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Bonn

Panasonic GH3 – Was leistet das 1.7/20mm Pancake?

First Test shot with Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

In den letzten Tagen konnte ich nicht NEIN sagen und kann nun meine ersten Gehversuche mit einer Panasonic GH3 unternehmen. Bereits nach den ersten Fotos war klar, diese Kamera fühlt sich nicht nur fast wie eine Nikon D7000 an, sie liefert auch eine vergleichbare Bildqualität. Im Gegensatz zur Nikon D7000 beträgt der Verlängerungsfaktor 2,0. Das liegt daran, dass der Chip der GH3 der Micro-Four-Thirds Spezifikation genügt und damit etwa 1/4 der Größe eines 35mm Kleinbildes hat. Stolze Besitzer von Kameras wie der Nikon D3, D4, D600, D610, D700, oder D800 sprechen gern vollmundig vom “Vollformat” und rühmen das große Sucherbild und die eng begrenzte Tiefenschärfe ihres Kamerasystems.

Wenn sie ganz ehrlich sind, ist es aber immer noch das 35mm Kleinbildformat das wir seit vielen Jahrzehnten kennen. Echtes “Vollformat” bieten meiner Meinung nach nur Kameras wie bspw. die Mamiya RZ-67 oder die Vertreter des berühmten Hasselblad V-Systems. Mit 6 x 7 cm und einer daraus resultierenden Bildfläche von 42 cm²  ist die Mamiya einer der “Weltmeister” im Mittelformat. Beim Filmformat von 6 x 6 cm einer Hasselblad ergeben sich 36 cm² Bildfläche. Ein Vollformatchip einer “Vollformatkamera” bringt es mit rund 24 x 36 mm gerade einmal 8,64 cm².

Der DX-Chip einer Nikon D7000 hat 23,6 x 15,6 mm und damit eine Bildfläche von 3,68 cm². Der Micro-Four-Thirds (MFT) Chip der Panasonic GH3 misst 17,3 x 13mm und erreicht damit nur noch eine Bildfläche von 2,249 cm². Aus dieser geringen Sensorgröße ergibt sich zwangsläufig, dass die ISO-Empfindlichkeit nicht so gut sein kann wie bei einer “Vollformatkamera” mit identischer Auflösung. Für Fotos in dunkler Umgebung ist eine MFT-Kamera wie die Panasonic GH3 also grundsätzlich etwas weniger gut geeignet als beispielsweise eine Nikon D4 mit vergleichbaren 16 Megapixeln auf der 3,84-fachen Sensorfläche. Da beisst die Maus keinen Faden ab – würde man in Hamburg sagen. Eine etwas unbequeme Wahrheit über die stolze Besitzer einer Systemkamera wie der Panasonic GH3 nur ungern diskutieren.

Aber wo viel Licht ist, da ist auch Schatten! So sind die Objektive mit denen man eine Nikon D4 oder gar D800 wirklich ausreizen kann exorbitant teuer und in der Regel schwer wie Blei. Wer auf Reisen fotografiert und das im “Vollformat” erledigen möchte steht regelmäßig vor dem Problem, dass die Fototasche zu schwer für das Handgepäck im Flugzeug ist und dass man von all den schönen tollen Objektiven letztlich nur 3-4 Exemplare mit auf die Reise nehmen kann weil alles andere zu Problemen mit dem Handgepäck führt. Wer auf Reisen dann noch weite Wanderungen zu erlesenen besonders coolen Fotolocations unternehmen muss, der wird seine geliebte schwere “Vollformatkamera” und all ihr Zubehör irgendwann verfluchen.

Ich selbst bin ein Vertreter dieser “Vollformat-Spezies”. In den letzten Jahren konnten die Chips meiner Kameras gar nicht groß genug sein und meine Maxime beim Objektiv-Kauf war stets “Mehr ist Mehr”. Doch spätestens seit den extrem guten Erfahrungen mit den wunderbar kompakten Kameras des Nikon 1 Systems hat bei mir ein Prozess des Umdenkens eingesetzt. Im Mai soll es für knapp 5 Wochen in die USA gehen und ich überlege schon seit Wochen hin und her was diesmal mit in die Fototasche darf. Bei der letzten Reise nach Teneriffa sah meine Fototasche noch so aus wie in diesem Video hier:

Am Ende dieser Reise musste ich feststellen, dass ich mehr mit den kleinen Nikon 1 Kameras als der großen schweren Nikon D800E fotografiert habe. Allerdings habe ich mit der D800E die mit Abstand besten Fotos all meiner Teneriffa-Reisen aufgenommen.

Hier ein Beispiel:

El Teide with transient Lake after a huge storm - Nikon D800E & SAMYANG 2,8/14mm

Für die nächste Reise plane ich daher meine D800E mit nur zwei oder maximal drei Objektive einzupacken und alle schweren großen Objektive daheim zu lassen. Statt der beiden Nikon 1 und der auf Infrarot 830nm umgerüsteten Nikon D300 werde ich die Panasonic GH3 und einige der wunderbar kompakten MFT-Objektive mitnehmen.

Eines der wichtigsten Argumente der “Vollformat-Fans” ist die erzielbare geringe Tiefenschärfe. Eigentlich ist es eine etwas paradoxe Diskussion, denn noch vor einigen Jahren haben viele “Kleinbild-Fotografen” noch alles getan um ein Höchstmaß an Tiefenschärfe und Abbildungsqualität zu erzielen. Aber das Marketing der großen Kamerahersteller hat seine Wirkung nicht verfehlt und so schaut man derzeit mehr auf das Bokeh, also die Hintergrundunschärfe einzelner Objektive. Sieht man sich die für das MFT-System lieferbaren Objektive an, so sind sie meist relativ lichtschwach, dafür aber kompakt leicht und relativ preiswert. “Lichtriesen” sind im MFT-System eher die Ausnahme. “Lichtriesen” sind Objektive mehr hoher Lichtstärken deren Offenblende zwischen 1,8 und 1,2 liegt. Hier gilt die alte Regel, je höher die Lichtstärke, desto ausgeprägter ist die Hintergrundunschärfe und desto teurer sind meist die Objektive.

Eine Ausnahme dieser Regel bildet das Panasonic 1.7/20mm Pancake Objektiv. Der Preis ist moderat, die Abbildungsqualität überragend, die Verzeichnung kaum wahrnehmbar und Baugröße und Gewicht wirklich gering. Dieses winzige und sehr praktische Objektiv konnte ich gestern erstmals in Ruhe ausprobieren. Hier habe ich eine Werbe-Puppe die im Eingang zum Bonner City Foto Center steht mit offener Blende fotografiert. Es ist kein Kunstwerk aber es zeigt die Abbildungsleistung dieses Objektivs bei vollständig geöffneter Blende und das schöne Bokeh. Man beachte hierzu die Abbildung der Lampen im Hintergrund.

F1.7 Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Und weiter geht die kleine Entdeckungsreise mit vollständig geöffneter Blende und 20mm Brennweite die an einer “Vollformatkamera” einem 40mm Objektiv entsprechen würden. Sehr cool sind hier die Spiegelungen in den Gesichtern dieser verchromten Schaufensterpuppen! Man beachte auch, dass diese folgenden Fotos durch eine Schaufensterscheibe hindurch aufgenommen wurden und das eben bei vollständig geöffneter Blende!

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Sehr schön ist im nächsten Foto die Spiegelung in einer der vielen Oberflächen des abgewinkelten Schaufensters. Das kleine Kind an der Hand der Mama sieht aus als hätte es wie ich gerade ebenfalls diesen coolen “Geist” entdeckt.

Can you see that ghost mom?

Hier zwei etwa 50cm hohe Figuren die etwa 50cm hinter dem Schaufenster aufgestellt waren. Auch hier ermöglicht es das kleine Pfannkuchen-Objektiv (Pancake) das Hauptmotiv sehr schön vom Hintergrund abzuheben.

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Hier ein Foto das direkt vor dem Bonner City Foto Center entstanden ist. Trotz offener Blende ist es knackscharf, nicht sichtbar vignettiert und zeigt keinerlei Verzeichnung. Alle Häuserwände stehen wirklich bolzengerade, das ist beeindruckend!

F1.7 Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Hier noch ein Blick auf eine der Kostbarkeiten im Schaufenster des City Foto Centers, ebenfalls bei vollständig geöffneter Blende!

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Besonders im Nahbereich ist mit diesem Objektiv ein sehr ausgeprägtes Spiel mit der Unschärfe im Vorder- und Hintergrund möglich.

F1.7 Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Zum Schluss noch ein Bild das bei Blende 4 und 1/125s entstanden ist. Hier sieht man das genaue Gegenteil, alles ist scharf bis in die letzte Ecke, das geht also auch :-)

Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Fazit:

Mit dem 1.7/20mm “Pancake” ist Panasonic ein großer Wurf gelungen. Dieses Objektiv ist extrem leicht und kompakt und lässt unter optischen Aspekten keine Wünsche offen. Dank des im wesentlichen von Panasonic und Olympus entwickelten Micro-Four-Thirds Standards passt dieses Objektiv an vielen hervorragenden Systemkameras und ist damit ein echter Kauftipp!

Alles was mir bei den Kameras den Nikon 1 System fehlt hat bringt die Panasonic GH3 von Haus aus mit.

  • Schwenkdisplay
  • Touchdisplay
  • Braketing (Belichtungsreihen)
  • WiFi
  • Batteriegriff
  • Standard-Blitzschuh
  • OLED-Displays
  • Powerzoom via WiFi und Touch-Display
  • Anschluss für Kabelauslöser

Schaut man in den Sucher der Panasonic GH3 so sieht man ein helles scharfes Sucherbild, das mit einer “Vollformatkamera” durchaus mithalten kann. Dank der OLED-Technologie verbrauchen Sucher und Display der GH3 sehr wenig Energie, so dass der Strom der Akkus für viele hundert Bilder ausreicht. Verwendet man bspw. den Novoflex Objektivadapter für das Nikon F Bajonett, so kann an der Panasonic GH3 wirklich jedes Objektiv mit Nikon Bajonett angeschlossen und genutzt werden. Auf Autofokus und Bildstabilisator muss man dann allerdings verzichten! Besonders bei Video-Aufnahmen ist dies aber kaum ein Nachteil.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Panasonic GH3 alles kann was ich mir von einer Nikon 1 V3 wünschen würde. Im Gegensatz zur Nikon 1 V3 ist sie allerdings seit einem Jahr zum Preis von ca. 950 Euro (Body mit Akku und Ladegerät) lieferbar. Angesichts der Qualitäten dieses Systems fällt es mir also nicht schwer ausnahmsweise einmal “Fremd zu gehen” und in meiner Fototasche Dinge unterzubringen die nicht in goldenen Pappkartons geliefert werden :-)


Fotografieren im Museum

Museum Koening #12

(Alle Fotos sind 1920 Pixel breit – einfach anklicken)

Während in den USA die Touristen selbst mit Blitzlicht in den Museen knipsen können soviel sie wollen, gibt es in deutschen Museen oft rigide Beschränkungen. Vor ein paar Jahren habe ich mal versucht einige Fotos meiner Freundin Sandra mit einer FAZ im Bonner Kunstmuseum aufzunehmen. Dabei habe ich eine schöne alte Hasselblad benutzt und wir wollten uns ein wenig am Slogan “Hinter jeder FAZ steckt ein kluger Kopf” orientieren. Doch schon nach den ersten Fotos kam eine aufgeregte Mitarbeiterin des Bonner Kunstmuseums wild gestikulierend auf uns zu um uns unsere kleine Session zu untersagen. Ich habe damals nicht sofort verstanden warum. Schließlich haben wir in einer menschenleeren Ecke ohne Blitzlicht fotografiert. Später wurde mir dann klar, dass der Architekt eine art Copyright auf das Gebäude hat. Es geht im Bonner Kunstmuseum also gar nicht um den Schutz der Gemälde vor bösen Blitzlichtern, es geht schlicht um die Kunst des Architekten und die Art und Weise wie er den Umgang damit regeln möchte.

Sandra-FAZ

Nicht weit entfernt ist das Bonner Museum Alexander Koenig. Als ich dort vor ein paar Jahren mal eine kleine Fotosession machen wollte wurde ich auch des Hauses verwiesen. Ich hatte eine Nikon D2x dabei – damals das heißeste Eisen das man für Geld kaufen konnte – und natürlich ein Stativ. Beim Rauswurf wurde mir damals auf der Straße erklärt, dass man in diesem Museum zwar fotografieren darf, aber eben nur zu privaten Zwecken und ohne Blitzlicht und ohne Stativ! Ich habe damals gefragt “Und wie soll ich hier ohne Blitzlicht und ohne Stativ vernünftige Bilder hinbekommen?” Die Antwort war “Eben darum geht es ja! Wir wollen nicht, dass hier ohne unsere Einwilligung Fotos gemacht werden die später eine kommerziellen Verwertung zugeführt werden können.”

Das ist natürlich ein Wort und ganz ehrlich gesagt habe ich für den Verbot von Blitzlicht und Stativ auch volles Verständnis. Wenn man erst einmal damit anfängt, kommen irgendwann die Leute mit einem großen Berlebach-Stativ, riesiger Fototasche und stehen den “normalen” Besuchern ständig im Weg.

Auch hier gilt wieder einmal: “Wehret den Anfängen!”

Museum Koening #1

Aber die Zeit geht weiter und die Kameras sind in den Jahren seit 2005 stetig kleiner uns leistungsfähiger geworden. So habe ich gestern einen neuen Anlauf gewagt und statt einer großen Kamera nur die kleine Nikon 1V1, die Nikon 1J2 und einige Objektive eingepackt. Zusätzlich hatte ich noch ein kleines Mini-Stativ und einen Nikon ML-L3 Infrarot-Auslöser  in der Tasche. Beim Kauf der Eintrittskarten habe ich noch kurz nach gefragt ob sich an den Regeln etwas geändert hat. Nein, für private Zwecke ohne Blitz und Stativ ist es erlaubt. Prima!

