Home Sweet Home – Oder: Deutschland ist auch schön!

Kaum bin ich mit meinem Extremeblogging auf dem wunderschönen Teppichboden am Flughafen in Las Vegas durch, da wird auch schon der Schalter am Gate 6 geöffnet. Kurz drauf bin ich im Flieger auf Platz 8D neben einem sehr netten Ehepaar aus Idstein. Der Flug startet pünktlich, als es etwas zu trinken gibt ordere ich mir zwei Gläser Weißwein. “Wollen Sie schlafen?” Ja, das will ich und es klappt eine Weile auch ganz gut. Doch der Flug ist echt lang und anstrengend. Um 16h deutscher Zeit sind wir dann alle wieder in Frankfurt. Kurz bei den Koffern noch ein paar Visitenkarten austauschen, dann voll bepackt zum Taxi. Nach einem kurzen Wortwechsel der an das Hupen des hinteren Taxis mit den Worten anschließt: “Ehh, Du bist ja voll Banane eh, sowas von Banane Du bist…”, saust der Taxifahrer dann auch schon mit Lichtgeschwindigkeit über die Deutsche Autobahn. Ich bin es nicht mehr gewohnt und bei Tempo 200 wird mir fast Angst und Bange. Aber er hat alles im Griff und erzählt mir von seinem letzten Familienurlaub. In den Staaten war er auch noch nie. Ich lobe es über den grünen Klee – vielleicht wirkt es ja.

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Die Fahrt nach Mainz kostet 43 Euro. Ich habe wieder deutschen Boden unter den Füßen! Gleich heißt es erst einmal etwas wirklich leckeres zu Essen zu organisieren. Endlich wieder RICHTIGES ESSEN 🙂 Vielleicht ein Steak im El Chico? Dazu ein Ofenkartoffel und ein Glas kaltes Bier? Hey klingt das nach einem Plan?

Danach Koffer auspacken und alles für den ersten Arbeitstag zurechtlegen. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei – das sangen schon die Toten Hosen.

Lessons Learned:

  • Zuviel Gepäck: Ich habe gestern beim Kofferpacken etliche unbenutzte Kleidungsstücke gefunden!
  • Mindestens eine Kamera zu viel – die schwere F5 fast unbenutzt. Die F100 tut’s auch.
  • Dias sind ja nett, aber alles doppelt zu knipsen ist aufwändig. Man kann von digitalen Bildern auch Dias ausbelichten lassen. Das spart ggf. Gewicht und macht manches leichter.
  • Einbeinstativ: Fast unbenutzt
  • Teures neues Carbonstativ: Fast unbenutzt
  • Die vielen Objektive sind nicht wirklich nötig. Praktisch unbenutzt: 2.8/24mm, 2.8/20, Lensbaby II
  • Wer Platz und Gewicht sparen will beschränkt sich vielleicht auf ein gutes Weitwinkel: Tokina 11-16 oder 12-24 und ggf. Nikon 18-200 VR – das ist für die meisten Wanderungen schon schwer genug!
  • Ein Ladegerät für Mignon-Akkus reicht aus!
  • Zahnpasta und den ganzen Krams kann man überall kaufen – das Gewicht kann man sparen
  • Das zweite Paar Trekkingschuhe hat nur rumgestanden – kann man sich sparen, im Zweifel kauft man sich ein paar billige Turnschuhe für die Zeit
  • Wissen ist Macht – nichts wissen macht nichts – Je besser die Vorbereitung desto ungefährlicher sind die Wanderungen!
  • Beim Mieten des Autos darauf achten, dass ein “Temporary Permit” nicht mitten im Urlaub ausläuft, dann muss man auch keinen Stress mit der Polizei fürchten…
  • 15 Meilen zu viel kosten 107 Dollar! Man sollte sich genau an die Speedlimits halten. Die Wege sind weit und monoton. Die Sheriffs stehen immer da wenn man gerade nicht an sie denkt. Tickets verteilen sie gern, einige in Mesquite bis zu 6 Tickets pro Stunde!
  • Don’t drink and drive! Da verstehen sie keinen Spaß!
  • Rundflüge kann man schlecht planen und sollte man morgens bei gutem Wetter machen. Sonst wird einem vielleicht total übel und das was danach kommt kostet gegebenenfalls 25 Dollar!
  • Im Winter ist es in der Wüste kalt, in den meisten Motels ebenfalls, Schlafanzüge sind uncool aber nützlich.
  • Ein “Free Continental Breakfast” bezieht sich auf die französische Variante von Kaffee und Croissant! Hier modifiziert zu Donuts und Kaffe aus Styroporbechern! Kann man sich sparen!
  • Die zusätzlichen Versicherungen beim Autovermieter gegen Reifenschaden & Co. kann man sich sparen! Wichtig sind nur die Haftpflicht und die (Voll-)Kasko!
  • Amerikanische Steckdosen ist fast überall eine echt wacklige Angelegenheit!
  • Einen Fön gibt es nicht überall, man kann ihn aber für 10 Dollar kaufen.
  • Einen Fön wirft man nicht in die gefüllte Badewanne!
  • Wüsten sind eine staubige Angelegenheit! Objektive wechselt man am besten im Auto oder im Hotel! Wenn es schon mehrere unterschiedliche schwere Objektive sein müssen, dann am besten auch mit bspw. zwei Bodies.
  • Die Kombination aus D300 mit 2.8/17-55 und F100 mit 2.8/70-200 ist nicht verkehrt. Alternativ zwei digitale Bodies oder eben das “Deppenzoom” (Wortschöpfung: Woici – fotocommunity)
  • Die Batterien der D300 halten fast immer den ganzen Tag durch. Das Batteriepack ist auf langen Wanderungen überflüssig. Lieber statt dessen ein GPS und WASSER mit nehmen!

