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Archiv für März, 2011

Auf nach Page

Der Wecker ist auch 8h Arizona Time eingestellt. Aber es kommt um 7h eine SMS von Angenie, ich bin fast wach und kann dieses Gefühl in aller Ruhe ausbauen. Schnell in die Mails schauen, Routenplanung erstellen, ein paar Fotos in die FC hochladen und dann klopft auch schon das Zimmermädchen…

Es geht los nach Page, es sind nur 80 Meilen. Um 1:00 pm Arizona Time treffen wir uns beim Mexicaner gegenüber vom Safeway – da gibt es sicher einen leckeren Burrito :-)

Hier die Route:

Google hat Page leider noch nicht fotografiert – es ist wie immer in Page – es ist nicht nur die jüngste Stadt der Vereinigten Staaten, es wird vielleicht auch die letzte sein die in Google Streetview auftaucht :-)

Kleines Quiz:

Was mir gerade einfällt? Allan hat mich gestern gefragt ob ich den östlichsten Punkt der Vereinigten Staaten kenne? Wer weiß eine Antwort (nicht schummeln, nicht googeln…)

 

Update:
Auf dem Parkplatz vor dem Safeways gibt es ein offenes WLAN: linksys

Super, ich bin mit meinem Telefon online und kann sogar bloggen ;-)

Das Wiedersehen mit Angenie und Peter war wirklich super und ich hoffe sehr, dass wir uns vielleicht im nächsten Jahr an Yellowstone National Park treffen können. Ich überlege jetzt was ich heute noch machen soll. Ich hatte überlegt zum Alstrompoint zu fahren, aber der Himmel ist einfach nur blau, das lässt keine wirklich famosen Bilder erhoffen.

Warum also nicht zum Zion National Park fahren? Ich könnte mich in Hurricane einmieten und vielleicht sogar morgen einen Abstecher zum Bryce Canyon machen. Ok ich werden das gleich auf der Strasse mit mir ausmachen. Ihr könnt es dann später im BLOG lesen ;-)

Ok, ich fahre dann mal los…

…bis später….


Monumental Roundtrip

Gestern ist mir im Monument Valley Visitor-Center mal wieder das tolle Foto aufgefallen, dass Tom Till sicher schon vor vielen Jahren am Hunt’s Mesa aufgenommen hat. Gestern habe ich mir in der “Mittagspause” auf dem Parkplatz vor dem Visitor-Center anhand meiner topografischen Karten eine kleine Route zusammen gestellt. Heute geht es dann so gegen 10h los nach Monument Valley. Am Supermarkt um die Ecke halte ich kurz an, es gibt zwei dieser famosen Sandwiches mit Geflügelsalat und fünf Äpfel – alles zusammen 10$.

Etwa 90 Minuten später treffe ich am ersten Wegpunkt ein, er passt wie die Faust aufs Auge, super! Es geht nach Osten auf eine gut befahrbare Schotterpiste. Wegpunkt 2 und 3 finde ich auch sehr schnell, noch ist alles gut! Dann beim vierten Wegpunkt finde ich die Straße nicht die auf der Topo-Map eingezeichnet ist. Ich probiere es mal hier und da, aber ich lande immer nur zwischen kläffenden Hunden und irritiert dreinschauenden Indianerkindern. Was für ein Mist! Ich nehme mal eine Route die halbwegs befahrbar aussieht und annähernd zum Hunt’s Mesa führt. Diese Dirt-Road wird aber immer schwieriger zu fahren, es geht über weite Strecken mit fiesen Felsen und dann wieder tiefem Sand. Links und rechts des Weges liegen immer mal wieder zerstörte Autoreifen, was mich sehr nachdenklich stimmt. Dann finde ich links eine kleine Farm, sie sieht relativ verlassen aus. Und dann ist der Weg auch schon zu Ende. Es gibt nur noch ein große ebene weiße Fläche. Allein zwei Reifenspuren führen weiter in meine Richtung.  Ich versuche es mal, aber der Tahoe gräbt sich in den losen Sand ein. Ich stecke fest, so ein Mist!

Ich nehme mal den Rückwärtsgang und gebe ganz ganz vorsichtig Gas, dann wieder vorwärts und wieder rückwärts. Ein paar Mal hin und her und schon bin ich wieder im Spiel. Um mich nicht erneut festzufahren bleibe ich satt auf dem Gas und drehe eine Runde über diesen weißen sandigen kleinen See. Als ich wieder festeren Boden unter den Rädern habe atme ich schwer auf!

Ich starte auf dem Handy mal die Copilot-Software. Vielleicht kennt die ja einen Weg der auf der Topo-Map nicht verzeichnet ist. Es dauert eine Weile bis der Copilot herausgefunden hat wo wird denn gerade sind. Dann geht ein Warnhinweis auf. “Sie befinden sich nicht öffentlichen Straßen. Bitte beachten sie die Gesetzgebung!” – Ok, ich darf hier also gar nicht sein. Eigentlich darf man ja auch gar nicht allein zum Hunt’s Mesa. Später im Visitor Center erfahre ich wie es “richtig” geht. Man bucht sich einen privaten Tourguide – der nicht ganz billig ist – und der begleitet einen dann hinauf zum Hunt’s Mesa. Da kann man dann seine paar Fotos machen und es geht wieder zurück.

Mit dem Auto hat man keine Chance. Ich habe mir die Gegend nun zum zweiten Mal intensiv angeschaut und denke man kann da nicht schummeln. Also, wenn Hunt’s Mesa, dann für Geld mit Tourguide und ganz offiziell.

Aber da war ich ja noch gar nicht! Nachdem mich der Copilot so rüde ausgeschimpft hat, habe ich ein schlechtes Gewissen, ich trete den Rückweg an, zumal es hier nicht weitergeht. Ein paar Hundert Meter später steht dann wie aus dem Nichts ein großer Truck vor mir. Drinnen sitzt ein grimmig schauender Indianer, auf der Ladefläche ist jede Menge Heu für seine Pferde. Ich lächle nett, hebe die Hand zum Gruße, er tut dasselbe und schon bin ich an ihm vorbei. Aber mit einem echt schlechten Gewissen!

Als ich an der Schotterpiste ankomme überkommt mich noch einmal kurz der Wagemut. Ich fahre weiter nach Osten. Aber auch das endet einfach nur im Nichts vor einigen kleinen Farmgebäuden. Ich kehre um. Dann an einer größeren “Kreuzung” kann man links in Richtung Süd-Osten abbiegen, warum nicht? Ich bin nun auf einer gut ausgebauten Schotterpiste. Die Landschaft ist super und es gibt immer wieder krasse Felsen links des Weges. Dann sehe ich in der Ferne einen Felsen der ein gewaltiges rundes Loch hat. Da könnte man mit ein wenig Forschen und Probieren sicher ein paar coole Fotos machen. Aber es führt keine Straße dorthin und es sind sicher mehrere Kilometer, auch wenn er zum greifen Nahe scheint. Egal, ich fahre weiter nach Osten. Auf dem Navi kann ich sehen, dass der südlich Highway in Richtung Kayenta nicht weit weg ist. Das Navi zeigt einen Punkt namens “Little Rocks” an. Den wähle ich mal als Ziel und folge den Angaben meines Copiloten. Doch auch das geht schief. Ich lande schließlich wieder auf einer Farm zwischen kläffenden Hunden. Eigentlich dürfte ich auch hier gar nicht sein, das schlechte Gewissen meldet sich wieder, es geht so unauffällig wie möglich zurück zur Schotterpiste. Es geht weiter und weiter und weiter. Dies Indian Route nimmt echt kein Ende. Immer wieder kleine Zelte, Holzhütten, Kühe, Pferde, alles sehr ärmlich.

Dann finde ich so etwas wie eine kleine Talsperre, aber es ist ganz winzig. Man kann sicher ein paar hundert Pferde und Kühe damit versorgen, mehr ist es aber nicht. Es führt ein Weg drum herum. Mir kommt ein Indianer entgegen, er ist richtig krass rot im Gesicht, trägt Jeans, Stiefel und einen hellen Hut auf dem Kopf. Er ist bestimmt über 70 und telefoniert mit einem Handy. Jetzt weiß ich, die Zivilisation hat mich zurück!

Am Highway biege ich links ab und mache eine kleine Rundreise. Das hier wollte ich mir immer schon mal anschauen! Am Wegweiser zum Canyon der Chelly werde ich dann ein wenig wehmütig. Es ist schon Mittwoch und am Sonntag muss ich schon wieder im Flieger sitzen. Die Zeit hier ist immer viel zu kurz um all das zu schaffen was man sich vornimmt oder einfach nur wünscht.

Eine Stunde später bin ich am “Valley of the Gods”. Die Sonne steht schon tief, es ist etwa 16h – warum nicht! Ich nehme den kleinen Abstecher. Während ich von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt fahre läuft mir langsam die Zeit davon. Mein Copilot rechnet für die Ankunft am Monument Valley Visitor-Center 17h40 aus – das könnte knapp werden! Schließlich würde ich heute gern den “Vasenius-Schatten” ein zweites Mal aus einer dichteren Perspektive fotografieren. Ich gebe Gas! Die Straße ist staubig, holprig, kurvig und es geht so heftig auf und ab, dass es schon im Magen kribbelt. Aber dann rettet mich die asphaltierte Hautstraße. Es geht vorbei am Gooseneck State Park zum Monument Valley.

Kurz bevor ich dort eintreffe meldet der Copilot “Route zum Ziel kann nicht ermittelt werden.” dann steht da “Bitte kehren sie um auf Luftlinie” – was für ein Spaßvogel hat das denn programmiert? Umkehren auf Luftlinie, der ist echt gut! Ich muss schmunzeln!

Als ich am Kassenhäuschen eintreffe ist es 17h48, es ist niemand mehr da. Ich habe also 10$ gespart – super! Ich drehe eine Ehrenrunde über den Parkplatz und hoffe Allan hier irgendwo zu finden. Aber sein Ford ist nicht hier. Ich versuche es mal auf dem “primitive Campground” und da steht er auch schon bei zwei anderen Fotografen. Allan erkennt mich sofort und ich freue mich sehr in wieder zu sehen.

Er ist schon bereit und wartet auf das große Ereignis. Ich baue schnell meinen Krempel auf. Die kleine P7000 soll 30 Minuten lang das Schauspiel filmen. Daraus will ich später eine Zeitraffer-Aufnahme erstellen. Auf dem Stativ ist die D300 mit dem 2.8/17-55mm. An der D2x habe ich das 2.8/70-200, in der F80 ist mein letzter Diafilm und es ist das 60er Macro montiert. Die Show kann beginnen – ich bin bereit!

Aber es passiert gar nichts! Wir stehen uns die Beine in den Bauch, quatschen und schauen immer wieder prüfend nach Westen. Da ist der Himmel voller Wolken und heute tut die Sonne und nicht den gefallen sich noch einmal kurz zu zeigen. Schade, es war alles umsonst. Aber was sagt Allan dann “Well, that’s outdoor photography!” Als er einpacken will sieht der Himmel im Westen grandios aus. Plötzlich rennt Allan wie hypnotisiert hoch zur Straße. Ich hinterher. Vier Kameras habe ich dabei, zwei Stative und einen Rucksack, wie bescheuert das bloß ausgesehen haben muss :-)

In den Sanddünen fotografieren wir unseren Sonnenuntergang. Es ist der krasseste und schönste des gesamten Trips, ganz so unglücklich sind wir doch nicht :-)

Als auch dieses Schauspiel vorbei ist verabschieden wir uns. “We’ll keep in touch!” – oh ja, das werden wir!

Es geht zurück nach Tuba City – die Fahrt dauerte ziemlich genau 90 Minuten und ich bin um 21h auf dem Parkplatz. Als ich auf dem Handy den Flugmodus deaktiviere kommt da eine SMS von Angenie und Peter. Wir werden uns morgen zum Mittagessen in Page treffen. Super, drauf freue ich mich sehr! Morgen ist als wieder ein “Umzug” angesagt. Ich werde in Richtung Page fahren, dann am Freitag weiter nach Mesquite. Freitagabend nehme ich mir mal “Hoblins Playground” vor und fahre danach nach Las Vegas. Den Samstag kann ich dann in Ruhe in Las Vegas verbringen. Das Auto sollte ich waschen und wieder etwas herrichten. Dann kaufe ich mir vielleicht noch die 1.5 TB Notebookplatte in dem schönen Apple-Design mit USB3.0 und Firewire 800 für 179 Dollar -das wäre eine Massnahme. Die 500er Festplatte vom Radioshack ist jedenfalls schon wieder voll. Eigentlich wollte ich sie als Backup-Platte für die Fotos dieser Reise. Mal sehen was ich bei Fry’s in Las Vegas alles finde. Vielleicht kann ich mir ja auch mal das neue iPad 2 anschauen :-)

Hier sind ein paar Fotos des heutigen Tages:

Und nun ab ins Bett…


Der White Mesa Arch und der Vasenius Schatten

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Heute werde ich ganz ohne Wecker ziemlich erholt und ausgeschlafen um kurz vor 8h (Arizona Time) wach. Einzig die Halsschmerzen machen nicht ganz glücklich. Die Aktion nachts im Hemd allein neben dem zugesperrten Auto hat doch Spuren hinterlassen. Die Hände schmerzen noch ein wenig, aber ich kann ja mit einem Stativ fotografieren :-) Nach der heißen Dusche ist fast alles vergessen, ich bin sogar mal so pünktlich, dass ich das Frühstück hier testen kann.

Es geht nach nebenan in das kleine gemütlich eingerichtete Restaurant. Hier ist alles nach Navajo-Art gestylt. Das Gebäude ist auch rund, ein wenig ist das sicher an Zelte und früheren Lebensstil der Navajo angelehnt. Die “Werktmarke” vom Quality Inn nebenan erlaubt den kostenlosen Verzehr drei verschiedener Frühstücksangebote. Ich entscheide mich für die No. 1 – Rührei, Hushbrowns, Vollkorn-Toast und ein kleines Bratwürstchen. Dazu gibt es Kaffee mit Milch – lecker! Der Kellerin lasse ich einen Dollar auf dem Tisch liegen, die Rechnung bekommt zusammen mit dem Gutschein die Dame am Ausgang. War doch ganz einfach…

Hier noch ein Handy-Knipsbild (Cell-Phone-Snapshot)

Zurück will ich kurz in meine E-Mails schauen und siehe da, der Lothar hat sich gemeldet und mir den Tipp gegeben, es doch mal mit dem White Mesa Arch zu versuchen – wo ich doch schon mal in der Nähe bin? Also schaue ich mal im Web was ich so finde. Bei der Webseite von “Lalas-Reisen” werde ich sofort fündig. Hier gibt es ein Wegbeschreibung und vier GPS-Wegpunkte. Irgendwie schaffe ich es jedoch wieder einmal nicht die Wegpunkte mit Garmin Basecamp einzugeben. Es gibt so viele verschiedene Formate und ich erwische immer gerade die die nicht funktionieren. Damit sollte ich mich mal näher auseinander setzen! Aber ich kann sie direkt in mein GPS eingeben, das ist auch ok! Das alles mache ich in der Lobby, den das Zimmermädchen wirbelt schon durch meine kleine Bude. In der Lobby ist auch ein Computer und so kann ich auch gleich schauen wie die Topografie so aussieh

Eine halbe Stunde später geht es dann los. Die Wegpunkte markieren einen ziemlichen Umweg. Aber es scheint aus meiner Richtung auch keine einfach andere Möglichkeit zu geben. Ein Aspekt ist, dass eine Bahnlinie genau zwischen der Hauptstraße und dem Areal innerhalb dessen sich der Arch befindet verläuft. Aber die Anfahrt ist problemlos und mit der Beschreibung auf dem Handy und den Wegpunkten im GPS klappt alles ganz wunderbar. Die letzten Meter des Weges sind nicht mehr ganz einfach zu fahren. Bis zu der kleinen Farm war alles noch ganz ok, da ist auch regelmäßiger Verkehr. Aber die letzten paar hundert Meter sind ein wenig abenteuerlich. Aber mit dem Tahoe “kommt man ja überall hin”.

Auf dem Rückweg kann ich sogar noch ein kleines Video drehen.

 

Der Arch sieht auch ziemlich gut aus. Er ist von dieser Seite zwar im Gegenlicht, aber das mag ich ja irgendwie. Schön ist auch, dass man aus dieser Richtung einen “Hintergrund” hat. Würde man auf die andere Seite wandern, er wäre nicht im Gegenlicht aber man würde auch nur langweiligen blauen Himmel sehen. Also mache ich diverse Fotos. Dabei liege ich samt Stativ und Kamera auf dem Boden. Selbst mit einem Fish-Eye ist es nicht ganz einfach dieses Monstrum auf den kleinen Chip zu bannen. Ein paar Dias mache ich auch noch. Der letzte Velvia 50 ist jetzt in der F80. Wenn die 38 Bilder voll sind bleiben mir noch 10 Kodak Ektar 100. Mal sehen was ich unbelichtet zurück mit nach Hause nehmen mus

Nach der Fotosession sitze ich eine Weile in der Sonne, esse einen Apfel aus dem Supermarkt in Tuba City und trinke eine Flasche Wasser. Es ist herrlich ruhig hier, was für ein schönes Fleckchen Erde. Während ich so da sitze denke ich an den Sohnemann und meine Freundin Sandra. So toll es hier auch ist, ich freue mich doch sehr sie bald wieder zu sehen. Aber am Dienstag bin ich schon wieder im Büro. Da sehe ich die ganzen lieben Kollegen alle wieder. Ein wenig bin ich ja auf dem Laufenden geblieben. Meine Facebook-Meldungen waren ja teilweise auch ganz witzig. Wie dem auch sei, es ist einfach schön hier und ich geniesse den Tag in vollen Zügen.

Die Autoschlüssel habe ich jetzt immer in der Hosentasche. Beim Tanken hat sich der Tahoe am Morgen in Tuba City wieder selbst verriegelt. Er macht es ohne Vorwarnung und ich habe immer noch nicht verstanden wann genau er es tut. Als Quittung gibt es sogar ein kurzes “Tuuut” – wohl dem, der die Schlüssel dabei nicht im Auto hat!!

Gegen 15h breche ich dann wieder auf. Es gibt noch ein kleines Video mit der Nikon P7000. Als ich nach ein paar Minuten eine etwas besser ausgebaute Schotterpiste erreiche die laut GPS nach Süden führt, entschließe ich mich nicht so zurück zu fahren wie ich gekommen bin. Und siehe da, nach etlichen Kilometern bin ich wieder auf der Hauptstraße in Richtung Kayenta. Nun ist auch Monument Valley nicht mehr weit! In Monument Valley soll heute die Sonne einen ganz besonderen Winkel haben. Heute und vielleicht auch Morgen soll der linke der drei Tafelberge die man vom Visitor-Center aus sehen kann, seinen Schatten für einen kurzen Augenblick auf den rechten der drei Tafelberge werfen. Das war ein Tipp von Alan Vasenius den ich am Sonntag bei meinem letzten Versuch einen Permit für “The Wave” zu bekommen kennen gelernt hab

Als ich in Monument Valley eintrudle muss ich erst einmal 5$ Eintritt zahlen. Danach schaue ich mal von wo aus man eine gute Perspektive auf die beiden Tafelberge hat (Left-Mitten und Right-Mitten heißen sie). Am Campingplatz sieht es ganz gut aus. Ein richtiger Campingplatz ist es übrigens nicht, es ist einfach nur ein staubiges rundes Fleckchen Erde an dem man mit seinem Wohnwagen stehen darf.

Ich fahre mal langsam in das Tal hinein. Es gibt noch weitere gute Plätze, das meiste kenne ich ja schon. Gegen 17h30 bin ich dann am John Ford Point. Es ist schon alles verlassen, die Sonne versteckt sich hinter dichten Wolken. Ich habe wenig Hoffnung, das ich dieses seltene Schauspiel heute werden sehen können. Aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben! Links neben mir sind die “Three Sisters” zu sehen, ich da reißt plötzlich ein wenig die Wolkendecke auf und die Sonne steht genau über der rechten der drei Felssäulen. Schnell die Kamera heraus holen, schnell schnell schnell… Ich bin rechtzeitig! Und da sieht gerade auch der John Ford Point wirklich gut aus, der Spiegel der Kamera klickt im Sekundentakt.

Dann durchzuckt es mich, die Sonne steht nun schon sehr tief, es ist fast 18h – ob ich das Schauspiel verpasse wenn ich hier länger bleibe? Es geht in Windeseile zurück in den Tahoe. Mit Warp-Geschwindigkeit fahre ich mit meiner Staubwolke um die Wette – ich bin schneller! Alles was an Touristen auf dem Weg zum Ausgang ist wird gnadenlos überholt und eingestaubt. Die Straße wurde seit dem letzten Besuch mit viel Schotter aufgefüllt und ist größtenteils nun sehr gut zu befahren. Als ich am zuvor erkundeten Punkt eintreffe hat der mittlere Tafelberg gerade einen sonnigen Spot im Gesicht. Als ich meine Kamera startklar habe ist aber alles schon vorbei. Die drei Felsklötze liegen im Schatten. Die Sonne ist hinter einer dicken Wolke verschwunden. Wie schade!

Während ich geduldig warte und friere bauen rund herum alle Fotofreaks ihre Stative ab und verlassen das Tal. Ich bleibe! Das was es noch geben könnte ist so selten, das will ich mir nicht entgehen lassen. Im letzten Jahr hatten wir auch einen krassen Sturm tagsüber und niemand hat daran geglaubt, dass die Sonne noch einmal durchkommt und sie kam durch! Bei den Fotos die ich dazu in der Fotocommunity ausgestellt habe wurde schon gemutmaßt, dass der Himmel nachträglich in die Bilder hineinmontiert wurde. Oh ja, in der Fotocommunity sind gibt es große Experten! Besonders bei den Abstimmungsrunden zeigen sie sich von ihrer besten Seite. Es ist immer wieder eine Freude zu lesen was einzelne Mitglieder dort unter die Fotos schreiben die zur Abstimmung stehen. Irgendwie können sie einem ja auch leid tun, nicht die Fotos, sondern diese Typen. Sie sitzen wahrscheinlich den ganzen Tag vor dem Computer und geben einen “Contra” nach dem anderen ab weil sie sonst nichts haben. Keinen Job, keine Knete, keine Freundin, keinen S…

Während ich still auf das warte was wahrscheinlich nicht mehr kommen wird, geschieht dann das Erhoffte und es geschieht vollkommen lautlos! Die drei Berge beginnen dunkel rot zu leuchten. Und tatsächlich, der Left-Mitten ist als Projektion auf dem Right-Mitten zu sehen – Grandios – DANKE ALLAN VASENIUS :-) Auf meinem Stativ steht die D2x, ich mache 5-er Belichtungsreihen mit einer Differenz von 0,7 Blendenwerten. Das sind etwa 100MB pro Bild. Und gerade als das Schauspiel beginnt ist die 16GB Speicherkarte in der D2x voll. Eine Reservekarte habe ich schon in der Hand, aber die grüße Diode leuchtet noch, die letzten Bilder werden noch auf der Karte gespeichert. Sie jetzt heraus zu ziehen könnte fatal sein. Also muss ich mit kribbligen Fingern warten biss die grüne Lampe endlich erlischt. Zack raus, rupf hinein, formatieren und Löss – Klick Klick Klick – was für ein Schauspiel!

Zwischendurch nehme ich kurz die F80 und mache ein paar Dias, freihändig, ich habe zu wenig Stative! Dann mit der D300 und dem 70-200mm Teleobjektiv ein paar gezielte Ansichten des lang ersehnten “Schattens”. Dann zurück an die D2x. Dann ein anderes Objektiv, 2.8/20mm mit B&W-Grauverlaufsfilter, Klick Klick Klick… Das Schauspiel dauert nur einige wenige Minuten und dann geht es so lautlos wie es kam. Ich warte noch eine Weile ob es vielleicht noch einen knallig bunten Abendhimmel gibt, aber er bleibt langweilig. Gegen 19h sitze ich dann im Auto, ich drehe noch ein paar Runden über den Parkplatz, aber Allan Vasenius kann ich nicht finden. Schade, ich habe auch keine Handy-Nummer von ihm. Es geht zurück nach Tuba City. Es sind etwa 150 Kilometer, die sitze ich auf der linken “Pobacke” ab :-) Ok, es ist dann doch ziemlich eintönig.