Museum Koening #2

Also habe ich zunächst mit meiner Nikon 1V1 und dem kleinen 30-110mm Teleobjektiv freihändig fotografiert. Bei ISO 1600 und 1/20s waren die Ergebnisse aber deutlich weniger gut als erhofft. Also habe ich meine kleine etwa 10cm große “Stehhilfe” ausgepackt und unter die Nikon 1 geschraubt. In Verbindung mit dem Infrarot-Auslöser sind bei abgeschaltetem VR, elektronischem Verschluss  und ISO-100 nun tolle Fotos möglich. Im ersten Bild ganz oben könnt Ihr den Aufbau des Museums sehr gut erkennen. Auf der umlaufenden Sitzbank lässt sichdie kleine Kamera sehr schön hier und dort aufstellen und mit dem kleinen “Infrarot-Knipser” auslösen. So stört man niemanden, man braucht kein Blitzlicht und man wird auch nicht aus dem Museum geworfen – Super!!

Museum Koening #8

Parallel zur Nikon 1V1 habe ich mit der Nikon 1J2 und dem grandiosen 6.7-13mm Weitwinkel einige freihändige Fotos aufgenommen. Damit die Fotos nicht verwackeln habe ich die ISO-Automatik für den Bereich ISO 100-3200 aktiviert. Hier ist es nun der Kamera überlassen den ISO-Wert so weit zu erhöhen wie es für ein unverwackeltes Foto notwendig ist. Später bei der Sichtung der RAW-Bilder musste ich dann feststellen, dass der Plan funktioniert. Die Kamera hat je nach Ausleuchtung der Objekte ISO-Werte zwischen 800 und 1.600 gewählt. Bei ISO 1600 ist dann auch ein leichtes Bildrauschen erkennbar. Aber mit dem echt coolen Photoshop Plugin “Nik Define” ist dieses Bildrauschen mit einigen wenigen Klicks eliminiert und die Bilder können sich durchaus sehen lassen.

Museum Koening #20

Fazit

In vielen Museen ist das Fotografieren mit einigen Einschränkungen erlaubt. Im Zweifel sollte man kurz anrufen und sich entsprechend rückversichern. Eine kleine Kamera und ein echtes Mini-Stativ werden in der Regel toleriert denn den kleinen Knipskisten traut eh niemand eine professionelle Bildqualität zu – was ehrlich gesagt ein Fehler ist :-) Dass man sich mit seiner Kamera unauffällig verhält und den anderen Besuchern nicht auf den Geist geht versteht sollte selbstverständlich sein. Wer sich an die Regeln hält wird wird dann auch viele Stunden lang mit seiner Kamera die mitunter wirklich schönen Exponate aus vielen unterschiedlichen Perspektiven fotografieren können.

Wenn es mit dem Stativ nicht klappt, kann man seine Kamera oft auch an der einen oder anderen Ecke auflegen. Hier ist ein kleiner Bohnensack ggfs. auch sehr hilfreich um die Kamera korrekt ausrichten zu können. Muss man nicht aus der freien Hand fotografieren so ist ein Fernauslöser ist ratsam. Alternativ kann man auch den Selbstauslöser verwenden. Im RAW-Modus bei niedrigster ISO-Empfindlichkeit entstehen so die die besten Bilder. Ein Teleobjektiv sollte man dabei haben, so kann man einzelne mitunter einige Meter entfernte Details sehr schön aus dem Kontext des Ausstellung isolieren. Mancher Betrachter wird dann schnell vergessen wo diese Fotos aufgenommen wurden.

Für eine gute Ausbeute sollte man sich Zeit lassen und sich bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung einen Überblick verschaffen und Bildideen entwickeln. Wenn man “seine Bilder” im Kopf hat kann es losgehen, aber mit etwas Bedacht und Rücksicht natürlich!

Wer unerwünschte Passanten aus den Bildern entfernen will, der braucht ein Stativ. Nach Möglichkeit stellt man den Autofokus und die Belichtungsautomatik ab und benutzt einen Fernauslöser. In den meisten Museen ist die Beleuchtungssituation konstant, so dass man einfach immer wieder das gleiche Foto machen kann, die Besucher aber immer wieder an anderen Stellen stehen. Später legt man mehrere dieser eigentlich identischen Bilder bspw. in Photoshop in mehreren Ebenen übereinander und blendet mittels einiger geschickt gemalter Ebenenmasken die unerwünschten Besucher einfach aus. Das funktioniert sehr gut und erfordert keine große Einarbeitungszeit in Photoshop. Alternativ kann man auch kleine Software-Helfer verwenden die zu genau diesem Zweck entwickelt wurden. Diese Programme funktionieren aber nur bei relativ gleichmäßigem Hintergrund wirklich gut!

Hier habe ich ein Foto meiner kleinen Ausrüstung für unauffällige Fotos und Videos im Museum. Meine Nikon 1J2 ist übrigens nicht drauf, denn mit ihr und dem 11,5-27mm Objektiv habe ich dieses Foto aufgenommen :-)

Nikon 1 V1 - ME-1 - Tripod - Lenses - Filters

Last but not least habe ich für Euch 24 Bilder des gestrigen Tages in ein Album auf flickr.com hochgeladen. Die Bilder können als Diashow im Vollbild abgespielt werden.


BMW K1200 – Ein typisches Bikerwochenende

Seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von Motorrädern. Auf dem Heimweg von der Grundschule ging es mittags immer mit dem Fahrrad einen kleinen Hügel hinab. Bereits damals habe ich mir vorgestellt mein Fahrrad sei eine krasse Rennmaschine und habe mich auf das “Erwachsensein” gefreut. Dann mit 16 Jahren und dem ersten Moped zur großen Bikerparty auf den Felder eines Biker-Bauern irgendwo in der Nähe meiner Heimatstadt. Damals durfte ich das erste Mal auf einer BMW R100RS zur Probe sitzen, seit diesem Tag haben mich BMW Motorräder nicht mehr losgelassen. Nach vielen Jahren mit einer BMW R80-RT und einer R850R wurden meine Motorräder dann vor ein paar Jahren wirklich erwachsen. Zuerst kam ein BMW K1200r Sport in die Garage. Eigentlich wollte ich im Februar 2009 nur ein Witz über das schlechte Wetter und die furchtbar geringen Rabatte bei BMW machen. Aber als Verkäufer (oder nennt man das jetzt Kundengerater?) Jürgen Schnürle in der Bonner BMW-Motorradniederlassung mich dann fragte, ob er mal mit dem Disponenten wegen eines Scheißwetterrabattes telefonieren soll, da war es um mich geschehen. Der Preisnachlass war grandios und ein paar Tage später war ich stolzer Besitzer einer fast neuen BMW K1200r Sport – meiner Meinung nach eines der schönsten Motorräder die BMW jemals gebaut hat!

Doch dann kam alles anders, meine Freundin Sandra wollte nicht mit meinem “alten 850er Boxer” fahren und so habe ich meine schöne neue BMW mehrere Monate lange nur von hinten gesehen. Das war eine zutiefst frustrierende Zeit, aber was tut man nicht alles für seine Freundin. Im August 2009 habe ich meinen Boxer dann gegen eine zweite blaue BMW K1200r Sport eingetauscht – mit kräftigem Aufpreis natürlich. Aber nun waren die Fronten ausgeglichen und es ist echt praktisch wenn man mit der Freundin unterwegs ist und beide Motorräder völlig identisch sind. Man kann Koffer Sitzbänke usw. hin und her tauschen, es passt alles.

Dann kam nach 5 Jahren in einem kleinen Mainzer Hotel im Juni 2012 der Umzug in eine kleines Appartement in Mainz. Endlich keine Koffer mehr packen und am Wochenende ohne Koffer voller Wäsche zwischen Bonn und Mainz pendeln. Der Sommer war toll und ich wollte meine weiße BMW mit nach Mainz nehmen. Dieses Ansinnen schlug dann aber eine Welle der weiblichen Entrüstung – “Da können wir ja am Wochenende nur noch zu zweit auf einem Motorrad fahren °^$§%#*@&§”

Also musste ein Projektmotorrad her und es war schnell gefunden. Von einem erfahrenen KFZ Meister konnte ich eine zwar alte aber gut erhaltene BMW K1200RS Baujahr 2001 sehr preiswert erwerben. Mein “blau-weißer-Fuhrpark” hat nun sechs Räder, mehr als 450 PS und knapp 3600 ccm Hubraum – genial!

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Seit dem Erwerb der ersten BMW K1200r Sport gab es immer wieder Briefe in denen eine Rückrufaktion angekündigt wurde. Mal wurde etwas an der Kupplung geändert, mal ein anderer Spanner für die Steuerkette eingebaut, eigentlich gab es in jedem Jahr eine kleine kostenlose Modifikation meiner Motorräder. In diesem Jahr war es nicht anders und so war für das Wochenende ein Werkstattaufenthalt für beide K1200r Sport geplant. Donnerstages geht es am frühen Nachmittag dann mit dem alten “Projektmotorrad” über die Autobahn nach Bonn. Als ich die Haustüre öffne ist meine Freundin Sandra schon da und einige Minuten später sind wir schon mit unserem blauweissen-Duo unterwegs zur Bonner BMW Motorradniederlassung. Dort staune ich nicht schlecht, als ich zwei weitere BMW K1200r Sport in der gleichen Farbe auf dem Parkplatz vor der Werkstatt entdecke.

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Auch eine S1000RR steht vor der Türe. Während ich sie mit meinem Smartphone knipse kommt mir in den Sinn, dass dies “…der eleganteste Weg sein könnte sich in den Himmel oder die Hölle zu schießen…”

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Normalerweise gibt es bei Rückrufaktionen immer für ein paare Stunden ein kostenloses Leihmotorrad. Das ist ein feine Sache, denn so kann man regelmäßig völlig kostenlos ein paar Kilometer mit einem fabrikneuen Motorrad abspulen und in Ruhe ausprobieren ob es einen Grund geben könnte ein anderes Motorrad zu kaufen. Leider hat Sandra bei der telefonischen Terminabsprache vergessen nach einem oder vielleicht sogar zwei Leihmotorrädern zu fragen. Aber wie das Schicksal es will, gibt es seit wenigen Stunden ein kleines SIXT Büro in der Bonner BMW Niederlassung. Auf der Basis einer Kooperation haben SIXT und BMW schon in mehreren Niederlassungen kleine “Mietstationen” eingerichtet.

Sehr cool ist es, dass ich der erste Biker bin, dem der SIXT Mitarbeiter ein Motorrad vermieten kann. Da ich genau weiß, dass meine Sandra schon seit zwei Jahren immer wieder auf die BMW F800r im Chris Pfeiffer Design schielt, frage ich einfach mal nach einem dieser Motorräder. Und siehe da, es ist eine nagelneue F800r verfügbar. Das gute Stück ist zwar ein wenig staubig, aber auf dem Tacho stehen erst 42 Kilometer, sie ist also brandneu. Zu zweit geht es mit der F800r quer durch Bonn wieder zurück zu mir nach Hause. Dort steige ich auf meine alte K1200RS um und Sandra rutscht vom Sozius in die “Sitzmulde” der F800r.

Mit beiden Mopeds geht es in das landschaftlich sehr reizvolle Wiedtal. Sandra bleibt jedoch wiederholt weit zurück und ich muss immer mal anhalten und warten. Flottes Motorradfahren geht anders… An der Laubachmühle kurz vor Altwied ist dann Gelegenheit zu einem ersten Fazit.

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Die neue Maschine scheint nicht ganz richtig eingestellt zu sein. Mehrfach ist beim Rollen mit gezogener Kupplung der Motor stehen geblieben. Eine nicht ganz ungefährliche Situation. Kuppelt man hier bei niedriger Geschwindigkeit ein, so blockiert schnell das Hinterrad wenn das Tempo nicht ausreicht um den Motor wieder zu starten. Ungeübte Motorradfahrer liegen dann schnell mal auf der Nase.

Aber Sandra tut instinktiv das Richtige, sie hält die Kupplung gezogen, lässt das Motorrad rollen und betätigt den E-Starter. Während wir auf unser Essen warten diskutieren wir, was die Ursache sein könnte. Als es später weiter geht, schalte ich zuerst die Zündung der  F800r ein, drehe den Gasgriff langsam bis zum Anschlag auf, halte ihn dort ganz kurz und drehe ihn wieder zurück. Danach startet der Motor ganz sofort und hat ein sauberes Standgas. Ähnlich ist es bei meinen K1200r Sport wenn man nach dem Winter die Batterie wieder eingebaut hat. Die Motorelektronik hat nach Monaten ohne Strom alles vergessen was sie über das Motorrad einst wusste. Und dementsprechend ist die oben beschriebene Aktion in jedem Frühjahr einmalig notwendig.

Bei der F800r scheint es ähnlich zu sein, denn danach läuft sie problemlos. Doch Sandra ist trotzdem ziemlich enttäuscht. Die Sitzposition gefällt ihr nicht, der Krawall den der kleine Zweizylinder macht geht ihr auf den Keks und irgendwie hat sie eher das Gefühl auf einer kleinen 125er als auf einem richtigen Motorrad zu sitzen.

