bevor ich meinen übergewichtigen Körper auf den nächsten steilen Felsbrocken hieve und das nächste schräge Stück Slickrock überwinde. Es kommt mir ein wenig vor wie bei meinem letzten Besuch auf dem Pico del Teide zusammen mit meinem Freund Ashraf aus München. Damals hatte ich auch nichts zu Essen und zu trinken dabei und wäre hoch oben auf dem höchsten Berg der Spanier beinahe kraftlos umgefallen. Damals hat mich unten in der Talstation ein Stück Kuchen und eine zuckersüße kalte Cola wieder aufgerichtet. Mir kommt die Szene aus dem Danny Boyle Film “127 Hours” in den Sinn als James Franko tagelang eingeklemmt hier im Canyonlands National Park ausharrt und sich in einer Traumsequenz die Flasche Gatorade aus dem Kofferraum seines Autos herbeisehnt. Jetzt ein kalte Cola, dafür würde ich echt was geben. Aber alles was ich habe ist eine kleine Flasche mit lauwarmem stillen Wasser…

Schließlich habe ich den steilen Anstieg hoch zur Klippe geschafft. Die kleinen Steinmännchen waren hier eine große Hilfe. Doch ich musste auch immer wieder stehen bleiben und mit meiner Taschenlampe das Terrain intensiv ableuchten um den nächsten Waypoint-Marker zu finden. Nun geht es etwa gemächlicher weiter, doch einige hundert Meter weiter verlieren sich wieder die Spuren im Sand. Es ist die Passage mit den vielen Felsen auf der ich mich bereits auf dem Hinweg etwas verirrt hatte. Die Batterien in meinem GPS sind fast am Ende, daher habe ich es bislang ausgeschaltet gelassen. So klettere ich in der Dunkelheit mit meiner Taschenlampe umher bis ich nach etwa 10 Minuten wieder ein kleines Steinmännchen finde. Die Erleichterung ist groß und es geht weiter. Am Horizont kann ich die Lichter meine Freunde sehen, es sieht aus als hätten sie einen völlig anderen Weg eingeschlagen.

Etwas später sind meine Reserven weitgehend aufgebraucht, ich kann eigentlich nicht mehr wirklich weiter. Da sehe ich nur einige hundert Meter weiter wie ein Auto hin und her fährt und die Lichthupe bedient. Das sind meine Freunde, die “Cave-Men” wie wir uns spaßeshalber genannt haben. Das ist wirklich hilfreich, denn so kann ich sehen wir die Straße ist. Doch das Gelände wird immer unwegsamer und weil es nicht mehr weit zum Auto sein kann schalte ich nun mein GPS ein um den restlichen Strom der Batterien sinnvoll zu nutzen. Das GPS braucht einen Augenblick um die neue Position zu bestimmen, dann kann ich auf der sehr detaillierten Karte sehen, dass ich einige hundert Meter nach rechts vom Hinweg abgekommen bin. Das ist sehr hilfreich und letztlich komme ich gegen 3h in der Nacht an meinem Auto an.

Ich bin völlig fertig und schaffe es nicht einmal einen Cräcker herunterzuwürgen. Mit einem weiteren Schluck des lauwarmen Wassers aus dem Kofferraum klappt es schließlich. Ich habe noch einige Äpfel im Kofferraum, aber selbst den kann ich nicht aufessen. Nach den ersten Bissen packe ich nur meine Sachen in den Kofferraum, schiebe die Pullover, Mützen und Jacken auf der Rücksitzbank etwas zusammen und versuche ein wenig zu schlafen.

Vor Kälte und zitternd werde ich etwa zwei Stunden später wieder wach. Es geht mir besser, aber das Thermometer zeigt nur noch 9°C. Tagsüber in Moab waren es 32°C und bei meiner Ankunft am “Trailhead” waren es noch 25°C. Ich bin in der Wüste und hier kann es nachts wirklich kalt werden. Leicht zitternd setze ich mich auf den Fahrersitz, nehme noch einen guten Schluck des inzwischen nicht mehr lauwarmen Wassers zu mir und starte den großen Achtzylinder.

Der Weg zurück zum Motel fällt mir wirklich schwer und ich muss mich sehr konzentrieren weil immer wieder schwarze Rinder mitten auf der Straße stehen oder kleine Hasen vorbeizusehen. Jetzt noch einen Unfall zu haben, das muss nicht sein. Als ich am Parkplatz in der Nähe des Mesa Arch vorbeifahre stehen dort schon mehr als 20 Autos, der Himmel über den La Aal Mountains ist schon gelblich eingefärbt und die Wolken über mir haben nun schon etwas mehr Kontur als während unserer Fotosession in der False Kiva. “Rudelknipsen am Mesa Arch” kommt es mir in den Sinn. Das habe ich auch schon mehrfach erlebt und dort trotzdem eines meiner bislang besten Fotos aufgenommen. Wäre ich nicht so sehr neben der Spur, ich würde die paar hundert Meter zum Mesa Arch laufen und das “magische rote Leuchten” statt mit 12 MPix nun mit satten 36,3 Megapixeln fotografieren. Aber es geht mir nicht gut und so muss ich auf dieses Gemeinschafts-Erlebnis heute leider verzichten. Aber mein Fotos aus dem Jahr 2009 ist mit der Zeit nicht schlechter geworden und so fällt es leicht einfach weiterzufahren.

Mesa Arch - La Sal Sunrise

Endlich im Motel angekommen schaffe ich es nur die Schuhe auszuziehen und falls saft- und kraftlos auf meine Matratze neben dem Bett in dem meine Sandra endlich einmal leise vor sich hin schnarcht. Als ich wieder wach werde bin ich allein und draußen scheint schon die Sonne. Kurz darauf öffnet sich dann auch die Türe und meine Sandra ist vom morgendlichen Einkaufsbummel zurück. Es ist schon nach 11h und die Zimmermädchen warten schon darauf, dass wir das Zimmer endlich räumen. Schnell springe ich unter die Dusche und bin erneut erstaunt welche regelrecht magische Wirkung Wasser doch haben kann. Trinkt man es lauwarm aus einer Plastikflasche ist es eher langweilig, aber wenn es mit gemäßigtem Druck auf den Kopf prasselt ist es wunderbar.

Gegen 12h sind wir dann im Dennis am südlichen Ende der Stadt. Als wir uns gerade hinsetzen steht plötzlich Chris neben uns. Ich bin derartig überrascht, dass mir fast die Worte fehlen. Wer mich kennt weiß, dass das nur sehr selten der Fall ist :-) Chris freut sich, dass ich es heil zurückgeschafft habe. Und ich bedanke mich dafür, dass sie mir mit dem Auto in der Nacht signalisiert haben wohin ich laufen muss. Sie selbst hatten sich auch etwas verirrt und sind einen recht weiten unwegsamen Umweg gewandert.

In der Nacht habe ich ihnen meine Visitenkarte gegeben und Chris hat sogar schon in meinen BLOG geschaut. Ich habe einen neuen Follower :-)

That’s why I love America…

Nachdem sich Chris verabschiedet hat ordern wir uns unser Frühstück und es gibt endlich süße Bluberry Pancakes, Rührei, Speck, Kartoffeln, Kaffee und last but not least ein Glas mit herrlich kalter Cola mit viel Eis. Das Leben als Amateurfotograf kann so schön sein!

Nach dem Frühstück sichte ich meine Beute und bin mit zwei Bildern ganz glücklich. All die Strapazen für nur ZWEI FOTOS!! Nun kann ich auch ermessen, warum Tommy Till seine exzellenten Fotos der False Kiva nicht zum Selbstkostenpreis verschenken kann.

Und hier ist es endlich, mein Foto des Tages aus der False Kiva zu nächtlicher Zeit :-)

False Kiva @ Night - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm


USA-2014 – Tag 18 – Nachts am Marlboro Point

This Night @ Marlboro Point #1

Es ist unsere zweite Nacht in Moab. Am Morgen habe ich kurz an der Rezeption nachgefragt ob vielleicht jemand ein Zimmer mit zwei Betten abgesagt hat, aber es ist noch zu früh. Sandra ist wirklich schlecht drauf weil sie während der gesamten Nacht kein Auge zu bekommen hat. Etwas später macht uns die Eigentümerin des Adventure Inn Motels den Vorschlag doch einfach eine Matratze neben das Bett zu legen und diese mit einem Bettlaken usw. zu beziehen. Wir willigen ein und Sandra freut sich auf die erste Nacht in der sie hoffentlich wieder richtig schlafen kann.

Wenig später treffen wir uns mit unseren Freunden Angenie und Peter aus Idahoe. Sie sind mit ihrem “Truck” unterwegs der mehr ein Wohnmobil mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) und Allrad-Antrieb (4×4 – Four by Four) ist. Gemeinsam lassen wir es uns im örtlichen “Old Jailhouse” richtig gut gehen. Dies ist wirklich der alte “Knast” aus der Zeit als hier noch die Desperados mit ihren Colts auf kleinen aber zähen Quarter-Horses die Gegend unsicher gemacht haben. Inzwischen gibt es dort ein leckeres Frühstück und das Restaurant ist so gut besucht, dass sich die Gäste in eine Warteliste eintragen lassen müssen. Angenie und Peter haben genau das kurz zuvor schon erledigt und so sind wir sehr schnell an der Reihe.

Nach dem Frühstück probieren kurz unsere neue Schlafgelegenheit aus. Dann geht es mit dem Auto zur Red Cliffs Lodge im nahe gelegenen wunderschönen Castle Valley. Dort buchen wir für Sandra ein “Horseback Adventure”. Sie wird am nächsten Morgen um 8h30 für drei Stunden in einer Gruppe von 8 Reitern und einem Guide auf einem Pferd das Castle Valley erkunden.

Später treffen wir uns erneut mit Angenie und Peter, diesmal zum Abendessen bei einem der vielen Mexikanischen Restaurants. Für mich gibt es einen Burrito mit grüner Sauce und etwas Sour Cream und Guacamole. Dazu ein Bier und der Tag ist gerettet. Ganz witzig ist, dass Angenie und Peter für eine Nacht im gleichen Motel eingecheckt haben und gleich zwei Zimmer weiter wohnen. Aber bereits am nächsten Tag werden sie weiter in Richtung Escalante reisen. Sandra und ich werden noch bis Donnerstag hier in Moab bleiben und dann vielleicht auch nach Escalante fahren. Dort könnten Sandra und Angenie einen gemeinsamen Ausritt buchen während Peter und ich vielleicht eine kleine Fotowanderung unternehmen.

Nachdem wir uns verabschiedet haben packe ich meine Fotosachen zusammen und mache mich selbst auf zum Marlboro Point.

This Night @ Marlboro Point #2

Eigentlich hatte ich geplant das Areal tagsüber zu erkunden um die nächtliche Anreise zu vereinfachen. Aber dann kam die Buchung des Pferde-Abenteuers dazwischen. So bin ich nun ganz allein in pechschwarzer Nacht unterwegs zu einer etwas abseits gelegenen Location. Sehr hilfreich ist dabei mein Garmin Colorado 300 das ich mit sehr detaillierten topografischen Karten bestückt habe. Doch selbst meine Navigations-Software “Copilot 9″scheint die Location zu kennen. Ich starte mal eine entsprechende Route und bekomme angezeigt, das sie unwegsame Streckenabschnitte enthält. Ok, darauf bin ich vorbereitet und genau deshalb habe ich den teuren großen Geländewagen gemietet.

Letztlich führt mich meine Navigations-Software aber direkt an einen Zaun mitten im nächtlichen Nirgendwo zwischen Dead Horse Point und Canyonlands National Park. Also geht es ein Stück zurück und nun verlasse ich mich lieber auf das topografische Kartenmaterial. So finde ich auch etwa 30 Minuten später einen Punkt wo ich mein Auto abstellen und den Rest des Weges bequem laufen kann.