Um nicht einzuschlafen gebe ich mir allerfeinste “Gitarrenlehrer-Musik” – Crystal Planet von Joe Satriani. Das groovt wie die Hölle und die Gitarrensolos sind kaum zu ertragen. Aber ich mag es und ich kann es richtig laut hören, es ist kein Beifahrer dabei der zu schlafen versucht. In Kurz vor 21h treffe ich in Tuba City ein, es geht noch schnell zu McDonalds, dann ins Hotel. Bilder sichern, Filmschnipsel anschauen, bloggen, ganz schnell ist es wieder 2:00 am Morgen…

Gute Nacht!


Blue Canyon Reloaded

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Endlich schlafe ich mal wieder richtig aus, tut das gut! Im Bett sitzend ergänze und überarbeite ich noch den Artikel von gestern Abend. Das kleine Off-Road-Video will auch noch geschnitten werden. Die Zeit vergeht und plötzlich klopft das Zimmermädchen. Es ist schon fast 11h (Utah-Time). “Hi, please give me a few minutes…” Ich packen meinen Krams zusammen, den kleinen Mac muss ich stehen lassen, sonst wird das mit dem YouTube-Video niemals was. Ich räume alles beiseite und lege der netten Dame drei Dollar auf mein Kopfkissen.

Es geht los, als erstes Ziel steuere ich den Supermarkt unten an der Hauptstraße an, den das “Inklusiv-Frühstück” habe ich lange verpasst. Im Supermarkt gibt es ganz frische Salate und ein famoses Sandwich mit Chicken-Salad. Ich kaufe packe noch ein bisschen Obst und ein paar Dosen Dr. Pepper in meinen Einkaufswagen. Während ich dann an der Kasse warte tippt mir jemand auf die Schulter. Es ist ein Indianerin in fortgeschrittenem Alter, sie trägt ein grünes Polohemd mit dem Logo des Supermarkes. Ich soll an ihre Kasse kommen, sie hat gerade geöffnet. Super, das ist mir in Deutschland in 46 Jahren noch nicht passiert :-)

Die Kasse ist anders als bei uns. Es gibt kein Förderband sondern einen großen runden “Drehteller”. Die Kasse selbst ist wie eine große ovale Insel gebaut. Das kannte ich auch noch nicht, aber es ist durchaus praktisch. Meine Einkäufe kosten keine 20 Dollar, einige Minuten später bin ich unterwegs. Es geht nach Süden, aber nicht wirklich weit. Kurz hinter Tuba-City hat man nach rechts einen tollen Blick in einen schönen Canyon. Dort halte ich an und nun gibt es das Sandwich und den Salat. Schmeckt alles prima, dazu eine Cherry-Coke :-) Als Nachtisch einen Snickers – irgendwie muss ich ja auf meine Kalorien kommen.

Dann geht es weiter, ich möchte noch einmal in aller Ruhe und ganz ohne Sturm zum Coalmine-Canyon. Im vorletzten Jahr hat es uns ja fast in den Canyon geweht und Wolfgang hat dort sein GPS verloren. Ich habe in meinem Garmin einen Wegpunkt gespeichert, den habe ich noch auf der Festplatte gefunden. Aber ich suche trotzdem mal auf dem Handy-Navi ob es des Coalmine-Canyon dort nicht gibt. Super, da steht Coalmine Mesa, das klingt gut! Als ich eine halbe Stunde später dort ankomme muss ich feststellen, dass Coalmine Mesa eine kleine Geisterstadt ist. Mit dem Canyon hat das nicht viel zu tun, ich bin schon wieder 10 Kilometer zu weite gefahren. Also wenden! Kurze Zeit später bin ich noch längst nicht an meinem Wegpunkt als ich einen Abzweig sehe. Es geht auf die Bremse und ich biege rechts ab. Den Canyon kann ich schon sehen, es scheint eine andere “Zufahrt” zu sein als die die ich schon kenne.

Auf der ersten Anhöhe bleibe ich mal stehen, das Panorama ist famos. Aber gleich neben mir ist auch wieder eine wilde Müllkippe. Was hier einfach alles abgekippt wird ist schon erstaunlich! Während ich meine erste Fotos mache kommt ein weißer Chevrolet Suburban auf mich zugefahren. Ich bekomme einen Schreck, bin ich auf einem Privatgrundstück? Da stand aber nichts von wegen “Private Property – Keep out” oder ähnlich. Als das Auto dann fast bei mir ist kann ich eine nette Indianerlady erkennen. Sie winkt freundlich und fährt einfach weiter. Super, alles ist gut. Während ich noch ein Foto machen will ist sie plötzlich auf dem Foto, aber so von weit weg – wie hat sie das nur gemacht? Ich steige ein, es geht weiter. Kurz drauf weiß ich wie sie es gemacht hat, es geht krass den Berg hinab! Links kann ich den Rand des Canyons sehen. Ich biege ab und kann fast bist an den Rand heranfahren. Das Panorama ist grandios, aber ich bin mir unsicher ob das auch erlaubt ist. Einige prüfende Blicke nach links und rechts, ich bin ganz allein.

So geht es weiter, von Klippe zu Klippe arbeite ich mich langsam nach Norden vor. Ich bin auf einer “Landzunge” – links und rechts geht es wirklich atemberaubend weit in die Tiefe. Bei letzten Stopp klettere ich auf einen kleinen Vorsprung, was für eine Aussicht. Auf dem Rückweg rutsche ich dann am steilen Hang ein paarmal aus, nun bloß nix dummes machen und in den Canyon stürzen! Auf allen Vieren geht es den Hang hinauf. Die D2x habe ich so halb auf dem Rücken. Als ich am Auto ankomme fehlt mal wieder das Gummi des Vergrößerungsokulars (Nikon DK-17) – schon wieder, immer wenn ich eine Nikon seitlich am Körper trage und ein Stück laufe geht mir dieses blöde Gummi flöten. Bei der D300 ist das “Eye-Piece” auch schon weg. Dort habe ich derzeit das Gummi meiner D60 drauf geschoben, das passt ganz gut und ist sogar besser gepolstert als das der D300. Ok, wenn ich daheim bin schaue ich mal wo es multiplen Ersatz für die Dinger gibt.

Irgendwann erscheint mir die sandige schmale Dirt-Road nicht mehr zielführend. Ich wende den Tahoe und es geht zurück zur Hauptstraße. Dort angekommen wird kurz überlegt wie es weitergehen soll. Ich blinke links und fahre noch ein mal nach Coalmine Mesa. Dort erkunde ich die kleine Geisterstadt mit meiner P7000 auf meinem kleinen Reisestativ. Es gibt ein altes Kino, zwei Schulen, einen verlassenen Basketballplatz, einen Maschinenhaus. Hier haben wirklich mal Menschen gelebt! Inzwischen ist alles recht verfallen. Aber ich mag ja so marode Orte sehr gern. Wenn man jetzt nur ein Model dabei hätte, hier könnte man echt ne Menge cooler Aktfotos knipsen!

Wieder am Auto geht es noch einmal zum Blue Canyon, obwohl ich gestern schon dort war. Das Areal ist faszinierend und ich möchte es noch ein wenig erkunden. Als ich fast bei den “Five Padres” bin biege ich aber nach links ab und fahre in Richtung Norden. Das macht Spaß und es gibt viel zu sehen. Irgendwann bin ich am Wegpunkt BC3 – den habe ich noch aus dem Jahr 2009. Wolfgang hat mir damals eine tolle Mail mit vielen Wegpunkten zugeschickt. Am BC3 hat man einen wirklich tollen Überblick auf weite Teile dieses tollen Gebietes. Inzwischen ist es fast 16h und das Licht wird langsam “fotogener”. Ich wende und fahre langsam zurück. Bei einem Zwischenstopp kommt dann eine ältere Indianerin in einem weißen Allrad-Van vorbei. Das einzige Auto das ich hier den gesamten Tag über sehen werde!

Ich fahre ganz langsam mit vielen Stopps am Rand dieses wunderbaren Canyons vorbei. Alle paar Meter muss ich halten und die kleinen Männchen mit ihren rotbraunen Zipfelmützen fotografieren. Der Tahoe macht mich indes fast wahnsinnig. Ständig macht es “Bing Bing Bing Bing Bing”. Mit Microsoft’s Bing hat das nix zu tun, es ist einfach nur nervig. Diese oder jene Türe ist offen, die Bremse ist getreten, der Schlüssel steckt, Licht ist an, Bing Bing Bing – wir mir das auf den Keks geht. Sandra hat neulich schon gesagt, dass sie bei ihrem nächsten Auto dieses “Gebimmel” irgendwie abschalten würde und dass sie manchmal fast froh ist einen alten Opel zufahren der nicht ständig piepst und bimmelt.

Als ich etwa auf der Höhe von “Merlins Zipfelmütze bin” (Auch ein Fatali-Motiv) schaue ich so fasziniert auf den Canyon, dass ich gar nicht bemerke, dass mein Tahoe langsam aber sicher in ein großen Feld mit tiefem Matsch hinein rollt. Als ich es bemerke ist es fast zu spät. Ein beherzter Tripp auf das Gaspedal, die Räder drehen durch, das Auto schlingert von links nach rechts, die ESP-Lampe blinkt, Kieselsteine prasseln von innen gegen die Kotflügel, das Ding schaukelt, der Motor dröhnt… Mir bricht der Schweiß aus, aber es geht alles gut. Uff, das war knapp!

Ich schaue nun konzentrierter dorthin wohin ich fahre. Zum Fotografieren halte ich an und steige aus. Bing Bing Bing, der Tahoe nervt bei kurzen Stopps total.

Als ich die “Five Padres” passiere sind es noch etwa 30 Minuten bis Sonnenuntergang. Ich fahre einfach mal weiter, mal schauen was es noch so gibt. Ich finde etwas später eine Säule die mich sehr an den Hund aus der Fernsehserie “Peanuts” erinnert. Es ist Snoopy und er steht auf seinen Hinterbeinen. Die Sonne steht tief, nur sein Kopf ist noch im Licht, der Rest ist schon im Schatten. Allein dieses “Ding” würde es lohnen noch einmal zurück zu kommen!

Etwas später verliert sich die Dirt-Road so langsam aber sicher zwischen Sand und Gestrüpp. Ich mache kehrt und fahre langsam in Richtung “Five Padres”. Heute will ich mal Silhouetten fotografieren. Also wieder ein paar Stopps und der Tahoo macht wieder Bing Bing Bing…

Bei den Five-Padres angekommen ist die Sonne dann auch weg. Ich stelle den Tahoe so, dass ich die Location mit dem Fernlicht ausleuchten kann. Mein Plan ist, noch eine Stunde zuwarten bis es völlig dunkel ist und dann ein paar Fotos mit der Nikon F80 auf Velvia 50 zu versuchen. Irgendwas mit ganz ganz langen Belichtungszeiten. Der Himmel ist wolkenlos, man sollte neben dem Mond alle Sterne sehen können. Das kommt vielleicht ganz gut. Eine andere Alternative wären ein paar HDRs dieser coolen Location im Fernlicht des Tahoe.

Big Shit oder: Don’t die out there!

Sobald das Ding korrekt steht stoppe ich den Motor, mache den Sitz ein wenig weiter nach hinten und bereite mich darauf vor eine Stunde zu warten bis es richtig dunkel ist und ich die Sterne sehen kann. Aber es wird auch kalt und ich bin irgendwie zu “kribbelig” um jetzt einfach still eine Stunde im Auto zu warten. Also auf die Türe, der Tahoe “bingt” schon wieder, wie nervtötend ist das denn. Ich ziehe den Schlüssel aber und lege ihn auf die Mittelkonsole, so kann ich ihn wenigstens nicht verlieren. Raus aus dem Auto, Fahrertüre zu, Seiten Türe auf, Pulli raus, Türe zu, Pulli, an – KLACK – TUT

KLACK? Was ist denn jetzt los? Ich will wieder hinein in den Tahoe aber er ist verschlossen! Oh nein oh nein, nun ist genau das passiert wovor Sandra die letzten Tage immer Angst hatte und was ich für total unmöglich hielt. Der Tahoe hat sich selbst verriegelt und ich bin ausgesperrt weil die Schlüssel auf der Mittelkonsole liegen. Ich brauche eine ganze Weile um den Ernst der Lage zu erkennen. In etwa 60 Minuten ist es hier stockfinster, der Mond ist nur noch eine Sichel, also nicht wirklich hell und nachts haben wir hier schnell Temperaturen um die 0°C.

Alles was lebenserhaltend wäre habe ich dabei, aber ich komme nicht heran. Ich kann die warmen Kleidungstücke, das Wasser, die Kekse sehen. Aber es nutzt mir alles nichts. Was mache ich nur? Zurück zur Hauptstraße sind es locker 20 Kilometer. Ich stecke fest, es wird Nacht und ich bin mitten in der Wildnis. EIN Auto habe ich heute gesehen, genau EIN Auto! Ob sich morgen jemand hierhin verirrt ist zweifelhaft. Den Reifenspuren nach zu urteilen war ich der letzte und einzige Besucher seit gestern. Während ich noch immer ungläubig an den Türgriffen rüttle kommt langsam so etwas wie Panik auf. Es muss etwas geschehen und es muss schnell geschehen solange ich noch etwas sehen kann! Ich überlege ob ich eine Scheibe einschlagen soll. Das ist vielleicht die einzige Lösung. Nur welche Scheibe? Vielleicht nehme ich die Scheibe hinter dem Fahrersitz. Von dort aus ist der Schieber zu erreichen um die Fahrertüre zu öffnen. Vielleicht schaffe ich es ja unten links ein Loch in die Scheibe zu schlagen. Ich renne los und such einen geeigneten Stein.

Ich finde einen etwa fünf Kilogramm schweren rauen Sandstein, das sollte gehen. Zurück am  Auto atme ich kurz tief durch und tue dann einen beherzten Schlag gegen das Fenster der rechten hinteren Türe. Der Stein prallt ab, ich verletze mir die rechte Hand und mehr als ein paar Schrammen sind auf dem Seitenfenster nicht zu sehen. Was ist denn das? Damit habe ich nicht gerechnet. Der Tahoe sieht nicht nur aus wie ein Panzer, er ist auch so gebaut!

Ich versuche es erneut, diesmal mit viel mehr Kraft. Der Stein prallt wieder ab und die rechte Hand tut jetzt richtig weg. Ich habe keine Handschuhe, ich habe einfach gar nichts. Scheiße was mache ich bloß. Ich suche mir einen größeren Stein, rumms, nichts, rumms, nichts, ich schaffe es nicht das Seitenfenster zu zertrümmern. Die Kratzspuren sind nun ganz deutlich zu sehen, aber das ist kein Glas, das ist irgendein Kunststoff, so etwas habe ich in meinem ganzen Leben nicht nicht erlebt. Ich werde nun langsam wirklich panisch, die Nummer mit dem Stein kann ich vergessen, jedenfalls am Seitenfenster. Soll ich versuchen ohne Taschenlampe, ohne GPS ohne alles zu Fuß in der Dunkelheit 20 Kilometer bis zur Straße zu laufen? Soll ich mich zusammengekauert bis morgen früh neben den Tahoe setzen und hoffen dass ich zum einen nicht erfriere und das morgen vielleicht jemand vorbei kommt der mir helfen kann?

Ich versuche mich zu beruhigen, zu kritisch ist die Lage. Was haben ich noch dabei? Eine fast neue Timex – wäre ich James Bond hätte sie einen eingebauten Laser der Stahlplatten schneidet, aber ich bin nicht James Bond. Ok, da ist mein Schweizer Taschenmesser. Könnte ich damit etwas versuchen? Ich gehe prüfend um den Tahoe herum. Die einzige Schwachstelle scheint mit das Heckfenster zu sein. Man kann es via Fernbedienung separat öffnen. Es hat oben zwei Scharniere und unten in der Mitte der Heckklappe eine Verriegelung. Die ersten Versuche diese mit dem Messer aufzubrechen scheitern. Ich will auch nicht den gesamten Mietwagen rundherum demolieren. Was mache ich bloss…

Dann schaffe ich es die rechte untere Ecke der Heckscheibe mit Hilfe des Flaschenöffners des Taschenmessers soweit aufzuhebeln, dass ich mit den Fingern dazwischen fassen kann. Ich steige auf die hintere Stoßstange und umfasse mich beiden Händen die Kante des Fensters. Was nun, soll ich es wirklich versuchen? Was wenn die Scheibe zerspringt und ich mir die Hände zerschneide? In der Hoffnung, dass die Heckscheibe aus dem gleichen Material wie die Seitenscheiben gemacht ist ziehe ich mit aller Kraft nach schräg oben.

Dann passiert es, mit einem lauten Knacks öffnet sich das Heckfenster, ich bin gerettet. Der kleine Hebel an dem die Scheibe einrastet hat nachgegeben, der Tahoe hat eine Schwachstelle! Ich bin erleichtert. Durch das Heckfenster krieche ich in das Auto, greife mit den Schlüssel und entriegele alle Türen. Ich bin gerettet!

Der Puls schlägt schnell, ich bin wirklich aufgeregt. Um mich ein wenig zu beruhigen versuche ich den “Vorfall” einfach zu übergehen und ein paar Fotos mit der kleinen Nikon P7000 zu machen. Aber es fällt schwer, mir ist übel. Die Magensäure steht mir ganz weit oben. Noch mal gut gegangen! Ok, lassen wir den Quatsch mit den Langzeitbelichtungen! Ich setze mich in den Tahoe und fahre zurück nach Tuba City!

Dort angekommen bekomme ich eine SMS von Angenie und Peter die ich 2009 bei den Narrows an der Cottenwood Road getroffen habe. Sie sind in der Nähe von Kanab. Ich will mal schauen wie ich mich mit ihnen treffen kann. Hier in Tuba City funktioniert wenigstens mein Handy. Als alles im Zimmer ist, verlängere ich an der Rezeption mein Zimmer um weitere zwei Tage. So kann ich von hier aus nach Monument Valley fahren, vielleicht auch einmal morgens ganz früh zum Coalmine Canyon. Und am Donnerstag könnte ich dann via Kanab und St. George in Richtung Las Vegas aufbrechen. Angenie und Peter könnte ich unterwegs vielleicht in Kanab oder Page treffen und es bliebe noch Zeit für einen Abstecher zu “Hoblins Playground” in der Nähe von Mesquite.

Ok, ihr werde erfahren wie es weiter gegangen ist :-) Jetzt schaue ich erstmal kurz die vielen hundert Bilder des Tages durch. Dann kann ich ein paar Bilder aussuchen, hier einhängen und dann den ganzen Spaß publizieren.

Was für ein Tag…

Update:

So sieht das Seitenfenster jetzt aus:

So sieht das Seitenfenster jetzt aus :-(

Hier sieht man ganz gut wie tief die Reifen im Schlamm gesteckt haben:

Update am 5. April:

Ich bin jetzt wieder in Deutschland. Die Schrammen in der Seitenscheibe habe ich mit etwas feinem  Nassschleifpapier, viel Wasser und reichlich Politur geglättet. Bei der Rückgabe ist es dann nicht mehr aufgefallen. Das Fenster ist dort jetzt einfach ein wenig stumpf. Den verbogenen Hebel der hinteren Scheibenverriegelung konnte man mit einer Zange gerade biegen, so dass er wieder korrekt schließt. Zange und Schleifpapier habe ich im Walmart für kleines Geld gefunden. So ist diese fiese Situation letztlich gut ausgegangen und es ist eine gute Geschichte übrig geblieben. Gott sei Dank, es hätte auch anders sein können.

Eben habe ich mir die Strecke mal mit Google Earth angeschaut. Der Weg zurück zur Straße beträgt Liftlinie 22 Kilometer!

Hier ist das Bild dazu, es kann via “Klick” vergrößert werden. Der Blue Canyon ist oben rechts in der Ecke, die Straße verläuft an der unteren rechten Ecke.


Blue Canyon

Im Land der “Zipfelmützen”

Nachdem der Kaffe geschmeckt hat und ich mich nebenan beim McDonalds mit einem “Big Mac Menu” gestärkt habe, geht es auf zum Blue Canyon – der ist gar nicht blau und ich denke der heißt auch gar nicht so! Der eigentliche Blue Canyon ist meiner Meinung nach etwas weiter östlich. Aber egal, es ist jedenfalls das Areal in dem Michael Fatali von einigen Jahren das Bild mit den “Five Padres” geschossen hat. Seit es dieses Bild gibt haben viele Fotografen versucht diesen Ort zu finden. Michael Fatali hat selbst ein großes Geheimnis daraus gemacht, schließlich lebt er von der Einzigartigkeit seiner wirklich guten Fotos. Aber wie es im Zeitalter von Google Earth so ist, irgendwann fliegt alles auf :-)

Mein Freund Wolfgang war lange auf der Suche nach diesem Ort. Er hat viele Menschen hier gefragt ob sie wissen wir das Foto von Michael Fatali entstanden sein könnte. Er hat Visitenkarten verteilt und E-Mails in die halbe Welt geschickt bis schließlich jemand eine Wegbeschreibung geschickt hat. So konnten wir bereits 2009 von Page aus dorthin fahren. Das war damals eine ziemlich heftige Tour und wegen des weiten Rückwegs sind wir am frühen Nachmittag wieder aufgebrochen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir keinen Sprit mehr hatten und es in ganz Tuba City einen Stromausfall gab. Daher liefen auch die Pumpen in den Zapfsäulen nicht und wir haben damals eine ganze Weile hier festgesessen.

Um mal bis zum Sonnenuntergang dort bleiben zu können habe ich mich hier in Tuba City für zwei Tage einquartiert.

Den Weg zum “Areal” konnte ich diesmal ganz leicht finden. Ich habe es eben schon beim Artikel des Vortages kurz erläutert. Mit der Software Garmin BaseCamp kann man auf dem Mac den aufgezeichneten Track öffnen. Diesen habe ich auf das “abgestrippt” was für mich interessant ist und dann über die Funktion “Route aus Track erstellen” eine Route generiert die sich mit dem Auto dann ganz einfach abfahren lässt.

Das sieht dann so aus:

Einen Weg vom nördlich verlaufenden Highway 160 scheint es nicht zu geben, daher muss ich einen echt großen Umweg fahren. Am Abzweig von der 264 rausche ich prompt mal wieder vorbei. Zu eintönig ist die Strecke zu tief hänge ich in anderen Gedanken fest – aber ich bemerke es nach 100 Metern und die Straße ist breit genug für einen schnellen U-Turn.

Es geht weiter auf einer gut zu befahrenden Dirt-Road. Man könnte sie sicher auch mit einem “normalen” Auto fahren, es gibt ein kräftiges “Washboard” aber das Gerüttele macht dem robusten Tahoe nur wenig aus. Überhaupt ist diese Auto ziemlich cool. Während der Nissan X-Terra mit seinen Blattfedern an der Hinterachse bei krassen Querrillen irgendwann anfing regelrechte Sprünge zu machen und fast unbeherrschbar zu werden, donnert der Tahoe mit seinen 3000  Kilogramm (gefühlte Masse) mit 80 Km/h durch die Prärie – dabei läuft die Klimaanlage, das Radio spielt, ich halte eine Dose Cola in der rechten Hand und der Motor dreht gerade mal 1200 U/min – was für ein Panzer…

Kurz vor der Fotolocation geht es ein Stück ganz kräftig den Berg hinab und durch ein kleinen Wash. Hier würden die meisten “normalen” PKW nicht mehr weiter kommen. Mit genug Bodenfreiheit ist es aber kein Problem so lange der Wash trocken ist. Sollte dort Wasser stehen ist hier die Fahrt zu Ende und es geht die letzten 2 Kilometer zu Fuß weiter. Der Wasch würde dann tiefen Schlamm führen und wäre wahrscheinlich unpassierbar. Aber ich habe Glück, es ist alles knochentrocken. Ein kleines Video drehe ich auch, mal sehen wann es hier genug “Bandbreite” gibt um es bei Youtube hochzuladen.