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Später beim Kaffee an den Resten der Brücke von Remagen ist wieder Gelegenheit über dieses Motorrad zu diskutieren. Ich finde sie eigentlich ganz cool. Der kleine Motor röhrt in meinen Ohren ganz passabel und hält man ihn zwischen 3.000 und 5.000 U/min so ist man mit dem leichten Motorrad auch wirklich flink unterwegs. Wer ein Motorrad wie meine alte BMW K1200RS die vollgetankt mit Koffern mehr als 300 Kilogramm wiegt gewohnt ist, der hat auf der F800r wirklich das Gefühl auf einem Fahrrad zu sitzen, auf einem höllisch schnellen Fahrrad. Hat man sich damit angefreundet, so kann diese leichte Maschine eine Menge Spaß vermitteln. Vor Kurven bremst man später, denn es man muss ja viel weniger kinetische Energie in Wärme umwandeln und nach der Kurve ist man auch schneller wieder am Gas. Das Fahrwerk vermittelt einen sehr sicheren Eindruck und die Bremsen verzögern sehr gut und lassen sich toll dosieren.

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Doch meine Sandra kann dieses Motorrad nicht überzeugen. Im Vergleich zu ihrer alten Yamaha YZF-750r oder meinen BMWs ist dieses kleine Motorrad überhaupt nicht ihr Ding. Sie fühlt sich unsicher und hat das Gefühl auf einem rasenden Fahrrad zu sitzen.

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Am nächsten Morgen will ich wissen ob Sandras Bedenken wirklich berechtigt sind. Zu zweit geht es mit der F800r hinauf auf den Petersberg. Dort wollen wir es uns mit Blick auf den Drachenfels und die Eifel bei einem leckeren Frühstück richtig gut gehen lassen.

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Die Straße hinauf zum Petersberg kenne ich gut und sie hat viele schöne Kurven und Spitzkehren zu bieten. Aber wirklich auskosten kann ich sie leider heute nicht. Die Reifen sind noch nicht eingefahren, wegen der sehr warmen sommerlichen Temperaturen tragen wir beide ausnahmsweise nur eine Jeans und so hat Sandra große Angst, dass wir uns mit der ungewohnten BMW F800r auf die Nase legen könnten.

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Als wir oben eintreffen sind wir für ein “richtiges” Frühstück leider ein paar Minuten zu spät. Ich muss kurz an die Szene aus “Falling Down” denken in der Michael Douglas zwei Minuten zu spät für ein Frühstück ist und er darauf den ganzen McDonalds mit einem Gewehr (versehentlich) in Schutt und Asche legt. Aber die Kellnerin kann ja auch nichts dafür und so gibt es ein echtes Biker-Frühstück. Bei einem leckeren großen alkoholfreien Bier lassen wir uns Frikadellen mit Kartoffelsalat schmecken. Weil wir wegen des Frühstücks so enttäuscht waren, bringt uns sie super nette Kellnerin noch ein Körbchen mit frischen Brötchen und dazu etwas Kräuterquark. Das Leben kann soooo schön sein :-)

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Danach ist Zeit für eine ausführliche Probefahrt. Es geht kreuz und Quer durch das Siebengebirge und das Bergische Land. Schließlich landen wir in Eitorf und lassen es uns dort in einer tollen Eisdiele ein zweites Mal ziemlich gut gehen.

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Auf dem Weg zur Bonner Motorradniederlassung meldet sich dann der Bordcomputer. Unser Sprit geht zur Neige, aber es scheint nicht akut zu sein und wir schaffen es ganz locker bis zur Tankstelle am Bonner Verteilerkreis. Unser “Testverbrauch” betrug 4,7 Liter pro 100 Kilometer, das ist nicht wirklich wenig, kann sich aber trotzdem sehen lassen.

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An der Tankstelle suche ich für einen kurzen Augenblick den Tankdeckel. Bei der F800r ist der “Tank” nur eine Attrappe unter der sich die ganze Motorelektronik usw. verbirgt. Der eigentliche Tank liegt unterhalb der Sitzbank und dementsprechend wird das Benzin rechts neben der Sitzbank eingefüllt. Ziemlich dumm ist es dabei, dass ich genau verkehrt herum an der Zapfsäule geparkt habe. Aber man(n) kann ja nicht immer an alles denken :-)

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Zurück bei der Werkstatt ist dort echt was los. Die Sonne scheint und alle Biker strömen nach den langen Wochen mit fiesem Winter und dunklen Regenwolken auf die Straßen. Doch viele Motorräder sind nicht ganz so unproblematisch wie ein normaler Großserien-PKW. Auch sind die Inspektionsintervalle bei Motorrädern viel kürzer und so haben die Mitarbeiter der Werkstatt immer wieder das Problem regelrecht von den Kunden überrannt zu werden. Wirklich erfreulich ist dabei, dass Frau Nussbaum, Herr Strasburger und die vielen anderen Mitarbeiter trotz des großen Andrangs immer hilfsbereit und überaus freundlich sind.

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Mein blau/weißes Duo ist auch schon fertig und so geht es kurz darauf los zu einer kleinen Tour durch die Eifel. Unser Ziel ist das Café Fahrtwind in der Nähe von Ahrbrück. Doch auf halbem Wege meldet sich an der weißen BMW der Bordcomputer. Das ABS ist ausgefallen… Ich denke nur “Scheiße, das wird teuer…” Unseren Freitag beschließen wir mit einer kleinen Diskussion zur Ursache der ABS-Probleme.

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Nach einer unruhigen Nacht bin ich am nächsten Morgen nicht sicher ob samstags bei der Werkstatt jemand erreichbar ist. Trotzdem stehen wir recht früh auf und fahren ohne Frühstück gleich zur Bonner BMW Motorradwerkstatt. Dort sind tatsächlich die Türen geöffnet und Herr Strasburger begrüßt uns sehr freundlich. Einige Augenblicke später steht meine weiße BMW auch schon in der Werkstatt und es wird der Inhalt des Fehlerspeichers ausgelesen. Eine Pumpe die mit dem ABS zusammenhängt hat gemeldet, dass sie zu wenig Strom hatte. Ein Grund dafür ist nicht wirklich ersichtlich. Also löschen wir zunächst nur den Fehlerspeicher.

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Während der Prozedur habe ich Gelegenheit mir eine “ausgezogene” K1200 GT anzuschauen, die meiner alten K1200RS sehr ähnlich ist. Hier sieht man sehr schön den relativ hässlichen Motor. Die Konstruktion des liegenden Reihenvierzylinders ist ja schon wirklich pfiffig und ich mag dieses Motorrad wirklich gern. Aber Motor sieht für mein Empfinden einfach komisch aus…

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Nachdem der Fehlerspeicher gelöscht ist drehe ich eine kleine Proberunde, doch die ABS-Warnleuchte meldet sich kurz darauf schon wieder. Ich halte an, Zündung aus, warten, Zündung an, warten, starten, Mist sie leuchtet dauerhaft. Aber vielleicht liegt es auch an der Batterie? Bei den modernen Motorrädern werden die Batterien immer kleiner und die elektrischen Anlagen immer komplexer. Also geht es mit der weißen K1200 wieder heimwärts. Während meine Sandra für das Sonntagsfrühstück einkauft, tausche ich die Batterien zwischen der weißen und der blauen BMW.

Das dauert nur ein paar Minuten und bei der ersten Probefahrt muss ich leider feststellen, dass auch diese Aktion nichts gebracht hat. So schnell es geht fahre ich zurück zur Werkstatt und bin überrascht Herrn Strasburger dort um 12h45 noch anzutreffen. Diese Mitarbeiter sind wirklich engagiert und setzen sich sehr für ihre Kunden ein. Viele Biker halten eben doch irgendwie zusammen.

Erneut wird der Fehlerspeicher ausgelesen, das Ergebnis ist das gleiche wie zuvor. Leicht gefrustet lasse ich mein weißes “Mädchenmotorrad” also in der Werkstatt zurück und rufe meine Sandra an, ob sie mich mit ihrem ebenfalls frisch reparierten Cabrio abholen kann. Mit offenem Verdeck genießen wir den Rest des Tages. Es geht am Rhein entlang und ich bin sehr froh, dass ich endlich mal nicht selbst fahren muss. Einfach zurücklehnen, die Augen schließen und den Wind in den Haaren genießen. Das Leben kann so schön sein.

Wie der Zufall es will, landen wir wieder an der Laubachsmühle im Wiedtal. Die Kellnerin erkennt uns wieder und wir halten ein nettes kleines Schwätzchen. Dabei sind wir uns alle drei nicht sicher ob wir einen oder zwei Tage zuvor dort waren…

Auf dem Heimweg zieht sich dann der Himmel zu und wir müssen das Verdeck schließen. Daheim angekommen sind die Nachbarn dabei alles zu befestigen und in Sicherheit zu bringen. Es sieht aus als würde ein schweres Unwetter auf uns zukommen. Sandra ist nicht ganz wohl dabei, die Reparatur war teuer und ihr Auto ist jetzt blitzblank poliert. Also tun wir es den Nachbarn gleich und parken Autos und Motorräder so, dass alles in Sicherheit ist. Das Gewitter kommt dann auch wirklich heftig, aber der befürchtete Hagel bleibt aus. Es ist alles nochmal gut gegangen…

Für den Sonntag verheißt der Wetterbericht nur wenig gutes. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und um 11h30 bin ich schon wieder unterwegs nach Mainz. Weil es in Bonn wegen des Gewitters vom Vorabend schon wieder schwül warm ist, ziehe ich nur eine Jeans an, die richtige Motorradhose habe ich aber in einem der beiden großen Koffer dabei. Ich entscheide mich für die B9, hier kann ich bei einem Gewitter ggfs. schnell mal halten und mich unterstellen, falls es ganz schlimm kommen sollte. Aber ich habe Glück, erst kurz vor Koblenz setzt der Regen ein. Mit nasser Jeans steige ich bei der Shell-Tankstelle an der B9 ab und bin wirklich froh, als ich auf der Herrentoilette die trockene warme Motorradhose anziehen kann.

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Kurz bevor ich wieder aufbreche unterhalte ich mich kurz mit der Kassiererin über den Zustand der B9. Sie ist sich sicher, dass auf der Höhe der Loreley noch ein weiter Abschnitt gesperrt ist. Also nehme ich den Abzweig in Richtung A61. Bei Hermeskeil geht es dann auf die A61. Meine leichten perforierten Sommerhandschuhe aus strapazierfähigem Känguru-Leder fühlen sich nun an wie zwei nasse Schwämme. Mein Halstuch ist nass und langsam aber sicher läuft mir das Wasser zwischen den Schulterblättern den Rücken hinab. Sehen kann ich auch nicht viel, aber es geht schon irgendwie. Der neue SHOEI GT-Air liegt toll im Wind und dank der Ohrenstöpsel ist auch die Geräuschkulisse ganz erträglich. Das Regenwasser perlt gut vom Visier ab und so kann ich halbwegs sicher fahren.

Ziemlich ärgerlich sind aber die rücksichtslosen Autofahrer. Als die Fahrbahn sich irgendwo im Hunsrück von drei auf zwei Fahrspuren verengt, zieht auf den letzten Zentimetern ein weißer Audi A6 Avant direkt vor mir auf meine Fahrspur. Das Wasser spritz hoch und ich bin praktisch blind. “Hätte dieser Scheißkerl sich nicht einfach hinter mir einsortieren können?” – schießt es mir in den Kopf. Dann sehe ich Lichter hinter mir, sooo dicht dass es mir Angst macht. Ein BMW X5 ist das, er scheint sich mit dem Fahrer des Audi eine ordentliche Pimmelfechterei geliefert zu haben und nun hänge ich mitten zwischen den beiden Testosteron-Trotteln. Der BMW versucht uns beide rechts zu überholen, der Audi-Fahrer fummelt an der Lichthupe und ich versuche bei all dem Wind und Regen nicht von ihnen gerammt und getötet zu werden. Nach ein paar Kilometern ist der Spuk dann endlich vorbei. Der Audi Fritze hat gewonnen, der BMW Fahrer hat die kleineren Eier und ist irgendwo von der A61 abgefahren. Mir kommt wieder eine Spruch eines Freundes in den Sinn: “Manchen Autofahren müsste man ab und zu einfach mal die Fresse polieren damit sie merken wie bescheuert sie sich verhalten haben.” Recht hat er, leider tut es niemand…

Der Regen hat endlich aufgehört und nach gefühlten 30 Kilometern fährt der weiße Audi endlich auf die gähnend leere rechte Fahrspur. Ein kurzer Ruck am Gashahn meiner alten BMW lässt die LED-Tagfahrlichter seines Audi schnell in den Rückspiegeln kleiner werden. Am liebsten hätte ich im Vorbeifahren eine Delle in seine Tür getreten…

Als ich in Mainz eintreffe klart der Himmel auf und es scheint sogar ein wenig die Sonne. Schnell parke ich meine alte blaue BMW in der Tiefgarage und bin erschüttert als ich auf die Anzeige des Hygrometers blicke, das ich ein paar Tage zuvor dort aufgehängt habe. 99% Luftfeuchtigkeit, mehr geht nicht und das in einer Garage in der so viele Autos parken. Was hier nicht verrostet wird verschimmeln, das ist Gewiß.

Der Hausverwalter stellt auf seiner Webseite ein paar Tipps zur Auswahl eines Eigenheimes usw. bereit. Leider fehlt dort der Tipp “Suchen sie sich eine Hausverwaltung die sich auch kümmert wenn es Probleme mit ihrem Haus gibt!”