This Night @ Marlboro Point #3

Mit dabei habe ich meine Nikon D800E mit dem Nikon AF-S 2,8/14-24mm und zusätzlich das alte aber extrem gute AiS 2,8/55mm Macro Objektiv. Außerdem habe ich einen Reserve-Akku, zwei Taschenlampen, eine Flasche Wasser, eine warme Jacke, Stativ, Reservebatterien, Kabelauslöser und mein HTC ONE samt Akkupack dabei. Während ich mit dem GPS in der linken Hand und der Kamera samt Stativ auf der rechten Schulter meinen Weg durch die nächtliche Wildnis suche leuchte ich den Boden mit meiner extrem hellen Taschenlampe des Typs “LED Lenser P7″ ab. Hier gibt es Skorpione, giftige Spinnen, Klapperschlangen und anderes Getier dem man lieber nicht begegnen möchte. Außerdem trage ich meine hohen Wanderstiefel und eine lange Hose die ich unten an den Stiefeln ganz eng zusammen geschnürt habe, damit nichts in das Hosenbein hineinkriechen kann.

Weil ich noch nicht weiß wo der eigentliche Marlboro Point ist und man in der Dunkelheit ohne Taschenlampe praktisch gar nichts sehen kann, halte ich zwischendurch immer wieder an und nehme bei allerhöchster ISO-Empfindlichkeit mit offener Blende und ca. 4s Belichtungszeit (ohne Rauschunterdrückung) einige schnelle “Orientierungsfotos” auf. So finde ich nach etwa 30 Minuten tatsächlich einen sehr guten Punkt für schöne Fotos. Ein großes Problem ist der kräftige Wind, der nicht nur allerfeinsten Sand mit sich bringt, sondern auch kräftig an Kamera und Stativ rüttelt. Um die Angriffsfläche zu verringern winde ich den Kameragurt um das Stativ und klemme ihn an der Halterung ein die normalerweise verwendet wird und das Stativ zusätzlich zu beschweren.

Nach einer kurzen Suche finde ich auch eine etwas windgeschützte Ecke wo sich mein Stativ aufstellen lässt und ich eine gute Sicht auf die “Needles” unten im Canyonlands National Park habe. Mit der Taschenlampe leuchte ich vorsichtig in alle Spalten und Ritzen zwischen den Steinen um sicher zu gehen, dass ich hier nirgendwo giftiges Getier überraschen kann. Aber alles ist “clean” und so kann die Fotosession beginnen. Anfangs ist es noch stockfinster und so muss ich bei ISO-6400 fast 2 Minuten lang belichten um überhaupt etwas auf den Chip zu bekommen. Später reduziere ich die ISO-Empfindlichkeit auf ISO-800 und belichte satte 12 Minuten. Das ist eine lange Zeit und da wird einem schnell langweilig, besonders wenn die notwendige Rauschunterdrückung nochmals ganze 12 Minuten verschlingt. 24 Minuten für nur EIN Foto, das bekommt man eigentlich nur Nachts hin :-)

Während ich drauf warte, dass die 12 Minuten endlich abgelaufen sind schaue ich mich etwas um und sehe ganz links von mir einen hellen Flecken am Horizont. Bei genauerer Betrachtung ist es der Mond der gerade hinter den Bergen in der Ferne aufgeht. Innerhalb von etwa 6 Minuten ist er komplett zu sehen und hat etwa während der Hälfte der Belichtungszeit meines Fotos die Szenerie ausgeleuchtet. Nun beginnt das bange Warten während die Rauschunterdrückung ihre Arbeit verrichtet. Am Ende ist das Foto entstanden das ich ganz oben in diesen Artikel eingefügt habe.

Während der Mond höher und höher steigt treten die vielen Millionen Sterne leider in den Hintergrund. Der Mond überstrahlt einfach alles. Die erhofften Fotos mit der Milchstraße über dem Marlboro Point gibt es heute also nicht. Aber statt dessen entstehen trotzdem eine sehr schöne Fotos die man erst beim zweiten Hinschauen als “Nachtaufnahmen” erkennt. Als ich meine alles “im Kasten” zu haben lasse ich mich doch noch einmal hinreißen trotz der staubigen Umgebung das Objektiv zu wechseln. Von einem etwas anderen Standpunkt aus entstehen nun noch einige Fotos mit dem alten Nikon AiS 2,8/55mm Micro Nikkor. Später muss ich feststellen, dass mir dieser etwas engere Blickwinkel auch gefällt und dass es durchaus die richtige Entscheidung war dieses Objektiv in die Jackentasche zu stecken.

This Night @ Marlboro Point #4

Zurück beim Auto nehme ich noch ein paar “Making Of” Fotos auf und setze mich im Auto abermals für etwa 30 Minuten vor meine Kamera um etwas Material für ein weiteres  YouTube-Video zum Thema “Fotografieren bei Nacht” aufzunehmen. Anschließend geht es über die teilweise extrem anstrengende Off-Road Piste zurück zum Adventure Inn nach Moab. Dort angekommen ist Sandra trotz allem noch wach. Sie kann derzeit einfach nicht gut schlafen. Ich habe alles gegeben um ihr einige Stunden mit ruhigem Schlaf zu gönnen, nun ist sie an der Reihe… Gegen 5h mache ich schließlich die Augen zu und als ich um 8h30 wieder wach werde bin ich allein. Sandra hat mich nicht geweckt um zur Red Cliffs Lodge gefahren zu werden sondern sie hat sich die Autoschlüssel geschnappt und ist selbst gefahren. Das mag ich an ihr, sie ist manchmal wirklich völlig unkompliziert.

This Night @ Marlboro Point - Making Of

So beginnt der dritte Tag in Moab mit der Sichtung meiner nächtlichen Beute. Auch wenn ich die erhofften Fotos mit der Milchstraße nicht hinbekommen habe, so sind dennoch einige wenige sehr coole Fotos entstanden die für alle Mühe und das nächtliche Abenteuer entschädigen.

Heute ist Montag, wir werden Moab am Donnerstag verlassen. Es ist also noch etwas Zeit für weitere Abenteuer. Vielleicht knöpfe ich mir den Delicate Arch im nahegelegenen Arches National Park auch einmal bei Nacht vor, schauen wir mal…


USA-2014 – Tag 15 – Grand Teton National Park

Es ist Freitag der 16. Mai und es ist unser letzter Morgen in Cody Wyoming. Weil es am letzten Abend wegen der erschreckend weiten Wege im Yellowstone National Park wieder sehr spät geworden ist, schlafen wir lange aus und brauchen fast bis 11h bis wir endlich startklar sind. Bevor es losgeht verabschiede ich mich noch bei Petra vom Cody Cowboy Village. Sie gibt mir noch die E-Adresse des Motels und bietet an bei Fragen rund um das Reisen im Yellowstone National Park behilflich zu sein.

Falls jemand von Euch Fragen haben sollte, so kann er sich sicher auch an Petra wenden:

  • ccv@tctwest.net

Weil der Weg nach Moab in Utah landschaftlich sehr reizvoll aber auch sehr weit ist, haben wir uns entschlossen in Rock Springs / Wyoming einen Zwischenstopp einzulegen.

Bildschirmfoto 2014-05-17 um 20.15.14

Unsere Reise führt uns ein letztes Mal durch den wunderbaren Yellowstone National Park. Es liegt noch immer viel Schnee, aber es ist in den letzten Tagen bereits viel abgeschmolzen. Besonders in den Höhenlagen türmen sich die Schneemassen aber teilweise noch mehr als ca. 2 Meter hoch auf. Am Yellowstone Lake legen wir eine Pause ein. Der See ist nun schon teilweise eisfrei und die wunderbaren Wolken spiegeln sich sehr schön in der spiegelglatten Wasseroberfläche. Das ist doch ein Foto wert…

Mirror Lake #1 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Es geht weiter in Richtung Westen bis wir den Abzweig nach Süden zum Grand Teton National Park erreichen. Hier liegt fast kein Schnee mehr und wir sind guter Dinge, dass es auch sp bleiben wird. Aber dann steigt die Straße über viele Kilometer steil an und mit ihr die weißen Ränder links und rechts der Straße. Schließlich erreichen wir einen Pass der annähernd 3.000 Meter hoch ist. Kurz darauf kommt dann der wunderschöne verschneite Gebirgszug mit den Grand Tetons ins Bild. Als wir einen Abzweig zu einer kleinen Bucht sehen biege ich spontan nach rechts ab. Als ich wenig später an einem traumhaft schönen einsamen Strand stehe staune ich nicht schlecht wie sehr dieser Anblick doch dem berühmten Foto von Ansel Adams gleicht.

Es ist Zeit meine Nikon D800E und das AF-S 2,8/14-24mm auszupacken…

Mirror Lake #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Eigentlich ist das Licht eher bescheiden und wenn ich jetzt allein wäre würde ich sicher warten bis die Sonne hinter der Grand Tetons verschwindet und den Himmel (hoffentlich!!) wunderschön einfärbt. Aber ich ich bin jetzt in Begleitung und meiner Sandra will ich es nicht zumuten drei oder vielleicht auch vier Stunden auf ein einziges Foto zu warten. Also nehme ich Belichtungsreihen auf und schaue später am Abend was sich daraus zaubern lässt. Mit ziemlich viel Nacharbeit in Photoshop entsteht schließlich ein völlig surreales Abbild des Sees und der Grand Tetons. Es ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber ich mag es :-)

Mirror Lake #3 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Besonders nach der Konvertierung mittels NIK Silver Efex macht es ein sehr gute Figur. Nun erinnert es mich schon fast an Ansel Adams :-)

Grand Tetons in Ansel Adams Style

Als wir ins Rock Springs eintreffen ist es schon dunkel und die ersten Motels die wir ansteuern sind alle ausgebucht. Schließlich finden wir im Motel 8 ein einfaches aber zweckmäßiges Zimmer zum Preis von 64$ – also ca. 50 Euro. Dort werden noch schnell die Fotos des Tages auf Festplatten kopiert und dann geht auch schon das Licht aus.


USA-2014 – Tag 14 – Yellowstone Roundtrip

Am Morgen hat das Old Trail Town gleich neben dem Motel den ersten Tag des Jahren geöffnet und so machen wir uns fertig um dort einige schöne Fotos zu schießen und die sehr umfangreiche Ausstellung anzuschauen. Kurz vor dem Frühstück gibt es dann einen Stromausfall. Es ist nur diese Straßenseite betroffen, wahrscheinlich hat es weiter unten in der Stadt eine kleines Desaster bei Bauarbeiten gegeben. Beim Frühstück gibt es daher auch nur das nötigste, leider keinen Kaffee.

Im Old Trail Town sind wir wirklich überrascht wie gut erhalten viele Dinge in den Vitrinen sind. Es gibt allerlei Exponate rund um das Leben der Cowboys im vorletzten Jahrhundert. Aber auch das Leben der Indianer wird nicht ausgespart. Das ist eine sehr interessante Geschichte und wie ich finde die 8$ Eintrittsgeld mehr als wert. Wer hier in der Gegend ist sollte dieses Highlight nicht verpassen.

Später geht es wieder in den Yellowstone. Diesmal schauen wir und die Wasserfälle an. Leider ist der Himmel stark bewölkt so dass den Fotos jede Form von “magische Stimmung” leider fehlt :-(

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Hier  ich eine Karte auf der ich unseren Trip nachgezeichnet habe.