Update am Montag – Endlich hat der Upload geklappt



An der Location angekommen ist das Bild der berühmten “Five Padres” inzwischen ein wenig traurig. Die meisten der roten Zipfelmützen sind inzwischen abgestürzt. Aber das ist der Gang der Ding, nur so entsteht in Zukunft neue vielleicht noch viel coolere neue Loctation – aber ob wir das noch erleben?

Wie dem auch sei, nach einer kleinen “Orientierungsrunde” für das Video halte ich am schönsten Punkt an und packe die D300 aus. Es ist noch das 2.8/70-200 Telezoom montiert – fein! Ich wandere eine Weile im Areal herum und versuche ein paar Schöne Dinge aus dem ganzen Durcheinander mit dem Tele und offener Blende (= wenig Tiefenschärfe) heraus zu picken. Es ist inzwischen später Nachmittag und es ist abzusehen, dass die Sonne bald untergehen wird. Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang schnappe ich mir dann die D2x und stecke das famose AF-D 2.8/60mm in das Bajonett. Das ist mein Konzept für heute – nicht ZOOMEN sondern BEWEGEN. Ansel Adams hatte auch kein Zoomobjektiv und hat trotzdem großartige Fotos gemacht. Mal sehen ob es heute auch klappt.

Ich fotografiere mehrere Silhouetten gegen das Sonnenlicht und versuche einige Bilder durch die Einbeziehung des Vordergrundes interessant zu gestalten. Das ist nicht ganz einfach, denn wenn es “Vordergrund” gibt ist er entweder steil und sandig oder so klein, dass ich auf dem Boden liegen muss. Was für ein Aufwand.

Während ich mit meinen Leibesübungen beschäftigt bin muss ich an die gute lange Gespräch mit Allan denken. Er hat mir erzählt, dass es in den USA eine Redewendung gibt die das “Fotoverhalten” und Kulturbewusstsein der Amerikaner beschreibt:

“Where is the Mona Lisa, I’ve double parked?”

Ich stehe heute nicht in “Zweiter Reihe” und ich nehme mir für meine Mona Lisa heute ganz viel Zeit. Als es dunkel ist steige ich in meinen Tahoe und fahre einfach genau den Weg zurück den das GPS auf dem Hinweg erneut aufgezeichnet hat. Das ist wirklich einfach! Mein großer Panzer donnert mit 80 Km/h über die Querrillen, als das Fernlicht plötzlich eine schwarze Kuh erfasst die mitten auf der Dirt Road steht. Reifen blockieren, das ABS greift ein, das EPS gibt alles, der Tahoe springt über die Bodenwellen, die Kuh brüllt vor Schreck, Adrenalin schießt wie Säure durch die Blutgefäße – NOCH MAL GUT GEGANGEN – Uff, das war knapp. Nur weil der Tahoe es kann, sollte man es nicht tun – ich fahre langsamer…

Am Horizont nähern sich Lichter, ich bin tief im nirgendwo, viele Kilometer weit weg von der Hauptstraße. Die Lichter kommen näher und ich mache mir so meine Gedanken. Auf der Ablage zwischen den Sitzen liegt mein “Falschgeld-Portemonnaie”  mit ein paar kopierten Dollarnoten, abgelaufenen alten Kreditkarten und irgendwelchen alten Kundenkarten von Europcar und SIXT – sieht wirklich echt aus und stellt im Zweifel einen Dieb vielleicht solange zufrieden bis ich in sicherer Entfernung bin.

Die Scheinwerfer kommen näher und näher. Ich bin allein und obwohl ich weiß, dass das hier ein sicheres Reiseland ist bin ich doch ein wenig angespannt. Ich gehe ein wenig vom Gas und fahre soweit rechts wie möglich. Dann wird ein weißer Truck in der Dunkelheit sichtbar. Er hält an! Ich fahre auf gleich höhe und halte auch an. Im Truck sitzt ein alter Indianer mit kariertem Hemd und Cowboy-Hut. “Are you okay?” fragt er mich. “Oh well I’m fine thank you!!” Er hebt die Hand zum Gruß und der große V8 seines Truck blubbert mit gefühlten 980 U/min davon. Ein wenig erleichtert fahre ich weiter. Als ich die Hauptstraße erreiche bin ich wirklich ziemlich am Ende und sitze die vielen Kilometer bis Tuba City einfach nur noch ab.

Als ich die Stadt sehen kann fallen mit rote und blaue Blinklichter auf, was ist da wohl los? Als ich nach etwa 30 Minuten auf der Hauptstraße zum Motel hinauf fahre stehen überall Polizeifahrzeuge und Krankenwagen. Ich will nicht blöd gaffen und fahre die letzten 500 Meter bis zum Motel den Berg hinauf.

Im Zimmer angekommen schaffe ich es gerade noch die Bilder auf die externe Festplatte zu kopieren. Noch bevor ich einen Satz für meinen BLOG schreiben kann falle ich einfach um und schlafe mit nicht geputzten Zähnen einfach ein. Was für ein Tag.

“Los Padres”

“Protecting her Babies”

“Der frustige kleine Gartenzwerg” – immer nur im Schatten zu stehen ist so blöd…

“Santa Claus”


Tuba City

Als der Wecker um 6h (Arizona Time) neben wir Radau schlägt wird mir klar, was ich am Vorabend vergessen habe. Egal, mir ist eh kalt, abends habe ich die ratternde Heizung abgeschaltet, einen Tod muss man hier sterben. Beim Zähneputzen kommt mir die Idee einfach heute nach Tuba City zu fahren. Da war ich 2009 mit Wolfgang und dort gibt es ein paar tolle Sachen die man sich anschauen kann. Ein weiteres Argument ist, dass Tuba City  in der Nähe von Monument Valley liegt, also ein Abstecher zum Abendlicht kein Problem darstellt. Außerdem gibt es ein Quality Inn, diese Motel Kette habe ich in Las Vegas sehr zu schätzen gelernt – mal abgesehen von der defekten Tür, waren die Zimmer wirklich gut ausgestattet.

Um langsam aber sich nach Las Vegas zurück zu fahren ist Tuba City auch nicht schlecht gelegen, ich könnte auch zum North- oder South-Rim des Grand Canyons fahren.

Hier habe ich ein paar “alte” Fotos vom 2009er Trip.

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Das ist meine Route:

Update um 12h30 (Arizona time)

Nach einer wirklich entspannten tollen Fahrt durch eine grandiose Landschaft bin ich eben wie geplant im Quality Inn in Tuba City eingetrudelt. Es waren nur noch zwei Raucherzimmer frei, 132 und 134. Ich konnte sie allein anschauen und habe mich entschieden Zimmer 134 zu nehmen. Es riecht zwar ein wenig fies nach alten Zigaretten, aber es ist erträglich. Ich kann das Fenster öffnen und das Zimmer ist nicht zur Straße raus, es sollte also ok sein. Außerdem ist es soweit ganz nett. Noch klappt es auch mit dem Internet problemlos, die Frage ist – Wie lange noch?

UND DA BIN ICH AUCH SCHON WIEDER MAL OFFLINE!

Aber es gibt einen Autosave – und so ist nicht alles weg :-)

Ok Leute, jetzt gibt es einen Kaffee!

Update am 28. März morgens um 7h30 (Arizona Time)

Irgendwie ist es schon komisch, da bin ich jetzt in Arizona im Quality Inn und an der Rezeption (Front Desk) hängt eine Uhr die Utah Time anzeigt. Warum nur? Beim Check-In werde ich sogar explizit darauf hingewiesen, dass dieses Motel “Utah Time” hat. Check-Out ist also morgen um 10h nicht um 11h. Wollen die ihre Gäste verulken oder gibt es vielleicht so etwas wie “Micro-Timezones” – könnte ja sein :-)

Aber egal, ich bin von der langen wunderbaren Fahrt ziemlich geschafft und der Kaffe tut gut. Ein bisschen ausruhen, einen Burger beim McDonalds nebenan und schon bin ich wieder unterwegs. Es geht heute in ein Areal das mit Wolfgang im März 2009 gezeigt hat. Von diesem Trip habe ich noch den kompletten Track den ich damals mit meinem GPS aufgezeichnet habe. Diesen Track habe ich mir am Vorabend auf dem Mac in Garmin Basecamp geladen. Da wir damals von Page aus dort hingefahren sind, habe ich die Wegpunkte zwischen Page und Tuba City aus dem Track gelöscht, ebenso wie den gesamten Rückweg. Das was dann “übrigblieb” konnte ich mit der Funktion “Route aus Track erstellen” innerhalb von BaseCamp in eine recht genaue Route mit etwa 50 einzelnen Wegpunkten umwandeln. Diese Route kann man dann innerhalb von BaseCamp per Drag&Drop auf das GPS “werfen” und schon ist man wieder im Spiel. Das Leben kann so einfach sein…

Ok, nach dem Burger nehme ich mein GPS und wähle “Ziel auswählen -> Route -> BlueCanyon”. Es geht los – aber das ist eine andere Geschichte! Daher ist hier jetzt Schluß :-)

Hier noch drei Bilder des Weges von Kanab nach Tuba City. Wirklich famos ist es das Gebirge genau in der Mitte der Tour zu kreuzen. Leider sind gerade für den schönsten Abschnitt des Weges die Bilder bei Google-Earth die schlechtesten – das Leben kann auch grausam sein!

Hier die Übersicht:

Hier das Gebirge – es geht hoch bis auf knapp 2500 Meter – die Temperaturen lagen knapp über dem Gefrierpunkt – im Sommer eine famose Motorradstrecke!!

Hier der Abschnitt am Marble Canyon – dort war ich am Vortag zusammen mit Allan Vasenius. Die alte Brücke die bei Lee’s Ferry den Colorado River kreuzt war damals eine technische Sensation!

Für alle “Routenflieger” habe ich die zugehörige KML-Datei wieder hier abgelegt. Einfach downloaden und dann mit Google-Earth öffnen.

Hier sind noch ein paar Handy-Fotos des Zimmers im Quality Inn in Tuba City:

Dann habe ich hier noch ein paar Fotos die zeigen wie der Tahoe nach der “Schlammschlacht” am Vorabend jetzt aussieht. (Nikon P7000)

Der erste Blick aus dem Zimmer am letzten Tag in Kanab

Gut, dass es hier in Tuba City gleich neben den Motel eine Waschanlage gibt :-]

Noch etwas in eigener Sache:

Eben sind mir wieder ein paar Tippfehler aufgefallen. Ich bin leider oft spät in der Nacht während ich den BLOG schreibe ziemlich am Ende und ich habe auch keinen Lektor – also lest bitte großzügig darüber hinweg – ich hoffe ihr versteht trotzdem was ich beschreiben möchte, ok? :-]


Scenic Roundtrip

Und wieder geht der Wecker um 5h45 – Arizona Time. Heute lasse ich mir mehr Zeit als an den letzten Tagen, denn ich weiß ja jetzt ganz genau wann die Verlosung der Permits für die Wave beginnt. Etwa 10 Minuten bevor es losgeht treffe ich bei der Ranger-Station ein. Ich lerne Allan aus Los Angeles kennen. Er fragt mich wohin ich in den nächsten Tagen möchte und empfiehlt mir, doch zum Monument Valley zu fahren. Am Dienstag oder Mittwoch soll dort ein seltenes Phänomen zu sehen sein. Bedingt durch einen ganz speziellen Stand der Abendsonne wird auf dem mittleren der drei Tafelberge der Schatten des ganz linken Tafelberges zu sehen sein. Für einige wenige Minuten und auch nur, wenn das Wetter es zulässt und nicht wieder krasse Wolken den Himmel verdunkeln. Ich lerne, dass der ganz linke Tafelberg der “Left Mitten” ist und der mittlere der “Right Mitten”. Und ich lerne auch, dass ein “Mitten” ein Fausthandschuh ist, aus dem nur der Daumen als einzelner Finger herausschaut. Und weil diese beiden Tafelberge genau so aussehen, heißen sie auch so – linker und rechter Fäustling – nett gell?

Morning Glory!

1500 U/min und 110 Km/h – krasse Sache – es ist kalt, ganze 0°C zeigt das Thermometer – brrrrr…

Heute sind deutlich weniger Teilnehmer da. Es gibt 10 Permits und 32 wirklich angespannte Wanderer. Die Show beginnt, ich bin heute die Nummer 12. Zahl um Zahl wird gezogen, aber die 12 ist nicht dabei Allan hat heute meine 2 von gestern, er wird auch nicht gezogen! Aber die Dame die vorgestern so kurz vor knapp in die Vorstellung hineingestolpert, ist gewinnt heute. Und es stehen 6 – in Worten SECHS – Wanderer auf ihrem Antrag. Schließlich ist wieder genau EIN Permit übrig. Und wieder wird genau erklärt, dass falls eine Gruppe gewinnt sie unter sich ausmachen müssen, wer denn gehen darf. Und wieder bleibt meine 12 in der kleinen Lostrommel liegen. Auf dem Antrag der gewinnt stehen 2 Personen. Ich schöpfe kurz Hoffnung, aber dann entschließt sie sich, IHN gehen zu lassen. Die 10 Permits für morgen sind also wieder vergeben und ich gehe zum dritten Mal leer aus. Nun habe ich keine Lust mehr auf diesen ganzen Krams. Außerdem ist das Wetter schlecht und da macht auch die Wave eh keinen Spaß.

Draußen vor der Station treffe ich dann Allan wieder. Wir quatschen noch einmal über Monument Valley. Dann bringen wir seinen Truck zum Outpost nebenan. Wir packen ein paar Sachen in meinen Tahoe und starten eine kleine Umrundung der Wave. Wir wollen über die House-Rock-Road nach Süden fahren, dann auf den Highway 89 nach Osten. Bei Lee’s Ferry wollen wir mal genauer schauen was es dort gibt und dann bei Denny’s in Page was zum Mittag essen. Keine schlechte Idee, zumal es nur 2°C sind und es leicht zu regnen beginnt.

Eine gute Gelegenheit mal wieder den Tahoe ein wenig aufzuräumen, was sich da schon wieder an Müll hinter den Sitzen angesammelt hat…

Die Straße zum Wave-Trailhead ist wie gestern gut befahrbar. Kurz hinter dem Wave-Pakrplatz kommt uns der ein weißer ganz normal aussehender Geländewagen entgegen. Am Steuer sitzt Jerry, der Ranger der seine Glatze (fast) immer mit einem Käppi  bedeckt. Ich denke er checkt die lage und prüft die Permits in den geparkten Autos. Mich kennt er ja nun schon ganz gut und er winkt und freundlich zu. Hier ohne Permit zur Wave zu wandern ist also nicht wirklich angesagt.

Allan plant für morgen einen Ausflug zu den Coyote Buttes South. Da sein Auto keinen Allradantrieb hat, wird er sich vom Betreiber des Outpost-Areals für 150 Dollar dorthin bringen lassen. Er hat dann viele Stunden Zeit und kann in Ruhe fotografieren und muss sich keine Sorgen darüber machen wie er die Location findet und er wird auch nicht stecken bleiben oder allein einen Reifen wechseln müssen.

Auf halber Strecke machen wir kurz Pause und ich bekomme eine kleine “Einweisung” in die professionelle Bildgestaltung am Beispiel einiger kleiner Kakteen.

Ich benutze mal die Nikon P7000, sieht steht sehr tief auf einem Stativ und so kann man sehr schön und in aller Ruhe sein Bild komponieren. Hier ist mein Ergebnis:

Eine “Kaktuskomposition” mit der P7000.

Und noch ein Pedant mit der D300, mit 200mm Tele und offener Blende. Irgendwie gefallen mir die Bilder die mit dem größeren Chip gemacht werden, wegen der schönen Hintergrundunschärfe besser. Ich denke, hier sind die kleinen Chips ein wenig im Nachteil. Soll alles scharf sein, haben sie aber oft die Nase vorn!

Kurz vor Lee’s Ferry machen wir halt und nehmen uns mit den Kameras mal diese vielen witzigen Felsbrocken vor. Allan benutzt seit 2008 eine Nikon D3 und ist hochzufrieden. Er hat sich die damals brandneuen Objektive gekauft, also das 2.8/14-24 und das 2.8/24-80mm. Bereits 2008 ein wirklich teurer Spaß! In der D3 stecken zwei CF-Karten mit je 64 GB Speicherplatz, das reicht für ein paar Tage :-) Allan ist auch ein “RAW-Shooter” und nutzt für die “digitale Entwicklung” seiner Bilder die Software “DxO Optics Pro”.

Ein Blick unter einem gewaltigen Felsbrocken hin durch, der links von einem kleineren Brocken abgestützt wird.

Eine Ruine eines Hauses das um einen dieser Felsbrocken herum gebaut ist.

Das Innere dieses kleinen Hauses ist eine wirklich spannende Location. Ich mache einen kleinen Scherz “All we need now is a nude female model!” Allan grinst. Kurz drauf kommen zwei Typen und fragen was es hier zu sehen gibt. Allan sagt ihnen, dass wir ein “Nacktmodell” suchen und ob sie nicht Lust haben sich kurz zur Verfügung zu stellen. Die beiden grinsen ganz breit. Später weiß ich auch warum, es ist eine Frau dabei – sie wartet im Auto weil ihr zu kalt ist…

Einige dieser Felsbrocken lagern auf schmalen “Füßen” und sehen aus wie überdimensionale Pilze.

Hier ein paar “Lebenslinien” dieser “Füße”.

Dieses Bild erinnert mich an eine ganz ganz alte Dame die Ausschau nach dem Geld hält, das ihr soeben herunter gefallen ist.

Dieser Hund schein wirklich schlechte Laune zu haben!

“The Beasts are waiting!” – eine kleine Spielerei mit Photoshop – der Hintergrund stammt aus einem Bild das ich gestern bei den Coyote Buttes South gemacht habe.

Auf dem Weg zum Lee’s Ferry Trailhead sehen wir auf der linken Seite ganz weit weg einen Felsen der ausschaut wie ein grasender Büffel – “Hey look over there, a grazing buffalo!!!” – Also voll auf die Bremse, rechts ran und mit dem Tele durch den aufgeweichten braunen Matsch…

“The Grazing Buffalo”

Bei Lee’s Ferry bekomme ich ein paar interessante Vorträge zum Thema “Erdgeschichte” und ich finde ein paar wirklich interessante ausschauende Steine.

Gern würde ich ja mal unten am Colorado River entlang wandern, aber es regnet immer stärker, wir fahren also weiter. Beim Waterholes Canyon kurz vor Page machen wir mal Halt, Allan kennt das Areal noch nicht und ist von “The great Wall” ganz angetan. Witzig ist, dass er als Amerikaner von einem deutschen Greenhorn die Locations gezeigt bekommt. So kann das gehen und mir macht es Spaß.

In Page angekommen steuern wir direkt den Parkplatz von Denny’s an. Allan ordert einen gesunden Salat ich probiere mal den Steak Burrito. Sandra hat ich immer so gelobt, da will ich doch mal wissen was da dran ist. Und ich muss sagen, er ist wirklich gut!

Wir machen einen kleinen Abstecher nach Big Water. Kurz hinter dem Ort sind ein paar Canyons und Allan hat ein paar Ideen für einen guten “Sunrise Shot”. Er ist derzeit nicht “limitiert” denn er reist allein, ohne seine Frau. So muss er keine Rücksicht nehmen und kann zu den unmöglichsten Zeiten auf Fototour gehen. Wenn es notwendig erscheint schläft er auch mal in seinem Auto. Einen Schlafsack und alles was man so braucht hat er dabei. Welche Frau würde das mitmachen, wegen einiger Fotos? Was ich noch erwähnen sollte, Allan ist 70 Jahre alt!

Als wir an den Canyons angekommen sind finden wir so recht keine optimale Stelle an der man morgen auf einen guten “Schuss” warten könnte. Außerdem ist es so schlammig, dass der Tahoe ständig nur hin und her driftet. In den Radkästen kört man wie der Schlamm und die Steine gegen das Auto prasseln. Später fällt mir auf, dass ich ja den 4WD auch gar nicht eingeschaltet habe – Ich Dummerchen…

Beim Auto angekommen verabschieden wir uns, vielleicht sehen wir uns ja am Dienstag oder Mittwoch in Monument Valley – mal sehen! Unsere E-Mail-Adressen haben wir ausgetauscht und bei Denny’s haben wir uns via WLAN auf meinen Telefon einige seiner Fotos angeschaut.

Hier ist ein Link zu seinen Bildern: http://photo.net/photos/allanvas

Auf dem Rückweg höre ich dann wieder meine “unmögliche Musik” und denke darüber nach, wie es die nächsten Tage weitergehen soll. Hier im Regen in Kanab oder Page ist es nicht wirklich doll, vielleicht habe ich ja in Monument Valley bessere Karten? Auch könnte ich von dort aus südlich um den Grand Canyon herum fahren und vielleicht endlich mal an einer seiner “Kanten” stehen, das wäre doch mal was!

Während ich so vor mich hindöse steht plötzlich ein Reh auf der Straße – direkt vor mir. Wir schauen und tief und die Augen und sind beide in gleichem Maße überrascht. Das ABS im Tahoe funktioniert tadellos und das Reh hilft auch mit, indem es einen Sprung zur Seite tut. Noch einmal gut gegangen…

Mit leicht erhöhtem Puls nehme ich eine ganze Horde mausgrauer Rehe wahr. 50 Meter weiter geht rechts ein kleiner Feldweg ab, da biege ich ein und kann sie alle anschauen. Sie stehen direkt neben der Straße und wollen diese jetzt passieren, gleich die ganze Horde auf einmal. Da kommt dann auch schon das große Wohnmobil das ich kurz vorher überholt habe angerauscht. An diesem Wohnmobil hängt hinten ein erwachsener Geländewagen dran! Reifen quietschen und die Rehe hüpfen aufgeregt durcheinander. Mir stockt vor Schreck der Atem, aber instinktiv reiße ich dann doch die D300 hoch und drücke ein paar Mal auf den Auslöser. Voll durch die Windschutzscheibe, ich weiß ja, das wird eh nichts, aber egal…

Später im Motel habe ich dann doch ein paar Bilder von kleinen Rehen die wie wild auf der Straße herum springen. Man sollte die Warnschilder hier ernst nehmen!

Nach dem der Schreck verdaut ist, warte ich noch eine Weile, aber die Rehe sind alle weg und ich denke sie kommen auch so schnell nicht zurück. Es wird auch langsam dunkel. Ich fahre also weiter. Vor mir braut sich eine Suppe zusammen, das ist echt nicht mehr feierlich. So etwas gibt es echt nur hier im Südwesten! Gern würde ich ja mal kurz anhalten und ein paar Fotos machen, aber zwischen der krassen Suppe und mir stehen immer wieder Strommasten und die sehen doch irgendwie meistens ziemlich doof aus. Auf dem GPS kann ich sehen, dass kurz drauf nach links eine kleine Straße abzweigt. Das ist doch die Gelegenheit unter den Stromleitungen hindurch zu fahren!

Gesagt getan, die Straße entpuppt sich aber dann als massiv aufgeweichter Lehmstreifen, anders kann man es nicht nennen. Dann ist aber auf der rechten Seite ein kleiner Canyon zu sehen, cool! Ich halte an und stehe prompt fast bis zu den Knöcheln in der Matsche. Egal, für ein gutes Foto nimmt man allerhand in Kauf und auch ich bin ja derzeit nicht “limitiert”. Als ich dann am Rand dieses kleinen Canyons stehe kriege ich echt die Krise. Da hat jemand tatsächlich eine alte Badewanne entsorgt. Es liegt noch mehr Schutt herum und eine ganze Menge alter Müllsäcke. Um mich herum sind Spuren von Ketten. Es sieht aus als hätte hier jemand einen Bagger und würde hier einfach all seinen Krams vergraben. Auch das ist Amerika!