DIESE HAUSVERWALTUNG scheint sich jedenfalls nicht zu kümmern! Schon mehrfach habe ich sie angeschrieben, Fotos des Hygrometers per E-Mail geschickt. Gerührt hat sich bislang niemand! Vor dem Winter sah meine schöne alte K1200 RS noch fast aus wie neu. Nun ist der gesamte Hauptständer total verrostet und viele Schrauben haben ebenfalls Rost angesetzt. In dieser Tiefgarage kann man eigentlich nichts parken, wenn man nicht will, dass es einem unter den Händen verschimmelt…

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Mich wundert nur, dass den Nachbarn scheinbar total egal ist, dass ihre Autos hier bei 99% Luftfeuchtigkeit langsam verrotten…

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Während ich mich über den unfähigen Hausverwalter ärgere, scheint in meinem kleinen Garten schon die Sonne und ich kann Handschuhe und Motorradjacke zum Trocknen aufhängen. Das stimmt etwas versöhnlich und während ich diesen Artikel schreibe überlege ich wie ich dieses verrückte Bikerwochenende würdig abschließen kann…

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Nikon 1 V1 – DX-Objektive mit FT-1 Adapter benutzen

Nikon 1 V1 - FT-1 - Nikkor AF-S VR 18-200mm

Eines der herausragendsten Merkmale in der Geschichte von Nikon Spiegelreflexkameras ist das bereits im Jahr 1959 konstruierte Bajonett der Nikon-F. Diese legendäre erste Spiegelreflexkamera hat dem Bajonett-System ihren Namen vererbt – seit mehr als 50 Jahren verwenden Fotografen in aller Welt Objektive mit einem Anschluss für das Nikon F-Bajonett. Nikon hat diese ursprüngliche Konstruktion immer weiter verfeinert, dabei aber stets um Features wie Autofokus-Übertragung und elektrische Kontakte ergänzt. Das ursprüngliche Konzept wurde also niemals komplett über den Haufen geworfen. Mit einigen Einschränkungen können daher Objektive für das Nikon F-Bajonett bis heute an vielen Nikon Spiegelreflexkameras genutzt werden.

Mit der Vorstellung der Nikon 1 hat man jedoch mit dieser Tradition gebrochen. Um die Kamera klein und kompakt zu halten, wurde neben dem neuen CX-Chipformat auch eine neue Generation von Objektiven mit einem neuen Bajonett eingeführt. Doch Nikon wäre nicht Nikon wenn es nicht ein Möglichkeit zur Adaption älterer Objektive an dieses neue Bajonett geben würde. Der Adapter mit dem schönen Namen FT-1 ist allerdings nicht ganz preiswert. Canon bietet für seine neuen Spiegellosen Systemkameras einen ähnlichen Adapter an, nur ist er bei Canon mehr als 100 Euro preiswerter!

Der Nikon FT-1 spielt mit einem Listenpreis von mehr als 250 Euro eigentlich eher in der Oberliga, als im Amateur-Segment. Dieser Preis ist aus meiner Perspektive mehr als ärgerlich, eröffnet sich doch mit diesem Adapter für alle Besitzer “erwachsener” Nikon-Objektive eine völlig neue Welt. Bedingt durch die kleinen Abmessungen des neuen CX-Chips ist die Diagonale des Chips um den Faktor 2,7 kleiner als bei einem herkömmlichen Kleinbild-Dia (24 x 36mm). Damit wird sofort aus jedem kleinen 100mm Teleobjektiv ein lichtstarkes 270mm Supertele.

(Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch – einfach anklicken)

Nikon 1 V1 - FT-1 - Nikkor AF-S VR 18-200mm

Aber mutiert mein Nikon AF-S VR 18-200mm “Deppenzoom” mit dem FT-1 Adapter an der Nikon 1 V1 wirklich zu einem leistungsfähigen Superteleobjektiv? Nach den verregneten Tagen der letzten Wochen scheint heute endlich mal wieder ein wenig die Sonne. Das Auto meiner Freundin ist seit einer Weile hier in Bonn in einer Werkstatt und damit sie nicht immer mit dem Zug unterwegs sein muss, habe ich ihr meine Dieselrakete ausgeliehen. Nach der ersten Woche mit dem ungewohnt großen Auto mit Automatikgetriebe usw. hat meine Sandra sich aber an dieses Auto gewöhnt. Aber nun ist auch der Tank leer und bevor sie am Sonntagmorgen nach dem Frühstück die Heimreise antreten kann braucht das Auto frische Energie.

Gemeinsam geht es also zur Tankstelle um die Ecke. Gestern hat der Liter Diesel dort noch 134,9 Eurocent gekostet. Wir haben spekuliert, dass der Preis heute etwas niedriger sein könnte. Aber weit gefehlt, nach dem langen Wochenende trifft sich halb Deutschland heute wieder zum kollektiven Staustehen auf der Autobahn und da kann man den Sprit ja ruhig etwas teurer machen, denn eine echte Alternative haben viele Autofahrer heute nicht. Wir staunen nicht schlecht, dass der Preis für einen Liter Diesel über Nacht von 134,9 Eurocent auf 141,9 Eurocent geklettert ist. Das Leben ist eine einzige Abzocke, egal ob an der Tankstelle oder beim FT-1 Adapter. Damit werden wir uns wohl abfinden müssen.

Da mir der FT-1 Adapter viel zu teuer erschien, habe ich mir eine billige Version via amazon.de aus China kommen lassen. Das Ding kostet 29,90 Euro und ist wirklich toll verarbeitet. Alles passt prima, die Objektive sitzen fest und spielfrei an der Nikon 1. Leider hat aber eben diese billige Version keine Kontakte die eine Kommunikation zwischen Kamera und CPU im Objektiv ermöglichen. Ganz gleich was man auch anstellt, mit dem billigen FT-1-Nachbau aus China funktioniert an der Nikon 1 fast nichts. Im manuellen Modus kann man an der Kamera die Belichtungszeit einstellen, die Blende muss am Objektiv variiert werden. Eine Hilfe für die Fokussierung gibt es nicht, man kann nicht einmal das Live-Bild auf dem Display vergrößern.

Kurzum, der billige China-Nachbau des FT-1 ist für Arbeiten im Makrobereich und Experimente mit ungewöhnlichen Objektiven wie Lensbaby & Co. ganz brauchbar, einen “echten” FT-1 kann er aber nicht ersetzen!

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Nachdem wir gemeinsam meine Dieselrakete vollgetankt und uns verabschiedet haben, macht sich Sandra auf den Heimweg. Ich blicke ihr ein wenig wehmütig an der Tankstelle hinterher und hebe instinktiv die schnellste Kamera im westlichen Universum. Klickediklick und schon hat diese Nikon 1 Fotos gemacht bevor ich überhaupt daran gedacht habe zu fotografieren. Ok, so verspricht es die Werbung! In der Realität habe ich versehentlich einen “Bewegten Schnappschuss” aufgenommen, weil ich mal wieder mit meinen dicken Fingern an dem kleinen Modus-Rädchen gedreht habe, das oben rechts an der Rückseite der Nikon 1 angebracht ist. Die ganze Werbung ist also eher Unsinn! Keine Kamera schießt Fotos bevor man daran denkt zu fotografieren und ein wirklich gutes Foto entsteht auch nicht “zufällig”, nur weil die Kamera schon mal losknipst… Slogans wie “Verpassen Sie keinen Moment” sind also eher Blödsinn…

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Auch mit der Nikon 1 V1 muss man sich darum kümmern, dass die Kamera korrekt eingestellt ist, der Bildausschnitt passt, korrekt scharf gestellt ist und die Belichtung stimmt. Alles andere sind flache Werbeslogans. Was mich an der Nikon 1 V1 wirklich stört, sind aber eben genau diese “Features”. Ich will keine bewegten Schnappschüsse machen und ich will nicht “das beste Foto” von der Kamera aussuchen lassen! Doch immer wieder verdrehe ich versehentlich dieses Einstellrad und schon habe ich die entscheidende Situation wieder einmal verpasst.

Nachdem Sandra hinter der nächsten Kurve verschwunden ist nehme ich mir einen Augenblick um alle Einstellungen der Nikon 1 V1 zu checken. Danach mache ich mich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Vorbei an der HARIBO-Zentrale und der Sportanlage Wasserland bin ich mit meiner winzigen Kamera und dem 540mm Supertele (200mm x 2,7) auf der Suche nach Motiven.

Am neu gestalteten Eingangsbereich der HARIBO-Zentrale kann ich gleich ein erstes Testfoto aufnehmen. Und siehe da, wie erwartet gibt es hier praktisch keinerlei Verzeichnung. Bedingt durch den kleinen CX-Sensor verwendet man mit dem FT-1 Adapter nur die “dicke Mitte” der großen Objektive. Chromatische Aberration und andere Abbildungsfehler treten hier kaum auf. Ein Vorteil den auch Besitzer von “Crop-Kameras” zu schätzen wissen, die mit Objektiven wie dem Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm fotografieren. Während bei der Nikon D800 mit diesem Objektiv eine leichte Randunschärfe sichtbar wird, ist es an einer Nikon D7100 und ähnlichen Kameras ein perfektes Telezoom-Objektiv.

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Einen Polfilter habe ich heute leider nicht dabei, aber auch so macht der freundlich grinsende Goldbär Lust auf einen Besuch der Konzernzentrale.

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Ein Blick nach oben und schon treffen harte Kontraste aufeinander. Aber dank der Reserven die der RAW-Modus auch bei einem kleinen CX-Sensor in sich birgt, sind die dunklen Bildbereich klar strukturiert und die hellen Wolken nicht “ausgefressen”. Das klappt auch mit diesem langen Zoomobjektiv sehr gut.

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Sehr praktisch ist hier der lange Zoombereich. Der Chip der Nikon 1 ist ohne Objektiv völlig schutzlos den Staubpartikeln dieser Welt ausgeliefert. Ständiges Wechseln unterschiedlicher Objektiv in freier Natur ist hier also eher ein “Husarenstück” als ein sinnvoller Vorgang. Daher bin ich ganz froh, dass ich mit dem 11-fachen Zoombereich viel Flexibilität habe.

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Echte Weitwinkel-Perspektiven darf man sich von einem via FT-1 adaptierten DX-Zoom an der Nikon 1 nicht erwarten. Diese Kombination ist eher etwas für Telefans, hier geht es mehr um witzige Details als um schier unendlich weite Landschaften…

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Der Zaun des HARBIO-Werkes lässt sich schön in die Komposition einzelner Details integrieren. Im folgenden Foto ergibt sich durch Zaun und Hecke am unteren Bildrand ein schöner Helligkeitsverlauf. Trotz der langen Brennweite sind die Bildergebnisse selbst bei 200 bzw. umgerechneten 540mm recht akzeptabel. Wichtig ist auch hier statt der Superautomatik den Kopf einzuschalten. Für wirklich scharf Fotos muss auch das 18-200mm im Telebereich um 2-3 Stufen abgeblendet werden. Damit kommt man schnell in Bereiche in denen man die Kamera wegen der langen Belichtungszeiten nicht mehr ruhig halten kann. Hier hilft also ggfs. die ISO-Automatik. Aber wie fast immer, sind sowohl die ISO-Automatik als auch ein aktivierter VR nur ein schlechter Ersatz für ein gutes Stativ!!

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Hier der Klassiker – HAns RIgel BOnn -> HARIBO – dieser Schriftzug ziert noch heute das Dach einer der ersten Betriebssporthallen auf deutschem Grund und Boden!

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Gleich gegenüber steht ein uralter Citroen 2CV – eine Ente! Beim Blick in das “Cockpit” bin ich überrascht wie sehr der Besitzer dieses alte Fahrzeug gegen potentielle Autodiebe gesichert hat. Ohne eine ISO-Automatik könnte man Fotos wie dieses nicht freihändig realisieren. Und auch wenn ich die ISO-Automatik nicht mag und sie von vielen anderen Fotografen regelrecht verteufelt wird, manchmal ist sie tatsächlich sehr hilfreich :-)

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Noch ein Blick auf die bunte Fassade der Erich-Kästner-Grundschule auf der anderen Straßenseite und schon geht es wieder weiter…

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Hier habe ich einen Vergleich 18mm (x 2,7) versus 200mm (x 2,7). Man sieht ganz deutlich welche enormen Reserven der große Zoombereich des Nikon AF-s VR 18-200mm in sich birgt.

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Vom Rand des Spielfeldes habe ich ein paar Minuten die Freizeitfußballer durch den elektronischen Sucher der Nikon 1 V1 verfolgt. An der Kamera habe ich den “Brust-Mode” mit irre schnellen 30 Bildern pro Sekunde eingestellt. Die Kamera kann sogar noch mehr, selbst 60 Bilder/s sind möglich. Aber bei meinen ersten Tests musste ich feststellen, dass die Verarbeitung der gewaltigen Datenmengen diese kleine Kamera schnell für einige Minuten außer Gefecht setzt sobald der schnelle interne Speicher voll ist und das Bildmaterial auf die deutlich langsameren SD-Karten ausgelagert werden muss.

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Mit sagenhaften 30 Bildern pro Sekunde sollte man keinen Moment verpassen, denkt man sich so. Ich verpasse ihn trotzdem, denn immer wieder passiert es mir, dass ich mit meinen dicken Fingern irgendwelche Kameraparameter versehentlich verstelle. Diese Kamera ist wirklich klein und das ist manchmal auch ihr großer Vorteil. Aber wenn es um Action bspw. bei einem Fußballspiel geht, so kann sie eine Nikon D4 in keiner Weise ersetzen. Auch wenn man beim Lesen der Werbung zunächst denkt – Wahnsinn, 60 Bilder/s – Hammer!! Das alles ist Makulatur sobald der Kamerapuffer voll ist. Auch ist es mehr als störend, dass die Kamera grundsätzlich jedes Foto kurz im elektronischen Sucher oder auf dem rückwärtigen Display anzeigt. Man kann es nicht abschalten und das nervt total. Kaum hat man ein Foto gemacht und war einen Tick zu früh, kann man nicht auslösen weil die Kamera das Bildergebnis anzeigt.