Und, last but not least:

  • Wenn man am Flughafen schon teure Features über Annie Leibowitz kauft, sollte man sie nicht im Flieger liegen lassen…
  • Ahornsirup ist echt klebrig!

So, der Urlaub ist jetzt rum, er war viel zu kurz! Trotzdem freue ich mich nun auf meine Lieben daheim in Wachtberg und Bonn.

Abreise – Oder: Please exit for all domestic flights

Gut ausgeruht werde ich um 7h wach. Es ist total praktisch, dass man auch bei diesem Motel das Auto direkt vor der Türe parken kann. Abends habe ich noch alles ins Zimmer geholt, das Auto ist jetzt leer und das Zimmer ein Schlachtfeld! Nach dem Duschen brauche ich ganze zwei Stunden um alles so zu verpacken, das beide Koffer ähnlich schwer erscheinen. Wolfgang hat mir geraten gut darauf zu achten! Die Gewerkschaften haben durch gesetzt, dass die Flughafenarbeiter in den USA keine Koffer heben dürfen die mehr als 23 KG wiegen! Nach einigem hin und her muss eine Wasserflasche draußen bleiben, ich hänge sie an den Rucksack. Dieser ist seit Beginn der Reise übersät mit griffigen großen Karabinerhaken. Die sind total praktisch, was ich da schon alles drangehängt habe! Nun hängt da die SIGG, die Goretex Wanderjacke, die Windstopper-Weste, der graue Pulli mit dem Reißverschluss. Handgepäck ist das eigentlich keines mehr 🙂 Sieht aber wichtig aus!

Die Notebook-Tasche ist fast doppelt so dick wie bei der Anreise. Es sind die ganzen Broschüren drin, ein paar Hefte, dünne Fotobücher. Aber sie geht noch zu!

Um 10h ist alles verstaut und es kann losgehen. Aber mein BLOG ist noch nicht online, also suche ich nach einem WLAN. Vor der Tankstelle gegenüber habe ich Empfang. Ich kann kurz in die Mails schauen, aber das Hochladen des BLOGs dauert elendig lang und schlägt dreimal fehl. Also gebe ich um 11h auf – Extremeblogging….