Ich versuche die Kamera so aufzustellen, dass man den vielen Müll nicht sieht. Das ist gar nicht so einfach, zudem ist es saukalt und mir läuft jetzt auch noch der Schlamm in die Schuhe hinein. Nach einigen Belichtungsreihen und Objektiv-Wechseln geht es wieder zum Auto, wenn man das noch “gehen” nennen kann. Es schmatzt und glitscht, das ist echt eklig. Im Auto kriege ich dann die Krise als ich die Fußmatten sehe. Was für eine Sauerei. Aber das trocknet ja alles wieder und dann ist es wieder Sand und Staub den man weg saugen kann – hoffentlich!

Ich fahre diese Straße noch ein wenig weiter, denn dort geht es ein wenig bergauf und dann sehen die Bilder einfach schöner aus – finde ich jedenfalls. Die schmierige braune “Straße” ist dann vor einem Gatter und einem Schild “Keep Out” auch gleich schon zu Ende. Ein paar Fotos noch und dann geht es endgültig zurück zum Best Western in Kanab.

Heute ist Samstag der 27. März. Ich habe also noch eine Woche und die sollte ich so gut wie möglich nutzen. Das Zimmer ist bis morgen bezahlt und ich denke ich werde hier nicht erneut verlängern. Die Wäsche ist fast vollständig gewaschen. Ich komme mit ein wenig Glück mit einem Koffer voll sauberer Wäsche zurück nach Deutschland. Wer von Euch hat das je geschafft? :-)

Hier ist der Track des Tages als KML-Datei abgelegt.

Hier die Übersicht.

Der Abstecher nach Lee’s Ferry.

Der Abstecher auf der schlammigen Straße kurz vor Kanab:

Ok, das war es dann mal wieder. Die Internet-Anbindung hier im Motel ist grauenhaft! Mittags geht es noch, aber später am Abend bricht die Verbindung immer wieder zusammen. Man muss unendliche Minuten warten, dann geht es für kurze Zeit wieder weiter. Das Schreiben, das Einbinden der Bilder und das Veröffentlichen haben mich jetzt sagenhafte VIER STUNDEN gekostet. Vielleicht ist das ja mal einen aufmunternden Kommentar wert :-)


Coyote Buttes South – Reloaded

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Es ist wieder kalt, es ist wieder morgen aber es gibt keinen Schnee. Als ich mit Dusche & Co. fertig bin und das Auto gepackt ist haben wir 6h30 – Arizona Time – also 7h30 Utah Time. Es geht los, die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt, es ist wirklich kalt hier. Aber heute liegt kein Schnee und ich bin wirklich flink. Bei der Ranger Station angekommen, ist das Tor schon geöffnet. Es stehen auch schon zwei Autos davor, ich bin Nr. 3. Wenn das so bleibt, würde ich einen Permit bekommen, aber mal abwarten.

Und es kommt wie es immer kommt, ein Auto nach dem anderen trudelt ein. Letztlich sind es wieder 46 Personen die einen Permit haben möchten. Mein Formular von gestern wird wieder hervor geholt und es bekommt jetzt die Nummer 2. Vielleicht nicht so verkehrt, die Nummer 2 hat gestern einen Permit gewonnen!

Nach etwa 30 Minuten steigt wie jeden Morgen die Spannung. Die erste Nummer ist nicht die 2 sondern die 5. Ahhhhhhh, warum habe ich nur eine neue Nummer bekommen, warum nur… Es geht weiter, meine 2 ist nicht dabei. Dann wird eine Nummer gezogen, zu der sich 5 Personen angemeldet haben. Sie jubeln vor Freude. Jetzt gibt es noch 3 Permits für den morgigen Tag. Ich balle die Fäuste in den Hosentaschen, das muss doch klappen!! Aber wieder nichts, die 2 ist eine Lusche – jedenfalls heute… Es gibt jetzt noch EINEN Permit – die Rangerin erklärt, dass wenn ein Antrag gewinnt auf dem mehr als zwei Personen stehen, diese unter sich aushandeln müssen, wer gehen darf!

Und wieder kurbelt der Jerry – so heißt der nette Ranger – an der kleinen Lostrommel. Es ist wieder nicht die 2 – ahhh…

Aber es ist ein Antrag mit zwei Personen! Sie werden gefragt ob sie sich einigen können. Es gibt eine kurze Diskussion bei einem älteren Ehepaar. Dann sind sie wirklich großzügig und geben den gewonnenen Permit zurück, sie wollen zusammen oder gar nicht zu Wave – sehr nobel!

Jerry dreht die Trommel, ich balle die Fäuse und habe den Eindruck, als würden über 30 Leute gleichzeitig den Atmen anhalten!

Wieder nicht die 2 – ahhhhhh

Wieder ein Antrag mit 2 Personen, wieder eine Diskussion, wieder eine Rückgabe.

Jerry dreht die Trommel, ich balle die Fäuste, mehr als 30 Leute sind schon fast erstickt vor Spannung.

Wieder nicht die 2 – ahhhhhhhhhhhhhhh – es hat die 14 gewonnen – EINE Person – jemand jubelt, ich bin gefrustet…

Ich frage nur kurz ob es am Samstag und Sonntag auch eine Lotterie gibt. “We are always open!” – ok, ich kann also morgen einen dritten Anlauf wagen! Leicht gefrustet verlasse ich die Ranger Station und starten den V8 in meinem Thaoe. Mein Abenteuer beginnt, kann ich diese riesige Kiste über Felsen und tiefen Sand zu den Coyote Buttes South lenken? Werde ich mich im tiefen Sand festfahren? Wird es ein langes teures kaltes sandiges Drama geben?

Es geht los. Meine Multimedia-Zentrale ist mein HTC Telefon. Es zeichnet Tracks auf, es spielt Musik, es navigiert, es zeigt E-Mails an, es ist cool! Und jetzt gibt es laute Gitarrenlehrer-Musik… Es geht nach Westen (Links), nicht wirklicht weit, da ist dann schon die House-Rock-Road. Diese Dirt-Road ist heute wirklich gut zu befahren, keine Ahnung warum die alle so einen Stress haben! Sogar der Buckskin-Wash ist komplett trocken, trotz Schnee und Regen in den letzten Tagen. Es geht mit fast 50 mph in Richtung Süden (unten).

Am Wave-Parkplatz bin ich sehr dankbar, dass es dort ein neues Toilettenhäuschen gibt! Es geht weiter, die Straße ist super!! Kurz nach dem Wave-Trailhead halte ich an und mache mit der guten alten Nikon D2x ein Bild dieser famosen Landschaft.

Einige Meilen weiter ist rechts ein Corral. Eine Verladestation für Rinder. Kaum zu übersehen, aber ich rausche trotzdem fast daran vorbei, eine sehr sehr staubige Vollbremsung rettet die Situation! Nun wird die Straße sofort deutlich schlechter, es ist felsig und es gibt viel tiefen Sand. Aber der Tahoe steckt das alles weg als wäre es nichts, bravo! Dieses riesige Auto begeistert mich, die Automatik greift so sanft ein, da dreht auch im tiefen Sand kein Rad durch, da gräbt sich nichts ein, da geht es einfach vorwärts. Die Werbeleute von Chevrolet haben nicht übertrieben, mit dem Tahoe kommt man wirklich fast überall durch. Super das Ding!

Mit der kleinen P7000 filme ich fast die gesamte Strecke bis zum Trailhead. Wer soll sich das bloß jemals alles anschauen :-) Ach egal, ich habe die Aufnahmen erst einmal und später kann ich immer noch etwas daraus zusammen zaubern.

Am Trailhead angekommen ist schon ein anderes Auto dort! Ich packe ich meine Sachen, alles was überflüssig ist bleibt im Auto. Es geht los, auf zur Chess-Queen. Die finde ich sofort, ich war ja schon mal bei ihr zu Besuch :-) Auch die vielen kleinen Tiere und Gruselmonster drum herum kenne ich schon. Trotzdem klappert der Spiegel der D300 unaufhörlich. Es geht weiter zur nächsten Formation. Ich knipse und knipse und habe plötzlich einen Wanderer in einer blauen Jacke auf einem Foto.

“Are you the guy with the other car at the trailhead?” “Hi” “Hi” “Were are you from?” “I’m from germany” sagt er. Super, dann können wir unsere Muttersprache nutzen. Es ist Karlheinz aus Bayern. Er hat sich nach der verlassenen Ranch nicht weiter getraut und seinen kleinen SUV dort stehen lassen. Es ist eine echt weite Strecke durch tiefen Sand zu Fuß gelaufen! Wir reden kurz, ich empfehle ihm die Chess Queen, wir verabreden uns für 14h am Parkplatz.

Ein Sturm zieht auf, es gibt Regen, Schnee, Sonne, Wind, alles gleichzeitig im Wechsel und dann wieder nach Sonnenschein. Ich kann das Wave-Areal sehen. Die armen Wanderer die gestern einen Permit gewonnen haben kriegen dort heute richtig nasse Füße!! Hier im Süden scheint mehr die Sonne, als dass es regnet. Fast wie im richtigen Leben :-)

Um 13h50 bin ich am Auto. Es ist inzwischen kalt. Ich habe 60 Dias gemacht und zwei Speicherkarten zu 16GB und 8GB gefüllt. Das sollte ausreichen für heute. Und ich habe HUNGER! Karlheinz ist noch nicht da. Ich packe in Ruhe meine Sachen und setze mich schon einmal ins Auto. Drinnen ist es wirklich warm, die Sonne hat sogar meine beiden Dr. Pepper aufgewärmt. Die schmecken nun ganz grauenhaft…

Ich drücke ein paar mal auf die Hupe. 5 Minuten kommt Karlheinz aus dem Unterholz hervor. Ich räume kurz den Beifahrersitz frei, es gibt ein kaltes klares Wasser und los geht es! Karlheinz ist mit SUV und Zelt unterwegs. Die Nacht will er beim White Pocket verbringen. “Das wird aber echt kalt!” Er weiß es, er hat schon etliche Nächte hier verbracht und sich bestimmt ganz ordentlich einen abgefroren.”

Wir tauschen E-Mail-Adressen und es geht wieder weiter. Ich filme ein wenig mit der Nikon P7000. An einer felsigen Ecke halte ich mal an, laufe mit Stativ und P7000 etwa 100 Meter voraus und stelle sie neben der “Straße” auf. So kann ich mich mal selbst beim Off-Road-Driving filmen.

Als ich auf Höhe der Kamera bin, sammle ich sie ein und will sie irgendwie samt Stativ auf der Fahrerseite ins Auto stellen. Plötzlich hupt da etwas. Habe ich das echt richtig gehört, eine HUPE hier mitten im Nichts??? Ja, es ist richtig, direkt vor mit stehen drei große SUVs mit eine ganzen Horde fotosüchtiger Touristen. Die extrem coolen Tourguides tragen extrem coole Sonnenbrillen! Wie lange sie mich wohl schon beobachten? Ich fahre zur Seite und lasse sie passieren. Danach geht es zurück nach Kanab, alles ohne große Probleme. Der Tahoe ist genau das richtige Auto für diese Strecken!

Im Hotel in Kanab angekommen wechsle ich ein paar Dollar und befülle dann zwei Waschmaschinen mit weißer und bunter Wäsche. Eine Maschine kostet hier 1$, 30 Minuten Trockner ebenfalls jeweils 1$. Für 75 Cent gibt es Waschpulver am Automaten. Alles wird mit 25 Cent Stücken bezahlt und ist wirklich einfach.

Wo wir gerade beim Thema sind – ich schaue jetzt mal nach der Wäsche…

- PAUSE -

So, die beiden Waschmaschinen waren fertig, nun laufen die Trockner um die Wette. Mal schauen welcher gewinnt :-)

Jetzt sichte ich mal die Fotos und packe ein paar Bilder hier zum BLOG dazu.

Upate um 20:15 (Arizona Time)

Die Wäsche ist fertig und danach gab es gerade bei McDonalds etwas zwischen die Zähne. Die gesamte alberne Dorfjugend von Kanab kenne ich jetzt auch. Warum sind Jugendliche eigentlich immer so aufgedreht und laut?

Na egal, ich versuche jetzt mal die Bilder in den BLOG zu hängen. Das ist hier massiv schwierig, weil die Internet-Anbindung immer wieder für lange etliche Minuten ausfällt. “Pingt” man hier http://www.google.de an bekommt man solche Ergebnisse:

64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2846 ttl=49 time=96.753 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2847 ttl=49 time=176.560 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2847 ttl=49 time=177.204 ms (DUP!)
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2848 ttl=49 time=70.952 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2849 ttl=49 time=68.949 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2850 ttl=49 time=85.300 ms
64 bytes from 74.125.227.18: icmp_seq=2851 ttl=49 time=88.319 ms
Request timeout for icmp_seq 2852
Request timeout for icmp_seq 2853
Request timeout for icmp_seq 2854
Request timeout for icmp_seq 2855

Das ist massiv frustrierend. Da hat mein einen langen Artikel geschrieben und kann ihn nicht veröffentlichen. Man kann keine Videos uploaden, keine Bilder integrieren, alles geht nur im Schneckentempo, wenn überhaupt…


Kanab Canyon

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Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang habe ich mich endlich von meinem “Mittagsschläfchen” erholt, als sich der Hunger meldet. Ich habe Appetit auf einen richtig schlabbrigen Burger, so wie daheim bei McDonalds. Rettung ist in Sicht, ein der “Mäc” ist nur ein paar hundert Meter entfernt. Die fahre ich natürlich mit dem Auto – “It’s cold outside”

Das Big Mac Menü in normaler Grüße kostet etwa 10$ und schmeckt wie daheim, nur dass es hier Dr. Pepper gibt :-)

Gleich nebenan ist eine Tankstelle. Zwar hat der Tahoe noch Sprit für etwa 300 Kilometer, aber besser ist besser. Hier in Utah kann ich auch wieder problemlos mit meiner deutschen Kreditkarte tanken. Einfach “Pay Outside” wählen, Karten rein und wieder raus – “Remove Nozzle and begin fueling” – ist ganz einfach – ach ja – die Sorte muss man noch wählen. Der Tahoe läuft auch mit Bananensaft – 85 Oktan sind für ihn ok – fast ein Diesel…

Als die Zapfpistole “Klack” macht, ist der Tahoe voll, wirklich richtig randvoll, so voll, dass schon mal wieder Sprit heraustropft. Es ist nicht viel, aber immerhin. Ich fahre schnell los um ein wenig Sprit zu verbrauchen, damit noch noch mehr rausläuft. Wer weiß wie warm oder kalt der Sprit ist, ist er kalt, dehnt er sich im Tank aus und dann läuft noch mehr über. Um einen halben Liter zu verbrauchen muss man mit dem Tahoe nicht weit fahren. Doch mich verschlägt es zur Moqui Cave. Sie ist natürlich geschlossen, es ist ja auch schon fast dunkel. Aber nett ist es hier trotzdem, ich war lange nicht mehr hier und hatte fast vergessen, dass es hier auch abseits der große Attraktionen wie “The Wave & Co” viel schöne Landschaft zu entdecken gibt.

Ein paar Fotos sind mit der kleinen P7000 schnell gemacht. Ich habe mich schon fast daran gewöhnt, dass ich die kleinen Plastikkappen vor dem Objektiv mit den Fingerspritzen aufschieben muss…

Nach der kleinen Fotosession schaue ich mich noch ein wenig im Kanab Canyon um. Hier gibt es eine nette Ranch in der man sich einmieten kann. Die haben hier viele Tiere und ich denke man könnte hier auch einen schönen Urlaub mit vielen Tagen im Sattel buchen. Nach etwa 2 Kilometern beginnt ein Dirt-Road. Aber sie ist gut in Schuss und ich schaue mal was ich im letzten Licht der blauen Stunde noch so finde.

Und tatsächlich, da ist noch was :-)

Morgen geht es dann wieder ganz früh los zur Ranger-Station. Mein zweiter Versuch bei der “großen Lotterie”. Egal was ist, danach werde ich mal versuchen zu den Coyote Buttes South zu kommen. Einen Permit habe ich ja schon heute gekauft. Dann muss ich ggf. morgen nicht so lange warten und kann gleich los.

So sehen die Permits hier aus – sie haben DREI Teile! Der untere Abschnitt verbleibt in der Ranger-Station. So wissen sie genau wer mit einem Permit unterwegs ist. Einer der beiden anderen Abschnitte kommt auf das Armaturenbrett und der dritte an den Rucksack. So kann man von weit weg mit einem Fernglas sehen, ob der Wanderer einen Permit hat oder nicht. Die Ranger sind hier ganz pfiffig und ich denke sie wissen warum sie den ganzen Aufwand betreiben.


No Wave today

Es ist wieder kurz vor 6h als ich wach werde, ganz knapp vor dem Wecker. Die Nacht war wieder ziemlich kalt und ich bin völlig durchgefroren. Man hat hier fast überall die Wahl zwischen “Pest und Cholera” – also ratternde Heizung oder Eiszapfen an der Nasenspitze. Erst die heiße Dusche hilft wieder aufzutauen. Danach wird schnell alles zusammen gepackt und in Windeseile der Chip der D2x geputzt. Gestern im Antelope Canyon war ich so mutig und habe das Tokina 4/12-24mm gegen das Nikon 2.8/10,5mm getauscht – ZWEIMAL – dabei sind natürlich SOFORT ein paar Staubkörner auf den Chip gekommen! Der Verschluss hat scheinbar nichts abbekommen! Ist auch besser so, sie ist ja erst seit in paar Wochen aus der Reparatur zurück. Den Sturz im Arches National hat sie somit überlebt. Die Arztrechnung beläuft sich allerdings auf mehr knapp 800 Euro! Dafür hat sie jetzt ein komplett neues Unterteil und das hat gestern die ersten Schrammen abbekommen. Ich bin mal gespannt was die Foto-Versicherung erstatten wird. Wenn ich wieder daheim bin muss ich unbedingt endlich die Rechnung einreichen. Ich glaube meine Selbstbeteiligung beträgt 250 Euro, aber das werde ich dann berichten. Ist ein oft vernachlässigtes Thema.

Ok, weiter geht es… Als ich die Türe öffne um das Auto zu beladen ist alles voller Schneematsch, was ist das denn? Später zeigt das Thermometer dann 2°C, es ist dabei wirklich windig. Wegen dieses ganzen Zeitzonen-Durcheinanders bin ich heute wieder wirklich früh dran. Aber der Wahnsinn hat auch Methode, denn ich hatte schon so etwas befürchtet. Und es bestätigt sich auch, denn die Straße zur Ranger Station ist nur sehr langsam zu befahren. Der Schnee liegt teilweise wirklich hoch und die Temperaturen liegen unter 0°C. Als ich bei der Ranger-Bude ankomme geht wieder die Sonne auf, Gleichberechtigung für alle! Ich stehe mit meinem fetten weißen Auto vor der Schranke und genieße die ersten Sonnenstrahlen die das Gesicht erwärmen.

Nach einer Weile gesellen sich weitere Autos dazu. Sie stellen sich alle brav hinten an, ob es Engländer sind? Egal, als der Ranger um 8h15 (Utah Time, Mountain Time) die Schranke öffnet kann ich die paar Meter hoch zur Station fahren. Ich stelle mich auf den Parkplatz ganz links, sie gibt es keinen Schatten durch ein Wohnmobil und ich kann die Sonne weiter genießen.

Nach und nach kommen immer mehr Autos. Die ersten ungeduldigen Analphabeten steigen fröstelnd aus ihren Autos und rütteln prüfend an der Türe. Dass dort “Closed” zu lesen ist verstehen sie scheinbar nicht. Dann endlich geht es los. Alle stürmen in dieses kleine Häuschen als gäbe es etwas umsonst. Dabei kosten die Permits irgendwas zwischen 5$ bis 10$ – je nachdem was man will. Ich fülle meinen Anmeldebogen aus. Dort soll man auch die Nummer des Autos eintragen, ich bin artig und mache auch das. Als ich meinen Bogen abgebe schreibt die nette Rangerlady eine 5 darauf – auch bin Nummer 5 – Nummer 5 lebt…

Nach weiten 30 Minuten sind wir praktisch startklar. Es wurden 45 Anmeldebögen abgegeben. Vor einigen Tagen lagen sogar 75 Anträge vor! Während einer der beiden Ranger das Prozedere erklärt macht der zweite sich bereit um das Schildchen an die Türe zu kleben. “The Lottery is over”

Da stolpert mit einem großen Rumms eine Dame herein, sie ist völlig aus der Puste. “Am I tooooooo late?” eigentlich ja, aber sie machen mal eine Ausnahme. Sie muss nur ihren Namen auf einen Zettel schreiben – die heißen hier Application – und schon darf sie an der Verlosung teilnehmen.

Ich bin die Nummer 5 – erinnert mich an Imbissdeutsch – Ich bin die Curry-Wurst er ist das Schaschlik und Bier sind wir beide – egal – es geht los…

Die erste Zahl ist die 8, dann die 12, dann die 6, dann die 11 und dann die 8 – wenn ich mich richtig erinnere. Der Ranger zählt nach jeder Kugel die Anzahl der von verfügbaren Permits ab – insgesamt sind es 10 pro Tag. Bevor die letzte Kugel gezogen wird ist noch genau EIN Permit zu haben. Stehen auf dem Antrag der ausgelost wird mehr als EINE Person, so muss die zugehörige Gruppe entscheiden wer das sein darf! Eine ganz glasklare Anweisung! Dann wird die letzte Kugel ausgelost und es sind ZWEI Deutsche die auf der zugehörigen Anmeldung stehen. Wer von beiden darf gehen? Der Ranger fragt sie ob sie das wirklich wollen? Ich habe für einen kurzen Augenblick die Hoffnung, dass sie diesen Permit zurück geben und noch eine Kugel ausgelost wird, die NUMMER 5 – aber der ältere der beiden Deutschen sagt nur “Komm, ist doch besser als nichts!”

Dann ist es aus, ich habe verloren – nix Bingo, nix Wave – aber ich war ja auch schon zweimal dort!

Ich warte ganz brav bis alle die gewonnen haben ihre Permits haben und erklärt bekommen haben wie sie die Wave finden. Die beiden Deutschen brechen noch eine ziemliche Diskussion vom Zaum ob sie noch doch noch irgendwie einen zweiten Permit bekommen können. Oder den einen für übermorgen aufheben. Der Ranger sagt nur so etwas wie “That’s the rule”, das sind also die Regeln an die wir uns alle halten müssen und sollten. Anders geht es eben leider oder vielleicht auch Gott sei Dank nicht. Zwei Frauen die einen Permit bekommen haben, haben nur einen “normalen” PKW gemietet. Es gibt viele Fragen und große Verunsicherung ob sie mit diesem Auto zum Trailhead kommen. Letztlich drückt der Ranger ihnen ein Formular in die Hand. Ob es eine Antrag für einen Abschleppwagen ist, ich weiß es nicht…

Als alle fertig sind kaufe ich mir einen Permit für das südliche (unten) Areal, die Coyote Buttes South. Das ist ja auch ganz schön. Ich halbe nur wirkliche Sorge, dass ich mit dem schweren großen Chevrolet Tahoe da nicht hin komme, es gibt weite Strecken mit tiefem Sand. Wenn man der Chevrolet Werbung glauben darf, dann kommt man mit dem Tahoe überall hin! Ich werde es ausprobieren!