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In der Werbung zur Nikon 1 V1 wird immer wieder der sagenhafte neue Autofokus hervorgehoben. Der ist auch wirklich toll, solange man nicht mit dem Nikon FT-1 Adapter fotografiert! Denn mit diesem Adapter funktioniert nur noch ein einziges zentrales Autofokusmessfeld. Man kommt sich vor wie mit einer Nikon F4 in den 90er Jahren. Wenn man sich daran gewöhnt hat, kann man damit auch tolle Fotos schießen. Aber es ist ein “ungerechte Kastration” eines grundsätzlich guten Kamerakonzeptes. Bringt man die Kamera dann noch in den schnellen Burst-Mode, so wird die ISO-Automatik für den Bereich 100-3200 aktiviert. Ein Shiften der Programmautomatik oder ähnliche Einflussnahme auf die Kombination von Blende oder Zeit ist nicht mehr möglich. Ok, die Nikon 1 ist jetzt “sauschnell” aber sie macht auch was sie will. Wenigstens lässt sich noch der RAW-Modus nutzen. So kann man leichte Fehlbelichtungen später in gewissen Grenzen korrigieren.

Ich hatte mir allerdings wirklich mehr erhofft. Auf der Rückseite der Nikon 1 V1 gibt es einen kleinen Knopf mit der Aufschrift [F]. Dieser Knopf ermöglicht den schnellen Zugriff auf viele Parameter. So kann man beispielsweise schnell zwischen dem mechanischen und elektronischen Verschluss umschalten. Aber die echte Bildfolgezahl kann man nur über das Menü einstellen. Das ist total inkonsequent und betrifft alle Kamerafunktionen deren Umschaltung der “[F] Knopf” erlaubt. So sehr ich auch hinter den Produkten dieser Marke stehe, so sehr geht es mir jedoch auf den Keks, dass scheinbar aus Marketinggründen tolle Konzepte immer wieder fies zusammengestrichen werden. Die Nikon P7100 hat einen deutlich kleineren Sensor, rauscht mehr und ist bei hohen ISO-Werten der Nikon 1 V1 deutlich unterlegen. Aber die P7100 beherrscht einen eingebauten HDR-Modus und kann für “externes HDR” bis Belichtungsreihen mit bis zu 5 Bildern aufnehmen. Außerdem sind Mehrfachbelichtungen möglich die bei der P7100 in Verbindung mit hohen ISO-Werten das Rauschverhalten der Kamera bei statischen Motiven ganz sichtbar verbessern können.

Die Marketingstrategen haben all diese sinnvollen tollen Features bei der Nikon 1 V1 einfach wegdefiniert. Der Prospekt liest sich noch toll und die Werbesports sind aufwändig produziert. Aber was diese tolle Kamera leider alles nicht kann, das erkennt man erst wenn man sie für teures Geld gekauft hat (oder regelmäßig meinen BLOG liest) :-)

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Doch genug gemeckert, in Verbindung mit dem AF-S VR 18-200mm ist trotz des kleinen Sensors der Nikon 1 die Arbeit mit selektiver Schärfe kein Problem. Es muss einfach genügend Abstand zwischen den bildwichtigen Inhalten sein. Dann kann man wie im  folgenden Bild die Zielscheibe im Vordergrund sehr schön mit dem unscharfen Bogenschützen im Hintergrund “erklären”.

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Fazit

Der FT-1 Adapter ist eine mehr als sinnvolle Ergänzung für alle Besitzer die ein Nikon 1 und eine Reihe “erwachsener” Objektive besitzen. Leider ist dieses Zubehörteil viel zu teuer und die passiven Nachbauten aus China relativ nutzlos. Ärgerlich ist die ständige Beschneidung vieler Funktionen dieser eigentlich sehr guten durchdachten Kamera. Dass der Autofokus mit DX oder FX Objektiven nur eingeschränkt arbeitet ist dabei nur ein Aspekt. Auch andere Kamerafunktionen arbeiten mit dem FT-1 nicht vollständig oder eben gar nicht!

Mir fehlt die Möglichkeit einzelne Bedienelemente gegen unbeabsichtigte Verstellung zu schützen, also zu verriegeln. Dies konnte schon vor vielen Jahren ein Nikon F80, warum baut man das nicht mehr ein?

Dass mit der Nikon 1 grundsätzlich weder Mehrfachbelichtungen noch Belichtungsreihen (für HDR) möglich sind ist für mich unverständlich und ärgerlich. Statt den ohnehin winzigen Chip mit zusätzlichen unnötigen 4.000.000 Pixeln zu bestücken, hätte man diese mehr als wichtigen Features bei der neueren Nikon 1 V2 integrieren sollen…

Dass Videos nur mit 1080/60i bzw. 1080/30p oder 720/24p aufgenommen werden können empfinde ich ebenfalls als ärgerlich. Jeder der diese Kamera als Ergänzung zu anderen Kameras nutzen möchte unterliegt dadurch nicht notwendigen Einschränkungen, die bei der Videobearbeitung nur mühsam ausgeglichen werden können.


Rollei 35S – Fototour mit Ilford XP2

Rollei B35 - Ilford XP2

Der Kauf meiner kleinen Rollei 35S liegt nun schon ein paar Jahre zurück und nun gibt es den ersten Artikel zu dieser schönen kleinen Kamera. Aufmerksam wurde ich auf diese Kamera schon als kleiner Junge weil mein Onkel damals damit unterwegs war und viel Spaß damit hatte. Besonders witzig fand ich es damals, dass man das Objektiv in der Kamera versenken kann und dass es neben einem Belichtungsmesser keinerlei Hilfen für die Aufnahme seiner Fotos gibt. Nicht einmal einen Schnittbild-Entfernungsmesser hat dieses kleine in Singapur gefertigte Unikum zu bieten. Und um die Batterie für den Belichtungsmesser auszutauschen zu können, darf kein Film eingelegt sein, denn das Batteriefach ist innen in der Kamera. Auch ist der Spannhebel auf der falschen Seite. Ok, eigentlich gibt es keine “falsche Seite” – aber man ist es eben anders gewohnt. Auch werden die Filme im Vergleich zu “normalen” Kameras anders herum eingelegt. Und wie bei der Nikon F muss die komplette Rückwand entfernt werden wenn man an den Film will.

Mit dieser Kamera zu fotografieren ist ein kleines Abenteuer. Aber wie diese Bilder zeigen, lohnt es sich durchaus sich mal mit dieser Kamera an einem Samstag durch Bonn zu laufen. Der Auslöser ist extrem leise und die Kamera so klein, dass man damit wunderbar unbemerkt fotografieren kann.

(Alle Fotos wieder 1000 Pixel breit oder hoch – einfach anklicken)

Rollei B35 - Ilford XP2

In die Kamera habe ich nach längerer Zeit mal wieder einen einen Ilford XP2 eingelegt. Das ist ein Schwarz-Weissfilm der im C41-Prozess preiswert in einem Großlabor entwickelt werden kann. Selbst kann man ihn eher nicht entwickeln und er eignet sich damit sehr gut für “faule Analogfans”. Mit ISO-400 ist es recht lichtempfindlich und zugleich wunderbar feinkörnig. Der Tonwertumfang ist sehr hoch und die Grauabstufungen ganz wunderbar. Wer will kann eine Push-Entwicklung machen lassen. Dazu muss er den Film nur mit ISO-800 oder gar ISO-1600 belichten und dies auf der Entwicklungstüte vermerken. Den Rest erledigt dann ein gutes Fachlabor!

Rollei B35 - Ilford XP2

Wenn man sich diese beiden Fotos anschaut bekommt man richtig “Bock auf Grau”. Mir jedenfalls geht das so :-)

Rollei B35 - Ilford XP2

Vor einem Geschäft gab es eine Holzkiste mit verschiedenfarbigen Wollknäulen. Schaut man sich dieses Foto genauer an so fällt auf wie scharf das Sonnar 2.8/40mm seine Motive auf den Film zu bannen vermag.

Rollei B35 - Ilford XP2

Beim nächsten Foto sieht man sehr schön, dass das leichte Weitwinkel fast verzerrungsfrei arbeitet. Alle Häuserfassaden stehen wunderbar gerade und der XP2 vermag selbst die krassen Helligkeitsunterschiede zwischen der schwarzen Kleidung der Passanten und den hellen Winterwolken komplett einzufangen. Wie schrieb einst Ken Rockwell zum Thema “Analoge Fotografie” – HDR is included – Recht hat er!

Rollei B35 - Ilford XP2

An den Markständen kann man immer mal schnell einen unbemerkten “Schuss” landen.

Rollei B35 - Ilford XP2

Und wenn man doch einmal wie hier “erwischt wird”, dann grinsen die meisten Menschen angesichts dieses kleinen Fotogerätes ein wenig ungläubig.

Rollei B35 - Ilford XP2

Auch Gegenlichtsutiationen meistert das mehrfach vergütete Objektiv der Rollei ganz ausgezeichnet.

Rollei B35 - Ilford XP2

Hier ein “Schuss” von der Treppe des Bonner Rathauses in Richtung Stadthaus. Obwohl weit weg kann man die Fenster in der Fassade des Stadthauses klar erkennen.

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Und noch ein Bild mit “weitem” Winkel über den Marktplatz. Man beachte wie schön gerade die Häuser stehen. Nichts ist krumm oder schief, das hätte ich von dieser kleinen Kamera nicht erwartet. Einmal mehr verstehe ich warum mein Onkel damals schon soviel Spaß an dieser Kamera hatte.

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Rollei B35 - Ilford XP2

Hier ein Blick hinauf zur Uhr die sehr schön in die frisch renovierte Fassade des Bonner Rathauses integriert ist.

Rollei B35 - Ilford XP2

Auf der Treppe unterhalb der Uhr hat mich dann dieses kleine Mädchen gefragt ob ich sie nicht fotografieren will. Ihr kleiner Bruder wollte scheinbar nicht so recht, aber sie hat ihn einfach überrumpelt :-)

Rollei B35 - Ilford XP2

Rollei B35 - Ilford XP2

Rollei B35 - Ilford XP2

Nun einige Fotos meiner Freundin Sandra. Jetzt wird es etwas schwieriger. Bei vollständig geöffneter Blende und abgeschätzter Entfernungseinstellung versuche ich mich mal mit einer leichten Unschärfe des Vorder- und Hintergrundes. Es ist nicht so ganz gelungen, aber sobald es wieder etwas wärmer wird können wir da ja mal üben :-)

Rollei B35 - Ilford XP2

Auf dem nächsten Bild sitzt die Schärfe perfekt, hier war die Blende auch auf F8 geschlossen. In Verbindung mit dem sehr lichtempfindlichen Filmmaterial sind so Belichtungszeiten von 1/500s möglich, was sehr zur guten Qualität der Fotos beiträgt.

Rollei B35 - Ilford XP2

Hier noch ein Foto des Bonner Rathauses. Aufgrund der niedrigen Aufnahmeposition wurde es nach oben schmaler, einer normaler Effekt den es bei allen Kameras gibt die kein teures Shift-Objektiv oder ähnliches haben. Ich habe das Rathaus mit Photoshop etwas gerade gerückt und so die perspektivische Verzerrung etwas abgemildet. In einer Dunkelkammer hätte man am Vergrößerungsobjektiv eine sehr kleine Blende eingestellt und das Fotopapier etwas schräg darunter abgelegt. Vieles was man heute für Photoshop-Hexerei hält, konnte man schon vor 100 Jahren mit etwas Grips und Verstand erledigen :-)

Rollei B35 - Ilford XP2

Und noch ein Foto mit offener Blende. Wieder liegt die Schärfeebene ganz leicht daneben. Ganz links im Bild der Reißverschluß, der ist scharf abgebildet aber Sandras Gesicht ist vielleicht 5cm zu nah an der Kamera. Für solche “Spielereien im Nahbereich” ist diese Kamera also nur recht eingeschränkt geeignet. Vielleicht sollte ich beim nächsten Shooting mal einen Zollstock mitnehmen :-)

Rollei B35 - Ilford XP2

Nun folgen einige Details den “Bonner Münster”. Beide Bilder sind voll in den hellen Himmel geschossen und dennoch sind alle Tonwerte herrlich fein abgestuft. Auch der Belichtungsmesser hat hier sehr gut funktioniert, respekt!

Rollei B35 - Ilford XP2

Rollei B35 - Ilford XP2

Direkt vor der Bonner Hauptpost steht dieser Kollege hier. Wer kennt ihn nicht, Ludiwg von Beethoven, der wahrscheinlich bekannteste Sohn dieser Stadt.

Rollei B35 - Ilford XP2

Und nun zwei Fotos die mir persönlich sehr gutgefallen. Ich nenne sie den “Spiegelschrank”. Eigentlich ist an diesem Schrank natürlich nichts verspiegelt, er steht hinter einer blitzsauber geputzten Schaufensterscheibe. und weil das Licht gerade günstig ist spiegelt sich die halbe Innenstadt in diesem Schaufenster. Das sieht so gut aus, das kann man sofort noch einmal im Hochformat wiederholen…

Rollei B35 - Ilford XP2

Rollei B35 - Ilford XP2

Und noch ein Versuch mit der “partiellen Schärfe”. Nun hat es endlich geklappt, das Gesicht dieser kleinen Bronzefigur ist scharf abgebildet, seine Hand und seine Schwester jedoch nicht. Es geht also doch!