Yellowstone-Roundtrip

Wir starten unten rechts im Örtchen Cody. Vorbei am Bill Cody Stausee geht es in westlicher Richtung zum Yellowstone Nationalpark. Am malerisch zugefrorenen Yellowstone Lake geht es in Richtung Norden. Wir begleiten zunächst den Yellowstone River um ihn dann nach ein paar Kilometern zu kreuzen. Kurz nach der Brücke gibt es zwei Aussichtspunkte von denen man zunächst die Upper und dann die Lower-Falls sehr gut sehen kann. Die Lower Falls sind deutlich spektakulärer aber auch weiter entfernt. Bei den Upper-Falls ist man mit einem leichten Teleobjektiv sehr gut bedient. Bei den Lower Falls kann es ruhig ein etwas stärkeres Teleobjektiv sein. Ich verwende bei beiden Wasserfällen mein Nikon AF-D 1,4/85mm bei Blende 11 in Verbindung mit dem B&W ND1000 Graufilter. Bei ISO-50 sind damit Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden möglich. Durch diese lange Belichtungszeit erscheint das Wasser auf den Bilder schön weich und sieht irgendwie sehr malerisch aus.

Es geht weiter zunächst in Richtung Norden und dann zum westlichen Eingang. Dort kehren wir in einer Eatery ein die sehr witzig als “Slippery Otter Pub” benannt ist. Übersetzt heißt das etwa “Zum schlüpfriger Otter”- ganz witzig! Es gibt dort Burger aus Büffelfleisch oder auch aus Elch-Fleisch. Das diese Tiere hier recht selten sind verzichte ich gern darauf und entscheide mich für einen Burger aus konventioneller Massentierhaltung. Da zu gibt es French Fries und reicht Mayonnaise und Ketchup. Sandra entscheidet sich für das gleiche Gericht. Es schmeckt gut und die Kellnerin nimmt meine Begriffsstutzigkeit sehr gelassen. Gleich zu Beginn hat sie mir von er gewaltigen Bierkarte vier Marken aufgezählt. Ich dachte das wäre ihre Empfehlung, es waren aber genau die Biersorten die ausverkauft sind. Als ich der Reihe nach jeweils eines dieser Biere bestellen möchte schaut sie etwas genervt und sagt immer wieder “Sorry, but this beer is sold out!”. Irgendwann habe ich es dann auch verstanden, entschuldige mich und bestelle ein Bier das bereits im Kühlschrank auf mich wartet.

Der Rückweg ist lang und wir halten nur noch selten an. Als die Dämmerung hereinbricht sind es noch fast 200 Kilometer bis zurück nach Cody. Es ist eine streckenweise sehr gefährliche Fahrt, denn überall stehen Rehe und Antilopen am Straßenrand. Einmal muss ein Fahrzeug das uns vorausfährt richtig heftig in die Bremsen steigen. Auch bei uns quietschen die Reifen, das ist noch einmal gut gegangen.

Als wir im Hotel eintreffen ist es stockdunkel und wir haben fast 500 Kilometer hinter uns. Sandra ist hundemüde und geht sofort ins Bett. Ich sichere noch die Bilder der letzten Tage auf meine externen Festplatten und dann verschwinde auch im im Land der Träume.

Am nächsten Tag soll es weitergehen in Richtung Süden. Unser Ziel ist Rock Springs, ein kleines Dort das etwa auf halbem Weg nach Moab in Utah gelegen ist. In Utah wollen wir uns mit Peter und Angenie treffen. Aber bis dahin ist es noch ein wirklich weiter Weg, denn dieses Land ist einfach riesig groß.


USA-2014 – Tag 12 – Yellowstone Reloaded

Yellowstone NP #4 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm - HDR

Es ist der 12. Tag in den USA und heute werde ich meine Sandra in Billings Montana abholen. Wir haben uns per SMS um 12h im Best Western in Billings verabredet. Aber Achtung, Billings ist kein Dorf und es gibt gleich VIER verschiedene Best Western Hotels!! Als ich um kurz nach 10h in Cody starte scheint die Sonne und es sind etwa 13°C. Eigentlich noch relativ kühl, aber im Auto bemerkt man davon nichts. Auf dem Weg nach Billings nehme ich mit meinem HTC ONE ein kleines Video auf und bin während ich da erzähle was ich so in den letzten Tagen erlebt habe vollkommen hingerissen von der einzigartigen Kombination aus Weite, Bergen, Schnee und Licht.

In Billings angekommen lande ich irgendwie in einem Industriegebiet, aber nicht am Best Western Clock Tower Hotel in der First Avenue. Nach einer Weile fällt mir auf was ich falsch gemacht habe. Ganz in der Nähe des Hotels ist auch eine 1st Road. Similar but slightly different…. Um 12h20 bin ich dann aber doch am Hotel, Sandra wartet schon in der Lobby. Sie ist glücklich und total fertig zu gleich. Ihre Anreise war etwas abenteuerlich und hat sie teilweise an den Rand der Verzweiflung geführt. Aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Ich würde sagen das war ein STRIKE :-)

Auf dem Rückweg machen wir kurz vor Cody Rast im Edelweiss Saloon. Für mich gibt es einen Burger, Sandra entscheidet sich für eine Pizza. Es sind zwei alte Amerikaner dort, sie spiele Pool-Billard und unterhalten sich ein wenig mit uns. Der eine von beiden hat sofort verstanden, dass er langsam und deutlich sprechen muss, das klappt sehr gut. Der andere der beiden hat so einen krassen Akzent, ich verstehe bei ihm so ziemlich gar nichts. Irgendwann blicke ich dann, dass er Verwandtschaft in Deutschland hat und dass die Worte die ich absolut nicht verstehen konnte, ihre Namen sind.

Nach einer Stunde geht es weiter. Wir machen eine kurze Pause im Cody Cowboy Inn und Sandra lernt nun auch die liebe Petra kennen. Beide scheinen sich auf Anhieb gut zu verstehen und wir dürfen sogar mal den heißen Pool inspizieren der morgen geöffnet werden soll. Bei rund 38°C kann man es sich dort nach einem langen Fototag gut gehen lassen. So gegen 16h sind wird dann unterwegs zum Yellowstone National Park. Der Weg bis zum Eingang des Parks ist weit und wir sehen bereits hier etliche wild lebende Tiere. Nach rund 80 Kilometern erreichen wir dann den offiziellen Eingang. Ich zeige meinen “Annual National Park Pass” vor, den ich am Vortag für 80$ erworben habe und der nun ein Jahr lang den kostenlosen Eintritt in alle National Park der USA ermöglicht. Dieser Ausweis kann auf eine weitere Person übertragen werden und gilt für alle Insassen in einem Fahrzeug. Als ich ihn am Vortag gekauft habe, musste ich ihn auf der Rückseite unterschreiben. Heute muss ich zusätzlich meine ID-Card, also meinen deutschen Personalausweis vorzeigen.

Auf unserem Weg durch den Park laufen uns viele Tiere über den Weg und wir müssen immer wieder anhalten und die Fotoapparate zücken. Ich fotografiere heute mit dem vollen Programm, Nikon 1 V1, Panasonic GH3 und Nikon D800E.

Yellowstone NP #1 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #2 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #3 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #4 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #5 - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Yellowstone NP #3 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Yellowstone NP #4 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Besonders gut gefällt mir diese Szenerie, in der ein dicker Felsbrocken als “Spiegel” des grasenden Büffels herhalten muss.

Yellowstone NP #5 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Am riesigen und noch verschneiten Yellowstone Lake stehen plötzlich etliche Autos am Straßenrand. Warum stehen die bloß dort? Ich halte auch mal an und dann sehe ich ihn auch, eine dicker Grizzly wandert etwa 100 Meter von uns entfernt einen Hang hinauf. Bis ich mein Kamera startklar habe ist er leider schon verschwunden. Aber da sind auch noch zwei Schwarzbären. Sandra ist total verzückt, sie steht sprachlos mit ihrer Nikon D5100 und dem AF-S VR 55-300mm am Straßenrand und sieht zum ersten Mal in ihrem Leben gleich mehrere Bären die nicht durch Zäune oder Wassergräben von ihr getrennt sind. Das ist ein echtes Erlebnis für die meisten Besucher.

Yellowstone NP #6 - Panasonic GH3 & 100-300mm

Als wir etwa in der Mitte des Park ankommen wird es dunkel. Wir machen uns auf den Rückweg und müssen sehr aufmerksam und langsam fahren, weil immer wieder Rehe auf der Straße stehen können. In der Dunkelheit sind sie unterwegs zum nahegelegenen Shoshone River um dort ihren Durst zu stillen. Dabei müssen viele Rehe die Straße kreuzen, was nicht ganz ungefährlich ist.

Yellowstone NP #2 - Nikon D800E & AiS 2,8/55mm Micro

Yellowstone NP #3 - Nikon D800E & AiS 2,8/55mm Micro

Yellowstone NP #1 - Nikon D800E & AiS 2,8/55mm Micro

Die Wege sind weit und als wir in Cody eintreffen ist es schon 23h am Abend. Oder wie man hier sagt: 11 pm

Was für ein toller Tag! Dieser National Park ist unglaublich groß und traumhaft schön. Besonders jetzt mit der Mischung aus Schnee und frischem Grass schlägt er alles was ich bislang gesehen habe. Es war die richtige Entscheidung im May hierhin zu kommen. Zwar sind einige Wege noch gesperrt aber wir wollen hier ohnehin nicht wandern und campen. Wer dies allerdings vorhat, der sollte den Yellowstone eher in der Zeit zwischen  August und September besuchen. Eine sehr gute Sache der noch relativ kalten Jahreszeit ist, dass dort aktuell noch keine Moskitos unterwegs sind. Das macht den Aufenthalt für uns deutlich angenehmer als im Hochsommer.


USA-2014 – Tag 9 – Sightseeing in Idahoe

Es ist mein erster “richtiger” Tag in Idahoe und als das Telefon klingelt stecke ich noch ganz tief in meinen Träumen. Dementsprechend fällt es mir schwer ein halbwegs sinnvolles Englisch zu sprechen. Aber am anderen Ende ist Angenie und sie gibt sich alle Mühe herauszuhören was ich eigentlich sagen möchte. Alles fängt damit an, dass ich das Gefühl habe in einer falschen Zeitzone gelandet zu sein. Und das ist tatsächlich richtig! Unterwegs habe ich am Vortag ein Hinweisschild am Straßenrand gesehen “Mountain Time – Timezone” war darauf zu lesen. Also verständige ich mich mit Angenie zunächst darauf welche Uhrzeit eigentlich korrekt ist. Mein iPad war am Abend noch online und hat schon die “richtige” Zeit. Man Handy ist noch eine Stunde zurück und mein Notebook hat es auch schon kapiert, was für ein Durcheinander…

Ziemlich genau 60 Minuten später treffen wir uns in der Lobby des Hotels. Danach geht es zu einem sehr urigen Restaurant in dem es ein sehr gutes Frühstück gibt. Nach dem Frühstück geht es zum Haus von Angenie und Peter. Weil beide sehr sportlich und sehr aktiv sind, haben sie sehr detailliertes Kartenmaterial der näheren und ferneren Umgebung. Gemeinsam überlegen wir welche Erkundungstour für den Anfang die beste wäre. Es soll viel zu sehen geben, das Fahren soll Spaß machen und es soll nicht zu kurz und auch nicht zu lang sein. Letztlich entschließe ich mich zu dieser Route:

Idahoe-Roundtrip

 

Kurz nach dem Start passiere ich das Sun Valley Resort, ein wirklich edles Hotel das sicher nicht ganz preiswert ist. Mein Weg führt mich vorbei am Hyndman Peak auf einer zunächst sehr gut asphaltierten Straße. Nach ein paar Kilometern geht diese Straße in eine sehr gute befahrbare Schotterpiste (Gravel Road) über. Es ist kalt und windig und das leichte Schneetreiben lädt nicht gerade dazu ein weiter Wanderungen zu machen um tolle Fotolocations zu finden. Aber auch entlang der Straße gibt es immer wieder eine tolle Aussicht auf verschneite Gebirgszüge. Weil das Wetter für “normale” Fotografie nur wenig hergibt, fotografiere ich an diesem Tag fast ausschließlich mit der kleinen Nikon 1 V1 die ich mir vor einigen Wochen auf Infrarot 700nm habe umrüsten lassen.