Während der Verlosung kommen immer wieder kurze Meldungen aus dem Funkgerät. Einmal kann ich aus dem Gekrächze “I’m on House Rock – it’s very slippery today” heraushören. Die Anwesenden zucken regelrecht zusammen. Der Ranger dreht den Lautsprecher leiser, zuckt mit den Schultern und sagt nur “It’s melting”. Er meint damit, dass der Schnee des Morgens schmilzt und die “Straßen” aufweicht. Die Ranger sind allgemein gut organisiert, sie haben Funkgeräte und sie überwachen recht gut wer zur Wave geht und wer nicht. Die Kennzeichen und Marken der Autos sind in der Station hinterlegt, die “Außenposten” checken die Parkplätze und stimmen sich per Funk mit den Kollegen ab. Hier zu schummeln ist gar nicht so einfach, jedenfalls nicht mit gutem Gewissen! Auch mein Auto kennen sie jetzt sehr gut!

Ich starte den V8 und es geht wieder los, was mache ich heute? Wieder Page? Alstrom Point? Der Weg zum Altstrom Point enthält weite Passagen die wahrscheinlich total voller Schlamm sind, ich denke das klappt erst wenn alles wieder trocken ist. Es geht also zurück nach Kanab, ich habe Hunger!

Während ich mit 65 mph dahin zuckle muss ich an den Prospekt aus dem Motel denken. Da stand etwas mit 107 Dingen die man hier tun könnte. Dazu zählt auch “Ein Fotos des Eagle Gate Arch im Johnson Canyon” machen. Nur, wo ist dieser Canyon? Hätte ich den Ranger fragen sollen? Während ich grüble rauscht an mir ein Wegweiser vorbei “Johnson Canyon ->” – hart auf die Bremse, wenden und schon bin ich im Spiel. Die Straße durch den Canyon ist gut asphaltiert und um mich herum liegt überall noch frischer Schnee, das Thermometer zeigt 2°C. Die Sonne scheint immer wieder zwischen den großen schweren Wolken hindurch. Ich fahre ganz langsam weiter und warte auf einen Wegweiser zum “Eagle Gate Arch”. Normalerweise ist hier ja jede zwei Mülltonne als “Historic Site” ausgeschildert. Aber diesmal finde ich KEINEN Wegweiser. Aber ich finde das kleine Movie-Set an dem vor vielen Jahren Teile der Fernsehserie Gunsmoke gedreht wurden. In Deutschland hieß sie “Rauchende Colts” und ich habe sie als Kind geliebt!

Davor stehen ein paar Kühe die mich und meinen kleinen Fotoapparat anschauen als wäre ich ein Alien. Dabei tun sie so, als würden sie Werbung für Kaugummi machen. Keine Milka-Kühne, hier gibt es Wrigleys-Kühe!

Die Gebäude sind inzwischen leider ziemlich verfallen. Auch ist alles eingezäunt und Privatbesitz, eine intensivere kleine Fototour zu machen ist also nicht ohne weiteres möglich. Man kann nur mit dem Teleobjektiv von der Straße aus ein paar Fotos machen.

Schließlich erreiche ich das “Ausbauende” dieser schönen Panoramastraße. Es gehen zwei Dirtroads ab, dir rechte von beiden geht hoch zum Bryce-Canyon. Aber da selbst die doch recht gut ausgebaute Cottonwood Road gesperrt ist, werden auch diese Straßen gesperrt sein! Immerhin liegt der Bryce auch sehr hoch, bei über 3000 Metern.

Ich schau trotzdem mal wie sich diese Straßen mit dem dicken Tahoe befahren lassen. Es geht, aber sie sind “very slippery”, genau so hatte der Ranger es über Funk gesagt. Und das macht keinen Spaß. Ich kehre um und fahre zurück nach Kanab.

Im Motel angekommen kann ich die Türe wieder nicht öffnen! Ich besorge mir an der Rezeption zwei neue Karten und verlängere meinen Aufenthalt bis Sonntag. Danach habe ich dann noch eine ganze Woche. Ich könnte noch einmal in Richtung Monument Valley fahren, oder in Springdale beim Zion Canyon ein paar Tage verbringen? Mal sehen!

Die Tagestemperaturen sind nur leicht angestiegen, es sind um kurz vor 12h nur etwa 5°C in Kanab. Hui, it’s wintertime…

Während ich die paar Fotos sichte die ich mit der kleinen Nikon P7000 gemacht habe werde ich ziemlich müde. Morgens habe ich eine Zyrtec genommen, weil mich wieder irgendeine Allergie plagt. Diese Zyrtec ist aber anders als die anderen! Ich habe sie gestern im Walmart in Page gekauft. Es gab 60 Tabletten für etwa 30$, also viel preiswerter als in Deutschland. Und sie sind in einer kleinen praktischen Plastikflasche. Ich verstehe gut, warum es hier Leute gibt, die gelegentlich ein paar Tabletten zuviel “einwerfen” es ist ja auch ganz einfach… Mich hat diese Pille jedenfalls total aus den Schuhen, sie sind anders als bei uns in Deutschland! Während ich mit am helllichten Tag für ein paar Stunden ins Bett lege denke ich darüber nach, dass diese Pillen kein schlechtes Schlafmittel für den Rückflug sind! Das Gute dabei, sie haben keine anderen Nebenwirkungen.

So gegen 5h am Abend rüttelt jemand an meiner Tür. Ich denke es ist ein Hotelangestellter der das Licht und die Heizung für mich einschalten will. Gestern war alles eingeschaltet als ich abends “heimkam”. Aber ich habe den “Riegel vorgeschoben” und so werde ich einfach nur langsam wach. Und das dauert wirklich lange. Bis ich richtig wach bin, muss ich einen langen Artikel für meinen BLOG schreiben…

Hier eine kleine Diashow mit den Bildern des Tages…

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Timezone Victim

Es ist noch mitten in der Nacht als ich mich auf den Weg zur Ranger-Bude in der Nähe der House-Rock-Valley-Road mache. Als ich die Türe meines Zimmers öffne schlägt mir ein Wand aus eisiger Luft ins Gesicht. Nun weiß ich auch, warum ich heute Nacht wieder so schrecklich gefroren habe. Bis alles im Auto ist, dauert es ein wenig, aber dann geht es los. Kurz nach dem Start meldet das Auto Glatteisgefahr bei  -1°C! Auf dem Weg zur Permit-Lotterie fällt das Thermometer dann auch -8°C – es ist Winter in Utah – ganz eindeutig! In den letzten Tagen hatte ich da die fixe Idee mal nach an der Wave ein Foto mit Vollmond zu versuchen. Davon sollte ich Abstand nehmen wenn ich nicht allein da draußen erfrieren will.

Als ich beim Ranger-Büro eintreffe, ist noch alles zu und es geht gerade erst die Sonne auf. Nach einer kurzen Wartepause habe ich dann die Idee doch schnell mal beim Toadstool Hoodoo vorbei zu schauen. Der ist doch gleich um die Ecke, also los. Am Trailhead greife ich mir schnell ein paar Kameras und das kleine leichte Stativ. Fast im Laufschritt geht es los zum Hoodoo. Als ich dort ankomme ist es schon fast zu spät. Das Ding sieht genau dann wenn sie Sonne das erste Mal über den Horizont schaut wirklich gut aus. Ich hätte 30 Minuten eher hier sein müssen. Aber egal, ich schieße ein Foto nach dem Anderen und klettere fleissig um das Ding herum. Zwischendurch füllt mir auf, dass die kleine Nikon P7000 erste Ausfallerscheinungen zeigt. Die kleinen Kunststoffscheiben die das Objektiv schützen sollen klemmen immer wieder. Wahrscheinlich ist Sand dazwischen. Das ist der Grund, warum ich noch weitere Kameras dabei habe! So sieht das dann aus…

Später kommen weitere Fotofreaks dazu. Wir quatschen und plötzlich kommt mir den Gedanke, dass ich die Lotterie verpassen könnte. So viel zu früh war ich ja nun auch wieder nicht. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, ja was verrät er mir – er verrät mir, dass die Uhr stehen geblieben ist. Was ist denn das? Ok, wahrscheinlich ist die Batterie leer, diese Uhr war schon 2009 und 2010 hier. Ok ich sollte zurück flitzen, und das hurtig! Also alles schnell einpacken und im Laufschritt zum Auto.

Der große V8 heult auf und los geht es zum BLM-Büro. Dort angekommen ist die Schranke auf und es kommen mir ein paar Autos entgegen. Hey was ist denn das, normalerweise fahren die da alle hin, nicht weg! Kein gutes Zeichen, irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Direkt vor der Türe ist gerade ein Parkplatz frei geworden. Ich stelle den großen Chevy dort ab und will hineinstürmen als ich einen Zettel sehe der von innen mit Tesafilm an die Scheibe geklebt ist. “The Lottery is over” – ich bin zu spät!

Mist, die Uhr um Auto zeigt 8:07 – aber hier ist es schon 9:07! Am 13. März wurden die Uhren umgestellt, davon haben wir natürlich nichts mitbekommen. Da Arizona das nicht mitmacht, hat Arizona die gleiche Zeit wie Nevada, also wie Las Vegas. Etwas weiter im Norden liegt Utah, die sind jetzt immer eine Stunde weiter als die Menschen im sonnigen Süden. Es ist fast wie mir der Schweiz und Italien…

Ich muss es also morgen noch einmal versuchen! Egal, ich habe ja noch ein paar Tage Zeit. Also rein ins Auto und ab nach Page, ich freue mich auf eine Frühstück bei Denny’s. Dort gibt es neuerdings ein offenes schnelles WLAN, sehr praktisch! Ich krame mein Handy heraus und lese meine Mails während der Koch mir meine Rühreier zubereitet, was für ein Service.

Nach dem Frühstück geht es zu Waschanlage, ich mache die versaute Kiste erst einmal wieder stubenrein. Alles ist so schmuddelig, ich weiß gar nicht mehr wo ich noch anfassen soll. Der Automat will meine Kreditkarte nicht, also versuche ich es mit Bargeld. Coins habe ich keine, die verschenke ich immer gleich weiter weil sie mir zu schwer sind. Aber ein 5$ Schein ist noch da. Also rein damit und schon kann ich fast 15 Minuten lang dieses echt große Auto säubern, nicht schlecht!

Also die Kiste wieder wie neu aussieht geht es ab zum Walmart, ist ja nur ein paar Meter die Straße hinunter. Im Walmart sticht mir eine Uhr ins Auge, eine TIMEX – ich glaube die erste Uhr in meinem Leben war eine Timex. Sie hatte ein mechanisches Werk und man musste sie aufziehen. Timex war der erste Hersteller der Armbanduhren gefertigt hat. Bereits im Vietnamkrieg trugen Menschen eine Timex die sie schon von ihrem Großvater geerbt hatten. Einer von ihnen geriet in Gefangenschaft und musste monatelang in einem Schlammloch ausharren. Damit sie ihm seine Timex nicht wegnehmen versteckte er sie, über Monate hinweg – in seinem ARSCH. Als er schließlich doch starb, nach sein bester Freund diese Uhr an sich. Es Colonel Ralph W. Kingston III, auch er versteckte diese Timex vor den Vietkong, auch er hatte nur ein Versteck an dem sich sicher war, in seinem ARSCH. Als er Jahre später von einem Elitekämpfer italienischer Abstammung namens John Ramboo befreit wurde nahm er die Timex mit. 23 Monate und vier Tage nach seiner Befreiung hatte Colonel Ralph W. Kingston III endlich den Sohn seines Freundes gefunden und überreichte ihm die Uhr die schon sein Großvater und wohl auch der Vater seines Großvaters getragen hatte, eine TIMEX.

Während ich im Walmart vor einer TIMEX für 45$ stehe, geht mir diese Geschichte durch den Kopf und ich beschließe sie abends aufzuschreiben. Doch bei dieser TIMEX bewegt sich der Sekundenzeiger gar nicht, sollte sie einen Defekt haben? Ein überaus freundliche attraktive junge Dame weiß Rat! Mit einer kleinen Zange entfernt sie ein Stück Kunststoff und schon tickt das gute Stück als hätte es jahrelang im ARSCH eine Soldaten in einem Schlammloch in Vietnam gesteckt – genial! Inkl. Steuern kostet das gute Stück dann 50,84$ – etwas weniger als 40 Euro – preiswerter als eine Swatch – und über eine Swatch erzählt selbst Quentin Tarrantino keine Geschichten!

Mit der neuen Swatcht, 12 Flaschen Corona, Dr. Pepper, Obst und Keksen geht es zurück zum Auto. Als alles eingepackt ist meldet sich das Frühstück. Ich suche die Restrooms auf. Dort gibt es zwei Toiletten, eine ist riesig und für Rollstuhlfahrer geeignet. Die andere ist im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich beschissen. An der großen Toilette ist der Riegel derartig ausgeleiert, dass es an eine Wunder grenzt wenn er diese Türe dauerhaft verriegeln kann. Aber ist ja auch egal, der Spalt ist 5mm breit, die Türe ist knapp 180cm hoch und hat unten locker 50cm Luft. Während ich auf dem Klo hocke geht die Türe auf. “Hoffentlich hält der Riegel was er nicht verspricht!!!!” Die blauen Turnschuhe mit den weißen Streifen bewegen sich in das “Nachbarbüro”. Ein angewiderter Laut ist zu vernehmen, dann wird gespült, dann sehe ich die Turnschuhe direkt neben mir, sie stehen auf Zehenspitzen und stöhnen. Was für ein Land! Irgendwie freue ich mich auf “normale” Toiletten…

Als ich den Waltmart verlasse ist mein Auto weg. Was für ein Schock! Habe ich vergessen ihn zu verriegeln? Ist er wirklich geklaut, was mache ich nun! Der Kreislauf beschleunigt das Adrenalin, der Puls pocht in den Schläfen. Doch dann sehe ich ihn! Alles ist gut, als ich aufs Klo musste habe ich den linken Eingang genommen, vorher den rechten. Uff, noch einmal gut gegangen!

Es geht zur Zions-Bank gegen über vom Rodeway Inn. Als ich parke und die Straße überquere bekomme ich von zwei Passanten gesagt, dass ich ein tolles Auto fahre. Ich glaube die wissen nicht was die Kiste an Sprit verbraucht! Am Geldautomaten werde ich dann gefragt was ich will. Da steht was von “Fast Cash” – das klingt gut! Ich wähle es aus und bekomme 100 Dollar. Hä? 100 Dollar? Damit kann ich gerade mal ein Steak essen, Frühstücken und den Eintritt für den Antelope Canyon bezahlen? 100$?

Ich gehe mal hinein. Dort bekomme ich erklärt, dass das bei “Fast Cash” immer so ist – 100$ ist die Obergrenze bei “Fast Cash”. Ist aber alles kein Problem, ich bekomme noch einmal 300$ von der Kreditkarte ausgezahlt. Die nette Dame am Schalter kennt mich ja nun schon. Sie kennt meine Kreditkarte, die Nummer meines Personalausweises, ich habe ihr meine Adresse und meine Telefonnummer aufgeschrieben. Das ist doch eine Basis für einen ausgedehnte Schnack – oder? Andere Kunden sind eh gerade keine da! Also schnacken wir und ich bin froh, dass ich mal mit einem Amerikaner sprechen kann.

Als ich die Bank verlassen will ist das eine Dame mit einer Gehhilfe, sie hat Mühe die Türe aufzuhalten. Als ich ihr helfe ist sie begeistert. “Are you from germany?” Ich überlege kurz ob es an meinen guten Manieren liegt, nein, es liegt eher am gruselig harten Akzent ;-)

Im Auto stelle ich die kleine Nikon auf das kleine Stativ und filme den Weg zum Antelope Canyon. Meine kleine “Stereoanlage” spielt dazu die Live-Version von Peter Gabriels “Steam”. Das passt ganz gut, denn neben dem Canyon dampfen die Kamine des Braunkohle Kraftwerks der Navajo Indianer fröhlich vor sich hin. Das Lied reicht fast bis zum Canyon, es ist nicht wirklich weit!

Am Lower Antelope Canyon ist wieder dieser nette junge Typ der mich damals 2009 schon zum Canyon begleitet hat und mit dem ich soviel geschwätzt habe. Ich erkenne ihn wieder. Ob er noch Gitarre spiel frage ich. Aber sicher, er holt die Gitarre hervor! Ich bekomme für 26$ einen Fotografen-Permitt. Da ich ja schon weiß wo alles ist kann ich auch ganz allein losgehen. Die anderen Gäste müssen warten bis sich eine etwas größere Gruppe gebildet hat. Danach gehen sie mit einem Führer in den Canyon. Ich darf das ganz allein, ich bin ja auch schon groß :-)

Im Canyon ist es wie gewohnt ziemlich frisch und ich bin froh, dass ich Unterhemd, Oberhemd und zwei Fleece-Pullis angezogen habe! Das ist gerade richtig! Im Canyon ist es relativ leer. Ich knipse vor mich hin, mache eine Belichtungsreihe nach der Anderen. Plötzlich steht ein kleiner Junge neben mir. Er sieht auf dem Display der D2x wie nacheinander 9 gleiche unterschiedlich helle Bilder angezeigt werden. Das scheint Magie zu sein. Dann kommt sein Vater dazu. Ich muss erklären was ich da mache und warum ich das mache. Dann kommt die Mama dazu. Es sind wohl Franzosen, doch sie sprechen ganz gut Englisch. Wir müssen es ihr auch erklären. Als sie es verstanden hat sagt sie nur etwas wie “Aha, jetzt weiß ich endlich wie alle diese coolen Fotos aus diesem Canyon gemacht wurden. Das sind also alles Fälschungen!!!”

Ok, ein HDR ist keine Fälschung, es ist ein besondere Methodik im Einsatz einer Digitalkamera – mehr nicht. Früher in der Dunkelkammer hat man Masken gebastelt und Teile der Bilder abgewedelt. Heute macht man HDRs – wo ist der Unterschied? Früher konnte man schlechte Fotos machen, heute geht das auch noch!

Mit meinem 26$ Permit kann ich vier Stunden lang fotografieren soviel ich will – super! Die letzte kleine Gruppe kommt so gegen 16h durch den Canyon gewandert. Sie nehmen mich mit. Und ich lerne Justin und seine Freundin kennen. Sie kommen auch aus Deutschland. Ist schon witzig wen man hier alles kennen lernen kann :-)

Am Auto bin ich dann ziemlich erledigt und will eigentlich gleich unter die Dusche. Aber dann ist das eine kleiner Chipmunk direkt neben meinem Auto. Jemand hat ein paar Erdnüsse verloren. Er schnappt sich eine nach der anderen. Alle paar Minuten kommt er wieder angeflitzt und holt sich die nächste Erdnuss. Witziges kleines Kerlchen. Also schnell das Tele an die D2x montiert und auf die Lauer legen! Als der kleine Kerl – oder ist es ein Mädchen – satt ist, fahre ich los zurück nach Kanab. Die Sonne steht jetzt schon tief, der Himmel ist wolkenlos!

Oben an der Straße fahre ich dann mal links runter zum Lake Powell. Dort gibt es noch ein paar Fotos am Strand und dann geht es endgültig in Richtung Kanab. Kurze Zeit später rausche ich am Aussichtspunkt an der Wahweap Marina vorbei, eigentlich keine schlechte Idee. Ich wende und bin sehr erstaunt, dass der Weg hinauf zum Aussichtspunkt jetzt perfekt geteert ist!

Nach ein paar Knipsbildern geht es zurück nach Kanab. Als ich ankomme ist es schon dunkel. Aber ich habe BIER und CHIPS :-)

Schnell die Akkus laden, die Bilder sichten, bloggen, duschen und dann ab ins Bett. Morgen geht es wieder früh los…

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The Wave 2011

Nachdem mein BLOG geschrieben ist packt mich der Hunger. Es ist 20:04 – Nevada Time! In den letzten Tagen hatten wir wieder ein Zeitzonen-Durcheinander. Mich packt der Hunger, aber haben nicht schon alle Restaurants hier in Kanab um 20h geschlossen? Egal, ich versuche es einfach mal. Also rein ins Auto und los. Die meisten Läden und Restaurants sind wirklich schon geschlossen. Aber das “Trail End Restaurant” scheint noch geöffnet zu sein. An der Türe steht 8am – 9:30pm – also von morgens um 8h bis abends um 21:30h. Ich gehe mal hinein, ich habe ja im Zweifel noch ein paar Minuten. Ich frage mal nach der aktuellen Zeit, es scheint ok zu sein, ich habe kurz nach 8h und im Restaurant ist es auch kurz nach 8h.

Kurz vorher hatte ich noch kurz via Internet nachgeschaut, da sah es aus, also wäre Kanab eine Stunde weiter. Muss man das eigentlich alles verstehen? Ich habe da jedenfalls so meine Probleme und wie spät es jetzt hier wirklich ist, ich weiß es nicht genau!

Jedenfalls gibt es einen Burger mit Fritten und ein Corona – obwohl wir hier in Utah sind! Der Spaß kostet 11,95 Dollar – inkl. Steuern. Noch zwei Dollar Trinkgeld und wir sind bei 14$ = 10 Euro. Nach dem Burger fahre ich mal kurz zum BLM-Gebäude, es ist gleich um die Ecke. Vor dem Gebäude ist es dunkel, aber ich habe ja meine Taschenlampe dabei. Ich finde einen Zettel von Heute auf dem steht, dass fast alle Straßen unpassierbar sind, unter anderen die Cottonwood-Road! Das wäre der schönste Weg hoch zum Bryce-Canyon. Aber die House-Rock-Valley-Road zum Wave-Trailhead scheint befahrbar zu sein. Heute hat man wohl damit begonnen diese schwer beschädigte Straße wieder herzurichten, für den Touristenansturm in den Osterferien…

Im Internet findet sich dieser Text:

WARNING: There were multiple 50-100 year floods between April and November of 2010 through Buckskin Gulch, Wire Pass and Paria Canyon that have removed high water campsites, added obstructions (trees, stumps, or boulders) and changed the river bed. It is highly suggested your party brings rope in case you come across an obstruction that has not been mapped. Do not depend on high water campsites downstream from your location if anyone in your party is tired as the campsite may no longer exist; for example, the big campsite at the confluence of Wire Pass and Buckskin Gulch is gone as is the one across from the confluence. The only safe site remaining is the one further downstream from the confluence just before it narrows up again.

Road Conditions: BLM Road 1065-House Rock Valley from Highway 89 to Stateline Campground is not maintained. High clearance 4-wheel drive or AWD vehicles are suggested to navigate rough, rocky and sandy roads. Impassable when wet.

Invasive species removal work is scheduled from March 21 to April 10, 2011. Crews will continue removing tamarisk and Russian olive from downstream from Big Spring to Wrather Canyon

Der kleine Satz “Impassable when wet” gibt mir doch sehr zu denken. Auf dem Hinweg habe ich schwere Regenwolken über diesem Gebiet gesehen!

Dann finde ich noch einen kleinen bunten Zettel, die Wave-Permitts gibt es inzwischen nicht mehr hier in Kanab sondern nun schon wieder bei der kleinen Ranger-Bude in Richtung Page. Was für ein Durcheinander. Im Web versuche ich später mal herauszufinden wann genau umgezogen wird. Es scheint der 18. März zu sein. Heute ist der 22. März – jedenfalls hier in Utah – in Deutschland ist es schon der 23. März. Übrigens haben Nord- und Süddeutschland die gleiche Zeitzone. Im Osten mögen die Uhren langsamer gehen, doch auch hier zeigen sie die gleiche Zeit an wie in Aachen! Leute, das ist echter Luxus und kein Deutscher weiss ihn wirklich zu schätzen…

Die Ranger-Bude ist ab 7h30 geöffnet. Wenn ich mich recht erinnere beginnt die Lotterie um 8h, auch wenn ich eben auf einer Webseite gelesen habe, dass sie um 9h beginnt. Vielleicht hat sich da auch jemand mit den Zeitzonen vertan. Egal, ich werde morgen einfach mal wirklich früh aufstehen und im Zweifel eine wenig warten. An der Rangerbude gibt es ein WLAN, da kann ich ggf. gleich berichten ob es geklappt hat oder nicht.