Rollei B35 - Ilford XP2

Alle die vielen Fotos manchen richtig hungrig und so geht es ins Tuskolo hinter dem Bonner Münster. Ein ganz vorzügliches italienisches Restaurant. Auf dem Film sind noch ein paar Bilder, warum versuchen wir und nicht einmal an einer “Available-Light-Situation”? Gesagt getan, bei offener Blende uns 1/30s kann man mit dem Ilford XP2 fotografieren! Leider liegt nun aber die korrekte Schärfeebene nicht ganz korrekt auf Sandras Gesicht. Achtet man auf den Ring an ihrer linken Hand wird klar wo die Schärfeebene liegt, ich bin wieder etwa 5-10cm zu weit weg. Aber hier haben wir sogleich ein schönes Testfoto für das Bokeh (Hintergrundunschärfe) des Sonnar 2.8/40mm.

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Fazit

Die kleine Rollei 35S ist ein tolles Fotogerät für den unbemerkte Aufnahmen und man kann damit sicherlich auch sehr ernsthafte fotografische Herausforderungen bewältigen. Sie funktioniert zu 100% vollmechanisch. Der Belichtungsmesser benötigt nur eine kleine Knopfzelle und über einen Zeiger an der Gehäuseoberseite kann man die korrekte Belichtung sehr gut abschätzen. Alles in allem macht das Fotografieren mit dieser Kamera großen Spaß und wird man “entdeckt” so nimmt es einem niemand übel, dass man ein fast unbemerktes Foto geschossen hat. Es ist ein Effekt wie bei kleinen Babies. Die grinsen immer ganz artig und lachen jeden an und wer kann ihnen dann schon böse sein?

Der Ilford XP2 ist ein toller Schwarz-Weiß-Film. Er kann kostengünstig und schnell in jedem Labor gemeinsam mit anderen Farbfilmen entwickelt werden. Im Gegensatz zum sehr ähnlichen Kodak BW-400 ist er nicht wie normale Farbfilme rot kaschiert. Man kann ihn also sehr gut in der heimischen Dunkelkammer verwenden um mit viel Gestank und Patscherei das eine oder andere schöne Papierbild zu erstellen. Wem das alles zu kompliziert ist, der scannt den Film einfach ein. Ich habe diese Scans mit einem EPSON Perfection Photo V700 bei 3200 DPI gemacht. Die Scandateien haben etwa 12 Megapixel und ist die Vorlage scharf und detailreich, so ist es der Scan ebenfalls. Sehr gut gefallen mir das ausnehmend feine Korn und die tollen Grauabstufungen dieses sehr einfach zu verarbeitenden Filmmaterials!

Mein Tipp für eines der nächsten Wochenenden:

Einfach die tolle Nikon D800 man im Schrank lassen, ein paar Ilford XP2 kaufen und mit Papas oder Opas schönen alten Kameras mal wieder auf Fototour gehen. Es macht ne Menge Spaß ist sehr ursprünglich und schärft hoffentlich den Blick für das Wesentliche, denn ganz billig ist dieser Spass leider nicht…


Nikon FM3A – Richtig scannen

Die Nikon FM3A wurde von 2001 bis 2006 hergestellt und ist für viele traditionsbewusste Fotofans bis heute die Krönung der vollmechanischen Spiegelreflexkameras. Bereits 1982 hatte Nikon mit der FM2 – in die ein Seiko-Verschluß eingebaut war – einen Weltrekord mit einer vollmechanisch gesteuerten kürzesten Verschlusszeit von 1/4000s aufgestellt. Die kürzeste Blitzsynchronzeit lag bei 1/200s, mit der FM2N wurde diese 1984 nochmals auf 1/250s verkürzt. Erst 7 Jahre später wurde der vollmechanische Verschluss der FM2 durch den einen gleichwertigen Hybrid-Verschluss der FM3A abgelöst der sich nun alternativ auch elektronisch gesteuert auslösen ließ. Damit ist den Nikon Ingenieuren eine Symbiose aus der famosen Nikon FM2 und FE2 gelungen. Außerdem sieht die FM3A nicht nur wirklich gut aus, sie gilt auch als überaus robust und zuverlässig. Geht ihr mal der Strom aus so ist das gar kein Problem, sie kann noch vollmechanisch betrieben werden. Bis heute ist die FM3A ein wirklich heiß begehrtes Sammlerobjekt und für neuwertige Exemplare werden nicht selten 1.000 Euro und mehr gezahlt.

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Umso größer war meine Freude als ich ein solches Exemplar vor ein paar Tagen via ebay.ch bei einem Fotoladen in Genf sehr preiswert “abstauben” konnte. Manchmal gehört eben ein bisschen Glück dazu :-) In den nächsten Wochen werde ich ein Video zur FM3A aufnehmen und sie mit ihren Brüdern und Schwestern vergleichen. Heute soll es aber um die ersten Fotos gehen die ich mit der Nikon FM3A aufgenommen habe. Da die Nikon FM3A keine digitale Kamera ist, ist naturgemäß die Wahl des Filmmaterials für die Ergebnisse von entscheidender Bedeutung. Da aktuell in meinem Kühlschrank relativ viele Kodak T-MAX 100 sowie Kodak EKTAR-100 schlummern, habe ich mich bei der ersten “Fotoexkursion mit der FM3A für diese beiden Filme entschieden. Mit von der Partie waren ein einfacher Gelbfilter, ein Nikon AiS 1.8/50mm und ein Tokina MF 2.8/200mm. Der letzte Winter war der dunkelste Winter seit 40 Jahren und so hatten meine Freundin Sandra und ich auch kein wirklich schönes Licht als wir auf der Insel Grafenwerth bei Bad Honnef meine neue/alte FM3A ausprobieren konnten. Aber ein bedeckter Himmel liefert oft genau das weiche Licht das man für schöne Portraits haben möchte. Also schauen wir uns mal die ersten Fotos auf Kodakt T-MAX 100 an. Dieser SW-Film ist recht feinkörnig und liefert selbst bei Verwendung eines Gelbfilters sehr schöne feine Kontraste. Außerdem lässt der Gelbfilter das Gesicht meines “Models” etwas ebenmäßiger aussehen.

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Gleich beim ersten Bild sehen wir schon das schöne Bokeh des eigentlich recht ordinären AiS 1.8/50mm “Normal-Objektives”. Das obere Foto habe ich bei Blende 2.8 mit Zeitautomatik aufgenommen. Unschöne Vignettierungen gibt es nicht und das Gesicht meiner Freundin Sandra ist sehr scharf abgebildet. Vergrößert auf das richtige Fotopapier würde das ein schönes Portrait abgeben.

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Schauen wir mal weiter, im zweiten Bild fällt schon der Dunst der nasskalten Luft auf. Zwar ist der Drachenfels nur ein paar Kilometer weit entfernt und dennoch erscheint er wegen des trüben Wetters matt und lustlos.

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Hier das gleiche Foto mit dem Tokina 2.8/200mm – freihändig bei Blende 4 – eigentlich ganz brauchbar. Man sieht sehr schön das neue Restaurant oben auf dem Drachenfels. Vielleicht sollten wir uns das bald mal aus der Nähe anschauen :-) Hier nun einige Beispielfotos die ich auf Kodak Ektar-100 aufgenommen habe. Dieser Farbnegativ-Film ist extrem feinkörnig, hat einen beachtlichen Tonwertumfang und kann sehr detailreiche gute Fotos liefern – wenn der Fotograf alles richtig macht!!

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Beim ersten Foto gefällt mir die knallig bunte Wand unter der Fußgängerbrücke wirklich gut, denn sie passt farblich sehr schön zu Sandras Lippenstift! Auch hier wieder ein schönes Bokeh und sauber abgestufte Kontraste.

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War das vorherige Bild im Schatten aufgenommen, so haben wir hier jetzt ein Portrait unter bewölktem Himmel. Es ist schon spannend, dass man bei diesem nasskalten Sauwetter ohne Reflektoren, Aufhellblitze oder andere Hilfsmittel sehr natürlich wirkende Portraits fotografieren kann.

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Nun ein Foto das am vorletzten Samstag in der Bonner City vor dem Sterntor entstanden ist. Diesmal habe ich das famose AiS 2.0/85mm verwendet. Ein kleines leichtes oft sehr preiswert zu habendes Portrait-Teleobjektiv das ein tolles Bokeh liefert und trotzdem knackscharfe Bilder ermöglicht.

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Man beachte in diesem Foto die Stoffstrukturen das bunten Schals!!

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Hier nun ein Portrait bei dem ich einen Cokin-Filter vor das 85mm Objektiv gesetzt habe. Es ist ein über Kreuz fein geschliffene Kunststoffscheibe, sie liefert einen unaufdringlichen Weichzeichner-Effekt den man wirklich gut gebrauchen kann. Ganz witzig war es übrigens, dass ich auf der Insel Grafenwerth einen zweiten Kodak T-MAX 100 in meine Nikon FM3A einlegen wollte und feststellte, dass der Film schon belichtet war. Umso größer war natürlich die Spannung als ich ihn dann am Samstag fertig entwickelt beim Bonner Cityfotocenter abholen konnte und etwas später auf dem Scanner hatte. Als die ersten Bilder sichtbar wurden traute ich meinen Augen nicht, dieser Film zeigt Fotos die ich 2005 auf dem höchsten Berg Spaniens mit meiner Nikon F5 und dem AF-S 24-85mm aufgenommen habe. Seit fast genau 8 Jahren lag dieser belichtete Film unbemerkt in meinem Kühlschrank!!! Wirklich geschadet hat ihm die lange Wartezeit indes nicht. Die Fotos sind ok, wenn gleich nicht genauso feinkörnig wie die Bilder des “frischen” Pendants.

Welcher Scanner?

Vor die digitale Bearbeitung traditionell mit Filmmaterial erstellter Fotos haben die Götter den Scan gelegt. Doch wie scannt man im Jahr 2013 einen Farb- oder Schwarz-Weiß-Film? Die extrem guten Nikon Scanner Coolscan 5000 und Coolscan 9000 werden nicht mehr hergestellt. Die Software wird auf aktuellen Mac’s nicht mehr unterstützt und unter 64-Bit Windows Systemen geht auch nichts mehr. Zwar könnte man sich mit dem sehr guten Vue-Scan helfen, aber diese Software kann den automatischen Nikon Filmstreifen-Einzug nicht steuern. Dias lassen sich mit Vue-Scan digitalisieren, bei Negativ-Streifen hört der Spaß leider auf… Die Hersteller Reflecta und Plustek haben in den letzten Monaten brauchbare Mittelformatscanner vorgestellt, deren Preis sich aber bei etwa 1.500 Euro bewegt. Alternativ könnte man einen Flachbrett-Scanner mit Durchlichteinheit versuchen. Hier hat EPSON den V700 und den baugleichen V750 im Angebot. Beim deutlich teureren V750 sind ist das Vorlagen-Glas optisch vergütet um Reflektionen zu unterdrücken. Ein sehr deutlichen Qualitätsgewinn lässt sich damit allerdings nicht erzielen. Aktuell ist der EPSON V700 für 594,- Euro via amazon.de erhältlich.

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Sieht man sich im Internet nach Stimmen von Benutzern um, so findet man zwischen Begeisterung und Frustration die gesamte Spannbreite. Der Grund ist häufig, dass die Vorlagenhalter falsch eingestellt sind. Die Scanqualität des EPSON V700 steigt und fällt mit dem korrekten Abstand des Vorlagenhalters auf dem Vorlagenglas. EPSON liefert hier kleine Plastik-Füßchen in unterschiedlicher Höhe mit. Was damit jedoch zu tun ist wird nicht erwähnt. Hier sind alle Anwender im Vorteil die sich intensiv mit diesem Scanner auseinandersetzen können.

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Ich habe mit diesem Scanner bislang ausschließlich Mittelformat-Dias gescannt und den zugehörigen Vorlagenhalter in langen nächtlichen Sitzungen mit vielen Probescans “optimal” eingestellt. 35mm Kleinbilddias und Negative habe ich bislang immer mit einem Nikon Coolscan 5000 gescannt und in letzter Zeit häufig einfach mit der Nikon D7000, dem 40er Macro und dem Nikon ES-1 abfotografiert. Einen 32-Bit Windows Rechner habe ich in Bonn nicht mehr, daher steht der Coolscan 5000 auch in meinem kleinen Appartement in Mainz. Also versuche ich ausnahmsweise mal einige 35mm Filmstreifen mit dem EPSON V700 zu scannen. Die ersten Ergebnisse sind wie fast befürchtet vernichtend schlecht. Ich habe versehentlich einige automatische Korrekturen der Scanner-Software und das ICE aktiviert. Mit Schwarz-Weiß-Filmen funktioniert die auf Infrarotlicht basierende ICE-Technologie aber nicht! Also heißt es alle “Optimierungen” auszuschalten, die Belichtung so einzustellen, dass keine Tonwerte verloren gehen und einen erneuten Anlauf zu wagen.

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Epson_Scan_Preview

Epson_Scan_Histogram

Danach sehen die ersten Scans grundsätzlich ganz ok aus, nur sind sie nicht wirklich scharf. Sehr schnell kommen mir die kleinen Füßchen aus Plastik wieder in den Sinn. Die vier Füße bzw. Abstandshalter sind schnell getauscht und die Ergebnisse danach sichtbar besser. Mehr oder weniger aus ungebremstem Spieltrieb zerschneide ich eine alte Visitenkarte und klebe die Streifen mit etwas Tesafilm unter die vier Abstandshalter. Und siehe da, das bringt tatsächlich einen weiteren Qualitätsgewinn.