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #9 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #11 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Immer wieder gibt es kleine lohnende Abzweige und mit meinem gewaltigen Geländewagen muss ich mir keine Sorgen machen irgendwo nicht durchzukommen. Lediglich schlammige Passagen sollte man meide wie die Pest. Der Schlamm setzt sich in kürzester Zeit in das Profil der Reifen und dann geht nichts mehr! Hier ist also allergrößte Vorsicht geboten!!

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #8 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #7 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #6 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Das Ende der Off-Road Piste führt mich an den östlichsten Punkt meiner Reise. Bis hierhin war ich fast zwei Stunden unterwegs. Nun geht es auf einer sehr gut ausgebauten Straße in Richtung Norden.

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #1 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #5 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Auch hier muss ich immer wieder anhalten weil kleine aber feine Motive den Wegesrand säumen.

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #4 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Schließlich lande ich in Stanley. Ein wirklich schöner kleiner Ort hoch oben und den Bergen direkt am beeindruckenden Salmon River gelegen. Ich halte kurz an um ein Foto zu machen, als ich danach so richtig auf das Gaspedal treten möchte, entdecke ich gut getarnt hinter einigen Sträuchern einen örtlichen Polizeiwagen. Er ist besetzt und die der Polizist grüßt zurück als ich freundlich die Hand hebe! Nur gut, dass mich der Übermut nicht verleiteten konnte hier zu schnell zu fahren…

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #3 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Unterwegs halte ich immer wieder an und schaue mal was sich am Ende einiger schmaler Feldwege verbirgt. Ich finde nichts außergewöhnliches und so geht es stets unverrichteter Dinge wieder zurück.

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #2 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Auf dem letzten Teilstück das mich wieder in Richtung Süden führt halte ich rechts der Passstraße an und genieße das gewaltige Panorama. Was für ein tolles Land dies doch ist. Kaum bin ich hier und schon bin ich hingerissen von der wilden Schönheit dieser weitläufigen Bergwelt.

Idaoe see through a 700nm Low-Pass Filter #10 - Nikon 1 V1 & 6,7-13mm

Kurz darauf kommt mit auf der Straße ein ganz seltsamer Vogel entgegen. Er schlägt wie wild mit den Flügeln und ich fühle mich spontan an die “Start-Szene” aus dem Disney Film “Bernhard & Bianca” erinnert. Schließlich hebt er doch noch ab, landet aber gleich neben der Straße wieder. Weite Strecken scheinen nicht sein Ding zu sein. Weil ich hier sowieso den ganzen Tag allein unterwegs bin trete ich voll auf die Bremse, greife nach hinten und schnappe mit meine Panasonic GH3 mit dem bereits angesetzten 100-300mm Telezoom. Der schnelle Serienbild-Modus und die intelligente Automatik sind bereits eingestellt und so gelingen einige schöne Aufnahmen dieses seltsamen Tieres das mich ein wenig an unsere Graureiher erinnert.

What's the name of this animal? - Panasonic GH3 & 100-300mm

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein weiterer Vierbeiner auf. Es sieht aus wie eine Mischung aus Hirsch und Antilope, keine Ahnung was es wirklich ist. Aber nachdem er mich entdeckt hat macht Er (oder Sie?) einige schnelle Sprünge zur Seite um mich danach aus sicherer Distanz zu mustern.

What's the name of this animal? - Panasonic GH3 & 100-300mm

What's the name of this animal? - Panasonic GH3 & 100-300mm

Ein paar Minuten zu spät treffe ich schließlich am Abend wieder bei Angenie und Peter ein. Sie haben gekocht und ihre Freunde Peggy und Chris sind auch zu Besuch. Peggy und Chris haben eine Weile in Alaska gelebt. Irgendwann ist es ihnen dort wahrscheinlich zu kalt geworden und nun wohnen sie in Idahoe. Hier gibt es auch viel Schnee, aber die Winter sind deutlich kürzer und die Sommer länger und sicher deutlich freundlicher. Bis in die Nacht hinein unterhalten wir uns, schauen Fotos und überlegen gemeinsam welche Reisen als nächstes kommen könnten.

Zurück im Hotel bin ich rundum glücklich und schlafe auch sehr schnell ein. Mein Jet-Lag ist nun vollständig vergessen…


USA-2014 – Tag 8 – Lake Tahoe nach Sun Valley

Sunrise at Emerald Bay #1 - Nikon D800E & AF-S VR 4/16-35mm & B&W ND1000

Als der Wecker klingelt ist es 5h am Morgen. Ich habe mein Jet-Lag inzwischen vollständig verarbeitet und bin nun in den USA der gleiche Morgenmuffel wie sonst daheim in Deutschland. Ich bin unglaublich langsam und so brauche ich bin 5h30 bis ich endlich im Auto sitze und unterwegs zur Emerald Bay bin. Leider habe ich das Gebiet noch nicht erkundet und so verpasse ich verschlafen wie ich bin in der Dunklheit den wichtigen Abzweig zum Emerald Bay Road. Irgendwie kommt mir alles erst etliche Minuten später komisch vor, also wende ich mein Auto und fahre ein Stück zurück, bei der nächsten Gelegenheit biege ich links ab und lande schließlich irgendwo im nirgendwo, ich bin falsch! Also wieder zurück zur Hauptstraße und beim zweiten Anlauf bin ich dann richtig. Die Straße wird enger und der Himmel zunehmend heller. Wenn ich ein paar wirklich brauchbare Fotos vom Sonnenaufgang über der Emerald Bay haben will muss jetzt alles ganz ganz schnell gehen. Ich drücke aufs Gas…

Die Straße wird zunehmend enger und kurvenreicher, es geht hoch ins Gebirge und das Thermometer zeigt – 1°C – Glatteisgefahr!! Hier ins schleudern zu kommen und einen Abhang hinabzustürzen, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Also schalte ich einen Gang zurück und lasse es langsamer angehen. Besser keine Fotos als den Rest des Monats im Krankenhaus zu verbringen.

Dann ist ein Scenic View Point ausgeschildert, schnell rauf auf den Parkplatz, die Kamera geschnappt und los geht es. Als ich an der Aussichtsplattform ankomme muss ich allerdings feststellen, dass ich total falsch bin. Hier sehe ich zwar die kleine Insel in der Emerald Bay, aber von der falschen Seite und es sind sehr viele Bäume dazwischen. Für ein Picknick im Sommer wirklich perfekt, aber nicht für schöne Fotos. Also geht die Hetzjagd weiter.

Als ich schließlich einen guten Platz gefunden habe ist es wieder einmal etwa 10 Minuten zu spät. Statt eines dunkelrot leuchtenden Wolkenhimmels schaue ich nun direkt in die Sonne. Also mache ich aus der Not eine Tugend und wende den “Fingertrick” an. (Siehe hierzu meine Rubrik “Photoshop”) So gelingt dann doch noch ein akzeptables Foto der Morgenstimmung an dieser tollen Bucht die zu den am meisten fotografierten Buchten der Welt gehört.

Sunrise at Emerald Bay #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Etwas weiter östlich schaut ich nicht direkt in die Sonne und hier mache ich einige Fotos mit meiner AF-S VR 4/16-35mm und dem famosen – weil weitgehend farbneutralen – Neutraldichtefilter des Typs B&W ND1000. Bei Belichtungszeiten von bis zu 30s sieht auf den Fotos das Wasser weitgehend spiegelglatt aus, so gefällt mir das. Um ca. 8h bin ich wieder am Motel, packe meine Sachen, verabschiede mich von den überaus freundlichen Mitarbeitern und mache mich auf den Weg nach Sun Valley in Idahoe.

Good bye Lake Tahoe - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Am nord-östlichen Zipfel des Sees ist ein schöner Aussichtspunkt und hier lohnt es sich kurz anzuhalten und ein Abschiedsfoto aufzunehmen. Leider wurde der kleine nette Erlebnispark in dem sich die aus der Fernsehserie Bonanza bekannte Ponderosa befindet vor etwa 12 Jahren vom Gründer der Firma People-Soft gekauft und kurz darauf dauerhaft geschlossen. Man munkelt er habe sich dieses “Vergnügen” 55.000.000 $ kosten lassen…

Bildschirmfoto 2014-05-11 um 12.28.37

Nach schier endloser Zeit erreiche ich schließlich Twin Falls und bin überrascht wie groß doch dieses Stadt ist. Am nördlichen Stadtrand verläuft der Shake River in einer atemberaubend tiefen Schlucht. Einige wenige Meilen in östlicher Richtung liegen die wirklich beeindruckenden Shoshone Falls. Als ich dort eintreffe schickt sich die Sonne gerade an hinter dem Horizont zu versinken. Der kleine State Park oberhalb der Wasserfälle ist wirklich weitläufig und gäbe hier allerlei Möglichkeiten für unterschiedlichste Perspektiven. Aber die bekommt man nicht an einem Abend hin. Also beschließe ich mich auf drei Standort zu beschränken und abwechselnd mit dem AF-S 2,8/14-24mm und dem AF-S VR 4/16-35mm zu fotografieren.

In den letzten Monaten habe ich einige fast hysterische Rückmeldungen erhalten wenn ich das 4/16-35mm Weitwinkel Zoom gelobt habe. BLOG-Leser und YouTube Zuschauer haben moniert, das 4/16-35 sei nicht scharf genug und eigentlich totaler Schrott, das einzig wahre Weitwinkel für meine Nikon D800E seit doch das AF-S 2,8/14-24mm. Irgendwie haben sie ja auch recht, bei Aufnahmen der Milchstraße und immer dann wenn man eine hohe Lichtstärke benötigt liefert das 2,8/14-24mm ja auch tolle Bilder. Aber man kann eben keine Filter drauf schrauben und außerdem ist es rund 600 Euro teurer als das 4/16-35mm.

Das nächste Foto habe ich mit dem 4/16-35mm und dem B&W ND1000 Graufilter aufgenommen. So konnte ich wirklich lange belichten und das Wasser sieht nun sehr schön “weich” aus. Ein Foto wie dieses gelingt eben mit dem 2,8/14-24mm NICHT. Also liebe Freude des 2,8/14-24mm, ihr solltet das 4/16-35mm mal wirklich auf Herz und Nieren testen! Meiner Meinung nach ist es deutlich universeller und bietet leicht abgeblendet die gleiche Bildqualität wie der deutlich teurere “große Bruder”.

Shoshone Falls - B&W ND1000

Hier noch ein Foto das ich mit meinem Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv aufgenommen habe. Der “Miniatur-Effekt” ist gewollt und eben ECHT, da kommt nichts aus Photoshop! Auch die Korrektur der Perspektive ist ECHT!. Beim oberen Bild habe ich die perspektivischen Fehler mit Photoshop korrigiert, damit das kleine Häuschen neben den Wasserfällen auch vernünftig gerade steht.

Shoshone Falls - Nikon D800E & Rokinon Shift & Tilt 3,5/24mm

Als ich mit meinem Shooting durch bin ist es fast 20:00 (8pm). Ich entschließe mich nicht in Twin Falls zu übernachten sondern noch schnell nach Sun Valley zu fahren, es sind nur etwa 130 Kilometer!

Als ich in Sun Valley eintreffe ist es stockfinster und während ich auf der Suche nach einem Hotel langsam meine Kreise durch die Stadt ziehe wird eine Polizeistreife auf mich aufmerksam. Unauffällig aber bestimmt fahren sie mir hinterher. Jetzt nichts falsch machen, ich will heute ganz sicher keinen Stress mehr mit der Polizei. Als ich zum dritten Mal beim Best Western vorbeifahre entschließe ich mich hier nach einem Zimmer zu fragen. Also halte ich auf dem Parkplatz neben der Rezeption und das Polizeifahrzeug ebenfalls – urgs… Als ich aussteige und die Polizisten grüße winken sie zurück und als sie sehen wie ich die Lobby ansteuere fahren sie langsam weiter. Das ist ja noch einmal gut gegangen.