Auf nach Kanab

Als ich endlich im Bett lande ist es dann fast 2h morgens – BLOGgen hält auf… Aber die Nacht ist weniger kalt, ich habe die ratternde Heizung auf 70°F gestellt – etwa 20° Celsius. Und ich bin nach der langen Off-Road-Strecke so erledigt, da höre ich selbst das Rattern nicht mehr :-)

Am Morgen werde ich kurz vor 9h wach, zwei Minuten später geht der Wecker. Nach der Dusch geht es wieder gut, ich ziehe mich an und packe alles zusammen. Als ich fertig bin will ich gut gelaunt zum Frühstück rüber gehen. Doch da fällt mir ein, dass es das Frühstück nur bis 9h morgens gibt – verpasst! Na, dann muss es eben mal ohne gehen. In der Lobby dieses “Adventure-Hotel” (so hat Steven Baldwin es gestern genannt) gibt es ja Kaffee – geht weg – kommt zurück – und der steht hier jetzt neben meinem Notebook. Schmeckt nicht so doll, es war nur noch ein Rest in der Kanne und der wird sicher schon seit Stunden warm gehalten – aber besser als nichts :-)

Für heute habe ich mir vorgenommen nach Kanab zu fahren. Im Winter gibt es die Permits für die Wave in Kanab (Siehe mein BLOG von 2009). Wenn es mit dem Permit nicht  klappen sollte, kann ich noch die Corral Pink Sand Dunes in der Nähe von Kanab besuchen. Auch Zion ist nicht Weit, womit wir beim Thema wären. Für den Weg nach Kanab habe ich mir die nördliche Straße vorgenommen, also OBEN herum – für alle die Straßenkarten auf dem Beifahrersitz in Fahrtrichtung drehen :-) Von hier bis Kanab sind es rund 500 Kilometer – vielleicht auch etwas mehr oder weniger, je nachdem welche Abstecher man macht. Weite Strecken kann ich über gut ausgebaute Highways fahren und Las Vegas tangiere ich ganz weit oben, sorry – im Norden!

So, nun schaue ich mal ob ich via HRS ein Zimmer in Kanab buchen kann.

Update am frühen Abend

Hier habe ich noch ein paar Fotos dieses Ortes der im Internet vielfach als Ghost Town geführt wird. Er hat nur 20 Einwohner!

Man sieht hier auch ganz deutlich wie schmuddelig der Tahoe nach den vielen Pfützen jetzt ist.

Gestern war diese Parkreihe noch voll – ich bin der vorletzte Gast der heute abreist…

Wirklich auschecken kann ich nicht, es ist niemand mehr da! Also lege ich ein paar Dollar ins Zimmer und mache noch ein paar Fotos. Überall blättert hier die Farbe von den Wänden. Dieser marode Charm ist irgendwie auch cool :-)

Da auf der Ecke ist das kleine Opernhaus. Es hat nur ein paar wenig Sitzreihen. Aber die Wände sind schön bemalt. Leider hat es geschlossen und ich kann keine Innenaufnahmen machen. Aber im Internet findet man viele entsprechende Fotos.

Falls es mal brennt gibt es einen Feuerwehrschlauch – ob der noch funktionieren würde?

Das Eingangsportal aus der Froschperspektive mit Nikon D2x und Tokina AT-X 4/12-24mm.

“Open After Performance” – schaut man durch die Scheibe sieht man eine einzige Baustelle. Aber es soll noch Aufführungen geben! Ich glaube Marta Becket lebt hier sogar noch!

Ein ganz besonderer Ort, die Architektur erinnert mich an Mexico.

Die Fenster sind allesamt verhängt, ich denke hier spielt sich nicht mehr viel ab. Ist eben ein “Living Ghost Town” – endlich mal eines in dem es sich auch lohnt den Fotoapparat auszupacken :-)

Unterhalb des Turms kann man durch ein Gitter in den Hinterhof schauen. “PRIVATE AREA – KEEP OUT”

Dreht man sich im 90° nach links sieht man diese wirklich lange schattige Terrasse, eigentlich wirklich schön. Wenn nur noch alles so marode und baufällig wäre.

Mein Weg nach Kanab führt mich durch wirklich schöne und vielfältige Ecken des Süd-Westens der Vereinigten Staaten. Immer wieder schnappe ich mir die kleine Nikon P7000 und knipse einfach mal durch die Fenster. Die Ergebnisse finde ich wirklich atemberaubend. Wie macht das kleine Ding das nur?

Hier sieht man wieder Dreck von gestern bis an den Spiegel gespritzt ist.

Endlose Straßen bin zum Horizont. Das würde ich mir für Deutschland auch mal wünschen. Da steht immer irgendetwas im Weg, dass einem die Sicht versperrt.

Kurz vor Kanab verheißen die Regenwolken kein gutes Wetter für die nächsten Tage! Ob die Straße zur Wave wirklich passierbar ist, ich werde es herausfinden!

Die Fahrt ist problemlos, aber lang und anstrengend. Als ich am Nachmittag in Kanab eintreffe, bin ich ziemlich erledigt und habe kaum noch Lust auf weitere Aktivitäten. Die Buchung via http://www.hrs.com hat bestens geklappt. Ich bekomme ohne Mehrpreis ein schönes großes Zimmer mit zwei Betten, weit weg von der Straße im Hinterhof. Sandra könnte hier gut schlafen, aber ich denke sie schläft in ihrem eigenen Bett jetzt auch ganz gut.

Als es am  morgen um 11h Armagosa Opera House losgeht zeigt das Thermometer 7°C, ich bin etwa 600 Meter über dem Meeresspiegel. Während der Fahrt kommt häufig die Sonne heraus, die Temperatur steigt bis auf 22°C. Bei St. George geht es dann langsam aber sicher in höhere Ebenen. Das Garmin Colorado habe ich zusätzlich zum Telefon an die Windschutzscheibe montiert. So habe ich alles im Blick. Das Garmin zeigt die Details, das Telefon den Überblick in großem Maßstab. Auf dem Garmin kann ich die Höhe sehen. Ab St. George geht es auf etwa 1.500 Metern hinauf. Die Temperatur sinkt wieder. Als ich in Kanab eintreffe sind es nur 6°C – It’s Wintertime!

So, nun schneide ich mal mein “Fahrvideo” :-)

Ok, nach fast 180 Minuten Upload-Zeit ist mein “Video des Tages” nun endlich online…


Death Valley Reloaded

Der Wecker klingelt um 5h am Morgen. Eigentlich hatte ich ihn gestellt, weil ich zum Sonnenaufgang am Dante’s View ein Foto zum Sonnenaufgang über dem Bad Water Basin machen wollte. Die Nacht war bitterkalt und ich habe die ganze Zeit gefroren. Immer wenn die ratternde Heizung ansprang war ich wieder wach.  Das geht hier echt gar nicht, warum haben die hier keine “normalen” Heizungen? Diese ratternden Klimaanlagen sind echt die Hölle. Wie dem auch sei, als der Wecker läutet, stehe ich auf und schaue aus dem Fenster. Man sieht nicht viel, aber es sieht auch nicht gut aus. Ich bin hundemüde und gehe einfach wieder ins Bett. Wahrscheinlich ist da fotografisch eh nichts zu holen.

Als ich dann schließlich wirklich aufstehe, ist es kurz nach 7h. Schnell duschen, anziehen, es ist wirklich kalt hier. Um 7h30 die kurze Überlegung ob ich in Ruhe Frühstücken soll, aber es hält mich dann doch nichts. Ich bin rastlos und will einfach los. Im Kofferraum liegen jede Menge Getränke, ich habe ein Baguette und eine Dose Philadelphia-Käse mit Zwiebeln und Schnittlauch – das sollte ausreichen. Ein paar Äpfel und Orangen habe ich auch noch dabei, also los!

Eine weile später bin ich am Kiosk-System an dem man sich für den Eintritt in den Park registrieren muss. Vor drei Wochen war ich hier schon einmal. Diesmal versuche ich es mit meinem tollen Annual National Park Pass. Das klappt natürlich überhaupt nicht. Ich hasse diese Maschinen! Mehrmals schiebe ich meine Karte ein, hin her, hin her, rein, raus, nichts passiert. Nach eine paar Minuten ziehe ich weiter, ohne den Zettel auf dem Armaturenbrett.

Kurz danach geht es links ab zu Dante’s View. Was dort steht ist eigentlich schon fast keine Überraschung mehr – ROAD CLOSED. OK, gestern war ein heftiger Sturm, heute könnte die Straße vielleicht wieder befahrbar sein. Ich fahre um die Absperrung herum. Die Laune ich gut, das Wetter auch, die Temperatur ist von 7°C bei der Abfahrt schon auf 9°C gestiegen. Am Vortag habe ich es noch geschafft, den krassen Chevrolet auf metrische Einheiten umzustellen. Nun muss ich nicht mehr von Fahrenheit nach Celsius umrechnen, sehr praktisch!

Ein paar Kilometer weiter ist der Traum vom Dante’s View dann auch schon wieder ausgeträumt – ROAD CLOSED – nur gut, dass ich nicht um 5h aufgestanden bin. Ich kehre um und fahre in Richtung Furnace Creek Resort. Dort angekommen geht es links hinein in das weite Tal, dass ich eigentlich im Morgenlicht fotografieren wollte.

Ich fahre kreuz und quer durch das Tal und schaue mir an was es dort so gibt. Beim Abzweig zum Trail-Canyon mache ich einen ersten Off-Road-Test mit dem schweren großen Chevrolet Tahoe. Er schläft sich gut, aber die Straße ist ein besserer Feldweg der mit losen Kieselsteinen gepflastert ist. Das macht alles keinen Spaß. Also schnell ein paar Fotos und zurück.

Die Umrundung des Tals dauert mehrere Stunden. Die westliche Seite ist nur über eine Schotterpiste zu befahren. Erst am südlichen Zipfel kommt man wieder auf eine asphaltierte Straße die mich dann an der östlichen (rechten) Seite wieder nach Norden (oben) bringt. Kurz bevor ich wieder in Furnace Creek bin mache ich noch einen kleinen Abstecher zum Artist’s Drive – hier sehen die Berge ein wenig aus die Farben auf der Palette eines Malers.

Es geht weiter in Richtung Stovepipe Wells. Dort gibt es eine Tankstelle und etwas zu essen. Ich habe bislang nur zwei kleine Flaschen Dr. Pepper und zwei Flaschen Mineralwasser intus. Essen wäre nicht schlecht! Als ich dort ankomme, sind die Zapfsäulen ausgefallen, ich kann aber drinnen zahlen. Es gibt Sprit, nur die Kartenleser sind defekt. Ich zahle 30$ in Bar und im Voraus. Alles in der Hoffnung, dass auch Sprit für 30 Liter hinein passt in das weiße Ungetüm. Es passt, was auch sonst! Es würde sogar noch mehr hineinpassen, das Ding schluckt 13,9 Liter auf 100 Kilometern!

Es geht ein Stück zurück und dann über Scotty’s Road in Richtung Scotty’s Castle. Diese Straße kenne ich auch schon. Heute ist sie aber anders, heute sehe ich wie am Horizont ein krasser Sturm aufzieht. Ein paar Minuten später klatschen riesige Regentropfen auf das Auto, das habe ich noch nicht erlebt. Aber es hat auch was gutes, die salzig braunen Krusten die seit den Pfützen am Badwater Basin überall am Auto kleben werden abgewaschen!

Als ich am Ubehebe-Krater eintreffe, ist das Auto wieder relativ sauber. Aber das soll nicht lange so bleiben… Es geht rechts ab zum Racetrack, noch 27 Meilen Off-Road-Strecke, dann bin ich endlich am berühmten Race-Track. Ein trockener Strand an dem sich Steine wie von Geisterhand geschoben Millimeterweise fortbewegen. Einige Millimeter pro Jahr – was für ein Rennen :-)

Als ich dort ankomme steht die Sonne schon so tief, dass es eigentlich perfekt für tolle Fotos wäre. Aber ich kenne die Location nicht und muss leider feststellen, dass der Berg an der westlichen Seite (links) so viel Schatten wirft, dass fast der gesamte Race-Track-Playa bereits im Schatten liegt. So kann man die “Bremsspuren” der Steine gar nicht sehen, denn das Licht kann sie nicht “modellieren” – ohne ihre Schatten sind sie praktisch unsichtbar. Auch finde ich kaum große Steine. Das was da herumliegt wiegt vielleicht ein Kilogramm, wenn überhaupt. Von den Fotos die ich kenne dachte ich, dass es wirklich große Felsbrocken sind die sich hier weiter bewegen. Falsch gedacht! Ok, nachdem ich eine Weile auf der echt großen topfebenen Tiefebene herumgelaufen bin, find ich auch ein paar etwas größere Felsbrocken. Aber mir wird klar, dass die Größe auf den Fotos durch die verwendeten Weitwinkelobjektive entstanden ist. Also mehr ein Trick der Fotografen, damit die Bilder auch wirklich cool aussehen. Meine Fotos dieser Steine sind uncool – ich bin einfach 60 Minuten zu spät – MIST!

Ganz im Süden (unten) sehe ich ein Auto. Auf der Karte die ich bei mir habe ist eine Passstraße hinüber zum Highway 190 eingezeichnet. Damit könnte ich viel Zeit sparen. Auf der Karte die ich habe steht aber, dass dieser Pass im Winter ggf. geschlossen ist. Nach den Erfahrungen der letzten Woche glaube ich das nur zu gern. Als ich dort ankomme, steht dort ein geländegängiger kleiner LKW mit einer Art Wohnwagen auf der Ladefläche. Davor zwei Stühle und ein wirklich nettes Paar das gerade Fotos macht. Ich halte mal an, der Himmel ist grandios! Wir schießen ein Foto nach dem anderen und unterhalten uns über Fotografie.

Als das Spektakel vorüber ist, bekomme ich noch eine E-Mail-Adresse. So kann ich den beiden Baldwins aus Bishop in California meine “Beute” des gemeinsamen Abends zugänglich machen. Das Internet ist doch sowas von praktisch :-)

Danach geht es zurück. Vor mit liegen 27 Meilen Buckelpiste und noch eine wirklich lange Straße bis zum Hotel. Später kann ich bei der Track-Auswertung sehen, dass ich noch 192 Kilometer fahren muss – oh je…

Es ist inzwischen stockfinster als mir ein Fahrzeug entgegen kommt. Ich bin seit fast einer Stunde allein auf den Straßen von Death Valley und vergesse fast das Fernlicht abzublenden. Als das Auto kurz vor mir ist sehe ich blaue und rote Warnlichter aufleuchten. Mist Polizei! War ich zu schnell? Suchen die jemanden, gibt das jetzt Stress? Wo ist der Mietvertrag für das Auto, haben ich meinen Führerschein dabei… Ich trete voll in die Bremse und fahre auf den geschotterten Streifen neben der Fahrbahn. Anhalten Radio aus, Motoraus, warten. Das Polizei-Fahrzeug macht aber keine Kehrtwende wie sonst üblich. Statt dessen rollt es Rückwärts auf meine Höhe, was ist denn das? Mit großer Erleichterung stelle ich fest, dass es ein Ranger ist! Er erklärt mir, dass es eine Sturzflut (Flash-Flood) gegeben hat und dass weiter vorn jede Menge Geröll auf der Straße liegt und dass er es noch nicht komplett beseitigen konnte. Ich soll vorsichtig sein.

Ich wußte es, die Amerikaner sind doch die nettesten Menschen der Welt!

Als ich um Hotel eintreffe bin ich ziemlich am Ende. Aber die Fotos muss ich doch noch anschauen. Und da ist die Überraschung groß, man sehen die cool aus! Gewitter und Stürme haben hier ihren ganz eigenen Charakter.

Um Mitternacht bin ich dann allein in der Lobby des völlig stillen fast 100 Jahre alten Hotels. Der offene Kamin glimmt noch und es riecht so alt und muffig wie am Tag zuvor. Dann sind da noch drei junge Amerikaner. Ein Typ und zwei Mädels. Sie wundern sich, dass ich hier nachts mit meinem Mac ganz allein sitze und etwas schreibe. Sie wollen wissen, ob ich noch arbeiten muss. Nein muss ich nicht, ich schreibe nur meine täglichen BLOG. Für die Familie und die Freunde. So sind sie informiert und Sohneman, Mama und Freundin müssen sich keine Sorgen machen – alles ist gut.

Wohin ich als nächstes will möchten sie wissen. Ja wohin? Mit den Baldwins habe ich das vorhin auch diskutiert. Ich denke es wird morgen in Richtung Page gehen. Ich werde mal versuchen einen Permit für die Wave zu ergattern. Vielleicht klappt es ja. Ab Morgen haben wir wieder abnehmenden Vollmond. The Wave im Mondlicht, das wäre doch mal was! Die Mädels kennen die Wave nicht! Ich zeige ihnen kurz den Banner meines BLOGs. Sie sind erstaunt. Ja so ist das. Da wissen viele Menschen aus Korea, Japan, Frankreich oder Deutschland ganz genau wo welche coolen Fotolocations sind, die selbst die Menschen die hier leben gar nicht kennen. :-)

So, nun hänge ich noch schnell ein paar Fotos des Tages an und dann geht es ab ins Bett. Leider ist die Internet-Anbindung hier wirklich langsam….

Hier mein persönliches “Bild des Tages”:

Videos, weitere Bilder, die Track-Auswertung – das gibt es alles wenn ich wacher bin und die Internet-Anbindung schneller ist – ok?


Frustrating Day

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Die Nacht war ruhiger als befürchtet. Spät am Abend hatten meine multiple Nachfragen dann doch Erfolg. Der Mitarbeiter an der Rezeption im Comfort Inn begleitet mich die paar Meter und ich kann ihm die defekte Tür des Nebeneingangs zeigen. “Oh yeah, I’ll fix it!!” Zwei Stunden später hat er dann den Türschließer so eingestellt, dass die Tür praktisch gar nicht mehr schließt. Aber sie kracht auch nicht mehr mit einem gewaltigen Rumms gegen die Wand. Prima, nun haben wir nur noch den Straßenlärm. Heute Morgen bin ich dann ganz gut ausgeruht, Sandra leider nicht wirklich. Ich denke sie freut sich auf ihr Bett daheim, endlich mal wieder in Ruhe schlafen!

Um 9h beginnen wir unsere Sachen zusammen zu packen. Dann geht es kurz rüber zu Denny’s um 10h30 checken wir aus. Ja, und was jetzt? Ich bin ein wenig ratlos. Sandras Flieger geht erst abends um 18h35 ab Mac Carran International. Wir fahren einfach mal in Richtung Hoover Damm, vielleicht können wir da ja noch ein paar schöne Fotos machen. Es sind laut Navigationssystem 42 Kilometer. Als wir nach etwa 30 Kilometern in Boulder City eintreffen ist vor dem Ort ein gewaltiger Stau. Nach etwa 30 Minuten sind wir am Abzweig den wir laut Navi nehmen sollten. Aber da kriechen alle lang und da geht eigentlich gar nichts. Also werden wir einen gezielten Blick auf das Navi, wir können auch durch Boulder hindurchfahren und dann später auf den Highway zurück. Alles kein Problem, also los. Am Ortsausgang können wir dann den Lake Mead schon sehen und den langen Stau der sich bis zum Hoover Dam leider auch… Eigentlich geht da unten gar nichts, der Stau erscheint uns schier endlos. Wir schauen uns tief in die Augen, dann wende ich das Auto.

In Boulder finden wir ein kleines Café, dort gibt es für jeden einen großen Becher frisch gebrühten heißen Kaffee. Das tut gut, aber die Stimmung ist ziemlich im Keller. Das Wetter ist fies, draußen stürmt es und es ist kalt. Ich weiß immer noch nicht was ich die nächsten Tage unternehmen soll und Sandra ist frustriert, weil sie allein nach Hause fliegen muss. Als der Kaffee dann leer ist geht es wieder zurück in Richtung Las Vegas. Zwischendurch verpasse ich wieder einmal grandios eine Ausfahrt, trotz Navigationssystem! Die Ausfahren sind hier irgendwie anders als bei uns in Deutschland. Hier sind die Straßen oft 5 oder 6-spurig. Zwei Spuren biegen nach Osten ab, zwei nach Western, in der Mitte geht es geradeaus weiter – leider ist das nicht immer so. Ist man gerade ganz links und stellt dann fest, dass man eigentlich auf eine der rechten Spuren müsste, hat man oft ein Problem. Hier in den USA darf man links und rechts überholen wie man will. Gerade das ist für mich hier oft ein Problem. Grundsätzlich ist es ja ok, dass man Schleicher rechts überholen kann, aber wenn ich der Schleicher bin, dann ist es hochgradig verunsichernd wenn man über vier oder fünf Fahrspuren hinweg wechseln soll und da rechts lauter Autos und LKWs an einem vorbeiflitzen.

Im Zweifel bleibe ich dann lieber auf der Spur auf der ich bin und wende an der nächsten Ausfahrt. So auch heute mal wieder, anders wäre es ja auch langweilig :-)

Als wir am Flughafen ankommen ist es noch viel zu früh, nicht einmal 14h. Sandra hat am Vorabend beim Roulette 20$ auf Schwarz gesetzt und auch prompt verloren, das war ihr letztes Bargeld. Im Café habe ich ihr 5$ gegeben, mehr wollte sie nicht. Nun hat sie noch fast 5 Stunden bis der Flieger abhebt und sie hat nur 5$ in der Tasche. Als wir dann vor dem Terminal in der Pick-Up-Zone stehen, also da wo man nur kurz zum Ein- und Aussteigen halten darf, erscheint mir Sandra zutiefst gefrustet. “Und ich dachte Du kommst noch mit hinein?” Man sollte mehr mit einander sprechen, ich kann da nicht mit hineinkommen, auch wenn ich es wirklich gern würde. Es gibt noch einen Abschiedskuss und dann muss ich auch schon wieder los.

Im Rückspiegel sehe ich Sandra noch mit ihrem Gepäck im Terminal verschwinden. Wie es für sie jetzt wohl alles werden wir? Während ich so dahin grüble nehme ich wieder den falschen Weg. Statt links herum direkt zur Ausfahrt fahre ich zum Terminal 1 – da wo die “Domestic Flights” starten. Dort ist auf vier Fahrstreifen die Hölle los. Leute steigen ein und aus, überall Fußgänger, es geht da eigentlich gar nichts. Aber irgendwann ist auch das geschafft.

Mein Weg führt mich quer durch Las Vegas in Richtung Osten. Beim Casino “New York New York” biege ich links auf den “Strip” ab. Ich will nach Süden bis zum Highway 160 und dann in Richtung Death Valley fahren. Beim Kaffee haben wir noch kurz darüber gesprochen. In Death Valley regnet es eigentlich fast nie, warum nicht die beiden nächsten “Regentage” dort ohne Regen verbringen? Kurz bevor ich zum Highway 160 komme sehe ich auf der rechten Seite FRY’s – einen gewaltigen Techniksupermarkt – etwa doppelt so groß wie das was wir so als MediaMarkt kennen. Also rechts auf den Parkplatz. Doch ich bin wieder eine Auffahrt zu früh und muss über den ganzen riesigen Parkplatz, alle 20 Meter ist dort eine hübsch gelb gestrichene Bodenwelle. In eine langen Schlange schaukeln wir zu FRY’s. Plötzlich habe ich eine junge Frau mit gewaltigem Hinterteil direkt vor meinem Auto, wo kommt die denn her? Und wie sieht die denn aus? Während ich ungläubig auf ihren dicken Hintern starre, scheint sie meine Gedanken zu lesen und zeigt mir prompt den längsten Finger ihrer rechten Hand. Nicht alle Amerikaner sind immer nur freundlich!

Im FRY’s finde ich dann nicht wirklich etwas, ich bin irgendwie auch viel zu gefrustet von unserem dann doch so schnellen Abschied.