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Hier nun ein 100% Vergleich eines Scan des gleichen Negativs ohne und mit Korrektur der Höhe des Vorlagenhalters. (Einfach anklicken für Original-Größe)

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Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Kraters des jüngsten Vulkans den Teneriffa zu bieten hat, den Pico Viejo. Hier habe ich einige weitere Scans dieses Films der satte 8 Jahre auf seine Entwicklung warten musste… (alle Bilder 1000 Pixel breit)

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Fazit:

Richtig justiert liefert ein recht preiswerter Flachbrettscanner wie der EPSON V700 auch bei 35mm Kleinbildvorlagen sehr brauchbare Ergebnisse. Sehr angenehm ist dabei, dass die EPSON Software den “Mehrfachzuschnitt” beherrscht und die einzelnen Bilder recht sicher erkennt und sauber zuschneidet. Je nach Länge der Filmstreifen lassen sich so 20, 24 oder sogar 28 Bilder in einem Arbeitsgang scannen. Allerdings sollte man sich die Mühe machen und für jedes einzelne Bild die Helligkeit korrekt einstellen. Zwar gibt es einen “Automatik-Modus” – aber dieser liefert meiner Meinung nach keine guten Ergebnisse. Helle Bildbereiche sind schnell ausgefranst und dunkle Bildbereiche versinken leicht in tiefem Schwarz. Einmal mehr zeigt sich auch hier, ein guter Scan ist eine “Einzelanfertigung”.

Mein persönliches Fazit ist, dass mir meine neue Nikon FM3A richtig viel Spaß macht und ich mich darauf freue sie auf vielen Fototouren einzusetzen. Der Kodak EKTAR-100 lässt sich mit dem EPSON V700 sehr gut scannen und liefert erstaunlich scharfe detailreiche Fotos mit schönen knackigen Farben. Aber auch hier gilt, ohne gutes Licht keine guten Farben! Und was mich an der Nikon FM3A ganz besonders begeistert, ist die wirklich zuverlässig arbeitende Belichtungsautomatik die in Verbindung mit dem hohen Belichtungsspielraum nur wenig Ausschuss aufgrund von Fehlbelichtung erwarten lässt.

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Zum Abschluss habe ich hier für alle “Pixelpeeper” noch einen Scan aus dem EPSON V700 in voller Originalgröße – einfach anklicken…

EPSON V700 - Sample - Beispielbild


Nikon D2x – Vor der Herztransplantation

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Es ist Freitag und ich habe meinen freien Bürotag. Nachdem in meiner Mainzer Wohnung das Geschirr gespült und die Wäsche gewaschen ist geht es heim nach Bonn. Der Himmel ist bedeckt und es sieht nach allem aus, aber nicht nach schönem Fotowetter. Dennoch habe ich meine Nikon D2x dabei. Es ist meine “Zweitkamera”. Sie ist wenig benutzt, denn ich habe sie mir voller Frust an dem tag bei eBay ersteigert als ich im Frühjahr 2010 im Arches National Park in Utah ausgerutscht und einen kleinen Abhang hinunter gefallen bin. Meine “erste D2x” ist mir dabei von der Schulter gefallen und den felsigen Abhang hinab gekugelt. Sie hat danach noch funktioniert – hey es ist eine Nikon – aber das Gehäuse war unten am Hochformatauslöser gebrochen und der Autofokus ging nicht mehr. Meinem heiß geliebtes Objektiv AF-S 2.8/17-55mm hat den Unfall heil überstanden, die Sonnenblende hat den Sturz unter Einsatz ihres Lebens abgefangen. Sie konnte für etwa 25,- Euro ersetzt werden!

Hier ist die “Absturzstelle” – etwas oberhalb von da wo der Typ mit der roten Jacke steht bin ich ausgerutscht. Hätten eure Kameras solch einen Sturz überstanden?

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Zurück im Motel in Moab war damals der Frust wirklich groß und ich habe mich noch am gleichen Abend bei eBay nach einem Ersatz umgesehen. Und für knapp 700,- Euro wurde ich fündig. Eine zweite korrekt funktionierende Nikon D2x in gutem Zustand, Herz was willst Du mehr…

Einige Monate später war die defekte D2x dann wider Erwarten repariert, die Reparaturkosten betrugen knapp 950,- Euro. Aber sie war noch wie neu und hatte nur sehr wenige Auslösungen hinter sich, daher erschien mir eine Reparatur mehr als sinnvoll. Der Frust mit der teuren Foto-Versicherung kam postwendend: “Verschrammungen am Gehäuse sind nicht versichert!” Ganz einfach, die Versicherung unterstellt mir, dass die Reparatur zu teuer und nicht in vollem Umfang notwendig war. Ich soll nun Beweise beibringen, dass das Gehäuse gebrochen war. Die kann ich nur nicht beibringen, weil ich den Schaden nicht fotografiert habe. Nun warte ich seit Monaten darauf, dass der deutsche Nikon-Service mir eine Bestätigung ausstellt, dass das Unterteil des Kameragehäuses gebrochen war. Vorher gibt es kein Geld und ich bin deshalb von meiner teuren Fotoversicherung echt enttäuscht! Warum zahle ich seit fast 10 Jahren über 500,- Euro im Jahr für eine Versicherung die sich im Falle eines Schadens hin und her windet und die Reparaturkosten nicht übernehmen will. Hätte ich die Kamera in ein tiefes Loch geworfen, dann hätte die Versicherung wahrscheinlich etwas gezahlt. Aber ich hänge an dieser Kamera und alles andere wäre auch ein Versicherungsbetrug.

Wie es auch ausgehen wird, ich werde diese Versicherung kündigen und künftig 500 Euro im Jahr auf ein Tagesgeldkonto einzahlen. Passiert nichts, so kann ich davon irgendwann eine Weltreise machen. Und wenn doch einmal etwas passiert, dann trage ich den Schaden eben selbst. Das ist mir nach dieser Erfahrung lieber als die vorgetäuschte teure Sicherheit einer zweifelhaften Fotoversicherung.

Das alles geht mir im Kopf herum während ich mit meiner Dieselrakete über die A61 nach Bonn unterwegs bin. Als ich die Mosel überquere scheint sogar etwas die Sonne und es sieht nach einem wirklichen Wintermärchen aus. Kurz vor Bonn verlasse ich dann kurz entschlossen die Autobahn und steuere einen Parkplatz im Bonner Kottenforst an. Dort ist ein kleines niedliches gelbes Häuschen im Wald, das früher bei Treibjagden als Anlaufstelle für die Mahlzeit nach der Jagd gedient hat. Mit dabei ist meine “zweite D2x” – die von ebay für 700, -Euro. . Leider hat sich die Sonne inzwischen wieder hinter den dichten Wolken versteckt…

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Die D2x liegt auf dem Rücksitz, denn ich will sie morgen in Möchengladbach bei einem Fotohändler abgeben. Dort soll der AA-Filter (Anti-Alising-Filter) entfernt und durch einen Infrarotfilter ersetzt werden. Es gibt unterschiedliche Varianten, ich habe mich für einen Filter entscheiden der nur das ganz langwellige Licht mit einer Wellenlänge von ca. 830 Nanno-Metern passieren läßt. Nach dem Umbau ist meine D2x dann eine richtige Infrarotkamera sein, mit der man richtige Wärmebilder aufnehmen kann. Bei Tageslicht wird man mit kurzen Belichtungszeiten arbeiten können und es wird sogar der Autofokus für den Infrarotbereich neu justiert. Dies ist bei der D2x nicht weiter schwierig, denn es befindet sich im Spiegelkasten eine winzige Schraube mit Innen-Sechskantgewinde. Mit einem winzigen Inbussschlüssel kann man damit rein mechanisch den AF-Chip bewegen und somit die automatische Fokussierung an das langwellige Infrarotlicht anpassen.

Das alles ist sehr praktisch, denn die D2x wird danach ohne Filter und weiteres Zubehör Infrarotbilder liefern. Ganz gleich welche Objektive, es wird mit einem 8mm Fisch-Eye ebensogut wie mit einem 600mm Teleobjektiv funktionieren. Und ihr könnt es euch sicher denken, darauf freue ich mich schon so richtig!!

Doch bevor der Kamera das Herz heraus gerissen wird, darf sie ein letztes Mal beweisen was in ihr steckt. Hier das erste Beweisfoto in ungeschminkter Fassung und voller Größe – einfach anklicken oder in einem neuen TAB öffnen…

Nikon D2x - Nikkor AF-S 2.8/17-55mm

Hier weitere Fotos der kleinen Exkursion… (1000 Pixel breit oder hoch, einfach anklicken…)

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Gleich neben dem kleinen Häuschen findet man einen idyllisch gelegenen Teich. Dort sind die Enten ganz aus dem Häuschen als ich dort eintreffe. Entenfutter habe ich allerdings nicht dabei…

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Der Teich ist an den meisten Stellen zugefrohren und ich frage mich wer wohl diese Spuren im Schnee auf dem Eis hinterlassen hat?

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Neben dem Teich fällt mir eine “Schneenase” an einem Baum auf. Eine gute Gelegenheit für ein Foto mit offener Blende. Die Schärfe ist trotzdem top und das Bokeh mehr als brauchbar!

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Und wieder Fußspuren auf dem Eis, nur wohin führen sie?

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Hier ein Versuch etwas Ordnung in das Gewirr der Äste und Zweige zu bringen. Eine Diagonale weist den Weg zum Zentrum des Bildes, starke Äste verlaufen von oben links nach unten rechts…

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Kurz bevor es wieder zurück zum Auto geht kommt dann ein Traktor mit einer Ladung Kaminholz an mir vorbei getuckert. Als der Fahrer mich sieht winkt er mir freundlich zu.

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Später beim Sichten der Fotos muss ich sagen, die Auflösung ist auch fast 8 Jahre nach der ersten Vorstellung der D2x noch auf hohem Niveau. Prints im Format 60x90cm sind damit gar kein Problem. Bedenkt man, dass die D800E bei doppelter Chipgröße die dreifache Auflösung hat, da beginnt man sich zu fragen “WARUM?”…


Zeis Ikon – Ikonta – Beispielfotos

Am vorletzten Sonntag habe ich gemeinsam mit meiner Freundin Sandra die Ruine der Löwenburg im Siebengebirge erstiegen. Obwohl es fies kalt und windig war, herrschte oben auf der Runie Hochbetrieb. Die mag daran liegen, dass sie seit Beginn der Renovierungsarbeiten nur noch an Sonntagen geöffnet ist. Sandra hatte irgendwie kein gutes Gefühl weil überall Warnschilder standen die glaubten vor tödlichem Steinschlag warnen zu müssen. Also hatte ich etwa 5 Minuten um schnell ein paar Fotos mit der alten Zeis Ikon Ikonta zu schießen. Eingelegt war ein Fuji Velvia 50. Zur Entwicklung habe ich ihn bei Foto Oehling in Mainz abgegeben. Neun Tage später konnte ich ihn dann abholen. Einige der Fotos habe ich für Euch eingescannt und will Sie Euch hier zeigen.

Hier das erste Bild auf dem meine Freundin Sandra zu sehen ist. Sie hielt kurz inne und wagte einen Blick in die Ferne, dann ging es schon wieder abwärts. Etwas windgeschützt hat sie dann weiter unten auf mich gewartet. Hier habe ich mal den kompletten Rand den Dias mit eingescannt. Man sieht dadurch sehr schön, dass die Bildbühne leicht gewölbt ist.

Alle Bilder sind wie immer 1000 Pixel breit oder hoch, einfach in einem neuen Tab öffnen wenn Ihr sie etwas größer anschauen wollt.

Löwenburg mit Zeiss Ikon Ikona & Fuji Velvia 50 Löwenburg mit Zeiss Ikon Ikona & Fuji Velvia 50 Löwenburg mit Zeiss Ikon Ikona & Fuji Velvia 50

Bei schönem klaren Wetter kann man von der Löwenburg aus tatsächlich den Kölner Dom sehen. Diese beiden diskutieren das gerade und sie geht sogar etwas auf die Zehenspritzen um ihn besser sehen zu können. Ob es gewirkt hat, ich denke eher nicht :-)

Löwenburg mit Zeiss Ikon Ikona & Fuji Velvia 50 Löwenburg mit Zeiss Ikon Ikona & Fuji Velvia 50 Löwenburg mit Zeiss Ikon Ikona & Fuji Velvia 50

Zum Abschluß noch ein Bild mit dem Bonner Posttower. Ganz links im Bild sieht man den Turm der Ruine der Drachenburg. Ganz ganz rechts außen sieht man noch das Gästehaus auf dem Petersberg. Dort fanden die beiden Afghanistan-Konferenzen statt. Dort hat Michael Schumacher seine Hochzeit gefeiert und dort genieße ich immer wieder gern den Sonnenuntergang :-)

Löwenburg mit Zeiss Ikon Ikona & Fuji Velvia 50

Fazit:

Die schöne alte Zeiss Ikon schlägt sich überraschend gut. Einige der Bilder sind leicht verwackelt, das liegt zum Teil am etwas hakeligen Auslöser. Hätte ich ein Stativ und einen Drahtauslöser verwendet, so wären sie sicher nicht verwackelt. Aber das hätte bestimmt Streß mit meiner Freundin gegeben. Sie schimpft ständig mit mir weil sich in meinem Leben alles um die Fotografie dreht, oder um Computer, Musik, Gitarren, Autos, Motorräder, “diesen ganzen Technikscheiss eben”… Vielleicht dreht es sich einfach nur zu selten um SIE?