Das Zimmer ist mit 89,- $ überraschend preiswert und wirklich wunderschön. Es ist toll eingerichtet und alles ist sehr luxuriös. Es war keine verkehrte Entscheidung hier einzuchecken. Ganz besonders nett war auch der nächtliche Plausch mit Lisa Stucks an der Rezeption des Hotels.

Thank you Lisa :-)


USA-2014 – Tag 7 – Snapshot Day

Nun bin ich schon eine Woche in den USA, habe eine abenteuerlich schwere Fotoausrüstung mit drei Kameras und etlichen Objektiven mitgeschleppt und letztlich fast ausschließlich mit der Nikon D800E und dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert. So kann das einfach nicht weitergehen! Mein Schlafrhythmus hat sich inzwischen etwas normalisiert, das Jet-Lag habe ich weitgehend verarbeitet und so geht es um so gegen 8h zum Frühstück. Als ich die Rezeption betrete riecht es dort nach Kaminholz. Und tatsächlich, hier wird mit echtem Holz in einem offenen Kamin geheizt, das hat doch was. Um die Ecke ist ein sehr urig eingerichteter Bar-Bereich, dort bin ich ganz allein und es gibt ein ganz ordentliches Frühstück. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass es hier kein Schwarzbrot und keine Brötchen gibt und man sich seinen Toast auch nicht mit Käse oder Wurst belegen kann, dann ist das Frühstück eigentlich ganz ok. Man kann davon satt werden und das Obst, Yoghurt usw. sind auch von guter Qualität.

Nach dem Frühstück versuche ich die vielen Benachrichtigungen von flickr.com zu verarbeiten und keine wichtigen E-Mails versehentlich zu löschen. Über Nacht sind einige der neuen Fotos wieder auf sehr große Resonanz gestoßen und das ist fast ein wenig elektrisierend. Wann hat man schon Tage an denen die eigenen Fotos fast 50.000 mal angeschaut werden?

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Sehr cool sind auch die Einladungen einzelner Fotos in die diversen Gruppen die es bei flickr.com gibt. So werden deutlich mehr flickr-User auf die eigenen Fotos aufmerksam und das ist letztlich der Katalysator der dazu führt, dass einzelne Bilder manchmal groß rauskommen und bspw. von Getty-Images nachgefragt werden.

Bildschirmfoto 2014-05-08 um 06.35.56

Doch die Fotos die so gut ankommen sind auch keine schnell gemachten Schnappschüsse. Oft braucht es weite Wege, schönes Wettern und mehrere Stunden in denen man das gleiche Motiv wieder und wieder mit anderen Einstellungen, anderen Objektiven und aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert. Während man das tut ändern sich Licht, Wolken, das Wetter und andere Faktoren die letztlich bestimmen ob ein einzelnes Foto wirklich gut oder doch eben nur guter Durchschnitt ist.

Da ich nun schon eine ganze Woche mit großer Energie dem perfekten Foto hintergejagt bin, ist es heute eigentlich mal Zeit für einen ganz entspannten Tag. So verstaue ich meine Nikon D800E und alles was dazugehört im Motel-Zimmer und gehe einzig mit meiner Panasonic GH3, einigen Objektiven und der kleinen Nikon 1V1 zu Fuß auf Motivsuche.

Heue ist der Tag des gepflegten “Knips-Bildes” – Heute ist Snapshot-Day

Zuerst geht es in Richtung Norden an der Hauptstraße entlang, dann biege ich links ab und gehe mal an den Strand. Überall sind Motels, an vielen Stellen wird geputzt und geschrubbt, es werden Winterschäden beseitigt und alles wird für die Sommersaison startklar gemacht.

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Das klingt grausam, ist es aber gar nicht, ein Dead End ist eine einfache “Sackgasse”.

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Auch Motorboote wollen mal volltanken…

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In America lebt man oft auf großem Fuß und da ist es nicht verwunderlich wenn auch schon mal ein Automobil mit Zwillings-Bereifung daher kommt…

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Spannend finde ich, dass man hier sogar sein Parkticket mit der VISA-Karte bezahlen kann – WOW!!

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Die Gegensätze sind krass, Strand auf der einen Seite, dann ein gewaltiger See mit schönen Yachten und im Hintergrund im Mai komplett verschneite Berge.

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Die Autos sind hier etwas größer als in Europa, dafür sind die Häuser häufig aus einfachen Holzbrettern zusammen genagelt.

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Die Ski-Saison ist vorbei, die Lifte stehen still. Hier einer der steilsten und gefährlichsten Hänge. Auf der Rückseite geht es gemütlicher zu.

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Bei der Marina stand dieses Auto, das seine eigene Zapfsäule dabei hat – Ein Self-Charger??

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Wenn man etwas darauf achtet sind hier überall kleine Tiere unterwegs.

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Sehr cool dieser mit eichen Steinen verkleidete Kamin, ob er einem kräftigen Wirbelsturm standhalten würde?

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Die Hydranten sind hier nicht ROT sondern in edlem Silber gehalten!

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Wer hier mit dem Hund ausgeht macht das auch schon mal mit dem Skateboard…

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Es gibt sie noch, die schönen dicken Trucks die man bspw. aus dem ersten Film von Steven Spielberg kennt.

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Eine Schaufel ist brandneu…

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Bald kann auch wieder gegrillt werden…

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Und wieder sitzen überall die Vögel herum und singen ihre Lieder, das hört sich wirklich gut an!

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Mein erstes Eichhörnchen – hier heißen sie anderes, ich glaube es ist ein Squirrel.

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Auch sehr cool, eine total verwanztes heruntergekommenes Gebäude wird als “Truly Exceptional” beworben, das geht nur in Amerika :-)

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Stundenlang steht sie mit ihren Kameras auf dem Gehweg, was sie hier “Time-Lapse’en” will weiß ich allerdings nicht…

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Winke Winke…

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Der steht auch auf einem Bein…

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Und wenn er mal läuft, dann sehr exzentrisch…

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Nicht nur die Autos sind hier größer, auch die Tannenzapfen…

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Kleines Haus – Großes Haus – Alles in EINEM…

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Der kommt überall durch, nur nicht durch die Prüfung beim Deutschen TÜV :-)

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Nun ist der Spaziergang schon fast beendet…

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Da steht es noch mein teures großes schwarzes Spaßmobil…

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Nach einer kurzen Pause geht es um 12h wieder weiter. Im Internet habe ich gelesen, dass ein paar hundert Meter die Straße hinunter ein Schaufelraddampfer die “Tahoe Queen” um 13:30 ablegen wird. Das könnte eine schöne Tour werden, das Wetter ist inzwischen nicht mehr wirklich schön, der Himmel ist mit schweren Wolken verhangen und daher entschließe ich mich mal eine der großen Attraktionen auszuprobieren.

Auf dem Weg zur Anlegestelle gibt es mehrere kleine Gedenkstätten.

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Man sagt, dass hier in den Wäldern Bären leben und dass man ihnen besser nicht begegnen sollte…

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Da ist sie schon, die Tahoe Queen. Sie sieht alt aus, ist aber recht modern mit Klimaanlage, Souvenir-Shop und komplett ausgestattetem Restaurant.

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Jetzt noch schnell ein Ticket kaufen!!! Nur gut, dass ich so früh hier war und am Anfang der laaaaaaaangen Schlage stehe…

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Direkt vor dem Schaufelrad (rechts) gibt es einen kleinen Lounge-Bereich mit sehr bequemen Kuschelecken.

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Nachdem wir abgelegt haben kann man mit dem langen Teleobjektiv sehr schön die Villen der Schönen und Reichen sehen…

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Das gefällt allerdings nicht allen Teilnehmern…

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Für diese Fahne ist immer Platz und wo sie nicht weht, da ist auch nicht Amerika!!

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Ein gepflegtes “Selfi” auf dem Lake Tahoe? Wer hat das schon…

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Wenn man jetzt nur ein Teleobjektiv hätte…

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Er hat eines, aber wie man die Streulichtblende benutzt hat ihm noch niemand erklärt…

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Fotoschnack mit Kaffee auf dem See, das Leben kann schön sein :-)

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Das Schaufelrad von oben – das geht nur mit einem Fish-Eye Objektiv…

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Das ist sie, die kleine Insel in der Emerald Bay!

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Und hier noch ein paar Infrarot-Fotos die ich heute mit der Nikon 1 V1 aufgenommen habe. Keine Angst, es ist gleich geschafft… Diese Fotos sind schon etwas ernst gemeint als die vorherigen “Snapshots”. Wer mag kann sie mal anklicken und in voller Schönheit betrachten!

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So, das war sie nun die erste Woche! Morgen geht es dann in Richtung Sun Valley. Dort möchte ich Angenie und Peter besuchen die ich 2009 beim Wandern in einem kleinen Canyon neben der Cottonwood Road kennen gelernt habe. Seit der Zeit haben wir den Kontakt per E-Mail gehalten und uns im Jahr 2011 in Page (Arizona) zu einem Burrito getroffen. Das Sun Valley ist eine beliebtes Skigebiet der Amerikaner und ich bin sehr gespannt welche Tipps für schöne Fotolocations Angenie und Peter für mich auf Lager haben :-)

 


USA-2014 – Tag 6,75 – Lake Tahoe Sunset

Mono Sunrise #4 - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Es ist der 7. Mai 2014 22:26 und ich sitze ziemlich erledigt im Zimmer 120 im Quality Inn in Lake Tahoe South. Dieser Ort ist eine Mischung aus einem Luzern in der Schweiz und Las Vegas in den USA. Es gibt einen tollen See der mir so große erscheint wie der Garda See in Italien, es gibt einen Schaufelrad-Dampfer, Casinos und Hotels so weit das Auge reicht. Hier kann man es wirklich gut aushalten, nicht nur zur Ski-Saison. Nachdem ich im Quality Inn eingecheckt und einen weiteren Artikel geschrieben und veröffentlich habe geht es etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang in Richtung Norden. Bei Google-Maps habe ich ein wenig herum geschaut und mein Ziel ist eine kleine Bucht etwa auf halber Höhe an der östlichen Seite des Lake Tahoe. Bereits bei meiner Ankunft musste ich ja feststellen, dass das Seeufer hier fast genauso fest in privaten Händen ist wie am Starnberger See in Bayern. Einfach mal anhalten und am Ufer spazieren gehen, das funktioniert hier genauso wenig wie in Bayern.

Aber es gibt einige schöne Aussichtspunkte und es gibt vor allem den Sand Harbour!! Hier ist ein kleiner State Park, leider hat er am Abend nur bis 19h geöffnet und als ich eintreffe bin ich mir unschlüssig ob nach 19h die Tore geschlossen werden. Da ich keine Laut auf große Experimente habe, parke ich mein Auto ein paar Meter die Straße hinauf und versuche mich zu Fuß zum Seeufer durchzuschlagen. Das klappt auch ganz gut, man muss nur dem kleinen Trampelpfad folgen.

Mono Sunrise #3 - Nikon D800E - AF-S 2,8/14-24mm

Während ich ein Foto nach dem andere aufnehme muss ich an den tollen Morgen am Mono Lake denken. Es ist wirklich schade, dass es dort wo ich in Deutschland lebe keine solchen See gibt. Sie laden einfach zum Fotografieren ein und sind echte Magneten für alle die das Licht am frühen morgen oder späten Abend lieben.

Tahoe Sunset #2 - Nikon D800E & AF-S VR 4/16-35mm

Unten am Lake Tahoe ist es sehr windig und der See hat richtig hohe Wellen. Das sieht gut aus, nur nicht auf Fotos! Also verwende ich statt des wunderbaren Nikon AF-S 2,8/14-24mm heute mal das ebenso gute AF-S VR 4,/16-35mm und schraube einen B&W ND-1000 Neutraldichte-Filter darauf. Bei extrem dichten Graufiltern ist eine gute Qualität extrem wichtig, andernfalls gibt es böse Farbverschiebungen die sich im Zweifel auch bei einer guten RAW-Konvertierung nicht vollständig beseitigen lassen. Daher schwöre ich auf meinen B&W ND1000 Filter!!