Ich finde eine 256GB SSD im externen Gehäuse mit USB 3.0 für 576$, die interne Version kostet genau so viel. Aber das kann ich auch in Deutschland kaufen. Dann ist da noch ein kleine 2,5″ Festplatte mit 1,5TB für 179$ – mit USB 3.0 und Firewire 800 – ach egal… Bei den Kameras kommt vielleicht die Nikon D7000 in Frage, aber warum? Ich habe die D300, die D2x und die P7000 dabei – ach ja – die F80 auch noch. Also verlasse ich den Laden und kaufe einfach gar nichts.

Etwa eine Stunde später bin ich dann in Pahrump – so wie vor fast genau drei Wochen. Im gleichen Supermarkt gehe ich ein wenig Einkaufen. Es gibt 24 kleine Flaschen Wasser, 8 Flachen Doctor Pepper, Kekse, Kräcker, Chips, Obst, was man so braucht. Bier habe ich natürlich vergessen, das bemerke ich aber erst an der Kasse, ach egal – ist sowieso ein blöder Tag und ich habe noch drei Corona im Kofferraum.

In der Schreibwarenecke kaufe ich mir noch zwei schöne große beschichtete weiße Pappkartons. Eigentlich sind sie zum Malen da! Aber ich werde sie später im Hotel verwenden um Staub-Referenzfotos mit der D2x und der D300 zu machen. Diese Dateien mit der Endung *.NDF kopiert man eigenfach zu den Bildern die man mit den gleichen “Staubkörnern” gemacht hat. Öffnet man dann die RAW-Bilder mit Nikon Capture, so erkennt das Programm diese NDF-Referenzdatei und retuschiert den Staub automatisch weg. Kein schlechtes Feature! Nur hatte ich die ganzen Tage nirgendwo eine ebenmäßige weiße Fläche die man für das Staubreferenzbild benötigt. Nun habe ich sie und sie hat nur 1,99$ gekostet!

An der Kasse werde ich wieder mal gefragt ob ich eine Kundenkarte habe. Habe ich nicht, ich komme aus Deutschland und bin hier nur auf der Durchreise. Die Verkäuferin ist toll, sie zückt ihre Karte und ich spare etliche Dollar. Die Mehrzahl der Menschen hier ist doch supernett!

Es geht weiter in Richtung Death Valley. Bei der Death Valley Junction gibt es das Amargosa Hotel. Ein uraltes Gebäude, das seit vielen Jahren mit dem Verfall kämpft. Aber es liegt recht günstig und via Internet habe ich gesehen, dass es dort Zimmer für etwa 70$ gibt. Bedenkt man, dass die erste Nacht direkt um die Ecke im Furnace Creek Resort 340$ plus Steuer ohne Internet und Frühstück gekostet hat, ist das fast ein Schnäppchen!

Als ich dort ankomme ist noch ein Zimmer mit zwei großen Betten für zwei Tage frei. Das Zimmer hat sogar eine Dusche und kostet 75$ pro Nacht plus Steuern. Ich willige ein. Es ist ein witziger Check-In. Der Chef hat eine Weile in Bitburg gelebt. “Bitte ein Bit” – “Over there you can get a Frühstück tomorrow in the morning.” Spontan fühle ich mich an den witzigen Sprachmix bei Jo und Caro auf Teneriffa erinnert.

Das Zimmer ist dann eher ernüchternd. Ok, aber ich muss hier nur schlafen. Dafür ist die Lobby ganz nett und gegen eine Spende von 15$ bekomme ich das Kennwort für das WLAN. Es ist nicht schnell, aber ich kann für Familie und Freunde meinen BLOG weiterführen. Also Leute, dieser Artikel kostet 7,50$ :-)

Bei meinem kleinen Rundgang durch die Lobby habe ich eben gelernt, dass dieses Hotel wirklich schon uralt ist und zu Zeiten gebaut wurde, als hier im Death Valley noch Borax abgebaut wurde. Es blickt auf eine sehr bewegte Vergangenheit zurück! Im Jahr 1967 hatte dann die Künstlerin Marta Becket hier eine Reifenpanne. Aus diesem unfreiwilligen Stop wurde eine viele Jahre währende Liebesbeziehung mit diesem Fleckchen Erde. Martha Becket hat hier gleich nebenan ein kleines Opernhaus gegründet und viele Jahre lang ein wenig Kunst an den trockensten und lebensfeindlichsten Ort der USA gebracht. Vor diesem Hintergund ist auch der Zustand der Zimmer ok :-)

Hier gibt es weitere Informationen zu diesem ganz witzigen Örtchen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Marta_Becket


Leaving Las Vegas

Gestern im Coco’s haben wir erst einmal unsere Uhren korrekt eingestellt. Ich weiss nicht warum, aber wir waren wieder eine Stunde zu spät. Die korrekte Uhrzeit ist heute gar nicht so verkehrt, denn Sandra muss heute leider zurück fliegen. Sobald ich meinen Trennungsschmerz verarbeitet habe, werde ich mal schauen was es die nächsten zwei Wochen hier für mich noch alles geben kann. Heute wird das nicht viel sein, denn heute soll es hier überall Regen geben. Gestern hat es sich ja schon mit einigen wenigen Regentropfen zwischen den Casinos angekündigt.

Wie geht es also weiter? Ich denke, ich fahre heute einfach mal ein ganzes Stück in Richtung Osten. Da will ich eh hin und so kann ich den stürmischen ungemütlichen Tag als Reisetag vielleicht ganz gut gebrauchen. Es könnte südlich am Grand Canyon entlang gehen, vielleicht mit einem Abstecher zum South Rim – bei Sturm und schweren Wolken sieht der Grand Canyon meist viel dramatischer aus als bei nettem Sonnenschein und langweilig blauem Himmel :-)

Ok, es geht los – ich werde berichten!


Las Vegas mit Nikon P7000

Nach dem Frühstück geht es mit dem riesigen Chevrolet Tahoe ab ins Gewimmel der Großstadt. Unser Ziel ist das erst vor einigen Wochen eröffnete Cosmopolitan. Dieses gewaltige Casino hat mehr als 4.000.000.000 $ gekostet, der größte Anteilseigner ist die Deutsche Bank – krass!

Wir finden Casino daneben sehr schnell einen Parkplatz. Das klappt im Allgemeinen hier immer sehr gut. Alle Casinos haben ihre eigenen gewaltigen Parkhäuser. Zu Fuß geht es dann in der “ersten Etage” von einem Casino in das Nächste. Im “Erdgeschoß” fahren in Las Vegas im wesentlichen die Autos. Damit man ungehindert von einem Casino in das Nächte schlendern kann gibt es hier irre viele Fußgängerbrücken.

Ich will endlich mal nicht nur schleppen und nehme einfach nur die kleine Nikon P7000 mit. Abends bin ich dann wirklich begeistert was das Ding für tolle Bilder liefert. Selbst die JPGs sind praktisch immer korrekt belichtet und auch bei langen Belichtungszeiten meist krachig scharf – genial das kleine Ding! Ok, bis der Zoom mal das gefunden hat was man möchte, das dauert ggf. ein wenig. Die Bildfolge ist nicht so rasend schnell wie bei der D2x oder der D300, aber immerhin, das Ding liefert wirklich schöne Fotos.

Aber seht selbst:

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Wenn man mit offenen Augen durch diese teilweise wirklich aufwändig gestalteten Casinos geht findet man immer wieder wirklich schöne abstrakte Motive.

Mittags sind wir ziemlich pflastermüde, es geht ins Coco’s – das kennen wir noch vom letzten Jahr und die haben leckeres Essen zu vernünftigen Preisen. Eine Stunde später sind wir dann im “Treasure Island” – ein echtes Piraten-Casino – nicht nur von außen ganz nett gemacht.

Wirklich witzig finde ich diese irre langen Limousinen. Manchmal wird hier sogar ein Hummer gestretcht – krasse Sache…

Gelegentlich steht auch mal was direkt vor dem Eiffelturm…

Als dann ein Sturm aufzieht und es kalt und ungemütlich wird machen wir uns wieder auf zum Motel. Hier ist die Tür des Seiteneinganges immer noch defekt und jeder der hier hinein und heraus geht lässt sie einfach zuknallen. Das ist wirklich nervtötend! Mal sehen was man da noch machen kann…

 


Exploring Las Vegas

Und wieder haben wir eine Nacht sehr schlecht geschlafen. Es ist aber gar nicht der Verkehrslärm, es ist eine seitliche Eingangstüre die direkt unter unserem Zimmer ist. Der Stopper hat keine Federspannung und wenn es ein wenig windig ist knallt diese Türe zu, dass einem Hören und Sehen vergeht. Man spürt die Vibrationen sogar wenn man im Bett liegt, grauenhaft. Da hilft es auch nicht schlecht zu hören, man kriegt einfach kein Auge zu. Dann ist direkt neben der Türe scheinbar auch eine beliebte Raucherecke. Und die extrem Süchtigen stehen da scheinbar auch nachts um unbekannten Göttern ihre kleinen Rauchopfer darzubieten.

Nach dem Frühstück versuche ich an der Rezeption zu erklären was mit der Türe los ist. Der Mitarbeiter des Hotels schaut es sich an. Wir können nicht umziehen, das Motel ist ausgebucht und ein Handwerker kommt frühestens am Montag. Er will mal versuchen ob er nicht ein wenig Schaumgummi auf den Türrahmen kleben kann, damit die Türe etwas leiser schließt. Während ich hier sitze und tippe habe ich das Gefühl, dass es vielleicht sogar schon erledigt ist.

Ok, wir werden heute ein wenig die Casinos anschauen die wir hier noch nicht kennen. Es wird also ein ruhiger Tage ohne viele Kilometer im Auto. Sandra ist gestern beim Elephant-Rock ziemlich fies umgeknickt – Wanderschuhe gehören nicht einzig in den Kofferraum – und kann daher heute keine weiten Strecken zurücklegen. Little Finland werde ich mir also in den nächsten Tagen mal allein anschauen.

Es ist jetzt Samstag 10:30 und schräg unter uns im Frühstücksraum scheint ein Prieser eine Show abzuziehen. Wir hören hier oben im Zimmer (selbst ich!!) laute Gospel-Musik gemischt mit den Geräuschen überdimensionierter V8 Motoren – das ist Amerika :-)

Also los…


Valley of Fire



Nach einer Nacht mit ziemlich viel Straßenlärm und wenig Schlaf geht es am morgen kurz hinunter in den Frühstücksraum. Das sieht alles zwar ganz ok aus, aber es ist doch etwas mager. Eigentlich gibt es nur Kaffee, Kuchen, Süßkrams, Waffeln, Kornflakes und O-Saft. Wir gehen auf die andere Straßenseite zu Denny’s. Dort gibt es Rührei, zwei kleine Würstchen, einen English-Muffin, Yoghurt und Obst.

Frisch gestärkt räume ich danach unseren Dodge Nitro aus, es kommt einfach alles in das Zimmer im Comfort Inn. Eine Stunde später sind wir in der Gilespie-Street am Car-Rental-Center. Ich parke erst einmal draußen bei den Kurzzeit-Parkplätzen. Bewaffnet mit Führerschein, Kreditkarte, Reisepass und Mietvertrag geht es zum Schalter von Alamo. Da ist eine lange Schlange und ich muss ziemlich schlucken als ich das sehe. Einer der Mitarbeiter bekommt das mit und als er den Mietvertrag in meiner Hand sieht fragt er sofort ob etwas nicht ok sei. Ich erzähle ihm, dass der Dodge ziemlich nach rechts zieht und dass die Reifen ab 65 Meilen kräftig anfangen zu rattern und dass wir das Auto deshalb gern tauschen würden. Ist alles kein Problem, ich soll zum Car-Exchange fahren.

Also geht es wieder hinaus zum Auto und hinein damit ins Car-Rental-Center. Nur einen Exchange-Place finden wir nirgendwo und schon sind wir auch wieder draußen. Also unternehmen wir den zweiten Anlauf! Nun fahre ich einfach mal zum “Car-Return” – also der Rückgabestelle. Das in der Hoffnung, dass ich da nicht wieder hinaus muss, denn das geht nicht, ohne dass alle Reifen des Autos aufgeschlitzt werden. So ist das hier, es gibt fiese Sägezähne im Betonboden die man nur in einer Richtung überfahren kann.

Am Car-Return von Alamo ist eine ganz nette Dame. Ich erkläre auch ihr was los ist und es ist alles gar kein Problem. Sie prüft kurz den Kilometerstand und gibt mir eine unterschriebene Quittung. Dann schickt sich mich los einen Typen zu suchen der eine Krawatte trägt und Ken heißt – so wieder Freund von Barbie. Nach einem kurzen witzigen Wortwechsel im Service-Point stehen wir dann vor Ken. Es ist ein schwarzer Typ, etwa 40, mit Krawatte und Signalweste drüber. Er ist ziemlich busy, telefoniert pausenlos. Ich erkläre ihm, dass wir unser Auto tauschen möchten, weil es einen Defekt hat. Er fragt mich was das denn für ein Auto ist. Ich übertreibe ein wenig und preise den Dodge als “Standard SUV with 4-Wheel-Drive and High-Clearance” an. (Allrad mit viele Bodenfreiheit) Er geht mit uns zur SUV-Ecke. Dort stehen sicher 20 Fahrzeuge herum, er will fragt ob ein Jeep Grand Cherokee für uns ok ist. Ich bin kurz davor breit zu grinsen, dann sehe ich, dass auf dem Kofferraumdeckel nichts von 4×4 steht. “Is it a four wheel drive??” Er schaut skeptisch unter das Auto – “No it isn’t, but it’s a really good car!” Ne ne ne, das will ich nicht, das Ding mag ja toll sein, aber damit komme ich weder zur Wave noch zum White Pocket oder anderen coolen Locations.

Ich sage ihm, dass ich wirklich gerne wieder einen 4×4 haben möchte (auch wenn der hässliche weiße Ziegelstein es ja gar nicht war). Er schaut sich um und sagt mir, dass er keinen einzigen SUV mit Allradantrieb da hat! Krass, lauter Geländewagen ohne Allrad, was soll den der Blödsinn?

Ich frage ob ich nicht warten kann bis jemand einen SUV mit Allrad zurück gibt und der aus der Reinigung kommt? “Let me see what I can do…” Ken telefoniert und geht weg. Da stehen wir nun, was jetzt? Den Dodge haben wir abgegeben und nun? Sekunden später kommt ein anderer Typ mit Alamo-Weste auf uns zu und fragt uns ob wir den SUV haben möchten? Ja ja ja, das wollen wir! Er zeigt auf einen echt großen weißen Wagen ganz hinten bei den Full-Size-SUVs. Der Schlüssel wäre hinter dem Tankdeckel, der hätte einen Allradantrieb und den könnten wir haben.

Super, ich bedanke mich ganz herzlich. Den Schlüssel finde ich sofort und er ist ganz nass. Das Auto war gerade eben noch in der Waschanlage – cool! Als ich die Türe öffne muss ich wirklich schlucken, es ist ein riesig großes Schlachtschiff, was für eine Kiste. Wir packen schnell die Sachen die wir in den Händen haben auf den Rücksitz und ich starte den Motor. Nur wo ist der Schalthebel? Hä? Kein Schalthebel, kein Knüppel für die Automatik?? Dann geht mir ein Licht auf, der Wählhebel für die Automatik ist rechts an der Lenksäule. Eine Handbremse gibt es auch nicht, die muss man mit dem linken Fuß betätigen. Einmal treten ist sie fest, noch einmal treten ist sie wieder los.

Die Kiste hat drei Sitzreihen, da passt eine ganze Großfamilie hinein. Wow! Der Motor blubbert als hätte er 8 Zylinder und 5 Liter Hubraum – hat er vielleicht sogar – ich werde das noch prüfen! Sandra grinst, ich sage nur “Noch sind wir damit nicht draußen!!!”

Als wir an dem kleinen Häuschen stehen in dem eine Alamo-Angestellte eine echt massive Schranke freigeben kann oder eben nicht wird mir ein wenig mulmig. Was wenn wir nun etliche hundert Dollar zuzahlen müssen? Aber es ist kein Problem, ich erkläre alles zum vierten Mal und wir bekommen einen neuen Mietvertrag. Ich soll einfach beide Verträge bei mir behalten und sie am 3. April bei der Rückgabe dieses Schlachtschiffes abgeben. Sie öffnet die Schranke und los geht der Spaß!

Wir haben einen Chevrolet Tahoe! Yeah! http://de.wikipedia.org/wiki/Chevrolet_Tahoe

In der Wikipedia lese ich gerade, dass die Allradversion dieses Vehikels einen 5,3 Liter V8 mit 320 PS hat – krass! Unser Tahoe ist also eine riesige große Karre die sowas von Co2 “unfriendly” ist wie man es sich nur denken kann.

Aber aus Oregon kommt er auch!

Nach einem kurzen Abstecher am Hotel geht es dann zum Valley of Fire. Der Tahoe läuft 80 Km/h bei 1500 Umdrehungen pro Minute – was für ein Motor! Ich mag gar nicht darüber nachdenken was sich diese Kiste dabei an Sprit reinzieht. 20 Liter auf 100 Kilometern?

Im Valley of Fire zahlen wir 10$ Eintritt – eigentlich dachte ich, dieser State Park wäre wegen der Finanzkrise geschlossen, aber davon ist keine Spur. Es sieht alles gut aus, sogar der Campingplatz ist zu 100% ausgebucht. Wir fahren bei tollem Sonnenschein und 70° Fahrenheit (21°C) durch den Park. Später als wir wieder aufbrechen sind es dann sogar 75° Fahrenheit (24°C).

Es entstehen wirklich viele Fotos und uns wird es in der Sonne ganz schön warm. Vergessen ist das Schneetreiben am Mono Lake vor zwei Tagen!

Um etwa 16h machen wir uns auf den Rückweg. Statt zurück zur Interstate 15 zu fahren, nehme ich die Straße nach Osten in Richtung Lake Mead. Die Landschaft hier ist grandios, nur die Straße hinab zum Lake Mead die wir uns ausgeguckt hatten ist geschlossen. Die nächste Straße auch, so ein Blödsinn – ständig ist hier alles geschlossen – entweder wegen Schnee oder wegen Willkür… Egal, wir brauchen keinen Sonnenuntergang am Lake Mead, es geht weiter nach Las Vegas. Der kleine Umweg ist etwa 100 Kilometer lang. Doch die Zeit vergeht wie im Flug, die Landschaft hält uns immer wieder in Atem. Hier mal mit einem Moped entlang düsen – genial!

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir von Osten nach Las Vegas herein. Wir kommen aus den Bergen und haben eine tolle Sicht über die gesamte Stadt. Es stehen ein paar Autos am Straßenrand und eine Reihe von Fotografen ist unterwegs auf einen der vielen Hügel.

Wir fahren weiter, denn wir haben Hunger! Sandra hat etwas von Pizza gelesen. Als wir dort sind, ist steht da nicht mehr Pizza sondern Plaza auf dem Schild – irgendjemand hat es während des Tages umlackiert. Pizza gibt es direkt neben unserem Hotel jedenfalls keine. Also gehen wir rüber zu Denny’s. Ich probiere mal den Fisch mit Pico de Gallo und Stampfkartoffeln mit Cheddar-Käse. Schmeckt wirklich gut!

Später im Hotel wir dann bei einem Corona kurz die Beute des Tages gesichtet, “gebloggt” und dann werden wir versuchen mal ne Runde zu schlafen.

Hier noch schnell eine Blick auf Sandras “Arbeitsplatz” hier neben mir im Comfort Inn…

Den Track des Tages habe ich ab der Ausfahrt von Interstate 15 bis zurück zum Hotel aufgezeichnet. So sieht das dann bei Google Earth aus:

Hier das Valley of Fire im Detail:

Hier habe ich die KML-Datei abgelegt - man kann sie herunterladen und dann mit Google Earth die Route virtuell abfliegen.


Viva Las Vegas



Gestern Abend habe ich noch via Internet und ZDF-Mediathek ein paar Video-Sequenzen zur Katastrophe in Japan anschauen können. Die Nacht war geprägt von Albträumen und einem schlechten Gewissen. Wir machen hier Urlaub und überlegen wo wir die schönsten Fotos machen können, während in Japan die Menschen ums Überleben kämpfen. Ab wir können hier nichts daran ändern und nur hoffen, dass auch diese Katastrophe bald überstanden ist.

Etwas zerknittert suche ich mir nach dem Wachwerden auf dem Handy via http://www.hrs.com ein Motel in Las Vegas aus. Das Comfort Inn im Norden von Las Vegas macht einen ganz guten Eindruck. Die Buchung klappt sogar via Handy – cool! Ich buche vom 17.3 – 20.3.2011 – also Fr, Sa, So. Die Preise ziehen zum Wochenende deutlich an: 69,99$ – 79,99$ – 99,99$ Damit ist es aber immer noch preiswert und es ist keine Holzhütte in der Sandra nachts die Termiten bei der Arbeit belauschen kann.

So, nun gibt es Frühstück und dann geht es los, bis später…

Update nach dem Frühstück:

Während des Frühstücks drüben bei Denny’s diskutieren wir unsere Rückreiseroute. Die Copilot-Software auf meinem Handy hat eine Route quer durch Death Valley über den Highway 190 vorgeschlagen. Diese Straße sind wir vor zwei Wochen in der anderen Richtung gefahren. Sie ist landschaftlich wirklich reizvoll, aber es gibt gefühlte 1.000.000 Kurven. Man kommt dort nicht wirklich gut vorwärts. Im Motel schaut Sandra dann mal auf ihre tolle Karte von Kalifornien. Wir könnten auch über Beatty fahren, dort haben wir ja schon ein paar Tage übernachtet. Diese Route hat weniger Kurven und wir müssen Zeit bis Las Vegas eigentlich nur absitzen :-) Ganz nett, einen Großteil dieser Route kennen wir noch nicht!

So wird es heute wahrscheinlich aussehen:

Update um 16h20

Wir sind angekommen! Hui, war das eine Tour, wirklich anstrengend, aber mitunter auch landschaftlich ganz reizvoll. Der schönste Teil der Tour ist rund um den Highway 168. Es geht über mehrere Pässe, wir durchqueren Hochebenen und fahren Kurven bis zum Abwinken. Da haben wir einmal mehr ein wirklich tolle Route für die ambitionierten Mopedfahrer dieser Welt gefunden. Es gibt auch wieder fast eine Stunde “Kurvenvideo” – aber das sollte man nicht einfach so wie es ist bei YouTube hoch laden, es sind viele hundert MB.

Hier habe ich noch ein paar Fotos des Tages.

Die Kameras müssen zu allererst ins Auto :-) Dann kommen die Koffer an die Reihe…

Ein letzter Blick den Gang hinunter, das Zimmermädchen ist schon unterwegs.

Ein letzter Blick und los geht die Reise…

Bereits kurz nach Bishop geht es wieder hinauf in die Berge. Ganz unten ist angeschlagen, dass eine Straße geschlossen ist. Wir hoffen mal, dass dies unsere Route nicht betrifft. Mit gemischten Gefühlen geht es weiter – aber wir werden Glück haben!

Krass sind die Straßenschilder, fast alle haben Einschusslöcher.

Kurz bevor wir unseren “Zielhighway” in Richtung Las Vegas erreichen, finden wir noch eine alte Goldmine. Eigentlich würde ich sie gern genauer unter die Lupe nehmen, aber wir haben noch wirklich viele Kilometer vor uns und es ist ungewiss, ob noch etwa dazwischen kommt. Also schnell eine Foto und dann weiter…

Unsere Route führt uns immer wieder hinauf in ein Gebirge, hinab und wieder hinauf. Als wir auf dem Highway 95 ankommen bin ich froh, dass es endlich nur noch geradeaus geht!