Es geht nach Las Vegas! Das Wetter ist toll, die Autobahn ist frei es geht gut vorwärts. Langweilig ist die Fahrt! Dann ein Warnschild – “Dust Hazard Ahead” – Prima jetzt einen Sandsturm, das passt gut zum Heimflug… Ein paar Kilometer später ist wirklich ein kleiner Sandsturm. Aber der ist bald vorbei und ich wundere mich sehr wie es kommt, dass er sich auf so kleinem Gebiet abgespielt hat.

Kurz vorm Flughafen dann Stau. Las Vegas die die am schnellsten wachsende Stadt in Nevada. Der Intersate ist eine Dauerbaustelle. Überall um mich herum stehen Baukräne, man sieht die Skelette neuer Kasinos. Hier geht echt was ab. Der Stau ist halbwegs harmlos und ich kann ein wenig die protzigen Kasinos filmen. Die Car Rental Station ist leicht zu finden. Es ist alles toll ausgeschildert, man darf nur die Abfahrt 34 nicht verpassen! Die Abgabestelle für Alamo Autos finde ich auch sofort, alle ist sehr übersichtlich. Kaum habe ich angehalten steht auch schon jemand mit einem Barcodescanner vor mir und zielt auf die Windschutzscheibe, Sekunden später habe ich eine Rückgabequittung in der Hand – das ist Routine! Ich erkläre kurz, dass das Auto ok ist und ich wirklich gar nichts beschädigt habe! Er ist total nett und erzählt, dass er das gleiche Auto hat und dass er es liebt! Wir verstehen uns, es gibt ein Schwätzchen. Er kommt aus Brasilien und lobt mein gutes Englisch. Mir ist das fast peinlich – aber wenn es aus dem Bauch kommt und unüberlegt ist, dann ist es nach den vielen Smalltalk-Situationen inzwischen vielleicht doch ganz gut.

Dann alles zusammenschnallen, den Rest Waschmittel, die Kekse und was noch übrig ist lasse ich einfach im Auto. Das ist schon ok so – sagt er! Es braucht ohnehin eine Grundreinigung.

Dann zum Shuttlebus. Der ist leicht zu finden, ich laufe einfach den anderen hinterher. Bei uns Deutschen funktioniert das immer ganz gut, wenn wir einen Führer haben können wir das Hirn abschalten und tun einfach das was alle tun. Klappt auch prima – kurz drauf sitze ich im Bus. Der Fahrer ist ein schwarzer Bär von einem Mann. Kurze graue Haare im Gesicht und auf dem Kopf, eine ultracoole Sonnenbrille auf der Nase. Die Schultern so breit wie ein Kleiderschrank, die Stimme fast so tief wie bei Ivan Rebrov. Ein cooler Typ. Er hievt mit Schwung alle Koffer in den Bus, dann geht es los. Er stellt coole Musik an, nimmt das Mikro und wird zum Entertainer. Wir erfahren, dass es in Las Vegas den besten Jazz der Welt gibt! Dann fragt er wer denn alles am Strip war? Einige zeigen brav auf. Dann die Frage ob wir denn auch wissen was der Strip ist? Alle überlegen, dann sagt jemand “Business!” Ok, das ist es auch, aber das meint er nicht. Es traut sich keiner mehr, eine Situation wie beim Abfragen der Hausaufgaben in der 4. Klasse. Dann die Lösung, der Strip ist ein Touristenfalle! Will man dort ein Bier zahlt man 10 Dollar. Da wo er hin geht kriegt er für 10 Dollar fünf Gläser Bier 🙂 Die Stimmung ist ausgelassen, kurz drauf kommen wir am Terminal an.