Tahoe Sunset #1 - Nikon D800E & AF-S VR 4/16-35mm

Mit diesem Filter vor dem Objektiv kann ich schön lange belichten und so sieht die aufgepeitschte Wasserfläche dann letztlich doch ganz zahm aus.

Als die Show vorbei ist geht es zurück zum Motel, dabei achte ich hübsch brav auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Erst bei meiner Ankunft und auf dem Wag zum Sand Harbour standen zwei Autos am Straßenrand die von der Polizei kontrolliert wurden. Jetzt einen teuren Strafzettel zu kassieren, das ist nicht notwendig :-)

Später im Motel freue ich mich über den schöne schnellen Internet-Zugang, endlich kann ich wieder ungestört in meine E-Mails schauen und auch mal via Facebook mit meinen Freunden chatten. So geht dann der 7. Mai zu Ende. Ich bin nun schon fast eine Woche lang hier und habe das Gefühl eigentlich noch gar nicht viel von diesem irre großen Land gesehen zu haben. Es ist kein Wunder, dass meine Freund Wolfgang seit mehr als 30 Jahren immer wieder hierher kommt und immer wieder neue Foto-Locations aufsuchen kann. Es gibt hier einfach viel mehr zu sehen als man es mit seiner Kamera in einigen Wochen zu erfassen vermag. An jedem Tag an dem ich hier ins Bett gehe habe ich das Gefühl irgendetwas noch nicht erledigt zu haben. Es ist ganz komisch, ich bin hier immer irgend wie auf der Suche und die Zeit ist viel zu kostbar um in einem Café abzuhängen oder in den Fernseher zu schauen. Wenn ich daran denke, dass ich irgendwann wieder heim muss, werde ich jetzt schon fast wehmütig. Aber es sind ja noch ein paar Wochen…

In der nächsten Woche kommt dann meine Sandra dazu. Wir haben uns in Billings Montana verabredet und ich bin sehr gespannt was sie von ihrer Anreise wird berichten können :-)


USA-2014 – Tag 6,5 – Lake Tahoe

Wegen der starken nächtlichen Schneefälle ist der Tioga Pass leider derzeit mal wieder gesperrt. Es ist fast ein Glücksfall, dass ich gestern nicht früh morgens zum Yosemite National Park gefahren bin, denn später am Abend wäre ich schon nicht mehr zurück zu meinem Motel gekommen!! Auch ist es krass welche unterschiedlichen Vegetationen ich in nur eine Woche in diesem riesigen Land gesehen habe. Von heißer trockener Wüste bis hin zum elitären Wintersport-Resort war alles dabei.

Gerade eben ist mir bei der erstmaligen Datensicherung meiner GoPro HD HERO 3+ ein kleiner Soundcheck in Auge oder besser ins “Ohr” gesprungen. Hier hört man sehr schön wie böse dieser Motor grollt wenn man so richtig fest auf das Gaspedal tritt. Leider ist die Beschleunigung deutlich geringer als bei meinem kleinen silbernen Spaßmobil, obwohl dieses nur 4 Zylinder, 1,8 Liter und 184 PS mobilisiert. Aber es liegt eben am Gewicht, müsste dieser V8 Motor keinen LKW antreiben, dann sähe es mit der Beschleunigung auch ganz anders aus. Aber ein schöner Ohrenschmaus ist er in jedem Fall. Überhaupt ist dieses Auto zwar exorbitant teuer, aber irgendwie auch sehr cool. Zwar ist die Federung weich und indirekt wie bei einem alten Opel Astra, aber wenn das Monstrum einmal rollt, dann rollt es auch und dann hört man fast nur noch ein wenig Fahrtwind.

 

Hier habe ich noch eine kurze Videokostprobe die ich vorhin irgendwo so ca. 50 Kilometer nördlich von Lee Vining aufgenommen mit meiner auf Infrarot 700nm umgebauten Nikon 1 V1 aufgenommen habe.

 

Meine Reise hat mich heute von Lee Vining bis an den Lake Tahoe geführt. Zwischendurch musste ich umdisponieren, weil die SR-207 nach Lake Tahoe South derzeit geschlossen ist. So musste ich einen kleinen Umweg fahren, aber das tat nicht weh denn so habe ich das wunderschöne kleine Örtchen Genoa entdeckt. Dort gibt es ein paar schöne alte Häuser die vor langer Zeit von den ersten Mormonen erreichtet wurden.

Bildschirmfoto 2014-05-07 um 17.01.29

Der Ort Lake Tahoe South ist eher ein Wintersportgebiet und hier ist die Saison jetzt eigentlich zu Ende. Daher sind die irre vielen Motels die es hier gibt auch derzeit nur wenig besucht. Nach einigem Überlegen habe ich mich entschlossen wieder einmal für zwei Tage im Quality Inn einzuchecken. Wegen der Nebensaison habe ich nun ein recht schönes geräumiges Zimmer für 55$ pro Nacht. Das ist recht preiswert und ein kleineres Zimmer hätte es sogar für 45$ gegeben. Eine Querstraße weiter oben machen andere Motels Werbung damit, dass die Zimmer nur 29,99$ kosten. Das Quality Inn hat aber für mich als emsigen Blogger den ganz großen Vorteil, dass ich hier derzeit fast allein bin und dass daher der Internetzugang wunderbar schnell funktioniert. Ich kann hier sehr gut bloggen und meine Fotos bei flickr.com oder 500px.com hochladen. So macht das Leben als Blogger richtig Spaß :-)

Hier habe ich noch einige Infrarot-Fotos die ich heute so zwischendurch mit meiner umgebauten Nikon 1 V1 aufgenommen habe.

South Tufas - Nikon 1 V1 - IR700nm - 6,7-13mm

Where the Mormons lived once ago - Nikon 1 V1 - IR700nm - 6,7-13mm

Lake Tahoe Vista Point #1 - Nikon 1 V1 - IR700nm - 6,7-13mm

Lake Tahoe Vista Point #2 - Nikon 1 V1 - IR700nm - 6,7-13mm

So, jetzt mache ich mich mal auf den Weg zum abendlichen Foto-Shooting und einem abschließenden stilechten Hamburger mit allem Zubehör :-)


USA-2014 – Tag 6 – Mono Sunrise und Yosemite

"Mono

Als ich wach werde zeigt der Wecker 3:43 – das passiert mir daheim NIEMALS. Dieses Jet-Lag ist eine feine Sache für alle die gern den Sonnenaufgang fotografieren wollen. Nur wann geht die Sonne auf? Ich schaue mal auf meinem Smartphone mit dem zerbrochenen Display (Arg Arg Arg) bei der APP „Blaue Stunde“ nach. Die APP verrucht eine Positionsbestimmung, was schwierig ist, weil das GPS im Erdgeschoss nicht funktioniert. Also schalte ich das WLAN ein und gebe brav mein Password ein 7604676316 – ich kann inzwischen nicht mehr zählen wie oft ich dieses Password hier schon eingetippt habe… Aber es klappt nicht, ich versuche es wieder und wieder, WLAN Ein / Aus, 7604676316… Dann schalte ich den Flugmodus aus und ganz kurze Zeit scheint es als würde es mit 7604676316 funktionieren. Langsam komme ich mir vor wie Hurley als der die Zahlen bei LOST gesehen hat – 7604676316 – 7604676316 – 7604676316

Doch dann ist die Verbindung wieder weg. Bereits am Vorabend hat das Veröffentlichen meines Artikels nicht funktioniert. Daher habe ich bevor sie weg sind alle Gedanken noch schnell in einem Dokument mit dem Programm „Pages“ festgehalten. Der Upload der Bilder des Tages in Richtung flickr.com hatte noch funktioniert, aber danach ging nichts mehr, trotz 7604676316 oder 7604676316 oder 7604676316…

Schließlich bestimmt mein Telefon seine Position über das Telefonnetz: Sonnenaufgang ist um 5:54

Es ist also noch etwas Zeit. Ich öffnen meinen tollen kleinen Mac und schreibe diese Zeile, erneut in Pages weil es auch hier mit 7604676316 oder 7604676316 nicht funktionieren will. Wer kann sich nur im einem Motel solch ein Passwort für das WLAN ausdenken? In Escalante war ich mal in einem Motel, da musste man „BeOurGuest“ also „Sei unser Gast“ eingeben. Solch ein Passwort ist klasse und das kann man sich auch merken, aber 7604676316??

Na jedenfalls klappt es mit der Publikation der neuesten Infos nicht und ich hoffe nur, dass meine Daheimgebliebenen keine Krise bekommen und befürchten mir sei etwas zugestoßen. Es ist jetzt 4:31 und ich springe mal unter die Dusche. Danach packe ich alles zusammen, fahre zum Südufer des Mono Lake und versuche dort bei den „South Tufas“ einige Fotos aufzunehmen die so markerschütternd sind, dass ich damit in den Fotografenhimmel komme. In den Fotografenhimmel 2. Klasse natürlich, denn ich Fotograf ist ein Ausbildungsberuf und nur weil man herausgefunden hat hat wie man eine Kamera benutzt ist man noch lange kein Fotograf – ich bin jedenfalls kein Fotograf! Ich bin ein Diplom-Ingenieur der gern fotografiert – That’s it!

Mit dem Auto geht es ein paar Kilometer zurück nach Süden in Richtung Bishop, dann ist eine Abzweig zu den South Tufas ausgeschildert. Der ist übrigens ganz witzig die Straße ist vierspurig mit Mittelstreifen, fast wie eine Autobahn und da gibt es einen Streifen für Linksabbieger. Man wartet kurz zwischen den Fahrspuren den Gegenverkehr ab und schon geht es weiter. Die Straße zu den South Tuffs ist inzwischen Sehr gut ausgebaut, mit fast 100 km/h geht es dem See entgegen. Vor mit fährt die ganz Zeit schon eine große Nissan Limosine, wohin die Insassen wollen ist schon klar :-) Als wir am Parkplatz etwas südlich der South-Tufas eintreffen stehen dort schon mehrere Wohnmobile und einige „normale“ Autos.

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Ich schnappe mir schnell die Nikon 1 V1 und die Nikon D800E Samt AF-S 2,8/14-24mm samt Stativ. Jetzt muss ich mich beeilen, die Sonne wird in ein paar Minuten aufgehen. Eigentlich liege ich noch ganz gut in der Zeit doch als ich letztlich dort ankomme wo ich schon vor drei Jahren einige tolle Fotos aufnehmen konnte, sind dort schon alle guten Ecken besetzt. Immer wieder werde ich höflich aber bestimmt aufgefordert einen Hintern aus dem einen oder anderen Foto heraus zu bewegen. Das nervt total, so eine wirklich gute Stelle für meine Stativ und meine Kamera zu finden ist leider kaum möglich. Aber es gelingen dann doch noch ein paar schöne Fotos.

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Während ich vor mich hin fotografiere treffe ich die beiden Fotofreunde wieder mit denen ich schon gemeinsam in der Nacht am Mobius Arch fotografiert habe. Die Welt ist wirklich klein. Diesmal habe ich sogar eine Visitenkarte dabei und vielleicht treffen wir uns ja noch das eine oder andere Mal :-)

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Gegen 7h ist die Show vorbei und die Sonne versteckt sich hinter ein gewaltigen Wolke. Außerdem ist mir kalt. 15 Minuten später bin ich wieder am Auto und es geht zurück nach Lee Vining. Das Thermometer zeigt jetzt nach Sonnenaufgang kalte -3°C. Die Straße über den Tioga Pass ist leider inzwischen wieder geschlossen. In der Nach hat es lange und ausgiebig geschneit. Vielleicht wird sie im Laufe des Tages wieder geöffnet. Wenn ich es abwarte komme ich vielleicht heute oder morgen auf die andere Seite der Berge zum Yosemite National Park. Dort würde ich so gern in der Nacht am Glacier Point einige Fotos aufnehmen. Aber der Himmel ist mit schweren Wolken überzogen, da würde ich derzeit die Milchstraße eh nicht zu sehen bekommen.