In Las Vegas sollen wir die Ausfahrt 76 nehmen, nur welche von Beiden? Es gibt 76A und 76B. Wir erwischen natürlich die falsche Ausfahrt und fahren nach Süden, statt nach Norden. Also bei der nächsten Gelegenheit runter und wieder rauf, ist gar nicht so einfach. Las Vegas ist eine echt große Stadt. Gegen 16h sind wir dann am Comfort Inn. Die Buchung via Handy und HRS hat gut funktioniert, ich zeige meinen Ausweis, meine Kreditkarte und sage meine Postleitzahl, schon haben wir ein Zimmer. Es hat wieder nur ein Bett und ist zur Straße raus. Mindestens einer von uns beiden ist ziemlich bedient, es macht jedenfalls den Eindruck :-) Aber ein Denny’s ist auf der anderen Straßenseite und ein Walmart gleich um die Ecke. Und da fahren wir jetzt mal hin :-)

Update um 19h30

Den Walmart haben wir gefunden und wir haben jetzt 10 (ursprünglich waren es mal 12) Flaschen Corona – hicks… Als wir in Walker ein Sixpack Corona gekauft haben, gab es an der Kasse eine kleine Diskussion. Ich hatte alle Einkäufe in eine große Papiertüte gepackt, das Sixpack Corona habe ich nicht hinein gestopft, aus Angst die Tüte würde reißen und es könnte eine Sauerei wie neulich in Fabians Küche geben. Aber “It’s the Law!” – Auch ein Sixpack muss hier vor den Augen Minderjähriger auf dem Weg zum Auto verborgen werden!! Also Tüte auspacken, Bier rein, alles ob drauf und dann ganz vorsichtig rüber zum Auto. Andere Länder, andere Sitten!

Hier in Las Vegas kaufen wir dann einen großen Pappkarton mit großem gelben Corona Aufdruck – hier sieht jeder sofort, dass da Bier drin ist – nämlich Corona! An der Kasse schiebt die Kassiererin mir das Bier dann ohne Tüte hinüber. Ob Nevada andere Bier-Regeln als Kalifornien hat? Egal, das Bier ist kalt und nach dem langen Tag im Auto zischt das richtig gut!

Hier habe ich noch unsere “Einflugschneise” nach Las Vegas samt des kleinen unfreiwilligen Umweges:


Mono Lake Reloaded

Diese Diashow benötigt JavaScript.








Nach einem ausgiebigen Frühstück bei Denny’s (wo sonst) setze ich Sandra am Einkaufszentrum ab. Sie will sich einen ruhigen Tag in Bishop machen, für einen Trip zu Mono Lake ist es ihr zu kalt. Am Einkaufszentrum kann ich schnell volltanken, wer weiß was heute auf mich wartet – besser ist das! Hier kann ich ausnahmsweise mal wieder problemlos mit der Kreditkarte direkt an der Zapfsäule bezahlen. Einfach kurz die Karte in den Kartenleser stecken, dann schnell herausziehen, kurz warten, die Sorte wählen und los geht es. Hier kostet die Gallone 4.159$. Gestern haben wir sogar für über 5$ getankt. Der Sprit ist hier im letzten Jahr wirklich sehr viel teurer geworden.

Es geht los, der Himmel im Norden sieht gar nicht gut aus. Und dieser Eindruck wird auch nicht trügen! Als ich etwa 90 Minuten später am Mono Lake eintreffe habe ich ein paar echt schwierige Kilometer hinter mir. Zwischendurch geht es durch krassen Schneematsch, später fährt ein Räumfahrzeug vor mir her. Es schneit wie verrückt, der See ist kaum zu sehen.

Ich fahre mal kurz hinter Lee Vining zum See hinunter, das Wasser ist kaum zu sehen. Also gibt es erst einmal ein kleines Video.

Ich muss mich noch korrigieren, der Mono Lake liegt 1946 Meter hoch. Wie dem auch sei, nach meinem kleinen Video fahre ich mal zum alten Friedhof – Mono Cemetery heißt das hier. Im Internet habe ich ein paar Fotos in tiefem Schnee gesehen die etwas besonderes hatten. Als ich dort eintreffe ist es aber alles nur nass und matschig. Der Schnee bleibt nicht liegen. Vorn links auf dem Friedhofsgelände liegt ein krasses “Werkzeug”. Es ist ein Art Schablone die sich der Totengräber zusammen geschweißt hat. Sie wird wohl verwendet, damit die Wände der Gräber während des Ausschachten nicht zusammen rutschen. Sogar eine kleine Treppe hat man dort hinein geschweißt. Ein krasses Ding…

Ich mache ein paar Fotos und rette mich schnell wieder ins warme Auto. Draußen sind es 0°C und es weht ein mörderischer Wind. Bei meiner Abreise in Bishop hatten wir noch etwa 17°C, unterwegs zeigte das Thermometer kurzzeitig -3°C!! Wenn man bedenkt, dass wir vorgestern bei 25°C angekommen sind, das ist schon krass. Und wieder bestätigt sich, dass es in dieser Jahreszeit eigentlich keine Kleidungsempfehlung geben kann ausser “Was für warm und was für kalt!”

Auf dem Rückweg vom Friedhof lässt der Schneesturm dann auf wundersame Art und Weise nach. Ich fahre noch einmal zum See hinunter. Nun kann ich sogar ein paar Fotos machen. Man sieht zwar den Horizont nicht, aber irgendwie hat dieses verschneite Uferlandschaft ihre ganz eigenen Reiz. Beim Versuch mit den den “Tufas” zu nähern rutsche ich immer wieder aus, der gesamte Uferbereich ist völlig aufgeweicht. Die Schuhe sind nach ein paar Metern nass und voller Matsch, ich gebe auf…

Eine Weile später bin ich am südlichen Zipfel des Sees. Hier sind die Tufas sowieso viel schöner. Und ich kann auch ein paar Fotos machen.

Nachmittags um 3h fahre ich noch kurz rüber zum Marina Beach. Danach bin ich so durchgefroren, dass ich mich auf den Rückweg mache. Oben an der Straße zeigt mir das Navi, dass diese Straße mit der Nummer 120 im Osten auf den Highway 6 rifft, das wäre vielleicht ein schöner Rundweg, mal eine andere Strecke. Es geht los, aber bereits nach ein paar hundert Metern ist auch diese Straße geschlossen. Ich kehre um und fahre mal in Richtung June Lake.

Dort angekommen bin ich überrascht wie viele Motels es hier gibt und dass sie sogar geöffnet haben. Es sieht so aus, als würden hier eine Menge Leute zum Fischen hinkommen. Auf dem Navi kann ich drei Seen sehen, gut gelaunt geht es vom June Lake in Richtung Silverlake. Doch auch diese Straße ist dann irgendwann gesperrt. Es ist frustrierend, wir sind hier in Nevada definitiv 2-3 Monate zu früh.

Nach einem kleinen Schlenker mache ich mich dann auf den Rückweg nach Bishop. Dort treffe ich etwa um 17h ein. Es wird langsam dunkel. Und die Entscheidung zurück zu fahren war sicher nicht verkehrt, denn einen schönen Abendhimmel gibt es heute nicht, es wird einfach dunkel.

Trotzdem war Tag sehr schön, es muss ja auch mal regnen. Eigentlich wollten wir hier noch einen Tag verlängern, aber so wie es aussieht, werden wir morgen weiter in Richtung Las Vegas fahren. Mal sehen wo wir Halt machen, vielleicht noch einen Tag in Death Valley?

Und noch die Trackanalyse…

Hier habe ich die KML-Datei des Tages abgelegt. Einfach den Link hier anklicken, die Datei herunterladen und dann mit Google Earth öffnen.


Mono Lake

Nach der Ankunft in Bishop packen wir erst einmal unsere Sachen aus. Kurz bloggen, damit die daheim gebliebenen Bescheid wissen und sich keine Sorgen machen müssen. Danach stopfen wir ein paar unserer Anziehsachen in die beiden Waschmaschinen der Guest Laundry. Anschließend geht es rüber zu Denny’s. Ich ordere ein Club Sandwich. Es ist gut, aber nicht so gut wie im Heiliggeist in Mainz! Irgendwie habe ich so recht auch gar keinen Hunger, die verbliebene Hälfte lasse ich mir einpacken. Das ist hier durchaus üblich und so habe ich ggf. später am Mono Lake noch etwas zu Essen dabei. Allerdings werde ich dort so im Fotofieber sein, dass ich das halbe Sandwich wieder mit zurück bringen werde – aber wer weiß das denn schon im Voraus?

Nachdem wir bezahlt haben und Sandra sich verabschiedet hat, geht es wieder ungefähr 100 Kilometer zurück zum Mono Lake. Sandra geht derweil shoppen und erkundet Bishop.

Der Weg zum Mono Lake ist auch in der Gegenrichtung einfach atemberaubend. Diesmal sind die verschneiten hohen Berge links neben mir, rechts ist die Wüste, ein abwechslungsreiches Land :-)

Hier habe ich ein paar Fotos die ich heute mit der Nikon D300 und der Nikon D2x gemacht habe. An der D300 war das 70-200mm Telezoom und später das Tokina 12-24mm Weitwinkel. An der D2x war die meiste Zeit das 2.8/17-55mm samt B&W Polfilter.

Hier ein paar Fotos die zwischen Mono Lake und Bishop entstanden sind.

Nach etwa einer Stunde komme ich dann am Mono Lake an. Die letzten paar Kilometer geht es auf gut befahrbaren Schotterpisten voran. Einen Allrad-Antrieb braucht man hier nicht, ich komme mit unserem hässlichen weißen Dodge ganz gut vorwärts. Ich fahre erst einmal zum westlichen Ufer des Sees. Dort muss aber ein kleiner Bach überquert werden, kurz vorher steht auf einem Schild “Flooded”. 100 Meter später sehe ich den Salat. Da will ich mit dem Dodge nicht stecken bleiben, also zurück zum südlichen Zipfel des Sees. Nach etwa 10 Minuten bin ich dann an einem gut ausgebauten Parkplatz. Es gibt Toilettenhäuschen, einen Info-Stand, Picknick-Tische und eine Säule mit Permits für die ganz ganz braven Besucher. Ich bin heute mal nicht brav und spare mit die paar Dollar.

Das ist mein erstes “Übersichtsbild”, es ist mit der D2x am Parkplatz entstanden. Ich habe mich dazu auf einen der Picknick-Tische gestellt.

Hier habe ich eine schöne abstrakte Spielerei die mit der D300 und dem 70-200 bei 200mm Brennweite entstanden ist.

Nach den ersten Testbildern geht es bepackt mit vier Kameras hinunter an den See. Dabei habe ich die D300 samt 70-200mm Telezoom, die D2x mit 17-55mm Weitwinkelzoom, die F80 mit einem Fuji Velvia 50 und die neue Nikon P7000, mit der ich ein paar kleine Filmsequenzen aufzeichnen möchte.

Nach einer halben Stunden kommt ein nettes Pärchen dazu. Sie knipsen mit Canon Kameras und benutzen diverse bunte Cokin-Filter. Jeder Jeck ist anders… Ich bin etwa drei Stunden beschäftigt. Dann ist die Sonne in den Wolken über den hohen Bergen völlig unspektakulär verschwunden. Ich mache mich auf den Rückweg. Nun ein paar Bilder aus D2x und D300 in gemischter nicht chronologischer Folge.

Bei meiner Abfahrt in Bishop hat das Thermometer 23°C angezeigt, bei der Ankunft am Mono Lake dann 13°C, jetzt wo die Sonne weg ist sind es nur noch bitterkalte 3°C. Und es ist höllisch windig, scharfe Bilder sich auch mit Stativ kaum noch zu realisieren. Gut, dass ich ein paar warme Jacken dabei habe!

Der Rückweg nach Bishop geht wie im Flug, aber es ist sehr windig und es weht mich ein paar mal fast von der Straße. Höllisch stürmisch kann das hier werden. Und die Polizisten stehen hinter allen Sträuchern. Auf dem Rück weg sehe ich DREI Polizeiautos die sich den Verkehr anschauen! Man sollte sich hier an die 65 Meilen pro Stunde (mph) halten!

Im Motel ist Sandra dann schon da. Sie hat gute Laune, war den ganzen Tag unterwegs. Ich kopieren meine “Beute” auf die externe Festplatte und bin danach sehr gespannt wie die Bilder so geworden sind.

Bereits die drei ersten Fotos aus der genialen kleinen Nikon P7000 gefallen mir richtig gut, aber sehr selbst. Einfach mal die Bilder anklicken, dann sieht man sie in der 1000 Pixel breiten Auflösung.

Hier sind alle Bilder zusammen als Diashow:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Hier habe ich noch den Track des Tages in der Google-Earth Ansicht.

Wer mag, kann sich den Track des Tages auch hier herunterladen und dann mit Google-Earth die Route virtuell abfliegen.


Walker to Bishop

Sandra weckt mich um 8h30, sie hat Hunger und ist schon eine Weile wach. Also schnell anziehen und dann mal schauen wo wir ein Frühstück bekommen. Doch das wird sofort eine Fehlanzeige! Frühstück gibt es in Walker heute nicht, nirgendwo!! Also entschließen wir uns es mit dem Frühstück und Mono Village zu versuchen, das sind etwa 100 Kilometer. Der Weg dorthin ist einfach nur famos. Um uns herum verschneite Berge, kleine Bäche, ein toller Wolkenhimmel, einfach nur schön!

Zwischen durch bedrängt uns eine rote Limousine. Als es dann zweispurig wird kann er endlich überholen. Wir fahren 65 mph, mehr ist nicht erlaubt. Das rote Auto wird am Horizont schnell kleiner. Statt zu rasen genießen wir die Landschaft und tuckern brav mit 65 mph dahin. Ein paar Minuten später sehen wir den roten Blitz dann am Straßenrand stehen, dahinter ein Auto der Highway Patrol, der Beamte steigt gerade aus. Uns wirft er nur einen sehr prüfenden Blick zu, dann wendet er sich dem eiligen Autofahrer zu. Das wird teuer!

Als wir in Mono Village ankommen müssen wir feststellen, dass es dort einfach gar nichts außer ein paar Wohnhäusern gibt. Wir fahren weiter und hoffen auf eine kleines Restaurant. Der nächste “Ort” ist nur ein paar Minuten entfernt. Der Blick auf den Mono Lake ist hier famos, aber es hat auch hier einfach alles geschlossen! Der kleine General Store ist offen, dort gibt es Kaffee und belegte Brötchen, das ist doch was!

Draußen ist es windig und etwa 11°C kalt, wir bleiben im Auto und frühstücken mit Blick auf den See, auch nicht übel. Danach versuchen wir es mit einem Motel, das etwa 8 Kilometer weiter westlich des Highway 395 liegt. Aber bereits 100 Meter nach dem Abbiegen in die Zufahrtsstraße ist auch diese wieder geschlossen. Also befragen wir das Navigationssystem, wo es das nächste Motel gibt. In Bishop scheint es was zu geben und das sind auch nur etwa 100 Kilometer. Also los, die Straße ist wieder grandios! Wir kommen uns vor wie im Skiurlaub in den Alpen – wenn wir nach rechts schauen! Schauen wir nach links sind wir in der Wüste, wirklich cool!

Als wir in Bishop eintreffen sehen wir auf der rechten Seite ein Best Western. Es gibt ein ruhiges Zimmer mit WLAN, Kühlschrank, Mikrowelle und zwei Betten. Es kostet 104$ plus Steuern pro Nacht. Ich buche erst einmal zwei Nächte, aber wir werden wohl verlängern. Zu schön ist es hier. In Bishop gibt es alles was man braucht und ich kann zum Fotografieren an den Mono Lake und die anderen Seen fahren. Die nette Dame bei der Rezeption erzählt uns, dass es in diesem Jahr besonders viel Schnee gibt und dass er sich mit großer Sicherheit bis Juni halten wird!

Derweil kann Sandra es sich am Pool gemütlich machen. Draußen scheint die Sonne, es sind hier warme 22°C, die Sonne scheint, hier ist “Deutscher Hochsommer” – ich mache mich gleich wieder auf in den Winterurlaub. Das ist das was ich hier so liebe, das Land ist riesig, es ist vielfältig und die Menschen sind egal wo bislang zu uns immer wunderbar freundlich.

Hier habe ich einen Google-Streetview – wer sich um 180° dreht sieht, dass unser liebstes Frühstücksrestaurant genau auf der anderen Straßenseite liegt – wunderbar!!


Virginia City

Am Morgen gibt es ein Frühstück im Diner auf der anderen Straßenseite. Wir sind die einzigen Gäste! Der Wirt und seine Frau kümmern sich rührend um uns. Sie wollen wissen woher wir kommen, warum wir hier sind, einfach alles. Während sie das Frühstück zubereitet quatsche ich die ganze Zeit mit ihrem Mann an der Bar.

Beide sind sich einig, wenn Bodie wegen des Schnees nicht erreichbar ist, dann sollten wir nach Virginia City fahren. Das Frühstück kostet etwa 18 Dollar und es gibt im Anschluss noch eine paar schöne Kunstdrucke von Bodie zu sehen. Alle fix und fertig im Passepartout. Die Preise liegen bei 80$ für ein Format von etwa 40x60cm. Zu Abschied bekommen wir noch den Tipp mit auf den Weg, doch eine kleine Rundreise zu machen und auf dem Rückweg die SR95 zu fahren.

Wir packen kurz unsere Sachen zusammen und los geht es. In Carson City Valley halten wir bei einer Bank an. Unser Bargeld ist fast aufgebraucht. Ich haben in den ersten beiden Wochen schon fast 1300$ ausgegeben. Wirklich gekauft habe ich nichts, alle Tankfüllungen und alle Übernachtungen habe ich mir der Kreditkarte bezahlt. Aber Frühstück, Abendessen, Eintritt hier und da, es kommt doch mehr zusammen als man denkt! Ich kann meine Kreditkarte mit 500$ belasten, kein Problem. Sandra tauscht ihre Travellerschecks gegen Bargeld ein. Ganz witzig sind die Reaktionen der Angestellten auf unsere deutschen Personalausweise. “This is a valid german passport!” Sie schaut ein wenig ungläubig aber dann akzeptiert sie ihn.

Es geht weiter in Richtung Carson City. Wir biegen wir nach Nord-Osten ab und fahren hinauf in die Berge. Es geht hoch bis auf etwa 1500 Meter, dann sind wir in Virginia City. Einst ein blühende Metropole zur Zeit des großen Goldrausches, heute ein wenig so wie Phantasialand in Köln Brühl. In den vielen leicht alten Holzhäusern sind Casinos, Geschäfte, Restaurants, diese Stadt lebt und trotz dem Verfall. Positiv mag sein, dass sie einfacher zu erreichen ist und näher an der nächsten größeren Stadt gelegen ist. Wen man bedenkt, dass Bodie im März noch nicht erreichbar ist, was würde man dort von November bis Mai machen? Das Bodie eine Geisterstadt werden würde, war meiner Meinung nach bereits bei der Gründung vorprogrammiert. Auf dem Weg nach Virginia finden wir dann dieses Schmuckstück :-)

Hier sieht man sehr schön, dass es kräftig bergauf geht und Virginia City schon recht hoch im Gebirge gelegen ist.

Am Ortseingang scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wunderbar die Erdtöne, alles leuchtet in goldenem Gelb. Hier kann man sich sehr bildhaft vorstellen, dass es hier mal Gold gegeben haben muss.

In Virginia besuchen wir ein kleines Museum. Es gibt viele Fotos der Minenarbeiter und man bekommt einen guten Einblick in das harte Leben der Menschen hier vor über 150 Jahren. Morgens beim Frühstück haben wir erfahren, dass in Bodie viele Kinder während der langen harten Winter erfroren sind und dass der Friedhof oben in den Bergen ein ganz besonderer Ort sei. In Virginia verschlägt es uns in ein altes Hotel. Der Hauch der Geschichte ist dort noch spürbar. Wenngleich ich denke, dass es damals keine Teppiche gab. Auch sehen die bronze-farbenen Platten der Deckenverkleidung aus wie farbiges Styropor, aber der Gesamteindruck ist durchaus schlüssig.

Nach ein paar Stunden geht es weiter in Richtung Süd-Osten auf den alten Highway 95. Die Landschaft ist typisch für Nevada, um uns herum sind spärlich bewachsene Hügel und an allen Himmelsrichtungen sehen wir verschneite Gebirgsketten. Besonders krass sehen die Berge aus die wir gestern überquert haben. Heute möchte ich dort nicht sein. Mehrmals kommen uns Schneeräumfahrzeuge entgegen. Ob man heute dort oben vielleicht Schneeketten braucht?

Dann ist auf der rechten Seite ein herrlich vergessenes Autokino. Ich halte an und mache ein paar Fotos. Plötzlich reißet die schwere Wolkendecke auf und für einige wenige Augenblicke scheint mir die Sonne ins Gesicht. Ich bin wie elektrisiert und schieße eine Bild nach dem Anderen. Dieser Ort hat für mich etwas magisches.

Auf dem Rück weg halten wir an einem kleinen Generalstore und kaufen uns noch etwa für den Abend. Einige Meter weiter spiegelt sich dann der schwere blaue Gewitterhimmel in diesem wunderbaren See. Ich springe noch einmal aus dem Auto, auch wenn Sandra inzwischen genervt ist und innerlich nur noch mit dem Kopf schüttelt. Die Bilder sehen auf dem Kameradisplay schon gut aus, ich bin gespannt was sie später auf dem Mac hermachen.

Es geht weiter in Richtung Walker. Wir müssen wieder die Grenze von Nevada nach Kalifornien überqueren. Die Polizistin mit den langen lockigen blonden Haaren des Vorabends hat auch heute Dienst. Sie erkennt uns wieder uns winkt uns freundlich zu. Wir sind in Kalifornien. Dann sehen wir am Straßenrand ein großes Rudel mausgrauer Rehe. Eigentlich sieht Sandra sie, sie ist irgendwie darauf geeicht Rehe zu entdecken. Ich hätte sie nicht gesehen, es geht auf die Bremse, Seitenfenster hinunter und gaaaanz langsam rückwärts. Die Rehe schauen nur aufmerksam zu uns hinüber, aber so lange wir nicht aussteigen laufen sie auch nicht weg. Sandra macht ein Bild nach dem Anderen, ich sitze auf der falschen Seite und habe auch keine Kamera griffbereit, schade.

Mit hereinbrechender Dunkelheit treffen wir beim Andruss Motel in Walker ein. Dieses Motel ist wirklich eine kleine Perle und ich verstehe gut, warum die Menschen die dieses Motel im Internet bewertet haben alle 5 Sterne gegeben haben. Es ist einfach schön hier. Die Zimmer sind sauber und gemütlich, es gibt ein praktisch lautlose Gasheizung, einen nicht ratternden Kühlschrank, eine Mikrowelle, Fernsehen mit 500 Kanälen und zwei schöne große Betten. Herz was willst Du mehr?

Morgen wollen wir die rund 100 Kilometer in Richtung Süden zum Monolake. Dort werde ich mal schauen ob wir nicht ein ähnlich nettes Motel finden. Da werden wir dann wohl zwei Tage bleiben. Der Monolake hat viele Facetten und ein Tag ist für die wirklich schönen Fotos sicher viel zu wenig.

Heute ist Montag, Sandra muss am Sonntag in Las Vegas ihre Rückreise antreten, wir haben also noch ein paar Tage.

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen wir machen es vielleicht so:

- Dienstag & Mittwoch: Monolake

- Donnerstag & Freitag: Death Valley – Reloaded

- Samstag & Sonntag: Las Vegas 2011

Klingt das nach einem Plan? Na, ich denke schon :-)

Leider klappt es hier im Motel mit dem Internetzugang via Satellit nicht so recht. Bis heute morgen ging es noch, dann ist es irgendwie ausgefallen. Daher kann ich nur “offline” bloggen und muss diesen kleinen Artikel noch ein wenig aufheben. Ich bin gespannt wann wir wieder einen Zugang zum Internet finden…

Update um 22h30

Nun scheint es wieder zu klappen mit dem Internet…


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