Vandalismus verhindert Besuch der Photokina

Die Photokina schließt heute ihre Pforten, besucht habe ich sie leider nicht. Eigentlich war jedoch ein Besuch für Samstag den 22. September 2012 geplant. Einige Einladungen von Herstellern und Händlern waren bereits im Vorfeld bei mir eingegangen. Mein Terminplan war überschneidungsfrei geplant, der erste Termin sollte um 12h stattfinden. Noch ein wenig verschlafen gibt es um 9h morgens die erste Tasse Kaffee im Bett. Während meine Freundin und ich versuchen wach zu werden, klingt es plötzlich an der Haustüre. “Na was ist denn das?” Schnell rein in den Bademantel und einen Blick in den Hausflur geworfen. Da steht eine Nachbarin, sie ist aufgeregt und überbringt mir die Botschaft, dass in der Nacht bei mehreren Autos die Reifen zerstochen wurden. Einige Minuten später kann ich mir das Drama selbst anschauen. Ungekämmt und ungewaschen geht es daran den Reifen zu demontieren. Es ist Samstag, mit ein wenig Glück hat ein Reifenhändler in der Nähe geöffnet. Im Kofferraum meines kleinen Silberpfeils findet sich ein winziger Kompressor und ein Pannen-Kit. Super, damit werde ich den breiten deutlich sichtbaren Einstich nicht flicken können. Einen Wagenheber gibt es nicht! Aus dem Keller hole ich mir einen hydraulischen Rangierwagenheber. Aber der passt am Vorderrad nicht unter das Fahrzeug, zu tief liegt das Auto mit dem platten Reifen. Also versuche ich das Auto hinten anzuheben und suche mir einen Pflasterstein um das Auto darauf abzustellen.

Als ich den Stein gefunden habe drückt mir auch schon ein Nachbar einen Wagenheber aus seinem Auto in die Hand. Das Auto ist hinten schon angehoben, nun passt dieser Wagenheber vorn ganz prima. Einen Radschlüssel gibt es nicht, aber ein Radmutternschlüssel aus meinem Keller funktioniert perfekt. Das Rad ist schnell demontiert und passt in den Kofferraum des Autos meiner Freundin.

Als wir gerade zum Reifenhändler aufbrechen wollen trifft unerwartet die Polizei ein. Das Rad wird wieder ausgepackt, einer der Polizisten markiert den Einstich mit einem Stückchen “Millimeter-Klebeband” und macht einige Fotos. Die Reifen der anderen Autos werden auch fotografiert. Später finden wir noch heraus, dass auch die Reifen einige Fahrräder zerstochen wurden.

Spät am Vorabend sind drei pöbelnde Jugendliche durch unsere Straße gezogen. Es sind die gleichen drei Typen die mich schon vor einigen Monaten spät abends vor der Haustüre angepöbelt haben. Als ich damals auf ihr unter Alkoholeinfluss gelalltes “Hey, eh, guten Abend Alter, eh Mann…” nichts erwidert habe, haben sie herum gepöbelt, dass ich ihnen doch mehr Respekt entgegenbringen soll. Ich habe mir damals nur gedacht “Respekt muss man sich verdienen! Und ihr drei Gestalten habt in Eurem Leben sicher noch gar nichts verdient!” Gesagt habe ich es indes damals nicht. Wer nicht von drei betrunkenen Halbstarken vor der eigenen Haustüre zusammen getreten will sollte vorsichtig sein. Als ich damals in meiner Wohnung ankam hat mir meine Freundin erzählt, dass sie aus dem geöffneten Fenster sehen konnte, wie diese drei Typen an die Türen des Autos eines Nachbarn gepinkelt haben. Ob sie glauben, dass man sich so Respekt in unserer Gesellschaft verdienen kann?

Jedenfalls waren es am Vorabend genau diese drei Typen, die um 23h pöbelnd durch unsere Straße gezogen sind. Die Polizei nimmt dies zu Protokoll. Nachweisen kann man den drei Halbstarken allerdings nichts, denn die Reifen wurden wahrscheinlich in der Nacht um 2h zerstochen. Der Hund einer Nachbarin hat um diese Zeit angeschlagen, aber es hat niemand aus dem Fenster geschaut.

Während die Nachbarn sich langsam gegenseitig informieren und ziemlich verschlafen ihre Autos kontrollieren fragt mich eine Nachbarin, was den geschehen sei? Als ich ihr sage, dass ich davon ausgehe, dass in der Nacht einige gelangweilte gewaltbereite Jugendliche ihre Wut an den Reifen der geparkten Autos ausgelassen haben entgegnet sie mir: “Ja, vielleicht waren es auch Jugendliche die im Leben immer nur Pech hatten und einfach ein Ventil für ihren Frust gebraucht haben. Das gibt es häufig und man muss Verständnis für diese Kinder haben!” Au Backe, diese kleinen miesen Wichser zerstechen nachts die Reifen von Autos und Fahrrädern und zum Dank sollen wir ihnen auch noch den Arsch abwischen? Nein Danke, da hört meine Toleranz echt auf.

Als die Polizei ihre Arbeit beendet hat geht es mit dem Rad im Kofferraum zum nächsten Reifenhändler. Der neue Reifen ist nach einer Viertelstunde montiert. Allerdings ist es ein Reifen des Herstellers Michelin, die aktuell montierten Dunlop-Reifen sind nicht vorrätig und müssten erst bestellt werden. Außerdem ist der Reifen sichtbar verschlissen. Er hat zwar noch etwa 60%  Profil, aber wenn nur ein Reifen getauscht wird, wäre die Profiltiefe auf der Vorderachse sehr unterschiedlich. Der Fahrsicherheit ist dies sicher nicht zuträglich. Also geht es nach der Montage des reparierten Rades mit dem “gesamten Fahrzeug” ein zweites Mal zum Reifenhändler. Inzwischen ist es schon nach 12h, eigentlich haben die Mitarbeiter bereits Feierabend! Aber sie erkennen die Notlage und montieren auch auf der Beifahrerseite einen zweiten neuen Reifen. Der ganze Spaß kostet 248 Euro! Während ich die Geheimzahl meiner EC-Karte eintippe bin ich froh, dass dieses Auto nur mit 15″ Felgen bestückt ist und die feigen Idioten keine sündhaft teuren 19″ Hochgeschwindigkeitsreifen mit supercoolem Niederquerschnitt zerstochen haben. Solche Reifen hätten schnell mehr als das vierfache gekostet!

Als wir dem Parkplatz des Reifenhändlers verlassen steht ein Polizist vor uns auf der Straße, wir müssen warten. Ein älterer weißer Mercedes hängt auf dem Seitenstreifen fest. Der Fahrer hat irgendwie einen der beiden dicken runden “Randsteine” übersehen und nun hängt sein Auto darauf fest. Mehrere starke Männer versuchen das Fahrzeug aus der misslichen Situation zu befreien.

Kurz darauf ist eine Gruppe blauer Fahrzeuge des THW unterwegs. Sie halten vor dem Parkhaus an der Bonner Museumsmeile. Als wir sie passieren überlegen wir, ob es vielleicht einen Rohrbruch gab und das Parkhaus unter Wasser stehen könnte?

Weil wir uns das Wochenende nicht vor den unbekannten Randalierern versauen lassen wollen, geht es mit den neuen Reifen zu einem guten Italiener in Bonn Bad Godesberg. Wir lassen es uns dort so richtig gut gehen…

Zurück im Parkhaus muss ich noch schnell ein Beweisfoto mit dem reparierten Reifen machen :-)

Mit der Photokina war es nun leider nichts. Aber am Sonntag haben wir Gelegenheit bei zwei Bonner Fotohändlern die Auslagen in den Schaufenstern zu checken. Ich bin nicht schlecht überrascht, als ich bei beiden Händlern nicht nur eine Nikon D800 als auch jeweils eine Nikon D600 zu sehen bekomme.

Bei Foto Brell wird ein Exemplar der Nikon D800 ganz standesgemäß OBERHALB der D600 präsentiert :-)

Ganz interessant ist auch, dass im Bonner City-Foto-Center der Preis für eine Nikon D7000 bereits auf 749 Euro gepurzelt ist! So hat die Nikon D600 bereits eine neue Runde im DSLR-Preiskampf eingeleitet. Die Kunden können indes frohlocken. Auch wenn man keine D600 kaufen will, wird in den kommenden Wochen eine Menge Geld sparen können. Sicher werden viele Fotografen die sich die Nikon D600 nicht ohne weiteres leisten können ihre D700 oder ähnliche Kameras auf dem Gebrauchtmarkt anbieten. Und da das Angebot den Preis regelt, werden potentielle Käufer Grund zur Freude haben. Als Besitzer einer D3x wird man sich allerdings ziemlich ärgern. Haben sie doch noch vor einigen Monaten runde 7.000 Euro für eine Kamera ausgegeben, die nun von der 2.000 Euro Kamera aus Consumer-Segment angegriffen wird. Aber man muss auch sehen, dass eine Nikon D3x im Vergleich zur Nikon D600 die eindeutig robustere und bessere Profikamera ist. Aber ob der Preis von 7.000 Euro im Jahr 2012 noch gerechtfertigt ist? Ich denke, das ist er eher nicht!

Aber ich bin mir sicher, dass die Nikon Ingenieure bereits seit einigen Monaten an den Features der neuen Nikon D4x tüfteln. Und sobald diese lieferbar ist, werden sie sich mit der Entwicklung der Nikon D5 befassen. Zwischendurch wird es noch eine Nikon D900 geben. Und die ganze Geschichte wird sich wiederholen :-)

Meinen Sonntagnachmittag verbringe ich unter freiem Himmel auf dem Weg zur Arbeit. Zwar lacht die Sonne nicht, aber auf einsamen kurvenreichen Landstraßen können die neuen Reifen zeigen was in ihnen steckt. Und ich muss sagen, das Auto fährt sich noch genau so gut wie zuvor. Dunlop oder Michelin, einen großen Unterschied scheint es nicht zu geben. Sogar das Profil der Reifen sieht sehr ähnlich aus.

Und einmal mehr zeigt sich, dass “kopfloses” Rasen auf kurvigen Landstraßen sehr gefährlich sein kann. Hätte ich mich dazu hinreißen lassen, so wäre ich wahrscheinlich in diese beiden, hinter einer unübersichtlichen Kurve vor einer Schafherde wartenden Motorradfahrer, hinein gekracht. So konnte ich langsam heran rollen und sogar noch ein kleines Handy-Foto für Euch knipsen :-)

Die Photokina ist nun Geschichte, auch ganz ohne mich :-)

Schlimm war es nicht und ich bin froh, dass die “armen frustrierten Kinder” nur die Reifen zerstochen und keinen weitaus größeren Schaden verursacht haben. “Eins in die Fresse hauen” könnte man ihnen aber trotzdem. Es gibt Typen, die sind so blöd, die raffen es eben einfach erst, wenn sie physisch zu spüren bekommen welche Reaktion es gibt wenn sie mal wieder Scheisse gebaut haben.

 


Motorradtour durch die Eifel

Es ist ein tolles sonniges Wochenende und gemeinsam mit meiner Freundin Sandra und meinem Sohn geht es mit zwei Mopeds kreuz und quer durch die Eifel. Bei Rheinbach hatte ich die Idee die Tour mit meinem TomTom Urban Rider aufzuzeichnen. Da die gefahrene Runde wirklich schön war, habe ich die aufgezeichnete GPX-Datei mit Google-Earth geöffnet und für Euch einige Bilder aus der Vogelperspektive exportiert. Vielleicht hat ja der eine oder andere Spaß daran in der Eifel einige schöne neue Routen zu entdecken.

Die gefahrene Strecke betrug etwa 170 Kilometer, wir haben uns dafür etwa 6h Zeit gelassen.

Hier die Eckpunkte der Route:

  • Bonn-Röttgen
  • Rheinbach
  • Kirchsahr
  • Adenau
  • Mayen
  • Maria Laach
  • Remagen
  • Wachtberg
  • Bonn-Röttgen

Und so sieht das aus der Vogelperspektive aus:

Hier die perspektivische Ansicht:

Im kleinen Örtchen Kirchsahr gibt es ein kleines nettes Restaurant. Das Tal ist landschaftlich sehr reizvoll und die Straße ist relativ wenig frequentiert, hier macht das Bikerleben großen Spaß. Auf dem Weg von Kirchsahr nach Ahrbrück kann man ein paar wirklich schöne Umwege fahren. Diese sind gespickt mit Spitzkehren und sehr schönen Bergkuppen mit tollen Blicken über die wunderschöne Landschaft der Eifel.

Bei Ahrbrück erreicht man dann das ehemalige Café Fahrtwind, das inzwischen Café Ahrwind heißt. Der neue Pächter hat einfach zwei Buchstabe gestrichen: (F)Ahr(t)wind

Das neue Café Fahrtwind ist nur einige wenige Kilometer weiter in Richtung Adenau. Da wir von unserem Zwischenstopp im Hotel bei Kirchsahr noch perfekt gesättigt waren gab es ausnahmsweise mal keinen Zwischenstopp im Café Fahrtwind. Über Adenau ging es weiter nach Mayen. Bei Schloss Bürrensheim dann ein ein kurzer Zwischenstopp, weil inzwischen der Hintern schmerzt. Das Schloss ist sehr reizvoll gelegen und ein Augenschmaus für jeden Fotografen der auf alte Burgen steht :-)

Schloss Bürresheim mit HTC Desire HD

Hier habe ich ein Bild der Infotafel für Euch, falls jemand überlegt dieses schöne alte Schloss mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Etwa 5 Kilometer weiter südlich landet man in Mayen. Hier lädt eine weitere großartige Burg zu einer kleinen Entdeckungsreise ein. Außerdem gibt es dort ein sehr schönes Bergbau-Museum, das zu einer kleinen Grubenfahrt einlädt.

Den Rest des Tages gondeln wir entspannt in östlicher Richtung zum Rhein hinüber. Auf der B9 geht es bis Remagen, bei der Apollinaris-Kirche biegen wir links ab und fahren eine kurvenreiche schöne Landstraße bis Wachtberg. Dort werden die Motorräder in einer Waschanlage von den vielen Insekten befreit. Es gibt noch einen Zwischenstopp im wunderschönen schattigen Biergarten der Waldesruh. Danach setzen wir meinen Junior bei seiner Mama ab und lassen den heißen Sommertag langsam ausklingen.


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