So muss ich mich nun entscheiden ob ich hier abwarte oder mich gleich auf den Weg zum Lake Tahoe aufmache? Statt zum Yosemite zu fahren könnte ich auf dem Weg zum Lake Tahoe auch non ein paar Stunden in Bodige verbringen. Nachdem ich gestern bei schwerem Schneetreiben regelrecht geflohen bin wäre diese urige Western Stadt einen zweiten Besuch wert. Na schauen wir mal, ich habe ja keine Eile und keine festen Termin, das ist das Großartige wenn man einfach so vor sich hinreisen kann, wenn keine Hotels gebucht sind und man regelrecht vogelfrei sein Leben genießen kann.


USA-2014 – Tag 5 – Bodie Ghost Town

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Als der Wecker loslegt bin ich noch im vollen Tiefschlaf, endlich einmal. Langsam aber sicher beginne ich das Jet-Lag abzuschütteln. Ein Blick nach draußen verrät, dass gleich die Sonne aufgehen wird. Also nichts wie rein in die Klamotten, auch wenn es entsetzlich schwer fällt. Nach etwa 15 Minuten bin ich startklar und will nur noch ganz kurz in meine E-Mails schauen. Dort finde ich dann eine Sache die sehr wichtig ist und die sofort erledigt werden muss. Doch es zieht sich hin weil ich hier am Ende der Welt bin und die Internet-Anbindung noch langsamer ist als beispielsweise in „Bielefeld“…

"After

Doch nach etwa 45 Minuten ist es geschafft, nun schnell alles ins Auto packen und los geht es. Ich will am südlichen Strand des Mono Lakes die wunderschönen Tuffsteinfelsen zum Sonnenaufgang fotografieren. Als ich mit dem Auto den Ortsausgang erreiche kann ich sehen, dass links von mir die Sonne schon hoch über dem See steht. Ich bin ungefähr eine Stunde zu spät. Jetzt noch dorthin zu fahren wäre Unsinn, zumal es irre kalt ist und gerade ein leichtes Schneetreiben einsetzt. Ich drehe also etwas enttäuscht um und fahre zurück zum Motel. Dort krame ich eine halbe Ewigkeit in meinem großen Koffer herum. Er ist ja schön leicht, aber er hat nur einen dünnen Deckel und somit liegt alles, aber auch alles immer direkt vor mir. Bei meinem alten Samsonite war das anders. Da gab es einen Deckel der etwa 7cm dick und mit einem Netz nebst Reißverschlüsse versehen war. Dort konnte man alles unterbringen was man täglich benötigt. Alles andere war unten im „großen Fach“. Das gibt es jetzt nicht mehr und mittlerweile herrsche in meinem anfangs noch gut sortierten Koffer die totale Anarchie.

"After

Aber ich finde dann doch noch meine Handschuhe und die warme Fleece-Mütze. So bewaffnet geht es zurück zum Auto. Ich starte den großen V8 Motor und lenke mein schwarzes Ungetüm in Richtung Norden. Nach etwa 20 Kilometern erreiche ich den Abzweig zum Bodie State Park. Diese alte recht gut erhaltene Geisterstadt wollte ich schon im Jahr 2011 unbedingt anschauen. Aber da dieser Ort rund 2.567 Meter hoch liegt ist er oft erst im May oder Juni zu erreichen. Bislang dachte ich immer er läge 3.500 Meter hoch, da hatte ich mich doch schwer verschätzt. So sind es „nur“ etwa 300 Meter Unterschied zum Motel in Lee Vining am Mono Lake. Die Straße ist anfangs sehr gut asphaltiert, später wird sie dann eine recht gut befahrbare Dirt-Road. Während mein V8 vor sich hin blubbert und ich Meter um Meter nach oben klettere setzt ein starkes Schneetreiben ein. Auf der Straße sind Reifenspuren erkennbar, von genau EINEM anderen Auto! Der Fahrer scheint sich hier gut auszukennen, denn die meisten Schlaglöcher und Felsbrocken hat er geschickt umfahren. Ich bleibe einfach in dieser Spur und komme so sehr entspannt schon nah kurzer Zeit oben in Bodie an. Allerdings hat der Park noch geschlossen, es ist erst kurz nach 7h.

Also mache ich es mir im Auto gemütlich und nehme mit meinem kleinen SONY HDDR-MV1 einige kurze Videosequenzen für mein „großes Reisevideo“ auf. Ungefähr eine halbe Stunde später gesellt sich ein Allradauto mit Kennzeichen aus Kalifornien dazu. Es steigt ein Typ aus der voll witzig angezogen ist. Er trägt kurze braune Hosen, darunter eine schwarze Leggins, Kniestrümpfe, Wanderschuhe und ein T-Shirt. Als er bemerkt wie saukalt es draußen ist holt er sich vom Rücksitz seines Autos ein Kleidungsstück nach dem anderen. Zum Schluss setzt er noch ein Mütze auf und wandert dann entgegen aller Verbote mit seiner Kamera in den Stadtpark hinein. Dort kann ich ein ganz Weile zuschauen wir er dies und das fotografiert bist schließlich ein sehr großer weißer Geländewagen in seiner Nähe auftaucht. Es steigt jemand in Uniform aus. Sie reden kurz miteinander und dann tritt der lustig bekleidete Typ auch schon den Rückmarsch an.

"Bodie

Wortlos steigt er in sein Auto und fährt von dannen. Ich will mir sowas ersparen und warte brav noch eine satte Stunde bis endlich genau dieser weiße Wagen wieder angefahren kommt. Es steigt ein adrette junge Frau in Uniform aus. Am Gürtel hat sie allerlei Funkgeräte und es sieht aus als würde sie auch ein Waffe tragen. Als erste Handlung hisst sie zwei Fahnen und winkt mich danach heran. Ich zahle ganze 5$ Eintritt und kann mein Auto hinten links auf dem großen Parkplatz abstellen. Dort wird gerade eine Art Visitor-Center neu erreichtet. Daneben stehen einige Chemie Toiletten.

Bewaffnet mit meiner D800E, einem Stativ, der Nikon 1 V1 und allerlei Zubehör geht es auf die Fotopirsch. Ich bin der erste Gast des Tages, bleibe es aber nicht lange. Bereits nach wenigen Minuten sehe ich andere Leute die ebenfalls mit Stativ und Kamera die nette alte Geisterstadt zu durchstreifen beginnen.

Ich fotografiere hier uns da, nehme einige kurze Video-Sequenzen auf und bin schließlich überrascht, dass es schon 12h am Mittag ist. Bei fiesem Schneetreiben flüchte ich mich schließlich in meinen großen Geländewagen und trete dem Heimweg nach Lee Vining an. Diesmal nehme ich die Straße die gleich links abbiegt und als „Extremely Rough Road“ gekennzeichnet ist. Doch letztlich ist sie ganz ok und bietet eine tolle Aussicht auf den großen Mono Lake. Über dem Se hängen schwere Wolken und es ist nicht der Tag für schöne Landschaft-Fotografie. Also fahre ich direkt zum Motel, sichte kurz die Fotos des Tages und gehe schließlich um 14h30 nach nebenan in das Restaurant in dem ich schon gestern so gut gegessen habe. Es gibt wieder Corona und dazu einen Burger mit allem und French Fries. So kann man es aushalten. Der Spaß kostet inklusive Trinkgeld wieder 25$ also etwa 18 Euro.

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Während ich esse fegt draußen ein richtiger kleiner Schneesturm los. Nach und nach füllt sich das Restaurant es kommen lauter Leute mit Schnee im Haar oder auf der Baseball-Kappe hinein. So geht das eine Weile bis sich dann überraschend schnell der Schneefall legt. Die Sonne kommt heraus und taucht alles in ein fast malerisches Licht. Danach geschieht etwas unerwartetes, die Straße und der Parkplatz beginne zu dampfen wie eine heiße Quelle auf Island. Das sieht echt cool aus. Rund 30 Minuten später sind die Straßen wieder trocken und ich bin satt und müde.

Zurück im Motel traue ich meinen Augen nicht, ich habe mehr als 200 Mails bekommen. Die letzten Fotos bei 500px.com und flickr.com sind auf wirklich viel Resonanz gestoßen. Alle paar Minuten kommen weiter Mails mit Benachrichtigungen, dass ich einen neuen Follower bei flickr.com habe. Es gibt neue Freunde bei Facebook und rund 10 neue Abonnenten bei YouTube. Das freut mich sehr, ist es doch wenigstens eine kleine wenn auch nicht monetäre Anerkennung für die Nächte unter freiem Himmel, allein mit meiner Nikon und der Milchstraße.

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So vergeht der Tag und ich hoffe, dass der Schneesturm die Straße über den Tioga-Pass nicht wieder unbefahrbar gemacht hat. Denn morgen will ich mal rüber auf die andere Seite der Sierra Nevada Mountains und im Yosemite alles nachholen was im Jahr 2011 nicht geklappt hat.

Danach will ich weiter zum südlichen Zipfel des Lake Tahoe. Dort ist es hoffentlich nicht mehr ganz so kalt wie hier und ich wünsche mir insgeheim eine sternenklare Nacht über der wunderschönen Emerald Bay. Ob es damit geklappt, das gibt es dann zu lesen :-)

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USA-2014 – Von Lone Pine nach Lee Vining

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Nach der Nacht am Mobius Arch sichte ich noch kurz die Beute und schreibe ich im Motel noch schnell meinen Artikel des Tages. Gegen 8h geht es dann schon los nach Lee Vining am Mono Lake. Mein Weg wird mich über Bishop führen, ein sehr niedlicher kleiner Ort mit urigen Geschäften und einem wirklich großen Supermarkt namens “KMART”. Der Weg ist nicht so richtig weit, heute stehen nur ein paar hundert Kilometer auf dem Programm.

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In Bishop angekommen steuere ich gleich den KMART an. Irgendwie habe ich wieder einmal viel zuviel Zeugs dabei, aber eine Sache fehlt und das ist blöd, ich habe kein Mini-USB Kabel. Statt dessen habe ich versehentlich ZWEI Micro-USB Kabel eingepackt. Nun kann ich meine GoPro HD HERO 3+ nur im Auto aufladen, das funktioniert mit der Stromversorgung für mein Garmin Colorado 300 sehr gut. Aber eigentlich würde ich gern mal das anschauen was ich inzwischen mit meiner GoPro alles aufgenommen habe. Aber das geht derzeit entweder gar nicht oder nur umständlich über eine lokale WLAN-Verbindung.

Im KMART gibt es alle Arten von Kabeln, nur nicht das was ich suche. Als ich den Laden verlasse habe ich vier frische Batterien für meine Taschenlampe dabei, außerdem eine Packung “WetOnes”, also feuchte Tücher die man für alles Mögliche benutzen kann. Wenn also die Finger mal wieder nach Benzin riechen, nach dem Schälen einer Apfelsine alles klebt oder tausend tote Fliegen die GoPro beim Blick auf die Straße behindern, dann sind diese feuchten Tücher manchmal einfach Gold wert!

Im KMART gibt es eine umverschlüsseltes WLAN mit dem schönen Namen “Guests”. Dort logge ich mich kurz mit meinem Telefon ein, akzeptiere die Bedingungen und finde in meinen E-Mails einen GPS Wegpunkt der für mich den Tag bestimmen wird. Diesen Wegpunkt übertrage ich schnell in mein GPS und schon geht es wieder los. Der Wegpunkt gehört zu einer bislang noch relativ wenig bekannten Location. Es ist eine alte Malerei von indianischen Ureinwohnern. Das Kunstwerk ist in einem Gewirr aus Felsblöcken versteckt und wurde schon mehrfach von hirntoten Vandalen heimgesucht. Aber es hat nicht nur ein paar hundert Jahre überstanden, es hat auch diese Hirntoten überstanden – bis jetzt!