“Please exit here for all domestic flights!” – Domestic flights, das sind Inlandsflüge!!! Bin ich falsch?? Ich bleibe bis zum Schluss im Bus und frage dann, ob er weiter zum Terminal 2 fährt. Auf dem Hinweg hatten wir einen Zwischenstopp! Wenn ich mich recht entsinne… Nein das geht leider nicht, aber er zeigt mir den Weg. Nicht so richtig aber grob. Ich wandere los, mit zwei Koffern, dem riesigen Fotorucksack, der Wasserflasche und den Jacken dran, der Laptoptasche… Es ist warm, das Klima erinnert mich an Teneriffa oder Gran Canaria. Am Ende des gegenüberliegenden Gebäudes kehre ich kurz ein in der Hoffnung, dass es einen Verbindungsgang gibt. Es scheint keinen zu geben! Von den Schaltern ist einer frei und es sitzt dort eine nette Dame. Ich lasse meine Koffer stehen und gehe kurz zu ihr um mal zu fragen wo es den lang geht. Sie erklärt es mit kurz und bündig, es sind ein paar hundert Meter zu laufen. Als ich mich umdrehe stehe ich vielleicht 6 oder 7 Meter von meinen Koffern entfernt. Und wer steht neben den Koffern? Zwei Sicherheitsbeamte! Entweder haben sie Angst ich könnte versuchen was zu sprengen oder sie wollen verhindern, dass sich jemand die Koffer unter den Nagel reißt. Ich denke es ist Letzteres – ich liebe Amerika!

Und weiter geht es, nach einigen anstrengenden Metern bin ich dann am richtigen Terminal. Drinnen ist komisch weicher blau grau gemusterter Teppichboden. Die Koffer lassen sich nur schwer darauf rollen. Fast wie in den Motel-Zimmern. Warum ist das so?

Nach einigem Hin und Her habe ich dann den Condor-Schalter gefunden. Es ist 13h, es sind noch vier Stunden bis Abflug – ich bin viel zu früh! Eine ältere Dame mit gelbem Condor-Tuch um den Hals fragt mich auf Englisch ob ich ein Business- oder Firstclass-Ticket habe. Ich antworte brav auf Englisch, dass ich nur den Schalter für den Flug nach Frankfurt suche und dass ich einer dieser Premium-Economy-Typen bin. In feinstem Deutsch weist sie mir dann den Weg zum Ende der sicher 50 Meter langen Schlange… Doch kein Early Bird…

Nach einer Stunde bewegt sich die Schlange dann. Um etwa 14h bin ich bei der Sicherheitskontrolle. Alles ausziehen, ok, fast alles! Schuhe, Gürtel, Uhr, Laptop auspacken und so weiter. Die Flasche sieht gefährlich aus, sie wird separat kontrolliert! Ich fingere die Müller-Drogerietüte aus dem Fotorucksack. Drinnen sind 29 Filme (einen habe ich wohl verloren) und sie sind in transparenten Melitta Gefrierbeuteln mit “Zipper” zu jeweils fast 10 Filmen verpackt. 10x Velvia 50, 9x Velvia 100, 10x Ektar 100… Ich bitte darum die Filme manuell zu kontrollieren. “Is this high speed material?” Nein ist es nicht, aber es war schon viermal in diesen Maschinen! Das ist natürlich voll gelogen, die Filme sind noch jungfräulich – aber wer will das jetzt kontrollieren? Der Trick funktioniert – die Filme werden wirklich Stück für Stück einzeln kontrolliert. Am Ende gibt er mir eine dieser großen Plastikschalen, drinnen liegen 29 Deckel, 29 Plastikdosen, 29 Filmdosen und vier Plastiktüten – Ich liebe Amerika! 🙂

Dann geht es zum Gate 6. Der Flughafen ist nicht größer als der auf Teneriffa – alles ist ganz einfach hier. Ich schleiche suchend um die Ecken, aha – dort ist sogar eine Steckdose! Den Adapter habe ich vorsorglich in der Notebook-Tasche – es ist sogar Strom drauf! Der Stecker hängt zwar gefährlich locker in der Wand, aber es klappt.

So sitze ich nun hier auf dem Boden des Flughafens in Las Vegas. Vor mir blau grauer Teppichboden mit roten Dreiecken – schick! Das WLAN funktioniert super gut – mein BLOG von gestern konnte ich eben schon hochladen.