Dieses schöne Kunstwerk wird unter USA-Fans als “Skyrock” gehandelt und es liegt nördlich von Bishop, fast auf meinem Weg nach Lee Vining am Mono Lake. Nach etwa 30 Minuten habe ich den Ausgangsort meiner kleinen Wanderung erreicht. Bewaffnet mit meiner Nikon D800E und einzig dem AF-S 2,8/14-24mm geht es steil eine Felsenklippe hinauf. Meine Wanderstöcke habe ich blöderweise mal wieder im Auto gelassen, warum habe ich sie eigentlich dabei??

Der sandige steile Aufstieg ist ziemlich kräftezehrend und ich bin froh als ich endlich oben angekommen bin. Nun geht die Suche nach den Petroglyphen los. Laut GPS stehe ich direkt davor, aber das sind nur voll große Felsblöcke. Auf einem dieser Blöcke muss es sein, nur auf welchem?

Es kostet mich fast eine halbe Stunde bis ich ihn gefunden habe. Nur stehe ich da auf einem noch höheren etwas entfernen Felsbrocken. Also geht es wieder hinunter und als ich vor dem “richtigen” Felsbrocken stehe komme ich einfach nicht hinauf. In der Umgebung liegen überall lose handliche Bruchstücke von Felsen herum. Daraus baue ich mir eine kleine Treppe und dann komme ich schließlich auch hinauf. Wow, das sieht echt gut aus…

Sky Rock - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner Fotosession muss ich von dem Ding allerdings wieder hinunter. Vorsichtig versuche ich auf dem Hintern herunter zu robben, aber das klappt nicht so wirklich. Schließlich entschließe ich mich zu einem beherzten Sprung und dank des weichen Sandes unterhalb geht das ohne Verluste von statten – uff…

Meine Fahrt führt mich nun hinauf ins Gebirge, ich bin östlich der noch immer mit Schnee bedeckten Sierra Nevada Mountains. Es geht höher und höher, schließlich lande ich in Lee Vining bei 2067 Metern über dem Meeresspiegel. Es ist windig und das Thermometer zeigt nur noch 13°C – gestern im Death Valley dem tiefsten Ort der Vereinigten Staaten waren es bis zu 37°C. Dazu kommt jetzt der enorme Höhenunterschied, als ich letztlich in Lee Vining eintreffe bin ich völlig am Ende. Sicher liegt es auch daran, dass ich wieder die ganze Nacht nicht geschlafen habe. Zunächst einmal muss ich tanken. Doch das Benzin ist hier echt teuer, eine Gallone des billigsten Benzins kostet sage und schreibe 4,99 $ – so kommen weit über einhundert Dollar für die komplette Tankfüllung zusammen. Die Zeiten in denen das Benzin und den USA wirklich billig war sind lange vorbei…

Gleich nebenan ist ein Motel das einen ganz vernünftigen Eindruck macht. Ich bekomme Zimmer 20 und zahle für zwei Nächte 141$, also etwas über 100 Euro, das ist ganz ok. Nachdem alles ausgepackt ist schaue ich kurz meine Fotos an und wandere hinüber zum einzigen Restaurant das derzeit geöffnet hat. Dort gibt es ein sehr leckeres Sandwicht mit Käse, Tomate, Salat, geröstetem Schweinebraten und French Fries. Dazu zwei Flaschen Corona und einen Kaffee und schon sind wieder 25$ weg…

Auf dem Rückweg zum Motel mache ich mit meinem HTC ONE für diesen Artikel schnell ein paar Knipsbilder. Als erstes sehen wir hier das Yosemite Gateway Motel. Im Internet wird es gelobt weil es zwar alt aber doch gut geführt und ganz urig ist.

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Dann entdecke ich eine Tankstelle bei der ich viel billiger hätte tanken können…

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Gleich nebenan steht diese schöne alte Zapfsäule.

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Mein Motel ist nicht hübsch aber ganz ok. Hier sehen wir, dass es auch ganz anders geht…

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Gleich neben meinem Zimmer parken diese drei Monstertrucks, dagegen ist mein GMC Yukon SLX ein Kleinwagen…

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Ich habe Zimmer 20, gleich unten rechts auf der Ecke. Beim Anblick der schönen BMW weiter hinten werde ich sofort ganz kribbelig. Aber man kann nicht alles haben, jetzt gibt es USA und Fotos der Milchstraße – in ein paar Wochen eine Motorradtour mit meiner Sandra. Alles immer schön nacheinander…

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Hier noch ein nicht ganz ernst gemeinter Größenvergleich zweier Objektivdeckel. Also “Vollformat” versus Micro-Four-Thirds…

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Wie es morgen weitergeht weiß ich derzeit noch nicht. Mal schauen, vielleicht zum Sonnenaufgang zu den South Tuffs, also den südlich gelegenen Felsen aus Tuff-Stein die dem Mono-Lake einen unverwechselbaren Charakter geben. Danach vielleicht hinauf nach Bodie, auf fast 3.500 Metern Höhe!! Die Straße soll seit kurzem geöffnet sein. Übermorgen könnte ich dann einen Tag im Yosemite Nationalpark verbringen und dann weiter zum Lake Tahoe fahren. Dort hoffe ich auf eine schöne Abendstimmung an der wunderbaren Emerald Bay. Später will ich dann noch die Ponderosa besuchen und dann weiter nach Sun Valley – was für eine anstrengende Reise :-)


USA-2014 – Tag 4 – Mobius und Lathe Arch

Mobius Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich wach werde zeigt die Uhr 23h43 – es passt mir eigentlich gar nicht aber es ist schon wieder Zeit um aufzustehen, das Fotografenleben ist manchmal anstrengend und ungerecht. Ein paar Minuten später sitze ich schon im Auto, waschen kann ich mich ich noch nach der Fotosession. Am Abend zuvor habe ich auf dem Rückweg mein GPS (Garmin Colorado 300) eingeschaltet und so hat es den Rückweg zum Hotel aufgezeichnet. Nun hängt es an der Windschutzscheibe und weist mir den Weg durch die echt dunkle Nacht. Während ich vor mich hin fahre trennen sich irgendwann die Linien, ich habe eine Abbiegung verpasst! Also zurück und ein paar Minuten später bin ich auch schon am Parkplatz in der Nähe von Mobius und Lathe Arch.

Schnell den Fotorucksack schnappen und los geht es. Mit dabei sind diesmal meine gute helle Taschenlampe, das HTC ONE, zwei Äpfel, ein Brötchen und eine kleine Flasche Wasser. Im Rucksack ist fast nichts mehr drin. Am Vortag habe ich beschlossen, dass man für den Mobius Arch nur ein Weitwinkel-Objektiv benötigt und mehr nicht. Während ist den kleinen Trampelpfad zum Arch laufe kommt es mir in den Sinn, dass ich in der ganzen Zeit die ich jetzt schon in den USA bin noch kein einziges Foto mit der Panasonic GH3 gemacht habe. Auch habe ich an der D800E noch immer das gleiche Objektiv das ich in Deutschland daran gesetzt habe. Ich habe wirklich bislang ausschließlich mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert…

Am Mobius Arch angekommen kann ich am Himmel ganz wunderbar die Milchstraße erkennen, was für ein Schauspiel. Schnell ist die Kamera aufgebaut und nach ein paar Testschüssen mit allerhöchster ISO-Einstellung habe ich die Kamera in der völligen Dunkelheit so eingestellt, dass der kleine Arch sehr fotogen herüber kommt. Immer wenn eine “Szene” abfotografiert ist wechsle ich wieder zu Blende 2,8 und ISO-HI2. So dauert ein Testfoto nur ca. 8-4s und das in der totalen Finsternis…

Während ich Bild um Bild vor mich hin fotografiere tauchen zwischen den Felsen Lichter auf. Ein paar Minuten später treffe ich dann auch ein sehr nettes Paar aus Philadelphia. Sie haben Kopflampen und sind überhaupt sehr gut ausgestattet. Sie fotografiert mit einer Nikon D7100 und dem AF-S VR 16-85mm. Außerdem hat sie noch eine Kamera im Gepäck die sie sich auf Infrarot hat umbauen lassen. Diese Frau ist mir sofort sehr sympathisch :-) Wir zeigen uns auf den Displays unserer Kameras was wir bislang so fotografiert haben. Anschließend zeigt sie mir noch wo der Lathe-Arch zu finden ist. Er ist derart klein und niedlich, dass ich ihn am Vortag glatt übersehen habe.

Lathe Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Will man durch den Arch hindurch auf den 4421 Metern höchsten Berg Kaliforniens schauen, so wird es ganz schön eng. Aber dafür kann man Mount Whitney dann auch sehr schön am Horizont sehen. Hinter dem Lathe Arch ist es zudem noch abschüssig, hier muss man mit seinem Stativ umgehen können, denn einfach aufstellen klappt hier nicht. Ich ziehe ein Bein komplett aus die beiden anderen Bein spreize ich im Winkel von 90° nach vorne ab. So liegt das Stativ direkt vor dem kleinen Arch auf dem Fels und die Kamera hat eine ganz ordentliche Position. Mit meiner superhellen Taschenlampe beleuchte ich den Arch aus nächster Nähe, dann kann ich ihn sogar im Sucher sehen und der Autofokus funktioniert. Nachdem alles korrekt scharf gestellt ist, schalte ich den Autofokus aus. Anschließend nehme ich echt viele Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und ISO-Werten auf. Bei den ganz langen Belichtungszeiten beleuchte ich den kleinen Arch mit meinem Smartphone. Weil der Arch so nach ist, muss ich dabei das Telefon hin und her schwenken damit der kleine Arch auch gleichmäßig ausgeleuchtet wird.

Zuletzt nehme ich noch ein Foto mit einer Belichtungszeit von 10 Minuten bei Blende 5,6 und ISO 400 auf. Es ist ein Geduldsprobe, denn die Rauschunterdrückung benötigt genau so lange wie die Belichtung. 20 Minuten lang auf ein einziges Foto warten und das zusammengekauert auf einem kleinen Felsvorsprung eingeklemmt zwischen zwei Felswänden, das kann auch nur mir passieren.

Mobius Arch @ Dawn - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Gegen 5h fällt mir wieder auf wie sich die Fotos plötzlich zu verändern beginnen. Es ist schon etwas Morgenlicht auf den Foto, aber mit dem Auge ich es kaum wahrnehmbar. Ich positioniere mich wieder am Mobius Arch um für die ersten Sonnenstrahlen gewappnet zu sein. Der Lathe Arch wird von der Felswand die etwa 2 Meter hinter ihm ist so abgeschattet, dass er erst sehr später echtes Sonnenlicht abbekommt.

Während die ersten Sonnenstrahlen die Zipfel der Sierra Nevada Mountains noch schön rot aufleuchten lassen ist diese ganze Herrlichkeit dann irgendwann einfach vorbei. Der Himmel hinter mir hat schlichtweg zu viele Wolken, da schafft es die Sonne nur die Szenerie zu erhellen, aber wirklich fotogen ist das alles nicht mehr. Also packe ich meine Sachen zusammen und bin um kurz nach 6h wieder im Hotel. Dort werden schnell die Fotos auf Festplatte kopiert und dann geht es runter zum Frühstück. Hier gibt es Rührei, Cornflakes, Orangensaft und eine Tasse Kaffe. Ok, Tasse ist übertrieben – es ist wieder einer dieser fiesen Becher aus Styropor.

Gleich geht es dann weiter zum Mono Lake, schauen wir mal was mich dort erwartet :-)


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